Sie sind auf Seite 1von 54

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert

Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Projekt

Rotorblatt

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau Projekt Rotorblatt Nina ‐ Alexadra Indorf Frank

NinaAlexadra Indorf Frank Sellmann SS 2008

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert

Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Inhaltsverzeichnis

1

Einleitung

............................................................................................................................... ...............

1

2

Aufgabenstellung

............................................................................................................................... ...

3

  • 3 Bauteilbeschreibung

.............................................................................................................................

4

Material

  • 4 ............................................................................................................................... .................

5

  • 5 Beanspruchungsanalyse

.......................................................................................................................

6

  • 5.1 Allgemeine Berechnungsformeln

..................................................................................................

6

  • 5.2 Festlegung der Lastfälle

.................................................................................................................

8

  • 5.3 Lasten für L1 Parkstellung

...........................................................................................................

11

  • 5.4 Lasten für L2 Produktionsbetrieb

................................................................................................

14

6

Berechnungen

............................................................................................................................... .....

20

  • 6.1 PreProcessing in MSC Patran®2005

...........................................................................................

20

Vorbereitungen

  • 6.1.1 ....................................................................................................................

20

  • 6.1.2 Importieren der CADDaten

.................................................................................................

22

  • 6.1.3 ...........................................................................................................................

Vernetzung

24

  • 6.2 Materialerstellung

.......................................................................................................................

28

  • 6.2.1 Erstellung der Grundwerkstoffe ...........................................................................................

28

  • 6.2.2 Erstellung des Laminats

........................................................................................................

30

  • 6.2.3 Zuordnung der Materialien

..................................................................................................

33

6.3

Lagerung

............................................................................................................................... .......

37

  • 6.4 Berechnung Parkstellung (L1)

......................................................................................................

38

  • 6.4.1 Zuordnung der Kräfte L1

......................................................................................................

38

  • 6.4.2 Berechnung L1 ......................................................................................................................

39

6.4.3 Ergebnis L1

...........................................................................................................................

40

  • 6.4.4 Auswertung der Ergebnisse Lastfall L1

.................................................................................

43

  • 6.5 Berechnung Produktionsbetrieb (L2)

..........................................................................................

44

  • 6.5.1 Zuordnung der Kräfte L2

......................................................................................................

44

  • 6.5.2 Berechnung L2 ......................................................................................................................

47

  • 6.5.3 Ergebnis L2

...........................................................................................................................

47

  • 6.5.4 Auswertung der Ergebnisse Lastfall L2

.................................................................................

49

  • 7 Fazit……………………………………………………………………………………………………………………………………………….50

  • 8 Verzeichnisse

51

  • 8.1 Literaturverzeichnis

51

  • 8.2 Abbildungsverzeichnis .................................................................................................................

51

  • 8.3 Tabellenverzeichnis

52

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert

Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

1 Einleitung

Dieses Projekt beschäftigt sich mit der FEM Berechnung eines Rotorblattes einer Windkraftanlage. Zunächst wird beschrieben, wann eine FEM Berechnung zum Einsatz kommt, wie sie funktioniert und was für eine FEM Berechnung notwendig ist. Da es mit der technischen Mechanik nicht möglich ist, komplexe Zusammenhänge und komplizierte Geometrien in realen Systemen ganzheitlich zu erfassen und mit Hilfe von Differentialgleichungen zu lösen, wird oftmals ein stark vereinfachtes Modell des Problems geschaffen. Da diese Ergebnisse allerdings oftmals mit großen Abweichungen von der Realität behaftet sind, ist es notwendig, die Bauteile so realitätsnah wie nötig für die Betrachtung aufzubereiten. Dieses geschieht bei der FEM indem das zu berechnende Bauteil in eine beliebig große Anzahl von Elementen geteilt wird, welche analytisch lösbar sind. Die Anzahl der Elemente ist finit (endlich). Das Bauteil wird durch die Geometrie der Elemente, welche durch Knoten an Endund Eckpunkten miteinander verbunden sind definiert. Für diese einfachen Elemente können theoretische Beziehungen z.B. zwischen den Kräften und Verformungen an den Randknoten formuliert werden. Des Weiteren können für die Elemente Materialeigenschaften zugeordnet werden. Aus den Verknüpfungen der Elemente ergibt sich ein endliches Gleichungssystem für das Modell. Nach der Lösung des Gleichungssystems, mit Hilfe eines Rechners, erhält man für jeden Knoten die Verschiebungen und Verdrehungen und kann daraus die Knotenkräfte, Elementverformungen, innere Kräfte und Spannungen im jeweiligen Element bestimmen. Das Gesamtverhalten des Bauteils wird durch die Gesamtheit der Elemente ausgedrückt. Es handelt sich also um ein Näherungsverfahren mit Abweichungen von der exakten Lösung. Dafür können jedoch komplexe Probleme berechnet werden, die durch die traditionelle Mechanik nicht mehr gelöst werden können. Daher kommt die FEM oftmals zum Einsatz wenn folgende Aufgaben vorliegen:

Komplizierte Geometrie

Überlagerte Lastfälle

Unübersichtliche Randbedingungen

Verschiedenartige Werkstoffgesetze

Um eine FEM Berechnung durchführen zu können, sind drei Bausteine notwendig: PreProzessor, FEMUniversalprogramm, PostProzessor. Zunächst wird ein CAD Modell erstellt. Dieses kann mit Hilfe des PreProzessors oder eines CADSystems geschehen. In diesem Projekt wird das 3D Modell mit Hilfe eines CADSystems erstellt. Das in Solid Edge V19 erstellte Modell wird über eine entsprechende Schnittstelle (IGES Format) in den PreProzessor geladen.

Seite 1

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert

Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Als PreProzessor wird MSC.Patran® 2005 genutzt. Dieser hat die Aufgabe ein sinnvolles Netz zu erzeugen, die Elementund Materialdaten zuzuweisen sowie die Kräfte und Randbedingungen einzubringen. Des Weiteren können mit Hilfe des PreProzessors auch bereits vorhandene Modelle bearbeitet werden. Ist das System bestimmt, kann dieses mit Hilfe eines numerischen Gleichungslösers bearbeitet werden. Dieses wird mit Hilfe eines FEMUniversalprogramms, in diesem Fall MSC.Nastran® 2005, durchgeführt. Abschließend wird für die Ergebnisausgabe ein PostProzessor benötigt. Diese Aufgabe übernimmt MSC.Patran® 2005. Der PostProzessor stellt die verformte Struktur sowie die Dehnungen und Spannungen in der Struktur graphisch dar. Hierzu werden Farbbilder genutzt, die einen Überblick über die herrschenden Verhältnisse geben. In Abbildung 1 sind die Schritte zur FEM Berechnung nochmals dargestellt.

CAD-System (Solid Edge V19) Schnittstelle (IGES) Pre-Prozessor (MSC.Patran) FEM-Universalprogramm (MSC.Nastran) Post-Prozessor (MSC.Patran) Abbildung 1 Schritte zur
CAD-System (Solid Edge V19)
Schnittstelle
(IGES)
Pre-Prozessor (MSC.Patran)
FEM-Universalprogramm (MSC.Nastran)
Post-Prozessor (MSC.Patran)
Abbildung 1 Schritte zur FEM Berechnung

Seite 2

Prof. Dr .-Ing. Uwe

r

R

Reinert

Struktur mechanik un d Simulation Fachber eich Maschi nenbau

m

r

n

n

n

Prof. D r .-Ing. Uwe r R Reinert Struktur mechanik un d Simulatio n Fachber eich

2 Aufg abenstel lung

Das zu bearbeiten de Bauteil ist ein Ro torblatt ei ner Winde nergieanlag e, welches eingespannt is t. Dieses s oll unter zw ei Belastun gsfällen un tersucht w erden:

Parkstellun g (Rotor im Stillstand)

( L1)

Produktion sbetrieb

( L2)

Bei dem Lastfall im Produktio nsbetrieb e rfolgt die A uslegung n ach der Da uerfestigkei t, da die dort au ftretenden Belastunge n dynamis ch sind und sehr häuf ig auftrete n. Der Lastf all Parkstellung wird nach der Bruchf estigkeit (st atische Fes tigkeit) dim ensioniert . Um das Rotorblatt mit Hilfe d er FEM ana lysieren zu können, is t es notwe ndig Ausleg ungsparamete r festzulege n, das Rot orblatt zu k onstruiere n, werkstof fspezifische Kennwert e festzulegen u nd Beanspr uchungen z u ermittel n. Mit Hil fe der FEM Berechnu ngen sollen die auftre tenden Ve rformunge n und Spa nnungen errechn et werden.

Prof. D r .-Ing. Uwe r R Reinert Struktur mechanik un d Simulatio n Fachber eich

Abbi ldung 2 Beispi el einer Winde nergieanlage [ 6], [7]

Seite 3

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert

Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

3 Bauteilbeschreibung

Der Durchmesser des Rotors wird auf 8 m festgelegt. Bei diesem Durchmesser kann ein einfacher Rotorblattaufbau ohne inneren Holm realisiert werden. Die beiden Rotorblatthalbschalen nehmen die auftretenden Kräfte auf. Die Rotorblattanzahl wird auf 3 festgelegt, da bei 3 Rotorblättern geringere dynamische Unwuchten als bei 1 oder 2 Blattrotoren zu erwarten sind. Als Masthöhe bzw. Nabenhöhe werden 18 m festgelegt. Diese Höhe stellt einen sinnvollen Kompromiss zwischen Mastkosten und Ertrag der Anlage dar. Die Geometrie des Rotorblatts wird durch 6 unterschiedliche Profile beschrieben. Diese Profile wurden aus der NACA 44er Reihe ausgewählt, da sie auf Änderungen der Anströmverhältnisse nicht so empfindlich reagieren wie Hochleistungsprofile.

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau 3 Bauteilbeschreibung Der Durchmesser des Rotors wird

Abbildung 3 Konstruiertes Rotorblatt aus Solid Edge

Am Rotorblattfuß kommt das relativ dicke Profil NACA 4424 zum Einsatz. Dieses ist notwendig um die hohen Biegemomente aufzunehmen. Der hohe Strömungswiderstandsbeiwert spielt hierbei eine untergeordnete Rolle, da am Rotorblattfuß nur kleine resultierende Windgeschwindigkeiten herrschen. Zur Blattspitze hin kommen die dünneren und strömungstechnisch günstigeren NACA 4421/4418/4415 Profile zum Einsatz. Der Profilwinkel wurde so gewählt, dass ein großer Auftriebsbeiwert und ein kleiner Widerstandsbeiwert wirken. Somit ergaben sich folgende Geometriedaten für die Konstruktion (Abbildung 3) des Rotorblattes (Tabelle 1).

Profil

Abstand von Nabe

Verschiebung

Profiltiefe

Profilwinkel

Kreis

0

  • 0 0,25

 

0

Kreis

0,10

  • 0 0,25

 

0

NACA 4424

0,75

  • 0 0,57

 

-17

NACA 4424

1,38

  • 0 0,40

 

-7

NACA 4421

2,00

  • 0 0,30

 

-3

NACA 4418

3,00

  • 0 0,22

 

-1

NACA 4415

3,80

  • 0 0,19

 

0

Winglet (4415)

4,00

0,070

0,18

0

Tabelle 1 Geometriedaten des Rotorblattes

Seite 4

Prof. Dr .-Ing. Uwe

r

R

Reinert

Struktur mechanik un d Simulation Fachber eich Maschi nenbau

m

r

n

n

n

Prof. D r .-Ing. Uwe r R Reinert Struktur mechanik un d Simulatio n Fachber eich

4 Mat erial

Das Ro torblatt be steht aus einem Fase rverbundw erkstoff. E in Faserver bundwerks toff besteht a us zwei Hau ptkompon enten. Eine einbettend e Matrix u nd eine ver stärkende Faser. Es handelt sich hierb ei um einen Mehrphas enoder M ischwerkst off. Durch gegenseitig e Wechselwirk ungen der beiden Kom ponenten erhält dies er Werksto ff höherwe rtige Eigen schaften als jede r der einzel n beteiligte n Kompon enten [8]. Es wird die Gruppe der Lamin ate in Betr acht gezoge n, da diese alle Vortei le der indiv iduellen Faserau srichtung nutzen. Sie bestehen aus mehr eren übere inandergel egten Fase rmatten mir un terschiedlic her Haupt faserrichtu ng. Bei de r Matrix k önnen Du roplasten als auch Thermo plasten ein gesetzt we rden. Die Duroplaste n werden u ngehärtet verarbeitet und anschließ end vernet zt. Sie sind nicht sch melzbar. Im ungehärt eten Zusta nd weisen sie eine geringe Viskosität auf, wodur ch eine se hr gute Ben etzung der Verstärku ngsfaser un d damit eine ho he Festigund Steifig keit erreich t wird. Die thermopla stischen W erkstoffe h ingegen, weisen eine hohe Viskosität auf, so dass eine schle chtere Ben etzung sta ttfindet un d sie dadurch g eringere F estigkeitsund Steifig keitskennw erte erhal ten. Hinzu kommt, da ss Thermoplas ten wieder aufschmelz bar sind, eine unbeg renzte Lag erfähigkeit besitzen u nd eine einfach e Verarbeit ung möglic h ist.

Matrixwerkstoff e duroplastisch thermoplastisc h pertochem isch natürli ch pertoche misch natü rlich z. B. z.
Matrixwerkstoff e
duroplastisch
thermoplastisc h
pertochem isch
natürli ch
pertoche misch
natü rlich
z. B.
z. B. E poxidharz
z. B . Tribest
z. B. P olypropylen,
Po lyethylen
the rmoplastische
Stärke

Abbildung 4 Ü bersicht der M atrixwerkstoff e

Bei den Matrixwe rkstoffen ( Abbildung 4) wird ve rstärkt in Richtung u mweltvert räglicher Werkst offe entwic kelt. Dabe i geht es um die Ge winnung de r Matrixw erkstoffe a us nachwachse nden Rohst offen. So b esteht die Möglichkei t duroplasti sche Kunst stoffe auf B asis von Pflanze nöle oder Z uckerderiv aten herzus tellen, bei thermoplas tischen Ku nststoffen auf Basis von Stä rke und Zel lulose [8].

Seite 5

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert

Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

5 Beanspruchungsanalyse

Bei der Beanspruchungsanalyse werden die einzelnen Lastfälle festgelegt und anschließend werden die Kräfte der einzelnen Lastfälle berechnet. Zuvor werden allerdings die Anströmverhältnisse als auch die Geometrie des Rotors erläutert.

5.1 Allgemeine Berechnungsformeln

Im Folgenden werden die Anströmverhältnisse berechnet. Die Grundlagen dieser Berechnung werden aus [2], [3] und [4] entnommen. Im Anschluss werden die Profiltiefen und Profilbreiten berechnet.

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau 5 Beanspruchungsanalyse Bei der Beanspruchungsanalyse werden die

Abbildung 5 Windgeschwindigkeiten, Winkel und Kräfte am Rotorblatt

In der Abbildung 5 sind die Windgeschwindigkeiten und Kräfte am Rotorblatt dargestellt. Die Umfangsgeschwindigkeit v u ergibt sich aus der Drehzahl der Rotors n r und dem Abstand r von der Achse der Nabe.

Umfangsgeschwindigkeit · ·

Die Schnelllaufzahl wird mit dem Quotienten aus der Umfangsgeschwindigkeit v u und der Windgeschwindigkeit v w berechnet.

Schnelllaufzahl λ =

Der Winkel α re der resultierenden Windgeschwindigkeit ergibt sich aus

Winkel der resultierenden Windgeschwindigkeit

  • 2
    3 · arctan 1

Die resultierende Windgeschwindigkeit v re wird aus der Windgeschwindigkeit v w , der Umfangsgeschwindigkeit v u und dem Winkel α re berechnet.

Seite 6

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert

Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Resultierende Windgeschwindigkeit

· cos

1

3

·

Berechnung der Profiltiefe und Profilbreite des Rotorblattes

Profiltiefe Die Profiltiefe wird aus der Tabelle „Geometriedaten des Rotorblattes“ (Tabelle 1) entnommen

Profilbreite

Die Profilbreite berechnet sich aus den Abständen der einzelnen Profilen zur Nabe

für 1 x 6 Beispiel für Profilabschnitt 1

Die Beiwerte für den Widerstand als auch für den Auftrieb werden aus einer Kennlinie abgelesen (Abbildung 6).

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau • Resultierende Windgeschwindigkeit · cos 1 3

Abbildung 6 Widerstands, Auftriebsbeiwerte

Seite 7

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert

Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Zur Berechnung der angreifenden Kräfte wird das Rotorblatt in 6 Profilabschnitte unterteilt (Abbildung 7). Bei der Berechnung werden die Kräfte an den einzelnen Profilabschnitten durch Indizes zugeordnet.

1 2 3 4 5 6
1
2
3
4
5
6

Abbildung 7 Einteilung in Profilabschnitte

Bei der Berechnung der Kräfte werden immer die maximalen Radien vom Abstand der Nabe zum Profilabschnitt verwendet. Dieses wird so gewählt, da der Kräfteverlauf nicht bekannt ist und somit von der stärksten Belastung ausgegangen wird.

5.2 Festlegung der Lastfälle

Die Auslegung der Windenergieanlage erfolgt nach der Normalsicherheit, diese ist in der DIN IEC 88/82/CDV festgelegt. Dies bedeutet, dass ein Ausfall der Anlage oder von Teilen der Anlage zu einer Gefährdung von Personen führt oder wirtschaftliche und soziale Folgen hat. Hier werden folgende Lastfälle berücksichtig:

Produktionsbetrieb

Produktionsbetrieb und Auftreten eines Fehlers Start der Anlage Normale Abschaltung Notabschaltung

Parken (Stillstand oder Leerlauf)

Extreme Windgeschwindigkeit

Extreme Windböe im Betrieb

Für Windenergieanlagen ist dieser Berechnungsaufwand sehr groß, deshalb werden für Windenergieanlagen mit einer überstrichenden Rotorfläche von bis zu 40 m 2 vereinfachte Sicherheitsanforderungen festgelegt. In diesem Projekt wird die Auslegung nach den vereinfachten Sicherheitsanforderungen durchgeführt. Bei den auftretenden Windgeschwindigkeiten wird dabei zwischen Nennwindgeschwindigkeit v wne und extremer Windgeschwindigkeit v wex unterschieden. Die Nennwindgeschwindigkeit ist für jede Windenergieanlage unterschiedlich. Es handelt sich hierbei um die Geschwindigkeit, mit der eine Anlage im Nennleis

Seite 8

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert

Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

tungsbetrieb arbeitet. Für die vorliegende Anlage entspricht dies einer Geschwindigkeit von v wne = 11 m/s und die extreme Windgeschwindigkeit ist mit v wex = 35 m/s festgelegt.

Lastfälle für kleine Windenergieanlagen

Lastfall

Beschreibung

Auslegung

Sicherheits­

nach

faktor S

 

A Produktionsbetrieb

 

A1 = L2

Um Nennwindgeschwindigkeit zyklisch schwankend

Dauerfestigkeit

1,25

A2

Maximal mögliche Gierbeschleunigung bei Nennwindgeschwindigkeit

Bruchfestigkeit

3

A3

Unterbrechung der elektrischen Verbindung bei extremer Windgeschwindigkeit

Bruchfestigkeit

3

B Abschaltung

B1

Normale Abschaltung bei Nennwindgeschwindigkeit

Bruchfestigkeit

3

C Parkstellung (Rotor im Stillstand)

 

C1 = L1

Geringste Angriffsfläche bei 1,4 fachen der extremen Windgeschwindigkeit v wex

Bruchfestigkeit

3

C2

Größte Angriffsfläche bei extremer Windgeschwindigkeit

Bruchfestigkeit

3

Tabelle 2 Lastfälle für WKA mit Sicherheitsfaktor

Die Auslegung für den Lastfall A1 erfolgt nach der Dauerfestigkeit, da die dort auftretenden Belastungen dynamisch sind und sehr häufig auftreten. Alle anderen Lastfälle werden nach der Bruchfestigkeit dimensioniert, da diese sehr selten auftreten. Für den Lastfall C1 entspricht die angenommene Windgeschwindigkeit, der Windgeschwindigkeit einer Böe, die einmal in 50 Jahren auftritt.

In diesem Projekt werden die Lastfälle A1 und C1 betrachtet, da diese Lastfälle die kritischsten sind. Da bei dieser Ausarbeitung die angenommene Windenergieanlage keine Einrichtung für die Fahnenstellung der Rotorblätter, aus dem Wind drehen, bei extremen Windgeschwindigkeiten hat, ist die Angriffsfläche der Lastfälle C1 und C2 gleich groß. Sie entspricht

Seite 9

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert

Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

der Angriffsfläche, welche die Anlage bei Betrieb im Nennlastbetrieb hat. Daher schließt der Lastfall C1 den Lastfall C2 mit ein.

Im Weiteren werden die Lastfälle A1 = L2 und C1 = L1 benannt.

Für die Lastfälle gelten nach Art der Belastung Teilsicherheitsbeiwerte, diese sind in DIN ENV 614001 festgelegt (Tabelle 3).

Teilsicherheitsbeiwerte

Lastart

Beschreibung

Teilsicherheitsbeiwert

Aerodynamisch

Auftriebsund Widerstandskraft

S Ta = 1,3

Schwerkraft

Rotorblattgewicht

S Ts = 1,1

Trägheitskraft

Radialkraft durch Rotordrehung

S Tt = 1,2

Tabelle 3 Teilsicherheitsbeiwerte

Seite

10

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert

Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

5.3 Lasten für L1 Parkstellung

Folgende Annahmen werden für die Parkstellung getroffen

Rotordrehzahl:

0

Extreme Windgeschwindigkeit:

35 /

Windgeschwindigkeit:

1,4 ·

Winkel von v re :

90°

Dichte von Luft

:

1,204 /

Berechnung der einzelnen Komponenten:

Umfangsgeschwindigkeit

0

· ·

μ =

0

43,30

· cos

o Auftriebskraft

 

2

·

0

o Widerstandskraft

 

2

·

Schnelllaufzeit

Resultierende Windgeschwindigkeit

  • 1
    3 ·

Berechnung der statischen Kräfte

·

· ·

o Schubkraft · cos · sin

· · ·

o Gewichtskraft ·

Seite

11

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert

Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Berechnung der Widerstandskraft für die einzelnen Profilabschnitte

o Profilabschnitt 1

2

·

· · ·

585,44

o Profilabschnitt 2

·

· · ·

398,27

o Profilabschnitt 3

·

· · ·

293,90

o Profilabschnitt 4

·

· · ·

347,63

o Profilabschnitt 5

·

· · ·

240,18

o Profilabschnitt 6

·

· · ·

56,88

Berechnung der Gewichtskraft o Die Berechnung der Gewichtskraft erfolgt über die Funktion Inertial Load in MSC.Patran® (vgl. 6.4.1)

Die Belastungen bestehen somit lediglich aus den statischen Kräften

Gewichtskraft F g

Schubkraft F s = Widerstandskraft F wi

Seite

12

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert

Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Die Gewichtskraft F g wirkt in Richtung des Erdmittelpunktes. Die an den Profilabschnitten angreifende Kraft ist die Schubkraft F s , sie wirkt in die gleiche Richtung der zAchse und führt somit zu einer Verformung des Blattes in Richtung Turm. Die größten Spannungen entstehen am rechten Rotorblatt, da dort die Gewichtskraft F g den größten Hebelarm gegenüber der zAchse hat und damit das größte Biegemoment erzeugt.

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau Die Gewichtskraft F wirkt in Richtung des

Abbildung 8 Angreifende Kräfte Parkstellung

Somit ergeben sich folgende Belastungen für die Parkstellung

Belastung

Belastungsaufbringung

Eingabewert

Teilsicherheitsbeiwert

Gewichtskraft

Inertial Load

1,1

F g

(+yRichtung)

Schubkraft F s

Pressure (Top Surf Pressure)

/

1,3

Tabelle 4 Belastungen Parkstellung

Seite

13

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert

Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

5.4 Lasten für L2 Produktionsbetrieb

Folgende Annahmen werden für den Lastfall Produktionsbetrieb getroffen

Rotordrehzahl:

Windgeschwindigkeit:

Winkel von v re :

Dichte von Luft:

2,75 11 /

1,204 /

Während des Produktionsbetriebs wirken folgende Kräfte auf die Rotorblätter:

Gewichtskraft Radialkraft

Schubkraft

Umfangskraft

Diese Kräfte sind in Abbildung 9 angetragen.

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau 5.4 Lasten für L2 Produktionsbetrieb Folgende Annahmen

Abbildung 9 Belastungen Lastfall L2

Berechnung der einzelnen Kräfte:

Gewichtskraft ·

Radialkraft · · · 2 · · ·

Schubkraft · ·

Seite

14

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert

Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Umfangskraft · ·

Im Folgenden werden die Kräfte, die an den einzelnen Profilabschnitten wirken, berechnet.

Gewichtskraft o Die Berechnung der Gewichtskraft erfolgt über die Funktion Inertial Load in MSC.Patran ® (vgl. 6.5.1) Radialkraft o Die Berechnung der Radialkraft erfolgt über die Funktion Inertial Load in MSC.Patran ® (vgl. 6.5.1) Schubkraft · ·

Zur Berechnung der Schubkraft werden zunächst die Auftriebskräfte , die Widerstandskräfte und der Winkel der resultierenden Windgeschwindigkeit berechnet.

Resultierender Winkel der Windgeschwindigkeit

  • 2
    3 · 1

Schnelllaufzahl

12,96 23,84

34,56

51,84

65,66

Umfangsgeschwindigkeit · ·

· ·

· ·

· ·

· ·

· ·

· · 69,11

Seite

15

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert

Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Schnelllaufzahl

1,18

2,17

3,14

4,71

5,97

6,28

Resultierender Winkel der Windgeschwindigkeit

  • 2
    3 · 1

  • 2
    3 26,85°

·

1

  • 2
    3 ·

1

16,49°

  • 2
    3 ·

1

11,78°

  • 2
    3 ·

1

7,99°

  • 2
    3 ·

1

6,34°

  • 2
    3 · 6,03°

1

Berechnung der Widerstandskräfte

2

·

· · ·

1,2

· cos

1

3

·

· cos

1

3

·

16,95

· cos

1

· 26,13

3

Seite

16

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert

Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau
 

· cos

  • 1

·

36,18

  • 3

· cos

  • 1

·

52,94

  • 3

· cos

  • 1

·

16,95

  • 3

· cos

  • 1

· 16,95

  • 3

 

Nach Rotorblattgeometriedaten (Tabelle 1)

 

Nach Rotorblattgeometriedaten (Tabelle 1)

Nach Abbildung 6

2

·

·

·

· 57,67

2

·

·

·

· 31,07

2

·

·

·

·

14,69

2

·

·

·

·

1,86

2

·

·

·

·

0,04

2

·

· · · 0,01

Berechnung der Auftriebskräfte

2 ·

· · ·

1,204

(siehe Widerstands

kräfte)

Nach Rotorblattgeometriedaten (Tabelle 1)

Nach Rotorblattgeometriedaten (Tabelle 1)

Seite

17

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert

Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Uwe Reinert Strukturmechanik und Simulation Fachbereich Maschinenbau

Nach Abbildung 6

2

·

· · ·

80,10

2

·

· · ·

160,54

2

·

· · ·

197,87

2

·

· · ·

463,98

2

·

· · ·

364,51

2

·

· · ·

79,5

Schubkraft

o

o

o

o

o

o

·

· 97,51

·

· 162,76

·

· 196,70

·

· 459,73

· · 362,29