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Die Schatten der Vergangenheit kehren zurück (Wirtschaft, Aktuell, NZZ Online)

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zurück (Wirtschaft, Aktuell, NZZ Online) Page 1 of 2 Mittwoch, 14. Mai 2008, 02:03:09 Uhr, NZZ

Mittwoch, 14. Mai 2008, 02:03:09 Uhr, NZZ Online

Nachrichten Wirtschaft Aktuell

13. Mai 2008, 16:06, NZZ Online

Die Schatten der Vergangenheit kehren zurück Apartheidklagen gegen Schweizer

Banken zurück auf dem Tisch

n S c h w e i z e r Banken zurück auf dem Tisch Südafrika

Südafrika sprach sich gegen die Klagen aus - weil das Land auf Ausländer angewiesen ist. (Bild: Reuters)

Wegen Befangenheit von vier Richtern am obersten Gericht in den Vereinigten Staaten konnte der Supreme Court keine beschlussfähige Mehrheit zum Antrag auf Abweisung der Apartheidklage fassen. Eigentlich war die Klage gegen 50 Konzerne, darunter die UBS und die Credit Suisse, Novartis und die Ems-Chemie, vor dreieinhalb Jahren definitiv vom Tisch. Jetzt sind die Schatten der Vergangenheit zurückgekehrt.

Von Zoé Baches Am Montag hat das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten von Amerika bekannt gegeben, dass es im Fall der Abweisung der Apartheidklagen zu keiner beschlussfähigen Mehrheit gelangt ist. Im Gremium von insgesamt neun Richtern hatten sich vier als befangen erklärt – weil sie selber Aktien von einem der angeklagten Unternehmen besitzen oder aber weil Familienmitglieder in einer dieser Firmen arbeiten. Die Folge: Die Apartheidklagen, benannt nach dem System der Rassentrennung, das zwischen 1948 bis 1994 in Südafrika herrschte, sind zurück auf dem Tisch.

Hohe Wellen im Jahr 2002

In den letzten dreieinhalb Jahren war es sehr ruhig geworden zu diesem Thema, das als erledigt galt.

Angefangen hatte alles im Sommer und Herbst 2002. Damals reichten insgesamt 37 auf Sammelklagen spezialisierte US-Anwaltskanzleien, darunter die hierzulande bekannten Anwälte Michael Hausfeld und Ed Fagan, vor Gerichten in New York und Washington die Apartheidklagen ein. Für ihre südafrikanischen Klienten forderten sie Schadenersatz in Höhe von total 440 Milliarden US-Dollar. Für Europäer eine horrend hohe Zahl, im amerikanischen Rechtssystem ganz normal.

Angeklagt wurden 50 Konzerne, darunter IBM, General Motors, Ford und Deutsche Bank aber auch Schweizer Unternehmen wie UBS, Credit Suisse, Holcim, Ems-Chemie, Novartis, Nestlé, Unaxis (heute OC Oerlikon) und Sulzer. Ihnen wurde vorgeworfen, mit ihren Geschäften mit dem Apartheidregime dessen Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen ermöglicht und verlängert zu haben.

Sehr extensive Auslegung

Möglich war die Klage, weil US-Gerichte ihre Zuständigkeit sehr extensiv auslegen. Sie sind überzeugt, dass die Gesetzgebung und die Rechtsprechung der USA einen hohen moralischen Standard ausweisen. Wenn direkte oder indirekte Verbindungen zu den USA bestehen, kann sich ein US-Gericht auch für Klagefälle in einem anderen Land, in diesem Fall Südafrika, als zuständig erklären. Die beklagten Unternehmen sind alle international tätig und verfügen meist über Tochtergesellschaften in den USA.

Für die US-Anwälte sind derartige Sammelklagen besonders interessant, nicht zuletzt wegen der Erfolgshonorare, die 20%, 30% oder 40% der erstrittenen Summen ausmachen können.

Grosser Medienrummel

Ein grosser Medienrummel folgte. Selbst der südafrikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu meldete sich zu Wort und forderte die angeklagten Banken zu einer freiwilligen Wiedergutmachung für ihre Geschäfte mit Südafrika während der Apartheid auf.

Die Situation beruhigte sich erst nach einem offiziellen Schreiben der südafrikanischen Regierung an die US- Justizbehörde vom 2. August 2003. Darin bat sie, die Sammelklagen abzuweisen, da so Direktinvestitionen von ausländischen Unternehmen verhindert würden, auf die Südafrika dringend angewiesen sei. Als Anfang Dezember

2004 erneut ein US-Richter sein Gericht als für nicht zuständig erklärte, titelten die Zeitungen denn auch «Aus für

Apartheidklagen».

Rechtlich auf schwachen Füssen

Auf schwachen Füssen stand stets auch die rechtliche Argumentation. So ist beispielsweise eine Schweizer Bank kein Völkerrechtssubjekt. Kann sie als solche von einem US-Anwalt wegen ihrer Geschäfte mit dem Apartheidregime angeklagt werden, solange sich diese Handeslbeziehungen mit der damaligen Landespolitik deckten?

Die Schweiz beteiligte sich nie an den Sanktionen der Uno gegen Südafrika, verhängte jedoch ab 1963 ein Waffenembargo gegen Pretoria (Hauptstadt von Südafrika) und die Kapitalausfuhr wurde im selben Jahr auf den sogenannten Courant normal – die Beibehaltung des Handeslvolumens der vorhergegagenen Jahre – beschränkt. Ein

Übergriff auf Individuen und damit auf Banken wäre nur dann möglich gewesen, wenn sich die Schweiz völkerrechswidrig verhalten hätte. Als damaliges Nichtmitglied der Uno war die Schweiz jedoch nicht verpflichtet, die

1977 von der Uno gegen Südafrika verhängten völkerrechtlichen Sanktionen mitzutragen.

Offenkundige Menschenrechtsverletzungen

http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/die_schatten_kehren_zurueck_1.732

14.05.2008

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Übergriffsmöglichkeiten, so waren sich mehrere Rechtsprofessoren einig, würden sich nur im Falle von offenkundigen Menschenrechtsverletzungen ergeben. Eine Nichtmitgliedschaft in der Uno würde dann nicht vor Sanktionen schützen.

Die Klageschrift argumentiert zudem, dass die Banken gewusst haben sollten, dass die von ihnen finanzierte südafrikanische Infrastuktur zu Menschenrechtsverletzungen benutzt würde. Dies ist erneut schwierig zu beweisen, denn im Gegensatz zu den Holocaust-Klagen, fehlt der direkte Bezug zwischen Kläger und Opfer.

In der Schweiz nahm die von Beginn weg kompromisslose Haltung von UBS und Credit Suisse den Klägern viel Wind aus den Segeln. Off-the-Record hatten die Grossbanken einen allfälligen Vergleich, auf den die Anwälte ähnlich wie bei den Holocaust-Klagen spekulierten, stets ausgeschlossen.

Zurück auf dem Tisch

Trotzdem: Das Thema ist zurück auf dem Tisch. Nachdem in den letzten Jahren weitere Richter ihre Gerichte als nicht zuständig erklärt hatten, ging das US-Berufungsgericht im Oktober 2007 nicht auf den Einspruch der beklagten Parteien ein, die Klagen abzuweisen. Dies obwohl die Angeklagten sowohl von der Bush-Regierung als auch von verschiedenen Wirtschaftsverbänden unterstützt wurden.

Die Unternehmen legten gegen diesen Beschluss Mitte Januar 2008 Einspruch beim Obersten Gerichtshof ein. Jetzt «sind wir enttäuscht, dass die Richter des Obersten Gerichts keine beschlussfähige Mehrheit gefunden haben» sagte UBS-Sprecherin Sabine Woessner zu NZZ Online. Dennoch sei die UBS zuversichtlich, dass die Klagen abgewiesen werden, die Bank werde weiterhin alle Optionen verfolgen.

Es gibt jetzt mehrere Möglichkeiten, wie es weitergeht, am wahrscheinlichsten ist, dass der Fall zurück ans Berufungsgericht geht. Klar ist, dass das eigentlich abgelegte Kapitel Apartheidklagen wieder geöffnet werden muss. Die rechtliche Situation bleibt aber die gleiche: Wenn die Kläger keine neuen Beweise gefunden haben und die angeklagten Firmen an ihrer Haltung, keinen Vergleich einzugehen, festhalten, wird es für die Sammelkläger sehr schwierig werden.

wird es für die Sammelkläger sehr schwierig werden. Aktuell: Sammelklage gegen UBS eingereicht Link:

Aktuell: Sammelklage gegen UBS eingereicht Link:

http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/sammelklage_gegen_ubs_in_den_usa_eingereicht

1.732342.html

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14.05.2008