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Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach Digital Strategy Specialist

25.03.12

Graswurzelbewegungen – Mehr Macht für die Basis?
Vortrag auf dem Kolloquium der Walter-Raymond-Stiftung: „Digitale Demokratie, Netzfreiheiten, plebiszitäre Kampagnen: Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft“

Am Anfang fünf kurze Thesen, auf die ich nach und nach weiter eingehen werde – und an denen Sie messen sollten und können, was ich an Beispielen und Beobachtungen erzähle. 1. Hyperlinks untergraben Hierarchien. Das ist nicht neu. Das wissen alle, die schon einmal einen Hyperlink genutzt haben. Also einen Link, der Hintergrundinformationen zu einer Behauptung liefert, von dem ich zu einer anderen Seite komme, auf der noch mal erklärt wird, was gemeint sein könnte (oder was die Fakten sind), wenn jemand „von oben“ etwas sagt. 2. Über das Internet und vor allem über das, was wir Social Media nennen, findet gerade die Politisierung nicht nur einer Generation sondern mehrerer Generationen statt, wie es sie seit den 80ern mit ihren großen Themen (Nachrüstung, Atom) nicht mehr gegeben hat. Und das europaweit. 3. Durch Facebook und noch viel mehr durch Twitter bekommen ganz normale politisch interessierte Menschen auf einmal einen direkten Zugang zu Spitzenfunktionärinnen im Politikbetrieb. Asynchron und nachhaltig. 4. Simplifizierung in Mobilisierungskampagnen heißt nicht mehr, dass die Mobilisierten simpel sind oder simpel denken. Trotz Simplifizierung wächst das Wissen der Basis und übersteigt das der Expertinnen massiv. 5. Ehemalige Eliten, die sich im selbstreferenziellen Resonanzraum der so genannten Leitmedien über ihre reale Bedeutung täuschen, sind für die Entwicklung von Haltungen und Meinungen der Menschen weitgehend irrelevant geworden. So wie die Bild-Zeitung und die FAZ. Dass diese Thesen stimmen (sonst würde ich sie nicht aufstellen, wenn ich das nicht glauben würde), soll an drei Aspekten und Themen politischer Graswurzelarbeit beleuchtet werden, die sehr unterschiedlich sind, teilweise sogar nichts miteinander zu tun haben – und doch alle auf das Grundthema zielen: „mehr Macht für die Basis“. Zum einen erzähle ich aus meiner eigenen politischen Arbeit, die zum ganz überwiegenden Teil online stattfindet. Zum anderen von Kampagnen mit großer, vor allem online getriebener Mobilisierung – von lokal (Hamburger Schulpolitik, ganz aktuell) über national (Paint Ball), europaweit (ACTA) bis zu global (Kony2012). Und zum dritten rede ich über das, was ich den „Privcay Divide“ nenne, also das auseinanderfallen von Konzepten zur Privatsphäre, das direkt zu politischer Aktion führt und als Beispiel illustriert, wie wenig Regelungsmöglichkeiten Politik und Lobbyarbeit heute noch haben. *** Politisches Engagement an der Basis Ich selbst bin politisch aktiv (oder halte mich für politisch aktiv), seit ich denken kann. Aber für die Ochsentour fehlte mir damals die Lust und heute die Zeit. Und Politik als Beruf kann ich mir nicht leisten. Insofern bin ich seit Jahren nur noch Basis. Verfolge die Themen, die mich besonders interessieren, näher als andere. Bilde mir meine Meinung – und teile die anderen ungefragt mit.

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während sich die anderen in Sitzungen langweilen. Und dann übernehme ich auch einmal für eine kurze Zeit Verantwortung. hier wäre etwas wichtig. Auf einer Fahrt nach Berlin. Und bin dann wieder weg. so lange ich es mit asynchroner Zeit machen kann (also nicht zur gleichen Zeit am gleichen Ort sein muss wie die anderen).und medienpolitischen Programmteils der Grünen zur letzten Hamburg-Wahl auf der Basis meines Entwurfs und meiner Argumente. sofort etwas ändert. auf Parteiversammlungen. der das Wahlprogramm verabschiedet. Meine Überlegungen und Überzeugungen schreibe ich in mein Blog rein. home http://luenenbuerger. treffen sich und vernetzen sich online.Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach Digital Strategy Specialist 25. ohne Stallgeruch. Wo ich dann morgens mit jemandem wie Ralf Stegner. ohne Funktion. Für die ich im halboffenen Resonanzraum Twitter beispielsweise wichtig bin.12 Seit 2002 mache ich wieder als Wahlkampfhelfer mit. diskutiere. Ich erwarte nicht. oder meiner Tochter vorlese. Oder dass ein Treffen. auf der ich vor dem ersten Kundentermin noch eine knappe Stunde Luft hatte. um politisch mitzugestalten. eine neue Kante hinzufügt. Allerdings nur noch online. so einen direkten Zugang zu haben zu Leuten. Das Geheimwissen der Funktionärinnen ist vorbei. und bin noch schnell rüber in die Parteizentrale. mit denen klassische Politik zu tun hat. dass ich in der Partei einflussreich werde oder gar wäre. ob in der gleichen Partei oder quer zu den Parteien. Menschen mit ähnlichen Interessen. In meinem Blog. Das ist nicht wichtig. SPD-Landeschef in SchleswigHolstein. habe ich mich mit unserem Bundesvorstand. der für Netzfragen zuständig ist. weil es ein Posieren wäre oder zeigte. weil ich hier eine recht hohe Reichweite habe. die Entscheidungen direkt beeinflussen können. die morgens ab sechs Uhr den Frühverteiler an der U-Bahn machen. Selbst wenn ich der einzige in meinem Kreisverband wäre – in anderen sind es andere. auf Facebook. twitter @luebue 2 . blog http://haltungsturnen. sind andere geworden. dass ich damit mehr erreiche als viele Parteifreundinnen.de. Und kann heute sagen. Wenn ich die richtigen Leute online kenne (ja so nennen wir das).03. Die Zugangsvoraussetzung. Weil ich mit meinen Söhnen schwimmen gehe am Wochenende. wenn Mitgliederversammlung ist. ohne Seilschaft – und ohne dass ich viele Leute kennen würde. was für ein toller Typ ich sei – sondern weil es den dicken Brettern. Ab 2003 dann in meinem Blog. sie ich anbohren kann. in Foren. Und der Basisaktivitäten. Ohne je zu Versammlungen meiner Partei zu gehen oder auf dem Parteitag zu sein. entstand der wesentliche Teil des netz. So können wir schnell und gleichzeitig bei uns wichtigen Themen Druck aufbauen und Argumente austauschen. verabredet. seit 2007 auf Facebook und Twitter.de. Und stoße dadurch mehr und mehr Gespräche mit anderen an. das sich aus einer Onlinediskussion ergibt. Und auf einmal entsteht bei den Offlinern der Eindruck. Und bieten anderen Lebensläufen und anderen Lebensentwürfen neue Chancen der Mitwirkung. die gleichzeitig die gleichen Themen ansprechen und auf die Tagesordnung setzen. Das Wissen und die Argumentationsmacht der Basis wachsen und wachsen und wachsen. werden sie für mich schnell das Argument ergoogeln. Unsere Bundesgeschäftsführerin hat mich gerade letzte Woche auf ein Bier eingeladen. Oder so. Zuerst per Mail und persönlicher kleiner Wahlaufrufseite im Internet. die im informellen System wichtig sind – ist es für mich neu. kann ich sie in einer Diskussion in der Schule oder im Saal schnell mal um Rat fragen. das der andere da gerade benutzt – so dass ich es zerlegen kann. Aber als einfaches Mitglied.

Dass es innerhalb rund einer Woche gelang.12 Kampagnen aus dem Nichts Ich kenne viele. dass in allen mir bekannten oder zugänglichen Schulen die Jugendlichen intensiv diskutiert und Informationen ausgetauscht haben.de. aktiv zu den Protesten aufgerufen und darüber hinaus Infovideos verlinkt. dass Geschwister nicht mehr unbedingt die gleiche Grundschule besuchen.Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach Digital Strategy Specialist 25. Dabei war es faszinierend zu beobachten. es gehe um die Abschaffung des Urheberrechts und das Recht auf Diebstahl. Und wie informiert und intelligent andererseits die jungen Leute mit dem Thema umgingen. Privatempirisch kann ich sagen. Die Selbstorganisation von Betroffenen mit anderen Instrumenten als der klassischen Pressemitteilung und Unterschriftenliste hat hier geholfen. ACTA ist faktisch tot. die überrascht waren von den großen Anti-ACTADemonstrationen vor ein paar Wochen. die teilweise Reichweiten von mehreren hundert Millionen Klicks pro Video in Deutschland erzielen. Bevor das Thema eskalierte hat die Regierungsfraktion im Parlament die Notbremse gezogen und das Gesetz im Sinne der Eltern geändert. Die Schulbehörde und ihr Senator wollten eine Änderung bei der Einschulung von Kindern durchsetzen.de. ein Thema und einen Termin populär zu machen und tatsächlich auch Veränderungen in der „großen Politik“ zu bewirken. twitter @luebue 3 . Unter unserem Thema ist dabei einerseits also die unglaublich tiefgehende Informiertheit der jungen Leute faszinierend und ermutigend – und andererseits die Politisierung und Mobilisierung über Landesgrenzen hinweg spannend. In der Woche vor den ersten großen europaweiten Demonstrationen haben beispielsweise nahezu alle „großen“ YouTube-Stars. Hier konnte ein Protest im in Hamburg immer noch sensiblen und unruhigen Bereich Schulpolitik verhindert werden. unterschieden sehr gründlich – und sehr. die ich im Umfeld und online von Jugendlichen gesehen habe. sowohl das Argumentationsniveau vor Ort home http://luenenbuerger. Denn wer das Internet aufmerksam beobachtet hat oder Jugendliche kennt und mit ihnen sprach. Ein ganz anderes und kleineres aber nicht weniger wirkmächtiges Beispiel kommt aus den letzten vier Wochen aus Hamburg. konnte nicht anders als die Bewegung rechtzeitig erkennen und sehen. Alle Äußerungen. die dazu führen würde. In der Gruppe haben nach sehr kurzer Zeit auch Mitarbeiterinnen der Behörde und politische Berater des Senators still mitgelesen.03. sehr viel gründlicher als die Äußerungen von Mandatsträgerinnen und Industrie – zwischen Urheber. kein Wahlrecht der Eltern und so weiter. blog http://haltungsturnen. Wie wenig sie auf die Propaganda der Radikalen der Verwertungsindustrie hereingefallen sind. wie sehr einerseits eine Simplifizierung der Mobilisierungskampagne stattfand – eine Reduktion auf die Gefährdung des „Lebensraums Internet“. Mehrere hundert betroffene Eltern haben sich in einer (offenen) Gruppe auf Facebook organisiert und ihre Erfahrungen ausgetauscht und Widerspruchsschreiben an Schulen und Argumente der Schulbürokratie und so weiter. Was mich erst überrascht und dann erschreckt hat. Im Politikunterricht wurden teilweise völlig ahnungslose Lehrerinnen nach ihrer Meinung zu ACTA befragt. nichts anderes mehr. weil nur noch die Länge des Schulwegs zählen sollte. Und allein gegen letztere und die damit verbundenen Probleme richtete sich der Protest.und Verwertungsrechten.

von dem auch das Vorpapier dieses Kolloquiums sprach. weil er ein Wendepunkt sein könnte – und eben auch zeigt. Ähnlich war das.und Kundenlisten nach Angehörigen der Abgeordneten durchforstet. überwunden ist. sehen wir einen neuen Graben. Die zur direkten – wie wir im besten Agenturdenglisch sagen würden – Peergroup der Entscheiderinnen gehören. ist für eine neue politisierte Generation vollkommen belanglos. Katharina Borchert. Sogar der Treiber im Bundestag. Die Möglichkeiten und Gefahren dessen. wie mit ausreichend Geld ausgestattete Kampagnen beispielsweise agieren könnten. am 20. ist andererseits ein gutes Zeichen. was da passiert. der sich sowohl über prominente Kick-Starter als auch aufgrund seiner direkt unser limbisches System anzielenden Professionalität rasend schnell verbreitete und eben nicht nur ein Stohfeuer entfachen will und aller Wahrscheinlichkeit auch nicht nur wird – sondern beispielsweise einen Monat später. Alle diese Beispiele kamen ohne den klassischen selbstreferenziellen Resonanzraum der Politik und der Wirtschaft aus: eben ohne Zeitungen und andere so genannte klassische Medien. ihre Verwandten aufzuklären. die sie den anderen vorwerfen. Die Klassiker sind in ihrer Filterblase in Berlin-Mitte gefangen. Dieser Fall lohnt der Weiterbeobachtung und späteren Analyse. die in den letzten Tagen durch die Facebook-Profile weltweit rauschten. Was gerade durch Netzwerke wie Facebook und Twitter immer häufiger gelingt. müssen uns nicht an der gefühlten Bedeutung im eigenen Resonanzraum besaufen – sondern die richtigen Knöpfe drücken. Dass es unter Jugendlichen auch Kritik und auf YouTube jede Menge kritischer Videos gibt. So wie auch der frühere Landwirtschaftsminister Borchert als einziger CDU-Abgeordneter den Zensurgesetzen von Frau von der Leyen nicht zustimmte: Seine Tochter ist eine Ihnen allen bekannte Internet-Fachfrau und Aktivistin: Die Geschäftsführerin von Spiegel Online. Was Politikerinnen oder Verbände sagen und damit in Zeitungen zitiert werden. dass eben Manipulation und Simplifizierung nicht mehr einfach nach den Rundfunkregeln des 20. twitter @luebue 4 . Ein Film in der manipulativen Ästhetik brillanter Werbung. eine große Plakatierungsaktion auslösen und so weiter. wurde von einer nahen Verwandten aufgeklärt. die sie mit dem absurden Kunstwort „Netzgemeinde“ zu diffamieren suchen.03. Herr Bosbach. Dafür brauchen wir dann keine Demonstrationen oder Petitionen.12 zu heben als auch den Druck auf die Politik und die Bürokratie schnell und effizient zu erhöhen. Jetzt.de. eben noch parallel zu der „alten“ Welt. um die zu bitten. konnten wir in der letzten Woche sehr gut bei „Kony 2012“ beobachten. Als nach dem misogynen Massenmord von Winnenden der Ruf nach Verbot von Paintball durch den Bundestag schallte. Also Opfer genau der Selbsttäuschung. blog http://haltungsturnen. wenn Sie es eine Nummer größer wollen: Revolution) durch das Internet steht ganz am Anfang und ist gerade einmal sichtbar – aber. haben die Betreiber der Anlagen ihre Mitglieder. der sich entlang von Lebensentwürfen rund home http://luenenbuerger. was schon vor einigen Jahren die damaligen Kollegen von Edelman in Sachen Paintball gemacht haben – sozusagen Graswurzel einmal andersrum. Jahrhunderts machbar ist. ist die punktgenaue Mobilisierung von Menschen. wo der „digitale Graben“.de.Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach Digital Strategy Specialist 25. Viel effizienter als eine Petition allein. Die Paralleluniversen des Privacy Divide Ich behaupte: Die eigentliche Veränderung in der Gesellschaft (oder. die Einfluss haben. April. wie immer bei wirklich großen Veränderungen.

Es sind zwei kleine radikale Gruppen entstanden. echtem Datenschutz und echter Sensibilität für Datenselbstkontrolle einen Bärendienst. allen voran mein Parteifreund Thilo Weichert. Und wenn wir verstehen wollen. blog http://haltungsturnen.03. die ihren eigentlichen Auftrag vergessen haben. das ich einmal angelegt habe Mitte der 90er. was sie tun. dass der Staat (also sie selbst) dafür zu sorgen hätte. weil mir das Thema einfach zu wichtig ist. was davon abweichend öffentlich oder zumindest zugänglich sein soll. die nebeneinander existieren und eben den Privacy Divide konstituieren. Und über den es bisher auch keine Brücke und keine Verständigung gibt. Und von Fall zu Fall entscheiden. Teile der Diskussion entstehen ja daraus. Ähnlich in Unternehmen. zu allen Bildungsschichten und zu allen Berufen. dass Privatsphäre und mein Umgang damit etwas sind. was sie privat und was sie öffentlich haben sollten. Und dass diese MenschenSuchmaschinen wie 123people und Co Telefonbucheinträge abgreifen und erratisch irgendwelchen Bildern zuordnen. die sehr restriktiv mit ihren Daten und ihrer Privatsphäre umgehen. Wer diese Haltung hat. twitter @luebue 5 . In der Realität ist es dagegen so. Was es eigentlich nicht gibt (außer in Schleswig-Holstein. Und das ärgert mich. die „default private“ bevorzugen. einige wenige Aktivistinnen. also die Idee. dass beispielsweise im Internet Informationen über ihn oder sie zu finden sind. Nur leider leisten die so genannten Datenschützer. dass das nicht immer funktioniert. merken. Da sind einerseits die. Denn die echten Datenschutzprobleme beispielsweise von Facebook – die es gibt und die schlimm und grotesk sind – geraten aus dem Fokus. was auch politisch gerade in sozialen Medien passiert. dass sie eben trotzdem keine Kontrolle über das haben. weshalb die dortigen Datenschützer auch diese besondere Rolle spielen). ist eine staatliche Datenfürsorge. dass er kein Recht auf Öffentlichkeit anerkennt. versucht zu vermeiden. Ich karikiere das ein kleines bisschen. was privat und was nicht privat sein soll.12 um Privatsphäre entwickelt hat. Einerseits eine kleine Minderheit von so genannten Datenschützern. Das Problem – und das führt dann hin und wieder zu Überreaktionen oder zur Verzweiflung – ist aber. dass sich die Menschen an seine (also eigentlich ihre) Vorstellungen davon halten. Quer zu allen Generationen. die der Meinung sind – jetzt etwas holzschnittartig – es gebe kein Recht auf Privatsphäre.Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach Digital Strategy Specialist 25. ansehen. so meine ich. dass Menschen. fallen massiv auseinander. home http://luenenbuerger.de. die die öffentliche Diskussion bestimmen. Dass beispielsweise da noch das alte Profil bei Stayfriends ist. Auf der anderen. Zwei absurde Positionen.de. Datenschutz wurde ja in Deutschland eingeführt. die zurzeit einige Datenschützer diskutieren. Die sozusagen „per default private“ gewählt haben für alles. ebenso radikalen Seite des Spektrums steht die Spackeria. So wie Weichert am Ende ja nur so zu verstehen ist. Auch für alle Beispiele rund um Politisierung und Mobilisierung haben wir gesehen: Die Vorstellungen. müssen wir. um die Menschen vor staatlichen Zugriffen zu schützen – einerseits – und vertrauliche Daten der Verwaltung vertraulich zu halten. einmal vorurteilsfrei die beiden großen Konzepte. das Menschen bewusst einsetzen und sich auch zunehmend bewusst machen. obwohl sie kaum etwas von der Lebenswirklichkeit der Menschen verstehen. Denn ich bin ein großer Anhänger von Datenschutz und von Datenselbstkontrolle und Datenhoheit.

Wie neue Spielregeln entstehen. die nicht online sind.de. viel von sich preiszugeben. Eine überraschende Folge der default public-Haltung ist. was öffentlich. Und zwischen diesen Gruppen gibt es unendlich viele Schattierungen. Da entstehen neue Konzepte. aber eben genau andersrum überlegen. die zurzeit entsteht. was zugänglich und was privat ist. Die also umgekehrt von Fall zu Fall entscheiden. Vor allem aber ist eine konsequente default private-Haltung mit viel Mühe und Arbeit verbunden. bei denen ich genau das so entschieden habe. dass man wissen kann. Dass es zu meiner Markenführung im Internet gehört. Nicht mehr: „Was mache ich öffentlich“ – sondern: „was mache ich privat“. Aber wahrscheinlich ist ihnen dann nicht bewusst. Nirgendwo wird das offensichtlicher als bei Facebook. wird feststellen: Ja. mal salopp formuliert. was nicht öffentlich ist sondern privat oder nur zugänglich. Ein Daten. dass ich dieses Bild bewusst und gezielt erzeuge. Die nicht alles von sich preisgeben. Fahren Sie einmal mit einer Gruppe Jugendliche S-Bahn. in Gruppen oder in noch größeren Zusammenhängen. wo ich politisch aktiv bin und welches meine Religion ist. meine Entscheidung neu zu treffen.03. ist es oft erst einmal schwer zu verstehen. da entsteht ein Privacy Divide – aber home http://luenenbuerger.12 was andere über sie wissen können. das rund 110% der Jugendlichen und rund 50% der Erwachsenen nutzen. wie bei der Spackeria. die mir bei jeder einzelnen Interaktion erlauben. wenn sie online suchen. wie jemand dazu kommen kann. Und auf der anderern Seite des Privatsphäre-Grabens sind die. aber es ist genau das. Wer sich das unvoreingenommen anschaut.Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach Digital Strategy Specialist 25. dass ihre Vertreterinnen faktisch eine viel größere Kontrolle über das erhalten. Neben allen Problemen mit Datenschutz und Datensicherheit hat Facebook nach und nach exemplarisch für viele andere Bereiche unseres Lebens ein sehr fein einstellbares System von Privatsphäre-Einstellungen geschaffen. wer ich bin – und dass ich eben kein Social-MediaSpinner bin. ihre Grundeinstellung auf „per default public“ geändert haben. Dass ich damit klare Signale aussende. Dennoch sind die allermeisten meiner Facebook-Updates beispielsweise nur für Menschen freigegeben. vier Pferde. die neben den alten leben werden für eine lange Zeit. die diese Haltung nicht teilen. Jedenfalls die meisten. da verändert sich etwas. dürfte der meistgenutzte Satz sein. der Grundsatz privat heißt. Und aus dieser Gruppe speist sich übrigens auch die politische Bewegung. Für viele Menschen. wie viel sie beispielsweise über mich erfahren. Es ist faszinierend zu beobachten. was andere über sie wissen und finden können. Für sich. dass der Grundsatz öffentlich heißt. die damit nur schwer in Einklang zu bringen ist.de. ein Haus am Stadtrand von Hamburg. wie immer mehr Menschen jeden Alters die Spielregeln rund um Privatsphäre und Daten neu aushandeln. was sie wollen. „alles ist öffentlich“ – sondern nur. Und nicht. Sie sind – das erlebe ich selbst in meinem Umfeld auch – oft erschrocken.und Privatsphäre-Konzept aus der alten Papierära von Information trifft auf eine Realität. wenn auch nicht immer so zivilisiert formuliert. Das ist mehr als bei den default private-Leuten. sondern mit meinen Kunden auf Geschäftsführungsebene aus einer Position der Ähnlichkeit unserer Lebensumstände heraus arbeite und diskutiere. was „im Internet“ über die bekannt ist. twitter @luebue 6 . dass ich vier Kinder habe. Gibt es viele Bereiche meines Lebens. wie bei der anderen Gruppe. all die Politisierung und Mobilisierung ist ohne diese Haltung weder möglich noch zu erklären. 60% der Gespräche drehen sich um das Thema Privatsphäre: „Dieses Foto lädst du nicht auf Facebook“. „Default public“ heißt dann eben nicht. blog http://haltungsturnen.

die viel von sich öffentlich haben.de. dass die Veränderungen für die politische Willensbildung und Mobilisierung noch viel größer sein werden als wir heute schon sehen. Die Diskussion um Privatsphäre. Und dass gleichzeitig Menschen. was er an Kosten hatte: Daten. blog http://haltungsturnen. als ihm der Nutzen nicht mehr ausreichte. was der Politzirkus denkt oder sagt. zuzugeben. könnten wir uns das auch nur vorstellen. Und wenn die Opportunitätskosten zu hoch werden. home http://luenenbuerger. dann ändern Menschen auch ihre Gewohnheiten. dass auch hier wieder deutlich wird.12 das macht nichts. dass diese Menschen sich re-politisieren und teilweise auch re-radikalisieren. Noch spektisch in die Zukunft sehe. Jedenfalls kein grundsätzliches. was Frau Aigner oder Herr Weichert darüber ahnen. wie wenig reale Lebensumstände und reales Handeln. den er daraus zog – um Vergleich zu dem. die die Menschen jeden Tag in ihrem Alltag führen. eigentlich sogar der Prototyp des Bürgers in der res publica wären. Mobbing und so weiter.Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach Digital Strategy Specialist 25. So wie sich mein einer Sohn wieder von Facebook abmeldete. Wer sich den „Privacy Divide“ ansieht. reale Überzeugungen von dem beeinflusst werden.de. Weshalb ich weder überrascht bin. Es gibt kein Gut und Böse in dieser Frage. twitter @luebue 7 . ist jedoch so weit entfernt von dem. denken oder reden. wird nicht umhin kommen.03.

vier Pferde. Den gesellschaftlichen Umbruch bezeichnet er als „Privacy Divide“ und beschäftigt sich darüber hinaus mit der Mobilisierung und Politisierung nicht nur junger Menschen mit Hilfe von Netzwerken und YouTube. zu seinen Kunden im Bereich Social-Media-Strategie zählen und zählten aber auch Unternehmen wie Microsoft. Lünenbürger hat evangelische Theologie studiert. home http://luenenbuerger. einer integriert arbeitenden Kommunikationsagentur in Hamburg und München. fasst er auf seinem Lifestream zusammen. Unter dem „Markennamen“ @luebue ist Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach nicht nur ein einflussreicher Multiplikator auf Twitter sondern auch ein gefragter Redner und Workshopleiter auf internationalen Konferenzen. Mars. Schwäbisch Hall. bevor er in die PR ging. Radiojournalismus gelernt und als Moderator und Redakteur gearbeitet. Nestlé. blog http://haltungsturnen. Deutsche Telekom.03. HP. Seit 2004 begleitet er als Strategieberater Unternehmen und Marken auf ihrem Weg in Social Media.Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach Digital Strategy Specialist 25. Seine politische Arbeit dreht sich vor allem um die Lebenswelt digital kommunizierender Menschen und der Internet-Generation.de.12 Über Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach Der 42-lährige ist einer der Pioniere digitaler Kommunikation in Deutschland. Ab 2006 baute er den Bereich Online Conversations für die weltweit größte PR-Firma Edelman in Deutschland und Europa auf und führte die mehrfach ausgezeichnete Einheit Edelman Digital Europe. die er online hinterlässt.und Netzpolitik. ist er heute Querdenker und Basismitglied bei den Grünen mit den Schwerpunkten Bildungs. Seit 2009 ist er als Management Supervisor Digital Communications bei achtung!. einen Hund und eine Sauna. Politisch aktiv seit seinem vierzehnten Lebensjahr. twitter @luebue 8 . Lünenbürger ist verheiratet. Sein Weblog „Haltungsturnen“ gehört seit Anfang 2003 zu den reichweitenstarken Blogs in den Bereichen Kommunikation und Politik.de. Toll Collect oder Lego. Unilever. hat vier Kinder zwischen sechs und sechzehn Jahren. Seine Spuren. Deutsche Bahn. So ist er der Kopf hinter dem Weblog der Daimler AG.