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Thallóczy, Lajos

Studien zur Geschichte Bosniens und Serbiens im Mittelalter
München [u.a.] 1914
Turc. 200 r
urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066381-7
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<36604443070018
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Bayer. Staatsbibliothek
:
STUDIEN
ZUR GESCHICHTE
BOSNIENS UND SERBIENS
IM MITTELALTER
VON
LUDWIG VON THALLóCZY
PROFESSOR AN DER K. V. K. KONSULARAKADEMIE, ORD. MITGLIED
DER UNG. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
ÜBERSETZT vON
DR. FRANZ ECKHART.
VERLAG VON DUNCKER & HUMBLOT
MÜNCHEN UND LEIPZIG
1914.
n
STUDIEN
ZUR GESCHICHTE
BOSNIENS UND SERBIENS
IM MITTELALTER
VON
LUDWIG VON THALLÓCZY
PROFESSOR AN DER K. U. K. KONSÜLARAKÄDEMIE, ORD. MITGLIED
DER UNG. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
ÜBERSETZT TON
DR. FRANZ ECKHART.
VERLAG VON DUNCKER & HÜMBLOT
MÜNCHEN UND LEIPZIG
1914.
Kön. ung. Üniversitätsdruckerei in Budapest.
i*
INHALT.
Seite
Vorwort '. . . . VII
Untersuchungen über den Ursprung des bosnischen Banates, mi t
besonderer Berücksichtigung der Urkunden im Könnender
Archive :
I. Slavische Urkunden in ungarländischen Archiven . . . . 3
II. Slavische Urkunden des Körmender Archives und das
damit in Verbindung stehende Urkundenmaterial des
Nationalmuseums 7
III. Diplomatische Beurteilung der Urkunden und topogra
phische Ergebnisse 28
IV. Historische Gesichtspunkte und Resultate 44
Anhang. Die Kotromanlegende 66
Biographische und genealogische Studien :
I. Radivoj, Sohn des Königs Stefan Ostoja von Bosnien
1429—1463 79
IL Königin Katharina von Bosnien in Rom 110
III. Zur Genealogie der Brankovic" 121
IV. Die Nichte Hervoja' s 1405 135
V. Der Heiratsplan Tvrtko' s IL, König von Bosnien 1428 . . 142
VI. Studien zur Geschichte der Familie Kosaca und der Her
zegowina :
1. Wi e Stefan Vukcic, Großvojvod von Bosnien, den
Herzogstitel annahm 146
2. Das Gebiet des Herzogtums von Sankt Sava (Herzego
wina) 1448—1454 159
3. Die Familienverhältnisse und Politik des Stefan
Vukcic, Herzogs von Sankt Sava 168
VI
Seite
4. Das Testament des Pribislav Vukotic, des Kämmerers
Herzog Stefans, vom Jahre 1475 222
VII. Zur Geschichte der Kosaca (bezw. Herzoge von Sankt Sava)
in Ungarn 231
VIII. Südslavische heraldische Studien 263
I. Siegel der bosnischen Bane 270
II. Bosnische Königssiegel, Wappendenkmäler und die
Lehren der bosnischen Heraldik 275
III. Die Wappen und Siegeldenkmäler dos Herzogs Hervoja 303
IV. Die Wappen und Siegeldenkmäler der Familie Kosaca 309
Urkunden I—C 323
VORWORT.
Die im vorliegenden Bande enthaltenen historischen
und genealogischen Studien aus der Geschichte Bosniens,
der Herzegowina und Serbiens im Mittelalter, erschie-
nen ursprünglich in ungarischen und serbo-kroatischen
Fachzeitschriften (speziell im „Glasnik" des Sarajevoer
Landesmuseums).
Mit Ausnahme der Studie über die Herzogsfamilie
der Kosaca sind es Untersuchungen, Analysen einzelner
Detailfragen, der an topographischen, genealogischen,
heraldischen Rätseln so reichen südslavischen Geschichte.
Vielleicht könnte man noch die Resultate der Studie
über den Ursprung des bosnischen Banates als einiger-
maßen abschließend betrachten. Zur Veröffentlichung
dieser — sozusagen — Halbfabrikate, welche in
erster Reihe nur dem Bearbeiter des ganzen Stoffes
zugute kommen, bewog mich in erster Linie der
Umstand, daß bei diesem Anlasse das urkundliche
Material, welches der historischen Forschung zuzu-
führen mir als Ersten beschieden war, auch weiteren
Kreisen näher gebracht wurde.
VIII
Bekannt ist die Tatsache, daß den Balkanländern
keine inländischen archivalischen Quellen zur Verfügung
stehen, zumal die ohnehin spärlichen einstigen Archive
verloren gingen. Der Balkangeschichtschreiber muß
die Archivalien des serbischen, bosnischen, bulgarischen,
albanesischen, griechischen und auch türkischen und
kleinasiatischen Mittelalters
x
in den großen Zentren
der Mittelmeerländer suchen. Vor allem bietet das
Staatsarchiv von Venedig und das Archiv der Republik
Ragusa (in Ragusa und Wien) das meiste Material
speziell für' den westlichen Staatenkomplex der Balkan-
halbinsel. Für den albanisch-griechischen Teil ist das
Staatsarchiv in Neapel die Hauptquelle und zwar
parallel mit dem alten aragonischen Kronarchive in
Barcelona. Bin reiches Dossier bieten natürlich Rom,
Genua und für das XV. Jahrhundert Mailand's Staats-
archiv.
Gänzlich erforscht sind diese Archive noch bei
weitem nicht. Sie können es ja bei der Fülle des
Stoffes auch nicht sein. Das meiste Material aus dem
venezianischen und teilweise auch aus dem Ragusaner
Archiv publizierte die südslavische Akademie der
Wissenschaften in Zagreb (Agram)
2
, obzwar auch die
serbische Gelehrte-Gesellschaft in Belgrad schon früher
Forschungen in Angriff genommen und vieles publiziert
1
Urknndenforschungen in den türkischen Archiven ergaben vor
Mitte des XVI. Jahrhundertes kein urkundliches Material.
3
Monumenta spectantia historiam Slavorum meridioiialium.
IX
hatte. Doch sind die kroatischen Publikationen viel
reichhaltiger und sind wenn auch nicht immer gleich-
wertig, doch nach weiteren Geschichtspunkten ediert
als die serbischen Detailpublikationen. Die ungarische
und rumänische Akademie ließen ebenfalls Detail-
forschungen vornehmen, deren Ausbeute sie in ihren
Quellensammlungen publizierten.
Der beste Pfadfinder in archivalibus ist der Führer
der Balkangeschichtsforschung Dr. K. JIRECEK. Er hat
aus dem Ragusaner Archive, speziell dem Archivio
notarile das kulturhistorisch wichtigste Material als
Erster gehoben und damit die Grundlagen der bulga-
rischen, serbischen und dalmatinischen Geschichte auf-
gebaut. Es folgten ihm der fleißige rumänische
Geschichtsforscher JORGA und neuestens Dr. CYRILL
TRUHELKA,
1
der bekannte Direktor des bosnisch-herzego-
winischen Landesmuseums.
Ich meinerseits steckte mir das Ziel, das von diesen
gewonnene archivalische Material durch die Erforschung
des aragonischen alten Kronarchives und der Eamüien-
archive in Österreich und Ungarn zu erweitern. Das
aragonische Material verwertete ich bei einer Studie
über die Balkanpolitik des großen Königs von Neapel,
Alfonso el Sabio (f 1458), in ungarischer Sprache. Jedoch
fand ich selbst, daß eine dauernde Durcharbeitung des
1
Im „Glasnik" des bosn.-herz. Museums 1909—1912. und in den
Wissenschaftlichen Mitteilungen aus Bosnien und der Herzegowina.
X
Archives notwendig sei, um ein relativ vollständiges
Werk bieten zu können. Deshalb publiziere ich derzeit
nur das auf Bosnien und Serbien bezügliche urkund-
liche Material. Die textliche Ausführung gedenke ich
nach Sichtung meiner neueren Forschungen zu ver-
öffentlichen.
So wuchs die Zahl der Urkundenbeilagen auf
hundert Stücke, die ausser dem Archive von Barcelona,
hauptsächlich aus dem Wiener Haus-, Hof- und Staats-
archiv, dem gemeinsamen Finanzarchiv, dem Fürst
Liechtenstein'schen Familienarchiv, dem kön. Staats-
archiv in Budapest, den Familienarchiven der Fürsten
Batthyäny, der Grafen Erdödy in Galgöcz, dem Kapi-
tulararchiv in Szombathely, dem Archivio Notarile in
Venedig, dem Staatsarchiv in Mantua, dem Vatikani-
schen Archiv, aus den Sammlungen in Sarajevo und
einiger Privaten geschöpft sind.
Der historisch-topographische Wert dieser Urkun-
den bewog den gewesenen kön. ung. Unterrichts-
minister Grafen JOHANN ZICHY, dem ich hiefür ganz
besonders danke, diese Studien in deutscher Sprache
verlegen zu lassen.
Diesen Urkunden sind eine, nach den urkundlichen
Belegen des XIV. und XV. Jahrhunderts hergestellte
Kartenskizze der Landschaft Dönji Kraj und der
Herzegowina und eine interessante slavische Urkunde
(2. November 1465) des Königs Mathias Corvinus
XI
(Original im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv) in
Faksimile beigeschlossen.
Was die Studien selbst betrifft, beruhen die Unter-
suchungen und Studien, die im Jahre 1909 zum ersten-
ma l erschienen, auf dem mir bis zu diesem Zeitpunkte
zur Verfügung stehenden archivalischen und gedruckten
Quellenmaterial. Seitdem erschienen aber die wertvollen
Publikationen Dr. K. Jireceks über Staat und Gesell-
schaft im Mittelalterlichen Serbien (L, IL in den Schriften
der Wiener Akademie der Wissenschaften), verschiedene
Beiträge Dr. C. Truhelka's in den „Wissenschaftlichen
Mitteilungen aus Bosnien und der Herzegowina" (Holz-
hausen Wien) und auch im „Grlasnik" des Sarajevoer
Museums) deren Ergebnisse speziell die Genealogie der
Familie Kosaca erweitern.
Ich verweise schließlich noch auf die Publikationen
des Belgrader Universitätsprofessors EADONIC
1
und des
strebsamen, regen Dr. Ivic
2
, auf verschiedene wertvolle
Beiträge des Zagreber archivalischen „ Vjestnik", speziell
jene des vielseitigen Universitätsprofessors v. Sisic, wie
auch auf manche anregenden Arbeiten des vom Begierungs-
rat PATSCH geleiteten Balkaninstitutes in Sarajevo.
Natürlich wäre vieles in diesen Studien genauer
und reichlicher belegt, wenn ich mich seither immer
1
Prilozi za istorija Srba u Ugarskoju 16, 17 i 18 veku od Jovana
Radonid-a Novi Sad. 1909.
- Stari srpski pecati i gebovi. Prilog arpskoj sfragistici i heraldici.
Novisad. 1910.
XII
nur mit der intensiven Bearbeitung dieser Themata
hätte beschäftigen können. Es sollen aber diese Beiträge
nur Bausteine sein, die als solides Material für die
Balkangeschichte Verwendung finden mögen. Ich hatte
nur einen Gesichtspunkt vor Augen, den der mög
lichsten Objektivität. Ich war bestrebt dem üppigen
Legendengestrüpp der Balkangeschichte aus dem Wege
zu gehen, oder wenn nötig, mir einen Weg hindurch
zu bahnen.
Schließlich sei meinen liebwerten Kollegen, Dr.
FRANZ ECKHART und Dr. Gr. BODENSTEIN herzlichst gedankt
für Ihre mühevolle Mitwirkung. Ersterer unterzog sich
der mühevollen Übersetzungsarbeit, letzterer besorgte
einen großen Teil der Korrektur.
Wien, im Herbst 1913.
Dr. Ludwig v. Thallóczy.
Untersuchungen über den Ursprung des
bosnischen ßanates mit besonderer Berücksichtigung
der Urkunden im Körmender Archive.
1
I.
Slavische Urkunden in ungarländischen
Archiven.
Mein verewigter Lehrer Prof. Gustav Wenzel
war der erste, welcher aus dem im Jahre 1879 dem
Archive des Ungarischen Nationalmuseums einver
leibten Familienarchive des Barons Jeszenäk, unter
dem Titel „Slavisehe Geschichtsdokumente und die
ungarische Geschichte" (Szláv törtenelmi emlekek es
a magyar törtenelem)
1
zwei slavisehe Urkunden des
bosnischen Banus Tvrtko mitgeteilt, durch Anmer
kungen gemäß dem damaligen Stande der Wissen
schaft kommentiert und übersetzt hat. Seither wurde
keinerlei systematischer Versuch gemacht, den Bestand
an slavischen Urkunden, die sich in ungarischen
Archiven zerstreut befinden, genau festzustellen, um
sie wissenschaftlich herausgeben zu können.
Die Ausschußreferenten der Ungarländischen his
torischen Gesellschaft hatten auf ihren Ausflügen in
die Provinzen des öfteren darauf geachtet, ob unter
dem aufgefundenen Material außer lateinischen und
magyarischen Urkunden auch solche in anderen Spra
chen vorhanden seien. Es versteht sich, daß die
magyarische Geschichtsschreibung viele innere Bezie
hungen aufklären mußte — gibt es doch viele Fragen
unserer Kulturgeschichte, die bis heute noch keine
genügende Beantwortung gefunden — so wendeten
sich die ungarischen Forscher bloß sporadisch den
1
Törtenelmi Tar. 1879, I—III.
1*
4
slavisehen Urkunden zu, die im Hinblick auf die
ausländische Verbindung belangreich sind. Nichts-
destoweniger sind auch dies wertvolle Versuche, welche
uns, wenn wir auf diesem Wege fortschreiten, zu sehr
interessanten Kesultaten führen.
1
Das Material des Könnender Archivs des Fürsten
Batthyäny enthält in reichster Fülle slavische Schrift-
denkmäler und bahnt in bestimmter Hinsicht einen
Weg zur bosnischen Geschichte an. Die ungarländische
Geschichtsschreibung kennt seit langem dieses wert-
volle Archiv, welches ein Landesarchiv im kleinen
genannt werden könnte. Noch Mathias Bei hatte von
der Familie die Erlaubnis bekommen, dort Kopien
anzufertigen; später benutzten auch die Kovachich von
dort mehrere Stücke; überdies gelangten aus dem
Körmender Archiv nicht wenige Stücke in die Samm-
lungen Hevenesy und Kaprinay. In den sechziger Jahren
des vorigen Jahrhunderts, gelegentlich von Ausflügen
1
Szäzadok: 1869, S. 598 ; 1872, S. 637 ; 1879, S. 160 ; 1887, S. 41.
Was das letztere betrift, kann folgendes bemerkt wer den: Franz Solyom
Fekete teilte anläßlich seines Ausfluges in das Hunyader Komitat fol-
gendes mi t : „Zuletzt mache ich die Bemerkung, daß Imre Buda, wohn-
haft zu Deva, bei sich 15 Stück Urkunden birgt, die in südslavischer,
beziehungsweise serbischer Sprache abgefaßt sind. Die Schriftzeichen
sind j ene, wie sie vom XV. Jahrhundert e an in den Kanzleien der wala-
chischen und moldauischen Fürsten gebräuchlich waren. Diese älteren
Schriftdenkmale waren auch Miklosich nicht näher bekannt, der, sicherlich
viele ähnlich geschriebene Urkunden in Händen hat t e. Eine solche
Urkundensammlung veröffentlichte in Pet ersburg 1840 Jury Vendelin
unt er dem Ti t el : Vlaho-bolgarskijy ili dako-slavonskija gramoty. In mei-
nem Besitze befinden sich mehrere solcher Urkunden auf Pergament und
Papier, doch konnt e ich dieselben noch nicht erklären.
H. Imre Buda stellte das Archiv dem A. Hodinka, zur Verfügung,
doch konnt e derselbe darin die 15 Stück „südslavisch oder serbisch"
geschriebener Urkunden nicht auffinden. Was mehrere solcher Urkunden
im Besitze Solyom Fehete's betrifft, gest t at et e die Familie dem Hodinka
dieselben zu untersuchen, und tatsächlich fand er dort vier Stück —
waJachisch mi t cyrillischer Schrift abgefaßter — Urkunden.
Es mag noch erwähnt werden, daß mein gewesener akademischer
Gefährte Friedrich Pesty anläßlich seiner weitläufigen Untersuchungen,
nach mündlichen Mitteilungen, auf einzelne Urkunden in dieser Sprache
st i eß; leider können aus seinen hinterbliebenen Aufzeichnungen dies-
bezüglich keinerlei Aufklärungen gewonnen werden.
5
der Geschichtsfreunde in transdanubische Gebiete, bil
dete das Könnender Archiv des öfteren den Gegen
stand von Forschungen. Per verstorbene Fürst Philipp
Batthyany stellte den Forschern höchst entgegenkom
mend dieses wertvolle Material zur Verfügung. Es
wurde mit Bezug auf mittelalterliche Urkunden von
Johann Nagy, Johann Czech, Emmerich Nagy, Desider
Veghely studiert, abgesehen vom Studium der Urkun
den des XVI, XVII. und XVIII. Jahrhunderts und den
Forschungen Koloman Thaly's. Als jedoch der Ungar
ländische historische Verein 1870 einen Ausflug in das
Eisenburger Komitat machte, war der Schwerpunkt
der Forschungen auf das Vörösvárer Archiv verlegt
und so wurde zu jener Zeit aus dem Körmender Archiv
nichts Bedeutenderes mitgeteilt. Überhaupt ist es ein
großer Fehler unserer Archivforscher, daß dieselben —
und dies ist j a begreiflich — mehr subjektiv, bloß
ihren Zwecken gemäß, das Material der einzelnen
Archive durchforschten, vom Material dieser Archive
hingegen selten eine Gesamtübersicht zusammenstell
ten. Wenn solche Übersichten verfaßt wurden, stellte
der Beteiligte bloß das zusammen, was auf seinen
Gegenstand Bezug hatte, ohne sich um das übrige
zu kümmern. Die Folge war, daß jederzeit für soge
nannte Entdeckungen ein weites Feld verblieb, während
es im Interesse einer systematischen Geschichtsfor
schung gelegen wäre, eine genaue Kenntnis der Sub
stanz der einzelnen Archive und deren Zugänglichkeit
zu vermitteln.
In neuerer Zeit wurde die Aufmerksamkeit der
Forscher abermals dem Könnender Archive zuge
wendet, als Desider Csänki, Johann Käroly, Johann
Karäcsony, Heinrich Marczali, Anton Hodinka und der
Herausgeber der nachfolgenden Urkunden, jeder in
seinem Fache auf ein außerordentlich reiches Ergebnis
stießen. Fürst Edmund Batthyany gestattete jederzeit
6
entgegenkommend die Nachforschungen. Bei diesem
Anlasse erfuhr die Öffentlichkeit, daß in bezug auf
das ungarische Mittelalter — außer dem Material in
den Zentralarchiven — das Körmender Archiv die
reichhaltigsten Belege besitzt. Das slavische Urkunden-
material, welches als Grundlage dieser Studie diente,
im ganzen acht Stücke, fand ich eingeschaltet in die
sogenannte Heimianer oder Himfi'sche Familiensamm-
lung. Nach 1896 wurden dieselben abgebildet, zuerst
nach den Originalen, später nach photographisehen
Reproduktionen, und seit lange hegte ich den Wunsch,
dieselben herauszugeben. Doch t r at ich behufs einer
genauen Lesung vorher in Verbindung mit dem aus-
gezeichneten Slavisten der Wiener Universität, Prof.
Dr. von Resetar, und im Verein mit ihm wurde der
Text festgestellt. Bei diesem Anlasse und in Verbindung
mit dem vorliegenden Material sollen auch jene zwei
Urkunden von Wenzel mitgeteilt werden, die ihrer
Provenienz nach zweifelsohne auf diese Quelle zurück-
geführt werden müssen. Nachdem dieses Urkunden-
material die Entstehung des bosnischen Banates we-
sentlich aufklärt, beziehungsweise die Anfänge der
Familie Kotroman mit Rücksicht auf deren Zeitalter,
soll die vorliegende Publikation die Reihe der Ver-
öffentlichungen slavischer Urkunden eröffnen.
Zunächst wird der Text der Urkunden mitgeteilt,
dann deren diplomatischer Wert beurteilt; hierauf
erfolgt eine Untersuchung der Frage, wie dieselben
nach Körmend gelangten; daran reiht sich deren
historische Analyse, um ihren Wert festzustellen, auch
sollen nach Möglichkeit jene historisch-topographischen
Resultate festgestellt werden, die sich aus den Ur-
kunden ergehen, mit dem Vorbehalte, bei nächster
Gelegenheit dieselben sphragistisch darzustellen.
7
IT.
Slavische Urkunden des Körmender Archives und
das damit in Verbindung stehende Urkunden-
material des Nationalmuseums.
I.
Mile, ohne Datum (um 1322).
Banus Stefan, Sohn des Banus Stefan, Herrn
des ganzen bosnischen Landes, von Soli, Usora, Donji
Kraji und des Landes Chum und dessen Bruder, Knez
Vladislav, belehnen den Sohn des Knezen von Kfjuc,
Hrvatin, den Knezen Vukoslav, weil er ihnen zu Liebe
den kroatischen Banus und die Bapsice verließ, mit
den Gauen Banica und Vrbanja und zwei darinlie
genden Burgen: Kljuc und Kotor, welche Gaue sich
wider sie aufgelehnt und den Kroaten angeschlossen
hatten. Zeugen aus Bosnien: Radoslav Tepcija, Knez
Dabisa, Knez Dragos, Zupan Krksa und Brüder; — aus
Zagorien: Zupan Poznan; — aus Eama: Knez Ostoja;
— aus Skoplje: Hrvatin Vuckovic; — aus TJsora:
Yojvode Vojko, Branos Ceprnic; — aus Soli: Zupan
Budos, Oberhaupt Hlap, sämtliche mit ihren Brüdern.
Schreiber: Priboe, Dijak des Banus Stefan.
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$ ( H ) N A EANA GT'knAHA HA MHA"kX
b
-
Das Original ist auf einem 28 cm langen, 26'5—28 cm brei
ten Pergamente, welches am unteren Rande 4 cm umgebogen ist.
Das Wachssiegel hängt an einer Schnur. Körmencl, Archiv des Pursten
Batthyäny.
9
Alte lateinische Version derselben Urkunde.
In nomine patris et fllii et Spiritus sancti. Invoco
s. Gregorium. Ego comes Stephamis banus, filius domini
bani similiter Stephani, necnon frater mens comes
Ladislaus ex gratia dei domini universis terris Boznensi,
Zoli, Uzori, necnon conflnibus inferiorum terrarum, neve
terre Hwmonensi. Obtinuit gratiam apud nos comes.
Wlkozlaw natns comitis Herwathin vocati de Castro
Klwch, in eo, quia idem amisit dominium Croatorum,
ideo dignus est mercede. Quare notum faeimus, quod
nos comiti Wlkozlaw prefato pro nonnnllis servitiis
per ipsum nobis exhibitis et impensis eidem duas pro-
vineias Banycze neve Werbana vocatas in eisdemque
duo castra constructa, Klwch et Kottor vocata, dedimus
donavimus sibi suisque heredibus et posteritatibus uni-
versis, usque uuicus ex nostris in Bozna perseveraverit,
et hoc a meta ad metam tali conditione, quod, donec
idem comes Wlkozlaw perseveratur in nota fidelitatis,
si autem idem comes Wlkozlaw careret prole, extunc
cui vult dare donare, plenam habeat potestatis facul-
tatem. De quo servitia exhibant cum annis domino
bano. Etiam neque proventus neque descensus in eisdem
provinciis exigere valeamus, excepto si descensus posset
fleri ex amicitia sue bone voluntatis. Insuper officiales
nostri in antelatis provinciis nullam habeant potestatis
facultatem. Ideo illas antelatas provincias sepefato
comiti donavimus pro fidelitate per ipsum nobis
impensa. Ille autem provincie fuerunt infidelium, qui
contra nos insurrexei^ant unacum Croatis. Huic autem
donationi nostre fuerint observantes. Testes sunt hi :
Thepchych Kadozlaw unacum fratribus, comes Dabyso
unacum fratribus, comes Dragos unacum fratribus,
Supan Kersa de Zagorja unacum fratribus, alter Supan
Poznan de Rama unacum fratribus, comes Ozthoya de
Vzkopal unacum fratribus, Herwathyn Wlkchkowych
10
de Vzora unacum fratribus, waywoda Voyko unacum
fratribus, Branos Chespernich de Zola unacum fratribus,
Supan Bodos unacum fratribus' rusticus Chelnyk de
Trebothyth unacum fratribus, Johannes Supanus simi-
liter cum fratribus. Istis autem premissis est pristaldus
Wlk Schytkowyeh waywoda Boznensis unacum Viteino
Thihwradych. Quis autem istis contravenerit aut ista
anichilaverit absque nota infidelitas eiusdem comitis
Wlkozlawi sepefati, extunc sit excomunieatus a patre
et filio et a spiritu sancto et a quatuor ewangelistis
necnon a duodecim apostolis neve ab omnibus deo
fideliter servientibus in presenti seculo et in futurum.
Presentem autem literam scripsit Priboye notarius in-
vietissimi gloriosissimi domini bani in Melch ignaro
quid sit.
Original auf Pergament im Arohiv von Könnend, Acta mem. Nr. 51.
IL
Moistre im Hause des grossen Gastes (Altmeisters)
Radoslav, undatiert (um 1223).
Banus Stefan von Bosnien und dessen Bruder,
Knez Vladislav schwört in Moistre in Anwesenheit
des Altmeisters radoslav, des großen Gastes Radoslav,
der Greise Radomir, Zumbor und Vucko und vor der
gesamten Kirche und vor ganz Bosnien beim Heile
seiner Seele und seiner Eltern dem Sohne des Knezen
Hrvatin von Kljuc, Vukoslav, daß er an ihn weder
Hand anlegen noch ihn peinlich richten werde; sollte
er aber gegen den Banus Böses vornehmen, werde er
sich vor guten Leuten zu rechtfertigen haben. Zur
Bekräftigung dieses Schwures geben sie ihm und seinen
Leibeserben zu eigen und als ewiges erbliches Patri-
monium zwei Gaue: Banica und Vrbanja mit den
Burgen Kljuc und Kotor, und zwar so, daß kein
Beamter des Banus dort Zutritt habe, wenn er es
*
11
nicht gestattet. Dafür habe er seinen Herren mit den
Waffen zu dienen, so gut als er es kann; und von
Luzac, von wo aus er dem Banns beitrat, möge er
durch 10 Jahre nach Belieben die Mannen beordern.
fibv HM1 WT(h)u, A H C ( H } N A H CBETOTA ^ ( V) ) ( A. A^h
c(ßE)TH r phr &pi i A 3OBOMB EANB ÖT"bn&Nb, r ( o c n O) ^ H) NK
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ßcfeMh ^EMAAMh EOCNhCKHMB, ^ACBA B-kf ü^ H ^ ( £ f ) w& U I T ( H ) -
U.A NAH5 r ( oc no) ^ H) N<X EANA H BC"fef)(h pO^HTEAh NALUH)(B H
CBOH) KHE3&' fiABKOCAAßS
7
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BEAHKHMK PA^OCAABOMb H Hp-k^B CTApBU.E/V\h pA^OMHpOMB H
JK^HBEOpOMB H fiABHKOMh H n p 4 ^ B BhCOMB UOBKBBOMB H
np' k^B EOCHOMB, £\ i-ck y NAK> flABKOCAABh c ^ h H h NH n o r ^ -
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7
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KOCAABB. J^ACBBA WN"k ?K&Yl'k WT MEE ^ 0 MEE, A NE HNOM^ BÜATS
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7
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KAAOI I I EBHI I B H KENKKOBHI I E H ÄHBB-kHOBHhh. H CHE nHCANHE
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TOCTH BEAHKOTA )(H?KH S' PA^ OCAAAH.
Das Original ist ein 25—26 cm langes, 17 cm hohes Pergament,
der untere Rand 3 cm umgebogen, von welchem ein Wachssiegel an
einer Seidenschnur herabhängt. Könnend, Archiv des Fürsten Batthyäny.
12
1323.
Be r i s l a v Skoci c u n d Söhne s c h e n k e n di e Hä l f t e
i hr e s h a l b e n Ge s a mt l a n d e s zu e wi g e m e r bl i c he n P a t r i -
mo n i u m d e m Kn e z e n Dobr kovi c u n d des s en Br üde r n.
Bei s i t zer s i nd: St e f a n J a r c i c a us Ze muni k, St e f a n
Cavl ovi c e b e n d a h e r u n d Tol oe Vr a t i s l a vi c v o n Sei t e
der Ve r wa ndt s c ha f t , s ä mt l i c he mi t Br üde r n. Ze u g e n :
Vu c k o Maj evi c, Ho t j e n J e z e vi c , Mi l e t a Voi hni c, Bol es l av
Zovj enovi c, Pr i bi s l a v Ka l i ni e , Do b r o g o s t Ra dogos t i c ,
Mr d e s a I gnovi c , Pr v o n j e g Tol i sl avi e, Yu k Ugr i ni c ,
Da ni l o Rodovi c , Tol i s l av Ka z n a c , Lj ube s l a v Ma r kovi c .
Ge s c hr i e be n i n An we s e n h e i t des Kn e z e n P a u l Hr v a t i n i c
u n d der Be wo h n e r v o n Ze mu n i k z ur Zei t , al s der So h n
Ba n u s St ef an He r r v o n g a n z Bos ni e n u n d Pa u l
Hr v a t i n i c Kn e z v o n g a n z Ze mu n i k wa r . Sc hr e i be r :
I va ni s I va novi c , Di j ak.
fih MME OU,A H CHHA H CBETOrA (sie) ^ X * - ÖKOHHMb,
KEÜHCAAB (Vk) CBOHMH BOHH-IlMH
1
C[HH]KMH HMA nOAK rOA\HAK
HA ONOrA nOAA nOAK S^KBOAH [ K] HE[ 3] A Kt pot ÄOKpK[KCß]nHA
H CK HETA KpATHEMK ^HftlJKH^E tf A*feAHH# S
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B"fiKH B^iKOMA
EM&" H ETA OCTAAOM^. fl TOM^ HpHCTABK GT'fcnAHK 'JipKHHWK H
CK KpATHEM OAK | SE] MKA( KH}HKA,
2
A AI\ pS TH PAAOCAABK
1
I ABK-
AOBH^Mk) H CM KpATHEMK OAK SEMKAKHHKA, TOAOE fipATHCAA-
BHHh H CK [KpATHEM OAK EÜATHE. fl [ T ] O M # Cß-fc^OKk KAKH[ K] | <0
MAT[-kE]BH[s]K H CK KpATHEMK, A AKp&Yn XOT'fiHK ß?KEBHHK
H £c h) KpATHEMK, A TpETH M[ HA] E T A fiOH)(KMHMK, HETfßJpKTH
KOAECAABK SOB'liHOßHHK H CK KpATHEMK, nETO [Hp]HKHCAABK
KAAHHHMK H CK KpATHEMK, UIECTO ÄOEpOTOCTK f AA[o]rOC> HHK
H CK KpATHEMK, CEAKMO MpKAElliA HrKHOBHHK H CK KpATHEMK,
OCKMO [n]p[Y]BOH' firK TOAHCAABHHK H CK KpATHEMK, AEBETO
fiAKKK cSrkpHHHHK H CK KpATHEMK, AECOTO ÄAHHAO POAOBHIK
1
Der Buchstabe E hat hier die kursive Form a, während im üb-
rigen das gewöhnliehe E gebraucht wird.
i
Vom Buchstaben K ist nur die erste Hasta erhalten.
13
H Ch GpATHEMK H E^hHO( HA^f t t Tl ) TOAHCAABh KA3hUKLJ.l1 H Ch
Kp[ a] THf Mh, ^f&YHHA^ECETE d&GECAABh M&phKOBHMh H Ch KpA-
THCTth. f l £\ N$ ^3[ h^] apHH3 KONA BpAHhLlA TEpE £hBA BOAH
CB[H]TE. A TO CE [Snn]cA np-k^h KHE3EMK n[&]ßhAOMh Xf ^Ba
T
-
h H SEMhA(hl l )HHAMH tf TO Bp"kft\E, [l «]b^A ckllJE
Gn- bnana BAHA CHHK tf BKCOH KocKi r k r ot no^ M^ H^ Hh) (si e)
HAHKOAE, A KHf ^h ÜABlvAK M&
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G[ H] I UE Xp^BAT-kl l HHI i [ßJ' kpbMIi
rOc[KnO£H]nLi [ B ] « M # 5EMhA( j i l l ) HK#. Ä KTO
2
TO nOpEHE GK O-
MHHbi, ^A i ck [5EM]l\AHHANHIIh, A rOCnO^HuK HAAHA [ujJECTb
^ECETK ^-kßHLl h. ff TO E BOAKNH 3Ar 0[ B0] pb. O^ h CHNA KOPKH-k
pOEHM'k K^klLIE MHH&AO A' kTh THC^ [ HA] H TpHCTA H ^ BÄ[ ^ EC] ET H
H [ T] J) H A[-k]TA ^ 0 TOTA Bp'kMEHE. [ f f ] TO n[HCA] HßAUHLUli
^[ H] ' kKb HBAHOBMHI V
Das Original ist auf Pergament, von welchem unten, wo das Siegel
angebracht ist, ein Stück weggerissen ist. Im übrigen ist auch das Per-
gament an mehreren Stellen durchlöchert. — Budapest, Bibliothek des
Nationalmuseums.
IV.
(Nach 1323).
Banus Stefan, Herr des gesamten bosnischen
Landes, von Soli und Usora, Donji Kraj und Hum
und dessen Bruder Vladislav belehnen den Knezen,
Gregor Stipanic den Großen, welchen er an der Spitze
der bosnischen Edelleute zur Brautfahrt um seine Ge-
mahlin zum bulgarischen Kaiser sandte, für diesen
Dienst zur ewigen Erbnachfolge mit fünf Dörfern und
den zugehörigen Einkünften. Die Dörfer heißen: Cecava,
Hrastus, Unenaviscijaks, Volovic und Modric. Zeugen:
Tepcija Radoslav, Hlap, Vuk Scitkovic Vojvode von
Bosnien, Knez Dabisa Beroevic, Knez Dragos Zorinovic,
jeder mit seinen Brüdern; — von Zagorje: Zupan
Poznan Puricic samt Brüdern; — vom Narenta-Gebiet:
Vuk Vuckovic samt Brüdern; — vom Rama-Gebiet:
1
Das M in abgerundeter Gestalt etwa wie m .
2
KTO ist oberhalb 3(NibAHHK!f angebracht.
14
Ostoja Pribojevie Knez samt Br üder n; — von Duvno:
Vojvode Bogdan samt Brüdern; — von Donji Kraj :
Znpan Porodas samt Brüdern; — von Usora: Vojko
Vojvode von Usora und Knez Vitan Tihortic samt
Brüdern; — von Soli: Znpan Budos samt Brüdern; —
von Trjebotic: Zupan Ivahan und Gojslav Obraclovic
samt Brüdern. Hofsekretär ist der Sohn des Schatz-
meisters Radoslav, Vukoslav. Geschrieben von Pribislav,
Dijak des Banus Stefan.
fiA HMi W'r(\}uh H CHH"k H CBETH (sie) ^C^OX** ^3**
CBETH TührS
;
pK A 30BOMh EAHK GTHnAHb, nO MHAOCTH EO/KHWH
r ( 0 c n 0 ^ H) n h BCHMh 3EMAhMh EOCbHhCKHMh H COAKCKHMK H
Sc(V)flliC!<HMh H AOHHMh KflliEMh H )((b
7
)MhCKHE 3EMAH r ^OCno}-
^ ( H ) n h , H EflliTK MOH KHE3A flAE^HCAßh: A ^( j x) cßh H ^ ( V) c Bh
( s i e b i s ) K n t 3 ^ r phr S
7
pb
;
BEAHKOMS
7
GTHnAUHk^' MHAOCTK
CBOK) BH HAK) Hp#
2
H J$U1%, M ^ACBb MS
7
nühBO ^EHhßS' ,
$ p o r o ( s i c) Xpkcrb' uj K, TptTHE cSHEHABHiuWkKUJii ( s i c) ,
fiOAOBHlili . I . MO^ÜH' I S. TOH M$> y^AMO 3A HErOßtf BfhNS
;
(Si c) CA#?KAES
?
TA£b, KA^A Vb, flOCAKCMO npH^A HAUUHMH BAl\-
CTEAH no r ocnoi o no MOIO i^hfö EVÜIJCKOMS
7
, H S
7
T O M HAMU
nO0CA(^)>KH npKBO H BHpKHO. H 4 EAHli GTHnAHh C EphTOMK
MOHMh C KHE3EMI1 C fi^A^K^' kcABOMh TAH CfAK HAK) ^ACBh
KHE3^ r öKr S
7
ü^ GTHnAHHllS
7
# BHKE BHKOMh, HEM^ H METOES'
WCThAOMS
7
, ^A MO ( s i e) Cf TO. HE nOfEHE HHK^ApE, HH HEMS
?
HH HErOB^ WCTAAOMO ( s i e) , LJJO EH Tbl HE wnHThAh IjfhKBK
EOCAHhCKh, CA BCHMH ^O^Ol j H H CA BhCHMH K^nHO. ä TOMO
( s i e) <# CBH^OLJH ^OEpH ECLUHKHE \ TEriHb'k pATOCABIi ( s i e)
H C EphTHWMK, ~)C/\MUs H C EphTHWMh, fitfith UJ^HTKOBHhh, BOE-
BO^h BOCAHbCKH, C EjiKTHWMIi, KHE3A ÄAGHUlli EEpOEBukk C
EptiTHWMh, KHE3A ÄphrOLUK SopHHOBHl i h CA EpbTHWMh ; WT
SATOüH' k PK^nAHh ÜC^NhHA^Nh) I l SüHl i Hi l h C EpbTHWMh; WT
HEpETBE fib'KK fiS^IKOBHlih H ( c h ) EphTHWMK J WT PhME KHE3A
GOcTO'k UpHEOEBHHh H 3 EpbTHWMh | WT AOMMh ( s i e p i ' 0
ÄOMHAJ BOEBÖ^A EOT^ANK H C CühTHUi n( h) | WT ^OHH)(h
1
Das erste a ist steil.
2
So für EHjitf.
15
KühH JfcS'nAHh IlOpO^AUib C EühTNWMh; WT ScOpE CBH-
^OKh JlOHKO, BÖEBO^A tfc(o)j)hCKH, H C EphTHWMK, KHE3A
fiHThMhTH\OphTHhh H C EpIsTH(\v)Mh, H ( W T ) GOAH JK&MAHK
K&^OUJh H C EpbTHW/V\h ; A WT Tpi EOTHl i ( b) m&nAHh ÜBb^HK
H € KfLTOMO ( s i e) , TOHCAEh GOEph^OBHrih H C EphTHWMh.
f! TOMO ( si e) t npHCTbBb WT TEOpb ( s i e) flSKOCABb (HHh TEn'IE
PA^OCABb. fl TKO llE CEH HAIUE 3AnHCAHHE npHTBOpHTH, HAH EH
HAWb (lOCAH^HH HAH EH HHOnAEAAEHHKb, ^A E npOKAET^b) H
WLJEMb H CHHO(Mli} H CBETHMb ^ ) ( ( O M ) | J H ^S
7
MbHA^ECET(V)
AnÖC^TO^AO^MA) H . £ .
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H3AKphMHA\H, H $ ( V) E K)^H CKApHW-
c(l()OMO ( s i e) Tfltflh ( s i e) H ^ [ A ] ( j ) npHHECTKNh KphBH EO-
« ( H 3 0 H H ^ J f npO(^KAE)'rh BCHMh TBOpO.WU ( s i e) UEEECKHMK.
— ( Mi t g r ö ß e r e n Bu c h s t a b e n : ) A CE HHCA IlpuEHCAEb ^KAKK
EAHh 6 THn4 Hl i ( h) , KOH ^OhrKALUE WT G( j \ ) ßE ^ 0 MOph, WT
JJETHNE ^ 0 ApHHE.
Das Original ist ein 38 cm langes, 11'5 cm hohes Pergament, am
unteren Rande 3'5 cm eingebogen. B. p. Körmend, ibidem.
V.
Ribici (1323-1331), 25. Nov.
Banin Elisabeth und ihr Sohn, Banus Stefan,
schwören dem Knezen Vukac zu, da!3 sie ihn weder
zu ihrem Gefangenen noch Geißel machen werden,
und daß sie sowohl ihn als seine Kinder in Treue
halten wollen, solange er nicht von jenen 14 Männern,
welche mit Banus Stefan, dessen Gemahlin und
Mutter, der Banin Elisabeth, seinem Bruder Vukoslav
Treue zugeschworen, um irgend einer Sache willen
verurteilt wird. Schreiber: Dijak Kadjen.
j- fib HME WLJA H C ( H ) N * H CBETOrA £ $ \ \ . IlAH^Hli)A f>AH-
CABTA H MOH (cH^HK BAHh GTHHAHb MHAOCTb HAH) KHEsK
fiAhKuS
7
, ^A E B-kpS' ( si e) HAK) HAK) ( si e) KHE3S
7
ÜAliKli^, ^A
HE S
7
HAH) C&;KI\Hb HM TAAEHHKb HH nOpKsENHKb, MH ^A N$
Nach dem Zeichen A noch ein Buchstabe, der aber unleserlich ist.
10
CE NE Cb6üh?KE B'fcpA '^A NAEO JKHBOTA H K O ( N K ) NETA H EI"OB#
^ ' k T E( T E) ö H, ^OKOA"k TA NE C ^ E HETH pENA^ECETE, KOH C# Hj l H-
CErAH C KANOMh GT E MA N OA MI K M^ t f fiAhKOCAAB^ H CK ETOBOMh
rOCnOWMh H Ch ETOBOMh MATEjJHK) GAN^HU) OMh ßAHCABETOM,
GE3I1 ErOBE NEB-lipE H EE3H ErOBE BbUIHNE NAMh nONECENHftJ, ^A
A\tf CE ß'fcüA NE CliBph^KE NH ErOB^ ^yfcTE^TE^BH. f l TKKO CE
nöpEHE, $ A E npOKAETh GK( Vo) Mb. ( si e) H C ( M ) H O M I V ETO H
nüNHHCTOMh MATEÜHK) ETO H Hl i CThNHMtv ^HBOTBOf EIJIHMK
KptvCTOA\b H HETHflKMM EBA^N^TEAMCTH H ^MANA^ECETE An^CTO-
( A Ö ) M A H HETHÜKMH ^ECETH ^HENHKOBh. f l ChW K H w r f n( V) c A
PA^- kNh ^Ht t l Kh tf P H K H H H ^ K NA Kf t TAAHNHh ^ ( V ) Ml \ NA CBE-
THLJ. S' rocnoE EANH( l | E) .
Das Original ist ein 26'5 cm langes, 15'5 cm breites, unten 2 cm
eingebogenes Pergament, mit einem Waclissiegel. Könnend, ibidem.
VI.
1331.
Banus Stefan, Herr des ganzen bosnischen Lan-
des, von Usora, Hum und Donji Kraj, und dessen
Bruder, Knez Vladislav, geben allen bosnischen Edel-
leuten kund und zu wissen, daß sie dem Knezen Vuk
Vukoslavic und dessen Bruder, Knez Paul, das Land
Banice mit Peci bestätigen, welche nach einstimmiger
Bestätigung der Edelleute in der erwähnten Landschaft
als ihr Adelsgut und darin Podstinje mit Vrbna,
Tukleke, Slivanci, Pustarija, Triska, Piscenica, Krasulje,
Ober- und Unter-Pomnicino, Crnilino, beide Zepinas, —
in Vrbanja aber Dabrani, Odrinice, Kozal bis Suhodol
und Rapte, und zwar für jenen Dienst, welchen ihm
der Knez Vuk erwiesen, als er, der Banus, in Rasa
war und gerettet werden sollte, und Vuk ihm sein
Pferd gab, er selbst aber zu Tode gestochen wurde;
das andere Mal aber, als ihm der Kaiser von Rasa
seine Burg Novi wegnahm, da hatte er, der Banus,
mit Hilfe des Vuk die Burg zurückerobert und Vuk
17
für ihn sein Blnt vergossen; das dritte Mal endlich,
als des Königs Ungetreuer ihm die Burg Visuc nahm
und Vuk die Furt von Trilj, wodurch der Banus wieder
in den Besitz der verlorenen Burg kam. Und es
traten hervor Gregor Pavlovie und Ylatko Vukoslavic
mit den Brüdern und erkannten den Bezirk Zemunik
der Familie Pavlovic zu, und Banice der Familie
Vukoslavic. Dessen sind Zeugen und Eidhelfer: Vla-
dislav Dabic, Ratko Santa, Mrkoe Scitovljanin, Bosnier;
— von Usora: Pribislav Hlapovic, Stipoe Celnicic,
Porucen Pribislavic; — von den unteren Gebieten:
Ratko Luzac, sämtliche mit Brüdern. Schreiber: Kupusac,
Dijak des Banus Stefan.
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18
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MOH r pA^ h, H TOy npOAH fiAKh KphBh 3A ME. TpETOy CAOy^KEOy
OyHHMH fiAKh, KA^A MH EHUJE KpAAEBh NEBHphNHKb Oy3EAh
r pA^h MOH fiHCOtlH (si e) ', TA^AH MH ÜAhKh jßAKOCAAßHhb, Oy3E
Tj)AhCKH EpO^h, CKpOgH TO Oy3E)(h MOH r pA^h. TO nOCAOy>KH
fiAKh fiAKOCAABHlib ; 3A TE CAOy?KEE £\ nOTBp^H)(h EANHLJE
H [ Mi t » MOHMh AHCTOMh H 3AKOHOMK, £\ HE CAOyfKH HNHMh,
TAKMOy UIHTOMh TEpE COyAHU,OMh; ^A E nAEMENHTA TAA
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WCTAAOMOy. H npH^E Tpr oypu ÜABAOßHkh H 3 b EpATHWMh H
fiAAThKO fiAhKOCAABHtlh (si e) H 3 EpATI^H^OMh, H nOCTABHUJE
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Koynno c i <(o)TApoMh H HA TO t oy npncTABH H CEH^OLI , H
^OEpH KOUJHAHE H OyCOpANE : Oy nOHEAÖ npHCTABh H CBH^OKl^h}
fiAA^HCAABli A^AEH^K H 3 EpATHWMIx, y^pOyrO PATKO IIl AHTA,
CBH^OKh H npHCTABh, H 3 EpATHWMh, MphKOE IHfciHTOBAANHNh,
npHCTABh H CBH^OKh, H 3 E Ü A T H OM( K ) ; 0 ^ OyCOpE : IIpHEH-
CAABh X^AnOTHl l b NpHCTABh H CBH^OKh,, H 3 EÖATHOMh, ÖTH-
nOE *j EAhNHHHtl (V), CBH^OKh, H 3 EpATHOM(V), IIOpOyHENh
IIpHKHCAABHUh, CBH^OKh TOMOy, H 3 EpATHOMh ; WT ÄOAhNH)(h
KpAH: PATKO ffOyjKAlJh, CBH^OKh H npHCTABh, H NETOBh OCTAAH.
TO c( V) 6ÖpH) ( h, ^A TA AHCTh OyEH'fc BCAKOTA AHCTA H NE MOpE
NHE^ANh npOTHBOy NEMOy TOBOpHTH, KH EH flpH NHCANh NA
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19
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. T . H . A . II i &0 . AHTO.
Das Original auf einem 37'5 cm langen, 17 cm breiten Pergamente,
unten mit einem 3'5 cm breiten eingefalzten Rande. Waclissiegel: das
gewöhnliehe Siegel des Banus Stefan. Könnend, ibidem.
VII.
Suha auf Prozracca, undatiert (um 1353).
Knez Vladislav, dessen Gemahlin Helene, (ihr Sohn)
Banus Tvrtko und sein Bruder, Knez Vuk, nebst zwölf
Eidhelfern, Bosniern, schwören dem Knezen Vlatko
Vukoslavic, daß sie jenen Schenkbrief halten werden,
welchen Banus Stefan dem Vukoslav gegeben. Zeugen
sind: Vojvode Purca, Ivahan Ivanovic, Vladislav Obra-
dovic, Vucihna Tepcic, Boleslav Dukoevic, Vlaj Dobro-
voevic, Vukac Hrvatinie, Budislav Cavlovic, Branko
Pribinic, Jursa Radoevic, Bosnier samt Brüdern; .vom
unteren Gebiet: Ninoslav Novakovic, Stanac Gapilovic,
gleichfalls samt Brüdern. Kanzler vonseiten des Hofes:
Bogdan Bjelhanic, vonseiten des Landes: Stjepoe
Hrvatinic und Brüder. Schreiber: Drazeslav, Dijak des
Banus Tvrtko und früher des Banus Stefan. Geschrie-
ben in dem zuvor genannten Ort, als Banus Tvrtko
zum ersten Male nach Hum kam.
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ßOEBHlih H Ch EpATHWMh, ßAhKLJhXpkBATHHHkh H CK EpATHlVMh,
Eb^HCAABh MaßAOBHlih H Ch GpATHWAAh, KüAHKO I I ÜHEHNHI I ,
H Ch EpATHOMh, lOphllJA PA^OEKHiih H Ch EpATHOMh ; A WT
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^H'kKh BEAHKOCAAßhHOTA r^OCnO^^H^HA KAHA GT'knAHA.
Das Original ist auf einem 36'5 cm langen, 14'5 cm hohen Per
gamente, unten 3'5—4 cm breit eingebogen, mit einem Wachssiegel.
Könnend, ibidem.
VIII.
Suha auf Prozracca, undatiert (um 1323).
Der Knez Vladislav, dessen Gemahlin Jelena, ihr
Sohn Banus Tvrtko und dessen Bruder Vuk mit zwölf
Eidhelfern, Bosniern, schwören dem Knezen Vlatko
Vukoslavic und dessen Kindern, daß sie ihn weder
gefangen noch als Geisel nehmen werden, weder ihn
noch seine Kinder; weiters schwören sie ihm, daß sie
i hn i m Fr i e d e n i n j e gl i c he m Gu t e be l a s s e n we r d e n ,
we l c he s er zu j e n e r Zei t be s a ß, al s Ba n u s St ef an
s t a r b. Di es e Gü t e r s i nd: Kl j uc u n d di e z uge hör i ge n
Dö r f e r : I g, Li povci , Eudi ni c e , Ri bi ci , Lj ubi nj e, Sv e t a
gor a , s ä mt l i c he v o n Gr e nz e zu Gr e nz e h a t t e Ba n u s
St ef an d e m Kn e z e n Yl a t k o ge ge be n. We i t e r s i n
Ze mu n i k z we i Dör f e r : Li pni c a u n d St j eni ce, — i n
Vr b a n j e di e be i de n Dör f er La t i c i c mi t de n Dö r f e r n :
Ka bl e , J a k o t i n a u n d de r Hä l f t e v o n Unt e r - Bl i z ka .
Ze uge n s i nd di e gl ei chen wi e i n de r vor i ge n Ur k u n d e
Nr . YI I , di e gl ei chen Ka n z l e r u n d Schr ei ber , a uc h de r
gl ei che Ze i t punkt .
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Das Original ist auf einem 35
-
5 cm langen, 21 cmhohen Pergament,
unten 3"5 cm breit eingebogen. Wachssiegel. Körmencl, ibidem.
1
Statt 111 ist fehlerhaft n geschrieben.
- Hier sind ca. 5 Buchstaben radiert.
23
IX.
Ohne Ortsaugabe. 1354.
Als des Banns Mutter mit ihrem Sohne, Knez
Vuk, aus Ungarn heimkehrte und als der Stanak von
ganz Bosnien, Donji Kraj, Zagorje und vom Lande Hum
bei Mile versammelt war, schwur die Mutter des Banns
und deren Sohn, Banus Tvrtko, nebst zwölf Eidhelfern
aus Bosnien dem Knezen Vlatko Vukoslavic, daß sie
ihn im Frieden in allem, was er besaß, als Banus
Stefan starb, belassen werde. Es schwuren: des Banus
Mutter, Banus Tvrtko, Schatzmeister Boleslav, Tepcija
Ivahan, Knez Vlajo Dobrovoevic, Vojvode Purca,
Knez Mrkoe, Zupan Crnug, Knez Vladislav Obradovic,
Zupan Vucihua Tepcic, Knez Mastanj Bubanic, Knez
Vlatko Obrinovic und Knez Bogdan Bjelhanic. Kanzler:
Tepcija Ivahan und Knez Mrkoe. Schreiber: Drazeslav,
Dijak.
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^HCAABh GÜEpA^OBHlih, ^ECETO ;K&nAHl\ fiAhHH^HA TEni nl i h,
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^H' kKK WT. nOpOENH'k E(V);KM' k A^iTlx . H . f . H . ^ . A'kTO.
Das Original ist im Familienarchiv des Barons Jeszenak, im Unga
rischen JSTationalmuseum. Herausgegeben von Gustav Wenzel, in Magyar
Törtenelmi Tär, Jahrgang 1819 unter dem Titel .,Slavische Geschichts
denkmäler und die ungarische Geschichte", S. 14.
X.
Ohne Ortsangabe. 1357.
Banus Tvrtko verspricht dem Knezen Ylatko
Yukoslavie und dessen Sohn Vukoslav und seinen
Nachkommen, daß ihnen wegen der Untreue ihres
Vetters Gregor Pavlovic keinerlei Böses geschehen soll.
Geschriehen von Dijak Drazeslav.
25
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cp^(V)HAMOrA EpATA r(^OcnO}^(H)nA KHE3A fiAhKA H NHH3
MATEÜE nOHTEIIE TOCnOE ßA'knE H U H p BAACTEAh, # HME : KA-
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BO^E TßphTKA H MErOBA EpATA »tfriAMA HOBAKA H KHE^A
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GÖEpA^OBHtiA H W^nANA EpA'kHA üpHEHHHliA H KHE3A
MHAOUJA ÄHBOLUEBHtiA H HErOBA EpATA KME3A GAA^O'k H
KNE3A IlAATKA GOEpHHOBHllA H TOcnOE ßA'knE GDcTOMMHLjE,
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A TOIwK E Ü^HhHHKh H npHCTABh BOEBO^A HSphliA H CK EpA-
THOMh H KHE3I1 fiAliKKLHi \phBATMHHlih. ff CE HHCA ÄpAJKECAABK
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Mitgeteilt von Wenzel, an der erwähnten Stelle, S. 16 und 17.
XI.
Ohne Ortsangabe. 1367. (Fragment.)
(Tvrtko . . . . bestätigt den Kuezen Paul Vuko-
slavic, nnd dessen Nachkommen in allem, womit er zu
ihm übergegangen war, mit dem Znsatze, daß ihm
26
niemals etwas genommen werden könne, außer ei-
nlache sich eines Vergehens schuldig, wofür ein bos-
nischer Edelmann enthauptet wird. Diesem Schenkungs-
briefe gegenüber hat kein anderer Gültigkeit. Zeugen:
aus Bosnien Sanko, Vojvode Purca, Zupan Vukoslav
Nahoevic, Tepcija Vucihna, Knez Stjepoe Hrvatinic,
Gregor Mrkoevic; — aus Usora: Schatzmeister Stjepoe,
Vojvode Tvrtko, Knez Tjehcin, Zupan Porucen, Knez
Jure Dobroslavic, Tvrtko Cekanovic, sämtliche mit
Brüdern. Kanzler: Vojvode Purca und Schatzmeister
Stjepoe samt Brüdern. Schreiber: Vukmir Krljehtic.
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GT'knOE H 3 EpATHWMh, BOEBO^A TßphTKO H 3 EpaTHWMh,
KNE3I1 Tt ^SHUh H 3 KpaTHWMh, fR^nA-HA (si e) ÜOp^HENK H
3 EpATHWMh, KNE3I» K)phH ÄOKpOCAABHlih H 3 KpATHWMh,
TßphTKO
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BO^a Iltfphtia H 3 EpaTHWMh, Ka3HaU,h GT'knOE H 3 EpaTHWMh.
KTO KH TO nopEKAh, ^ a E npOKAETh WTLLEhlh H CHHOMh H CBET-
1
Raum für ein Wort leergelassen.
- Eadiert.
3
Korrigiert.
4
Das eingeklammerte ist radiert.
* Detto.
27
*
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nOpOEHH'fe EO^H-b A'ilTK . H . H . T . H . g . H . 3 . A4TOU>.
Das Original ist auf einem 38—34 cm langen. 15 cm hohen Perga-
mente, dessen unterer Rand 1'5 cm umgebogen ist. Ohne Siegel. Kör-
mend, ibidem.
XII.
Moistra, 12. 31ärz, 1380.
Tvrtko, von Gottes Gnaden serbischer, bosnischer
König usw., belehnt den Sohn des Vojvoden Vukac,
Zupan Hrvoje, mit der Würde eines Großvojvoden,
überdies mit drei Ortschaften in Lasva, nämlich Trbousa,
Lupnica und Bila.
Das Original ist auf einem 16 cm breiten, 9'5 cm hohen Perga-
ment e ohne Siegel. — Ursprünglich war es in der Bibliothek des Unga-
rischen Nationalmuseuma aufbewahrt, späterhin kam es tauschweise in
das Landesmuseum zu Sarajevo. Vergleiche ThaUöcgy's Anal yse: Die
Urkunde des Königs Tvrtko über die Großherzogswürde Hrvoja's ; Magyar
Könyvszemle 1897, S. 159 —173. Erschien 1898 auch in Grlasnik zemaljskog
muzeja und 1899 im VI. Baude dieser Mitteilungen S. 284—290.
28
III.
Diplomatische Beurteilung der Urkunden und topo
graphische Ergebnisse.
Die mitgeteilten Urkunden sind sowohl für den
Geschichts- wie für den Sprach- und slavischen Alter-
tumsforscher von Interesse. In eine sprachliche Analyse
dieser Urkunden kann hier nicht eingegangen werden»
Die gegenwärtige Beurteilung wird sich hauptsächlich
auf das Hervorheben geschichtlich-diplomatischer Ge-
sichtspunkte beschränken. *
Die eine Hälfte dieser in cyrillischer Schrift ab-
gefaßten zwölf Urkunden (6 Stück) ist mit Datum
versehen, die andere Hälfte (6 Stück) hat keinerlei
Datum. Zunächst ist also das Datum dieser letzteren
festzusetzen.
Direkte Datierung haben drei Urkunden aus dem
Xationalmuseum [Nr. III (1323), IX (1354) und
X (1357)]; unter den Könnender sind nur zwei datiert
[Nr. VI (1331) und XI Fragment (1367)], ebenso das
im Sarajevoer Museum aufbewahrte Stück [Nr. XII
(1380)]. Die übrigen 6 Stück (Nr. I, II, IV, V, VII
und VIII) haben kein Datum. Hinsichtlich des Aus-
stellers ist Nr. III eine Privaturkunde des Besitzers
der Zupa Zemunik, namens Skocic, von den übrigen
11 Stücken sind 5 Stück von Stefan Kotromanic,
1
In bezug auf die Ragusaner slavischen Urkunden ist am wert-
vollsten die Studie: „Die Ragusaner Urkunden des XIII—XV. Jahr-
hunderts". Von M. Hektar Archiv für slavische Philologie, IG—IS.
Jahrgang.
29
6 Stück von Tvrtko, und zwai* 5 Stück aus der Zeit,
wo er noch Banus war, und 1 Stück aus der Zeit
seines Königtums.
Von den 5 Stücken des Stefan Kotromanic ist
das I. dem Vukoslav, Sohn des Fürsten Hrvatin von
Kljuc, ausgestellt. Auch die IL Urkunde lautet auf
denselben Sohn des Fürsten Hrvatin und ist eigentlich
eine feierliche Wiederholung der Schenkung in Nr. I.
Die sachliche und persönliche Zusammengehörigkeit
dieser beiden Urkunden — wobei noch hinzugefügt
werden kann, daß auch die Begründung der Schenkung
die gleiche ist — weist direkt darauf hin, daß auch
ihre Entstehung wahrscheinlich in dieselbe Zeit ver
setzt werden könne. Die Urkunde IV wurde für Gregor
Stipanic ausgestellt, welcher kaum ein anderer sein
konnte als ein Bruder Hrvatins, des Oheims des im I.
und IL Stück erwähnten Vukoslav, des im III. vor
erwähnten Paul und des Vukac im V. Bezüglich des
Stammbaumes der Belehnten geht hervor, daß sich die
Stücke Nr. I, IL III, IV und V auf die Nachkommen
Stipanic' des Großen im ersten und zweiten Grade
beziehen. In den übrigen Urkunden unter Nr. VI. VII,
VIII, IX, X, XI und XII fungieren die Söhne des
erwähnten Vukoslav, nämlich Vuk und Paul (Nr. VI
und XI), gleichwie Vlatko (VII, VIII, IX und X) und
des Vukac Sohn Hrvoja (Nr. XII), d. h. die dritte und
spätere Generation.
Die Urkunde aus Mile (Nr. I) handelt von der
selben Schenkung wie Nr. IL Über die Datierungen
gibt die Urkunde selbst Aufklärung, indem sie berichtet,
daß der Belehnte seinen kroatischen Herrn verließ und
sich an die Seite des bosnischen Banus stellte. Nachdem
Hrvatin und dessen Söhne Verwandte und Anhänger
der Familie Subic waren (vgl. Anhang, unter B der
erwähnten Urkunde), so ist es zweifellos, daß diese
Urkunde in die Zeit nach der Niederlage des Banus
30
Mladen, am sichersten in das Jahr 13 2 2, zu setzen ist.
Yon derselben Urkunde besitzen wir eine gleichzeitige
lateinische Übersetzung.
Die Urkunde unter Nr. II entstand bestimmt vor
1340, denn Banus Stefan macht die Schenkung vor
den Oberhäuptern der bosnischen Bogumilenkirche, vor
dem Großältesten (djed) Radoslav, dem Großgaste (gost)
und den Kirchenalten (starci) Radomir, Zumbor und
Vuk; wir wissen aber, daß er 1340 zur römisch
katholischen Religion übertrat. Weiter oben wurde
erwähnt, warum wir ihre Ausstellung um 1323 fest
setzen.
1
Der Zeitpunkt der Ausstellung der undatierten
Urkunde Nr. IV kann annähernd aus dem Umstände
ermittelt werden, daß Fürst Gregor Stipanic die Schen
kungsurkunde vom Banus Stjepan dafür erhielt, da ß
er an der Spitze bosnischer Edelleute zum „burischen"
„Kaiser" um die Gemahlin des Banus Stjepan sich
begeben hatte. Bekanntlich war die Gattin des Stefan
Kotromanie die Tochter des kujavischen Herzogs Ka
simir, Kusine der Tochter des Königs von Polen
Vladislav Lokietek, Elisabeth, der Gemahlin des unga
rischen Königs Karl Robert. Was der Urkundenaus
steller unter dem burischen Kaiser verstand, ist unver
ständlich. Vom Standpunkte der Festsetzung der Datie
rung dieser Urkunde ist das für uns nebensächlich,
aber wesentlich ist der Umstand, daß sich. Banus Ste
fan 1323 vermählte. Sehr glaubhaft ist die Annahme,
daß dieser Gregor Stipanic 1323 die Braut abholte,
und in dem Falle wäre die Urkunde um das Jahr 1323,
beziehungsweise unmittelbar darnach verfaßt.
Vom Datum der Urkunde Nr. V wissen wir bloß
den Tag: den 24. November. Die Ausstellerin ist die
Banin Elisabeth, und deren Sohn Stefan. Nachdem
1
Vergleiche noch das Archiv Blagay, Nr. L, 25. Mai 1325, da
Vut osl av bereits „in Castro nostro Cluc" datiert.
31
bekannt ist, daß Elisabeth, die Mutter des Banus
Stefan, 1331 gestorben ist, müssen wir die Ent
stehung dieser Urkunde zwischen den Anfang der
Regierungszeit des Banus Stefan, 1322, und das
Todesjahr der Banin, 1331, setzen.
Daß diese Urkunde gerade' von der Banin Elisa
beth ausgestellt wurde — diese wird an erster Stelle
genannt und nach ihr erst Banus Stefan — scheint
darauf hinzuweisen, daß diese Urkunde unmittelbar
zwischen dem Tode Kotromanic' und dem Regierungs
anfang Stefan Kotromanic', in der Witwenzeit der
Bauin Elisabeth, also im Jahre 1322 verfaßt wurde.
Doch mit Rücksicht darauf, daß in der Urkunde auch
der Gemahlin des Banus Stefan Erwähnung geschieht
und dieselbe 1323 sich vermählte, wird es besser sein,
bei der ersten Datierung zu bleiben. Es muß bemerkt
werden, daß diese Urkunde der Banin Elisabeth nicht
die erste unter den zugunsten des Fürsten Vladislav
ausgestellten Urkunden war, denn sie erwähnt, daß
sie und ihr Sohn Stefan nebst vierzehn Genossen
bereits früher dem Fürsten Vladislav einen Schwur
geleistet haben. Über diesen Schwur wurde unzweifel
haft eine Urkunde ausgestellt, gleichwie jene von 1354:
(Nr. IX), als Banus Tvrtko samt dessen Mutter, Bruder
und zwölf Eidgenossen demselben Fürsten Eid geleistet.
Doch diese Urkunde ist nicht vorhanden.
Unter den undatierten Urkunden Tvrtko's wurden
Nr. VII und VIII in Suha ober Prozracca noch vom
Fürsten Vladislav, dem Vater Tvrtko's, ausgestellt. Dem
gemäß müssen sie vor 1354 geschrieben worden sein,
denn in der Urkunde Nr. IX, herausgegeben 1351,
füngiert Vladislav nicht mehr, sondern bloß dessen
Gemahlin (Witwe?) Jelena. Und dies zur selben Zeit,
denn beide haben denselben Verfasser und geschrieben
wurden sie vom Dijak Drazeslav am selben Orte, vor
den gleichen Zeugen und Eidhelfern. Überdies kann
82
noch zweier umstände Erwähnung getan werden, wo-
nach diese beiden Urkunden ganz zuverlässig in den
Beginn der Regierungszeit des Banns Tvrtko verlegt
werden können, nämlich in das Jahr 1353. Der eine
betrifft den in denselben erwähnten Tod des Banus
Stefan und beide sind, wie auch aus dem Text her-
vorgeht, die Bestätigung zweier Urkunden des Banus
Stefan; der andere hingegen weist nach dem Wort-
laute der Urkunde darauf hin, daß dieses Dokument,
beziehungsweise die Ausgabe desselben in jene Zeit
fällt, als Tvrtko das erste Mal (also unmittelbar am
Anfänge seiner Regierungszeit) nach Hum ging. Soviel
über die undatierten Urkunden.
Was die datierten betrifft, kann folgendes bemerkt
werden. Die Urkunde Nr. III von 1323 weicht inso-
fern von den anderen ab, als sie eine Privaturkunde
ist. Beim Vergleichen derselben mit den Dokumenten
des Schreibers des Banus fällt zunächst in die Augen,
daß dieselbe eine größere, weniger genaue und weniger
geübte Schrift aufweist. Ihr Inhalt ist, abgesehen von
privatrechtlichen Daten, dürftig genug. Topographisch
wertvoll ist sie insoweit, als sie auf dem Territorium
des Zupanates von Zemljanik erlassen wurde. Die Tat-
sache, daß damals Fürst Paul Hrvatinic der Herr von
Zemljanik war, ist jedenfalls einer Beachtung wert,
denn am 28. Mai 1287 war die Zemljaniker Zupanie
im Besitze des Prijezda, Großvaters des Banus Stefan
Kotromanic. Die zweite Bemerkung, daß Fürst Paul
treu zum Banus Stefan hielt, gibt zu dem Schlüsse
Veranlassung, daß er gleich wie seine Brüder Vukoslav
und Vukac die Subice verließ und deshalb das Zupanat
Zemljanik erhielt. Leider besitzen wir darüber keine
Urkunden.
Die Urkunden Nr. IX von 1354 ohne Ortsangabe
sowie Nr. X von 1357, gleichfalls ohne Ortsbezeich-.
nung datiert, sind bereits in Törtenelmi Tär publiziert,
38
jedoch fehlerhaft. Daher wurden sie hier abermals mit-
geteilt — überdies auch noch deshalb, weil die Ur-
kunden hier in ihrem vollständigen Zusammenhange
veröffentlicht werden konnten. Fehlerhaft ist z. B., wenn
Wenzel die Einleitungsreihen np^f . . . u> Srph wie
folgt liest: npH^t . . . Gh&Vph usw. und wenn er infolge
dieser fehlerhaften Lesart auf S. 18, P. 3 schreibt:
„Tvrtko's Mutter, welche in der Urkunde von 1354
Strj heißt, in jener hingegen von 1357 Jelena" —
während im Originale die Mutter des Banus gar nicht
genannt wird, sondern über sie bloß die Worte stehen:
„als sie aus Ungarn (
Ch
Srphj zurückkehrte."
1
Weitere
Fehler sind es, daß im slavischen Texte statt Obra-
dovie Obralovic und statt Dobrovojevic Dobrovojebic
gesetzt wurde usw.
Das Urkundenfragment Nr. XI ist datiert von
1367, die Urkunde Nr. XII von 1380.
Nachdem so die Datierung festgelegt wurde, kann
an die diplomatische Beurteilung der Urkunden ge-
schritten werden.
Bisher waren zwei in cyrillischer Schrift verfaßte
Urkunden von Stefan Kotromanic bekannt.
2
Die eine
ist vom 23. Oktober 1332 ohne Ortsangabe, die zweite
vom 15. März 1333 aus Srebreuik. Beide wurden den
Ragusanern ausgestellt. Die erste verfaßte Priboje, der
„Oberschreiber" des Banus Stefan, in der zweiten
wird der Schreiber nicht genannt. Vom diplomatischen
Standpunkte ist die erste wichtig, weil der Schreiber
der Ragusaner Republik (Grammaticus) nachträglich
einen Zettel aufklebte, in welchem er sagt, daß diese
Urkunde in zwei Exemplaren ausgestellt wurde, wovon
das eine vom Banus in dessen Kurie aufbewahrt wird.
1
Diesen Fehler bemerkte Buvarac in seiner Studie über TVrtko
im Grlasnik zemaljskoga muzeja u Bosni i Heroegovini, J. 1894. Vgl.
Wiss. Mitt. aus Bosn. u. d. Herz. Bd. IV, 1896, S. 324 ff.
2
Beide bei Miklosich: Monumenta < serbioa, 8. 101 und 105, Nr.
LXXXV und LXXXIX.
8
84
Die zweite Urkunde berichtet, daß sie in vier Exem
plaren herausgegeben worden — zwei lateinische und
zwei serbische, wovon zwei von Banns Stefan ver
wahrt werden. Daraus können wir annähernd sicher
schließen, daß die bosnischen Bane, und zwar schon
seit Stefan Kotromanic, wennschon nicht ihr eigenes
Archiv, so doch jedesfalls ihre Urkundensammlung
saßen, welche sie an ihrem Hofe verwahrten. Wo diese
Kurie sich befand, ist aus den Urkunden nicht ersicht
lich. Nachdem man jedoch weiß, daß die Bane an
mehreren Orten Residenzen hatten, um nur beispiels
weise die zwei bekanntesten zu nennen, in Visoko und
Bobovac, kann nicht ermittelt werden, wo diese Kurie
gestanden haben mag.
Übrigens, sei es wo immer gewesen, jedenfalls
hatten sie ihre Urkundensammlung und wir können
mit Recht behaupten, daß sie auch ihre Kanzleien
besaßen. Darauf deutet unter anderem auch schon die
Benennung „veliki dijak" = Großschreiber, was wir
gerne derart erklären möchten, daß der genannte
Priboje eine Art Vorstand über die in der Kanzlei
angestellten Schreiber (immer nur Dijak
1
und nicht
wie bei den Moldaufürsten Logofeten oder wie in
Ragusa Gramatici genannt), war. Leider können wir
außer den Namen der Dijaks, und da bloß einiger, von
der Organisation dieser Kanzleien nichts weiter berich
ten. Aus den Datierungen der Urkunden ersehen wir,
daß sie an verschiedenen Orten herausgegeben wurden. Die
Kanzlei arbeitete demnach nicht nur in der jedesmaligen
Residenz der Kurie, sondern wurde vom Banus mitgeführt.
Mit den gegenwärtig publizierten fünf Urkunden
des Banus Stefan ist die Zahl der in bosnischer Schrift
verfaßten auf sieben angewachsen. Von fünf dieser
Urkunden nennen sich in vier Fällen deren Schreiber
1
Mit Ausnahme des einen Falles aus der Zeit des Ninoslav,
MiUosich, ib.
35
selbst mit Namen, nämlich die eine schrieb Radjen,
die zweite Pribisav, die dritte Kupusac und die vierte
Priboje. Der Verfasser der fünften, welche in Anwesen-
heit der bosnischen Kirchenvorstände geschrieben
wurde, nannte sich nicht, aber aus dem Umstände,
daß diese Schrift im Hause des Großgastes verfaßt
wurde, kann als glaubhaft angenommen werden, daß
die Urkunde von einem der- Oberhäupter der bosnischen
Kirche geschrieben wurde.
Über diese Dijaks, deren bloß in diesen Urkunden
überhaupt Erwähnung getan wird, wissen wir sonst
nichts Näheres. Vom ersten, dem Schreiber der Urkunde,
die noch vor der Banin Jelena verfaßt wurde, vom
Dijak Kadin, kann als wahrscheinlich angenommen
werden, daß er noch aus dem Dienste Kotromans
übernommen wurde, denn die übrigen drei Dijaks fügen
jedesmal ihrem Namen hinzu, daß sie Dijaks des Banus
Stefan seien, während Badin dies nicht tat. Daraus
scheint hervorzugehen, daß sowohl Elisabeth als auch
Stefan ihren eigenen Schreiber hatten. Priboje, der
Schreiber der Urkunde Nr. I, ist auf alle Fälle iden-
tisch mit dem Hauptschreiber der oben erwähnten
Urkunde von 1332.
Alle fünf Urkunden sind zu gunsten derselben
Familienglieder und über den gleichen Gegenstand er-
lassen. Ihre Textierimg unterscheidet sich durch nichts
von den zwei bereits bekannt gewordenen Briefen des
Banus Stefan. Die Invokation ist, wie bereits Buvarac
bei den bekannten zwei Urkunden bemerkte,
1
auch hier
die gleiche, nämlich: im Namen des Vaters, des Sohnes
und heiligen Geistes.
Dies fällt besonders bei dem vor 1340 datierten
Briefe (Nr. II) ins Auge, wo Stefan und dessen Bru-
der in Anwesenheit der Oberhäupter der Bogumilen-
kirche eine Schenkung tun und bei seinem und seiner
1
Regierung des Banus Tvrtko 1355—1357. Sarajevo, Glasnik 1894.
3*
36
Eltern Seelenheil schwören. Bereits Ruvarac, welcher
diese Urkunden nicht kannte, äußerte seine Verwunde-
rung darüber, daß der bogumilische Stefan eine solche
Invokation benützte.
Charakteristisch ist es, daß Banus Stefan in den
Urkunden von 1323, von 1331 und in jener von 1346
in Kürze der Verdienste, für welche die Schenkungen
gemacht wurden, Erwähnung tut. Diese Begründung
stimmt genau mit jenen der westlichen Urkunden über-
ein, in bosnischen hingegen ist das seltener der Fall.
Die Bane erwähnen zwar in Kürze, daß der betreffende
Beschenkte für seine Verdienste belohnt wird, doch
selten werden diese namentlich aufgezählt.
Auch in diesen Urkunden, gleichwie in der Mehr-
zahl bosnischer Dokumente, werden die bosnischen
Würdenträger, und zwar gewöhnlich nach deren Pro-
vinzen aufgezählt. Diese Eigentümlichkeit klärt uns
über den Ursprung des altbosnischen Adels auf, inso-
weit die Betreffenden gewöhnlich den Adel der ein-
zelnen Teile von Bosnien repräsentieren. Von den
gegenwärtigen bietet die Urkunde Nr. III überdies
nähere Nachrichten über die Edelleute der Zupa Zem-
ljanik. Das sind folgende: Berislav Skocic (leider wird
nicht erwänht, wo das Land von der Hälfte der „Gomila"
lag), Knez Boroje Dobrkovic, Stefan Cavlovic, Stefan
Jarcie, Taloje Vratislavic, Vucko Matejevic, Hotjen
Jezevic, Mileta Voihnic, Boleslav Zovjenovic, Pribislav
Kalinic, Dobrogost Radogostic, Mrdesa Ignovic, Prvo-
njeg Talislavic, Vuk Ugrinic, Danilo Rodovic, Talislav
und Ljubeslav Markovic. Aus derselben Urkunde er-
fahren wir außerdem noch, daß zu jener Zeit, 1323,
Zemljanik zu Bosnien und unter die Herrschaft des
Banus Stefan Kotromanic gehörte, der Herr dieser
Zupa aber Knez Paul Hrvatinic war.
In Urkunde Nr. IV kommen nachstehende Namen
vor: a) Bosnier: Tepcija Radoslav, Hlap, Vuk Scitkovic,
07
Vojvode von Bosnien, Knez Dabisa Beroevic, Knez
Dragic Zorinovic; b) aus Zagorien: Zupan Poznan
Purcic; c) von der Narent a: Yuk Vuckovic; d) von
Rama: Ostoja Priboevic; e) von Duvno: Vojvode Bog-
dan ; f) von Donji Kraji: Zupan Porodas; g) von ITsora:
Vojko, Vojvode von Usora, Vitan Tihorcic; h) von Soli:
Zupan Budos; i) von Trjebotic: Zupan Ivahan, Gojslav
Obradovic.
In der VI. Urkunde: a) Bosnier: Vladislav Dabic,
Ratko Santa, Mrkoje Scitovljanin; b) von ITsora: Pri-
bislav Hlapovic, Stipoe Celnicic, Porucen Pribislavic;
c) von Donji Kraji: Ratko Luzac.
In I : a) Bosnier: der „Tepcija", Radoslav Dabisa,
Dragos, der Zupan Krksa; b) von Zagorje: Zupan
Poznan; c) von Rama: Ostoja; d) von Skoplje: Hrvatin
Vuckovic; e) von Usora: Vojvode Vojko, Branos Ceprnic;
f) von Soli: Zupan Budos, Junkermeister; g) von Trje-
botic : Zupan Ivahan.
Eine Vergleichung der zitierten Namen ergibt,
daß Hlap, Poznan, Vojvode Vajko, Zupan Budos, Zupan
Ivahan, Radoslav Tepcija, Dabisa, Dragos, Ostoja je
zweimal, die übrigen nur einmal angeführt werden.
VonTvrtko waren bisher sechs Urkunden bekannt.
1
Die erste ist von 1367 datiert, die zweite vom 9.
Februar 1375, die dritte ohne Jahresangabe, die vierte
von 1378, die fünfte von 1382 und die sechste vom
9. April 1387.
Für die diplomatische Beurteilung der Urkunden
Tvrtko's ist zunächst zu bemerken, daß er 1377 zum
Könige gekrönt wurde und seither sich für den recht-
mäßigen Nachfolger der serbischen Herrscher hielt.
Dementsprechend sind auch seine Urkunden von dieser
Zeit an ganz anders verfaßt als seine Banalurkunden.
In den letzteren benutzt er den üblichen Stil der
bosnischen Bane, in den ersteren die bombastische
1
Miklosich, ib. 176, 184, 185, 186, 200, 200.
38
Schreibweise der serbischen Herrscher. Von den oben
zitierten Banalurkunden wurde die erste von Dijak
Drazeslav verfaßt, welcher in dieser Urkunde über sich
selbst den Zusatz machte, daß er dem Stamme der
Boice angehöre. Die zweite verfaßte der Dijak Brajan
zu Bobovac, Der Schreiber der dritten wird nicht ge
nannt, auch die Ortsangabe geschieht in anderer Weise
als in der vorigen, indem es nicht heißt „unterhalb
Bobovac" (ispod Bobovca), sondern „in unserer Burg
Bobovac" (u nasem gradu Bobovcu). Nichtsdestoweniger
ist es glaubhaft, daß sie gleichwie die vorige vom sel
ben Dijak Brajan verfaßt wurde.
Die erste der Urkunden nach der Krönung hat
zum Verfasser Vladoje, welcher sich nicht mehr
„Schreiber", sondern Logofet nennt. Der Verfasser der
zweiten ist nicht genannt, ebensowenig jener der dritten.
Zu diesen sechs Urkunden gesellen sich nun noch
die fünf vorliegenden, sämtliche aus der Zeit der Banal
würde stammend, d. h. noch im alten Schreibstile des
Banus verfaßt. Die Invokation ist die gleiche, mit dem
Unterschiede jedoch, daß überall das „Amen" vor
kommt. Sie betreffen dieselbe Schenkung und siud in
Verbindung mit den Urkunden Stefans nicht nur
der Provenienz, sondern auch dem Gegenstande nach
gleich. Leider fehlt die Begründung und daher müssen
wir, um die Entstehung dieser Urkunden., beziehungs
weise der Schenkungsbriefe, aufzuklären, zur Geschichte
unsere Zuflucht nehmen.
Der Verfasser der vier Urkunden VII—X ist der
bereits zitierte und bisher bekannte Drazeslav, welcher
in der Urkunde VII von sich selber aussagt, er sei der
Hofschreiber (dvorski pisar) des Banus Tvrtko und
früher Schreiber (dijak pisar) des Banus Stefa
wesen. Demgemäß müssen wir, obwohl uns keine
Urkunde von ihm aus der Zeit Stefans bekannt ist,
ihn unter die bisher bekannten Schreiber des Banus
39
Stefan einreihen. Er ist ein sehr häufig erscheinender
Dijak, von welchem uns fünf Dokumente bekannt sind.
In jenem von 1367 schreibt er zwar bescheiden von
sich, er habe das Schriftstück mit seiner „wenig nütz-
lichen Hand" („malokorisnom rukom") geschrieben,
doch können wir trotzdem behaupten, daß er unter
den bekannten Schreibern der gewandteste war und
die Urkunden aus seiner Feder zu den schönsten
Stuckert der bosnischen Schriftdenkmäler gehören.
Welche Wandlungen, beziehungsweise welche Orga-
nisation die Banalkanzlei bis zur Krönungszeit Tvrtko' s
durchmachte, ist nicht bekannt. Als Vorbild für diese
Urkunden dienten zu dieser Zeit jene der serbischen
Herrscher, was hauptsächlich die außerordentlich lan-
gen Arengen beweisen.
In Tvrtko's Urkunden werden angeführt: a) Bosnier:
der Vojvode Purca, Ivahan Ivanovic, Vladislav Obra-
dovic, Vucihna Tepcic, Boleslav Dukljevic, Jursa Rado-
jevic, Vlaj Dobrojevic, Vukac Hrvatinic, Budislav
Cavlovic, Branko Pribinic, Jursa Radojevic: b) von
Dönji Kraji: Ninoslav Novakovic, Stanac GapiloVic;
die Pristavs: Bogdan Bjelhanic, Stipoje Hrvatinic.
In der Urkunde von 1354: a) die Bosnier: Vlatko
Vukoslavic, Boleslav, Ivahan Tepcic, Vlaj Dobrojevic,
Vojvode Purca, der Knez Mrkoje, der Zupan* Crnjug,
der Zupan Vladislav Obradovic, Zupan Vucihna Tepcic,
Mastanj Bubanie, Vlatko Obrenovic, der Knez Bogdan
Bjelahnic.
In der Urkunde von 1357: Boleslav, Ivahan
Tepcic, der Knez Vladislav Dabisic, der Vojvode
Tvrtko, der Zupan Novak, der Knez Mrkoje, Knez
Vukac Hrvatinic, Knez Vladislav Obradovic, der Zupan
Brajan Pribinic, Milota Divosevic, der Knez Sladoje,
Knez Vlatko Obrinovic.
In der Urkunde von 1367, von welcher etwa nur
die Hälfte erhalten ist, die Bosnier: Sanko, der Vojvode
40
Purca, der Zupan Vukoslav Nahojevic, Vucihna, Knez
Stipoje Hrvatinic, Grgur Markojevic; von Usora: Der
Kaznac Stipoje, der Vojvode Tvrtko, der Knez Tjehcin,
der Zupan Porucen, der Knez Gjuro Dobroslavic, Tvrtko
Cekanovic.
Wenn wir die genannten untereinander und mit
den vierzehn Namen der Urkunde Tvrtko's vom 20. März
1380 (s. Magyar Könyv-Szemle 1897, S. 172) ver-
gleichen, werden die folgenden wiederholt genannt:
der Vojvode Purca, Vladislav Obradovic, Yucihna
Tepcic, Vlaj Dobrojevic, Vukac Hrvatinic, Bogdan
Bjelhanic, Stipoje Hrvatinic, Boleslav, Ivahan Tepcic,
der Knez Mrkoje, Vojvode Tvrtko, die übrigen an dieser
Stelle bloß einmal.
Nebst dem diplomatischen Werte dieser Urkunden
sind von nicht geringerer Bedeutung die topographi-
schen Angaben, insofern sie nicht nur eigener Ort-
schaften in drei Gauen (Zupen) Erwähnung tun, welche
bisher bloß dem Namen nach bekannt waren und
wertvolle Angaben für ihre genauere Lokalisierung
darbieten, sondern gleichzeitig auch die Feststellung
der Nordgrenze Bosniens gegenüber der Südgrenze
Slavoniens, beziehungsweise die Berührungslinie beider
Gebiete, ermöglichen, in welcher Hinsicht wir, bisher
ohne Belege, in vollkommenem Dunkel waren.
Aus der Urkunde III werden wir, wie erwähnt,
mit den Besitzern der Zupa Zemunik im Jahre 1323
bekannt. Aus Nr. I, II, VI, VII und IX erfahren wir
über diese drei Zupen und deren Ortschaften folgendes:
Aus I und II geht hervor, daß die Zupen Banica und
Vrbanja mit den Burgen Kljuc und Kotor ein altes
Erbgut des Sohnes des Knezen Hrvatin, Knezen
slav und dessen direkter Abkömmlinge waren. Aus
Nr. I geht außerdem noch hervor, daß diese beiden
Zupen sich gegen den Banus Stefan erhoben und sich
dem kroatischen Banus an die Seite stellten. Aus IV
41
erhellt, daß Banica 1331 der Stammsitz des Knezen
Vuk Vukoslavic und dessen Bruder Knezen Paul war.
Es sind darin folgende Ortschaften gelegen Peci,
Podstinje, Vrbanja, Tukleke, Slivance, Pustarije, Triska,
Piscenica, Krasulje, Gornje und Donje Pomnieino,
Ornilino und zwei Zepas. Weiters waren in der Zupa
Vrbanja Dabrani, Tvrdi, Odrinice, Kozao, Suhodol und
Rapte ihr alter Besitz. Aus VIII erfahren wir, daß Vuk
Vukoslavic nach dem Tode des Banns Stefan im
Besitze der Burg Kljuc war (nach den ehemaligen
Briefen lag die Burg Kljuc in der Zupa Banica, welche
demgemäß als Hauptort der genannten Zupa, die
Burg Kotor hingegen als Hauptort der Zupa Vrbanja
betrachtet werden kann) und der dazugehörigen Dörfer
der Zupa Banica Ig, Lipovci, Rudinice, Ribici, Lubinje.
Sveta gora; in Zemunik: von Lipinica und Stjenica;
in Vrbanja: von zwei Latieici, Kable, Jakotina und
Blizak. Aus IX erfahren wir, daß Knez Vlatko Vuko-
slavic in Kljuc zudem ein Haus besaß; aus X, daß
sich die Belehnten in diesen Besitz in der Weise teilten,
daß die Zupa Zemunik den Pavlovic, Banica den Vuko-
slavic zufiel.
Wie viele von diesen Dörfern aufgefunden werden
konnten, ist aus der beigegebenen Karte zu ersehen,
ebenso der Umstand, daß sämtliche drei Zupen einander
benachbart waren.
1
In betreff der Grenzen zwischen Bosnien und
Slavonien kann aus den Urkunden, die unter Nr.
I—XX. beigefügt sind, nachstehendes mitgeteilt werden.
In der Urkunde von 1363 wird von Kljuc gesagt,
es sei „in terra Bosnensis sito". In jener von 1364
„castrum Klucli nunciipatum inter metas Bosnensis liabi-
tum''. In jener von 1374 „cnstra nostra Greben et
1
Aus der Urkunde XII kennen wir als zur Zupa Lasva gehörig
noch drei Ortschaften : Trebousa, Lupnica und Bila. Wo diese gelegen
waren, wurde bereits 1897 in Magyar Könyv-Szemle festgestellt. Vgl.
Wiss. Mitt. aus Bosn. u. d. Herz. VI, S. 288.
42
ZarakUn rocata in regno nostro Sdavoniae in confinibus
regni Bosnae sita et existenüa". Hier wird auch von der
Burg Greben gesagt, daß „in districlu VrJiovina rocato
olim ad dictum castrum Ger eben pertinenti"-. In der Ur-
kunde von 1366 „castri sui Kluch rocali in confinio
constituti", was dessen Lokalisierung wesentlich erleich-
tert. Aus diesen Bemerkungen erhellt, daß. die Nord-
grenze Bosniens sich nahe den Burgen Kljuc und
Greben hinzog, insoweit sie „in confinio" (an der Grenze)
lagen, doch in der Weise, daß beide Burgen noch zu
Bosnien gehören. Dementsprechend gehörte alles, was
von dieser Linie näher zur Save gelegen war, zu Slavo-
nien. Wo Greben zu suchen ist, hat schon Ruvarac
genau bestimmt.
x
Die Ortsnamen der erwähnten Urkunden können
zusammenfassend in folgender Weise geordnet werden:
Aus den heutigen Karten, die uns zur Verfügung stan-
den, können festgesetzt werden die Ortsnamen: Cecava,
Banica, Pec, Kljuc, Podstinje, Ribice, Ljubinje, Vrbno,
Tukleke, Slivance, Triska, Piscenica, Krasulino, Crnilino,
Kotor, Kabli, Jakotina, Moticina, Lipnica, Vrbna, Gre-
ben, Sanica.
Dagegen ist es bisher nicht gelungen, die nach-
stehenden Ortsnamen wiederzufinden, Hrtas, Viscic,
Volovic, Suha, Prozracca, Ig, Lipovica, Rudinice, Sveta
Gora, Laticic, Zepa, Dabrane, Odrinice, Suhodol, Mojstra,
Pomonicno, Stjenica.
Nachdem es bei solchen Geschichtsuntersuchungen
hauptsächlich auf die Lokalisierung der einzelnen Ort-
schaften ankommt, wurden auf Grund nicht nur der
hier mitgeteilten Urkunden, sondern auch des übrigen
verfügbaren Materials auf unserer Kartenskizze die
Grenzen und Ortsnamen bezeichnet, soweit sie wahr-
scheinlich oder mit vollkommener Sicherheit festgestellt
werden können. Es ergibt sich daraus, daß es gelang,
1
„Glasnik" 189.1, S. 612. Wiss. Matt, aus B. u. d. H. IV, S. 340.
43
drei Zupen des sogenannten Unteren Bosniens oder
des Unteren Gebietes, „Donji Kraji", festzustellen,
nämlich: Banica, welche vermutlich ihren Namen daher
hatte, daß sie dem Banus Prijezda gehörte, Zemunik
und Vrbanja. Sämtliche drei Zupen waren Eigentum
Kotromans und es besteht kaum ein Zweifel, daß dieser
Familienname mit dem Hauptorte von Krbava, Kotor
in Verbindung steht.
Aus den topographischen Daten geht auch hervor,
daß die Ortschaft Mile in der Umgebung von Kljuc
lag, und so fiele die Behauptung der Mehrzahl der
bosnischen Geschichtsforscher, daß Tvrtko in dem dem
heiligen Nikolaus geweihten Kloster Milesevo zum
Könige gekrönt wurde.
Von den Lokalnamen in den Urkunden sind be-
sonders zwei außerordentlich interessant: C'ecava und
Tukleke, weil sie Spuren alter illyrischer Ansiedlungen
bewahren. Cec heißt im Albanesischen Schlucht; Tuklek
bedeutet das Land des alten Dioklea, Tuklea, Lek-a
(Tók, tuk = Land; Lek = Geschlecht, also Geschlechts-
land).
Der verstorbene Minister Benjamin Källay hat t e
seinerzeit angeordnet, daß aus den bosnischen Katastral-
mappen die illyrischen Namen erhoben würden. Dabei
ergab sich, daß Duke eine Ruine bei Fojnica, Lechel,
Leke gleichfalls bei Fojnica vorkommt und Dokla die
Grenze in Cazin heißt. Namen von vier solchen Grenzen
und Kuinen gibt es in der Umgebung von Travnik.
Diese sporadischen Angaben sind jedenfalls auf Spuren
alter Ansiedlungen zurückzuführen, über welche sich
slavische Stämme schichteten; und von einem dieser
Geschlechter zweigte die bosnische Banusfamilie ab.
IV.
Historische Gesichtspunkte und Resultate.
Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, an die
mitgeteilten zwölf Urkunden die Geschichte jener poli
tischen oder besser gesagt autonomen Gemeinwesen,
die im XIII. und XIV. Jahrhundert im Bereiche des
heutigen Bosnien entstanden, anzureihen. Wenn wir
uns trotzdem scheinbar von jenen Akten entfernen,
so geschieht dies bloß behufs Erläuterung des mit
geteilten Materials. Wir wollen sozusagen gut bearbeitete
Teilstücke liefern, damit sie später bis zur Publikation
des ganzen verfügbaren Materials in das Gesamtbild
eingefügt werden können.
Vor allem muß bemerkt werden, daß die histo
rische Darstellung der Entwicklung jener Territorien,'
welche im XIII—XIV. Jahrhundert längs der südlichen
Grenze der ungarischen Kronländer entstanden, in erster
Linie mit der Berücksichtigung der Bodenbilduug und
den genealogischen Beziehungen zusammenhängt. Zur
Erläuterung dieser Verhältnisse ist bisher bereits viel
geschehen und wir haben uns schon, ziemlich dem Ziele
genähert; wenn wir jedoch die Resultate zusammen
fassen, scheint es uns, als wären wir in einem Gebirge,
wo bloß einzelne Gipfel klar sichtbar sind, während
in den Tälern dichter Nebel ruht. Teilweise wird dieses
Dunkel durch das soeben mitgeteilte Material gelichtet.
Vor uns liegt das unvollständige Geschichtsbild einer
Banusfamilie, welche in Bosnien und — durch die
Berührung mit der weiblichen Linie der ungarischen
\
45
Familie Batthyány — auch in Slavonien den ersten
Geschlechtern zuzuzählen ist.
Ursprünglich war die Zupa Banica* im Besitze
von Familien, welche zur Sippe des Knez Stefan
gehörten und von welchen die Familie Hrvatins,
2
Sohnes des nämlichen Stefan, abzweigte. Die Familie,
welche sich nach dem Patronymikon der Söhne Stefans
auch Stjepanic nannte, stand in nachbarlicher Verbin-
dung mit der in Slavonien angesiedelten Familie derer
von Gorica, den nachmaligen Babonic', beziehungsweise
Blagajs. und es ist sehr glaubwürdig, daß sie in Bluts-
verwandtschaft zu den Nachkommen Prijezda's stand,
die der Familie des großen bosnischen Banns Ninoslav,
den Kotromanie, angehörten; die Blutsverwandtschaft
hingegen mit der Familie Subic' kann zudem auch
urkundlich bewiesen werden. Das gegenseitige Kräfte-
spiel der drei Geschlechter der Subic', Kotromanie' und
Gorica-Babonic', bei der Behauptung der Hauptrolle in
Slavonien bis zum Anfange des XIV. Jahrhunderts,
schrieb jenen Geschlechtern ihre Stellungnahme vor,
welche im Interesse ihres Bestandes und gemäß. der
Gestalltimg der politischen Verhältnisse bald zu dieser,
bald zu jener Familie halten mußten. Jedoch über alle
erhob sich die Macht der Angiovinen, die, nach der
Erwerbung der ungarischen Krone, für lange Zeit den
Brennpunkt aller Beziehungen der südlichen Gegenden
bildeten.
Die Söhne und Brüder Stefan Hrvatins, deren
Namen uns unbekannt sind, gesellten sich zu Ende
des XIIL Jahrhunderts in ihrer politischen Haltung
zu den Subic'. Sie sind Blutsverwandte und da das
dalmatinische Küstengebiet in der Gewalt der Subic'
1
Siehe oben Nr. IV.
(
2
Klaic, Knezovi BribirsM od plemena Subica. Zagreb 1897, S. 173.
Vgl
;
Sisic, Vojvoda Hrvoje Vukciö Hrvatinic, Zagreb 1902, S. 22. Mit
Beziehung auf die kroatischen Fami l i en: Hrvatska plemena od XII.
do XIV. stoljeea. „Rad" CXXX, S. 1- 85.
46
war, strebte auch das Geschlecht der Hrvatin dahin.
Im Jahre 1299 finden wir sie an der Seite des Königs
Karl IT. und der Königin Marie, vorher jedoch ver-
traten sie gegen den ungarischen König Andreas III.
die Interessen Karl Martellus'. Sehr glaubhaft ist es,
daß sich Hrvatin und dessen Geschlecht in jenen
Gebieten, welche sich längs der ungarischen Staats-
grenze hinzogen, zu des Königs Schaden Besitzungen
aneigneten und sich dieselben dann bestätigen ließen.
Als der kroatische Banus Paul Subic an die Spitze
des kroatisch-dalmatinischen Territoriums kam, schloß
sich ihm Hrvatin an.
Dies ersehen wir aus einer Urkunde, in welcher
der kroatische Banus Paul Subic mit seinen Brüdern
Georg und Mladen nebst Söhnen, dann die Zupane
Mladen, Georg, Paul und Gregor, für die ihnen von
Hrvatin, dem Sohne des verstorbenen Zupan Stefan,
„de inferioribus Bosne confinibus" samt dessen Brüdern
erwiesenen Dienste geloben, den Zupan Hrvatin und
dessen Brüder, sowie deren Leibeserben unmittelbar in
deren Besitz zu belassen und sie darin niemals zu
verkürzen, und sollten sie von irgendwem bekämpft
werden, ihnen und ihren Nachkommen in allem und
jedem beizustehen. Anderseits verpflichtet sich Hrvatin,
dessen Brüder und Erben, den Subic gegenüber, ihnen
und ihren Nachkommen jederzeit die Treue zu bewahren
und zu ihnen halten zu wollen. Zur Bekräftigung des-
sen verfaßten die Subic' ein aus Skradin (Scardona)
2. Februar 1301
x
datiertes Dokument.
In diesem Schriftstücke fällt auf, daß Hrvatin
in dem Gebiete, welches in die Interessensphäre der
Subic' gehörte, samt seinem Geschlechte Besitz hat t e
und die Subic' als seine Patrone anerkannte.
1
14. Juni 1299 bestätigen der König- Karl IL und die Königin
Marie dem. Knez Hrvatin den ihm von Karl Martell verliehenen Besitz.
Acta extera I, S. 133.
47
Als später Paul Subic, nach dem Aussterben der
Arpaden, die unmittelbare Herrschaft als „Banus Groa-
torum et totius Bosne dominus" erstrebend, seine Macht
erweiterte und die einzelnen Gebiete von seinen Söhnen
besetzen ließ, Mladen zum Banus von Bosnien ernannte,
Georg zum Zupan von Spalato, Paul und Gregor des-
gleichen von Trogir (Trau), beziehungsweise von Sibenik
(Sebenico), verpflichtete er sich in der Marienkirche zu
Skradin (Scardona) eidlich, seinen Freund Hrvatin, wel-
chen er bereits in der Urkunde vom 4. Jänner 1305
seinen Verwandten und Getreuen nennt, jederzeit und
von ganzem Herzen zu schützen, und bestätigt dem-
selben sein bisher innegehabtes Erbteil in der ganzen
Zupa von Dönji Kraji und nimmt es ihm nicht, viel-
mehr können sich die Hrvatinice darin jederzeit frei
und sicher bewegen; auch wird er sie niemals und
aus keinem Grunde ihrer Freiheit berauben, niemals
zur Rechenschaft ziehen und sollten sie von irgend-
wem der Untreue geziehen werden, so sollen sie nur
dann zur Verantwortung zu ziehen sein, wenn sie sich
freiwillig dazu bekennen, und sie sollen allezeit . in
ihre Burgen ungefährdet zurückkehren können. Gleich-
zeitig gelobt er, die Hrvatinice gegen jedermann zu
schützen und sie niemals im »Stiche zu lassen. Sollten
jedoch, was Gott verhüten möge, die Hrvatinice ihm
die Treue brechen und darauf beharren, so soll für
den Zeitraum von vier Monaten ihr Besitz von ihm
nicht angetastet und sie selbst nicht verfolgt werden.
All dies verspricht er und gebietet es auch den Söhnen
zu halten.
1
Diese Urkunden tragen bedeutend zur Klärung
jener Zustände bei. In Niederbosnien anerkannte das
Geschlecht der Hrvatinice Paul Subic als seinen Führer,
jedoch bloß unter den angeführten Bedingungen und
in Form von Kontrakt und PJidesleistung. Darnach
1
Anhang Nr. IL und IV.
48
wurde von den Hrvatinice die Oberherrschaft des Banus
Paul, welcher über die materielle Macht der dalmatini
schen Kommunen verfügte, neuerdings anerkannt, jedoch
nur, um sich damit unbedingt ihre Besitzrechte zu
siehern. Es gibt wohl kein charakteristischeres Beispiel
für einen Primus inier pares, als es diese Urkunde dar
bietet. Hrvatin übt in vollem Maße seine Herrschaft
innerhalb seines Gebietes aus. über die Familien, die
auf seinem Landgebiete leben, hat er und sein Ge
schlecht richterliche Gewalt. So erklärt Vukoslav, der
Sohn Hrvatins, in einer 1305 in lateinischer Sprache
verfaßten, aus dem Slavischen übersetzten Urkunde
aus Banica,
1
daß Vuk, Sohn des Obrad, einen Rechts
streit mit seiner Familie in Sanica begonnen. Anwe
send waren: Radoslav, Sohn Brions, Lijep aus Luzac
und Njegoje aus Bahovljane.
2
In Anwesenheit dieser
Zeugen verpflichtete sich die Familie Sanica, im Falle
dieselbe dem Vuk, Sohn des Obrad, irgendwelchem
Schaden zufügen sollte, dem Landesherrn und dem
Vuk Schadenersatz im Betrage von je 50 Mark zu
leisten. Als erster Pristav in diesem Rechtsstreite fun
gierte Zaladol, Sohn des Herelko aus Luzac, als zweiter
Georg, Sohn des Dunan. Aus diesem Urteil geht her
vor, daß das Geschlecht der Hrvatinice an der Spitze
der den damaligen Begriffen entsprechenden territorialen
Staatsgewalt stand und gleichzeitig Banus jenes Ge
bietes war.
3
Die Macht der Subice hörte mit dem Jahre 1322
auf, weshalb die Söhne Hrvatins mit der neuen poli
tischen Lage zu rechnen hatten. Unter dem Schutze
der Anjous traten die Kotromanice hervor, welche
1
Anhang Nr. III.
2
Dieser Name ist walachischeu oder rumänischen Ursprungs.
:i
Dieser Hrvatin ist der erwählte Schiedsrichter, welcher 1313 bei
der Teilung der Söhne Babonegs figuriert (Archiv Blagay 72), desgleichen
figuriert er 1314 als Schiedsrichter (Archiv Blagay 76), doch glaube ich,
daß dieser letztere nicht aus derselben Familie stammt.
49
infolge ihrer verwandtschaftlichen Verbindungen ihre
Macht allmählich zu einer Dynastie erweiterten, und
diese Macht unterschied sich bis dahin in nichts von
der Banusgewalt in den eizelnen Zupen.
Unser Gegenstand erheischt es, daß über die Aus-
breitung und Abkunft der Kotromanice ein Wort ge-
sagt werde.
Die Frage nach der Abkunft der Kotromaniden
ist bereits durch die Urkunde des Prijezda aus Zemunik
vom 8. Mai 1287 klargelegt.
1
Wenn es auch noch nicht ins kleinste Detail hinein
erwiesen war, bestand doch die größte Wahrscheinlich-
keit, daß die Kotromaniden vom Geschlechte Prijezda's
abstammen. Das wichtigste Beweisstück dafür ist das
Schriftstück des bosnischen Banus Tvrtko, ausgestellt
in Gemeinschaft mit seinen Brüdern und seiner Mutter
zugunsten des bosnischen Bischofs Peter, am 1. Nov.
1356 zu Bobovac.'
2
In diesem Schriftstücke bestätigt
Banus Tvrtko, der sich Banus von ganz Bosnien, Usora
und Soli nennt, auf eine Klage des Bischofs Peter
w
T
egen Besitzstörungen in Dubnica — welcher Ort der
Petruskirche in Usora gehörte und der erwähnten
Kirche laut vollkommen glaubwürdiger Urkunden von
einem seiner Vorfahren, dem Banus Prijezda dem
Großen, dem Großvater von Tvrtko's Oheim, Stefan
(Kotromanic), geschenkt wurde — dem Bischöfe auf
die Fürsprachen seines Herrn, des ungarischen Königs
Ludwig, neuerdings den Besitz des erwähnten Dubnica
samt allem Zugehör im Sinne der Schenkungsurkunde
des großen Banus Prijezda.
3
Die Kotromaniden werden von Prijezda, dem Ober-
1
Archiv Blagay, Nr. XXV.
2
Anhang IS, VI. Diese Urkunde wurde mir von meinem geschätzten
Freunde Wi l hel m Fraknöi aufs liebenswürdigste zur Verfügung gestellt.
:!
Diese Urkunde, wenn auch ursprünglich slavisch verfaßt, wurde
auf alle Fälle in lateinischer Fassung nach Eom geschickt. Siehe weiter
unten Anhang B, VI.
4
50
haupte eines reichen Ansiedlergeschlechts, in Nieder-
bosnien hergeleitet.
Prijezda's Name wird zum ersten Male genannt,
als Papst Gregor IX., nachdem sich der bosnische Banus
Ninoslav 1233 an ihn gewendet hatte, eine größere
Aktion im Interesse des Katholizismus entwickelte.
1
Zur selben Zeit begann der Neffe Bela's IV., König
Koloman — scheinbar mit vielem Glück — die Mag-
naten unter den bosnischen Bdelleuten zu bekehren.
Der Papst spornte ihn an, die Bekehrten in ihrem
Religionseifer
2
zu bestärken. Bei diesem Anlasse schrieb
der Papst über den Knez von Usora Sibislav dem
Sohne des einstigen Banus Stefan, er sei eine Lilie
unter dem Unkraut.
3
Neben diesem rechtgläubigen
Banussohne sehen wir, daß sich auch der Verwandte
des zum Katholizismus bekehrten Banus Ninoslav,
Prijezda, hervortat, welcher im Jahre 1233 gleichfalls
zur katholischen Religion übertrat. Damit diese Bekeh-
rung nicht, wie es damals oft der Fall war, bloß eine
scheinbare sei, nahmen die Konvertitoren, die Domini-
kaner, den Sohn Prijezda's als Geisel und Bürgschaft
für dessen Glaubensfestigkeit zu sich. Deshalb bat
Ninoslav den Papst Gregor IX., er möge die bosni-
schen Dominikaner beauftragen, den ihnen als Geisel
übergebenen Sohn, Ubanus — genannt Prijezda — zu
entlassen, wenn sie dessen Vater für genügend stand-
haft im Glauben halten.
4
Von Uban-Prijezda sagt der
1
Theiner, M. H. H. I, S. 120.
3
Ibid.
3
Theiner, ibid. II, S. 147. Wertner führt nach der Genealogie der
südalavisehen Herrscher (S. 211) — ich würde sagen mit bestimmter
Glaubwürdigkeit — aus, daß hier die Rede vom Nachkommen Stefans
ist, des 1203 bekehrten Sohnes des Kulinban.
4
Theiner, ibid. I, S; 120 und 121. Ältere Publikationen: Bullarium
der Dominikaner I, S. 63. Katona, H. C. V.,-S. 633. Fejer, C. D. III 2,
S. 334 und 335. Wegen des Namens Ubanus war ich etwas in Zweifel, ob
dies nicht
v
der Taufnahme „Urban" oder gar in Verbindung mit der Benen-
nung der Zupe Vrbanje sei, doch konstatierte Wilhelm Fraknöi aus dem
Originale, daß Theiners Lesart richtig ist. Unter den Vorfahren Ninoslavs
figuriert auch dem Namen nach „Prijesda S'finar". Miklosich, M. S., Nr. XXXV.
51
Papst ausdrücklich: „Nobilis vir Ubanus, dictus Prijezda,
consanguineus eins".
Dieser erste größere Bekehrungsversuch in Bosnien
1233 war bloß oberflächlich. Ein Teil der Herren t rat
zum Katholizismus über, doch ließ sich das mit dem
bosnischen Volkstum zu sehr verwachsene Bogumilen-
tum nicht ausmerzen. Es mußte ein neuer Krieg kommen,
der zwischen 1237 und 1239 geführt wurde. König
Koloman, Herzog von Slavonien, hat t e zwar als könig-
licher Bevollmächtigter für eine Zeit den Frieden wieder
hergestellt, doch ergaben sich bloß die Oberhäupter der
unmittelbar benachbarten Geschlechter. Viele aber wider-
setzten sich König Koloman, wurden wieder rückfällig
und darum schenkte nachher König Bela mit goldener
Bulle deren sämtliche Güter dem Könige Koloman mit
Bemerken, daß er darüber unbeschränkt verfügen könne.
Ein solches Gut war auch die Landschaft Heyreh,
welche auf Grund von Rechtsansprüchen seiner Frau,
einer Tochter Salomons, Bertramin, der Bruder Simeons,
des Zupans von Bojot, für sich beanspruchte. Philipp,
Propst von Agram, wies auch diesbezüglich eine Ur-
kunde Kolomans vom Jahre 1237 vor. In dieser
Angelegenheit spielte auch Prijezda eine Rolle und dies
beweist, daß er schon zu jener Zeit in Ungarn ver-
mögensrechtliche Verbindungen hatte.
Zum Verständnis dieser Behauptung ist zunächst
zu bemerken, daß im Laufe des XIII. Jahrhunderts im
heutigen Viroviticer und Pozeganer Komitate ununter-
brochen eine Besiedlungsaktion im Flusse war. In Val-
povo siedelte der König 1231
1
Deutsche, Sachsen,
Magyaren und Slovenen an und in Virovitica finden
wir 1234 Gäste.
2
Es kann als feststehend angenommen
werden, daß sich König Koloman auch des vom König
Bela gegebenen Rechtes bediente, als er die ihm zur
1
Endlicher, M. A., Nr. 435.
- Ibid. S. 443 und 444.
4*
5i2
Verfügung stehenden Güter verschenkte. Es besteht
zwar die Vermutung, daß sich jene Mitglieder des
katholisch gewordenen Banusgeschlechtes, dem sich in
Bosnien bogumilische Gegner entgegenstellten, doch
nicht genug sicher fühlten und daher, als sie für ihre
Treue eine Belohnung forderten, mit Vorliebe solche
slavonische Lehensgüter anstrebten. Es steht auch
außer Zweifel, daß König Bela den Prijezda zur Be
lohnung mit dem Komitate Novska belehnte. Das
Datum der Schenkung ist zwar nicht bekannt, aber
wir erfahren davon aus der Urkunde des Königs Bela
IV. vom 30. März 1255, worin er seinem jüngeren
Bruder, dem König Koloman, eine dem Orden der Kitter
vom Heiligen Grabe gemachte Schenkung, die sich auf
die Landschaft Novska bezieht, auch seinerseits bestä
tigt und abermals genau beschreibt. Die Bestätigung
von 1255 war deshalb notwendig, weil König Bela
dem Prijezda das Komitat Novska verliehen hatte,
ohne vorher die älteren Besitzrechte des Ritterordens
in Bücksicht zu ziehen. „Obwohl wir das ganze Komi
tat Novska unseren getreuen Banus Prijezda verliehen
hatten, ist es unser Wunsch, daß die erwähnte Land
schaft davon ausgenommen werde, weil sie schon vorher
vom Orden in Besitz gehalten wurde." Von diesem dem
Prijezda geschenkten Komitate Novska hatte der Orden
bloß das Eigentumsrecht über das Land Novska (terra
Nuova), welches längs der Drau von Vaska gegen Osten
bis zur Stadt St. Mihael
1
reichte.
Nun entsteht die Frage: Wo lag dieses Komitat
Novska? Schon Klaic hatte ganz richtig behauptet, daß
die Zupa Novska in der Umgebung des heutigen Gornji
Miholjac zu suchen sei. Gornji und Donji Miholjac, das
1
Tkalcic, M. E. Z., S. 103 und 104. Abgedruckt von Wemel, A.
U. 0., S. 405—409. In seinem Essay über die Geschichte Bosniens
(„Obzor", Nr. 112 und 113) und später in der „Geschichte" hat es auch
Klaic zitiert. Auch LasgowsM befaßte sich mit dieser Frage in seinem
Werke.
53
St. Mihael des Mittelalters, ist ein von den Flüssen
Vucica, Karasica, Nekca und Drava begrenztes Gebiet
und stand später im Besitze des Geschlechtes der
Teteny.
1
Aus diesem Familienbesitze ist zu entnehmen,
daß Banns Prijezda noch eine altertümlich eingerich-
tete Zupa erhalten hatte, welche später dem Komitat
Krizevac angegliedert wurde, in der er aber die älteren
Besitzrechte des Ritterordens gelten lassen mußte.
Im August 1267 überließen die beiden Söhne Prijezda's,
Prrjezda und Stefan, vor dem Kapitel in Pecs (Fünf-
kirchen) widerspruchslos das Land vom Heiligen Grabe
zwischen Vaska und Novi dem Sohne Draskos, Stephan,
und den Söhnen von Draskos Sohn Sobjeslavs, Vladimir
und Apan.
2
Daraus erhellt, daß auch die Söhne Prijezda's
hier Mitbesitzer waren.
Auch die Frage, weshalb Prrjezda gerade diese
Zupa Novi erhielt, drängt sich hier auf. Wenn wir als
Antwort darauf zu .lesen bekommen, daß der bosnische
Banus Boric mit Einwilligung des verstorbenen Königs
Stefan III. die Ortschaft Esdel dem Ritterorden vom
Heiligen Grabe verlieh, daß diese Schenkung auch von
Bela III. bestätigt wurde, daß diese Landschaft auch
die Söhne Boric' dem Orden geschenkt hat t en
3
und
daß das Land des heil. Martin bei Vaska Erbe des
verstorbenen Banus Boric Sohn Pauls war, so ergibt
sich daraus von selbst die Vermutung, daß zwischen
den Familien des Paul Boric und Prrjezda und infolge-
dessen zwischen Ninoslav und Boric irgendwelche Ver-
bindung bestand.
All dies ist bisher bloß eine Hypothese, alles weist
indessen darauf hin, daß die wichtigsten bosnischen
Bane dieser Zeit Boric und Prrjezda, in der Mitte des
XIII. Jahrhunderts, in Blutsverwandtschaft zueinander
1
Wenzel, ibid. XI, S. 229.
Fejer, C. D. IV 3, 424-426.
3
Tkalcic, ibid. I, S. 122. Urkunde von Andreas I. und IL von 1209.
54
standen. Auch ist die Frage zu lösen, ob bei den
Besiedlungen der Zupen zwischen der Drau und Save
nicht auch Untertanen der aus den unteren Gebieten
Slavoniens, beziehungsweise Bosniens, angesiedelten
Geschlechter mitgewirkt hatten? Alle diese noch offe-
nen Fragen haben wir uns selbst gestellt und es steht
zu hoffen, daß es bei der Sichtung und Untersuchung
des lateinischen Urkundenmaterials möglich sein wird,
darauf ausführlicher zu antworten.
Nach dem Tode des alten, oder wie er von Tvrtko
später genannt wird, des Großen Prijezda, teilten sich des-
sen Söhne Stefan, welcher bereits den Namen Kotro-
man führt, und Prijezda in die bosnische Banuswürde.
1
Wir lassen vorläufig die Einzelnheiten zwischen 1272—
1301 unberücksichtigt, Einzelnheiten einer Zeit, deren
charakteristisches Merkmal darin besteht, daß die
Territorien an der Südgrenze des ungarischen Staates
jenen Zwiespalt im kleinen aufweisen, der auch im
Mittelpunkte des Staates vorhanden war. In der darauf-
folgenden Zeit, in welcher die Subice — wie wir gesehen
haben — versuchten, eine mit den Attributen der
Staatlichkeit ausgestattete Macht zu entfalten, waren
die bosnischen Geschlechter ihrer Mächtsphäre bis zum
Zusammenbruche der Macht Mladen Subic' (1322)
unterworfen. Selbst Stefan Kotromanic
2
war ein
Yasall Subic', und sein Ansehen war dadurch gewachsen,
daß er Elisabeth, die Tochter Stefan Karls, Schwieger-
sohnes des Königs Stefan V., zur Frau genommen
1
Papst Nikolaus IV. 1290 sendet den Legat en Benvenuto „nobi-
libus viris Stepano et Priezda banis Bosnie". Theiner, ibid. I. S. 365.
2
Die irrige Behauptung, daß er schon 1272 Banus gewesen sei,
Här t e Julius Pauler (in der Notiz Ärpädok t ört enet e II, S. 217) dahin
auf, daß an der Spitze des bosnischen Banates, welches zur ungarischen
Krone gehörte, damals nicht er, sondern Stefan Boric als könig-
licher Bevollmächtigter stand, während die Bane an der Spitze der
bosnischen Länder Landesoberhäupter, besser gesagt die Herren waren,
welche ihrer Familie die Nachfolge in der Banuswürde in j enem
Gebiete zu erstreben suchten, welches außerhalb der ungarischen Landes-
grenzen lag.
55
hat t e; so rollte schon in seinem Sohne das Blut der
Arpaden. Vor dem Sturze der Subice konnten sich
natürlich weder er selbst noch seine Angehörigen
entsprechend zur Geltung bringen. Im übrigen war die
Würde dieser Bane eigentlich mehr eine periodisch-
kollektive, denn bis zu Tvrtko's Königskrönung werden
in den Urkunden jedesmal auch die einzelnen Familien-
mitglieder genannt, und die vom Familienoberhaupte
gefällte Entscheidung erhielt erst durch die Einwilli-
gung der übrigen Familienmitglieder ihre Rechtskraft.
So war es zur Zeit Kotromans, so nach seinem Tode,
zur Zeit seiner Witwe und Söhne: Stefans, Vladi-
slavs und Ninoslavs.
Stefan Kotromans Sohn, Stefan Kotromanic,
t rat gleich nach dem Sturze Mladen Subic', 1322
— damals noch ein Kind — in eine hochbedeutende
Stellung ein, und die ersten Stücke der slavischen
Erkunden, die hier mitgeteilt werden, beziehen sich
auf diesen Zeitraum und auf diese Ereignisse.
Der Sohn des Herrn von Kljuc Hrvatin, Knez
Vuk oder Vukoslav mit seiner Familie leistete dem
jungen Banus, sowie dessen Mutter und Familie einen
Eid. Es wiederholt sich hier das gleiche Verhältnis wie
kurz vorher zwischen Hrvatin und Subic.
1
Banus
Stefan erscheint als Beherrscher von ganz Bosnien,
als Gebieter über Dönji Kraji, von Ober- oder Hoch-
Bosnien (Vrh-Bosna), des jenseitigen Landes, d. h. des
Gebietes jenseits des Ivanpasses, des heutigen herzego-
winischen Terrassen- oder Hinterlandes und von Hum,
d. h. der Herzegowina. Die Zupa Zemunik, welche
1287 noch in Händen des Banus Prijezda war, ist
jetzt Eigentum des zweiten Sohnes Hrvatins, Paul.
2
Im nachfolgenden gebe ich die Genealogie der Familie
Hrvatins:
1
Siehe Urkunde Nr. I.
2
Siehe Urkunde Nr. III.
56
Stefan der Große
Hrvatin Gregor (Stipanic)
Vukoslav Paul (Herr v. Zemunik ) Vukac
Vlatko, Vuk, Paul Gregor (Pavlovie) Hrvoje (Vukeie)
Vladislav.
Als Banus Stefan 1323 sich mit Elisabeth von
Kujavien verheiratete, schickte er zur Einholung der
Braut eine Deputation bosnischer Edelleute aus, an
deren Spitze der Großknez Gregor Stipanic stand.
Dieser Knez war zweifellos ein vornehmer Herr und
allem Anscheine nach der Bruder Hrvatins.
1
Damals
war Banus Stefan bereits Herr von Soli und Usora,
wie auch von Hum, der späteren Herzegowina.
Die Familie der Stipanice hatte im Beginne der
Regierungszeit des Banus Stefan treu zu ihrem Herrn
gehalten. Die Söhne Vukoslavs, die Knezen Vuk und
Paul, die kraft ihrer adeligen Erbrechte das Land
Banica hielten, wurden in dessen Besitz bestätigt. Unter
ihren Verdiensten wird vom Banus Stefan angeführt,
daß Vuk in Rasa zur Zeit des serbischen Krieges,
worunter nur der Feldzug Karl Roberts vom Jahre
1330
2
gemeint sein kann und in welchem Banus
Stefan als Verbündeter Karl Roberts mitwirkte, zu
Pferde dem Banus hilfsbereit beigesprungen war und
für ihn sein Blut vergossen hatte. Weiters wird erzählt,
wie der König von Rascien (TJros III.) dem Banus
eine Stadt genommen hatte, die mit Hilfe Vuks wieder
zurückerobert wurde. Der dritte Fall betraf den Ver-
lust der Burg Visuc infolge einer Treulosigkeit, deren
Wiedererlangung gleichfalls Vuks Hilfe zu danken war.
Auch dies ist ein Beleg, welcher zwecks Aufklärung
der Regierung Stefans und der innerbosnischen Wirren
1
Siehe Urkunde Nr. IV.
2
Vgl. „Magyar-szerb összeköttetesek okleveltära" II, das erst im
Drucke sich befindet; Die Urkunden XXX und XXXI vom 6. Oktober
1330 und 5. Februar 1335.
57
noch näher heranzuziehen wäre. Für diese Verdienste
teilte später Stefan den Familienbesitz unter die zwei
Linien. Vlatko Vukoslavic und dessen Brüder erhielten
Zemunik, die Söhne der Brüder Vukoslavs, Gregor und
Vladislav Pavlovic aber die Zupa Banica — beide in
nächster Nachbarschaft der ungarischen Grenze. Laut
dieser Schenkung gelangt außerdem noch die Zupa
Vrbanja mit den Burgen Kljuc und Kotor in den
Besitz des Knezen Vukoslav.
Über die Jugend Stefan Kotromanie', aus der
Zeit unmittelbar nach dem Tode seines Vaters, ist
wenig bekannt. Auch das Todesjahr seines Vaters ist
nicht genau festzustellen. Die Quellen verlegen es in
die Jahre 1313, 1315 oder 1319. Soviel ist sicher-
gestellt, daß seine Mutter Elisabeth eine energische
Frau war, welche ihre drei unmündigen Söhne — unter
ihnen Stefan als Erstgeborenen — vor den fort-
währenden Wirrnissen nach B-agusa flüchtete, nachdem
sie sah, daß sie als Witwe ihre Macht gegenüber den
bosnischen Herren nicht behaupten konnte. Aus legen-
dären Berichten der Kronisten
1
läßt sich als wahrer
Kern herausschälen, daß die Banusgewalt des alten
Kotroman über die bosnischen Geschlechter noch nicht
genügend gefestigt war und daß einzelne bosnische
Familienoberhäupter ihre im kleinen ausgeübten sou-
veränen Bechte der Obergewalt des Banus nicht unter-
ordnen wollten. Daher wurde der junge Stefan, dessen
geistige Eigenschaften vom Kronisten gerühmt wer-
den, eine Zeit hindurch von diesen Dynasten als Herr
nicht anerkannt. Wie lange die Kotromaniden in
Ragusa verblieben und wann sie nach Bosnien zurück-
kehrten, ist nicht bekannt : doch ist als sicher anzu-
nehmen, daß Stefan schon vor dem Sturze des Mladen
Subie seine Partei organisiert hatte, wie dies auch
daraus zu entnehmen ist, daß die Familie des Hrvatin
1
Cronica Ragusina Junii Restii, Zagreb 1893, S. 106.
58
Stepanic, welche zu den Subic' gehalten hatte, zur
Partei Stefan Kotromanic' überging. Dieser Umstand
war jedenfalls ein für Stefans Machtstellung höchst
bedeutsames Ereignis.
Es ist für die bosnische Bogumilengemeinde bezeich
nend, daß der Banus der Schenkung der Zupen Banica
und Vrbanja als Erbländer auch einen kirchlichen
Charakter gibt, und zwar unter dem Vorbehalt des
direkten Erbrechtes, indem wir mit dem Oberhaupte
der bosnischen Bogumilenkirche, dem Großältesten
Eadoslav und den Kirchenalten Radomir, Zumbor und
Vucko bekannt werden. Angesichts der Vertreter der
ganzen Kirche und des Landes verspricht Banus Stefan,
den Sohn Hrvatins Vukoslav für den Fall einer Untreue
nur im gesetzlichen Wege vor sich zu laden, um ihm
Gelegenheit zur Rechtfertigung zu geben. Diese Ur
kunde * ergänzt also jene aus Mile
2
und bekräftigt
sie teilweise.
Aus all dem ist zu ersehen, daß die Söhne
Hrvatins und deren Familie unter die Machtsphäre
Kotromanic' gelangten. Banus Stefan Kotromanic
hatte keinen männlichen Nachkommen. Sein jüngerer
Bruder Vladislav verheiratete sich 1338 mit Jelena,
der Tochter Georgs von Bribir. Bisher war sein Todes
jahr nicht bekannt, doch ist anzunehmen, daß er vor
1353 gestorben ist. Zwei Urkunden aus Suha an der
Prozracca bestätigen, daß nach dem Tode Stefan
Kotromanic' Knez Vladislav geherrscht hat, und die
Macht gelangte um so berechtigter in seine Hand, da
sein erstgeborener Sohn, Banus Tvrtko, zu jener Zeit
kaum mehr als 15 Jahre alt sein konnte. Zu der Zeit
bestätigt die Banusfamilie, mit Vladislav an der Spitze,
unter Eid dem Sohne "Vukoslavic' Knez Vlatko und
dessen Kindern seine namentlich aufgezählten Güter.
1
Urkunde IL
2
Urkunde I.
59
Es scheint, daß Vladislav damals bereits krank war,
weil er 1334 nicht mehr vorkommt.
1
Es ist also
anzunehmen, daß er bald nach dem Tode Stefans
Kotromanic gestorben ist, und dann hat sich seine
Witwe mit dem jüngeren Sohne Vuk nach Ungarn
begeben, um im Verein mit dem König Ludwig und
ihrer Schwägerin, der Gemahlin Ludwigs (die eine
Tochter Kotromanic' war), die Familienangelegenheiten
zu ordnen. Nach ihrer Rückkehr kamen die Landes-
fürsten in Mile, in der Zupa Banica, zusammen und
bestätigten zugunsten Vlatko's nochmals dessen Güter.
Der ungarische König Ludwig 1., t rat durch seine
Heirat mit Elisabeth, Tochter Kotromanic', nicht nur
in Familienbeziehung mit dieser jungen südslavischen
Dynastie, sondern es erwuchsen ihm aus dieser Ver-
bindung gleichzeitig unmittelbare Besitzansprüche. Die
Nachfolge auf dem bosnischen Throne ward insoferne
geklärt, als Ludwig der Große das Recht Tvrtko's auf
die Bamiswürcle niemals in Zweifel zog, für seine Gattin
aber von der Familie Kotromanic deren Heiratsgut
forderte. Diese Mitgift war das Land Hum, die spätere
Herzegowina, an der Grenze Dalmatiens, zwischen der
Narenta und Cetina.
2
Das ganze Land Hum oder die
spätere Herzegowina war von 1325 angefangen bereits
im Besitze Stefan Kotromanic' und das war Anlaß
zu beständigen Reibungen zwischen den serbischen und
bosnischen Herrschern. Doch Banus Tvrtko war niemals
willens, sich des ganzen Landes Hum zu begeben, und
daher entstanden jene Kriege, welche der König Ludwig
zu führen gezwungen war, um einerseits die Besitz-
rechte seiner Gemahlin zu wahren, andererseits das
Vasallentum Tvrtko's zu dokumentieren.
Als Tvrtko 1354- die Herrschaft antrat, befand
sich Bosnien beiläufig im selben Zustande wie zur Zeit
1
Urkunde IX.
- Biwarac hat die Frage an der erwähnten Stelle bereits geklärt.
60
der Thronbesteigung seines Onkels 1323. Die bosni-
schen Edelleute, die sich unter Stefan Kotromanie
in ihr abhängiges Verhältnis eingelebt, trachteten
neuerdings darnach, sich die alte Unabhängigkeit zu
erkämpfen. Jenes Maß an Abhängigkeit, welches das
Lehenswesen des Mittelalters im westlichen Europa
mit sich brachte, ist in Bosnien niemals zur Geltung
gekommen, teils wegen der territorialen Einteilung, teils
wegen jenes robusten und uneingeschränkten Persön-
lichkeitsgefühles, welches die Geschlechter jener Zeit
charakterisierte. Dazu kommt noch, daß zu Anfang
von Tvrtko's Regierungszeit der allmächtige ungarische
König Ludwig herrschte, welcher zu belohnen verstand
und allezeit ihm untergebene kleine Dynasten unter-
stüzte, wenn das eben in seinem Interesse lag. Schon
1356 wird es offenbar, daß die Familie Hrvatins mit
der Haltung Tvrtko's nicht übereinstimmte, denn ein
Teil derselben erhob sich wider den Banns. Sicher ist,
daß die Familie in erster Linie infolge innerer Zer-
würfnisse zu dieser Haltung veranlaßt wurde. Vlatko,
der Sohn Vukoslavs und Enkel Hrvatins, und sein
Enkel Vukoslav hielten treu zu Tvrtko, jedoch die
Söhne des Bruders Vukoslavs, Paul,- die Herren der
Zupa Zemunik, Gregor und Vladislav, genannt Pavloviee
und der Sohn von Hrvatins Bruder Stefan, Gregor
Stepanic, der Herr der Burg Greben und Glamoc' an
der slavonischen Grenze, sagten sich von Tvrtko los
und traten zu König Ludwig I.
1
über. Dieser Zwiespalt
in der Politik der Familie spiegelt sich wieder in Tvrtko's
Urkunde, in der er dem Knez Vlatko Vukoslavic und
dessen Söhnen Schutz gewährt mit dem Versprechen,
daß ihnen wegen der Untreue ihres Vetters keinerlei
Unbill zugefügt werden soll.
2
Behufs Aufklärung des Konfliktes zwischen König
1
Anhang Nr. VII.
2
Siehe oben die Urkunde X.
61
Ludwig I. und Tvrtko wegen der Provinz Hum müssen,
wir uns in Kürze dem bosnischen römisch-katholischen
Bischof Peter Siklosi zuwenden.
1
Es scheint, daß Tvrtko
bereits zu Ende 1356 oder mit Beginn 1357 selbst
einen Einfall in das angrenzende Gebiet unternommen
oder ihn seinen Edelleuten gestattet hat.
2
Trotzdem
Tvrtko Katholik w
r
ar — während die Mehrzahl seiner
Großen Bogumilen w
r
aren — benützte er jede Gelegen-
heit, um sich dem König Ludwig gegenüber jeglicher
Verbindlichkeit zu entziehen und ihm das Heiratsgut
Hum vorzuenthalten. Er veranlaßte deshalb den Dom-
herrn beim bosnischen Kapitel, gegen Bischof Peter,
d. h. gegen den Katholizismus und die ungarischen
Interessen vorzugehen. Der Bischof Peter fing sämt-
liche Briefe auf und internierte den Domherrn, während
er in Wien gleichzeitig den Plan Tvrtko's aufdeckte,
welcher zufolge Aussage des Domherrn Ivan als öffent-
licher Schirmer der Ketzer und als Feind des Königs
die Verbreitung des Katholikentums
8
zu verhindern
strebte.
Übrigens endigte dieser Streit mit einem Friedens-
schlüsse, welcher wahrscheinlich Mitte des Jahres 1357
stattfand, und nach welchem sich Tvrtko verpflichtete,
die Bogumilen aus seinem Lande zu vertreiben, dem
1
Bischof Pet er spielte eine große Rolle in den äußeren Angelegen-
heiten sowohl Ungarns als auch Bosniens. Später war er der Vertrauens-
mann sowohl des Banus Tvrtko als auch des Königs Ludwig. König Ludwig
sandte ihn am 8. Juni 1358 nach Ragusa, um im Namen des Königs die
Eidesleistung entgegenzunehmen (Diplomatarium Ragusanum, S. 8 und 9).
Als Abgesandter des Königs Ludwig überbrachte er der Republik die
Gerechtsame und man hat ihn am 18. Juli prunkvoll empfangen und mi t
200 Golddenars beschenkt (Monumenta Ragusina II, S. 229 und 230).
- Urkunde des Königs Ludwig vom 19. Jänner 1359 zugunsten des
Johann, Sohnes des Banus Pet er Bölcse. Der Auszug befindet sich in
meiner Sammlung.
3
Diesen interessanten Beleg vermi t t el t e Melchior Erdujhelyi aus
einer Ausgabe des Vesprimer Kapitels, in welcher Bischof Pet er dem
Domherrn Johann die Absolution erteilte. Aus dieser Urkunde geht zwar
nicht hervor, daß Tvrtko bereits damals auf den Thron prät endi ert e,
alter doch soviel, daß er des Königs Feind war. Szäzadok 1897., S. 508—513.
62
Könige im Bedarfsfalle Heeresfolge zu leisten und im
königlichen Hoflager zu erscheinen. Andererseits be
stätigte der König von Ungarn Tvrtko und seinem
Bruder die Banuswürde von Bosnien und Usora.
Doch hörte dieser bosnische Banusstreit nicht auf.
Tvrtko anerkannte zwar die Suprematie des ungarischen
Königs, aber das Land Hum wollte er ihm durchaus
nicht ausliefern. Als Ludwig sah, daß Tvrtko nicht
Treue hielt, zog er 1363 im Juli selbst gegen Bosnien
aus. Die Kriegsursache kann nicht bloß die Nichtein
haltung der Verbindlichkeiten seitens Tvrtko's gewesen
sein, sondern auch das Patarenentum, das weiterblühte,
und schließlich durfte Ludwig jene Magnaten nicht im
Stiche lassen, die sich von Tvrtko losgesagt hatten.
1
Dieser Krieg blieb erfolglos, da die Heeresabteilung
des Nikolaus Konth ebensowenig wie die Armee des
Königs nennenswerte Erfolge erzielt hatte. Der politisch
kluge König Ludwig hatte doch einen Erfolg errun
gen. Vor dem Kriege begab es sich, daß der bis 1357
dem Tvrtko treu ergebene Sohn Vukoslavs Vlatko, der
angesehenste Mann des bosnischen Unterlandes, von
Tvrtko abfiel und das Zentrum seines alten Besitzes,
die Burg Kljuc, dem König Ludwig auslieferte. Der
Hauptort einer Nachbarzupa an der bosnischen Grenze
fiel mithin in ungarische Hände. Zum Ersätze gab
Ludwig dem Vlatko Vukoslavic die Burg Brscanovac
(Barsonowch) im Belovarer Komitat.
2
Die Grenzurkünde
wurde schon am 12. August 1363 erlassen und daraus
erhellt, daß die Burg bereits im Laufe des Krieges
1
Pliva, 8. Juli 1363, H. 0., S. 269; 10. Juli 1363, M. S. M. IV,
S. 56. Siehe noch Anhang Nr. IX.
3
Anhang Nr. X. Von Moslavina südostwärts ist das heutige Kutina
der Haupt ort in der südöstlichen Ecke des Belovarer Komitates. Gfegen
Norden liegt Brscanica. Die Brsöanicer hat t en auch in Kutina ihr Nest,
die Burg Brscanica gehörte ihnen und die heutigen zwei Ortschaften
Brscanica bergen noch eine Eri nnerung daran, gleichfalls in der Nähe
von Kutina, nördlich. Diese Burg erhielt 1363 zum Ersätze der Sohn
Vukoslavs, Vlatko, von König Ludwig I. und seine Nachkommen halten
ihn bereits unter dem Namen Brscanovic (CsänM, S. 28).
63
in des Königs Händen war. Nach der Übergabe von
Brscanovac bekräftigte König Ludwig den ganzen Akt
in einer Urkunde vom 5. März 1364,
1
worin er schreibt,
daß Vukoslavs Sohn, Vlatko die Burg Kljuc mit allen
Anwesen zu günstiger Zeit in seine Hände übergeben
und ihm überlassen habe. Für diesen Beweis der Treue
gegenüber der heil. Krone und obwohl die Burg Kljuc
nur ihm angehörte und ein königlicher Besitz wurde,
gab er ihm die Burg Brscanovac in Slavonien mit
der Ortschaft St. Thomas sowie Kutina am Flusse
Kutina, wo sich die Kirche aller Heiligen befindet mit
sämtlichem Anwesen. Der König schätzte die Ver-
dienste des Vlatko von Brscanovac, die sich dieser
durch die Auslieferung der Burg Kljuc erworben, so
hoch, daß er ihn der Jurisdiktion der geistlichen
Gerichtsbarkeit entzog und ihm das Recht erteilte,
nur vor dem Könige zu Gericht zu erscheinen. Diese
Urkunde ist vom 12. August 1366 datiert.
2
Doch die
slavonischen Edelleute betrachteten Vlatko von Brsca-
novac und die Seinen als Eingewanderte (advenae) und
belästigten sie deshalb ungeachtet der königlichen
Privilegien. Und so hat t e der König infolge der Be-
schwerdeführung vonseiten Vlatko's mit seiner vom
23. März 1367 in Visegrad
3
datierten Urkunde dem
Kapitel vom Cazma angeordnet, solche Belästigungen
nicht zu dulden.
Des weiteren ist uns das Schicksal Grgurs (Sti-
panic) von Greben und Glamoc bekannt. Wahrschein-
lich ist es, daß zur selben Zeit, als die Burg Kljuc in
den Besitz des Königs überging, die Burg Greben,
4
1
Anhang B, Nr. XII.
2
Anhang Nr. XIII.
3
Anhang JS, Nr. XIV.
4
Die Burg Greben lag in der Nähe Jajoes, unweit der kroatischen
Grenze und ist nicht zu verwechseln mi t der Burg Greben oder G ereben
in Slavonien nordwestlich von Kalnik. Die Hermanns von Greben sind
gleichfalls bosnischer Abstammung und Verwandte der Vukoslavice.
Vladislav Hermann, Vizepalatin, adoptierte am Ende des XVII. Jahrhundert s
64
Eigentum Grgur Stipanic', ebenfalls im Tauschwege in
die Hände des Königs gelangte als Ersatz für Dobra-
Kuca* im Belovarer Komitate.
Es eröffnet sich uns der Ausblick auf eine kleine
bosnische Auswanderung, indem das mächtigste Ge-
schlecht aus der Zupa Banica nach Slavonien gelangte.
Doch verblieben mehrere Seitenlinien dieser Familie in
Bosnien, so z. B. auch der Vater des später viel-
genannten Hrvoja, Vukac und der Knez Paul Vuko-
slavie, welcher, da er in der fragmentarischen Urkunde
des Königs Tvrtko von 1367 nicht genau angegeben
erscheint, in dem Stammbaume der Familie Hrvatin
nicht unterzubringen ist. Soviel steht jedoch fest, daß
1367 Paul Vukoslavie abermals zu Tvrtko hält und
daß infolge der Machtlosigkeit dieser Familie das spä-
tere kleine Königtum Hrvoje's entstand.
2
Im Jahre 1367 hörten die Vukoslavie auf eine
unmittelbare politische Rolle zu spielen, da sie nach
Slavonien auswanderten, und so t rat der in Bosnien
verbliebene Hrvoja, Sohn des Vukac Hrvatinic in den
Vordergrund. Tvrtko ist 1367 gezwungen, gegen seinen
eigenen jüngeren Bruder Vuk um der Herrschaft willen
zu Felde zu ziehen, doch söhnte er sich später wieder
mit ihm aus. Später befreundete er sich auch mit
dem Bischof Peter, gegen welchen er 1357 Ränke
Balthasar de Battliyäny und legte dadurch den Grund zur Macht des
Geschlechtes der Bat t hyäny. In Händen der Familie Hermann waren die
Urkunden über den Besitz der Vukoslavice, später j ener von Brscanovac,
Sobocin Vlatko, Nelipie von Dobra-Kuca, und gelangten auf diesem Wege
in das Könnender Archiv unt er dem Namen Bat t hyäny.
1
Die Burg Dobra-Kudä erscheint in der ersten Hälfte des XIV. Jahr-
hunderts 1385 im Komitate Pozega. Nordöstlich von Daruvar konstatierte
Csänki (ib. 45 und 46) den Standort dieser Burg. Die Burg Zaraklin
gaben Stanac, Gonac und Vlasko dem König zum Tausch für den Bezirk
Belatin. Diese beiden Burgen erhalten 1374 die Nachkommen der
Krbavaer Kurjakovid (Cirjaki) vom Könige als Donation.
2
Siehe oben Nr. XI und XII die Ert ei l ung der Großherzogswürde
an Hrvoje. Der Herzog Vukac, erwähnt im Anhang Nr. XX, welcher
1385 die Burg Greben in Bosnien überfiel, war wahrscheinlich der
Bruder Vuks.
05
geschmiedet hatte und welcher auf des Papstes Geheiß
die Bogumilen fortwährend energisch verfolgte. In
seiner Schrift vom 8. Dezember 1374 gesteht er, daß
ihm Bischof Peter große Dienste geleistet hatte, der
ihm in der Gemeinde St. Ilija den Treueid schwor
und deshalb schenkte ihm Tvrtko den Besitz Jelsavica
bei Dubnica, welch letzterer Ort sich von jeher im
Besitze des bosnischen Bistums befand.
1
Damit hätten wir, wenn auch die historischen
Beziehungen, die sich aus den von uns herausgegebenen
Urkunden ergeben, nicht erschöpft sind, doch den
Beweis erbracht, daß auch das ungarische archiva-
lische Material mancherlei Fragen der bosnischen Ge-
schichte, dieses ergänzenden Teiles des ungarischen
mittelalterlichen Imperiums, aufhellt.
1
Leider kann weder Jelsavica noch Dubnica genau festgesetzt
werden. Jelsavik, heute Jerasavik, gehörte zur Herrschaft Drenovac und
lag westlich von der Save. Möglicherweise handel t es sich hier um
Unter- und Ober-Dubnica bei Odzak. Aber die von Tvrtko erwähnt en
Besitzungen lagen an der Usora. Siehe Anhang Nr. XVII und XIX.
5
66
ANHANG.
Die Kotromanlegende.
Die weiter unten mitgeteilten Urkunden
1
geben
Aufschluß über den Ursprung der Familie Kotroman.
Wir haben eine eingeborene bosnische Familie vor
uns, welche aus dem oberen Bosnien stammt und die
Landschaften Kresevo, Sutiska und Fojnica ihr Eigen
nennt. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die historisch
bekannten Bane: Boric, Kulin, Ninoslav und Prijezda
unter sich in verwandtschaftlichen Beziehungen standen.
Was jedoch die Herrschaft des Geschlechts der
Kotromanic betrifft, entstanden gerade deshalb, weil es
so bald schon mit den Arpaden und Anjouvinen und
vielen Familien Mitteleuropas in Blutsverwandtschaft
trat, viele Legenden, welche zusammenzustellen sich
schon deshalb lohnt, weil dadurch die Wichtigkeit
des vorher Mitgeteilten besser hervortritt. Den Grund
zur Legende bot die bekannte Kronik des Maurus
Orbini: Regno degli Slavi, wo folgendes zu lesen ist:
2
„ . . . Nach dem Ableben des Banus Kulin beschloß
der damalige ungarische König, aus dem erwähnten
1
Siehe Anhang Nr. VI.
2
M. Orbini, Regno clegli Slavi 1901, Pesaro, 350 I. . . . Ora morto
che fü questo Culino Bano, il Re, che a quel ternpo si trovava in TTngaria,
per le ragioni giä clette, si rivolse far conquista del Regno di Bosna.
II perche mandö con l'essercito uno de suoi Baroni addimandato Cotro-
manno Tedesco, huomo famoso nelTamü. II quäle venendo in Bosna,
e trovatola senza Signore, Toocupö facilmente. Onde il Re, per rimu-
nerarlo di questo, lo fece Bano di Bosna; et volle che etiandio i suoi
posteri perpetuassero in quel dominio. I quali sendo con processo di
07
Grunde Bosnien zu erobern. Er sandte also mit seiner
Armee einen seiner Barone, einen waffenkundigen Mann,
namens Kotroman der Deutsche, welcher nach der
Ankunft in Bosnien das Land herrenlos antraf und
es daher leicht eroberte. Und der König machte ihn
zur Belohnung zum Banus von Bosnien und sicherte
auch seinen Nachkommen die Herrschaft zu. Die-
selben vermehrten sich sehr in der Folge der Zeit
und führten sämtliche den Familiennamen Kotromanic.
Und fast immer war die Herrschaft Bosniens in ihrem
Hause, manchmal hießen sie Baue und heute Fürsten.
Unter ihrer Regierung gab es das Gute, daß sie in
Bosnien die Freiheit und die alten Sitten bewahrten.
Überhaupt ist dieses Land heute voll zahlreicher
sehr adeliger Herren, die den Regierenden nicht ge-
statteten, Tyrannei über wen immer auszuüben; sie
wünschten, daß jedermann in seinem Besitze und
Erbe beharre.
Ich fand noch manche Dinge aufgezeichnet über
die Kotromaniden, so, daß dieselben von altersher in
Bosnien herrschten bis zum Regierungsantritte Stefans
aus demselben Hause. Er herrschte in der oben er-
wähnten Weise über Bosnien und war ein guter und
weiser Herrscher. Als er jedoch starb, was 1310
geschah, hinterließ er drei Söhne: Stefan, Miroslav
und Vladislav
tempo in gran numero multiplicati, chiamaronsi tutti col nome della
famiglia Cotromanni. Et quasi sempre era in casa loro il dominio di
Bosna : facendosi alouna volta chiamare col nome de' Bani, e tal' hora
oon quello de' Conti. Nel governo de' quali era questo di buono, che
mantenevano in Bosna la libertä, cö le usanze anticlie. Imperoche sendo
questo Regno al' hora pieno di molti Signori noMlissimi, questi nö
perniettevano ad alcuno di quelli, ch'erano nel dominio, di usar tirannide
ä niuno ; ot volevano che ciascuno fusse mantenuto nello stato et patri-
monio suo.
Ne altra eosa trovo scritta di questi Cotromanni, che regnarono
anticamente in Bosna, fino ch'il dominio pervenne in mano di Stefano
Bano di questa casa. II quäle governava la Bosna nel modo sopradetto,
et era da bene, et saggio Principe. Ma morto che fü egli l'anno 1310,
lasciö tre flgliuoh, Stefano, Ninoslau et Vuladislau . . .
5*
68
Diese oft zitierte Stelle Orbini's war bisher die
Grundlage für die Behauptung, daß die Familie Kotro-
man deutschen Ursprungs gewesen sei.
Es muß zuerst erwähnt werden, daß das Werk
des genannten Benediktiners den großen Fehler hatte,
die verfügbaren sehr seltenen, teilweise gleichzeitigen
Quellen in seiner subjektiven Weise zu verarbeiten,
statt sie einfach mitzuteilen, wie er sie fand. Daher
kam es, daß er eine gleichzeitige authentische Notiz
mit sagenhaften Traditionen verquickte, und so wurde
sein Werk zu einem Magazin historischer Fabeleien.
Andererseits stößt man allerdings auf Grund von
Belegen aus seinem Werke oft auch auf ganz merk-
würdige und neue Tatsachen.
1
Es muß weiters noch
bemerkt werden, daß unter den Quellen für die süd-
slavische Geschichte eine den Eagusaner Kroniken
große Bedeutung zukommt, welche trotz ihrer ver-
schiedenen Verfasser doch auf ein ursprünglich redi-
giertes Manuskript zurückzuführen sind. Aus diesen
verschieden textierten, gegenwärtig in vielen Teilen
mangelhaften Notizen schöpften die Eagusaner Kro-
nisten: Besti, Luccari, Ragnina, Tubero.'
2
Bezüglich der
Eagusaner Kroniken müssen wir überhaupt bemerken,
daß dieselben vor dem XIV. Jahrhundert mit wenigen
Ausnahmen nur auf Sagen beruhen und erst dann als
vollgültige Belege in einzelnen Beziehungen angesehen
werden können, wenn archivalische Dokumente ihre
Angabe bestätigen.
Das Auftreten der Kotromaniden fällt gerade in
die Zeit, in welcher die Authentizität der Eagusaner
Geschichtsschreibung beginnt. Die Schwierigkeit besteht
nur darin, die geschichtliche Wahrheit festzustellen,
1
Diese Eigenschaft Orbini's bemerkte auch schon der gelehrte
Archimandrit Ilarion Buvarac, welcher im Belgrader und Sarajevoer
„Glasnik" auf Grund des Werkes „Regno degli Slavi" manche Frage
der südslavischen Geschichte geklärt hat.
2
S. Turul, XIII, S. 8 und 9. Bosnyäk nemzedekrendi tanulmanyok.
09
je nachdem es gelingt, die ursprünglichen Mitteilungen
von späteren redaktionellen Einschlägen zu trennen
oder nicht.
Bei genauerer Betrachtung der Behauptung Orbini's
sehen wir, daß seine Erzählung aus drei Teilen besteht.
Im ersten Teile (welcher mi t : . . . ora morto beginnt
und mi t : . . . tisan.se aniiche endet) wird von der Tat
sache gesprochen, daß nach dem Tode des Banus Kuhn
(also um 1204—1205) der ungarische König (Emmerich
oder Andreas II.) durch den deutschen Ritter Kotroman
Bosnien eroberte und zur Belohnung seiner Familie
die erbliche Herrschaft über das Land verlieh. Es ist
gar nicht notwendig zu sagen, daß es für diese Nach
richt keinerlei authentische Belege gibt.
Dem ersten Verfasser dieses Schriftstückes waren
zwei Dinge aus der bosnischen Geschichte bekannt :
a) daß die Familie Kotromau im Laufe der Zeit die
Erbfolge besaß und b) daß deren Glieder zum Teil
als Baue, zum anderen Teil als Fürsten ungarische
Feudalherren waren. Diese erste Notiz kann keine
andere sein, als die, welche Luccari benützt hat t e
1
und welche bei ihm solcherart beginnt: „mori appresso
Stephano Colromanno, Conte di Bosna" usw.
Aus dem Namen, welcher auf „man" endigt,
schließt ein humanistischer Etymolog des XIV. Jahr
hunderts, daß Kotromann (mit zwei „n") nichts an
deres sein konnte als ein Deutscher, und so entstand
diese Legende — sei es, daß deren Autor der Humanist
oder Orbini selbst war.
2
Jener Teil in Orbini's Erzählung, welcher mit
„Imperoche" beginnt und mit „patrimonio suo" endet,
ist nichts anderes als eine Paraphrase von Luccari's
authentischer Notiz, daß die auf ihre Unabhängigkeit
1
S. Amiali di Ragusa II, S. 45.
2
Besti, der diese Notizen kannte, macht ihn zum Goten. S. seine
Kronik, S. 258.
70
stolzen und übermütigen bosnischen Edelleute die
Kinder Stefan Kotromans vertrieben hatten, welche
samt ihrer Mutter von der Ragusaner Bevölkerung
sehr freundlich aufgenommen wurden, wie dies archi-
valische Notizen aus der damaligen Zeit beweisen.
1
Bei der Herausgabe dieser Notizen setzt Orbini
hinzu, daß er auch jene Bemerkung geschrieben fand,
wonach die Familie Kotroman schon seit lange in
Bosnien regierte, als die Regierung in die Hände des
Banus Stefan gelangte. Und wenn berücksichtigt
wird, daß die Prijezda's auch auf deren ehemaligen
Gebiete die Banuswürde ausübten, entspricht dies voll-
kommen der Wahrheit.
Orbini wußte also, daß über die Kotromaniden als
eingebornes Geschlecht Urkunden bestanden. Darüber
fällt er zwar selbst Icein Urteil, sondern schließt in
Kürze damit, während er über die vorherigen Notizen
sich weitläufig verbreitet. So kam es, daß die Geschichte
seiner Mitteilung keine Aufmerksamkeit schenkte,
jedoch die Legende von der deutschen Abstammung
übernahm, weil dieselbe ungewöhnlicher schien und
weil die Einzelnheiten der bosnischen Geschichte nach
1251 bereits verblaßt waren.
Die Frage der Abstammung des Geschlechts der
Kotromane interessierte auch die deutschen Genealogen,
welche obige positive Behauptung Maurns Orbim's zur
Grundlage ihrer Untersuchungen nahmen. Im übrigen
ist aus der Geschichte der Heraldik bekannt, daß die
Ähnlichkeit und Übereinstimmung von Wappen Anlaß
zu manchen Familienlegenden bot. So geschah es, daß
gestützt auf das Wappen mit der Krone, welches von
den Kotromaniden geführt wurde, die Familientradition
1
Fast Wort für Wort von Besti übernommen. S. ibid., S. 100.
71
der Schärfenberge, heimisch in Krain und Steiermark,
von einer Verwandtschaft mit dem bosnischen Königs-
hause fabelte,
Valentin Preuenhuber sagt in seiner, 1646 verfaßten
Genealogie: „Man glaubt, daß die Abkunft oder Ver-
wandtschaft des berühmten alten Geschlechts der
Herren Scherffenberg von dem Geschlechte der einstigen
bosnischen Könige herrührt, was unter anderem auch
die Königskrone beweist, die das vorher erwähnte Haus
seit langem in seinem Wappen trägt. Daher
finden wir auf S. 121 der im Jahre 1483 zu
Avignon erschienenen gedruckten Beschrei-
bung des Konstanzer Konzils folgende Worte:
„Der erhabene König Scherffenberg steht unter
dem Sultan und neben ihm das Wappen der
Scherffenberge mit der Krone und dreien schl^enb^rg
Kugeln."
1
Vgl. Fig. 1. 1235.
Und tatsächlich erwähnt die Beschreibung des
Konstanzer
2
Konzils die Scherffenberge in dieser Art
und im Wappenbuche von Konrad Grünenberg, 1483,
ist S. 276 unter dem Titel „Kunz von Scherffenberg" die
goldene Krone in schwarzem Felde ober drei Gold-
kugeln als Wappen zu sehen.
Die Scherffenberge führen seit 1235, wie dies
durch Siegel bestätigt werden kann, tatsächlich die
Krone im Wappen.
3
Natürlich kann die Entwirrung
dieser Familientradition beiseite gelassen werden, zumal
sie durch gar keine weiteren Belege beglaubigt erscheint.
Zwar lebte zur Zeit der Verfassung des Buches über
das Konzil von Konstanz und als Grünenbergs Wappen-
buch erschien, noch die Erinnerung an die Kotroma-
1
S. Adler, I, 1871, S. 107.
- In der Ausgabe von 1536, S. 99.
3
Siegenfeld: Der steirische Uradel. 9 Tafeln. In ältester Zeit ist
die Farbe der Krone schwarz in silbernem Felde (um 1300. Zürcher
Wappenverzeichnis. 3 Tafeln), später Gold auf Blau (um 1400. Bruder-
schaftsbuch Sti Christophori am Arlberg, 1445. Wappenbuch der österr.
Herzoge. Beide im k. und k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien).
72
lüden und wahr ist es auch, daß dieselben seit den
Zeiten Tvrtko' s I. die Krone in ihrem Wappen führten,
doch ist diese Krone (s. Fig. 2 a). nicht ihr Familien
wappen. Als ihr Familienwappen diente der Querbalken
(s. Fig. 2 b), welcher mehrfach von
drei Kugeln begleitet wird, und
später erschienen in verschiedener
Anzahl sogenannte Lilien (Gleve).
Die Übereinstimmung des Ori
ginalwappens der Familie Kotro
man mit dem Wappen einer stei
rischen Familie verleitete Siegenfeld,
den ausgezeichneten Kenner genea
logischer und heraldischer Beziehun
gen der innerösterreichisehen Ge
schlechter zu einer Kombination,
welche zum mindesten scheinbar
auf eine Beziehung hinweist.
1
Die Herren des steirischen Boitsch nämlich hatten
Wappen
a) kön
Pig. 2.
der Kotromanic:
b) Parnilienwappen.
wie deren Siegel, von 1234 und 1248 (s. Fig. 3)
2
bestätigt, das gleiche Wappen wie die Kotromans. Die
Pig. 3.
Wappen der Herren Roitsch.
1248.
Fig. 4.
Wappen der Gonowitz.
1206.
Burg Boitsch, die (noch 1192) zum alten Gurk gehörte,
war ein Feudum in der Nähe der slavonischen Grenze,
welches nach dem Erlöschen der steirischen Fürsten
in den Besitz der Familie Gonowits
vom
Traungau
1
Die betreuenden Belege wurden mir von ihm zur Verwendung
überlassen, wofür ihm hiermit Dank gesagt werden soll.
2
Siegenfeld, ibid., Taf. VI und XV.
73
überging. Beachtenswert ist der Umstand, daß die
Familie ursprünglich bloß einen Querbalken im Wappen
hat t e und erst später die Lilien hinzufügte zum Unter-
schiede von der Seitenlinie, welche Roitsch von der
älteren Linie, die in Gonowitz verblieben war, erhalten
hatte. Siegenfeld mutmaßt, daß der Grund hierfür an
den Kotromaniden gelegen sei, deren Wappen den
Querbalken aufweist, wozu später die Kugeln und
schließlich die Lilien kamen.
Siegenfeld erwähnt auch noch, daß in der älteren
Linie der Eoitscher Herren, soweit es urkundlich nach-
gewiesen werden kann (um 1195—1197), der Tauf-
name der Kotromaniden — Stefan — vorkommt.
1
Doch Stefan Kotroman f., welcher sich als Dynast
zuerst von der Familie trennte und auch als erster
den Namen Stefan trug, starb um 1318; daher ver-
dient dieser Umstand weniger Aufmerksamkeit als die
Ansicht Siegenfelds, daß die Herren von Roitsch wahr-
scheinlich Slaven waren.
2
Ein bemerkenswerter topographischer Zufall ist es,
daß nahe bei Eoitsch auf einem Abhänge nach Donais
Urkunden aus dem XV. Jahrhundert ein Ort Kotrou
3
lag.
Dies ist alles, was Siegenfeld auf Grund seiner
grundlegenden Untersuchungen über diesen Gegenstand
herausgebracht hat. Faktisch wird dadurch zwar nichts
an der bereits geklärten Frage über den Familien-
ursjmmg der Kotromaniden geändert; doch wäre es
unrecht, diese jedenfalls berücksichtigenwerten Notizen
in Verbindung mit dieser Frage nicht zu erwähnen.
1
Zahn: Ui'kmidenlmch der Steiermark II, S. 36, 43.
2
Wolfram von Eschenbach, welcher die Gegend gründlich kannt e,
schreibt in seinem Parcival (Buch IX, Zitat von Siegenfeld 1905):
„Und dö ich für den Röhas
durch äventiure gestrichen was,
da kom ein werelin windisch diet
üz durch tjoste gegenbiet."
3
Zahn: Ortsnamenbuch der Steiermark, S. 105.
74
Nachstehend ist der bisher bekannte Stammbaum
der Kotromaniden abgezeichnet:
Stefan Kotromans Großmutter väterlicherseits,
auch deren Eltern und Urgroßmutter väterlicherseits
sind uns nicht bekannt. An der Hand dieser Tafel ist
es nicht möglich, die Verwandtschaft im vierten Grade,
von welcher Papst Johann XXII. spricht,
1
zu ergänzen.
Bisher bestanden zwei Hypothesen, die sich auf die
Verwandtschaft beziehen. Die erste Meinung, die Moritz
Wertner aufstellte, besagt, daß der sechste Ahne der
Mutter Stefan Kotromaiiic', Elisabeth und der Graf
von Heran, Berthold III. (f 1188), der fünfte Ahne
der Braut Stefan Kotromaiiic' — beide ortenburgische
Grafentöchter — ein und dieselbe Person gewesen sein.
2
Es scheint uns nicht glaubhaft, daß die Verwandtschaft
auf diesem Wege nachzuweisen wäre. Die Sache ist
gar nicht unmöglich; doch fehlt ein sicherer Beweis.
Eine zweite Kombination tauchte nach der Publikation
1
Theiner, M. S. M. I, 135.
2
Dr. Moritz Wertner, ibid., 216.
75
des Archivs der Blagays auf, insofern Siegenfeld gleich-
zeitig mit mir übereinstimmend behauptete, daß in der
Verwandschaftskette Blagay-Kotroman-Ortenburg ein
bisher unbekanntes Glied fehlt, welches die Behauptung
des Papstes bestätigen würde.
Auf Grund der Urkunden aus dem Blagayer Archiv
würde sich folgender Stammbaum ergeben:
Prijezda
1283
Stefan Klisabeth
Kotroman
Stefan Kotromanic
Tochter,
verheiratet
an Stefan
de Gorizia.
erstgeb. Sohn
Stefan I.
t vor 1209
Stefan IL
|
Stefan III.,
Banus von
Goriza
Vladislav
?
?
Tochter Hermanns
„comitis de
Gorichia"
?
?
Tochter der
verstorbenen
Banis Prjezda.
Es ist ein Mangel dieser Tafel, daß es nicht
möglich ist, Hermann IL, Graf zu Ortenburg (f 1256),
mit jenem Hermann, dessen Tochter Stefan von
Gorica (f vor 1209) geehelicht hatte, zu identifizie-
ren, was bloß die 1200 interpolierte Urkunde König
Emmerichs besagt. Doch der Umstand, daß das Geschlecht
deren von Gorica, später von Vodica, nachmals von
Blagay schon im Laufe des XIII. Jahrhunderts in nähe-
ren Beziehungen zu den Ortenburgern standen, macht
es glaubwürdig, daß Stefan Kotromanic durch die
Familie Gorica-Vodica mit diesem deutschen Geschlechte
verwandt war. Diese Hypothese ist um so wahrschein-
licher, als der Besitz von Vodica an der kroatischen
Grenze infolge seiner geographischen Nähe die Ver-
wandtschaft beider Familien: der Gorica und der Pri-
jezda, der Herren Mederbosniens, erklärt.
BIOGRAPHISCHE UND GENEALOGISCHE
STUDIEN.
79
I.
Radivoj, Sohn des Königs Stefan Ostoja von Bosnien
1429—1463.
König Stefan Ostoja von Bosnien (regierte 1398—
1404; 1408—1418, illegitimer Sohn des Königs
Tvrtko I.) hatte außer seinem legitimen Sohne Stefan
Ostojic (regierte 1418—1421) zwei illegitime Söhne:
Stefan Thomas,
1
der im Jahre 1444 den Thron von
Bosnien bestieg, .und Radivoj, Herrn auf Vranduk,
2
später auf Komothyn (f 1461).
Über das Wirken dieses Radivoj enthalten bisher
die Werke von Klaic, Wert ner und Sisic Daten, die
untereinander mehr-minder in Zusammenhang gebracht
werden können.
Das erste dieser Daten ist vom 2. Juni 1429 (!)
Vor dem Budaer (Ofner) Domkapitel erscheint einer-
seits Nikolaus, Sohn des Ladislaus von Velike, ander-
seits Kadivoj von Vranduk, Bruder des Königs Thomas
von Bosnien. Aus der Fassion geht hervor, daß, da
Katharina, Tochter des Nikolaus von Velike, nach röm.
kath. Ritus dem Radivoj als Gattin angetraut ist, der
Vater von Radivojs Gattin, der genannte Nikolaus
von Velike, im eigenen, sowie im Namen seiner Gattin
Margarete ein Dritteil seiner Burgen Velike und Pet hna
3
1
( t l 461. )
- Die Ruine der Burg Vranduk im Bezirk Zeniea (Kreis Travnik),
daneben heute ein kleines Dorf mi t ca. 500 Einwohnern. Die Burgruine
Komothyn im Bezirk Jajee (Kreis Travnik) in der Nähe von Jajee.
8
Die Burgen Velike und Petenje-Petne im Komitat Pozega. Über
diese Burgen, wie über ihre Besitzer, die Velike' s und einen stammver-
wandten Bekefi's siehe ausführlich bei D. Gsäiiki: Magyarorszäg t ört e-
nelmi föklrajza. (Historische Geographie Ungarns) II. B., S. 392, 394.
80
sowie seiner sämtlichen Besitzungen in Ungarn und
Slavonien nach beider Tode dem Radivoj und dessen
Gattin vermacht, einschließlich der künftig zu ma-
chenden Erwerbungen jeglicher Art. Doch bedingen
sie sich aus, Zeit ihres Lebens im ruhigen Genüsse
dieser Besitztümer zu bleiben und darin beschützt zu
werden; wobei Radivoj als wortbrüchig erklärt wird,
wenn er nachweislich gegen diese Bedingung ver-
stoßen sollte. Radivoj hingegen vinkuliert die Hälfte
seiner Burg Sólyomkő oder Sokol (heute Ruine im
Bezirk Gracanica, Kreis Tuzla; an ihrem Fuße ein
Dorf mit ca. 1000 Einwohner, an der Grenze der
alten bosnischen Gespanschaften So und Usora), sowie
seiner sämtlichen gegenwärtigen und in Zukunft zu
erwerbenden Besitzungen in Slavonien und Bosnien zu-
gunsten seines Schwiegervaters Nikolaus von Velike
und dessen Gattin Margarete.
1
In dieser Urkunde ist auffallend, daß Radivoj
nur mit seinem Besitznamen „de Vranduk" (caput
bonorum) als Bruder des Königs Thomas von Bosnien
erwähnt wird, während doch damals Tvrtko IL der
legitime König war und von Stefan Thomas (sämtliche
bosnischen Herrscher tragen den Namen Stefan) in den
übrigen Quellen bis dahin noch keine Rede ist.
Denn allerdings haben die eingangs genannten
beiden unehelichen Söhne des Königs Stefan Ostoja
nach ihres Bruders Tode auf den bosnischen Thron
Anspruch erhoben und sich Königssöhne, Könige nen-
nen lassen. Allein es ergeben sich gewisse Zweifel,
bezüglich der Datierung dieser Urkunde. Elemer Varjü.
der die Transcription dieser Urkunde gesehen hat,
konstatiert nämlich, daß das Datum der Transcription
l autet: „Feria proxima post festum sacratissimi cor-
1
Codex Diplomaticus Patrius VII. 449—451 aus dem Banrf'y'sehen
Familienarchiv zu Kolozsvar (Klausenburg). Zitiert und exzerpiert von M.
Wertner: Südslavisehe Genealogie von 1891, S. 229. Auch von Osänki
a. a. 0. benützt.
Sl
poris Christi anno einsdem millesimo quadringentesimo
quadragesimo nono". Demzufolge datiert die Urkunde
vom 19. Juni 1449. Es ist somit wahrscheinlich, daß
das Versehen bei der Datierung des Budaer (Ofener)
Kapitels erfolgt ist. Dies umsomehr. als Eadivoj im
Jahre 1429 noch sehr jung war und der ungarisch-
slavonische Nexus erst zu Beginn der Regierung des
Königs Stefan Thomas ein inniger wurde und werden
konnte.
Da den Hauptzweck der vorliegenden Studie die
genealogische Analyse bildet, kann auf die einzelnen
Details der geschichtlichen Pragmatik nicht eingegangen
werden. Trotzdem erachten wir es zwecks richtiger
Beleuchtung für notwendig, die Familienbeziehungen
der einzelnen Persönlichkeiten mit den betreffenden
Momenten der historischen Entwicklung Bosniens in
Verbindung zu bringen. Hiebei muß betont werden,
daß es über dem Schauplatz der bosnischen Geschichte
des XV. Jahrhunderts erst jetzt zu dämmern beginnt.
Das Dunkel ist nicht mehr so undurchdringlich, doch
die einzelnen Umrisse prägen sich noch nicht scharf
genug aus. Durch die fragmentarischen Daten des
Archivs zu Ragusa werden die verschiedenen Beziehun-
gen von Jahr zu Jahr ergänzt und es kann uns nur
zur Freude gereichen, wenn einzelne Irrtümer durch
einen oder den andern Forscher berichtigt werden. So
geht es uns auch mit der Rolle Radivojs. Seit einigen
Jahren ist uns schon mehr über ihn bekannt, allein
das Bild seiner Wirksamkeit in Bosnien ist weder in
Rücksicht des zeitlichen, noch des ursächlichen Zusam-
menhanges gehörig geklärt.
Mit Bestimmtheit läßt sich feststellen, daß die
Macht der Türken seit der verhängnisvollen Schlacht
bei Usora (1415), die mit der Niederlage der Schar
des Johann Maróthy endete, eine entscheidende Rolle
auf bosnischen Gebiete zu spielen begann. Türkischer-
6
§2
seits tritt Isak Beg als Konquistador auf. In welcher
Weise diese Unterwerfung unter die Türken vor sich
ging, das läßt sich höchstens ahnen. Die bosnischen
„Herren" und — falls sie von ungarischer Seite keine
Unterstützung erhofften — auch die Könige trafen zeit-
weise mit den Türken eine Vereinbarung und ließen, da
sie ja wohl mußten, die Besetzung einzelner Festungen
durch türkische Garnisonen zu. Die erste Form war
somit die einer militärischen Okkupation, aus der die
vom Sultan gelenkte politische Einmischung von selbst
sich ergab. An eine unmittelbare Unterwerfung dachten
die Türken damals noch nicht, und konnten dies auch
gar nicht, Konstantinopel war ja noch nicht gefallen,
und die südungarische Verteidigungslinie war noch ge-
nügend stark. Eine Folge war nur, daß das Schicksal
des durch den Zwist in der königlichen Familie ge-
schwächten Bosnien von der Haltung des Begs des
Sandschaks Vrhbosna (Sarajevo) abhing. Soviel ist
gewiß, daß die Türken zwischen 1420—1428 auf
bosnischen Gebiet bereits Fuß gefaßt hatten.
1
Eadivoj, der Vranduk unter türkischer Ägide
besaß, trat um das Jahr 1428 als Gegen-König gegen
Tvrtko IL auf. Schon dieser Umstand beweist, daß
im mittelalterlichen Bosnien die faktische Macht des
Königs nur soweit reichte, als dessen eigener Privat-
besitz sich erstreckte, während man ihm darüber
hinaus nur insoferne gehorchte, als es ihm gelang,
seinen Willen durch fremde Kraft zur Geltung zu
bringen. Daraus läßt sich erklären, daß Eadivoj sich
ein Jahrzehnt lang König nennen konnte, weil
Tvrtko IL, der legitime, auch international als solcher
anerkannte Herrscher, ihm eben nicht beikommen
konnte. Aus dem ersten Teile von Eadivoj s fragmen-
1
Vgl. diesbezüglich die wertvolle Abhandlung von Jovan Badonic:
Der Großvojvode von Bosnien Sandalj Hranic-Kosaca, in der auch Jireceks
unveröffentlichte Daten verwertet sind. Arch. f. slav. Phil XIX, S. 460.
88
tarischen biographischen Beziehungen t ri t t uns das Bild
eines Prätendenten der türkischen Partei entgegen und
sein Verhältnis zu Ragusa spielt dabei die Hauptrolle.
Die Republik Ragusa „zündete" nämlich mit
Rücksicht auf ihre Handelsinteressen, allen jenen mäch-
tigen oder gewalttätigen Nachbarn, die ihren Bürgern
schaden konnten, „eine Kerze an". Den größeren
Mächten, Türken, Ungarn entrichtete sie eine Abgabe,
dem König von Bosnien, dem Despoten von Serbien
wurden zwar kleinere, aber, da diese nähere Nachbarn
waren, „ständige" Geschenke, kostbares Tuch und Samt,
deren Gesandten Geld zur Bestreitung der Reisekosten
zugewendet. Als Mittelpunkt der südslavischen Kultur
wurde Ragusa immer mehr das Asyl der bosnischen
und serbischen Dynasten. Wollte man einen modernen
Vergleich anwenden, so könnte man die angenehme,
heitere kleine Republik mit ihrer gebildeten Bürger-
schaft ruhig das Adria-Graz nennen.
Auch Radivojs Vater, Stefan Ostoja flüchtete nach
Ragusa und erhielt von der Republik das Bürgerrecht.
Als die Herrschaft des Stefan Ostojic geendet hatte,
konnten dessen Stiefbrüder Radivoj und Thomas erst
heranwachsende Jungen sein. Jedenfalls steht fest,
daß beide König Tvrtko IL gegenüber Ansprüche als
Prätendenten erhoben. Bis 1431
x
finden sich keine
sicheren Daten, erst in diesem Jabre stoßen wir auf
Radivojs Namen, als er von Ragusa eine Abgabe for-
dert und dem Rate droht, er werde, falls die Zahlung
nicht erfolge, an den Kaufleuten der Republik Rache
nehmen. Man darf nicht vergessen, daß Radivoj auf
diese Unterstützung tatsächlich angewiesen war. An-
fänglich feilschten sie mit ihm, gaben ihm aber am 20.
1
Nach Radonic 1433, allein N. Jorga: Notes et extraits pour servir
a_rhistoire des eroisades au XV. siecle. Paris, 1902. 2. Serie, S. 302.
(Ubringens eine äußerst lückenhafte und verworrene Sammlung.) Zitiert
einen Beleg vom 26. September 1431. Seine Kandi t at ur wurde wahr-
scheinlich im Jahre 1430 aktuell.
84
Februar 1433, jedenfalls mit Rücksicht auf ihre Inte-
ressen, 200 Perper, seinem Gesandten 60 Perper.
1
Im September 1433 jedoch gelangte gelegentlich
eines neuerlichen Steuerzahlungsauftrages die Frage
zur Erörterung, ob man „Radivoj, der sich König von
Bosnien nenne" anerkennen und ihm ein ständiges
Geschenk senden solle. Mit einer Mehrheit von nur
6 Stimmen (21 gegen 15) wurde gegen ihn ent-
schieden und die ständige Zahlungsverpflichtung ab-
gelehnt.
Damals — im Sommer 1433 — unternahm
Radivoj mit türkischer Hilfe eine Aktion gegen Tvrtko,
jedoch ohne großen Erfolg. Am 5. Oktober 1433 schreibt
nämlich die Republik an Johann Stojkovich aus Ragusa,
den bei König Sigismund in Gnade stehenden Doktor
der Universität Pari s:
2
„Gegenwärtig herrscht in Bosnien König Tvrtko, der jetzt
von den Türken bedrängt und bekriegt wird. Die Gegner Tvrtko' s
verlangen einen Sprossen des königlichen Hauses Namens
Radivoj und wollen diesen zum König erheben, obgleich sie
bisher ni cht eine einzige Fest e König Tvrtko' s einzunehmen
vermochten. "
3
Dieser Feldzug endete für Radivoj damit, daß er nach
Ragusa flüchtete. Da seine Parteigänger diesmal nicht
im Stande gewesen waren, den Sieg davon zu tragen,
so rieten sie ihm, sich mit seinem Schicksal auszu-
söhnen und als Bürger von Ragusa die Vorteile zu
genießen, die eine friedliche Zurückgezogenheit biete.
Allein Radivoj war durchaus nicht gewillt, das Bürger-
recht zu erwerben und seine Nationaltracht abzulegen.
Als Soldat war er an eine zivilisierte ruhige Lebens-
weise nicht gewöhnt. So zog er vor, sich mit König
Tvrtko zu versöhnen, der ihm in Kiseljak (Kreis Sara-
1
Jorqa a. a. 0. S. 315.
- Siehe Mon. Conc. Gen. XV. Wien, 1857. VIII. 1.
3
Jorga a. a. 0. S. 318.
85
jevo, Bez. Fojnica) einen Besitz verlieh.
1
Er kehrte
also nach Bosnien zurück und sprach ab und zu in
Ragnsa vor, wo er zahlreiche Freunde besaß. Doch hielt
er seinen Anspruch an die Republik auch fernerhin auf-
recht. Im Jahre 1434 forderte er die Abgabe sogar
zweimal. Sein Verlangen wurde zwar nicht erfüllt,
seinem Abgesandten aber jedesmal die Reiseauslagen
vergütet.
2
Indessen stand König Tvrtko's IL Macht, trotzdem
dieser gegen Radivoj Erfolge erzielte, auf sehr schwa-
chen Füßen. Am 19. März 1435 weilt er in Pozsony
(Preßburg)
3
bei König Sigismund, am 5. Dezember des-
selben Jahres hält er sich in Szekesfehervär (Stuhl-
weißenburg) auf/
Es würde zu weit führen, wollte man auf alle
Einzelheiten der Regierung Tvrtko's bezw. seiner auf
Erlangung von Unterstützung gerichteten Expedition
eingehen. Es genügt festzustellen, daß während seiner
Abwesenheit der Vojvode von Chulmia (Herzegowina),
Stefan Vukcic Südbosnien, der serbische Despot
5
Georg
Brankovie mit nachträglicher Zustimmung des Königs
von Ungarn das östliche Bosnien besetzte, während die
Türken Vrhbosna okkupierten. Tvrtko's Reise endete
mit einem Vergleich mit den Türken und auch er
zahlte dem Sultan eine Abgabe.
Unterdessen lebte Radivoj zwar in Frieden mit
Tvrtko, hielt jedoch besonders gute Freundschaft mit
dem Vojvoden Stefan Vukcic. Nunmehr gab Ragusa
mit Rücksicht auf seine Kaufleute und weil es zu dem
1
P. Luceari: Annali di Ragusa. 1790 S. 143—144. Mauro Orbini :
II regno de gli Slavi, folgt der Darstellung Luccari's, indem er berichtet,
Radivoj habe sich bei den Türken als Geisel aufgehalten. 367—368.
2
Ebenda 320 I., S. 4,
3
Mon. Cone. a. a. 0. 791.
4
Ebenda 676. König Sigismund steht auf Tvrtko's Seite und
belohnt dessen Getreue, so im Jahre 1436 des Königs Kämmerer Bestoje.
5
Am 5. Mai 1435 bei König Sigismund. Brach gleichzeitig mit
Tvrtko IL nach Ungarn auf. Ung.-serb. Urkb. S. 96.
86
benachbarten Vojvoden von Chulm in freundschaft-
lichen Beziehungen stand, auch Radivoj ein „ständiges''
Geschenk. Bald werden ihm 100, bald 200 Perper,
häufig kostbare Samte und Stoffe angewiesen, ja selbst
seine, in die Stadt gesandten Lustigmacher werden
beschenkt.
So stand es mit Radivoj bis zum Jahre 1443, als
Tvrtko IL am 22. Juni dieses Jahres starb, ohne
einen männlichen Nachkommen zu hinterlassen und Ra-
divojs Bruder Thomas mit dem Zunamen Stefan auf
den bosnischen Thron gelangte.
1
Zu Beginn der Regierung des Königs Stefan
Thomas versuchte Ragusa, die Leistung der Abgabe an
Radivoj zu verweigern, doch erhält dieser von 4. Februar
1446 bis 1450 fortwährend Geschenke (150 Perper),
ja überdies noch Samt usw., wie ehedem, später wer-
den dem „Könige" Radivoj 200 Perper ausgezahlt.
2
In der Zeit von 1443—1450 vollzog sich der
Übertritt des bosnischen Königshauses zum Katholi-
zismus und sein näherer Anschluß an das Papsttum. So-
wohl Stefan Thomas (1444) als auch Radivoj, der in
vollster Harmonie mit seinem Bruder lebend sich
damals mit seiner Stelle begnügte, melden sich als
eifrige Katholiken. Radivojs Gattin, Margarete von
Yelike, die er vermutlich um diese Zeit geehelicht hat,
war katholisch; wie ja bereits betont, erklärt die
obzitierte Urkunde vom Jahre 1449 (1429!) ausdrücklich,
daß ihre Vermählung nach römisch-katholischem Ritus
vollzogen wurde. Sicherlich wurde die slavonische
Magnatentochter nur unter der Bedingung die Ge-
1
Klaic und andere, die ihm folgen, sind der Meinung, Stefan Thomas
sei gewählt worden, weil Radivoj im Verein mi t den Türken das Land
verheert habe. Wi r glauben nicht, daß dies der Grund war, weshalb er
übergangen wurde. Gab es doch kaum Einen unter den damaligen
bosnischen Großen, der nicht zeitweilig den Türken gehuldigt hät t e.
2
Vgl. Jonja a. a. O. S. 326. 330, 359, 863, 367, 368, 385, 391,
396, 406, 417, 420, 423, 426.
87
mahlin des bosnischen Königssohnes, daß sie an der
Seite des patarenischen Gatten ihren Glauben frei
bekennen durfte. Natürlich kann diese Annahme nur
für den Fall gelten, als die Hochzeit, vor Radivojs
Übertritt stattfand. Ein umso eifrigerer Katholik wurde
Radivoj später, nachdem der Papst dessen Bruder
den König am 29. Mai 1445 rücksichtlich seiner
Abstammung legitimiert hat t e „uti in praefato regno
Bosnae ac quibuscunque aliis regnis . . . succedere . . .
valeas . . . ac si legitimo thoro natus esscs."
1
Vom katho-
lischen Standpunkt war durch diese Verfügung auch
Radivoj legitimiert. Übrigens wurde Radivoj von Papst
Eugen am 9. Oktober 1446 unter seinen besonderen
Schutz gestellt (nob. virum Radivoj comitem de Bran-
duch germanum regis S. D. n. accepit in protectionem
b. S. Petri) und die „nach der seligsten Jungfrau
benannte" kathol. Kirche zu Vranduk (nullius diocesis)
erhielt das Wallfahrtsrecht für den Pfmgsttag.
2
(Vatik.
Archiv, Eug. IV. T. I. F. 360. F. 3 3 5 / ^ 336/«,)
Doch wir wollen ein wenig von Radivojs Auftreten
in Bosnien abschweifen und sehen, wie es um seine
slavonischen Besitzungen stand. Diese Diversion wird
auch durch die kronologische Reihenfolge unserer
Daten erfordert.
Auf Grund des Übereinkommens vom Jahre 1449
(1429!) war Radivoj tatsächlich in den Besitz der
slavonischen Liegenschaften derer von Velike gelangt.
3
1
Themer : M. S. M. I. 388.
3
Als gut en Katholiken lohnt ihn 1457 Papst Kalixtus III. (Themer:
a. a. 0. I. 428), der i hn indessen lediglich als Herrn von Vranduk,
„nobili viro de Vranduk
1
' und als Bruder des Königs von demselben
Vater und derselben Mutter, „germano" bezeichnet. Nach Luccari S. 185
hat t e Radivoj auch eine patarenische Gemahlin, die Schwester des Radoslav
Pavlovic und einen Sohn Ljubisa.
3
Wi e aus der Mitteilungen meines Freundes Elemer Varjil her-
vorgeht, konstatiert Ladislaus V. in seiner Urkunde de dato Wien,
24. Juli 1456, daß „fidelis . . . egregius Radivoy de Vranduk" vor ihm
erschien, ihm das fragliche Schreiben des Ofener Kapitels vorwies, das
das Übereinkommen mi t seinem verstorbenen Schwiegervater Nikolaus
SS
In seiner Eigenschaft als slavonischer Grund-
besitzer, erwuchs ihm ein Handel mit den Nelepec,
aus Dobra-Kuca, einer aus dem 1356 in Ungarn an-
gesiedelten bosnischen Geschlechte Hrvatin hervor-
gegangenen begüterten Familie.
1
Und zwar geschah
von Velike enthielt. (Original im freiherrl. Bänffy'sehen Familienarchiv
zu Kolozsvär (Klausenburg). A tergo in altbosnischer Schrift (Bosancica)
die Anmerkung (in der Leseart des Herrn M. Sufflay): „Urkunde Alberts,
Sohnes des Königs Ladislaus, das neue Besitztum des Knjez Nikolaus
Benic steht zu erhoö'en, Wi en". Die Urkunde beweist jedenfalls, daß
Radivoj und seine Gattin ihren Teil damals bereits in Besitz genom-
men hat t en und beim Könige um gewisse neuere Besitzteile bittlich
wurden.
1
Es ist nicht uninteressant, die Genealogie dieser Familie zusam-
menzustellen, die auf Grund der von mir und Joh. Karäcnonyi (im Tört.
Tär 1896. I. Mitteilung) veröffentlichten Regesteii des gräfl. Pongräcz' schen
Familienarchivs in dem uns hier interessierenden Teile, wie folgt, rekon-
struirt werden kann.
Paul Hr vat i n Vl kosl av
1358 I
Lat k von Soboci n
Ni kol aus 1414 Ladi sl aus 1435
Gr egor G-ojslav 13G5 Ni kol aus Nel epeo von
1358, 1365 >~ doni i na Ovul a 1370 1365 Dobra-Kuca 1305
Ladi sl aus Gr egor Benedi kt 1409
1376 1376 Vor mund des Ladi sl aus,
Sohnes des Ladi sl aus Lat k-Vl at ko
1435
Ladi sl aus Paul 1402 Benedi kt
1412 — Anna-1409 (verst orben) 1450, 1469
I I
Ladi sl aus Ni kol aus Davi d Paul Domi ni k J ol i ann
1462—1471, 1476 1469, 1470 1470 1450 1469, 1470 1450
Anna (verst orb.
I Fr a nz
Andr eas Jol i ann
1469 1409 J oba nn Ladi sl aus Davi d Geor g
1450 1451 1450 1450
Im Jahre 1478 gelangte Dobra-Kuca,
v
das Benedikt 1457 als „pro-
vincia nostra" bezeichnet (was ungefähr der Zupa entsprach), in den Besitz
derer von Mindszenti. Bemerkt sei, daß der in obiger genealogischen
Tabelle genannte Vlkoslav, Hrvatins Bruder, Kljuc 1363 in ungarische
Hände gelangen ließ. Untersuchungen über den Ursprung des bosnischen
Banats. VIII. Ein Zubehör dieser Burg war. die Feste Strazice-Vesela
Straza, die zu Sigismunds Zeiten von Latk, Sohn des Nikolaus von
89
dies auf die Weise, daß Radivoj und sein Schwieger-
vater Nikolaus von Yelike den Edelleuten von Dobra-
Kuca 400 Goldgulden schuldeten, welche Summe,
als Pfandbetrag der den Nelepec gehörigen Burg Levac
am 6. Jänner 1450 fällig wurde.
Hievon erlegten Radivoj und Genossen im Jahre
1450 300 Gulden;
1
die restlichen 100 Gulden be-
zahlten sie am 30. Juni desselben Jahres.
2
Die andere Tochter des Nikolaus von Velike und
Radivoj s Schwägerin, Barbara, wurde von Nikolaus von
Kis-Värda geehelicht. So kamen die Herrschaftsteile
Velike und Pethna (Petenje)
3
zur Hälfte durch Erb-
schaft in den Besitz derer von Kis-Várda. Allein
Kis-Várda's Söhne: Nikolaus, Simon, Mathias und
Aladär verpfändeten ihr Erbteil teils an Ivanka' s
Sobocina, gegen die Bosnier nicht gehalten werden t onnt e. Am 2. Feb.
1414 verbietet Königin Barbara bis zur Fällung des Urteils durch den
König, daß Nikolaus von Sobocin deshalb in seinem Besitz behelligt
werde. Der Text dieser Urkunde l aut et :
Biida 1414 feb. 9. Commissio Nicolai palatini et Johannis de
Maröth alias bani.
Barbara dei gratia Romanorum Hungariae etc. regina fideli suo
magnifico Paulo Csupor de Monuzlow, regni nostri Sclavoniae bano vel
vicebano eiusdem, salutem et gratiam. Licet Nicolais filius Wl at hk de
Zabachina castrum Veselestraza nuncupatum in regno Boznae habitum,
per negligentem conservationem et custodiam eiusdem castri a potestate
domini nostri regia amittendo existit alienatum, et ad manus quorumdam
Boznensium deventum, tarnen quia nos factum amissionis dicti castri
dispositioni domini nostri regia et deliberationi duximus reaervandum,
igitur fidelita.ti vestrae flrmiter praecipiendo mandamus, quatenus prae-
faturn Nicolaum tamdiu quousque dictus dominus noster rex facto in
praemisso deliberaveiit in possessionibus, rebus et suis bonis universis
impedire molestare et dampiiificare nuUatenus audeatia, nee sitis ausi
modo aliquali. Secus non facturus, praesentibus perlectis exhibenti resti-
t ut i s. Datum Budae feria sexta proxima post festum puiificationis
Virginia Mariae, anno domini MCCCUXIV. (Archiv zu Könnend. V. ö.
VIII. sz.)
1
Ausgabe des Pozegaer Domkapitels vom 11. Jänner 1451. (Ar-
chiv zu Könnend.)
3
Ausgabe des Pozegaer Domkapitels vom 30. Juni 1451. Ung.
Nationalmuseum. Unter dem Manuskripten Kovachich.
3
Velike : Fenyö, Posada, Ceglin, Bokolya (Bukovje) und die Per-
tinenz Tomi ca; Pet enye: Golgova. Aufgezählt bei Csänki: wie oben
IL Bd. ibid.
90
Söhne: Ladislaus, Nikolaus und Georg, teils an ihre
Tante Katharina von Velike.
1
Aus diesen Verhältnissen erhellt, daß Radivoj in
den Komitaten Pozega und Koros auch als ungarischer
Grundbesitzer eine Rolle spielte. Es ist möglich, daß
seine Gattin die ungarisch-slavonischen Domänen ver-
waltete. Infolge der vom Familienstandpunkte günsti-
geren Lage, die sich aus der Regierung des Stefan
Thomas für Radivoj ergab, war sogar für Neuerwerbun-
gen Geld übrig. So wurde die Hälfte der Besitzung
Paka (nördlich von Brod) des Kaspar Kastelanfi von
Szentlelek, d. i. 10 Grundholdenansässigkeiten von
Radivoj von Komot hyn
2
und dessen Gattin um 400
Goldgulden als Pfand belehnt, Kaspar Kastelanfi war
bei der Eroberung von Srebernik durch bosnischen
Verrat in türkische Gefangenschaft geraten. Nur durch
große Opfer gelang es ihm, sich aus der Gefangenschaft
zu befreien. Später war er in einer Mission bei Sultan
Muracl. Obgleich König Vladislav I. dem Siegmund und
Kaspar Kastelanfi am 27. Februar 1443 Steuerfreiheit
gewährte, waren sie in jener Zeit des Geldmangels
doch genötigt, zu dem üblichen Mittel der Verpfändung
zu greifen.
Mit der oberwähnten Erwerbung hängt die viel-
leicht bedeutungsvollste Episode in Radivojs Leben
zusammen, die zwar nicht von internationaler Wichtigkeit
1
Sie einigen sich am 5. Juni 1470 auf 150 Goldgulden. Archiv zu
Kis-Marton. Bezüglich dieser Besitzungen vgl. CscmM's Studie über die
Bekefi's in obigem Werke, S. 435. — Die Besitzung Paka (Komitat
Pozega) wurde am 5. September 1425 dem Vlks Sohn Nicolaus Drusich
von Gucjagora, einem bosnischen Parteigänger Sigismunds aus der Gegend
von Losva und Zupan der Familie Kotroman, verliehen, weil einige seiner
Burgen auf dem Gebiete von Sana und Usora von Feinden Sigismunds
besetzt worden waren, er dagegen die Burg Kozarac (Kreis Banjaluka)
dem König übergeben hat t e. Seine unmündigen Töchter Katharina und
Stana erhielten das Erbrecht. Aut diesem Wege d. h. durch Heirat konnte
Paka in den Besitz der Kastelanfi's gelangen. Siehe Anhang, Urkunde XXVI.
- So nannt e man ihn damals nach seiner Burg Komothyn bei
Jajce, die er möglicherweise kürzlich von seinem Bruder, dem König- er-
halten hatte.
91
ist, gleichwohl aber doch ein nennenswertes Glied in
der Ausgestaltung der Verhältnisse auf dem Balkan
im XV. Jahrhundert bildet. Wir meinen den Fall von
Semendria (Smederevo).
Zum Verständnis des Herganges der Sache muß
vorausgeschickt werden, daß König Stefan Thomas,
Radivojs oft erwähnter Bruder, um jeden Preis bestrebt
war, seinen Erstgeborenen, Stefan (Stjepan Tomasevic)
mit einer einem italienischen Herrscherhause entstam-
menden, oder, falls dies nicht möglich, doch mit Glücks-
gütern gesegneten Prinzessin zu verloben.
Hiezu schien ihm eine Tochter des Herzogs von
Mailand, des mächtigen und steinreichen Kondottiere
Francesco Sforza und der Donna Bianca, als geeignet.
Von dieser Angelegenheit erfahren wir aus einem
Berichte von Francesco Sforza's römischen Gesandten
Jacopo Calcaterra vom 20. Juli 14-56,
1
in dem er,
schreibt:
Glorreicher Herr etc. Eure Herrlichkeit hat sicherlich
gelesen und zur Kenntnis genommen, was ich dieser Tage in
zwei Briefen über meine Unterredung mit dem Gesandten des
Königs von Bosnien schrieb. Er gab mir zu verstehen, daß sein
Herr, der König, mit Eurer Herrlichkeit in Verwandtschaft zu
treten wünscht und wollte meine Meinung über diese Angelegen-
heit wissen. Der erwähnte Gesandte ist abgereist und hat ein
Memorandum bei mir zurückgelassen. Ich habe ihm hierauf in
Euer Herrlichkeit Namen geantwortet und ihm geschrieben, er
möge meine Briefe an eine der folgenden zwei Stellen gelangen
lassen: entweder über Lesina an den dortigen Bischof (den
gewöhnlichen Geschäftsträger des Königs von Bosnien), oder
über Venedig an Antonio Enze, der bei der Kirche S. Salvatore
beschäftigt ist.
Außerdem möge Eure Herrlichkeit wissen, daß gestern
(19. Juli 1456) auch Seine Heiligkeit mit mir über diesen
Gegenstand sprach, wobei er sagte, der genannte König habe
ihn durch seine Gesandten gebeten, dahin zu wirken, daß des
Königs Erstgeborener eine Sprossin des italienischen Hochadels
1
Staatsarchiv in Mailand. Unvollständig mitgeteilt von Mctkuiev:
ibid. IL 99.
92
ehelichen könne, und daß er es am liebsten sähe, wenn dieses
Mädchen königlichem Blute, oder falls dies nicht zu erreichen
sei, mindestens einem fürstlichen Hause ent st ammt e; und des-
hal b erkundigte sich Seine Heiligkeit bei mir, wieviele Töcht er
Eur e Herrl i chkei t hät t e. Fer ner sprach er den Wunsch aus,
daß, nachdem eine solche Verwandtschaft mit dem Könige von
Aragonien ni cht zustande kommen könne, da weder dieser noch
dessen Sohn, der Herzog von Kalabrien, eine Tochter besitze,
diese Hei rat wenigstens mit dem Hause Eur er Herrl i chkei t
geschlossen werde. Nachdem ich Seiner Heiligkeit zu wissen
gegeben, wieviele und wel che Töchter Eur e Herrl i chkei t besitze,
antwortete Seine Heiligkeit, er habe geglaubt, daß Eur e Her r -
lichkeit mehr Töchter von Madonna Bianca hätten. Er bedaure.
daß, nachdem die eine dem königlichen Hofe von Aragon ver-
sprochen, die andere aber erst kürzlich geboren sei, diese Ver-
wandtschaft nicht zustande kommen könne. Und dies sagte
Seine Heiligkeit deshalb, weil j ene andere Tochter Eur er Her r -
lichkeit, die seinerzeit mit dem Grafen Jacopo verlobt war,
natürlich nicht erwähnt werden konnte, da die genannten Ge-
sandten sicherlich Seine Heiligkeit den Wunsch ihres Her r n
mitgeteilt hat t en, daß seiner Schwiegertochter lediglich aus
einer legitimen Ehe stamme. Darauf erwiderte ich, es habe
mir doch geschienen, als hät t e der eine Gesandte auf den be-
zeichneten Mangel der Geburt kein Gewicht gelegt. Da sagte
Seine Heiligkeit, es wäre ihm sehr lieb, wenn dies geschähe
und auch für Eur e Herrl i chkei t könne die Sache nur erwünscht
sein. Nachdem Eur e Herrl i chkei t nunmehr dies alles erfahren
hat, geruhe Sie hi erüber nach Gutdünken zu entscheiden. Ex
urbe 20 julii 1456. Ei usdem Illustrissimae Dominationis fidelis
servitor Jacobus Calcaterra.
Aussen: Illustrissimo principi et excellentissimo domino
domino duci Mediolani etc. Papiae Augleriaeque comiti ac Cre-
monae domino, domino suo colendissimo.
In der Tat begannen Verhandlungen in dieser
Richtung,* Nikolaus Testa von Trau war der Bevoll-
1
Im Laufe des Jahres 1457. Hierüber informiert nachstehender
Brief: 2. Okt. 1457. Mailand. Sehreiben des Herzogs Francesco Sforza
von Mailand an König Stefan Thoma.s über die in Ga,ng befindliche Ange-
legenheit :
Serenissimo principi et excellentissimo Domino observandissimo
Domino Stephano Thomae Dei gratia Regi Bosnensi. Reddidit nobis
magnificus ac praestans miles Dominus Nicolaus Jacobi Teste regiae
serenitatis vestrae orator litteras eiusdem omni humanitate et dementia
93
mächtigte des Stefan Thomas. Die Unterhandlung führte
auch zu einem Ergebnis, indem Francesco Sforza ein-
willigte, eine seiner Töchter dem bosnischen Königssohne
zu vermählen. Den Bericht, bezw. die Einwilligung
erhielt der König von Bosnien wohl, allein unterdessen
(Februar 1458) hatte er bereits Unterhandlungen mit
den Erben des verstorbenen serbischen Despoten Lazar
Brankovic angeknüpft, da er den Wunsch hegte, eine
Tochter des letzteren mit seinem Sohne zu verloben.
Als nun der Gesandte aus Mailand eintraf, geriet der
König in Verlegenheit. Vermutlich war es nur eine
Förmlichkeit, daß er des Herzogs Einwilligung mit
großen Höflichkeitsbezeigungen zur Kenntnis nahm.
Er schrieb diesem, er wolle alles versuchen um den
serbischen Bund zu lösen und werde ihn hievon bal-
digst benachrichtigen. Am 1. Mai 1459 setzt er ihn
von Bobovac aus bereits von der vollzogenen bosnisch-
serbischen Heirat in Kenntnis. Um diese Doppelzün-
gigkeit zu versüßen, bietet er dem Herzog von neuem
eine Verbindung an, indem er erwähnt, er habe ja
noch andere Söhne und Töchter, und wie auch der
Herzog noch Kinder besitze.
2
Francesco Sforza gab auf diesen Brief am 11. Juni
1459 eine sehr höfliche Antwort. Er sei über die
Nachricht erfreut, und erblickt der König von Bosnien
in dieser Verbindung einen Vorteil für sein Land, so
plenissimas summaeque in nos benivolentiae et amoris testes loeupletis-
simas. Perlegimus ea, cjuae litteris ipsis praelibata maiestas vestra nobis
soripsit: dehino omnia, quae ipse orator Ornate copioseque nobis subli-
mitatis vestrae nomine retulit. Intelleximus verum nescimus quos exce-
lentiae vestrae pro tarn humanissimis litteris quibus nos tarn familiariter
tamque liberaliter nos alloqui dignata est pro tanto tamque singulari
in nos affectu, dignas agere debeamus gratias sed quas maiore animo
concipere possumus habemus dedimus responsum ad singula ipsius Domini
Oratoris quesita singulorumque petitiones. Intellexit ille ut est vir omni
officio et virtute praeditus animum et ment em nostram quam Uli sin-
cero corde aperuimus. Percepit Romae ex Sanctissimo Domino nostro
Papa et ex omni ella Curia . . . ( ! )
Das übrige fehlt. (Staatsarchiv, Mailand.)
1
M. D. M. I, 4 9 - 5 0 .
94
sei ihm dies nicht minder lieb als wenn es sich um
sein eigenes Land handelte.
Was die neue Verbindung betreffe, bemerkt er mit
feiner, Anspielung, so habe er zwar Töchter und Söhne,
doch seien diese teils verlobt, „so, daß mit Treu und
Glauben — die wir über alles setzen — ihres Wortes nicht
entbunden werden können". Der Rest des Briefes bezieht
sich auf den Kongreß von Mantua. Wir teilen diesen
Brief mit als das abschließende Schreiben, in dieser
Heiratsangelegenheit und als Ergänzung der leider
mannigfachen Lücken der Monumenta Diplomatica aus
der Zeit des Königs Mathias.
11. Juni 1459. Mailand. — Mediolani die XI. Jum'i
Serenissimo principi et excellentissimo domino lionorandissimo
Sterfano Thomae Dei gratia regi Bosnae etc.
Accepimus litteras serenitatis Vestrae datas in regio eius
Castro Bobovaz, die primo mensis proxime decursi Maii, quibus
intelleximus felicem matrimonii copulam contractam inter illu-
strem domirmm Stefanum Maiestatis Vestrae filium et filiam
illustris principis quondam domini Lazari despoti Rasciae cum
dotali omni eius dominio in Hungaria et Rascia quod Turci non
occupant. Quae profecto nobis gratissima et jucundissima fuerunt,
et quantum animo concipere possumus Maiestate Vestrae congra-
tulamur, non alio loco existimantes quaecunquae regni Vestri
rerumque Vestrarum incrementa et felicitatem, quam si nostra
essent. Quemadmodum pro singulari in nos bumanitate et de-
mentia Vestra esse reputamus. Quae vero secundo loco Maiestas
Vestra commemoravit de alia affinitate contrahenda inter alios
liberos Maiestatis Vestrae et nostros; postquam prima de qua
mentio liabita est non successit, seu in melius versa est, longe
maiore animi voluptate accepimus, vel ex hoc ipso arguentes
et plane dignoscentes, quantum ipsa regia Maiestas Vestra nos
resque nostras innato quodam amoris affectu et studio complecta-
tur; et propterea non possumus condignas Excellentiae Vestrae
referre gratias, sed quas maiores possumus agimus immortales,
verum in hac animi oblectatione, hoc uno angimur quod sub-
lata est nobis facultas non voluntas, desiderio Maiestatis Vestrae
et nostro satisfaciendi, habemus siquidem alios filios et filias
omnipotentis Dei gratia quamplures, qui licet parvuli nondum
pubertatis annos attigerunt, sunt tarnen aliis matrimoniis despon-
95
sati et promissi, adeo ut, salva fiele et lionestate quam prae
ceteris rebus colimus, revoeari non possent. Rogamus igitur
Serenitatem Vestram et obsecramus, ut quandoquidem ea facultas
nobis sublata est, voluntatem nostram qua utique integerrima
est, aeeipere dignetur animumque et praeciquam in eam fidem
reverentiam et devotionem nostram agnoscere, quae maioris vin-
culi quam affinitatis robur obtinere sibi certe polliceatur, nobisque
et rebus nostris, si quando usui vel commodo sibi esse possint,
aeque ac suis propriis utatur, nam ipsa Maiestas Vestra nos
utique dum vixerimus in omne decus ornamentum et amplitu-
dinem suam ubique inveniet paratissimos. Demum ad ea quae
Maiestas Vestra de conferendis auxiliis pro Christiana religione
contra sevissimos Turcos, dieimus quod ut Maiestati Vestrae
notum esse credimus, sumnxus Romanus Pontifex in Mantua
civitate quam die XXVI I proxime praeteriti mensis attigit, dietam
constituit omnesque ebristianorum potentatum, Reges, Principes
et Dominos et universitates, quos superioribus mensibus evoeavit,
expeetat, adsuntque iam plurimi et diversarum partium orbis
oratores, ceptumque est agi de summa rerum omnium contra
ipsos Turcos, ne dum reprimendos sed exterminandos et de
ulciscendis ebristianorum cladibus. Nos yero nisi iussu Sancti-
tatis suae retardati fuissemus, iam eo contendissemus. Sed ubi
facultas dabitur cum Romano Pontifice super bis disserendi,
dixit enim nos Teile alloqui nosque evocaturum quando tempus
commodum et fruetuosum sibi videbitur animum nostrum ape-
riemus, et quiequid Sanctitas sua jusserit, quant um ingenium aut
vires nostrae suppeditabunt, si pariter ab aliis christianis poten-
tatdms fiet. Id t ot um sanetissimae huic expeditioni in Turcos
devenimus, quae omnia cum discussa et maturata erunt, Maiestas
Vestra plenius intelliget, nee dubitamus quin ipse Romanus
Pontifex cum ceteris Sanctae Ecclesiae Oardinalibus antequam ad
hoc dieta recedat, talem ipsi expeditioni modum adbibebit, quod
Maiestas Vestra et ceteri christiam orbis Principes et Pot ent at us
et praesertim illorum partium sibi bene fecisse consultum arbitra-
bunt ur cui Maiestati Vestrae nos aecurate commendamus.
(Mailand, Staatsarchiv.)
Das hier Gesagte verdient, abgesehen von den
genealogischen Beziehungen, hauptsächlich aus dem
Grunde eine Analyse, weil das Unterbleiben der be-
absichtigten Verbindung, bezw. die Motivierung der
neuen Heirat des bosnischen Prinzen Stefan auf der
Erlangung der serbischen Despotie beruht. Daß der
96
Herzog von Mailand das Vorgehen des Königs Stefan
Thomas mit Recht bemängeln konnte, ist unzweifel
haft. Dem Könige von Bosnien gereicht nur der Umstand
zur Entschuldigung, daß es ein gewichtiger Grund
war, der ihn von der italienischen Verbindung abzog.
Am 20. Jänner 1458 war der Despot von Serbien,
Lazar Brankovic, gestorben und infolgedessen die dama
lige „serbische Trage" auf die Tagesordnung gesetzt.
Die Lösung der Frage verursachte den daran inte
ressierten Mächten umso größere Schwierigkeiten, als
der Bruder des verstorbenen Despoten, Stefan, blind
war und der Sohn seines anderen Bruder, Gregor, kei
nem legitimen Ehebunde entstammte. Die Herrschaft
ging somit auf die verwitwete Despotina über, die in
der Burg Semendria Hof hielt, der bedeutendsten
Festung der Verteidigungslinie an der unteren Donau,
deren Besitz ebenso ein Interesse des Königs von
Ungarn wie des Sultans bildete. Ein unmittelbares
Interesse an dem künftigen Schicksal der serbischen
Despotie hatte jedoch auch König Stefan Thomas von
Bosnien, da seit dem Jahre 1435 sich der längs der
Drina gelegene Teil Bosniens mit der durch ihr Silber
berühmten Stadt Srebrnica, sowie ein Teil von üsora in
serbischen Händen befand. König Stefan Thomas machte
sich die Gelegenheit auch zunutze, indem er gleich nach
des Despoten Lazar Tode Srebrnica und drei feste Plätze
an der Drina besetzte. Die dortige Bevölkerung begrüßte,
den Quellen zufolge, diese Änderung mit Sympathie.
1
Fehlen auch bestimmte Daten, so ist die Annahme
doch nicht ganz unwahrscheinlich, daß König Stefan
Thomas die Heirat seines Sohnes mit der Tochter des
Despoten Lazar in erster Linie aus dem Grunde an
strebte, weil dadurch der verlorene östliche Teil von
1
Mon. Dipl. Math. 1., 5., 6. Makuiev a. a, 0. IL 204, 22. Febr.
1458. Srebrnica brachte einen Ert rag von ca. 30.000 Dukaten und machte
gelegentlich der Rückeroberung dem Prinzen Stefan ein wertvolles Geschenk.
97
Bosnien als Mitgift unbedingt an das bosnische Königs-
haus fallen mußte. Auf dieser Grundlage dürften die
Unterhandlungen zwischen dem bosnischen und dem
serbischen Hofe begonnen haben. Ilarion Ruvarac (Wiss.
Mitteilungen aus Bosn. u. d. Herz. III. 386), dessen An-
schauung sich mit der unseren deckt, ist überdies noch
der Meinung, Lazar Brankovic' Witwe, die herrschsüch-
tige Tochter der Paläologen, habe geglaubt, durch diese
Verbindung ihren Einfluß auf die noch nicht unterwor-
fenen serbischen Gebiete bewahren zu können. Vom
nationalbosnischeu Standpunkt ist das Vorhaben König
Stefans nicht nur verständlieh, sondern er würde geradezu
einen Fehler begangen haben, hätte er die mailän-
dische Verbindung der Wiederherstellung der Integrität
des Landes vorgezogen.
Indessen war vom Beginn der Heiratsverhand-
lungen bis zur Erlangung der serbischen Despotie noch
ein gut Stück Weges zurückzulegen, da bei dieser
Angelegenheit auch der König von Ungarn und der
Sultan ein Wort mitzureden hatten, der schon zufolge
der geographischen Lage dem Bestände der Despotie
große Bedeutung beimaß. Am Hofe zu Semendria,
dessen treibende Kraft die stark katholische Despoten-
witwe
1
war, herrschte völlige Kopflosigkeit. Da gab
es eine Partei, die mit der türkischen Macht gern
zu einer Vereinbarung gekommen wäre, wenn der
Sultan sich lediglich auf ein Protektorat beschränkt
und die innere Organisation nicht angetastet hätte.
Das Steuerzahlen schreckte niemanden ab, daran waren
die damaligen Balkanvölker ja schon längst gewöhnt.
Auch hatten die Serben ja das Beispiel des Königs
von Bosnien vor sieh, der auch zu dieser Zeit regel-
mäßig Steuer
2
entrichtete, was dennoch nicht hinderte,
1
Vgl. Schreiben des Papstes Kalixtus III. vom 14. März 1458.
Korrespondenz des Königs Mathias mit den Päpsten. IPrdknoi, S. 3.
2
Mon. Dipl. Math. I. S. 29. Am IS. Mai 1458 zahlt er 9000 Dukaten.
7

daß er Bosnien nach, eigenem Brauche verwaltete. Daher
hatten denn auch gar viele nichts dagegen einzuwenden,
daß der Sultan ihnen jemanden zum Despoten ein
setzen würde, denn von dem Weiberregiment erhofften
sie nicht viel. Die Witwe des Despoten und ihre Rat
geber fühlten die drohende Gefahr und suchten sich
um jeden Preis freizumachen. Ungarn, an dessen
Spitze der junge, tatkräftige König Mathias trat, er
weckte zwar in dem Hofe von Semendria keine allzu
großen Hoffnungen, doch sah man sich genötigt, den
Willen von Buda (Ofen) zu berücksichtigen, da die
nahe Festung Belgrad sich in Händen der Ungarn
befand und der Sieg des Jahres 1456 das ungarische
Prestige befestigt hatte. Trotzdem vermochte dieser
große Sieg nicht einmal in der Umgebung von Bel
grad, den fortwährenden Verwüstungen der türkischen
Streitkräfte Einhalt zu gebieten.
Zuerst (April 1458) versuchte der Landesver
weser Michael Szilágyi, ein Oheim des Königs, unter
Bückgabe jenes ungarländischen Grundbesitzes, der
ehemals dem Georg Brankovic gehört hat t e und sich
jetzt in Händen der Hunyadi's befand, die serbische
Despotie für sieh selbst zu gewinnen.
1
Die schlaue
Despotin wollte diesen Antrag gerne annehmen, denn
man schätzte den Ert rag dieser Güter auf 40.000
Goldgulden, sie wollte aber auch die Despotie für sich
und ihren Schwager behalten. Sie machte den Gegen
antrag, sich unter den Schutz der ungarischen Krone
zu stellen und die Festung Galambocz dem König
Mathias zu übergeben.
2
1
Ibid. S. 12. Reese (Kom. Torontal) und Somlyö (Kom. Krassö)
war noch Eigentum der Erben des Georg Brankovic, 20. Aug. 1458.
Bäräny: Torontal megye h. IL 15—16. Frahnöi: Leben Mathias' S. 92.
Über Szilägyi's Verhandlungen siehe seine Berichte vom 13. Mai und
1. Okt. 1458. M. D. M. S. 29, 37. Bericht vom 13. Sept. 145. IL 35.
Vgl. Anmerkung bei Studie III.
2
Frahnoi in der Besprechung der Ungar, Ausgabe dieses Buches
Szäzadok 1909. S. 590.
99
Diese Unterhandlungen führten jedoch zu keinem
Erfolg, denn die „gestrenge Frau'", Johann Hunyadi's
Witwe, von den italienischen Gesandten in ihren
Berichten Madonna genannt, war um keinen Preis
geneigt, in eine Rückgabe der im Besitze des Hauses
Hunyadi befindlichen Güter zu willigen und legte
gegen die Absichten ihres Bruders Verwahrung ein.
So kam der Vertrag nicht zustande und
Galambocz gelangte nicht in ungarische Hände. Die
wichtige Festung wurde von den Türken erstürmt,
während in Ungarn der junge König und sein
Onkel Michael Szilágyi miteinander in Fehde lagen.
{20. August.)
König Mathias wollte das Vordringen der Türken
durch die Sicherung Serbiens aufhalten. Er zog an
der Spitze eines ansehnlichen Heeres an die Südgrenze.
Nun erkannte auch der bosnische König — der, wie
gesagt, schon Eroberungen auf dem serbischen Gebiet
gemacht' hat t e — die Macht des ungarischen Königs
und sah ein, daß er denselben in erster Linie gewin
nen müsse, wenn er seine Ansprüche auf Serbien ver
wirklicht sehen wollte. Er schickte also Ende September
eine Gesandschaft unter der Führung des Herzogs
Radivoj nach Belgrad zu König Mathias, deren Mit
glieder Nikolaus Testa vou Trau und der Franziskaner
Fra Marino waren. Sie erklärten sich bereit sich unter.
gewissen Bedingungen auch gegen die Türken in Bewe
gung setzen zu wollen.
1
Das Kommen dieser Deputation
war im Voraus angezeigt worden und es ist gewiß,
daß König Mathias damals den Wunsch aussprach,
der König von Bosnien möge persönlich vor ihm
erscheinen.
1
Vgl. Die Briefe des Mathias de dato Temesvär 16. und 29. Nov.
1458 bei Kaprinay. Vom 9. Okt. 1458 ist die Relation des Gesandten
von Venedig aus Buda (Ofen) datiert, in welcher er uns über diese
Gesandtschaft berichtet. Nach der schon erwähnten Besprechung Fraknöi's
Szäzadok 1909. S. 596.
100
Auf diese Aufforderung erschien der König von
Bosnien auch im Jänner 1459 auf dem Landtag zu
Szeged (Szegedin) und die Trage der serbischen Despotie
wurde zu seinen Gunsten entschieden. Nun schlug König
Mathias dem Könige Stefan Thomas vor, seinen Sohn
Stefan mit größter Beschleunigung nach der Burg
Semendria zu entsenden. Der König von Bosnien ritt
daraufhin Tag und Nacht ohne Aufenthalt bis er die Save
erreichte und traf aus Szeged am 13. Tage (31. Jänner)
in seiner Residenz Jajce ein. Auf seiner Reise gaben
ihm der Erzbischof von Kalocsa, Stefan Värdai, und
der Vojvode von Siebenbürgen, Stefan Rozgonyi bis
Djakovar, Hennig und Benedikt Turóczy bis an die
Save das Geleite.
Das Motiv dieser Maßregel des Königs Mathias,
die zu solcher Eile anspornte, ist uns vollkommen
klar. Von Seite Kaiser Friedrichs drohte ihm unmit-
telbare Gefahr und auch vor dem Türken durfte er
die ungarische Grenze nicht ohne Schutz lassen. Da
die Serben nichts anderes wollten, als eine gewisse
organisierte Existenz, so hielt er den König von
Bosnien für das geeignetste Werkzeug, um, zusammen
mit seinem Sohne, dem zum Despoten zu ernennenden
Prinzen, die Donau-Linie gegen die Türken zu vertei-
digen. Übrigens wurde der Entschluß auch durch die
türkischen Rüstungen beschleunigt.
Die Türken erhielten von den Plänen des Königs
von Ungarn bald Kenntnis. Zwei Tage vor der Heim-
kehr des Königs von Bosnien brachen vier türkische
Vojvoden aus dem Gebiete des vrhbosni sehen Sand-
schaks mit großer Heeresmacht auf — es waren dies:
Eze Beg (Isaak oder Ized Beg), der Sohn des berühmten
Isak Beg (welch letzterer von Nikolaus von Mazedonien
ermordet worden war „Tört. Tar" VII. S. 265), Paris Beg,
Lazun Beg (Hassan ?) und Zenu Beg (Skender, Schemsi ?),
Burghauptmann von Bihor (?) — und nachdem sie*
101
überall geplündert, gebrandschatzt, Weinberge und
Obstgärten vernichtet hatten, schlössen sie die könig-
liche Burg Bobovac, wo der bosnische Königssohn sich
aufhielt, sowie Vranduk, die Burg des Radivoj, ein.
Als die Türken, die auch die Reise des Stefan Thomas
nach Ungarn auf jede Weise aufzuhalten gesucht
hatten, erfuhren, daß der Prinz sich nach Semendria
begebe, wollten sie dies verhindern. Doch erreichten
sie ihre Absicht nicht, da der Prinz Bobovac auf
geheimen Pfaden verließ und in Eilmärschen vor
Semendria rückte. Indessen erfuhr der König von
Bosnien, daß die Türken nach der Schneeschmelze mit
einem großen Heer gegen ihn auszuziehen und sein
Land zu erobern gedachten.
Von all dem gab der König in einem Schreiben
de dato Jezero (10 hm von Jajce) 10. Februar 1459 dem
Johann Vitez von Zredna Kunde, der bei den bis-
herigen Unterhandlungen die Hauptrolle gespielt hatte.
Ein deutliches Bild des Paktes gibt folgende Stelle des
Briefes: „Laßt es Euch angelegen sein, daß der König
von Ungarn uns in unserer jetzigen gefährlichen Lage
nicht verlasse, sondern uns, seinem Versprechen gemäß,
unterstütze. Denn sollte der König, auf den wir nach
Uott unsere ganze Hoffnung setzen, uns verlassen, so
sehen wir- klar den Verfall und die Vernichtung unseres
Landes, das der König nicht minder als sein eigenes
Land Ungarn zu verteidigen verpflichtet ist."
1
Diesem Pakt zufolge:
1. Erkennt der König von Bosnien Mathias als
seinen Herrn an und sagt sich von den Türken los,
doch wird
2. Mathias verpflichtet, Bosnien direkt zu ver-
teidigen,
1
Dieser Brief mitgeteilt von I'alacJcy unter den Beilagen zu den
Urkunden zur böhm. Geschichte. Font. R. A. XX. S. 171—172. Zitiert, aber
nicht verwertet bei Fralcnöi a. a. Ö. S. 99. Von Klaic unberücksichtigt.
102
3. wird der bosnische Königssohn Despot von Ser
bien und ist verpflichtet Semendria zu verteidigen.
Am Gange dieser Unterhandlungen war des Kö
nigs Bruder Radivoj als slavonischer Grundbesitzer in
hervorragenden Maße beteiligt. Dies geht daraus her
vor, daI3 er es war, der den Prinzen Stefan nach
Semendria begleitete. Nach seiner Ankunft in Semendria
(vermutlich Ende Februar oder Anfang März 1459)
wurde der bosnische Prinz Herr der Situation. Am
1. April vermählte er sich mit Helene, der Tochter
des serbischen Despoten, „et totum eins dominium in
Hungaria et Rascia craod Turci nondum oeeupaverant,
obtinuit despotusque factus est per S. principem domi
num regem Hungariae loco eiusdem sui soceri, quondam
Lazari despoti, eoncordi roluntaie omnmm Bastianorum"}
Die Herrschaft des Prinzen Stefan in Semendria
dauerte kaum zwei Monate. Bis zum heutigen Tage
ist es nicht völlig aufgeklärt, auf welcher Weise die
Burg Semendria zu Fall gebracht wurde. Gleichzeitigen
Quellen zufolge
2
wurde Semendria vom Prinzen Stefan
selbst um Geld verraten, nach anderen übergaben die
über des bosnischen Prinzen Zugehörigkeit zum katho
lischen Glauben aufgebrachten Einwohner von Se
mendria selbst die Burg dem Sultan Mohamed.
Die Wichtigkeit der Sache verdient, daß man die
Quellen ein wenig analysiere.
Laonicus Chalkokondylas
;i
stellt den Fall der
Burg Semendria dar wie folgt:
Er beginnt: „huius belli ita causa traditur'* d. h.
so ist es ihm erzählt worden. Nach Lazars Tode war
dessen Witwe samt ihrer Tochter im Besitz der Burg
Semendria. Als ihre Tochter Stefan, den Sohn des
Königs von Bosnien heiratete, wollte sie im Besitze der
1
M. I). M. I. 40—50.
2
Engel: Gesch. Serb. S. 413.
3
Chalkokondylas: Die Rebus Turcicis IX. Bonner Ausgabe S. 459.
103
St adt bleiben. Allein die Serben machten Michael,
1
den Bruder Mehmeds, des Paschas von Rumänien
(Rumelien), der sich am serbischen Hofe aufhielt, zu
ihrem Herrn und vertrauten ihm die Angelegenheiten
der Stadt an.
Die Fürstin empfing den Prätendenten, als er
aus der Stadt in der fürstlichen Residenz eintraf, gleich
einem Gast, ließ ihn jedoch sodann in Ketten schlagen
und lieferte ihn den Ungarn aus, die ihn einkerker-
ten. Nun kehrten die Serben wieder zur Treue gegen
den König von Ungarn zurück und gaben samt der
Despotin die Stadt in seine Hand zurück. Auf die
Kunde hievon brach der Sultan auf und rückte mit
seinem Heere gegen Semendria.
Da. nun die Stadtbewohner von den feindlichen
Absichten des Sultans erfuhren, gingen sie ihm ent-
gegen und übergaben ihm die Schlüssel der Stadt.
Der Sultan beschenkte diese Serben reichlich; einige
tiberhäufte er mit wertvollen Kunstgegenständen,
andere mit Grundbesitz. Die Witwe, die hiezu ihre
Zustimmung erteilt hatte, setzte er samt ihrem Besitz
in Freiheit. Die Stadt aber okkupierte er und setzte
die Besatzung gefangen.
In diesem Wortlaut entspricht diese Mitteilung
nicht den Tatsachen.
Eine vollkommen gleichzeitige Information — aus
bosnischer Quelle — stellt die Sache folgender-
maßen dar:
1
Michael Angelos, Enkel des letzten Kaisers von Thessalien :
Alexius Augelos
Kaiser bis 1349
Michael (lebte in Novo-Brdo)
<—- Serbin
!
I I
Monamed Ang,ieloviu Michael Angjelovic
Beglerbeg serbischer Vojvode
von Rumili unter den Brankovic
Vgl. Frag. ffist. Graec. V. Paris. Kritobulos I. c. 77.
104
Die Türken wollten Semendria. den Hauptort der
serbischen Despotie um jeden Preis erringen. Kandidat
der Türken war (Michael) Angjelovic (Angelos), der
Bruder des Paschas von Rumänien.
Da es unter den Serben zahlreiche Anhänger der
türkischen Herrschaft gab, so kandidierten auch diese
— ebenfalls mit türkischer Unterstützung — den
Angjelovic als Despoten.
Einige Angehörige der vornehmeren Elemente von
Semendria wie auch das Volk glaubten, der vom tür
kischen Sultan unterstützte Despot werde kommen und
dachten überhaupt nicht daran, daß sie hiedurch in
türkische Hände geraten würden. Daher gewährten
sie ihm, jedoch nur mit geringem Gefolge, Einlaß in
die Stadt; jedoch war er von zahlreichen Türken be
gleitet. Kaum waren sie in der Stadt angelangt, so
pflanzten sie die türkischen Embleme auf und riefen den
Sultan zum Herrscher aus. Jetzt erst kam den Städtern
der Putsch zum Bewußtsein und als sie sich überlistet
sahen, hieben sie die Türken und die Serben, die es
mit diesen hielten, nieder. Des Paschas Bruder aber
wurde von den Einwohnern von Seniendria gefangen
genommen.
1
So war die türkische Praktik fehlgeschla
gen und die Eindringlinge zogen sich zurück, den
Despotenkandidaten aber, den eine Information vom
24. April als einen der Vojvoden des verstorbenen
Lazar bezeichnet, ließ die verwitwete Despotin ein
sperren.
2
Aus diesen gleichzeitigen Mitteilungen erhellt, daß
Chalkokondylas etwas von dem, was sich ereignet, ge
hört hatte, die Einzelheiten aus Semendria jedoch
entweder durcheinander mengte oder bereits in dieser
1
Bericht des Pet er Thomasi von 21. April 1458. M. D. M. I. S. 18.
Kr sollreibt den Namen: Amulal Andzeloviö; ersteres hat es wahr
scheinlich aus Mihaloglu (türkisch — Sohn des Michael) — Luccari 185. —
italianisiert.
3
A. a. 0. ibid S. 21. Später wurde er auf freien Fuß gesetzt.
105
Form eines Klatsches übernahm. Was er als Ursache
des Krieges bezeichnet, das war nur eine vorhergehende
Episode und auch diese hat t e sich anders zugetragen.
Nur eins ist war: daß die, an die Donau-Linie ge-
drängten Serben fühlten, wie der tödliche Druck der
Türken näher und näher herankam, und daß ein Teil
derselben bereit war sich auf Unterhandlungen mit
dem Sultan einzulassen, da sie hofften, er werde die
individuellen Rechte in Ehren halten. Die türkische
Politik paßte sich bei der zu beobachtenden Taktik der
Nat ur jedes einzelnen Falles an. Die Besetzung Semendria's
und der serbischen Despotie ging mit List, Einschüch-
terung und Bestechung vor sich, was durch den Um-
stand bewiesen wird, daß König Mathias „Badivoj,
den Brud&r des Königs, der die Burg Semendria nicht
nur zu des Landes, sondern zu der gesamten Christenheit
Schaden an den -wilden Türken verriet" des Vergehens
der Untreue schuldig befand.
Die Urkunde selbst lautet:
Relatio Emerici de Hedrehwara magistri curiae regiae.
Nos Mathias dei gratia rex Hungariae, Dalmatiae, Croatiae
etc. Signifieamus tenore praesentium quibus expedit universis,
quod nos propter notam infidelitatis egregii Radywoy de Ko-
mothyn, quam idem ex eo, quod adhaerens regi Bosnae fratri
suo castrum Zendreu non solum in detrimentum huius regni
verum etiam totius Christianitatis manibus saevissimorum Turco-
rum tradidit, iiotabiliter inenrrisse dinoscitur illam summam
quadringentorum fibrenorum auri, pro qua fidelis noster egregius
Gaspar filius Castellan de Zenthlelek medietatem possessionis
suae Paka vocatae in comitatu de Posega existentis habitam, in
qua scilieet medietate decem sessiones iobagionales nunc existunt,
praefato Radywoy et dominae Katherinae consorti suae impigno-
rasset, eidem Gaspar in epiantum ad id de iure et consuetudine
regni admittimur, duximus remittendum et relaxandum, imo re-
mittimus et relaxamus ac totum et omne ius pignoris. quod ipse
Radywoy et domina Katherina consors sua ad medietatem dietae
possessionis Paka habuissent yel possent praetendere ex causis
praemissis, cassamus et viribus carituras reliquimus ac dietarn
medietatem praefatae possessionis Paka propter huiusmodi notam
106
intidelitatis praefati Radywoy annotato Gaspar tamquam perpe-
tuum et verum ras suum reddimus praesentium per vigorem,
quocirea vobis fideli nostro grat e dilecto magnifico Emeri co de
Hedrehwara, magistro euriae nosträe ac comiti comitatus de
Posega praedicti, necnon vieecomitibtis suis in eodem eomitatu
per ipsum constitutis liarum serie firmiter committimus et man-
damus, quatenus reeeptis praesentibus, praefatum Gaspar filium
Castellan in dominium medietatis dictae possessionis suae Paka
introducere et eandem sibi reoccupare ipsumque et neminem
alium iuxta praemissam nostram relaxationem et donationem in
domnio dictae medietatis antefatae possessionis contra quoslibet
impetitores et signanter contra praefatum Radywoy prot egere
et det'ensare debeatis, nostrae maiestatis in persona et iustitia
mediante, secus non facturi, praesentibus perleetis exhibenti
restitutis. Dat um Fiudae feria quinta proxima ante festum 1).
Margarethae virginis, anno domini MCCCCIX.
(Original mit aufgedrücktem Siegel, in meiner Sammlung.)
Nunmehr werden uns die einzelnen Umstände des
Falles der Burg Semendria bereits klarer. Wir erfahren,
daß zugleich mit dem Despoten Stefan auch sein Oheim.
Radivoj, in Semendria weilte. Es besteht gar kein Grund
zur Annahme, das auf Untreue — Verrat einer Landes-
festung — erkennende Urteil habe sich auf bloi3es
Gerede gegründet.
1
Es ist ganz nebensächlich, ob die Bevölkerung
den neuen bosnischen Herren wegen ihres katholischen
Glaubens oder aus dem Grunde feindlich gesinnt war,
weil sie diese als Kreaturen Ungarns betrachteten. Gab
es doch in ihr Leute mit gar vielerlei Ansichten.
1
Die Urkunde trägt das Datum : Buda, 12. Juli 1459, ist somit
kaum drei Wochen nach dem Verlust von Semendria abgefatt. Am
2!». Juni 1459 trafen die bosnischen Gesandten, die von der ungarisch-
bosnischen Entente Kenntnis hatten, in Mantua beim Papste ein (Mailand,
Staatsarchiv), der jedoch alsbald von dem „Verrate" erfuhr. „El re de
Bossina e accoräato con lo turcho et halli posto in mano uno castello
grosso sopra el Danubio chiamato Sandaro." Gleichzeitige Information,
Mailand, Staatsarchiv. Brief Pius IL de dato Mantua, 24. Juli 1459 über
.den Fall von Semendria. Katana: XV. S. 277. 30. Juli. Thebner M. H. II.
S. 330. Der Verrat oder — gelinde ausgedrückt — die feige Übergabe wird
auch von den serbischen und kroatischen Kroniken bestätigt. Vgl. Ru-
varac a. a. 0. S. 380.
107
Als Tatsache muß aber angenommen werden, daf3 die
Burg von Badivoj, dem alten Türkenfreunde übergeben
wurde, ob er nun so handelte, um die Gefahr von seinem
Vaterlande, d. h. seinen Besitzungen abzuwenden oder
aber aus Feigheit, oder irgend einem anderen privaten
Beweggrund. Ihn trifft die Schuld, nicht den unerfahre-
nen jungen Despoten. Dies sind wir auch in der Lage
nachzuweisen. Am 27. Mai 1459 weilte der Franzis-
kaner Nikolaus Barbuci! aus Durazzo bei dem Despo-
ten Stefan Tomasevic in Semendria. Der Despot klagte,
er könne von seinem Vater keine Unterstützung er-
warten, denn die Mehrzahl der Untertanen desselben
seien „Maniehäer" (Bogumilen) und diese hielten es
eher mit den Türken als mit den Christen. Er (der
Despot) habe an Kardinal Johannes geschrieben
— dieses Schreiben sah er (der Franziskaner) auch
beim Gespan Johann (Korógyi? Aranyáni?) — er
werde, falls man ihm keine Unterstützung sende, die
Flucht ergreifen, da er „den Zorn der Teufel" nicht
abwarten wolle. Schon verwüste der Türke das Gebiet
der Despotie.
1
Der Despot Stefan floh indessen nicht,
sondern kapitulierte. So ist es verständlich, daß der
Sultan ihn freiließ, die ungarische Besatzung dagegen
gefangennahm.
Für König Mathias bedeutete der Verlust von
Semendria einen schweren Schlag. Mit der serbischen
Despotie hat t e sich nunmehr die Gesamtheit der Ser-
ben vollständig unterworfen, und der Sultan einen
festen Stützpunkt gegen Belgrad gewonnen. Nun stand
ihm Siebenbürgen und die Moldau offen. Mathias, der
nach zwei Fronten kämpfte, im Süden und Osten en-
gagiert war, hat t e eine Festung verloren, die, wäre
sie ihm erhalten geblieben, ihm mehr Bewegungsfreiheit
gegönnt hätte. Seine Erbitterung über, diesen Verrat
1
Der Franziskaner begab sich nach Jajce und von da nach Man-
tua. Sein Schreiben in meiner Sammlung.
108
erklärt vieles in seiner späteren türkischen Politik;
nun begreifen wir, daß er das Vertrauen zu dem letzten
Südslavischen Königshaus verloren hatte. Von da an
wurde auch er ihnen gegenüber aggressiv.
1
Nach dem Falle von Semendria spielt Eadivoj
nur noch vier Jahre lang eine Rolle in Bosniens
Geschichte. Er fühlte, daß sein Geschick an einen
Wendepunkt gelangt sei; am 10. Juli 1459 wendet
er sich an Papst Pius, daß das hl. Meßopfer ihm,
seiner Familie und seinen Leuten auf seinen Gütern
durch hiezu geeignete Priester „etiam tempore inter-
dicti, dummodo contigerit" gespendet werden dürfe.
2
Diese Erlaubnis wurde ihm zuteil. Er hatte einen
gewichtigen Grund, die Gnade des Papstes zu suchen,
da er in Ungarn seine Ehre verspielt hatte.
Die Geschichte der letzten Jahre zu behandeln,
liegt kein Anlaß vor. Es ist bekannt, daß Eadivoj
1
Papst Pius II. suchte den König Thomas Stefan zu entschuldigen,
der durch seine Gesandten betonen ließ : „die Übergabe von Semendria
sei nur aus Not, nicht aus freiem Willen erfolgt". 7. Juni 1460. Mathias
war von dieser Antwort nicht befriedigt und brandmarkte in seiner
Ant wort diesen Verrat in energischer W
T
eise. Meisterhaft kennzeichnet er
diese auf dem Balkan heimische Politik des Winclens und Orehens mi t
den Wor t en: „Das Gefühl seiner Schuld hat sein (des Königs von
Bosnien) Gewissen zum Sprechen gebracht ; nicht weniger fürchtete er
sieh vor denen, denen er mi t seinem Verrat nützte, als denen er damit
schadete ; das soll er büßen. Der König von Bosnien glaubt jetzt, es sei
genügend, wenn er sich von den Türken lossage."
2
Unter den päpstlichen Supplikationen. (Pii IL Bd. 7-51. S. 250.)
„Supplicat S. V. devotus orator vester Radmerus devotissimis et iidelis-
simis eiusd. Sanctitatis et Stae. romanae ecclesiae filii, regis Bosniae
frater laicus quatenus ipsum specialibus favoribus et gratiis prosequentes
sibi ac uxori et liberis suis super quocunque altari, in quibuscunque
ecclesiis cappellis et domibus ac extra eas, in quibuscunque locis ad hoc
tarnen congruis et honestis infra flnes et metas dominiorum suorum quae
de praesenti obtinet et imposterum obtinere contigerit, consistentibus per
quoscunque seculares presbiteros sufficientes et idoneos in familiarium
suorum ac praesentia quorum sibi placuerit, etiam tempore interdicti
dummodo illius causam non dederit et ante diem missas et alia divina
officia celebrari facere possit et valeat licentiam et facultatem concedere
et indulgere misericorditer dignemini de gratia speciali. — Fiat ut
petitur in forma E. Et quod litterae desuper conficiendae gratis ubique
de mandato eiusd. Stis expediantur. — Fiat gratis ubique. E. Datum
Mantuae sexta idus julii anno primo. "
Hieraus erfahren wir, daß er auch Kinder besaß.
109
das Schicksal des letzten Königs von Bosnien, des
Stefan Tomasevic, teilte. Es war im Juni 1463, als
durch den Verrat eines Teiles der eigenen Untertanen
nach einer nichts weniger als heldenmütigen (aus dem
langen Machtverfall erklärlichen) Verteidigung der
König samt seiner Familie und mit ihm zugleich
Radivoj, der auf seiner Burg Bobovac zur Übergabe
gezwungen worden war, in Gefangenschaft gerieten.
Auch die Schatzkammer des königlichen Hauses fiel
den Türken in die Hände. Der Sultan ließ die Familie
vernichten und auch Radivoj empfing den Tod aus den
Händen seines ehemaligen Beschützers.
Seine Gattin muß geflohen sein, sofern sie bei
ihm weilte, vielleicht wurde sie durch ihre Verwandten
ausgelöst. Im Jahre 1470 hat sie den Witwenschleier
bereits abgelegt und erscheint als Gattin des Johann
Szencsei (Szemczei) in Slavonien.
1
' Csdnki a. a, 0. S. 435.
110
n. .
Königin Katharina von Bosnien in Rom.
Seit langem ist der Grabstein der zweiten Ge-
mahlin des Königs Stefan Thomas von Bosnien, der
Tochter des herzegowinischen Vojvoden Stefan Kosaca,
in der Ära Coeli-Kirche zu Rom bekannt. (TL a. habe
auch ich darübergeschrieben im „Archeologiai Ertesitö",
Jahrg. 1.885, S. 32S—331.) Was ihre biographischen
Daten betrifft, so wissen wir, daß sie am 25. Oktober
1478 im Alter von 54 Jahren starb; geheiratet hatte
sie 1445 mit 21 Jahren.
Als Bosnien 1463 in die Hände der Türken geriet
und der letzte König, Katharina's Stiefsohn, ermordet
wurde, flüchtete sie selbst nach großen Fährlichkeiten
(Luccari 184) nach Rom und lebte vom Jahre 1466
an samt ihrem Hofstaate von der Unterstützung des
päpstlichen Stuhles. Die päpstlichen Rechnungen im
römischen Staatsarchive (Archivio di Stato) enthalten
genaue Ausweise über die Summen, die auf die Unter-
stützung sowohl der Königin von Bosnien, als auch
des Stefan Brankovic, des blinden Bruders Lazars TL,
Despoten von Serbien, seiner Gattin Angelina und
seines Schwiegervaters, des albanesischen Vojvoden
Georg Topia Arianithes, verwendet wurden.
Von 1467—1478 wurden an die Hofhaltung der
Königin von Bosnien 6541 päpstliche Goldgulden (Scudi)
ausgezahlt. Jedoch sind die Ausweise nur bis 1472
111
genau, dann brechen sie ab; bis 1472 bezog die
Königin durch 8 Jahre eine Subvention von durch-
schnittlich 817'5 Dukaten jährlich.
Georg Topia Arianithes bezog gleichfalls aus der
Subvention des Papstes von 1468—1472 durchschnitt-
lich 40 Dukaten monatlich und die Summe der Aus-
weise zeigt 520 Dukaten. Ebenso erhält der serbische
Despot Stefan 40 Dukaten monatlich, doch beträgt
die ganze auf ihn verwendete Summe nur SSO Dukaten.
Beachtung verdient eine besondere Post, 4000
Goldgulden. Dieser Betrag wurde am 20. Juni 1472
der Königin Zoe von Rascien angewiesen. Betreffs der
Motivierung dieser Post gibt das Mailänder Staats-
archiv nähere Aufklärung. Erzbischof Johannes von
Novara berichtet nämlich dem Herzog von Mailand,
„die Schwester der Despoten'* sei am 31. Mai 1471
in der Peterskirche einem russischen Fürsten vermählt
worden. Der Fürst hatte bloß einen Abgesandten
geschickt, die Trauung fand somit per procurationem
statt. Bei dieser Gelegenheit war Königin Katharina
von Bosnien ferner des Lorenzo di Medici Gemahlin,
Chiara Orsini nebst mehreren vornehmen B.ömerinnen
anwesend. Nach der Trauung wurde die Hochzeits-
gesellschaft von Papst Sixtus IY. im vatikanischen
Garten zum Fußkuß zugelassen und ihr der Segen
gespendet. Der hierauf bezügliche Brief l aut et :
Rom, 31. Mai 1471.
Johannes Ergbischof von Novara meldet dem Herzog von
Mailand aus Rom, dass an diesem Tage vor dem Papste die
Trauung der Schwester des serbischen Despoten in Gegenivart der
Königin von Bosnien stattgefunden hat.
Illustrissimo Principe et Exmo Signore nostro etc . . .
(omissis)
El papa cpiesta matina fece fare le sponsalicie de cpiesta
sorella de li despoti al Duca de Rossia per mezo del ambaxa-
112
tore de esso Duca in San Piero, in compagnia de la quäle se
trovo la Regina de Bossena quäl ita qui bon tempo fa et cum
loro la mugliere de Lorenzo de Medici et alum altre done
romanesehe. Poi nel ussire nostro da soa Beatitudine del giar-
dino dove ce haveva data audentia le feee intrare a basargli
el pede et pigliore la sua benedictione. Dicevasse e bella Zovene
perche e stata molto reclusa ma non e vero a nostro indicio.
(omissis)
. Ex Roma ultimo Maii 1471.
Eiusdem dominationis Vestrae Servitores
Joannes Are. Novariensis
et Nicodemus.
Aussen: 111. prineipi et Exmo Domino Dno meo obser-
vandissimo Dno Galeaz Maria Sfortia Vieecomiti Duci Medio-
lani etc.
(Mailand, Staatsarchiv.)
Mit diesem Schreiben inhaltlich übereinstimmend
— nur die Hochzeit um einen Tag später ansetzend —
schreibt Kardinal Emanati in seinem Tagebueh:
1
1. Juni. Der weiße rußische Fürst wurde durch Inter-
vention seiner Gesandten mit Zoe, der Schwester der Despoten
getraut. Begleitet war sie von der verbannten Königinwitwe von
Bosnien, die bei uns lebt, von der Gattin des Lorenzo Medici,
aus dem Geschlechte der Orsini, ferner von Florentinerinnen,
Sieneserinnen und zahlreichen Römerinnen.
Die in Eede stehende Heirat Zoes der „Königin
von Rascien", bezieht sich auf ihre Vermählung mit
Zar Ivan Wassiljevitsch III.
2
Was die in dem oben mit-
geteilten Briefe erfolgte Erwähnung Zoes als „Schwester
der Despoten" betrifft, so wird dieselbe durch nach-
folgenden Stammbaum illustriert:
1
Rerum Italicarum Scriptores. Muratori, neue Ausgabe. Bd. 23.
III. Teil, S. 144.
2
Hierüber ausführlicher bei Pierling: La Rnssie et le Saint Siege.
113
Kaiser Emanuel Palaiologos
1391—li25
I I I
Kaiser Kaiser Despot
Johannes Konstantin Theodor
1425—1148 111S—1153
I I
Despot Demeter, Despot Thomas,
t zu Adrianopel Herr von Patras
als Mönch (David) und des westlichen
Pelopones
I
Emanuel
Gnaden-
pen sionär
des Sultans
i
Andreas
als llenegat
Mohamed Pascha
i
Andreas
Despot und
Kaiserprätendent ?
t 1502 zu Rom
1
Helene
r- mit Lazar
Brankovic
serb. Despot
i
Zoe
— 1. Caracciolo
(laut Hopf)
*— 2. Zar Ivan
"Wassiljewitsch III.
1471
Die vorerwähnte Summe wurde vom päpstlichen
Hofe mithin gleichsam als Mitgift für die ihrer Heimat
verlustige Kaiserenkelin angewiesen.
Die Verbannten bildeten in Rom eine förmliche
Kolonie, deren Mittelpunkt die bosnischen Emigran-
ten waren.
In ihrem Testament vermachte bekanntlich Köni-
gin Katharina ihr Land aus Dankbarkeit für die vielen
genossenen Wohltaten dem Papste, jedoch mit der
Bedingung, daß, falls ihr Sohn wieder zum christlichen
Glauben zurückkehre, seine Anrechte auf sein Land
wieder aufleben sollten. Der Papst nahm die Verfügung
wie auch das ihm angebotene königliche Schwert und
die Sporen an und ließ das Testament
1
im Archiv
hinterlegen.
Da die letztwillige Verfügung der Königin, sie
vermache ihr Land dem päpstlichen Stuhle unter
Aufrecliterlialhmg der Erbrechte ihres Sohnes, einer nähe-
ren Erklärung bedarf, so sei in diesem Zusammenhange
auf die vorhergehenden Ereignisse eingegangen.
Im Jahre 1463 waren nämlich zwei unmündige
Kinder der Königin Katharina in türkische Grefangen-
1
Wiederholt veröft'entlicht.
114
schaft geraten. Der Knabe, auf den Namen Sigismund
getauft, zählte damals 7, das Mädchen, Katharina,
3 Jahre.
1
Das ganze Sinnen und Trachten der verbannten
Mutter war nun darauf gerichtet, diese Kinder aus der
türkischen Gefangenschaft, bezw. aus den Klauen des
Islams zu erlösen. Im Allgemeinen ließen die Sultane
solche depossedierte Sprößlinge, aus denen Prätendenten
werden konnten, im Islam erziehen und so mancher
hervorragende türkische Feldherr ist aus ihren Reihen
hervorgegangen. Für gutes Geld bestand jedoch die
Möglichkeit, daß der Sultan den Loskauf gestattete.
Hiebei kam auch die Erwägung in Betracht, daß ein
Prätendent, fern von der Heimat, niemals imstande
war, die türkische Herrschaft so sehr zu gefährden wie
ein Fürstensproß, der in Konstantinopel in steter Ver
bindung mit seinen Landsleuten stand, und dem man
selbst trotz seines Glaubenswechsels nicht immer voll
kommen vertrauen durfte. Nur war freilich zu einen
solchen Loskauf eine bedeutende Summe Geldes er
forderlich.
Es läßt sich nicht bezweifeln, daß der päpstliche
Hof — wie die von uns mitgeteilten Subventionen
beweisen — alles was in seiner Macht stand, tat, um
den depossedierten Balkanfürstlichkeiten den Unterhalt
zu sichern. Diese Summen genügten aber nur für den
täglichen Bedarf, wogegen zu erwägen kommt, daß die
Königin von Bosnien für die große Zahl ihrer ver
bannten Getreuen zu sorgen hatte. Es konnte mithin
keine Rede davon sein, daß der päpstliche Hof die
gesamten Kosten des Loskaufes der beiden Königs
kinder aus der Gefangenschaft trug. Doch erteilte die
1
Bericht aus dem Jahre 1470 : „un suo figliolo de 14 amii et una
figliola de 10." M. D. M. IL 180, somit war der Sohn 1456, die Tochter
1460 gehören. Hierüber handelt auch liiivarac in seiner Studie in den
„Wissenschaftlichen Mitteilungen aus Bosn. u. d. Herz." Bd. III.
115
Kurie der Königinwitwe nicht nur die Erlaubnis, sich
um Hilfe an die italienischen und die übrigen Fürsten
der Christenheit zu wenden, sondern die Königin erhielt
hiebei auch die warme moralische Unterstützung mehre-
rer Mitglieder des Kardinal-Kollegiums.
Zuerst (23. Juli 1470) wandte sich die Witwe
an Herzog Galeazzo Sforza von Mailand and bat ihn
durch ihre Gesandten Nikolaus Cubranic und Abraham
Radic (Sankovic) um eine Unterstützung zum Loskauf
ihrer Kinder.
1
Die Gesandtschaft wurde von den Kardinälen
von Ostia,
2
P. Gonzaga,
3
und von Jerusalem,* sowie
Ton dem Mailänder Geschäftsträger
5
unterstützt. Der
Herzog empfing die Gesandten im August sehr freund-
lich, antwortete den Kardinälen von Nicea und Mantua
vorläufig nur, wenn die Durchführbarkeit des Frei-
kaufes zur Tatsache werde, wolle auch er zu den
Kosten beitragen.
6
In dem sehr zuvorkommenden und
1
M. D. M. IL 181. Der Name des einen Gesandten ist fehlerhaft,
kopiert. Diese Gesandten überbrachten auch den übrigen Fürst en Beglau-
bigungsschreiben, ebenfalls mi t dem Dat um 23. Jul i 1470. Das an den
Markgrafen von Mantua Lodovico G-onzaga gerichtete — bisher unver-
öffentlichte — Beglaubigungsschreiben, das ungefähr denselben Inhalt hat,
auf Papier geschrieben und rückwärts mi t dem kleinen Siegel der
Königin versehen ist, l aut et :
Illustrissime et excellentissime domine tamquani frater honorande
salutein. Facit mea adversa fortuna, quae viro rege, ac liberis et regno
opibusque spoliavit, ut non solum ad pontificem maximum pat rem cle-
mentissimum, sed etiam ad alios prineipes christianos nie confugere
oporteat pro implorando subsidio. Exponent igitur meam necessitatem
viri nobiles eomes Miclous et Abraam oratores mei, quos oro gratiose
audiat et exaudiat vestra excellentia, ut illam omnipotens et misericors
deus in statu felicissimo conservet. Datum Romae, die XXIII. iulii
Mcccc LXX. Catherine! regina Bosnae.
Aussen: Illustri et excellenti domino t amquam fratri honorando
domino Ludovico Gonzaga marchioni etc. ac Mantuae domino.
Original in Wien, k. u. k. Hofbibliothek.
2
M. D. M. II. 177. 20. Juli.
3
Ibid. 20. Juli.
* Ibid. 179. 22. Juli.
5
Ibid. 180. 23. Juli.
0
Ibid. 10. Aug. 1470. S. 181 et 182.
8*
116
überaus teilnahmsvollen Schreiben, das der Herzog
gleichzeitig an die Königin richtete, gab er ihr das
bestimmte Versprechen, sofern der Papst und die
Königin tatsächlich imstande wären, den Loskauf zu
verwirklichen, werde er nicht säumen, einen Teil der
Unterstützungssumme anzuweisen.
x
Bezüglich der Beantwortung der Frage, was die
Gesandten durchsetzten, ist man nur auf Mutmaßungen
angewiesen. Wahrscheinlich sprachen sie mit ihrer
Bitte an allen christlichen Höfen vor, solange das vom
Papst gespendete Beisegeld ausreichte. Die Antwort
2
konnte überall nur die nämliche sein, wie die des
Herzogs von Mailand, daß man nämlich erst dann
beitragen werde, wenn die Sache positive Gestalt
annehme.
Am 11. Februar 1474
3
entsendet die Königin eine
neue Gesandtschaft nach Mailand, den Abt Diforte und
ihren Verwandten, Abraham Radic.
Über den Zweck dieser Gesandtschaft gibt deren
nachstehende Eingabe (bisher noch nicht veröffent-
licht) vom Ende Februar 1474 Aufschluß:
Serenissimo Principe et Excellentissimo Signore. Nonob-
stante che li ambasiatori de li Signori expulsi de suo dominio
in ogni part e non vien veduti como foseno in prosperita. Pur e
la fama di felice recordatione di genitori di vestra serenita
essendo tale che lo mondo non aveva a tal tempo pare, havendi
anch' io in persona cognosudo la Vostra Serenita Tero figliolo
di gloriosissimi genitori, cum summa alegreza sum vegundo per
nome et in persona de la Regina de Bosna in compagnia cum
suo consanguineo et principal olim Signor di quel ßegno suto
1
Ibid. S. 183-184,
2
Sicherlich enthalten die Archive in Italien, zu Ragusa und ander-
wärts noch manches auf diese Angelegenheit bezügliche Schreiben.
:i
Ibid. 264. Die Redakteure der M. D. M. haben weder das
Datum aufgelöst, noch die Dokumente mit Aufmerksamkeit gelesen,
sonst wäre nicht so viel bedeutendes, und die mitgeteilten Dokumente
ergänzendes Material ausgelassen worden. Im vorliegenden Falle wird
das Beglaubigungsschreiben zwar mitgeteilt, von dem Zweck der Gesandt-
schaft erfährt man aber gar nichts.
117
al suo Signore. La resposta avi amoi molto a me molesta per
la quäl non restaro de mia mano propria de scrivere lo parer
mio, sperando in sapientissimo andire et signore che suplirä
ogni mia ignorantia. Per tuto lo mondo se dixe di suprentia
di Vostra Serenita et quela non e senza amore de Dio, dieise
de magnanimitä suprana et de ogni liberalita et ul t ra lo gene-
ral vulgär, la Regina havendo inteso per li suo ambasadori
tanto lionor a lor futo et graciose oferte in persona d'essa
Regi na et ultra la lettera per Vostra Serenita mandata mossa
a pietä e compasione, la quäl qui dentro includo azoche essa
Serenita la possa vedere, dove non essando vegunda ad altro
che a suplicar mercede, avemo notificado a vostra Serenita la
vegunta nostra e la caxone de quela final presente madama la
Regi na a mantegundo multi che furno baroni del suo regno
li quäl amora apresso essa stentano cum speranza de regnar
cum suo figliolo in suo Regno, et hora havendo sapudo al dito
suo figliolo esser promessa per el gran Turcho libertä, va in
persona a li confini di Turchi a veder fine quelo a esser chia-
mata per li sui non cerchando chi aver el figliolo al t rament e
nome per gratia de man del Turcho ne anche ofender ad alcun
cristiano, ne esser partixana intra li christiani. Ma como quella
che de li principi christiani spera avendo per solo Signore suo
lo Regno et tuti li beni suo per la fede et li figloli per regnar
procreati schiavi del Turcho suplica che Vostra Serenita magna-
nima et sapientissima la sovegna a questo viazo de tanti denari
quanti par e piace a Vostra Serenita a recuperatione de suo
figliolo over per pagar li debiti suo a Roma over per viver
qualche zorno. E si pur del tuto la infelice Regi na dice esser
abandonata da Vostra Serenita in la quäl ultra tuti li principi
christiani spera, sovegnace la Serenita prefata, siehe del tuto
non partimo desconsolati che semo vegundi cum quatro cavali
et cum cinque semo mandati et avemo perso uno. Avemo cami-
nado za zorni 15 ancoi e tornar ne schovene cum speranza,
Dio sa senza spexa; a li pedi de Vostra Serenita ne recoman-
demo. D'essa Vostra Serenita servidori ambasiatori etc.
Pi ero de Fort e e Radic compagno.
Aussen: Serenissimo principi et Excelentissimo Domino
Domino Galiatio Maria Sfortie Mediolani Duci potentissimo etc.
Domino suo clementissimo.
(Mailand, Staatsarchiv.)
Der wesentliche Inhalt des Gesuches ist folgender:
Die Königin unterstützten zahlreiche Vornehme ihres
118
Landes, die die Hoffnung hegen, daß die Königin samt
ihrem Sohne noch zur Herrschaft gelangen könne. Da
die Königinmutter nun vernommen hat, der Sultan habe
die Freilassung ihres Sohnes versprochen, will sie sich
persönlich nach der Türkei begeben. Daher bittet sie
um eine Unterstützung für ihre Eeise,
1
oder um
Bezahlung ihrer Schulden in Rom. Das Resultat der
Gesandtschaft ist nicht bekannt. Es ist indessen Tat-
sache, daß die Königin nicht zu ihrem Sohne gelangte,
der vielmehr als Renegat erzogen wurde.
In welchem Maße die Königinwitwe die Verbin-
dung mit Bosnien aufrecht erhielt, darüber fehlen bis
jetzt Daten. Gewiß ist nur, daß sie ihre Getreuen
aufmunterte und daß sie ihre Pläne mit der den
Frauen eigenen Zähigkeit weiterspann, Gesandtschaften
umher schickte und für den Unterhalt ihrer Leute
Schulden machte. Man ahnt, daß die Königin heim-
lich von ihrem türkisch gewordenen Bruder Stefan
— Ahmet Pascha — unterstützt wurde. Hievon soll
jedoch an anderer Stelle und bei anderer Gelegenheit
ausführlicher die Rede sein.
Was den Zustand Bosniens im Jahre 1472 betrifft,
so sei erwähnt, daß der östliche Teil des Landes von
König Mathias an Nikolaus Ujlaky verliehen und dieser
von ihm mit dem Königstitel bekleidet wurde.
2
Den
Mittelpunkt dieses königlichen Besitzes bildete die
Burg Teocak, von hier reichte er nördlich bis zur
nordgrenze von Sirmien, die südliche Grenze war
Zvornik. Jajce fügt sich als militärisch organisiertes
Landes-Grenzgebiet Ungarns an dieses fragmentarische
Königreich.
Das den Türken untertane bosnische Gebiet hat t e
sich damals noch nicht vollständig unterworfen und
1
Die Gesandten kamen zu fünfen und mi t 4 Pferden ; eines ver-
loren sie unterwegs.
- Ung. Staatsarchiv. Dipl. 17316. Mai 1472. A tergo dieser Ur-
kunde : Obligamen cum Nicoiao rege tempore coronationis suae.
119
der Islam hat t e noch nicht feste Wurzel gefaßt. Dies
fühlte auch die türkische Regierung und 1476 machte
sie einen interessanten Versuch, um der ungarischen
Herrschaft die Wage zu halten.
In einem Berichte
1
aus Ofen an den Herzog von
Mailand heißt es, der Türke habe den Bosniern einen
christlichen König namens „Mathia Christianissimo"
gegeben. Man hat es jedenfalls mit einem verderbten
Namen zu tun, dem vielleicht der Name Kristic zu-
grunde liegt. Die Türken rechneten darauf, mit dieser
ihrer christlichen Kreatur leichter fertig zu werden,
die sie nur solange auf dem Throne zu halten gedach-
ten, als ihr Interesse es erheischte. In den Kreisen der
türkischen Machthaber war man der Ansicht, es sei
auf die Bosnier unter Leitung eines Landsmannes, unter
diesen Umständen, mehr Verlaß. Es darf nicht über-
sehen werden, daß die türkische Armee durch die große
Ausdehnung der türkischen Staatsgrenze außerordent-
lich in Anspruch genommen war, und dieses geplante
bosnisch-türkische Grenzgebiet sich als taugliches Mittel
darbot, um die ungarischen Grenzstreitkräfte im Zaun
zu halten.
Die Rechnung der Türken stimmte nicht, denn
der neue König wurde seinen Gebietern alsbald ab-
trünnig und bat den König von Ungarn um Hilfe.
König Mathias aber zürnte dem neuen christlichen
Gegenkönig nicht nur nicht, sondern schickte dem neuen
„Kandidaten", als dieser in einer seiner Burgen von
den zur Ahndung des Verrats ausgesandten türkischen
Truppen bedrängt wurde, den Stefan Báthory zur
Unterstützung. Mathias „Kristic" wurde damals durch
ungarische Hilfe aus seiner gefährlichen Lage befreit.
König Mathias hatte, wofern er die nötige Geld-
unterstützung erhielt, große Lust, den Krieg fortzu-
setzen, allein die Ereignisse und die Gleichgiltigkeit der
1
M. D. M. II. 517. Lukas Lupus dato Buda 3. Juli 1476.
120
italienischen Mächte drängten ihn in eine andere
Richtung. Von dem neuen Könige und seinem ferneren
Schicksal ist in unseren Daten keine Rede. Ob Königin
Katharina an dieser Episode beteiligt war, ist nicht
bekannt, doch läßt sich ahnen, daß die Fäden bis zu
ihr reichten.
Die Königinwitwe sah ihre Kinder nie wieder.
Von der Tragik der Verbannung hat sie reichlich ihren
Teil erhalten.
1
1
Über ihr Bildnis schreibt Luccari S. 181: II suo ri t rat t o al
naturale si vede dipinto nel palazzo del Papa nella Sala di Constantino.
— Dies Bild haben wi r i m Vatikan gesucht und suchen lassen, aber
vergeblich.
Die Forschungen Dr. Cyrill Trulielka's im Eagusaner Archiv ergaben
einige sehr interessante Daten (veröffentlicht im „G-lasnik" des bosn.-
herz. Museums 1911, S. 9—24). Am 23. Mai 1463 wird der Wi t we des
Königs Thomas von Bosnien, der Frau Katharina, Schutz versprochen.
Am 4. Juni werden zwei Vornehme der St adt zum Besuche der Wi t we
bestimmt. Am 23. Juni wird die Königin in Ragusa erwartet.
121
III.
Zur Genealogie der Brankovic'.
In der Genealogie der südslavischen Herrscher
geschlechter harren noch zahlreiche Fragen der Lösung.
Die präzise Forschung wird dadurch erschwert, daß
die kritische Sichtung der verschiedenen Kroniken
und deren Vergleichtmg mit dem vorhandenen Archivs
material noch nicht erfolgt ist. Und doch ist ohne
Bereinigung der genealogischen Fragen — diese längst
allgemein bekannte Wahrheit bedarf wohl keiner län
geren Erörterung — eine wirkliche Geschichtsschreibung
undenkbar. Die Verwechselung eines oder des anderen
Familiengliedes gibt ein völlig abweichendes Bild von
dem Gange der Entwicklung und in solchem Falle ist
unsere Wissenschaft nicht viel mehr wert als jene
oft gescholtene der Kronisten.
Am verworrensten unter den Genealogien des
Balkans sind die Verzweigungen der albanesischen und
epirotischen Familien, aber auch die serbische Genealo
gie und Heraldik ist noch gar mancher Berichtigung
bedürftig. Zu letzterer wollen wir uns jetzt äußern.
Über die Familienverzweigungen und Besitzverhält
nisse der Brankovic' haben wir schon vor längerer Zeit
eine Studie im „Glasnik", dem wissenschaftlichen Or
gan des Landesmuseums in Sarajevo veröffentlicht
(Deutsch in den „Wissenschaft! Mitteilungen aus Bosn.
u. d. Herz." III. „Bruchstücke aus der Geschichte der
nordwestlichen Balkanländer" S. 337—355), in der das
122
Ergebnis der damaligen Forschungen zusammengefaßt
war. Das Resultat dieser Studien haben wir in der
Einleitung zu den 1909 erschienenen „Urkunden be-
treffend "die ungarisch-serbischen Verbindungen" (Monu-
menta Hungariae Historica Bd. XXXIII, S. XXXVI —
XLIX) verwertet.
Mit der Darlegung der genealogischen Zusammen-
hänge haben wir beabsichtigt die inneren Beweggründe
der damaligen Parteigruppierungen und Bündnisse zu
beleuchten. Wir versäumten aber eine genealogische
Tabelle der Familie Brankovic beizulegen.
Wir benützen die Gelegenheit, da wir einige Fehler
berichtigen, die Genealogie der Brankovic' neuerdings
zusammenzustellen und einige unbekannte Verbindun-
gen derselben mit Belegen illustrieren. Im VIII. Jahr-
gange des „Turul"
x
hat zwar schon Moritz Wertner
dem damaligen Zustande der Forschung entsprechend
die Genealogie der Brankovic' zusammengestellt, es ist
aber nicht überflüssig, zeitweise genealogische Tabellen
von so großer Wichtigkeit einer Revision zu unter-
ziehen. Wir sind überzeugt, daß auch wir nicht das
letzte Wort in dieser Frage sprechen, da wir selber
noch nach Material zur Aufklärung einzelner dunklen
Details forschen.
1
Zeitschrift der Ungar, herald, und geneal. Gesellschaft.
123
Die Genealogie der Brankovic
9
.
Mladen, Vojvode znr Zei t St efans I I I . und Dnsan Ur os (sein Zuna me Eassisaglicli i s t
*insicher)
I
Br anko Ml adenovi c, zur Zei t des Zar en Stefan „sevast okr at or " i n Ochri da (Mazedonien)
1
Gregor Kesar
(eine I ns kr i pt i on
i m Kl ost er
zu Zaum bei
Ochri da
Mon. Ser b. 172)
1
Gregor
c. 1392—1115
1
Gregor
1441 von den
Tür ken gebl en-
det , 1458 i n
Adr i anopel ,
j 1457 al s Mönch
mi t dem Namen
Ger man i m Kl o-
st er zu Chi l andar
1
Vnk (imehel.) Gre
1465 i l l e
i n Ungar n
1471—1485
Despot
f 1485
Uli
„go
(Vuk) Brankovic
spodi n" Her r von
Pr i st i na, Pr i zr en et c.
t 1399
i— Mara, di e Tocht er des
Knez Lazar (ihr Br uder i st
Stefan Lazar evi c Despot )
Georg
Despot
f 1426
1
1
Tl kovi ü (Sohn Vuk' s)
1427—1456 (t 24/XII)
' - ' I r ene, Tocht er des Manuel Kant al
(verm.
Stefan
1441 von den
Tür ken gebl en-
det , Despot
1459—1477
.— Angel i na'
Tocht er des
Gcorgi os Ari ani -
t hes Komne n
Topi a Gol em
1
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1414) f 2. Mai 1457
1
1
Lazar
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Despot
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Tocht er des Tho-
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2
(Paleolog)
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dr i a 8. Mai 1446)
1
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Roman
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Tochter
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i
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uzen von den Tür ken
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Carica '
v. Ami ri ssa
t 1487 Sept .
14. Jezevo i n
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Begr aben
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Katharina
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Mara.
f nach 1487,
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St r umi ca
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Mi l i ca
f~ 1459 Apr i l 1. — Gi ovanni <— Leonhar d (Tocco),
Stefan Tomasevi c Duca
Köni g
Despot
von Bos ni e n
3
di Cast r i ot a (?) von Sant a-Maura,
Nonne i n Sant a-
Mauri i. (Lenkos), al s
Nonne f 1474
Vermähl ung
146-2—1463
i n Eagus a
Bar bar a
—' Si gi s mund
Fr angepan
(Sohn Ni kol aus'
Fr angepan)
r - 2. Fr a nz
Beri sl avi c
(Berislo)
1470—1517
Georg
Despot
1485—1496
Mönch unt e r
dem Namen
Maxi m, Met r opo-
l i t von Bel grad
f 1516
Johann
Despot
1496—1502
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Tocht er des
St efan Jaksi cs
r - 2. ( Johann
Beri sl avi c) ?
Marie
1485
. — Boni faci us,
Markgraf
von Mont f er r at
f 1495
(Miklosic Ead.
B. XI I . 1 u. ff.)
Despotie
Berislo
Mara
- Fer di nand Fr angepan (Sohn Ber nhar ds
Fr angepan und Lui se von Aragoni en)
t 1540
St efan
f 1577
* Ver wandt schaf t : die al banesi schei i Fami l i en, Topi as et c. Ver bi ndung mi t Neapel .
- Ver wandt schaf t : die byzant i ni schen Dynast i en.
r>
Ver wandt schaf t : Kot r omani c, Subi c und der en Anver wandt e, Bal sa, Kosaca.
A
Ver schwäger t mi t der Osman-Dynast i e. »
:
' Verwandt schaft , Luxembur g- Habsbur g, Garai , Grafen von Gürz, Ujlaky.
124
Diese Tabelle ist in der vorliegenden Zusammen
stellung noch sehr mangelhaft. Neuerdings hat Ilarion
Euvarac in einer bemerkenswerten Studie die Lebens
verhältnisse der letzten Brankovic', namentlich Mara
Brankovic (Tochter des Despoten Lazar) analysiert (Wiss.
Mitteil. III.). Über die Suitana Mara hat Stojan Novakovic
im 146. Bande des „Matica Srpska" geschrieben.
Wir wollen auf den Inhalt dieser Abhandlungen
hier nicht näher eingehen und lediglich einige ergän
zende Daten zur Biographie Mara's, Tochter Georgs
Brankovic, Witwe des Sultans Murat mitteilen.
Bekanntlich ist Mara Brankovic nach dem Tode
des Sultans an den Hof ihres Vaters, des alten Georg
Brankovic' zurückgekehrt. Marino Gondola, Gesandter
von Ragusa am Hofe Stefans Thomas, König von
Bosnien, schreibt am 13. September 1453 der Republik:
„Ancora habiamo como el signor Despot ha affedata la
soa figliola, quela che fo maritata in grande Turcho, cum Pan
Isera lo quäl Pan Isera e venuto ad aiuto et succorso del
Signor Despot."
(Mailand, Staatsarchiv.)
Um die Sultanswitwe war übrigens sogleich nach
dem Tode Murats II. (10. Februar 1451) geworben
worden, da Konstantin IX., der letzte Kaiser von
Byzanz um sie anhielt. Der Kronist Georg Phrantzes
schreibt schon am 28. Mai 1451, daß er zuerst an
diese Ehe gedacht habe. Sie sei zwar — sagt er —
die Frau eines Türken gewesen, allein auch die Frau
des Großvaters des Kaisers, die Despotissa Eudoxia,
wäre vorher in einem Harem gewesen. Er erwähnt
auch noch, daß die Witwe zwar schon fünfzig Jahre
alt sei, durch Gottes Gnade aber trotzdem den Kaiser
noch mit Nachkommen beschenken könnte. Der Kaiser
könne davon überzeugt sein, daß ihre Eltern gegen
ihre Wiederverehelichung nichts einwenden würden.
Suitana Mara stand im Rufe einer Heiligen. Es wurde
125
allgemein erzählt, ihr Mann habe sie nie berührt.
Diesen Umstand erwähnt auch unser Kronist, aber
nur als ein „Ondit".
Kaiser Konstantin nahm den Hinweis mit Freude
auf und schickte Manuel Paleolog (Neffe des Kaisers,
der später vom Sultan eine Gnadengabe erhielt, siehe die
Tabelle auf S. 113.) den Schwager Protostatorissa Canta-
cusena's, als Brautwerber an den Hof von Semendria.
Die Witwe, die sich bei ihren Eltern aufhielt, erklärte,
daß der Antrag ihr zur großen Ehre gereiche und daß
sie sich über die Befreiung von der türkischen Herr-
schaft sehr freue, daß sie ihre restlichen Tage aber,
als Nonne Gott widmen wolle. (Georgii Phrantzae
Chronicon maius. lib. IV. Migne, Patr. Graeca B. 156,
Kap. 237.) Wahrscheinlich ist auch der Antrag Pan
Isera's, von welchem der Gesandte von Ragusa als
von einer schon erfolgten Verlobung Nachricht erhielt,
an diesem Entschlüsse der Suitana Mara gescheitert.
Mara vermählte sich nicht mehr, kehrte aber
nach dem Tode ihres Vaters auf türkischen Boden
zurück, wo sie beim Sultan in großem Ansehen stand
und auf einzelne diplomatische Verhandlungen einen
gewissen Einfluß hat t e (die 13. Relation L. Botta' s von
1474. Mailand, Staatsarchiv. Über ihre Gaben siehe
Belgrader „Glasnik" II. S. 200.)
Die unglückliche Schwester der Suitana Mara,
Katharina, verwitwete Cilli — die von der Kronik
auch contessa Cantacusena genannt wird, Resti 357 -f-
29 — lebte mit ihrer Schwester in Mazedonien und
ließ ihren Gesandten bis zum Schluße in der friaulischen
Angelegenheit ihres Bruders intervenieren, worüber wir
im obenzitierten Bande der „Wissenschaftl. Mitteilungen
aus Bosnien u. d. Herz." weitläufig geschrieben haben.
Von diesem Marko haben wir irrtümlich geschrie-
ben, er sei der Priester Angelina's, der Witwe des
Despoten Stefans gewesen.
126
Suitana Mara und der Hofgeistliche ihrer Schwe-
ster, Marko — ein Basilitenbruder — waren in Görz
und Wien; und die Witwe Cilli's — Kantaknzena —
schrieb ihrem Vetter, Leonhard von Görz in folgen-
den, vermutlich vom 30. Juni 1481 datierten Briefe,
daß er dem Priester glauben schenken möge.
(1481). 30. junii. f Domina Ka(n)takuzina palam facit
filio suo (symbolisch), Knez Groricias Leonardo, se misisse ad eum
sacerdotem suum Marcum, cui credat, sicut ei ipsi.
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CAMA C TOGO TOBOp^. H GOrh ^A tf/VlNOKM AlgTA rOnO^bCTBA
TH AHljA H&Wftl A £Hh.
Ohne Unterschrift.
Original, Papier. (Wiener Staatsarchiv.)
Die Geschichte der Despotie der Söhne t des Stefan
Brankovic, Georg-Maxim und Johann ist bis jetzt
nicht geschrieben worden. Aus den Daten des Ungarisch-
serbischen Urkundenbuches geht diesbezüglich hervor,
daß Beibungen fortwährend zwischen den Despoten,
ihren Nachbarn und den königlichen Truppen statt-
fanden. (S. 284., 288. u. ff.)
Nicht genug klar ist die Bolle, die die als Despoten
in die Erbschaft der Brankovice tretenden Berislavic
von Grabarja, dieser Zweig der aus dem Stamme des
Banus Borics ausgeschiedenen Familie, gespielt haben.
Mathias Masic Bad. VIII. S. 37 stellt die einschlägige
Genealogie der Familie in folgender Weise zusammen:
.
127
1
Ni kol aus
1464 f 1483
von der er s t en:
1.
2.
3.
Benedek von
i
i
J oha nn Ber i sl avi r
1464—1491
1
Fr anz
1470—1517
Kat har i na Sul yok
Wi t we Vuk Br ankovu-
geb. Bar bar a Fr angepan
1494—1508
Mar gar et e Szekel y
von Kövencl
i
i i
Stefan J oha nn
1483 1504—1508
Grabarj
1
%
i
J oha nn
f 1521
1. Despot
Hel ene '
i
i
St efan
Despot
321—1530
1
Mar t i n
1464 f 1483
1
1
1
Ei n
Knabe
1
Ki kol aus
1483—1495
1
Zwei
Mädchen
Johann Brankovic, der letzte männliche Sprosse
seines Stammes, starb im Jahre 1502. Seine Gemahlin
war die Tochter des Stefan Jaksity, die ihm eine
Tochter geboren hatte. Nach seinem Tode sehen wir,
daß nicht Franz Berislavic der Despot der Kaitzen
wurde, obwohl seine Frau die Witwe des berühmten
Vuk Zmaj Brankovic war, sondern Johann Berislavic,
der Vetter Franzens.
1
Die Ursache hievon sehen wir, oder richtiger ver-
muten wir darin, daß letzterer (Johann) die Witwe
Johann Brankovic', die Despotin Helene Jaksity, ge-
heiratet hatte. Die Serben hielten nämlich die aus der
berühmten Familie Jaksity stammende Witwe für ihr
Oberhaupt und deren Gemahl — erwählten sie —
mit italienischer Benennung zum Despotesso, den Gat-
ten der Herrin.
Johann Berislavic gelangte auf diese Weise in die
Erbschaft, bezw. ins Eigentum der Brankovic'schen Do-
mäne, in Kölpeny, Brod; 1509 führt er das Kontingent
des Despoten und steht treu zur Partei des Königs.
(Urkundenb. der ung.-serb. Verbindungen S. 331—335,
1509 Mai nennt Franz Magnificus Dnus Frater.) Auch
1
Kovachich: Formulae solennes styli erwähnt nach dem Formel-
trach Viadislaus II. (Nr. 5) die Despotenurkuiide vom Jahre 1514 des
Johann Berislaviö' (aus Gnade des Königs). Es ist zu bedauern, daß wir
diese Urkunde nicht aufgefunden haben, der Codex ist nicht aufzufinden.
128
Jajce verteidigt er 11. Juli 1511 —Her bst 1513, verläßt
aber den Banat, weil er nicht bezahlt wurde. 1514
nahmen die Cruciferi das Volk der Despotin die Raitzen
aus Sirmien mit sich (ebendort S. 338) und ver-
wüsteten Bacs und Szalankemen. (Verancsics ges. Werke
II. 7—8.)
Nach dem Tode des Johann Berislavic am 11. Jän-
ner 1522 (Ung.-serb. Urkundenb. 357.) urkundet sein
Sohn, Stefan Berislavic, Despot der Kaitzen in Kölpeny,
und am 5. März Elena relicta condam despoti ac filius
eins Stephanus Beryzlo modernus despotus. (Ebendort
S. 358.) 9. November 1525 kommen Elena despotissa
et Stephanus despotus vor. (Ebendort 363.) Unseres
Erachtens ist der Auszug des Urkundenbuches vom
9. November 1525, welcher von der (»emahlin des
Despoten Stefan spricht fehlerhaft, denn es kann nur
von seiner Mutter die Rede sein. Es verfugen zwei
und zwar wird die Despotin früher erwähnt.
Wir wenigstens können die sogenannte Rechts-
kontinuität der Despotie nur so verstehen, daß die
Mutter Stefans, des Sohnes Johann Berislavic's Witwe
Johann Brankovic war. Es könnte jemand bemer-
ken, daß diese Helene eventuell die Tochter des Vuk
Brankovic gewesen sei. Vuk Brankovic war aber kin-
derlos. Wir kennen keine Tochter des Despoten Stefan
Brankovic namens Helene und so können wir nur die
Witwe des Johann Brankovic für die Frau des Johann
Berislavic halten.
Nur noch einen Umstand wollen wir erwähnen, wes-
halb nämlich die Despotie der Raitzen aufgehört hat.
Wir übergehen die nicht gerade ruhmreiche Rolle
des Stefan Berislavic bei Mohäcs — wo er mit dem
Kontingente von Pozega teilnahm — und sein Ver-
halten zur Zeit des Auftretens Johann Szapolyai's.
Wir wissen, daß er zuerst für König Johann Partei
ergriff. Als aber König Ferdinand 1527 es unternahm
129
die Raitzen für sich zu gewinnen, gelobte ihm der
Despot Stefan gegen Erfüllung folgender Wünsche Treue :
Optata domini despoti.
Imprimis cupit habere solutionem ad mile
equites levis armat ure, deinde *) suplicat pro
te
*^hoc
1
no
(
n
1
potest esse,
a
ü q
u a
munitione, ut in eam possit locare ma-
sea detur bona promissio t r em suam cum duabus sororibus, ex qua
in Hungaria et reponat i l ; t t
in oppida.*) arces proprie, quas habet, sunt mt er arees
fiat, et ut castrum ad Tn r o i v n m
preposituram restitua-
X
«»Ulruill. . . .
tur.*) Ut preposituram Titulen. dignetur Majestas
Vest ra conferre fratri germano ipsius domini
despoti castrum namque Erdeud ad ipsani
preposituram pertinens cum magna suorum
sanguinis effusione recepit.
Ut castrum Wal kouar et castellum Borok,
üat.*) que etiam a Thurcis recuperavit similiter cum
notabili suorum strage, dignetur Maiestas
Vest ra ad i psum hac lege relinquere, ut si
quispiam in illo j us habere pretendit, ad illius
instantiam sine debita juris revisione ne coga-
t ur idem dominus despotus ad restituendum.
Castrum Zawa Zentli
T T
. , . , . , , *. T . .
Demether ei reimquet, U t super suo despotatu litteras dare dignetur.
enndeTeontentabit.™'
8 S i
denique castra Zawa Zent h Demet her et
ßednek a manibus Turcorum aliquo modo idem
dominus despotus rehabere poterit, dignetur
tu?*f
nek fiat ut pCti
" M
a
J
e s
t as Vest ra ipsa eadem castra apud eun-
dem dominum despotum relinquere perpetuo
ut aut ex quo castrum Rednek ad archi-
episcopatum Colocen. pert i nebat et ob hoc
forte sine lesione conscientie pro se non posset
reservare. It aque quieunque erit archiepiscopus
solvat expensas domini despoti quas ad recu-
perationem ipsius castri exponet .
Ultimo si Thurcam Kalakouyth nominatum
„ . , , prefectum castri Battha ad deditionem castri
Majestas regia eundem r ^ . . . ,
bene contentawt.*) ipsius et semet ipsum ad servitia Majestatis
Vest re poterit allicere, idem dominus despotus
assecurationem Majestati Vest re de aliquibus
hereditatibus pro conditione ipsius Thurci con-
ferendis suplicat habere.
(Originalkonzept Wiener Staatsarchiv.)
(Die Randbemerkungen sind von anderer Hand geschrieben. Der *)
bedeutet, daß die Bemerkung sich auf das Petitum bezieht.)
9
130
D. h. 1. ein Monatsgeld für 1000 leichte Reiter
und einen befestigten Platz um seine Mutter und
seine zwei Schwestern dort in Sicherheit bringen zu
können.
Ant wort : Es wird eine Provision für 500 Reiter
gegeben, aber keine Festung eingeräumt; sie mögen
in einer ungarischen Stadt wohnen.
2. Der König möge die Propstei Titel seinem
Bruder
1
geben, da er die biezu gehörende Burg Erdöd
mit großen Opfern von den Türken zurückerobert habe.
Ant wort : Die Burg aber solle der Propstei zurück-
gegeben werden.
3. Die Burgen Valkö und Borhi, <die er wieder-
erobert hat, möge man ihm bedingungslos zurückgeben.
Ant wort : Es sei.
4. Seine Despotie möge ihm urkundlich bestätigt
werden. Würde er Mitrovica und Rednek zurückerobern,
so solle Mitrovica ihm verbleiben, Rednek aber — das
dem Erzbischof von Kalocsa gehört hatte — solle an
den Erzbischof zurückfallen, wenn derselbe es wieder
haben wollte und ihm seine Kosten ersetzt würden.
Ant wort : Szava-Szent-Demeter solle in seinem
Besitze bleiben, bis er mit anderen Gütern entschädigt
würde. Hinsichtlich Rednek solle sein Wunsch erfüllt
werden.
5. Falls es ihm gelingen sollte den türkischen
Befehlhaber von Bätha zum Anschluß an den König
zu bewegen, so könne er ihm eine Belohnung in Aus-
sicht stellen.
Ant wort : Soll geschehen.
Auf Grund dieser Erledigung wurde Franz Revai
mit der Überbringung der königlichen Entschließungen
beauftragt und mit nachstehenden Mandatbriefe von
18. Juni 1527 zum Despoten geschickt:
1
Stefan hat also noch einen Bruder und zwei Schwestern gehabt.
131
Ferdinandus .etc.
Illustris. fidelis dilecte. Commisimus egregio fideli nobis
dilecto Francisco Eeway nonnulla nostro nomine vobis exponenda.
sieut ab eo coram accipietis. Que cum ex mente et voluntate
nostra proficiscantur, vobis injungimus, ut eidem Francisco in
hiis que referet nostri contemplatione fidem indubiam prestare
vosque super eisdem ita exhibere velitis, sicut in TOS graeiose
confidimus et vicissim erga vos clementi animo recognoscemus.
Super possessionibus vero, quas a nobis petiistis, respon-
debimus vobis, ubi regnum illud intraverimus, quo facto nos
exlribebimus erga vos sicut graciosum principem decet, quod
vos latere noluimus. Datum Vienne 18. Junü 1527.
Regnorum nostrorum primo.
Aussen: Rascie despote.
(Originalkonzept im Staatsarchiv zu Wien.)
Der Inhalt ist folgender: der Despot möge Franz
Eevai glauben schenken, was die Besitzungen betrifft,
werde König Ferdinand erst eine Antwort geben, so-
bald er persönlich in das Land komme.
Obwohl bei diesen Verhandlungen ein Einver-
ständnis erzielt wurde, blieb der erwartete Erfolg aus.
Am 27. Juli 1528 meldet nämlich der in Buda
tagende Palatinalrat dem König Ferdinand: Stefan
Revai habe sich mit ungefähr 1000 Eeitern zur
Bekämpfung der Aufständischen in das Gebiet der
Theiß (Tisza) begeben. Gleichzeitig erwarte man 500
Nasadenführer, die nicht nur gegen die Anhänger des
Königs Johann, sondern auch gegen die Türken verwendet
werden sollen. Übrigens — so fährt der Bericht des
Palatinalrates fort — ist der Despot der Raitzen Stefan
angekommen und hat sich verzweifelt über seine
äußerste Not und Armut beklagt; bis jetzt habe er
keine Unterstützung erhalten, weshalb er weder seine
Kriegsleute verpflegen, noch seine Festungen verteidigen
könne. Er bäte, ihn mit Lebensmitteln zu versehen
und ihm die Festungen Bäcs, Felegyhäza, Szata und
Dobor abzunehmen, weil er nicht so viel Leute habe,
9*
132
um sie verteidigen zu können. Wir sind also mit den
Kammerräten Eurer Majestät in Fühlung getreten, sie
mögen ihm seine Kosten ersetzen; die wissen aber
nicht woher sie das Geld nehmen sollen und so oft
wir ihnen im Namen Eurer Majestät einen Befehl
erteilen, vergeuden wir nur die Zeit. Der Despot hat
die Absicht, zu Eurer Majestät zu reisen und Euerer
Majestät seine Notlage darzulegen und die genannten
Festungen zu übergeben, wir halten ihn aber nach
unseren Kräften zurück. Wir bitten, Eure Majestät
mögen in der Angelegenheit Verfügungen treffen, daß
die Besatzungen in den Grenzfestungen ihren Sold
erhalten, weil viele deshalb entfremdet sind und die
Grenzfestungen verloren gehen.
1
Diese Darlegung ist ein klarer Beweis dafür, daß
man in Buda das dem Despoten gegebene Versprechen
nicht einlösen konnte, weil kein Geld dazu vorhanden
war. Wir sehen auch daraus, daß die jenseits der Save
liegende, niederslavonische Festung Dobor (der alte
bosnische Banat) noch in der Hand des Despoten war.
Die Türken sammelten sich Anfang Juli in Sirmien
mit der Absicht, in Pozega einzufallen, änderten aber
ihre Absicht und drangen durch Kroatien in Kärnthen
ein. Einige Streifscharen aber wollten — behauptete der
Despot — die Festung Maröth erstürmen, die vor nicht
langer Zeit Ladislaus More mit Kriegsvolk versehen
hatte. More selber sei erkrankt und wenn sein Zustand
sich verschlimmere, entstehe daraus eine sehr üble
Lage für die Festung, die jetzt die Vormauer des
Landes sei. Der Palatinalrat bat also König Ferdi
nand dringend, er möge sich des Despoten annehmen,
damit seine Festungen nicht in türkische Hände
kommen.
Um die Kampfeslust seiner Leute anzufachen,
erlaubte der Sultan auf die Bitte Ibrahim Pascha's,
1
Anhang. Nr. C.
133
daß der fünfte Teil der zwischen Drau und Save zu
erzielenden Beute dem Führer der Streifscharen zufallen
solle.
Es ist übrigens zu bemerken, daß diese angekün-
digten Streifzüge des öfteren unterblieben, oder nicht
dann erfolgten, wenn man sie ansagte.
Ferdinand traf übrigens auf diese beunruhigenden
Nachrichten einbrechende Verfügungen, und erteilte
am 3. Juni 1528 — also fast ein Jahr nach der
Berichterstattung des Palatinalrates — Franz Batthyäny
den Befehl, die slavonischen Stände hätten sich zu
sammeln und mit den Scharen des raitzschen, Despoten,
des sirmischen Hauptmannes König Ferdinands „capi-
taneo nostro Sirmiensi" zu vereinigen, weil die Türken
sich zur Belagerung von Barka, Maröth und Új v á r
x
rüsteten.
Der Despot half sich — wie damals die Groß-
grundbesitzer in den Grenzgebieten allgemein — so gut
er konnte. 1527—1529 harrte er auf Seite Ferdinands
aus, kam er aber in eine Notlage, so wußte er sich
auch mi t den Türken abzufinden. Er konnte seine
Leute nicht bezahlen, weil er aus seinen Besitzungen
kaum ein Einkommen hatte, si© wußten den Knoten
rasch zu lösen, indem sie im Jahre 1529 die Festungen
Bäcs und Felegyháza den Türken übergaben.
2
Der Despot schien sich nun dem Könige Johann
von Szapolyai zu nähern; er kam nämlich mit dem
Bischof von Zagrab (Agram) Simeon von Erdődy, dem
Oberhaupte der slavonischen Anhänger König Johanns
am 22. Juli 1530 in Csázma zusammen, um mit
diesem darüber zu beraten, wie sie sich gegen die
Verheerungen Ludwig von Pekry's, den berüchtigten
Hauptauhänger König Ferdinands verteidigen sollten.
3
1
Könnend, Mem.
- Der Brief Johann Szalahäzy's vom 23. Jänner 1529, an Ferdi nand
I. Gevay: ür k. 2. T. S. 58.
3
Ka-eheUeh. N. P. 355.
134
Doch half das alles dem Despoten nichts mehr.
Im August dem Jahre 1536 eroberten die Türken
sämtliche Festungen, die in der Hand des raitzischen
Despoten waren: Dolor, Bród Arki, Pleternica, Ujvár,
Garcin, Vinice, Vratna, Gerenda und verbrannten sämt-
liche Palanken; die Festung Kobas wurde schon vor-
dem Sturme von den Verteidigern verlassen. Im Laufe
des Monats plünderten die bosnischen Türken sämtliche
Güter des Despoten, eroberten seine Residenz und
drangen bis Dräva-Szent-György vor.
1
Auf diese Weise hat binnen kurzer Zeit die
raitzische Despotie zu bestehen aufgehört. Im Streite
der zwei Könige unterwarf sich der größere Teil der
Raitzen den Türken und indem sowohl der Privat-
besitz des Despoten, wie das seiner Verwaltung über-
tragene Land verloren gingen, hörte diese schon bei
ihrem Entstehen nicht allzustarke Grenzmark zu be-
stehen auf. Denn nur eine solche war sie unter erb-
lichen Führern: Despoten.
1
Die Briefe des Paul BaMcs vom 10., 27. August 1536. Wiener
Staatsarchiv.
185
IV.
Die Nichte Hervoja's 1405.
Wir kennen drei Brüder Hervoja's des Sohnes
Yukac aus der Generation Horvatin: Vuk (j 1401),
Dragisa und Vojslav:
Hervoja—Vukci<5
Helene Nelipic
I
Balsa—Hercegovic
I
Mädchen
Wir haben die Absicht, im Folgenden einiges über
die Verlobung Katharina's, der Tochter des Vuk Vuk-
cic, der Frau des berühmten Sandalj Hranic, Nichte
Hervoja's mitzuteilen.
Zur Grundlage dient das Schreiben Innozenz VII.
an Bogdan Bischof von Sebenico vom 29. März 1405,
das unser geehrter Freund Johann von Karäcsonyi
seinerzeit uns zur Verfügung zu stellen die Freund-
lichkeit hatte.
Das Schreiben lautet folgendermaßen:
1
Innocentius . . . episcopo Sibinicensi salutem . . . Sane pe-
titio dilectii filii nobilis viri Kervoe, ducis Spalatensis, nobis
nuper exhibita continebat, quod olim . . . nobilis vir Paulus,
coraes Corbavie, pro dilecto filio nobili viro Karolo, eius nato,
domicello Corbaviensi, et . . . nobilis mulier Banucza, relicta
*|uondam bani Wlf domicelli vidua, pro . . . nobili muliere Ka-
1
Reg. Inuocentii VII. bibl. Vat. A. 1. F. 86.
Vukac 1379
I
Vuk Dragisa Vojslav
f 1401
<—- Anna
I
Katharina
1396—U21
Hraniü Sandalj
13Ö
tlierina, vidue et bani predictorum unica hata, domicella Tinni-
niensis diocesis impuberibus, credentes . . . quod Karolus et
Katherina predicti dumtaxat essent in qnarto consanguinitatis
gradu invicem coniuncti, de facto mutuo convenerunt pepige-
runt . . . quod ipsi Karolus et Katherina, cum ad etatem per-
venirent legitimam, matrimonium invicem . . . cöntrahere debe-
rent, que quidem conventiones . . . et pacta eorum etiam iura-
mentis vallarunt simüiter de facto, ac etiam postea ipsi Karolus
et'Katherina ad certum iudicem, tunc expressum dicuntur sub
ea forma a sede apostolica literas impetras.se, ut idem iudex . . .
cum eisdem Karolo et Katherina, ut impedimento . . . huiusmodi
. . . non obstante matrimonium . . . cöntrahere . . . valerent aucto-
ritate apostolica dispensaret . . . Cum autem . . . postea ad ipsius
ducis, cuius dictus banus germanus erat, . . . pervenerit auditurn,
quod predicti Karolus et Katherina tertio huiusmodi consangui-
nitatis gradu .sunt invicem coniuncti, propter hoc idem dux
abhorreat, quod ipsi Karolus et Katherina invicem matrimonialiter
copulentur et propterea etiam dicte litere, per surreptionem
obtente viribus non subsistant, pro parte dicti ducis nobis fuit
humiliter supplicatum, ut sibi super hoc ac comiti vidue ac
Karolo et donricelle prefatis salubriter providere . . . dignaremur.
Nos igitur . . . fraternitati tue, cum ecclesia Tinniensi dicatur
ad presens pastore, cui esset scribendum hoc casu, carere . . .
mandamus, quatenus . . . si tibi constiterit, quod dicti Karolus
et Katherina eodem tertio consanguinitatis gradu sunt invicem
coniuncti, ut prefertur, conventiones, promissiones, pacta et iura»
menta huiusmodi et quecunque inde secuta fuisse et esse nulla
nulliusque roboris vel momenti nee ipsos esse obligatos ad ob-
servantiam eorundem conventionum, promissionum, pactorum et
iuramentorum auctoritate nostra declares, prout de iure fuerit
faciendum . . . Datum Rome apud Petrum quarto Kalendas
aprilis, anno primo.
Hieraus sind folgende Tatsachen zu entnehmen.
Die unmündige Tochter des Banus Vuk (im Briefe
des Papstes Wlf), Bruder des Herzogs Hervoja von
Spalato Katharina, — zuständig in der Diözese Knin —
wurde von ihrer verwitweten Mutter „nobilis mnlier
Bannern" mit Karl dem unmündigen Sohne des Comes
Paul von Korbavia verloht.
Die Eltern der Verlobten, also die Witwe des
Banus und Comes Paul von Korbavia waren der Ansicht,
137
daß ihre Kinder sich nur in einer Verwandtschaft vier
ten Grades befänden. Sie vereinbarten daher in einem
eidlich bekräftigten Vertrage, daß die Verlobten, sobald
sie das durch die kanonischen Vorschriften bestimmte
Alter erreichen würden, getraut werden sollten. Der
Heilige Stuhl erteilte in diesem Sinne die Dispens vom
Hindernisse der Verwandtschaft vierten Grades.
Dem Herzog Hervoja von Spalato, Onkel der Braut
gelangte aber später der umst and zur Kenntnis, daß
die Verlobten nicht im vierten, sondern im dritten Grade
verwandt waren und um die Trauung zu verhindern,
richtete er an den Papst die Bitte, die durch falsche
Angaben erschlichene Dispens für ungiltig zu erklären.
Diesem Ansuchen Folge leistend beauftragte der
Papst den Bischof Bogdan von Sebenico — da in der
zuständigen Diözese Knin Sedisvakanz war (Farlati IV.
294) — es seien, falls zwischen Karl von Korbavia und
der Tochter des Banus Vuk, Katharina tatsächlich eine
Verwandtschaft dritten Grades bestehe, sämtliche Ver
lobungsverträge zu annullieren und die Verlobten von
deren Erfüllung zu entbinden.
Dieser an und für sich sporadische Beleg wirft
nicht nur auf die Familie Hervoja's interessantes Licht,
sondern gibt auch wertvolle Aufschlüsse zur Geschichte
der Eheschließungen des berühmten Vojvoden Sandalj
Hranic. Vom Jahre 1405 an kommt nämlich Katharina,
Tochter weiland Banus Vuk, als die Frau des Sandalj
Hranic vor.
Der Grund, weshalb sich Hervoja dazu bewogen
fand, die Verlobung seiner Nichte mit dem Sohne des
Knez Paul von Korbavia in März 1405 auflösen zu lassen,
läßt sich dem von uns mitgeteilten Beleg entnehmen.
Zu der Auflösung hat ihn nur die Absicht bewogen,
zwischen seiner Nichte und dem einflußreichen Voj
voden von Hum, Sandalj Hranic eine eheliche und da
durch engere politische Verbindung zustande zu bringen.
138
Die mitgeteilte Angabe gibt aber nicht nur in dieser
Richtung Aufschluß, sondern klärt auch eine andere
lang umstrittene Frage auf.
I. Radonie, der hochgebildete Biograph des Voj-
voden Sandalj Hranic
1
erwähnt — in seiner Studie
über den Vojvoden — auf Grund genaueren Mate-
riales, daß Sandalj Hranic im Jahre 1396 eine Frau
namens Helene heiratete. Seine Daten reichen bis zum
Jahre 1399, von da an ist von dieser Helene keine
Rede mehr. Dann konstatiert er, daß seit 1405 die
Nichte Hervoja's, Katharina die Gemahlin Sandaljs
war; diese Ehe endet aber 1411 mit Scheidung.
2
Hierauf heiratete Sandalj Hranic 1412 die Witwe
des Georg Balsa Stracimirovie, die ebenfalls Helene
hieß, die Tochter des serbischen Knez Lazar Greblja-
novic. Solcherart hat t e Sandalj drei Frauen gehabt,
die erste und dritte, Helene, die zweite, Katharina.
Radonie behauptet aber, daß Sandalj nur zweimal ge-
heiratet habe, zuerst 1396 die Nichte Hervoja's, Helene,
die später Katharina genannt wurde. Diese Namens-
änderung sucht er so zu erklären, daß Katharina
früher Helene hieß und den Namen Katharina erst an-
nahm, als Hervoja 1403 zur römischen Kirche übertrat.
Diese Annahme motiviert er damit, daß die Tochter
des Banns Vuk, die Nichte Hervoja's, Sandaljs geschiedene
Frau bei einer gelegentlichen geschäftlichen Verhandlung
mit dem Namen Helene genannt wird. Sandalj Hranic
und seine Frau Katharina hatten beim Schatzamte
der Republik Venedig eine Einlage von 1 2.000 Dukaten,
1
Archiv für slavisclie Philologie 19. S. 394. Gelcich: bemerkt in
seinem 1899 erschienenen Wer ke La "Zedda (S. 194), daß Sandalj auch vor
Helene eine Frau gehabt habe, da 1398 eine verwitwete Tochter von
ihm erwähnt wird. Somit hat er vier Frauen gehabt.
3
Ebendort S. 420. Die Wi t we des Banus Vuk, Anna verleiht mi t
ihrem Schwiegersohne Sandalj 15. Juni 1409 in der Festung Sokol eine
Ortschaft in der Zupe Ostrovica in der Nähe Budna' s. Daraus folgt, daß
die Banuswitwe mi t ihrem Schwiegersohne auf der Besitzung Banus Vuks
condominium ausübte. Siehe Urkundenanhang I.
139
deren eine Hälfte Sandalj, die andere der Witwe des
Banns Vuk, d. h. seiner Tochter gehörte. 1412,
nach der Trauung unternahmen beide Parteien Schritte
zur Ausfolgung des Deposits. Die Schilderung der for-
malen Schwierigkeiten gehört nicht hieher; biographisch
ist es wichtig, daß die Auslieferung dieses Deposites
an die Schwiegermutter und an die Gattin Sandaljs
sich bis 1421 hingezogen hat. 1421 erklärt die Re-
publik in einem Schreiben; „per parte Helena fiuola
ehe fo de Vock bani e da madona Anclia baniza", auch
später ist von madona Ancha und madona Helena
die Rede,
1
Nach Radonic wird also die Frau Sandaljs
1421 Helene genannt und diese kann keine andere
sein, als jene Helene von 1396, die später unter dem
Namen Katharina vorkommt und die Tochter des
Banus Vuk und der Baniza Anna ist.
Aus den zitierten Urkunden geht hervor, daß im
April 1411 der Vojvode Sandalj sich mit seiner
Schwiegermutter und mit seiner Frau „domina Catha-
rina" in der Festung Kljuc (Herzegowina) aufhielt.'
2
Den 22. April 1412 bittet Sandalj im eigenen
und im Namen seiner Schwiegermutter und seiner Frau
um die Ausfolgung der in der Getreidekassa der Re-
publik deponirten 12.000 Dukaten zu gleichen Teilen.
8
Der Name is nicht erwähnt.
Am 29. November 1412 verspricht aber die Re-
publik, obwohl dies gegen das Gesetz und die Gebräuche
der Republik Verstösse, die eine Hälfte der obgenannten
Summe binnen vier Monaten Sandalj, bezw. seinem
Gesandten,
4
die andere Hälfte „magnificis dominabus
Banize et Caterina ipsius filie" anzuweisen.
1
S. Ljubic : Listine VIII, S. 74. Die Republik verspricht die Rechts-
ansprüche untersuchen lassen zu wollen und zu entscheiden „prout fieri
debebit." S. 75.
2
Listine VI. S. 147. Libri Commem. III. 123. reg.
3
Listine 21. S. 253.
4
Listine VII. S. 31. Commem. III. 168. reg.
140
Am 22. April 1412 kommt also Katharina, als
die Frau Sandaljs vor, am 29. November desselben
Jahres mit der Bezeichnung „Frau Katharina" aber
nicht als Sandaljs Frau erwähnt wird. Warum 1421
diese Katharina, denn nur von dieser kann die Rede
sein, im Protokoll des Geheimen Rates der Republik
Helene genannt wird, um deren Forderung von 6000
Dukaten sich die Gesandten Sandaljs d. h. der ge-
schiedenen Gatten bewarben, wissen wir nicht.
Wir könnten die Sache durch einen Schreibfehler
erklären, dem widerspricht aber der Umstand, daß
sie dreimal mit dem Namen Helene bezeichnet wird.
Ist es möglich, daß sie zwei Namen hatte? Weshalb
gebraucht sie aber bis 1421 den Namen Katharina
und nimmt erst dann den Namen Helene an? Es er-
übrigt nur die ganze Frage offen zu lassen, bis even-
tuell ein Beleg aus der Zeit zwischen 1412 und 1421
zum Vorschein kommt und auch diesen Umstand auf-
klärt.
Die von uns mitgeteilte Angabe beweist aber,
daß die Tochter des Banus Vuk, Katharina 1405 noch
unverheiratet und unmündig war und so mit dem
Sohne des Knez Paul von Korbavia, Karl, verlobt wurde.
Es ist also gewiß, daß Katharina Vukcic mit der 1396,
1399 erwähnten Gemahlin des Sandalj Hranic namens
Helene nicht identisch sein kann. Sicher ist auch, daß
jene Katharina — wie Radonic meint — 1403 den
Namen Helene nicht annehmen konnte, weil sie aus
einem noch nicht aufgeklärten Grunde erst 1421 Helene
genannt wird und zwar zu einem Zeitpunkte als sie
nicht mehr die Gemahlin Sandalj Hranic' war.
Die ganze Frage macht eine Mitteilung G. Gelcichs
noch verwickelter. In einem Belege aus dem Gerichts-
archive von Kattaro (arch. di Giudici) wird schon 1398
eine Tochter Sandaljs: „Yelcho figlia die Meszer San-
dalo" erwähnt, deren erster Gemahl Leonardo Bascha,
141
Edler von Kattaro war. Handelt es sich um den Vojvo-
den Sandalj, so muß er noch vor seiner Heirat mit
Helene 1396 verheiratet gewesen sein.
1
Es bleibt noch die Frage aufzuklären, worin jene
Verwandtschaft dritten Grades zwischen der Tochter
des Banns Vuk und Karl von Korbavia bestanden habe.
Man wird Gelegenheit haben diese Frage im Zusam-
menhang mit der Genealogie der Familie Gusics von
Korbavia zu behandeln.
1
La Zedda 1809. S. 194. (Vgl. S. 138. 1. Anmerkung.) Über
Helene, Frau Sandaljs und Budna s. ebendort S. 198—199.
142
V.
Der Heiratsplan Tvrtko's IL König von Bosnien 1428.
Von einem Heiratsplan Stefan Tvrtko IL (1404 —
1408, 1420—1443) des Sohnes Stefan Tvrtko I.
erkalten wir aus dem folgenden an Papst Martin V.
gerichteten Gesuche Kenntnis.
1
Borne 9. Aprilis 142S.
Beatissime Pater. Cum devotus vester orator Stephanus
Tliewerkbo Dei gratia rex Bozne in medio infidelium et scisma-
ticorum dicti regni sui incolarum et habitatorum regali juiis-
dictione utatur et habitet, quidam sui emuli labia detractionis
apperiunt, asserentes ipsum pro eo, quod infidelium et seisma-
ticorum liuiusmodi rex est. eos in ipsorum errore confovere.
Cum tarnen sancte Bomane ecclesie obediens et fidei catholice
cultor prout gestorum in ritibus eiusdem fidei catliolice per eum
observatis, quosque observat ut vult et tenetur observare de
presenti et in futurum evidens experientia. que omnium rerum
magistra dicitur, docet, et augmentator existat, cupiatque cum
quadam nobili domina Dorothea, filia quondam Johannis de Gara
militis, virgine christiana et catholica Quinquecclesiensis dioece-
sis, secundum morem et ritum predicte sancte Bomane ecclesie,
matrimonium legitime contrahere, et liuiusmodi ipsius regis
emuli dictum matrimonium cum eadem virgine ipsum libere et
licite contrahere posse per sedem apostolicam voluit edoceri.
Supplieatur igitur S. V. pro parte ipsius regis, quatenus S. Y.
uni, Tel pluribus reverendis patribus dominis regni Hungarie
et dicti regni Bozne episcopis de inquirenda fidelitate fidei
catholice de ipso rege, quodque si idem rex fidelis catliolicus
vere christianus repertus luerit, cum eodem, ut dictum matri-
monium secundum morem et ritum, ut pref'ertur sancte Bomane
ecclesie, libere et licite yaleat auctoritate apostolica eidem licen-
tiam indulgeant (sie!) committere et mandare dignetur, cum cete-
ris non obstantibus et clausulis oportunis. Fiat ut petitur, et
1
Rom. Vatikan. Arch. Supplicationes Martini V. Annus X. T. IV.
Toi. 217 /a.
143
committatur. 0. Datum Rome apud sanctos apostolos, oetavo
Idus Aprilis anno undecimo.
In der Einleitung seines Ansuchens erklärt Tvrtko,
weil er der König eines Reiches mit „ungläubigen und
schismatischen'' Einwohnern sei, verbreiteten seine
Feinde von ihm. daß auch er dem Irrglauben anhinge.
Er versichert aber den Heiligen Stuhl, daß er ein
Katholik sei und den Riten der katholischen Religion
so wie jetzt, auch in der Zukunft nachleben werde.
Seine Absicht sei, die Tochter weiland Johann Garai's
Dorothea — eine in der Diözese Pecs (Fünfkirchen)
lebende frommgläubige Jungfrau römisch-katholischen
Bekenntnisses — zu heiraten. Deshalb ersucht er den
Papst, seinen Glauben durch ungarische und bosnische
Bischöfe untersuchen zu lassen und falls er rechtgläubig
befunden würde, ihm die Erlaubnis zur Heirat zu erteilen.
Der Papst resotvierte, es möge dem Wunsche des
Bittstellers willfahrt werden. Vom weiteren Lauf der
Angelegenheit haben wir keine Kenntnis, nur das eine
ist sicher, daß diese Ehe nicht zustande gekommen ist.
Im Texte des Ansuchens ist die Erwähnung wich-
tig, daß sich in Bosnien Ungläubige und Schismatiker
befinden. Unter Ungläubigen sind die Bogumilen (Pata-
rener) zu verstehen, während die Bezeichnung Schisma-
tiker sich nur auf die Orthodoxen beziehen kann.
Über die Geschichte der Organisation der bosni-
schen orthodoxen Kirche besitzen wir so wenige und
dabei so ungenaue Belege, daß wir die Tatsache der
Erwähnung der Orthodoxen in der Supplikation beson-
ders betonen müssen. Unseres Erachtens bekannte sich
die Mehrheit des Hirtenvolkes zum orthodox-christli-
chen Glauben, dessen Anhänger aber damals noch
nicht organisiert waren.
König Tvrtko beruft sich zwar stark auf seinen
wahren katholischen Glauben, ist aber doch genötigt
sich gegen die Beschuldigungen seiner Gegner zu ver-
144
teidigen. Denn da die überwiegende Mehrheit der vor-
nehmen bosnischen Geschlechter sich zum bogumilischen
Glauben bekannte, konnte der König seinen Katholi-
zismus keinesfalls demonstrativ betätigen, was — äußer-
lich wenigstens — den Reden seiner Gegner eine
gewisse Berechtigung gab. Im Hinblick darauf war
eine Glaubensinquisition sehr notwendig, umsomehr.
da der Katholizismus der Familie Garai sich mit
seiner bogumilen-freundlichen Haltung nicht vertrug.
Die Hauptfrage ist aber die, welche die persönlichen
Beziehungen der damals unverheirateten Tochter Johann
Garai's namens Dorothea gewesen sind. Im Folgenden
die Genealogie der Familie Garai:
1
Nikolaus Garai I. Palatin
t 1386
Johann t 1*27 Dorothea Helene
Obergespan v. Temes, — Nikolaus ~> Nikolaus
Vojvod v. Usora Frangepan Szeesi 13Ö8
~-* Hedwig,
Tochter des Ziemovit
Herzog v. Mazovien
I
Katharina
1430—1431
Nach dieser Zusammenstellung ist nur eine Toch-
ter Johann Garai's namens Katharina bekannt. Auch
über Dorothea Garai, die Frau Nikolaus Frangepans
wissen wir äußerst wenig. Wertner brachte 1894
2
soviel ins reine, daß eine Tochter des Nikolaus Garai I.
die Frau Nikolaus Frangepans, die andere die Gemahlin
Nikolaus Szecsi's war. Er erwähnt keinen Taufnamen,
sondern nimmt kronologisch die Jahre 1406—1425
in die genealogische Tafel auf.
Klaic
3
hat 1901 festgestellt, daß Nikolaus Frange-
pan nach dem Tode seiner ersten Frau bisher unbe-
kannten Namens die Schwester Nikolaus Garai's IL
1
Sisid F. hat sie 1902 in seinem Werke über Hervoja zusammen-
gestellt. S. 41.
2
Adler N. J. IV. 22- 23.
8
Krcki knezovi Frankapani. Zagreb (Ägram) 1901. I. S. 195.
I
Nikolaus II.
Palatin
t 1433
145
Dorothea heiratete. 1428 — meint Klaic — lebte
diese Dorothea nicht mehr.
1
Die Behauptung in der obigen Tabelle des Sisic',
daß Dorothea 1416 „udata za kneza Nikolu Franka-
pana" beruht auf einem Irrtum.
Nach einer italienischen Genealogie war die erste
Frau des Nikolaus Frangepan, Dorothea, die Witwe
Pauls von Korbavia. Diese Behauptung wird aber später
berichtigt und nur soviel als feststehend hingestellt, daß
Dorothea der Taufname der Frau Nikolaus' war. Die
zweite Frau war angeblich Martha von Ujlaky (1426—
1442), die Tochter des Bartholomäus Ujlaky Banus von
Mácsó. Unter den Banen von Macsó finden wir 1402
den Sohn des Bartholomäus Ujlaky, Ladislaus, Bartholo-
mäus selber wird aber von unseren Quellen als Banus
von Mácsó nicht erwähnt.
Alle, diese noch nicht hinreichend aufgeklärten Fra-
gen beweisen, daß in der ungarischen mittelalterlichen
Genealogie noch viel zu schaffen ist. Als Tatsache läßt
sich nur soviel erweisen, daß die Tochter des Nikolaus
Garai namens Dorothea die Frau des Nikolaus Fran-
gepan war. Diese Dorothea ist aber — wir brauchen
es nicht länger beweisen — mit dem von Tvrtko IT.
auserwählten Mädchen nicht identisch.
Aus den uns zur Verfügung stehenden Daten
geht hervor, daß Johann Garai eine Tochter namens
Katharina hatte, die 1435 die Frau des Nikolaus
Bebek wurde; von einer Tochter namens Dorothea
— die wahrscheinlich den Namen ihrer Tante in der
Taufe erhielt — hatten wir bis jetzt keine Kenntnis.
Über das weitere Schicksal dieses Heiratsplanes,
bezw. dieser Absicht fehlen uns alle Daten. Tatsache
ist, daß Tvrtko keine direkte Nachkommen hinterließ.
1
Ebendort S. 215. Die Beziehungen der dritten Gemahlin des
Nikolaus Frangepan (f 26. Juni 1432), Biancha Sforza sind nicht genü-
gend aufgeklärt.
10
140
VT.
Studien zur Geschichte der Familie Kosaca und
der Herzegowina.
I.
1. Wie Stefan Vukcic, Großvojvod von Bosnien den Herzogs-
titel annahn.
Geographische Lage, Klima und daher die Lebens
weise der Einwohner bedingten für das heute Herze
gowina genannte Gebiet immer einen gewissen abge
sonderten Entwicklungsgang. Zu Beginn des früheren
Mittelalters bildeten sich iu den langen Tälern ein
zelne, unabhängige Zupen, in welchen einige auf
ihre Unabhängigkeit eifersüchtige vornehme Familien
die Obermacht innehatten. Nach der Entstehung des
bosnischen Königreiches unterjochten die aus dem
Hause Kotroman stammenden Könige dieses Gebiet.
Die bosnische Oberhoheit dauerte aber nicht lang,
weil sich das Vordringen der türkischen Macht schon
in der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts in diesem
nur locker angegliederten Gebiete stark fühlbar machte.
Das Streben nach Zentralisierung der Macht stellte
sich aber auch hier ein und der energische und kluge
Sohn des vornehmen Vojvoden, Hranja Kosacic, der
berühmte Sandalj Hranic, wußte durch Heirat, Ver
handlungen mit den Eepubliken von Venedig und
Ragusa, geschicktes diplomatisches Verhalten gegen
über den Türken und dem ungarischen Könige die
einzelnen Zupen unter seine persönliche Herrschaft zu
bringen und erstreckte seine Macht vom Fluße Rama
bis zum Meerbusen von Kattaro. In seinen Entschlüssen
147
hat ihn immer die Absicht geleitet, seine Macht stufen
weise zu erhöhen; und er verstand es stets inne zu
halten, ehe er seine früheren Errungenschaften aufs
Spiel setzte. Da nach seinem Tode 1435 kein männ
licher Sprößling vorhanden war, fiel die Macht dem
Sohne seines Bruders, namens Stefan Vukcic, zu. Im
internationalen Verkehr — wenn wir dieses Wort
gebrauchen dürfen — t ri t t Stefan Vukcic nach aus
wärts immer als Großvojvode von Bosnien auf, ist also in
dieser Eigenschaft ein wenngleich gesondert erwähn
ter, dennoch zum bosnischen Königreiche gehörender
Faktor. Er verkehrt selbständig mit den Nachbar
mächten und geht von dem Prinzipe aus, — das in der
Politik der damaligen patarenischen Notablen seit dem
Erscheinen der Türken herrschend wurde — sich mit der
Macht des Sultans auf guten Fuß zu stellen und durch
Zugeständnisse seinen tatsächlichen Besitzstand zu
sichern. Diese „amtliche türkische Politik" charakte
risiert die politische Richtung des Großvojvoden Stefan
sozusagen bis zum Jahre 1463. Es fehlte aber der
Titel zur äußeren Offenbarung seiner Macht. Und
obgleich er den König von Bosnien an Macht übertraf,
ging sein Streben hauptsächlich dahin, ein äußerliches
sichtbares Symbol zu erreichen, daß ihn, den Nachbarn
gegenüber, erheben und ihm auch in seinen Beziehungen
zum Auslande größeres Gewicht verleihen sollte. Diesen
Wunsch verwirklichte er 1448, als er sein Land den
„Ducatus Sancti Savae" nannte, d. h. ihm den Namen
nach dem heiligen Sava, dem berühmten, serbischen
apostolischen Bekehrer gab und den Titel eines Herzogs
annahm. Mit dieser Titelannahme beginnt die kurze,
für eine gesonderte Organisation doch ziemlich bedeu
tende Geschichte dieses Landesteiles.
Über die näheren Details dieses Vorganges wollen
wir sprechen. Der überwiegende Teil der südslavischen
Geschichtsschreiber behauptet, daß Stefan Vukcic mi t
10*
148
Erlaubnis Friedrichs III. den Herzogstitel angenommen
habe. Der eine schrieb diese Behauptung vom anderen
ab, den Kronisten getreu folgend, deren Reihe Luccari
eröffnet.
1
Jene, die von Friedrich III. den Ursprung
dieser Würde herleiten, weichen in ihren Angaben
nur bezüglich des Jahres der Titeländerung von ein-
ander ab, so daß die kronologische Bestimmung zwischen
1440—1448 schwankt. Der älteste Kronist ist eigent-
lich Orbini, der in seinem 1601 erschienenen Werke
keine Jahreszahl bringt, sondern einfach konstatiert,
daß Stefan seinem Lande nach dem heiligen Sava den
Namen gab.
2
Die älteren Historiker übernahmen ganz
einfach diese Behauptung und beschränkten sich höch-
stens darauf, daß der eine die Annahme des Herzog-
titels vor 1448, der andere in das Jahr 1448 setzte,
aber den Umständen, unter welchen Kaiser Friedrich III.
mit dem Yojvoden bezw. dem späteren Herzog Stefan
in Beziehungen trat, ist noch niemand nachgegangen.
Neuerlich hat sich Cyrill Truhelka, der verdienst-
volle Leiter des bosnischen Landesmuseums in Sara-
jevo, eingehender mit dem Gegenstande beschäftigt,
3
wobei er an die Besprechung einer an der Kirche von
Gorazda aufgefundenen, angeblich vom Herzog Stefan
herstammenden Inschrift anknüpft. Nach Truhelka, ist
die Frage entschieden, da der Großvojvode seiner Mei-
nung nach den Herzogstitel vom Papst Eugen IV.
erhielt und er führt zur Erhärtung seiner Annahme
ein Zitat eines von Ljubic mitgeteilten Jahrbuch-Frag-
mentes von Venedig an.
4
Dort finden wir zum April
1
Luccari. S. 104. „Egli ebbe nome del Duca da Federioo III. Impe-
ratore ed Slavo si chiamö herzeg."
2
Orbini. S. 382. „Et al suo Stato altresi die de un' altro nuovo
nome, chiamandolo Ducato di Santo Sabba "
3
Wissenschaftl. Mitt. aus Bosn. u. d. Herz. III. 503.
4
Ljubic : Comm. et rel. Venetae Mon. I. 3. „Si osserva, che il conte
Stefano possiede terre in conflne di Cattaro, ßagusa e Spalato, e che era
eretico, ma che gli fa spedito J' ambasciator Gradonigo, il quäle lo ridusse
in seno alla chiesa onde ebbe del papa il titulo di duca di S. Sava."
149
1449 die Nachricht, daß der König von Bosnien gegen
den Vojvoden Stefan — seinen Schwiegervater —
deshalb ins Feld ziehen wolle, weil dieser sich weigere
sich zum katholischen Glauben zu bekennen. Die
Gesandten wünschen 200 Balistare auf ihre Kosten
schicken zu lassen und ersuchen die Republik, dem
Vojvoden kein Salz mehr zu geben. Das Jahrbuchs-
Bruchstück bemerkt aber, daß Gradenigo, der Gesandte
von Venedig, den Vojvoden Stefan für die römische
Kirche gewann und der Papst ihm deshalb den Herzog-
titel von Sankt Sava verlieh.
Es ist zu bemerken, daß diese Jahrbücher nur
Auszüge sind und nur einzelne Bruchstücke enthalten;
wo diese Bruchstücke von archivalischen Belegen ge-
stützt werden, sind sie zweifellos glaubwürdig. Was
den ersten Teil des Gesagten betrifft, daß die Gesandt-
schaft des Stefan Thomas im April des Jahres 1449
in Venedig war, ist das sicherlich richtig. Am 7. April
hielten sich die bosnischen Gesandten dort auf. Sie
erzählten, der Vojvode Stefan möchte Herzog von
Spalato werden. Die Republik antwortete, sie sei auch
darüber benachrichtigt. Sie erlaube die Werbung und
gestatte den Bosniern die Salzaufhahme in Spalato,
ebenso wie das auch Stefan an der Narenta (Metkovic)
erlaubt ist.
1
Wir wissen aber, daß die Gesandten des bosnischen
Königs auch sagten, der Großvojvode möchte durch den
König von Aragonien, Alfons, den Herzogstitel erlangen.
2
In diesem Punkte wäre die Glaubwürdigkeit des von
Truhelka zitierten Jahrbuch-Bruchstückes zu beweisen.
Dafür aber, daß Stefan vom Papste den Herzogstitel von
1
Ljulric: Listine 360. „Glasnik". Safai-ik XIV. 1441.
2
„Secr. con. Rog. XVIII. 82. 1449. apr. 7. Quod spectabilibus
oratoribus Domini regis Bosnie, qui dicunt prefatum serenissimurn regem
nobis denotari faeere, quod comes Stefanus de Bossina suus et rioster
inimicus querit se creari faeere per regem Aragonum ducham Spalati,
Vit titulum habeat ipsius civitatis."
150
Sankt Sava erhalten hätte, ist weder aus dem vatikani
schen, noch aus irgend einem anderen Archive ein Beleg
beizubringen. Truhelka sucht seine diesbezügliche Behaup
tung damit zu beweisen, daf3 Vojvode Stefan aus Furcht
vor der ihm päpstlicherseits angedrohten Exkommuni
kation, wenn auch nur scheinbar sich zum katholischen
Glauben bekehrt habe, nach Erlangung des Herzogtitels
aber wieder ein Patarener wurde. Alles, was er vom
Charakter Stefans sagt, entspricht vollkommen den Tat
sachen, was er aber aus Themer zitiert, beweist durch
aus nicht, daß Stefan sich zum katholischen Glauben
bekehrt hätte.
1
1449 schreibt j a sogar der Papst selber
an den Bischof Thomas Tomasiu von Lesina, Stefan
Thomas sei zwar ein guter Katholik, von seinen Haupt
anhängern seien aber sein Schwiegervater, Vojvode
Stefan und Vojvode Johann Pavlovic — der vor
3 Jahren katholisch geworden war, dann aber von
neuem ein Renegat wurde — Häretiker.
2
Daraus geht
hervor, daß einerseits der Papst 1449 Stefan noch
Vojvoden nennt und daß andererseits dieser noch ein
Häretiker ist; daß er es später wieder war, anerkennt
Truhelka selbst. Wie wir unten sehen werden, hat aber
Stefan schon 1448 tatsächlich den Herzogstitel an
genommen. Unseres Erachtens ist also in den histo
rischen Jahrbüchern Venedigs der letzte Passus eine
Kombination des Jahrbuchschreibers.
Für die Richtigkeit unserer Behauptung, führen
wir eine Mitteilung der Kronik Resti's vom Jahre
1448 an. Da wird ausgeführt, daß Stefan Kosaca seinen
Gesandten Radich Stiepcovich nach Ragusa geschickt
habe, um die Republik darüber in Kenntnis zu setzen,
daß er den Herzogstitel — italienisch duca — an
genommen hätte, den ihm der bosnische König verliehen
* M. H. IL 236. Raynaldi Annales.
3
Dies bezieht sich nicht auf Stefan, der noch immer im Greuel
der Häresie verharre.
151
habe.
1
Der erste Teil der Behauptung Eesti's entspricht
der Wahrheit, da Stefan 1448 wirklich einen Ge-
sandten nach Ragusa geschickt hat und die Ragusaner
am 17. Oktober 1448 ihn anläßlich der Annahme
der herzoglichen Würde beglückwünscht haben.
2
Daraus
erhellt, daß Herzog Stefan vor dem 17. Oktober 1448
den Herzogstitel angenommen haben muß. Daß er aber
diese Würde nicht vom bosnischen König erhalten hat,
beweist die zitierte Mitteilung aus dem venezianischen
Archiv, welche besagt, daß der bosnische König gegen
seinen Schwiegervater die Klage erhebt, daß derselbe
durch den König von Aragonien den Herzogstitel erlan-
gen wolle. Es ist also unbedingt ausgeschlossen, daß
der bosnische König mit der Verleihung des Titels
etwas zu tun gehabt habe; das hat nur der Kronist
Resti hinzugefügt, um die Sache zu erklären. In neuester
Zeit hat sich ein junger serbischer Historiker, Alexius
Ivits mit der Sache beschäftigt. Wir fühlen uns ver-
pflichtet auch unsere Meinung über den Gegenstand
zu äußern, denn der Autor beruft sich auf unsere
Behauptung, Vojvode Stefan habe den Herzogstitel
selber angenommen, ohne daß wir dies näher moti-
viert haben. Wir haben nur die Erörterung der ganzen
Frage auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
Ivits hat das ganze bibliographische Material fleißig
zusammengestellt, wie auch die Meinungen der einzelnen
Autoren. Er hat Recht, wenn er die Behauptung Jorga's
widerlegt, die Ragusaner hätten dem Vojvoden den
Herzogstitel verliehen. Es ist nicht anzunehmen, daß die
Stadt Ragusa, die eine ganze Reihe bosnischer Könige
und vornehmer Nachbarn unter ihre Bürgerschaft auf-
1
Itesti. S. 297. „Nel medesimo tempo d'operazione tante irregolari
mandö — Stefano Cosaccia — a Ragusa Radich Stiepcovich, suo
anibasciatore, dar parte alla republica di aver preso il titulo di herzeg,
ehe in italiano suona duea, concessoli dal re Bossina."
2
Jorga. Not IL 17. Okt.: „respondendi ambasciatori wojvode
Stephani super ambaxiata exposita et congratulandi de nova dignitate
Cherzech acquisita."
j
152
genommen hat, plötzlich eine solche Würde verliehen
haben sollte, wozu sie kein Eecht besaß; in. Venedig
war j a auch nur das gewählte Haupt des Staates dux.
Ivits widerlegt auch Truhelka. Das Ergebnis seiner
Forschungen ist, Herzog Stefan habe den Herzogstitel
zwischen den 16. September und 17. Oktober 1448 an-
genommen und zwar unmittelbar vor der zweiten Schlacht
am Amselfelde (19. Oktober 1448), und die Türken hät t en
diesen Titel in Würdigung seiner Treue anerkannt.
Das folgt aus dem Briefe des Diplomatarium Ragusa-
num vom 23. März 1455, in welchem die Ragusaner
schreiben: „wenn derjenige ein Herzog genannt werden
darf, den der Türke mit dem Herzogstitel geschmückt
hat.
1
All das, was von Ivits behauptet wird, ab-
gesehen von der kronologischen Bestimmung, die sein
Verdienst ist, war auch uns vollkommen bekannt.
Jedoch bringt dies die Frage nicht ins Reine; es ist
gut zu wissen, aber nur von untergeordneter Bedeu-
tung. Die Frage, wieso der Name Friedrichs III. so
konsequent in der Darstellung der Kronisten vorkommt
und weshalb deren überwiegende Mehrheit immer das
Jahr 1448 angibt, hat uns längere Zeit beschäftigt,
so daß wir — unserer Meinung nach — eine befrie-
digende Erklärung geben können. Des gründlicheren
Verständnisses w
T
egen beginnen wir mit den bosnisch-
herzegowünschen Relationen.
Stefan Ostoja König von Bosnien schickte am
1. Februar 1415 seinen Gesandten Obrad Restoic zum
König Sigismund nach Konstanz. Er ließ den ungarischen
König bitten, er möge ihm für seine sämtlichen Be-
sitzungen eine Bestätigungsurkunde und zwar mit dem
kaiserlichen Siegel versehen, ausstellen. Und bekanntlich
hat Sigismund, als ungarischer König auf Grund des
Dmstandes, daß Bosnien in einem engeren, sozusagen
1
Dipl. Rag. 23. März. 1455 : „chicem Stefanum, si ducem appellari
fas est, quem Tencri ducali nomine deeoranmt. "
153
Lehensverhältnisse zu Ungarn stand, nicht nur Ostoja,
sondern auch Hervoja und später Sandalj Hranic
mehrere Versicherungs- und Bestätigungsbriefe gegeben.
König Stefan Ostoja aber, der einerseits das Majestäts-
recht des ungarischen Königs nicht in Zweifel gezogen
hatte, sah andererseits formell eine größere Sicherheit
darin, wenn er eine, mit dem kaiserlichen Siegel ver-
sehene Urkunde von Sigismund bekam.
1
Hierin liegt also der Beweis, daß ein bosnischer
König größerer Sicherheit halber, die kaiserliche Be-
stätigung seiner Rechte verlangt.
Der Umstand, daß der bosnische König sich an
den römisch-deutschen Kaiser wendet, brachte uns
auf den Gedanken, es könute eventuell im Register
Friedrichs III. eine Urkunde verborgen sein, die sich
auf die Angelegenheit des Herzogs Stefan bezieht.
In den uns überlieferten Registerbänden fanden wir
aber keine Spur einer Aufzeichnung, so wie auch
nicht in der Sammlung Birks, der sich mit der Zeit
Friedrichs III. durch ein Menschenalter beschäftigt hat.
Wir haben aber in der Abschriftensammlung des k. u. k.
gemeinsamen Finanzarchives eine Urkunde Kaiser
Friedrichs III. vom 20. Juni 1448 aufgefunden, die aus
einem vermutlich verborgenen oder verlorenen Begister-
bande von 1446—1460 abgeschrieben ist.
Die Urkunde l aut et :
Fri deri eus. dei gratia Romanorum rex semper augustus,
Austrie, Stirie. Karinthie et Carniole dux, comes Tirolis etc.
Not um facimus tenore presentium imiversis, et si regie digni-
tatis dement i a universorum fidelinm, quos latitudo orbis com-
plectitur, felicibus profectibus gratis comodis et speratis augmen-
tis semper favorabiliter dignetur mt endere, ad illorum tarnen
comoda et profeetus diligentiori studio clementius inclinari eon-
1
Diese Urkunde enthält das Manuskript Nr. 1772 des Staats-
archivs in Wien: einen Auszug hat Jorga davon im angeführten Werke
Kap. 1274 gegeben. Das Datum haben wir deshalb auf das Jahr 1415
gesetzt, weil die Urkunde zwischen zwei 1415 datierte Urkunden ein-
gebunden ist.
154
suevit, quorum merita, fides et eonstantia, ac interne fidelitatis
integritas continuatis studiis ceteros antecedunt, sane pro parte
magnifici Stephani de Zokol waywode regni Bosne nobis humi-
liter extitit supplieatum. quaterras omnes et singulares gratias
et privilegia, olim patruo suo Sandal per dive memorie Sigis-
mundum imperatorem. necnon regem Ungarie etc. coneessas et
concessa, et sibi per felicis recordationis regem Älbertum patruum
nostrum et Elizabeth contlioralem suam confirmatas et confir-
mata, in qnibus infrascripta eastra forent comprehensa, videlicet
castrum Solco cum dominio Strynon, castrum Btoyeweez castrum
Boytrynecz. castrum Bratal, cum omnibus pertinentiis suis.
castrum Samatur, castrum Klekli, castrum Ossonitzk, castrum
Gurgewetz, castrum Hersowetz. castrum Gukani, castrum Koz-
nik, castrum Sewerin, castrum Konin, castrum Millesclietsky,
castrum Osstrikcb. castrum Saslon petysehytynskey, castrum
Sozet, castrum Moratsky, castrum üstrog, castrum Budosch,
castrum Globukch. domus Novy, castrum Ryssen, castrum Mit-
chewetz, castrum Konowaltsky, castrum Glutsch, castrum Med-
wed, castrum Blagay, castrum Bentschecz, castrum Widossky.
castrum Grizzora, castrum Beczitel, castrum Neboyze, castrum
Ymotzky. castrum Wereraetz, castrum Nonya. castrum Breta.
castrum Byssucy, castrum Rog, castrum Prolesetza. castrum Stary.
castrum Krutscerwetza, castrum Onusch pollitza, castrum Welli-
grad, castrum Borowatz, castrum Wreawetz, castrum Wellskey.
castrum Welletin, castrum Ckaw, castrum Odezky, castrum
Geletz, castrum Durosch, castrum Ossypp, castrum Syr, castrum
Wyzystrizky, castrum Ostrowitz, castrum Hodyeded, castrum
Sozzed, castrum Rabenzky et dominium Czaryna Olofska cum
eorum pertinentiis, que omnia et singula cum suis pertinentiis
ipse in presentia pacifice possideret, et in quibus litteris etc.
contineretur, ut ipsi et heredes sui cera rubea in sigillatione
litterarum quarumcunque uti possent pro se necnon Laclislao et
Wladkone filiis suis sub sigillo Serenissimi principis Ladislai
Ungarie et Bohemie regis, ducis Austrie etc. patruelis nostri
carissimi roborare, innovare et confirmare dignaremur. Cum vero
idem patruelis noster nondum annos discretionis attigerit, neque
regimen regnorum et dominiorum suorum exerceat proprio quo-
que sigillo non utatur, cpiorum occasione huiusmodi confirma-
-torie littere sub sigillo dicti patruelis nostri ad presens minime
potuerint emanare, nos attentis fidelibus obsequiis prelati waj-
wode pretactis Sigismundo imperatori et Alberto regi eiusdem
patruelis nostri, avo et patri incessanter exliibitis, uti veridica
relatione didicimus et nobis, ac prefato regi Ladislao prout se
155
r nuntios suos in presentia nostra obtulit, futuris temporibus,
iideliter exhibendis animo deliberato, sano quoque nobilium et
aliorum nostrorum fidelium accedens consilio, ac de certa scientia
prenominato Stepbano promissimus et polliciti sumus, promitti-
musque et pollicemur per presentesque prefatum patruelem
nostrum regem Ladislaum, cum ipsum ad annos discretionis
pervenire contigerit, ad pretactas roborationes, innovationes et
eonfirmationes dandas et concedendas inducemus, dolo et fraude
quibuslibet procul motis. Harum testimonio literarum nostras
regie maiestatis sigillo munitarum. Dat um Vienne, vigesima
mensis Januari i anno domini millesimo quadringentesimo (qua-
dragesimo) octayo, regni vero nostri anno octavo.
Neuere Abschrift im Archive des k. u. k. Finanzministeriums.
Hungarn 1. Fase.
Oben: ^Tjgr Kaiser Fri edri ch I I I . vom J ahr e 1446
bis 1460.
1
Die Urkunde erzählt in der Einleitung, Stefan
von Sokol habe sich (von seiner Hauptfestung
Konavlje aus), mit der Bitte an den Kaiser ge-
wandt, dieser möge seine Besitzungen und Festungen,
mit all jenen Privilegien, die Kaiser Sigismund,
König von Ungarn, seinem Onkel, Sandalj Hranic, ver-
liehen hat und die ihm von König Albrecht und von
dessen Frau Elisabeth bestätigt wurden, neuerdings
verleihen. Im Folgenden werden alle Festungen und
Domänen aufgezählt, die in ihrer Gänze seine Länder
bilden.
2
Prinzipiell bestätigt der Kaiser das Eigentumsrecht
der aufgezählten Besitzungen, die Vojvode Stefan und
seine Erben —- denen auch das Recht mit rotem Wachs
zu siegeln zustehen soll — innehaben. Der Vojvode
hat t e gebeten, Kaiser Friedrich möge diese Besitzungen
in seiner Eigenschaft, als Vormund Ladislaus', Königs
von Ungarn und Böhmen, Herzogs von Österreich, mit
1
Urkunden-Anhang Nr. XLVII.
2
Wir müssen bemerken, daß diese Urkunde eine spätere Abschrift
ist, in der die slavischen Namen schon ursprünglich mit deutscher Ortho-
graphie geschrieben wurden und daher nur mit großer Mühe zu rekon-
struiren sind.
156
dem königlichen Siegel bestätigen, Da aber König
Ladislaus das freie Verfügungsrecht noch nicht erreicht
hat t e und infolgedessen nicht siegeln durfte, konnte der
Kaiser die Bitte in dieser Form nicht erfüllen, weil er
kein königliches Siegel anwenden durfte. Mit Hinsicht
auf die eigenen Verdienste des Vojvoden, sowie auf die
von seinen Vorfahren dem Kaiser Sigismund und dem
König Albrecht erwiesenen Dienste, von welchen er
von glaubwürdiger Seite in Kenntnis gesetzt worden
sei, und unter Berücksichtigung alles dessen, was seine
(des Vojvoden) zum König Ladislaus geschickten Boten
vorgetragen haben, die die Bereitwilligkeit ihres Auf
traggebers auch für die Zukunft in Aussicht stellten,
sowie mit Zustimmung seiner Räte verspricht der Kaiser
gleichwohl, daß wenn sein Neffe, König Ladislaus, groß
jährig werde, er die verlangte Bestätigungsurkunde von
diesem erwirken wolle.
Aus dieser Urkunde ist zu ersehen, daß Vojvode
Stefan Anfang 1448 eine Gesandtschaft zum König
Ladislaus, bezw. zu dessen Vormund, dem Kaiser
Friedrich nach Wien geschickt hat, um für seine
Besitzungen solch ein Privileg zu erhalten, wie es
seinem Onkel Sandalj Hranic und seinerzeit ihm
selbst zuteil geworden sei. Durch diesen Schritt wollte
er also seitens der ungarischen Krone die Kontinuität
der Bestätigung erwirken. Der Kaiser verfügt nicht auf
Grund seines Imperiums, sondern er stellt als Vormund
Ladislaus' eine, sozusagen provisorische Bestätigungs
urkunde aus, mit dem Versprechen, das endgültige Pri
vileg später ausstellen zu lassen, wenn König Ladislaus,
zu dessen Majestätsrechten dies gehöre, die Großjährig
keit erreicht habe. Es ist also von einem unter kaiser
lichem Siegel gemachten Versprechen die Eede. Vom
Herzogstitel geschieht in der Urkunde keine Erwähnung.
Tatsächlich wurde diese Urkunde von Friedrich III.
1448 ausgestellt und wurde dem Vojvoden Stefan
157
eingehändigt, infolgedessen hat die von den Kronisten
mitgeteilte Angabe insoferne einen gewissen Kern, da
der Vojvode Stefan mit Kaiser Friedrich III. 1418 t at
sächlich in Verkehr stand.
Daß diese Urkunde für den Vojvoden Stefan
von großer Wichtigkeit war, ist unbedingt sicher.
Es ist auch Tatsache, daß Vojvode Stefan die Herzogs
würde unter dem Eechtstitel anstrebte, daß Hervoja
Herzog von Spalato war. Diese Urkunde kam vermutlich
Anfang März in seine Hände. Der Zeitpunkt stimmt
also mit der Aktion des Vojvoden Stefan überein,
der vor dem 17. Oktober desselben Jahres den Herzog
titel angenommen hat und davon seinen Nachbar, die
Republik Ragusa,, verständigte.
Nun fehlt nur noch ein Glied in der Kette um den
Nachweis geführt zu haben, wie die Annahme des
Titels vor sich ging. Wie wir gesehen haben, konnte
er vom Papste den Titel nicht bekommen; ebenso ist
es ausgeschlossen, daß er ihm von seinem Schwieger
sohn, dem König von Bosnien zuteil geworden wäre.
Der König von Aragonien mit dem zwar der
Vojvode in lebhaftem Verkehr stand, hat ihm eben
falls diese Würde nicht verliehen.
1
Es bleibt also nur
eine einzige Annahme, die eine Wahrscheinlichkeit für
sich hat, daß nämlich Vojvode Stefan unter Berufung
auf diese Bestätigungsurkunde, wie Orbini schreibt,
sein Land nach dem heiligen Sava nannte, und sich
selbst, wie Hervoja 1409 mit der Zustimmung König
Sigismunds, für einen Herzog erklärte.
Auf den Umstand gestützt, daß die Gemahlin
Sandaljs, des Onkels des Vojvoden Stefan, die Tochter
1
Daß er vom König von Aragonien den Titel dux sancti Savae
nicht erhalten haben konnte, beweist der Umstand, daß ersterer ihn noch
am 23. Oktober 1450 Stefano magno vojvoda et Duci Boccine nennt
und erst am 16. Oktober 1450 magno vojvoda Regni Boccine ac comiti
sancti Save, am 15. September 1450 duci Bosnie, am 18. Mai 1451 nur
dux, am 8. November 1454 duci Bosniae. Man war also selbst in Neapel
über diese Würde Stefans nicht in klarem.
158
des serbischen Knez Lazar war, nnd seine eigene Frau
die Tochter des letzten Balsa, des Herrn der vom
heiligen Sava organisierten Zeta war, hat er im Hin-
blick auf diesen historischen Rechtstitel ein unabhän-
giges Land in das dortige Staatensystem eingefügt.
Diese Würde mußte er natürlich durch die Nachbaren
und das Ausland anerkennen lassen. Die Ragusaner
haben sie, wie wir gesehen haben, sofort anerkannt.
Wenn sie 7 Jahre später 1455 schreiben: „Wenn er
ein Herzog genannt werden darf", so ist das der
Erbitterung zuzuschreiben, die nach dem fast drei-
jährigen blutigen Kampfe zwischen ihnen und dem
Herzog Stefan natürlicher Weise eingetreten war; es
kann dies aber gleichzeitig als Beweis dafür dienen,
daß Stefan sich nur selbst zum Herzog erklärt habe,
und daß dieser selbstgewählte Titel sich eingebürgert
hat, steht zweifellos mit der Zustimmung des wich-
tigsten Protektors des Fürsten Stefan, des türkischen
Sultans im Zusammenhange. Daß der Sultan selbst
ihn mit diesem Titel des Westens nicht bekleidete,
ist nicht zu bezweifeln, daß er aber durch die am
Hofe des Sultans überreichten Geschenke die Pforte
dazu bewog, den schon zur Zeit Hervoja's gebrauchten
Herzogstitel anzuerkennen, können wir, obwohl kein
direkter Beleg dafür vorliegt, als sicher annehmen.
Die Herzogswürde, als solche, ist in der süd-
slavischen Terminologie unbekannt und hat sich in
ihrer ungarischen Form eingebürgert, die auch die
Türken mit dem Ausdrucke „Hersek" angenommen
haben.
Herzog Stefan nennt sich in einem Schreiben vom
19. Juli 1453 folgender Weise:
1
„ MN rOCnO^HHK ÖT-blliXHh XfülltrK IV^h CBETOrA GäBE,
rocno^apti ^S' MCKH M npHMOphCKH, BEAHKH BOEFiO^& ptfcanx
' Mikbsich a. W. S. 457.
159
KOCKHCKOra, KNt gh ^pHHhCKH H BEIIE, CHMh H ^ N^ Kh MNOTO
noMTEHOra H rAACHTOnx cnOMEN^Tbra r ocno^Hua K H ^ A fi^icua
H rocno^HHA G&H^aAi n, KHBi mra BEAHKOTA BOEEO^E o^cara
KOChHCKOnX H BttlE".
„Wir Stefan Herr, Herzog von Sankt Sava, Herr
von Hum und vom Küstengebiet, Großvojvode von
ganz Bosnien, Fürst des Drina-Gebietes usw., Sohn
und Enkel des hochgeschätzten, berühmten Vukcic
und Sandalj, des ehemaligen Großvojvoden von ganz
Bosnien etc." Aus dieser Titulatur geht hervor, daß
das Herzogtum nach dem heiligen Sava benannt ist
und daß die Bestandteile dieses Landes Hum und die
Meeresküste waren, aber gleichzeitig wird die Zuge-
hörigkeit zu Bosnien durch den aus der ungarischen
mittelalterlichen Terminologie entnommenen Ausdruck:
Großvojvode des bosnischen Landes, worunter das
ganze bosnisch-herzegowinische Staatsgebiet zu ver-
stehen ist, betont, sowie auch durch die Bezeichnung
Knez, d. h. Herr der Drina-Gegend.
Natürlich steht nur ein eigenartiges Bild mittel-
alterlicher Staatengründung vor uns, das sich mit der
Person des jeweiligen Inhabers des Thrones — wenn
wir ihn so nennen dürfen — ändert. Aus je mehr
Teilen ein Land besteht, desto mehr Titel hat es.
Auch hier bezeichnet nur die herzogliche Würde die
Zusammengehörigkeit der einzelnen Teile.
2. Das Gebiet des Herzogtums von SanM Sara
(Herzegoivina).
144S—1454.
(Mit einer Kartenbeilage.)
So weit es auf Grund der schlechten Schreibweise
möglich war, waren wir bestrebt — aus der in un-
serer vorhergehenden Studie mitgeteilten Urkunde von
144S — die einzelnen Ortsnamen zu erklären und
160
sie auf der anliegenden Kart e einzuzeichnen. Aber zur
kartographischen Darstellung des Landes Herzogs Stefan
mußten wir außer der erwähnten Urkunde auch den
Vertrag in Betracht ziehen, den Alfons, der große
König von Neapel mit Herzog Stefan Kosaca 1454
geschlossen hat.
Bevor wir jedoch hierauf näher eingehen, müssen
wir den Vertrag König Alfons' von Neapel mit Herzog
Stefan vom politischen Gesichtspunkt aus würdigen.
Aus der von Thomas Stefan, König von Bosnien
am 7. April 1449 vor der Republik Venedig erhobenen
Klage entnahmen wir, daß Herzog Stefan mit König
Alfons von Neapel Verhandlungen pflog, über die
Besetzung der Gegend von Spalato. Im Kriege zwischen
Venedig und Neapel war Herzog Stefan daran, sein
Land mit Hilfe Neapels auf Kosten Venedigs „abzu-
runden". Als König Alfons mit Venedig Friedens-
verhandlungen führte, stellte er Stefan schon am
15. August in Aussicht, daß er auch in den Frieden
inbegriffen sei. Der Friede kam im Monate Oktober
desselben Jahres zustande und so entstand zwischen
der Republik Venedig und dem Herzog Stefan ein,
wenn auch nicht sehr inniges, dennoch erträgliches
Verhältnis. Der Kampf mit Ragusa 1451 und später
seine Stellung zu seinem Sohne Ladislaus hat diese
herzegowinisch-neapolitanischen Beziehungen zwar nicht
unterbrochen, sie wurden aber erst dann wieder aktuell,
als 1454 die Familie Kosaca sich wieder ausgesöhnt
und die Stellung des Herzogtums Sankt Sava durch
die Heiraten der Herzogssöhne Ladislaus und Vlatko
wenigstens äußerlich verstärkt wurde.
1
1
König Alfons nennt Ladislaus in seinem Briefe von 11. Oktober
1454: „Serenissimus princeps consanguineus". (Urk.-Anhang LXIV.)
Dieses Verwandtschafts-, bezw. Freundschaftsverhältnis kommt in einem,
am l . J u n i 1454 in Neapel datierten Staatsakte, bezw. Schut z-und Trutz-
bündnisse, welches für den Vojvoden Stefan höchstwichtig und für die
Richtung der 1-Salkanpolitik charakteristisch ist, zum Ausdrucke.
161
Herzog Stefan schickte 1453 seine Gesandten,
namens Bucija und Radivoj zu König Alfons von
Neapel, um mit ihm über verschiedene Angelegenheiten
übereinzukommen. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit
der gegenseitig abzuschließenden Verträge, schickte der
Hof von Neapel diese Gesandten mit gewissen Punkten
wieder in ihre Heimat, um dort dieselben ihrem Herrn
vorzulegen. Nachdem der Herzog und seine Ratgeber
hierauf in der Burg Kljuc diese Punkt e besprochen
hatten, gaben sie ihren Bevollmächtigten eine Urkunde
mit und sandten sie von neuem nach Neapel. Herzog
Stefan verspricht in der Urkunde folgendes:
Er würde mit allen seinen Untertanen im Krieg
und Frieden der Bundesgenosse des Königs Alfons
sein, natürlich unter Wahrung der Interessen seiner
Freunde und jener des türkischen Sultans, dessen
Diener er sei. Dieses Schutz- und Trutzbündnis bezog
sich auf das Gebiet von Bojana bis Zara und die zur
Burg Zeta gehörenden zentralen Gebiete, sowie auf
die Burgen und Städte, die König Alfons in Albanien
innehatte und die vom Lande Georg Kastriota' s un-
abhängig waren. Außerdem verpflichtete sich der Herzog,
den König von Zeit zu Zeit mit Geschenken zu bedenken
„wie dies bei guten Dienern und guten Freunden
üblich sei". Gleichzeitig stellt er auf Wunsch des
Königs im Falle eines Seekrieges so viele Leute zur
Verfügung, als er nur kann, der König sei aber
verpflichtet dieselben in der Zeit, während sie ihm
dienen, auf eigene Kosten zu verpflegen und ihnen
dann die Rückkehr in ihre Heimat zu erlauben.
Herzog Stefan verspricht gleichzeitig, er wolle
falls ihn der König vom Dienste und der Steuer an
den türkischen Kaiser und von all den Herrn, die
ihn zu beherrschen trachten (die Spitze dieser Bestim-
mung ist gegen den ungarischen König gerichtet),
zu befreien vermag, dem Könige jährlich 5000 Gold-
11
162
stücke zahlen. Diese Verpflichtung gilt auf die Lebens-
dauer des Königs und seines Sohnes Ferdinand, Herzogs
von Kalabrien. Natürlich ist diese Verpflichtung nur
dann zu erfüllen, wenn er vom türkischen Vasallentum
befreit wird. Der Herzog bedingt sich aus, daß er, solange
er unter türkischer Herrschaft steht, als Schützling
des Königs von Neapel und dessen Sohnes betrachtet
werde. Er solle das Recht haben, im gegebenen Falle
seine Gesandten an den Hof des Königs zu schicken;
auch sollen die Fürsten an der jenseitigen Küste der
Adria (also die Fürsten Italiens) über dieses Verhältnis
in Kenntnis gesetzt werden, damit sie wüßten, daß
er der Diener und Freund des Königs sei. Hiemit will
er betonen, daß er auch in dem Falle ein treuer Ver-
bündeter Neapels bleibe, wenn er von der türkischen
Herrschaft befreit wird, weil er immer für einen Diener
und Freund des Königs gehalten werden will. Die
Urkunde ist in Kastelnuovo (Herzeg-Novi im Golf von
Kattaro) am 30. März 1454 gegeben.
Nach einer feierlichen Einleitung erklärt König
Alfons seinerseits, daß er von neuem alles das bestätige,
worüber mit den Gesandten des Herzogs eine Einigung
erzielt worden sei und wozu Stefan in seiner Urkunde
seine Zustimmung gegeben habe.
1. Er verspricht und versichert, daß er die Person
des Herzogs und seiner Söhne und seine sämtlichen
Edlen und Untertanen samt allen ihren Gütern unter
seinen Schutz nimmt. Er wird sie als seine Schützlinge
behandeln und diese seine Pflicht wird er immer
erfüllen. Der Herzog, seine Söhne oder Gesandten
können also in sein Königreich und Land unangefeindet
kommen und gehen, wie und so oft es ihnen beliebt.
2. Ferner werden er und sein Sohn Ferdinand
von Aragonien, Herzog von Kalabrien, ihn und alle
seine Barone gegen Ungerechtigkeit, Übel und Schaden
jeder Art, die sie in ihrer Person oder in ihren Gütern
163
treffen können, schützen und, um einen modernen Aus-
druck zu gebrauchen, ihm seine Besitzungen garantieren.
Ferner verspricht der König, er wolle falls gegen
den Herzog oder sein Land von jemandem Krieg ge-
führt würde, mit dem er in keinem Bündnisse stehe
und der nicht sein Freund (nämlich der des Königs)
sei — darunter auch die Republik Ragusa — dem
Herzog und seinem Sohne auf jede mögliche Art Hilfe
leisten. Es ist aber ausbedungen, daß der König im
Bedarfsfalle solange nicht verpflichtet sei dem Herzog
und seinem Sohn Hilfe zu leisten, bis der Herzog für
die gewünschten Hilfstruppen und Galeeren das Geld
schicke. Ebenso bezahlt der Herzog die Truppen, so-
lange sie in seinem Dienste stehen und ist dann ver-
pflichtet sie in das Königreich zurückbefördern zu lassen.
Der Schutz ist in folgenden Sinne gemeint:
3. Er verspricht, so oft er einen Vertrag, einen
Frieden oder ein Bündnis mit einem Könige, Herzoge
oder einer Republik schließe, sowohl in den Gebieten
jenseits der Adria, wie auch in Italien, in den Vertrag
oder Frieden den Herzog Stefan, seine Söhne und
auch seine Barone, mit ihren Besitzungen, Burgen und
allen ihren Gütern einschließen zu wollen.
4. So oft der Herzog aus irgend einem Anlasse
persönlich zu ihm kommen will und ihn darüber vor-
her verständigt, wird der König die notwendigen Ga-
leeren sowohl zur Hin- wie zur Bückfahrt zur Ver-
fügung stellen.
5. Er verspricht, falls ein Herrscher oder eine
Bepublik gegen den Herzog, seinen Sohn oder seine
Länder Krieg führen sollte, den Feinden des Herzogs
keine Hilfe zu leisten und nicht zu erlauben, daß dies
einer seiner Untertanen tue.
Dies alles gelobte der König mit seinem Wort e
und stellt die Urkunde am 1. Juni in der Neuburg
Neapels aus.
l l *
164
Zu diesem Bündnisse bestimmte den König von
Neapel die Absicht, an der Küste Dalmatiens festen
Fuß zu fassen, und im Falle eines Konfliktes dort
einen Verbündeten zu haben, der vom Lande aus den
Feind beunruhige. Unter diesem Feinde war nur die
Eepublik Venedig zu verstehen, welche bestrebt war
den vollen Besitz des mare clausum Neapel gegenüber
zu erlangen, das — nach seiner Art — dem Prinzip
des Freihandels folgte. Betreffs Ragusa war der König
von Neapel anderer Meinung, als Herzog Stefan, des-
sen geheime Absicht es war die Republik zu erobern.
Der König von Neapel wußte wohl, daß Ragusa, wenn
auch nicht die stete Gegnerin Venedigs, aber doch
seine lokale Rivalin sei und deshalb „hielt er Ragusa
warm" und bedrohte es nur manchmal, wenn es sein
Interesse verlangte. Ragusa war j a gegen Venedig
direkt auf Neapel angewiesen. Die ungarnfeindliche
Spitze des Bündnisses ist wohl klar, aber auch in die-
ser Hinsicht stand das Interesse Neapels nicht in
direktem Gegensatze zu dem Ungarns. Dieses Bestreben
entsprang nur aus der momentanen Lage. Es ist na-
türlich, daß König Alfons in Dalmatien geradeso wie
in Albanien Fuß fassen wollte um dort auf Kosten
Venedigs Eroberungen zu machen, obwohl er wußte,
daß dies nur unter Verletzung der Rechtsansprüche
Ungarns möglich war.
Das Pakt um des Herzogs Stefan mit Neapel ist
eigentlich ein Schutz- und Trutzbündnis, das sich nur
in gewissen Fällen verwirklichen konnte. Eine Abgabe
und Treue hat er nur für den Fall versprochen, wenn
der König von Neapel ihn von der türkischen Ober-
herrschaft befreien kann. Vorläufig bestand der Wert
des Bündnisses darin, daß beiden Kontrahenten Mann-
schaft aus dem Lande des anderen auf eigene Kosten
gewährleistet wurde. Es ist charakteristisch, daß der
König von Neapel dem Herzog keinen Kredit geben will.
105
Vom Standpunkte der mittelalterlichen Topographie
liegt der große Wert der Urkunde darin, daß sie die
Besitzungen des Herzogs aufzählt. In der Tat hat aber
der König von Neapel in seiner feierlichen Urkunde
vergeblich die Integrität sämtlicher Besitzungen des
Herzogs Stefan gewährleistet. Die topographische Lage,
wie auch die mächtigen Nachbarn des Herzogs Stefan,
der Sultan. Venedig und Ungarn haben allzu bestim-
menden Einfluß gehabt. Herzog Stefan dachte aber,
König Ladislaus V. von Ungarn habe seine Besitzungen
bestätigt, mit dem Türken lebe er in guter Freund-
schaft, auch mit Venedig hat t e er Verbindungen gepflegt,
der König von Bosnien sei sein Schwiegersohn und so
hät t e er seinerseits alles getan, um seine Besitzungen
von allen Seiten zu sichern. Wenn er lediglich seinem
Selbsterhaltungstriebe folgend, die einzelnen Gebiets-
teile innerlich verschmolzen hätte, wäre ihm bei aus-
dauernder Arbeit ohne Zweifel der Erfolg sicher ge-
wesen. Herzog Stefan wollte aber seine Macht auf
Kosten aller jener Faktoren erweitern, durch die er seine
Besitzungen hatte garantieren lassen. Mit angeborener
Schlauheit wollte er sie von sich abschütteln, verfiel
aber dadurch in den Fehler, gleichzeitig defensiv
zu sein und dabei Raubpolitik zu treiben. So hat t e
bald jedermann die Politik durchschaut und ward sein
Feind. Die Türken erkannten zuerst die Schwäche des
neuen Herzogtums. Vorläufig führten sie den Herzog
am Gängelband, weil sie das große Menschenopfer
scheuten, das zur Eroberung des größtenteils öden und
kahlen Landes zu einem Zeitpunkte nötig gewesen
wäre, wo sie auf eine reichere und wertvollere Beute
Aussicht hatten.
Wir wiederholen aber, daß der Wer t der Urkunde
in ihren topographischen Bestimmungen zu suchen ist.
Wir geben zuerst die Ortsnamen aus der Urkunde
Kaiser Friedrichs III. von 1448 mit der schlecht
166
verdeutschten Orthographie des Originals und daneben
die heutigen Namen soweit wir sie ausfindig machen
konnten. Ebenso sind wir mit den im Vertrage des
König Alfons vom 1. Juni 1454 enthaltenen Ortsnamen
vorgegangen, wobei wir bemerken, daß wir diese Ur-
kunde im Urkundenanhang unter Nr. LXIII. mitteilen.
A) Die topographischen Baten der Urkunde von 1448.
Nach der Urlamd e
Soko
Strynon
Stoyewecz
Boytrynecz
Bratal
Samatur
Klekh
Ossonitzk
Gurgewetz
Hersowetz
Gukani
Koznik
Sewerin
Konin
Millesclietsky
Osstrikch
Saslon pety-
schytynskey
Sozet
Moratsky
Ostrog
Budosch
Globukch
donras Novy
Byssen
Mitchewetz
Konowaltsky
Glutsch
Medwed
Blagay
Bentschecz
Widossky
: Berichtigt :
Soko
Sutorina ?
Stolac
Vjetrenica
Vratar
Samobor
Klek
Osojnik
Gjurgjevac
Hrsovaca
Gucina
Kozo
Severin
Konjica
Milesevo
Ostrik
Pec ?
Zasad ?
Moracki
Ostrog
Budosi
Klobuk
Castelrnuovo
Risan
Miceevac
Konavlye
Kljuc
Medved
Blagaj
Vijenac
Vidosi
Nach der Urkunde
Grizzora
Beczitel
Neboyze
Ymotzky
Wereraetz
Nonya
Breta
Byssucy
Bog
Prolesetza
Stary
Krutscerwetza
Onusch pol-
litza
Welligrad
Borowatz
Wreawetz
Wellskey
Welletin'
Ckaw
Odezky
Geletz
Durosch
Ossypp
Syr
Wyzystrizky
Ostrowitz
Hodyeded
Sozzed
Rabenzky
Czaryna
Olofska
: Berichtigt:
0
Pocitelj
Necaj
Imotski
Obrovac
Novoselo
Breno
Visocani
Rogotin
Prolozae
Cavtat
Krusevica
Poljice
.Biograd
Borovae
Vrgorae
Veljaci
n
;J
Odzak
Gelec
p
Obod ?
Zir
Bistricki
Ostrovica
Hodzjed
Zasad ?
Rabina
Olovo
167
B) Die topographischen Daten der Urkunde von 1454.
Nach der Urkunde
Sokol
Samobor
Mileseuschi
Ostrik
(Cholmo
Severino
Crsinch
Orsonae
St. Georgi
Nova in Drina
Hosonichi
Bistrichi
Bleck
Ostruiza
Osip
Pontisterre
Jelez
Zyr_
Preliep
Wratar
Meduied
Morachii
Susied
Ostrocz
Budos
Biobuch
Berichtigt:
Soko
Samobor
Milosevo
Ostrik
Hum
Severin
Crsnica
Hrsovaea
Grjurgjevac
Nova
Osojnik
Bistricki
Klek
Ostrovica
Obod
Mostar
Jelec
Zir
Prilip
Vratar
Medved
Moraca
Zasad
Ostrog
Budosi
Klobuk
Nach der Urkunde:
Rissau
Noua
Miceuaz
Cluz
Vinencaz
Vidouschi
Blagaj
Pozitell
Novain Lucha
Lublano
Vergoran
Imoschi
Prologaz
Ro
Rixeachi
Chrusevac
Neboysse
Borouac
Biograd
Albalapis
Vraban
Weletino
Odrzchi
Obal
Oarina Olovska
Duno
Berichtigt:
Risano
Oastelnuovo
Mrcevac
Kljuc
Vienac
Vidosi
Blagaj
Pocitelj
Novasela
Lublanj
Vrgorac
Imoski
Prolozac
Rogotin
Ricice
Krusevica
Necaj
Borovac
Biograd
Bielastena
Vrbanj
Veljaci
Odzak
Obal
CarinaOrlovska
Duvno
Wenn wir die in der ebenso schlechten italieni
schen Orthographie wiedergegebenen Ortsnamen der
Herzegowina mit den in der Urkunde Kaiser Fried
richs III. von 1448 enthaltenen vergleichen, so erhalten
wir das ziemlich vollständige Bild der Besitzungen
Herzog Stefans.
Daraus erhellt, daß Stefans Herzogtum von Sankt
Sava sämtliche Bezirke der heutigen Herzegowina,
einzelne Teile Dalmatiens, des Sandschak Novibazar
und Montenegro's umfaßte. Das ganze Gebiet war ca.
300 hm"
1
, also dreifach so groß, als das heutige.
108
Die beigegebene Karte ist zwar nicht vollständig,
aber die topographischen Angaben sind für diese Ge-
biete so selten, daß diese lückenhafte Skizze auch in
dieser Gestalt als Gewinn zu betrachten sein dürfte.
1
3. Die Familienverhältnisse und Politik des Stefan Vukcic,
Herzogs von Sankt Sava.
Stefan Vukcic Herzog von Sankt Sava (1435 —
1466) hat t e drei Frauen. Die erste war Jelena (Helene)
Tochter Balsa's III. (f zwischen 28. April und 3. Juli
1421). Wann die Heirat geschlossen wurde, läßt sich
nicht auf den Tag genau bestimmen. Die Republik
Ragusa berät in ihren Sitzungen von 9., 13. und 21.
November des Jahres 1424 darüber auf welcher Weise
sie an der Hochzeit des Neffen des Vojvoden Sandalj
teilnehmen solle und bewilligt zu diesem Zwecke 400
Perper.
2
Im Gegensatz zu diesem Datum steht die
Aufzeichnung der Kronik Resti's von 1436: Stefan
Kosaea hat sich jetzt mit der Tochter Johanns von
Veglia vermählt.
3
Beruht diese Behauptung auf Wahr-
heit, so könnte nur von der Tochter Johann Frange-
pans (Sohn Nikolaus IV.), von Katharina Nelipic die
Rede sein. Es sprechen aber verschiedene Umstände
gegen diese Angabe Resti's. Alle Quellen stimmen näm-
lich darin überein, daß Ladislaus (Vladislav) der erst-
geborene Sohn des Herzogs Stefan war. Ladislaus
wurde um 1425 geboren; denn er schickt 1442 einen
eigenen Gesandten nach Ragusa, * war also schon
1
Siehe unt er den Beilagen.
2
Jorga: Notes et extraits pour servier ä l' histoire des Croisades
au XV. siecle. 2 serie. S. 223, 1. Anmerkung.
3
S. 267. 1436 : „conte Stefano Cosaeoia sposato di recente con la
figliola del conte (iiovanni di Veglia.
1
Jorga a. W. S. 388. Darüber ausführlich Ilarion Buvarac „Wissen-
schaftl. Mitt. a. Bosn. u. d. Herz." 1. Band, S. 379. Ladislaus und sein Bruder
Vlatko Urkunden schon am 7. Mai 1440. Das älteste Kind des Herzogs
war Katharina, Königin von Bosnien, (siehe in diesem Bande) geb. 1424.
Ladislaus der erstgeborene Sohn wurde 1425 und Vlatko 1426 geboren.
169
erwachsen. Die Annahme ist gerade nicht wahrschein-
lich, daß Vojvode Stefan nach der Scheidung von seiner
ersten Frau 1436 eine Frangepan-Tochter geheiratet
und später Helene wieder zu sich genommen hät t e.
Sicher bestand zwischen den Ehegatten ein Streit,
aber nicht 1436, in welchem Jahre die Kronik die
angebliche Heirat Stefans erwähnt. Erst 1452 im
Monate April wird erwähnt, wie die Herzogin mit
ihrem Sohne Ladislaus den Hof ihres Gemahls verläi3t
und ihren Sohn im Aufstande gegen den Vater unter-
stützt.
1
Den Hauptanlaß dieses ersten Aufstandes des erst-
geborenen Sohnes Stefans Vukcic' gegen den Vater
sehen die Kroniken in der ungerechten Behandlung
seiner Mutter durch denselben.
Wir müssen voratisschicken, daß zeitlich nicht
viel später schreibende Kronisten Herzog Stefan als
schlau, von veränderlicher Natur, brutal, faul, Liebhaber
des Weines und der Frauen, und des Schreibens nahezu
unkundig schildern. Wenn wir seine Eegierungs- und
politische Tätigkeit von 1435—1466 überblicken, finden
wir diese Schilderung reichlich bestätigt, und wenn
wir dazu seine Zähigkeit, seinen unglaublichen Leicht-
sinn in der Wahl bisweilen vollkommen entgegen-
setzter Mittel, die richtige und scharfe Erkenntnis bei
Erwägungen auswärtiger politischer Wirkungen be-
trachten, sehen wir einen so typischen Balkanfürsten
vor uns, der als ein Musterbeispiel hingestellt werden
kann. Er hät t e das Modell, eines Macchiavelli des
Balkans sein können. Er hat t e keine Religion, gehörte
zwar dem bogumilischen Bekenntnisse an. ließ aber
seinem Willen keine Schranke setzen. 1452 — erzählt
die Kronik
2
— kam eine schöne und leichtfertige Frau
1
Jbrga. S. 465. Die Republik von Ragusa ladet sie mit ihrem
Sohne in die Stadt ein.
2
L. ßesti. S. 825. Nach Chnlcocondylas Liber X.
170
von Florenz in die Herzegowina, Herzog Stefan hat t e
viel von der Schönheit und dem Geist der Floren
tinerinnen gehört und wollte „diese Schönheit'"' sehen.
Er sah sie, verliebte sich in sie, nahm sie an seinen
Hof nnd vernachlässigte schließlich seine Frau. Herzogin
Helene konnte diesen Zustand nicht ertragen und ver
ließ sofort mit ihrem Sohne den Hof. Der Herzog
schickte ihr zwar nach, wollte aber von dem Wunsche
der Herzogin, sein Verhältnis aufzugeben, nichts hören.
Luccari erzählt, diese Florentinern! sei eigentlich die
Frau des Ladislaus gewesen (die Tochter des Marino
Marzano, Principe di Rossano) und der Vater habe
sie verführt, daher die Rache des Sohnes und der Zorn
der Gattin. Luccari verfehlt und verwickelt die Sache.
denn Margerita de Marzano war nicht Ladislaus' son
dern seines Bruders Vlatko's zweite Frau, und auch
diese Heirat wurde nicht damals, sondern erst später
geschlossen.
:
Diese romantischen Einzelheiten können wir heute
kaum mehr aufklären. Soviel ist sicher, daß sowohl
Herzogin Helene, wie ihr älterer Sohn, Ladislaus — von
anderen Ursachen abgesehen — einer Frau wegen
Herzog Stefan verließen und gegen ihn Krieg führten.
Die archivalischen Quellen von Ragusa nennen diese
Frau „domina Helisabet de Cherzech", also „das
Weib" des Herzogs. Wir wissen, daß am 29. Juli
1452 die Republik der Geliebten des Herzogs nicht
erlaubte in der Stadt Einkäufe zu machen.'
2
Als aber
der Friede zwischen dem Herzog und seinem Sohne,
bezw. seiner damals schon kränklichen Frau zustande
gekommen war, bezw. die angebahnten baldigen Ver
handlungen schon einen Erfolg versprachen (April 1453)
1
Copioso ristretto degli amiali di Bagusa 1790. S. 165. Giovio
dichtet in seiner Istoria diese romantische Geschichte Stefan dem dri t t en
Sohne an (der erst 1456 geboren wurde). Klaic. S. 885. 2. Anm. hält
diese Geliebte irrtümlich für die dritte Frau Stefans, Cecilia.
2
Jorcja a. W. S. 450—460.
171
suchte die Republik sich auch mit der Domina auf
guten Fuß zu stellen. Ende September des Jahres 1453
starb Herzogin Elisabeth
l
und bald darauf (am 21.
Dezember) schickte die Republik Frau Elisabeth, der
Buhlerin, ein Geschenk,'
2
Dieses Verhältnis war aber nicht von langer
Dauer. Der Herzog hielt neben Frau Elisabeth auch
andere Buhlerinen, diese mohamedanische Sitte schon
im vorhinein adoptierend. Als zwischen Stefan Kosaca
und Ragusa am 15. Mai 1454 der endgültige Friede
zustande gekommen war, suchte der noch im schönsten
Alter stehende Herzog, sowohl für sich, wie für seine
beiden Söhne, Ladislaus und Vlatko — der nach Balkan-
sitte za inadbol (just) gegen den Bruder auf der Seite
des Vaters stand — Gattinnen.
Es verstrich kaum ein Monat, nach dem Tode der
Herzogin Helene, als schon Stefan am 5. November
1458 durch seine Gesandten der Republik von Venedig
notifizierte, daß er sich mit seinem Sohne versöhnt
habe und die Signoria bitte einen Repräsentanten
„zur Hochzeit seines Sohnes" zu schicken.
3
Hierauf hat
man in Venedig beschlossen um Weihnachten eine beson-
dere Gesandtschaft zum Herzog zu schicken.
Am 21. November wurde auch der Gesandte
gewählt: Anton Quirino, es wurden sechs Diener und
ein Notar ihm beigegeben und auch dem letzteren
ein Diener/ Als Geschenk hat man am 21. Dezember
20 Stück goldgewirkten Stoff ausgewählt (ein Stück um
6 Golddukaten), weil aber das Gewebe nicht entsprach,
wies der Rat zwei Dukaten mehr (8) für ein Stück an.
5
1
Jorr/a a. W. 496. .,pro oondolendo de mort e domine Helene".
10. Oktober.
3
„Ad Dominani Helisa,bet". Ebendort S. 497.
8
Ljiibic: Listine X. 19. „ad nuptias filii sui".
4
Ebendort 23.
5
Ebendort S. 2 4 - 25. 31. Dez. 1453. Der Ratbeschluß l aut et
zwar: „Cum alias capt um fuerit de mittendo nostrum oratorem ad
nuptias illustris domini ducis Stefani" woraus man auf die Ehe des
172
Die Gesandten hät t en sich Anfang Jänner 1454 in die
Herzegowina begeben sollen.
In diesem Falle handelt es sich um die Ehe des
erstgeborenen Sohnes des Herzogs Stefan. Seine Braut
war die Nichte der Irene Kantakuzene, der Frau des
Despoten Georg Brankovic: Kyra Anna (Kvga jivva
Frau Anna).
1
Auf diese Weise wollte der Herzog zwi-
schen der Familie Vukcic und der serbischen Despoten-
familie eine verwandtschaftliche Verbindung zustande
bringen.
2
Der schlaue Fürst hat mit dieser Eheverbindung
gewissermaßen eine wechselseitige Versicherung geschaf-
fen. Er selbst wollte nämlich als Witwer die Witwe
des 1453 verstorbenen kroatischen Banus, Peter
Thalloczy, heiraten und dadurch der Vormund von
dessen zwei Kindern werden, um so in den Besitz der
Zupa von Klissa bei Spalato und der seinem Lande
benachbarten Festungen zu kommen. Durch die Heirat
seines Sohnes wollte er sich auf diese Weise das Wohl-
wollen des raitzischen Despoten sichern; die Spalatenser
durchschauten ihn aber, weil sie fühlten, daß der
Her zog den al t en Dukat us von Spal at o Hervoj a' s wieder-
Herzogs selbst sehließen könnte. Aber der Beschluß vom 21. November
1453 und die vorausgehenden, weisen deutlich auf die Ehe des Herzog-
solmes Ladislaus hi n; es liegt nur ein Konzeptfehler vor.
1
Chieranna, Chierina, Chiurana, sogar in 1476 Charava heißt sie
in den Kroniken, bezw. Urkunden. Die El t ern der Anna Catacusina
Musachi ed. Hopf. Chroniques gr.-rom. S. 333, kennen wir nicht. Übri-
gens ist die Genealogie der Frau Georg Brankovi<5, geb. Irene Kanta-
kuzen (die Ehe 1414) nicht klar. Nach Hopfs,. 0. S. 536, war sie die Tochter
des Protostator Manuel Kantakuzen, bei Musachi S. 304. Giovanni K. den
er mi t Kaiser Johann Kantakuzen verwechselt ha,t. (Teilweise Mitteilung
JireceksJ Orbini a. W. S. 378, schreibt irrtümlich, daß die erste Frau
des Stefan Vukcic, also des alten Herzogs, Anna, die Tochter Georg
Kantakuzens war. Der ungenau arbeitende Kronist hat einfach die Frau
des Ladislaus Vukcic, Anna zur Frau des Vaters gemacht ; es ist aber
möglich, daß der Vater dieser Anna tatsächlich Georg Kantakuzen war.
2
„Quum inpropter nuptias et parent el l am secutas inter domi-
num despotum Rassie et ducem Stefanum". Ljubic a. W. S. 22. 15. Novem-
ber 1453. Es ist eine offene Frage, ob Kyra Anna die erste Frau
Ladislaus' war.
173
herstellen wolle. Sie verständigten also sofort Venedig,
die Kepublik möge sich mit den Kastellanen der Witwe
des Banus in Klissa, Zazvina, Signi und Petrovac eini
gen und die Erbschaft der Waisen unter ihren Schutz
nehmen. Die Bepublik durchblickte den Plan des Her
zogs und gewann die Kastellane für sich. Um das
Becht des ungarischen Königs nicht zu verletzen, sand
ten sie eine Verständigung nach Buda (Ofen), worin
sie die Sache so darstellen, das nicht von einer Besitz
ergreifung, sondern von einem Vormundschaftsaktus
im Interesse der Waisen die Bede sei.
1
Davon wurde
auch Herzog Stefan verständigt.
2
Nicht nur Venedig war aber gegen diesen weit
blickenden Plan des Herzogs, sondern auch Thomas
Stefan, der bosnische König und Georg Brankovic. Es
wäre gegen ihre Interessen gewesen, wenn das Gebiet
vom Golfe von Kat t aro bis Spalato unter türkischer
Oberherrschaft in einer Hand vereinigt würde. Sie
wußten voraus, Herzog Stefan würde sich mit dieser
teilweisen Ausbreitung nicht begnügen, sondern sein
Land auf ihre Kosten weiter abrunden.
Herzog Stefan beharrte trotzdem hartnäckig auf
seinem Plane und schrack sogar vor einer Drohung
mit dem Kriege nicht zurück.
3
Da er aber sah, daß
sein Plan überall auf Widerstand stieß, suchte er
einen neuen Weg einzuschlagen um seinem Ziel näher
zu kommen. Zuerst suchte er sich selbst eine Frau
aus einer Familie, von der er Hilfe hoffen konnte,
und dann wollte er seinen Lieblingssohn Vlatko — von
ähnlichen Bücksichten ausgehend — verheiraten. Es
handelt sich also zu gleicher Zeit um drei Heiratspläne.
' Ljubic. X. S. 25. 22. Jänner 1454,
2
Ebendort S. 29. 18. März 1454.
3
Brief Sobota's Bürger von Trau angeblich vom Ende des Jahres
1455 ; wir müssen aber glauben, daß im Datum ein Irrtum liegt, oder
die im Briefe erwähnten Tatsachen sind kronologisch irrtümlich grup
piert. Rad. I. 155. Angeführt von Klaic a. W. S. 396.
174
Von Herzog Stefan, dem Vater, wissen wir. daß
seine zweite Frau Barbara hieß. Dies tiberliefert schon
Orbini.
1
Daß in der Tat Barbara seine zweite Frau
war, geht aus dem Testamente des Herzogs von 1466
hervor.
2
Die Ehe, der schon 1456 ein Knabe entsproß,
wurde 1455 geschlossen.
3
Dieser scheint aber schon
als Säugling gestorben zu sein. Im Juni 1459 wurde
dem Herzog wieder ein Sohn geboren, Stefan (später,
als Mohamedaner, Ahmet genannt). Er hat von diesem
freudigen Familienereignis die Ragusaner sofort in
Kenntnis gesetzt,
4
mit denen er damals in freundschaft-
lichem Verhältnisse stand. Die Republik hat ihn — am
22. Juni — aus diesem Anlasse beglückwünscht.
5
das
Kind verursachte aber den Tod der Mutter; ° denn
einen Tag später, am 23. Juni drücken sie schon
ihre Teilnahme zum Tode der Herzogin aus.
7
Wir wissen
auch, daß diese Barbara „filia illustris ducis de Payro (!)"
war. Wenigstens hat dies der Oberstkämmerer des
Herzogs Stefan, Pribislav Vukotic, so dem König Alfbns
von Aragonien mitgeteilt.
8
Ob es sich um eine „baye-
rische" Herzogin oder eine andere handelt, wissen wir
nicht, allerdings war sie aus einer fremden und nicht
südslavischen Familie.
Es ist ein sonderbarer Zufall, daß Herzog Stefan
seine Brautwerber um ein Mädchen, das ebenfalls
Barbara hieß, Anfang März 1455 mit einem Werbe-
1
A. W. S. 378. Nach dem Tode seiner ersten Frau hat er Helene
geheiratet (er verwechselt sie mi t seiner ersten Frau) oder wie mau
sagt, Barbara, die deutscher Herkunft war und zuletzt Celja oder Cecilie.
(Das ist richtig.)
- Pucic: Sporn. IL S. 125.
' Basti a. W. 351. „AI herzegh nacque uti figliolo.
4
Hesti a. W. 355. „Essendoli nato un figlio maschio".
6
„De filio sibi nat o" Mitteilung Jireceks.
8
-Rests a. W. ebendort „questo acquisito del figliolo fu poco for-
tunato, poiche causö la morte alla propria madre".
' Condolencia zum Morte der „excelsa signora madonna Barbara".
Ireundl i che Mitteilung Jireceks.
5. April 1455. In meiner Sammlung.
175
hrief nach Nikolsburg zu Georg Liechtenstein schickte.
In der Tat wollte der Herzog, der j a patarenischen
Glaubens war, die Hand der Barbara Liechtenstein,
Tochter des genannten Georg Liechtenstein und der
Hedvig von Pottendorf gewinnen. Unserer Vermutung
nach kam er auf diesen Gedanken dadurch, daß
seine Gesandten, als sie im Jahre 1447 bei Kaiser
Friedrich waren, unter den deutschen und böhmischen
Adeligen Umschau hielten. Der weitblickende Herzog
wäre dadurch mit Ladislaus V. bezw. einem seiner
Hauptanhänger in Verbindung gekommen. Es ist auch
nicht unmöglich, daß dieser Plan von Ulrich von Cilli
ausging. Der Text der am 1. März 1455 in Burg
Kljuc datierten lateinischen Urkunde
1
lautet:
Nos Stefanus dei gratia dux Saneti Save dominus t erre
Huminis maritimarumque partium, comes Drine ac magnus voj-
Toda regni Bossne etc. vicem illustrium principum filiorum
nostrorum carissimomm comitis Vladislani ac comitis Vlatkonis
cunctorumque heredum et sucessorum nostrorum in nos omnino
assumentes. terore presentium significamus quibus expedit uni-
versis, quod nos ad sincere caritatis mutueque dilectionis f'er-
vorem ac perpetue societatis indissolubilem unionem quibus
altissimo opitulante unacum illustri et generosa domina Barbara
de Lichtistain matrimonialiter et legitime connectimur, summo
opere atendentes ad utriusque commodi et honorem, quibus
alter ut rum prosequi obligamur merito respicientes eidem domine
conthorali nostre delibato animo prefatorumque filiorum ac
aliorum consiliariorum nostrorum accedente ad id maturo con-
sillio pariter et assensu talem fecimus dispositionem provisionem
et ordenacionem, pr i mo: quod eandem in ritu et fide sandte
Romane ecclesie omnino preservare, sibique presbiteros, puellas
et familiam condecentem sue fidei apud se tenendum annuere .
eisdemque de expensis condignis et necessariis providere volu-
mus unacum effectu. It em si et in quantum divina permissione
1
Im Familienarchive der Fürsten Liechtenstein D. 16. Original,
Pergament, mit in rotes Wachs gedruckten, zerbrochenen, Siegel. Dreimal
von rechts nach links schief geteilt. Rundschrift: DNI . DÜCIS STEPHA . . .
Die Urkunde ist im schlechtem Latein, vermutlich vom lateinischen
Schreiber Ruggiero konzipiert. (Besti. S. 844, 351.) Wir bemerken, daß
die Urkunde mit blaulicher Tinte geschrieben ist.
176
ellemen [et elemenciap] nos primum quam ipsam dominam
Barbaram contboralem nostram carnis debitum exsolvere et ab
hac luce vitalibus exui contingeret, quod tunc proinde ipsa con-
thoralis nostra in alienis laboribus mendicitate non depravatur
set pocius iuxta status sui exigenciam honestam sumptus habeat
eondecentem sustentationem et necessitatem, eidem Talle castrum
cum suis pertinenciis ad duo milia florenorum auri etc. cum
venerit ad nos prenominata generosa domina Barbara, tunc facie-
mus coloquium, de castris ordinabimus et dabimus ac dispone-
mus, se plene extendentibus post mortem et decessum nostram
sine contradictione tenendum, proscribimus et obligamus pre-
sentium per tenorem, ista tarnen conditione, quod si et in quan-
tum filii heredes et sucessores nostri idem castrum cum suis
pertinentiis ab eadem redimere et rebabere voluerint, extune
eidem quatuordecim milia ducatorum auri que eidem pro Teris
sponsalibus et parafernalibus damus, proscribimus et ordinamus,
prius reddant et assignentur. tandem sollucione buius modi
liabita prefatum castrum iterato occupant et recipiant, ipsaque
conthoralis nostra cum ipsa summa florenorum in prefato regno
Bossne vel extra quo sue placuerit voluntati remanere venire
transponere sit libera et secura sine contradictione ae inpedi-
mento aliquali atque omnia et singula observanda et inviola-
biliter tenenda sub fide et in verbo veritatis nos attentius obli-
gamus et astringimus dolo et fraude semotis quibuscumque etc.
datum Cluzie castri nostri die prima mensis Marcij anno domini
millesimo quadringentesimo quinquagesimo quinto.
„Stefanus dei gratia dnx Sancti Save dominus
terre Huminis maritimarumque partium, comes Drine
ac magnus vojvoda regni Bosne" stellt im Namen
seiner Söhne, Ladislaus und Vlatko, sowie seiner
ganzen Familie und mit der Zustimmung seiner
Eäte für Barbara Liechtenstein, die er sich zu seiner
Frau gewählt hat, eine Urkunde aus, deren einzelne
Punkte folgende sind: 1. Da er patarenischen Glaubens
ist, erlaubt er der Braut in ihrem katholischen Glauben
zu verbleiben, Geistliche und Dienerschaft mitzubrin-
gen und versichert ihr für ihren Unterhalt Sorge zu
tragen. 2. Im Falle seines Ablebens setzt er ihr, als
Witwe einen gebührenden Unterhalt aus und ver-
schreibt ihr eine Burg, die mit der dazugehörenden Be-
177
Sitzung 2000 Gulden trägt. Falls Barbara seine Gemahlin
wird, würden sie beide einverständlich bestimmen,
welche diese Burg sein soll. Wollten seine Söhne, Erben
oder deren Nachkommen diese Burg zurücklösen, so
sind sie verpflichtet 14.000 Golddukaten zu zahlen,
die ihr der Herzog als Hochzeitsgabe gibt. Dieses Ein
kommen soll die Witwe sowohl in Bosnien, wie ausser
halb dieses Landes frei genießen und darüber verfügen.
Diese Ehe ist aber nicht zustande gekommen.
Wi r wollen uns nicht in überflüssige Annahmen ein
lassen. Die mitgeteilte Urkunde ist vom 1. März 1455
datiert und am 5. April 1455 weiß schon König Alfons
in Neapel, daß Herzog Stefan sich verheiratet hat, es
konnte sich nur um einen Versuch handeln, in dessen
Verwirklichung der nach vielen Seiten werbende Freier
selbst kein Vertrauen setzte. Daß die zweite Frau des
Herzogs Stefan, namens Barbara mit Barbara Liech
tenstein nicht identisch ist, beweist der Umstand, daß
letztere am 24. November 1460 noch am Leben ist, hin
gegen die zweite Frau des Herzogs Stefan Barbara
im Juni 1459 gestorben ist. Wir kennen nämlich eine
Urkunde der Barbara Liechtenstein aus dem Jahre 1460,
in der sie auf die Liechtenstein'sche Erbschaft verzichtete,
als sie sich mit Heinrich Strewn von Schwarzenau
vermählte.
1
In dieser Urkunde sagt sie: „Ich
Barbara weylend hern Jörgens von Liechtenstein von
Nikolspurg seligen Tochter und des Edeln herrn, hern
Hainreichs Strewn von Swarzenaw eliche hausfrau",
wir sehen also gar keine Beziehung mit Herzog Stefan.
Von einer anderen, gleichzeitigen Barbara Liechtenstein
finden wir keine Spur im Familienarchive. Solange
wir das Dunkel, das über der zweiten Frau Herzog
Stefans liegt „filia ducis de Payro", nicht lichten,
müssen wir uns mit der Annahme begnügen, daß
Herzog Stefan, um seinen Machtkreis zu erweitern
1
Fürst Liechtenstein'sches Archiv. Original, Pergament.
12
178
eine der Cilli'schen Verwandtschaft angehörende vor-
nehme Frau namens Barbara zur Gemahlin erwählte.
Diese unsere Meinung glauben wir durch den
Hinweis unterstützen zu können, daß die erste Frau
Vlatko's des zweiten Sohnes Herzog Stefans, die Nichte
Ulrichs von Cilli war.
1
Diese Verwandtschaft empfahl sich als außer-
ordentlich wertvoll für die Pläne Stefans. Ulrich von
Cilli strebte nämlich die erbliche kroatische Ba,nus-
würde an, und seine diesbezüglichen Bestrebungen unter-
stützte Herzog Stefan, der seinerseits auf Spalato
Ansprüche nährte. Auf diese Weise konnte er auch
die Zustimmung Ladislaus V. zu den zu erwerbenden
Akquisitionen erhoffen.
2
Es fragt sich, wer das zur
Cilli'schen Verwandtschaft angehörende Mädchen sein
könne, die Herzog Vlatko geheiratet hat ?
Beide Gatten der Tochter Margarete Hermanns III.
von Cilli (f 1426) der letzten Cilli-Tochter f 1480.
Hermann Pfanberg und Vladislav Herzog von Glogau
sind bekannt, diese Nichte fällt also bei unseren
Annahmen weg. Es könnte eine Tochter Johanns von
Cilli (legitimiert am 15. November 1447) in Betracht
kommen, wir können aber dafür keine Belege bei-
bringen.
Mehr ist uns aber über die Zeit bekannt, wann diese
erwähnten Ehen geschlossen wurden. Herzog Stefan
und die Braut Vlatko's kamen von Zara, wo sie Marco
Longo, der Hafenkapitän, im Namen der Republik Vene-
1
5. Apr. 1455. Der Brief des König Alfons an Herzog Stefan:
„Duosque ex filiis vestris matrimonio locasse, nmim scilicet cum nepte
illustrissimi uxoris despoti Cervie (Kyra Anna) alterum verum cum sorore
spectabilis et magniflci comitis Silie." Hier ist von der Schwester Ulrichs
von Cilli die Rede. Genauer ist das Schreiben der Republik Venedig vom
22. März 1455. Der Herzog hat nämlich die Signoria verständigt, daß
„noviter contraxit parentelam cum comite Cilie, nam unus eius fllius
(Vlatko) accepit uxorem quandam nepotem prefati comitis." Ljubic a.
W. S. 55. Vlatko scheint selber auf Brautschau gewesen zu sein. Ljubic
a. 0. S. 37. Am 4. Juli 1454 war er in Venedig und Loreto.
- Venedig hatte über alles das Kenntnis. Ljubic X. 89.
179
g glanzvoll empfangen hatte.
1
Die Braut Ladislaus,
Kyra Anna, ist später in die Burg Sokol gekommen,
wo die Hochzeit im März 1455 gefeiert wurde. Die
Republik Ragusa hat t e sich sehr ausgezeichnet; der
Wert der Hochzeitsgeschenke betrug mehr als 4000
Golddukaten. Sie hat t e eine Gesandtschaft (bestehend
aus Aloiso Gozze, Nicola di Marino Caboga und
Michiel Buzignolo) an den Hof geschickt und die
Stadtkapelle ihm gesandt. Die Gesandten zeigten die
Geschenke gleich am ersten Tag b.ei dem Hochzeits-
inahle vor.
2
Ob der Vater seine Hochzeit gleichzeitig
mit der seiner Söhne gehalten hat, läßt sich aus den
Angaben nicht entnehmen, jedenfalls fand auch seine
Hochzeit im März 1455 statt.
Die Eintracht war damals in der Familie so groß,
daß Herzog Stefan samt seinen Söhnen um das Pat ri -
ziat von Venedig ansuchte, das ihm am 11. November
1455 in der Tat verliehen wurde.
3
Dies hinderte aber
den neuen Patrizier nicht, in seinen, gegen Venedig
gerichteten Bestrebungen fortzufahren, wenn es sich
um sein eigenes Interesse handelte. Venedig kannte
die Lage sehr gut, und obwohl es über jeden Schritt
Stefans unterrichtet war, nahm man ihn in die Reihe
der Bürger auf. Die Republik war der sehr richtigen
Meinung, mit je mehr Fäden sie diese lokale Größe
an sich knüpfe, desto leichter könnte sie ihm bei-
kommen.
4
Alle diese Familienverbindungen hat t en nicht den
erwarteten Erfolg. Die Ermordung Ulrichs von Cilli
und vorher der Sieg von Belgrad haben in der poli-
tischen Lage der südslavischen Länder eine große
Umwälzung verursacht. Wieder wurde Buda (Ofen) das
1
LjuUc a. W. S. 60.
2
Besti a. W. S. 346.
3
Ljubic X. 69, 75.
4
Über die weiteren Eheverbindungen Ladislaus' und Vlatko's wer-
den wir eingebender in der Studie Nr. IV sprechen.
12*
180
politische Zentrum und die türkische Oberherrschaft
schien vorläufig nicht gefährlich zu sein. Die Hoffnun-
gen, die Herzog Stefan in Ulrich von Cilli gesetzt
hatte, gingen nicht in Erfüllung und er mußte sich
mit seinen bisher erworbenen Besitzungen zufrieden
geben.
Als er durch den Tod seiner zweiten Frau, der
Herzogin Barbara, wieder ein Witwer geworden war,
verheiratete er sich, da er ohne eine Frau nicht leben
konnte, noch zum dritten male.
1
Seine Wahl fiel auf
eine deutsche Frau, Cecilie, die die Ehrengaleere der
.Republik Ragusa von Triest nach Zengg (novica de
Segna) und von dort nach Ragusa brachte, wo sie
glanzvoll empfangen wurde. Die Hochzeit wurde in
der Burg Kastelnuovo (Herzeg-Novi) 1460 gefeiert.
Wir kennen auch den Familiennamen der dritten
Frau nicht. Ist sie aus einer Familie von Friaul oder
Grörz ? War sie aus Zengg, so könnte es sich um eine
Verwandte der Frangepans handeln, was aber kaum
wahrscheinlich ist. Von der dritten wissen wir nur
soviel, daß ihre Stiefkinder sie gut behandelt haben,
daß sie keine Kinder gehabt hat und 1466 nach dem
Tode ihres Gemahls nach Alamagna gereist ist;
2
sie
lebte aber noch 1474.
3
1
Sesti. S. 357. „havendo concluso il matrimonio con Cecilia
Tudesca."
2
Dovendo Cecilia ritornare alla sua patria. Die Republik Ragusa
hat einen edlen Bürger zum Begleiter empfohlen. 1466. Besti. 375. —
1467 ist Herzog Vlatko mit seiner Stiefmutter in Lacroma angelangt.
3
Aus dem Archive von Ragusa.
181
Stammbaum der Familie Kosaca (Cosaccia).
Vuk
de pr ogeni e et domo Cos;tze (Kosaca)
Vl at ko (Vukotic)
f um 1392
Hr anj a
magnus comes r egni Bosni ae
i
Sandal j
f 15. März 1435
1. Hel ene 1396—1402
2. Kat har i na Tocht er des Vuk
Hr avat i ni c 1405—1411
3. Hel ene Wi t we des Geor g
Bal si c, Tocht er des Lazar,
Ser bi schen Knez 1441—1442
Vukac i
f 1432
Vuk
f Begi nn 1424
St efan
144S, Herzog v. Sankt Sava
Theodor a
~ Badosav Pavl ovi c
Stefan
Hel ene, Tocht er Bal sa' s I I I .
1423/21—1453 Okt.
Bar bar a filia i l l ust r i s. duci s de Payr o
1455 —J u n i 1459
Cecilie (novica de Segno) l ebt noch 1474
I
Pet ar Pavl ovi c
1
Kat har i na
1424—1471)
r-> Thomas
Stefan
Köni g von
Bosni en
f 10. J ul i
1461 (siehe
<Iie St udi e
Nr. 11.)
1
Badi sl aus
(Vladislav)
f 1489
i n Ungar n
— Kyr a
Anna
Kant al cuzena
i
Siehe i n der
fol genden
St udi e
l
Vl at ko
1425 t 1489 Ar be
1. di e Ni cht e Ul r i chs
von Cilli, 1463 als
geschi edene Fr au i n
Ragusa
2. Mar ger i t a de Mar-
zano de Aragoni a
( Ver wandt e Tocco' s)
1474
Der en 2. Gemahl
1493 Mar co Lor e-
dano (Arch. f. sl av.
Phi l . 1897, 26.)
1
1
Mar a
—' J o h a n n
Cernoj evi c
(Die Hei r at
1469 Ees t i
S. 370)
1
Stefan
1459—1518
Mohai ne-
daner
i n Al eppo
1473—1474
1
sei ne Nach-
komme n
behal t en
Al mosen
I
Gi ovanni Cosaccia Mi cl i esul a (?)
l ebt 1546 ~-' pr i nci pedi Bar bani a
Cosaccia' s i n Spani en
Vl at ko
ci rca 1551—1570
1612 l eben noch
. sei ne Na c hkomme n
i n Ragusa
1
Der St ammbaum könnt e — nach Mitteilungen des Herrn Cyrill
Truhelka — folgendermaßen erweitert werden : 1. 1454 nennt der Vojvode
Isa Beg den „Herzog", Stefan Kosaca seinen „Bruder" und den Vojvoden
Pet ar (Pavlovic) seinen „Neffen" (sinovac). (Der Brief in Tursko-slovj.
Sp. 12.) Wenn der Brief autentisch ist, so muß Vukac Hranic außer dem
nachmaligen Herzog Stefan einen zweiten, bisher unbekannt en Sohn
gehabt haben, der zum Islam übert ret en ist und den Namen Isa Beg
erhielt. 2. Im Consil. Rogator. wird am 16. August 1452 Isa Beg der
Zuname ,,Isachovich-Craimiaich
i:
gegeben. Die Kosaea's führen nach Vukac
182
II.
Im Vorhergehenden haben wir möglichst ein-
gehend die Familienverhältnisse des Herzogs Stefan
zusammengestellt. Es ist keine besondere Phantasie
nötig um zu verstehen, weshalb schon die Zeitgenossen
dieser Staatenbildung, die das Hinterland von Ragusa
und Spalato war, ein trauriges Ende prophezeit haben.
Wi r brauchen unseren Blick nur auf die kleine Re-
publik Ragusa, diese von einigen genialen Familien
beherrschte Stadt zu lenken, die ohne Heer, bloß durch
ihre weise Politik alle Stürme überstanden und alle
ihre mächtigen Nachbarn überlebt hat. Es gehen bis-
weilen große und mächtige Könige und Königlein in
Nachbargebieten, die Geld und Besitzungen zusammen-
raffen — wie vom Fat um getroffen — zugrunde, ihr
Geschlecht kommt in fremdem Lande um und die
„schwache" Republik blüht weiter. Im Untergange
dieser mit Ragusa in so enger Verbindung stehenden
Vater Hrana das Patronimikon Hravic, was aber mit Hranusie identisch
ist, denn bei Personennamen sind Suffixe auf us (z. B. Drago-Üragusa)
und is (f. Pavao Radinovic = Pavao Radisic) sehr häufig. Demnach
käme der Zuname Hranusie Isa Beg von seinem Großvater Hrana (Hranusa)
zu. 3. Das zweite Patronimikon Isakovic ist von Isak Beg abzuleiten und
würde dadurch zu erklären sein, daß der Vojvode Ishak den jungen
Renegaten Isa adoptiert hat. Das erklärt auch den merkwürdigen Um-
stand, daß Isa Beg zwei Patronimika hat : das eine vom Adoptivvater an
erster Stelle, das zweite von seiner ursprünglichen Familie.
Demnach wäre die Abstammung Vukac'
Vukac
Stefan Theodora Isa lieg, Adoptivsohn des
Ishak Beg, Vojvode
gapadmin stranam
v. 1440—1463.
Sandschak Beg von Bosnien
Mehnied Celeui 2. Sohn Veletbeg Sub-
„Vojvoda Pavlovica gestorben 1467 archa v. d. Drina
zemlje" v. 1466—1469. 1500
Sandschak Beg der Herzegowina
1506—1509 U. 1513—1515.
Eine eingehendere Besprechung dieser Frage ist vom Herrn
Irunelka selbst zu erwarten.
188
Familien, wie der des Herzogs Stefan, ist nichts tra-
gisches. Der tragische Held kämpft gegen das Schicksal
und geht dabei unter, aber Stefan Vukcic tut nichts,
als daß er sich mit dem Schicksal abfindet, doch im-
mer zu schlechter Zeit. Wir finden in ihm keinen
ethischen Zug, nichts sympathisches, nur eine Eäuber-
natur. Die Ragusaner urteilten folgendermaßen über
ihn: „Der Herzog ist von Natur aus so feindselig und
boshaft, daß er weder durch Bitten, noch durch freund-
liche Anträge oder Drohungen vom Schlechten ab-
zubringen ist."
1
Gewiß haben die führenden Männer
in der Republik Ragusa ihren gewalttätigen Nach-
barn subjektiv — zu sehr vom eigenem Standpunkte
aus — beurteilt; das strenge Urteil war aber gerecht-
fertigt.
Dem Herzog konnte man nie Zutrauen schenken,
weder seinem Worte, noch seinem schriftlichen Ver-
sprechen. Er hielt immer zwei Eisen im Feuer. Am
23. März 1455 schickte er Boten an König Ladislaus.
Als die Bagusaner dies erfuhren, hatten sie Angst,
es könnten diese gegen sie bei dem Könige eine Klage
erheben. Daher baten sie in einem besonderen Schrei-
ben den König, den Worten der Boten des Vojvoden
Stefan keinen Glauben zu schenken. Vermutlich haben
zahlreiche, im Interesse Bagusa's wirkende Hoileute
erzählt, was die Gesandten Herzog Stefans dem König
referieren. Der Herzog prahlte nämlich damit, er
habe einen Brief vom König, in welchem derselbe
ihn von der Kriegsführung gegen die Türken solange
enthebt, bis das Heer des Königs in Adrianopel an-
kommt. Andererseits habe ihm der Sultan versprochen,
daß er solange keinen Beistand leisten brauche, bis das
türkische Heer die Burg Buda (Ofen) besetzt.
2
Diese
Verstellung, die zu seiner zweiten Natur geworden war,
1
Im Archive von Ragusa, Briefe von 1455.
- 24. April 1455. Dipl. Rag. 579.
184
bat er auf seine Söhne vererbt, unter deren Tätigkeit
die Frucht seiner fünfzigjährigen Tätigkeit zugrunde
ging.
1
An dieser Stelle können wir von der Verlotte-
rung kein vollkommenes Bild geben, die in der nord-
westlichen Ecke der Balkanhalbinsel infolge des Vor-
dringens der Türken seit 1460 immermehr offenbar
wurde. Wir müßten auf die Katastrophe des bosnischen
Königreiches genauer eingehen, da aber nur die Cha-
rakterisierung der Person des Vojvoden Stefan unser
Zweck ist, wollen wir uns auf die Darlegung seiner
politischen Taktik in der Herzegowina beschränken.
. Herzog Stefan meinte, nachdem trotz aller Bemü-
hungen des Königs Mathias die serbische Despotie
an der Donau samt ihrer Residenz, Szendro verloren
gegangen war, er könnte unter türkischer Oberherr-
schaft seine persönlichen Ausbreitungspläne fortsetzen.
Da er mit bewundernswerter Zähigkeit an seinem
alten Ideal, der Erwerbung von Spalato hing, erbat
er von der Republik Venedig Hilfe unter dem Vor-
wande die Burg Klissa (Klis) dem Paul Sperancic,
Banus von Kroatien, dem Feinde der Signoria, zu Grün-
sten Venedigs zu entreißen. Wenn nämlich die Um-
gebung von Spalato — sagt er — so in feindlichen
Händen bleibt, so seien die Besitzungen Venedigs den
, Türken ausgeliefert.
2
Andererseits versuchte er bei den
Türken und Bosniern sein Glück, damit ihm diese
gegen Venedig Hilfe leisteten. Die Republik durch-
schaute diesen Plan und verhandelte unmittelbar mit
dem Banus über die Erlangung Klissa' s;
3
König
Mathias bekam aber Wind vom doppelten Spiele und
die Republik hielt es für besser am 18. Juni 1462
die fertige Abmachung zurückzuziehen.* Den Herzog
1
Die historische Rolle der Kosaca's von 1416 gerechnet.
- M. D. M. I. 118.
8
Ljubie.- Listine X. 1461. 28. 10. 1. Aug. 11. Sept. 0. Okt.
188-189 u. f. S.
Ljubie a. W. S. 221 und M. D. M. I. 159.
185
Stefan, der von den Einzelheiten der Verhandlungen
keine Kenntnis hatte, beruhigte die Signoria mit dem
allgemeinen Versprechen, sie würde auch ihn gegen
die Türken auf irgend eine Weise beschützen können.
1
Der Herzog war aber nicht mehr Herr „der Lage''
und hat t e das Schicksal seines Landes nicht mehr in
seiner Hand. Sein Sohn Ladislaus — seines Vater
würdig — erhob sich damals mm zweitenmale gegen
seinen Vater. Ob die dritte Frau des alten Herzogs
Stefan, oder wiederum eine ' Weibergeschichte
2
oder
— und das ist das Wahrscheinlichste — die Eifersucht
des Vaters und die Bevorzugung der jüngeren Brüder
auf Kosten Ladislaus' der Anlaß war, ist noch nicht
im reinen. Herzog Stefan wollte, nach seinem eige-
nen Geständnisse, die Erbschaft teilen und deswegen
begannen 1462 Feindseligkeiten. Hören wir aber nun,
wie Herzog Stefan selbst den Verlauf der Angelegen-
heit durch seine, an die Republik Venedig in November
1462 geschickte Gesandtschaft darstellt. Die Ausdrucks-
weise ist so charakteristisch, daß sie uns die Art der
diplomatischen Geschäftsführung des Balkans dieser
Zeit lebhaft vor Augen führt. Der Herzog ließ seinen
Notar — einen Italiener namens Ruggiero — zu sich
rufen und diktierte ihm, was sein Gesandter in Vene-
dig vorbringen solle.
5
i M. D. M. ebenclort 17. Juli 1462
2
Makuiev a. W. IL 167, behaupt et das, er verwechselt es aber
wahrscheinlich mi t dem Aufstande von 1452.
3
Die in Punkt e eingeteilte Not e — die (Japitula genannt wurde —
kann eine in reinen dalmatisch-venezianischen vulgären Phrasen abge-
faßte „Note Verbale" genannt werden. Diese wurde von den Gesand-
t en dem Ausschusse des geheimen Rates in Venedig übergeben und dann
auch mündlich vorgetragen. Der Rat hat dann die Sache in einer beson-
deren Sitzung verhandelt und die Antwort beschlossen. Bei dieser Gele-
genheit müssen wir uns an die Tätigkeit des Simon Ljiibic dankbar erin-
nern, der nicht i mmer mi t vollkommener Prezision, aber mi t großem
Fleiße die Schätze des noch weitaus nicht erschöpften Archives von
Venedig gesammelt hat . Johann Mircse hat auch viel gearbeitet, die
vollständige, methodische Erschöpfung des Archives von Venedig bleibt
aber doch die Aufgabe der kommenden Generation.
186
Die Gesandten des Herzogs Stefan hatten im Sinne
ihrer Instruktion folgendes zu sagen:
Bekanntlich hat sich Herzog Ladislaus gegen
seines Vaters Willen zum türkischen Kaiser begeben
und gesagt:
Mein Vater hat mich aus meinem Lande gejagt
und mein Erbteil nicht ausgefolgt. Daher bin ich,
großer Herr, zu Dir gekommen und bitte Dich.
mir zu meinen Besitzungen zu verhelfen, die mein
Vater, Herzog Stefan in seiner Hand hält.
Herzog Ladislaus habe dem Sultan 100.000 Gold
dukaten und noch mehr versprochen, wenn er das
Land und die Festungen erhielte, worauf der Sultan
erwiderte:
Woher wirst Du 100.000 Golddukaten nehmen,
wenn Dein Vater Dich aus seinem Lande hinaus
gejagt hat.
Und Ladislaus habe erwidert, die Republiken
Venedig und Ragusa würden ihm je 50.000 Gold
dukaten leihen.
Der Herzog ersucht nun die Republik, falls sie
diese Summe seinem Sohne versprochen haben, dieselbe
nicht auszufolgen, andernfalls, es auch nachher nicht
zu tun. Er habe in derselben Angelegenheit auch an
die Ragusaner eine Gesandtschaft geschickt und diese
hät t en geschworen, sie haben bisher nichts versprochen
und würden auch nichts versprechen, weil sie mit
ihren eigenen Sachen genug zu tun haben.
Der Sultan habe auf die Vorstellungen Ladislaus'
gegen ihn (Herzog Stefan) ein Heer geschickt und
befohlen, er solle die Hälfte des Landes dem Sohne
übergeben. Da aber in diesem Monate die Ungarn sich
an der Donau gesammelt hatten, wagten es die Türken
nicht, mit Herzog Ladislaus in sein Land zu kommen.
Nach einigen Tagen habe der Sultan Gesandte
an ihn geschickt, die sprachen:
187
Dein Sohn hat mir 100.000 Golddukaten ver
sprochen, daher gib mir entweder 100.000 Golddukaten
oder drei Burgen. Erstens Cerovic, zweitens Micevac,
in der Nähe von Ragusa, und drittens Zaserina an der
dalmatinischen Küste. Ich werde Deinem Sohne Ladislaus
in meinem Reiche Besitzungen geben und Dein Reich
nicht berühren, wenn Du mir diese drei Burgen
übergibst.
Der Herzog habe beschlossen, lieber zu sterben,
als dies zu tun, er sei aber schon sicher, daß die
Türken in diesem Jahre einfallen werden, er bitte
also die Republik ihm Maschinen, Waffen und Solda
ten zu geben, da er, wie die Republik wisse, immer
zu ihrer Verfügung stand, und falls die Republik Ge
sandte an den Sultan schicke, möge sie von dieser
seiner Bitte die Pforte nicht verständigen.
„Wie mein Onkel Sandalj, — so fährt er fort —
als es sich darum handelte den Türken Steuer zu
zahlen, die Zustimmung der Republik erbat, so bitte
auch ich Euch, ratet mir, was ich zu tun habe, denn
ich habe keine bessere Freundin, als die Republik."
Als diese Gesandten (die des Herzogs) schon in
Ragusa und auf dei Reise nach Venedig waren, ist
ein Kurier vom Herzog Stefan ihnen nachgereist, der
ihnen die Nachricht brachte:
„Gleich nach eurer Abreise ist ein türkischer
Gesandter an den Hof gekommen, der gehört hat,
der Herzog wolle sich mit dem Papste verbinden und
schicke einen Gesandten hin, wie auch nach Venedig,
deshalb hat t e er empfohlen, sich in keine Verhand
lungen weder mit Venedig, noch mit dem Papste ein
zulassen."
„Ich aber — sagte der Herzog in seiner Depesche —
habe den Gesandten doch abgeschickt, da mein Vater
und Onkel mit der Republik immer gut befreundet
waren."
188
Die Republik erklärte in ihrer am 13. November
des nämlichen Jahres gegebenen Antwort, sie ver
spreche dem Herzog Ladislaus, dem aufständischen
Sohne weder eine Geldunterstützung, noch habe sie
die Absicht ihn dadurch in Zukunft zu ermutigen.
Die Signorie lobt ihn, weil er den Drohungen
des Sultans nicht nachgebe und verspreche Kriegs
material zollfrei aus Venedig liefern zu wollen. Sie
werde bei der Pforte gegen ihn nichts vorbringen
und wie bisher, seine Freundin sein.
Es ist sicher anzunehmen, daß der Herzog, als
er diese schlaue Antwort hörte, dies nicht für einen
Rat, sondern als eine ausweichende Antwort ansah.
Deshalb schickte er eine neue Gesandtschaft und da
der Sturm der türkischen Rüstungen bereits heran
nahte, verlangte er eine bestimmte Antwort. Er müsse
schon an den Ausweg der Flucht denken, denn falls
die Türken ihn angriffen, könne er schon deshalb
nicht bleiben, weil der größere Teil seiner Unter
tanen zu seinem Sohne halte.
Die Republik gab hierauf am 11. Februar 1463
dem Herzog den Rat, den Türken kein Geldgeschenk
zu geben, weil sie es sicher gegen ihn verwenden
würden. Sollte ihm seitens der Türken ein Leid wider
fahren, so könne er immer auf dem Gebiete der
Republik Zuflucht finden.
Während Herzog Stefan und sein Sohn auf
solche Weise einander bekämpften, geriet das Nachbar
königreich Bosnien in türkische Hände. Daß Stefan
Tomasevic, der König von Bosnien ermordet wurde,
ist dem Herzog persönlich nicht nahe gegangen; und
obwohl er — gerade infolge des Falles Bosniens —
die würgende Hand der Türken an seinem Hals fühlte,
wollte er seinem Sohne nicht nachgeben. Nur Ragusa
und Venedig haben vorausgesehen, welche Wirkung
der Fall Bosniens auf die zukünftige Entwicklung
189
haben werde. Ragusa fürchtete für seine Existenz
und Venedig wußte wohl, daß die Stellung seines
Handels auf dem Spiele stehe. Deshalb beschloß die
Republik am 1. August 1463 zwischen Vater und
Sohn Frieden zu vermitteln.
Diese Versöhnung lag hauptsächlich im Interesse
Venedigs. Venedig hat t e sich um jeden Preis die
Wiedereroberung Bosniens zum Ziele gesetzt, da sie
in ihren dalmatinischen Besitzungen von dem Vor-
dringen der Türken nahe berührt wurde. Am 26.
August 1463 erhielt Antonio de Priolis Gesandter von
Venedig den Auftrag
1
sich zuerst nach Spalato zu
begeben und sich dort eingehend über den Zustand
Bosniens nach der türkischen Eroberung zu erkundigen.
Er solle zu erfahren trachten, wieviele Orte, Städte
in türkischer Hand seien; welcher Gesinnung die vor-
nehmen Bosnier sind, die sich nach Spalato geflüchtet
haben, wieviel Macht und welche Mittel zur Zurück-
drängung der Türken notwendig seien und auf welche
Weise dies ins Werk zu setzen sei. Ob es in Bosnien
einen befestigten Ort gebe, der behufs Sicherung der
dalmatinischen Herrschaft zu besetzen wäre.
Dann möge er sich zum. Herzog Stefan begeben.
Er soll ihm vortragen, wie sehr der Fall Bosniens die
Republik berühre und welchen Eindruck er auf die ganze
Christenheit gemacht habe. Die Freude der Republik
sei groß, daß wenigstens Herzog Stefan der Unter-
drückung entgangen sei, und jetzt sei die Reihe an
ihm standzuhalten und sein Land zu erhalten, sogar
zu vergrößern.
Bei den Wiedereroberungsplänen Venedigs komme
die Hauptrolle dem Herzog Stefan und seinen No-
tablen zu. Die türkische Eroberung sei noch neu und
das bosnische Volk fühle unmittelbar die schmerzende
Bedrückung, daher sei es zu einem Aufstande gewiß bereit.
1
Ljubie a. W. S. 626-668.
100
Er könne unter den Nachbarn auf Verbündete rechnen,
die bereit sind gegen die Türken mit ihm Hand in
Hand zu gehen. Der Gesandte hatte schließlich den
Auftrag, am Hofe des Herzogs seine Erfahrungen in
Spalato mitzuteilen und die Versicherung abzugeben, die
Republik sei bereit, alles für die Befreiung Bosniens zu tun.
In Venedig wußte man eigentlich nicht, worin der
Streit des Herzogs und seines Sohnes bestand, man
fühlte aber, daß vor der Ausgleichung der Gegensätze
Herzegowina bei der Wiedereroberung Bosniens nicht
mitwirken könne. Man wies also den Gesandten an,
tun jeden Preis in der streitenden Familie Frieden zu
stiften. Es wurde ihm ein Mandatum gegeben, das sich
sowohl an den Herzog, wie an seinen Sohn Ladislaus
richtete, denen er in Namen der Republik sagen sollte:
„Streit war die Ursache der großen Verluste und der
Verlotterung des Landes, und das wird ihre Person
und ihr Land zum Untergange führen, wenn der Herr-
gott sich ihrer nicht erbarmt und sie davor bewahrt."
Sie sollen einander nicht hassen und der Herzog dem
Sohne gegenüber väterlich mild sein, der Sohn dem
Vater Liebe erweisen. Der Gesandte solle die streiten-
den Parteien um jeden Preis versöhnen, damit die
Wiedereroberung Bosniens in dieser Hinsicht nicht auf
Hindernisse stoße. Mit dieser Aktion parallel lief die
ungarisch-venezianische Verbindung, die denselben Zweck
verfolgte.
1
In der Herzegowina brachte aber schon das Vor-
dringen der Türken seine auflösende Wirkung hervor.
Die Türken wüsteten in der Nachbarschaft und die
Idee der Bündnisse blieb nur ein Plan.
Die bedrängten vornehmen Gutsbesitzer der Her-
zegowina konnten, mit den Türken am Hals, nicht
Warten, bis diese weitläufigen Pläne sich verwirklichten.
1
Ljübid. S. 272. 12. September 1463. Die vom König- Mathias in
Pet ervärad (Peterwardein) ausgestellte Urkunde.
191
Herzog Ladislaus dachte ebenso wie sein Vater nur
mehr an die Flucht und bot alle seine Rechtsansprüche
der Republik an, wenn diese ihm dafür die Insel Brazza
gebe. In Venedig hat t e man aber schon sichere Kennt
nis vom festen Entschlüsse des Königs Mathias, Jajce
wiederzuerobern und Bosnien den Türken zu entreißen.
In der am 13. Oktober 1463 erteilten Antwort, auf
den erwähnten Antrag des Herzogs Ladislaus, benach
richtigte ihn die Republik von der Absicht des Königs
Mathias, Bosnien wiederzuerobern. Die Insel Brazza
könne man ihm nicht überlassen, da den Einwohnern
der Insel die Aufrechthaltung der Privilegien feierlich
versprochen worden sei und so am „Dominium" nichts
geändert werden könne.
Während die Lage sich derart gestaltete, kam der
schon erwähnte Friedensvermittler Antonio de Priolis
in der Herzegowina an. Die drohende türkische Gefahr
lastete zwar sehr schwer auf dem Lande, aber mit
Ausnahme von drei Festungen war noch das ganze
Reich in der Hand der Herrscherfamilie. Der Gesandte
kam also noch nicht zu spät. Es ist nicht zu leugnen,
daß das Wort Venedigs großes Gewicht hat t e und die
Argumentation des Gesandten einen gewissen Einfluß
auf den alten Herzog geübt hat. Die Versöhnung
wurde dadurch erleichtert, daß unter dem Eindrucke
des Falles von Bosnien schon im August ein vor
läufiger Friede zwischen dem Vater und dem bisher
türkenfreundlichen Herzog Ladislaus unter der Bedin
gung zustande gekommen war, daß Stefan, der regie
rende Herzog, den vierten Teil seines Landes — mit
den darin befindlichen Festungen — dem Sohne über
gab und darüber eine Urkunde ausstellte, die auch der
Gesandte Venedigs sah und von der er eine Kopie
bekam. Als aber Herzog Ladislaus erkannte, daß die
Republik solch großes Gewicht auf das Übereinkommen
legte, verlangte er statt des rierten den dritten Teil
192
des Landes, er wollte nämlich seinen jüngeren Bruder
aus der Erbschaft verdrängen. Obwohl dieser — sagte
der alte Herzog — eben so legitim ist, wie er und
ebenso das Kind einer edlen Mutter war. Während
diese Verhandlungen geführt wurden, kämpfte der
zweitgeborene Sohn des Herzogs Stefan, Ylatko, an
der Landesgrenze mit den Türken und es gelang ihm
auch Trebinje sowie Srebrnica zu halten, nachdem er die
Türken von dort vertrieben hatte. Hätte Ylatko er-
fahren, daß sein Bruder Ladislaus die Erbschaft seines
Bruders Stefan an sich reißen wollte, so wäre das der
Einigung sicher nicht förderlich gewesen. Trotz aller
dieser Schwierigkeiten ist das Übereinkommen doch
zustande gekommen. Herzog Ladislaus hatte, wie es
scheint, gegen den Vater eingewendet, daß derselbe
die Übergabe der Erbschaft nur versprochen habe, als
aber die Reihe an die Besitznahme gekommen war,
hatte er sie nicht übergeben, sondern erklärt, daß die von
dem Sohne geforderte Erbschaft kein Viertel, sondern
ein Drittel sei und was werde dann aus der Erbschaft
des kleinen Stefan. Ladislaus dachte wahrscheinlich
folgendermaßen: es sind drei Söhne: er, Vlatko und
der unmündige Stefan, der noch unter väterlicher
Macht steht, daher wird des Vaters Teil ohnehin
Stefan gehören: werde aber jetzt das Land in vier
Teile geteilt, wenn nämlich der Vater und die drei
Söhne gleiche Anteile bekommen, so fürchtete er, daß
nach dem Tode des Vaters Stefan auch den väter-
lichen Teil erhalte und auf diese Weise zwei Teile
bekommen könnte. Schließlich aber kam am 18. No-
vember 1463 das endgiltige Übereinkommen, wenigstens
schriftlich, zustande und Ladislaus gab sich auf den
Wunsch Venedigs anscheinend zufrieden.
1
Herzog Ladislaus hat sich nach der Versöhnung mit
naiver Schlauheit und um seine Person vor einem even-
1
Ljubic a. 0. S. 283, 288.
193
tuellen Mißerfolg gegen die Türken zu sichern, am Krieg
gegen die Türken beteiligt und hat einzelne befestigte
Plätze — namentlich im Gebiet Rama's — für sich erobert,
womit er seine Besitzungen abrundete; er verbreitete
überall das Gerücht, daß er dies auf den Befehl der
Republik Venedig unternehme. Dadurch kam die Republik
dem ungarischen Könige gegenüber in Verlegenheit,
da Ungarn auf Bosnien einen Rechtsanspruch erhob
tmd die Aktion Ladislaus' hat die Republik in das
Licht gestellt, als ob sie das Land für sich erobern
wollte. Daher wurde einerseits der venezianische Ge-
sandte in Spalato — der bei Herzog Ladislaus gewesen
war — sofort beauftragt, den Herzog zu warnen und
ihm verstehen zu geben, er möge ohne die Bevollmäch-
tigung der Republik nichts unternehmen;
1
andererseits
wurde Emo, der Gesandte Venedigs, der sich mit
dem Heere Königs Mathias nach Bosnien begeben
hatte, benachrichtigt, daß Ladislaus alles das ohne Auf-
trag auf sein eigenes Risiko unternähme.
2
III.
In der Geschichte der Familie Kosaca und des
Schicksals der Herzegowina eröffnet der erste bosnische
Feldzug des Königs Mathias das letzte Kapitel.
In dem Bündnis, das im Monate Juni 1463 zur
Wiedereroberung Bosniens geschlossen wurde, fiel die
Rolle des Vollstreckers dem ungarischen Könige zu.
Das begeisterte Eintreten des Heiligen Stuhles hat dem
Unternehmen die materielle und moralische Unter-
stützung internationaler Kreise gesichert. Venedig war
infolge seiner Lage an der Meeresküste auf Grund
nüchternster Berechnung an dem Ausgang der Expe-
1
LjuUe a. 0. S. 288. 18. November 1463.
3
Ljulric a. 0. S. 288. 18. Oktober 1463. Die Teilnahme Emo's
an den bosnischen Kriegszügen erwähnt Bonfinius. clee.TV. lib. 1.
13
194
dition interessiert, hat aber seine Sache mit den Türken
auch nicht endgiltig verdorben. Ragusa stand unbedingt
auf der Seite der Verbündeten. Die Wichtigkeit des
Augenblickes fühlten sowohl der regierende Herzog
Stefan, als sein Sohn Ladislaus, der jüngere Herzog; sie
mußten Farbe bekennen. Falls König Mathias siegte,
und sie die ungarische Macht zum unmittelbaren Nach
barn bekämen und sich ihr entgegensetzten, wäre das
ihnen ebenso gefährlich geworden, als wenn sie mit dem
König verbündet gewesen und die Türken Sieger ge
blieben wären. Mit Rücksicht auf den Ernst der Rüstun
gen und das internationale Aufgebot, wandten sie sich
jetzt doch bedingungslos gegen die Türken. Mit diesem
Schritte haben sie sich im Falle des Sieges ihr Gebiet
gesichert, j a sie konnten sogar auf Gebietsvergrößerung
rechnen. König Mathias hat die Stellungnahme der
Herzegowina einen großen militärischen Vorteil gesichert.
Es war ein unmittelbarer Verkehr zwischen seinem
Heere und Ragusa möglich, woher er Kriegsmaterial
bekommen, das Aktionsgebiet des türkischen Heeres
beschränken und den Aufmarsch desselben verhindern
konnte. Die Hauptrolle kam in dieser Hinsicht dem
Herzog Ladislaus zu, der den nordwestlichen Teil der
Herzegowina besaß. Inwieferne Stefan, der alte Herzog
an der Unternehmung seines Sohnes teilgenommen hat,
wissen wir im Detail nicht, es ist aber Tatsache, daß
er einmütig mit ihm vorgegangen ist und selber mit
seinen Scharen in Jajce war.
König Mathias war im Oktober 1463 mit den Vor
bereitungen zu dem bosnischen Feldzug fertig und begann
die Erstürmung der Festung Jajce. Herzog Ladislaus
unterwarf sich unterdessen die Zupen von Prosor, Zu-
panjac und Uskoplje an der Rama
1
(heute die Bezirke
Prozor, Zupanjac und Bugojno des Kreises Travnik).
1
Er war —
deren Besitze.
wie wir gesehen haben — in Monate . November in
195
Als der König die Stadt Jajce erobert hat t e und die
Erstürmung der Burg begann.
1
schloß sich Herzog
Ladislaus ihm an. Die Hilfe der Herzegowina kam
dem Unternehmen Mathias hauptsächlich, hinsichtlich
Aufklärung der Terrainverhältnisse zugute, sowie
auch darin, daß diese Hilfstruppen von Südwesten her
Jajce isolierten und im Besitze Uskoplje's (D.-Vakuf),
die Hauptlinie der Türken (Vrh-Värboszna-[SarajeA
r
o-]
Travnik) im Schach hielt.
Über die Rolle des Herzogs Ladislaus gibt das im
Verlaufe der Erstürmung Jajce's am 6. Dezember 1463
verfaßte Privileg, das er vom König Mathias erhielt,
eingehendere Aufklärung. Das Privileg
2
beginnt mit der
Anerkennung der Verdienste desVojvoden Ladislaus „filii
fidelis nostri illustrissimi ducis Sancti Save". Diese Ein-
leitung beweist auch, daß das Auftreten des Herzogs La-
dislaus mit der Zustimmung seines Vaters geschehen ist,
den der König seinen Anhänger nennt. Zunächst gedenkt
er des Verhaltens des Vojvoden Ladislaus, als der tür-
kische Sultan Bosnien eroberte und auch das Gebiet der
Herzegowina in Besitz zu nehmen suchte. Er erwähnt,
er habe dem türkischen Heere große Schäden zugefügt
und einige Burgen erobert. Ferner bezeugt er, daß er,
als König Mathias zur Eroberung des bosnischen
Königreichs aufbrach, mit seinen Truppen zu ihm geeilt
sei und seine Treue mit gutem Rat und durch Taten
bewiesen habe. Er habe auch versprochen, unter allen
Umständen der Person des Königs und der ungarischen
Krone treu zu bleiben. Ferner habe er das Versprechen
gegeben, die von ihm besetzten Burgen, Buzovaca und
1
Über die Erstürmung Jajce's : -EW/rf : Geschichte von Servien und
Bosnien S. 428. Praknöi: Das Leben Mathias. 1900 (ung.). Die Angaben
des Kritobulos in der Lebensbeschreibung des Sultans Mehmet sind noch
nicht hinreichend bearbeitet. TrnlieCka: Die Königsburg Jajce. 1901.
Sarajevo.
- Abgedruckt Katmia XIV. 657, im Auszüge FeßrYlll. 6. 67—70.
Siehe Anhang LXXX.
13*
196
Neretva in die Hand des Königs, bezw. seiner Bevoll-
mächtigten zu übergeben und sich verpflichtet, bei
jeder Gelegenheit, wenn der König persönlich, oder
mit einem, durch einen Feldherrn geführten Heere nach
Bosnien komme, sowohl unter dem König, wie unt er
seinem Feldherrn zu kämpfen. Der Vojvode Ladislaus
hat sich auch verpflichtet, seine Truppen dem Führer
des nach Bosnien zu schickenden ungarischen Heeres
auch dann zu unterstellen, wenn derselbe kein Banner-
herr ist. Das bedeutet, er würde nur mit seinen Truppen,
aber nicht persönlich, am Feldzuge teilnehmen.
Dieser Umstand wird durch die Bedingung näher
erklärt, nach welcher Vojvode Ladislaus, falls der König
anderswo —. also nicht in Bosnien — gegen die Feinde
des Reiches Krieg führt, wie die übrigen Bannerherren
zu kämpfen und ein treuer Anhänger des Königs zu
bleiben verpflichtet sein soll, die Republik Venedig
ausgenommen, mit welcher er — unter Wahrung des
Gehorsams dem Könige gegenüber — verbündet ist.
Er verpflichtet sich, die in seinem Besitze befindlichen
Burgen, befestigten Städte dem Treueverhältnis zum
König und der heiligen Krone nicht entfremden zu
lassen. Das sind die Verpflichtungen, die der Vojvode
Ladislaus dem Könige gegenüber auf sich genommen hat.
Andererseits verleiht der König dem Vojvoden
Ladislaus und seinem Sohne Balsa die Würde eines
ungarischen Bannerherrn. Er verspricht, daß beide zu
jeder Zeit, wenn sie mit oder ohne Heer in Ungarn
und Bosnien erscheinen, an welchem Orte immer an
den königlichen Hof, oder zu den Großen des Reiches
kommen und sich dort aufhalten können; der König
verspricht andererseits ihnen den Genuß ihrer Besitzun-
gen zu sichern. Ferner verleiht er die Burg Vesela-
Straza im Komitat Uskoplje, mit ihrer Zirpe (Bezirk)
und die Burg Prozor, mit der Zupe von Rama, die
er vor nicht langer Zeit von den Türken erobert
197
hat und die einst den bosnischen Königen gehörte,
Ladislaus und seinem Sohne Balsa und deren Erben,
wie die bosnischen Könige sie besessen haben.
Durch diese Urkunde hat König Mathias die Zahl
der Bannerherren des Reiches um den Vojvoden der
Herzegowina vermehrt und dadurch eine Verpflichtung
zur Sicherung der Zukunft dieses neuernannten Banner-
herren übernommen. Wir müssen bemerken, daß die
Urkunde bloß von den Pflichten des Vojvoden Ladislaus
und seines Sohnes spricht und daß die Rechtsstellung
des Herzogs Stefan darin nicht berührt wird. Mit dem
alten Herzog hat der König ein anderes Übereinkom-
men gehabt, von welcher wir aber nur aus den spä-
teren, einseitigen, absichtlich mißdeuteten Erklärungen
des Herzogs und aus dem Verlaufe der Ereignisse
Kenntnis haben.
Herzog Stefan stellte die Ereignisse von 1463
am 10. März 1466 der Republik Venedig folgender-
maßen dar:
Er habe dem ungarischen Könige vor dessen
bosnischem Unternehmen vom Jahre 1464 aus Furcht
von der Rache des Sultans, dem es nach der Unter-
werfung Bosniens nicht gelungen war die Herzegowina
zu erobern, durch seinen getreuen Kämmerer, Pribislav
Vukotic
J
12.000 Grolddukaten mit der Bitte geschickt,
ihm Kriegshilfe zu gewähren. Ob diese Summe der
Wahrheit entspricht oder nicht, können wir natürlich
nicht kontrollieren.
Hat er dem König Geld zur Verfügung gestellt, so
konnte dies auch nur ein Vorschuß auf die Verpflegs-
kosten der ungarischen Truppen sein. Er fährt dann
fort: als der König zu Jajce angelangt war, sei er
selber hingegangen und habe dem Könige Geschenke
gegeben. Hiefür bekam er vom Könige — das wissen
1
Siehe unsere Studie über .,Das Testament des Pribislav Vukotic".
Seite 222.
198
wir aus anderer Quelle — einen Purpurmantel.
1
Der
König hat dann — heißt es weiter — durch Herzog
Ladislaus und „durch mich" Jajce erobert, denn mit
seinem kleinen Heere hät t e er nichts ausrichten können
und der Sultan zürnt deswegen insbesondere über mich,
indem er sagt: „Bosnien ist wegen des Herzogs Stefan
und nicht durch den ungarischen König verloren ge
gangen". Der Sultan kann das allerdings gesagt haben,
das entspricht aber nicht ganz der Wahrheit. Wahr
scheinlich hat er aber es nicht gesagt, sondern Herzog
Stefan führt es — auf dem Papier — an. Inwiefern
die Herzegowiner dem König bei Jajce Hilfe leisteten,
können wir oben im Privileg des Königs für Herzog
Ladislaus lesen; man brauchte immerhin eine südlän
dische Phantasie dazu, um die herzegowinische Hilfe
mit jener Gottes gleich zu stellen.
Bei derselben Gelegenheit hat der König von
Ungarn dem Herzog — wie dieser erzählt — mehrere
Versprechungen gemacht. Zunächst habe er in Aussicht
gestellt, seine Burgen mit Lebensmitteln zu ver
sehen und ihm in Ungarn Besitzungen zu verleihen.
Der König habe aber ausbedungen, er solle zwei Burgen,
Kunisa und Zemlja, an ungarische Befehlshaber über
geben. Von jedermann verlassen, ging der Herzog,
obwohl unfreiwillig, auf die Bedingungen ein. Genau
genommen, bedeutet das Pakt um soviel : Herzog
Stefan überläßt seine Burgen ungarischen Truppen
und stellt sich unter den Schutz Mathias', wenn es
aber nicht gelingt sein Land zu halten, oder der
Herzog sich zurückziehen will, hat der König die Pflicht,
ihm seine verlorenen Güter in Ungarn zu ersetzen.
Wir können sämtliche Details natürlich nicht
kontrollieren; wir vermuten aber, daß der König,
als er Herzog Ladislaus zum Bannerherrn erhob,
1
Siehe: Das Testament vom 20. Mai 1466, von welchem unten
die Rede sein wird. Seite 213.
199
nach dem Bat der Ragusaner, oder des Gesandten
von Venedig vorgegangen ist, die die Lage gekannt
und den König über die inneren Verhältnisse in der
fürstlichen Familie aufgeklärt haben. Für ihn war die
Hilfeleistung seitens des Herzogs Ladislaus wichtiger,
als die Versprechungen des Herzogs Stefan, von dem
er wußte, daß er noch kein Versprechen vollkommen
erfüllt hat t e; und der Umstand — dessen auch der
Herzog Erwähnung t ut — daß Mathias die Übergabe
zweier Burgen an die Ungarn ausbedang, scheint
dafür zu sprechen, daß er das Angebot des Herzogs
nur unter derartigen positiven Sicherstellungen ange-
nommen hat.
Übrigens können wir bei der Beurteilung dieses
Erfolges des Königs Mathias tatsächlich konstatieren,
daß diese Eroberung vom Standpunkte der ungarischen
Krone schon deshalb als ein großer Erfolg zu be-
trachten war, weil die Residenz der bosnischen Könige
wiedererobert wurde und auf diese Art gegen Kroatien
und Slavonien auf lange Zeit eine starke Verteidigungs-
linie gewonnen war. Doch wurde dadurch das Gebiet
an der Adria und der Westen von der drohenden
türkischen Nachbarschaft nicht befreit, da das Zentrum
Bosniens, die Sarajevsko polje, in türkischen Händen
blieb. Auch an der Drina-Linie hat die in türkischem
Besitz befindliche Burg Zvornik die Nachbarschaft
fortwährend im Schach gehalten. Daher hatte der Sieg
Mathias' auf die Lösung der Balkanfrage keinen dauernden
Einfluß, gar nicht davon zu reden, daß die ungarische
Ebene, bezw. die Temeser Gegend den Einfällen der
Türken immer ausgesetzt blieb. Dazu kommt noch, daß
das damals zahlreiche bosnische, herzegowinische und
serbische nomadisierende Hirtenvolk, das die Kroniken
„Walachen" nennen, durchaus nicht türkenfeindlich
gesinnt war, sondern demjenigen diente, der besser
zahlte. Diese „Walachen" verfolgten auch im Gebiete
200
von Ragusa die Leute des ungarnfreundlichen Herzogs
Ladislaus und verkauften die Gefangenen an die Türken.
Die Republik Ragusa fürchtete, obwohl sie ihre
Treue zu Mathias glänzend bewiesen hatte, mit Recht
die Befehlshaber der türkischen Burgen, die durch die
Emigration der vornehmen Bosnier nach Ragusa außer-
ordentlich aufgebracht waren und um sich zu rächen,
die Kaufleute der Republik unaufhörlich brandschatzten.
Daher stellte sich Ragusa nach dem Erfolge von Jajce
nicht nur mit der Steuer von 1500 Gulden, sondern
auch noch mit einem besonderen Geschenke im Wert e
von 500 Gulden beim Sultan ein.
1
König Mathias
konnte der Republik wegen dieses ihres Vorgehens
nicht grollen, da Ragusa j a den Verwundeten nach
Jajce einen Arzt geschickt hatte und später dem
bosnischen Statthalter auch ein besonderes Geschenk
übermittelte, sowie es keine Gelegenheit versäumte,
seine Treue zu beweisen.
2
Herzog Ladislaus, der neue Bannerherr, fühlte sich
vor den Türken auch nach dem Erfolge seines Patrons
nicht vollständig sicher. Er hat sein Geld (2500 Dukaten)
in Ragusa deponiert und seine Frau und seinen Sohn
zum Aufenthalte in die Stadt geschickt, wo man sie
— wie die Kosaca's überhaupt
a
— mit großen Ehren
behandelte. Die benachbarten türkischen Besatzungen
warteten nur auf das Abziehen Mathias', um dann
sogleich Retorsion auszuüben. Vater und Söhne fühlten
sofort, daß ihr Schicksal an einen neuen Wendepunkt
kam. Den Pamilienstreit, den der Feldzug nach Jajce
nur auf kurze Zeit zurückgedrängt hatte, beendigte
1
liesti. S. 369—370.
2
Dipl. Rag. 760 ; Szapolyai hat man am 24. Nov. 1464 einen Silber-
schmuck im Wert e von 70 Goldstücken gegeben. Ebendort, S. 765.
liesti. S. 370.
3
Die geschiedene Frau Vlatko' s, die Nichte Ulrichs von Cilli, genoß
dort auch freien Aufenthalt. Am 5. Okt. 1463 „in honorando uxorem,
que fuit Vlatchi Cherzegovich quosque stabit Eag. 30 per ' \ Freundliche
Mitteilung Jirecek'n.
201
das Gefühl der gefährlichen Lage keineswegs. 1464:
geriet nun auch der zweite Sohn, Vlatko, der bisher
zum Vater gestanden hatte, mit dem alten Herzog
und dem Bruder in Streit.
Möglicherweise war er darüber aufgebracht, weil
man ihn bei der Protektion des ungarischen Königs
übergangen hatte.
1
Sie versöhnten sich zwar wieder,
doch waren sich die Nachbarmächte, die Republik
Venedig, sowie König Ferdinand von Neapel im klaren
darüber, daß die Macht der Familie ihrem Ende ent-
gegengehe. Für sie war bei eintretender Gefahr nur
wichtig, in wessen Gewalt die Burg Novi (Kastelnuovo),
der Schlüssel des Golfes von Kattaro, komme.
2
Unter solchen Umständen suchte der alte Herzog
Wege und Mittel seinen Besitz zu halten; da er aber
in die eigene Verteidigung kein Zutrauen hatte, drang
er auf die ungarische Hilfe. In der Nachbarschaft
sammelten sich schon seit dem Frühling 1464 die
türkischen Truppen unter der Führung Mahmud Pascha's.
Vater und Sohn haben durch die Gesandten von Ragusa
König Mathias über die Gefährlichkeit der Lage
3
infor-
mieren lassen.
König Mathias begann, um seine neuen Erwer-
bungen zu sichern, auf die Nachricht von dem Rache-
Feldzug des Sultans, aber auch mit Rücksicht auf
seine Versprechungen, mit neuen Rüstungen. Der Sultan
kam aber ihm zuvor und schon im Juni 1464 belagerte
er Jajce.
Wir wollen mit der Beschreibung dieser Belagerung
nicht von unserem Gegenstande abweichen, weshalb
wir uns nur auf die Bemerkung schränken, daß Jajce
einerseits durch den Heldenmut der Besatzung gerettet
wurde, der andererseits der Umstand zugute kam,
1
Besti. S. 371.
- Katoiia. XVI. 789. Ferdinand, König von Neapel hat vier Burgen
in Neapel für Novi geboten.
3
Dipl. Rng. 768—764.
202
daß die Belagerer unter nervöser Führung standen.
Den Sultan verließ die Geduld und er kehrte schon
Ende Juli nach Konstantinopel zurück, nachdem er den
Pascha Mahmud mit der Führung betraut hatte.
1
König Mathias rückte nun nach Jajce vor; schon
die Nachricht von seinem Herannahen befreite die Stadt
von den Belagerern; von da brach er nach einem klei-
nen Scharmützel zur Belagerung von Zvornik auf, der
Hauptfestung der Drina-Linie, wo er am 18. Oktober
2
urkundet. Während der Belagerung schlug sich die
türkische Besatzung Zvorniks tapfer. Wir können
aber als Grund der erfolglosen Belagerung des
Königs Mathias denselben Umstand annehmen, der
früher den Mißerfolg des Sultans Mohamed verursacht
hat.
:!
Das ungarische Heer war disziplinlos; in der
Aktion der einzelnen Divisionen war nicht die nötige
Einigkeit, und da wir es mit einem, für die Dauer des Feld-
zuges geworbenen Heere zu tun haben, das auf einem
gefährlichen Schauplatze und unter unbekannten Ver-
hältnissen kämpfte, so ist die ruhmlose Panik voll-
ständig zu begreifen, die das zurückziehende Heer
ergriff. Daß dieser Feldzug für die spätere Kriegskunst
eine wertvolle Lehre brachte, ist zweifellos, doch ge-
wann dadurch die zerfallende Macht der Herzegowina
ni cht s/
Nach dem Feldzuge brachte Emmerich Szapolyai
Jajce in Verteidigungszustand und da die Tapferkeit der
Besatzung für die Zukunft dieser neuen ungarischen
Erwerbung gute Hoffnung weckte, traten mehrere von
den bosnischen und herzegowinischen Tornehmen in
1
Ljiibic a. 0. X. 350.
2
Siehe Anhang LXXXL
3
Dies erhellt aus den §§ 15 — 87 des Wertes des Kristobulos über
das Leben Mohameds. Die bisherigen Beschreibungen der Belagerung
Jajce's sind nicht präzis.
* Die Zvorniker Diversion beschreiben ziemlich einhellig die Ragu-
saner Kroniken. Besti: 371—372 und die neueren Bearbeiter Josef T&eU,
Frahnöi etc.
203
den Dienst Emmerich Szapolyai's.
1
Die Lage wurde
aber in der Herzegowina umso bedrängter, als einer-
seits, die Pest wütete, andererseits die Vojvoden Ese
Beg, Isakovic, Ismail und Ahmet das Land zu verheeren
begannen; dazu kam, daß nach dem Abzüge des Königs
Mathias zwischen dem alten Herzog und seinem Sohn
die alte Feindseligkeit wieder aullebte. Keiner von
ihnen hielt sich an das von Venedig vermittelte Über-
einkommen; so daß die Republik einen neuen Ver-
mittler zu ihnen schickte.
2
Gegen die Türken konnten sie sich vorläufig noch
verteidigen, da die Festungen Kljuc und Micevac (in der
Nähe von Ragusa) 1465 noch in den Händen des alten
Fürsten waren, aber in der Nähe Trebinje's sind die
Türken die Herren.
3
Nach dieser gefährlichen Wendung
schickte am 2. Dezember Herzog Stefan eine Gesandt-
schaft zu König Mathias. In Anbetracht der gefähr-
lichen Lage erachtete er es für zweckdienlich auch
seinen Sohn Vlatko zum König zu senden, der vom
24. September bis 2. November bei dem Save-Übergang
von Gredistje lagerte. Herzog Vlatko erzählte, daß die
Burgen Milesevo, Samobor und Prilep verloren gegan-
gen seien und bat dringend um Hilfe. Es sei Zeit, daß
der König sein Versprechen halte. (Trotz der fehlenden
Angaben ist es uns klar, daß König Mathias, als er
nach der Belagerung Zvorniks abgezogen war, ver-
sprochen hatte, persönlich mit seinen Truppen zu
kommen, und dieser Feldzug sollte wirklich ein be-
freiender sein.) Der König hörte die Erzählung des
Gesandten und des Sohnes des hilfesuchenden Herzogs an.
Mathias hat t e den Plan sich nach Dalmatien zu
1
Dipl. Rag. 766. Die Vlatkovic' Söhne, Ivanic und Gj^orgye. Ivanic,
Vojvoden von Hmn hat Emmerich Szapolyai, der damals Verwalter des
Priorats von Vrana war, um seine Person beschäftigt.
- Ljiibic a. 0. 320. März 1465. Der Vermittler ist Lodovico de
Canalis.
3
Archiv für slav. Philologie 1897. 26—27. Dipl. Rag. .468.
204
begeben und an Ort und Stelle die Verfügungen zur
Verteidigung gegen die Türken, bezw. zum Feldzug zu
treffen. Dazu war die Mitwirkung Ragusa's und Vene-
digs notwendig, auch Herzog Stefan sollte sein Ver-
sprechen einlösen, sein Land in seinem Interesse und
auf seine Kosten, von ungarischen Truppen besetzen
zu lassen. Man mußte also den Boden diplomatisch
und militärisch vorbereiten.
In dalmatinischen Angelegenheiten war der in
Ragusa geborene Abt von Telkibanya, Alexander (Fra-
ter Alexander de Ragusio), der Vertraute und Ratgeber
des Königs, der sich damals in seinem Lager befand
und den er wieder und wieder nach Ragusa schickte,
wo er sein bevollmächtigter Geschäftsträger war. Als
Venedig — eben durch den Abt Alexander — am 18.
Oktober 1468 vom Plane des Königs nach Dalmatien
zu ziehen Kenntnis erhielt, beschloß der Rat, dem
Könige den Besuch der Häfen von Sebenico und
Spalato (wohin er wegen Klissa fahren wollte) auf
ragusanischen Galeeren zu gestatten; Schießpulver
sollte er aber nicht bekommen und die dortigen
Befehlshaber sich damit entschuldigen, sie hätten kei-
nes.
1
Außerdem hat t e Mathias den Plan einer Koope-
ration mit dem albanesischen Fürsten Skander Beg.
2
Ra-
gusa verpflichtete sich die nach Dalmatien zur Be-
setzung der Burgen der Herzegowina kommenden
Truppen mit Lebensmitteln zu versehen und ihnen auf
alle Art behilflich zu sein.
Der König mußte mit großer Vorsicht vorgehen.
Solange er auf dem felsigen, schwer zugänglichen, her-
zegowinischen Gebiete den Besitz der wichtigen Plätze
nicht gesichert hat t e und den vielen Grenz- und per-
sönlichen Streitigkeiten zwischen Venedig, Ragusa und
den kroatischen, sowie herzegowinischen Herren kein
1
Ljubic. X. 340.
- Miklosich. 767.
205
Ende bereitet hatte, konnte er mit den Kerntruppen
nichts ausrichten. Deshalb beschloß er vorläufig eine
bewaffnete Macht nach der Herzegowina und Ragusa
zu schicken um dort Ordnung zu machen. So kam die
Expedition Rozgonyi-Thuz zustande, in deren Endzweck
er die Gesandten Herzogs Stefan natürlicherweise nicht
einweihen konnte und von denen er nur sagte, daß
sie mit dem Herzog verhandeln würden.
In seinem Lager am Save-Übergang hat er am
2. November den Schatzmeister Johann Rozgonyi und
Johann Thuz von Lak, Landeshauptmann von Zagorje
zu bevollmächtigten Kommissären mit der Weisung
ernannt, sich mit ihren 500 Reitern auf den Schau-
platz zu begeben, mit Herzog Stefan zu verhandeln
und in seinem Namen an Ort und Stelle Verträge zu
schließen, wie es ihnen gut dünke. Gleichzeitig wies
er sie an, auch die Angelegenheit Klissa's in Ordnung
zu bringen, das Venedig um jeden Preis besetzen wollte
und in der Umgebung der Burg und Zupe von Livo
Ordnung zu machen.
1
Die Bevollmächtigten des ungarischen Königs
brachen am 5. November auf,
2
gelangten am 28. No-
vember — über Jajce — nach St agno
s
und wurden
am 8. Dezember in Ragusa empfangen.
4
Herzog Stefan
erschrack außergewöhnlich über diese Mission. Er
hat t e sie herbeigewünscht und als nun das ungarische
Heer angekommen war, wußte er nicht wie er sich
verhalten sollte. Seine Freunde schrieben, sagt er, diese
ungarischen Truppen wären gekommen um ihn gefan-
gen zu nehmen.
5
Er zog sich also in die Burg Novi
zurück und mit Berufung auf das Versprechen der
Republik — falls ihm etwas zustoße, könne er sich
1
Anhang LXXXII, LXXXIII, LXXXV.
2
LjuUc. X. S. 643.
3
Dipl. Rag. S. 768.
4
Ebendort.
5
Ljubic. X. S. 350 und ff.
206
Tuhig an ihre Offiziere wenden — schickte er zum
Proveditore von Kattaro. Er verlangte von ihm, man
möge ihn auf venezianischem Gebiet aufnehmen. Dieser
antwortete aber, — korrekter Weise — falls sich der
Herzog vor den Türken flüchte, nähme er ihn gerne
auf, flüchte er aber vor dem ungarischen Könige, so
könne er ihn nur dann aufnehmen, wenn_ es von der
Republik direkt befohlen werde. Nicht die Übergabe der
zwei Burgen hat den Herzog bekümmert, sondern er
hat t e Angst, der König werde sein Land erobern.
Er hat also in eine andere Richtung gelenkt und das
Gebiet der Narenta (die Gegend, wo heute Metkovic
und Gabela liegen) und Kastelnuovo schon vor der
Ankunft der ungarischen Gesandten durch seinen Boten
Venedig in der Hoffnung angeboten, auf diese Weise
seiner Verpflichtung zu entgehen. Er hat sogar in
Kastelnuovo die Fahne der Republik gehißt. Die Re-
publik gab in ihrem, am 25. November gefaßten Be-
schlüsse ihrer Freude über den Antrag Ausdruck,
beschenkte den Herzog mit 100 Golddukaten und einem
Galakleide.
1
Schon am 28. November wurde dem
venezianischen Statthalter zu Spalato aufgetragen, das
Gebiet an der Narent a „auf Grund des Willens und
des Entschlusses des Herzogs Stefan" zu besetzen.
2
Die Republik fühlte, daß sie damit auf gerade nicht
geziemende Weise in den Rechtskreis des ungarischen
Königs eingriff. Sie gab daher am 2. Dezember dem
beim König Mathias befindlichen Gesandten den Auf-
trag, dem König jeden etwa aufsteigenden — sicher
berechtigten — Verdacht zu benehmen; er solle
Mathias in Kenntnis setzen, Herzog Stefan habe das
Narenta-Gebiet unter den Schutz der Republik gestellt,
weil er selber es nicht zu verteidigen vermöchte und
lieber in den Händen der Christen sehen wollte, als daß
1
Ljubie. X. S. 345.
-' Ljubie. Ebendort.
207
es von Heiden besetzt würde. Man war sich in Venedig
sehr wohl bewußt, daß der Besitz des Narenta-Gebietes
die Interessen von Ragusa verletze und dessen Verkehr
nach Norden unterbinde, so, daß es jetzt vollkommen
und zwar in unmittelbarer Nachbarschaft von Norden
und Süden von der Macht der großen Republik Ve-
nedig umgeben war. Man fühlte im voraus, der Ge-
sandte von Ragusa würde gegen diesen Schritt pro-
testieren und so wurde der venezianische Gesandte
beauftragt, daß er „auf jede Weise" diese Sache
schlichten sollte.
1
Vergebens hat Mathias seine Expe-
dition geplant, der Wettstreit der lokalen Interessen
hat jedes Unternehmen schon im Keime erstickt.
2
Die Ragusaner hingegen, die eine ungarische Hilfe
sehr ersehnten, erschraeken jetzt außerordentlich, als
die ungarischen Truppen in Ragusa waren. Sie fürchteten,
die Venezianer könnten die ungarischen Söldner be-
stechen und diese dann auch Stagno in die Hände der
Republik spielen. Das Volk wurde von einer noch
größeren Aufregung ergriffen, es könnte die Stadt selbst
besetzt werden, als die ungarischen Kapitäne am
9. Februar in der Stadt erschienen.
Es ist für den alten Herzog charakteristisch, daß
er — der im ersten Schrecken alles plötzlich Venedig
angeboten hatte — als nun die ungarischen Truppen da
waren, es doch für dienlich erachtete, Verhandlungen
anzuknüpfen. Er bereute bereits, daß er die Sache
mit Venedig übereilt habe, da es ihm vielleicht mit
König Mathias doch besser ging. Er hat mit Johann
Rozgonyi und Johann Thuz tatsächlich verhandelt und
zwar in Ragusa.
J
Am 20. Mai 146(1, also kaum um ein halbes Jahr-
später, nachdem er das Gebiet von Narenta und Kraina
1
Vergleiche noch M. D. M. I. 43, 47, 49, 50. Man versprach dem
Gesandten des Königs angeblieh 10.000 Golddukaten.
a
Besti. S. 372.
3
LMM. X. 359.
208
Venedig angetragen hatte, behauptete er, Jakob
Marzello, Proveditore von Spalato, habe diese Gegenden
in Besitz genommen, ohne ihn zu befragen. Es sei zwar
wahr, daß er erklärt habe, wenn ihm etwas zustoße,
würde er die Besitzungen der Bepublik übergeben, weil
er wisse, er könne sein Land gegen die Türken und
Ungarn nicht behaupten und es sei ihm lieber, wenn es
sich in ihren Händen befinde. Er leugnete nicht ab, daß
er seine Besitzungen der Republik angeboten habe, be
nützte dies aber zur Unterstützung einer neuerlichen Bitte.
Er bietet der Republik auch seine Burgen im Golfe von
Kattaro an, möchte aber dafür ein Schloß mit einer
Besitzung und jährlichem Subsidium erhalten und im
Falle des Abzuges der Türken sein Land zurückerhalten,
quia dulcis est amor patriae, und darüber eine Urkunde
bekommen. Die Republik nahm auch diesen Antrag
mit Freuden an und war in der ersten großen Be
geisterung geneigt ihm die Insel Brazza und ein Haus
in Spalato einzuräumen. Man erlaubte ihm sogar even
tuell in Venedig zu wohnen.
1
Später stimmte man nur
der Übergabe der Burg Visoko zu (in der Gegend von
Spalato). Was der Herzog mit Rozgonyi und Thuz
verhandelt hat, wissen wir nicht genau, wahrscheinlich
verlangte er von Mathias 3000 Mann.
2
Sicher hat er
mit seinem endgültigen Entschluß ihnen gegenüber
gezögert.
Der König konnte ihm aber diese 3000 Soldaten
nicht zur Verfügung stellen und verständigte den
Herzog, falls er Soldaten benötige, so solle er sie an
Ort und Stelle werben.
Die Mission Rozgonyi's und seines Gefährten in
Ragusa und Umgebung hat sich bis zum 16. Februar
1466 hingezogen; sie hatte das Ergebnis, daß die unga
rischen Kommissäre energisch vorgingen, die Fahnen
1
Ljubic. X. S. 365.
2
Dipl. Rag. 769—779.
209
Venedigs herabrissen und daß die Ragusaner im Besitze
Stagnos blieben. Die Venezianer verzichteten hierauf
auf die Besitznahme. Die ungarischen Truppen haben
nachher die Burg Pocitelj besetzt, deren Verpflegung
und Erhaltung die Republik Ragusa auf sich nahm,
zu welchem zwecke sie König Mathias auch einen
Jahrestribut anwies.
1
Für Ragusa war das ingoferne
ein Erfolg, weil ihm gegenüber dem türkischen Nachbar
wenigstens eine zuverlässige, disziplinierte Schar zur
Verfügung stand, was aber keinen allzu großen Erfolg
bedeutete. Darin stimmen sämtliche Quellen überein,
daß die ungarischen Kommissäre beim Fürsten Stefan
nichts ausgerichtet haben.
2
Zwischen so eigensinnigen Leuten, wie sie die
Kosaca waren, hät t e keine Gesandtschaft Ordnung
machen können. Der Familienstreit loderte noch
mehr auf, als früher. Es wirkt wahrhaft drama
tisch, als sich der Herzog im Laufe der Friedens
vermittlung bei der Republik Venedig beklagt, er sei
um 1000 Golddukaten benachteiligt worden. Die Ursache
von allem sei sein Sohn Ladislaus, der das Land
zugrunde gerichtet habe. „Hätte er tausend Leben
— erklärte der Herzog — so verdiente er alle zu
verlieren nicht nur dafür, was er gegen seinen Vater
und Herrn, sondern gegen das ganze Christentum ver
brochen hat, denn der Himmel weiß es, daß er der
Führer der Türken in Bosnien und die Ursache all
unseres Verderbens ist. Er hat die Türken in sein
Land geführt, und an einem einzigen Tage verloren
30.000 Leute ihr Leben und alles wurde in Brand
1
Annali di Ragnina. S. 263.
2
öerardi de Callis d. 27. Juni 1466. Dieser Bericht sagt, Mathias
habe, als er in Agram (Zagrab) war, den Antrag des Herzogs angenom
men und Vlatko sei angeblich als Bürge bei ihm geblieben. Der König
hat zur Vollziehung des Übereinkommens Rozgonyi und Thuz mit 5000
(500) Mann geschickt. Makusev. EL 165. Es ist schwer aus den häufig
widersprechenden, nur auf mündlichen Mitteilungen beruhenden Berichten
die Wahrheit herauszuschälen.
14
210
gesteckt; das hat dieser verfluchte und ungehorsame
Sohn ausgerichtet." Und was ist der Anlaß des Streites?
„er wollte schon bei Lebzeiten seines Vaters Herrscher
werden und den alten Herzog zum Gehorsam zwingen".
Er habe für seinen Haushalt drei Burgen angewiesen:
Sused, Prosrednica und Budos und er wolle doch auf
Kosten seines Bruders noch mehr erwerben.
Dem war aber nicht ganz so, wie der Herzog es
darstellt. In Wirklichkeit hat er dem ungarischen
Könige den übriggebliebenen Teil seines Landes ange-
tragen und als der König zwecks Verhandlungen seine
Gesandten hinschickte, hat er sich die Sache überlegt
und unterdessen den Venezianern seine Länder ange-
boten. Den Boten des Königs Mathias sagte er hinge-
gen, die Landesteile, die er dem König versprochen
habe, seien nicht mehr in seinem Besitze, sondern in
dem seiner Söhne, und in deren Namen könne er
kein Versprechen machen. Um seinen Einwand an-
nehmbar erscheinen zu lassen, übergab er die ob-
erwähnten Burgen noch vor der Ankunft der Rozgo-
nyi'schen Gesandtschaft, Herzog Ladislaus, damit er auf
diese Weise sein Wort nicht einzulösen habe.
1
Die Versöhnung mit Herzog Ladislaus dauerte
aber auch diesmal nur sehr kurze Zeit, wie die vorher-
erwähnte Klage beweist, weil Ladislaus die drei Burgen
ernstlich als sein Eigen betrachtete und weil er aus
dem Umstände, daß sein Vater die Familienerbschaft
Venedig übergab, selber einen Nutzen zu ziehen bestrebt
war. Die ungarischen Gesandten verweilten noch in
Ragusa, als Herzog Ladislaus seinen Schwager, Manole
Kantakuzen, nach Venedig schickte und für den Fall,
daß er sich flüchten müßte, auf der Insel Curzola oder
Lesina einen Zufluchtsort verlangte. Gleichzeitig stellte
er der Republik den Antrag, man möge ihm bei der
Verteidigung Bosniens zum Kapitän der Republik
1
Ljubic a. 0. 347—349.
211
ernennen, mit einem Worte, der ungarische Bannerherr
ist in den Dienst Venedigs getreten. Darin lag keine
Illoyalität, er sah j a noch keinen Nutzen des Schutzes
seitens Mathias. Die Republik nahm dieses Anerbieten
freudig auf, ernannte ihn am 17. Februar zum Kapitän
und wies ihm aus den Einkommen von Kat t aro
500 Golddukaten an.
1
Es war also ein Schwanken auf der ganzen Linie.
Vater und Sohn suchen gleichmäßig die Aussichten
für die Zukunft für sich möglichst zu sichern, konnten
aber wegen dieser wankelmütigen Haltung nicht auf
die ungarische Hilfe rechnen und verdarben es sich
auch mit den Türken. Ragusa ist — begreiflicher-
weise — auf das Umsichgreifen Venedigs eifersüchtig
geworden, und der Gegensatz zwischen den Familien-
mitgliedern hat den endlichen Untergang nur be-
schleunigt.
Unterdessen fielen die türkischen Scharen fort-
während sowohl in das Gebiet des Herzogs, wie auch
in das seines Sohnes, Ladislaus, ein. Der letztere ver-
langte von der Republik Ragusa eine Unterstützung
um ungarische Truppen herbeiziehen zu können, was
aber verweigert wurde. Der alte Herzog wurde unter-
dessen sehr mißgestimmt und da er sah, er könne
nirgends zum Ziele gelangen, begann er mit Ragusa
zu verhandeln, das ihm Giupana, als Besitz und Wohn-
ort antrug. Diese Angelegenheit hat der Herzog per-
sönlich — im Monate Mai — mit dem Rate in Ragusa
besprochen,
2
kehrte aber schon krank in die Burg
Novi zurück. Hier hat er seine Anhänger, Radin, das
Haupt der patarenischen Kirche (veliki gost), David
den griechisch-orientalischen Metropoliten von Dibra
(Dabar) versammelt und sein Testament gemacht. Auch
sein Anhänger Pribislav Vukotic war dort. Unter-
1
Dipl. Rag. 774. Sein Salvus Conductus d. 19. Mai 1466.
- Pucic: Spomenici II. S. 124. Slavisch und lateinisch.
14*
212
dessen hat t e er auch von der Republik einen Arzt
verlangt, der aber wegen der in Ragusa wütenden
Pest nicht entbehrt werden konnt e; auch kein Militär
konnten die Ragusaner schicken, da sie dieses dem Johann
Rozgonyi zur Verfügung gestellt hatten. Da der Herzog
sein Ende nahen fühlte, ließ er seine ganze fahrende
Habe nach Ragusa bringen, weil er doch in die Ehr
lichkeit der Republik Vertrauen hatte, von der dieselbe
schon den Brankovicen gegenüber einen glänzenden
Beweis abgelegt hatte. Er ist am 22. oder 23. Mai
gestorben.
Sein am 20. Mai datiertes Testament hat man
nach Ragusa gebracht, weil mit dessen Vollziehung
die Republik betraut war. Nach der Eröffnung dessel
ben stellte es sich heraus, daß er sein Land seinen
drei Söhnen hinterlassen hatte. Novi, die Hauptfestung
ist in den Besitz Vlatko's gekommen. Dadurch wurde
Herzog Ladislaus nicht benachteiligt, da dieser schon
den größeren Teil der väterlichen Erbschaft in
seinen Händen hatte. Desto stärker wurde Ladislaus
bei Verteilung des beweglichen Gutes getroffen. Während
der Herzog den anderen Söhnen Vlatko und Stefan je
30.000 Golddukaten, seiner Witwe 1000 und Stefan
alle seine Effekten samt den von Barbara bei Hofe
gelassenen Gewändern vermachte, wurde nur der Rest
unter den Brüdern verteilt. Der tabellarische Ausweis
der im Testament enthaltenen Effekten ist der Fol
gende :
213
Vlatko Stefan Cecilie
30.000 Goldduka-
t en.
1000 Golddukaten.
Zwei silberne Humpen.
., „ Kannen.
„ „ Schalen.
,, „ Tassen.
Sechs „ Löffel.
Zwei „ Gürtel.
Ein Stück Goldbrokat-
Stoff und alle ihre, sei-
tens des Fürsten erhalte-
nen Kleider, seitdem sie
an den Hof gekommen
ist.
30.000 Golddukaten.
Ikone mi t Gold-, Silber-
und Perleneinfassung.
Eine Krone mi t Perlen.
Ringe, Halsbänder.
Serpentin-Flasche.
Silber-Flasche (vom Voj-
voden Sandalj gekauft).
Vier Halsbänder mi t Edel-
steinen.
Ein Gürtel mi t Perlen
(für seine Frau Barbara).
Alle Ringe mi t Steinen.
4 Gewänder.
Alle Kleider seiner Mutters
Barbara.
Wenn er sich verheiratet,
den vom König Mathias
erhaltenen, mi t Gold ein-
gefaßten Purpurmant el ,
einen roten, mi t Gold ge-
faßten Mantel. Ein fürst-
licher Purpurmant el mi t
Blumen und ein mi t
Gold durchgewebtes Sei-
dengewand.
Das übrige, außer diesen hier aufgezählten Gegen-
ständen, ist unter Ladislaus, Vlatko und Stefan gleich
zu verteilen.
1
1
Die Schatzkammer der Familie Hranici (Kosaca) Lück Emilian.
W. M. B. H. H. S. 125—155, hat aus gedruckten Quellen ein Verzeich-
nis der in Ragusa und Venedig deponierten Gelder und der Effekten
zusammengestellt, meistens nach Miklosich und Pucic. Auf S. 131;—150
faßt er so die Geldsummen, wie die einzelnen Gegenstände auf Grund
des Testamentes in ein Inventar zusammen. Das Deposit von Ragusa
war nach Miklosich 70.000, nach Pucic 71.000 Golddukaten. Er kommen-
t i er t sehr interessant und eingehend die einzelnen Gegenstände, nur ist zu
staunen, daß er nicht bemerkt hat, wie im Testament von der verstor-
benen Frau des Herzogs Stefan, Barbara, und seiner- dri t t en Gemahlin,
Ceeilie, die Rede ist. Was die vom König Mathias geschickte „Suba" betrifft,
die aus roter Seide war, mei nt er, diese wäre ein mi t GolcT gewebter,
großer, roter Mantel gewesen und daraus, daß er ihn dem Herzog Stefan
vermacht e falls er heiraten wird, folgert er, es wäre dies ein Frauenmant el
gewesen. Nach dem Wörterbuch des Vuk Karadzsic ist „suba" ein
langes Frauenkleidstück mi t blauen Ärmeln und mi t Pelz gefaßt. Die
Annahme, die „Suba" hät t e Mathias damals Stefan geschickt, als
214
„Niemand darf meine Verfügung brechen. Selbst
meine Söhne nicht; denn solange ich lebe, steht mir
das Eecht der Verfügung über die aufgezählte Ver-
lassenschaft zu. Mit der Vollziehung des Testamentes
beauftrage ich die Vornehmen von Ragusa, De Georgi
und De Gozze."
Die Aufteilung der Verlassenschaft haben Radin
gost und der Metropolit David, sowie Pribislav Vukotie
vermittelt. Im Testament vermachte der Herzog aber
10.000 Golddukaten auch dem Papste zu kirchlichen
Zwecken und für sein Seelenheil. Dieses Legat könnte
man so erklären, daß ihn die Furcht vor der Ewigkeit
befallen hat. Seinem Charakter stand aber jede Senti-
mentalität fern, er dachte mit diesem Legate eher
daran seiner Familie die Hilfe des Papstes zu sichern.
IV.
Nach dem Tode des Herzogs Stefan brach der
Streit unter den Erben ans; Ladislaus, der älteste
Herzogssohn war der Meinung, sein Vater habe ihn
zugunsten seiner Brüder benachteiligt. Die Ragusaner
aber, als Vollzieher, wichen von dem Wort l aut des Testa-
mentes keinen Schritt ab und ermahnten die Brüder
zur friedlichen Eintracht. Die Verfügungen, die zur
dieser ihm in der Herzegowina Hilfe leistete, ist vollkommen richtig.
Die Wort e des Testamentes „deleg.o vestamentis meis subam magnam"
deuten darauf hin, daß die .,Suba," aus seinen Kleidungsstücken war. Der
Sinn ist also nicht ganz klar. Sie kann auch ein Purpurmant el gewesen
sein. Die Einleitung des Satzes und der vorhergehende Satz scheinen die
letztere Annahme zu unterstützen umsome.hr, weil man unt er Mantel
plasti verstehen müßt e. Wi r versuchen folgende Annahme aufzustellen.
Ob die in Fojnica in Bosnien bei den Franziskanern aufbewahrte, mi t
dem Wappen des Königs Mathias versehene Tapete, die weiland
min von Kállay für die ungarische Nat i on erwarb, nicht dieses dem
-Herzog Stefan gegebene (beschenk i st ? Die Erdödy' sehe ganz analoge
Tapete von Ualgöcz ist auch vermutlich solch ein Prachtgeschenk. Unter
Examentum muß man eine mi t 6 Fäden gewebte Seide verstehen. Auf
diesen Aufsatz vom kulturhistorischen Wer t e wollen wir die Aufmerk-
samkeit der Forscher hiemit lenken.
215
Vollziehung des Testamentes dienten, das Verhalten
der Söhne des Herzogs und der nach dem Mai 1466
eingetretene Verfall, bilden einen langen Abschnitt im
traurigen Schwanken, von dessen Einzelheiten die im
Ragusaner Diplomatarium mitgeteilten Daten ein hin-
reichend verläßliches Bild geben. Wir wollen nicht näher
hierauf eingehen und weisen nur auf die Umrisse der
Katastrophe hin.
Die zwei Brüder, Herzog Ladislaus und Vlatko,
bedurften sofort des Geldes, die Republik konnte aber
die Formalitäten nicht unbeachtet lassen. Johann
Rozgonyi und Johann Thuz, die ungarischen Kommissäre,
die die Lokalverhältnisse kannten, machten König
Mathias aufmerksam, daß im Testament auch ein kirch-
liches Legat von 10.000 Golddukaten vorkomme. Der
König bewirkte hierauf beim Papst, daß diese Summe
ihm zur Verfügung gestellt wurde, da er zur Ver-
pflegung der dortigen ungarischen Besatzung Geld be-
nötige. Bis zum Eintreffen des Entschlusses des Papstes
verbot der König der Republik die Vollziehung des
Testamentes. Bis 146S
1
gab man also den Brüdern
nur Vorschüsse.
1
Die Zustimmung und Instruktion des Papstes ist vom 10. Febr.
1468 datiert. Dipl. Rag. S. 629. Sesti. 377- 379. Am 17. Aug. 1476 forderte
König Mathias in der Angelegenheit der Erbschaft des Herzogs Stefan
18.000 Golddukaten für die dem Herzoge Stefan geleistete Hilfe und
deshalb verbot er den Ragusanern die Erbschaft zu liquidieren. Johann
Rozgonyi und Johann Thuz ordnen am 24. Okt. 1466 bei der St adt den
Sequester an. (Rad.)
Diese Anordnung ist angeblich aus Klissa datiert. Die Ragusaner
scheinen gegen dieses Vorgehen protestiert zu haben, weil sie am 4. Dez.
von Rozgonyi und Thuz einen ähnlichen Befehl erhielten. Da wandten
sich die Söhne des Herzogs an Venedig. (Ljubic. S. Rad. XVII. 1—17.
Das. Verhältnis Ragusa' s zu Venedig.)
Die Sache stand aber so, daß Rozgonyi und Johann Thuz von Lak
in der Burg Sinj am 4-ten Dezember der Republik schreiben, daß von
denen, die auf die Erbschaft Stefans einen Anspruch haben, Herzog
Vlatko sein Recht bewiesen hat, und die väterliche Erbschaft des Herzogs
Ladislaus durch die Republik nicht zurückgehalten werden dürfe. Sie
ersuchen im Namen des Königs die Stadt, die ganze Erbschaft des Herzogs
Stefan, die dort deponiert ist, solange der König jemanden nicht zu
ihnen schickt, mi t dem auch sie den Scha,tz und die Ansprüche der
216
Mittlerweile suchten die Brüder nähere Beziehun-
gen mit dem König anzuknüpfen und verheirateten
ihre Schwester Mara mit Ivan Crnojevic. * Herzog
Ladislaus, den die Türken am meisten bedrängten,
erwirkte unterdessen eine Donation beim König Ma-
thias, und übersiedelte mit einem Teil seiner Anhänger
— Ivan Vlatkovic — nach Ungarn. Seine Frau und
sein Sohn, Peter Balsa gingen auch mit.
2
Er hatte auf irgend eine Art den einen Teil des
beweglichen Gutes seines Yaters erworben, wodurch
betreffenden Erben untersuchen, nicht auszuhändigen. Hiezu schicken sie
den Abt Alexander von Telkibänya. Dr. Eduard Margälits, der im Horvät
repertorium (Kroatisches Repertorium) S. 316, einen Auszug aus der
zitierten Abhandlung machte, dat i ert den Brief Rozgonyi' s aus Klissa
vom 24. Okt. Das ist aber ganz verfehlt, da der Brief Rozgonyi's aus
Klissa vom 2. Okt. dat i ert i st ; daraus erhellt folgendes : König Mathias
hat in der Tat zum Schutze des Herzogssohnes Stefan ein Heer geschickt,
und Stefan hat sich durch seinen Sohn Vlatko verpflichtet dieses Heer
zu besolden. Diese Summe bet rug 27.000 Goldgulden. Diesen Betrag
"waren also die Erben dem Könige schuldig. Die Republik zahlte also
aus der bei ihr hinterlegten Veiiassenschaft 9000 Goldgulden, worüber
eine Quittung ausgestellt wurde ; es bestand also noch eine Forderung-
von 18.000 Goldgulden. Solch eine mangelhafte Vorstellung bekommt
man, wenn man nur einen Teil des Urkundenmaterials kennt . "Wir. sind
also über die ganze Mission im klaren. Der Sohn Stefans, Vlatko
wurde zu Mathias geschickt, dem er sein Land unt er der Bedingung
anbieten sollte, der König müsse Militär schicken, das er zu besolden
habe ; und als der König wirklich Militär geschickt hat t e, erschrack er,
daß sein Land erobert wird und hat sein Land gleichzeitig Venedig
angeboten. Siehe noch Anhang LXXXVII—VHI.
1
1469. liesti, S. 880.
2
Von der Rolle die der Zweig Ladislaus' in Ungarn spielte, wird
bei einer anderen Gelegenheit die Rede sein.
Pridislaus 14. Aug. 1466. Johann, Vojvode von Hum spricht die
Hörigen der Burg Csekel des Bischofs von Vesprim Albert, von der
Plünderung des zum auranischen Pri orat gehörenden Ortes Mike im
Komitat Somogy frei. Im Archive des Kapitels von Vasvär-Szombathely
(Kisenburg-Steinamanger). Fase. C., Nr. 14., Anhang LX1II.
Ragusa stellt am 14. Juni 1473 einen Vertragsbrief für Cecilie,
Wi t we des Herzogs Stefan, Vlatko und Stefan und seine Nichte
(Stefans ?) aus „alla nohil madona Amal t a". Ladislaus spielt keine Rolle
mehr. Und am 17. Aug. 1476 datieren Anna Kyra, die Gemahlin des
Herzogs Ladislaus und ihr Sohn in Brezovica. Anhang XCII die Bestäti-
gungsurkunde Balsa' s des Sohnes Herzogs Ladislaus von Sankt Sava und
seiner Mutter „Charava" daß sie die Privilegien der St adt Brezovica
einhalten wollen. Kapitel von Vasvär-Szombathely. Fase. 12, Nr. 6.,
Anhang XCV.
217
er seinen jungen Bruder Stefan, aber auch Vlatko
erbitterte und da er außerdem sah, daß er sein Land
nicht behaupten konnte, war dies für ihn der einzige
Ausweg.
Herzog Vlatko, der zweite Sohn Herzogs Stefan,
residierte in Novi. Er unterhielt aber hie und da mit
den türkischen Begen nachbarliche Beziehungen und
wenn sich eine Gelegenheit eröffnete, wetteiferte er mit
ihnen in der Plünderung der Kaufleute von Bagusa.
1
Sein Bruder. Stefan Kosaca, kann damals ein
15—16jähriger Jüngling gewesen sein. Er scheint sich
um 1474 zum mohamedanischen Glauben bekehrt
zu haben und erhielt den Namen Ahmet. Ob Zureden,
Eigennutz oder der Haß gegen seinen Bruder ihn
zu diesem Schritte bewogen haben, bleibt dahingestellt.
s ist es sicher, daß er nie zu einem fanati
schen Mohamedaner geworden ist und er unterhielt
mit seinem Bruder, Vlatko, immer gute Beziehungen.
Als die Türken 1474 versuchten, sich der Residenz
Vlatko's, Kastelnuovo, zu bemächtigen und ihm bei dieser
Gelegenheit große Versprechungen machten, wenn er
sie übergäbe, warnte ihn sein Bruder Ahmet selber,
durch den dieser Antrag gestellt wurde, dem Ver
sprechen der Türken nicht sehr zu trauen.
2
Ein
gewisser christlicher Zug blieb Ahmet auch späterhin
eigen, denn er unterhielt die Verbindung mit seiner
Verwandtschaft und stand mit den Venezianern in fort
währender Verbindung, die in schweren Augenblicken
immer auf seine Vermittlung rechneten. Es ist zwar
nur eine Annahme, die aber große Wahrscheinlichkeit
für sich hat, daß er im geheimen auf seine Erb
ansprüche niemals verzichtete und die Hoffnung hegte,
seine Erbschaft vom Sultan unter irgend welchem Titel
erhalten zu können.
1
Besti. S. 384, M. D. M. 73, 79. 80.
2
23. und 24, Okt. 1474, Staatsarchiv zu Mailand.
218
Er war so vernünftig, sich der Neugestaltung der
türkischen Verhältnisse kaltblütig anzupassen; er kannte
auch deren Schwächen, verstand es sie zu behandeln.
Dem hat t e er seine große Karriere am türkischen Hofe
zu verdanken, er wurde Großvezier und Schwiegersohn
des Sultans. Dies sei aber nur nebenbei erwähnt, denn
seine Lebensbeschreibung und sein Wirken gehört in die
türkische Geschichte.
1
Vlatko wandte sich, als die Türken allmählich
seine Burgen besetzten, in seiner bedrängten Lage an
den Papst um Hilfe, erhielt aber nichts, als Ermun-
terungen.
2
Als er seinen gänzlichen Untergang kom-
men sah, da die Türken sein Gebiet immer mehr und
mehr einschränkten, bot er Novi und die nahen Fort s
Fort-Opus dem König Mathias an und übertrug die
Verteidigung einer ungarischen Besatzung.
3
Die Ragu-
saner wollten Novi gleichfalls behaupten, verspäteten
sich aber.
Als König Mathias infolge seiner Diversionen
nach Westen mit den Türken Frieden schloß, überließ
er diesen damit den südlichen Schauplatz.
Die ungarische Besatzung, die in Pocitelj auf
Kosten Eagusa' s gehalten wurde, hat ihre Aufgabe
tüchtig erfüllt. Abt Alexander, der eifrigste Gesandte
des Königs Mathias, vermittelte mit großer Geschick-
lichkeit zwischen Vlatko und dem König, und sorgte
für die Verpflegung der ungarischen Trappen sozusagen,
' Die Skizze seiner Biographie in Glasnik 189-1, S. 360—363. von
Karl l'eez. Er und auch seine Nachkommen ließen sich von Ragusa
unt er dem Titel ihrer Erbschaft fortwährend bezahlen. Bazzi Chron.
S. 111. Zu seinem Verhältnisse mi t Venedig Marino Saniido Bd. III—XXVII.
Er fordert 1500 einen Rubin von Venedig, der Vlatko gekörte und in
die Hände Loredanos kam. III. S. 191.
3
Rom, den 21. Febr. 1475. Den Brief Vlatko' s, Herzog von Sankt
Sava beant wort et der Papst dahin, es seien seine Gesandten bei ihm
gewesen, und er ermahne ihn zur Ei nt racht und zum Wi derst and,
und verspricht ihm und seinen Brüdern Hilfe. Kaprmai, 9—18. An-
hang XCIII.
3
Besti. S. 387. Luccari. HL 195—196.
219
als Statthalter von Süd-Dalmatien.
1
Obwohl die Wür-
digung der Tätigkeit dieses braven Mannes, sowie die
eingehende Besprechung dieser ungarisch-herzegowini-
schen Okkupation die Mühe lohnen würde, wollen wir
bei dieser Gelegenheit von den Taten der ungarischen
Besatzung nur eine, die berühmte Brücke von Mostar
erwähnen.
Cyrill Truhelka war der erste, der den Bau der
Brücke von Mostar mit der Besetzung von Pocitelj und
zwar auf Grund des Diplom. Ragusanum in Verbindung
brachte. Am 28. Dezember 1465 gab nämlich der Rat
von Ragusa eine Verordnung aus, daß über die Narenta
bei Pocitelj auf Kosten der Republik eine Brücke
gebaut werde, damit die ungarische Besatzung leicht
übersetzen könne.'
2
Am 3. Jänner 1466 schickte man Zimmerleute und
andere Brückenbauer in die Gegend von Pocitelj und
beauftragte den Rektor soviel Kosten zu diesem Zwecke
1
Der aus Ragusa stammende Abt Alexander von Telldbänya hat
am 20. Nov. 1469 vom König Mathias den Auftrag erhalten, die poli-
tischen Angelegenheiten im Sinne gewisser Instruktionen des Königs zu
leiten. Seine Kosten hat der König auf den Jahrest ri but der Ragusaner
angewiesen. Cod. Dipl. Pat r. III. 423. 14, Febr. 1470 gi bt er über 100
Golddukaten eine Quittung, am 10. Apr. 1470 über 300 ;, der König
quittierte am 9. Okt. 1472 neuerdings über 200 Golddukaten, die man
dem Abt Alexander aus den königlichen Steuern anwies. Ebendort 426.
Am 27. Okt. 1472 drückt der König der Republik seine Anerkennung
aus, daß dem Abt Alexander und seinem Gefährten Pet er Derecskey
ihre Kosten angewiesen wurden. Ebendort 427. Am 13. Febr. 1473 haben
die Ragusaner 500 Golddukaten angewiesen. An der Mission des Abtes
Alexander nahm als Gesandter des Königs auch Pet er Derecskey teil. Abt
Alexander hat die von der Republik angewiesenen Gelder, über welche
er selber Quittungen ausstellte für die Besetzung und Verteidigung der
Grenzfestungen verwendet. Ebendort 428. März 1473. Die von der Republik
jährlich gezahlten 500 Golddukaten wurden eigentlich im Interesse der
Republik zur Erhal t ung der genannt en Grenzfestungen verwendet. Vom
19. Mai 1474 der Dank des Königs, 27. Juni 1474 der Brief Johannes
Ernust, Banus von Slavonien und Schatzmeister. Ebendort 428, 429. Der
König hat diesen seinen eifrigen Anhänger schon 1465 dadurch belohnt, daß
er ihm in einer slavischen Donationsurkunde die Zupe um Kastelnuovo
erblich verlieh. Siehe Miklosich Mon. Über die Einzelheiten seiner Mission.
Dipl. Rag. 775—800. Anhang LXXXIV.
8
Dipl. Ragusanum S. 79. Siehe die Brücke in heutigem Zustande
auf der 2. Kunstbeilage.
220
aufzuwenden, als die Arbeit erfordere.
1
Die Frage
ist nur, ob es sich wirklich um die Brücke von
Mostar handelte. Truhelka stützt seine Folgerungen
darauf daß:
1. Mostar, sowie seine Brücke urkundlich vor 1465
nicht erwähnt werden. Dieses Argument kann aber
nicht vollkommen genügen, weil 1448 und 1455 unter
pons terrae eine Brücke unter den Besitzungen Stefan
Kosaca, erwähnt wird.
2
2. Aus der Mitteilung des Dipl. Ragusanum folgt,
daß die Brücke unmittelbar bei Pocitelj gebaut wurde.
Diese Brücke vermittelte eine Verbindung zwischen
Jajce—Herzegowina und die Spuren der alten Korvin-
Straße kann man von Mostar bis Rama auch heute
verfolgen. An allen Bächen, die in die Narenta mün-
den, sind gleiche im alten Stile gebaute Brückenköpfe
sichtbar (Dreznica, Doljanica). Die Straße führte von
der Mündung der Narenta durch das Tal derselben,
wo Überreste der Brückenköpfe vorhanden sind, dann
durch Prozor und über den Makljen ins Tal des Vrbas.
Die Brücke konnte in unmittelbarer Nähe von Pocitelj
gar nicht gebaut werden, denn in dem Falle hätte die
Landstraße keinen Sinn gehabt; sie hätte vielmehr von
Jajce kommend bei Ljubuski über die Narenta führen
müssen. Diese Verbindung ist aber so schwierig, daß
sie heute noch nicht vorhanden ist. Hingegen ist der
Übergang bei Mostar ein Werk der Natur und zum
Brückenbau prädestiniert.
Was diese Argumentation betrifft, müssen wir
nur bemerken, daß eben deshalb, weil auch die Natur
den Übergang bei Mostar erleichtert, es fast gewiß ist,
<laß dort auch früher eine Brücke stand.
3. In der Nähe von Pocitelj finden wir keine
Überreste einer Brücke; Avenn sie auch aus Holz gewe-
1
Bbendort, S. 770.
- Ebendort, S. 779.
22,1
sen wäre, müßten Überreste der aus Stein gebauten
Brückenköpfe vorhanden sein. Die Brücke, die damals
gebaut wurde, müßte von großem Maßstabe gewesen
sein, weil die zwei Gesandten des ungarischen Königs,
Georg und Benedikt Farkas auf Kosten des Königs
Ingenieure, Steinmetze, Schmiede und andere zum
Brückenbau erforderliche Handwerker aufgenommen
haben.
Die auf der Brücke ersichtlichen türkischen In
schriften beziehen sich nur auf die Renovierung der
Brücke; diese geben das Jahr 974 als Zeit der Reno
vierung an (nach unserer Rechnung 1566).
Die Argumentation Truhelka's beweist nur soviel,
daß 1465 zur Sicherung der Verbindung zwischen dem
ungarischen Jajce und dem Meere eine Steinbrücke ge
baut wurde. Es bleibt eine offene Frage, ob es bei Mostar
schon eine Brücke gab und wenn ja, ob 1465 an deren
Stelle die neue Brücke gebaut, oder eine ganz neue
Brücke errichtet wurde; dies ist mit Sicherheit nicht
zu bestimmen. Soviel erhellt aber, daß Ragusaner
Handwerker sie gebaut haben und es ist gewiß, daß
auch die Türken bei der Arbeit, wegen der argen
Zerstörung der früheren Brücke, oder weil sie in größe
rem Maßstabe gebaut wurde, Ragusaner Handwerker
verwendet haben.
Ende 1481 rückten die Türken immer näherund
begannen 1482 die Belagerung von Pocitelj. Sie haben
es eigentlich nicht erobert, da die Besatzung und Herzog
Vlatko, weil sie von nirgends Hilfe hoffen konnten,
die Stadt verließen. Die Besatzung und Herzog Vlatko
flüchteten sich nach Ragusa, wo ein Teil der Besatzung
in Sold genommen wurde.
Vlatko wohnte kurze Zeit bei seiner Nichte, der
Frau des Johann Crnojevic, fuhr dann auf die Insel
Arbe, wo er bald darauf starb. Seine Witwe wurde
die Frau des berühmten Kapitäns von Venedig, Marco
222
Loredano,, dessen Nachkommen das Geschlecht in
Venedig fortpflanzten.
So geriet allmählich die Herzegowina in türkische
Hände. Die kleine ungarische Besatzung schmolz, da
sie von zuhause nicht ergänzt wurde, allmählich
zusammen und wurde ragusanisch. Endlich war die
Zeit des letzten Schlages gekommen.
Die türkischen Truppen unterjochten unter der
Führung Ajaz Begs die noch nicht eroberten Gebiete
und »machten aus der Herzegowina einen Sandschak,
der einem bosnischen Statthalter unterstellt wurde.
Die Siege des Königs Mathias im Dezember 1480
und die glücklichen Scharmützel seiner Truppenführer
in Bosnien waren vergeblich, er konnte das Adria-Gebiet
vor der türkischen Eroberung nicht schützen.
1
4. Das Testament des Pribislav Vukotic, des Kämmerers
Herzog Stefans, vom Jahre 1475.
Unter den vornehmen Persönlichkeiten, die am
Hofe des Stefan Kosaca Richtung gaben und in den
ausländischen Beziehungen seine Politik vertraten, steht
in erster Reihe Pribislav Vukotic. Eine Skizze der
Biographie des Pribislav Vukotic zu schreiben, wäre
gleichbedeutend damit, die Geschichte der Herzegowina
von der Mitte des XV. Jahrhunderts bis zum Tode
Herzog Stefans von neuem darzustellen. Von 1448
1
Die Forschungen Dr. Cyrill TruheJia's im Ragusaner Archiv
(publiziert im „Glasnik" des bosn.-herz. Museums, Jahrgang 1911) werfen ein
ganz neues Licht auf die türkische Okkupation Bosniens und der Herzego-
wina. Truhelka' s Studien beleuchten auch den Lebenslauf des zum Islam
übertretenen jüngsten Sohnes des Herzogs Stefan (S. 457—465).
Ahmet Pascha, der anfangs des Jahres 1519 starb, hinterließ zwei
Söhne: Mustafa Beg und Ali Beg Hercegovic. Von Ali Hercegovic ist
bekannt, daß er unter der Regierung des Sultans Suleiman des Großen
Groß-Kämmerer, später Sandschakbeg von Rumelien war. Er ist als
lyrischer Dichter unter dem Pseudonym Sicida bekannt . — Siehe noch
Dr. Safvet Beg, Basagie: Bosnjaci i Hercegovci u islamskoj knjizionosti
barajevo 1912. S. 22. (Bosnier und Hercegovcen in der Islam-Literatur.)
223
bis 1466 gab es kaum eine herzegowinische Gesandt-
schaft, an welcher Pribislav (Pribizovac. Pribisav, Pre-
mislav) nicht teilgenommen hätte. Die italienischen
Berichte nennen ihn camarlengo, Kämmerer und er-
wähnen ihn als einen der Vornehmsten des Landes.
Gewiß hat er an der Art und Weise, wie der
Herzogstitel angenommen wurde, großen Anteil gehabt;
er war es, der bei König Alfons von Neapel in
Familien- und politischen Angelegenheiten vermittelte.
1
Die größte Rolle kam aber Pribislav in den Ver-
handlungen mit Venedig Ende 1461 zu, als Herzog
Stefan gegen Paul Sperancic, Banns von Kroatien
Hilfe suchte und die Burgen Ostrovica und Klissa,
besetzen wollte. Zu diesem Zwecke ersuchte er die
Republik um Bewaffnete, und wollte Venedig glaubhaft
machen, daß er die Burg für sie erobere. Er verlangte
ferner, die Republik möge ihn (den Herzog) gegen
König Mathias verteidigen und erklärte, die Okkupation
der zwei Burgen diene keinem feindlichen Zwecke.
Der eingehende Inhalt der Gesandtschaftsinstruk-
tion ist:
Nach dem Tode des bosnischen Königs (Stefan Thomas,
T 1461) habe dessen Sohn, Stefan, seine (des Herzogs) Töchter,
die Gattin des Königs, als seine Mutter anerkannt und Gesandte
an ihn geschickt, um mit ihm Fri eden zu schließen. Er habe
seinen Sohn, namens Vlatko. mit einigen Baronen zur Krönung
geschickt und bittet nun die Republik diesen Friedenschluß
zur Kenntnis zu nehmen. Er bi t t et um Waffen gegen die
Türken, um seine Burgen befestigen zu können. Gleichzeitig
bittet er um den Besitz einiger Burgen, in die er sich
zurückziehen könne, wenn er aus seinem Lande Tertrieben
würde.
Gleichzeitig teilt er mit, daß er im vorigen Jahr e, als
die Türken gegen ihn zogen, zu König Matthias um Hilfe
geschi ckt habe, da dieser aber in Böhmen beschäftigt war,
1
Besti: Seite 347. — 1455. Herzog Stefan schickte Pribisovaz nach
Neapel. Die Ragusaner benutzten die Gelegenheit, um die Interessen
ihrer Kauflente der Aufmerksamkeit des Herzogs zu empfehlen.
224
habe er den kroatischen Banus Paul angewiesen, mit seinen^
Heere ihm zu Hilfe zu eilen. Der Banus habe aber erklärt,
er habe weder soviel Mannschaft, noch Geld sie zu besolden.
Der Herzog habe demselben 3000 Golddukaten gegeben, als die
Türken in sein Land fielen und er habe doch keine Hilfe
gebracht; es mußte daher ein Friede geschlossen werden, für
den er 4000 Golddukaten außer der Beute zahlen mußte, die
die Türken davongetragen hatten. Genannter Banus Paul nahm
nach dem Tode des Königs Thomas von Bosnien, seinem Nach
folger Stefan, eine Burg weg, worauf dieser sich an König Mathias
wandte, der erklärt habe, er solle seine Angelegenheiten regeln,
wie er könne. Dieser Banus Paul sei auch mit der Republik im
Streite gestanden, was in Dalmatien auch die übrigen Vornehmen
bezeugen können, deshalb möge die Republik ihm Leute und
Maschinen schicken, um sich an dem gemeinsamen Feinde
zu rächen.
In der Festung Novi komme es vor, daß seine (des
Herzogs) Kaufleute auf venezianisches Gebiet kommen, aber
keine Waren erhalten, angeblich, weil sie hiezu von der
Eepublik keine Erlaubnis haben; er bitte um diese Konzession.
Des Herzogs Gesandter ist Premislav, sein Kämmerer,
den er in der Angelegenheit des Banus Paul zur Republik
geschickt hat. Er hat gegen den Banus Paul den Kampf be
gonnen, um die Burg Klissa in Besitz zu nehmen. Die Republik
möge diesen Krieg übergehen, die Sache mit dem ungarischen
Könige in Ordnung bringen, und wenn der Herzog die Burg
erobert, so werde er sie der Republik zurückgeben.'
Die Republik hat sich gegen diese, offenbar gegen
sie gerichtete Eroberungsabsicht sehr geschickt ge
wehrt.
Auf den Vorschlag des Herzogs Stefan antwortete
die Signorie, sie freue sich sehr über den Frieden mit
dem bosnischen Könige (Herbst, 1461), dessen Zustande
kommen sie immer gewünscht habe; sie wünsche, daß
er auch aufrecht bleibe.
Was die Musketiere betrifft, die Herzog Stefan
verlangt hatte, antwortete die Republik ausweichend.
Sie habe die christlichen Mächte schon zur Abwehr
der Türken aufgefordert und sie werde alles tun,
1
M. D. M. I. 101—103.
225
damit man bei Verteidigung des Landes ihm zu
Hilfe komme. Leute zu den Belagerungsmaschinen und
Musketiere könne er auch für Geld zu jeder Zeit
bekommen, wenn er es für notwendig halte.
Was seinen Wunsch betrifft, man möge ihm im
Falle seines Rückzuges einen befestigten Platz geben,
hoffe die Signorie, dies werde nicht eintreten. Wenn
aber dieser unerwartete Fall doch einträte, sei sie
immer bereit, ihn, seine Söhne und seine Güter aufzu
nehmen und zu schützen; er wird auf der Insel Lesina
gerne gesehen werden.
Hilfe zum Feldzuge gegen den Banus Paul,
könne sie nicht leisten, denn der Umstand, daß Banus
Paul seine Untertanen nicht auf venezianisches Gebiet
kommen lasse, sei noch kein Anlaß zu einem Kriege.
Man wolle ihn von dem Kriege gegen den Banus
Paul nicht zurückhalten, mache ihn aber aufmerksam,
daß die Burg Ostrovica der Republik gehört habe und
sie volles Recht darauf habe; sowie auf Klissa, das
immer unter ihrem Schutze gestanden habe; das möge
er sich vor Augen halten. Was das den Herzegowinern
zu erteilende Handelsprivileg betrifft, so stimme man
diesem für venezianisches Gebiet gerne zu, aber
nur unter gewissen Bedingungen. Es solle nämlich ver
boten sein, die Waren und verzollten Artikel über den
Golf von Kattaro anderswohin zu verkaufen, als auf
venezianischen Schiffen, mit einem Worte: man hat
die Bitte mit Aufrechthaltung des Vorkaufsrechtes
erfüllt. \
Pribislav dachte bei dieser Gelegenheit auch an
seine eigenen Interessen. Im Vorgefühle der nahenden
Gefahr, suchte er, ebenso wie sein Herr, sein Vermögen
in Sicherheit zu bringen und Zuflucht zu finden, wenn
sein Vaterland von den Türken erobert würde, oder
die Söhne seines Herren ihn aus seinen Besitzungen
verjagten.
15
226
Niemand kannte in der Herzegowina die politische
Lage besser, als er. Er wußte, was er von Neapel zu
hoffen hätte, und da er als Vertrauter seines Herrn
auch am ungarischen Hofe öfter verkehrte, bildete er
sich ein treues Bild der Lage. Als sicherster Zufluchtsort,
hat sich ihm Venedig geboten. Es kann auch während
seiner langdauernden Gesandtschaftsreisen auch eine
gewisse Vorliebe für Italien zu seinen Plänen beige
tragen haben; aber auch der Umstand, daß das vene
zianische Bürgerrecht in jeder Hinsicht eine wertvolle
Bürgschaft bot. Anläßlich dieser Gesandtschaft, die zwar
den vom Herzog Stefan erwarteten Erfolg nicht gehabt
hat, weil die Signorie durch ihren Eektor in Spalato
selber die Angelegenheit der Burg Klissa in die Hände
nahm,
1
hat er für sich und seine Söhne das Bürgerrecht
erworben. Am 4. September 1464 erhielt er es „cum
suis filiis et heredibus", „qui nuper apud nos fuit
orator ill. domini ducis Stefani."
2
Den diesbezüglichen Eid hat er durch seinen
legalen Vertreter sofort abgelegt. Daß sein Herr, Her
zog Stefan, diesem Schritte zustimmte, beweist, daß
er mit ihm in der zu befolgenden politischen Richtung
vollkommen einverstanden war und ihm erlaubte sich
auf jede Weise zu helfen, wie er es eben wußte.
Zweifellos bekannte sich Pribislav ursprünglich,
wie auch sein Herr, zum bogumilen (patarenen) Glauben,
später aber bekehrte er sich zum Katholizismus
und blieb auch treu dabei; als sein Herr 1466 starb,
machte ihn der Streit der Herzogssöhne seiner Heimat
überdrüssig, oder sah er die Lage so verzweifelt an,
daß er auf dem Gebiete der Republik Zuflucht suchte.
Unter dem Taufnamen Lancilago, Lancelot (Venzel)
wurde er ein treuer Bürger der Republik und als
solchen finden wir ihn in seinem, am 25. März 1475.
1
M. D. M. 123—124.
2
Ljubid. X. 270—271.
227
datierten Testamente, das er bei dem Notar Nicolo
Pino deponiert hatte.
1
Wegen seiner kulturhistorischen Wichtigkeit teilen
wir das Testament in deutscher Übersetzung mit:
Ich Lancilago (Wenzel) der Pribislav Vukotic genannt
wird, bosnischer Ritter, will aus Gottes Gnaden mit gesundem
Verstand, aber schwachem Körper, daß dies mein letztes Testa
ment sei, indem ich alle andere früher getroffenen, diesbezüg
lichen Verfügungen zurückziehe.
Vor allem weihe ich meine Seele Gott und der Mut t er
Gottes, der Jungfrau Maria usw. Ebenso soll meine geliebte
Gemahlin Dor ot hea; mit meinen Bevollmächtigten Her r n
Giacomo Todesco, Pri or der Franziskaner zu Padua und meinem
Gevatter Martin Nuovo Monte alles das, was ich in folgenden
anordne, vollziehen, und ich will, daß die Genannten meine
Frau beschützen und alles tun sollen, was für meine Seele,
meinen Sohn und die Ehr e meiner Frau Dorothea heilsam ist.
Ich vermache für den Al t ar der heil. Maria in der Kirche
des heil. Georg zu Padua, der sich in der Nähe meines Grabes
befindet, 100 Golddukaten, um die man Öl oder eine Besitzung
kaufen soll, um den Al t ar zu versehen. Dies Almosen soll der
Geistliche genießen, dessen Pflicht es ist, auf diesem Altare
zum Heile meiner Seele j eden Sonntag, j eden Frei t ag und
Fei ert ag eine Messe zu lesen.
Ebenso vermache ich für den genannt en Altar ein seide
nes Kirchengewand, einen Silberkelch, ein Meßbuch und einen
t ragbaren Elfenbeinaltar.
Ebenso will ich, daß j emand zu meinem Seelenheile zum
Heiligen Grabe geschickt werde, dem meine Frau und meine
obgenannten Bevollmächtigten ein Ent gel t geben sollen, wie
sie es für entsprechend erachten.
Ebenso will ich, daß j emand zu meinem Seelenheile nach
dem Ermessen der oben Genannten nach Rom geschickt werde,
falls der betreffende Pi l ger ein Geistlicher wäre, so sei er
verpflichtet täglich während der Fastenzeit eine Messe zu lesen.
1
Ceccheti, der gelehrte Direktor des Staatsarchivs zu Venedig,
hat zwar dieses Testament gekannt, erwähnt es aber, einen Punkt aus
genommen, den wir am entsprechenden Orte bemerken werden, nur kurz.
S. „La donna nel medio evo a Venezia." Arch. Ven. I. Ser. XXXI. S. 309.
3
Ihren Familiennamen kennen wir nicht. Sie stammte aber wahr
scheinlich aus einem dalmatinischen oder kroatischen Geschlechte.
15*
228
Ebenso will ich, daß zu meinem Seelenheile j emand nach
San Giacomo gesendet werde.
1
Fer ner erhäl t in Bosnien die
Frau keine Mitgift, sondern sie wird dort aus Liebe, wegen
i hrer Güte und der Redlichkeit ihrer Verwandtschaft geheiratet.
Dies erwähne ich nur deshalb, weil ich von meiner Frau,
Dorothea, keine Mitgift erhalten habe, sondern sie wegen i hrer
Güte und deshalb gehei rat et habe, weil sie eine gute Ver-
wandtschaft hatte.
2
I hr vermache ich alle ihre Kleider, alle
i hre silbernen Gürtel, sowie auch alle ihre goldenen Ri nge:
4 Di amant en und 3 Rubine. Ebenso hinterlasse ich ihr das
vom ungarischen Könige erhaltene Wappen mit dem Dr achen;
3
desgleichen vermache ich ihr den vom König Alfons mir ver-
liehenen Orden mit fünf Perl en, zwei Diamanten und drei
Rubi nen; ebenso hinterlasse ich ihr i hren Halsschmuck, den
mi r der Köni g von Cypern geschenkt hat mit einer Per l e *
und gewissen Steinen.
I ch wünsche, daß sie diese Gegenstände immer in ihrer
Nähe hal t e, meiner Seele gedenke; da sie mir immer zur Ehr e
und Beruhi gung gereichte.
Ebenso vermache ich meiner Frau Dorothea eine Besitzung,
die ich von Frau Kat hari na Buzacharini gekauft habe.
Fer ner 1000 Golddukaten rein und frei, die ich ihr aus
Liebe vermache und dagegen sollen weder Sohn, noch Bruder
Wi derspruch oder Beschwerde erheben können.
1
Die drei Legate bezeugen die strengkatholischen Gefühle Pribislavs.
Unter San Giacomo ist San Jago di Compostella in Spanien zu ver-
stehen. Wir bemerken, daß wir in der Kirche des heil. Georg zu Padua
Forschungen unternehmen ließen, wo der genannte Altar gewesen wäre,
leider ist aber die Kirche vor 30 Jahren renoviert wurden und so fanden
wir keine Spur des Altars oder des Grabdenkmales.
2
Diesen rechtsgeschichtlich sehr interessanten Punkt erwähnt
Ceccheti und beweist, daß die ganze fahrende Habe seiner Frau von
Pribislav herrührte.
s
Ob von dem Drachen-Orden liier die Rede ist oder von einer
mit einem Drachen geschmückten Waffe, die er vom ungarischen König
erhalten hat, wissen wir nicht. Es ist möglich, daß es sich um den
Drachen-Orden Hervoja's handelt, der in den Besitz Pribislav geraten
.sein mochte, jedenfalls ist dies der interessanteste Punkt des Testamentes.
* Zur Zeit Pribislavs waren die Mitglieder der Familie Lusignan
Könige von Cypern und zwar: 1432—1458 Johann, 1458—1463 sein
jüngerer Bruder Ludwig, der 1463 von dem illegitimen Sohne Johanns,
Jakob, dem letzten König von Cypern, vertrieben wurde, der von
1463—1473 herrschte ; dessen Frau war Katharina Cornaro von Venedig,
die nach dem Tode Jakobs ihr Recht auf Cypern an Venedig abtrat.
Von dem letzteren scheint Pribislav das genannte Geschenk bekommen
zu haben, da dieser durch seine Frau mit Venedig in engerer Verbin-
dung stand.
22S>
Alle diese genannten Gegenstände hinterlasse ich ihr
vollkommen rechtskräftig und sie kann mit ihnen nach meinem
Tode nach ihrer Einsicht frei verfügen. Ich empfehle meine
Ehre und die meines Sohnes ihrer Erinnerung.
Ebenso vermache ich Rafael, meinem Sohne aus meiner
ersten Ehe 500 Golddukaten, von welchen er 350 schon erhal
ten hat, sowie ein Haus, das ich von Mathias Balbi um
150 Golddukaten gekauft habe und so hat er die 500 Gold
dukaten schon bekommen. Überdies vermache ich ihm 490
Golddukaten als Erbteil, wie das in der Erklärung über seine
Großjährigkeit geschrieben steht und zwar deshalb, weil er der
Sohn meiner ersten Frau war und dann infolge meiner Gewo
genheit.
Ebenso vermache ich meinem Sohne Peter 500 Gold
dukaten.
Ebenso meinem Sohne Georg 500 Golddukaten.
Desgleichen meinen Töchtern Katharina, Barbara und
Anna je 600 Golddukaten.
Da meine Frau sich in gesegneten Umständen befindet,
so soll, wenn sie einen Knaben gebiert, dieser aus meinen
Gütern 500 Golddukaten, ein Mädchen aber 600 erhalten.
Ebenso vermache ich meiner Tochter Katharina einen
großen vergoldeten, auf bosnische Art verfertigten silbernen
Gürtel.
Ebenso vermache ich allen meinen Töchtern Perlen im
Werte von 116 Golddukaten . . .
Ebenso soll, falls einer meiner Söhne den Doktorgrad
erlangen oder als Reiter dienen wollte, dieser mein Schwert,
meine Sporren und einen Gürtel erhalten.
Ebenso vermache ich meiner Tochter Katharina den Rest
meiner sämtlichen Güter, der mir gebührt und gebühren wird
und alle meine Federn, deren Zahl 16 ist, sowie auch einen
Gürtel aus versilbertem Holze und einen goldenen nach bosni
scher Art.
Ebenso zwei mit Gold nach bosnischer Art gewebte
Gewänder, einen Mantel aus goldenem Stoffe, zwei seidene
Oberkleider.
Ebenso hinterlasse ich: ein buntes Samtkleid, derglei
chen ein gebrauchtes Männerkleid.
Ebenso eine Steinmarderdecke.
Ebenso zwei Altarstoffe.
Ebenso eine Tapete aus türkischer Seide.
Ebenso 8 Felle, goldgedruckt.
230
Ebenso 3 Paar (gewöhnliche) Sporren.
Ebenso einen silbernen Dolch, wie auch ein türkisches
Schwert, sowie auch silberne und goldene Sporren.
Ebenso 6 Teppiche.
Ebenso einen goldenen Siegelring.
Ebenso zwei schöne seidene Bettdecken.
Ich will, daß alles dies unter meinen Töchtern und
Söhnen gleichmäßig verteilt werde.
Ebenso will ich, daß wenn von meinen Söhnen und Töchtern
jemand vor der Erlangung der Mündigkeit stürbe, der Anteil
des Betreffenden in den Besitz der Überlebenden übergehe;
unter der Voraussetzung selbstverständlich, daß die Mädchen
und Knaben von mir und Dorothea stammen.
Wenn eine der genannten Töchter, was Gott verhüten
möge, was aber oft geschieht, ohne die Zustimmung der Mutter
heiraten würde, so soll sie nichts erhalten.
Zeuge: Presbiter Antonio santi Angelino.
Zeuge: Alexander clericus sante Marie.
Ans diesem Testamente ist ersichtlich, daß die
genealogische Tabelle Pribislavs auf folgende Weise
zusammenzustellen ist:
Pribislav Vukotic
f 1475
1. Frau: ?
2. Frau: Dorothea
von der 1. Frau: Rafael von der 2. Frau: Peter Georg Katharina Barbara Anna
Das Testament bezeugt auch, daß Pribislav selbst
nach den damaligen venezianischen Begriffen reich ge
nannt werden kann; denn wenn wir die Hinterlassen
schaft in Bargeld zusammenrechnen, sehen wir, daß
er über 5490 Golddukaten verfügt hat. Die Erbschaft
betrug also, abgesehen vom Werte des beweglichen
Gutes, 5499 Golddukaten, was ein 1/18 des Vermögens
des Herzogs Stefan ist, das 100.000 Golddukaten betrug.
231
VII.
Zur Geschichte der Kosaca (bezw. Herzoge von
Sankt Sava) in Ungarn.
Nur allmählich läßt sich durch den Nebel blicken,
der die Geschichte jener Gebiete verhüllt, in denen die
ungarisch-türkischen Interessensphären in der zweiten
Hälfte des XV. Jahrhunderts miteinander in Konflikt
gerieten. Die inneren Zusammenhänge dieser Entwick-
lungen sind aber noch lange nicht geklärt. Es ist
ähnlich, wie wenn wir einen ganz deutlich sichtbaren
Pfad einschlagen, bald aber bemerken müssen, daß wir
den Weg verfehlt haben. Das ist nur natürlich. Denn
wie es schwerer ist durch ein Gesträuche sich den Weg
zu bahnen als im Walde, ist es auch weit schwieriger
die schwankenden Absichten der Herrscher kleiner
Balkangebiete zu erkennen, als die großzügigen Pläne
welterschütternder Faktoren. Solche Schwierigkeiten
haben wir zu bekämpfen, wenn es sich darum handelt,
zu schildern wie das von Stefan Vukcic, dem Kosaca
beherrschte Herzogtum von Sankt Sava, die Herzego-
wina, zerfallen und allmählich unter türkische Herrschaft
geraten ist.
Soviel können wir schon als sicher annehmen,
daß König Mathias 1463 sowohl mit Stefan Vukcic
Kosaca, dem alten Herzoge von Sankt Sava, wie mit
seinem erstgeborenen Sohne Ladislaus, dem Herrn des
westlichen Teiles der heutigen Herzegowina ein Schutz-
und Trutzbündnis geschlossen hat.
232
Ein Punkt dieses Vertrages hat das Versprechen
des Königs enthalten, daß er, wenn das Herzogtum in
türkische Hände gerät und die Herzoge zur Flucht
gezwungen werden, sie mit Besitzungen in Ungarn
entschädigen werde, unter der Bedingung aber, daß
der alte Herzog in zwei seiner Burgen ungarische Be
satzungen aufnehme.
Wir haben schon Gelegenheit gehabt an anderem
Orte
1
eingehend darzulegen, wie Johann Rozgonyi und
Johann Thuz von Lak im Sinne dieses Vertrages,
bezw. Übereinkommens 1466, obwohl der alte Herzog
Stefan ihnen in seiner großen Angst entgegen seinen
gegebenen Worte allerlei Hindernisse in den Weg ge
legt hat, eine für die damaligen Zeiten ansehnliche
ungarische Truppe in die Burg Pocitelj legten; diese
später auf Kosten von Bagusa unterhaltenen ungari
schen Soldaten hielten bis 1481 tapfer stand.
König Mathias hat aber nicht nur diese für ihn
politisch und militärisch günstige Bedingung ausgenützt,
sondern auch sein Versprechen auf eine Entschädigung
eingelöst, indem er dem Herzog Ladislaus Kosaca und
seiner Familie in Ungarn auf slavonischem Boden eine
Besitzung und damit eine neue Heimat gab. Wir wollen
uns also in dieser Studie mit der Rolle dieses Zweiges
der Familie Kosaca in Ungarn beschäftigen; wenn wir
manchmal Lücken lassen, so geschieht es, weil das
Material sehr mangelhaft, besser gesagt fragmentarisch ist.
I.
Wir haben schon erwähnt,
2
daß Ladislaus Kosaca,
Herzog von Sankt Sava nach dem Tode seines Vaters
samt Familie nach Ungarn übersiedelte, weil er vom
König Mathias in Slavonien eine Besitzung erhalten hatte.
1
Siehe S. 193 dieses Werkes.
2
Siehe S. 216 dieses Werkes.
233
Wir wollen nur über die Nachkommen des Her-
zogs Ladislaus auf Grund der überlieferten Angaben
sprechen. Wir können bei dieser Gelegenheit auch die
Familie des Bruders des Herzogs Ladislaus, Vlatko,
nicht unbeachtet lassen, weil nur auf diese Weise die
Geschichte dieser entthronten Familie annähernd voll-
ständig wird.
Es blieben nach Herzog Stefan Kosaca drei
Brüder: Ladislaus, Vlatko und der zum Türken gewor-
dene Ahmet, mit dem Taufnamen Stefan. Gleich
nach dem Tode des Vaters zerfiel das Herzogtum in
einzelne Teile. Ladislaus hatte den nordwestlichen Teil
der heutigen Herzegowina (Mostar-Jablanica-Konjica)
inne, Vlatko das Küstengebiet in der Bocche und die
südöstlichen Teile. Die Brüder gerieten über die väter-
liche Erbschaft in Zank und lebten fortwährend im
Streite miteinander. Schon die Zeitgenossen bemerkten,
daß die Herzegowina, die durch die Energie und Schlau-
heit des alten Stefan Kosaca eine Zeit lang unab-
hängig geworden war, eingekeilt zwischen Ragusa und
Venedig, aber noch mehr zwischen den Türken und
Ungarn schon infolge des Bruderstreites nicht lange
von der Familie werde behauptet werden können.
Herzog Ladislaus schloß sich, seit der Eroberung
von Jajce durch König Mathias (1464) Bannerherr
des ungarischen Königs, demselben an, weil er von
dort Hilfe und Zuflucht erhoffte. Herzog Vlatko — der
meistens in Kastelnuovo (Herceg-Novi) residierte —
setzte sein Vertrauen in Venedig, während Ahmet den
türkischen Interessen diente. Zu Ragusa hatten alle
drei Vertrauen, bei der Republik, die ihr Bargeld, sowie
ihre wertvolleren beweglichen Güter verwaltete, haben
sie j a Kredit gehabt.
Herzog Ladislaus hatte seine Gemahlin Frau Anna
Kyra (Kantakuzen), seinen Sohn Balsa
1
und seine liebe
1
Besti. Chron. S. 371.
234
Nichte Mara, — später Frau des Johann Cernojevic —
schon zu Lebzeiten seines Vaters 1464 nach Eagusa
geschickt. Sie wohnten dort im Hause des Herzogs,
während dieser den Zustand seiner Burgen untersuchte
und seine Besitzungen bereiste.
Ende 1466, bezw. 1467 kam die Orientpolitik
des Königs Mathias zu einem Wendepunkte. Die
böhmischen Verwicklungen drängten die bisher aktive
ungarische südöstliche Politik zur Defensive, überdies
hatte der ungarische König auch mit seinen inneren
Feinden genug zu tun.
Die türkischen Befehlsinhaber auf der südlichen
Grenze erkannten sofort diese Frontänderung der
ungarischen Politik und erwiderten sie mit kraftvollem
Auftreten. Es begannen also die Scharmützel auf dal-
matinischem und auf herzegowinischem Gebiete.
1
Das Übereinkommen des Königs Mathias mit
Herzog Ladislaus fällt in diese Zeit, als er gegen die
Angriffe an der Grenze eine zuverlässige Unterstützung
brauchte. Nachdem er von Herzog Ladislaus dessen Burgen
übernommen hatte, gab er ihm im Sinne seines Ver-
sprechens eine Besitzung in Komitat Körös in Slavonien.
II.
Die dem Herzog Ladislaus Kosaca und seinen
Nachkommen verliehenen Besitzungen, die Burgen Nagy-
und Kis-Kemlek lagen mit den zugehörigen Domänen
im Bezirke von Körös, Komitat Körös. Die zwei Burgen
Kemleki-Kalniki wurden auf dem Plateau der Kalnicka-
Gora — Gebirg von Kemlek — erbaut und schützten
das Gebiet des Flusses Lonja.
Diesem vielfach zerschnittenen alten Siedlungs-
gebiete gibt das von uns erwähnte Gebirge von Kal-
' M. D. M. I. 87, 90, 92.
235
niki seinen Charakter, das in westöstlicher Richtung
durch das Quellgebiet der Flüsse Lonja und Glogovnica
zieht. Diese Gebiete zwischen den in den Lonja-Fluß
mündenden Bächen haben wasserreiche, gute Felder,
und die dortigen Weingärten sind seit lange her be-
rühmt. Das Dominium wurde von zwei Hauptburgen
beherrscht. Die eine ist Mali-Kalnik = Kis-Kemlek, anders
Reka, über der Ortschaft Gornja-Rijeka in einer Höhe
von ungefähr 250 Meter erbaut, heute eine Euine.
Die andere Burg, Veliki-Kalnik = Kagy-Kemlek, wurde
auf dem Plateau eines Ausläufers des Berges Vranilae,
über Kalnikfalva errichtet. Die interessanten Ruinen
geben — obwohl zu ihrer Erhaltung nichts geschah —
noch heute einen Begriff von der einstigen Wichtigkeit
der zwei Burgen.
1
Die zwei Burgen Kemlek bildeten vor der Bildung
des Komitates Körös eine Gespanschaft. Deren Ge-
schichte reicht in den Anfang des XIII. Jahrhunderts
zurück, und soweit wir uns aus den zerstreuten Daten
von ihrer damaligen Beschaffenheit ein Bild schaffen
können, war sie ursprünglich ein, von einem freien
Geschlechte besiedeltes Gebiet. Die von den Königen
aus dem Hause der Arpaden gebildete Organisation
erhielt die alten Ansiedler in ihrer individuellen Frei-
heit; die Burgen aber wurden bald Einzelnen verliehen,
bald blieben sie in königlichem Besitz. Vom rechts-
historischen Standpunkte ist zu bemerken, daß die
jobbagiones castri Kemlek keine Landesadeligen waren;
sie werden aber zu den Adeligen gerechnet, was ihre
1352 verliehenen und 1385 neu bestätigten Privilegien
bezeugen. Kur allmählich geht dieses Gebiet im Ko-
mi t at Körös auf, die Obergespäne von Körös haben
1
Kerchelich: Not. Prael. S. 452., sah in den Ruinen der Burg von
Kemlek ein gespaltenes Wappen : unten drei Balken oben Blumen. Ein
aus einer Krone wachsender Löwe. Auf der Seite die Buchstaben M. L.
In der Pfarrkirche ist das Wappen Johann Korvins zu sehen. In Nagy-
Kemlek nannt e und nennt man die Burg auch heute Kraljevska Pal at a.
236
noch im Laufe des XV. Jahrhunderts gesondert das
Kastellanat der Burg Nagy-Kemlek inne, 1440 schickte
die Gespanschaft einen eigenen Ablegaten und ihre
Sonderstellung hört erst in diesem Jahrhunderte auf.
1
In den Burgen scheint der König nach 1421
Raitzen (serbische und bosnische Flüchtlinge) angesiedelt
zu haben.
8
Wir müßten einen großen Umweg machen, wenn
wir die Geschichte dieses mit den Namen Kemnuk,
Kemnik, Kamnik, Kamlik, doch im allgemeinen Kemlek
bezeichneten Gebietes eingehend bis zu dem Zeitpunkte
erzählen wollten, wo die Kosaca seine Eigentümer
wurden.
3
Wir müssen betonen, daß die ungarischen Könige
im Laufe des XV. Jahrhunderts das Gebiet der Gespan-
schaft von Kemlek als einen leicht» zu verwertenden
Privatbesitz betrachteten, den sie rasch verpfändeten,
im ganzen oder teilweise verliehen, zurücklösten und
wiederum vergaben. Daraus ist erklärlich, weshalb
König Mathias gerade in Nagy- und Kis-Kemlek dem
Herzog Ladislaus Besitzungen gab.
In welcher Form die Übersiedlung des oft genann-
ten Herzogs Ladislaus nach Slavonien sich vollzog,
beziehungsweise wann ihm König Mathias die Burgen
von Kemlek verpfändet oder verliehen hat, dafür haben
1
Friedlich Pesthy: Die verscholleneu alten Komitate (ung.) II.
S. 238—288. Dersel be: Die Geschichte der ungarischen Gespanschaften.
S. 276—281. Vj. Klaic hat im „Vienac" eine Studie veröffentlicht. Die Ge-
spanschaft hat t e noch 1449 einen eigenen Comes terrestris in Bresovica
gehabt. Könnend, Archiv der Familie Bat t hyany. Mise.
2
Laszowski: Mon. hist. nob. eonrm. Turopolje I. 465. 22. November
1447. eine Urkunde über ihre Streitigkeiten.
Desider Csanky hat in seiner Abhandlung „Das Komitat Körös im
XV. Jahrhundert " (ung.) die Besitzer fast vollständig zusammengestellt.
1427 kommt es nach den Zemovits von Mazovia in den Besitz Johanns
Garai. 1428 verkauft Sigismund N.-Kemlek dem Bischöfe von Zagrab
(Agram) Johann um 14.00C Gulden. 1460 verpfändet es Friedrich III. der
Wi t we Ulrichs von Cilli um 29.000 fl, diese am 8. Mai 1461 um
62.000 fl. dem Johann Vitovec und den Brüdern Weispriach. Ung. Staats-
arch. D. L. 6924. 15.435. 33.809.
237
wir keinen Beleg.
1
Es ist bestimmt, daß Herzog
Ladislaus schon am 30. Mai 1470 in einer strittigen
Angelegenheit mit Ladislaus von Gradec in Nagy-
Kemlek ein Übereinkommen abschloß;
2
er ist also
schon vor 1470 durch Donation Grundherr geworden
und diese Streitigkeit um einen Waldteil ist aus der
Besitznahme der Kosaca entstanden. Sehr willkommen
war dort dieser fremde „raitzische" Herzog nicht,
— den die katholischen Einwohner Walach, Vlach
genannt haben — denn was Sitten, Benehmen und
Rechtsauffassung betraf, war er von den dortigen
Grundbesitzern lateinischer Kultur und von den unga-
rischen Herren gründlich verschieden. 1471 war das
Nachbarschloß Bresovica noch in der Hand des Nikolaus
von Ujlaky, und des Herzogs unmittelbarer Nachbar war
Johann von Geszthy. Sowohl die Leute Ujlaky' s: Georg
von Dobozy und Stefan von Paskai Vizekastellane von
Bakvavar, wie auch jene Johann Geszthy's, lebten an der
Drau in fortwährendem Streite miteinander und die klei-
neren und größeren Streitigkeiten waren an der Tages-
ordnung.
3
Daß die Nachbarn diesen unter ihnen angesie-
delten fremden Herzog nicht schonten und auch das
dortige Banalgericht wenigstens nach des Herzogs Auffas-
sung immer ungerecht war, können wir aus dem Privileg
König Mathias' von 14. Oktober 1471 schließen, in wel-
chem er Herzog Ladislaus von der Gerichtsbarkeit des
Banus befreit und die Angelegenheiten des Herzogs
unmittelbar der persönlichen Judikatur des Königs
unterstellt.
4
1
Kerchelich führt zwar auf S. 294 d. a. W. richtig an, „Dominium
Kys-Kemlek vulgo Reka in Comitatu Crisiensi, olim duces S. Sabae dona-
tione Mathiae regia possedisse", aber der Bestätigungsbrief des Königs
Mathias von 1469 für Tomko Marnavich, den er sozusagen als Beweis
seiner früheren Behauptung anführt, ist eine plumpe Fälschung.
2
Anhang LXXXVII.
3
Archiv von Körmend. Die Relation des Komitats Körös vom 18.
Okt. 1473.
4
Anhang XC.
238
Aus den spärlichen Angaben ist aber auch ersicht-
lich, daß die aus der Fremde angesiedelte herzogliche
Familie öfters „more patrio", d. h. nach ihren herzego-
winischen Sitten die neuen Untertanen behandelt hat.
Herzog Ladislaus hielt sich im 8. Jahrzehnte des XV.
Jahrhunderts nicht dauernd in Kemlek auf,
1
sondern es
haben dort seine Gemahlin, Frau Anna (Kyra Anna) und
sein Sohn, Peter Balsa, die Wirtschaft geführt. Die Ein-
wohner der Stadt Bresovica — eines der Hauptorte der
Herrschaft — beklagten sich beim Könige, daß die Her-
zoge Kosaca sie in ihren Freiheiten verkürzt und ihnen
an ihrem Eigentum Schaden zugefügt hätten. Herzog
Balsa und die Herzogin erachteten es dann 1476 für
dienlich mit den Einwohnern der Stadt ein friedliches
Übereinkommen zu schließen.
2
Sie haben aber nicht
nur die Städter, sondern auch die Adeligen nicht
geschont und sie mit soviel ungewohnter Steuer be-
lastet, daß diese den König um die Ausstellung eines
besonderen Privilegs baten, das sie auch erhielten.
3
Daraus ist ersichtlich, daß die Kosaca in Kemlek
die vollständige Grundhoheit innegehabt haben. Für
ihre Besitzungen erhielten sie 1481 eine neue Dona-
tion. König Mathias hatte nämlich in diesem Jahre
mit den aufständischen und unbotmäßigen Elementen
in Slavonien abgerechnet, bei welcher Gelegenheit er
Ladislaus Kosača, Herzog von Sankt Sava, da er
einige Burgen in der Herzegowina übergeben und der
heiligen ungarischen Krone getreu gedient habe, die
beiden Städte (Groß- und Klein-) Kemlek und ihre
Zugehörigkeiten im Komitat Körös und Maróth im Komi-
1
Er dati ert seine Quittung vom August 1478 in Na Daski. Das
ist das heutige Daskatica im Bezirke Körös des Komitates Körös-Belovar
bei Csazma. Seine übrigen Quittungen und Briefe sind vom 11. März
1480 — 27. Okt. 1487 aus Ragusa dati ert. Seine dortigen Besitzungen
und seine militärische Mission haben j a den Herzog an sein Vaterl and
geknüpft.
2
Anhang XCV. 17. Aug. 1476.
3
3. Mai 1472. Kukuljevic: Jura I. S. 223—224.
239
t at Valko verlieh. Der König hat aber ausbedungen, daß
wenn er, oder einer seiner Nachfolger einer Burg oder
deren Zugehörigkeiten bedürfte, — gegen entsprechen-
den Ersatz — das Recht haben solle, dieselbe vom
Herzoge oder seinen Nachkommen zurückzulösen
1
.
Diese Verleihung erfolgte mit der Zustimmung der
Königin Beatrix, da die Burg Nagy-Kemlek immer als
ein Besitz der Königin betrachtet wurde.
Wie mit dieser Verleihung die Tatsache zu verein-
baren ist, daß König Mathias am 8. Oktober 1480 Nagy-
Kemlek dem Banus Ladislaus von Egervár verpfändete/
wissen wir heute nicht. Herzog Ladislaus hat die ihm
1481 — vielleicht irrtümlicher Weise — verliehene
Burg Nagy-Kemlek niemals innegehabt, denn am 1.
Jänner 1487 besitzt Andreas Both von Bajna, nach
Abzahlung einer Pfandsumme von 4000 f±. die in Rede
stehende Burg.
3
Den Wendepunkt im Schicksale des Herzogs
Ladislaus, sowie der Familie Kosača bezeichnet die
endgiltige Eroberung der Herzegowina und deren Ein-
verleibung in das türkische Reich 1483. Und da müs-
sen wir uns der ungarischen Balkanpolitik, die mit
der Okkupation der Herzegowina durch König Mathias
verknüpft ist, zuwenden.
III.
Die Balkanpolitik König Mathias hatte nach
1464 — wie wir es schon öfters betonten — einen
defensiven Charakter. Jajce ist die letzte Fortifikation,
an der sich der türkische Angriff bricht. Die westliche
Politik und die inner-ungarischen Angelegenheiten
erlaubten aber König Mathias nicht seinen Ursprung-
1
Anhang XCVI.
2
Ung. Staatsarchiv. D. L. 18.415. Teleki: Das Zeitalter der
Hunyadi's (ung.) XII. 133.
3
Ung. Staatsarchiv. Neoaqu. Com. XII. fasc. Nr. 11.
240
lichen Plan zu verwirklichen, sich nämlich Bosnien und
die Herzegowina bis zum Meere zu unterwerfen. Kaum
besiegt er den einen Aufstand, kaum fertigt er die
Czechen ab, so greifen ihn seine treuesten Anhänger
an. Er hat eigentlich fortwährend einen äußeren und
inneren Kampf geführt.
Wenn wir die türkischen Unternehmungen des
Königs Mathias von 1464—1483 zusammenfassen:
seinen glänzenden Kampf bei Sabać (1476), den Sieg
von Kenyérmező (1479), so bedeutet das alles nur
soviel, daß er die Türken von der Grenze zurückschlug,
die Vergrößerung des Osmanischen Reiches jedoch nicht
verhindern konnte. Die internationale Hilfe war nie so
ausgiebig, die Eintracht der Christen nie so innig, daß
er seine Kraft hätte zentralisieren können. Es ist zwar
wahr, daß auch die Türken Mathias nicht zu besiegen,
jedoch immer offensiv aufzutreten vermochten.
Unter solchen Umständen ist es sogar staunens-
wert, daß die ungarischen Okkupationstruppen an der
herzegowinischen Grenze und in der Bocche di Kattaro
fast zwanzig Jahre lang standhielten. Die kleinen
Grenzgefechte dieser zwanzig Jahre und die Geschichte
der südlichen Grenzgebiete harren noch der Aufklärung.
Nur einzelne hervorragende Ereignisse sind bekannt,
wir können aber auch diese noch nicht in den großen
geschichtlichen Prozeß einreihen, dessen letztes Ergeb-
nis der endgiltige Verlust Süd-Dalmatiens und der
Straßenlinie aus der Herzegowina nach Ragusa an die
Türken war.
Und dies ereignete sich kurz nach dem siegreichen
Feldzug des Königs Mathias. Mathias hatte nämlich
am 6. November 1480 sein Lager am Save-Übergang. Er
verschob seine Abrechnung mit Kaiser Friedrich III.,
und entschloß sich auf die Aufforderung des Papstes
Sixtus IV, aber auch infolge der inständigen Bitten
der Einwohner der Grenzgebiete, gegen die Türken in
241
Bosnien vorzugehen. Das Hauptheer, die Infanterie
und die Artillerie, schlug, nachdem es über die Save
gesetzt hatte, an der heutigen Straße Banjaluka-Gra-
diska ein Lager auf und ließ die leichten Reiter
„precursores"
1
vorausschwärmen, um auf Beute aus-
zugehen und die türkischen Grenzfestungen in Brand
zu stecken. Die Einwohner in Schrecken zu setzen, alles
zu verwüsten war die Aufgabe dieser Vorhut.
Der königliche Vortrab begab sich von Jajce nach
Travnik und gelangte bei Lasva abschwenkend in die
Ebene von Vrhbosna (Sarajevsko-Polje) vor das Zentrum
der türkischen Stellung. Diese Reiter griffen den Feind
so plötzlich an, daß sie den Pascha Daud und seinen
Sohn fast in seinem Zelt gefangen nahmen. Mit wahrer
Husarenbravour jagten sie durch das große Gebiet
dahin, rafften alles, Menschen, Vieh, bewegliches Gut
zusammen und strebten mit Beute beladen zum Haupt-
heere zurück. Die Türken setzten ihnen, nachdem sie
aus der Überraschung zu sich gekommen waren, nach
und griffen sie fünf Tage hindurch an, wurden aber
zurückgeschlagen. Die Husarenscharen hielten es aber
für besser, nur die wertvollen Gegenstände mitzu-
nehmen; die schwereren warfen sie weg, auch viele
von den unglücklichen Gefangenen kamen dabei um.
In diesen Kämpfen gingen angeblich zehntausend Tür-
ken zu Grunde. Aus der Beute schickte man auch
dem Papste einige Stücke.
Währenddem rückte das königliche Hauptheer
zwar langsam, aber unaufhalten in der Richtung gegen
Vrhbosna vor. Die siegreiche Husarentruppe wurde
vom königlichen Hauptheere aufgenommen. Mathias
sah mit eigenen Augen, daß seine Leute das Land
gründlich verwüstet hatten „es blieb dort nichts mehr
zu zerstören", die Einwohner entflohen bis zu der
1
Levis armaturae precursores. Ein Brief vom 6. Nov. 1480. Die
Briefe Königs Mathias. II. 66.
16
242
Drina (also von Sarajevo nach Visegrad). Nahrungs
mittel waren nirgends zu erlangen, und so mußte der
König den Gedanken eines Feldzuges aufgeben. Da er
aber Kenntnis erhielt, daß noch 6 Städte unbeschädigt
seien, ließ er diese auch in Brand stecken. Seine
Husaren konnten als Gefangene nur vierzig Kinder
zustande bringen. Sarajevo, die vierte Stadt des Reiches
wurde zerstört.
Der König zog sich also zurück. Unterdessen kamen
die „Walachen" an der Narenta, also die Kneze der
Hirtengemeinden bei Jablanica und Veles, aus der
Gegend von Prozor, sowie auch aus anderen Teilen
Bosniens zu Mathias und huldigten ihm. Von diesen sind
einige — vielleicht die Leute Ladislaus' von Prozor —
schon seine Untertanen gewesen, zur Unterwerfung
der anderen hat er einige Kapitäne abgeschickt. Am
14. Dezember 1480 legt Mathias dem Papste von Agram
aus Rechenschaft über seinen Feldzug.
1
Nach einem,
kaum vierwöchentlichen Feldzuge wurde der westliche
Teil Bosniens samt der Herzegowina bis zum Meere
vom Könige unterworfen. Das war aber nur eine
Eroberung nach Husarenart. Die Meldung des Königs
besagt, — wenn wir von den Floskeln des Sekretärs
absehen — daß dieses unglückliche Hirtenvolk zuerst
von seinen eigenen Herrn gemartert, dann von den
Türken unterjocht, sich nicht sehr nach den Befreiern
gesehnt habe; die Türken hätten sie noch besser
behandelt, weil sie ihrer bedurften. Wir haben jedoch
keine Ursache zu Sentimentalitäten, denn die Einfälle
der Türken in Ungarn und Slavonien dienten den Husa
ren als Beispiel. Die Türken verwüsteten noch gründli
cher, als die ungarische, kroatische und serbische Reiterei.
Auch in der Herzegowina dauerte die Botmäßigkeit
nicht lang, denn König Mathias zogen seine anderen
Interessen vom südlichen Kampfplatze nach Westen ab.
1
Die Briefe Königs Mathias LI. S. 76.
243
Von den türkischen Befehlshabern an der Grenze
kennen wir die Begs Esse (Isa) und Ajas, die die in
ungarischen Händen befindlichen, nicht sehr solid ge-
bauten Burgen eine nach der anderen erstürmten und
eroberten. Zuerst vertrieben die Türken den Herzog
Vlatko aus Novi, wo er noch, glücklicherweise sich
einschiffen und mit seiner Familie und seinen Schätzen
auf die Insel Arbe flüchten konnte. Herzog Ladislaus
wurde aus Krain (Mostar-Gabela) verjagt.
Nach diesem Erfolg schöpfte Pascha Mustafa
(Gjuriscevic), Statthalter von Bosnien, Mut und griff
mit großer Entschlossenheit die übrigen Festungen der
Bocche an, eroberte Risano und bemächtigte sich der
von Tvrtko gleichzeitig mit Kastelnuovo gebauten Burg
Brštanik. Er erstürmte die Burg Posrednica, zerstörte
Koš, bezw. Opusca (Fort-Opus), wo die Besatzung aus
ungarischen Trabanten bestand. Der Kronist von
Ragusa berichtet, daß die mit Nahrungsmitteln wohl
versehene Burg sich noch weiter hätte verteidigen
können. Um dieselbe Zeit geriet der Krain der Narenta
(Metkovic) in türkische Hände samt der Burg Hum,
die Augustin Vlatkovic, ein abtrünniger Mönch, hatte
bauen lassen. Jedoch gelang es später den Venezianern
dieses Gebiet in ihren Besitz zu bringen.
1
Aus dem eroberten Gebiete bildete der Pascha
eine Provinz, was dann Sultan Bajazid II. genehmigte.
Die Einverleibung der Herzegowina in das tür-
kische Reich ratifizierte der Waffenstillstand, der Ende
1483 mit Sultan Bajazid auf fünf Jahre geschlossen
1
Luccari: Annali 195 — 196. Die Geschichte des Falles der Herzego-
wina ist kritisch noch nicht geschrieben. Engel: Gesch. Serw. und Bosniens
S. 432—434, verwirrt die Frage mehr, als er sie ins reine bringt. Zwei-
fellos kennen wir seit 1483 die Namen des türkischen Sandschakes
und Krajisniks (Befehlhaber an der Grenze). 1483 Ajaz Beg; 1483—1485
Mustafa Beg ; 1486—1487 Ahmet Beg ;. 1488 Ghazi Beg; 1489—1490
Mustafa Beg Milivojevic. Rag. Arch. Mustafa Beg kommt auch 1492
als signor del paese di Herzegh vor. Sein Gesandter bei Franz Gonzaga
IV. ist Conte Characcia Arch. zu Mantua.
16*
244
wurde,
1
in welchem Mathias in der Tat darauf einging,
den Statusquo anzuerkennen. Dies machte überall in
der christlichen Welt einen großen Eindruck, so, daß
Mathias um sich gegenüber den Anschuldigungen zu
rechtfertigen, den deutschen Fürsten eine Note schickte.
Er habe — sagt er — den Waffenstillstand mit Rück-
sicht auf die traurige Lage der Christenheit angenom-
men. Warum solle er allein die Verteidigung führen;
bis nun habe er j a soviel Übel von den christlichen
Fürsten abgewendet und jene, die die Verteidigung
mehr angehe, haben nicht nur seine Verdienste nicht
anerkannt, sondern ihn im Stiche gelassen. Die Vene-
zianer — schreibt er mit Ironie — machen mit den
Türken Geschäfte und wünschen die Verteidigung der
Christenheit, und der römische Kaiser, der die Christen
zu beschützen hätte, verfolge ihn und schicke den
Türken Geschenke. Warum solle sein Reich verbluten;
er habe also den Waffenstillstand abgeschlossen, im
wohlverstandenen eigenen Interesse.
Diese Note ist sehr schön und geschickt geschrieben.
Tatsache aber blieb, daß die ungarische Superiorität
in Dalmatien ihr Ende erreicht hatte. Die eine Heer-
strasse nach der südlichen Adria war in türkische Hände
gekommen. Und die Türken siegten nicht nur, sondern
sie faßten auch Wurzel im dalmatinischen Hinterlande,
wenn auch nicht mit ihrer Sprache, so doch mit der
Religion. Diese gründlich durchgeführte Eroberung hat
die türkische Herrschaft auf vier Jahrhunderte gesichert,
indem die Einwohner von dem Geiste der Eroberer
durchdrungen wurden. Die Ungarn hatten weder genü-
gend Zeit, noch die hinreichende Kraft dazu besessen.
Herzog Ladislaus wurde, nachdem seine Burgen
verloren gegangen waren, landflüchtig. Seine geringen
Majestätsrechte gingen verloren, sein Vermögen bestand
nur mehr aus dem Gute Giuppana (bei Ragusa) und
1
Die Korrespondenz Königs Mathias. IL S. 286.
245
Zollrechten. Diese verwaltete die Republik Ragusa und
legte von den Einkünften immer treulich Rechenschaft.
Über seinen weiteren Lebenslauf haben wir keine Nach-
richten. Wahrscheinlich hat er sich mit seinem jün-
geren Bruder Vlatko in den Jahren des Elends ver-
söhnt und teilte seine Zeit zwischen Kis-Kemlek und
Ragusa. Wie seine Quittungen beweisen, blieb er ein
echter Herzegowiner, da er seinen Namen mit cyril-
lischen Buchstaben unterschrieb.
1
Die Verwaltung seiner
Besitzungen in Slavonien führte sein Sohn, Peter Balša,
der, da er sich als Jüngling dort ansiedelte, sich besser
der dortigen Umgebung anpaßte. Herzog Ladislaus
starb nach dem 27. Oktober 1487.
Wir bleiben bei diesem Punkte stehen, da wir, um
die Ereignisse zu verstehen, einige Familienbeziehungen
zu erörtern haben.
IV.
Nach der Eroberung der Herzegowina stellte sich
Herzog Vlatko — wie erwähnt — unter den Schutz
Venedigs und fand auf der Insel Arbe Zuflucht. Er
hatte dies aber nicht nur dem Andenken seines Vaters,
sondern den Verbindungen seiner Frau zu verdanken,
die die Enkelin des Königs von Neapel, Alfons, war.
Bekanntlich hatte dieser einflußreiche und weitblickende
Fürst von der Königin Donna Maria de Castilla keine
Kinder und es wurde daher in der Thronfolge von Neapel
sein, mit Einwilligung des Papstes und Zustimmung
der Stände (1443), legitimierter Sohn Fernando sein
Erbe. Außerdem kommen noch zwei uneheliche Töchter
vor: Donna Eleonora, die den einflußreichen Mariano
Marziano Principe di Rossano, Duca di Sessa e di
Squillace heiratete; die andere war Donna Maria, die
die Gemahlin des Markgrafen Lionel von Este Ferrara
1
Miklosich: M. S. 522. 537. „Ja hercegь Vladislauь potpisachь se"
(Cyrill).
246
wurde. Donna Eleonora (vermählt 1440) hatte 7 Kinder,"
wir lassen die Stammtafel sprechen.
1
Die Töchter des König Alfonso
J
| I
Da Leonor Da Maria
~> Mariano Marziano die 2. Frau Lionel von Este
Principe di Rossano e Duca Markgraf
di Sessa e di Squillace von Modena und Ferrara
! ,
I i I i I I I
Johannes Margarete Marie ? Cubella Katharina Louise
Bapt. verehelicht verehelicht 1. Gemahl verehelicht verehelicht ver-
f 1508 mit mit Vlatko mit mit ehelicht
-— Con- Despot Antonio 2. Gemahl Constanzo Antonio de mit
stantia Leonardo Piccolomini Marco Sforza Rovere Bernhard
Davalos di Tocco Herzog Loredano di Pesaro Grafv.Sora Frangepan
von Amalfi . u. Aquino
I
Mädchen
verehelicht mit Principe
di Bisognano
i
Juan Piero di Casa
di S. Severino
Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, daß die Kosaca
durch die Heirat Vlatko's zu einer sehr verbreiteten
und einflußreichen Verwandtschaft kamen. Er wurde
Schwager der Piccolomini's, Sforza's, Della Rovere's und
des Bernhard Frangepan, dessen Frau Louise von
„Aragon" war. Leider kennen wir den Namen der
Gemahlin Vlatko's nicht.
Vlatko starb um 1489. Seine Witwe hat bald
Marco Loredano, einen vornehmen venezianischen
Kapitän geheiratet, der mit der reichen und stattlichen
Witwe eine vorteilhafte Ehe geschlossen hat. Wir
kennen einen Sohn des Herzogs Vlatko, Johann (vene-
zianisch Juan). Infolge der Verbindungen seines Stief-
vaters, der auch selbst Patrizier von Venedig war,
durch die Beziehungen seines Großvaters,
2
spielte er
1
Marino Sanudo 29. S. 544 und Scipio Ammirante : Delle famiglie
nobili napoletane. Firenze S. 186. 190—192.
2
Vergl. die Seiten 181 u. 186 dieses Werkes. Marco Loredano, Sohn
des Antonio Loredano hei rat et e 1489, noch im Todesjahre des Her-
zogs Vlatko, seine Wi t we „Marco del in Antonio 1489 sposato la
moglie di Vlatico, capitano di Cremona, prigionere del re di Franeia,
fu condotto a Milano t 1536. Marco". Diese kleine biographische Notiz
ist in der Matrikel „Matr. di Nob. Veneti" enthalten. (Staatsarchiv zu
Venedig.)
247
bald eine große Rolle in den Kreisen der venezianischen
Adeligen, wo er nicht als Fremder betrachtet wurde.
1522 kommt er als Mitglied des äußeren Rates von
Venedig vor.
1
Seine Mutter hatte aus der Verlassenschaft
ihres ersten Gatten viel Geld und Juwelen gerettet
und so konnten sie ein großes Haus führen. Da seine
Mutter von ihrem zweiten Gemahle keine Kinder hatte,
2
wurde der Sohn des Herzogs Vlatko der Herr des
Hauses.
Er hielt gute Freundschaft mit seinem Neffen
Juan Piero, Herzoge von San Severino, der 1521 mi t
großem Gefolge als Gast in Venedig weilte.
3
Herr Juan
lebte, wie es scheint, auf lockerem Fuß und war von
heftiger Natur. So wird erzählt, daß bei einem Gast-
mahl vom Leder gezogen wurde, was man aber damals
nicht so ernst nahm.
4
Doch hat Herzog Juan keines-
wegs einen einwandsfreien Lebenswandel geführt, weil
1523 sich von ihm das Gerücht verbreitete, daß er
mit seiner Frau falsche Münzen präge. Der Rat der
Zehne hat sich auch mit der Angelegenheit beschäftigt,
die sich aber als eine Verleumdung erwies.
5
Seine
Frau, auch aus der Familie San Severino, übersiedelte
auf dieses Gerücht hin nach Vicenza, woher sie ge-
bürtig war.
Nachdem die Unschuld Kosača's an den Tag ge-
kommen war, nahm er 1524 an den Sitzungen des
äußeren Rates mit seinem Vetter Cernojević, Sohn
des Johann Cernojević (seine Frau war Maria Kosača)
wieder teil.
6
Dazu waren, wie schon erwähnt, beide
berechtigt, da sie von der Republik rezipierte Patrizier
waren.
1
Marino Sanudo. XXXIII. 96.
2
Ebendort. XXIX. B. S. 544.
» Marino Sanudo: B. XXVII. S. 535. 537, 547.
4
Ebendort. S. 567. — XXXIII. S. 450.
« Ebendort. B. XXXIV. S. 3, 68.
6
Siehe die Stammtafel auf S. 181 dieses Werkes.
248
Peter Balša lebte eine Zeitlang mit seinem
Vetter in gutem Verhältnisse; wir vermuten nämlich,
daß die Heirat des letzteren mit Donna Quirina,
Tochter des Franz Quirini auf diese Weise zustande
gekommen ist.
Johann Kosača — Herzog Juan — der noch
1546 lebte, spielte später keine Rolle mehr. Seine Nach-
kommen wurden von Ragusa unterstützt, da sie aber
später verarmten, gerieten sie in Vergessenheit. Mög-
licherweise sind an diesen Herzog Johann oder an
eine seiner Schwestern, jene nach der Moldau ver-
schlagenen Kosača, Georg, Paul, Stefan, Katharina und
Maria zu knüpfen, für deren Unterstützung Alexander
Vojvode der Moldau, 1566 bei Ragusa vermittelte.
1
Nachdem wir den italienischen Zweig behandelt
haben, kehren wir zu Herzog Peter Balša, dem Sohne
Ladislaus' zurück.
V.
Wir bemerken schon im vorhinein, daß Herzog
Peter Balša eine lateinische Erziehung erhielt,
2
und
sich unter den slavonischen (kroatischen) Ständen zu
einer gewissen Bedeutung emporarbeitete.
1
Miklosich a. W. S. 556. Es ist auch möglich, daß diese Nachkom-
men aus dem Zweige des Ladislaus entsprungen sind, bisher ist es aber
nicht geglückt sie glaubwürdig mi t dem Stammbaum zu verknüpfen.
- 10. Oktober 1497 qui tti ert er lateinisch eine von Ragusa er-
haltene Summe : Ego Balsa dux S. Sabe etc. Im Texte : „МОШМЬ УКОМЬ
латински УПИСАЮ" Miklosich bri ngt diese Urkunde unter dem Datum
10. Oktober 1467 S. 502 seines Werkes und hat nicht bemerkt, daß in
dieser vom Herzog Ladislaus als weiland gesprochen wird, jedoch lebte
er noch 1487. Den Irrt um hat schon Daničić bewiesen, Rječnikje S. 121
und darauf aufmerksam gemacht, daß Miklosich auf Seite 572 Srp. Ljet.
1845 diese Urkunde unter dem richtigen Datum von neuem publiziert.
Daraus entstand die irrtümliche Meinung, daß Herzog Ladislaus einen
Sohn namens Balša und einen, namens Peter Balša gehabt habe. Alle
Nachkommen des Ladislaus haben den Namen Balša getragen, da die
erste Prau des al ten Stefan Kosača der Familie Balša entstammte.
Damit wollten sie ihren Rechtsanspruch auf die Erbschaft der Balsa.
die Bocche di Kattaro, dokumentieren.
249
Nach dem Tode des Königs Mathias kommt Peter
Balša unter der Zeugen des Friedensinstrumentes von
Preßburg vor,
1
und zwar in der Reihe der kroatischen
Stände.
Nach dem Übereinkommen von Farkashida kam
Herzog Peter in die Nachbarschaft Johann Korvins.
Es wurde nämlich die Burg Nagy-Kemlek mit ihren
Zugehörigkeiten: die Stadt Brezovica, Kamečnica, Grego-
roc, Perčinoc, Ljubesnica, Gyurenoc, Krajčoc, Radasoc,
Zeljanc und Boskoć dem Johann Korvin
2
zugesprochen;
er konnte sie aber erst 1494 von Andreas Both von
Bajna übernehmen.
3
Die Burg war in sehr verwahrlostem
Zustande, der Besitz war klein und j edermann trachtete
nur, dem Herzog gegenüber sein öfters nur schein-
bares Recht geltend zu machen.
4
Kein Wunder, daß
die Besitzungen nacheinander wieder seinen Händen
entglitten. König Vladislaus verpflichtete sich die Grenz-
befestigungen auf Reichskosten zu versehen, er t at es
aber nicht, weil die Geldmittel nicht ausreichten. Damit
die südliche Grenzlinie nicht verloren gehe, deckte
Balthasar Alapi, Vizebanus, die Kosten der Erhaltung
der Burgen aus Eigenem. Herzog Johann, von dem Alapi
sein Geld verlangte, mußte die Burg Nagy-Kemlek am
13. Dezember 1501 dem Vizebanus als Pfand um
1000 Gulden verschreiben.
5
Herzog Johann Korvin befand sich aber in einer
vielleicht noch schlechteren Lage, als der König selbst.
Es verging kein Jahr und am 11. September 1502
war er schon genötigt Nagy-Kemlek Alapi und Bene-
dikt Batthyány um 8000 Goldgulden zu verkaufen,
wozu der König seine Zustimmung gab.
6
1
Firnhaber Aktenstücke etc.
2
Ung. Staatsarchiv. D. L. 19.657. 12. Juni 1490
.
3
Ung. Staatsarchiv. Necacqu. Comm. f. 1/8.
4
Gem. Finanzarchiv. MS. H. 8. S. 2.
5
Galgócz, Archiv der Fam. Erdődy. Lad. 70, Fasc. 2/2.
0
Galgócz. Lad. 70, Fasc. 2/8 und D. L. 82.874. Lad. 28, Fasc. 1/12
und Fasc. 6 6. 82.884.
250
Von Peter Balša hören wir, daß er zu dieser Zeit
auf Reisen war. Möglicherweise war er bei seinem
Onkel Ahmet auf Besuch, sonst führte er auf seinem
Besitze treu den Familientraditionen die Wirtschaft.
Wenn es möglich war, vergriff er sich an den Gütern
der Nachbarn. 1503 hat er seine Leibeigenen auf jene
des Valentin Erdődy zu Horoska gehetzt.
1
Die Herren
pflegten sich schon irgendwie zu versöhnen, aber den
Leibeigenen sind solche Verwüstungen teuer zu stehen
gekommen. Übrigens war dies damals der gewöhnliche
Zustand. Es kam vor, daß Gemahl und Gemahlin über
eine Besitzangelegenheit stritten. Die Frau des Franz
Berislo geb. Barbara Frangepan war mit ihrem Gatten
über irgendwelche Einkommen der Burgen Komogojna
und Töttös in Streit geraten (9. März 1504). Im Schloß
Rokonok hat sie Johann Korvin wieder versöhnt, in
Anwesenheit des Bernhard Frangepan und des Herzogs
Peter.
2
Durch die Verwandtschaft mit den Frangepanen
wurde Peter Balša „aulae familiaris" des Königs.
Unter diesem Titel hat ihm der König am 10. Juli
1507 290 fl. aus der Steuer des Jahres 1508 an-
gewiesen.
3
Aus diesen zerstreuten Daten können wir höch-
stens mit Hilfe der Phantasie eine Schattengestalt zeich-
nen. Soviel scheint sicher zu sein, daß Herzog Peter
allmählich im Komitate heimisch wurde und mit seiner
Familie in ziemlich gute materielle Verhältnisse kam.
Die Giebigkeiten der Leibeigenen waren in der Gegend
von Kemlek ziemlich gleich. Ein Neuntel von den
1
Anhang XCIX. Marino Sanudo III. 365. 19 Juni 1500.
- München, Staatsarchiv. Ung. Urk. B. 28. Kurz angeführt von Julius
Schönherr: Das Leben Johann Korvins. S. 300.
3
Körmend, Archiv der Farn. Bat t hyány Misc. 207 „illustri do-
mino Petro Balsa duci Sancti Sabae, aulae S. M. familiari". Die Anwei-
sung ist vom 10. Jul i 1507, eine Urgenz vom 11. Dezember 1507, die
Quittung vom 23. März 1508 datiert. Zwei Stücke sind mi tgetei l t in
Starine V. 145—149.
251
Schweinen und Fischen; zu Weihnachten, Auferstehung
und am Neujahrstage ein Geflügelgeschenk; zu St. Martin
zahlte eine jede Hufe dem Grundherrn einen Gulden.
1
In der Theorie gab es keine Robot im grundherrlichen
Hofe, es hing aber vom Grundherrn ab, wie er seine
Leibeigenen behandelte. Wo die Leibeigenen in gerin-
ger Zahl saßen, wurden sie stärker besteuert als wo
sie zahlreicher waren.
Nach dem Tode Johann Korvins kam Markgraf
Georg von Brandenburg, da er am 22. März 1510
das Schloß Nagy-Kemlek erhalten hatte
,2
in die Nach-
barschaft. Das Schloß Maróth im Komitat Valko war
schon seit längerer Zeit nicht in der Hand der Fami-
lie, dafür erhielt sie die Güter Miholjance und Glogo-
vica im Komitat Verőcze als Ersatz.
Unserem Herzoge fällt eine gewisse politische Rolle
zu, als Peter Pasqualigo, Gesandter von Venedig, der
sich, um die Auflösung der Liga von Cambray zu er-
wirken, im Dezember 1509 zu König Vladislaus begab,
in Zagrab (Agram) anlangte und Herzog Peter auf
Galgonca, wo er wohnte, aufbrach und zum Gesandten
eilte. (Zwischen 23—26. Dezember.)
Er beschwerte sich bei dem Gesandten, daß die
Signoria 500 Reiter von ihm unter der Bedingung
angeworben habe, daß sie für ein Pferd 4 Golddukaten
und für einen Reiter 10 Golddukaten zahle und ver-
sprochen habe, wenn diese in zwei Wochen nach
Friaul ziehen, Zweidrittel der Summe voraus zu be-
zahlen. Er sei mit den Rüstungen fertig und warte
auf den Vorschuß. Jetzt habe er aber aus Venedig die
Nachricht erhalten, daß die Republik die 500 Reiter
nicht mehr brauche, aus Angst, sie könnten plündern.
Peter Balša forschte nicht nach den Ursachen, er
verlangte nur 500 Golddukaten Schadenersatz, welchen
1
Galgócz. Lad. 63. 2/4.
2
Ung. Staatsarchiv. D. L. 37.868. Laszowski: Mon. Turop. 282—289.
252
Betrag man dem Probste Ladislaus, seinem Sohne,
der sich gegenwärtig bei seinem Neffen Anton Quirini
aufhalte, ausbezahlen möge. Er hat dann dem Gesand-
ten erzählt, daß sein Großvater Stefan Kosaca von der
Republik ein Haus zum Geschenk erhalten habe (im
San Francesco de la Vigna-Viertel). Dieses Haus usur-
piere jetzt die Witwe seines Onkels Vlatko (Frau Lore-
dano). Man solle es seinem Sohn Ladislaus zurückgeben.
Er sei zu jeder Zeit bereit mit 500 Reitern der Re-
publik zu dienen; obwohl seine Burgen im Besitze des
ungarischen Königs sind, sei er j a doch ein Adeliger
von Venedig.
Pasqualigo antwortete hierauf, daß er von all dem
nichts wisse. Die Signorie habe ihm gewiß deshalb kein
Geld gegeben, weil sie nicht glaubte, daß er so schnell
500 Reiter auszurüsten im Stande sein würde; sobald
er über die Angelegenheit informiert sei, werde er
Nachricht geben.
Hierauf entgegnete der Herzog, daß die Großen
des Reiches miteinander fortwährend im Streite lägen
und der König sehr schwach wäre. Dabei erzählte er
mit einer gewissen Wichtigtuerei, daß sein Onkel
(Ahmet), der Pascha von Bosnien sich jetzt in Kon-
stantinopel aufhalte.
1
Der Gesandte von Venedig erkannte wie es scheint,
sehr schnell, daß er es nicht mit einem mächtigen
Faktor zu tun habe. Er hat ihn angehört und gefühlt,
daß ein Emigrant vor ihm stehe, der aus mehreren
Brunnen Wasser schöpft. Der Gesandte hatte die Ab-
sicht, den König Vladislaus zu treffen, daher bat er
Herzog Peter um Auskunft, wo der König wäre.
1
Aus der in Museo Correr aufbewahrten Originalhandschrift Dispacoi
di Pasqualigo Nr. 2126, S. 28. Ljubic publiziert es in den Mon. Sl.
merid. Comm. Venetae I. S. 113—l i 4, mi t dem Datum vom 27. Dezember
1509, aber nicht vollständig und nicht genau. Die Meldungen Pasqualigo' s
hat Wilhelm Frafoiöi abschreiben lassen und benützte sie in seiner St udi e:
„Ungarn und die Liga von Cambray". Szäzadok. 1882.
253
Herzog Peter teilte ihm schon am 29. Dezember
aus Galgonca mit, daß der König sich am 6. Juni
1510 entweder in Pozsony (Preßburg) oder in Nagy-
Szombat (Tyrnau) aufhalten werde. Der Palatin sei ge-
neigt im Namen des Gesandten einen Vertrauensmann
zum König zu schicken.
1
Der Herzog blieb auch nachher mit dem Gesandten
in Verbindung, er schreibt ihm am 9. März von Kemlek,
daß er der Republik nur dann zur Verfügung stehe,
wenn man ihm vorher die 500 Golddukaten gebe.
2
Daraus könnte man schließen, daß die Republik seine
Dienste in Anspruch nehmen wollte. Der Gesandte ist
schon am 3. Mai 1510 in Buda (Ofen), am 10. Juli in
Tata (Totis). Dort vernahm er, daß Herzog Peter Balša
von den ungarischen Herren zum Vermittler bei seinem
Onkel, dem Pascha Ahmet gewählt worden war. Er sollte
erreichen, daß die Türken nicht zu Gunsten Venedigs
intervenieren, wenn von ungarischer Seite venezianisches
Gebiet verwüstet werde. Herzog Peter antwortete aber,
daß seine Intervention keinen Erfolg haben werde, da
Ahmet ein großer Anhänger der Venezianer ist.
5
Über die weitere Tätigkeit Peters Balša haben
wir bisher keinen Beleg gefunden. Von seinem Sohne
1
In der Handschrift Pasqualigo' s mi t einer Aufzeichnung vom
2. Jänner 1510. Der Brief ist nicht veröffentlicht.
Magnifice et generose domine, amice nobis honorandissime. Letus
estote pes presentes et notum facimus magnificentie vestre amicitieque,
quomodo is dominus noster gratiosus in festo epiphanie (6. Jänner 1510)
domini omni sine aliquali dilatione videlicet in castro Possioni (so) seu
in civitate Tyrnavie nuncupata constituetur et is dominus pal ati nus ad
eum hominem suum transmi ttere curavit vestri ex part e si eidem magni-
ficentie vestre amicitieque ad se ipsum nunciarevit transgressurum seu
Bude aut ad dominum pal ati num ; igitur magnificentia vestra letus estote.
Datum in Golgonsa sabato i n festo Thome episcopi et martiris, anno
domini (29. Dezember 1509) MDIX. Petrus Balsa
äux. Sancti Sabe.
2
Ljubić a. O. S. 118. Sein Neffe Juan steht mi t 80 Reitern zur
Verfügung. Marino Sanudo. VII. 320—600.
3
Ebendort S. 122. Bis diese Nachri cht nach Venedig kam, hat man
ihr schon den Schein gegeben, als wenn Herzog Peter schon als Truppen-
führer in Dal mati en einfalle 23. Aug. 1510. Marino Sanudo: XL 220. Über
Ahmet siehe S. 217 Tubero VII. 1. und Marino Sanudo: B. III, IV, XXVI.
254
Ladislaus, Probste von Galgonca wissen wir, daß er
1514 noch lebte.
1
Die Gemahlin Herzogs Peter war — wie schon
erwähnt — Donna Quirina „fiola del quondam reve-
rendo arcivescovo domino Francesco Quirini".
2
Sie lebte
um diese Zeit nicht mehr.
Dieser slavonische Zweig der Herzoge von Sankt
Sava spielt, allerdings ohne die frühere Bedeutung,
ungefähr noch ein halbes Jahrhundert eine Rolle in
seiner neuen Heimat.
VI.
Wir kennen einen Sohn Peter Balša's Herzogs von
Sankt Sava, namens Mathias, der 1533 weiland genannt
wird. Als dann Nikolaus, der Sohn dieses Mathias',
Herzog von Sankt Sava, das Haupt der Familie war,
verarmte sie gänzlich.
Solange Kristof Frangepan, der berühmte Feld-
herr, lebte, mit dem die Kosača verwandt waren,
spielten sie auch eine Rolle in dessen Partei. Aus
der Zeit vor der Schlacht bei Mohács wissen wir über
die Familie nichts mitzuteilen.
Als nach dem 29. August 1526 auch in Slavonien
Stellung genommen werden mußte, hielten es die slavo-
nischen Stände von ihrem Standpunkte aus für richtig,
den Weg der Versöhnung zu betreten. In Dombro
— in der Ständeversammlung vom 18. Dezember 1526 —
1
Er verkaufte einen Wei ngarten 1514. Aus den Dat en ist ersicht-
lich, daß Probst Ladislaus der Sohn Pet er Balša's war. Durch die Dona-
ti on Königs Vladislaus haben ihm die Abtei von Béla und das Schloß
von Oporócz gehört. Am 16. Nov. 1510 hat nämlich König Vladislaus II.
die Abtei von Bela mi t der Burg und dem Schlosse Oporöcz Ladislaus,
dem Sohne des Herzogs Pet er von Sankt Sava verliehen und den Hofrichter
von Jajce, Stefan von Busine beauftragt, alles das dem Herzog Peter
und seinem Sohne zu übergeben. Den Brief übermi ttel te Nikolaus Székely
von Kövend. (Tört, Tár. 1897. S. 518—519.) Den Namen der Abtei von
Béla hat das Dorf Bielo im Komi tat Körös behal ten.
2
F. Querini, Bischof von Sebenico und Lesina 1505. Farlati III.
S. Dalm. Barbaro erwähnt : Arbori de Pat . Veneto (Staatsarchiv zu Vene-
dig) VI. S. 333: Donna Quirina fu Duchessa di S. Sabba.
255
haben sie noch nichts unternommen,
1
aber in der
für den 8. Jänner 1527 nach Buda (Ofen) einberufenen
Versammlung waren die slavonischen Stände schon mit
ansehnlichen Namen vertreten, an ihrer Spitze Simeon
Erdődy, der energische Bischof von Zagrab (Agram).
2
Nach dem Tode Kristof Frangepans (27. September 1527)
verschwand vorläufig die Partei Johanns und die über-
wiegende Mehrheit der slavonischen Stände anerkannte
darauf König Ferdinand. Diese Parteiverschiebung bedarf
kaum einer Erklärung. Die grundherrlichen Elemente der
Komitate Zagrab, Varasd und Körös, wandten sich,
nachdem sie König Johanns Schwäche erkannt hatten,
einerseits unter dem Druck der deutschen Truppen, ande-
rerseits aus Angst vor Verwüstungen der Türken, der
Partei Ferdinands zu. Doch harrten Simeon Erdődy, als
Statthalter und Urban Batthyány, als Oberhauptmann
auf der Seite König Johanns aus. Dem Besitze von
Monoslo (Moslavina, Komitat Körös) waren die Güter
der Kosača benachbart und es kann uns daher nicht
Wunder nehmen, daß Herzog Nikolaus Balša sich unter
den Schutz des mächtigen und von den Anhängern Fer-
dinands gefürchteten Bischofs gestellt hat, und dies umso-
mehr, als König Ferdinand die Güter der ihm untreuen
Balša's im Komitat Verőcze weiter verliehen hatte.
3
Die in den Familienarchiven erhaltenen Korre-
spondenzen spiegeln deutlich aus dieser Zeit die schwan-
kende Haltung der einzelnen Beteiligten in den slavo-
nischen Gebieten wieder. Beide Könige versprachen
Hilfe gegen die Türken, erprobten aber ihre Kräfte
nur in der Verwüstung der Besitzungen der Gegner.
4
König Ferdinand hatte das Glück den Banus
Franz Batthyány für sich zu gewinnen. Der Lebens-
1
Fraknói: Mon. Com. Hung. I. 81—82.
2
Ebendort S. 99—103.
3
Vjesnik, 1905. 23. Nov. 1527.
4
23. März 1528. Die Mission Katzianers nach Slavonien. Körmend,
ebendort, 132. Mem.
256
lauf dieses Seeräuberpolitikers ist ein getreues Bild
seines Zeitalters. Simeon Erdődy und dessen Anhänger
blieben aber schon deshalb bei der Partei des Königs
Johann, damit Ludwig Pekry nicht ihr Gefährte werde.
1
Nikolaus Balša hatte mit der Verwüstung des
Komitats Valko im Mai 1528 den ersten Schlag erlitten.
2
Damals verlor die Familie das Gut Maróth, das sie seit 1481
besessen hatte. König Ferdinand versprach zwar Hilfe,
löste aber sein Versprechen nie ein.
3
Eine Beschwerde
drängte die andere, und infolgedessen wurden auch
die Anhänger Ferdinands unzufrieden.
4
Ferdinand konnte
unter dem Drucke des Feldzuges Solimans 1529 seinen
Anhängern keine Hilfe leisten und auch seinen Feinden
keinen Abbruch tun. Er berief die slavonischen Stände
auf einen Landtag ein — 31. Juli 1529 — die Ein-
berufenen erschienen aber ni cht
5
und die Versammlung
mußte verschoben werden. Eine gewisse Stumpfheit
bemächtigte sich der Leute; sie versuchten gemeinsame
Konferenzen zu halten, wie auch Simeon Erdődy und
Ludwig Gritti vergebens bemüht waren, den Anhän-
gern des Königs Johann — 17. Febr uar —11. Oktober
1530 — Mut einzuflößen, denn auch diese waren des
fortwährenden Kampfes müde.
6
Als aber in Bélavár,
Veszprém (Vesprim), Zákony, dann in Kenese die Deutsch-
und Türkenfreundlichen zusammenkamen, stellte es sich
heraus, daß sich im Laufe der fünf Jahre die Gegen-
sätze zwischen ihnen außerordentlich verschärft hatten.
7
Sie haßten einander mehr, als sie das Vaterland
liebten.
1
Kerchelich: Not. prael. 354. Der Brief Simeon Erdődy's an
Katzianer. 3. Juni 1530. Csazma.
2
Fürstl. Batthyány'sches Archiv zu Körmend. Mem. 120.
3
Ebendort 124—125. Am 18. Okt. 1528 beschwert sich Ferdinand,
daß die Leute in Slavonien unbeständig sind. Körmend, ebendort 130.
4
Fraknói a. W. S. 240.
5
Körmend, ebendort 139. 14. März 1530. Er ermutigte Batthyány
mit spanischer Hilfe. Ebendort 143.
6
Tört. Tár. 1908. 284.
7
Fraknói a. W. 372—373.
257
Der Herzog von Sankt Sava war mit seinem stark
verminderten Vermögen, verfolgt von den Anhängern
Ferdinands, nur einer aus der Masse, ragte aber auch
durch seine Individualität keineswegs hervor. Ihm
konnte auch die Hilfe König Johanns nicht mehr hel-
fen, hatte j a sogar Simeon Erdődy Szapolyai im Stiche
gelassen und war zu Ferdinand übergegangen, da er
des Unfuges, den ihm Ludwig Pekry zufügte, satt war.
Sehr aufrichtig konnte dieser Wechsel nicht sein,
weil Simeon Erdődy und Valentin Török, nachdem sie
die Schwäche Ferdinands erkannt hatten, Ludwig Pekry
zu verlocken suchten zu König Johann überzugehen.
Dies hinterbrachte Paul Bakics, ein „echter balkani-
scher Charakter", dem König Ferdinand. Ludwig Pekry
hörte ihren Antrag an, doch war er Ferdinand „treu"
genug, da er um seine neuesten Wünsche erfüllt
zu sehen, geneigt war, bei seiner Partei zu verharren.
Den König Ferdinand hat diese Nachricht sehr gefreut
und er stellte Pekry in Aussicht, seine Wünsche in
Erwägung zu ziehen.
1
Was Pekry wünschte, wissen wir nicht im Detail.
Wir können nur konstatieren, daß drei Monate später,
am 29. Juni 1537 König Ferdinand das Schloß des
Nikolaus Balša — der hier der Raitze genannt wird —
Kis-Kemlek mit allen seinen Zugehörigkeiten dem
Ludwig Pekry verleiht, da sich Balša mit Frau und
Familie Johann von Szepes (Zips) angeschlossen habe.
2
Daraus ist ersichtlich, daß Nikolaus Balša sich zuerst
auch auf die Seite Ferdinand gestellt hatte, später
aber von ihm wieder abfiel. Wir können als sicher
annehmen, daß Ludwig Pekry das Schloß Kis-Kemlek
von Ferdinand ausdrücklich verlangte.
Daß den Balša's ihre Besitzungen damals noch
1
Staatsarchiv zu Wien. Hung. 22. Sept. 15S6. Der Brief von.
Bakics. 14. März 1537 Antwort Ferdinands.
2
Lib. Reg. I. 10. Vjesnik, 1905. S. 182—183.
17
258
nicht wirklich entzogen wurden, hat t en sie nur dem
zu danken, daß König Ferdinand Ludwig Pekry ver-
haften ließ
1
und sieben Jahre hindurch bis 1544 seinen
slavonischen Hauptanhänger gefangen hielt. Er hatte
ihn verhaften lassen, weil zu befürchten war, daß ein
gefährlicher Gegner aus ihm werde. Als er entlassen
wurde, konnte er Ferdinand nicht mehr schaden.
Die Balša's blieben infolge dieses günstigen Zufalles
in Kis-Kemlek. Ein Beleg macht ersichtlich, in welcher
Verfassung; 1543 hat das Schloß Nagy-Kemlek nur
mehr 4 Goldgulden zu der königlichen Steuer Slavoniens
beigetragen. Die Verheerungen der Türken wie der
deutschen Truppen hatten eben die Familie zugrunde
gerichtet.
Die öffentlichen Zustände hatten in den slavoni-
schen Komitaten währenddem eine so schlechte Wen-
dung genommen, daß seit vier Jahren keine Steuer
eingelaufen war. Die Balša's, die vorher von Ludwig
Pekry und seinen Leuten bedrängt worden waren, hat
man gänzlich unterdrückt; 1537 kommen sie nicht
mehr unter den slavonischen Vornehmen vor, sie geben
von ihren Besitzungen keine Naturalien und stellen
keine Fuhren. Die Schlösser Béla und Oporócz des
Probstes Ladislaus von Galgonca sind schon in der
Hand des Franz von Kápolnay, von Kemlek ist keine
Rede mehr.
2
Der Besitzer von Nagy-Kemlek Johann
Alapy ist 1537 in türkische Gefangenschaft geraten.
3
Zu dessen Auslösung haben die slavonischen Stände
von jeder Hufe 10 Denare votiert. Die Raitzen litten
nicht weniger unter den türkischen Streifscharen. Dazu
kam noch die Agitation Johann Katzianers 1538,
1
Die Gefangennahme Ludwig Pekry' s, dann die Geschichte seiner
Gefangenschaft in Graz, Linz, Innsbruck ist ein interessanter und bisher
nicht bearbeiteter Teil der Geschichte Slavoniens. Pekry war von 1537 —
28. Aug. 1544 gefangen (f 1552). Vergl. Istvánffy 207, 217. Über seine
Gefangenschaft. Gemeins. Finanzarch. Öst. Gedb.
2
Fraknói a. W. II. S. 234.
8
Ebendort.
259
nachdem die Schlappe bei Eszék ihn in das Lager der
Gegner Ferdinands geführt hatte. Wir können uns
vorstellen, was für einen Eindruck es auf den Stadt-
richter von Zagrab (Agram) und die slavonischen
Herren üben mußte, als Katzianer, der gefürchtete
Hauptmann von Krain, einen Brief vorzeigte, in wel-
chem König Ferdinand schrieb, er werde sämtliche
Herren, wenn der türkische Feldzug guten Erfolg hätte,
enthaupten lassen.
1
Katzianer hat jedoch ein trauriges Ende genom-
men, bekanntlich hat ihn Nikolaus Zrinyi hinrichten
lassen. Die Macht Ferdinands hat sich allmählich be-
festigt, besonders nach 1540, als Szapolyai's Partei
nach dem Tode des Königs den Boden ganz verlor.
Die Balša's konnten sich unter solch elenden Ver-
hältnissen nur dadurch halten, daß die Republik Ragusa
ihrer weiland Herzog Ladislaus gegenüber eingegan-
genen Verpflichtung ehrlich nachgekommen ist. Auf
der Insel Giuppana hatte Herzog Ladislaus einen
Besitz gehabt. Die Republik zahlte dafür im Jahre
1533 an Helene die Witwe weiland Mathias' und ihren
Sohn Nikolaus auf drei Jahre 488 Goldperper. Der
Kalugier Pater Gabriel aus dem raitzischen Kloster
von Mileševo, war in diesen Angelegenheiten 1536,
1545 und 1549 der Vermittler. In diesem letzten Jahre
lebt die Witwe des Herzogs Mathias nicht mehr.
2
Nichts charakterisiert schärfer, wie wenig Bedeu-
tung die Balša's hatten, als die Donation König Fer-
dinands vom 24. Mai 1551 für Andreas und Nikolaus
Tarnóczy auf Kis-Kemlek, da Nikolaus Balša kinderlos
gewesen sei.
3
1
Der Brief des kroatischen Banus vom 16. Febr. 1538 in Husto-
l inya an König Ferdinand. Graz Landesarchiv Über die Verheerungen
der Haiduken (Martalócz) 1539. Alexander Takáts: Die Geschichte der
ungarischen Infanterie. S. 125.
2
Archiv von Ragusa. Diversae Not. Freundliche Mitteilung von
Jireček.
3
Vjesnik, 1905. 82—83.
17*
260
Die Familie war 1556 so verarmt, daß sie ge-
zwungen war ihr Schloß, Kis-Kemlek, zu verkaufen.
Nikolaus Balsa konnte daß Schloß nicht mehr in
gutem Zustande erhalten, daher verkaufte er es samt
der Stadt Reka an seinen Nachbarn, Johann Geszthy
von Szentlörincz um 300 Goldgulden und 100 Dukaten.
1
So wurde Nikolaus Balsa ein Herzog ohne Land
und Gut mit seinen drei Söhnen: Johann, Andreas,
Thomas und einer Tochter, deren Namen wir nicht
kennen.
2
Herzog Ladislaus hatte angeblich außer den zwei
Söhnen, Ladislaus und Vlatko eine Tochter,
3
die später
als Duchessa di Barbania vorkommt. Wahrscheinlich
ist sie durch venezianische Vermittlung die Gemahlin
1
Die treffliche Studie E. Laszowski's in Vjesnik der Kroat. arch.
Gesellschaft. III. 1898. 25—29. „Prilog rodopisa hercega Sv. Sava".
Ihm kommt der Verdienst zu, die letzten Schicksale der Familie mit.
Belegen aufgeklärt zu haben.
3
Dr. M. Wertner hat diese Präge in Vjesnik des Agramer Landes-
archivs VIII. 244—249. unter dem Titel „Zur Geschichte der Herzoge von.
Sankt Sava" erörtert.
Der St ammbaum des Herzog Ladislaus i s t :
Ladislaus
dux S. Save
.— Anna Kyra Kantaltuzena
Peter Balsa
1489, 1492, 1197, 1514
~* die Tochter von Francesco Quirini
Donna Quirina
|
I I
Mathias Ladislaus II.
1533 «qiiondam» Probst von Galgonea
~>> Helene f um 1545 1514
I i
Nikolaus Balsa Ein Mädchen.*
1552
|
I I I I
Ivan Andreas Thomas Ein Mädchen
1552 verlieren wir jede Spur von ihnen.
* König Maximilian stellt 1552 einen Salvus Conductus für Nikolaus
Balsa a us : Proficiscitur vel mi t t et homines et familiäres in regnum
Poloniae pro reducenda sarore sua . . . Nicolaus dux S. Sabae de Kys-
kemlek . . . Hofbibl. Wi en. Cod. 8471. Pol. 57.
3
Korrespondenz im Staatsarchiv zu Mailand. Auf S. 181 haben
wir sie als die Tochter Vlatko' s eingereiht, wir sind aber darüber nicht
ganz im klaren, da die Korrespondenz Ladislaus als Vater erwähnt.
261
dieses vornehmen Mannes geworden, der in Ober-
Italien (Piemont)
1
eine bedeutende Rolle spielte.
Ihr Gemahl, sowie ihr einziger Sohn gerieten in
türkische Gefangenschaft. Gegen ein hohes Lösegeld
gelang es sie zu befreien, der Herzog wurde jedoch
kurze Zeit nachher in Neapel schwer krank und starb
daselbst. Die Herzogin kehrte nach Ungarn zurück,
ihr Recht zu suchen. Sie suchte auch Kaiser Karl
V. auf, als dieser nach Italien kam. Der Kaiser
versprach der Witwe, auf ihre Bitten, das Herzogtum
des Sankt Sava wieder herzustellen und den Erben
zurückzugeben, wenn es ihm mit Gottes Hilfe gelänge,
Ungarn den Türken zu entreißen.
Als die Herzogin zufällig in den Laden eines
venezianischen Juweliers trat, fand sie dort die herzog-
liche Krone und andere Juwelen, die früher dem
Herzog Ladislaus gehört hatten. Zur Auslösung dieser
Juwelen benötigte sie 4000 Goldstücke und wandte
sich deswegen an den venezianischen Senat. Dieser
konnte ihr natürlich nicht helfen. Infolgedessen richtete
sie nun ihre Bitte an den Herzog von Mailand und
erbat von ihm 32 Skudi, welche sie einem Mailänder
Kaufmann schuldete.
Sie hatte auch im Sinn nach Spanien zu gehen,
um diesen Betrag vom Kaiser, der ihr auch zur Aus-
lösung ihres Gemahls Geld gegeben hatte, zu erbitten.
Über das weitere Schicksal der verwitweten Her-
zogin ist nur soviel bekannt, daß sie in großer Armut,
in Mailand, bei einem gewissen Kapitän Zukko lebte.
(Staatsarchiv in Mailand.) Es scheint, daß Herzog
Ladislaus einen Teil der Juwelen mit sich genommen
hatte, und daß entweder er, oder sein Sohn sich der-
1
Barbania Signoria, Famiglia Mollo piemontese. — Dizionaris dei
predicati della nobilita Italiana R. de Divtiis Napoli 1903. — Der
Hauptort von Barbania ist Lanzo Casella. Vergl. Gabolta: Doc. Eoc.
E. Galli.
262
selben entledigte. Es ist dies auch ein trauriges Blatt
der herzegowinischen Emigration.
Hier enden die sicher zu verfolgenden Spuren.
Auf die Familie paßt jedoch das Wort des Herrn:
„Und der Herr zerstreute sie über die ganze Erde."
*
Wenn die Kosaca aber auch keine dauernde
Institution kreirten, ihr Andenken starb in ihrem
Vaterlande nicht gänzlich aus. Das in seinen Ruinen
immer noch stattliche Stjepangrad (über Blagaj), in
der nähe von Mostar, trotzt heute noch dem Unter-
gang. Kreischende Geier umkreisen es in den Lüften,,
unten bildet die Buna-Quelle, den Mittelpunkt des reizen-
den Naturgemäldes. Und manchmal erklingt auch in
den Liedern der Name des starken Vojvoden Stefan.
Sein Andenken kann auch nicht verschwinden. Er ist
der Typus des auf sein kleines Vaterland stolzen, hart-
köpfigen Herzegowiners, von lebhafter Einbildungskraft.
r Bewohner des herzegowinischen Karstes klam-
mert sich fanatisch an sein Vaterland, und in seiner
ganzen Tätigkeit prägt sich eine gewisse Individualität
aus. Dieses, seinen Nachbarn gegenüber sich kund-
gebende separatistische Streben, welches die Suprematie
und die Zusammengehörigkeit zwar anerkannt, jedoch
nur dann, wenn er selbst auch berücksichtigt wird,
kann mit Recht als eine speziell herzegowinische Seele
bezeichnet werden. Die vielen Dohnen des Karstes
sind voller Sprünge, im Sommer glühend von der
Sonne, im Winter ist die Gegend rauh und kalt; ein
Ebenbild des herzegowinischen Charakters. Von einem
Extrem ins andere, jedoch voller ürsprünglichkeit.
Dieses interessante kleine Land erlangte unter den
Kosaca eine gewisse Unabhängigkeit, sie verdienen
es also, daß man sich ihrer erinnert.
263
VIII.
Südslavische heraldische Studien.
(Nach Uvkunden und anderen Quellen, vorzüglich den Wappensamml ungen
des Ulrich von Reichenthal und Konrad von Grünenberg.)
Wappen und Siegel aus den Balkanländern be-
ziehungsweise ungarische und kroatische Wappen, die
mit Bosnien und Serbien in Beziehung stehen, hat die
„Archeologiai Ertesitö" namentlich seit 1380 und die
Zeitschrift „Turul" seit ihrem Bestände in erheblicher
Zahl veröffentlicht. Abgesehen von einzelnen gelegent-
lichen Publikationen, hat zu den Studien der süd-
slavischen Wappen und Siegel der amtliche Aufruf des
gemeinsamen Finanzministeriums im Jahre 1880 den
Anstoß gegeben, welcher seitens der ungarischen, kroa-
tischen und österreichischen wissenschaftlichen Kreise
Gutachten erbat, um die Wappen Bosniens und der
Herzegowina bestimmen zu können. Die wissenschaftli-
chen Meinungen, die infolge dieses Aufrufes veröffentlicht
wurden, haben zahlreiche wertvolle Angaben gebracht,
sie beschränkten sich aber meistens nur auf die Be-
schreibung der Landeswappen und einzelner bekannter
Denkmäler (das Grabdenkmal der Katharina, Königin
von Bosnien, die Grabdenkmäler der Ujlaky's) und auf
die Aufklärung ihrer heraldischen Beziehungen.
1
Wir brauchen nicht einmal erwähnen, daß die
heraldischen und sphragistischen Studien nur durch
systematische Forschung der urkundlichen und hand-
1
Siehe die Li t erat ur in „Arch. Ertesitö" 1889. in der St udi e:
Die Grabdenkmäler der Ujlaky' s.
264
schriftlichen Quellen vertieft werden könnten. Wie in
so vielen Zweigen der Balkanwissenschaften, so hat
auch hier Benjamin von Kállay den rühmlichen Anfang
gemacht, als er das glanzvoll illuminierte glagolitische
Missale, welches Armin Vambery in Konstantinopel
entdeckt hatte, in erstaunlich gut gelungener Kopie ver-
öffentlichen ließ.
1
Als für die Milleniumsausstellung in Ungarn auch
die zwei okkupierten Länder eine — bis heute nicht ge-
bührend gewürdigte — Reihe illustrativer historischer
Denkmäler gesammelt hatten, hat sich Benjamin von
Kállay mit Freude der Idee angenommen, die verschieden-,
artigen Siegel der Urkunden, die sich auf die bosnische
Geschichte beziehen, nachgießen und eine systematische
Sammlung davon zusammenstellen zu lassen.
Nach der Fertigstellung der Abgüsse, kam die
Sammlung nach Bosnien, so daß das Museum von
Sarajevo gegenwärtig eine verhältnismäßig vollständige
Reihe der Siegel besitzt, die sich auf Bosnien beziehen.
Wir glauben mit der Publikation der Liste dieser Siegel
der Wissenschaft einen Dienst zu erweisen. Die syste-
matische Veröffentlichung dieser Siegel — welche län-
gere Vorstudien beanspruchen würde — stellt ein
wertvolles sphragistisches Werk in Aussicht.
Die Siegelabgüsse des Museums von Sarajevo.
1. Die aus der Ragusaner Abteilung des Staatsarchivs zu Wien ent-
nommenen Siegel. Durch-
messer
in cm
Um 1225—37. Hängesiegel des Vladislav von Serbien 2
Doppel-Hangesiegel des Vladislav (P/2
1234. Febr. 4. Ein aufgedrücktes Siegel des Stefan Radoslav,
Herrn von Rascia und Travunia 3
1234. Aug. 23. Hängesiegel des Uros, König von Serbien . . . 5
1
Missale Glagoliticum Herroi ae Ducis Spalatensis Recensuerunt
V. Jagić, L. Thallóczy, F. Wickhoff. Vindobonae, 1891. Das Wer k ist als
Amateuransgabe nur in 100 Exempl aren erschienen. — Die serbische
Regierung hat hierauf bei derselben Fi rma das im Athos-Kloster auf-
bewahrte Miroslav-Evangelium voröffentlichen lassen.
Durch-
messer
in cm.
Um 1237—72. Hängesiegel des Uros, König von Serbien . . . 8
1

1240. März 22. Hängesiegel des Ninoslav, Banus von Bosnien . V/t
1240. Hängesiegel des Andreas, Fürsten von Chulmien 6'/2
Um 1268. Hängesiegel der Helene Königin von Serbien . . 3
1334. Hängesiegel des Stefan Uros III. König von Serbien
aus roten Wachs 7
1340. Okt. 26. Hängesiegel des Dusan, König von Serbien . . . 7 7 2
1356. März 14. Hängesiegel des Tvrtko, Banus von Bosnien . . 5
1356. März 14. „ „ „ „ „ . . 5
1370. April 3. Hängesiegel des Vukasin, König von Bosnien . . 6
1382. Dez. 2. Hängesiegel des Tvrtko, König von Bosnien . . 2
1387. Jänner 20. Hängesiegel des Vuk Brankovic, serbischen Despoten 2
1391. April 15. 2 Hängesiegel des Zupan Bjeljek und Vojvoden
Radic 1-75—1-75
1391. Mai 15. Dasselbe des Vojvoden Radic P75
1392. Jul i 17. Hängesiegel des Stefan Dabisa, Despot von Bosnien 3'5
1397. März 3. Hängesiegel der Stadt Ragusa 15
1399. Febr. 5. Hängesiegel des Stefan Ostoja, Despot von Bosnien 3
1399. Aug. 25. Hängesiegel des Vojvoden Radic 1/75
1405. Juni 20. Hängesiegel des Tvrtko IL Tvrtković, König
von Bosnien 4'5
1406. Dez. 2. Hängesiegel des Stefan Lazarevic 7
-
5
1406. Dez. 29. Hängesiegel von Gregor, Georg, Lazar und Mara
Brankovic 2
1409. Dez. 4. Hängesiegel des Stefan Ostoja, König von Bosnien 3V«
1418. Juli 6. Hängesiegel des Knez Gregor Vukoslavic . . . . l
-
5
1419. Juni 26. 3 Hängesiegel des Vojvoden Sandalj Hranie und
seiner Brüder Vlk und Vlkan 1 '/2
1419. Dez. 4. Doppelhängesiegel des Stefan Ostojic 11
1420. Mai 30. 3 Hängesiegel des Sandalj Hranić und seiner Brüder V/t
1420. Aug. 6. Hängesiegel des Tvrtko Tvrtković, König von
Bosnien V/t
1421. Apr. 24. Hängesiegel des Vojvoden Radoslav, Sohnes des
Knez Paul Radinovic 2
1421. Aug. 18. Hängesiegel des Tvrtko Tvrtković, König von
Bosnien 4'5
1423. Apr. 7. Hängesiegel des Vojvoden Radoslav Pavlović . . V/t
1« 5-75
und drei andere aufgedrückte Siegel \ß\
0
\r)
l
1429. Dez. 13. Hängesiegel des Georg Brankovic, Despot von
Serbien 7
1432. Okt. 5. Hängesiegel des Radoslav Pavlović, Vojvode von
Velik und seines Sohnes Ivanic 4
1433. März 2. Hängesiegel des Tvrtko Tvrtković, König von
Bosnien • 5
1434. Aug. 12. Hängesiegel des Vojvoden Georg, Enkel Hervoja' s 2
1435. Okt. 10. Rundes Hängesiegel des bosnischen Großvojvoden
Stefan. Enkel des Sandalj Hranie 2'5
1438. Sept. 18. Bundes Hängesiegel der Stadt Ragusa 6
1438. Sept. 18. Ovales Hängesiegel des Vojvoden Stefan, Enkel
des Hrani ć' 2
266
Durch-
messer
in cm
1440. Mai 6. Ovales Hängesiegel des Vojvoden Stefan, Enkel
Hrani c' und seiner Söhne Vladislav und Vlatko
3 Stück 2
1442. Sept. 29. Hängesiegel des Ivanic, Sohn des Radoslav Pavlović 2'75
1443. Apr. 1. Hängesiegel des Vojvoden Stefan. Enkel des Hranic 2'5
1444. Sept. 3. Hängesiegel des Thomas Stefan, König von Bosnien 11
1446. Sept. 17. Hängesiegel des serbischen Despoten Georg Bran-
kovic 7
1451. Aug. 15. Hängesiegel des Knez Vladislav, Sohn Stefans,
Herzog von Sankt Sava 2
1451. Dez. 18. Hängesiegel des Thomas Stefan, König von Bosnien 11
1453. Juli 19. Hängesiegel des Stefans, Herzog von Sankt Sava 2'75
1454. Jul i 15. Hängesiegel des Vojvoden Peter und Knez
Nikolaus, Söhne des Vojvoden Radislav . . . 3
]
/2
1457. Aug. 12. Hängesiegel des serbischen Despoten Lazar Bran-
kovic 7
1458. Dez. 14.. Hängesiegel des Stefan Brankovic, Sohn Lazars 3
1461. Nov. 23. Hängesiegel des Stefan Tomasevic, König von
Bosnien 11
1470. Jul i 26. Hängesiegel Vlatko' s, Herzog von Sankt Sava («) 4-75
und seines Bruders, des Knez Lazar 2 St. \(S) 1.75
2. Die Urkundensammlung „Österreich
1
' ebendort.
1491. Nov. 29. Hängesiegel von Lucas Bischof von Bosnien . . 2
3. Ungarische. Urkunden ebenäort.
1320. Okt. 18. Hängesiegel des Grafen von Veglia und Modras 5
1386. Mai 26. 2 „ „ „ „ „ „ „ jjjj ^_
1393. Aug. 23. Aufgedrücktes Siegel Hervoja's, Vojvoden von
Bosnien 1*8
1435. Okt. 7. Hängesiegel des Grafen von Veglia und Modrus 4
1453. Sept. 13. Hängesiegel von Nikolaus Ujlaky, Vojvoden von
Siebenbürgen und Banus von Macso . . . . 2'25
1430. Nov. 1. Aufgedrücktes Siegel des raitzischen Despoten
Georg 3'/2
Seit der Zusammenstellung dieser Liste, hat die
genealogische Forschung sowohl ungarischer- wie auch
kroatischerseits einen neuen Aufschwung genommen.
Die diesbezüglichen Forschungen sind Bosnien
betreffend so vorgeschritten, daß wir mit den genealo-
gischen Verhältnissen der Familie Kotroman ziemlich
im klaren sind und unsere Mitteilungen auch die Be-
ziehungen der herzoglichen Familie Kosaca (Vukcic)
größtenteils geklärt haben.
267
Anknüpfend hieran erachten wir schon die Zeit
gekommen, einerseits über das neuestens zum Vorschein
gekommene heraldische und sphragistische Material
einen Überblick zu geben, andererseits mit Heran
ziehung des schon veröffentlichten Materials und an
derer, bisher weniger gewürdigten Quellen gewisse
Schlüsse zu ziehen.
Wir behaupten gar nicht, daß wir den Zeitpunkt
für die systematische Zusammenstellung der bosnischen
und serbischen heraldischen und sphragistischen Denk
mäler für gekommen erachten, entschieden notwendig
ist aber zeitweise eine neuerliche Sichtung und Er
gänzung des angesammelten Materials.
Was die Quellen dieser unserer Publikation be
trifft, so haben wir die an den Urkunden hängenden und
die aufgedrückten Siegel, einzelne Wappendenkmäler,
dann die Grabmonumente in Betracht gezogen und
geben zum Schlüsse die unseren Gegenstand betreffenden
Stücke aus den Wappenregistern des Konrad Grünen
berg und Ulrich Reichenthal.
Das Material haben wir folgenderweise eingeteilt:
I. Die Siegel der Bane von Bosnien.
IL Bosnische Königssiegel, Wappendenkmäler und die
Lehren der bosnischen Heraldik.
III. Die Wappen- und Siegeldenkmäler des Herzogs
Herroja.
IV. Die Wappen- und Siegeldenkmäler der Familie
Kosaca (Kosaca- Vukcic).
V. Serbisclie Wappen und Siegel.
Um Wiederholungen zu vermeiden, schicken wir
voraus, daß die erwähnten Wappensammmngen, als
Quellen der Heraldik längst bekannt sind.
Ulrich Reichenthal, Bürger von Konstanz, hat
seine Wappenkronik, „Concilium ze Constencz 1418,"
anläßlich des Konzils von Konstanz (1414—1418)
redigiert. Sein Werk ist sozusagen ein tagebuchartiges
208
Referat, das er mit den Wappen der auf der Synode
erschienenen Fürsten, Prälaten und Magnaten geschmückt
hat, wenn deren Wappen an ihren Quartieren aufgehängt
waren.
Die bisher bekannte älteste farbige Handschrift
der Kronik bewahrt das Archiv der Grafen Königsegg
zu Aulendorf (Württemberg bei Ravensburg),
1
eine
spätere, aber erweiterte Handschrift ist Eigentum der
Stadt Konstanz.
2
Im Druck ist sie dreimal erschienen
(1483 in Augsburg bei Sorg, 1536 ebendort bei Steiner
verändert und 1575 bei Feverabend in Frankfurt).
3
Abgesehen von der primitiven Technik der Zeich-
nung und von dem Umstände, daß Reichenthal über
die persönlichen Verhältnisse der aus allen Teilen der
Welt nach Konstanz gekommenen Fremden nicht im
klaren war und sein konnte, hat seine Sammlung bis
zu einem gewissen Grade Quellenwert. Er hat die
Wappen in Konstanz tatsächlich gesehen, hat deren
Besitzer gefragt' oder fragen lassen und wenn er auch
die Angaben nicht pünktlich aufzeichnete, so hat er
wenigstens nicht komponiert.
Der andere Wappensammler ist ebenfalls aus
Konstanz: Konrad Grünenberg, den vielleicht sein
Gewerbe — er war Baumeister — zum Sammeln
bewog. Wir wissen über ihn, daß er Stadtrat war
und dreimal die Bürgermeisterwürde innehatte. 1486
gebraucht er den Titel eines Ritters, dann pilgert er
noch im selben Jahre ins Heilige Land. Grünenberg
war ein begeisterter Sammler mit gutem Geschmack,
der alles, was ihm erreichbar war, mit großem Fleiß zu-
sammenstellte. Er hat die auf Gebäuden, Schildern,
1
In 50 Exemplaren herausgegeben von Dr. H. Sevin, in 188it.
2
Der Photograph Wolf hat sie in 12 Exemplaren vervielfacht.
Eingehend erört ert von Siebmacher: Wappenbuch. A. Seyler:
Gesch. der Heraldik. S. 538. Oskar Bárczay bespricht das Wer k auch
in seinem Handbuch der Heraldik — nach Seyler — unt er den Quellen
der Heraldik und erwähnt kurz der ungarischen Beziehungen. Seite
459- 460.
269
Fahnen, Decken, Bildern abgebildeten Wappen in Be-
tracht gezogen und diese Sammlung vor seiner Pilger-
fahrt 9. April 1483 abgeschlossen.
An und für sich ist das Werk Grünenbergs als
das Ergebnis einer systematischen, fleißigen Sammlung,
eine der wertvollsten deutschen Quellen der Heraldik
des XV. Jahrhunderts, welchem die verschiedenen Be-
ziehungen einen internationalen Wert geben.
Das Original des Werkes auf Papier ist gegen-
wärtig Eigentum des Kön. preußischen Heroldsamtes;
eine gleichzeitige Kopie auf Pergament wird in der
Münchener kön. Bibliothek aufbewahrt. Das Werk
wurde in ausgezeichneten Lichtdruck von Gr. Stillfried-
Alcantara und Hildebrandt herausgegeben.
1
1
Des Conrad Grünenberg Ritter und Burger zu Costenz Wappen-
puoch volbracht arn nünden Tag des Abrellen, de man zalt tusent vier-
hundert dm und achzig jar. — In, Lichtdruck herausgegeben von Dr. R.
Graf Stillfrieä-Alcantara und A. M. Hildebrandt. Berlin 1875, Großfolio.
Seite 1(58.
270
I. Si egel der bosni schen Baiie.
1. Siegel des Banns Ninoslav 1249.
Umschri ft : nj[i(\]Th B£AHKO[nx] UANA HMNOCAABA
(Pecat velikoga bana Ninoslava. Siegel des Banus Ninoslav.)
Durchmesser 5 cm.
Das Original ist auf einer Urkunde des Banus
Ninoslav, in der Sammlung der Belgrader Gelehrten
gesellschaft, wohin es aus dem Archive von Ragusa
gekommen ist. (Zuerst von J. Asbóth veröffentlicht:
Bosnien und die Herzegowina, IL S. 193.)
271
Das Siegelbild ist in drei Segmente geteilt, wie
dies die verkleinerte Abbildung zeigt. Das Bild des
oberen und unteren Segmentes ist ver-
wischt. In der Mitte des Siegels sind
zwei kämpfende Reitergestalten sichtbar,
im Hintergrund eine felsige Gegend. Das
Siegel ist zweifellos eine inländische, oder
dalmatinische Arbeit. Der Charakter der
Reiter — obwohl wir hiedurch keine unmittelbaren
Beziehungen herstellen wollen — erinnert uns außer-
Das Grabdenkmal von Ztrošča.
ordentlich an die Reitergestalten, die auf den Seiten-
flächen des sogenannten großen königlichen (bogumil)
Grabdenkmals von Zgosca (Bosnien, Kakanj bei Doboj,
Kreis Sarajevo, Bezirk Visoko) zu sehen sind.
Wir halten es für sicher, daß diese beiden Kunst-
gegenstände analogen Charakters, die Arbeit eines in-
ländischen Künstlers sind. (Den Grabstein hat zuerst
272
J. Asboth im angeführten Werke, I. S. 119 publiziert.
Siehe eine künstlerischere Reproduktion im XIX.,
Bosnien behandelnden Bande des Werkes „Die österr.-
ungarische Monarchie in Wort und Bild". S. 171.)
Unseres Erachtens enthält dieses Siegel keine
heraldische Gestalt, es zeigt nur ein illustriertes
Siegelbild. Von den in Bosnien arbeitenden Gold-
schmieden kennen wir aus dem Jahre 1384 in Sebenico
einen „Jacobus aurifex condam Ostoye",
1
1418 die
Goldschmiede Stephanus und Johannes. Von diesen
wissen wir, daß sie zu Anhängern des bogumilischen
Bekenntnisses in Beziehungen standen. Um 1200 haben
zwei von Osten nach Zara gekommene Goldarbeiter,
Mathäus und Aristodius, die sich auch in Bosnien
aufgehalten hatten, die bogumilische Religion in Dal-
matien verbreitet.
2
Alle diese Spuren führen uns zu
der sogenannten bosnischen Bogumilen-Kunst und in
diesem Kreise müssen wir auch den Künstler des
Siegels suchen.
1
Archivio Notarile Zara.
2
Thomas arch. Hist. Sal. eap. 24.
273
2. Das Reitersiegel des Banns Stefan Kotromanovic.
Umschr i f t : 1. CHE ÜEHAT T O^ N A r r i f nAHA GANA cßOGO^NOrA
THA BCE 3EMAE KOCMhCKE
2. ^COpCKE COAKCKE H ^OAIIE Kß&MCKE H BCE 3EMKAE ^AbMhCKE
Si je pecät g'o(spo)d(i)na Stjepana bana svobodnoga g(ospodi)na vse zernle
bosn'ske, usorske, sol'ske i dolne krajske i vse zem'le KTm'ske.
Deutsch : Dieses Siegel geliört dem Herrn Stefan, dem freien Herrn von
Bosnien, Usora, Sol und des unteren, und des gesamten Landes von Hum.
Durchmesser 8'3 cm.
Das Original: im Bosnischen Landesmuseum.
Das Siegelbild: ein nach rechts galoppierender,
in der rechten Hand einen Speer mit Fahne vor sich
haltender Reiter im Panzer, mit spitzem Helme, in der
linken ein Schild, in welchem das Wappen der Kotro
man, ein rechtsgeneigter Schrägbalken zu sehen ist.
18
274
3. Das Siegel des Banns Tvrtko 1357.
Umschri ft : 1. * S . MIN TVEßffl BEI GKA . TOTI .
BOSNE . BANI :
2. : r H . KAM . TßflUTKO
S(igillum) min(us) Tuerlii clei gra(oia) toti(us) Bosne bani.
g(ospodi)n bau Tvrtko. Herr Banus Tvrtko.
Durchmesser 4'7 5 cm.
Das Original ist an einer Urkunde von 1356.
Das Siegelbild: ein nach rechts galoppierender,
in der rechten Hand eine eingelegte Lanze mit
Fahne haltender gepanzerter Reiter, mit einem quasten
geschmücktem spitzem Helme, in der linken Hand ein
Schild; das Wappenbild ist verwischt; wahrscheinlich
ein rechtsgeneigter Schrägbalken.
Dasselbe Siegel ist auf einer Urkunde von 1357
zu finden, die im Ungarischen Nationalmuseum in dem
dort deponierten Archiv der Familie der Freiherrn
Jeszenák aufbewahrt ist. Publiziert von Ivan Bojnichich.
im XL Jahrgang des Archäologischen Anzeiger (Arch.
Ertesitö, ung.), S. 383. Ein, angeblich 1849 bei Zara
f
275
aufgefundener Prägestock — der im Museum von
Zagrab (Agram) aufbewahrt wird — ist gefälscht.
Bojnichich erwähnt ihn ebendort S. 356.
II. Bosnische Königssiegel, Wappendenkmäl er
und die Lehren der bosnischen Heraldik.
1. Die grossen Siegel der bosnischen Könige.
(Die großen Siegel des Stefan Tvrtko I., Stefan Dabisa, Stefan Ostojic,
Stefan Thomas Ostojic.)
Die bosnische königliche Kanzlei hat seit dem
serbischen, bezw. raitzischen Königtume des Königs
Stefan Tvrtko I., d. h. nach 1389 ein von Zeit zu
Zeit umgestaltetes Typar benützt. Aus der Zeit des
Königs Stefan Tvrtko I. (1377—1391) kennen wir
keine Urkunde, deren großes Siegel wir publizieren
könnten, wenn wir aber die Siegel seiner Nachfolger
Stefan Dabisa, Stefan Ostojic und Stefan Thomas
Ostojic vergleichen, so ist es zweifellos, daß sie alle
sich eines zur Zeit Tvrtko' s I. angefertigten Tj^pars
zur Besiegelung feierlicher Akten und wichtiger Aus-
fertigungen bedienten.
Betrachten wir zuerst das Siegel der am 26. April
1395 in Sutjeska ausgestellten Urkunde des Königs
Stefan Dabisa,
1
Auf der vorderen Seite die Umschrift:
(S.) MAIVS STEPHI DABISSE DEI GEA EASCIE BOSSNE
MAEITIMAEÜMQUE PCIUM USOEE INFEEIOEIS PTIS TEEEE
HOL(I)(M?) BEGIS. DMNI.
S(igillum) maius Steph(an)i DaMsse dei gr(ati)a Rascie, Dossne, Mariti-
marumque partium, Usore inferioris partis terre Holm regia clornini.
1
Die Originalurkunde ist im Wiener k. u. k. Staatsarchive. Ich
danke meinem Freunde, Arpäd v. Karolyi die Kenntnisse über diese
Siegel und veröffentliche ihre Reproduktionen nach der künstlerischen
Aufnahme des Herrn Sektionsrates Kratochwil. Die Urkunde ist von
Miklosich: Mon. Serb. S. 224 veröffentlicht worden.
18*
270
Auf der Rückseite dieselbe Umschrift:
1
S MAIÜS STEPHI OSTOICH DEI GRA RASCIE BOSSNA
MARITIMARUM PARCIUM USORA IN.FERIORIS PARTIS TERRE
HOL(I)(M?) REGI DNI.
S(igillum) raaius Steph(an)i Ostoich dei gra(cia) Rascie, Bossne, Mariti-
marum parcium, Usore, Iiiferioris (?) partis, terre Holm regi(s) domini.
Vorderseite.
Durchmesser 11'2 cm.
1
Diese Umschrift ist, wie unten bemerkt wird, nicht die Rück-
seite des großen Siegels des König Dabisa, sondern ist von jener des Siegels
Stefan Ostoja's genommen, da dieses in besserem Zustande ist.
*
277
Auf der vorderen Seite sitzt eine Königsgestalt-
auf einem, von Löwen geschützten, gothischen Throne
mit einer offenen Lilienkrone, in der Rechten ein
Zepter, in der auf den Schoß gestützten Linken
Rückseite.
einen Reichsapfel haltend. Rechts vom Throne ein
emporsteigender Engel mit dem serbischen Wappen,
dem Doppeladler, links ein ebensolcher mit dem
278
%
Kotroman-Wappen, ein Schrägbalken und in dem
oberen und unteren Felde Lilien.
Auf der Rückseite eine, den König selbst dar-
stellende Gestalt auf einem galoppierenden, mit einer
Zierdecke bedeckten Pferde — unseren Erachtens — bos-
nischer Rasse, in vollständigem Panzer, das Visier des
quastengeschmückten Helmes geschlossen, in der Rechten
die eingelegte Lanze mit Fahne haltend, in der Linken
einen Schild, in dessen Feld eine dreizackige Lilienkrone.
Auf der Pferdedecke ein Wappenschild mit dem Schräg-
balken der Kotromanović in Umrissen, auf der rechten
Brustseite des Pferdes vermutlich dasselbe Wappen.
Die Abbildung der Rückseite dieses Siegels ist nicht
von der der oben beschriebenen Vorderseite entspre-
chenden Rückseite des Siegels von Dabisa genommen,
sondern stammt von einer Urkunde des Stefan Ostojic
von 1420 (Archiv zu Körmend). Sie ist der Rückseite
des Siegels von Dabisa ganz gleich, ist aber schärfer
und daher besser zu reproduzieren.
Ganz gleich ist das Hängesiegel der am 4. Dezember
1419 in Sutjeska datierten Urkunde des serbischen
und bosnischen Königs Stefan Ostojic.
1
Der Unterschied besteht nur darin, daß man die
auf der Vorderseite rechts und links sichtbaren Wappen
aus der Zeit Dabisa's (Schrägbalken) entfernt und da-
für die Wappen mit der' dreizackigen, bosnischen Lilien-
krone aufgesetzt hat.
Wie die Reproduktion zeigt, haben wir es mi t
einem vollkommen gleichen Siegel zu tun, nur mi t der
vorerwähnten Änderung der Wappen und mi t dem
Unterschiede, daß in der Umschrift an die Stelle des
Namens DABISSE, OSTOICH steht.
Ebenso identisch ist das der hier mitgeteilten Vor-
derseite entsprechende Rückblatt, welches im Vorste-
1
Original im Wiener k. u. k. Staatsarchive. Publiziert von Miklo-
sich. S. 291.
279
lienden beschrieben worden ist (S. 277), natürlich ist
auch hier an die Stelle des Namens DABISSE bezie
hungsweise TUERTCO, OSTOICH eingefügt.
Stefan Thomas Ostojic, König von Bosnien, hat
dieses große königliche Siegel gleichfalls nngeändert
Siegel des Stefan Ostojic. — Vorderseite.
übernommen und an die Stelle des Namens seiner
Vorgänger den eigenen einsetzen lassen
1
(STEPHI
1
Auf der Urkunde vom 18. Dez. 1451. Wiener k. n. k. Staatsarchiv.
Mitgeteilt von Miklosich a. W. S. 447.
28 0
THOME. Stephani Thome). Es ist also zweifellos, daß
dieses große königliche Siegel mit einer, auf der
Vorder- und Rückseite gleichen Umschrift unter fall-
weiser Richtigstellung des Namens des Königs und
bei gewissen Wappenänderungen das ständige Typar
der bosnischen königlichen Kanzlei war.
Wir haben diesen Zusammenhang schon vermutet.
als wir von einem zerbrochenen Siegel des Stefan
Tvrtko IL (Durchmesser 11'22 cm) eine noch schlech-
tere Zeichnung mitteilten, auf Seite 291, im Jahrgange
1881/82. des Archeologischen Anzeiger (Arch. Ertesitö).
Auf dieser ist die Gestalt die folgende:
Auf einem stilisierten Throne mit Baldachin sitzt
der König in Purpurmantel und Tunica, auf dem
Haupte eine offene Lilienkrone, in der Rechten ein
Zepter mit Lilie, in der Linken einen Reichsapfel mit
Kreuz haltend, die Füße auf ruhende Löwen stützend.
Rechts hält ein schwebender Engel einen dreieckigen
Wappenschild mit einer dreizackigen Lilienkrone (unter
a vergrößert), links ein ebensolcher Engel, mit einem
dreieckigen Wappenschild mit Kopf und unten zwei
Dauben. (Unter b vergrößert.) Der Wappenkopf ist
näher nicht zu bestimmen.
Im Anschlüsse hieran erwähnen wir den im Hinblick
auf die Tracht bemerkenswerten Umstand, daß während
zur Zeit des Anfanges des Banates auf den Münzen
281
des Banus Kulin seine sitzende Gestalt mit griechischer
Despotenmütze, auf dem Knie ein gerades Schwert
ruhend zu sehen ist. im XIY. -Jahrhundert auf der
Vorderseite eine sitzende Gestalt und auf der Rückseite
eine Reitergestalt sichtbar ist.
Münze des Banus Kulin.
282
2. Das Siegel Elisabeth, der Witwe des Königs Ludwig
des Grossen 1386.
Umschrift: * S . ELIZABETH . DEI . GACIA . HVJSTGAEIE .
DALMACIE . CEOACIE . EAME . SEEVIE . GALLICIE . LODO-
MEEIE.
Aus der Umschrift ist das Wor t Regina wegge-
blieben. Möglicherweise wurde der Text der Umschrift
an einem anderen Typar fortgesetzt, welches dann
gebraucht wurde, wenn die Königin ein Doppelsiegel
auf eine Urkunde hängen ließ, wo dann das zweite
Typar auf die Rückseite des Siegels gedrückt wurde.
Durchmesser 8'3 cm.
Das Original hängt an einer Urkunde der Witwe
König Ludwigs des Großen vom 2. Mai 1386 im Staats-
archive zu Wien.
Siegelbild: im Hintergrund Lilien; auf einem
Throne sitzt die Königin eine dreizackige Lilien-
283
kröne auf dem Kopf, einen goldenen Apfel haltend.
Rechts: das ungarische Wappen (rechts Balken, links
die Lilien) links ein linksgewandter Reiter mit ein-
gelegter Lanze.
Bekanntlich war die Gemahlin des Königs Ludwig
des Großen, Elisabeth, die Tochter des Banus Stefan
Kotromanović. Mit Rücksicht darauf, daß der auf der
linken Seite der Königin sichtbare Schild mit dem
Reiter — obwohl nach links und nicht nach rechts
gewendet — mit dem Reitersiegel des Banus Stefan
Kotroman identisch ist und auch—nach Chrzyzanowski
Professor der historischen Hilfswissenschaften an der
Universität zu Krakau — nicht das polnische Wappen
sein kann, somit nicht der Mutter des Königs Ludwig
des Großen, der polnischen Elisabeth, gehören kann:
müssen wir annehmen, daß wir hier die Kombination
der ungarischen und bosnischen Wappen auf einem
ungarischen Königssiegel vor uns haben.
Immerhin ist es auffallend, daß wir auch auf
dem Siegel des litauischen Großfürsten Vitold, links
oben einen nach rechts galoppierenden Reiter sehen.
(Magyar Nemzet Tört. III. S. 501.) Ein endgiltiges
Urteil können wir diesbezüglich noch nicht fällen.
3. Das Siegel des Königs Stefan Ostojic 1399.
Umschrift auf dem linken Rande: . . . OCTON'fe a — Ostojica.
Durchmesser 2*8 cm.
Original auf einer Urkunde vom 5. Juli 1399.
Siegelbild: ein von rechts nach links trabender
Reiter mit eingelegter Lanze. Inländische, rohe Arbeit.
4. Siegel des Königs Tvrtko 1405.
Umschrift: 1. 4* ruiATb rocno^Hiux KJJAAA EOCAiihCKOnx
TßÜI xT . . .
2. links A TBphTK, rechts OBirfc/x
Pecat' gospodina krala bosan'skoga Tvr'tka Xvr'tkoviöa.
Siegel des bosniscben Königs Tvrtko Tvrtkovie.
Siegel des bosnischen Königs Tvrtko Tvrtkovie.
Durchmesser 4'5 cm.
Das Original auf einer Urkunde von' 1405.
Siegelbild: in einem, nach rechts geneigten Schilde
ein schräger Balken von rechts nach links, mit einer,
aus einer Lilienkrone wachsenden Helmzier.
285
5. Die Wappen Bosniens in der Wappeusanunlung des
Ulrich von Reichenthal und Konrad von Grünenberg
1415—1483. Die erste Variation.
a, Ein abgerundeter quadrierter Schild im 1. und
4. weißen Quartier ein nach rechts schreitender, in der
rechten Hand ein Schwert haltender bärtiger Mann
in rotem Gewände; im 2. und 3. roten Feld ein
weißer Schrägbalken von links nach rechts. Das Wappen
wird von einer offenen Krone mit drei größeren und
zwei kleineren Zacken, der Reif mit Edelsteinen ge-
schmückt, geziert.
Unten die Aufzeichnung: „Die Hochgeboren Fürstin
Frau Anna Künigin und Frau zu Wossent das Künig-
reich dem Merentsej't innhabend der Herzog von Raczen
und die Venedier."
Ulrich von Reichenthal I. Ausgabe, Fol. 17 0/S; IL
Ausgabe Fol. 143/a.
b, Dasselbe Wappen im größeren Maßstabe.
Unten die Aufzeichnung: „Von dem durchleuchtigi-
sten rarsten und künig von Wossen das künigreich das
merenteyls heydnischen glauben habend."
286
Ulrich von Reichenthal I. Ausgabe, Fol. 99/6; IL Aus
gabe, Fol. 78.
c, Mit einer anderen Anordnung als unter a, b
d. h. im 1. und 4. roten Feld ein weißer, rechtsgeneig
ter Schrägbalken; im 2. und 3. Weißfeld eine laufende
Gestalt in rotem Gewände, mit einem Schwert in der
liechten, eine offene Krone auf dem Haupte (im 3. Feld
eine schlechte Zeichnung). Der Schild wird von einer
Lilienkrone geziert.
Darunten die Worte: „Das Kungkrich von
Wossen gehört under den Kunig von ungern." Konrad
von Grünenberg veröffentlicht dieses Wappen (Fol. XIX.)
unter dem, in zwei gegeneinander geneigten Schildern
dargestellten Landeswappen des Königs Mathias, ohne
Erwähnung Bosniens, als ungarisches Lehengebiet.
Diese Zeichnungen unter a, b, c stellen eine
wenig bekannte Variation des Wappens des bosnischen
287
Königreiches dar; a ist das Wappen der Königin
Anna, b das „des bosnischen Königs'' ohne den Namen
zu erwähnen und c das des bosnischen Königreiches,
Abgesehen von kleineren Unterschieden in der Dar
stellung zeigt der Schild zwei Hauptgestalten des
Wappens: den schrägen Balken und die ein Schwert
haltende Mannesgestalt mit einer Krone. Die Varianten
u und b teilt uns Reichenthal, c nach ihm Grünen
berg mit, und zwar, wie erwähnt im Anschluß an das
ungarische Wappen.
Die näheren Umstände dieser Wappenvariation
mit vollständiger Sicherheit zu bestimmen ist außer
ordentlich schwer.
Bosnien kommt zwar in den Aufzeichnungen
Beichenthals oft vor. Seine diesbezüglichen Angaben
sind aber so widerspruchsvoll, daß wir auf Grund deren
die Frage der in Rede stehenden Wappen nicht auf
klären können. Ulrich von Reichenthal erwähnt, wenn
er über den Aufenthalt des Königs Sigismund und der
Königin Barbara spricht, viermal die bei der letzteren
verweilende Königin von Bosnien, Elisabeth, „die
durchlutig Fürstin frow Elisabeth, Künigin von Wossen'
288
(Reichenthal S. 35, 72, 74, 82). Nachdem er an vier
Stellen konsequent Elisabeth geschrieben hat, schreibt
er später bei der Beschreibung Bosniens (S. 109):
„Die hochgeborene Fürstin, Königin Anna ist die Kö-
nigin und Herrin von Bosnien. Ihr Königreich ist
großenteils im Besitze des raitzischen Herzogs und der
Venezianer, ihre Einwohner sind größtenteils Heiden."
Nun ist die Frage, ob zwei bosnische Königinnen in
Konstanz waren, oder nur eine, und wenn nur eine,
mit welchem Recht ist sie eigentlich Königin genannt
worden ?
Der Umstand, daß die Gemahlin des Königs
Sigismund, die Königin Barbara, diese bosnische Kö-
nigin überall mitnimmt, bedingt eine enge Familien-
verwandtschaft, also eine Blutverwandtschaft. Wir
kennen zwei Schwestern der Barbara von Cilli. Erstens
Elisabeth, deren Gemahl Heinrich IV., Graf von Görz
(1376—1454) war. Die Ehe ist angeblich 1407 ge-
schlossen worden und die „wunderschöne" Frau starb
1421.
1
Das andere Mädchen hieß Anna und über sie
wissen wir nur soviel, daß sie ungefähr 1405 die Gattin
des jüngeren Nikolaus Garai war.
2
Von diesen beiden
war also eine in Konstanz. Über die Verbindung der Cilli's
mit den Kotromanovic' wissen wir, daß die Gemahlin
Hermanns I. von Cilli, die Tochter des bosnischen Königs
Tvrtko I. Katharina war. Daraus folgt aber noch
nicht, daß diese zwei Enkelinnen Hermanns I. von
Cilli als bosnische Königinnen vorkommen können. Der
Sohn dieses Hermann L, Hermann II. (f 13. Oktober
1435) stand mit Bosnien in noch engeren Beziehungen,
indem Tvrtko IL, König von Bosnien in Bobovac in
einer feierlichen Urkunde vom 2. September 1427 den
männlichen Nachkommen Hermanns „consanguineus
et frater noster" sein Land Bosnien verleiht (dona-
1
Czoernig: Görz und Gradiska. S. 580.
2
Fröhlich: Genealogiae Sounekiorum. Becs. 1755. 73. 4.
289
vimus et donatione firma praescripsimus). Falls er diese
Verleihung annähme, sei er verpflichtet sämtliche bos-
nischen Untertanen in ihren Freiheiten zu behalten.
Die Verleihung ist nur für den Fall giltig, wenn
Tvrtko — quod deus avertat — ohne gesetzliche
Erben stürbe, oder seine gesetzlichen Erben keine
Nachkommen hätten. Das läßt er von den „capitaneis,
burkgrafiis (deutscher Konzipient!) et castellanis" sowie
von den Einwohnern des Landes geloben. Hermann
von Cilli und seine Nachfolger seien verpflichtet ihn
und seine Nachkommen zu unterstützen.
Genau genommen handelt es sich um eine Option,
1
die aber nie zur Wirklichkeit wurde und die Cilli's
nicht berechtigt hat den Titel eines bosnischen Königs
zu führen. Übrigens kann sich dieser a posteriori Akt
von 1427 auf die, auf dem Konzil von Konstanz
erschienene Königin nicht beziehen, obwohl diese be-
stimmt eine aus der Familie von Cilli war. Möglicher-
weise hat Reichenthal den Titel einer Königin antizipiert.
Nun ist die Frage zu lösen, auf Grund welches
Rechtes Anna von Cilli als bosnische Königin vor-
kommt, da Elisabeth Cilli die Gemahlin des Grafen
von Görz, bestimmt nicht so genannt werden konnte,
wenn sie auch viermal von Reichenthal so bezeich-
net wird. Die Periode der bosnischen Geschichte von
1398—1415 bezw. 1420 ist sowohl hinsichtlich des
pragmatischen Zusammenhanges der Ereignisse, wie
der Territorialveränderungen noch nicht hinreichend
aufgeklärt. Stefan Ostoja herrscht von 1398—1404,
dann wird Tvrtko IL König (1404—1408) und kommt
in ungarische Gefangenschaft; Vrhbosna (Sarajevo)
wird wieder vom Könige Stefan Ostoja beherrscht
1408—1418. Währenddem wird Tvrtko IL Sigis-
munds Anhänger und bemüht sich 1415 vergebens
1
Transsumiert in der Urkunde des Kapitels von Zagrab (Agram)
vom 30. März 1450.
19
290
gegen Ostoja von neuem an Boden zu gewinnen; erst
1421 gelingt es ihm wieder zur Macht zu gelangen
In den territorialen Veränderungen bildet das Jahr
1411 den Wendepunkt. Wir wissen, daß König Sigis-
mund nach langen Verhandlungen und zwar in erster
Reihe dank der Vermittlung des Nikolaus Garai mit
dem raitzischen Despoten Stefan Lazarevic ein Über-
einkommen abgeschlossen hat, wobei er ihm zur Ver-
teidigung des, der Drina nahe liegenden Teiles Bosniens
die Stadt und den Bezirk Srebrenica übergab.
1
Zur
selben Zeit wurde das Rechtsverhältnis Hervoja's ge-
regelt und es wurden als Grenzgebiete organisiert: die
Banate von So (Sol, Tuzla), Usora und der (ungarische)
Banat von Bosnien (Dobor). Johann Marothy, den des-
halb der Kronist König zu Bossen nennt,
2
war der
eine Befehlshaber an der Grenze in der Nachbarschaft
des raitzischen Despoten, Johann Garai, der jüngere
Bruder des Nikolaus Garai, war Vojvode
3
in Usora
— Militärkommandant — und der alte bosnische Banat
an der Save wurde mit der 1408 erstürmten Burg
Dobor angeblich mit Nieder-Slavonien verbunden.
4
In
irgend eine Verbindung mit diesem annektierten Gebiete
müssen wir den königlichen Titel der Schwägerin des
Königs Sigismund zu bringen suchen.
Mit vollem Recht kann auch die Möglichkeit
angenommen werden, daß Reichenthal, wie auch der
vorher zitierte Kronist Windeck, die Schwester der
Königin Barbara willkürlich bosnische Königin nannte.
Wir haben j a keinen Beleg dafür, daß Nikolaus Garai,
der Gemahl Anna's, den Titel eines Königs erhalten
1
Urkundenb. der ung.-serb. Beziehungen 52—53, vor 10. Juli 1410.
2
Windeck Cap. 28. Johann Marothy war sechs Jahre 1403—1409
Banus von Mäcsö.
3
E. v. Windeck nennt] Johann Garai einen Fürsten, das ist aber
nur ein leerer Titel.
* Fröhlich: Genealogiae Sounekiorum Cejee Vienna 1755. S.
74—75. comel.
291
hätte; wäre dies hingegen tatsächlich geschehen, so
müßte doch irgend eine Spur in Form einer Auf-
zeichnung erhalten geblieben sein. Andererseits müssen
wir dem von Eeichenthal abgebildeten Wappen eine
gewisse Bedeutung beimessen, weil es in Konstanz
tatsächlich für das Wappen „der Königin Anna" galt.
Warum hat nicht die Frau Garai's das Wappen der
Cilli's in Verbindung mit jenem der Garai's gebraucht
und warum gerade das vorliegende damals entstan-
dene Wappen? Nikolaus Garai, der Palatin (Groß-
graf) kommt mit seinem eigenen Wappen vor, warum
gebraucht er nicht dieses Wappen, er war ja nach den
Urkunden der Gatte der Anna Cilli?
1
Warum teilt Reichenthal zwei gleiche Wappen
mit und nennt das zweite das Wappen des bosnischen
Königs, wer ist dieser König?! Tvrtko II. kann es ja
nicht sein, der 1427 die Tochter des Johann Garai,
namens Dorothea heiraten wollte. (Siehe S. 142 u. ff.)
Wir befinden uns also mitten in lauter Annahmen
und Möglichkeiten. Unter den Erklärungsmöglichkeiten
könnte die Hypothese auftauchen, die Königin Barbara
habe für ihre geliebte Schwester den königlichen Titel
erworben; dies ist aber auch nur eine Möglichkeit. Es
ist auch möglich, daß nur der Wappenmaler der
Schwester der Kaiserin den königlichen Titel gab.
Als positive Tatsache können wir nur soviel feststellen,
daß die Frau des Nikolaus Garai, Anna Cilli — dies
können wir wenigstens bisher nicht in Zweifel ziehen -—
bei Reichenthal als bosnische Königin vorkommt und daß
er das mitgeteilte Wappen in Konstanz gesehen hat.
Und dieses Wappen stellt das Wappen des mit Ungarn
in enger Verbindung stehenden Bosnien dar, wie das
die Aufzeichnung Grünenbergs von 1483, die über
demselben Wappen zu lesen ist, beweist.
1
Die Kronik der Grafen von Cilli, Cap. VIII. herausg. von Krones
S. 73—74. Anna wurde „dem Grosgraffen genandt Gara Nielas" versprochen.
19*
292
6. Das Wappen Bosniens 1415—1483.
Zweite Variation.
Diese, sowohl von Ulrich von Reichenthal, wie von
Konrad von Grünenberg mitgeteilte zweite Variation des
Wappens von Bosnien zeigt das folgende Wappenbild:
Im goldenen Felde des abgerundeten Schildes zwei
kreuzweise gelegte Pfähle mit abgeschnittenen Zweigen,
an den Spitzen mit zwei gegeneinander sehenden
Mohrenköpfen. Unten die Note: „Von dem Edlen wol-
gebornen Herzog von Possen in der Thürgey."
Reichenthal I. Ausgabe, Fol. CXI/6; II. Ausgabe,
Fol. LXXVIII/a—LXXIX/6. Auf dem letzten Blatte noch
einmal mit der Bemerkung: „Von dem durchleuchtigsten
Fürsten und Kunig von Wossen, das Kunigreich des
mereren theils Heydnischen glauben habend."
Konrad von Grünenberg Fol. XXX, dasselbe in
silbernem Grunde mit der Note: „Der Herczog von
Bossen in der Turgy."
293
Dieses bosnische Wappen, welches die Wappen
bücher des XVII. Jahrhunderts die noch einen, auf
einem Kreuz ruhenden Halbmond und einen Stern
auf herzförmigen Schilde hinzufügen, bald als das
Wappen von Bosnien, bald als das der Stadt Sarajevo
bezeichnen, war im XV. Jahrhundert zweifelsohne be
kannt. Nur ist die Frage, wer dieser, unter türkischer
Herrschaft stehende Herzog sei, der dieses Wappen in
Konstanz benützt hatte und wie dieses entstanden sei?
Auf die erste Frage können wir keine Antwort
geben, mit blossem Erraten können wir kaum das Ziel
erreichen. Denn was hätte es für einen Wert, wenn
wir auf Grund der von Reichenthal zufällig hinge
worfenen Aufzeichnung einen, den Türkenuntertanen
in Konstanz erschienenen, vornehmen, bosnischen Herrn
als Wappeninhaber bezeichnen? Was die Entstehung
betrifft, haben wir eine Vermutung, über welche wir
in Verbindung mit der Würdigung der Wappen der
Ujlaky's auf den Grabdenkmälern sprechen werden.
294
7. Das Siegel des Königs Stefan Thomas 1444.
Umschrift: S . DOMIN . TÜERTCONIS . DEI . GRACIA .
REGIS . BOSNE . E . *
Durchmesser: 0'5 cm.
Das Original ist im Staatsarchiv zu Budapest.
NBA 1530: 16. Ein, an einer roten Seidenschnur
hängendes, in gelbe Fassung gedrücktes, rotes Siegel.
Herausgegeben in „Archeologiai Ertesitö" 1880, S.
30—31.
Das Siegelbild: in einem rechts geneigten drei
eckigen Schilde eine dreizackige Lilienkrone, darunter
der Anfangsbuchstabe des Namens des Königs: T.
295
8. Das königliche Wappen der Kotromanovic über dem
Burgtor von Jajce.
Das alte Tor der Burg Jajce; über demselben
in einem nach links geneigten Schilde die dreizackige
königliche Lilienkrone. Die Heinizier und die Decke
sind mit dem früher mitgeteilten Wappen des Stefan
Thomas identisch.
Das Tor der Burg Jajce.
Nach der Eroberung von Jajce 1463, hat König
Mathias das Tor zumauern lassen und den Torweg
zu einer Kapelle umgestaltet, nachdem er daneben ein
neues Tor hatte bauen lassen. Die Türken haben das
Tor gänzlich vermauert und vor dasselbe ein Wacht-
haus gestellt.
296
Vorliegendes Bild wurde in der Literatur schon
öfters mitgeteilt, wir selber haben in unserer Studie
„Die Frage des Wappens und der Fahne Bosniens" im
„Archeologiai Ertesitö" 1881, darüber gesprochen.
9. Die Wappen des Nikolaus Ujlaky, Königs von Bosnien
und des Laurenz Ujlaky, Herzogs von Bosnien.
Die auf den Grabdenkmälern der Ujlaky's zu Illok
befindlichen Wappen (ihre Beschreibung im „Archeologiai
Ertesitö" 1889, S. 1—8) sind eigentlich zu den unga
rischen heraldischen Denkmälern zu zählen. Nikolaus
Ujlaky erhielt 147], als Vasall des Königs Mathias,
Das Wappen in der rechten
oberen Ecke des Grabdenk
males des Laurenz Ujlaky,
Herzogs v. Bosnien in Illok.
Das Wappen in der linken
oberen Ecke des Grabdenk
mals des Nikolaus Ujlaky,
Königs v. Bosnien in Illok.
den königlichen Titel. Als bosnischem Könige war
ihm der bosnische Banat an der Save und der Kreis
von Teocak in der Nachbarschaft der Burg Zvornik
unterstellt, die letztere als königliche Donation. Auf
.der linken Seite ist das auch vergrößert mitgeteilte
Wappen zu sehen: Zwei Kronen übereinander, die
297
obere eine dreizackige Lilienkrone, die untere eine
Mauerkrone mit fünf Giebeln (corona muralis). Unter
der letzteren ein Blatt oder eine Herzfigur, rechts
und links davon je ein Kopf. Die obere Krone stellt
das königliche Wappen von Bosnien dar (gerade so,
wie die auf der rechten Seite des Grabdenkmals unten
sichtbare und das ganze Feld einnehmende Lilienkrone),
die untere Mauerkrone kann eventuell die Provinz von
Teocak bezeichnen, die unteren zwei Köpfe erinnern
an die slavonischen Münzen, wo die Köpfe des Königs
Die vergrößerte Rückseite des slavonischen Denars Bela's IV.
und des dux Sclavoniae auf den Denaren des Banus
zu sehen sind. Ob sie Nieder-Slavonien, oder den bos-
nischen Banat darstellen, bleibe dahingestellt.
Auf den slavonischen Banat-Denaren (ihre nahezu
vollständige Zusammenstellung siehe Cyrill Truhelka:
Slavonski banovci, Glasnik [Sarajevoer] 1897, Seite
1—100) sehen wir die Köpfe des Königs und des
slavonischen Herzogs (des jüngeren Königs) unter dem
unteren Arme des Doppelkreuzes, rechts und links
gegeneinander gewendet. Rechts vom oberen Arme
des Kreuzes ist ein sechszackiger Stern, links der mit
298
den Hörnern nach oben gewendete Halbmond und
runde Figuren (Kügelchen). Alle diese Motive kommen
im bosnischen Wappen vor. Es ist fraglich, ob jene
zwei Wappen mit den Köpfen nicht durch nieder-
slavonische Beziehungen (die Komitate Dubica, Sana,
Vrbas) in die bosnische Heraldik Aufnahme fanden?
Wir haben die Frage nur aufgeworfen, weil sie sich
hier von selbst aufdrängt.
Auf dem Grabdenkmale des Herzogs Laurenz
Ujlaky (bis 1518 dux de Ujlak, nachher „Dux Bozne")
symbolisieren die drei übereinandergereihten fünfzackigen
Lilienkronen in dem rechten oberen Wappen Bosnien.
Die zwei Ujlaky's haben also — ebenso wie die Könige
aus dem Hause Kotromanovic die zum Siegelbild
gewordene Krone als Wappen von Bosnien gebraucht.
10. Kronen-Abzeichen und Familienwappen auf bosnischen
Münzen und Siegeln.
Die Münze Tvrtko' s IL
Bosnische Kronen-
zeichen auf Münzen
von Kattaro.
Die Münzen des bosnischen Königs Stefan Thomas (1441—1461). Vorder-
seite : die dreizackige offene Lilienkrone, als Siegel; auf der Eückseite ein
rechtsgeneigter Schrägbalken, rechts und links drei Kreuze.
299
Das Ringsiegel der bosnischen Königin Katharina 1470.
*
* *
Fassen wir die Lehre dieser bosnischen Denkmäler
zusammen, so stellt es sich heraus, daß das Familien-
wappen der Dynastie Kotroman der rechtsgeneigte
Schrägbalken ist, das auch von rechts und links je von
3 Kreuzen umgeben vorkommt. Zur Zeit des König-
reiches wird die offene Lilienkrone zu einer Wappen-
figur und erscheint ein T, der Anfangsbuchstabe des
Namens darunter.
Es ist der Mühe wert einen Blick auf die Ornamen-
tik der mittelalterlichen bosnischen Heraldik zu werfen.
11. Bosnische Wappen auf Grabdenkmälern und die Lehren
der bosnischen Heraldik. Das Grabdenkmal mit dem
Wappen des bosnischen Gross-Knez Eadoje.
Im Bezirk Sarajevo unweit von Toplik in Zabrdje
— zwischen Tarcin und Kresevo — ist der unten abge-
bildete Grabstein gefunden worden, auf dem die nach-
stehende Aufschrift zu lesen ist:
ci 3AAMEN£ KNt3A auf der Seite: OA^OE BEAMKOTA KN^A
GOCANCKOTA A nOCTABH . CHHh HErOBb KNE31* ÜA^HHli 3 EO/K-
NOMK nOMOhtO H CKOH^h B' bpN' k^h A (HHOMh HH E^NOMK
HNOMh nOMOllHW METO CAMb o[ n] l i .
Dies ist das Denkmal des Knez Badoje, des Groß-Knez von
Bosnien, das sein Sohn, Radic mit Gotteshilfe unter dem
Beistande seiner Anhänger und seines Sohnes ohne fremde
Unterstützung aus eigener Kraft erbatien ließ.
300
Das Wappenbild stellt in einem Kreise mit ge-
zacktem Rand einen nach links gewendeten — roh
gearbeiteten — geflügelten Wolf dar.
Das Grabdenkmal ließ Radic Radojevic. ein
Vertrauter des Königs Tvrtko IL aufrichten (bei Miklo-
sich Mon. serb. 1420 erwähnt, S. 305). Von Radoje
geschieht in einer Urkunde des Königs Ostoja vom
8. Dezember 1400, als einem Zupane Erwähnung
(Miklosich a. W. S. 20).
Das Denkmal ist eine inländische Arbeit (mit-
geteilt von Truhelka: Die bosnischen Grabdenkmäler
des Mittelalters. „Wissenschaft!.. Mitt. aus Bosn. u. d.
Herz." III. S. 433) und zeigt den primitiven Charakter
der bosnischen Heraldik.
301
Soweit wir aus der Ornamentik der bosnischen
Grabdenkmäler des Mittelalters auf die heraldischen
Motive des XIV—XV. Jahrhundertes, bezw. auf deren
System einen Schluß ziehen können, so ist es zweifel
los, daß diese größtenteils als Abzeichen eine Rolle
spielen und nur in gewissen Fällen als Wappen aufzu
fassen sind.
f
Der auf ein Schwert gelegte dreieckige Schild
ohne Wappen — schreibt Truhelka in a. Abhandlung
S. 411 — bezeichnet das Grab eines Kriegers. Außer
302
diesem finden wir aber eine ganze Reihe von immer
auf ein Schwert gelegten Schildern mit Wappen. Von
auf den unten mitgeteilten Schildern sind die Tartschen
b und d, die viereckigen Schilder c, e, f und der unten
abgerundete Schild g allgemein bekannte Formen.
Was die Wappenfiguren anbelangt, wird die bos-
nische Heraldik durch die schräge Teilung charakte-
risiert. Diese schräge Teilung ist auf den Wappen
b—d, f—g zu sehen, und zwar im Wappen b in
einem eingerahmten Schilde zwei parallele Bänder von
links nach rechts; im Wappen c ein linksgeneigter
schräger Balken, oben und unten mit runden Figuren
(besants), ebenso ist d oben aber mit einem nach links
gewendeten Halbmond; im Wappen e ist über einem
mit dem Hörne nach oben gewendeten Halbmonde ein,
auf den vier Enden mit Kugeln geziertes Kreuz zu
sehen; in f ein rechtsgeneigter Schrägbalken, in den
vier Ecken des Schildes eine runde Figur; im Wappen
g sehen wir einen ornamentierten, rechtsgeneigten
Schrägbalken, oben im Schilde einen Reifen.
Diese Wappenfiguren kommen auf den alten bos-
nischen Grabdenkmälern immer wieder vor. Technisch
genommen, sind sie zweifellos Wappen. Truhelka schließt
aus dem Umstände, daß auf den Siegeln der vor-
nehmen bosnischen Familien nur Monogramme und
Anfangsbuchstaben der Namen zu sehen sind, die bos-
nischen Familien hätten nur selten und verhältnis-
mäßig spät wirkliche Wappen gebraucht (a. 0. S.
412—413). Um das zu beweisen, führt er die Mono-
gramme der Brüder des Sandalj Hranic, Vuk (Vater
Stefans, Herzog von Sankt Sava) und Vukac, aber
auch das Monogramm des Herzogs Stefan an. Es ist
wahr, daß diese Kosaca's ihre Monogramme, d. h. die
Anfangsbuchstaben ihrer Namen auf ihren Siegelringen
gebrauchten — dasselbe war im Westen und auch in
Ungarn üblich —, allein sie haben auch Wappen be-
303
sessen und dieselben auch gebraucht. Nur besteht zwi-
schen den weiterentwickelten kroatischen Geschlechtern
der Küste und Nord-Dalmatiens und den bosnischen in-
ländischen Geschlechtern der Unterschied, daß während
jene infolge des italienischen und ungarischen Einflusses
früher zu Familien wurden, die auch privatrechtlich
unterscheidbar sind, von den bosnischen nur wenige eine
ständigen Familiennamen führten. Die fürstlichen Fami-
lien und diejenigen, deren Mitglieder Vojvoden wurden,
hatten jedenfalls Wappen. Hinsichtlich der Provenienz
ist es gleichgiltig, ob diese Wappen ursprünglich Ab-
zeichen der Krieger, später der Adeligen (vlastela, pro-
ceres) waren. Das gerade ist der Ausgangspunkt der
bosnischen Heraldik. Wenn auch unsere Kenntnisse
in dieser Hinsicht noch sehr mangelhaft sind, so ist
es doch nicht zu leugnen, daß durch die bosnische
Heraldik ein, an Interesse und Originalität reicher
Zweig der Kulturentwicklung des Balkans auf Grund
der sämtlichen in Betracht kommenden Denkmäler
erschlossen wird.
III. Die "Wappen und Siegeldenkmäler des
Herzogs Hervoja.
1. Das Wappen des Herzogs Hervoja (Hrvatinić) yon
Spalato.
Das Wappen des Herzogs Hervoja aus dem
„Missale Glagoliticum", von mir im Jahrgange 1892
des „Turul" mitgeteilt, ist folgendes: in einem silbernen
Schildkopfe zwei rote Balken, unter denselben im roten
Felde ein mit Eisen gepanzerter Arm mit eisernen
Handschuhen ein nach links geschwungenes Schwert
haltend, das von einem wachsenden doppelschwänzigen
roten Löwen mit goldenen Krallen begleitet wird,
auf dem spitzen Helme eine netzförmige Decke; Helm-
304
zier: der auch im Schilde zu sehende Arm; die auf
einem Bande am Helm befestigte Legende lautet:
axma bni cfjemoe buci
5
$pal
itt
Das ist das Wappen Hervoja's, als Herzog von
Spalato. Über eine der im Schilde sichtbaren zwei
Wappenfiguren: den Schwert haltenden Arm, äußerte
ich die Meinung, daß er das Lehensverhältnis ausdrücke.
Ich habe zum Beweise angeführt, daß auf einer Münz-
art Hervoja's von Spalato dasselbe Wappen mit den
zwei Figuren zu sehen ist. Auf einer anderen Art der
Münzen Hervoja's sehen wir drei mit Lilien geschmückte
schräge Balken; die Helmzier ist ein ein Schwert hal-
tender Arm. Diese zweite Variation gilt in dem illyri-
schen Wappenbuche, das in der Wiener Hofbibliothek
aufbewahrt wird (Mss. 7683, tab. XXVIII) für das
Wappen der Familie Hrvatinic.
1
Ich hatte schon damals
gewisse Zweifel, daß jener mit Lilien bedeckte Balken,
der auf der Reitergestalt des Siegels Tvrtko's I. auf
der Wappendecke, wenn auch nicht auf dem Schräg-
balken, sondern nebenbei unten und oben vorkommt,
kaum das ursprüngliche Wappen der Hrvatinic sei;
da aber die Belege der Münzen und des Wappen-
buches übereinstimmen, blieb ich bei meiner Behauptung.
Bezüglich der Figur mit dem Löwen ist zu
erwähnen, daß auf einer Urkunde des Paul Nelepec
von 1457, in welcher er ein zu seiner Besitzung von
Dobra-Kuca gehörendes Gut seiner Frau Anna ver-
pfändet das Siegel des Paul Nelepec in einer hin-
reichend deutlichen Form überliefert w
7
urde.
In unseren vorliegenden Studien haben wir (Siehe
S. 88—89) ausgeführt, daß die Nelepec von Dobra-Kuca
1
„Turul" a. 0. unt er ' Nr . 3 t ei l t dieses Wappen mit, dessen Farben
sind: ein rotes Feld, der Schrägbalken golden, die Lilien rot, das Kreuz,
oben und unten silber.
305
eine nach Slavonien verzweigte Linie des Geschlechtes
Hrvatin sind und dieser Paul, um den es sich handelt,
der Sohn des Benedikt von Dobra-Kuca ist.
2. Das Wappen des Geschlechtes Hrvatinic.
Das hier mitgeteilte Siegel des Paul Nelepec,
welches fünffach vergrößert ist, zeigt uns ebenfalls
den sich nach rechts wendenden doppelschweifigen
Löwen, der auch im herzoglichen Wappen Hervoja's
Das Wappen des Geschlechtes Hrvatin.
sichtbar ist. Es ist also klar, daß der Löwe das
Geschlechtswappen des Geschlechtes Hrvatin darstellt.
Wie gegenüber dieser vollkommen sicheren Tatsache
das Wappen Hervoja's mit dem liliengeschmückten
Schrägbalken zu deuten ist, darüber wollen wir keine
Hypothese aufstellen.
20
306
3. Die Wappenvariationen mit dem Schwerte.
In rotem Felde ein von links nach rechts zum
Stich erhobener Arm in goldenem Gewände mit einem
krummen Säbel nach unten stoßend. Der Schild ist mit
einer zackigen offenen Lilienkrone geziert.
Unterschrift: Das künigreich zu Cravatia.
Ulrich von Reichenthal I. Ausgabe, Fol. 170.
307
In rotem Felde hält ein nach rechts zum Hieb
gehobener Arm in goldenem Gewände einen krum
men, kurzen Säbel. Der Schild ist mit einer offenen
Lilienkrone geziert.
Unten: Das Ktinigreych zu Crovatia.
Ulrich von Reichenthal II. Ausgabe, Fol. CXLII/&.
20*
308
In rotem Felde stoßt ein nach links zum Stich
erhobener Arm in einem gold-blau-weißen Gewände
mit einem Dolche von italienischer Form nach abwärts.
Unterschrift: Der kunig von Dalmacien.
Konrad von Grünenberg, Fol. XXIV/&.
Aus diesen drei Wappen ist zu ersehen, daß
dieses Wappen — das herzogliche Wappen von Spa-
lato — in Konstanz auch vertreten war.. Es zeugt
von der Genauigkeit der Figuren Reichenthals, daß er
dasselbe Wappen auf zweierlei Art abbildet. Wie
wenig die Zeichnung als Quelle gelten kann, erhellt
daraus, daß Grünenberg aus dem „kroatischen"
309
Wappen 1483 ein dalmatinisches macht und der
Maler nach seinem eigenen Geschmacke das Gewand
am Arme stilisiert. Als Beiträge aber joassen auch
diese Wappen in unsere Reihe.
IV. Die Wappen und Siegeldenkmäler
der Familie Kosača.
1. Das Wappen der Königin Katharina von Bosnien.
Das Wappen ist auf dem Grabdenkmale (Ära
Coeli) der Königin Katharina von Bosnien zu Rom
rechts von dem ruhenden Kopfe angebracht.
Wappenbild ein quadrierter Schild: im 1. und 4.
Feld eine offene dreizackige Lilienkrone (das sogenannte
königliche Wappen Bosniens), im 2. und 3. Feld das
Reiterwappen der Kotromanovic, das auch auf dem
Siegel der Königin Elisabeth von Ungarn vorkommt.
In einem umränderten, herzförmigen Schilde: der ein
Schwert haltende Arm, wie im herzoglichen Wappen
Hervoja's von Spalato, über ihm ein Halbmond mit
Stern (von den slavonischen Münzen genommen).
310
2. Das Kosaca-Wappen auf dem Grabdenkmale der Königin
Katharina von Bosnien 1478.
Das Wappen ist auf dem oben erwähnten Grab
denkmale der Königin Katharina links von dem ruhen
den Kopfe zu sehen.
311
3. Das Siegel des Peter Balsa 1492.
Umschrift: * S. DNI HU . . . S. Das übrige
können wir nicht lesen. Ob es *fc S. Domini Huminis
bedeutet, ist ungewiß.
Durchmesser: 2'9 cm.
Wappenbild: in einem, nach rechts geneigten
Schilde drei rechtsgeneigte Schrägbalken. Die Helmzier
ist ein wachsender, nach rechts gewendeter Löwe, der
in seinen Pranken eine zweimal geteilte Fahne hält.
Das Original ist an der großen Friedensurkunde
der slavonischen Stände von 1492 und befindet sich
in der ständigen Ausstellung des Haus- Hof- und
Staatsarchives in Wien.
312
V. Serbische (raitzische) Wappen und Siegel.
1. Das Siegel des Despoten Stefan Lazarevic.
Umschri ft: <%> [ßh ^ÜVC]
1

c r a
KArOB'k . H [ ^ÜI ] CTOA^K .
[BC'kMk Cpca]l(?M N n0[^]^H[&B'l'w] y^fCnOTK CTE(p[&Hh]
Das heißt: f [vi* hris]ta b(o)ga bl(a)gove(ni) i [hri]stolub(ivi) [vsemu]
srbljemb podnnaviju despotb Steffanu]
Übersetzt: f An Gott Christus glaubender und den Christus liebender
Despot sämtlicher Serben und des Podunavije (Donau-Gebiet).
313
Durchmesser: 10 cm.
Original: eine Urkunde vom 2. Dezember 1426 im
Haus- Hof- und Staatsarchive zu Wien. Veröffentlicht
im Urkundenbuche der ISFebenländer Ungarns IL
im—LIV.
Siegelbild: ein nach links geneigter, schräg von
links nach rechts geteilter Dreieckschild, oben und
unten eine Lilie. Darüber ein Kübelhelni mit einer in
Pfianzenornamentik übergehenden Decke, in welche
zwei gegeneinander gewendete Auerochshörner ein-
gefügt sind. Die Auerochshörner umschließen einen
Doppeladler mit ausgebreiteten Flügeln.
2. Das Wappen des serbischen Despoten 1415.
Wappenbild: in rotem Felde ein stilisierter gol-
dener Doppeladler ohne Krone, der in seinem Schnabel
je ein Hörn hält. Der Schild ist mit einer goldenen
herzoglichen Mütze mit grünem Futter gekrönt.
'
314
Unten: Der hochwürdig Fürst Hertzog Dispolt
zu Ratzen.
Ulrich von ReichenthalI. Ausg. Fol. lOS/b; 2. Ausg.,
Fol. 86/6 und Grünenberg II. Ausg., Fol. XLVIII/&
„Herzog Disphot von Raczen".
Es ist zweifellos das Wappen des Despoten Stefan
Lazarevic, der übrigens auf seinen Siegeln den Doppel-
adler des Despoten auch ohne das Familienwappen
gebraucht hat.
3. Das ungarisch-serbische (raitzische) Anspruchwappen
1
Wappenbild: in rotem Felde ein nach rechts
gewendeter, schwarzer Wildschweinkopf mit goldenen
Hauern; in sein offenes Maul bohrt sich ein goldener
Pfeil. Auf dem Schilde eine offene Lilienkrone.
1
Hiemit bezeichnen wir ein Wappen, dessen Führung einen
Anspruch auf ein iSTebenland beinhalten sollte.
315
Unten: Von dem aller Durchleuchtigesten Kayser
von Sirffey\
Ulrich von Reichenthal I. Ausg., Fol. 120/a, IL Ausg.,
Fol. 98/a und Konrad von Grünenberg III. Fol. XXIX/fr.
„Das Kaisertum der Sirfie" mit der Variation, daß die
Spitze des Pfeiles nicht nach innen, sondern nach
außen gewendet ist.
Nach der Provenienz dieses Wappens haben wir
bisher umsonst geforscht. Das serbische Anspruchs-
wappen des ungarischen Reiches ist mit dem oben
mitgeteilten Wappen gleich. Ebenso ist es bei der
Krönung auf der Fahne im Krönungszuge zu sehen.
(Die Fahne von 1655. Bärczay a. W., S. 317.)
Auf unseren Münzen kommt es zuerst auf der
Krönungsmünze Mathias II. vor (die numismatischen
Tafeln von Veszerle: CVI. Tafel, 5. Zeichnung), nachher
unter Ferdinand II. (ebendort VIII. Tafel, 4. Zeichnung).
In diesen Zeichnungen ist neben dem Wappen auch
ein Buchstabe S zu lesen. Auch auf den Münzen
Ferdinands III. kommt es vor (ebendort IX. Tafel,
15. Zeichnung). In der galvanoplastischen Sammlung
der königlichen Siegel (Landesmuseum in Sarajevo)
erscheint das Wappen mit dem Wildschweinskopfe auf
den großen Majestätssiegeln und zwar in verschiedenen
Variationen, teilweise in der Reihe der übrigen An-
spruchswappen oder mit den anderen in einem Schilde
vereinigt, wie auf den Siegeln Ferdinands V. Dieses
Wappen ist auch auf dem Wappenblatte der in Buch-
form ausgestellten und auf besonders prachtvoller Weise
ausgefertigten ungarischen Wappenbriefe, wo auf der
den Wappenschild umgebenden architektonischen oder
stilisierten Ornamentik auch die Wappen der Neben-
länder Anwendung fanden. Zweifellos ist dieses Wappen
von älterer Herkunft und war schon im XV. Jahr-
hundert bekannt.
Wir wissen soviel darüber, daß es 1415 in
316
Konstanz für ein serbisches Wappen gilt. Natürlich
hat es mit dem serbischen Kaisertum nichts zu tun,
da es 1415 überhaupt noch kein serbisches Zarentum
gab. Es ist gewiß, daß es das Wappen einer mit der
ungarischen Krone in Eelation stehenden serbischen
notablen Familie darstellt, aber welcher?
Reichenthal schreibt mit dem Datum Jänner 1415
(S. 47): „Es zogen die Missionen des Herzogs Vitold
von Litauen, des Herzogs von Rascien, des Despoten ,von
dem Damenmür' CO, der Groß- und Klein-Walachei,
zweier Könige aus der Türkei und des Herzogs von
Weiß-Bußland, mit 180 Pferden in das Haus des
Johann Keich, ,in der St. Paulgasse', die Mehrheit
ist Heiden, einige sind Schismatiker und es gibt auch
etliche Mohamedaner unter ihnen."
Dieser Despot, wenn wirklich vom Herzoge von
Bascien = Raitzenland die Rede ist, könnte nur Stefan
Lazarevic (Sohn Lazars [|1379]) sein, von dem wir
wissen, daß König Sigismund mit ihm in freund-
schaftlichen Beziehungen stand. Allein das Familien-
Wappen des Stefan Lazarevic — der aus der Familie
Grbljanovic Hrbljanovic stammte — weicht von dem
oberwähnten Wappen mit dem Wildschweine ab. Es
ist also sicher, daß das oben mitgeteilte Wappen nicht
dasjenige des Stefan Lazarevic ist.
Die Aufzeichnungen Beichenthals über die „Poten-
taten" des Ostens sind noch ungenauer, als die über
die benachbarten Mächte. „Ans der Türkei — schreibt
er S. 159 — kamen drei Könige und ein Kaiser,
sowie der Herzog von Bascien.
Die halten es teils mit den Juden, teils mit den
Griechen (was ihren Glauben betrifft), sie sind aber
weder Griechen, noch Juden und haben einen Patri-
archen in Konstantinopel. (Paßt diese Beschreibung
auf die Schismatiker, oder die Armenier?!) Europa
fährt er fort — das Land, dessen Einwohner wir
317
sind, beginnt zu Smolensk in Weiß-Rußland und
„ze Sannov" in der Türkei, es enthält das Herzogtum
Litauen, Polen, Slavonien, Ungarn, Mähren, Böhmen,
das römische Reich . . . und diejenigen Könige und
Länder, die der römischen Krone angehören, die sind
größtenteils Christen. Es gibt aber auch viele, die keine
Christen sind, wie es der König von Bosnien ist."
Diese statistisch-geographische Erklärung ist na-
türlich weder besser, noch schlechter, als die ähnlichen
Behauptungen der mittelalterlichen Kronisten, die ihrem
Mitteilungsdrange folgten. Aus den Mitteilungen ein-
zelner Führer und Dolmetsche hat Reichenthal auch
diese Behauptungen zusammengestellt. Eines müssen wir
nebenbei bemerken: daß Reichenthal unter Slavonien
„ Schlafonia" die nördlichen Slaven versteht. Er erzählt
nämlich — S. 183 — daß auf diesem Konzil „die
lateinische Sprache die Umgangssprache ist, man spricht
aber auch die slavonische Sprache, wo Polen, Böhmen und
die übrigen Länder liegen . . . dann die dalmatinische
und bosnische Sprache reden die aus dem Königreich
Bosnien („lingua Dalmatzia et Wossania regnorum
Wossie"), diese unterscheidet sich aber von der sla-
vonischen . . . etc."
Nicht als ein raitzisches Wappen, sondern wegen
der Form und als ein eventuelles Analogon müssen
wir ein bosnisches Grabdenkmal würdigen. In Doljni
Bakici (Bezirk von Tuzla, Kreis Kladanji), bei Olovo
ist auf einem schön geschmückten, 2'5 m hohen, pyra-
midenartigen Obelisk aus Stein, als Helmzier, der Kopf
eines Wildschweines zu sehen. Wir sind zwar nicht
der Meinung, daß das raitzische Anspruchs wappen
Ungarns mit dem Wildschweine mit diesem Denkmale
etwas zu tun hat, wir teilen es aber als ein bosnisches
Wappendenkmal mit (Wissenschaftl. Mitt. aus Bosn.
318
u. d. Herz. III. Seite 414). Das Wappen mit dem Wild-
schweinskopfe bleibt also auch fernerhin eine ungeklärte
Frage. Die moderne serbische Heraldik deutet es als
ein Wappen von Branicevo, jedoch ohne einen annehm-
baren Grund.
Grabdenkmal in Doljni Bakici.
4. Die Siegel der Despoten Georg und Johann Brankovic.
a) Umschrift: £ rcn^nnh rwpArh (Gospodin Gju-
rago, Herr Georg).
319
Durchmesser: 3'5 cm.
Siegelbild: ein Stierkopf, Helmzier ist ein zwischen
zwei Hörnern (verwischt) die Despotie symbolisierender
Adler.
Siegel des Despoten Johann Brankovic.
b) Umschrift: <i> rcno^MHh IWAUHK (Gospodin Iwani).
Durchmesser: 3'7 cm.
Siegelbild: wie oben.
Das Original hängt an einer Pergament-Urkunde
von 1479. Wien, Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Inner-
Österreich. (Wissenschaftl. Mitt. aus Bosn. u. d. Herz.
I I I , S. 357.)
Dasselbe Wappen hat Georg Brankovic, der Größ-
vater des Eigentümers der oben mitgeteilten zwei Siegel,
der berühmte große Despot, gebraucht. Zwei Ringsiegel
desselben haben wir im Urkundenbuche der ungarischen
Nebenländer in IL B. LIV. veröffentlicht.
»
320
5. Das Siegel der Witwe Stefan Brankovic 1479.
Umschrift: * ^E[cnoTHLja] aurrEAHNa (Despotica
Angelina).
Durchmesser: 3"9 cm.
: ein nach links gewendeter Adler, mit
ausgebreiteten Flügeln.
Frau Angelina Stefan Brankovic war die Tochter
des Gfeorgios Arianithes Komnen Topia Golem und war
mit den Komnen verwandt.
Die zweifellos echten serbischen Siegel, beziehungs-
weise Wappen aus dem XV. Jahrhundert beweisen,
daß nach 1389 die Despoten Serbiens, beziehungsweise
des Raitzenlandes, das Wappen der Despotie, den
Doppeladler in Verbindung mit ihren Familienwappen
gebrauchten. Dieser Doppeladler wurde auch vom mo-
dernen Serbien adoptiert.
Als im Millenar-Festzuge von 1896 unter den
Krönungsbannern auch das Banner von Serbien ge-
tragen wurde, erhob sich in Belgrad Widerspruch, als
wenn dieses Banner der Unabhängigkeit Serbiens prä-
judizieren würde. Wie aber aus der Erörterung des
321
serbischen Anspruchswappens mit dem Wildschweins-
kopfe ersichtlich ist, hat man es hier mit einem Wappen
von noch nicht geklärter Provenienz zu tun, das vom
ungarischen Staatsrechte als Erinnerungswappen rezipiert
wurde. Die Unabhängigkeit eines anderen Staates kann
durch dieses Erinnerungswappen überhaupt nicht ver-
letzt werden. Das Wappen Serbiens von heute ist ja
ganz anders, wie auch dieses Anspruchswappen mit
dem Wildschweine sich auf das Serbien von lieute nicht
beziehen kann; es bezog sich vielmehr teils auf das
Küstengebiet, teils auf Alt-Serbien, das Gebiet am
Fluße Raska und ist lediglich ein sj'mbolischer Aus-
druck des betreffenden Titels des ungarischen Königs.
Der Gebrauch dieses Symbols kann dem heutigen
Serbien überhaupt nicht präjudizieren, das Österreich-
Ungarn, das heißt, sowohl Österreich, wie Ungarn
im Jahre 1878 zuerst, als ein unabhängiges Königreich
anerkannten. Nach unserem Gefühl ist es mit diesem
Anspruchswappen so, als wenn jemand in seiner alten
Familienschatzkammer einen wertvollen Knopf findet,
dessen Rock nicht mehr vorhanden ist, er weiß nicht
einmal, an welchem Eock er gewesen ist, aber aus
Pietät für seine Familie, wirft er das Juwel nicht weg.
Unsere Anspruchswappen sind nur historische Denk-
mäler, die im allgemeinen Bewußtsein leben, daher
schätzen wir sie.
Außer diesen Anspruchswappen gibt es Wappen
gänzlich unbekannter Herkunft, die einst in gewissen
Beziehungen gebraucht wurden, die aber heutzutage
nicht einmal so zu erklären sind, wie das vorher be-
sprochene Wappen mit dem Wildschweine. Derart ist
das sogenannte slavonische Wappen.
In silbernem Felde drei nach rechts laufende, rote
Hunde übereinander; oben eine offene Lilienkrone.
Unten: Von dem Edlen künig von Schlaffanien.
Ulrich von Reichenthal. I. Ausg. 120/a, IL Ausg. 98/«.
21
322
Dieses Wappen ist natürlich nicht das Wappen
Slavoniens, welches 1494 ein regnum geworden ist.
Wir wissen, daß der Steinmarder des alten Slavonien
schon auf den alten Banalmünzen zu finden ist. Der
Ende des XV. Jahrhunderts sich entwickelnde Illyrismus
und nachher auf dessen Grundlage, die kroatischen
Das Wappen Slavoniens.
und serbischen Wappenbücher des XVIII. Jahrhunderts
nahmen dieses Wappen mit den drei Hunden auf, sie
erklären es aber bald für das von Bulgarien, bald für
jenes eines anderen Gebietes. Das alles gehört aber
nur zu den legendenhaften Nebelbildern einer Heraldik,
die ohne Quellen arbeitet.
URKUNDEN.
21*
T.
Scardona, 2. Februar 1301.
Der kroatische Banus Paul (Subic) erteilt im Verein mit
seinen Brüdern dem Hrvatin, Sohn des verstorbenen Stefan,
Zupan von Niederbosnien, einen- Versicherungsbrief für seine
dortigen Güter.
Nos Paulus banus Croatorum una cum carissimis fratribus
Georgio et Mladino comitibus civitatum Dalmatie filiisque nostris
predilectis Mladino Georgio Paulo et Gregorio trium camporum
Hlivne et de Cetina comitibus significamus quibus expedit tenore
presentium universis, quod diligenti consideratione pensantes et
diligentia assueta attendentes tarn exigentiam fidelium meritorum,
quam sinceritatem fidei ac magna servitia et fidelia, que et
qualia vir nobilis Horvatinus, filius condam Stephani, de infe-
rioribus Bosne confinibus comes unacum suis fratribus nobis
impendit studiose et fideliter et intendit in futurum per se et
suos posteros nobis et nostris heredibus heredumque successo-
ribus perpetuo et inseparabiliter impendere studiosius, promisi-
mus fiele data et promittimus, quod eundem Horvatinum comitem
et ipsius fratres heredes heredumque successores in predictis
eorum possessionibus nominatis illese conservabimus et in nullo
ipsas possessiones ab eisdem minuemus, imo si alii aliqui in
oecupationem castrorum vel destruetionem aut dissipationem
possessionum ipsius, Horvatini comitis et suorum fratrum, filiorum
sive successorum aspirabunt vel procedere attemptabunt, eosdem
contra onmes et eorum contrarium procedentes per nos et nostros
heredes heredumque successores consilio et auxilio adiuvabimus,
manutenebimus atque defendemus dante domino iuxta posse nee
aliqualiter ob alieuius voluntatem ad fidem nostram deseremus,
donec prefatus comes Horvatinus et sui fratres heredes here-
326
dumque successores nobis et nostris heredibus heredumque
successoribus integraliter fidem inceptam observabunt et servire
de predictis possessionibus fidelissime et inseparabiliter non
postponent neenon omni tempore impermutabiliter adversus-
quoslibet astabunt nobis promte, fideliter totis viribus atque
posse sie data fide vel eonverso promiserunt et gratanti animo
assumpserunt. In cuius rei memoriam et maiorem firmitatem
presentibus litteris cum nexu promissionis huiusmodi sigilla
nostra duximus apponenda, quod si quis nostrum vel nostrorum
heredum heredumque successorum secus facere attemptaret, quod
absit, in predictis vel contrarium vel ex parte nostra vel nostro-
rum posteriorum eveniet, ut non eredinus pro nostris prevenien-
tibus actibus hoc contingat domino concedente apud deum et
hominis cognoscatur temerator violatorque fidei habeatur mani-
festus. Datum Scardone in festo purificationis virginis gloriose,,
anno domini MCCCI.
Das Original, ein Pergament mit drei hängenden Siegeln im
Könnender Archiv, Misz., Alm. I, Lade 7/191.
II.
Spalato, 30. März 1304.
Der kroatische Banus Paul (Subic), dessen Bruder Mladen,
Banus von Bosnien, und Söhne geloben unter Eid ihrem Paten,
Hrvatin, Fürsten Niederbosniens, und dessen Söhnen, ihm die
Freundschaft zu wahren und dessen Burg unangetastet zu lassen.
Nos Paulus banus Croatorum et Mladinus Banus Bos-
niensis ac Mladinus trium camporum et totius terre Hlim,
Georgius Spalatensis, Paulus et Gregorius, comites filii dicti
domini P. bani significamus, quibus expedit, tenore presentium
universis, quod prestito corporali iuramento super corpore
domini nostri Jesu Christi et vivifice crucis ligno promittimus
ad fidem nostram nobilem virum Horvatinum comitem de inferio-
ribus confiniis Bosne, conpatrem nostrum dilectum et fidelem
ac eius filios debita sincera et assueta dilectione prosequi, con-
fovere, diligere et amare ac quod castri ipsius bona et pos-
sessiones non reeipiemus ab eodem nee ab eius filiis, neque
327
minuemus, immo non dubitando de sua persona et suorum filio-
rum atque bonis omnimodo securitatis ac pariter nos gaudere
übertäte, nisi, quod absit, infidelitatem facerent nobis mani-
festam. Et ut supradicta fides nostra, promissio et assecuratio
in sua semper permaneat firmitate, nos Paulus banus Croato-
rum predictus tamquam maior et senior atque pater tarn prefato
Mladino bano Bosniensi fratri nostro karissimo, quam filiis
nostris nominatis, sub pena benedictionis nostre injungimus,
quod prenotata omnia nominato Horvatino comiti ac eus fra-
tribus et filiis ad plenum debeant illese observare. Et si ali-
quid de promissis immutare acceptarent, omnipotentis dei et
omnium sanctorum atque nostram incurrant maledictionem ipso
facto. In cuius rei memoriam et in maiorem firmitatem pre-
sentes litteras concessimus sigillorum nostrorum munimine robo-
ratas. Datum Spaleti in loco fratrum predictorum in crastino
resurrectionis domini anno domini MCCCIV.
A tergo: Instrumentalis commissio domini Hrvatini comiti
de inferioribus Bosne.
Das Original auf Pergament mit vier, an einer grünroten Seiden-
schnur hängenden Siegeln. Fürstl. Batthyäny'sches Archiv, Körmend. Misz.
Heim, Nr. 19.
III.
Sanica, 1305.
Urteil des Zupan Vukoslav im Streite zwischen Vuk,
Obradovo's Sohn, und dessen Verivandtschaft wegen Sanica.
Nos comes Vhosslaus filius quondam eomitis Heruuatini
daraus pro memoria quibus expedit universis presentium per
tenorem, quod quidam Vlc filius Obradi [bjabuit causam cum
generatione sua de Zanicba ante nobiles Tiros una com Vhos-
slano ante presentiam ipsius et fecerunt concordiam inter ipsis (!).
Hoc „fuit" ante Radoslaum. filium Brio et ante Lepum de Lusac
et ante Negoium de Bachulana, quod quicumque eorum contra-
diceret factum nobilium virorum, quod qui ex generatione ipsius
Vlko filio Obrada noceret, extunc ad curiam solvat quinqua-
ginta marcas domino et secunda quinquaginta Vlko Obradi filio
et illius cause primus prissdaldus (!) Zaladol filius Herelchi de
328
Lusac, alter Georgius filius Dunnani. Etiam quod quicumque
eorum illud non audeat contradici. Datum in Zanichea, anno
domini MCCCV.
Original auf Pergament mit Siegel an gelb-roter Seidenschnur. Sara-
jevoer Museum.
IV.
Scardona, 21. Februar 1305.
Paul (Subic), kroatischer Banus, Herr gang Bosniens, samt
seinen Brüdern gibt dem Fürsten Srvatm einen Frei- und
Bundesbrief.
Nos Paulus banus Croatorum et totius Bosne dominus
unacum karissimis filiis nostris Mladino bano Bosniensi, Georgio
Spalatensi, Paulo Traguriensi et Gregorio Sibenicensi comitibus
significamus, quibus expedit, tenore presentium universis, quod
prestito corporali iuramento super corpore Christi in ecclesia
sanete Marie de Scardona promisimus et promittimus veri amici
comitis Horvatini cognati nostri dilecti et fidelis ac suorum
filiorum esse semper et perpetuo ac eosdem puro corde dili-
gemus ac de suo dominio et toto comitatu inferiorum partium
Bosne in castris, terris vel in alia sua terra hereditaria nichil
ab ipso Horvatino comite et suis filiis minuemus vel recipiemus
modo aliquo et quod ipse Horvatinus comes cum suis filiis
apud nos et nostros in eundo, stando et redeundo semper sit
liber et securus et non possit de nobis et nostris in aliquo
dubitare et etiam per nos et nostros ex aliqua causa, arte vel
ingenio non debeat captivari. Cui si aliqua quoquomodo per
aliquos imponeretur infidelitas sive culpa, non teneatur coram
nobis alicui respondere, nisi propria ductus voluntate respon-
deret et nichilominus ad sua castra sanus et illesus redire
possit sine nostro et nostrorum impedimento, contrario aiit dolo.
Insuper promittimus sub fide et iuramento supradictis pre dictum
Horvatinum comitem et eius filios contra quemlibet ipsum vel
ipsos offendere volentem manutenere, defendere et adiuvare et
d eum et eius filios pro alicuius amicitia, amore, prece,
precio, timore vel odio nullo unquam tempore dimittemus sive
deseremus. Verum [si] ipse comes Horvatinus aliquam nobis
329
manifestam, quod absit, infidelitatem faceret et ipsam non
posset vel nolet emendare, extunc quatuor mensium spatio sibi
prorsus indicare et manifestare litteris nostris debeamus, ut a
nobis et nostris sibi et suis precaveat, interim autem contra
ipsum et suos ac bona ipsius proeedere vel eum aut eius filios,
si etiam ad nostram venirent presentiam, captivare vel offen-
dere non possimus, sed omnino erunt liberi et securi. Que
quidem omnia et singula ad fidem nostram deo debitam illese
et ad plenum observare et conservare promittimus et quod
etiam per predictos filios nostros semper et perpetuo predicta
observentur, nos dictus P. banus sub obtemptu patrie benedie-
tionis iungimus eisdem et mandamus volentesque, si aliquid
immutaremus de predictis, quod non erit deo dante, extunc
apud deum et homines pro infidelibus et periuris babeamur.
In cuius rei memoriam et maiorem firmitatem presentes litteras
concessimus, sigillorum nostrorum munimine roboratas. Datum
Scardone die octavo exeunte mense Februarii, anno domini
MCCCV.
Das Original auf Pergament mit drei, an roter Seidenschnur hän-
genden Siegeln. In i. a., Misz., Alm. 3/111.
V.
Knin, 23. Juni 1343.
Stefan, Banus von Bosnien usw., schliesst vor dem slavo-
nisehen Banus Nikolaus mit Johann Nelipic, dem Sohne des
Fürsten von Knin und dessen Mutter Velislava ein Überein-
kommen, dass dieselben die Ortschaften Unac, Pocitelj, Srb
und Stog an den König Ludwig auszuliefern haben und die
Burgen Knin und Brech so lange halten sollen, bis die Burgen
Clissa und Cetin in ihren Besitz übergehen.
No s S t e p b a n u s d e i g r a t i a banus Bosne necnon
terrarum Usure, Salis, Dolmine, Crayne, Rame ac totius Cholm
princeps et dominus, publice recognoscimus in hiis scriptis,
quod cum nuper ex mandato Serenissimi principis et domini
nostri domini Ludovici dei gratia regis Hungarie ad recupe-
randum et recipiendum pro prefato domino nostro rege terras,
I
830
eastra, yilla et possessiones, que ad ipsum dominum nostrum
et ad ius regni et sancte corone de iure pertinere noscun-
tur, et ad cohercendum brachio potentie nostre quosvis rebelies
et infideles regie maiestati cum potentia nostri exercitus Croa-
tiam intrassemus magnifico et illustri viro domino Nicoiao
totius Slavonie bano cum tota exercitus sui fortitudine una
nobiscum eunte habitis una cum prefato domino bano inter
nos ex una et nobilem adolescentem comitem Johannem filium
quondam comitis Nelypcii de Tigninio et nobilem dominam
dominam Velislatiam matrem predicti comitis Johannis parte
ex altera diversis placitis et tractatibus, tandem ex utraque
parte in formam et modum coiiTenimus et concordavimus infra-
scriptum, videlicet quod idem comes Johannes, ante omnia castra
quatuor videlicet Unax, Potcitel, Serb et Stole ad manus
regias cum omnibus suis iuribus, pertinentiis et possessionibus,
que in suis sunt manibus, resignabit, et castrum Tigninii ac
castrum Brecs cum omnibus suis debitis pertinentiis retinebit,
quousque sibi Cethina sum suis pertinentiis debitis et castrum
Olissia insimul presentetur et assignetur nostra seu regia potes-
tate, et tunc, cum prefata castra scilicet Cethina et Clissa et
ad ipsa spectantia habuerit, dictus comes castra predicta vide-
licet Tigni et Brecs ad manus regias sine questione ac more
subterfugio resignabit. Quamdiu vero dictus comes castra supra-
dicta, scilicet Tigni et Brecs tenuerit, nobiles in tenutis et per-
tinentiis dictorum castrorum Tigninii et Brecs manentes, nulli
nisi dicto comiti servire et a nullo nisi ab eodem comite debeant
iudicari; omnia etiam preter predicta que in prefatis literis
privilegialibus regiis continentur, salva eidem comiti Johanni
et domine matri sue, prout inibi sunt expressa, inviolabiliter
permanebunt. Nosque ipsum comitem Johannem ad obtinendum.
possidendum et retinendmn omnia, quecumque sibi per prefatum
dominum nostrum regem et nos ac dictum dominum Nicolauni
banum donata, coneessa seu promissa existunt volumus et assu-
mimus iideliter pro viribus adiuvare, ad hec contra omnem
hominem solo prefato domino nostro rege excepto, qui ipsi
comiti Johanni inimicari vellet, ipsum in suis rebus, possessioni-
331
bus, iuribus Tel hominibus indebite notabiliter offendendo, et
idem comes talibus iniuriatoribus sua propria potentia resistere
non Taleret, nos eidem, cum per ipsum fuerimus requisiti, assi-
stemus consilio et auxilio efficaci. Prefata igitur omnia et sin-
gula de benignitate ac auctoritate prefati domini nostri regis
confisi de consensu et plena Toluntate predicti domini Nicolai
bani sepedicto comiti Johanni promisimus, ac insuper unacum
predicto domino bano tactis sacrosanctis evangeliis et sanctorum
reliquiis cum duodecim de riostris comitibus, baronibus et nobi-
libus iuravimus, ut liec ei, quamdiu in predictis et aliis prefato
domino nostro regi fidelis existet, firmiter obserTentur. Prefati
quoque comes et domina mater ipsius unacum Tenerabili patre
et domino domino Nicoiao episcopo Tigninii, ac aliis Tiginti et
uno nobilibus suis in literis suis super hec confectis expresse
nobis ac predicto domino Nicoiao bano multis nobilibus et
notabilibus viris presentibus ut semper sint prefato domino
nostro regi et sancte corone fideles, ac ut bec omnia, in quan-
tum eos tangunt, inTiolabiliter debeant obserTari, tactis eisdem
sacrosanctis eTangeliis et reliquiis iuraTerunt. Super quibus
omnibus literas nostras fecimus fieri et nostri sigilli appensione
muniri. Nomina autem nostrorum nobilium nobiscum coniuran-
tium bec existunt: Wölk voyvoda, Paulus filius Chorwatini,
Dabissa, Horvatinus Stefani, Stefanus Drusik, comites Pribislaus
Chlappouik, Stefanus Chelnik, Dragissa filius comitis Stipkonis,
Ticheinus filius Vitani, Merkoe, Ostoia, Rogata, Stipan Sojslauik
nobiles et iupani. Actum et datum Tigninii in Tigilla b. Johannis
baptiste anno domini MCCCXLV.
'VI.
Bobovac, 1. November 135ß.
Der bosnische Banus Tvrtko samt Bruder und Mutter bestätigt
auf die Bitte des Bischofs Beter, demselben das Gut Dubnica
(Dubocac?) in Usora, welches der Kirche zu St. Peter gehört.
TliTerdco dei gratia Banus totius Bozne, necnon et totius
Vzure ac Solle, frater noster carissimus, iina cum dilecta matre
I
3 32
nostra domina Elena, universis Christi fidelibus presentes litte-
ras inspecturis salutem in domino sempiteniam. Cum ad veri
christicolas principesque christiani fidei partium ecclesiarum
Dei in suis roborare muribus et non solum perdita restaurare,
sed etiam propria donare, ut ipsa utroque vallata presidio et
spirituali ac temporali securius valeat Christum militare. Hinc
est, quod venerabilis et spiritualis in Christo pater dominus
Petrus, premissa Dei et apostolice sedis gratia episcopus ecelesie
Boznensis, accedens ad presentiam nostram et omnium baronum
nostrorum jn-oposuit querelam, quod a quibusdam iam elapsis
temporibus per potentiam et iniustitiam quorumdam, quamdam
possessionem ecelesie saneti Petri in Vsura, nomine Dubimcham,
concessam a nostris predecessoribus, scilicet a magno Prezda
olim Bano, avo Stephani magni pridem similiter patrui nostri,
neenon et confirmatam per eundem Stephanum magnum simi-
liter Banum patruum nostrum carissimum, insuper quibus eorum
privilegia formaliter ostendit non vitiata non abolita nee in
aliquo suspeeta. Et quia nos statum ecelesie dei ampliare volen-
tes pro salute nostra ac predecessorum nostrorum, qui primo
hec ecelesie Dei contulerunt, ac ad petitionem Serenissimi prin-
cipis domini nostri Ludovici prefata gratia regis Hungarie
illustris eidem ecelesie prelibate saneti Petri in Vsura, pre-
dietam possessionem Dubimcham cum omnibus terris, villis,
fructibus et proventibus eius, seeundum terminos et proventus,
qui in privilegio predicti magni Prezdi Bani continetur in per-
petuum reddimus et confirmamus. In cuius rei testimonium
presentes literas nostras pendenti sigillo nostro roboramus.
Datum in curia nostra sub Castro Boboch in festo omnium
Sanctorum, anno domini millesimo CCC
mo
quinquagesimo sexto.
Aus einem Transsumpte des Papstes Gregor X[. vom 31. Oktober
1375. Siehe unten sub Nr. XVIII.
VII.
Visegrad, 14. März 1357.
König Ludwig I. bestätigt zugunsten der Söhne Hrvatins,
Gregor und Vladislav, und des Herrn von Greben und Glamoc,
333
Stipanic, Gregors Sohnes — welche sich der heiligen Krone
und dem Könige t reu ergaben — sämtliche Güter und Besit-
zungen mi t dem Versprechen, sie, mit Umgehung der Ober-
hohei t des bosnischen Banus, in seine besondere königliche
Gnade aufzunehmen.
Das Original mit aufgedrücktem Siegel an der Rückseite im Ung.
Staatsarch. M. 0. D. L. 4650. Mitget. in Mon. Hist. Hung. acta externa
IL 487. — Archiv aus der Zeit der Anjouvinen VI, 546.
VIII.
Bacs, 21. September 1358.
Bas Kapitel von Bacs bekennt im Beisein mehrerer
lichen und iceltlichen Würdenträger, dass Magister Johannes,
Leläor der bosnischen Kirche, vor den Erschienenen seine
seligkeiten gegen Bischof Peter von Bosnien reumütig
standen, die erlittenen Strafen als gerechte anerkannt und
sprochen habe, sich in Zukunft gehorsam zu erzeigen.
Nos capitulum ecclesie Bachiensis universis quibus expe-
dit significamus presentium per tenorem, quod convenien-
tibus ad nostram ecclesiam prelibatam et tractantibus de qui-
busdam regni statibus ac negotiis venerabilibus in christo
patribus ac dominis Nicoiao archiepiscopo Colocensis, prel at o
nostro, auleque regie cancellario, in Strigoniensem archiepis-
copum postulato, Stefano Nitriensis, sacre pagine magi st ro,
Pet ro Boznensis, Thoma Syrimiensis et Johanne Tininiensis
ecclesiarum episcopis ac magistro Gregorio custode Varadiensi,
decretorum doctore, item magnificis viris comite Nicoiao de
Zecch judice curie regie et Nicoiao Ugri ni bano de Machou,
fidelibus ac consiliariis regie majestatis, accedens ad eorundem
ac nostram, notarioramque subscriptorum presentiam vir
discretus magister Johannes lector ecclesie Boznensis predicte,
confessus extitit in hunc modum: quod cum ipse pri dem
nessciens quo ductus spiritu, concepto odio contra prefatum
venerabilem pat rem dominum Pet rum, suum dominum ac pre-
latum, et ulcissci modis omnibus cupiens, de eodem ac ad id
perficiendum et complendum yias et modos machinationis previe
334
et dampnose studiosa sollicitudine procurans invenire cum viro
magnifico domino Tvrthcone bano Boznensi, quem noverat pro
tunc emulum regium et fautorem hereticorum manifestum ac
eiusdem domini episcopi, qui facta fidei et negotia regia per
diversos tractatus promovebat, penes ipsum occultum inimicum
familiariter contrabere voluisset, sibique suggessisset aliqua, quae
profectui christianitatis et honori regie majestatis poterant
esse obvia et in eiusdem domini episcopi periculum redundare
poterant valde grave, prout etiam tenor quarumdam continebat
litterarum, unius videlicet Scripte manu sua propria et suo
sigillo signate, directe per ipsum bano antedicto et actenus
recepte ab eodem yiceversa, que tarnen casualiter in manus
domini episcopi devenerant antedicti, quas et nos, exhibente
eas eodem domino episcopo, fide vidimus ocula[ta ?] (Lücke)
et ob hoc, ne ipse huiusmodi sui propositi perniciosi
effectum consequeretur preconceptum, jier eundem dominum
episcopum detentus extitisset et camerali custodie mancipatus
ac ab inde usque ad nuper conservatus in eadem. Ne igitur
idem dominus episcopus, qui eum sola c[orpo]ris castigatione
emendatum libere dimisisset et suas manus a suorum privatione
beneficiorum immunes observasset, ulterius reminissceretur quo
ad vindictam predictorum, sed ut sibi omni rancore evulso,
ex toto corde oifensas indulgeret prelibato, ipsumque sincero
foveret et tractaret cum affectu, eisdem venerabilibus patribus
ac dominis supradictis ad intercedendum pro se, idem lector
humiliter supplicabat asserens ac recognosscens omnes poenas
et injurias, quas passus fuit in captivitate supradicta, juste et
debite se passum fuisse et multo majores illis se asserens pati
debuisse, reddensque eundem dominum episcopum et quoslibet
alios, qui de suo mandato tunc quidquam facere habuissent cum
eodem, liberos ac penitus et per omnia absolutos, simul cum
omnibus dampnis, quae ipsum medio tempore incurrere conti-
gisset, renunciando omni juri et actioni et cujuslibet juris ac
legis beneficio, si quae sibi competerent, uel possent competere,
contra jam dictum dominum episcopum, aut alium aliquem
predictorum occasione predicta aut alicujus predictorum,
835
assumens insuper et obligans ac juramento ad sancta Dei eran-
gelia corporaliter prestito se astringens voluntate spontane»
et ex certa scientia ullo unquam tempore dicto domino Episcopo,
ant suo cuilibet quo ad predicta uel predictorum aliquid, officiali
uel ministro, non moturum, in iudicio uel extra, in curia Romana
uel alias per viam actionis uel querele aliquam questionem.
Et quod predictorum offensorum similibus se amplius inmisscet,
volens et promittens ac se obligans vigore presencium litterarum,
quod si contra predicta uel predictorum aliquid ipsum venire
contingeret in toto uel in parte, extunc reatum periurii ad notam
perpetue infamie incurrat ipsofacto et omnibus beneficiis, que
obtinet in dicta Boznensi ecclesia uel alias ubilibet, perpetuo
sit privatus et inhabilis reddatur ad quelibet in futurum obti-
nenda et quod absque alicuius iuris ordine, ac iudicialis strepitu
et figura in captiuitatem eandem reiici debeat, ubicumque
poterit comprehendi. Qui tandem venerabilis pater dominus
Petrus Episcopus supradictus ad litteratoriam petitionem regie
maiestatis ac instaneiam omnium dominorum predictorum atque
nostram, motus more patris misericordiarum, qui non voluit
mortem peccatoris, sed ut magis conuertatur et vivat, et qui
ovem errantem suis collocans in humeris reducit misericorditer
ad ovile, eidem lectori remisit et indulsit omnes offensas ante-
dictas et nichilominus eisdem dominis instantibus promisit
bona fide eundem lectorem in suis beneficiis et bonis quibus-
libet in predicta sua ecclesia indempniter conservare, quamdiu
lector ipse firmiter perstiterit in promissis et asumtis per
eundem, nee ulterius predictorum offensorum quo ad yindietam
reminissci et quod ipsum traetabit dulciter et benigne, sicut
alios suos fratres de collegio sue ecclesie antedicte, nee eidem
occasione predictorum aliquam inferet lesionem.
In quorum omnium testimonium presentes litteras de
manu publica confeetas iidem yenerabiles patres ac domini et
suis sigillis unacum nostro roborarunt ad cautelam. Datum in
Baach apud nostram ecclesiam supradietam in festo beati
Mathei apostoli et evangeliste. Anno domini Millesimo trecente-
simo quinquagesimo octano.
336
Et Ego Barnabas Thome de Diaco, Clericus ac Canonicus
ecclesie Boznensis predicte publieus Imperiali auctoritate nota-
rius predictis dictis ac confessionibus, obligacionibus et Jur a-
mento necnon omnibus et singulis aliis suprascriptis, dum prout
supra coram prefato honorabili capitulo ecclesie Bachiensis ac
venerabilibus et magnificis dominis prelatis ac Baronibus regni
Hungari e iamdictis et per ipsos pro parte dicti magistri
Jobanni s lectoris et venerabilis pat ri s domini preleti sui ante-
dicti agerentur et fierent, presens fui eaque omnia et singula
sicut prefertur fieri vidi et audivi et in haue publicam formam
redegi meoque solito signo signavi requisitus et rogatus.
Ego Bonaninca de Verona fillius [ ] Jachobi
Fracanzani imperiali auctoritate notarius et liberalium artium
physiceque quoque doctor physicus procurator reuerendi pat ri s
Nicholay arcliiepiscopi Collocensis interfui ut predictus dominus
Jobannes lector in presencia reuerendorum pat rum ac mao-ni-
ficorum baronum superius iamdictorum omnia, que in isto
supraposito i nst rument o scripta sunt . . . propri o est con-
fessus ad hec . . . presencia . . . pluries fui rogatus et immo
me subscripsi cum tabelionatus meo signo consueto.
Original auf Pergament mit einem hängenden Siegel, drei fehlen.
Vesprimer Domkapitel-Archiv. Capsa 109. Misz. Nr. 30. Teilweise publiziert
in „Századok" 1897, S. 512. .
IX.
Buda (Ofen), 17. Juli 1359.
Brief des Gallus, Archidialcon von Bexin über eine
barung zwischen König Ludwig I. und Banus Tortko und andere
Angelegenheiten.
Domine et pat er reuerende. Scire velit vestra paternitas,
quod inter dominum regem et Thurkonem wanum Woznensem
huiusmodi facta est concordia et compositio, quod idem wanus
totam t erram Holmi cum omnibus Castris in eadem existentibus
pro iuribus domine regi ne iunioris eidem resignauit. E conuerso
autem idem dominus rex wanatum Wozne et Wzur e eidem
wano et fratri suo confirmauit; It a uidelicet, quod idem wanus
337
s paterenos et heretieos de terra sua eiicere teneatur, sicut
fi.de mediante. Et quod omnem fidelitatem
exhibet domino regi et in omni expeditione sua fideliter tene-
bitur seruire [quando per] dominum regem fuerit requisitus, et
ipse vel frater suus continuam in curia regia faeient residentiam
personalem; praeterea licet idem dominus rex, sicut decreuerat,
yos in curiam Auinionis destinare voluerit, tarnen quia in
. litteris papalibus domino regi directis expresse habebatur, quod
dominus Paulus episcopus Kurchiensis in legationibus apostolicis
proxime ibret venturus. Ideo prestolatur aduentus Episcopi
prenotati. Ecce enim dominus rex cum domina sua consorte
in hiis diebus canicularibus pro evitandis caloribus estivis versus
.Zolyum intendit proficissci et ibidem pausabit, quamdiu dies ibi
caniculares expirabunt. Ceterum sciatis, quod et filius Mykch
m bani emulus et ecclesie vestre persecutor vnam civitatem
Wlrici de Rosumberk condam captiui domini regis Krysnyan
vocata cum Castro in Istria domino regi subiugauit, in cuius
e duo nobiles boni spiritum exalarunt et alii complures
x fidelibus domini regis extiterunt vulnerati. De conualesscencia
autem corporis vestri deum orationibus iugibus exorabo. Valete
in domino. Datum Wude in festo saneti Alexii confessoris.
Per Gallum archidiaconum de Wexin.
Arkiv za porestnicu jugoslavensku. Zagreb, 1852. Knjiga II. Pag. 35.
X. ,
12. Aug. 1363.
Bas Kapitel von Cazma, stellt die Grenzen des
besitzes von Brscanovac fest, welchen König Ludwig I. dem
verstorbenen Sohne Vukoslavs, Latko, als Tausch für das bosnische
Kljuc verliehen hat.
JS"os capitulum ecclesie Chazmensis tenore presentium signi-
ficamus quibus expedit universis quod cum nos, reeeptis literis
Serenissimi prineipis domini Lodovici dei gratia incliti regis
Hungarie domini nostri, eius sigillo secreto consignatis ad
reambulandas possessiones et tenuta ad castrum Berschanouch
nuneupatum in comitatu Crisiensi habitum speetantes, quod
22
388
castrum idem dominus noster rex ut in eisdem literis eiusdem
continebatur Lat k filio Wl kozl ai quondam de Kluch pro eodem
Kluch Castro suo in t erra Boznensi sito in concambium perpetuo
et hereditarie donaverat possidendum pro part e eiusdem Lat k
unacum nobili yiro magistro Nicoiao filio Pauli de Pukur
pincernarum reginalium magistro nomine ipsius domini regis
ad hoc speciali transmisso, nostrum hominem fidedignum, hono-
rabilem virum dominum Nicolaum archidiaconum Chazmensem.
socium et concanonicum nostrum transmisissemus. Tandem idem
magister Nicolaus filius Pauli homo regius et predictus dominus
Nicolaus archidiaconus Chazmensis, ad nos exinde redeunt es,
nobis concorditer retulerunt, quod dum ipsi convocatis uni -
versis vicinis et commetaneis dicti castri Borsonouch vocati et
possessionum ad idem pertinentium easdem possessiones regni
consuetudine observata reambularent venissentque ad quandam
possessionem ipsius castri Zentthomas vocatam, que possessio
coniungitur metaliter et convicinatur possessione Johanni s filii
Pet r i de Gersencha Prebynhi gy vocata directe in fluvio Prybyn
idem Johannes filius Pet ri eosdem in ea parte, ubi primodictum
ipsi Johanni in facto metarum ipsius possessionis convocari
potuisset, prohibere vokrisset, sed ipse Lat k filius Wlkozlai
met as dicte possessionis Pri bynhi gy vocate eidem Johanni filio
Pet ri prout hactenus per eundem habite fuissent et possesse.
libere et absque omni impendimento dimisisset perpetuo tenendas
et possidendas, eoque in pacifica eiusdem possessione accipere,
cuius non extat memoria perstitie et in nullo preiudicaret metis
possessionis castri prenotati. I n cuius rei testimonium presentes
duximus concedendas. Dat um sabbato proximo ante festum
b. Marie virginis, anno domini MCCCLXIII.
Original auf Pergament mit Siegel an roter Seidenschnur. Kör-
mender Archiv.
XI.
Višegrad, 10. September 136S.
St ephan Bubek, Landesrichter, (iudex curiae) gastattet die
Vert agung des Prozesses zwischen dem Abte von Bathon,
339
Fabian und der Witwe des Peter Herczeg von Sekcsö, deren
Sohn und dem Kastellan Johann „iuxta continentiam priorum
literarum . . . prorogatoriarum in quindenis residentie exercitus
regalis contra Boznenses moti, et ad octavas festi sancti regis
Stephanis proxime preteriti proelamate".
Archiv Zichy III. 217—218.
XII.
5. März 1364.
König Ludwig 1. verleiht dem Sohne Vukoslavs. Latko,
tauschweise die Burg Brscanovac für dessen bosnische Burg Kljuc.
Lodovicus dei gratia Hungarie, Dalmatie, Croatie, Rame,
Servie, Gallicie, Lodomerie, Comanie, Bulgarieque rex, princeps
Sallernitanus et honoris montis sancti Angeli dominus. Omnibus
Christi fidelibus presentibus pariter et futuris presentium notitiam
habituris, salutem in omnium salvatore. Cum benemeritis favor
debitus impenditur et sinus dilectionis panditur ac subditis
digna merces redditur, deus placari creditur, ipsique subiecti
regio adiuti presidio ac fidelitatis opera sacro regio diademati
impendenda ardentius immitantur. Proinde ad universorum noti-
tiam harum serie volumus pervenire, quod quia Latk, filius
Wlkozlow fidelis noster castrum Cluch nuncupatum intra metas
regni Boznensis habitum cum suis pertinentiis omnibus nobis
tempore nimium placito et opportuno manibus nostris regiis
dedit, obtulit et liberaliter resignavit, per hocque homagium
summe fidelitatis nostre maiestati et sacre nostre corone ostendens
exhibuit et impendit, ideo nos benivolentiam et bonam volun-
tatem eiusdem gratuita regia pietate recommendatam habentes,
licet dictum castrum Cluch nostrum fuerit et sit regium pro-
prium, in concambium tarnen permutationis eiusdem castri Cluch
vocati, quoddam castrum nostrum Borsonowch appellatum, in
regno nostro Sclavonie situm cum villis Zenthamas, in qua
ecclesia in honore s. Thome apostoli constructa existit, item
Zobochyna, in qua ecclesia in honore s. Johannis evangeliste
existit edificata, necnon Kotonya iuxta fluvium Katonya nomi-
natum existentem, in qua ecclesia in honore Omnium Sanctorum
22*
340
constructa existit et fundata cum Omnibus dicti castri et villarum
predictarum utilitatibus, videlicet tributis, proventibus, pisscinis,
aquis, silvis Gaij vocatis, pratis, fenilibus, molendinis et locis
molendinorum, terris arabilibus fimatis et campestribus, ceterisque
fructuositatibus et utilitatem quarumlibet integritatibus ac per-
tinentiis ipsarum universis, sub omnibus eisdem metis, limitibus
et terminis quibus dictum castrum haetenus nostro nomine
eonservatum extitit et possessum, eidem Latk, filio et lieredibus
suis heredumque suorum successoribus et posteritatibus universis
damus, donamus et conferimus iure perpetuo et irrevocabiliter
possidendum, tenendum pariter et habendum. Insuper collectam
seu exactionem mardurinarum, quibus homines, ad prefatum
castrum pertinentes, regie extiterunt celsitudini debitores, eisdem
Latk eiusque heredibus de liberalitate regia et gratia speciali
in perpetuum presentibus relaxamus, manus nostras regias,
banorum et quorumlibet officialium nostrorum pro tempore
constitutorum de exactione ampliori ipsarum mardurinarum
prorsus et per omnia retrahendo, assumimus niehilominus nostro
t successorum nostrorum. regum nominibus firmiter promittentes
pref'atos Latk et suos heredes ab omnibus pretextu dicti castri
et suarum pertinentiarum ipsos successu temporum impetere
et inquietare volentibus defensare et expedire ac contra quoslibet
homines in pacifico dominio sepefati castri et possessionum ad
ipsum spectantium, easdem semper illesas, pacificas et indemnes
conservare presentis privilegii nostri patrocinio mediante. In
cuius rei memoriam firmitatemque perpetuam presentes con-
cessimus literas nostras privilegiales pendentis et autentici
sigilli nostri novi duplicis munimine roboratas. Datum per
manus venerabilis in Christo patris domini Nicolai archiepiscopi
Strigoniensis locique eiusdem comitis perpetui, aule nostre
cancellarii, dilecti et fidelis nostri anno domini MCCCLX1V,
tertio nonas Martii, regno autem nostri anno vicessimo tertio.
Venerabilibus in Christo patribus et dominis eodem Nicoiao
Strigoniensi, Thoma Colocensi, Wgulino Spalatensi, Nicoiao
Jadrensi et Elya Ragusiensi archiepiscopis, Demetrio Waradensis,
Dominico Transsilvane, Colomano Jauriensis, Ladislao Wespri-
341
miensis, Stephano Zagrabiensis regnique Sclavonie vicario gene-
rali, Michaele Agriensis, Dominico Chanadiensis, Vilhelmo Quin-
queecclesiensis, Johanne Wachi ensi s, Pet ro Boznensis, fratribus
Stephano Nitriensis, Thoma Syrmiensis, Johanne Tyniniensis,
Nicoiao Traguriensis, Demetrio Nonensis, St ephano Farensis,
Valentino Macariensis, Mathaeo Sibinicensis, Michaele Scardo-
nensis, Port i no Seniensis ecclesiarum episcopis ecclesia dei
feliciter gubernantibus. Magnificis viris Nicoiao Kont Palatino,
Dionisio woywoda Transylvano, comite St ephano Bubek iudice
eurie nostre, Johanne magistro tavarnicorum nostrorum, Nicoiao
de Zeech Dalmatie et Croatie, Nicoiao de Machow banis, Pet r o
Zudor pincernarum, Paul o dapiferorum, Emeri co agasonum,
Johanne ianitorum nostrorum magistris ac magistro Benedicto
comite Posoniensi aliisque quampluribus comitatus regni nostri
tenentibus et bonores.
Original auf Pergament mit zwei gebrochenen Siegeln an einer'
zerrissenen rosafarbenen Seidenschnur. Könnender Archiv, Alm. 4, Lade
8, Nr. 246.
Transsumpt des Königs in der Ausgabe des Agramer Kapitels vom
4. August 1364. Originalpergament, das Siegel an roter Seidenschnur.
Auf i. m. N. 247.
Desgleichen des Kapitels von Cazma vom 30. August 1368. Siehe
weiter unten unter Nr. XV.
XIII.
Višegrad, 12. August 136ß.
König Ludwig I. entzieht den Sohn Vukoslavs, Zupan
Latko von Brscanovac, der Jurisdiktion des Palatins und des
Bonus und unterstellt ihn zur Belohnung für die dem Könige
zu günstiger Zeit zur Verfügung gestellte Burg Kljuc unmittelbar
seiner königlichen Oberhoheit.
Nos Lodovicus dei gratia rex Hungari e memorie commen-
dantes tenore present i um significamus quibus expedit universis,
quod quia comes Lat k filius Balkuzlo de Barzanouch fidelis
noster in restitutione castii sui Cluch vocati in confinio consti-
tnti, tempore nimium placido et opportuno nostre majestati
342
facta,^ et in aliis plerisque servitiis suis fidelibus placabiles
nobis et aeceptabiles exliibuit famulatus, ideo ipsum et suos
heredes in sinu eolligentes regie dilectionis, in certa favoris
nostri signa eosdem cum Castro eorum Barsanouch vocato et
possessionibns ad ipsum pertinentibus per nos sibi in concambium
dicti castri Cluch datis et donatis a iurisdictione, iudicio et
iudicatu quorumlibet iudicum et iustitiariorum regni nostri
presentium et futurorum de gratia speciali duximus eximendos,
nostro solummodo iudicio et iudicatio speciali in causis quibus-
libet ipsos reservantes. Quare vobis palatino, iudici cuiüe nostre
et bano totius Sclavonie, imo comitibus et iudicibus nobilium
quorumlibet comitatuum ceterisque cunctis iudicibus et iustitia-
riis regni nostri presentibus et futuris regiis sub edictis preci-
pientes mandamus, quatenus predictum comitem Latk et suos
heredes in nullis causis et causarum articulis per quoscumque
t quemeunque contra ipsos motis vel movendis iudicare, Tel
vestro iudicatui astare compellere audeatis modo aliquali. Si
qui enim quicunque actionis vel questionis habent vel habuerint
contra ipsos in curie nostri speciali presentia nostre maiestatis
iuridice exequantur; presentes autem dum nobis fuerint repor-
tate, in formam nostri privilegii redigi faciemus. Datum in
Wissegrad tertio die festi s. Laurentii niartiris, anno domini
MOCCLXVI.
Original, Pergament mit aufgedrucktem Siegel an der Rückseite.
Körnender Archiv, Alm. 4, Lade 8, Nr. 248.
XIV.
Višegrad, 26. März 1367.
König Ludwig I. beauftragt das Cazmaner Kapitel, keine
Inquisitions- und Protestschriften gegen Vukoslavs Sohn, Latko,
herauszugeben, ivie sie gegen denselben als Fremdling heraus-
gegeben wurden.
Lodovicus dei gratia rex Hungarie fidelibus suis capitulo
ecclesie Chazmensis salutem et gratiam. Ex relatione Lachk filii
Wolkozlo de Wreztanoch nobis et domine regine genitrici
343
nostre carissime facta percepimqs, quod quia ipse in regno nostro
Sclavonie advena existet, ideo nonnnlli nobiles et alii incole
dicti regni Sclavonie sub taciturnitatis silentio eundem suo iure
privare volentes quamplures literas protestationales, inquisitio-
nales et alias sub diversa verborum forma fecissent et facerent
contra ipsum emanari, petens sibi de remedio provideri oppor-
tnno in hac parte. Nos itaquo petitioni eiusdem huiusmodi
acquiescentes volumus et fidelitati vestre firmiter precipimus
per presentes, quatenus amodo nullas literas vestras tarn inqui-
sitionales quam alias quaslibet contra ipsum Latchk vel pro
eodem Lachk dare et emanari facere presumatis, sed ab huius-
modi literis conficiendis desistatis et sitis prohibiti ex edicto
nostre maiestatis, aliud facere non ausuri, presentes autem
semper apud eundem Lachk volumus remanere. Datum in Visse-
grad, feria sexta proxima ante dominicam letare, anno domini
MCCCLXVII.
Original, Pergament mit Siegel auf der Bückseite. Körmender
Archiv. Alm. 4, Lade 8, Nr. 249.
XV.
Cazma, 30. August 13öS.
Das Čazmaner Kapitel verfasst auf die Bitte des Vladis-
lavs. Sohnes des verstorbenen Herrn von Greben, Hermann, eine
Abschrift der Urkunde König Ludwigs I. vom 5. März 1364.
Nos capitulum ecclesie Chasmensis memorie commenda-
mus tenore presentium significantes, quibus expedit universis,
quod nobilis Paulus literatus de Ankethynz nomine et in per-
sona egregii Ladislai filii quondam Hermani de Greben, nostram
veniens in presentiam, exhibuit et presentavit nobis quasdam
literas privilegiales serenissimi quondam principis domini Lodo-
vici dei gratia regis Hungarie, Dalmatie, Croatie etc. sigilli
sue serenitatis duplicis impendentis muuimine roboratas tenoris
infrascripti petens nos debita cum instantia, ut tenorem earun-
dem de verbo ad verbum transcribi et transsumi literisque
nostris inseri facientes eidem egregio Ladislao filio quondam
'
344
Hermani dare ed eoncedere dignaremur, iuris ad cautelam,
quarum tenor sequitur et est talis: . .
1
Nos itaque iustis et
iure consonis petitionibus prefati Pauli literati nobis per ipsum
nomine quo supra porrectis annuentes prefatas literas Serenis-
simi quondam principis domini Lodovici regis Hungarie, Dal-
matie, Croatie etc. sine diminutione et augmento aliquali de
verbo ad verbum presentibus literis nostris patentibus inseri,
transumi et transcribi sigilloque nostro patenti communiri et
consignari facientes eidem Paulo Literato duximus concedendas
iurium prefati Ladislai Hermani seilicet ipsi Pauli literati ad
cautelam. Datum feria quarta proxima post festum decollationis
b. Johannis baptiste, anno domini MCCCLXVIII.
Papier. An der Rückseite Spuren eines Siegels. Körmender Archiv.
H. 150 ad Fase. 104.
XVI.
25. November 1374.
König Ludwig I. verleiht den Brüdern Budislav und
Gregor, Söhnen Gregors Kurjacic, die Burgen Greben und
Zaraldin in Slavonien an der Grenze Bosniens. Die Burg
Greben erhielt seinerzeit der König von Gregor, Sohne des Paul
Hrvatinic zum Tausch für die Burg Dobra-Kuca und Zaraklin
von einem gewissen Stanac, Gonac und Vlatko im Tausch für
den königlichen Besitz Belatin.
Lodovicus dei gratia Hungarie, Polonie, Dalmatie, Croatie,
Rame, Servie, Galieie, Lodomerie, Comanie, Bulgarieque rex,
prineeps Sallernitanus et honoris montis saneti Angeli dominus.
Omnibus Christi fidelibus tarn presentibus, quam futuris, pre-
sentium notitiam habituris, salutem in omnium salvatore. Et si
regia sublimitas cunctorum sibi fideliter famulantium merita debet
propensius intueri, illos tarnen, quorum evidens est probitas in
prosperis et laudata in adversis, prosequi debet munificentie
premio largiori. Proinde ad universorum notitiam harum serie
1
„Ludovicus dei gratia etc. . . ," wie in der Urkunde des Königs
Ludwig I. vom 5. März 1364. S. oben Nr. XII.
345
volumus pervenire, quod nos rememoratis fidelitatibus et fidelium
servitiorum preclaris meritis nobilium et strenuorum viroram
magistrorum Budizlai et Georgi, filiorum condam comitis Gre-
gorii filii Curyaci fidelinm et dilectorum militum nostrorum,
que iidem in cimctis nostris et regni nostri negotiis et agendis
sicut prosperis, sie et adversis cum summe fidelitatis ardore et
sollicitudinis studio, non parcendo rebus nee personis pro nostri
regii regiminis et honoris incremento, variis et diversis fortune
easibus se submitendo fideliter, agiliter et strenue nostre ex-
hibuerunt maiestati et adliuc eadem. suffulti fidelitatis constantia
exhibituros pro firmo credimus in futurum, ratione quorum licet
iidem a nostra multo maiora antidotum premia mererentur
maiestate, in particularem tarnen premissorum servitiorum ipso-
rum recompensam, quedam duo castra nostra Gereben et Zaraklyn
vocata in regno nostro Sclavonie in confinibus regni Bozne sita
et existentia, quorum unum videlicet Gereben per condam comi-
tem Gregorium filium Pauli filii Horvatini in concambium castri
nostri Dobrakutya vocati nobis datum est et collatum, et aliud
scilicet Zaraklyn per Stanach, Gonach et Walachkontem in
concambium seu permutationem possessionis seu districtus nostri
Belethna vocati nostre serenitati oblatum fore agnoscitur cum
omnibus eorundum castrorum districtibus, possessionibus, villis
iuribus, iurisdictionibus, proventibus, redditibus, obventionibus
et pertinentiis universis et sub eorundem metis et limitibus
antiquis, quibus ab olim habita extiterunt et possessa, excepto
solummodo districtu Werhouina vocato olim ad dictum castrum
Gereben pertinenti eisdem nostris fidelibus magistris Georgio
et Budizlao tamquam digne et bene merentibus et per eos eorum
heredibus, successoribus et posteritatibus universis nove dona-
tionis nostre titulo dedimus, donavimus et contulimus iure per-
petuo irrevocabiliter possidenda, tenenda et habenda, imo ex
nunc damus, donamus et conferimus in hiis scriptis, ita tarnen,
quod si nos castra, possessiones, villas et alia iura et bona
eorundem magistrorum Budizlai et Georgii olim ab eisdem et
prenotato comite Gregorio patre ipsorum per nostram sereni-
tatem oblata et Gregorio, Nicoiao, Thome et Budizlao filiis
346
Budizlai filii predicti Curyaci
1
et aliis eorum fratribus patrueli-
bus Tigore nostri privilegii exinde confecti data, iuridice .et
comode auferendo ab eisdem prenotatis magistris Budizlao et
Georgio reddere et restituere aut aliud equivalens et simile
concambium dictis duobus castris Gereben et Zaraklyn equi-
pollens, dare eisdem Tel eorum posteris poterimus et valuerimus,
tunc iidem magistri Budizlaus et Gregorius ac eorum posteri
ipsa castra cum Omnibus ipsorum iitilitatibus et pertinentiis
universis reddere, restituere et resignare nostre teneantur maie-
stati pleno iure dif'ficultate sine omni. In cuius rei memoriam
ilrmitatemque perpetuam presentes concessimus literas nostras
privilegiales pendentis et autentici sigilli nostri novi dupplicis
munimine roboratas. Datum per manus venerabilis patris domini
Valentini electi confirmati ecclesie Quinqueecclesiensis aule
nostre vicecancellarii dilecti et fidelis nostri anno domini mille-
simo trecentesimo septuagesimo quarto decimo kalendas mensis
Deeembris regni autem nostri anno tricesimo tertio venera-
bilibus in Christo patribus et dominis Thoma Strigoniensi, fratre
Stephano Colocensi, Wgolino Spalatensi, Dominico Jadrensi et
Vgone Kagusiensi archiepiscopis, Colomano Jauriensis, Micliaele
Agriensis, Stephano Zagrabiensis, Johanne Vaciensis, Demetrio
Transsilvaniensis et Nicoiao Chanadiensis, Petro Boznensis,
Laclislao Wesprimensis, Dominico Nitriensis, Paulo Thininiensis,
Demetrio Nonensis, Grisogono Traguriensis, Petro Carbaviensis,
Matheo Sibenicensis, Michaele Scardonensis, Jacobo Macariensis
et Portino Seniensis ecclesiarum episcopis ecclesias dei feliciter
gubernantibus, Varadiensi et Sirimiensi sedibus vacantibus, magni-
ficis viris Emerico regni nostri palatino, Stephano Wayuoda
Transilvaniensi, comite Jacobo iudice curie nostre, Johanne
magistro tauarnicorum nostrorum et Nicoiao de Zeech Dalmatie
1
Genealogie der Söhne Kurjaks (Curyacus):
( Budislav
/ Gregor -J „
; { Georg
1 / /
T
. . / Katharina (Gattin f „
„ . , J l Gregor I Ludwig I I Veronika
Kurjak < I I I des Nikolaus \ ,„ ,.
\ I Nikolaus } mit Zunamen ) J (Gatte
J Budislav < \ \ Dombo) \ ,
n
f ) Thomas 1 bereits J „ l Andreas
' I I I Kmerich I
\ f Budislav I Zákány \ I Batthyäny)
\ *
N
Zerdahely
v
347
et Croatie, Pet ro Zudar regni Sclavonie, Nicoiao de Gara de
Machou banis, Georgia Zudar pincernarum, Paulo dapiferorum,
Miohaele ianitorum et Stephano agazonum nostroruin magistris
ac magistro Johanne comite Posoniensi aliisque quampluribus
comitatus regni nostri tenentibus et honores.
Unten links: Est perlectum et sigillatum presentibus
Ladislao Fisico Wesprimiensi et Pet ro Boznensi episeopis ac
Benedicto preposito Scepusiensi ad relationem Stephani episcopi
Zagrabiensis et Pet ri Zudor bani Sclawonie.
Original, Pergament mit königlichem Doppelsiegel an roter Seiden-
schnur. Körmender Archiv, Alm. 4, Lade 1, Nr. 24.
XVII.
In villa Elye 8. Dezember 1374:.
Der bosnische Banus Tvrtko im Vereine mit dem Vize-
banus Stefan, seiner Muttei- und seinen Großen verleiht dem
Bischof Pet er für dessen große Verdienste als Abgesandter des
ungarischen Königs und anderweitig um die in Bosnien von den
Aposteln Pet er und Paul gegründete Kirche, den Besitz Jel -
savica nahe bei dem bosnischen Ki rchengut e Dubnica.
Vatikanisches Archiv. Siehe Nr. XIX.
XVI I I .
Avignon, 31. Oktober 1375.
Papst Gregor bestätigt die Schenkung des bosnischen
Banus Tvrtko für den bosnischen Bischof Pet er vom 1. November
1351. (Siehe oben Nr . XVII.)
Vatikanisches Archiv, Regesten von Avignon des Papstes Gregor
XL. XXV, F. 203.
XIX.
Aviynon, 31. Oktober 1375.
Papst Gregor IX. bestätigt den Schenkbrief des bosnischen
Banus Tvrtko für den bosnischen Bischof Pet er. (Siehe oben
Nr. VI.)
Vatikanisches Archiv, Regesten des Papstes Gregor IX., Pasc. 280,
S. 180. Herausgegehen von Fermendzin, Acta Bosnensia II, 107.
348
XX.
Burg Chazar, 29. Jänner 1385.
Johann und Stefan, Bane von Slawonien, versprechen, für
den Herzog Vukac, welcher sich die Burg Greben angeeignet hat,
bei dem Könige m vermitteln.
Nos Stephanus et Johannes regni Sclavonie bani memorie
commendamus, nichilomimis fide nostra sacramentoque prestito
roboramus, quod nos omni pro posse nostro in factis et exces-
sibus Wlkach wojvode receptionis et occupationis eastri Greben
perpetratis in presentia regia majestatis ac domine nostre regine
Hungarie, Dalmatie etc. baronumque eiusdem regni ad obtinen-
dnm eidem gratiam fideliter tamqiiam pro futuro asscribemus
et laborabimus omni sine dubio ac pro expensis factis ipsius
eastri cum eodem wojvoda in omnibus conveniemus. Datum in
suburbio eastri Chazar die dominico, proximo post festum Con-
versionis saneti Pauli anno domini millesimo trecentesimo quinto.
Original, Papier, unten mi t einem gebrochenen Siegel versehen.
Wien, K. u. k. gemeinsames Finanzarchiv.
XXI.
Eger (Erlau), 6. Juni 1407.
Kapitel, Klerus und Volk von Eger (Erlau) ersuchen um
Neubesetzung des dortigen Bischofsiis es, nachdem Bischof Thomas
nach Bosnien entflohen sei, und grosse Wirren im Bistum herrschen.
Sanctissime pater et clementissime Domine. Insurgentibus
contra preeepta diuina pariterque et humana contra fidem
katholicam et ecclesias sanetas dei et ecclesiasticas libertates
ac religionem molientibus extinguere christianam signanter contra
propriam suam sponsam et alias ecclesias et monasteria ac alia
pia loca eis eommissa iure dyocesano ea virtute illaque con-
stantia et vera stabilitate ac sedis apostolice remediis opportu-
nis est resistendum et detestandum illorum propositum.
Gustamus amaritudinis calicem cum Christi fideles redemptos
Christi sanguine ac possessores fidei orthodoxe pereepimus ab in-
fidelibus Cruciflxi presentantibus ac ecclesie sanete dei et eccle-
349
siastice libertatis dirissimis inimicis affiei et quodammodo lacerari.
Ideo nos temporum angustias, tribulationes et pressuras detesta-
biles deplorantes per interne conpassionis affectum cum eis
dolentes tormenta patimur ac prout ex debito nobis incumbit,
vias et modos libenter exquirimus, per quos fidelis defensatur
katholicä ecclesiastica libertas in ecclesia Agriensi et eius dyocesi
eonseruetur illesa et nos et alii subditi lege dyocesana ab
oppresionibus, dampnis et injuriis huiusmodi releuemur et quos
dei timor a malo non revocat et ipsa deuotio ad bonum non
inducit, saltem coerceat et inducat seueritas discipline et penarum.
Sane non sine graui cordis dolore referimus prout facti
euidentia prolidolor quasi toti regno Hungarie notoriat nimirum
biis preprimis diebus retroactis suasione dyabolica veteris inimici
in regno Hungarie et eius confinibus adeo guerre seditiose et
terribiles essent exorte, ut' relegato etiam naturalis amoris federe
yix parceret patri filius et contra.
Reverendus pater dominus Thomas episcopus ecclesia
Agriensis prelatus noster congregata et leuata ingenti multi-
tudine gentium armigerorum insultans contra et adversus
Yestre Sanctitatis deuotum filium serenissimum principem Sigis-
mundum dominum regem Hungarie etcetera et eius fideles
ipsorum regnorum Hungarie et eiusdem partes liostili impetu
inuadentes ecclesias dei, opida, villas et predia vastantes spo-
liantes, dampnantes liominumque strages et interfectiones irnma-
niter committentes et quod dolenter referimus, maiorem partem
ciuitatis Agriensis et domorum nostrarum in combustionem
ignis converterunt baculumque pastoralem, libros, calices, orna-
menta et clenodia ipsius ecclesie predictus dominus Thomas
Episcopus in dilapidationem sue proprie ecclesie alienauit insuper
literas priuilegia et munimenta literalia quarum yigoribus castra,
opida, predia, Tille ac decime ipsius ecclesia et nostri ymmo in
displicentiam diuine maiestatis creduntur processisse.
Iamque pater Sanctissime dictus dominus Thomas Episco-
pus a quatuor annis et ciuitatem ipsam ecclesiam Agriensem
et nos deserens, ad partes infidelium Boznensium scismaticorum
accessit moraturus.
!
350
Ne autem nos et V. S. humiles creature veluti acephali
presulis absentia patiamur eidem Vestre Sanctitati partes nos-
tras porrigere decreuimus genibus prouolutis supplieantes humi-
liter et deuote, quatenus dignetur Vestra Sanctitas pro statu et
conseruatione dicte Agriensis ecclesie et nostro misericorditer
de remedio providere et protinus ac iuxta (eine halbe Zeile fehlt)
Thomas episcopus qui se ut preficitur alienavit transferre Tel ab
eadem ecclesia alienare ipsamque ecclesiam regimini alicuius
persone idonee et si placet Vestre Sanctitati venerandi et
egregii viri domini Stiborii de Stiborich Cannonici ecclesie
Placensis quem nos pro regimine eiusdem ecclesie Agriensis a
Vestra Sanctitate humiliter prefici postulamus et deuote pro
quo apud eundem regem nostras petitiones humiliter direximus
vt ipse aures V. S. impulset pro eiusdem promotione Datum
VI die Mensis Junii anno domini M
0
CCCC°VII°.
S(anctitatis) V(estre) humiles Capitulmn eiusdem Agrien-
sis ecclesie ac uniuersus clerus et populus ciuitatis et totius
dyocesis Agriensis.
Beschädigtes Originalpapierkonzept im Egerer (Erlau) Domkapitel-
Archiv Sfum. I. Divis. 6. Fase. 1 no. Publiziert in der period. Zeitschrift.
„Adatok az egri egyhäzmegye törtenetehez." (Beiträge zur Geschichte der
Egerer [Erlau] Dioecese) III. Band, S. 114—116.
XXII.
Buda (Ofen), IS. Oktober IdOS.
Petrus, Diener des Frans v. Ugurgenis aus Siena, schreibt
nach Siena über die grossen Erfolge König Sigismunds in Bosnien.
Consweta recomendatione cum debita reuerentia premissis
magnifici et sapientes viri domini mei honorandi. Cum iure
nature swadente bonum civitatis imperialis Senensis et comodum
procurare debeam proposse, dudum ex eis que olim currebant
et nunc in Regno Hungarie currunt et ex voluntate serenissimi
prineipis domini mei gratiosi Sigismundi eiusdem et aliorum
regnorum regis liquide processerunt pro republica conseruanda
vestris magnificentiis insinuare curavi, quomodo de mense
351
septembris transacto Altissimo volente idem dominus rex regni
Bosnensis populum perfidum et effrenem plus aliis temporibus
sue potestati subiecit, et rebelles vtriusque sexus homines,
iuuenes et senes uniuersorum districtuum regni Bosnensis more
gladii conpescendo consumpsit eastra et vrbes in nichilum
redigendo et nunc ad regnum suum Hungarie victor rediens
cum triumpho tamquam reipublice specialis zelator prout ad
ipsum tamquam heredem spectare videtur, imperii sceptrum
anhelat, seque ad dirigenda imperii negotia feliciter festinat
desideratus dudum et expectatus. Et in mente reuoluens reite-
ratis vicibus prodesse volendo cogitaui sollerter, cum ipsa
ciuitas Senensis magnificentia decorata, sapientia firmata et
prudentia stabilita existit, inter cometaneas ciuitates imperiales
et urbes non minima, sed cum potioribus predicatur in urbe
terrarum veneratur et eius constantia laudabiliter diffusa dum
de eis que gesta fuerunt, in cometaneis ciuitatibus sit mentio
inter principes signanter de pauperum oppressionibus et de
tyrannis, qui iura imperii occupant et passus Tiarum prohibent
conswetos insulsi et rebelles et nunc tempus postulat et volun-
tas dei nuntiat, ut gladius secundus quem Marcus E. predicat,
exurgat et dissipentur inimici ecclesie prophanantes quod de aula
vestre magnificentie presentibus temporibus gratias vestras, affecti-
ones vestras et voluntates per viam sapientie prefato domino regi
per epistolas vestras ante tyrannorum aceessum significare digna-
niini vos ad ipsius domini regis beneplacita promptos et ad
concedendum passaoium offere velletis paratos significando ipsi
domino regi ciuitatum ordinem et regimen observandum cum
cautela ex quibus non dubito ipsam ciuitatem Senensem tarn
in magnificentia, quam in fama continuum recipere augmentum
cum in talibus constantia arguitur et fidelitas comprobatur,
agentes in liiis prout sapientia instruit et prudentia hortatur
et ita hortor fideliter scribendo. Scriptum Bude XVIII. die
mensis Octobris Indictione quinta decima MCCCCVIII.
V. M. Petrus Francisci de Vgurgenis de Senis fidelis
seruitor.
Original auf Papier im Archivio di Stato in Siena.
t
352
XXIII.
Sokol, 15. Juni 1409.
Anna, Witwe des Banus Vulch (Vuk), und Sandalj,
Vojvode von Bosnien, verleihen dem Gespan Alexius Pastrovich
die Gemeinde Cricena draga im Komitat Ostrovica.
Nos domina banissa Anna relicta bone memorie domini
bani Vulch et nos Sandalus dei gratia voivoda magnus tote
Bosne notum facimus unicuique ad quos pervenerit presens lit-
tera, comodo fecimus gratiam servitori nostro comiti Alexio
Pastrouich pro suis veris et fidelibus servitiis damus ei villam,
que vocatur Cricena draga in comitatu Ostrovice de nostro
patrimonio, donamus et donavimus predicto Alexio in perpetuo
et in perpetuum Patrimonium predicto Alexio et heredibus cum
omnibus pertinentiis et metis, que pertinent Cricene drage cum
veris metis et eonfinibus et quod nunquam ab eo possit tolli
sine infidelitate predicti Alexii, quam ipse fecisset contra domi-
nium nostrum. Scripta in Socol d. m. Junii XV
0
. die anno
domini M°. CCC°. Vi l l i , et pro magna cautella sigillavimus cum
sigillo nostro.
Originalkonzept auf Papier im Landesmuseum zu Sarajevo.
XXIV.
Konstanz, 1. Februar 1415.
König Sigismund bestätigt den König Ostoja von Bosnien
in sämtlichen Privilegien.
Confirmatio ducis Ozstoye.
In nomine sanete et individue trinitatis feliciter amen.
Sigismundus etc. notum facimus etc. Quamvis sublimitas ßomani
regni fastigium et dignitas in qua conditor orbis nos sue pie-
tatis dementia feliciter collocavit, iugiter meutern nostram solli-
citet, ut cura pervigili et laboribus sollicitis universorum sacri
imperii et ceterorum regnorum nostrorum fidelium amputemus
incommoda eisque votive pacis amenitatem salubriter procuremus,
353
ferventiori tarnen affeetu cor nostrum attenditur penes ea,
que regnorum nostrorum deeus et illustrissimorum prin-
cipum nostre ditioni subiacentium utilitatem quadam singu-
lavitate concernunt, eos precipue quos constantie nobilitas, mul-
tiplicia virtutum insignia et preclara fidelis devotio laudabilius
recommendant. Sane propter illustrissimi principis Ozstoye regis
Bosne fidelis nostri dilecti nobilis Obrat de Rzetzitze eiusdem
regis ambasciator et consiliarius nostre celsitudinis accedens
presentiam nobis humiliter supplicare curavit, quatenus eidem
Ostoye regi Bozne universa privilegia et literas super quibus-
cunque castris, fortalitiis, possessionibus, bonis et iuribus sibi per
nostram celsitudinem prout rex Hungarie datis et concessis sub
sigillo imperiali approbare, ratificare et confirmare gratiosius
dignaremur. Nos itaque prefatis supplicationibus utpote rationa-
bilius atque iustis benignius inclinati, revolventes etiam in animo
grata plurimum et accepta servitia quibus prefatus Ostoya rex
nostre Serenitati immo et caro regno nostro Hungarie etc. tarn
prompte tamque fideliter contra Turcos crücis Christi emulos
neque rebus neque personis parcendo multipliarie hucusque pla-
cere studuit, placet cottidie et inantea ferventius placere poterit
-et debebit, animo deliberato non per errorem aut improvide, sed
sano principum, quorum copiam in nostra regia curia tunc habui-
mus, comitum, baronum, proeerum nobilium et fidelium nostrorum
e consilio et de certa
a
scienta ac de regie potestatis
plenitudine universa et singula privilegia et literas, que et quas
eidem illustrissimo regi Ostoye tamquam regni nostri Hungarie
feodali et subdito super quibuseunque castris, fortalitiis, posses-
sionibus, bonis et iuribus prout rex Hungarie dedimus et con-
eessimus, ratificamus, approbamus et tenore presentium gratiosius
confirmamus decernentes expresse ea omnia perpetuis temporibus
obtinere inviolabiliter roboris firmitatem, salvis tarnen semper
iuribus alienis. NuUi ergo omnino hominum liceat hanc nostre
ratificationis approbationis confirmationis et decreti paginam
infringere aut ausu temerario quomodolibet contraire. Si quis
autem hoc attemptare presumpserit, indignationem nostram eo
facto se noverit gravissime subiturum presentium sub nostre
23
354
Cesaree Maiestatis sigilli testimonio literarum. Datum Constancie
anno etc. prima die Februarii regnorum nostrorum.
Wiener Staatsarchiv, Reichsregistratursbücher Band E., Fol. 127.
Ohne Jahreszahl unter den Urkunden des Jahres 1415. Auszugsweise N.
Jorga: Notes et extrait pour servir a Thistoire des Croisades Paris.
II. serie 1491.
XXV.
Buda (Ofen), 5. September 1425.
König Sigismund verleiht dem Wlk, Sohne des Milos
Drusich von Gucjagora für seine Verdienste in den Kämpfen
gegen die Türken und Bosnier den Grundbesitz Palm im Komitat
Pozega.
Nos Sigismundus dei gratia Romanorum rex semper
augustus, ac Hungarie, Bohemie ac Hungarie, Bohemie (!) Dal-
matie Croatie ete. rex memorie commendamus tenore presentium
significantes quibus expedit universis, quod nos, qui ex innata
nobis regie liberalitatis propitia, qua cunctorum nobis fideliter
obsequentium actus et merita equo libramine solemus ponderare,
exindeque ipsos gratiosis prosequi favoribus et premiis decorare
donativis, attentis et in regalibus precordiis digna et perspicaci
mentis nostre meditatione revolutis et consideratis variis multipli-
cibusque fidelitatibus etfidelium gratuitorum obsequiorum meritis,
virtuosis gestis, sincerisque et acceptis eomplacentiis fidelis nostri
dileeti egregii Wlk filii quondam Milosy Drusich de Gudchgagora
de Laswa aule nostre militis, quibus idem in nonnullis immo
diversis nostris et regni nostri arduis agendis et expeditionibus,
sicuti prosperis sie et adversis sub locorum et temporum varie-
tate contra sevissimos Turcos, crucis christiani persecutores, pre-
sertim vero adversus Bosnenses, nostros eotunc et, regni nostri
notorios emulos et rebelies, cum eisdem viriliter dimicando et
pugnando persone rebusque et bonis ac expensis suis non parcens
maiestati nostre et sacro nostro regio diademati gratum se red-
dere studuit utique et aeeeptum; quique Wlk ut sue fidelitatis
operam, quam apud nostram maiestatem ex intimo gessit, dedu-
355
ceret in apertum, certa castra sua in terra nostra Vzure et in
comitatu de Zana habita, alia per yiolentam expugnationem
nostrorum emulorum amisit, alia vero et specialiter castrum suum
Kozora vocatum in signum veridicum nobis servande fidelitatis
manibus nostris regiis sponte tradidit et assignavit, quod et apud
manus nostras habetur etiam de presenti; et licet ipse Wlk
ratione premissorum multo plura a nostra maiestate antidotorum
premia mereretur reportare, in particularem tamen eorundem
recompensationem ut idem pregustata nostre remunerationis
dulcedine ad nostra et ipsius corone regni nostri Hungarie obse-
cpiia de cetero ferventius animetur, nostreque maiestatis beni-
volentiam sibi sentiat aliquantisper fore inclinatam, quandam
possessionem nostram regalem Paka appellatam in comitatu de
Posega situatam, nunc apud manus nostras regias pacifice habi-
tam et eius pertinentias simulcum universis et singulis eiusdem
utilitatibus, locis videlicet sessionalibus, terris arabilibus cultis
et incultis, agris, pratis, silvis, nemoribus, virgultis, rubetis,
montibus, vallibus, vineis et earum promontoriis, pascuis, piscinis
piscaturis, aquis, fluviis, aquarumque decursibus nec non foro
ebdomali in eadem possessione celebrari solito, et generaliter
quarumlibet utilitatum et pertinentiarum integritatibus quovis
nominis vocabulo vocitatis sub suis veris metis et antiquis limi-
tibus, quibus eadem usque modo retenta fuisset et possessa
memorato Wlk et per eum nobilityis dominabus Katharina et
Stana vocatis filiabus suis, ipsorumque heredibus et posteritatibus
universis sexus utriusque ex certa nostre maiestatis scientia, de
consensuque et beneplacito serenissime principis domine Barbare,
eadem gratia regnorum predictorum regine conthorahs nostre
carissime prelatorum etiam et baronum nostrorum ad id acce-
dente consilio prematuro de manibus nostris regiis nove nostre
donationis titulo et .omni eo iure, quo eadem nostre rite incumbit
collacioni dedimus, donavimus et contulimus,. immo damus, dona-
mus et conferimus jure perpetuo et irrevocabiliter possidendam,
tenendam, pariter et habendam, salvo jure alieno, assumentes
nihilominus nostro et suecessorum nostrorum regum scilicet
Hungarie nominibus ipsum Wlk et filios eiusdem, eorumque
23*
356
causidicis et actoribus intra et extra judicium protegere, tueri
et defensare propriis nostris et eorundem successorum nostrorum
laboribus sumptibusque pariter et expensis. Preterea ad suppli-
cationis instantiam ipsius Wlk pro utiliori commodo status sui et
suorum successorum eidem et dictis suis filiabus duximus annuen-
dum et concedimus, ut ipsi dum eis id faciendi facultas suppe-
teret, in facie prescripte possessionis et ipsius pertinentiarum,
fortalitium seu castrum de lignis aut lapidibus erigendi constru-
endi et edificandi, et idem castrum seu fortalitium tenendi et
conservandi liberam habeant potestatem harmn nostrarum vigore
et testimonio literarum mediante, quas in formam nostri privi-
legii redigi faciemus, dum nobis in specie fuerint reportate.
Datum Bude feria quarta proxima ante festum nativitatis virginis
gloriose anno domini MCCCCXXV. regnorum nostrorum anno
Hungarie etc. XXIX. Romanorum XV. et Bohemie VI.
Dieses Stiick wurde mir vom verstorbenen Radoslav Lopaiic zur
Verfugung gestellt.
XXVI.
Castelnuovo (Keapel), 15. Februar 1444.
Kbnig Alfons von Aragon und Neapel teilt dem Fursten
Stefan (Kosaca) von Bosnien die mit dessen Gesandten
vereinbarten, auf die Geivdhrung einer Unterstiitzung bemglichen
Punktationen mit und verspricht, im Wege seiner Gesandten am
Kaiserhofe, soivie an anderen Hbfen dahin ivirlcen su ivollen, dass
der Fiirst seine, vom Konig von Bosnien und von den Vene.sianem
olclcupierten Besitztiimer suriiclcerhalte.
Pro duce Bossine.
Rex Aragonum Sicilie citra et ultra farum etc. 111. et
magn. dux amice nobis carissime. Havimo receputa vostra lettera
et auduto ad plenum li spectabili et magnifici conte Georgio et
conte Paulo in quello che per vostra parte ne havevo dito et
explicato verengraciamo la bona offerta affectione et volunta che
357
hauite ala Maesta nostra et volendo li exequire per opera havimo
concordato et firmato certi capituli conli prefati vestri ambaxia-
turi en nomo e per parte vestra secundo che per li dicti capituli
poriti pui largamente videre. Quanto a lo fato de lo soldo de
li mille caualli che ne offeriti pagare ogni anno pero che non
ce sia dubitacione alcuna havimo fato fare equa lo calculo et
summa in tuto ducati trenta duy milia e quatro a rasone de
oeto dueati per lanca lo mese ala vsanza italiana. A quello che
li diti vestri ambaxiaturi ne anno dicto de farene recuperare le
terre che sono in potere de re de Bossina de Veneciani e de
Hyuanis servitore de lo prefato re de Bossina ve respondimo che
nuy mandarimo nostri ambaxiaturi a lo Imperatore et a li supra-
dicti et usarimo ogni diligencia et opera in recuperare le cussi
como fariamo si fosseno nostre proprie. Et in tute cose che
toccarano a nuy farimo per vuy como per bono e vero recom-
mandato servitore et amico et persona che desseamo multo com-
piacere. Datum in castro nostro novo civitatis nostre Neapolis
die XV
0
mensis Febroarii VII
0
indictionis anno a nativitate domini
MCCCCXXXXIIII Rex Alfonsus.
A lo Illustro e magnifico Sthefano Ducha de Bossiria
amico nostro carissimo
dominus rex mandavit mihi
Francisco Martorell.
Fuerunt expedita sub forma superius seripta et inserta
capitula duplicata sub eadem data signatura et mandato.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2939, Fol. LXXVII.
XXVII.
Castelmiovo (Neapel), 18. JFebvuav 1444.
Konig Alfons pon Aragon und Neapel verleiht dem Fiirsten
Stefan von Bosnien den Giirtel des Ordens der heiligen Jungfrau
samt den damit verbundenen Privilegien.
Pro duce Bossine licentia stole et jarre.
Alfonsus dei gratia Rex Aragonum etc. Illustri et magnifico
viro Sthefano duci Bossine amico nostro earissimo gratiam
358
nostram et bonam voluntatem. Singulares virtutes ac prestantes
clotes insigniaque gesta memoratu digna vestri prefati illustris
ducis, de quibus non solum apud Maiestatis nostre conspectum,
sed etiam per totum fere universum orbem commendabile testi-
monium perhibetur, merito nos inducunt, ut amprisia nostra
stole et jarre, quam in honorem beatissime gloriosissimeque
semper virginis Marie diebus sabbatinis et aliis etiam diebus
in capitulis ipsius amprisie contentis gestare solemus, et qua
cupitis insigniri, vos decoremus, tenore igitur presentis gratis
de certa nostra scientia et expresse vobis prefato illustri duci
licentiam omnimodam concedimus ac plenum posse impartimur,
quod de cetero ipsis diebus sabbatinis ac aliis diebus ad hoc
statutis dictam stolam et jarram, qua vos nobilitamus subli-
mamusque defferre valeatis, prout alii milites et generose per-
sone qui per nos sunt illa insigniti, solent defferre. Cuius rei
gratia concedimus vobis, quod illis omnibus et singulis gratiis
privilegiis libertatibus atque immunitatibus honoribus favoribus
et prerogativis plene gaudeatis atque fruamini, quibus reliqui
milites et generose persone illam portantes gaudent et cum
integritate letantur. Yolumus tamen quod antequam ipsam stolam
et jarram defferatis in posse spectabilis et magnifici viri comitis
Georgii oratoris per vos ad nos missi, cui super hoc plenum
posse comittimus serie cum presenti, iuramentum prestare tenea-
mini de tenendo et inviolabiliter observando capitula ratione
ipsius stole et jarre per felicis recordacionis serenissimum
dominum regem Ferdinandum genitorem nostrum colendissimum
edita, et ad maioris gratie augmentum plenam facultatem vobis
concedimus, quod libere et sine impedimento possitis quinqua-
ginta generosas personas per vos eligendas decorare et insignire
amprisia supradicta stole et jarre prestito tamen prius per eas
in posse vestri juramento de tenendo et observando capitula
dicte amprisie ut est dictum. In cuius rei testimonium presentes
fieri iussimus nostro communi sigillo Aragonum inpendenti
munitas. Datum in castro novo civitatis nostre Neapolis die
XVIII
0
mensis Februarii VII
e
indictionis anno a nativitate
domini MCCCCXXXXIIII huius nostri citra farum Sicilie regni
359
änno decimo, aliorum vero regnorum nostrorum XXVIIII Rex
Alfonsus.
Dominus rex mandavit mihi
Francisco Martorell.
Barcelona, Archive- de la Corona de Aragon. Reg. 2778. Fol.
CXCIX. av.
XXVIII.
Castelnuovo (Neapel), 19. Februar 1444.
König Alfons von Aragon und Neapel teilt dem Fürsten
Stefan (Kosača) von Bosnien mit, dass er dessen Gesandten eine
günstige Antwort erteilt habe.
Rex Aragonum et utriusque Sicilie etc. Illustris et magni-
fice Dux amice nobis carissime. Per spectabiles et magnificos
viros comitem Georgium et comitem Paul um etc. oratores vestros
nonnul l a nobis vestri ex parte exposita sunt quibus per valida
capitula i ntentum nostrum apariencia responsum dedimus pro-
ut ex ipsorum tenoribus illustris magnifieentia vestra late poterit
intueri. Ceterum dictorum ambaxiatorum gratis servitiis digne
correspondere volentes vos maiorem in modum ut nostro intuitu
ipsos favorabiliter recomissos habere velitis. Eri t enim res, pro
qua nobis complacebitis inmensum. Dat um in nostro castro novo
civitatis Neapolis die decimonono mensis Febroarii anno a nati-
vitate domini M°CCCCXXXXIIII. Rex Alfonsus. Il l ustri et magn.
viro Sthefano duci Bosnie amico nostro carissimo.
Dominus rex mandavit mihi
Franci sco Martorell.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2939, Fol.
LXXV1I. a.
XXIX.
Castelnuovo (Neapel), 19. Februar 1444.
Büdnisvertrag zwischen dem König Alfons von Aragon
und Neapel und Fürst Stefan von Bosnien in welchem die nament-
lich aufgezählten Besitztümer des Herzogs garantiert und die
t
360
Bedingungen der Gewährung gegenseitiger Unterstützung an
ten und Geld festgestellt werden.
Pro duce Bossine.
Alfonsus etc. universis et singulis huiusmodi nostras litteras
inspecturis presentibus et futuris gratiam nostram et bonam
voluntatem. Ut honor qui operante altissimo ex deditione illustris
Sthefani ducis Bossine, qui sponte sua cum vassallis suis Omni
bus sese nobis dedidit, reliquis majestatis nostre honoribus in
presentiarum est accumulatus, Omnibus innotescat et alias etiam
ut officiales subditi et stipendiarii nostri tenaciter observent ea,
que per nostram celsitudinem ipsi illustri duci promissa fuerunt
capitula, que inter nos et ipsum illustrem ducem seu verius
per magnificos viros comitem Georgium et comitem Paulum
nuncios et legatos ac assertos sindicos suos eins nomine inita
celebrata et firmata extiterunt capitula, ipsa presentibus inseri
iussimus serie subsequenti.
Capituli pacti et conventioni facti firmati et jurati tra la
Serenissima Maesta de lo signore Re de Aragona et de Sicilia
citra et ultra farum etc. della vna parte et li spectabili et
magnifici conte Georgio et conte Paulo oratori ambassiatori et
asserti sindici delo I. Sthefano ducha di Bossina in nome et
per parte de isso prefato I. Ducha de la parte altra.
Imprimis la prefata M
ta
e contenta et promete de affidare
et assecurare et damo affida et assecura la persona del prefato
I. Ducha et soi figlioli so exercito auro argento joye et qualuncha
altre cose soe che per tempo verranno in servicio dessa M
ta
Ita videlicet che tanto venendo et stando in li servicii de essa
M
ta
quanto partendose et tornando nele terre desso prefato
I. Ducha tante volte quante aloro sera ben uisto, siano liberi
securi guidati et affidati et non li sia fatta nouitate molestia
injuria dampno oy male in persona ney roba sua, oy loro ante
siano tractati como veri et boni servitori recommandati et amici
dessa maiesta.
Item promete la prefata M
til
alo prefato I. ducha che
in casu che aluy o a alcune dele terre soe se movesse oy se
361
fecesse nouitate alcuna per qualuncha Ri principe duchi oy
conti oy per qualuncha comunita oy segnoria essa I. M
a
prefata
alo prefato I. Ducha ogni ayuto subsidio oy favore che le sera
possibile et lo deffendera deli predicti quando bona mente porra
non altramente che deffenderia lo proprio statu dessa M
ta
et
damo essa M
ta
piglia et accepta lo prefato Il
m0
Ducha per suo.
vero et bono recomraendato servitore et amico et viceversa lo
prefato I. Ducha damo piglia et accepta la prefata M
ta
per suo
vero et bono protectore maiore et deffensore et se rende ala
sua Maesta conli castelli terre et contati infrascripti videlicet.
Sochol con un contato che chiama Drina toyeuacs,
Vdrynagliano castello con lo contato Vatrato, Sucisti castello
con lo contato Nonio, Gorasdo castello con lo contato Samobor,
Obribudo castello con lo contato, Chechnauchoy castello con lo
contato, Mileseuischi castello con lo contato Consina con lo
che segnoriano li turchi de la Grecia, dove sta un sancto che
fa grandi miracoli, Cosisti castello con lo contato Cochangu in
Brisiniza castello con lo contato Creseuaz, Opolinio castello con
lo contato Ostraviza, Vbistrizi castello con lo contato, Osip
castello con lo contato, Susit honagust castello con lo contato,
Ostroch castello con lo contato ali confini de Albania Novi vpimi
castello con lo contato Colobrich, Verramu castello con lo
contato Biseuatts, Vtribigno castello con lo contato Novi, Vdra-
zanich castello con la contato a la marina vicino de Ragusa
la via de Albania, Rixano appresso de Cataro a la marina
castello con lo contato sta la via de Albania appresso della dita
terra de Cataro, Vnizats uniuesegno castello e contato Vidosich,
Vuidonopoglyo castello con lo contato Popohosti, Vpopohu
castello con contato Iblagayscu', sein som glyom castello con
contato Posichell, Vdobranah castello con lo contato Neboysa,
Vnitericih castello con lo contato, Vratar castello con lo contato
et ha una grau gabella de sale, Vergolaz, Vgor cohi supi castello
con contato Cimiacho, Vbrechinich castello con lo contato Visuch,
Vtusirich castello con contato, Onis castello con contato a la
Marina in Dalmacia, Polis un gran contato sensa castello,
Prolosats vposutro castello con lo contato Rogu, Vdumpno
'
362
castello con lo contato, Imozchi huimoth castello et contato
Creseuacts, Vbelach castello con contato Rodobiglia, un contato
senza castello, Nouo vluzi castello con contato Himereti, Bio-
grado castello con contato, Vrabaz en erena castello con contato,
Borauaz en erecena castello con contato Bioschi, Vbiloy castello
et contato Choni, Vdrabez castello et contato, Veletin Vsagorie
castello con contato Hioball, Vsagorie castello con contato
Hihelech, Vgobici castello e contato Godidich, Sunrech Buzanio
castello et contato Sustich, Vsopio castello et contato Ravanscha,
Vbrisino castello con contato, Serauansche castello con contato,
Medun castello et contato, Socho castello et contato.
Item offere et promete lo prefato I. Ducha de pagare
realiter et de facto ogni anno ala prefata M
te
essendo essa
M
ta
en guerra lo stipendio et soldo de mille cavalli ala usanza
italiana secundo li paga essa M
ta
cio e a rasone de octo ducati
per lanca lo mese in quisto modo che isso prefato I. Ducha
mandara incontinenti per lo soldo delo de presente anno ducati
XXXII milia e quatro que monta lo soldo deli diti mille cavalli
et cussi ogni anno durante la dicta guerra, lo quale termino
incomence acurrere del di dela ferma deli presente capituli in
innante passata impero et finita la dicta guerra et stando essa
M
ta
in pace, promete lo prefato I. Ducha pagare ogni anno ala
prefata M
ta
lo tributo che in tempo passato pagava et era solito
mandare et pagare alo Gran Turcho. Item offere et promete
lo prefato I. Ducha ala prefata M
ta
de fare rumpere guerra
ale spese de illo Ducha contra qualuncha Ri principi duchi
oy conti oi qualuncha communita o signoria ad ogni peti-
cione, requisicione et instancia de la prefata Maesta et
quella prosequire fino che per la prefata M
ta
altramente fosse
deliberato et ordenato. Item prometeno et se obligano medio
juramento li spettabili et magnifici conte Georgio et conte
Paulo pero che loro non portano suficiente potesta per conclu-
dere li presenti capituli che f'ra tre misi partuti de qua manda-
ranno lo consimili capituli signati de propria manu de lo prefato
I. Ducha et sigillati de so sigillo et che la prefata M
ta
non sia
tenuta ne obligata alo prefato I. Ducha fin tanto . che li diti
363
capituli siano assignati in potere de essa M
ta
- Datum in castro
novo civitatis nostre Neapolis die XVIII mensis febroarii VII
indictionis anno a nativitate domini MCCCCXXXXIIII. Rex
Alfonsus. Dominus Rex -mandavit mihi Francisco Martorell.
Mandamus propterea per has easdem de certa nostra
scientia et expresse universis et singulis officialibus subditis et
stipendiariis nostris maioribus et minoribus quocunque nomine
censeantur eorumque loca tenentibus presentibus et futuris,
quatenus preinserta capitula et omnia ac singula in eis contenta
teneant firmiter et observent tenerique et observari faciant
inviolabiliter per quoscunque juxta sui seriem pleniorem et non
contraveniant quavis causa si gratiam nostram caram habent
iramque et indignationem nostram ac penam decem milium
ducatorum nostro erario applicandorum cupiunt evitare. In cuius
rei testimonium presentes fieri iussimus sigillo nostro eommuni
Aragonum pendenti munitas. Datum in castro novo civitatis
nostre Neapolis, die XVIIII mensis Febroarii VII
e
indictionis
anno a nativitate domini MCCCCXXXXIIII. regni huius Sicilie
citra farum decimo aliorum vero regnorum nostrorum anno
XXVIIII Rex Alfonsus.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2939. (Var. Inst.)
Fol. LXXVI»— LXXVII».
XXX.
Castelnuovo (Neapel), 24. März 1444.
Begrüssungsschreiben des Königs Alfons von Aragon und
Neapel an König Vladislav I. von Polen und Ungarn anlässlich
des von diesem errungenen Sieges iiber die Türken.
Serenissimo principi domino Vuladislao Polonie, Dalmatie,
Croatie etc. Regi illustri fratri carissimo. Alfonsus Dei gratia
Rex Aragonum et utriusque Sicilie etc. salutem et mutue cari-
tatis augmentum. Serenissime Rex, per excelse fraternitatis
vestre litteras felicissimam sane victoriam et immortalem glorie
triumphum quem adversus infidelissimam Treucorum gentem deo
bene iuvante consecutus est, licet antea fama preconante audi-
veramus, nunc tamen per has ipsas plane composite ac dilucide
364
cognovimus adeo nos illos gerendi modos diversos eventus ac
denique summas rerum omnium ab ea fraternitas vestra fortiter
ac sapienter gestarum partes per illarum lectionem intelleximus
ut non audire sed quasi presentes cernere visi fuerimus. Qua
quidem de re eidem fraternitati vestre et habemus et toto
pectore gratias agimus atque illi summo studio congratulamur,
quod et in terris gloriosissimum nomen et in coelis inmortalia
merita consecuta fueris, necnon ut christiane fidei non modo
nos congratulamur, sed etiam ab universo christiano populo
congratulandum est et inmortaliter agende in excelsis gratie
quod hinc iam verissima christiana religio perfractis ac fusis
infidelissimarum nationum viribus extolli propagari lateque
victrici gloria ferri incipiat. Datum in Castellonovo Neapolis die
XXIIII. Martii anno MCCCCXXXXIIII. Rex Alfonsus.
Serenissimo principi domino Vuladislao Polonie Dalmatie,
Croatie etc. regi, fratri nostro carissimo
dominus rex mandavit mihi
Johanni Olzina.
Barcelona, Archivo de la Corona cle Aragon. Reg. 2652, Eol.
LXXXII. v.
XXXI.
Castelnuovo (Neapel), 24. März 1444.
König Alfons von Aragon und Neapel, verspricht dem
König Vladislav die Handelsfreiheiten der ragusanischen Kauf-
leute zu schützen.
Serenissimo principi domino Vuladislao Polonie, Dalmatie,
Croatie etc. regi illustri fratri carissimo Alfonsus dei gratia rex
Aragonie et utriusque Sicilie etc, salutem et mutue caritatis
augmentum. Serenissime rex, quos nobis fraternitas vestra scribit,
ut egregios et prudentes viros cives civitatis vestre Ragusii per
terras regnaque nostra varie pro ipsorum negotiis ac mercibus
versantes, adeuntes, immorantes tractantes et pro eorum arbitrio
redeuntes commendatos habere velimus eosque acceptare prote-
gere ac fovere ad in plene respondemus, nos id benignissime
ac libenti animo facturos esse, nec in iis nunquam rebus, que
305
ad nos pertinebunt propicium favorem nostrum eis defuturum.
Datum in castello novo Neapolis die XXIIII. mensis Martii VII
indictionis MCCCCXXXXIIII. Rex Alfonsus.
Dirigitur serenissimo principi domino Vuladislao Polonie
Dalmatie Croatie etc. regi fratri nostro carissimo
Dominus rex mandavit mihi.
Johanni Olzina.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2652,Fol.LXXXILv.
XXXII.
Castelnuovo (Neapel), 24. März 1444.
König Alfons von Aragon und Neapel dankt der Republik
Ragusa dafür, dass sie ihm das an ihn gerichtete Schreiben
des Königs Vladislav durch ihren Gesandten Michael Alidonich
übermittelt habe und bittet, auch seine Antwort an ihre Adresse
gelangen zu lassen; bezüglich der Freiheit der Bürger von Ragusa
gibt er eine gnädige Antwort.
Rex Aragonum et utriusque Sicilie etc. Magnifici ac spec-
tabiles viri plurimum nobis dilecti. Certiores vos facimus quod
litteras illas serenissimi principis domini Vuladislai Polonie,
Dalmatie, Croatie etc. regis quas nobis per Michaelem Alidonich
reddideratis accepimus, quibus per has nostras responsionem
idoneam facimus, vos igitur summo studio rogamus, ut eas
itidem diligenter reddere curetis. Quod autem nobis scripsit, ut
egregios ac prudentes cives vestros per terras regnaque nostra
varie pro ipsorum negotiis ac mercibus versantes, adeuntes,
immorantes, tractantes et pro eorum arbitrio redeuntes comen-
datos habere velimus eosque acceptare protegere ac fovere,
policemur nos id benignissime facturos nec nunquam vobis fa-
vorem nostrum defuturum. Datum in Castellonovo Neapolis die
XXIIII. mensis Martii anno domini MCCCCXXXXIIII. Rex
Alfonsus. Dominus Rex mandavit mihi Arnaldo Fonolleda.
Dirigitur magnifico spectabilibusque viris rectori et con-
silio civitatis Ragusii nobis plurimum dilectis.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. R. 2652, P. LXXXIII.
366
XXXIII.
Bobovac, 3. Juni 1444.
Stefan Thomas, König von Bosnien, versichert den Vojvoden
Johann Hunyadi seiner Freundschaft und seines besonderen
Schutzes und setzt ihm eine jährliche Pension von 3000 fl. aus.
Nos Stephanus Thomas Dei gratia rex Bosne etc. Signi-
ficamus tenore presentium quibus expedit vniversis, quod quia
vacante pridem solio huius regni nostri Bosne, per obitum
condam bone memorie illustris domini Stephani Twertko ultimi
regis eiusdem, patrui nostri carissimi, nobisque post ipsius
decessum et eiusdem dispositione in dominio castrorum et
tenutarum corone ipsius regni remanentibus, Serenissimus prin-
ceps et dominus noster gratiosiis, dominus Wladislaus Dei gratia
Hungarie et polonie etc. rex, de speciali consilio et bona volun-
tate ac dispositione magnifici et potentis viri domini Johannis
de Hwunyad, inter cetera partium Transylvanarum woywode,
supremi capitanei armorum eiusdem domini nostri Wladislai
regis nos in regem dicti regni Bosne sollemniter instituit, et
confirmavit. Idcirco consideranteä in huiusmodi confirmatione-,
et voti nostri assecutione favorem et adiutorium prefati domini
Johannis wayvode nobis affuisse et profuisse, et eum in hac
parte nobiscimi liberalster egisse, cupientesque talismodi bene-
volentie, quamdiu in hac vita erimus, vicem rependere horum,
sed et future amicitie, et benevolentie utrimque conseruande
respectu, et sicuti pridem verbo, ita ex nunc in nomine domini
sana deliberatione, sincera fide et bona voluntate tenore presen-
tium unimus et coniungimus nos prefato domino Johanni woyvode
ad fidelitatem et servitia prefato domino nostro Wladislao regi
et sacre eius corone inviolabiliter observanda, ipsumque domi-
num Johannem woywodam adoptamus, acceptamus, et assumi-
mus sine fraude et dolo, in verum, sincerum et perfectum,
fidelem amicum et fratrem in domino Jesu promittentes firmi-
ter eundem dominum Johannem woywodam tanquam sincerum
adoptatum et cordialem amicum nostrum, bono corde et sincera
mente diligere et amare ac in necessitatibus adiuvare, toto
367
tempore vite sue et nostre et eidem assistere in omnibus, pre-
cipue que erunt pro Ttilitate prefati Domini nostri Wladislai
regis et eius regni Hungarie prenotati, huiusmodique assistentie,
et amicitie observationem non pretermittemus, nec abiciemus
propter aliquem hominem, nec alicuius favore aut inductione,
neque pro tezawro, neque pro castris, nec pro aliqua re mundi.
Et si, quod deus avertat, occurrerit eidem domino Johanni
woyvude aliqua necessitas, vel adversitas in dominio suo, vel ex
parte paganorum, aut vicinorum, sive cuiuscumque aut quorun-
cumque emulorum suorum et sibi insultantium, extunc in tali
casu specialiter ipsum dominum Johannem woywudam non di-
mittemus, sed eidem cum persona, subditis, familiaribus, camera,
et amicis nostris omni facultate, quam nobis pro tali tempore
dominus deus concesserit, asistemus. Insuper quoque laborabimus
et omni bona voluntate inducemus et requiremus omnes fratres
et amicos nostros ubicumque existentes, ut una nobiscum dicto
domino Johanni woyuode cari amici et beneuoli existant, eidem-
que et fraternitatem observent. Quodque in maius signum huius-
modi amicitie et fraternitatis compromisso, ex nunc libertatem
habeat et facultatem, prefatus dominus Johannes woyvoda pro
omni tempore affuturo durante vita sua et nostra venire fra-
ternaliter ad nostras domos, dominia, possessiones, ac tenutas,
et iterum pro suo velle salve et secure redire tam videlicet
ipse, quam sui fideles servitores et familiares. Preterea, si
successu temporum tanta occurrerit necessitas prefato domino
Johanni woyuode, quod eum ex quacumque adversa causa ex
dominio suo exire contingeret et opporteret, extunc libere,
secure et confidenter venire valeat ad nos, et ad domos, ad
castra, opida, possessiones ac tenutas nostras, et ad regnum
nostrum, et ibidem ubicumque maluerit, iuste, fraternaliter et
amicabiliter commorando, providere et disponere poterit de factis
suis. Quamdiu autem ubicumque in nostro regno et tenutis
nostris moram duxerit, divino et nostro ac nostrorum auxilio et
tuitione custoditus erit ab omnibus inimicis et sibi aduersantibus
tam in persona propria, quam familiares ac singula bona, resque
et camera sua ac totum quicquid eo tempore sibi deus possiden-
368
dum concesserit et habendum. In maius autem robur et signum
huiusmodi amicitie ex singulari nostra beniuolentia promittimus,
quod ultra et pret er illud subsidium, cuius pro occurenti oppor-
t uni t at e dicti domini Johanni s woyvode modo quo supra nos
debitorem fecimus, ex speciali dilectione eidem domino Johanni
woyvode tamquam fratri et amico nostro, pro persona sua sin-
gulis annis affuturis, singula tria milia florenorum auri compe-
t ent i termino sic velimus
1
solvere et aministrare, in aliis
quoque eidem nostram beniuolentiam in facto ostendere, prout
eidem accomodum fuerit et opportunum. Que omnia suprascripta
promittimus sub fide christiana et in verbo nostro regio invio-
labiliter, in forma premissa observare liarum nostrarum vigore,
quibus sigillum nostram, quo utimur, appensum est et testimo-
nio litterarum mediante. Dat um in Castro nostro Bobowacz,
feria quarta proxima post festum penthecostes, anno domini
millesimo quadringentesimo quadragesimo quarto.
Original, Pergament mit angehängtem Siegel im Budapester Staats-
archiv. M. 0. D. L.
-< Legende des Siegels:
S. DOMINI TWERTCONIS DEI GRACIA
REGIS BOSNE EX-
Zuerst publiziert bei J. Teleki: „Hunyadiak kora" (Zeitalter der
Hunyaden), B. X.
XXXIV.
Bei Belcastro (Calabrien), 27. November 1444,
König Alfons von Aragon und Neapel begrüsst König
Vladislav I. von Polen, und Ungarn anlässlich seines siegreichen
Feldzuges und bittet um Berücksichtigung der Verfügungen, die er
für den Fall der Befreiung des ihm vermöge seiner Vorfahren
zukommenden Herzogtums Athen und Patras getroffen hat.
Illustrissimo principi regi Polonie etc. consanguineo et
amico nostro carissimo, Alfonsus dei gratia rex Aragonum
utriusque Sicilie etc. salutem et prosperos ad vota successus.
1
In der Photographie unleserlich.
369
Illustrissime princeps, parum admirationis plurimum verum con-
solationis et gaudii nobis fuit cum intelleximus vulgatumque
audivimus vos vestris copiis Teucros et alios infideles sie equi-
dem vicisse fugasse et exterminasse, ut in Romania pene tota
nullus locus relictus est, qui ea infidelitate teneatur. Magnum
quidem et prope incredibile brevi tarn tempore eam partam
esse victoriam, que memoriam vestram perpetuam et indelibilem
efficit, dum clare liquet, eultoribus Christiane fidei qui favet,
altissimus vos dirigit et exaltat. Cum enim ducatus Athenarum
et Neopatrie nostris additos titulis a posse infidelium ipsorum
ex ea victoria liberatos credamus aut propter dictam liberandos
vos oramus et quanto possumus deprecamur jus nostrum in
ducatibus ipsis, qui per nostros predecessores acquisiti ad nos
speetant, commissum suseipere velitis. Dedimus namque ob id
illustri et magnanimo viro Johani de Vigintimiliis marchioni
Geracii etc. onus et facultatem amplissimam, quod eos nomine
et vice nostris habeat, revocet et acquirat, qui vos super hiis
diffusive alloquetur aut litteris seu nuneiis informabit, cuiusque
relatibus seu informationibus fidem habebitis tamquam nostris.
Ceterum illustrem Karolum secundum Arthe dispotum marchionis
ipsius generum nobisque carissimum et dilectissimum circa status
sui recuperationem et acquisitionem acquisitique conservationem
et augmentum sic commissum nostri intuitu suseipere dignemini,
ut nostras intercessiones huiusmodi ad vos intelligat non vul-
gariter datos esse. Datum in nostris f'elicibus castris apud
Bellicastrum XXVII. novembris anno MCCCCXLIIII. Rex
Alfonsus. Dominus Rex mandavit mihi Arnaldo Fonolleda.
Illustrissimo principi Regi Polonie etc. consanguineo nostro
carissimo.
Similes fuerunt expedite sequentibus mutatis mutandis
Reverendissimo in Christo patri domino A. tituli Sancti Angeli
sacrosancte Romane eclesie presbitero cardinali sedis apostolice
legato, amico nostro carissimo.
Spectabili et strenuo viro Johanni Cole armorum generali
capitaneo nobis plurimum dilecto.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2690, Fol. CXXIII.
24
370
XXXV.
Castelnuovo (Neapel), 16. Oktober 1446.
König Alfons von Aragon und Neapel teilt dem Fürsten
Stefan von Bosnien mit, dass er ihm im Sinne der durch dessen
Gesandten Paul vorgetragenen Sitte gegen die Türken
stützung leisten wolle, doch verlangt er, dass der Fürst die
herigen Verträge genau einhalte.
Rex Aragonum etc. Illustris et magnifice Dux amice noster
carissime. Ex litteris magnificentie vestre magnam fidem habuimus
iis sermonibus, quos nobilis vir Paulus legatus vester vestro
-nomine nobis rettulit, quibus brevi respondebimus. In primis
ad illud quod a nobis requeritis auxilium et opem nostram ad
propulsandos inimicos vestros et magnificentiam vestram ab
omni hostium injuria illesam servandam, promptissimum futurum
nos pollicemur, si econverso ea ab illustri magnificentia vestra
nobis servabuntur, que inter nos conventa et pacta extiterunt,
quas nos conditiones et pacta simulque ratificationem vestram.
eorumdem, quamquam diligentissime conservata a vobis credamus,
tarnen per eundem Paulum ad illustrem magnificentiam vestram
mittimus, ceterum fides nostra firme semper stiterit, si fidem
vestram ita ut arbitramur incorruptam servaveritis. Data in
castello novo civitatis Neapolis die XVI
a
. Öctobris anno a
nativitate domini MoCCCCoXXXXVIo. Rex Alfonsus.
Dominus Rex mandavit mihi Francisco Martorell.
Dirigitur Duci Bossnie.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2653, Fol. CXX.
XXXVI.
Königl. Schloss bei Presenzano, 20. Nov. 1446.
König Alfons von Aragon und Neapel empfiehlt dem König
Kasimir von Polen einen Bittsteller.
Serenissimo et illustrissimo regi Polonie etc. Alfonsus
dei gratia rex Aragonum etc. salutem et prosperos ad vota
successus. Serenissime rex, proficiscitur istas ad partes caduceator
371
seu porsaandus (Porcianus ?) nomine Sedes periculosa (sic!) fami-
liaris noster dilectus presentium exibitor eo quidem animo, ut
in officio suo peritus valeat effici. Et quia tum ob servitia
maiestati nostre per eum impensa ipsum tum ob bonam suam
indolem caripendamus et sibi bene esse velimus, vos precamur,
ut nostri intuitu et amore dignemini eum in agendis -quibuslibet
commissum suscipere. Erit enim profecto nobis res grata qui
nitro paratos nos offerimus vestris desideriis morem gerere velut
nostris. Datum in castris nostris felicibus apud silvam Presentiani
die XX. mensis novembris decime indictionis anno a nativitate
domini MCCCCXXXXVI. Rex Alfonsus. Dominus rex mandavit
mihi Arnaldo Fonolleda.
Serenissimo et illustrissimo principi Caysimir Regi Polonie
ac duci magno Litphanie et Rossie etc. amico nostro carissimo.
Barcelona Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2656, Fol. XXXII. v.
XXXVII.
Königl. Schloss bei Tiberis (Tevere), 8. Jänner 1447.
König Alfons von Aragon und Neapel ersucht den Jakob
von Soris, Prior von Vrana den von ihm als Gesandten nach
Ungarn geschickten Ludwig Constanzo, Abt von Alcolea zu
stützen.
Rex Aragonum et utriusque Sicilie etc. Venerabilis religiose
et magnifice miles devote nobis plurimum dilecte. Supra alcune
facende che aguardano assay honore servicio et utilita de la
maiesta nostra mandamo de presente a la sanctita de nostro
signore lo honesto et religioso fratre Loyse Constanzo abbate
de Alcolea consigliere capellano et ambassiatore nostro multo
caro et dilecto. E per che sumamente desideramo che le dicte
facende habiano efecto et bona et presta expeditione ve pre-
gamo et incarricamo ve vogliate adoperare et interponere con
nostro signore et tenere et favorire per nostro amore et servicio
lo dicto fratre Loyse tanto in quiste nostre facende quanto in
altre soi proprie che havera de fare secundo de vui prenamente
confidamo et serete informato de nostra parte per isso secundo
24*
372
\
forma de certe instruccione a le parole de lo quale ve pracia
dare credenza et fede quanto farisseno a la persona nostra
propria. Datum in nostris felicibus castris prope Tiberim die
VIII. mensis Januarii anno a nativitate domini MCCCCXXXXVII.
Rex Alfonsus.
Venerabili religioso et magnifico militi fratri Jacobo de
Soris priori Hungarie ac s. d. n. familiari nobisque dilecto.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2656, Fol. XXXVI.
XXXVIII.
Tibur, 9. Jänner 1447.
König Alfons von Aragon und Neapel empfiehlt Jakob
von Soris, Prior von Vrana: seinen Gesandten (Nr. XXXVII.)
als Mitglied des Ordens, dem auch Soris angehört.
Rex Aragonum etc. Venerabilis religiose et magnifice miles
devote nobis plurimum dilecte. Sopra alcune facende, che aguar-
dano assai honore servicio et utilita de la maiesta nostra man-
damo de presente a la Sanctita de nostro signore lo honesto et
religioso fratre Loise Constanco abbate d'Alcolea consigliere
capellano et ambasiatore nostro multo caro et dilecto pregamoni
per cio che atiso che lo dito fratre Loise e adoperato e faticato
al modo che sapete en la reformacione che ultimo havete facta
del ordine vestro e fo uno de li electi in lo capitulo generale
ultimo celebrato et in la dicta religione e antico et expertissimo
e per sa virtute a lo parere e judicio nostro lo merita quanto
uno altro de sua condicione vi pracia per contemplacione nostra
procurare con la santita de nostro signore che li pracia farele
tresorere generale del dito vestro ordine in le parte de Ispania.
Certificandove che per essere lo dito fratre Loyse vassallo et
servitore nostro e per li soi boni servicii et costume bone lo
havemo multo caro, de questo farete a la maiestat nostra piacere
et servicio assai grato et accepto. E si del canto nostro potemo
fare alcune cose per vestro honore et bene, siate certo lo faremo
ad omni vestra volunta et piacere. Datum in civjtate Tiburis die
Villi, mensis Januarii anno a nativitate domini MCCCCXXXXVII.
Rex Alfonsus.
37?,
Venerabili religioso et magnifico militi fratri Jacobo de
Soris priori Hungarie ac s. d. n. familiari.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2656, Fol. XXXVI. v.
XXXIX.
Tibur, 10. April 1447.
König Alfons von Aragon und Neapel teilt Johann Hunyadi,
Verweser von Ungarn mit, dass er gern bereit sei, dessen Sohn, den
er an seinen Hof senden wolle, zu empfangen; das Übrige werde
der heimkehrende Bischof, Franz von Veglia, mündlich ausrichten.
Rex Aragonum etc. Spectabilis et magnifiee gubernator
et vaivoda nobis plurimum dilecte. Magnam letitiam suscepimus
ex litteris vestris, intelligentes per eas caritatem ac devotionem
quam erga nos cum affectu summo geritis, qua ex re vobis gratias
habemus. offerentes nos ad omnia decus, honorem et comodum
vestrum concernentia promptissimos, ut non frustra erga nos
talem amicitiam habere vos cognoscatis. De filio vestro, quem
cupitis ad nos mittere, ut nobiscum sit, gratissimum et accep-
tissimum habemus ea de causa quam scribitis, ut non solum vos
sed etiam posteri vestri suam in obsequiis nostris fidem pre-
sentes ostendant, atque etiam ut nos ipsi demonstrare illis pre-
sentibus possimus vestram et suam ad nos affectionem nobis
esse, quem quidem filium vestrum eo statu quo illum ad nos
mittetis, eodem atque etiam aliquanto meliore conservabimus,
nullam ommittentes erga ipsum occasionem, qua ad laudem
pergere valeat, et vos genitorem suum prestantissimum imitari.
Ad ea que nobis seorsum coram significavit nomine vestro et
insuper eomitis Segnie venerabilis in Christo pater episcopus
Vegliensis, fecimus eidem responsionem nostram, quam ex eo
audietis plenam sibi fidem adhibens. Data Tiburis die X. Aprilis
anno a nativitate domini MoCCCCoXXXXVIIo. Rex Alfonsus.
Dominus Rex mandavit mihi Arnaldo Fonolleda.
Spectabili et magnifico viro Johanni Huniad regni Hungarie
gubernatori necnon voyvoidae Transsylvano nobis plurimum dilecto.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2654, Fol. CXXVIII.v.
374
XL.
Tibur, 10. April 1447.
König Älfons von Aragon und Neapel teilt Stefan Fran-
gepan mit, dass dessen Gesandter, Bischof Franz von Veglia,
an seinem Hof eingetroffen sei und seine Antwort auf dessen
Vortrag persönlich überbringen werde.
Rex Aragonum etc. Spectabilis et magnifice comes nobis
plurimum dilecte. Audivimus plene venerabilem in Christo patrem
Franciscum Veglensem episcopum magnificentie vestre oratorem
in omnibus que sibi placuit nomine vestro exponere, cui ad ea,
omnia reddidimus responsionem nostram sicut ab eo intelligere
eadem vestra magnificentia poterit, plenam fidem sibi adhibens.
Data Tiburis X. Aprilis, MCCCCXXXXVn. Rex Alfonsus.
Dominus Rex mandavit mihi Arnaldo Fonolleda.
Spectabili et magnifico viro Stephano de Frangapanibus
Segnie, Vegle ac Modrusie Comiti nobis plurimum dilecto.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2654,Pol.CXXVIII.v.
XLI.
Tibur, 24. Juli 1447.
König Alfons von Aragon und Neapel empfiehlt dem Papst
den bosnischen Franziskaner Georg für den Bischofssitz auf
Hum (Mercana-Trebinje).
Sanctissime Pater etc. Quoniam virtutes ac merita anteacta
suo loco premium consequi debent, idcirco in presentia vene-
rabilem fratrem Georgium, »ordinis minorum de regno Bosnie,
devotum servitorem nostrum Sanctitati vestre comendamus, ut
propter virtutes eius et opera que ad honorem fidei Christiane
gessit promovere ad episcopatum Mugarensem de territorio
Hulminis dignetur et si qui sue laudi emuli sibi adversabuntur
t
velit eadem Sanctitas Vestra eidem in protectionem et favorem
adesse. In qua re propter predictas causas nobis ab ipsa Sancti-
tate Vestra gratissimum censebimus, quam custodire dignetur
omnipotens Deus in regimen ecclesie sue sancte. Data in
375
civitate Tiburtina die XXIIII
a
mensis Julii, X
a
indictione, anno
a nativitate domini MoCCCCoXLVIIo. Rex Alfonsus.
Dominus Rex referente Francisco . Martorell secretario
mandavit mihi Arnaldo Castello.
Sanctissimo ac beatissimo domino nostro Pape et Vestre
Sanctitati humilis et devotus filius Alphonsus, Rex Aragonum
et utriusque Sicilie etc.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2656, Fol. LXV.
XLII.
Tibur, 24. Juli 1447.
König Alfons von Aragon und Neapel empfiehlt mehreren
römischen Kardinälen die Ernennung des Franziskaners Georg
zum Bischof.
Reverendissime in Christo pater etc. Scribimus ad
Sanctissimum dominum nostrum pro venerabili fratre Georgio
ad exemplum interclusum. Rogamus propterea vestram reve-
rendissimam paternitatem, ut in eisdem causis ope, opera, auxilio
et favore sibi esse velit, quod nobis ab ipsa reverendissima
paternitate vestra gratissimum censebimus. Data Tibure die
XXlIIIo. Julii, X
a
indietione MoCCCCoXLVIIo. Rex Alfonsus.
Dominus Rex referente Francisco Martorell secretario
mandavit mihi Arnaldo Castello.
Rex Aragonum et utriusque Sicilie, etc. reverendissimo
in Christo patri domino N. divina providentia tituli duodecim
Apostolorum Sacrosancte Romane Ecclesie presbitero Cardinali,
amico nostro carissimo.
Sub simili forma fuit scriptum cardinalibus Aglegiensi,
Vicecancellario, et Cardinali Sancti Marci.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2656, Fol. LXV.
XLIII.
Tibur, 24. Juli 1447.
König Alfons von Aragon und Neapel empfehlt dem König
Thomas von Bosnien, den Franziskaner Georg für seine
dienste mit einer geistlichen Pfründe zu beteilen.
t
376
Serenissimo et illustrissimo principi Thome, regi Bosnie etc.
Nos Alfonsus dei gratia rex Aragonum et utriusque Sicilie etc.,
salutem et prosperos ad vota successus. Serenissime et illustris-
sime rex amice noster carissime. Quoniam virtutes et merita
anteacta suo in tempore premium habere debent, propterea
illustrissimam fraternitatem vestram rogamus, ut venerabilem
fratrem Georgium in omnibus sibi occurrentibus comendatum
habere velit ac de aliquo pingui beneficio intuitu nostro provi-
dere, cum enim idem propter virtutes suas et sancta opera, que
ad honorem Christiane fidei gessit nobis dilectus existat, id
nobis faciet eadem illustrissima fraternitas vestra gratissimum.
Data Tibure die XXIIIIo mensis Julii X
il
indictione, anno domini
MoCCCCoXXXXVIIo. Rex Alfonsus.
Dominus Rex referente Francisco Martorell secretario
mandavit mihi Arnaldo Castello.
Serenissimo et illustrissimo principi Thome regi Bosne,
amico nostro carissimo.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2656, Fol. XLV.
XLIV.
Tibur, 24. Juli 1447.
König Alfons von Aragon und Neapel empfiehlt dem
Fürsten Stefan von Bosnien den zum Bischof vorgeschlagenen
Franziskaner Georg.
Rex Aragonum et utriusque Sicilie etc. Illustris et magni-
fice Dux nobis plurimum dilecte. Supplicavimus sanctissimo
domino nostro, ut venerabili fratri Georgio, ordinis minorum,
fideli vestro et servitori nostro dilecto, episcopatuni Mugarensem
conferre dignaretur. Quod cum Sanctitas sua benignissime fecerit,
illustrem magnificentiam vestram propterea rogamus magnopere
hortantes, ut in recuperatione bonorum quorumcunque ex quibus
antea episcopatus eiusdem civitatis sustentari pro dignitate
consueverat, ipsa vestra magnificentia ope, auxilio, presidio et
favore adesse et assistere intuitu nostro, quod nobis valde
gratum ab eadem fuerit, quam etiam rogamus, ut in singulis
377
fidem adhibere ipsi fratri Georgio velit, que nomine nostro
sibi referet. Data in civitate Tiburis die XXIIII
a
mensis Julii,
X
a
indictione, anno domini MoCCCCoXLVIIo, Rex Alfonsus.
Dominus Rex referente Francisco Martorell secretario
mandavit mihi Arnaldo Castello.
Illustri et magnifico viro Stephano, magno duci regni
Bosne, nobis plurimum dilecto.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2050, Fol. LXV. v.
XLV.
Tibur, 24. Juli 1447.
König Alfons von Aragon und Neapel empfiehlt der
publik Ragusa den Franziskaner Georg.
Rex Aragonum etc. Spectabiles et magnifici viri nobis
plurimum dilecti. Venerabilem virum fratrem Georgium ordinis
minorum de regno Bosnie dilectum habemus propter virtutes
et bona opera sua, que ad honorem christiane fidei gessit,
propterea magnificentias vestras rogamus magnopere hortantes,
ut in omnibus sibi oportune eventuris favori, auxilio et presidio
adesse velitis, quod propter supradictas causas nobis valde
acceptum judicabimus. Data Tibure die XXIII
a
Julii X
a
in
dictione, MoCCCCoXXXXVIIo. Rex Alfonsus.
Dominus Rex referente Francisco Martorell, secretario,
mandavit mihi Arnaldo Castello.
Spectabilibus et magnificis viris rectori et consilio civi
tatis Aragusii nobis plurimum dilectis.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2650, Fol. LXV. 1).
XL VI.
Tibur, 24. Juli 1447.
König Alfons von Aragon und Neapel bittet den Grafen
Friedrich von Cilli (sowie Stefan Frangepan und den Reichsverweser
Johann Hunyadi), dem Franziskaner Georg eine geistliche Pfründe
zu verschaffen.
Rex Aragonum, etc. Illustris et magnifice comes nobis
plurimum dilecte. Venerabilem virum fratrem Georgium ordinis
378
minorum de regno Bosnie dilectum habemus propter virtutes
et bona opera, que ad honorem Christiane fidei gessit. Propterea
cum mereatur nt eorum premium eonsequatur, illustrem magni-
ficentiam vestram rogamus magnopere hortantes, ut in vestra
ditione de aliquo pingui beneficio providere velit, quod cum
eidem magnificentie vestre laudi futurum sit, propter predictas
causas id nobis etiam gratum fuerit. Data Tibure die XXIIII" men-
sis Julii X
a
indictione anno domini MoCCCCoXLVIIo. Rex
Alfonsus.
Dominus Rex referente Francisco Martorell secretario,
mandavit mihi Arnaldo Castello.
Illustri et magnifico viro Federico comiti Cilie ac Scla-
vonie bano nobis plurimum dilecto.
Sub simili forma fuit scriptum infrascriptis videlicet:
Spectabili et magnifico viro Stephano comiti Senie nobis
plurimum dilecto.
Spectabili et magnifico viro Johanni voivode et guberna-
tori regni Ungarie nobis plurimum dilecto.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2656, Fol. LXVI.
XL VII.
Wien, 20. Jänner 1448.
Der römische König Friedrich verspricht dem bosnischen
Vojvoden Stefan (Kosača) von Sokol, er wolle seinen Neffen
Ladislans, König von Böhmen und Ungarn, sobald dieser gross-
jährig geworden, dazu bewegen, den Vojvoden in dessen in der
Urkunde erwähnten Besitzungen zu bestätigen.
Fridericus dei gratia Romanorum rex semper augustus,
Austrie, Stirie, Karinthie et Carniole dux, comes Tirolis etc.
Notum facimus tenore presentium universis, etsi regie dignitatis
clementia universorum fidelium, quos latitudo orbis complectitur,
felicibus profectibus, gratis comodis et speratis augmentis semper
lavorabiliter dignetur intendere, ad illorum tamen comoda et
profectus diligentiori studio clementius inclinari consuevit,
quorum merita, fides et constantia, ac interne fidelitatis integritas
contimiatis studiis ceteros antecedunt, sane pro parte magnifici
379
Stephani de Zokol wayvode regni Bosne nobis humiliter extitit
supplicatum, quatenus omnes et singulares gratias et privilegia,
— olim patruo suo Sandal per dive memorie Sigismundum impe-
ratorem, necnon regem Ungarie etc. concessas et concessa, et
sibi per felicis recordationis regem Albertum patruum nostrum
et Elizabeth conthoralem suam confirmatas et confirmata, in
quibus infrascripta castra forent conprehensa, videlicet castrum
Soko cum dominio Strynon, castrum Stoyewecz, castrum Boytrynecz,
castrum Bratal cum omnibus pertinentiis suis, castrum Samatur,
castrum Klekh, castrum Ossonitzk, castrum Gurgewetz, castrum
Hersowetz, castrum Gukani, castrum Koznik, castrum Serverin,
castrum Konin, castrum Milleschetsky, castrum Osstrikch, castrum
Saslon petyschytynskeij, castrum Sozet, castrum Moratsky, castrum
Ostrog, castrum Budosch, castrum Globukch, domus Novy, castrum
Ryssen, castrum Mischewetz, castrum Konoivaltsky, castrum
Glutsch, castrum Medwed, castrum Blagay, castrum Bentschecz,
castrum Widossky, castrum Grizzora, castrum Beczitel, castrum
Nehoyze, castrum Ymotzsky, castrum Wereraetz; castrum Nonya,
castrum Breta, castrum Byssucy, castrum Rog, castrum Pro-
lesetza, castrum Stary, castrum Krutscerwetza, castrum Onusch
pollitza, castrum Welligrad, castrum Porowatz, castrum Wrea-
wetz, castrum Wellskey, castrum Welletin, castrum Ckaw, castrum
Odezky, castrum Geletz, castrum Durosch, castrum Ossypp,
castrum Syr, castrum Wyzystrizky, castrum Ostroivitz, castrum
Hodyeded, castrum Sozzed, castrum Babenzky et dominium
Czaryna Olofska cum eorum pertinentiis, que omnia et singula
cum suis pertinentiis ipse in presentia pacifi.ee possideret, et in
quibus litteris etc. contineretur, ut ipsi et heredes sui cera
rubea in sigillatione litterarum quarumcunque uti possent pro
se necnon Ladislao et Wladkone filiis suis sub sigillo serenissimi
principis Ladislai Ungarie et Bohemie regis, ducis Austrie etc.
patruelis nostri carissimi roborare, irinovare et confirmare digna-
remur. Cum vero idem patruelis noster nondum annos discre-
tionis attigerit, neque regimen regnorum et dominiorum suorum
exerceat, proprio quoque sigillo non utatur, quorum occasione
huiusmodi confirmatorie littere sub sigillo dicti patruelis nostri
380
ad presens minime potuerint emanare, nos attentis fidel ibus
obsequiis prefati wajwode pretactis Sigismundo imperatori et
Alberto regi eiusdem patruelis nostri, avo et patri incessanter
exliibitis, uti veridica relatione didicimus et nobis, ae prefato
regi Ladislao prout se per nuntios suos in presentia nostra
obtulit, futuris temporibus, fideliter exhibendis, animo deliberato
sano quoque nobilium et aliorum nostrorum fidelium accedens
consilio, ac de certa scientia prenominato Stephano promisimus
et polliciti sumus, promittimusque et pollicemur per presen-
tesque prefatum patruelem nostrum regem Ladislaum, cum
ipsum ad annos discretionis pervenire contigerit, ad pretactas
roborationes, innovationes et confirmationes dandas et conceden-
das inducemus, dolo et fraude quibuslibet proculmotis arum
testimonio literarum nostre regie maiestatis sigillo munitarum.
Datum Vienne vigesima mensis Januarii anno domini millesimo
quadringentesimo [quadragesimo] octavo, regni vero nostri
anno octavo.
Neuere Kopie im K. u. k. gemeins. Finanzarchiv, Hungarn I.
Oben : -
21
-~ Kaiser Friderich III. vom Jahre 1446 bis 1460.
XLV1II.
Schloss Alberese (Toscana), 8. Mai 1448.
König Alfons von Aragon und Neapel teilt König Stefan
Thomas von Bosnien unter Versicherung seiner Freundschaft mit,
dass dessen Gesandter, der Doctor juris Hieronymus von Sorrent,
an seinem Hofe eingetroffen.
Serenissime et excellentissime princeps et rex, consanguinee
et amice nobis carissime. Date sunt nobis littere vestre per
egregium legumdoctorem Jeronimum Romanum de Surrento ora-
torem vestrum, quibus perlectis et plenissime audito dicto Jero-
nimo in his que vestro nomine alloqui nos voluit, majorem in
modum gratulati sumus et ob id quidem ingentissimas agimus
gratias eidem excellentie vestre, presertim cum omnem Testram
in nos integritatem amoris et fidei amplissime cognoverimus,
quod vero reliquum est, nos omnia vobis pollicemur que decus
381
et amplitudinem vestram attingant, ut ex relatibus eiusdem
Jeronimi super iis et aliis mentem nostram poteritis latius intel-
ligere. Datum in nostris felicibus castris apud Albaresium Aque-
vive, die VIII. mai anno a nativitate domini MCCCCXXXXVIII.
Rex Alfonsus.
Serenissimo ac excellentissimo principi Stephano Thome
Dei gratia Rasie Bosnie Maritimeque regi, consanguineo et
amico nobis carissimo.
Dominus rex mandavit mihi Francisco Martorell.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2657, Pol. CXXV. v.
XLIX.
Bei Sangro (Abruzzo ulteriore), 30. Juni 1450.
König Alfons von Aragon und Neapel teilt dem Gross-
vojvoden Stefan von Bosnien mit, dass er ihn zu seinem Ver-
trauensmanne bei den, mit der Stadt Florenz eingeleiteten Friedens-
verhandlungen erwählt habe, und bittet, ihm seine Antwort binnen
6 Monaten vom 21. Juni ab zur Kenntnis zu bringen.
Serenissimo Rey nostre molt car e molt amat frare aquests
passats dies com per la guerra qui era entre nos e la comunitat
de Florenca a nos fossen stats diversos embaxadors de la dita
comunitat per voler de nos bona e perpetua pace e de aquella
fossen Stades diverses pratiques e rahonaments entre nos e aquells
finalment digmenge a XXI. del present mes fermam ab certs
embaxadors de la dita comunitat a nos per obtenir la dita pace
tramessos en nom e per part de aquella bona e perpetua pace
en lo tractat de la quäl es stat concordat entre les dites parts
que cascu deia 1er nominacio de sos colligats confederats adhe-
rents e recomanats en la dita pace e que aquells dels nomenats
co es los que seran en Italia aquella dells feta nominacio haien
aeceptar dins dos mesos comptadors del dit XXI. dia del present
e dessus dit que la dita pan fon fermada e dels que son fora
de Italia dins sis mesos apres continuament seguents comencant
a correr lo dit XXI. del present mes. E per 90 que a vos en
la dita pace havem nomenat per hu de nostres colligats con-
382
federats et adherents lo que creem vos sera grat e accepte vos
pregam quant pus affectuosament podem que la dita per nos de
vos feta nominacio en la dita pace vullau haver per accepta e
aquella confirmar e acceptar ab solemne contracte en scrits per
forma que dins los dits sis mesos se faca la dita ferma e aquella
depuixs nos envieu los mes prest que sia possible. Dada en lo
nostre camp prop castell de Sangro lo derrer dia de Juny del
any de la nativitat de nostre senyor MCCCCL. Rex Alfonsus.
Illustri et magnifico viro Stephano magno vaivode et duci
Bocine amico nostro carissimo.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2658, Pol. XLII. v.
L.
Bei Sangro, 30. Juni 1450.
König Alfons von Aragon und Neapel teilt dem Gross-
vojvoden Stefan von Bosnien mit, dass er ihn zu seinem Ver-
trauensmanne bei den mit der Stadt Florenz eingeleiteten
Friedensverhandlungen erwählt habe, und bittet, ihm seine Anttvort
binnen 6 Monaten vom 21. Juni ab zur Kenntnis zu bringen.
Rex Aragonum utriusque Sicilie etc. Serenissime princeps
consanguinee et amice noster carissime. Cum proximis his diebus
inter nos ex una parte et magnificam comunitatem Florencie
seu illius sindicos ex parte altera ob vicissim vigens bellum de
pace ageretur, tandem ad eam firmandam et concludendam die
XXI. presentis mensis nos ex una parte prefatique sindici ex
altera concordavimus et illam firmavimus atque conclusimus et
cum in tractatu pacis ipsius per utramque partium conventum
sit de quadam adherentium et recomendatorum partium earun-
dem facienda nominatione et eorum acceptatione, videlicet eorum
qui italici sunt infra menses dnos et extra Italiam menses sex,
qui die XXI. presentis quo ipsa pax firmata extitit currere
inceperunt. Nosque ipsa in pace vos pro uno ex adherentibus
nostris nominaverimus gratumque id vobis futurum prestolemur,
vos rogatum esse volumus summopere, quod nominationem de
vobis per nos factam gratam acceptamque habendo vestris scrip-
38?»
turis acceptare velitis, infra tempus predictum sex mensium
acceptationem ipsam quam primum facta sit ad nos celeriter
demittendo. Quod nobis gratum summopere futurum est. Datum
in nostris felicibus castris apud castrum Sangri die ultimo Junii
anno Domini MCCCCL. Rex Alfonsus.
lllustri viro Stephano magnovaivode et duci Bocine amico
nostro carissimo.
lllustri et potenti magnificisque viris duci ancianis et
comuni Janue amicis nostris carissimis.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2658, Fol. XLV. v.
Lateinische Expedition des vorhergehenden (Z. XLIX.) Konzepts.
LI.
Castelnuovo (Neapel), 10. August 1450.
König Alfons von Aragon und Neapel macht dem Fürsten
Stefan von Bosnien von seiner Absicht Mitteihmg, auch letzteren
in den mit den Venezianern geschlossenen Frieden von Ferrara
einzubeziehen und bittet den Fürsten, ihn von seinem Entschlusse
binnen 2 Monaten in Kenntnis zu setzen.
Rex Aragonuni utriusque Sicilie etc. Illustrissime et potens
dux consanguinee et amice noster carissime. Cum exacto tem-
pore bellum vigeret inter nos ex una parte et illustrissimum
dominium Venecie ex parte altera et maximo quidem studio his
propimioribus diebus de pace componenda ageretur, tandem ad
eam concludendam et firmandam deventum est: adeo quod die
secundo mensis exacti Julii per oratores, sindicos et procura-
tores utriusque partis apud Ferrariam pax conclusa et firmata
extitit. Cumque per expressum capitulum utraque pars teneatur
intra duos menses adherentes recomendatos complices et sequaces
dare et nominare alteri parti et ii nominandi intra alios duos
menses, si in eam intrare voluerint et eius beneficio gaudere
pacem eandem aprobare et ratificare teneantur: desiderantes vos
in eandem pacem includi, vos ut adherentem nostrum dedimus
et nominavimus, Rogamus vos propterea quanto possumus studio,
ut prefatam nominationem de vobis factam gratam et acceptam
384
habendo litteris vestris auctenticis quidem intra dictum tempus
duorum mensium acceptationi huiusmodi ad nos celeriter demit-
tere curetis, quod nobis non minus gratum quam carum erit.
Data in castello novo Neapolis die X.° mensis Augusti anno a
nativitate domini millesimo MCCCL.
0
Rex Alfonsus.
Dominus Rex mandavit mihi Arnaldo Fonolleda.
Illustri et magnifico viro Sthefano Magno Vayvode et
Duci Bocine, amico nostro carissimo.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 265.5, Pol. LXXII. v.
LH.
Castelnuovo (Neapel), 11. September 1450.
König Alfons von Aragon und Neapel bittet den Fürsten
Stefan von Bosnien dem Überbringer des Schreibens ein
stimmtes Quantum Blei aus dessen Gruben zu übergeben.
Rex Aragonum utriusque Sicilie etc. lllustris et potens
dux nobis plurimum dilecte. Cum necessario habeamus certam
plumbi quantitatem in operibus que fieri facimus convertendam,
vos affectuose precamur, ut nostro intuitu dictum plumbum,
latori presentium justo pretio mediante a terris vestris extrahere
permittatis. Ex hoc enim nobis summe complacebitis. Datum in
Castellonovo civitatis nostre Neapolis die XL Septembris anno
a nativitate domini MCCCCL. Rex Alfonsus. Dominus Rex man-
davit mihi Arnaldo Fonolleda.
Illustri et potenti Stephano magno vayvode et duci Bocinie
amico nostro carissimo.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2G58, Fol. LV.
LIII.
Torre del Greco, 10. Oktober 1450.
König Alfons von Aragon und Neapel teilt dem Fürsten
Stefan von Bosnien mit, dass er den bei ihm eingetroffenen
sandten des Fürsten eine schriftliche Antwort erteilt habe.
385
Rex Aragonum utriusque Sicilie etc. Illustris et potens
dux nobis plurinmm dilecte. Per nobiles viros Niladenum et
Radiz nuncios vestros accepimus litteras vestras in eorum per-
sonis credentiales quos libenter audivimus, in cunctis que vestri
parte nobis explicare voluerunt, quibus responsum dedimus ut
ex ipsorum relatibus accipietis. Datum in Castello Turris Octave
sextodecimo mensis Octobris XIIII. indictionis anno a nativitate
domini MCCCCL. Rex Alfonsus. Dominus Rex mandavit mihi
Arnaldo Fonolleda.
Illustri et potenti viro Stephano duci ac magno vayvode
regni Bossine ac comiti Santisave nobis plurimum dilecto.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2655, Pol. 92. b.
LIV.
Torre del Greco, 11. November 1450.
König Alfons von Aragon und Neapel teilt dem Fürsten
Stefan von Bosnien mit, dass er im Sinne der durch dessen
Gesandten Johann von Acichi übersandten Bitte intervenieren
wolle, damit die Venezianer eine dem Fürsten weggenommene
Festung herausgeben.
Rex Aragonum utriusque Sicilie etc. Illustris dux amice
noster carissime. Iohannes de Acichi orator sive embassiator
vester litteras nobis vestras reddidit quibus perlectis et auditis
que nobis ab eo nomine vestro explicanda erant, respondemus,
quod cum nos ad illustre dominium Venetorum oratores et
nuncios missuri sumus, eisdem comittemus, ut preter cetera
ipsum illustre dominium Venetorum nostri parte precentur,
quatinus vobis castellum illud restitui faciatis, de quo nobis
idem Iohannes loquutus est, sicut plenius de hoc certior. reddi
poteritis verbis prefati Iohanis de Acichi, cui quantum super hoc
vobis exponet fidem indubiam prestare velitis. Datum in castello
Turris Octave die XI Novembris anno MCCCCL. Rex Alfonsus.
Illustri Stephano duci Bossine magnovayvode amico nostro
dilecto.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2658, Fol. LXVIII.
25
386
Castelnuovo (Neapel), 23. Dezember 1450.
König Alfons von Aragon und Neapel teilt dem Fürsten
Stefan von Bosnien (und dem Herzog Philipp von Burgund) seine
Absicht mit, auch ihn, in das mit den Venezianern abgeschlossene
Bündnis einzubeziehen, und bittet ihn, binnen 6 Monaten seinen
Entschluss bekannt zu geben.
Rex illustrissime, Dux consanguinee et amice noster caris-
sime. Certiores vos reddimus quod cum die quarta mensis
Octobris proxime preteriti XIIII. indictionis presentis anni nos
cum illustri dominio Venetorum unionem, confederationem, col-
ligationem, intelligentiam et ligam iniverimus ae contraxerimus,
inter alia huiusmodi unionis et lige capitula fuit capitulum
seriei sequentis. Item convenerunt partes predicte quod quelibet
earum teneatur et debeat infra terminum uni mensis incohandi
a die celebrationis presentis contractus in scriptis nominare
suos colligatos, adherentes, complices et recommendatos exceptis
iis, qui in capitulis pacis inter dictas partes firmate per easdem
excepti fuerunt. Quiquidem sic nominandi pro colligatis, adhe-
rentibus, complicibus et recommendatis per partes exceptis
semper supradictis infra terminum trium mensium in Italia et
extra Italia mensium sex numerandorum a die celebrationis
presentis contractus ratificasse et predictam nominationem appro-
basse teneantur, quo casu beneficio presentis unionis et lige
gaudere possint aliter non. Et quam nos in nostris colligatis,
adherentibus et recommendatis vos imprimis nominavimus tan-
quam nobis amicissimum et acceptissimum et quem in liga
ipsa comprehendi maxime cupimus, vos propterea precamur
attente, ut nominationem nostram prefatam de vobis factam
infra terminum in preinserto capitulo expressum vestris aucten-
ticis litteris et scripturis ratificare et approbare ipsamque rati-
ficationem et approbationem, quod primum ad nos transmittere
velitis, ut unionis et lige predicte beneficio gaudere valeatis,
quod nobis gratum admodum et acceptum futurum est. Data-
i
387
in castello novo Neapolis die XXIII. Decembris anno domini
MCCCCL.
Rex Alfonsus.
Dominus Rex mandavit mihi Arnaldo Fonolleda.
Illustrissimo Philippo Duci Burgundie, etc. . . .
Sub simili forma scriptum fuit sequentibus, videlicet . . .
Illustri Stephano Magno Vayvode et Duci Boccine amico
nostro carissimo.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2655, Fol. CHI.
LVI.
Torre del Greco, 29. Mai 1451.
König Alfons von Aragon und Neapel teilt dem Fürsten
Stefan von Bosnien die Entsendung von 100 Mann Fuss-
volk zur Unterstützung Georg Kastriota's mit, mit denen auch
sein Gesandter Bernardo Vaquer zieht.
Illustris Dux devote noster dilecte. Mittimus in presen-
tiarum ad partes istas Albanie duos nostros comestabulos cum
centum peditibus in subsidium et adiutorium spectabilis et
magnifici Georgii Castrioti domini Croye adversus Theucros,
cum quibus proficiscitur comissarius noster nobilis et dilectus
familiaris noster Bernardus Vaquer. Rogamus et precamur vos,
ut intuitu et contemplatione nostri ipsum comissarium cum
dictis nostris gentibus plurimum comissos habere velitis assi-
stendo eisdem si opus fuerit et vos duxerint requirendum ope
auxilio consilio ac favoribus quibus poteatis (sic). Et si prefatus
noster comissarius ad magnificum Iohannem Vayvodam accedere
vel aliquem mittere voluerit, eidem comissario vel illi quem
miserit provideatis de tuto transitu, ita quod ad eum absque
impedimento aliquo pervenire possit. Quod si ut non dubitamus
effeceritis, multum nobis complacebitis. Datum in castello Turris
Octave die XXVIIII mensis Maii anno a nativitate domini
MCCCCLI. Rex Alfonsus. Illustri et potenti viro Stephano duci
et magno Vayvode Bocine nobis plurimum dilecto.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2655, Fol.
CXXXIV. av.
25*
888
LVII.
Puteoli, 18. Februar 1452.
König Alfons von Aragon und Neapel bittet den Fürsten
Stefan von Bosnien (sowie den König von Bosnien und Georg
Kastriota), ihm zugleich mit seinem an ihren Hof abgegangenen
Gesandten 5—6 geschickte Bergleute zur Ausbeutung der neu-
entdeckten Gold-, Silber- und anderer Bergwerke zu senden.
Serenissimo principi Regi Boccine etc. amico nostro caris-
simo. Alfonsus etc. salutem et prosperos ad Tota successus.
Serenissime princeps amice noster carissime. Reperimus in ali-
quibus nostris terris venas auri argenti et aliorum nonnullormn
metallorum ad que fodienda peritorum magistrorum copia nobis
deest. Quapropter cum huiusmodi magistros satis expertos penes
vos seu in vestris terris esse non paucos intellexerimus, vos
rogamus vehementer, ut intuitu nostri quinque vel sex de ma-
gistris ipsis ad nos transmittere velitis, pro quibus istinc ad
nos conducendis mittimus in presentiarum dilectum familiarem
nost ram Vicinum Albanensem presentium latorem. Remittatis
itaque ad nos quam primum fieri poterit, Vicinum ipsum cum
prefatis quinque vel sex magistris quos optime et taliter per-
tractabimus, quod illos venisse postmodum non penitebit ut
arbitramur. In hoc vos nobis in inmensum complacebitis. Et si
qua ex regnis et terris nostris vobis placuerint, ea nobis per
vos significata impendi vobis libenti animo curabimus. Dat um in
civitate nostra Puteolorum die XVI I I Februari i anno MCCCCLII.
Rex Alfonsus. Post signatam, super premissis vos latius allo-
quet ur dictus Vicinus, cui fidem adhibere placeatis tamquam
nobis. Datum ut supra.
Serenissimo principi Regi Boccine etc. amico nostro
carissimo.
Similes due fuerunt expedite directe videlicet: Illustri
Stephano duci Boccine ac magnovayvode etc. et magnifico viro
Georgio Castrioti domino civitatis Croye in partibus Albanie.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2660, Fol. I.
389
LVIII
Castelnuovo (Neapel), 10. November 1452.
Befehl des Königs Alfons von Aragon und Neapel an
alle seine Beamten in Apulien, worin er bekannt gibt, dass er
dem Fürsten Stefan von Bosnien, so oft dieser in Novigrad
(Herzeg-Novi) Hof hält, zollfreien Einkauf von Lebensmitteln
bis zum Kaufpreise von 2000 Dukaten bewilligt habe.
Pro Duce Bossine.
Alfonsus etc. Magnifico et nobilibus viris Simoni Caczecte,
militi, magistro portulano in provincia Apulie, eiusque locum-
tenenti, daciariis. cabellotis, plateariis, portulanotis, portulanis
et aliis quibusvis officialibus nostris ad quos spectet presentes-
que nostre littere fuerint presentate ubilibet in dicta provincia
Apulie et presertim in civitate nostra Trani constitutis et con-
stituendis, consiliario et fidelibus nostris dilectis gratiam nostram
et bonam voluntatem. Significamus vobis quod nos cum intelle-
xerimus illustrem Stefanum ducem Bossine recomendatum nost-
rum dilectum nonnmiquam cum eius curia moram trahere in
quadam eius terra vocata Castellum Novum, que est valde
remota ab aliis terris eius ditionis, et propterea cum ibi est
pati penuriam frumenti, salis et aliorum qui sunt necessaria
usui dicte eius curie, ob smgularem devotionem et magna
merita ipsius ducis erga nos eidem fecimus gratiam infrascriptam
pront facimus serie cum presenti, videlicet quod dux ipse cum
in dicta terra Castelli Novi cum dicta eius curia moram trahet,
durante nostro beneplacito singulis annis libere et sine aliquo
impedimento ac solutione juris tracte, dacii, cabelle, platee et
alterius cuiuscumque juris et vectigalis possit et valeat in dicta
provincia Apulie emere et inde extrahere et in quecumque vasa
maritima onerare seu per eius factores emi, extrahi et onerari
facere et ad dictum Castellum Novum devehi tantum frumen-
tum, sal et alia quecumque victualia et res pro usu dicte eius
curie, quod illorum inter omnia precium singulis annis ascendat
ad summam ducatorum duorum milium. Mandantes propterea
390
tenore presentium de certa nostra scientia vobis et unicuique
vestrum, quatenus durante hoc nostro predicto beneplacito con-
stituto vobis de residentia dicti illustris ducis in dicta terra
Castellinovi cum ipsius curia per eius litteras auctenticas facto-
res dicti illustris ducis, quos cum presentibus miserit, permit-
tatis libere et sine aliquo impedimento emere deferre extrahere
et in quecumque vasa maritima onerare seu emi deferri extrahi
et in quecumque vasa maritima onerari facere tantum frumen-
tum sal et alia quecumque victualia et res pro usu dicte eius
Curie, annumerando etiam bis salnitrium, quod precium omnium
ipsarum rerum emptarum ad dictum Castellum novum ut pre-
dicitur devehendarum, ut prefertur capiat summam ducatorum
duorum milium et non plus. Nulluni jus tracte, dacii. cabelle,
plate, vel alterius cuiuscumque vectigalis pro eis, quorum ut
supradiximus pretium summam dictorum duorum milium duca-
torum non excedat, exigentes vel exigi quomodolibet facientes
prestita tarnen per factores predictos idonea cautione de non
deferendo predicta nisi ad dictum Castellum Novum. Et quia
fortasse continget de eisdem rebus plures extractiones fieri et
ne curia nostra veniat in aliquo defraudata, volumus, quod
factores prefati illustris ducis Bossine faciant sibi fieri apodixas
et certificatorias quanto precio unumquodque emptorum consti-
terit, quasquidem apodixas et certificatorias reddant vobis pre-
fato magistro portulano et seu dicto vestro locumtenenti facturis
de eisdem pro curie nostre cautela in libris vestris debitum
notamentum providendo diligenter, ne sine solucione iurium
nostrorum maior quantitas supradieta extrahatur, recuperaturi
de singulis extractionibus debitas apodixas, in quarum prima
tenor presentium totaliter sit insertus, in aliis vero de eisdem
fiat mentio specialis vestri ratiocinii tempore simul cum dictis
litteris autenticis prefati illustris ducis Bossine ac cum apodixis
et certificatoriis supradictis producendas et acceptandas per nos
magnum camerarium presidentes et rationales camere nostre
sammarie et alios quoseunque a, vobis computum audituros
absque nota cuiuslibet questionis, presentes nostras litteras
magno Maiestatis nostre sigillo pendente munitas vobis pro-
391
pterea dirigentes. Datum in Castello novo civitatis nostre Nea-
polis die X. mensis Novembris, prime indictionis, anno a nati-
vitate domini MCCCCLII
0
., regnique huius Sicilie citra farum
anno decimo octavo, aliorum vero regnorum nostrorum anno
XXXVII. Rex Alfonsus.
Dominus Rex mandavit mihi Arnaldo Ponolleda, et vide-
runt Nigantes, locumtenens magni camerarii, P. de Capdevila,.
Iheronimus et M. Ricius pro conservatore generali regii
patrimonii.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2911, Fol.
LXIII. vo.
LIX
Neapel, 19. November 1452.
König Alfons von Aragon und Neapel empfiehlt den Fürsten
Stefan von Bosnien dem Kaiser Friedrich III. (sowie dem
Johann Hunyadi).
Serenissimo principi Friderico Romanorum Imperatori sem-
per augusto, consanguineo et tanquam patri nostro carissimo.
Alfonsus etc. Salutem et prosperos ad vota successus. Illustrem
Stephanum ducem Bossine, Serenissime Imperator, habemus caris-
simum, cum quod multa de illius et animi et corporis virtute
ac magnificentia audivimus, tum quod precipua quedam signa
eius erga nos devotionis cognovimus, imprimisque hoc vinculum
inter nos et illum intercedit, quod ipse multis iam annis elapsis
nos protectorem suum delegit atque esse voluit seque et sua
omnia nobis comendavit, quibus rebus effectum est, ut eum ita
carum haberemus uti supradiximus, proinde eundem ducem
vehementer ac summo studio bis nostris litteris commendatum
faciemus Serenitati vestre eandem ex animo rogantes, ut si
quando ille ipsius vestre serenitatis opem et favorem implora-
verit, eum et per se et cum aliis nostro respectu omnibus in
rebus iuvet eique faveat, que quidem res nobis erit' gratissima
et pro ea et Serenitati vestre multum reddemur obligati. Datum
Neapoli die XVIIIP novembris MCCCCLII. Rex Alphonsus.
392
Serenissimo principi Frederico Romanorum Imperatori semper
Augusto, consanguineo et tanquam patri nostro carissimo.
Fuit expedita alia similis directa.
Spectabili et magnifico viro Joanni voivode et gubernatori
regni Hungarie nobis plurimum dilecto.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Com. 2550, Pol. CIX. v.
LX.
Torre del Greco, 20. Jänner 1453.
König Alfons von Aragon und Neapel empfiehlt die Geld-
forderung des Michael und Johann von Zuzulo der Aufmerk-
samkeit des Fürsten Stefan von Bosnien.
Pro Cola de Zuzulo.
Rex Aragonum etc. Illustris dux devote et amice noster
carissime.
Offerens se conspectui fidelis noster Cola de Zuzulo de
Trano frater Johannis de Zuzulo vobis referet, quemadmodum
ipse Johannes consequi et habere debet a Marino de Primiti de
Cathera nonnullam pecunie summam. Eam ob rem vos affectuose
rogamus, ut nostri gratia eundem Colam recommissum suscipientes
eidem nomine et pro parte dicti Johannis fratris sui constito
de huiusmodi debito ministrari mandetis iusticie complementum
tali siquidem expeditione, quod ipsum non oporteat ea de causa
ibidem diutius permanere, ut vobis et vestris teneamur ad similia
et maiora. Datum in Castro Turris Octave die XX. Januarii prime
indictionis MCCCCLIII
0
. Rex Alfonsus.
Dirigitur Stephano Duci Bosine.
Johannes Peyro mandato regis facto per Valentinum Clauer
vice qui has vidit.
Barcelona, Archivo de la Corona deAvagon. Reg. 2550, Fol. CXXXII.vo.
LXI.
Foggia, 3. April 1453.
König Alfons von Aragon und Neapel dankt Stefan Fran-
gepan für die, durch von Anton von Segna (Zengg) gesendeten
Nachrichten und bittet, ihn auch ferner zu benachrichtigen.
393
Rex Aragonum. Illustris comes devote nobis plurimum
dilecte. Antonium de Segna, quem ad nos cum litteris vestris
misistis, vidimus et audivimus libenter et nova Hungarie que
nobis significavistis et alia, que prefatus Antonius nobis retulit,
fuerunt nobis valde grata, vos rogantes ut deinceps itidem
faciatis, ut cum aliquid novi quod dignum scitu sit, istis in par-
tibus contigerit, id nobis continuo significare velitis et quomodo
res Hungarie de quibus ad nos scribitis, in presentia modum
non habent, in aliud tempus atque oportunitatem illas differimus
sicuti ab eodem Antonio, quem super huiusmodi allocuti sumus,
vobis referetur. Datum Fogie III. apr. MCCCCLIII
0
. Eex Alfonsus.
Illustri Stefano de Frangopanibus Senye Modrusie atque
Veglie etc. comiti devoto nobis plurimum dilecto. Dominus rex
mandavit mihi Arnaldo Fonolleda.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2660, Fol. CI. v.
LXII.
Castelnuovo (Neapel), .5. August 1453.
König Alfons von Aragon und Neapel teilt Stefan Frangepan
die Ankunft von dessen Gesandten Anton von Modruš mit, ferner,
dass er mit den Venezianern Frieden geschlossen habe, daher
Frangepan seine Bewaffneten entlassen könne.
Rex Aragonum etc. Illustris et magnifice comes devote
nobis plurimum dilecte. Accepimus credentiales litteras vestras
et audivimus que nobis asseruit vestri parte Antonius de Mon-
drussia familiaris vester. Super quibus vobis presentibus respon-
demus et primo admodum vobis rengraciamur de integra sin-
ceraque affectione dilectioneque vestris, quas erga nos geritis:
supernarratis vero per ipsum Antonium vobis respondemus noti-
ficantes, quod his decursis diebus sicut omnibus notum est inter
Maiestatem nostram et 111. dominium Venetorum pax firmata est:
propter quod nobis impresentiarum opus non est tenere amplas
gentium armigerarum copias, prout idem Antonius familiaris
vester vos informabit, cui in referendis fidem credulam placeat
394
adhibere. Datum in castro nostro novo Neapolis die V
a
mensis
Augusti XIII. indictionis. Rex Alfonsus.
Arnaldus Fonolleda prothonotarius.
Illustri et magnifico Stefano de Frangapanibus Vegle Segne
Mandrusieque etc. comiti devoto nobis plurimum dilecto.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2658, Fol. XI/VIIII.
LXIII.
Castelnuovo (Neapel), 1. Juni 1454.
König Alfons von Aragon und Neapel verspricht in seinem
und seines Sohnes, des Herzogs Ferdinands von Kalahrien, Namen
dem Fürsten Stefan von Sankt Sava und dessen Söhnen Schutz, und
sichert ihm den Besitz seiner einzeln aufgezählten Festungen und
Städte, unter Transskription Urkunde des Fürsten Stefan vom
30. März 1454, in der dieser Treue gelobt.
Promissio facta per dominum Regem illustri duci Stephano
et eius filiis.
In Dei nomine amen. Pateat universis presentium seriem
inspecturis seu visuris quod nos Alfonsus etc. cum magnifiei
milites comes Buchina et Radivoy Sicliza oratores nuncii et
ambassiatores illustris Stephani ducis Sancte Save Domini terre
Hulminis maritimarum partium ac comiti Drine et magni vay-
vode Regni Boccine devoti nostri dilecti anno preterito ad nos
venissent, ut nobiscum nonnulla capitula nomine et pro parte
prefati illustris ducis practicarent, audivimus ipsos ambassiatores
ac praticam super capitulis ipsis concludendis per aliquos dies
fecimus, finaliter cum prefati ambassiatores non haberent plenam
potestatem ab eodem duce nobiscum concludendi, remisimus ipsos
ambassiatores ad dictum illustrem ducem cum forma quadam
capitulorum concludendorum si dicto illustri duci placerent;
postquam ergo nunc dicti ambassiatores ad nos redierunt osten-
dentes nobis autentice litteras eiusdem ducis in pergameno scrip-
tas et eius sigilli appensione munitas, cum quibus prefatus
illustris dux depositans ac relinquens ad partem pacta et capitula
que fuerunt facta et copulata inter nos et oratores vel oratorem
395
missum per dictum illustrem ducem et deinde facta et confir-
mata per ipsum illustrem ducem noviter facit, confirmat, proficit
et promittit nobis certa capitula prout in ipsis litteris continetur
tenoris huiusmodi:
In nomine Magni Sabaot altissimi dei nostri qui est a
primordio pater, impletio filii et ad perfectionem spiritus sancti.
gloriosa trinitas, gloria tibi, in te credimus et recepimus divinam
gratiam qui dignata est per suam dulcissimam et indicibilem
misericordiam obtinere nobis omnia, ut sunt in potestate nostra
tenentia et gubernantia diocesitatesque civitates atque confines
huius pertinentiis nostris inagitatis imo in omnibus gloriosam
atque valde gratam, dignam atque dilectam et inextimabilem
iustitiam et amorem, publice notemus omnibus potentibus atque
gubernantibus consanguineis et ita cordialibus amicis cuilibet per
dignitatem suam videntes ipsius rectitudinem et amorem ad nos:
Nos Dominus Stephanus Dei gratia dux Sancti Save dominus
terre Hulminis Maritimarum partium ac comes Drine et magnus
Vayvoda Regni Boccine etc. notum facimus universis et singulis
ante quoscumque faciem hominum demonstrata fuerit ista scrip-
tum aperta cum autentico sigillo nostro, sicuti fecimus pacta
et corroborationes atque ista privilegia cum serenissimo et excel-
lentissimo, principe domino domino Alfonso Rege Aragonum Sicilie
citra et ultra farum etc.: Im primis coppulatum et perfectum
inter illustrissimum dominum Regem et inter me ducem Stepha-
num depositantes ac relinquentes ad partem pacta et capitula
facta et coppulata, que sunt inter dominum Regem ex parte
ipsius et qui oratores fuerunt missi seu missus fuit ex parte
illustrissimi principis ducis Stephani, qui fuerunt facti atque
confirmati per ducem Stephanum modo noviter facimus et con-
firmamus atque perficimus capitula congrua atque perfecta; et
istud promittit Serenitati Regie Maiestatis dux Stephanus, quod
erit semper cum omnibus suis bonis et fidelis servus et amicus.
Etiam promittimus, quod omne negocium atque preceptum erimus
essendo in nostra autentica lege cum nostris fidelibus et subditis
parati, si fecerit pacem aut discordiam atque guerram cum omni
nomine aut cum domino, quod sua dominatio preciperet ex ista
396
parte maris Adriani per terram ab sumptibus ducis incipiens a
Boyana que est in partibus Albanie usque ad Jadram et usque
ad tenutas Jadre intus per terram recte per tenutas que sunt
prope triginta miliaria castris atque civitatibus, quas tenet dominus
rex in partibus Albanie prope terram atque castra nobilissimi
Georgii Castriotis dicti Scanderbegii narrando atque publicando,
a qua re nos non invenisset damnum atque dispersio ab impera-
tore Teucrorum cui nos servimus ita ut amici nostri cum quibus
fuissemus in amore et amicitia. In privilegiis etiam plus de pre-
fatis ut faciamus Regie Serenitati omnem honorem sicuti dignanter
cum muneribus visitare et prestolare personaliter dominum regem
cum spatium haberemus, sicuti est consuetudo bonorum servorum
domino et amico suo. Et si dominus Rex postularet a me duce
Stephano, ut sibi concederem servorum meorum in armata maris
quantum esset possibile cum nostra bona voluntate, ut tales
homines debet dominus Rex solvere cum suis sumptibus per
tempus, quo erunt ad servitia sue dominationis et iterum rever-
tere ad proprias: etiam promittimus, si Serenitas regis nos
liberabit a servitiis et daciis ab imperatore Theucrorum et omnium
aliorum dominorum qui vellet nos dominare et sub se ponere,
ut demus et mittemus Regie Serenitati annuatim in curia sua
vel ubicumque fuerit quinque millia ducatorum per dacium et
per libertatem nostri domini que debent solveri omni anno usque
dum vixerit Dominus Rex et suus filius dux Calabrie. Et hoc
intelligitur quod non debet inquirere istam solutionem dominus
Rex nee filius suus dux Calabrie donec liberabit nos ab impera-
tore Theucrorum, et ab aliorum dominorum. Etiam promittit
Dux Stephanus stando sub potestate domini imperatoris Theu-
crorum, nos erimus vocati servi recommissi domini Regis et filii
sui ducis Calabrie et ut mittemus nostros nobiles cum habue-
rimus congrua tempora in curiam domini Regis, quod domina-
tores ex vestra parte maris Adriani similiter et ex ista parte
maris vident et agnoscant, quod ego sum dictus dux Stephanus
servus et amicus domini Regis et filii eius ducis Calabrie et
etiam omnimode essendo liberi ab dominatione et potestate
imperatoris Theucrorum aut si non fuissemus liberi et securi
I
397
cupimus semper esse servi et amici domini Regis et filii eius
ducis Calabrie. Datum Noui locy anno Domini MCCCCLIIII. die
XXX. mensis martii.
Nos etiam impresentiarum postponentes et relinquentes
ad partem omnia et quecumque capitula pacta et conventiones
inter nos hucusque et quoscumque ambassiatores seu nuncios
predicti illustrissimi ducis facta, conclusa et firmata et per
ipsum illustrem ducem confirmata, de novo facimus firmamus
ae promittimus dicto illustri duci capitula et pacta infrascripta.
Et primum promittimus affidare et assecurare et ex nunc affi-
damus et assecuramus personam dicti illustris ducis et comitis
ac personas illustrissimorum filiorum . suorum et omnes suos
barones, servitores et vassallos, suum exercitum, aurum, argentum,
jocalia et alias quascumque res suas; capientes illos a modo in
recommendatos et servitores nostros et ita tenebimus illos in-
perpetuum. Ita quod ipse illustris dux et dicti sui filii vel alii
quicumque ambassiatores curiales servitores seu vassalli sui ve-
nientes ad nostram presentiam vel in nostra regna et terras
sint liberi securi affidati et assecurati tarn venientes et stantes
quam etiam revertentes ad terras ipsius illustrissimi ducis
totiens quotiens eis fuerit bene visum. Quibus omnibus predictis
nolumus novitatem molestiam injuriam malum aut damnum
aliquod fieri in personis et rebus eorum, immo tractentur et
illis faveatur per totam nostram dicionem et regna sicut veris
et bonis nostris servitoribus recommendatis et amicis nostris
ac etiam Illustrissimi Ferdinandi de Aragonia ducis Calabria
filii nostri primogeniti cum omnibus baronibus, servitoribus et
vassallis dicti illustrissimi ducis et filiorum suorum ac civitatibus,
terris, castellis et locis sequentibus, videlicet imprimis civitate
Falcone cum suis castellis et cum comitatu suo, civitate Socol
cum omnibus suis pertinentiis castris et confinibus, civitate
Togruam cum castris et pertinentiis suis, civitate Samombor
cum castris et pertinentiis suis, civitate Euchane cum castris
et pertinentiis suis, civitate Mileseuschii cum castris et perti-
nentiis suis, civitate Ostrich cum castris et pertinentiis suis,
civitate Chovino cum castris et pertinentiis suis, civitate Seve-
398
rino cum castris et pertinentiis suis, civitate Necano cum castris
et pertinentiis suis, civitate Crsinch cum castris et pertinentiis
suis, civitate Chrsonam cum castris et pertinentiis suis, civitate
Sancti Georgii cum castris et pertinentiis suis, civitate Nova
in Drina cum castris et pertinentiis suis, civitate Hosonichi cum
castris et pertinentiis suis, civitate Biscrichi cum castris et
pertinentiis suis, civitate Clech cum castris et pertinentiis suis,
civitate Ostruiza cum pertinentiis suis, civitate Osip cum castris
et pertinentiis suis, civitate Pontis Terre cum castris et perti
nentiis suis, civitate Dunos cum pertinentiis suis, civitate Jelez
cum castris et pertinentiis suis, civitate Zyr cum castris et
pertinentiis suis, civitate Preliep cum omnibus pertinentiis suis,
civitate Vratar cum castris et pertinentiis suis, civitate Mediued
cum castris et pertinentiis suis, civitate Morachii cum castris
et pertinentiis suis, civitate Susied cum eastris et pertinentiis,
civitate Ostrocz cum castris et pertinentiis suis, civitate Budos
cum castris et pertinentiis suis, civitate Clobuch cum castris
et pertinentiis suis, civitate Risan cum pertinentiis suis, civitate
Nova prope mare cum pertinentiis suis, civitate Micenaz cum
pertinentiis suis, civitate Cluz cum castris et pertinentiis suis,
civitate Vinencaz cum castris et pertinentiis suis, civitate
Vidouschi cum castris et pertinentiis suis, civitate Blagii cum
antris et cum castris ac cum pertinentiis suis, civitate Pozitell
cum pertmentiis suis, civitate Nova in Lucha cum pertinentiis
suis, civitate Vratar cum pertinentiis suis, civitate Lublano cum
castris et pertinentiis suis, civitate Vergoran cum pertinentiis
suis, civitate Visuchi cum pertinentiis suis, civitate Imoschi
cum castris et pertinentiis suis, civitate antigua cum pertinentiis
suis, civitate Prologaz cum pertinentiis suis, civitate Ro(g) cum
castris et pertinentiis suis, civitate Rixachi cum pertmentiis
suis, civitate Chrusevaz cum castris et pertinentiis suis, civitate
Pontis cum castris et pertinentiis suis, civitate Neboysse cum
pertinentiis suis, civitate Boronaz cum castris et pertinentiis
suis, civitate Biograd cum castris et pertinentiis suis, civitate
Albalapis cum pertinentiis suis, civitate Vrabam cum castris
et pertinentiis suis, civitate Come cum castris et pertinentiis
399
suis, civitate Velletino cum castris et pertinentiis suis, civitate
Odrzchi cum castris et pertinentiis suis, civitate Oball cum
castris et pertinentiis suis. Item promittimus predicto illustri
duci in casu, quo sibi aut alicui suarum terrarum moveretur
guerra vel fieret novitas aliqua per quemcumque regem principem
ducem comitem vel quamcumque comunitatem aut dominationem,
que nobiscum non sint in liga, confederatione vel amicitia aut
non sint amici et benevoli nostri et inter alios comunitas Raguse,
nos dabimus predicto illustri duci et comiti et eius filiis omne
auxilium, subsidium et favorem nobis possibilem ad expensas
ipsius illustris ducis vel dicti sui filii et non nostras ita videlicet,
quod quando ipse illustris dux requireret dictum auxilium, sub
sidium et favorem a nobis, nos illud mittere non teneamur,
donec sint huc ad nos misse pecunie ab ipso duce pro gentibus
et fustibus, quas dictus dux volet in sui auxilium et nobis erit
possibile illas mittere, quas gentes et fustes ipse illustris dux
debeat solvere pro tempore, quo illas tenebit in servitio et
favore suo et donec redierint in terras nostras regni Sicilie citra
farum. Et hoc modo defendemus eos a predictis quantum melius
poterimus ; item promittimus, quod quandocumque faciemus
concordiam, treugam, confederationem cum quocumque rege, prin
cipe, duce comunitate vel dominatione tarn ultra mare Adriaticum
quam in Italia, faciemus exprimi et intelligi in ipsa concordia
vel confederatione facienda dictum illustrem ducem Stephanum
et filios eius et suos barones civitates terras castella et omnia
alia bona et res suas. Item promittimus quod si propter aliquam
necessitatem conveniret dicto illustri duci vel prefato suo filio
venire personaliter ad presentiam nostram, nos certificati prius
de eius adventu mittemus fustes et navilia necessaria ei pro
suo passagio tam in veniendo ad nos quam in redeundo in suas
terras. Item promittimus quod si aliquis dominus potentia vel
comunitas vellet facere aut faceret guerram contra dictum
illustrem ducem vel eius filios vel suas terras, nos non dabimus
auxilium neque favorem aliquem talibus inimicis prefati ducis,
nec permittemus quod per aliquem subditum et vassallum
nostrum detur ipsis aliquod auxilium et favor. Que omnia et
400
singula superius expressa sub nostris fide et verbo regiis pro-
mittimus prefato illustri duci firmiter tenere et inviolabiliter
observare ac teneri et observari facere omni contradictione
cessante. Et ideo presentes litteras illi fieri jussimus nostra
manu subscriptas et nostro pendenti maiestatis sigillo munitas
et testimonio omnium premissorum. Datum in Castello novo
Neapolis die I mensis Junii II indictionis anno a nativitate
domini MCCCCLIIII. huius citra farum Sicilie regni anno XX
aliorum vero tricesimo nono. Rex Alfonsus. Dominus Hex man-
davit mihi Arnaldo Fonolleda.
Barcelona,, Archive- de la Corona de Aragon. Reg. 2700, Fol.
LXV. a.—LXVIII. v.
LXIV.
Castelnuovo (Neapel), 11. Oktober 1454.
König Alfons von Aragon und Neapel teilt dem König
Ladislaus von Böhmen (und Ungarn) mit, dass er im Sinne
der durch dessen Gesandten ausgesprochenen Bitte mit dem
römisch-deutschen Kaiser im Kampfe gegen die Türken alles
aufbieten wolle.
Serenissimo principi Ladislao Regi Boemie etc. consan-
guineo et amico nostro carissimo. Alfonsus etc. salutem et
prosperos ad vota successus. Serenissime princeps consanguinee
et amice noster carissime. Generosus et egregius miles Volcius
de Babaliis orator vester virtute litterarum credentialium ves-
trarum nobis reditarum retulit nobis nonnulla vestri nomine,
quibus auditis respondemus vobis nos pro fide Catholica adversus
Turchos pro facultate nostra esse acturos. Et propterea oratores
nostros ad statutam diem apud serenissimum Romanorum impe-
ratorem affinem et tamquam patrem nostrum carissimum cele-
brandi concilii duximus deliberationem in concilio ipso faciendam
expectaturi, qua intellecta arma nostra quo maturius fieri poterit
in eiusdem nostre fidei defensionem parare intendimus adeo,
quod que a nobis fieri debent in iis nos non deficiamus: hec
largius prefato vestro oratori coram diximus, que cum ad vos
redierit aperte enarrare poterit. Si quid ex regnis et terris
401
nostris vobis placuerit, id nobis per vos significatum exhiberi
vobis eurabimus. Datum in castello novo Neapolis die XL
mensis Octobris anno domini MCCCCLIIII. Rex Alfonsus.
Serenissimo principi Ladislao Regi Boemie etc. consan-
guineo et amico nostro carissimo.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon, Reg. 2660, Fol. CXXXT.
LXV.
Castelnuovo (Neapel), 8. November 1454.
König Alfons von Aragon und Neapel teilt dem Fürsten
Stefan von Bosnien mit, dass er seiner Bitte entsprechend,
ziskaner unter der Leitung des Bischofs Johannes zur Befestigung
des bosnischen Volkes im Glauben sende.
.Rex Aragonum utriusque Sicilie. Illustris dux devote
noster dilecte. Littere vestre diidum ad nos misse nos rogabant
ut operam dare vellemus, quo aliqui honesti religiosi viri sancti
Francisci nostre potissime dicionis ad vos mitterentur instructuri
et confirmaturi eorum monitionibus ac vita populum vestrum in
divino cultu et fidei orthodoxe observantia. Que res ubi nobis
nota fuit, allocuti super ea reverendum generalem magistrum
ipsius ordinis qui forte hic Neapoli erat: tandem voto vestro
satisfieri curavimus, venit enim ad vos venerabilis in Christo
pater et dilectus admodum nobis frater Joanes de Salinis aureis
episcopus Osanensis eiusdem ordinis sancti Francisci sacre theo-
logie magister, vir scientia magna preditus eloquensque et probus
adducens etiam secum nonnullos alios religiosos etiam vassallos
nostros et viros probate vite, qui et sermonibus et operibus
instructum ipsum vestrum populum ad verum Dei cultum et
servitium reddere poterint ipsos vobis placituros proculdubio
existimantes. Solum igitur eosdem vobis eque ac rem nostram
commendatissimos facimus. Datum in Castellonovo Neapolis die
octavo mensis Novembris anno MCCCCLIIII. Rex Alfonsus.
Illustri Stephano Duci Boccine etc. ac magno voyvode
devoto nobis dilecto.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2661, Fol. LXXIX.
26
402
LXVI.
Castelnuovo (Neapel), 8. November 1454.
König Alfons von Aragon und Neapel teilt den Ragusanern
mit, dass bezüglich der ihm durch ihre Gesandtschaft vorgebrachten
Wünsche ihre Gesandten mündlich Bericht erstatten werden.
Rex Aragonum utriusque Sicilie etc. Magnifici viri devoti
nostri dilecti. Dudum a vobis littere nobis reddite sunt per
vestros oratores ad nos missos, quibus visis auditisque iis omnibus
que nobis vestrinomine referre voluerunt, post longam confabu-
lationem et praticam per eos nobiscum factam tandem de nostri
bona licentia et voluntate ad vos revertuntur responsum nostrum
super negociis ipsis tractatis ad summum edocti, ut cum istuc
applicuerint vobis illud referre poterunt, quibus in referendis
eque ac nobis fidem adhibeatis. Datum in Castellonovo Neapolis
die VIII mensis Novembris anno a nativitate domini MCCCCLIIII.
Rex Alfonsus. Dominus Rex mandavit mihi Arnaldo Fonolleda.
Dirigitur Ragusinis.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2661, Fol. LXXIXi
LXVII.
Castelnuovo (Neapel), 1. April 1455.
König Alfons von Aragon und Neapel nimmt die durch
den Gesandten Thomas übersendete Entschuldigung des Königs
Stefan Thomas von Bosnien, dass er die erbetenen Bergleute wegen
der kriegerischen Zeitläufte noch nicht habe schicken können, an,
und teilt ihm mit, dass auch er im Verein mit den übrigen Fürsten
der Christenheit zum Kriege wider die Türken rüste.
Illustrissimo principi Stephano Thome Regi Boccine et
etc. amico nostro carissimo. Alfonsus Dei grati Rex Aragonum
etc. (ponatur totus titulus [sic]) Salutem et prosperos ad vota
successus. Illustrissime Rex amice noster carissime, reddite fuerunt
nobis littere vestre per virum nobilem Thomam fidelem servito-
rem et nuncium vestrum ad nos missum, qui nobis vestri parte
in vim credentie sibi commisse duo in effectu narravit; primum
403
excusationem vestram, si eos homines ad fodendum minerias
argenti et metallorum aptos quos a vobis petivimus, intempore
propter guerrarum turbinem non misistis: oblationemque illorum
juxta nostram voluntatem mittendorum. Secundum vero mote
per vos guerre contra magnum Teucrum catholice fidei hostem
et invasorem notificationem quid adversus ipsum Teucrum nos
agere intendamus scire cupiens. Nosque ad ea respondentes,
excusationem vestram acceptamus et de oblatione hominum
mittendorum gratias agimus; pro eis itaque habendis, cum opor-
iuerit, ad eos petendos et a vobis habendos mittemus; guerre
autem contra Teucrum mote sanctum vestrum et catholicum
propositum laudamus, quod nostro et aliorum fidei catholice
regum et principum est conforme. Constanti igitur animo agite:
nam per nos ceterosque christianos reges et principes maximi
contra ipsum Teucrum exercitus preparantur celeriterque mit-
tentur; quibus illius effrenata rabies, opitulante Altissimo, com-
primatur, prout ex eodem vestro nuncio, cui premissa narravimus,
plenius intelligetis. Datum in castello novo civitatis nostre
Neapolis die primo mensis Aprilis anno domini millesimo
CCCCLV. Rex Alfonsus.
Dominus Rex mandavit mihi Arnaldo Fonnolleda.
Illustrissimo principi Stephano Thome Regi Boccine et
amico nostro carissimo.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2659, Pol.
CXLVIII. v. — Vgl. Nr. VII.
LXVIII.
Castelnuovo (Neapel), 5. April 1435.
König Alfons von Aragon und Neapel teilt dem Fürsten
Stefan von Bosnien mit, dass er die durch dessen Gesandten
Pribislav Vuchotich übermittelte Nachricht von Stefans und
ner beiden Töchter Vermählung mit Freude vernommen habe
und versichert ihn, dass er auch fernerhin gegen die Türken
kämpfen werde.
Rex Aragonum utriusque Sicilie etc. Illustris Dux amice
noster carissime. Reddite sunt nobis littere vestre per nobilem
26*
404
et egregium militem comitem Pribislavum devotum nobisque
dilectum qui vigore eredentie in ipsis litteris apposite nobis
retulit vos contraxisse matrimonium cum filia illustris ducis de
Payto duosque ex filiis vestris matrimonio locasse, unum scilicet
cum nepte illustrissimi uxoris despoti Cervie, alterum verum cum
sorore spectabilis et magnifici comitis Silie. Pr o qua quidem r e
summam letitiam assumpsimus. Vobisque pro his affinitatibus
quas gratas et acceptas habemus admodum congratulamur et
quod illas nobis significaveritis, ingentes gratias agimus. Retu-
litque etiam nobis idem comes legatus Tester vos admodum
cupere scire an cum magno Turchorum domino indutias aut
treugas seu genus aliquod concordie inire Toluerimus an circa
inceptum sive amprisiam contra huiusmodi Turchorum dominum
operam daturi simus, cum ad utramque rem perficiendam non
sine ingenti honore nostro vos fore parat um exhibeatis admo-
dumque affectetis, ut si inceptum ipsum capiamus, cum maxima
armatorum manu pro Dei servicio nostroque honore personaliter
nos sequi. Atque habentes et agentes vobis denuo gratias et
quidem ingentes de huiusmodi optima voluntate vestra amoreque
integro quem ad nos nostrumque honorem et statum geretis,
vobis respondemus nos indutias ipsas aut genus aliquod con-
cordie cum ipso Turcorum domino hoc tempore nullo pacto
inituros fore. Quando quidem unacum quibusdam Christianis
principibus ad eiusmodi Turchorum domini Tires propellendas
et exterminandas adeo omni conatu summisque Tiribus inten-
damus, ut autore domino nostro Jesuchristo victores evadere
speremus, quo fiet ut omnes Christi fideles ab insidiis ipsius
immanissimi Turchi liberabuntur illeque et cuncti mathumetiste
succumbent. Hec quidem ab ipso comite legato vestro extensius
didiscere poteritis, cui omnia Terbo deteximus parati ad cuncta
beneplacita vestra. Dat um in castello novo civitatis nostre
Neapolis die quinto mensis Aprilis anno a nativitate domini
MCCCCLV. Eex Alfonsus.
Dominus rex mandavit mihi Arnaldo Ponolleda. Illustri Ste-
phano duci Boccine etc. et magno voyvode amico nostro carissimo.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2660, Fol. CXXXIX.a.
405
LXIX.
Neapel, 10. September 1455.
König Alfons von Aragon und Neapel wendet sich wegen
der Doppelhochzeit zwischen den Familien seines Sohnes, des
Herzogs Ferdinand von Kalabrien und des Herzogs Francesco
Sforza von Mailand bittlich an Papist Calixt III. und hebt
dabei die Möglichkeit eines erfolgreichen Feldzuges gegen die
Türken hervor.
Sanctissime etc. Binis hactenus nostris litteris Sanctitatem
vestram reddimus certiorem cepta esse hic praticare inter nos
et spectabilem juris utriusque doctorem et comitem Albericum
Malletam oratorem illustris ducis Mediolani normulla matrimonia,
alterum scilicet filii primogeniti illustrissimi ducis Calabrie nepotis
nostri cum filia primogenita ipsius ducis Mediolani et alterum
unius ex filiis prefati ducis Mediolani cum filia ipsius ducis
Calabrie, ad que quidem praticanda proclivis satis annis tam
nos quam illustris dux Mediolani accedimus causis et respectibus
in aliis binis nostris litteris prolixius enarratis illaque duos
potissimum ad optatum finem perduci cupimus pro firmiore et
diuturniore Italie pace facilioreque adversus Teueros expeditione
et ut apertius nullam inter nos et ipsum illustrem ducem
Mediolani invidiam aut simultatem esse cognoscatur. Et quum
huius negocii conficiendi proerastinatio effecit ut iam de eo per
ora vulgi susurretur, dubitandum est profecto ne propterea eius
conclusio impediatur. Quapropter ocius illud aut concludi aut
omnino excludi cupientes tertio hisce nostris litteris Sanctitati
vestre supplicare humillime volumus, ut suam super hoc mentem
celerrime nobis dignetur significare. Et si id peragendum et
concludendum videbitur aliquem ad nos ocissime nisi iam missus
fuerit mittere, qui in huiusmodi re tractanda nomine vestre
Sanctitatis intersit componatque, si quid inter partes scrupuli
aut differentie occurrerit. Quod si die dominico proximo qui
presentis mensis vicesimus primus inscribetur, Sanctitas vestra
super hac re non rescripserit nec suum oratorem predictum
miserit, necessitas rei nos coget sine vestre Sanctitatis inter-.
406
ventu, quod nollemus et molestum ferremus rem si fieri poterit.
ad transactionem perducere aut omnino excludere. Nam si
Sanctitas vestra in praticanda ea decreverit intervenire, binis
nostris litteris ut supradiximus monita ad ipsum usque proximum
diem dominicum et nobis rescripsisse et ipsum suum nuncium
poterit misisse. Quam omnipotens Deus feliciter tueatur regimini
Ecclesie sue sancte. Dat um Neapoli decimo mensis Septembris
anno domini MCCCCLV. Rex Alfonsus. Dominus Rex mandavit
mihi Arnaldo Fonolleda.
Sanctissimo ac beatissimo domino nostro Pape.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2700, Fol. XCIX..
LXX.
Neapel, 15. September 1455.
Instruktion des Königs Alfons von Aragon und Neapel
an seinen Gesandten Berenguer, den er zum Herzog Ludwig von
Savoyen sendet, um diesen in Betreff der Türkengefahr aufzuklären.
It em dira al dit Illustrisimo Duch en virtud de la l et ra
de creenca que sen porta del dit Senyor al dit Duch drecada,
la deliberatio feta per lo dir S
or
de fer armada contra lo Turch
e pus presta que pora. En axi que si per nostre Senyor lo Papa,
e altres princeps e potencies se entendra en fer lo semblant
confia lo dit Senyor que sera tal potencia que sera sufficient
no t ant solament a defendre les t erres de christians vehines al
dit turch, mas a offendre e acquistar de es sues e de aquelles
e de eil haver victoria. E on lo dit Sanct pare e altres poten
cies dilatassen entendre en la dita empresa lo dit S
or
per sa
part fara son sforc, e aquella prosegui ra; de la qual cosa ä ell
com a amich ha volgut avisar.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2659, Fol. LXC.
LXXI.
Castelnuovo (Neapel), 16. Szeptember 1455.
König Alfons von Aragon und Neapel fordert den Herzog
Francesco Sforza von Mailand auf, mit Rücksicht auf die
407
Türkengefahr zwischen Papst Calixt III. und dem Feldherrn
Jakob Piccinino von Aragon Frieden zu stiften und erwähnt
den zwischen den König von Ungarn und Johann Hunyadi
ausgebrochenen Zwist.
Rex Aragonum utriusque Sicilie. Illustrissime et potens
dux affinis et amice noster carissime. Posteaquam supremo Deo
placuit mutuam inter nos necessitudinem ac benivolentiam affini-
tatis etiam vinculo arctius astringi, nihil profecto est in quo
tantopere nobis elaborandum videatur, quam ut illustris ae
strenuus capitaneus comes Jacobus Piccininus de Aragonia
utriusque nostrum bonus et filius et servitor remaneat. Et cum
negocium huiusmodi sepe numero nobiscum reputaverimus, rem
ipsius illustris comitis Jacobi optimo in loco poni maxime
aventes haud alienum censuimus studio ac interventu vestro,
uti apud summum pontificem ut in eius gratie sinum idem
comes Jacobus recipi possit. Quare spondentes nos principio
pro eodem comite Jacobo futurum illum vobis bonum filium et
servitorem vos rogatum esse, quam efficacissime volumus ut et
nunciis et litteris vestris concordiam aliquam inter suam sancti-
tatem et ipsum Comitem Jacobum tentare velitis, poteritis enim
primum sibi persuadere nunquam nos pacem aliquam cum eodem
comite Jacobo tentaturum fuisse nisi ut filius et obediens sue
sanctitatis fieret. Credensque nulli unquam parti Italie illum
bellum illaturum non existimet tantam vos de eo concordando
curam habere, nisi magnum a Teucris discrimen Christianis
immineret, hac potissimum tempestate in qua et apud Hungaros
inter Regem et Joanem voyvodam Regni Hungarie et apud
Appollonios inter eos et Prusienses ortas esse seditiones publica
fama ferretur; nec preterea ita facile ac prompte expeditio in
Teucros parari posset nondum bene firmata et stabilita pace
Italie, ad quam quidem firmandam et stabiliendam nihil reliquum
est preterquam comitis Jacobi cum summo pontifice concordia,
huiuscemodi his itaque et aliis plurimis rationibus, que vobis
ad rem hanc conficiendam necessaria et expedientia esse vide-
buntur, cum ipso summo pontifice agere velitis, ut omnino huic
negocio extrema manus imponatur. Speramus nempe opera pre-
408
sertim vestri optatum finem rem habituram. Quod ut obnixe
faciatis iterum atque iterum vos rogamus. Datum in Castellonovo
Neapolis die XVI. Septembris anno Millesimo CCCCLV. Rex
Alfonsus. Dominus Rex mandavit mihi Arnaldo Fonolleda.
Illustrissimo ac potenti principi Francisco Sforcie vice-
comiti duci Mediolani, Papie Anglirieque comiti ac Cremone
domino affini et amico nostro carissimo.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2700, Fol.
XCIX. v.
LXXII.
Castelnuovo (Neapel), 3. Oktober 1455.
König Alfons von Aragon und Neapel teilt dem Fiirsten
Stefan von Bosnien mit Bedcmern mit, dass König Alfons V.
von Fortugal seine Tochter bereits an einen anderen verheiratet
hcct, daher seine Intervention, ihm die Hand der Kbnigstochter
gu verschaffen, erfolglos geblieben sei.
Rex etc. Illustris Dux devote noster dilecte. Reddite sunt
nobis littere vestre super negotio puelle regis Portugallie quibus
vestris literis respondentes significamus vobis nos cupivisse potius
illam dari vobis, quam alteri. Sed cum ipse Rex Portugallie
longe a nobis absens alio eam nobis insciis nuptui locaverit,
moleste profecto ferimus non potuisse vobis in lioc ut volebamus,
morem gerere ac placere. Datum in castello novo Neapolis die
III. Octobris Anno MCCCCLV. Rex Alfonsus.
Illustrissimo Stephano Duci Boecine ac regni Boccine
magno vaivode devoto nobis dilecto.
Dominus Rex mandavit mihi Arnaldo Fonolleda.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2659, Fol.
CLXVIII. v.
LXXIII.
Castelnuovo (Neapel), 3. Oktober 1455.
König Alfons von Aragon und Neapel teilt dem Fursten
Stefan von Bosnien mit, dass dessen Gesandter (Pribislav Vuchotich)
un seinem Hofe eingetroffen ist.
409
Rex etc. Illustris dux devote noster dilecte. Accepimus
litteras vestras per egregium camerarium vestrum comitem
Presbilaum militem. Audivimusque ea omnia, que nobis vestra
parte explicare voluit. Quibus visis auditis super omnibus ei
respondimus quemadmodum ipse cum ad vos redierit, largius
vobis referre poterit. Datum castello novo Neapolis die III. Oct.
Anno Domini MCCCCLV. Rex Alfonsus.
Dirigitur prefato Duci Stephano.
Dominus Rex mandavit mihi Arnaldo Fonolleda.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2659, Fol.
CLXVIII. v.
LXXIV.
Castelnuovo (Neapel), 10. Oktober 1455.
Konig Alfons von Aragon und Neapel erteilt dem Ge-
sandten des Konigs Alfons V. von Portugal Aufklarung iiber
sein Auftreten und seine Absichten den Turken gegeniiber-
Memorial acomendado por el Serenisimo senyor Rey de
Aragon e de las dos Sicilias etc. al magnifico mossen Barredo
embaxador del Serenissimo Senyor Rey de Portogal etc. por
respuesta a lo por el dicbo embaxador explicado al dicbo senyor
Rey de Aragon por parte del dicho Senor Rey de Portogal.
Primeramente explicadas las saludes acostumbradas por
parte del dicho senyor Rey de Aragon al dicho Serenissimo
Sonor Rey de Portogal le dira como el dicho Senor Rey
dAragon, oydo a el dicho embaxador en aquello que por parte
del dicho Senor Rey de Portogal le ba querido explicar acerca
de la voluntad quel dicho Rey de Portogal tiene de saber si
el dicho Senor Rey de Aragon ha deliberado en persona suya
ir contra el turco e de todas otras particularidades por el dicho
embaxador explicadas ha respondido e declarado lo que acerca
desto ha fecho e entiende a fazer con la voluntad e aiutorio
de nuestro senyor Dios conviene a saber que considerado el
410
dicho Senyor Rey de Aragon quanto tiempo es passado desde
que la ciudad de Constantinoble fue tomada por el Turco fasta
al presente e que por algunos principes e senyores cristianos
no se fazia demostracion con efecto de execucion a emprender
por deffension de la Christiandad contra el dicho Turco con los
cuales principes e senyores el dicho Senyor Rey de Aragon se
podiesse entender porque en un tiempo mesmo por muchas
partes el dicho Turco fuesse offendido. E havida consideración
a tantas gracias que de nuestro Senyor Dios reeebid e recibe
cada dia por render su deudo a que tenido li es en este caso
ha deliberado sin mas sperar con el mayor exercito marítimo
que le sea posible ir en persona con aquellos sus vassallos e
otras personas que con él ir querrán en deffension de la Christian-
dat e offension del dicho Turco por quanto su poder bastara
e ya ha ordenando por todos sus reynos e tierras facer sus
preparatorios para que lo mas presto que possible sea el dicho
exercito sea a punto para assecutar la deliberación del dicho
Senyor Rey de Aragon en la qual hasta la present iornada
alguna potencia de Italia no ha participio alguno Bien cree el
dicho Señor que cada uno dellos fara su deber. E principalmente
el Sancto Padre el qual con gran voluntad en este negocio se
demostra e con grand solicitud fa entender en fazer e armar
las mas galeras que puede. Avisando al dicho Senyor Rey de
Portogal que si alguna de las otras potencias de Italia o otras
deliberara con el dicho Senyor Rey dAragon concorrer en este
fecho luego el dicho Senyor Rey de Portogal desto sera avisado
e de las convenciones capitulos, pactos e otras particularidades
porque de todo haya noticia.
E mas el dicho embaxador dirá al dicho Rey de Portogal
como el dicho Señor Rey de Aragon tiene en Albania algunos
castillos e tierras e de alia con sus gentes defiende aquella
provincia de la potencia del dicho Turco. Del qual sin dubda
sino por la defension de la dita gente fora ya occupada de la
qual seguiría gran danyo a la Christiandad por la facilidad
quel dicho turco occupada por el l'Albania haveria mayor de
proseguir su mal proposito contra la Christiandad asi por la
411.
via de Hungaria como por la via de Italia. Rex Alfonsus.
Expeditum in Castellonovo Neapolis die X. Octobris anno a nati-
vitate domini millesimo quadringentesimo quinquagesimo quinto.
Dominus Rex mandavit mihi Arnaldo Fonolleda.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 2700, Fol.
CI.v.-CII.v.
LXXV.
1447—1455.
Bericht des Frater Franciscus de Agropolo an Papst
Nikolaus V. ilber den Stand der bosnischen Franziskaner-Kloster.
Status locorum vicariae Bo(snae).
Primo quod aliquibus locis sunt aliquot pauperes homines
saeculares per dominos temporales pro servitiis fratrum deputati
in numero prout in capitulis eiusdem vicariae determinatum est
secundum exigentiam locorum, quos vocant iobagiones fratrum
qui fratribus de silvis ligna portant et questas (!) eorundem
fratrum ad loca comportant videheet bladum et vinum de quibus
fratres nullam exactionem penitus exigunt, sed potius eos nutriunt,
sed iidem domini temporales dum volunt eos auferunt, dum
volunt eosdem permutant et quando volunt tempore magnae
necessitatis exactionem peeuniariam ab eisdem extorquent, hii
autem iobagiones prout praefertur, sunt in partibus Bosnae et
Croatiae, ubi fratres cum maximo labore vivunt neqae sine ipsis
in eisdem locis permanere possunt, in locis vero maritimis
iobagiones non simt quia non sunt pro necessitate.
Item in locis supradictis sunt boves innumero per capitula
vicariae deputati iuxta exigentiam locorum pro deportandis
lignis de silvis et pro comportandis questis bladi.
Item sunt equi similiter innumero pro velocibus discursibus
ad eonfessiones ad communionem faciendam et ad baptizandum
pueros et ad portandum vinum de partibus maritimis pro ali-
quibus locis etiam ad sex dietas huc atque illuc.
Item de voluntate dominorum temporalium in aliquibus
paucis locis, lucras, idest aliquas mensuras bladi de populo
2
vulgari exigunt, ita quod homines saeculares eorundem domino-
rum temporalium colligunt et ad loca fratrum comportant et
hoc in illis contratis ubi fratres petendo elemosinam penitus
nihil invenirent.
Item in tribus locis sencio molendinum in duobus locis
ubi minera argenti fodiuntur, quae molendina fuerunt comparata
per ditiores cives illorum oppidorum, ut frequens discursus
fratrum exhibeatur pro petendis panibus, pluries in capitulis
vicariae fuit determinatum ut vendantur, sed ipsi cives vendere
non permiserunt, dicentes, quod fratres nihil habent circa ea
facere. In tertio autem loco molendinum per quendam hominem
in testamento legatum. Ita tamen, ut ab ecclesia non alie-
netur et sic fratres neque cum eodem tertio molendino sunt
omnino liberi.
Item in septem locis minera argenti perfoneas mendi-
cantur per fratres statutis diebus in singulis ebdomadis ipsaque
minera per procuratores venduntur et fratribus necessaria compa-
rantur victus et amictus.
Item in duobus locis sentio bonam partem in ortis fratrum
crocum habere, ubi fratres flores congregatos vendi faciebant et
emebant oleum et pannum pro vestitura, quia patronus illo-
rum locorum quasi nihil dabat pro restitura et oleo, nunc autem
ignoro, si ipsum crocum habeant et quid de ipso faciant.
Item fratres in paucis locis commutant granum pro vino,
quia aliter vinum non habent.
Item dominus rex pro vestitura et oleo dat determinatam
elemosinam pecuniariam singulis annis, sed non in omnibus
locis, quia in aliquibus nihil dat et [ta]liter ipsi fratres
[vestitujram et oleum habere possent.
Item idem dominus rex Bosnae sed non in
omnibus.
Ista omnia supradicta fuerunt per fratrem Franciscum de
Agropolo domino Nicolao piae recordationis papae declarata,
quae omnia concessit, ubi fratres aliter permanere non possent,
ubi et ego frater Helyas interfui, ea concessa fuisse.
Original, Papier in Capestrano (Italien), kopiert von Bela Pettko.
413
LXXVI.
Bobovac, 24. Juli 1457.
Empfehlungsschreiben des Konigs Stefan Tomas von Bosnien
fiir seinen Gesandten Nikolaus Testa an den Papst, den Konig
von Aragon, den Dogen von Venedig, die Hermge von Mailand
und von Burgund.
Nos Stephanus Thomas dei gratia rex Bosne etc. Univer-
sis et singulis presentes nostras litteras inspecturis notum faci-
mus et manifestum, quomodo egregium ac strenuum militem
Nicolaum Jacobi Testa, fidelem ac dilectum nostrum oratorem
pro nostris certis factis et negotiis arduissimis ad sanctissimum
in christo pat rem et dominum Calistum tertium divina provi-
dentia sacrosancte ac universalis Romane ecclesie summum
pontificem, dominum nostrum clementissimum, et ad serenissimum
ac illustrissimum principem dominum Alfonsium dei gratia in-
clitum regem Aragonum et c, ac ad serenissimum et excellentis-
simum principem dominum Franciscum Foscari, eadem dei gratia
ducem Venetiarum et c, necnon ad illustrissimum et excellen-
tissimum principem dominum Franciscum, similiter dei gratia
ducem Mediolani et c atque ad illustrissimum et gloriosissimum
principem dominum eadem dei gratia ducem Borgondie et c,
fratres et amicos nostros honorandissimos, ad ceterosque non-
nulla principes et communitates christi fideles mittimus. Qua-
propter vos omnes presentibus requirentes rogamus instan-
tissime, quatenus tum intuitu eius summi dei, a quo cuncta
bona procedunt, cuius rem nunc acturi sumus, tum ob eam
legem divinam, que proximos diligere iubet, eundem Nicolaum
fidelem oratorem nostrum recommissum habentes, omnem sibi
favorem possibilem, ubi, quum et quotiens opus fuerit, animo
benigno efficere velitis, nec aliquem ex vestris subiectis ei
aliquam molestiam inferre promittatis. Offerentes nos ad paria
et hiis maiora vestra beneplacita. Datum sub castro nostro
regali Bobovacz in oppido Sutischa, die XXIIII. Julii, anno
domini MCCCCLVIP.
Veröffentlicht: Lucius, Memorie istoriche di Tragurio. S. 451.
' 414
LXXVII.
Castelnuovo (Neapel), 3. August 1457.
König Alfons von Aragon und Neapel teilt dem Fiirsten
Stefan von Bosnien mit, dass dessen Gesandte Herbelan Dabusic
und Radic Grupkovic an seinem Hofe eingetroffen sind und bespricht
ausfiihrlich die von diesen vorgetragenen Angelegenheiten, namentlich
<Ue Sendung einer Unterstutzung.
Rex Aragonum utriusque Sicilie etc. Illustrissime dux
amice noster carissime. In quisti proxime passati di venero ad
nuy de parte vestra li Magnifici misser Herbelano Dabusich
e et Radiczo Grupcouich vestri oratori et fidelissimi li
quali in virtute de vna vestra litera de credencza ad nuy per
ipsi presentata ne exposero loro ambaxiata essere principalmente
per visitarene da vestra parte et farene noticia delle nouelle
e in le parte et payse vestro et circumvicini. Le quale
particularmente ne hanno narrato Simone remasi multo contenti
et ve remgraciamo multo de la dicta vestra visitatione et de lo
amore ne mostrate. Lo quale haueremo in so caso loco et tempo
bene a mente pregandone che acadendo la oportunita de ne
advisare de occurentia alcuna in nostra singulare complacentia
vogliate advisarene che multo ne sera caro. Ceterum ne doman-
daro de parte vestra alcuni fanti che ue mandassemo in sub-
ventione vestra ad le spese nostre ad che li hauimo resposto
nuy al presente non potere farelo per le grande spese ne con-
vene fare in la armata maritima che tenemo contra lo Ducha
de Genova et cosi non ne potemo subvenire de la galea ne
hanno domandata per vestra parte per che nuy quante galee
potemo hauere armamo et si de presente ne tenessemo in quesse
parte per questa nostra cessita le fariamo venire per mandarele
a lo capitaneo nostro. Quanto ad lo facto che ne hanno exposto
vogliamo mandare de lo sale nostro ad Terranova nuy presta-
mente intendemo deliberare sopra daczio et facta la deliberatione
quella ue notificaremo. De lo facto de le franzoso nuy ad pre-
gherie soe ue scripsimo pregandoue in fauore suo non perczio
fo nostra intentione in questo facesseuo altro che lo deuere et
415
che ad vuy venga bene. Ad quello ve he stato reportato et
presentato de nostra parte alcune cose portasseuo sopra la vostra
persona ve respondemo che per nuy may ne e stato mandato
cosa alcuna per portare sopra de vuy et cui per nostra parte
ue ha tale cosa exposta et data ha usato de fictione et non de
uerita et cosi per la presente ue lo declaramo et notificamo
tucte queste cose hauemo dicto ali dicti vestri oratori per li
quali ampliamente ve serranno referute Datum in castello novo
civitatis nostre Neapolis die tertio mensis Augusti quinta in-
dictione anno a nativitate domini Millesimo CCCCLVIP Rex
Alfonsus.
Ill
m0
Stephano Duci Boccine etc.
Magno vaivode amico nostro carissimo.
Dominus Rex mandavit mihi Arnaldo Fonolleda.
Barcelona, Archivo de la Corona de Aragon. Reg. 266 s. Fol. CLXI. av.
LXXVIII.
Jajce, 31, Mai.
Der Dominikaner Nikolaus Barouci von Durazzo teilt
dem papsflichen Legaten filr Deutschland, Kardinal Johannes
die Nachrichten mit, die er auf seiner Durchreise durch Ungarn
und in Bosnien von den Venvustungen der Türken und den
Kriegsriistungen der Venezianer, des Papstes und der Deutschen
erhalten hat.
Reverendissime in Christo pater et domine domine mi
prestantissime post humilem recommendationem. Die XXVII.
madii aplicavi apud regem Bosgne cui omnia que mihi dominatio
vestra commisit explicavi, respondit, quod ipse vult facere illud,
quod sanctissimus dominus noster precipiet et vestra reveren-
dissima paternitas, tamen vult habere aliquod adiutorium, quia
solus non valet pugnare cum Turcis ob causam istorum mani-
cheorum, quia isti magis vellent Turchos quam Christianos et
quasi maior pars regni est, ipsorum videlicet plures sunt mani-
chei ac de causa non est ausus cum ipsis pugnare cum Turcis
sine adiutorio Christianorum. De Turcho dixit, quod habet
416
exploratores suos ibi et quam cito venient notificabit vestre*
reverendissime paternitati. Ego autem existens in Ungaria per
viam in quadam villa que vocatur Osiech, ibi comes Johannes
ostendit mihi unam literam domini despot, qui scribebat sue
dominationi, aut vadant in adiutorium illorum castrorum videlicet
Belgrad et Spendero aut ipse vult aufugere nec vult solus
expectare iram istius diaboli Machomet. Preterea me existente
via in quadam villa que vocatur Sebci dixerunt mihi duo vasalli
Turchorum, quod ipsi intellexerant a Turcis Hessen beg, quod
Turcus hiis diebus expoliaverat totam terram despoti et homines
utriusque sexus asportavit Constantinopolim et quod intendit
immediate venire contra ista castra cum valido exercitu. Hic ad
regem Bosgne venerunt duo fratres ordinis nostri de Sibenicho
et dixerunt, quod Veneti preparant maximam classem contra
Turchum. Etiam hic sunt oratores Ragusiensium, qui mihi
dixerunt, quod maximus concursus est de Italicis euntos (!) contra
Turchum, etiam unus Bosgnensis, qui pridie venit de Roma
dicit miranda, qualiter Rome maximus exercitus vadit contra
Constantinopolim et dominus cardinalis patriarcha vadit perso-
naliter capitaneus generalis; dicitur etiam, quod in partibus Ale-
mannie fuerunt hiis diebus preteritis interfecti duo milia Turci
ab uno domino, qui vocatur Arauit; usque huc non audivi aliud.
Cras recedam deo duce. Vere reverendissime domine dominus
rex a more regum predecessorum fecit mihi bonam societatem,
deus retribuat sibi; Alia pronunc non occurrunt, me semper
dominationi vestre recommitto. Die ultima madii, ex Jaice apud
curiam regis Bosgne.
Vestre reverendissime paternitatis servus frater
Nicholaus Barbuci de Durachio ordinis predicatorum
indignus vestre dominationis capellanus.
A tergo: Reverendissimo in Christo patri et domino domino
Joanni tituli s. Angeli divina miseratione diacono cardinali
dignissimo necnon legato de a latere domini nostri pape per
totam Alamaniam detur.
Original im Capestrano'schen Archiv, mit Spuren eines auf Papier
gedruckten Siegelfragments. (Kopie durch die Güte des Herrn Bela Pettko.)
417
LXXIX.
24. November 1460.
Barbara, Tochter des Georg Liechtenstein von Nikolsburg,
verzichtet anlässlich ihrer Verehelichung mit Heinrich Streun von
Schwarzenau auf alle Ansprüche auf die väterliche und
liche Erbschaft.
Ich Barbara weylend hern Jörgens von Liechtenstain von
Nicolspurg seligen Tochter Und des Edeln herrn, hern Hain-
reichs Strewn von Swarzenaw eliche hausfrau. Vergich für mich
vnd all mein erben, vnd tun kund offennlich mit dem brief,
allen den er furkümbt, Daz ich willigklich vnd vnbetwungenlich
mit willen vnd gunst des egenanten meins gemahel vnd ander
meiner frewnt Rat, mich verezigen hab, vnd verezeihen Ich vnd
mein erben uns auch in krafft des briefs, gegen den. Edeln herrn,
hern Hannsen hern Hainreichen hern Kristoffen vnd hern Jörgen
meinen lieben brüdern von Liechtenstain, von Nicolspurg vnd
allen Irn erben das Sün sind alhuerr das von Sünnen zu Sünen
geraihen mag, alles meins Erbtails vnd guts Väterlichs vnd
Muterlichs darezu alles Erbgut vnd varund hab die Sy yecz
haben, künftigklicli gewynnen vnd hinder In lassen wo oder
wie daz alles genant oder wo daz gelegen ist nichtz aus-
genomen sunder alles Innbeslossen daz mit Recht an mich
geerben oder geuallen mocht, daz ich noch all mein erben
noch yemand von vnsern wegen darumb kamen Zuspruch
vordrung noch Recht nicht mer haben gewynnen süllen noch
wellen, vmb vil noch vmb wenig in kainerley weis vngeuerlich.
Geschech aber da got vor sey daz die vorgenanten mein lieb
brüder, mit dem Tod abgingen, vnd nicht leiberben daz Sün
wem hinder In liessen, ober ob sew leiberben hinder In Hessen
daz Sun wem, vnd daz die an Sün auch abgingen vnd stürben,
Also daz des namens von Liechtenstain von Nicolspurg alhuerr
daz von Sünn zu Sünen geraichen mag, mendlichs geslechts,
nicht mer enwern, vnd zu töchtern kerne Was Sy dann vnuer-
kümert hinder In lassent, des verezeihen wir vns, Ich, noch
mein erben nicht. Vnd süllen dann ich, vnd mein erben, alles
27
418
daz erben vnd Recht haben, als , ander Erbtöchter, nach dem
lanndsrechtn zu Österreich vnd Merhern. Mit Vrkund des briefs
versigelt mit meinem aigen anhangunden Insigl, vnd mit meins
vorgeschriben gemehels hern Hainreichen Strewn mit willen
vnd günst die verczeichnüss geschehen ist, anhangundem Insigl,
Darczu hab ich mit vleiss gepeten. Die Edeln herrn mein lieb
frewnt hern Ruedigern von Starhemberg, herrn Jörgen von Poten-
dorff Obristen Schenkchen in Österreich, vnd hern Veyten von
Eberstorff Erbkamrer in Österreich, daz Sew der sach geczewgen
sein mit Irn anhangunden Insigeln, denselben dreyn vnd Irn
erben an schaden. Geben nach Kristi gepurd Virczehenhundert
vnd darnach in dem Sechczigisten Jahre an Montag vor sand
Kathrein tag der heyligen Junkfrawn.
Fünf gut erhaltene Hängesiegel auf Pergamentstreifen mit folgen-
der Umschrift:
1. Barbara Streinin.
2. Hainrich Strewni.
S. Ruedger von Starchemberg.
4. Jorg von Potndorf.
5. Veit von Eberstorff.
Original, auf Pergament, im Liechtenstem'schen Familienarchiv
zu Wien.
LXXX.
Jajce, 6. Dezember 1463.
König Mathias I. nimmt den Vojvoden Ladislaus, Sohn des
Herzog Stefan von Sankt Sava und seinen Sohn Balsa wegen
ihrer Verdienste im Türkenkriege unter die Landstände auf,
bestätigt ihnen ihre Besitzungen und verleiht dem ersteren das
Mamatal (Uskoplje, Prozor, Hlevno, besiehungmeise Livno).
Mathias Dei gratia Rex Hungarie, Dalmatie, Croatie etc.
ad perpetuam rei memoriam. Solet regie Maiestatis immensa
liberalitas in cunctos subditos suos, sue munificentie dona, gene-
rali quadam liberalitate diffundere, illosque, ut regiam decet
Majestatem non solum dignis pro meritis honoribus decorare,
sed et eorum merita plerumque generosissima retributione pre-
419
Tenire, ut tanto eos reddat ad devota fidei et fidelitatis obsequia
paratiores, quanto se illi uberioribus gratiarum donis agnoverint
esse preventos; tamen ut equo recti judicii libramine cuncta
moderans dignis digna premia rependat, illos altioribus solita
est Maiestas regia extollere titulis dignitatum et uberioribus
prosequi favoribus gratiarum, quos digniores agnoscit et ingen-
tior recommendat excellentia meritorum. Hinc est, quod cum
in nostre mentis cogitatione pensamus revolvimusque grata fide-
lium obsequiorum merita et sinceram devotionem fidelis nostri
sincere dilecti, spectabilis et magnifici Ladislai vajvode filii fidelis
nostri illustris Stephani ducis Sancti Sabe, quibus ipse sincero cum
affectu jugiter insudans, seipsum nobis gratum reddidit et accep-
tum, dignum arbitramur, ut in ipsius honoris excellentiam nostre
Maiestatis dexteram gratiose porrigamus, sibique digna pro suis
meritis premia respondemus. Nam ut de ceteris fidei et fideli-
tatis obsequiis per ipsum Ladislaum wajwodam nobis et sacre
corone regni nostri constanter exhibitis et impensis ad presens
taceamus, cum in estate proxime preterita Turcorum Imperator
nostre christiane religionis immanissimus hostis, cum maxima
paganorum multitudine hoc regnum nostrum Bozne hostiliter
invadens, interfecto condam fideli nostro illustri Stephano rege,
regnum ipsius predictum et incolas ejus in miserabilem rede-
gisset servitutem, ipse Ladislaus vajvoda personis ac rebus et
bonis suis et suorum fortune casibus submissis se ipsum paten-
ter et manifeste ipsi imperatori Turcorum hostem pro viribus
constituit ac contra illius potentiam pugnans et si plurimam
suorum hominum stragem et dampna non modica susceperit,
ab illius tamen potestate castra quedam et terrarum dominia
excipiens; tandem non parcens laboribus et expensis, penes
nostram maiestatem, cum pro recuperatione dicti regni nostri
Bozne exercituaremus, properavit cum gentibus suis et tam
oonsilio, quam facto egit omnia, ea que fidelem decuit servi-
torem, promisitque ab inceptis fidei et fidelitatis obsequiis atque
ab obedientia et reverentia Maiestatis nostre et sacrosancte
corone regni nostri Hungarie nullo^ unquam tempore vita sibi
comite discedere, sed in omnem eventum constanter perseve-
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rare, promisit etiam, quod castrum Buxovecz simul cum Nerethva.
cum suis veris et antiquis metis ac villis, possessionibus et
universis suis pertinentiis ad manus nostras regias vel hominum
nostrorum, quos ad id deputaverimus, dabit et assignabit, quod
que dum et quando nos in hoc regnum nostrum Bozne perso-
naliter cum exercitu venerimus, vel aliquem ex baronibus nostris
capitaneum miserimus, extunc etiam ipse Ladislaus Vajvoda ad
bellum penes nostram Maiestatem aut predictum baronem capi-
taneum exigente necessitate cum gentibus suis personaliter
veniet et fideliter exercituabit. Si vero nos ad dictum regnum
Bozne exercitum nostrum sub conductu alicujus capitanei, qui
non esset baro, miserimus, extunc etiam ipse Ladislaus wajvoda<
exercitum suum mittere debebit. Cum autem ad alias partes
exercituare statuerimus, extunc idem Ladislaus vajvoda contra
quosqunque nostros et regni nostri emulos more aliorum baro-
num exercituare et constanter adherere ac adesse et juvare
promisit, dempto duntaxat illustri ducali dominio Venetorum,
cui se ipsum foedere societatis salva nostre Maiestatis obedientia.
ligatum dicit ac castra, castella, civitates, oppida et dominia,
que possidet, et in futurum possidebit, nunquam ab obeclientia,
nostra et sacre corone nostre alienare promisit et spopondit.
Nos igitur, qui cunctorum fidelium nostrorum actus et merita
discernimus, omniumque constanter credimus adimpleri, intuitu
premissorum volentes eundem Ladislaum wajvodam et comitem
Balsam filium suum plena omnimoda in nostris obsequiis secu-
ritate et libertate instar aliorum baronum regni nostri Hungarie
gaudere et perfrui, eosdem ac homines et nobiles eorum pre-
sentibus in perpetuum valituris literis nostris patentibus affi-
damus, assecuramus et certificamus, ipsisque plenam securitatem
in eo damus et concedimus, ut ipse Ladislaus wajvoda et comes
Balsa filius ejus semper et omni tempore cum exercitu et sine
exercitu quocunque in loco sive in regno Hungarie sive in regno
Bozne vel in alio quovis loco et regione habeant securam et
liberam potestatem veniendi ad curiam nostram regiam et ad
nos ac prelatos, barones et aule nostre milites ibique standi,
morandi et recedendi ad domum suam pro libitu suo absque
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impedimento et molestia aut alio gravamine tam nostri, quam
baronum, militum et alterius cujuscunque conditionis subdito-
rum vel servitorum nostrorum sine ullo dampno aut detrimento,
tam personarum quam bonorum ipsorum yel que apud ipsos
essent et quapropter nullius seu nullorum susurationem, inimi-
citiam aut accusationem quovis modo factam, debeamus nos
manum nostram imponere supra prefatum Ladislaum Vajvodam
vel comitem Balsam filium ejus aut supra homines vel bona
aliqua eorum nisi justitia mediante secundum morem et con-
suetudinem ac jura aliorum baronum regni nostri Hungarie,
suscipientes de gratia speciali eundem Ladislaum Vajvodam et
comitem Balsam filium ejus suosque heredes et posteritates
universos in omnibus castris, castellis, civitatibus, oppidis, comi-
tatibus, villis, possessionibus, proventibus, utilitatibus, redditibus,
juribus legitimis, quibuscunque et quocunque nominis vocabulo
vocitatis, quas hucusque rite habuerunt et tenuerunt, conservari
volentes, ipsos in eisdem de plenitudine regie potestatis in
perpetuum confirmamus universas literas et quelibet literalia
instrumenta eisdem justitia suffragantes, roborantes et perinde
ratificantes, ac si coram nobis specietenus producta et presen-
fibus literis nostris de verbo ad verbum inserta essent et
inscripta. Preterea castra Vezela Straza et castrum — in comi-
tatu de Usthopye et cum toto Usthopye castrum Prozor in Rama
et cum tota Rama ac Illevanczky cum Hleva, cum omnibus et
singulis castellis, oppidis, villis, proventibus et utilitatibus ac
cum veris et antiquis metis et pertinentiis quibuslibet, terris
scilicet arabilibus, cultis et incultis, agris, pratis, pascuis, cam-
pis foenetis, foenilibus, sylvis, rubetis, nemoribus, alpibus, mon-
tibus, vallibus, vineis, yinearumque promonthoriis, aquis, fiuviis,
piseinis, piscaturis aquarumque decursibus, molendinis, molendi-
norumque locis et generaliter quarumlibet utilitatum et perti-
nentiarum suarum de manibus Turcorum nuper per prefatum
Ladislaum Vajvodam recuperatarum integritatibus, quos olim
reges Bozne capere et habere consveverunt, quovis nominis
vocabulo vocitatis et ad prefata castra ac comitatum juridice
pertinentibus, nove nostre donationis titulo memorato Ladislao
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et filio ejus comiti Balsa ipsorumque heredibus et posteritatibus
dedimus, donavimus et concessimus, imo damus donamus et
concedimus, ita, quod hee omnia et singula prenotata scilicet
castra, comitatus, villas et alia premissa eo j ure et modo habeant
et possideant, quo olim reges Bozne possidere consveverunt,
harum nostrarum, quibus secretum sigillum nostrum quo irt
rex Hungari e utimur appensum est, vigore et testimonio l i t e-
rarum mediante. Quas in formam nostri privilegii redigi facie-
mus, dum nobis in specie fuerint reportate.
Dat um in civitate nostra Jajcza in festo Beati Nicolai
Episcopi et Confessoris in Anno Domini Millesimo quadri ngent e-
simo sexagesimo tertio.
Original auf Pergament im kön. nng. Staatsarchiv zu Budapest. —
Fragmentarisch bei Katona XIV. S. 657 aus der bischöflichen Bibliothek
zu Pecs (Fünfkirchen). — Universitätsbibliothek Budapest: Pray'sche
Manuskripte XIV. S. 26. Kaprinay IV. S. 217. — Des Vojvoden Lauislaus-
Vertreter Johann Vlatkovic, Vojvode von Hum „vayvoda Humzki" 14. Aug.
1466. (Kapitelarchiv zu Szombathely [Steinamanger] Fase. C, Nr. 14.) Siehe
Nr. LXXXVI. — 4. Okt. 1471. befreit Ladislaus von der Jurisdiktion des
Banus (Cod. patr. III. S. 425.) Siehe Nr. XC. — 17. Aug. 1476
Bestätigt die Privilegien Brezovica's (Szombathely, Fasc. 12, Nr. 6.
Vergl. „Szäzadok" Jahrg. 1870. S. 630.) Siehe Nr. XCV. — 18. Jänner
1481. Erhält Kemlek und Marot im Komitat Valko als Schenkung.
(Biszager Archiv Fasc. 14, Nr. 10.) Siehe Nr. XCVI.
LXXXI.
Im Lager vor Zvornik, 28. Oktober 1464.
König Mathias verleiht dem Oberstallmeister und Ober-
gespan des Komitats Verocze Berthold Eiderbach von Monyoro-
kerek für seine Verdienste bei der Belagerung der Festung Zvornik
im Türkenkriege den Genuss des Kameraleinkommens der Domäne
Körmend und anderer Besitzungen im Komitat Vas (Eisenburg).
Commissio propria domini regis.
Nos Mathias dei