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Vom Einfluss der elektronischen Medien in der modernen Gesellschaft auf die Identität

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Vom Einfluss der elektronischen Medien in der modernen Gesellschaft auf die Identität

Identitätsbildung im digitalen Zeitalter

von

Ramin Almanestani

Vom Einfluss der elektronischen Medien in der modernen Gesellschaft auf die Identität
Wir leben in einer Zeit die durch Medien, wie z. B. Fernsehen und Internet, geprägt ist. Soziale Netzwerke finden immer mehr Einzug in unser Leben. Heute kann jeder auf seiner Pinnwand posten, was er gerade macht, wo er sich befindet, wer ihn begleitet, kann dazu noch Videos, Links, Bilder und Dokumente hochladen, sein Profilfoto gestalten und private Informationen o.ä. eintragen, auf die dann ausgewählte Freunde oder alle Zugriff haben. Man kann sich so authentisch, wie möglich präsentieren oder zeigt das, von dem man meint, dass es dem Bild entspreche, welches man in der Gesellschaft darstellen möchte. Doch welche Informationen gibt man überhaupt bewusst preis? Unsere Identität, die jeder kennt – inwiefern nehmen wir Einfluss auf sie? So muss man sich in dieser Zeit, in welcher man sich durch digitale Medien immer detaillierter preisgeben kann, fragen: Inwiefern beeinflussen elektronische Medien in der modernen Gesellschaft die Identitätsbildung des Individuums? Um diese Fragestellung klären zu können, wird Sie in diese drei Fragen unterteilt: 1. Was ist Identität? 2. Wie bildet sich die eigene Identität? 3. Welchen Einfluss haben elektronische Medien auf die Identität des Individuums? Im Folgenden wird versucht, durch die aufeinander aufbauende Erläuterung dieser drei Fragen herauszufinden, inwiefern elektronische Medien in der modernen Gesellschaft die Identitätsbildung des Individuums beeinflussen.

Was ist Identität?
In unserem alltäglichen Sprachgebrauch verwenden wir den Begriff Identität häufig recht undifferenziert und ungenau. Der Begriff Identität stammt vom lateinischen Wort „Idem ens“ ab, welches „derselbe seiend“ bedeutet. Diesbezüglich wird ursprünglich unter Identität das verstanden, was mit einer Person verbunden wird und diese unverwechselbar macht. Identität ist demnach etwas, an dem man eine Person immer erkennt. Diese Form der Identität kennt jeder aus dem alltäglichen Leben: der Fingerabdruck, der die biologische Identität preisgibt oder das polizeiliche Erkennungsmerkmal, wie der Personalausweis oder der Reisepass. Das Bild der Identität unterscheidet sich aus sozialwissenschaftlicher Sicht von dem alltagsüblichen Identitätsbegriff. Identität wird hierbei auf die Psyche des Menschen bezogen. So wird aus sozialwissenschaftlicher S. 1

Sicht Identität „… als Vorstellung von dem verstanden, wer wir sind, und als die Erfahrung, dass wir von den Anderen in einer bestimmten Weise wahrgenommen werden …“1 definiert. Demnach entwickelt sich die Identität über das ganze Leben hinweg. Genauer betrachtet wird der Begriff Identität in den Sozialwissenschaften unterschiedlich verstanden und erlangt durch verschiedene Theorien an neuer Bedeutung.

Wie bildet sich die eigene Identität?
Erst durch das Verständnis der Identitätsbildung kann der Einfluss elektronischer Medien auf die Identität abgeschätzt werden. Einem muss klar sein, dass die Entwicklung der Identität mit der Entwicklung „des psychischen Apparates“, des Organismus und der Persönlichkeit zusammenhängt. So bezieht sich eine Identitätstheorie auch immer auf diese Faktoren und hat auch meist einen Bezug zur Gesellschaft, weshalb viele Identitätstheorien mit einer Sozialisationstheorie verbunden werden. Eriksons psychosoziale Identitätstheorie gliedert die Identitätsentwicklung in acht Phasen. Hierbei geht Erikson von Freuds psychosexueller Theorie aus und verbindet diese mit einer psychosozialen Entwicklungstheorie. Erikson geht hierbei im Gegensatz zu Freud, der von einer eher festgelegten Persönlichkeit nach dem Kindesalter ausgeht, von Identität als lebenslanger Entwicklung aus. Für Erikson stellt Identität, die „unmittelbare Wahrnehmung der eigenen Gleichheit und Kontinuität in der Zeit, und der damit verbundenen Wahrnehmung, daß auch andere diese Gleichheit und Kontinuität erkennen,“ dar. In der Entwicklung der Identität kommt es zu phasenspezifischen Krisen, die das Individuum bewältigen muss. So kommt es für jeden Menschen zu unvermeidlichen Krisen im Kindes- und Jugendalter „weil das sexuelle, körperliche und geistige Wachstum mit den Möglichkeiten und den Anforderungen der sozialen Umwelt nicht übereinstimmt“2 und im Erwachsenenalter, da „typische Herausforderungen der sozialen Umwelt eine Änderung der bis dahin erworbenen geistigen Orientierungen und Handlungskompetenzen verlangen“2. Aus diesen Krisen entwickeln sich bestimmte „Tugenden“ (Ich-Qualitäten), die das Ich stärken und in der nächsten Phase stützen. Wenn dieses nicht gelingt, bleibt das „Ich“ in diesem Bereich schwach (relative psychosoziale Störung). Gemäß Erikson geben acht Phasen im Lebenszyklus eines Menschen jeweils eine Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“, außer die fünfte Phase (Adoleszenz), in welcher das Individuum vom Kindesalter in das Erwachsenenalter übergeht.

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Abels, Heinz; König, Alexandra: Sozialisation, Hg. von Vs Verlag, Wiesbaden 2010, S.20 Abels, Heinz; König, Alexandra: Sozialisation, Hg. von Vs Verlag, Wiesbaden 2010, S.141

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So beginnt sich der Säugling in der ersten Phase mit den Objekten zu identifizieren, mit welchen er in Berührung kommt und sieht sich so als Teil des Gegenstandes. Im Kleinkindalter entwickelt sich die Identifizierung mit dem, was das Kind haben möchte. Wie in der Phase davor identifiziert sich das Individuum mit einem Gegenstand. In der darauffolgenden Phase sieht das Kind sich als das, was es sich, zu sein, vorstellen kann. Jeder kennt die Situation, wenn ein kleines Mädchen glaubt, eine Prinzessin zu sein, oder ein Junge denkt, ein Ritter zu sein. Hierbei entsteht zum ersten Mal ein Konflikt, da der Gedanke von dem Umfeld, den Bezugspersonen zugelassen werden muss. Mit dem Beginn der Schule fängt das Kind an, sich mit dem Gelernten zu identifizieren. Es wird zum ersten Mal ein Wettkampfcharakter deutlich. Mit der Adoleszenz geht der Jugendliche vom Kindesalter ins Erwachsenenalter über. Erikson beschreibt diese „natürliche Periode der Wurzellosigkeit“2 mit dieser Metapher: „Wie der Trapezkünstler muss der junge Mensch in der Mitte heftiger Bewegtheit seinen sicheren Griff an der Kindheit aufgeben und nach einem festen Halt am Erwachsenen suchen. Ein atemloses Intervall lang hängt er von einem Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Zukunft und von der Verlässlichkeit derer ab, die er loslassen muss, und derer, die ihn aufnehmen werden.“2 In diesem Sinne entwickelt sich in dieser Phase keine Antwort auf die Frage: „Wer bin ich?“, nein es entsteht die Gegenfrage: „Wer bin ich nicht?“ Das Individuum, das vorher noch klare Identitätsbezüge durch Identifikationen hat, findet sich nun in einem Konflikt zwischen Identität und Identitätsdiffusion wieder. In dieser Phase entscheidet sich, ob es zu einer festen Identität kommt, oder nicht. „Jugendlicher zu sein, heißt den Schutz der Identifikationen aufzugeben“2 so Eriksons Sichtweise des Umbruches. Daraus folgt, dass der Jugendliche einen gleichmäßigen Fortgang zwischen dem finden muss, „… was er während der langen Jahre der Kindheit geworden ist, und dem, was er in der vorgeahnten Zukunft zu werden verspricht; zwischen dem wofür er sich selbst hält, und dem, wovon er bemerkt, dass andere es in ihm sehen und von ihm erwarten.“2 Diesbezüglich kann man erkennen, dass sich nun nach Erikson die Identität bildet, wie sie zu Beginn definiert wurde. In der Adoleszenz wird dem Individuum zum ersten Mal seine eigene Identität bewusst. Durch völlige Hingabe zu Themen, Auffassungen, Trends u.ä. wird dann versucht die „… gerade entworfene Identität zusammenzuhalten“3. So kann die neu entworfene Identität durch „Treue“ Objekte und Subjekte an sich binden, die selbst Teil dieser Identität werden. „Treue“ ist dann auch der Faktor, der die adoleszente Phase beendet und das Individuum in die Phase des frühen Erwachsenenalters übergehen lässt, in der sich das Individuum mit dem identifiziert, was es seinen Bezugspersonen (Freunde, Familie usw.) gibt und von ihnen erhält. Daraus folgt die Phase, in der sich das Individuum mit dem identifiziert, das es mit anderen erreicht bzw. aufbaut. Hierauf folgt die letzte Phase, in welcher das Individuum auf seine Biografie zurückblickt und diese akzeptiert.

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Für Erikson ist entscheidend, dass die Identität sich über das ganze Leben hin entwickelt und sich immer wieder, durch sinnvolle Verbindung zwischen der eigenen Biografie, des aktuellen Tuns und der Zukunft, neu konstruiert. Lothar Krappmann, der stark beeinflusst von Erikson wurde, aber auch gleichsam einer seiner schärfsten Kritiker war, lenkte in seiner Identitätstheorie verstärkt den Blick auf die Phase der Jugend. In dieser „… verlässt der Jugendliche die Bilder von sich selbst, die ihm primäre Bezugspersonen kontinuierlich gespiegelt haben.“4 Nach Krappmann ist das Kind nur Kind, doch muss der Jugendliche hinaus in die Gesellschaft und muss von nun an viele Rollen gleichzeitig spielen. Für Krappmann kann, ähnlich Meads Ansichten, die Identität erst entstehen, wenn sich das Individuum in die Lage des Gegenübers versetzen kann. Denn Identität kann das Individuum nur erfahren, wenn es sich selbst aus der Perspektive anderer betrachtet. Das „… Individuum entwirft seine Identität, indem es auf Erwartungen der Anderen, der Menschen in engeren und weiteren Bezugskreisen antwortet.“5 Doch ist diese Identität keineswegs eine fest etablierte, sondern „… ein Bestandteil des Interaktionsprozesses selber …“5, weshalb „… sie in jedem Interaktionsprozess angesichts anderer Erwartungen und einer ständig sich verändernden Lebensgeschichte des Individuums neu formuliert werden“5 muss. So entwickelt sich die Identität mit jeder Situation neu und passt sich ständig den Gegebenheiten an. Hierfür benötigt das Individuum sogenannte „identitätsfördernde Fähigkeiten“, welche die Identität in Interaktionen stützen. Krappmann nennt hierfür vier Fähigkeiten: Die „Rollendistanz“ ermöglicht es die Erwartungen des sozialen Umfeldes bis zu einem gewissen Maße in Frage zu stellen; die „Empathie“ ermöglicht, sich in die Situation seines Gegenübers hineinzuversetzen und ihn so von seinem Standpunkt aus zu verstehen. Außerdem wird die „Ambiguitätstoleranz“ benötigt, um widersprüchliche Erwartungen auszuhalten und zu akzeptieren, dass nicht alle Bedürfnisse in einer Situation befriedigt werden können, sowie die „Identitätsdarstellung“, welche dazu dient, dass das Individuum zeigen kann, wer es ist. So sieht Krappmann die Identität in ihrer Gesamtheit als Balance zwischen der „persönlichen Identität“, welche die „biografische Einzigartigkeit“ des Individuums darstellt und der „sozialen Identität“, welche auf tatsächliche oder unterstellte Erwartungen reagiert. Beide zusammen bilden die Ich-Identität6. Krappmann erwähnt diesbezüglich in dem Schlusswort seines Buches „Soziologische Dimensionen der Identität“7: „Vor den widersprüchlichen Anforderungen einer in sich zerstrittenen Gesellschaft kann es[das Individuum] sich nicht schützen.“ 6

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Abels, Heinz; König, Alexandra: Sozialisation, Hg. von Vs Verlag, Wiesbaden 2010, S.150 Abels, Heinz; König, Alexandra: Sozialisation, Hg. von Vs Verlag, Wiesbaden 2010, S.138 6 Vgl. Abels, Heinz; König, Alexandra: Sozialisation, Hg. von Vs Verlag, Wiesbaden 2010, S.152 7 Krappmann, Lothar: Soziologische Dimensionen der Identität, Hg. von Klett-Cotta

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Welchen Einfluss hat die moderne Gesellschaft auf die Identität?
Wie wir festgestellt haben, spielen Objekte und Bezugspersonen eine große Rolle in der Identitätsfindung. Ohne eine Gesellschaft, wäre eine Identität nicht möglich. Die genannten Theorien stammten aus der Zeit zwischen 1970 und 1990. Seither sind 21 Jahre vergangen und das Bild der Bundesrepublik Deutschland, ja das Bild unserer gesamten Welt hat sich verändert. Multikulturelle Bilder prägen heute stärker das Bild deutscher Städte, als je zuvor. Hinzu kommen die neuen technischen Errungenschaften, die heutzutage jeden Menschen auf der ganzen Welt miteinander via Internet verbinden können. Internet ist heute zu einem unverzichtbaren Teil unseres Lebens geworden. Doch was für einen Einfluss üben diese Faktoren aus? Im Folgenden werden einige Phänomene der heutigen Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland in Bezug zu den genannten Identitätstheorien behandelt. Sowohl Erikson, als auch Kappmann gehen in ihren Theorien von zwischenmenschlichen Gesprächen aus. Was passiert aber, wenn das tägliche Gespräch durch den täglichen Chat abgelöst wird? Der Chat ist in vielen Punkten für die heutige Generation von Jugendlichen viel freier, als ein Gespräch. Sie haben die Möglichkeit jederzeit das Gespräch zu beenden und im Nachhinein zu sagen, dass die Verbindung unterbrochen wurde. Auch können sie sich als Unterstützung Freunde an den Computer holen, von denen der Chatpartner nichts weiß. In einigen Fällen kennen sich die Chatpartner nicht einmal, somit ist kein gesellschaftlicher Zwang vorhanden. Ein Chat mit einer Person, die man nicht kennt, kommt einem Selbstgespräch gleich. Man kann dieser Person die absurdesten Fantasien schildern und weiß guten Gewissens, dass der anonyme Chatpartner nie herausfindet, mit wem er schreibt. So wird durch die derzeitige anonyme Internetkommunikation die kontrollierende Komponente der Gesellschaft außen vorgelassen, die nicht nur bei Erikson, Mead und Krappmann eine große Rolle spielt, sondern auch bei Freud, Marx und anderen Autoren. Wenn es keinen Kontrolleur gibt, bilden solche Chats oder gar ganze Internet Communitys eigene soziale Normen. Die Auffassung Krappmanns, dass aufgrund widerstrebender Interessen der Gesellschaft „… das Individuum nicht jede ihm erwünschte Neuinterpretation vorgegebener Normen bei seinen Interaktionspartnern durchsetzen kann …“8 wird durch diese Form der Fremden und doch intimen Kommunikation außer Kraft gesetzt. Auch Freuds Modell des „Über-Ichs“, welches die Instanz in der Psyche darstellt, die die Gesellschaft, Moral und Werte verkörpert, wird durch diese Art der Kommunikation weitestgehend umgangen. Dieses bedeutet jedoch nicht, dass durch die bloße Nutzung des Internets der gesamte Gesellschaftsbezug außer Kraft gesetzt wird.

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Gerade in sozialen Netzwerken, wie Facebook, SchülerVZ, StudiVZ, Lokalisten usw. findet verstärkt Ausgrenzung und Mobbing statt. Ähnlich, wie im Chat scheint die Anonymität eine große Rolle zu spielen, doch wird sie hier genutzt, um gezielt andere Individuen zu verletzen. So entsteht hier ein Phänomen, das durch keine der genannten Theorien explizit erklärt wurde. Durch Nachrichten, Bilderuploads, Postings, Audiouploads, Umfragen und Videouploads können Individuen gezielt attackiert werden. Dabei findet keine Kommunikation zwischen den Personen statt, jedoch ist auch in diesen Momenten die Identität des Opfers präsent. Da der Täter beim Cyberspace-Mobbing zumeist anonym handelt, kann der Empfänger weder eine Konfrontation mit der agierenden Person eingehen noch die Attacke unterbinden. Durch den Hinterhalt sinkt das Risikopotenzial des Täters in der Situation und das handelnde Individuum muss nicht die Risiken abwägen. Dass im Nachhinein die Tat aufgedeckt werden kann, scheint dem Individuum in diesem Moment nicht bewusst zu sein, da es von schützenden Schleier der Anonymität ausgeht. Durch diese Art von Attacke, entzieht es sich seiner „sozialen Identität“. Betrachten wir nun die Situation aus der Perspektive des Opfers. Mobbingopfer o.ä. gab es schon immer in der Geschichte der Gesellschaften. Gerade unter Schulkindern gab es dieses Phänomen immer, doch konnte sich das Opfer meist in sein schützendes Zuhause retten. Diese Privatsphäre und das schützende Heim sind in unserer Zeit durch das Internet weitestgehend zerstört. Heute benutzen 99% der Schüler Internet und auch wenn sie es nicht nutzen, können verachtende Bilder und Videos von ihnen hochgeladen werden. Der Täter bleibt meist unbemerkt. Auch E-Mail-Bomben o.ä. können das Opfer im Internet attackieren, ohne dass es etwas dagegen tun kann. Dieses Opfer wird nun durch irgendeines dieser Mittel diskriminiert und erleidet einen Missbrauch und vielleicht kennt es sogar die Identität des Täters. Wie durch die Identitätstheorien bekannt, ist das Individuum bei seiner Identitätsbildung auf Selbstachtung aus. Das Mobbing-Opfer kann sich nicht seiner Gesellschaft anvertrauen, da durch die Attacke seine bereits gesunkene Selbstachtung ins Bodenlose fallen würde und unterliegt (im Gegensatz zum Täter) seiner „sozialen Identität“. Das Opfer schämt sich für das, was ihm angetan wurde. Es hat keine Chance den Attacken auszuweichen, da diese zumeist öffentlich und für alle gut sichtbar sind. Die einzige Möglichkeit die Qual zu vermindern, wäre den Angriff zu melden, welcher die Ich-Identität des Opfers erheblich belastet sowie die Person bloßstellt. Es existiert demnach keine Möglichkeit sich zu schützen, nicht einmal im eigenen Heim, demnach wäre eine psychosoziale Störung durch Cyber-Mobbing, gemäß Erikson, unvermeidlich und würde zu einer Schwäche der Ich-Qualitäten und damit zur Schwäche der Ich-Identität führen. Doch haben soziale Netzwerke noch eine andere Auswirkung auf die Identität. So entsteht mit der OnlineIdentität eine neue soziale Identität, welche auf der ganzen Welt verfolgt werden kann. Egal wo sich jemand aufhält, hat er die Möglichkeit, auf sein Facebookprofil zuzugreifen.9

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Vgl. http://www.sueddeutsche.de/digital/generation-internet-die-identitaet-wird-klebrig [Stand:21.April 2011]

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Betrachtet man das „Postverhalten“ der Mitglieder von sozialen Netzwerken, so stellt man fest, dass sehr viele persönliche Daten preisgegeben werden. Es ist zu beobachten, dass solche sozialen Netzwerke eigene soziale Normen bilden, die global Akzeptanz finden. Diese sozialen Normen wirken durch neue Erwartungen auf die „soziale Identität“ ihrer Mitglieder. Doch nicht nur das Internet hat Auswirkungen auf die Identität des Individuums unserer Zeit, sondern auch das Fernsehen, welches schon seit mehreren Generationen existiert, jedoch in der heutigen Zeit gewaltige Ausmaße angenommen hat. So findet man in vielen Kinderzimmern und fast jedem Haushalt heutzutage einen Fernseher. Fernsehen ersetzt heute bei vielen Menschen den Kontakt mit Individuen ihrer Gesellschaft. Wie wir gesehen haben, benötigt das Individuum zur Bildung seiner Identität Erfahrungen, aus denen die „persönliche Identität“ Schlüsse ziehen kann. Dieses „reflexive Ich“, wie Mead es nennt10, speist sich mit Erfahrungen der Vergangenheit, um auf Situationen in der Gegenwart reagieren zu können. Doch wenn diese zwischenmenschliche Interaktionen und Beziehungen durch Fernsehkonsum ersetzt werden, beginnt das „reflexive Ich“ aus diesen Quellen zu schöpfen. Der Mensch handelt unreflektiert und scheinbar unwissend. Seine IchQualitäten sind in diesem Bereich nicht ausgereift und dieses kann so weit führen, dass durch die Problematik des „reflexiven Ichs“ „identitätsfördernde Fähigkeiten“ nicht erlernt werden.

Fazit
Letztendlich wird in Hinblick auf die Fragestellung: „Inwiefern beeinflussen elektronische Medien in der modernen Gesellschaft die Identitätsbildung des Individuums?“ deutlich, dass die Identität maßgeblich durch die elektronischen Medien beeinflusst wird. Gerade in der adoleszenten Phase üben Fernsehen und soziale Netzwerke großen Einfluss auf die Identität aus, was einerseits, zu einem völlig neuen Verständnis von Privatsphäre führt, andererseits zu einem durch die Internetkommunikation veränderten Interaktionsverhalten. Die „soziale Identität“ des Jugendlichen in dieser Zeit wird also durch die sozialen Normen von sozialen Netzwerken geprägt, wodurch ein völlig neues Bild von Privatsphäre entsteht. Sie verliert außerdem ihren ortsspezifischen Charakter und wird global. Ergänzend ist zu bemerken, dass der Ersatz von zwischenmenschlicher Interaktion durch Medienkonsum den Erwerb „identitätsfördernder Fähigkeiten“ beeinträchtigt und sich speziell die „Erwartungen“ an die „soziale Identität“ durch den Einfluss elektronischer Medien verändern.

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Vgl. Abels, Heinz; König, Alexandra: Sozialisation, Hg. von Vs Verlag, Wiesbaden 2010, S.90

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Literaturverzeichnis
• • • • Abels, Heinz; König, Alexandra: Sozialisation, Hg. von Vs Verlag, Wiesbaden 2010 Rorarius, Winfried: Persönlichkeit und Wille, Hg. von Kindler, München 1974 Montada, Leo: Entwicklungspsychologie, Hg. von Psychologie Verlags Union, München 1987 Erikson, Erik H.: Identität und Lebenszyklus, Hg. von Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, Frankfurt am Mein 1966

• •

http://www.backview.eu/gesellschaft/gesellschaft-menschen/1205-soziale-netzwerke-und-dieeigene-identitaet.html [Stand: 21. April 2011] http://www.sueddeutsche.de/digital/generation-internet-die-identitaet-wird-klebrig-1.391733 [Stand: 21. April 2011]

S. 8

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