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27.

August 1942 Umschau — Patentbericht
Stahl und Eisen 737
Unterschied gegenüber dem Stahl mit 18 % Cr und 8 % Xi
sind wesentlich höhere Werte bei gleicher Querschnittsabnahme
zu verzeichnen, wobei die Querproben besser als die L ängs­
proben abschneiden. Durch das Anlassen steigen die Werte
auch schon nach lOprozentiger Querschnittsabnahme nicht un­
wesentlich an, und zwar in der L ängsrichtung stärker als in der
Querrichtung.
Für die beiden untersuchten C hrom-X i ckel -M angan-
Stähl e, bei denen die Anlaßbehandlung bei 275° während
24 h vorgenommen wurde, tei l t Bandei nur wenige Zahlen mit
(Zahlentafd 2), die aber erkennen lassen, daß auch bei diesen
Stählen durch das Anlassen die 0,2-Dehngrenze ansteigt, und zwar
um so stärker, je höher die Verformung gewesen ist. Die Zug­
festigkeit nimmt aber im Gegensatz zu den Chrom-Xickel-
Stählen durch das Anlassen ab. Bemerkenswert ist die hohe
Lage der Bruchdehnung, die durch das Anlassen teils zunimmt,
teils abnimmt.
Bei den m?hr oder weniger austenitischen Chrom-Xickel-
und C h r o m -Xiekel-Mangan-Stählen der untersuchten Zusammen­
setzung tri tt nach K altverformung und Anlassen bei 200 oder
275»also die gleiche Erscheinung ein, die sonst nur bei weichen
unlegierten Stählen als Reckalterung bekannt ist.
Hans Hougardy.
Hundert Jahre Hinterladegeschütze.
Xach den Ausführungen von Th. J akobsson1) war die
Entwicklung des Geschützwesens vor hundert J ahren an einem
kritischen Punkte angelangt. Denn das Geschütz war an Treff­
sicherheit, Schußweite und Feuergeschwindigkeit dem von
Drevse verbesserten Handgewehr nicht mehr gewachsen, zumal
die Heere seit der Französischen Revolution nicht mehr in ge 
schlossenen Schlachthaufen kämpften. Man mußte auch beim
Geschütz zum Hinterladesystem übergehen. Schon im Mittel­
alter hatte man Hinterladegeschütze verwendet, und diese Bauart
war niemals in Vergessenheit geraten, doch erst vor hundert
J ahren wurde dieses Geschütz in der schwedischen Geschütz­
gießerei in Aker, deren Besitzer damals M arti n von Wahren-
dorff war, so verbessert, daß es den glatten Vorderlader ver­
drängte.
Der Großvater des Martin von Wahrendorff war 1760 aus
seiner mecklenburgischen Heimat über Lübeck als mittelloser
junger Mann nach Schweden ausgewandert und hatte sich dort
mit solchem Erfolge als K aufmann betätigt, daß er 1772 die alte
als Geschützgießerei bekannte Eisenhütte in Aker ankaufen
konnte. Seine Söhne wurden 1805 in Schweden geadelt und in
den österreichischen Freihermstand erhoben. Sein Enkel Martin
von Wahrendorff (1789—1861) wurde Diplomat, er war u. a.
schwedischer Geschäftsträger in London, Oberzeremonienmeister
und HofmarschalL Zur Beschäftigung mit der damals viel er­
örterten Frage des Hinterladegeschützes wurde er 1837 durch
einen Aufenthalt i n. Petersburg angeregt, wo ein englischer
Offizier solche Versuche machte. Wahrendorff wendete zuerst
*) J akobsson, Th.: K ring en dansk rapport fran 4r 1846
rörande de första försöksskjutningarna med räfflade „wahren-
dorffska“ bakladdningskanoner. Vaabenhistoriske Aarboger 3
(1942) S. 260/92.
mangelhafte Geschützverschlüsse an, die nicht besser waren
als die früher benutzten. Auch seine Bestrebungen wären ge­
scheitert, wenn nicht sein Werkmeister A nders M oberg, ein
guter Techniker, die Aufgabe durch Anwendung eines federnden
Ringes gelöst hätte, der durch den Gasdruck fest gegen die
Wandung der Geschützkammer gepreßt wird. Wie man erzählt,
war Mobergs Verschluß so dicht, daß Wahrendorff bei einem
fürstlichen Besuche im J ahre 1840 sein feines weißes Taschentuch
in den Verschluß legen und es nach dem Schuß ohne Pulver­
spuren herausnehmen konnte.
Wahrendorff ließ sich das von Mobergs Nachfolger Malm-
gren verbesserte Geschütz in vielen Staaten patentieren. Auch
schuf er für die schweren Geschütze seiner Bauart eine guß­
eiserne L afette.
Während sich die schwedischen Artilleristen dem neuen
Geschütz gegenüber ziemlich ablehnend verhielten, da es ihnen
zu verwickelt erschien, fand dieses im Ausland starke Beachtung,
es wurde in Preußen, Oesterreich und Rußland eingeführt. Der
damalige piemontesische Artilleriekapitän, spätere italienische
Generalleutnant Gi ovanni C aval l i schlug dann dem Baron
Wahrendorff vor, bei seinen Geschützen gezogene Seelen anzu­
wenden. Auch dieser Vorschlag war an sich nicht neu, er lag um­
so näher, als Dreyse damals das gezogene Hinterladegewehr
geschaffen hatte. Wahrendorff griff die Anregung mit Eifer
auf. I nnerhalb von Monatsfrist erstand in Aker eine einfache
Ziehmaschine, mit der ein Vierundzwanzigpfünder (Kaliber
15 cm) von 20 K alibern Länge mit zwei Zügen versehen wurde.
Das Probeschießen fand am 27. und 28. April 1846 statt. Dabei
wurden gußeiserne Spitzgeschosse mit angegossenen Flügeln
benutzt, die sich in die Züge legten. Die Versuche ergaben die
Ueberlegenheit dös gezogenen Hinterladers und der Spitzge­
schosse besonders in folgenden Punkten:
1. Die Schußweite war wesentlich größer als bei Rund­
kugeln. Während die 11,9 kg schwere Rundkugel bei 3,4 kg
Pulverladung und 1° Rohrerhöhung im Mittel 1841 m weit flog,
betrug die Reichweite des Spitzgeschosses von 17% kg Gewicht
bei gleicher L adung und Erhöhung im Mittel 2588 m.
2. Die Streuung war wesentlich geringer, folglich die Treff­
sicherheit größer.
3. Man konnte aus demselben Geschütz schwerere Geschosse
schießen.
4. Möglichkeit der Verwendung von Geschossen mit Auf­
schlagzünder, da die Langgeschosse mit der Spitze aufschlugen.
Die angegossenen Flügel wurden später von Malmgren durch
einen Bleiumguß ersetzt.
Wahrendorffs Verdienst, durch seinen Weitblick und seinen
Untemehmungsmut das gezogene Hinterladegeschütz in das
Geschützwesen eingeführt und damit die neuzeitliche Artillerie
geschaffen zu haben, wird nicht dadurch geschmälert, daß dieser
Gedanke damals sozusagen in der L uft lag. Denn nur der E r­
finder, der etwas Zeitgemäßes schafft, kann Erfolge erzielen.
Kein günstiges L icht wirft auf Wahrendorff sein Zerwürfnis mit
seinem Werkmeister Moberg, dem er es zu verdanken hatte, daß
seine Versuche nicht ebenso erfolglos endeten wie diejenigen
seiner vielen Vorläufer. Es hätte Wahrendorff wohl nicht schwer -
fallen können, diesen verdienten Mitarbeiter zufriedenznstellen.
Otto Johannsen.
Patentbericht.
Deutsche Patantanmeldungen1).
(Patentblatt Xr. 34 vom 20. August 1942.)
Kl. 20 d, Gr. 15/01, R 111 352, Radsatz mit umlaufender
Welle und Außenlagern, vorzugsweise für Sehienenfahrzeuge.
Ruhrhandel, G. m. b. H., Hagen-Haspe.
Kl. 21 h, Gr. 25, A 75 721. Elektrische Sieherheitseinrich-
tung für Lichtbogenöfen. Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft,
Berlin
Kl. 24 c, Gr. 7 01, D 81115. Ventilabschluß für gas­
gefeuerte großtechnische Oefen. E rf.: Dr.-I ng. Hermann J osef
Schiffler, Düsseldorf. Anm.: Deutsche Röhrenwerke, A.-G.,
Düsseldorf.
Kl. 31 a, Gr. 2 40, R 102 226. Vorrichtung zum Xach-
reinigen der Schmelzrinnen von I nduktionsöfen. E rf.: Dipl.-I ng.
Friedrich Ehsmann, K öln-Marienburg. Anm.: Ruß-Elektroofen
K.-G., Köln.
*) Die Anmeldungen liegen von dem angegebenen Tage an
während dreier Monate für jedermann zur Einsicht und Ein­
sprucherhebung im Patentamt zu Berlin aus.
K l. 31 c, Gr. 25/04, L 100 884. Verfahren zum Auskleiden
stählerner Lagerschalen. Erf.: Dipl.-I ng. Herbert Gumprecht,
Berlin-Wilmersdorf. Anm.: Allgemeine Elektricitäfs-Gesell­
schaft, Berlin.
K l. 48 a, Gr. 6/02, H 165 880. Saure galvanische Zinkbäder
zur Abscheidung eines hochwertigen glänzenden Zinküberzuges.
Erf.: Dr. Theodor Dingmann, Dortmund. Anm.: Hoesch A.-G.,
Dortmund.
Deutsche Gebrauchsmuster-Eintragungen.
(Patentblatt Xr. 34 vom 20. August 1942.)
K l. 40 a, Xr. 1 521 410. Hydraulischer K ippzylinder zum
K ippen von Schmelzöfen. Carl Dickmann, Essen.
Kl. 42 k, Xr. 1521354. Vorrichtung für Tiefungs- und
Schlagproben zum Prüfen von Blechen und Lack- od. dgl. Ueber-
zügen auf solchen. Abraham M. Erichsen, Teltow b. Berlin.
K l. 49 c, Xr. 1 521 331. Antrieb für rotierende Scheren,
deren Messer jeweils zur Durchführung eines Schnittes aus der
Ruhelage heraus angelassen werden. Schloemann, A.-G.,
Düsseldorf.