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Ja zur Diskussion über die Beziehungen

zwischen Kirche und Staat, aber bitte ohne


Demagogie!
Bei einer kürzlich vom Luxemburger Fernsehen ausgestrahlten Diskussion griff der
Sprecher des Luxemburger Erzbischofs, der ehrenwerte Diakon Théo Péporté, auf
der Suche nach Argumenten über die Stellung der katholischen Kirche in der
Luxemburger Gesellschaft , in eine mit Demagogie prall gefüllte Mottenkiste!

Warum diese demagogische Vorgehensweise? Hat doch die katholische Kirche


Luxemburgs seid Kaiser Napoleon I. so viele Trümpfe in der Hand, die, wenn sie in
aller Ehrlichkeit vorgetragen werden, beste Argumente für deren bevorzugte
Behandlung sind!

Doch der Sprecher der Luxemburger Kirchenkurie wollte es anders!

Obwohl viele Einwohner Luxemburgs Herrn Péporté folgen können, wenn er


großspurig behauptet, die Kirche sei nicht private sondern vielmehr offizielle
Angelegenheit?

Auch ist volle Aufmerksamkeit wünschenswert, wenn der Sprecher des


erzbischöflichen Bistums die staatlichen Finanzmittel für Kultur und Sport mit denen
der Kirche vergleicht!

Im Fernsehgespräch wurde nämlich Herr Péporté an die Tatsache erinnert, dass nur
noch 5 Prozent der Katholiken Luxemburgs die Sonntagsmesse besuchen. Dagegen
spricht der Bistumssprecher – man höre und staune - von circa 15 Prozent!

Nicht genug damit: Herr Péporté lässt sich sogar zur Behauptung hinreißen, dass am
Sonntag weit mehr Gläubige in der katholischen Kirche als Zuschauer auf den
Fußballfeldern zu finden sind! Hier werden nach allen Regeln der demagogischen
Redekunst Äpfel mit Birnen verglichen.

Ja, Herr Péporté, sie hätten besser daran getan, sich die Frage zu stellen, warum in
Luxemburg nur noch so wenige Katholiken die Sonntagsmesse besuchen. Müssten
diese wie in Deutschland Kirchensteuer zahlen, so hätten wir vielleicht noch um die
75.000 Bürger Luxemburgs als aktive Mitglieder in der katholischen Kirche

Lob gebührt übrigens den Pfarrern, die sich um einen gediegenen Gottesdienst nach
allen Regeln der Kunst bemühen. Doch es werden immer weniger. Seit 50 Jahren
werden Priester, die sexuelle Kontakte mit erwachsenen Männern haben, von heute
auf morgen in den Laienstand versetzt. Dagegen werden Priester, die im Geheimen
ein eheähnliches Leben mit Frauen führen, stets geduldet.

Unmögliche Vergleiche zwischen Kirche und Kultur


Nach Herrn Péporté wird auch die „Philharmonie“ vom Staate finanziert, obwohl nur
5 Prozent der Bevölkerung davon profitieren!

Herr Diakon, so wie sie dies sagen, stimmt es hinten und vorne nicht!

Der Philharmonische Konzertsaal auf Kirchberg ist ein Ort der Begegnung von
unheimlich vielen Musikbegeisterten aus Luxemburg und der Grossregion. Dafür
verantwortlich ist nicht der Staat, sondern lediglich eine öffentliche Institution. Dotiert
mit einer Subvention, die nur teilweise die Ausgaben deckt. In anderen Worten:
Verwaltungsrat und Direktion müssen die größten Anstrengungen unternehmen, um
insbesondere über Kartenverkauf und Sponsoring finanziell über die Runden zu
kommen.

Ähnlich sieht es beim Philharmonischen Orchester aus, der ebenfalls als öffentliche
Institution ohne Honorare aus Engagements und durch Sponsoring nicht leben
könnte.

Übrigens haben Sie, geehrter Herr Bistumssprecher, vergessen, die Militärmusik


aufzuzählen. Diese wird in der Tat fast ganz vom Staat finanziert, da sie zur jeden
Stunde, ob am Tage oder in der Nacht, dem Militärkommando, dem zuständigen
Minister und der Regierung zur Verfügung steht!

Sport und Kultur in Luxemburg frei von jeglicher Ideologie

Doch Kultur in Luxemburg sind nicht nur Institutionen öffentlichen Rechtes, wie
Konzertsaal und Philharmonisches Orchester, oder die Militärkapelle als
Staatsorchester, sondern vor Allem auch die annähernd fünfhundert in Luxemburg
tätigen Lokalvereine, wie Musik- und Gesangvereine, (einschließlich die
Kirchenchöre) philharmonische Amateurorchester, Tanz und Theatertruppen!

Gehen sie einmal, lieber Péporté, an einem Samstagabend von Ort zu Ort, und sie
werden feststellen, dass Luxemburg ein einzig artiger großer Konzertsaal ist. Mit
dem Resultat, dass in den Vereinen fast die ganze Ortsgemeinschaft - sei es als
Aktive sei es als Vorstandsmitglieder, Gönner und Zuhörer – vertreten ist!

Und sollten Sie, Herr Péporté, vielleicht glauben, der Sport würde vom Staat
finanziell begünstigt, so werden sie Vorstandsmitglied eines Sportvereins. Sie sind
sicherlich mit mir einverstanden, wenn ich sage, Hut ab vor den so vielen
ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürgern aus unseren Sport- und
Kulturvereinen, einschließlich der Feuerwehr und des Zivilschutzes!

Wie glücklich ein Land mit Vereinen, die nicht wie die verschiedenen Kirchen die
Bürger in verschiedene Lager spalten, sondern Multikulti wie nun einmal Luxemburg
ist, Brücken der Verständigung zwischen den Menschen aller Weltanschauungen und
Herkunft schlagen!

Ähnlich wird eine vom Staat völlig unabhängig agierende katholische Kirche, mit dem
Recht auf staatliche und kommunale Subventionen, durch eine weit aktivere
Anteilnahme der noch Gläubigen am aktiven Geschehen in der Kirche, regelrecht
aufblühen!

Ich persönlich führe keinen Kampf gegen die Kirchen. Vielmehr bemühe ich mich
stets um das Wohl der Kirchen als wichtige private Institutionen in der heute nach
Werten suchenden Gesellschaft!

Henri Schumacher