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i r n a c h

Fo l g e m t s c h r i ft f ü r j unge C h r i s ten

Zei

o m isch
entlichk
Eig
Du ra nd
Mari e

1/2004
Folge mir nach
1
Inhalt/Impressum

Inhalt
Aus aktuellem Anlass:
Du aber! ...................................................................................................... 4
Bibel praktisch:
Eigentlich komisch .................................................................................... 10
Versammlung Gottes:
Teil 6: Die Versammlung Gottes – Das Abendmahl ................................... 12
Zum Nachdenken:
Pinnwand .................................................................................................. 18
Bibelstudium:
Zahlen – ihre symbolische Bedeutung in der Bibel (Zahlen 6 und 8) .......... 20
Fragen und Antworten:
Stiftshütte in der Wüste – der Tempel von Salomo gebaut .......................... 26
Streiflicht:
Der Prophet Obadja .................................................................................. 28
Jesus Christus:
Jesus Christus – unser Hirte ....................................................................... 30
Lebensbeschreibung:
Die Hugenottin Marie Durand .................................................................... 33
Gute Botschaft:
Das unverwechselbare Original .................................................................. 36

Impressum
Herausgeber: Anschrift der Redaktion:
Christliche Schriftenverbreitung Rainer Brockhaus · Kormoranweg 18 · 46487 Wesel
Hückeswagen Tel.: (02 81) 6 08 19 · Fax: 6 36 17
PF 100 153 E-mail: rbrockhaus@gmx.de
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Druck: Brockhaus Druck, Dillenburg
Bildnachweis:
Folge mir nach erscheint sechswöchentlich;
Abo-Preis: � 13.- (inkl. Versand); Musterhefte können
Project Photos: Bild der Seite 4, 6, 10 oben
jederzeit angefordert werden; Abonnements und Ände- R. Dietermann: Bilder der Seiten 1, 8, 10, 11, 12, 15,
rungen im Abonnement bitte an den Herausgeber. Bibel- 30, 31, 36
übersetzung: Elberfelder Übersetzung Version 2003 Manfred Rausch: Bilder der Seiten 33, 35

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Das persönliche Grußwort

N un schreiben wir schon das Jahr 2004. Ungefähr 2000 Jahre


Gnadenzeit sind vergangen. Wie steht es mit dem Warten auf den Herrn
Jesus? Er hat doch gesagt: „Siehe, ich komme bald [oder eilends].“
Vor einigen Wochen hatte ich ein Gespräch mit einem jungen Mann, der
manche Sorgen und Probleme in seiner Familie hat, aber auch mit sich
selbst. Wir kamen in der Unterredung darauf, dass wir mit diesen Nöten
vielleicht nur noch kurze Zeit zu kämpfen haben, weil wir alle diese Dinge
nicht mit in den Himmel nehmen. Eigentlich sollten wir uns sehr darauf
freuen, bei Ihm zu sein, und es wäre besser, Er käme heute als morgen.
Er gab mir daraufhin zur Antwort: „Ich bin ja noch so jung und habe
noch so manches, was ich erleben möchte“. Man könnte es vielleicht
nachempfinden, dass eine Marie Durand im Kerker eine solche Sehnsucht
nach dem Herrn hatte (Seite 33). Aber als junger Mensch?
Dabei wurde ich daran erinnert, dass ich genauso gedacht habe, als ich
noch jünger war. Heute denke ich allerdings etwas anders darüber. Ich bin
schon ganz gespannt, wie es bei dem Herrn Jesus im Himmel sein wird.
Selbst das Schönste, was wir hier erleben könnten, bleibt weit hinter dem
zurück, was uns dann begegnen wird!
Ein anderer Gedanke sollte uns aber auch beschäftigen: Was fange ich mit
der Zeit an, die mir jetzt noch gegeben ist? Sind mir die Dinge des Herrn
Jesus wichtig, auch das, was seine Versammlung (Gemeinde, Kirche)
betrifft (Seite 12)? Vielleicht denkst du, na ja, in meinem Alter liegt einem
das noch nicht so nahe. Da möchte ich dich darauf aufmerksam machen,
dass der Herr Jesus bereits in einem Alter von 12 Jahren gesagt hat:
„Wusstet ihr nicht, dass ich in den Dingen (o. „Angelegenheiten“) meines
Vaters sein muss?“(Lk 2,49). Ich möchte jeden der Leser ermuntern, es
ebenso zu tun. Es ist mit Gewinn und Freude verbunden, auch wenn man
noch jünger ist. Wenn wir vor dem Herrn Jesus stehen, können wir dann
sagen: „Herr, dein Pfund hat zehn Pfunde hinzugewonnen“? Die Antwort
wird in diesem Fall lauten: „Wohl du guter Knecht! Weil du im Geringsten
treu warst, so habe Gewalt über zehn Städte“.
So wünsche ich allen Lesern, dass die in diesem Heft angesprochenen
Themen nützlich sind und dabei helfen, in Treue dem Herrn Jesus
nachzufolgen. Der gute Hirte (Seite 30) sorgt dafür, dass wir sicher ans Ziel
kommen, auch wenn es manchmal dunkel um uns her ist.

Folge mir nach


3
Du aber!

I n dem neuen Jahr 2004 darf sich je-


der von uns wieder ganz persönlich von
Gott ansprechen und anspornen lassen:
„Du aber” – so spricht Gott dich und
mich direkt an. Wo Er diese Worte gebraucht, geht es Ihm nicht um eine allgemei-
ne Belehrung, sondern Er gibt mir einen konkreten Auftrag: „Du aber ...” Und Er
stellt einen Gegensatz auf: „Du aber ...” – es soll einen Unterschied zwischen mir
und anderen Menschen geben. Es geht jedoch nicht um den anderen. Das „Du”
steht vorne. Gott betont damit: Es geht um dich und mich, um jeden Einzelnen
persönlich. Das soll ein Anreiz für das neue Jahr sein!

„Du aber, o Mensch


Gottes, fliehe diese „Du
„Du abe
rn in dem r bleibe
i nüchte Dinge; strebe aber
abe e e Trübsal, tu
r s , wa
, leid ten, nach Gerechtigkeit, hast un s du gelernt
in allem es Evangelis Gottseligkeit, Glauben, völlig ü
d wovo
n
e r k e in ie n s t. ” berzeug du
das W en D Liebe, Ausharren, t bist.”
o ll fü h re dein )
(2. Tim
3,14)
v 4,5 Sanftmut des Geistes.”
(2.Tim
(1. Tim 6,11)

1. „Du aber” – ein Prinzip Ihm bekehrt haben. Die hat Er ganz
persönlich auserwählt und berufen (1.
„Du” Kor 12,12; Röm 8,19 ff.; Eph 1,3 ff.).
Die Errettung ist eine persönliche Sa-
Der Einzelne – du – ist Gott immer wichtig. che zwischen Gott und dem Einzelnen;
Wir können das „ein Prinzip” nennen. Na- keine andere Person oder Institution
türlich hat Gott nicht nur eine Beziehung kann meine Sünden vergeben, und
zu Einzelnen, sondern auch zu ganzen Völ- niemand außer dem Herrn Jesus kann
kern oder einer Gesamtheit von Gläubigen. Gottes Vergebung erwirken.
Für Ihn hat zum Beispiel die Versammlung Er hat nicht nur eine Beziehung zu der
(Gemeinde, Kirche) eine ganz besondere Versammlung als Ganzes, sondern Er
Bedeutung. Aber Gott fängt immer mit hat eine persönliche Beziehung zu
dem Einzelnen an: jedem einzelnen Gläubigen – als Vater
Er baut seine Versammlung nur aus zu seinem Kind (Joh 20,17; Röm 8,16
Menschen, die sich vorher einzeln zu ff.), als Erretter zu dem Verlorenen

4
Du aber!

(Eph 5,2; Heb 5,9) oder als Schöpfer zu der Ihm missfällt. Letzteres muss nicht be-
seinem Geschöpf (Röm 9). wusst geschehen, sondern die Abweichung
Er gibt jedem einzelnen Gläubigen von Gottes Willen kann auch die Folge
seine persönlichen Gaben und persön- einer falschen Ausrichtung oder reine Un-
lichen Aufgaben und Dienste (Röm 12; kenntnis von Gottes Willen sein.
1. Kor 14; Eph 4; ...) – es ist z.B. nicht
die Aufgabe der Versammlung als sol- Solche Abweichungen äußern sich dann
che, sich etwa um die Armen zu küm- möglicherweise nicht nur in dem jeweili-
mern, zu lehren oder das Evangelium gen, persönlichen Leben, sondern können
zu verkündigen. um sich greifen und zu einem Beispiel
Er ruft jeden Einzelnen zu persönlicher werden, dem andere folgen – auch ich,
Treue auf: Ein heiliges Leben nach auch du?
Gottes Maßstäben – das ist meine per-
sönliche Verantwortung (1. Kor 6,19 f.; „Du aber” – das kann bedeuten, dass
2. Kor 5,15). Andere Gläubige kann wir uns anders verhalten als andere
Gott freilich benutzen, um mich auf – auch als andere Gläubige –, um Gott
Fehler hinzuweisen und mir zu helfen, treu zu sein.
wieder mit Gott ins Reine zu kommen.
Er wünscht sich von jedem Einzelnen Oder anders: Es sind vielleicht nicht einzel-
Dankbarkeit und Anbetung (Joh 4,23; ne Menschen, die ein schlechtes Beispiel
Heb 13,15) – nicht nur gemeinsam, abgeben, sondern der Einfluss der Gesell-
wenn wir als Versammlung zusammen- schaft insgesamt – der Welt – macht sich
kommen. Die Zusammenkommen als bemerkbar. Dem ist jeder ausgesetzt, und
Versammlung sind allerdings einzigar- jeder Gläubige steht in der Gefahr, weltlich
tige Gelegenheiten, Gott gemeinsam zu werden – auch ich, auch du!
anzubeten.
„Du aber” – das kann bedeuten, dass
„Aber” wir uns anders verhalten, als die Ge-
sellschaft von uns erwartet, um Gott
Gott sieht ein „Aber”, einen Gegensatz zu treu zu sein.
anderen, wenn Er uns zu einem Verhalten
auffordert, das Ihm gefallen kann. Leider Paulus schrieb an Timotheus, weil er ihn
ist nicht jeder Mensch Gott gehorsam. Zum vor verschiedenen Menschen und vor be-
Beispiel „gebietet” Gott – was das ewige stimmten, gefährlichen Einflüssen warnen
Heil betrifft – jedem Menschen, dass er musste. Und das ist Gottes wichtige Bot-
Buße tun soll (Apg 17,30) – aber nicht schaft: „Du aber”! Er fordert dich und mich
jeder bekehrt sich. Überhaupt hat kein auf, treu zu sein – ungeachtet dessen, wie
Mensch – selbst wenn er sich bekehrt hat andere sich verhalten. Das ist ein Prinzip.
– einen Lebenswandel, der Gott „rundum”
gefällt: Da gibt es Entscheidungen in Ein- Die Betonung liegt aber auf dem „du”:
zelfällen, aber auch wichtige Weichenstel- Der Blick auf andere und ihre Fehler hilft
lungen, da gibt es Gesinnungsfragen und nicht weiter1. Weder können wir unsere
Lebenskonzepte, in denen der Einzelne eigenen Fehler durch die Fehler anderer
entweder Gott folgt, oder einen Weg geht, entschuldigen, noch machen deren Fehler

1
Natürlich kann der Herr uns unter Umständen gebrauchen, ihnen zu helfen – vorausgesetzt, wir sind geistlich und demütig (Joh 13;
Gal 6).

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5
unser Wohlverhalten „noch besser” und mer zu unserem Vorgesetzten oder als
für Gott wertvoller. Nein, die Devise lautet: Ehepartner zueinander Gottes Willen
„Du aber” – du und ich stehen in unserer tun.
persönlichen Verantwortung vor Gott.
Unsere persönliche Treue verbindet
Schau dir bitte einmal die drei Verse aus sich auch mit einer Hoffnung: Gott
den beiden Timotheus-Briefen (am Anfang kann uns benutzen, ein Vorbild und
des Artikels) genauer an, auch in ihrem Ansporn für andere zu sein. Gott, der
Zusammenhang! Welchen Gegensatz stellt den Menschen geschaffen hat, weiß,
Paulus auf? Was beschreibt er vorher, wo- dass der Einzelne sich von anderen
von soll ich mich unterscheiden? Was ist motivieren und mitreißen läßt – zum
seine Aufforderung an mich persönlich? Guten wie zum Schlechten. Gott kann
unsere Treue benutzen, um andere an-
zuspornen. So können wir hoffen und
2. „Du aber” – nicht: „Nur du” Ihn darum bitten, dass, wenn wir uns
von dem Herrn Jesus „ziehen” lassen,
Jedes „Du” ist ein Teil von „Ihr”, jedes „Ich” auch andere Ihm „nachlaufen” (Hld
ist ein Teil von „Wir”. Wenn Gott uns per- 1,4). Freilich ist das nicht das vorrangi-
sönlich anspricht und zur Treue auffordert, ge Ziel unserer Treue, und leider haben
dann hat Er damit zugleich unser Umfeld wir auch keine Garantie, dass dies
im Blick – unsere Familie, unsere Freunde, geschieht, denn es bedarf dazu einer
unsere Mitgeschwister. Das heißt: Herzensentscheidung des Einzelnen,
die wir nicht herbeiführen können.
Unsere persön-
liche Treue ist
nicht nur zur Ehre
Gottes, sondern
sie ist häufig auch
zum Nutzen an-
derer. Wenn wir
Gottes Gedanken
in unseren vielfäl-
tigen Beziehun-
gen (gegenüber
Ungläubigen,
in der Familie,
im Beruf, in der
Ve r s a m m l u n g ,
...) verwirklichen,
ist das mit Segen
für alle Beteiligten
verbunden. Mir persönlich ist diese Tat- Schließlich sollten wir uns auch solche
sache wichtig geworden: Gott verbindet Herzensentscheidungen – wenn sie
Segen mit unserer Treue – zum Beispiel, geschehen – nicht ans Revers heften,
wenn wir in unseren Beziehungen als denn es ist Gott, der das Wollen und
Kind zu unseren Eltern, als Arbeitneh- das Wirken schenkt (Phil 2,13).

6
Du aber!

Das weist auf eine Gefahr hin, die bei 3. Beispiele in der Bibel
alledem besteht: Gott möchte nicht,
dass wir uns als geistliche Elite In der Bibel finden wir einige Beispiele da-
fühlen. Das wäre Hochmut, wir wären für, wie Gläubige ein gutes „Du-aber”-Ver-
weltlich (1. Joh 2,16) und gerade nicht halten zeigten – oder wie sie das Gegenteil
treu. Wie schade wäre das! Schon Elia praktizierten.
lag falsch, als er meinte, er allein sei
als Treuer übrig geblieben, und es gab
doch 7.000 Menschen, die sich nicht Du aber rede,
was der
zum Götzendienst hatten hinreißen
lassen (1. Kön 19). Es ist schon wahr:
Gott möchte – und fordert – unsere
persönliche Treue und Heiligkeit. Aber
wir wollen bei allem Bemühen der Ver-
gesunden
suchung nicht erliegen, uns etwas auf
unsere Treue einzubilden. Das ist eine Lehre geziemt.
Frage der Gesinnung und Redlichkeit. Titus 2,1
Gott sagt ganz klar: „Gott widersteht
den Hochmütigen, den Demütigen Gute Vorbilder
aber gibt er Gnade” (1. Pet 5,5) und:
„Wenn jemand meint, etwas zu sein, Abram – oder: „Du aber verzichte auf
da er doch nichts ist, so betrügt er deine verdiente Belohnung, wenn sie
sich selbst” (Gal 6,3). Und wer könnte dich von der Welt abhängig macht”:
von sich behaupten, wirklich heilig zu In einer Schlacht hatte der König von
leben? Niemand kann allein aufgrund Sodom seine gesamte Habe verloren.
persönlicher Treue und Heiligkeit ge- Weil auch Lot gefangen genommen
genüber Gottes Maßstäben bestehen. worden war, zog Abram in den Kampf
Das gilt auch nach der Bekehrung und und eroberte sie zurück. Das Angebot
auch dann, wenn wir uns noch so sehr des Königs: „Gib mir die Seelen, und
um persönliche Heiligkeit bemühen. die Habe nimm für dich”, lehnte er mit
Was wir sind, sind wir aus Gnade. Was den Worten ab: „Wenn ich irgendetwas
Gott an unserem Verhalten gefällt, hat nehme von dem, was dein ist! – Damit
Er zuvor bereitet (Eph 2,10). Das hält du nicht sagest: Ich habe Abram reich
uns demütig. gemacht” (1. Mo 14).

Diese Erkenntnis wird auch unseren Josua und Kaleb – oder: „Du aber
Dienst an anderen beeinflussen: halte fest an den Zusagen Gottes, auch
Bei Menschen, die den Herrn Jesus wenn andere gegen dich intrigieren
noch nicht angenommen haben, wer- und dich sogar bedrohen”: Zwölf
den wir die persönliche Treuepflicht israelitische Kundschafter hatten die
gegenüber dem Herrn Jesus nicht ein- Gefahren gesehen, die für die Erobe-
fordern, solange die Basis hierfür noch rung Kanaans zu überwinden waren,
nicht gelegt wurde: die neue Geburt. aber auch den Reichtum, der sie dort
Gegenüber unseren Mitgeschwistern erwartete. Josua und Kaleb stützten
werden wir uns nicht zum Maß aller sich gläubig auf Gottes Zusage, dass
Dinge erheben. Er sie in das Land bringen wollte. Die
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übrigen Zehn hatten dasselbe gesehen, Schlechte Beispiele
aber sie hatten nicht den Glauben der
zwei Treuen. Sie brachten das Volk Lot – oder: „Du aber halte dich lieber
gegen sie auf, so dass nur die Erschei- von der Welt fern, um nicht von ihr
nung von Gottes Herrlichkeit das Volk mitgerissen zu werden”. Lot ging Schritt
hinderte, sie zu steinigen (4. Mo 13 f.). für Schritt in die geistliche Katastrophe:
Gott belohnte die gläubige Standhaf- Ihm gefiel die Ebene von Sodom und
tigkeit dadurch, dass diese zwei die Gomorra; er schlug Zelte auf bis nach
einzigen Israeliten waren, die Ägypten Sodom; bald wohnte er dort; letztlich
als Erwachsene erlebt hatten und dann hatte er gar eine einflussreiche Positi-
nach Kanaan gelangten. on in Sodom inne. Die verheerenden
Folgen für ihn, seine Familie und das
Samuel – oder: „Du aber diene dem Volk Israel können wir in 1. Mose 19
Herrn treu, auch wenn es um dich he- nachlesen. Abraham zeigt uns dagegen
rum drunter und drüber geht”: Es ist vorbildlich, wie man aus Glauben lebt
erstaunlich und ein Wunder von Gottes und von Gott gesegnet wird.
Gnade, wie Samuel als junger Levit im
Dienst für den Tempel bewahrt blieb, Das Volk Israel zur Zeit Maleachis
obwohl die Priesterfamilie so sündig – oder: „Du aber bete an, obwohl
war, dass Gott sie wenig später richtete. ringsum geheuchelt wird”: Wenn das
Samuel hörte auf Gott und hatte eine gesamte Volk schon jahrelang Blindes,
persönliche Beziehung zu Ihm, so dass Lahmes und Krankes opfert, könnte
er sich von der Zügellosigkeit der Pries- man der Meinung sein, dass der Tisch
ter nicht anstecken ließ (1. Sam 2 f.). des Herrn sowieso „verächtlich” ist und
man deshalb bei seinen eigenen Opfern
Daniel – oder: „Du aber
verzichte auf Angenehmes,
wenn es dich verunreinigt”:
Alle aßen die Tafelkost, die
Nebukadnezar ihnen verord-
net hatte. Daniel und seine
Freunde taten es nicht, weil
sie sich nicht verunreinigen
wollten. Gott belohnte das
(Dan 1,5-20).

Ein Aussätziger – oder: „Du


aber bete Gott von Herzen
an, auch wenn viele andere,
die genauso gesegnet sind
wie du, es nicht tun”: Von zehn Aussät- nicht auf Gottes Ehre zu achten braucht.
zigen, die der Herr Jesus geheilt hatte, Das sieht Gott völlig anders (Mal 1).
kam (nur – aber immerhin) einer zu Ihm
und „verherrlichte Gott mit lauter Stim- Ananias und Sapphira – oder: „Du aber
me” (Lk 17,11-19). folge dem guten Beispiel anderer nur
aus ganzem Herzen und mit Wahrhaftig-

8
Du aber!

keit”: Das „du aber” zielt auf unser Herz. sen. Er ist gütig. Wer treu ist, wird bewahrt
Wenn wir etwas für den Herrn tun, dann und belohnt (s. die vielfältigen Beispiele in
aus Überzeugung und in Aufrichtigkeit. Offb 2,10.17.26 f.; 3,5.10 ff; 3,20 f.).
Er akzeptiert es nicht, wenn es nur der
Form nach geschieht oder wir uns gar Lesen wir – als Ansporn – nochmals die ge-
in ein besseres – lügnerisches – Licht nannten Stellen aus den Timotheusbriefen:
stellen (Apg 5,1-11). In 1. Timotheus 6 weist Paulus auf die zu-
künftige Erscheinung2 des Herrn Jesus hin
Demas – oder: „Du aber lass dich nicht und gibt den Treuen die Verheißung, bis
vom Zeitgeist dazu verführen, deinen zum Ende ihres irdischen Lebens bewahrt
Dienst aufzugeben”: Wo liegen für uns zu werden und später die öffentliche Herr-
Gefahren, unseren Dienst für den Herrn lichkeit des Herrn Jesus zu teilen. Welch
zu quittieren, weil wir uns von aktuellen eine Anerkennung liegt darin! Ähnliches le-
Gedanken und Gesinnungen anstecken sen wir in 2. Timotheus 3. Dort legt Paulus
lassen (2. Tim 4,10)? darüber hinaus Wert darauf, dass wir schon
jetzt geistlichen Gewinn haben, wenn wir
Pilatus – oder: „Du aber lass dich nicht treu sind. Aber es ist schon bemerkens-
von der allgemeinen Meinung zu fal- wert, dass die eigentliche Ausrichtung des
schen Entscheidungen hinreißen”: Das Treuen nach oben ist – zur Herrlichkeit.
Prinzip der Politik: Des Volkes Stimme Mit Paulus’ Worten aus 2. Timotheus 4:
entscheidet. So verurteilt der Statthalter „Ich habe den guten Kampf gekämpft,
Roms den Herrn Jesus, von dessen ich habe den Lauf vollendet, ich habe den
Unschuld er überzeugt ist, zum Tode Glauben bewahrt; fortan liegt mir bereit die
(Joh 19,1-16). Krone der Gerechtigkeit, die der Herr, der
gerechte Richter, mir zur Vergeltung geben
wird an jenem Tag; nicht allein aber mir,
4. Die Belohnung sondern auch allen, die seine Erscheinung
lieben.” Die Anerkennung des Herrn Jesus,
Es geht uns bei alledem ja nicht in erster des treuen Dieners, der für uns gestorben
Linie um eine Belohnung. Aber Gott ver- ist – gibt es etwas Motivierenderes?
heißt sie uns, und ich möchte sie nicht
verachten, sondern mich motivieren las- Thorsten Attendorn

Viele Töchter haben tüchtig


gehandelt, du aber hast sie alle
übertroffen!
Sprüche 31,29

2
Damit ist das Erscheinen des Herrn Jesus gemeint, wenn Er öffentlich sichtbar mit den Gläubigen und den Engeln auf die Erde
kommen wird, um dort sein irdisches Reich aufzurichten (Mt 24,30; 25,31; Offb 1,7; 2.Thes 1,10; Sach 14,5; Kol 3,4).

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9
Eigentlich komisch

D ie Geburtstagsfeier ist
heute richtig gut! Können
wir nicht noch länger da
bleiben? – Muss der Bruder denn heute wieder so lange sprechen? Es
ist doch wirklich nur eine Stunde angesetzt, warum muss er denn schon
wieder überziehen!?“

Eigentlich komisch, oder? dann noch über einen Bruder aufregen,


der gelegentlich über die vorgesehene Zeit
„50 € für ein Computerspiel? Das ist doch hinaus das Wort Gottes verkündigt? Wir
völlig normal, so teuer ist es nun mal! – 50€ möchten doch den Herrn Jesus von Her-
einfach so dem Herrn geben? Ist das nicht zen lieben – und dann sollten Er und sein
ein bisschen viel ...?“ Wort uns den Einsatz wert sein!

Ertappen wir uns nicht oft mit diesen oder Verzerrte Sicht
ähnlichen Gedanken? Wenn wir ehrlich
sind, bestimmt! Ist es nicht eigentlich ko- Vielleicht merken wir, dass unsere Sicht der
misch, wenn man einmal darüber nach- Dinge bei geistlicher Beurteilung oft ziem-
lich verzerrt ist. Denn ist dir schon einmal
aufgefallen, welche Gewichtung wir bei-
spielsweise manchen alltäglichen Dingen
geben, die zwar an sich nicht schlecht oder
böse sind, aber die plötzlich in einem ganz
anderen Licht erscheinen, wenn wir den
Umgang mit ihnen aus der Sicht Gottes se-
hen? Wie war das mit dem Computerspiel?
Wie lange sitzt du denn so pro Tag davor?
Oder samstags in und unter dem Auto?
Oder vor dem MP3-Player? Oder vor dem
Spiegel? Oder wie ist das mit dem Shop-
denkt? Ist es nicht komisch, dass es uns ping-Gehen? Oder, oder, oder ...
sofort auffällt, wenn der Bruder einmal die
Stunde „überzieht“, aber eine Geburtstags- Komisch, wie schnell eine Stunde vorüber-
feier so rasend schnell vergeht? geht, wenn wir unsere Freizeit mit Hobbys
Dann haben wir vergessen, dass die Be- verbringen, aber wie lange es dauert, eine
schäftigung mit der Bibel und mit dem Stunde an einem Büchertisch in der Stadt
Herrn Jesus die beste (Zeit-)Investition zu stehen, und den Menschen das Evange-
ist, die wir tätigen können. Kann man sich lium zu bringen!

10
Eigentlich komisch

Auch komisch, wie schwer wir uns oft tun, deine Zunge vor Bösem, und deine Lip-
eine Seite in Gottes Wort zu lesen, aber wie pen, dass sie nicht Trug reden“. Das ist
schnell 100 Seiten eines Bestsellerromans ernst. Ausführlich warnt Gott uns in Jako-
verschlungen sind! Aber nur von Gottes bus 3,4-12 vor der Zunge, diesem kleinen
Wort heißt es, dass es das Wort des Lebens Glied des Körpers, das aber einen so gro-
ist und den glücklich preist, „der seine Lust ßen Schaden anrichten kann! Denken wir
hat am Gesetz des HERRN und über sein an den Vers aus Galater 6: „Irrt euch nicht,
Gesetz sinnt Tag und Nacht“ (Ps 1,2). Gott lässt sich nicht spotten! Denn was
irgend ein Mensch sät, das wird er auch
Unser Verhalten und Gottes Wort ernten (V. 7)“.
– ein Gegensatz?
Eigentlich komisch, was wir so alles tun,
Eigentlich ist es komisch, wie leicht wir die ohne darüber nachzudenken. Doch das
neusten Tratsch- und Klatschgeschichten ist nicht nur komisch, sondern zeigt auch,
über unsere Mitmenschen weitererzählen, dass uns oft einfach der Reichtum, den wir
es uns aber oft nicht einfällt, gute Nachrich- in Christus besitzen, nicht mehr bewusst ist.
ten weiterzugeben. Denn wenn wir das Bessere wirklich ken-
nen, werden wir dann nicht alle anderen
Der Apostel Paulus gibt uns für die richtige Dinge in diesem Licht beurteilen und uns
Haltung ein schönes Beispiel in Römer dementsprechend verhalten?
16, wie er bei fast allen Personen, die er
erwähnt, eine lobende Bemerkung macht. Kein schöner Artikel, sagst du vielleicht.
Also nicht so: „Hast du den wieder gese- Tja, erfreulich ist es nicht, sich mit Miss-
hen? Das hat er bestimmt nur gemacht, ständen abzugeben, das gebe ich zu. Man
weil ...“ Wir verstummen plötzlich, wenn könnte zwar dies alles auch positiv als
Gott uns in Philipper 4,8 zu denken gibt: Ermunterung ausdrücken, indem man ein-
„Im Übrigen, Brüder, alles was wahr, alles, fach Paulus als Vorbild vorstellt, der sagen
was würdig, alles, was gerecht, alles, was konnte: Das Leben ist für mich Christus“
rein, alles, was lieblich ist, alles, was wohl- (Phil 1,21). Denn das beinhaltet alles, was
lautet, wenn es irgendeine Tugend und der Herr Jesus bei uns bewirken will. Aber
wenn es irgendein Lob gibt, dies erwägt.“ vielleicht regt uns dieser kurze Beitrag an,
Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. ein bisschen bewusster zu leben. Denn
leider brauchen wir auch Warnungen wie
Komisch auch, dass wir sogar oft War- die, von denen wir oben schon gesprochen
nungen in Medien mehr haben, sonst hätte Gott sie
Beachtung schenken, als uns nicht gegeben.
denen, die Gottes Wort uns
gibt. Wenn die Zeitung vor Bitten wir den Herrn um
verseuchten Lebensmitteln Gnade und Kraft, dass
warnt, kauft sofort kein unser Leben eine Antwort
Mensch mehr das betref- auf seine Liebe ist, in der
fende Produkt. Aber wer Er sich für uns hingegeben
hört wirklich immer auf die hat!
vielen Warnungen Gottes in
seinem Wort? Henning Brockhaus

Ein Beispiel von so vielen


aus Psalm 34,14: „Bewahre

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11
Die Versammlung Gottes –
Das Abendmahl
Versammlung Gottes – Teil 6

I n unserer Themenreihe „Die Versammlung


Gottes“ wollen wir heute gemeinsam über das Abendmahl nach-
denken. Es ist wohl unstrittig, dass das Abendmahl zu den kenn-
zeichnenden Einrichtungen des Christentums gehört. Und gerade zu
diesem Thema gibt es unter Christen ganz entgegengesetzte Ansichten
– Grund genug, sich bei dem Überdenken ganz auf Gottes Wort zu
stützen. Die Entdeckungsreise wird sich lohnen!

Wir sind vielleicht erstaunt, dass das Wort Ausdruck zu benutzen – auch wenn die
„Abendmahl“ in der Bibel nicht vor- Bibel selbst ihn nicht gebraucht.
kommt1. Trotzdem haben wir wohl alle
eine bestimmte Vorstellung davon, was es 1. Die biblischen Texte
bedeutet. Christen kommen zusammen,
essen gemeinsam von einem Brot und Wenn wir untersuchen wollen, welche
trinken zusammen Wein aus einem Kelch. Bedeutung das Abendmahl für uns hat,
Sie tun es, um an ihren Heiland und Erlö- müssen wir fragen, was die Bibel sagt. Wir
ser zu denken. Deshalb wird es auch von finden über unser Thema etwas in den
manchen „Gedächtnismahl“ genannt, weil Evangelien, in der Apostelgeschichte und
es das Mahl zum Gedächtnis des Herrn ist in den Briefen.
(vgl. Lk 22,19; 1. Kor 11,24.25).
Drei Evangelien berichten darüber,
Die biblische Bezeichnung für das, was wir wie der Herr Jesus seinen Jüngern
als „Abendmahl“ bezeichnen, lautet „Brot- in Verbindung mit der letzten Passah-
brechen“ (vgl. Apg 2,42; 20,7) oder „Mahl feier das Abendmahl gegeben hat.
des Herrn“ (vgl. 1. Kor 11,20-25). Eng Besonders ausführlich ist der Text im
damit verbunden ist der Gedanke an den Lukasevangelium. Er lautet:
„Tisch des Herrn“ (vgl. 1. Kor 10,21). Der
Ausdruck „Abendmahl“ mag sich deshalb „Und er nahm Brot, dankte, brach
durchgesetzt haben, weil der Herr seinen und gab es ihnen und sprach: Dies
Jüngern dieses Mahl am Abend eingesetzt ist mein Leib, der für euch gegeben
hat (Mt 26,20). Es ist nicht falsch, diesen wird; dies tut zu meinem Gedächt-

1
In Offenbarung 3,20 lesen wir wohl vom „Abendbrot“, aber in einer anderen Bedeutung als bei unserem Thema.

12
Die Versammlung Gottes – Das Abendmahl

nis! Desgleichen auch den Kelch In Kapitel 11 wird das Thema noch
nach dem Mahl und sagte: Dieser einmal aufgegriffen: „Denn ich habe
Kelch ist der neue Bund in meinem von dem Herrn empfangen, was ich
Blut, das für euch vergossen wird“ auch euch überliefert habe, dass der
(Lk 22,19-20). Herr Jesus in der Nacht, in welcher er
überliefert wurde, Brot nahm, und als
Die Apostelgeschichte zeigt uns, er gedankt hatte, es brach und sprach:
wie die ersten Christen zum Brotbre- Dies ist mein Leib, der für euch ist;
chen zusammen kamen. In Kapitel 2 dies tut zu meinem Gedächtnis. Eben-
lesen wir, dass die Jünger im Brechen so auch den Kelch nach dem Mahl
des Brotes „verharrten“ (Vers 42), und und sprach: Dieser Kelch ist der neue
dass sie es täglich taten (Vers 46). Spä- Bund in meinem Blut; dies tut, sooft
ter war es Sitte geworden, das Brot am ihr trinkt, zu meinem Gedächtnis.
ersten Tag der Woche zu brechen (vgl. Denn sooft ihr dieses Brot esst und
Kap. 20,7). Bereits die ersten Christen den Kelch trinkt, verkündigt ihr den
sind also der Aufforderung des Herrn Tod des Herrn, bis er kommt. Wer also
nachgekommen: „Tut dies zu meinem irgend das Brot isst oder den Kelch des
Gedächtnis!“. Herrn trinkt in unwürdiger Weise, wird
des Leibes und des Blutes des Herrn
Im 1. Korintherbrief erklärt der schuldig sein. Ein jeder aber prüfe
Apostel Paulus dann, welche tiefe sich selbst, und also esse er von dem
geistliche Bedeutung hinter dieser Brot und trinke von dem Kelch. Denn
schlichten Handlung steht. Wir lesen: wer unwürdig isst und trinkt, isst und
trinkt sich selbst Gericht“ (1. Kor 11,
„Der Kelch der Segnung, den wir 20-30).
segnen, ist er nicht die Gemeinschaft
des Blutes des Christus? Das Brot,
das wir brechen, ist es nicht die Ge- 2. Zwei verschiedene Seiten
meinschaft des Leibes des Christus?
Denn ein Brot, ein Leib, sind wir, die Beim Lesen der Verse im 1. Korintherbrief
Vielen, denn wir alle nehmen teil an fällt uns auf, dass der Apostel Paulus die
dem einen Brot. Seht auf Israel nach Erklärung des Abendmahls nicht an einer
dem Fleisch. Sind nicht die, welche Textstelle gibt, sondern zweimal darüber
die Schlachtopfer essen, in Gemein- spricht. Ein Vergleich beider Texte zeigt uns
schaft mit dem Altar? Was sage ich zwei verschiedene Seiten:
nun? Dass ein Götzenopfer etwas sei?
Oder dass ein Götzenbild etwas sei? In 1. Korinther 10 geht es um den
Sondern dass das, was die Nationen Tisch des Herrn
opfern, sie den Dämonen opfern und In 1. Korinther 11 geht es um das
nicht Gott. Ich will aber nicht, dass ihr Mahl des Herrn
Gemeinschaft habt mit den Dämo-
nen. Ihr könnt nicht des Herrn Kelch Beide Stellen sprechen vom Brotbrechen,
trinken und der Dämonen Kelch. Ihr aber der Heilige Geist möchte uns zwei Sei-
könnt nicht des Herrn Tisches teilhaf- ten zeigen, die wir – ohne sie voneinander
tig sein und des Dämonen-Tisches“ zu trennen – sorgfältig unterscheiden wol-
(1. Kor 10,14-22). len. Beide Seiten reden von dem, was Gott

Folge mir nach


13
uns Christen an Segen gibt, beide Seiten In 1. Korinther 10 geht es um Ge-
reden aber auch von Verantwortung. meinschaft und darum, dass alle Gläu-
bigen zusammen einen Leib bilden. Da
stellt sich die Frage: Mit wem haben
2.1 Segen wir beim Abendmahl Gemeinschaft?
Die Beantwortung dieser Frage ist nicht
Der Tisch spricht in der Bibel oft von Ge- dem Einzelnen überlassen, sondern es
meinschaft. An einem Tisch ist man mit ist eine gemeinsame Verantwortung.
mehreren zusammen und teilt z.B. eine
Mahlzeit. Das ist es, was 1. Korinther 10 Kriterien für die Teilname am
uns deutlich macht. Das Schlüsselwort lau- Brotbrechen
tet Gemeinschaft. Wir finden es viermal Es ist grundsätzlich Sache unseres Herrn, festzu-
im Text. Darüber hinaus kommen noch legen, wer am Abendmahl teilnehmen kann und
Ausdrücke wie „ein Leib“ und „teilhaftig“ wer nicht. Die Verantwortung dafür hat Er der
vor, die uns in dieselbe Richtung denken örtlichen Versammlung übertragen, die einzig
lassen. Diejenigen, die am Abendmahl teil- und allein nach den Kriterien der Bibel zur Teil-
nehmen, haben Gemeinschaft. Diese hat nahme am Brotbrechen aufnehmen kann. Diese
Aufnahme hat dann Gültigkeit für die Versamm-
wiederum zwei Seiten:
lung weltweit. Diese Kriterien sind:
mit unserem Herrn,
untereinander. Jede teilnehmende Person muss Leben aus
Gott haben. Es ist unmöglich, ungläubige
Auch das Mahl des Herrn (1. Kor 11) stellt Menschen zum Tisch des Herrn aufzuneh-
uns unsere Segnungen vor, hier stehen men (vgl. z.B. 1. Kor 10,14; 11,24).
aber unsere persönlichen Segnungen im Wer am Brotbrechen teilnimmt, darf nicht
Vordergrund. Deshalb ist auch immer im moralisch Bösen leben, weil sonst die
Versammlung mit Bösem verbunden und
wieder von „wer“ und von „ein jeder“ die
dadurch verunreinigt wird (1. Kor 5,6.7).
Rede. Wir verkündigen den Tod des Herrn, Wer am Brotbrechen teilnimmt, darf auch
wir kommen zu seinem Gedächtnis nichts lehren, was die Herrlichkeit der
zusammen. Das ist hier das Schlüsselwort. Person und des Werkes des Herrn Jesus
Ein jeder trägt dazu bei. Er hat sein Leben antastet (vgl. 2. Joh 7.11).
für jeden von uns gegeben. Dennoch freu- Auch bewusste verkehrte Verbindungen,
en wir uns an dieser persönlichen Segnung d.h. gottesdienstliche Gemeinschaft mit
beim Abendmahl mit anderen zusammen. Ungläubigen, mit moralisch oder lehrmä-
ßig Bösem verunreinigen. Auch darauf
ist also zu achten, wenn jemand am Brot-
brechen teilnehmen möchte (vgl. 1. Kor
2.2 Verantwortung 10,16; 2. Joh 11).

Wenn Gott seine Kinder an Segen erinnert, Von diesen Kriterien wollen wir einerseits keines
tut er es nicht, ohne uns auch zugleich die fallen lassen, andererseits dürfen wir auch keine
Verantwortung vorzustellen, die damit in weiteren Forderungen stellen, die über das hin-
ausgehen, was die Bibel sagt.
Verbindung steht. Beide Texte in 1. Ko-
rinther 10 und 11 stellen uns neben der
Segnung auch die Verantwortung vor.
In 1. Korinther 11 haben wir die
Diese Verantwortung hat – ebenso wie der persönliche Seite vor uns. Wir stellen
Segen – zwei Seiten: uns die Frage: Auf welche Art und

14
Die Versammlung Gottes – Das Abendmahl

Weise esse ich das Brot? Persönliche Brot spricht von dem in den Tod ge-
Segnungen bedingen persönliche gebenen Leib des Herrn Jesus. Er war
Verantwortung. Deshalb fordert bereit, den stellvertretenden Tod für
Paulus die Korinther in diesem Kapitel uns zu erdulden. An seinem Leib hat er
auf: „Ein jeder aber prüfe sich selbst” unsere Sünden getragen (1. Petr 2,24).
(1. Kor 11,28). Wer am Abendmahl
teilnimmt, soll das in einer würdigen der Wein: „Dieser Kelch ist der neue
Art und Weise tun. Bund in meinem Blut, das für euch ver-
gossen wird“ (Lk 22,20). Der Kelch er-
Das Brotbrechen hat zwei wichtige innert uns an das Blut des Herrn Jesus,
Seiten: das am Kreuz von Golgatha vergossen
wurde. Es ist sein Sühnungsblut. Durch
Die gemeinschaftliche Seite nach das Blut sind wir von unseren Sünden
1. Korinther 10 (der Tisch des Herrn): gewaschen und haben Frieden mit
Gemeinsam haben wir den Wunsch, Gott. Im Alten Testament lesen wir: „Im
das auszudrücken, was wir sind, Blut ist das Leben“ (3. Mo 17,11), so
nämlich eine Einheit. Wir praktizieren dass uns auch der Kelch an den Tod
Gemeinschaft. Mit diesem Vorrecht des Herrn denken lässt.
ist gemeinschaftliche Verantwortung
verbunden. Wir fragen uns: Mit wem Sowohl in 1. Korinther 10 als auch in 1.
können wir das Brot brechen? Korinther 11 wird die Bedeutung
der beiden Symbole bestätigt.
Die persönliche Seite nach In den Belehrungen über den
1. Korinther 11 (das Mahl des Tisch des Herrn in Kapitel 10
Herrn): Der einzelne Gläubige hat wird in Bezug auf das Brot
das Bedürfnis, an den Tod des eine weitere Bedeutung
Herrn zu denken. Gemeinsam mit
anderen tut er das und freut sich
darüber. Mit diesem persönlichen
Vorrecht ist die persönliche Ver-
antwortung verbunden. Ich frage
mich: Wie, d.h. auf welche Art und
Weise kann ich das tun?

3. Brot und Wein

Das Mahl des Herrn besteht aus zwei „Ele-


menten“ – Brot und Wein. So hat der Herr hinzugefügt. Es erinnert nicht nur an den
Jesus es seinen Jüngern gegeben. Beide in den Tod gegebenen Leib des Herrn,
„Elemente“ werden auch in 1. Korinther 10 sondern es lässt uns zugleich an eines der
und 11 genannt. Es sind einfache Symbole, herrlichen Ergebnisse des Werkes vom
die jedoch eine tiefe geistliche Bedeutung Kreuz denken. Alle Gläubigen sind jetzt
haben. Was damit gemeint ist, erklärt der miteinander verbunden und bilden eine
Herr Jesus selbst: wunderbare Einheit. Die Gläubigen sind
das Brot: „Dies ist mein Leib, der für „ein Leib“. Christus ist das verherrlichte
euch gegeben wird (Lk 22,19)“. Das Haupt. „Denn ein Brot, ein Leib sind wir,

Folge mir nach


15
die vielen“ (1. Kor 10,17). Diese Bedeu- liest. Diese Regeln haben immer Gültig-
tung wurde bereits in der dritten Folge keit, egal, ob die Familie die Mahlzeit am
(Heft 6/2003) näher erklärt. Küchentisch, am Esszimmertisch oder am
Gartentisch einnimmt. Auch wenn Besuch
Brot und Wein sind Symbole. Sie verän- da ist und vielleicht an mehreren Tischen
dern sich nicht, wenn sie gegessen bzw. gleichzeitig gegessen wird, bleiben die Re-
getrunken werden. Sie verändern auch den geln unverändert.
nicht, der davon isst und trinkt. Wenn der
Übertragen auf den „Tisch des Herrn“
Ein jeder aber prüfe sehen wir, dass es dort um Grundsätze
sich selbst, und so (Regeln) geht, die überall Gültigkeit haben,
wo Gläubige zusammenkommen, um das
esse er von dem Brot Mahl des Herrn zu nehmen. Wir kommen
noch einmal auf das Beispiel zurück und
und trinke von dem fragen uns: Wer legt in einer Familie die
Kelch. „Tischregeln“ fest? Doch wohl der Vater
1. Korinther 11,28 und Hausherr! Kein Besucher würde es
wagen, diese Grundsätze über den Haufen
Herr sagt: „Dies ist mein Leib“ und „dies ist zu werfen und andere einzuführen.
mein Blut“, wird das Brot nicht zu seinem Und wer legt die Grundsätze am „Tisch des
Leib und der Wein nicht zu seinem Blut. Herrn“ fest? Die Antwort ist einfach: Es ist
Nein, Brot symbolisiert seinen Leib und der Herr. Nicht wir entscheiden, welche
Wein symbolisiert sein Blut. Grundsätze an seinem Tisch Gültigkeit
haben, sondern der Herr selbst. Und wo
4. Der Tisch des Herrn finden wir diese Grundsätze? In seinem
Wort. Nur da, wo den Grundsätzen des
Der Ausdruck „Tisch des Herrn“ wird im Wortes gefolgt wird, kann der „Tisch des
Neuen Testament nur in 1. Korinther 10 Herrn“ sein.
gebraucht. Selbstverständlich verstehen wir
darunter nicht ein Möbelstück (auch wenn 5. Zu meinem Gedächtnis
Brot und Kelch meistens auf einem Tisch
stehen), sondern es geht um Grundsätze, Warum gibt es überhaupt das Abendmahl?
die damit in Verbindung stehen, dass wir Warum brechen wir das Brot? Es gibt
gemeinsame Vorrechte genießen und mehrere Antworten auf diese Frage. Eine
unserer gemeinsamen Verantwortung ent- davon lautet: Weil unser Herr und Heiland
sprechen wollen. Besonders geht es dabei uns dazu auffordert. Diese Antwort macht
um die Beachtung der Heiligkeit und Rein- unsere Herzen warm für Ihn. Es war in der
heit in Verbindung mit dem Brotbrechen Nacht, in der Er auf so schmähliche Weise
(vgl. 1. Kor 10,18). verraten wurde, als Er seinen Jüngern das
Mahl gab und ihnen sagte: „Tut dies zu mei-
Ein Beispiel aus dem täglichen Leben nem Gedächtnis“.
macht uns das klar. In einer Familie mit
mehreren Kindern mag es gewisse „Re-
geln“ geben, an die sich jeder bei Tisch zu Für Ihn!
halten hat. Da gibt es z.B. die Regel, dass
vor und nach dem Essen gebetet wird, Stellen wir uns die Szene in dem Obersaal
oder dass man am Ende einen Bibeltext einmal vor: Der Herr Jesus liegt mit seinen

16
Die Versammlung Gottes – Das Abendmahl

Jüngern zu Tisch. Vor Ihm steht das Werk die andere. In welche Richtung wird die
der Erlösung, das Er tun will. Die Leiden, Waage ausschlagen?
die damit in Verbindung stehen, sind Ihm
bekannt. Er weiß, dass Er im Begriff steht,
sein Leben zu geben. Dann nimmt Er Brot,
dankt, bricht und gibt es seinen Jüngern
Dies tut zu
meinem
mit den Worten: „Dies ist mein Leib, der
für euch ist“. Welche Liebe spricht aus den
Worten des Heilands. Welchen Beweis
seiner Liebe würde Er am Kreuz geben.
Und dann fügt Er die bedeutsamen Worte Gedächtnis
hinzu: „Dies tut zu meinem Gedächtnis“. 1. Korinther 11,24
Ist es nicht, als wolle Er sagen: „Seht ein-
mal, welche Liebe ich zu euch habe. Ich bin Warte auch nicht, weil du deine vielen Feh-
bereit, mein Leben für euch in den Tod zu ler siehst, die dir immer wieder passieren.
geben“. Ist es nicht ein Appell an die Liebe Auf der Erde werden wir leider nie sündlos
seiner Jünger, wenn Er dann sagt: „Dies tut werden, aber wenn wir im Bewusstsein der
zu meinem Gedächtnis“? Ist es uns nicht Gnade leben, dürfen wir auch in dieser
eine Freude, Ihm eine Antwort auf seine Hinsicht alles Ihm übergeben. Deine Mit-
Liebe zu geben? Ist es nicht wie ein heiliges geschwister oder Freunde, die (schon) am
Vermächtnis, das Er uns hinterlassen hat? Abendmahl teilnehmen, brauchen diese
Wollen wir Ihm nicht diese Freude bereiten, Gnade genauso wie du!
es zu seinem Gedächtnis zu tun?
Welche Empfindungen mag der Heiland
Noch nicht dabei? gehabt haben, als Er mit seinen Jüngern
sprach? Er war bereit, sein Leben für sie
Wenn du es noch nicht tust, dann frage zu lassen. Und was hat Er für uns getan?
dich: „Warum nicht?“ Stell dir vor, der Herr Auch für uns hat Er alles gegeben. „Chris-
Jesus würde am nächsten Sonntag selbst tus hat uns geliebt und sich selbst für uns
durch die Reihen der Gläubigen gehen hingegeben“ (Eph 5,2). Seine Hingabe am
und jedem Brot und Wein reichen. Dann Kreuz war der höchste Beweis seiner Liebe.
kommt Er zu dir und du schüttelst den Kopf Wollen wir – willst du – Ihm nicht auf seine
und sagst: „Nein Herr, ich nicht“! Kannst Liebe eine Antwort geben? Vergessen wir
du dir das vorstellen? Wenn es etwas in auch nicht: Wir tun es solange, „bis er
deinem Leben gibt, das dich hindert, der kommt“. Im Himmel wird es kein Abend-
Aufforderung deines Heilandes und Herrn mahl mehr geben. Da wird der Heiland
nachzukommen, dann tu es weg. Leg diese selbst in Ewigkeit vor uns sein.
Dinge auf eine Waagschale und die Liebe
deines Herrn und seine Aufforderung auf Ernst-August Bremicker

Denn sooft ihr dieses Brot esst und


den Kelch trinkt, verkündigt ihr den
Tod des Herrn, bis er kommt.
1. Korinther 11,26
Folge mir nach
17
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fern, verbir eine Rechte E ).
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W a ru m zi ehst du dein ie d e r z u der Einsich „mit de anderen en
(10,1); „ w m Herz S
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Ja, der zur Zurechtweisung, Führun en lerne prachen
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m e h ö re n, früh werd D u d a rf st wissen: „D fen“ we eise kön
meine Sti m ut! Mehr im r d nen
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Folge mir nach
18 19
Bibelstudium

Zahlen – ihre symbolische Bedeutung in der Bibel


„Öffne meine Augen, damit ich Wunder schaue in
deinem Gesetz!“ (Ps 119,18)

I n dem ersten Artikel haben wir uns damit beschäftigt, dass Zahlen in
der Bibel nicht zufällig erwähnt werden. Das wurde an den Zahlen 1 und
2 herausgearbeitet. Die zweite Folge beschäftigt sich ausführlich mit der
Zahl 7. Dem interessierten Leser senden wir diese Folge gerne zu (siehe die
Redaktionsadresse vorne im Heft); er kann sich diesen Teil aber gerne auch
als Dokument von unserer Homepage (www.folgemirnach.de) herunterladen.
Gleiches gilt für die Zahlen 3, 4, 5, 10, 12, 40. Wir empfehlen von Herzen die
Beschäftigung mit diesen Zahlen der Bibel anhand dieses Textes, den wir
gerne zur Verfügung stellen!
In diesem Heft geht es nun um die Zahlen, die die 7 umschließen: Die Zahlen
6 und 8 werden ausführlich behandelt.

Zur Erinnerung sei an die Vorgehens- was unvollkommen, unvollständig ist.


weise erinnert: Um die symbolische Und dieser Grundgedanke wird sich
Bedeutung der einzelnen Zahlen nach- tatsächlich bestätigen. Wenn die Zahl 7
vollziehbar zu untersuchen, werden wir fast immer auf das göttlich vollkommene
stets folgendermaßen vorgehen: Werk hinweist, so zeigt die Zahl 6 die
�Wir ziehen einige Schriftstellen heran, Unvollkommenheit, ja häufig die Sünde
in denen die betreffende Zahl eine tra- in allem Wirken des Menschen. Das aber
gende Rolle spielt. muss wieder erst nachgewiesen werden!
Durch Vergleich dieser Stellen versu- Wie bei der Zahl 7 erhalten wir auch in
chen wir, die wesentliche symbolische dieser Frage wertvolle Informationen im
Bedeutung der Zahl zu erkennen. ersten und im letzten Buch der Bibel.
Durch weitere Beispiele wird die gefun-
dene Bedeutung bestätigt. Die „6“ bei der Schöpfung
Zuletzt bieten wir noch eine Auswahl von „6 Tage sollst du arbeiten und all dein
Schriftstellen an, die zum weiteren For- Werk tun; ... Denn in 6 Tagen hat der
schen anregen sollen. HERR den Himmel und die Erde gemacht“
(2. Mo 20,9.11). Die Zahl 6 wird hier also
Die Zahl 6 eindeutig mit Arbeit verbunden, und
zwar mit dem Werk Gottes und dem des
In der Zahlenreihe steht die 6 vor der 7, Menschen. Gottes Werk war eigentlich
der Zahl der Vollendung. Schon deshalb nach 6 Tagen beendet, Er ruhte ja am 7.
könnte man sagen: Sie steht für etwas, Tag, doch wurde diese Ruhe wegen der

20
Bibelstudium – Die Zahlen 6 und 8

Sünde des Menschen unterbrochen. Der die Zahl 6 als schriftgemäß ansehen,
Herr Jesus sagt: „Mein Vater wirkt bis wieder natürlich mit der Einschränkung,
jetzt, und ich wirke“ (Joh 5,17). Auch die dass diese Bedeutung nicht unbedingt
Arbeit des Menschen wurde seiner Sün- auf jeden einzelnen Fall zutrifft:
de wegen eingeführt, zumindest nahm Die Zahl 6 ist im Allgemeinen ein Symbol
das Werk des Menschen durch den Sün- für das durch die Sünde geprägte Wirken
denfall diesen mühsamen Charakter der des Menschen.
Arbeit an, wie wir das heute kennen. Im Oft spricht sie deshalb auch direkt von
Garten Eden heißt es nur, dass Adam ihn der vollständigen Offenbarung des Bö-
„bebauen“ und „bewahren“ sollte (vgl. 1. sen. Dies findet jedoch einmal durch
Mo 2,15), nach dem Sündenfall fügt Gott Gottes Eingreifen seinen Abschluss:
aber hinzu: „Im Schweiß deines Ange- Entweder, indem ein Mensch das Böse
sichts wirst du dein Brot essen“ (1. Mo in seinem Leben einsieht und das Erlö-
3,19). Wir sehen also: Die Zahl 6 steht sungswerk Christi im Glauben annimmt
hier im Zusammenhang mit der durch die (Röm 4,5), oder indem Gott dem bösen
Sünde verursachten Mühe und Arbeit. Wirken durch Gericht ein Ende setzt. Er
bringt schließlich alles zur Vollendung:
Die „666“ als Zahl eines Menschen Auf 6 folgt die Zahl 7!
„Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis
hat, berechne die Zahl des Tieres, denn Anwendung auf weitere Stellen
es ist eines Menschen Zahl; und seine Zur Bestätigung ziehen wir nun wieder
Zahl ist 666“ (Off 13,18). Hier kommt die weitere Stellen aus der Bibel heran.
Zahl 6 also in der – bereits zu damaliger Als die Sintflut über die Erde kam, wird
Zeit gebräuchlichen – Dezimaldarstel- ausdrücklich erwähnt, dass Noah 600
lung direkt 3-mal als Ziffer vor. Und Gott Jahre alt war (1. Mo 7,6). Zu diesem Zeit-
nennt dies interessanterweise „eines punkt hatte sich das Böse im Menschen
Menschen Zahl“. Warum? – Es ist seine vollständig entfaltet (vgl. 1. Mo 6,5). Und
Weisheit! Denkt Er vielleicht auch daran, was Noah selbst betrifft: Er hatte sein
dass Er den Menschen am 6. Schöp- „Lebenswerk” inmitten von Sündern
fungstag erschaffen hatte? beendet und kam danach, „im 601. Jahr“
Was aber auf jeden Fall klar wird: Diese (1. Mo 8,13) auf eine von der Sünde ge-
Zahl steht mit dem Bösen in Verbindung! reinigte Erde.
Es ist die „Zahl des Tieres“. Dieses Tier, Als Israel im Land Kanaan wohnte,
das Oberhaupt des wiedererstehenden sollte es sich 6 Zufluchtsstädte bestim-
römischen Reiches, steht mit Satan im men, „dass ein Totschläger hin fliehe, der
Bunde. Wir haben hier die ausgereifte einen Menschen aus Versehen erschla-
Entwicklung des Bösen vor uns. Und gen hat” (vgl. 4. Mo 35,11-13). Wird nicht
diese Zahl ist gleichzeitig die „Zahl eines auch hier der Zusammenhang der Zahl
Menschen“, wodurch uns klar wird, dass 6 mit dem sündigen Handeln des Men-
die 666 – und damit sicher auch die Zahl schen deutlich – wenngleich sich auf
6 – mit der Offenbarung der Bosheit des der anderen Seite ebenso die göttliche
Menschen in Verbindung steht. Gnade offenbart?
Einer der Söhne des Rapha1, ein
Fazit: Philister, „hatte je 6 Finger an seinen
Die symbolische Bedeutung der „6“ Händen und je 6 Zehen an seinen Füßen“
Wir können also folgende Erklärung für 1
Rapha bedeutet: Riese.

Folge mir nach


21
(2. Sam 21,20). Hier zeigt sich in der Zahl 6 Nahrungsmittel im Land Ägypten (4.
6 – bildhaft – die menschliche Kraft, die Mo 11,5).
durch Gottesfeindschaft geprägt ist. Der 6 Stufen zum Thron Salomos (1. Kön
Mensch geht in seinem Handeln über 10,19).
das ihm von Gott gegebene Maß (5 6 Jahre Regierungszeit Athaljas, der
Finger) hinaus. Auch Goliaths Größe war einzigen Königin Israels (2. Chr 22,12).
6 Ellen und eine Spanne. 6 Wasserkrüge auf der Hochzeit zu
Das Standbild, das Nebukadnezar Kana (Joh 2,6).
aufstellen ließ, war „ein Bild von Gold: Um die 6. Stunde traf der Herr Jesus
seine Höhe 60 Ellen, seine Breite 6 Ellen” auf die Samariterin (Joh 4,6).
(Dan 3,1). Vor diesem Bild sollte man Um die 6. Stunde wurde der Herr Jesus
niederfallen und es anbeten. Es handelte zum Tod verurteilt (röm. Zeitrechnung;
sich also um ein Götzenbild. Man Joh 19,14).
erkennt wieder die Verbindung der Zahl Die Finsternis am Kreuz begann zur 6.
6 mit dem Bösen. Der gefallene Mensch Stunde (hebr. Zeitrechnung; Mt 27,45).
verherrlicht sich selbst! 6 Stunden verbrachte der Herr Jesus
am Kreuz.
Zum weiteren Forschen
Die Zahl 6 kommt längst nicht so oft
vor wie die 7, dennoch gibt es noch Die Zahl 8
genügend Material zum weiteren
Nachdenken. Überlege dir wenn möglich Wie bei der Zahl 6 können wir auch bei
zu jeder Position eine Antwort auf der 8 bereits aufgrund ihrer Position
folgende Fragen: in der Zahlenreihe ihre Bedeutung
1. Worin besteht hier das „Wirken” des vermuten. Wenn die 7 von Vollendung
Menschen? spricht, was kann ihre „Nachfolgerin”
2. Worin besteht die Beziehung zur anderes bedeuten als der Beginn von
Sünde? etwas Neuem? Diese aus rein sachlichen
3. Kann eine geistliche Bedeutung Überlegungen gewonnene Behauptung
abgeleitet werden? lässt sich tatsächlich wieder durch
4. Wirft die angegebene symbolische zahlreiche Bibelstellen nachweisen. Wir
Bedeutung der 6 besonderes Licht beginnen wieder mit den ersten beiden
auf diese Stelle? Erwähnungen der Zahl 8.
5. Lässt sich eine praktische Belehrung
aus der symbolischen Bedeutung Die „8” bei der Sintflut
ziehen? Zwar wird es nicht direkt im Bericht über
die große Flut erwähnt, doch Petrus
66 Nachkommen Jakobs ohne (!) die betont, dass in die Arche „8 Seelen
Familie Josephs (1. Mo 46,26; vgl. 2. eingingen und durch Wasser gerettet
Mo 1,5). wurden” (1. Pet 3,20; vgl. auch 2. Pet
600.000 Männer beim Auszug aus 2,5). „Das Ende alles Fleisches” war vor
Ägypten (2. Mo 12,37). Gott gekommen (1. Mo 6,13), aber mit
600 Wagen der Ägypter am Schilfmeer Noah und seiner Familie wollte Er einen
(2. Mo 14,7). Neuanfang machen. So ist es auch bei
6 Jahre Dienst des hebräischen uns: Wie Noah in der Arche sind wir in
Knechts (2. Mo 21,2). dem Herrn Jesus geborgen und werden

22
Bibelstudium – Die Zahlen 6 und 8

durch Ihn vor dem Gericht bewahrt. Aber euch gebe, und ihr seine Ernte erntet,
diese Rettung geschah „durch Wasser, so sollt ihr eine Garbe der Erstlinge
... welches Gegenbild auch euch jetzt eurer Ernte zum Priester bringen; ...
errettet, das ist die Taufe” (1. Pet 3,21). und er soll die Garbe vor dem HERRN
Durch die Taufe sind wir mit dem Herrn weben zum Wohlgefallen für euch; am
Jesus „begraben” worden, um jetzt anderen Tag nach dem Sabbat2 soll sie
„in Neuheit des Lebens zu wandeln” der Priester weben” (3. Mo 23,10.11).
(Röm 6,4). – Bist du getauft? – „Wenn Da der Sabbat der 7. Tag ist, ist der
jemand in Christus ist, da ist eine neue Tag danach der 8. Tag. Warum sagt
Schöpfung; das Alte ist vergangen, Gottes Wort nicht – was ja auf dasselbe
siehe, Neues ist geworden” (2. Kor 5,17). hinauslaufen würde – „am ersten Tag der
Und diese neue Stellung werden wir nie Woche ...”? Soll uns hier nicht wieder
wieder verlieren; wir sind im Besitz des deutlich werden, dass Gott die Zahl 8 mit
ewigen Lebens. einem Neuanfang in Verbindung bringt?
Denn der wahre „Erstling” ist der Herr
Die „8” beim Bund der Beschneidung Jesus. Er ist am Tag nach demjenigen
Bezeichnenderweise wird die Taufe Sabbat, der auf das Passahfest folgte3,
im Brief an die Kolosser auch mit der als der „Erstling der Entschlafenen”
Beschneidung in Verbindung gebracht. auferstanden (1. Kor 15,20). Mit seiner
Hier ist der Gedanke vorherrschend, Auferstehung hat etwas prinzipiell Neues
dass wir den „Leib des Fleisches” begonnen. Deswegen ist dieser 8. Tag
„ausgezogen” haben und deswegen ein für uns zugleich der 1. Tag der Woche,
neues Leben mit Christus beginnen. Das der Tag des Herrn. Außerdem zeigt seine
bekennen wir öffentlich durch die Taufe. Auferstehung, dass Gott durch sein
Bei der Einführung der Beschneidung Opfer zufrieden gestellt ist, und zwar
sagt Gott zu Abraham: „Und 8 Tage alt, vollkommen und bis in Ewigkeit. Wir
soll alles Männliche bei euch beschnitten sehen hier eine sittliche und zeitliche
werden” (1. Mo 17,12; vgl. auch 3. Mo Endgültigkeit.
12,3; Lk 2,21). Wieder die Zahl 8! Wir Als Zweites lesen wir bei der
staunen über die tiefen Zusammenhänge Beschreibung des „Festes der Wochen”
in der Bibel und bewundern Gottes (vgl. 5. Mo 16,10): „Bis zum anderen
Weisheit. Wie klar lässt Er uns erkennen, Tag nach dem siebten Sabbat sollt ihr
dass die 8 symbolisch für die Einführung fünfzig Tage zählen” (3. Mo 23,16). Es
von etwas dem Wesen nach Neuem geht also wieder um den 8. Tag, und
steht, und zwar von etwas Neuem, dies war gleichzeitig der 1. Tag der 8.
das endgültig ist, das sich nicht mehr Woche! Was gab es an diesem Tag
verändern wird. Neues? Es war der 50. Tag nach dem
Fest der Erstlingsgarbe, der später im
Die „8” bei den Festen des HERRN Christentum der Pfingstsonntag sein
Bei der Beschreibung der Feste in 3. sollte, an dem der Heilige Geist Wohnung
Mose 23 wird die Zahl 8 dreimal – direkt in den Gläubigen nehmen würde (Apg
oder indirekt – erwähnt. 2,1-4). Das war etwas, was es noch
Zuerst beim Fest der Erstlingsgarbe: nie gegeben hatte! Und dort wurde
„Wenn ihr in das Land kommt, das ich etwas völlig Neuartiges geschaffen,

2
D.h. der Sabbat, der auf das Passahfest folgte, also in die Tage der ungesäuerten Brote fiel.
3
Das ist der Sonntag nach dem Passah (1. Wochentag).

Folge mir nach


23
etwas, was bis dahin ein Geheimnis 10 Hörnern die Rede. Doch dann kommt
war: die Versammlung (Gemeinde, auf einmal ein kleines Horn hinzu, das
Kirche) Christi. Und ebenso wie diese 3 Hörner ausreißt. Dieses Horn ist also
Versammlung ewig bestehen wird, bleibt jetzt „ein achter”, „und er wird Worte
auch der Heilige Geist bei uns in Ewigkeit reden gegen den Höchsten ... und er
(Joh 14,16). wird darauf sinnen, Zeiten und Gesetz
Schließlich wird die 8 beim 7-tägigen zu ändern” (Dan 7,25). Er will also
Fest der Laubhütten erwähnt. Am Anfang etwas wesenhaft Neues einführen, eine
und am Ende des Festes sollte eine neue Form des Bösen. Nach diesem 8.
heilige Versammlung sein, ebenso wie Horn tritt kein weiteres mehr auf, was
beim 7-tägigen Fest der ungesäuerten auf die (sittliche) Endgültigkeit seiner
Brote. Während es dort aber heißt „am Handlungen hinweist.
7. Tag ist eine heilige Versammlung”
(3. Mo 23,8), wird beim Laubhüttenfest Fazit: Die symbolische Bedeutung der
der 8. Tag dafür vorgesehen, also der „8”
Tag nach dem eigentlichen Fest. Da Aus den herangezogenen Schriftstellen
dieses Fest ein Bild auf das 1000-jährige können wir nun folgende Bedeutung
Friedensreich ist, müssen wir hier beim 8. ableiten:
Tag also an den ewigen Zustand denken. Die Zahl 8 ist im Allgemeinen ein Symbol
„Und ich sah einen neuen Himmel und für die Einführung von etwas prinzipiell
eine neue Erde” und „der auf dem Thron Neuem mit Endgültigkeitscharakter.
saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu” Diese Endgültigkeit kann zeitlicher, also
(Off 21,1.5). Er hat alles zur Vollendung ewiger, oder sittlicher Natur sein.
gebracht – und nun beginnt endgültig
das Neue: die ewige Ruhe. Dann ist Anwendung auf weitere Stellen
„Gott alles in allem” (1. Kor 15,28)! Zur Bestätigung der gefundenen
Symbolik nennen wir noch ein positives
Die negative Bedeutung der „8” und ein negatives Beispiel:
Vielleicht ist der eine oder andere Bevor Aaron und seine Söhne den
nun erstaunt, dass die Zahl 8 auch in Priesterdienst ausüben konnten, mus-
negativem Sinn vorkommt. Aber in der sten sie dazu geweiht werden. Dies
Prophetie gibt es tatsächlich diesen geschah unter bestimmten Zeremonien
Aspekt. und Opfern 7 Tage lang (vgl. 3. Mo 8). Am
Im Buch der Offenbarung lesen wir von 8. Tag war es dann schließlich so weit: Der
einem Tier mit 10 Hörnern (Off 13,1; Opferdienst begann, und das Volk hatte
17,7.8), das war und nicht ist und aus endlich einen Mittler in den Sachen mit
dem Abgrund heraufsteigt. Dieses Tier Gott (vgl. Heb 5,1); es war eine prinzipiell
ist ein Bild des wiedererstehenden neue Situation eingetreten. Zwar war es
römischen Reiches und die 10 Hörner bei Aaron und seinen Söhnen noch keine
sind 10 Könige (Off 17,12)4. Und dann endgültige Sache, geschweige denn eine
heißt es bemerkenswerterweise: „Und ewige, aber der „wahre Aaron”, der Herr
das Tier, welches war und nicht ist, er ist Jesus, hat, „weil er in Ewigkeit bleibt, ...
auch ein achter und ist von den sieben ein unveränderliches Priestertum”
und geht ins Verderben” (Off 17,11). (Heb 7,24).
Auch in Daniel ist von diesem Tier mit Früher lebte das Volk Israel im
4
Vgl. dazu auch das Kapitel über die Zahl 10.

24
Bibelstudium – Die Zahlen 6 und 8

Götzendienst, hatte sich aber nach 5. Wirft die angegebene symbolische


der babylonischen Gefangenschaft Bedeutung der 8 besonderes Licht auf
endlich davon gereinigt. War es aber diese Stelle?
nun deswegen besser geworden? 6. Lässt sich eine praktische Belehrung
Nein, seine Bosheit hatte eine ganz aus der symbolischen Bedeutung
neue Tragweite bekommen: Es verwarf ziehen?
schließlich seinen eigenen Messias! 800 Lebensjahre Adams nach der
Diese Entwicklung beschreibt der Geburt Seths (1. Mo 5,4).
Herr Jesus mit den folgenden Worten: 80 Jahre war Mose alt, als er vor den
„Wenn aber der unreine Geist von dem Pharao trat (2. Mo 7,7).
Menschen ausgefahren ist, durchzieht er Ab dem 8. Tag gehörte die Erstgeburt
dürre Gegenden ... Dann geht er hin und dem Herrn (2. Mo 22,29).
nimmt sieben andere Geister mit sich, Am 8. Tag Opfer für die Reinigung
böser als er selbst, und sie gehen hinein eines Aussätzigen (3. Mo 14,23).
und wohnen dort; und das Letzte jenes David war der 8. Sohn Isais (1. Sam
Menschen wird schlimmer als das Erste. 17,12).
Ebenso wird es auch diesem bösen Am 8. Tag endete die Einweihung des
Geschlecht ergehen” (Mt 12,43.45). Wenn Tempels (1. Kön 8,66).
die „sieben anderen Geister” hier bereits Im 8. Monat führte Jerobeam ein
von der Bosheit in höchster Vollendung neues, eigenwilliges Fest ein (1. Kön
sprechen (vgl. die Bedeutung der Zahl 12,32).
7), so sind jetzt sogar insgesamt 8 böse Mit 8 Jahren wurde Josia König und
Geister wirksam, und dieser Zustand ist begann im 8. Regierungsjahr Gott zu
„das Letzte jenes Menschen”, also das suchen (2. Chr 34,1.3).
Endgültige! 80 Lebensjahre „in (Gottes) Kraft”
gegenüber den zuvor erwähnten 70
Zum weiteren Forschen Jahren (Ps 90,10).
Überlege dir wieder zu jeder Position Mehrfache Erwähnung der Zahl 8 im
eine Antwort auf möglichst viele der zukünftigen Tempel (Hes 40).
folgende Fragen: Vom 8. Tag an wohlgefällige Brandopfer
1. Worin besteht das prinzipiell Neue? (Hes 43,27).
2. Liegt eine positive oder eine negative Nach 8 Tagen war Thomas bei den
Bedeutung vor? Jüngern (Joh 20,26).
3. Liegt eine zeitliche oder eine sittliche 8 Bereiche, zu denen wir gekommen
Endgültigkeit vor - oder beides? sind (Heb 12,22-24).
4. Kann eine geistliche Bedeutung
abgeleitet werden? Egbert Brockhaus

Ich freue mich über dein Wort wie


einer, der große Beute findet.
Psalm 119,162
Folge mir nach
25
?
Stiftshütte in der Wüste – der Der Bauplan kam direkt von Gott (2.

!
Tempel von Salomo gebaut Mo 25,9; 1. Chr 28,19);
die Aufteilung in Bereiche (Vorhof, Hei-
FRAGE : Wenn man die beiden Bauten ligtum und Allerheiligstes) findet sich in
beiden Wohnungen;
in der Wüste und in Jerusalem mitein-
der Altar und andere „Geräte” für den
ander vergleicht, so findet man u.a. ver- Priesterdienst werden in beiden Wohn-
schiedene Materialien (z.B. Decken-Felle) orten benutzt;
und Bauweisen. Kann man aus diesen viele Materialien, die zum Beispiel an Ei-
Unterschieden eine bestimmte Anwen- genschaften Gottes erinnern, wurden in
dung und Bedeutung entnehmen? der Wüste und in Jerusalem eingesetzt
Arnfried Lang, Zwickau (Gold, Akazienholz, Erz).

ANTWORT: Die Stiftshütte – ein wandernder


Wohnort Gottes

!
Einer der wichtigsten Grundsätze der
Schriftauslegung lautet: „Keine Weissa-
gung der Schrift ist von eigener Auslegung“ Das Nomadenleben des Volkes Israel in der
(2. Pet 1,20). Es ist also erforderlich, die Wüste erforderte eine Wohnung, die leicht
verschiedenen Texte zu vergleichen und auf- und abgebaut werden konnte. Dieser
in ihrem Gesamtzusammenhang verstehen Gedanke wird im Hebräerbrief aufgegrif-
zu lernen. Wenn wir dies beachten, können fen: Der ganze jüdische Gottesdienst wird
wir gerade aus den in der Frage genannten mit der „Hütte“ verglichen (Kap. 13,10).
Unterschieden die Bedeutung der genann- Ganz im Gegensatz dazu ist das Werk des
ten Gebäude erst richtig erkennen. Ande- Herrn Jesus durch die „größere und voll-
rerseits zeigen etliche Gemeinsamkeiten kommenere Hütte“ gekennzeichnet (Kap.
auch verbindende Elemente. 9,11), also mit einem Gottesdienst auf der
Grundlage des vollbrachten Erlösungswer-
Gemeinsamkeiten zwischen Stiftshüt- kes unseres Herrn.
te und Tempel
Und so wie die Juden damals diesen Pries-
Sowohl die Stiftshütte, an vielen Stellen ter- und Gottesdienst auf einer langen Rei-
„Zelt der Zusammenkunft“ genannt, als se praktizierten, sind auch wir als Christen
auch der Tempel haben zwei hervorste- auf einer Reise zu unserem Vaterland und
chende Merkmale, die auch für uns als dürfen unterwegs Stationen des Lobes und
heutiges Volk Gottes von großem Wert der Anbetung haben – im Haus Gottes,
sind: über das der Herr Jesus als Priester gesetzt
ist (Kap. 3,6).
1. Gott möchte einen Wohnort auf dieser
Erde haben, und zwar inmitten und zum Auf diesen Charakter des Wanderns und
Wohl seines Volkes. des Unterwegsseins weisen unter anderem
2. Gott wünscht (Priester-)Dienst zu seiner ganz besonders die Decken der Stiftshütte
Ehre. hin (2. Mo 27):

Sein Volk ist aufgefordert, diese beiden As- Die unterste Decke aus gezwirntem
pekte entsprechend den Gedanken Gottes Byssus, blauem und rotem Purpur
zu verwirklichen – und (nur) dann schenkt sowie Karmesin wurde nur von innen
Er seine Gegenwart und seinen Segen. gesehen. So ist auch die Schönheit des
Deshalb finden wir auch in beiden Gebäu- Herrn Jesus (davon reden diese Materi-
den viele gemeinsame Elemente, hier sind alien) nur von denen zu erkennen, die
nur einige aufgeführt: mit Ihm im Heiligtum beschäftigt sind.

26
Fragen und Antworten

!!
Die Decke aus Ziegenhaar darüber weist Das Baumaterial bestand aus vollstän-
auf das Unauffällige dieser Wohnung, dig behauenen Steinen (1. Kön 6,7), ein
aber wohl auch auf das Opfer des Herrn Hinweis auf uns Christen als dem Bau
Jesus am Kreuz hin, durch das Gott hinzugefügte, lebendige Steine (1. Pet
überhaupt unter seinem Volk wohnen 2,5).
kann. Statt des Wüstensandes treten die
Die Decke von rotgefärbten Widderfel- „Besucher” jetzt auf Boden aus Zypres-
len verstärkt diesen Gedanken: Keine senbrettern (1. Kön 6,15); wenn wir in
Pracht, keine Schönheit – hier spricht Ewigkeit bei Ihm sein werden, sind die
alles von Fremdsein, und vom Werk auf Probleme des Lebens hier auf der Erde
Golgatha. kein Hemmschuh mehr!2
Von außen sah man nur die Decke aus An den Tempel angefügt waren Woh-
Sehkuhfellen. Die Sehkuh ist ein Säu- nungen, wohl für die diensthabenden
getier im Meer, also eigentlich auch ein Priester (1. Kön 6,5); dies lässt uns an
Fremdkörper im Wasser. So ist Gottes die Wohnungen im Vaterhaus denken,
Wohnung heute auch wie ein Fremdkör- die für uns im ewigen Haus Gottes
per in dieser Welt – sind wir uns dessen bereitet sind (Joh 14,2), aber auch an
immer bewusst? unser Vorrecht, dauerhaft zum Haus
Gottes zu gehören, um Ihm dort zu die-
Der Tempel – eine feste Bleibe für nen.
Gott und sein Volk Einige Holzarten, die nur hier eingesetzt
wurden, sind Ausdruck von ewigen,
Der Tempel ist schon aufgrund seiner Bau- göttlichen Dingen:
weise ein sichtbarer Ausdruck des Dauer- – Zedern (vgl. Ps 80,10):
haften und Bleibenden1. Es war ein „Haus Kraft;
der Ruhe“ (1. Chr 28,2) und weist neben – Zypressen (vgl. Hos 14,8):
dem Gedanken des Herzunahens (den wir Herrlichkeit;
schon von der Stiftshütte her kennen) be- – Ölbaum (vgl. Sach 4,3.6):
sonders auf den des Wohnens hin. Heiliger Geist.

Die Versammlung Gottes wird auch Die Beschäftigung mit der Frage zeigt,
mit einem Tempel als dem jetzigen (1. Kor wie herrlich Gott gerade durch die Bilder
3,16) und ewigen (Eph 2,21) Wohnort von Stiftshütte und Tempel seinen großen
Gottes und seines Volkes (1. Pet 2,5; 1. Wunsch, inmitten seines Volkes zu wohnen,
Tim 3,15) verglichen. So baut auch der verdeutlicht. Und das nicht, indem Gott al-
Herr Jesus seine Versammlung (Gemein- les tut, sondern indem das Volk selbst zum
de), die ewig Bestand haben wird (Mt verantwortungsvollen Bauen aufgefordert
16,18). Als zweiter Aspekt ist zu nennen, wird (2. Mo 25,8 und 1. Chr 22,19). Er ap-
dass der Herr Jesus sowohl den damaligen pelliert an unsere Herzen, mit Freude und
Tempel (Joh 2,16) als auch die ewige Woh- Energie (in) seinem Haus zu dienen. Sicher
nung der Erlösten als Haus seines Vaters werden wir durch weiteres Forschen noch
bezeichnet (Joh 14,2). Deshalb kann man mehr Unterschiede und deren Bedeutung
in dem Tempel sicher auch ein Vorausbild entdecken. Es lohnt sich!
auf das Vaterhaus sehen. Wenn wir nun die Martin Schäfer
Unterschiede zur Stiftshütte untersuchen,
finden wir gerade diese beiden Hauptbe-
deutungen des Tempels bestätigt:
1
Leider musste Gott wegen der Untreue seines Volkes den Tempel verlassen (Hes 9-11) und auch durch Nebukadnezar zerstören (2.
Kön 25,9). Ein Schatten ist nie so perfekt wie die Wirklichkeit.
2
Der Geist wirkt diese Erfahrungen aber auch heute schon in den Zusammenkünften, in denen wir einmal alles um uns herum verges-
sen dürfen. Aber die „Bodenhaftung“ verlieren wir dennoch nicht.
Folge mir nach
27
Der Prophet Obadja –
Weissagungen über Israels
hochmütiges Brudervolk

I n unserer Serie über die


kleinen Propheten kommen wir
nach Hosea, Joel und Amos in
diesem Heft zu Obadja. Seine
Weissagung umfasst 21 Verse
– damit ist er der kürzeste der
kleinen Propheten. Felsenstadt Petra

Der Bote und die Botschaft: Zukunft bevorsteht, Edom ausgerottet wer-
den wird! Wie kommt das?
Düster und trostlos ist das „Gesicht Obad- Die falsche Orientierung ...: Esau
jas“. Es geht um Edom, die Nachkommen gab einem spontanen Bedürfnis nach
von Jakobs Bruder Esau. Dieses Volk und tauschte sein Erstgeburtsrecht – den
spielte seinem Brudervolk Israel in seiner Segen, den Gott mit seiner Geburt ver-
Not übel mit und schmähte dadurch den knüpft hatte – gegen ein Linsengericht –
HERRN, Israels Gott. Er wird Edom deshalb einen kurzlebigen, irdischen Genuss (1.
durch Israel ausrotten. Auf dem Berg Zion Mo 25,30 ff.). Er gab seiner weltlichen
– in Jerusalem – wird dann Errettung sein, Gesinnung nach und war – obwohl
dort wird der HERR sein Reich aufrichten. er damit ungewollt Gottes Vorhersage
erfüllte (1. Mo 25,23) – dafür voll ver-
Die trostlose Geschichte eines Hoch- antwortlich.
mütigen: ... wurde nicht korrigiert ...: Als Ja-
kob später Isaaks Segen erschlich, gab
Die Geschichte Edoms zeigt, welch eine sich Esau mit Gottes „kleinem“ Segen
unterschiedliche Entwicklung zwei Brüder nicht zufrieden; er rebellierte gegen Ihn
und Brudervölker nehmen können – und und begann, seinen Bruder zu hassen
wie unterschiedlich deshalb Gottes Urteil (1. Mo 27,39 ff.). Lag der Fehler bei
über sie ausfällt. Jakob und Esau waren Jakob, bei Isaak, bei Rebekka – oder
Zwillingsbrüder; ihre Lebensbedingungen nicht vielmehr bei ihm selbst? Aber
konnten ähnlicher nicht sein. Wie erschre- Esau „fand keinen Raum zur Buße“
ckend, dass, während Israel eine herrliche (Heb 12,16.17).

28
Streiflicht: Der Prophet Obadja

... und bestimmte den weiteren tigen widersteht Gott (1. Pet 5,5). Er wird
Lebensweg – des ganzen Volkes: Edom vollständig und unwiderruflich aus-
Die Beziehung zwischen Esau und Ja- rotten (9.18; vgl. Jes 34; 63; Hes 25; 35).
kob war vergiftet. Ähnliches findet man Jakob war nicht besser als Esau, aber er
dann bei Edom wieder: Es fühlte sich demütigte sich, und Gottes Segen war ihm
in seinen Bergen sicher und erhaben wichtig. Das wird auch auf einen gläubigen
(3.4.8.9). Israel, Gottes auserwähltes Überrest aus dem Volk zutreffen. Dem De-
Volk, wurde zur Zielscheibe hämischen mütigen gibt Gott Gnade (1. Pet 5,5), und
Spotts und abscheulicher Kriegsver- so wird Er Israel segnen (17 ff.).
brechen (10 ff.; vgl. 4. Mo 20,14 ff.;
Ps 137,7; Jer 49,7 ff.; Klgl 4,21; Hes Was hat Edoms Geschichte uns heute zu
25,12 ff.; 35,5). An Gott dachte Edom sagen? Zuerst die Warnung: „Was irgend
anscheinend gar nicht. ein Mensch sät, das wird er auch ernten“
(15; vgl. Gal 6,7). Dann der Ansporn:
Gottes Urteil über die beiden Brüder setzt Der Herr Jesus sagte von sich: „Ich bin
sich in den beiden Völkern fort: „Ich habe sanftmütig und von Herzen demütig“ (Mt
Jakob geliebt, Esau aber habe ich gehasst“ 11,29). Er sagte das, damit wir von Ihm
(Mal 1,2.3). Esau war hochmütig, und das lernen.
kennzeichnete ganz Edom. Dem Hochmü- Thorsten Attendorn

Die Felsenklüfte der


Felsenstadt Petra, im
Hintergrund die Hügel
von Edom.

Der Übermut deines Herzens hat dich


verführt, der du in Felsenklüften, auf
hohem Sitz wohnst und in deinem
Herzen sprichst: Wer wird mich zur Erde
hinabstürzen?
Obadja 1,3
Folge mir nach
29
Jesus Christus –
unser Hirte

D er HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln ...“ Wer kennt nicht
den 23. Psalm, wo David so beeindruckend von seinem Hirten, von Gott,
spricht? Auch an vielen anderen Stellen im Alten Testament lesen wir von
Gott als dem Hirten. Zwar hatte sich Gott im Alten Testament noch nicht in
dem Herrn Jesus offenbart. Aber spätestens in den Evangelien sehen wir,
dass sich dieser Titel „Hirte“ auf den Herrn Jesus beziehen lässt. Dort sagt
der Herr Jesus von sich: „Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte lässt sein
Leben für die Schafe“ (Joh 10,11).

Warum nennt der Herr Jesus sich eigentlich Es ist nicht schwer zu sehen, dass das Ver-
„Hirte“? Es gibt viele Berufe und Titel, die hältnis vom Hirten zu seinen Schafen dem
der Herr Jesus sich hätte zulegen können. des Herrn Jesus zu uns, die wir durch sein
Werk am Kreuz von Golgatha erret-
tet worden sind, in vielem gleicht.

Schafe und ihr Hirte

Schafe sind nicht in der Lage, allei-


ne ohne einen Hirten zu überleben.
Auch wir würden ohne den Herrn
Jesus nicht „überleben“. Wenn Er
nicht sein Leben für uns dargelegt
hätte, würden wir alle umkommen.
Wenn Er nicht täglich für uns sorgte
– als Hoherpriester, Sachwalter oder
Hirte, würde keiner von uns das Ziel
erreichen: Und das ist der Himmel!

Schafe laufen auch gerne von der


Er wird auch nicht nur als „Hirte“ bezeich- Herde weg – und merken erst, wenn es
net, sondern hat viele weitere Titel. Aber zu spät ist, dass sie es nicht mehr schaf-
warum gerade Hirte? fen, zurück zu finden. Geht es uns nicht

30
Jesus Christus – unser Hirte

auch oft so? Am liebsten brechen wir aus te“ von den „schlechten Hirten“ oder „bö-
– als Kinder, als Jugendliche, als junge sen Hirten“. Auch solche gab und gibt es.
Erwachsende, und auch als Ältere wieder. Sie versuchen, die Schafherde in die Irre zu
Manchmal stellen wir dann doch fest, dass
wir auf einem Irrweg sind – und wissen
nicht, wie wir wieder zurück zur Herde und
zum Herrn Jesus finden können. Dann
lernen wir – wie uns das Kinderlied (Ein
kleines wildes Schäfchen, das lief einfach
fort, usw.) die Worte des Herrn so treffend
wieder ins Bewusstsein ruft – dass nur
unser Retter uns zurückbringen kann. „Wel-
cher Mensch unter euch, der 100 Schafe
hat und eins von ihnen verloren hat, lässt
nicht die 99 in der Wüste zurück und geht
dem verlorenen nach, bis er es findet?“
(Lk 15,4). Das ist niemand anderes als
unser Herr, der uns in seiner Liebe immer führen – das heißt konkret, weg von dem
wieder nachgeht. Auch dir. Herrn Jesus und Gott. Und oft genug las-
sen sie die Herde bei Gefahr im Stich. Sie
So könnte man noch manchen anderen kamen und kommen nicht in Übereinstim-
Vergleich heranziehen. Aber wir wollen uns mung mit den Schriften und nicht mit dem
nicht mit den Schafen – mit uns – beschäf- Wunsch der Liebe, ihr Leben für andere zu
tigen, sondern mit dem Hirten. Und das geben. Vielmehr wollen sie für sich selbst
Neue Testament stellt uns den Herrn Jesus Gewinn bekommen – auf Kosten anderer
als den guten Hirten, als den großen Hirten und insbesondere auf Kosten der Schafe.
und als den Erzhirten vor.
Ganz anders handelte unser Herr. Er
war sanftmütig und von Herzen demütig
Der gute Hirte (Mt 11,29). Und Er hat sich sogar an das
Kreuz schlagen lassen, um andere zu erret-
In dem oben zitierten Vers in Johannes 10 ten: „Größere Liebe hat niemand als diese,
verbindet der Herr Jesus mit seinem Titel dass jemand sein Leben lässt für seine
als Hirte, dass Er sein Leben lassen würde. Freunde“ (Joh 15,13). Diese Liebe und
Der Herr Jesus ist deshalb der „gute“ Hirte, dieser Liebende ist nur zu bewundern!
weil Er unsere Not und unser Elend sah:
Wir waren ewig verloren. Aber Er wollte
uns einen Ausweg schaffen, einen Weg Der große Hirte
des Segens. Deshalb hat Er – der Hirte
– für uns – die Schafe – sein Leben hinge- Auch der Schreiber des Hebräerbriefes
geben. Er hatte das Recht des Hütens und spricht von einem Hirten, nennt ihn je-
Weidens. Aber Er hat dieses Recht hinten doch den „großen Hirten“: „Der Gott des
angestellt. Er ist für uns gestorben. Ist Er Friedens aber, der aus den Toten wieder-
nicht wirklich würdig, diese Auszeichnung brachte unseren Herrn Jesus, den großen
„gut“ zu tragen? Hirten der Schafe, in dem Blut des ewigen
Zugleich unterscheidet sich der „gute Hir- Bundes, vollende euch in jedem guten

Folge mir nach


31
Jesus Christus – unser Hirte

Werk, damit ihr seinen Willen tut, in euch In den ersten Versen dieses Kapitels stellt
das bewirkend, was vor ihm wohlgefällig Petrus die Brüder, die als Älteste tätig sind,
ist, durch Jesus Christus, dem die Herrlich- in die Verantwortung vor den Herrn und
keit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen“ Gott. Denn sie hüten die Herde Gottes,
(Heb 13,20-21). keinen eigenen Besitz und erst recht kein
Eigentum. Sie sind bevorrechtigt, als Hir-
Dieser Vers macht deutlich, dass mit dem ten für Gott zu wirken. Aber auch sie ha-
Titel „großer“ Hirte die Auferstehung un- ben – wie jeder Gläubige – einen Erzhirten,
seres Herrn verbunden wird. Gott hat Ihn dem sie verantwortlich sind. Dieser Erzhirte
aus den Toten auferweckt! Als der Aufer- – Jesus Christus – begutachtet jede Arbeit
standene ist Er tätig, damit wir gute Werke an seiner Schafherde. Und Er möchte
vollbringen und den Willen Gottes tun. Es belohnen und Kronen verleihen für gute
ist der Gott des Friedens – der Frieden stif- Arbeit, die man für Ihn ausgeführt hat.
tet und Frieden gibt – der diesen Dienst an
uns tut. Aber Er tut es in dem und durch Wenn es also in der Versammlung (Ge-
den Herrn Jesus. Gerade durch unsere meinde, Kirche) Gottes auch manche
Beziehung zu Ihm als dem Auferstandenen Hirten geben mag: Es gibt nur einen Erz-
bekommen wir die Kraft, den Willen Gottes hirten. Ihm kommt auch hinsichtlich dieses
auszuführen. Ranges niemand gleich. Er ist nicht nur als
großer Hirte in seinem Wert und seiner
So ist Christus für uns heute nicht einfach Größe unvergleichlich, auch seine Stellung
ein Hirte unter Hirten, sondern der große ist einzigartig. Er wohnt und thront in der
Hirte. Er ist unvergleichlich. Sein mora- Herrlichkeit des Himmels, wir alle leben
lischer Wert, seine erhabene Größe ist und arbeiten hier auf der Erde, unter seiner
einzigartig. Auch der Wert seines Blutes, Aufsicht.
das am Kreuz von Golgatha zur Sühnung
geflossen ist, ist ewig. Und dieser gesegnete Für diese Arbeit gibt es eine Belohnung.
Hirte lebt in der Kraft eines unauflöslichen Und könnte es einen besseren und ge-
Lebens. Diesen großen Hirten dürfen wir rechteren Belohner geben als Ihn, unseren
kennen – und was noch größer ist: Er kennt Herrn? Er ist nicht nur der gute Hirte, der
dich und mich und kümmert sich um uns! gestorben ist. Er ist auch der große Hirte,
der auferstanden ist und als Erzhirte jetzt in
der Herrlichkeit thront. Ihm „sei die Herr-
Der Erzhirte (Oberhirte) lichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen“.

Der Apostel Petrus schreibt in seinem Hir- Manuel Seibel


tenbrief schließlich von dem sogenannten
„Erzhirten“: „Wenn der Erzhirte offenbar
geworden ist, so werdet ihr die unverwelk-
liche Krone der Herrlichkeit empfangen“
(1. Pet 5,4).

„Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte


lässt sein Leben für die Schafe“
Johannes 10,11

32
Lebensbeschreibung: Marie Durand

Die Hugenottin
Marie Durand

W enn ein Mensch bereit ist, schon mit 15 Jahren um des Herrn
willen ins Gefängnis zu gehen und 38 Jahre darin ausharrt, muss er es mit
der Hingabe an Christus sehr ernst meinen. Marie Durand hat ihr Leben
für Christus „aufs Spiel“ gesetzt.

Historischer Hintergrund

Mit der Machtergreifung Ludwigs XIV. im


Jahr 1661 wurden in Frankreich die Huge-
notten (französische Protestanten) erneut
unterdrückt. Man versuchte ihre Rückkehr
zur Katholischen Kirche mit brutalen Mit-
teln zu erzwingen. Als im Jahr 1685 der
König das Edikt von Nantes1 widerrief, war
dem Protestantismus in Frankreich jede
Daseinsberechtigung entzogen.

Eine Massenflucht der Hugenotten setzte


ein. Hunderttausende verließen das Land.
Für diejenigen, die zurückblieben, brach
eine äußerst harte Zeit an. Viele verloren
Hab und Gut, ihre Freiheit oder sogar ihr
Leben.
Marie Durand wurde nach
Aigues-Mortes deportiert und
Die Durands dort in dem „Tour de Constance“
untergebracht.
Auch der gläubige Etienne Durand und
seine Frau Claudine Gamonet2 aus Le ren Hugenotten. Sie hatten zwei Kinder:
Bouchet-de-Pranles (Südfrankreich) wa- Pierre Durand (*1700) und Marie Durand

1
Heinrich der IV. (1589-1610) erließ am 13.04.1598 diese Anweisung: Den Hugenotten wurde Gewissensfreiheit, Ausübung ihrer
Gottesdienste, bürgerliche Gleichberechtigung und eine Anzahl fester Städte als Pfand für ihre Sicherheit zugebilligt.
2
Nach dem damaligen Gebrauch behielt die Frau ihren Mädchennamen.

Folge mir nach


33
(*1715). Da in ihrem Haus unerlaubte Sommer. Der Bretterverschlag, der not-
Versammlungen stattfanden, wurden sie dürftig vor Wind und Kälte schützte, hielt
1729 eingekerkert. Pierre, der segensreich das ersehnte Licht noch mehr zurück. Der
im Verborgenen als Prediger wirkte, wurde beißende Rauch des offenen Feuers konn-
drei Jahre später gefasst und hingerichtet. te dann auch kaum mehr abziehen, reizte
zum Husten und brannte in den Augen.
Marie wurde am 17.04.1730 um ihres „Lebendig begraben“ – das war das grau-
Glaubens willen verhaftet. Sie war zu same Los der Gefangenen.
diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt und seit
drei Wochen verheiratet. Ihr Mann kam Im Turm gefangen
in die Festung von Brescou, erlangte aber
20 Jahre später unter der Bedingung, das In diese Welt wurde Marie Durand an ei-
Land zu verlassen, die Freiheit – Marie sah nem heißen Apriltag hineingestoßen. So
ihren Mann nach der Gefangennahme nie geriet sie in den endlos scheinenden Strom
wieder. Sie selbst wurde nach Aigues-Mor- der Trostlosigkeit, in dem sich zu diesem
tes deportiert und dort in dem „Turm der Zeitpunkt noch weitere 28 Personen be-
Constance“ untergebracht. Dieser Turm fanden (zwei davon waren Kinder, die im
wurde für sie Gefängnis und zugleich Ort Turm geboren wurden). Tag für Tag, Monat
der Bewährung. für Monat, Jahr für Jahr fristete sie nun ihr
Dasein in dem feuchten Dämmerdunkel.
Der Turm der Constance Wie leicht hätte sie sich daraus befreien
können! Sie hätte „nur“ zum Katholizismus
Bis heute gilt die „Tour de Constance“ als zurückkehren müssen, dann wäre sie wie-
Wahrzeichen von Aigues-Mortes, einer der in der sonnigen Freiheit gewesen. Doch
Stadt, die in einem salzigen Sumpfgebiet das wollte sie nicht – nein, um keinen Preis
am Mittelmeer liegt. Weithin ist das mäch- wollte sie die erkannte Wahrheit verleug-
tige, aus der flachen Landschaft aufstre- nen. Dazu ermutigte sie auch die anderen
bende Bauwerk sichtbar. Der Turm enthält Frauen, zu deren Führerin sie mit der Zeit
zwei kreisrunde, übereinander gelegene geworden war.
Gewölbe, die eine Höhe und einen Durch-
messer von elf Metern haben. In der Mitte So harrten die Frauen tapfer aus. Nur
der Decke dieser Rundräume ist jeweils ein wenige hielten dem Druck nicht stand.
Luft- und Lichtloch. Diese beiden Schächte Dazu gehörte auch die 1743 eingelieferte
liegen genau übereinander, sind mit einem Isabeau Guibal. Sie bat um Erlaubnis, zur
Randmäuerchen eingefasst und mit einem Messe in die Kirche gehen zu dürfen (was
Gitter bedeckt. Über Jahrhunderte wurden den Gefangenen natürlich gern zugebilligt
hier Gefangene untergebracht, ab 1686 wurde) und distanzierte sich von den an-
auch Hugenotten. 1724 wurde es zum deren Häftlingen. Die Bemühungen Marie
Frauengefängnis erklärt. Durands an ihr blieben erfolglos. „Das
sind die schwersten Heimsuchungen, die
Das Elend hinter den sechs Meter dicken über uns kommen können“, seufzte Marie
Mauern war groß. Stickige Luft, grausame Durand, „viel schwerer als Krankheit oder
Eintönigkeit, trübes Licht, schlechte Versor- Tod. Darum, liebe Schwestern, widersteht
gung und starke Feuchtigkeit machten das und betet, dass nicht auch wir noch in der
Leben zu einer Qual. Im Winter erging es Anfechtung fallen.“ Damals geschah es,
den Gefangenen noch miserabler als im dass sie mit der Spitze einer Schere in das

34
Lebensbeschreibung: Marie Durand

steinerne Umfassungsmäuerchen des Luft- Hoffnung auf eine Begnadigung zerschlug,


und Lichtschachtes das mahnende Wort der Wind eisig durch die Luftscharten
einkratzte: RECISTER („Widerstehen“). blies, die rheumatischen Beschwerden sie
Heute noch ergreift diese Inschrift den peinigten, das Wasser an den Wänden
herunterlief, das Sumpffieber
Der ,,Tour de sie schüttelte, eine schwere
Constance“, ist Erkältung nicht abklang oder
40 Meter hoch und eine der Leidensgenossinnen
hat 6 Meter dicke im Elend starb.
Mauern. Er diente
zuerst als Leuchtturm
Am 11.04.1768 betrat gegen
und dann fünf
Jahrhunderte als
Abend ein Herr den Turm und
Gefängnis. überreichte Marie Durand
ein gerolltes Papier: Sie war
begnadigt worden! Marie Du-
rand war nach 38 Jahren Haft
eine freie Frau. Gezeichnet
von jahrelangen Leiden und
Entbehrungen kehrte die nun
53-Jährige in ihre alte Heimat
zurück und lebte dort noch ei-
nige Jahre zurückgezogen und
bescheiden. Acht Jahre später
starb sie, im Juli 1776. Ihre
letzten Worte sollen gewesen
sein: „Die Krone des Lebens“.
Ja, diese Krone wird sie emp-
fangen, denn sie bewährte
sich in der Erprobung und war
auch bereit, für ihren Herrn
zu sterben (vgl. Jak 1,12;
Off 2,10).

Sind wir nicht beschämt,


wenn wir diese Hingabe se-
gläubigen Besucher des Turmes und appel- hen? Bewegt uns nicht die Standhaftigkeit
liert an ihn, dem Teufel zu widerstehen (vgl. dieser Frau, die (mit manchen anderen)
Eph 6,13; Jak. 4,7; 1. Pet 5,9). dieses „steinerne Grab“ zu einem Denkmal
der Glaubenstreue gemacht hat? Es sollte
RECISTER! Immer wieder musste Marie uns ein Ansporn sein, dem Herrn treuer
Durand sich selbst und den anderen Frau- nachzufolgen, für Ihn auf Annehmlichkei-
en dies zurufen; immer wieder fielen ihre ten zu verzichten, vor Schwierigkeiten nicht
Blicke in dem Halbdunkel auf dieses Wort. in die Knie zu gehen und Ablehnung zu
Und sie widerstand! Sie gab der Versu- erdulden.
chung nicht nach, ihren Herrn zu verleug-
nen. Auch dann nicht, wenn sich erneut die Gerrid Setzer

Folge mir nach


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Das unverwechselbare
Original
„Weil du teuer, wertvoll bist in meinen Augen und
ich dich lieb habe“
Jesaja 43,4

Es ist Abend geworden. Das Feriencamp nähert sich dem Ende. Auf der Terrasse hinter
dem Freizeitheim wird es still. Jörg tritt an das Rednerpult. „Ich habe noch etwas Be-
sonderes für euch heute Abend.“ Zwei Jungen tragen einen großen, dick verpackten
Gegenstand auf die Terrasse. „Was ihr hier seht, ist das kostbarste Bild, das es gibt. Der
Schöpfer des Bildes hat alle seine Liebe und Sorgfalt darin investiert. Es ist so teuer, dass
es unbezahlbar ist. Es ist absolut
einmalig. Ein unverwechselbares
Original. Es gehört dem Künstler
und ist absolut unverkäuflich.
Nun ist es seinem Urheber ge-
stohlen worden. Aber er hat
einen unvorstellbar hohen Preis
bezahlt, um das Bild zurückzu-
bekommen. Das Leben seines
eigenen Sohnes!“

Ein Raunen geht durch die


Gruppe der jungen Leute, die
auf der Terrasse sind. Die meis-
ten ahnen schon ein bisschen,
was es mit dem Bild auf sich
haben könnte.

„Wer möchte das Bild auspacken?“, fragt Jörg. Anne traut sich – neugierig und interes-
siert. Sorgfältig entfernt sie das Papier und die Decken. Sie betrachtet das Bild und lacht
hell auf. Dann stutzt sie einen Augenblick und sagt dann leise, staunend:

„Das bin ja ich.“

Nachdenklich betrachtet sie ihr Bild in dem großen Spiegel. „Ja“, flüstert sie, aber den-
noch können es alle hören. „Der Künstler – das ist Gott. Er hat mich gemacht, so wie ich
bin. Und er hat mit dem Leben des Herrn Jesus bezahlt, dafür, dass ich zu ihm kommen
kann.“

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