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ei t sch ri f t für junge Christen

Befreit von
der Macht der
Sünde
Das Problem und die Lösung 4
Hingabe
(M)ein Leben –
Hinauf nach gegeben 13
Jerusalem
Die Leiden des Christus 21

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Folge mir nach
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Inhalt/Impressum

Inhalt
Aus aktuellem Anlass:
Befreit von der Macht der Sünde ........................................................................................4
Bibel praktisch:
Hingabe – (M)ein Leben gegeben .................................................................................... 13
Zum Nachdenken:
Pinnwand .................................................................................................................................. 16
Bibelstudium:
Christus und die Christen .................................................................................................... 18
Jesus Christus:
Hinauf nach Jerusalem ......................................................................................................... 21
Bibel praktisch:
Thessalonich und Beröa – Die Predigt und ihre Aufnahme ..................................... 28
Gute Botschaft:
Einer für alle ............................................................................................................................. 32

Impressum
Herausgeber: Anschrift der Redaktion:
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Das persönliche Grußwort

E in neues Heft von „Folge mir nach“ erreicht die Leser. Wir
begleiten es mit dem Wunsch, dass die Artikel Euch zum Segen und
von praktischem Nutzen für den Glaubensweg sein möchten.

Auf in die Freiheit


Kennen wir nicht alle Situationen, wo wir mit Versuchungen
und Sünden in unserem Leben zu „kämpfen“ hatten? Sagt die
Bibel etwas zu diesem Thema? Der Artikel Befreit von der Macht
der Sünde (S. 4) geht dieser Frage nach und gibt sowohl eine
biblische Antwort als auch eine Illustration aus der praktischen
Lebenserfahrung. Die Aussagen des Artikels könnt Ihr Euch an
einer Hand merken. „???“ Na ja, ich will ja nicht alles gleich verraten.

Auf an die Arbeit


Es gibt in diesem Heft zwei Übersichten, die nicht so zum
„Runterlesen“ gedacht sind, sondern zur Beschäftigung mit
Gottes Wort anregen sollen. Sowohl bei der Tabelle über Dein
Verhältnis zu Christus (S. 18) als auch bei der Mind Map1 zu den
Heilungswundern (S. 16), die der Herr am Sabbat wirkte, liegt der
Nutzen im Nachschlagen und Nachdenken über die angegebenen
Bibelstellen.

Auf der Reise


In diesem Heft findet Ihr zwei ganz verschiedene Reisen. Die eine
(S. 21) führte unseren Herrn nach Jerusalem, um dort am Kreuz
für Dich und mich zu sterben. Die andere (S. 28) führte Paulus und
seine Mitarbeiter in immer neue Regionen, um diese Botschaft vom
Kreuz zu verkündigen.

1
Eine „Mind Map“ ist eine Möglichkeit, Notizen oder Gliederungen in visueller Form darzustellen.
Das Thema steht in der Mitte und die einzelnen Unterpunkte entwickeln sich wie Äste nach außen.

Folge mir nach


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von der
Macht der Sünde
Im Brief an die
Römer zeigt Gott
jedem Gläubigen,
wie er für Ihn leben
kann. Wer diese
Basis-Belehrungen
verstanden hat, der
ist durchgebrochen
zu einem wirklich
glücklichen Leben
als Christ.

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Befreit von der Macht der Sünde // Aktuell

Befreit von der Macht der Sünde Gibt es Befreiung von dieser Macht der
Sünde? Ja, natürlich! Gott will nicht,
Das Problem dass ich sündige. Er will, dass ich für
Nach meiner Bekehrung frage ich mich: Ihn lebe. Dann muss die Befreiung
„Wie gefalle ich dem Herrn? Wie lebe ich auch möglich sein! Dann muss Gott
zu seiner Ehre?“ Ich will nicht mehr sün- selbst eine Lösung für das Problem
digen, sondern heilig leben, also mög- der in mir wohnenden Sünde haben –
lichst ohne zu sündigen. Aber da stoße und Er hat sie. Ich finde sie in der Bibel,
ich auf ein Problem: Es gelingt nicht! Ja, im Brief an die Römer, in den Kapiteln
je mehr ich mich anstrenge, desto öfter 5,12–8,39.
versage ich. Ich werde unglücklich, bin
enttäuscht, heimlich zornig – auf mich
selbst und vielleicht auch auf Gott. Der Brief an die Römer zeigt die
Lösung
Das Problem, auf das ich gestoßen Die ersten 8 Kapitel enthalten die ei-
bin, ist die eigene Verdorbenheit und gentliche Lehre des Römerbriefs. In ih-
Sündhaftigkeit. In mir lebt die Sünde! nen werden die beiden großen Proble-
Wie eine nie versiegende Quelle spru- me des Menschen und die „Lösungen“
delt sie immer neue Sünden hervor: ein Gottes dafür beschrieben. Dementspre-
scheinbar endloser Strom böser Gedan- chend lassen sich diese Kapitel in zwei
ken und Taten. Bin ich immer noch wie Teile aufteilen.
ein verdorbener Baum, der nur schlech-
te Früchte hervorbringen kann, obwohl
ich mich bekehrt habe? Bin ich vielleicht Erster Teil: Rechtfertigung trotz Sün-
gar nicht bekehrt? den

An meiner Bekehrung muss ich nicht Nach einer Einleitung geht es bis Ka-
zweifeln! Denn ich weiß, dass Gott mir pitel 5,11 um das erste große Problem
alle Sünden (die schlechten Früchte) des Menschen: seine Sünden. Der Text
vergeben hat – weil Er es selbst sagt. liest sich am Anfang wie die Darstellung
Vielleicht habe ich auch schon verstan- einer Gerichtsverhandlung, bei der alle
den, dass mir die Sünde angeboren ist Menschen vor Gott angeklagt sind.
(der verdorbene Baum) und dass sie in Nacheinander werden die unterschied-
mir bleibt, solange ich lebe – solange lichen Menschengruppen untersucht
ich diesen alten Körper habe, der bei – die Heiden, die religiösen Menschen
der Bekehrung noch nicht erneuert und die Juden im Besonderen. Dann
worden ist. folgt das Urteil: „Alle haben gesündigt“
(Kapitel 3,23). Folglich haben alle die
Aber es schockiert mich zu erfahren, Hölle verdient. Doch es heißt weiter:
was für eine Macht diese Sünde hat! „… und werden umsonst gerechtfertigt
Sie zwingt mich zu sündigen, sie quält durch seine Gnade“ (Kapitel 3,24).
mich, sie versklavt mich … Das ist die Lösung Gottes für das Pro-

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Aktuell // Befreit von der Macht der Sünde

blem der Sünden, die ich begangen Problem stößt man, wie gesagt, erst,
habe: Gott hat mir die Rechtfertigung nachdem man sich bekehrt hat.
geschenkt, als ich an den Herrn Jesus Die Lösung Gottes für dieses Problem
geglaubt habe. Er hat mich freigespro- ist zwar genauso vollkommen wie die
chen, für gerecht erklärt. Ich verlasse Rechtfertigung, und sie beruht genauso
den Gerichtssaal so, als ob ich nie ge- auf dem Werk des Herrn Jesus am Kreuz,
sündigt hätte! aber sie ist schwieriger zu verstehen.

Die Befreiung von der Macht der


Sünde ist deshalb so schwierig
zu verstehen, weil es dabei um
meine Erfahrung geht, und weil
meine Erfahrung den Aussagen
Gottes zunächst einmal wider-
spricht. Gott sagt: Du bist freige-
macht von der Macht der Sünde.
Meine Erfahrung sagt: Ich diene
der Sünde.

Damit das, was Gott als Tatsache


hinstellt, zu meiner neuen Er-
fahrung wird, muss ich mich mit
Seitdem ich das verstanden habe, habe dem auseinandersetzen, was Gott sagt.
ich Frieden mit Gott. Ich weiß, dass Gott Solange ich mich nur mit meiner (bis-
im Blick auf die Ewigkeit alles geregelt herigen) Erfahrung beschäftige, ändert
hat. „Da wir nun gerechtfertigt worden sie sich nicht. Deshalb werde ich im
sind aus Glauben, so haben wir Frieden zweiten Teil des Römerbriefs aufgefor-
mit Gott durch unseren Herrn Jesus dert, mich nicht auf meine Erfahrung zu
Christus“ (Kapitel 5,1). konzentrieren, sondern auf die Tatsa-
chen, die Gott mir vorstellt.
Obwohl ich es nicht sehen oder fühlen
kann, ist es doch einfach zu glauben: Zur Verdeutlichung: Drei Menschen lau-
„Ich bin gerechtfertigt!“ – einfach des- fen hintereinander auf einer schmalen
halb, weil Gott es so sagt. Mauer. Der erste Mensch, der vorne weg
geht, verkörpert die Tatsachen Gottes.
Er geht sicheren Schrittes geradeaus.
Zweiter Teil: Befreiung von der Macht Als Zweiter komme ich und hinter mir
der Sünde folgt meine Erfahrung. Solange ich nun
auf die Tatsachen sehe, geht alles gut.
Ab Kapitel 5,12 geht es jetzt um das Ich gehe sicher geradeaus, und meine
zweite große Problem des Menschen: Erfahrung folgt mir. Wenn ich mich aber
die in ihm wohnende Sünde. Auf dieses umwende, um nach meiner Erfahrung

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Befreit von der Macht der Sünde // Aktuell

zu sehen, was passiert dann? Ich werde Tatsache Nr. 1: Ich habe neues Le-
stolpern und die Mauer hinunterfallen. ben bekommen (und eine neue
Und die gute alte Erfahrung folgt mir Stellung)3
– wie immer. Meine Erfahrung scheint
mir wieder einmal zu bestätigen, dass Es gibt zwei Menschengruppen. Zu der
ich einfach nicht heilig leben kann… einen Gruppe gehören alle Nachkom-
Ich hätte aber eine ganz andere Erfah- men Adams und zu der anderen Grup-
rung gemacht, wenn ich mich auf die pe alle „Nachkommen“ des Herrn Jesus,
Tatsachen Gottes konzentriert hätte.1 d.h. alle, die an Ihn glauben.

Durch Adam ist die Sünde in die Welt


Fünf Tatsachen gekommen. Er wurde ein Sünder und
dieses sündige Leben, diese sündige
Man kann die Kapitel 5,12–8,39 in 5 Art, diese böse Natur, hat er an alle sei-
Abschnitte unterteilen. Jeder Abschnitt ne Nachkommen vererbt: In ihnen allen
endet mit „Jesus Christus, unserem wohnt die Sünde.
Herrn“, „Christus Jesus, unserem Herrn“
oder einmal auch nur mit „Christus Je- Adam war ungehorsam, aber Christus
sus“: war gehorsam und hat das Werk der
Erlösung vollbracht. Wer nun an Ihn
1. Kapitel 5,12–21 endet mit: „durch Je- glaubt, der bekommt auch sein Leben
sus Christus, unseren Herrn“; – ein Leben das nicht sündigen kann,
2. Kapitel 6,1–11 endet mit „in Christus eine neue, gute Natur. „Denn so wie
Jesus“2; durch den Ungehorsam des einen Men-
3. Kapitel 6,12–23 endet mit „in Chris- schen [Adam] die vielen in die Stellung
tus Jesus, unserem Herrn“; von Sündern gesetzt worden sind, so
4. Kapitel 7,1–25 endet mit „durch Je- werden auch durch den Gehorsam des
sus Christus, unseren Herrn!“ (und einen [Jesus Christus] die vielen in die
einem weiteren Schlusssatz); Stellung von Gerechten gesetzt werden
5. Kapitel 8,1–39 endet mit „in Christus [das sind alle Gerechtfertigten, die neu-
Jesus, unserem Herrn“. es Leben bekommen haben]“ (Kapitel
5,19).
In jedem dieser Abschnitte stellt Paulus
eine Tatsache vor. Solange ich lebe, habe ich noch die
Sünde in mir, die ich von Adam geerbt
1
Natürlich reicht es nicht aus, wenn ich mir die fünf Tatsa- habe, obwohl ich eigentlich schon zu
chen anlerne, wenn ich biblische Wahrheiten auswendig
lerne, um sie theoretisch „vor Augen zu haben“. So darf
der zweiten Menschengruppe gehöre –
das Bild nicht verstanden werden. Ich muss von den fünf zu denen, die neues Leben bekommen
Tatsachen persönlich überzeugt sein, so dass ich das
Gelernte mit der Hilfe des Herrn ausleben kann und es zu
haben. Das ist die Tatsache, die mir hier
einer Wirklichkeit in meinem Leben wird. gezeigt wird: Ich kann noch sündigen,
2
Da hier der Zusatz „unserem Herrn“ fehlt, ist diese
Unterteilung des 6. Kapitels nicht zwingend. Tatsächlich 3
Es entspricht der Lehre des Römerbriefs, von einer neuen
hängt dieser Abschnitt auch sehr eng mit dem nächsten Stellung zu sprechen. Das neue Leben wird in Römer 5-6
zusammen. nicht direkt gelehrt, aber doch vorausgesetzt.
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Aktuell // Befreit von der Macht der Sünde

weil die Sünde noch in mir wohnt, aber Wenn also eine Versuchung an mich
ich muss nicht mehr sündigen, weil ich herantritt, habe ich keine Angst mehr
neues Leben bekommen habe! vor ihr. Ich lasse sie „links liegen“. Ich bin
ja tot für die Sünde!

Tatsache Nr. 2: Ich bin der Sünde ge-


storben Tatsache Nr. 3: Ich habe einen neuen
Herrn
Für Gott ist der Gläubige eins mit Chris-
tus. Dadurch, dass er das Leben des Ich lasse nicht nur die Sünde, sondern
Herrn Jesus bekommen hat, wurde er ich tue auch das Gute. Besser gesagt:
sozusagen in Ihn eingepflanzt, so dass Ich stelle mich Gott zur Verfügung, da-
er und Christus eine „Pflanze“ gewor- mit Er mich so benutzen kann, wie Er
den sind. Daraus folgt: Wenn Er gestor- will (Kapitel 6,13). Ich gehorche dem
ben ist, dann sind wir, die Gläubigen, Herrn.
auch gestorben – „der Sünde gestor-
ben“ (Kapitel 6,2). Wenn Er gekreuzigt Vor meiner Bekehrung habe ich der
worden ist, dann wissen wir, „dass unser Sünde gehorcht, aber jetzt tue ich frei-
alter Mensch mitgekreuzigt worden ist“ willig und gern, was in Gottes Augen
(Kapitel 6,6), und „wer gestorben ist, ist recht ist. Der Apostel Paulus sagt: „Gott
freigesprochen von der Sünde“ (Kapitel … sei Dank, dass ihr Sklaven der Sünde
6,7). wart, aber von Herzen gehorsam ge-
worden seid … Freigemacht aber von
Das weiß ich (Kapitel 6,6)! Ich fühle es der Sünde, seid ihr Sklaven der Gerech-
nicht, meine Erfahrung mag noch et- tigkeit geworden“ (Kapitel 6,17.18).
was anderes sagen. Aber ich darf es
doch wissen, weil Gottes Wort es sagt. Das ist ebenfalls eine Tatsache, mit der
Ich weiß, dass Christus gestorben ist. ich rechnen darf. Wenn die Sünde mir
Genauso darf ich auch wissen, dass ich etwas befehlen will, höre ich einfach
mitgestorben bin! Die Sünde kann mir nicht hin. Sie hat mir nichts mehr zu sa-
nichts mehr anhaben, wie sie auch ei- gen. Ich höre nur auf den Herrn Jesus.
nem Toten nichts mehr anhaben kann.
Ein Toter ist keiner Versuchung mehr Zur Veranschaulichung: Ein Schiff wur-
ausgesetzt und sündigt nicht mehr. de von einem bösen Kapitän gesteuert.
Die Besatzung bestand aus Sklaven, die
Nun darf ich mir diese Tatsache immer ihm gehorchen mussten. Eines Tages
wieder bewusst machen: Ich bin der kaufte ein guter Mann das Schiff samt
Sünde gestorben. „Haltet dafür [oder: Besatzung. Nun hatte er das Komman-
rechnet damit], dass ihr der Sünde tot do. Der alte Kapitän wurde vorläufig in
seid, Gott aber lebend in Christus Je- die unterste Kajüte gesperrt. Er hatte
sus“ (Kapitel 6,11). nichts mehr zu sagen. Dennoch ver-
suchte er ab und zu, aus seiner Kajüte

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Befreit von der Macht der Sünde // Aktuell

heraus Befehle an die Mannschaft zu In diesem Beispiel muss der Mann ster-
geben: „Ihr müsst in die andere Rich- ben, damit die Frau frei ist. In meinem
tung rudern!“ Aber die Mannschaft hör- Fall muss ich selbst sterben, um vom
te nicht mehr auf ihn. Gesetz befreit zu werden: „Also seid
auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz
getötet worden …, um eines ande-
ren zu werden [d.i. Christus, den wir
lieben]“ (Kapitel 7,4).

Es ist eine Tatsache, dass ich keinem


Gesetz unterstellt bin, weder den
Vorschriften des Alten Testaments
noch irgendwelchen Gesetzen, die
Menschen sich ausgedacht haben.
Deshalb muss ich mir kein Gesetz
auferlegen lassen oder selbst ma-
So habe auch ich noch die Sünde in mir, chen!
aber ich bin nicht mehr ihr Sklave. Ich
habe einen neuen Herrn! Das jedoch passiert sehr schnell. Die
Erfahrungen, die der Gläubige dann
macht, beschreibt Paulus im letzten Ab-
Tatsache Nr. 4: Ich bin dem Gesetz schnitt des Kapitels: „Nicht das, was ich
gestorben will, tue ich, sondern was ich hasse, das
übe ich aus“ (Kapitel 7,15).
Ich bin nicht nur der Sünde gestorben
(siehe Tatsache Nr. 2), sondern auch Das Problem eines Gesetzes ist, dass
dem Gesetz, denn ein Gesetz gilt nur es die Sünde nicht eindämmt, sondern
für lebende Menschen, nicht für gestor- herausfordert. Vielleicht meine ich,
bene. mein eigenes Leben dadurch in den
Griff zu bekommen, dass ich mir ganz
Paulus erklärt das anhand einer Ehe: konkrete Dinge vornehme. Bestimmte
„Denn die verheiratete Frau“, sagt er, Sünden will ich nicht mehr tun, statt-
„ist durch Gesetz an den Mann gebun- dessen will ich andere, gute Dinge tun.
den, solange er lebt; wenn aber der Was passiert? Es kommt ein Kreislauf in
Mann gestorben ist, ist sie losgemacht Gang:
von dem Gesetz des Mannes“ (Kapitel Ich nehme mir etwas vor.
7,2), d.h. sie kann einen anderen heira- Ich schaue auf die selbstgezogene Li-
ten. Ich stelle mir eine Frau vor, die mit nie, die ich nicht überschreiten darf.
einem Tyrannen zwangsverheiratet Ich beobachte mich selbst, ob ich es
wurde und deshalb den, den sie liebt, wohl schaffe.
nicht heiraten kann – bis der erste Ich bin enttäuscht, dass ich die Linie
Mann stirbt. doch überschreite.

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Aktuell // Befreit von der Macht der Sünde

Ich bin entmutigt und finde keine Christus Jesus hat mich freigemacht
Kraft, das Gute zu tun. von dem Gesetz der Sünde und des To-
Wenn ich mir dann neue – vielleicht des“ (Kapitel 8,2)! Das ist eine Tatsache:
noch strengere – Gesetze auferlege, „Ich bin freigemacht“; das darf ich jeden
bewege ich mich nur weiter auf der Spi- Tag erfahren!
rale nach unten.
Was bedeutet dieser Vers 2 genau? In
So komme ich zu dem Schluss: „Ich mir wirkt noch die Macht der Sünde, die
elender Mensch! Wer wird mich retten mich immer nach unten ziehen will. Das
von diesem Leib des Todes [denn ich ist das „Gesetz [oder: die Gesetzmäßig-
selbst kann es nicht]?“ (Kapitel 7,24). Ja, keit] der Sünde und des Todes“. So wie
wer kann mich befreien von der Macht das Gesetz der Schwerkraft jeden Ge-
der Sünde? „Ich danke Gott durch Jesus genstand auf der Erde nach unten zieht,
Christus, unseren Herrn“ (Kapitel 7,25), so will mich auch die in mir wohnende
denn Er hat es schon getan! Sünde immer zur Sünde verleiten.

Ich brauche keine Gesetze, um heilig In mir wirkt aber auch die Macht des
zu leben. Ich darf verstehen, dass der Heiligen Geistes und des neuen Lebens,
Zwang, ein Gesetz erfüllen zu müssen, die mich immer nach oben ziehen will.
sogar das Gegenteil bewirkt. Das ist „das Gesetz [oder: die Gesetzmä-
ßigkeit] des Geistes des Lebens in Chris-
stus Jesus“.
Tatsache Nr. 5: Ich habe auch den
Heiligen Geist bekommen Wenn ich einen toten Vogel in die Luft
werfe, fällt er zu Boden. Es wirkt das Ge-
Wer sich bekehrt und Frieden mit Gott setz der Schwerkraft. Wenn ich einen le-
gefunden hat, der hat nicht nur neues bendigen Vogel in die Luft werfe, brei-
Leben bekommen, sondern auch den tet er schnell seine Flügel aus und fliegt
Heiligen Geist! Er wohnt in dem Gläu- davon. Das Leben in ihm überwindet
bigen (Kapitel 8,9), und es ist das Nor- die Schwerkraft.
male, dass Er diesen auch leitet (Kapitel
8,14)! Ein großes Flugzeug, das auf der Start-
bahn steht, wird von der Schwerkraft
Darauf vertraue ich: Der Heilige Geist mit Macht nach unten gezogen. Man
wird mich leiten. Ich übergebe Ihm kann sich kaum vorstellen, wie es
die Führung. So werde ich fliegen
nicht nur nicht sündigen,
sondern auch genau
das tun, was Gott will.
Dann kann ich bestä-
tigen: „Das Gesetz des
Geistes des Lebens in

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Befreit von der Macht der Sünde // Aktuell

soll. Doch es hat einen Antrieb, und die 1. und die 5. Tatsache haben mit
wenn es beschleunigt, verdrängen dem neuen Leben und dem Heiligen
die Flügel immer mehr Luft – plötzlich Geist zu tun (das gehört zusam-
wirkt ein Gesetz der Aerodynamik, das men);
stärker ist als das Gesetz der Schwer- die 2. und die 4. Tatsache haben mit
kraft. Das Flugzeug fliegt, es erhebt sich dem Tod zu tun;
über die Wolken, es ist „frei“. die 3. Tatsache hat mit dem Herrn zu
tun; Er steht in der Mitte.
So bin auch ich freigemacht, durch den
Heiligen Geist!
Zusammenfassung
Wie kann ich mir die fünf
Tatsachen merken? Durch den Brief an die Römer zeigt mir
Gott, wie ich für Ihn leben kann, obwohl
Man kann sich die fünf Tatsachen an- die Sünde noch in mir wohnt. Er lenkt
hand der fünf Finger an der Hand gut meine Aufmerksamkeit von meinen ne-
einprägen: gativen Erfahrungen ab, indem er mir
1. Daumen: Ich habe neues Leben (und fünf Tatsachen vorstellt. Wenn ich diese
eine neue Stellung) bekommen (in Tatsachen bewusst vor Augen habe, bin
mir wohnt zwar noch die Erbsünde, ich von der Macht der Sünde befreit.4
so dass ich noch sündigen kann, aber
ich muss nicht mehr sündigen).
2. Zeigefinger: Ich bin der Sünde ge- Ein Anwendungsbeispiel
storben (damit darf ich auch rech-
nen, indem ich die Sünde und die Wie kann ich die fünf Tatsachen in mei-
Versuchung „links liegen“ lasse, ohne nem täglichen Leben konkret anwen-
Angst vor ihr zu haben). den? Das soll das folgende Beispiel
3. Mittelfinger: Ich habe einen neuen aus der Schulzeit verdeutlichen. Es ist
Herrn (ich bin nicht mehr ein Sklave so konstruiert, dass alle fünf Tatsachen
der Sünde, ich höre nur noch auf den darin vorkommen.
Herrn).
4. Ringfinger: Ich bin dem Gesetz ge- Ich gehe zur Schule. Alle meine Klassen-
storben (ich lege mir keine Gesetze kameraden sind ungläubig. Ich merke,
auf, sonst würde die Sünde nur zu- dass ich anders bin, und ich will bei bö-
nehmen). sen Sachen auch nicht mitmachen. Ich
5. Kleiner Finger: Ich habe auch den Hei- denke an die Tatsache Nr. 1: Ich habe
ligen Geist bekommen (ich überlas- neues Leben, ich muss nicht sündigen,
se mich seiner Führung und vertraue sondern kann Gutes tun!
darauf, dass er mich nie im Stich las- 4
Da die Sünde in uns bleibt, solange wir leben, erlangen
sen wird). wir auf der Erde keine Sündlosigkeit. Es bleibt dabei: „Wir
Diese fünf Tatsachen weisen eine inter- alle straucheln oft“ (Jak 3,2). Und doch ist es etwas ganz
anderes, ob man sich frei bewegt und ab und zu stolpert,
essante Symmetrie auf: oder ob man durch die Sünde gefesselt und geknebelt am
Boden liegt!
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Aktuell // Befreit von der Macht der Sünde

Auf dem Weg nach Hause kommt eine Am nächsten Morgen treffe ich Heidi,
Versuchung. Peter sagt: „Komm doch und wir kommen ins Gespräch. Im Stil-
heute Abend mit zu uns nach Hause. len bete ich zu meinem Herrn: „Herr,
Mein Vater hat sich eine DVD ausgelie- hilf mir jetzt, nicht den dummen Ge-
hen, die „frei ab 18“ ist …“. Ich denke danken nachzugehen, die mir kom-
an die Tatsache Nr. 2: Die Versuchung men, wenn ich dieses Mädchen sehe.
kann mir nichts anhaben – und ant- Hilf mir, deinen Auftrag auszuführen
worte ganz ruhig: „Danke für die Einla- und den richtigen Zeitpunkt und die
dung, aber du weißt doch, dass ich mir richtigen Worte zu finden“. Dann den-
solche Filme nicht ansehe …“ ke ich an die Tatsache Nr. 5: Ich darf der
Leitung des Heiligen Geistes vertrau-
Zu Hause denke ich auch an die Tatsa- en. In diesem Vertrauen erkenne ich
che Nr. 3: Ich gehorche meinem Herrn. den richtigen Zeitpunkt, gebe ihr das
Deshalb ziehe ich mich in mein Zim- Buch und sage etwas dazu. Und – sie-
mer zurück und frage den Herrn im Ge- he da! – es war gar nicht so schwierig
bet, was ich morgen ganz konkret für und hat wunderbar funktioniert.
Ihn tun darf. Da fällt mir Heidi ein, mit
der ich morgen früh zur Schule gehen Ich danke dem Herrn. Doch dann
werde. Ich komme zu dem Schluss: Ich kommt mir der Gedanke: Ich müsste
sollte mit ihr über den Glauben spre- eigentlich jedem Mitschüler so ein
chen. Dann überlege ich weiter, wie Buch geben. Jeden Tag kommt ein
anderer dran – bis
jeder in der Schule
eins bekommen hat.
Vorsicht! Ich denke
an die Tatsache Nr. 4:
Ich lege mir kein Ge-
setz auf, sonst werde
ich nur versagen und
unglücklich werden.
Also frage ich lieber
erneut den Herrn,
was ich als Nächstes
für Ihn tun kann. So
lebe ich glücklich für
Gott.

ich das am besten mache. Der Herr Joachim E. Setzer


gibt mir die Idee, ihr ein bestimmtes
Buch zu geben.

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Hingabe (M)ein Leben –
gegeben

„Ein Leben, gegeben für


den Herrn der Welt. Ein
Leben, gegeben für das,
was wirklich zählt“ – so
beginnt ein Lied, das
man gerne singt. Es
geht weiter: „… das soll
mein Leben sein“. Ja,
mein Leben für den
Herrn! Wirklich? Und:
Warum eigentlich?

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Bibel praktisch // Hingabe

„Geben“ ist ja nun eigentlich nichts, Wenn wir tun, was Gott gefällt, dann
was man gerne tut, denn es bringt Ver- erhört Er auch unsere Gebete. Aber ist
lust. Und das Leben will man schon gar das alles? Unser Verhältnis zu Gott ist
nicht abgeben. Manch einer ist eher kein gesetzliches, dass wir uns durch
„vom Stamme Nimm“. Wenn man et- Gehorsam Segen erwerben müssen. So
was abgibt, muss sich das schon loh- ist auch seine Gnade immer da, selbst
nen! „Eine Hand wäscht die andere“ – wenn wir versagen. „Nicht wie die Welt
im wirtschaftlichen, politischen und gibt, gebe ich euch“, sagt der Herr Jesus
gesellschaftlichen Leben ist diese Hal- (Joh 14,27). Und meine Motivation, für
tung gang und gäbe. Pech hat der, der Gott zu leben, ist doch nicht nur, dass Er
an einen untreuen Partner gerät. mich dann erhört und segnet, oder?

G eben – um zu profitieren?
Im Alten Testament gab es zwischen
G eben – aus Dankbarkeit!
Warum gebe ich Gott mein Leben? Wa-
Gott und den Menschen ein ähnliches rum sollte ich es tun? Was ist der Grund
Prinzip. Für den Juden hieß es damals: für meine Hingabe an Gott? Weil Gott
„Ich gebe, weil du gibst“. Gott hatte mich als sein Kind angenommen hat,
nämlich zum Beispiel die Zusage ge- gebe ich Ihm meine Liebe, meinen Ge-
geben: „Alle diese Segnungen werden horsam, meine Treue, meine Dankbar-
über dich kommen [...], wenn du der keit, meine Anbetung. Was gebe ich
Stimme des HERRN, deines Gottes, ge- Gott – mein Leben? Ja, das wünscht
horchst“ (5. Mo 28,2). Die Juden wus- Er sich von mir und von Dir: „Wer sein
sten, dass Gott sie segnen würde, wenn Leben verliert um meinetwillen, wird
sie selbst Ihm in Treue und Gehorsam es finden“ (Mt 10,39). Da brauche ich
dienten. Darauf konnten sie sich ver- noch nicht einmal an Märtyrer zu den-
lassen – anders als so mancher, der mit ken, die buchstäblich ihr Leben für Gott
Menschen zu tun hat, die ihn vielleicht gelassen haben. Aber wenn man in der
betrügen wollen oder zumindest ihren Praxis, in den kleinen und großen Ent-
eigenen Vorteil suchen. scheidungen sieht, dass Jesus Christus
in meinem Leben „Herr“ ist, dass Er
Man neigt dazu, auch heute noch so zu mein Leben regiert, dann gehört Ihm
handeln. „Ich gebe, weil du gibst“. Ich wirklich mein Leben: Ein Leben, ge-
verhalte mich anständig, weil ich weiß, geben für den Herrn der Welt, das soll
dass ich (dann) von Gott gesegnet mein Leben sein!
werde. Da ist auch etwas dran: „Was
irgend wir erbitten, empfangen wir Wenn ich in Hingabe zu Gott lebe, dann
von ihm, weil wir seine Gebote halten spüren das auch andere Menschen. Sie
und das vor ihm Wohlgefällige tun“ werden etwas von meinem „Leben“ be-
(1. Joh 3,22). Gott gibt (unter anderem) kommen, ich gebe auch ihnen etwas.
deshalb, weil wir seine Gebote halten. Warum? Nicht als Belohnung für ihr

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Hingabe // Bibel praktisch

Wohlverhalten, nicht als Investition in Beziehungen, die sich ein-


mal für mich rentieren soll, sondern weil ich von Gott beschenkt
bin und das weitergeben will, was ich von Ihm bekommen
habe. Zum Beispiel Vergebung: „Wie auch der Christus
euch vergeben hat, so auch ihr“ (Kol 3,13; vgl. 1. Joh
3,16). „Geben ist seliger als Nehmen“ (Apg 20,35).
Ein
Das Prinzip heißt für mich also: „Ich gebe, weil
du (Gott) gegeben hast“. Und Gott hat reichlich
Leben,
gegeben. Gott hat seinen eigenen Sohn nicht
verschont, sondern ihn für uns alle hingege- gegeben
ben (Röm 8,32). Epheser 1 spricht von dem
Segen, den jeder Gläubige empfangen hat: für den Herrn
Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen
Segnung, hat uns auserwählt, hat uns zu- der Welt!
vor bestimmt zur Sohnschaft, hat uns be-
gnadigt, erlöst und hat uns vergeben. Das Ein Leben,
ist die Basis für mein Leben in Hingabe an
Gott. Wie Paulus schreibt: „Nicht mehr lebe gegeben für das,
ich, sondern Christus lebt in mir; was ich
aber jetzt lebe im Fleisch, lebe ich durch was wirklich zählt!
Glauben, durch den an den Sohn Gottes,
der mich geliebt und sich selbst für mich Ein Leben für Gott,
hingegeben hat“ (Gal 2,20). Sein Leben für
mich – mein Leben für Ihn! für ihn allein,
Thorsten Attendorn
das soll mein
Leben
sein.
Seid nun Nachahmer
Gottes, als geliebte Kinder,
und wandelt in Liebe, wie auch
der Christus uns geliebt und sich selbst
für uns hingegeben hat.
Epheser 5,1
Folge mir nach
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Pinwand Pinnwand

Die sieben Heilungswunder des


Herrn am Sabbath

Markus 1,21 – 28
Johannes 9,1 – 16 1 Dämonenaustreibung Lukas 4,31 – 37

7 der Blindgeborene
Matthäus 8,14 – 17
Markus 1,29 – 31
2 Schwiegermutter d. Petrus
Lukas 4,38 – 41
Lukas 14,1 – 6 Sieben
Heilungswunder des
6 der Wassersüchtige Johannes 5,1 – 18
Herrn am Sabbath
3 Lahme am Teich Bethesda
Lukas 13,10 – 17

Matthäus 12,9 – 14
5 die verkrüppelte Frau
Markus 3,1 – 6
4 Mann mit verdorrter Hand
Lukas 6,6 – 11

Sieben Heilungswunder des Herrn am Sabbath.mmap - 16.10.2006 - Folge mir nach


16 17
Bibelstudium

B ibelstudium
Christus und die
Christen

Teil 1: Was für eine Lebenspraxis sollen


Christen in ihrer Beziehung zu Christus
zeigen?

Die großartige Beziehung zwischen dem Herrn Jesus


und den Gläubigen und die daraus resultierende Praxis
werden im Neuen Testament an vielen Stellen thematisiert.
Eine dreiteilige Übersicht soll helfen, ein wenig mehr von
diesem Segen kennen und genießen zu lernen. Persönliches
Nachlesen und Nach-Denken der Bibeltexte werden dazu
sicher nützlich sein …

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Bibelstudium

Christen sollen ...

Christus anziehen Röm 13,14


den Namen des Herrn anrufen 1. Kor 1,2
die Offenbarung des Herrn erwarten 1. Kor 1,7
sich des Herrn rühmen 1. Kor 1,31
des Herrn Jesus beim Mahl des Herrn gedenken 1. Kor 10,16
in dem Werk des Herrn überströmend sein 1. Kor 15,58
Christus lieben 1. Kor 16,22
allezeit das Sterben Christi am Leib umhertragen 2. Kor 4,10
jeden Gedanken gefangen nehmen unter den 2. Kor
Gehorsam des Christus 10,5b
sich des Herrn rühmen 2. Kor 10,17
das Gesetz Christi erfüllen Gal 6,2
sich des Kreuzes Christi rühmen Gal 6,14
zum Preise seiner Herrlichkeit sein Eph 1,12
hingelangen zur Erkenntnis des Sohnes Gottes Eph 4,13
zu Christus heranwachsen Eph 4,15
stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke Eph 6, 10
sein
würdig des Evangeliums des Christus wandeln Phil 1,27
die Gesinnung des Christus in uns haben Phil 2,5;
Röm 15,5b
bekennen, dass Christus der Herr ist Röm 10,9
sich in dem Herrn freuen Phil 3,1;4,4
Christus gewinnen Phil 3,8
Christus [...] erkennen Phil 3,10
Christus aus den Himmeln als Heiland erwarten Phil 3,20
erfüllt sein mit der Erkenntnis seines (Gottes) Kol 1,9b
Willens
würdig des Herrn wandeln Kol 1,10
in Christus wandeln Kol 2,6
das suchen, wo der Christus ist Kol 3,1
das Wort des Christus reichlich in sich wohnen Kol 3,16
lassen
Folge mir nach
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Bibelstudium

den Frieden des Christus in ihren Herzen regieren Kol 3,15


lassen
bedenken, dass sie dem Christus dienen Kol 3,24
sich des Zeugnisses des Herrn nicht schämen 2. Tim 1,8
Jesus Christus im Gedächtnis halten 2. Tim 2,8
von der Ungerechtigkeit abstehen als solche, die 2. Tim
den Namen des Herrn nennen 2,19b
die Hoffnung und Erscheinung von Jesus Chris- Tit 2,13
tus erwarten
Jesus betrachten Heb 3,1;
12,3
das Bekenntnis festhalten, da wir Jesus als gro- Heb 4,14
ßen Hohenpriester haben
auf Jesus hinschauen Heb 12,2
in seinen Fußstapfen Ihm nachfolgen 1. Pet 2,21;
Phil 3,16
Christus, den Herrn, in ihren Herzen heiligen 1. Pet 3,15
sich freuen, wenn sie der Leiden des Christus 1. Pet 4,13
teilhaftig sind
die Langmut des Herrn für Errettung erachten 2. Pet 3,15
in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn wach- 2. Pet 3,18
sen
die Gebote (Gottes) halten 1. Joh 2,3
an den Namen des Sohnes glauben 1. Joh 3,23
in Christus bleiben 1. Joh 2,28
in der Lehre des Christus bleiben 2. Joh 9
die Barmherzigkeit des Herrn zum ewigen Leben Jud 21
erwarten

Haben wir uns diese Wünsche des Herrn Jesus, unseres Erlösers,
schon zu Eigen gemacht? Wir leben ja für den, der für uns gestor-
ben und auferweckt worden ist (2. Kor 5,15)!

Arnfried Lang

Im nächsten Heft: Teil 2: Die Beziehungen Christi zu den Christen

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Siehe, wir gehen
hinauf nach
Jerusalem

Schon früh hat der Herr Jesus seine


Jünger darauf vorbereitet, dass er in
Jerusalem leiden und sterben wür-
de. Mehrfach hat er ihnen davon
gesagt, doch sie haben ihn nicht
verstanden. Dennoch ließ er sich
auf seinem Weg nicht aufhalten. Er
würde das vollbringen, was in den
Schriften angekündigt und im
Ratschluss Gottes beschlossen war.
Er würde leiden und sterben, aber
auch auferstehen. Mit diesem Werk
hat er die Grundlage für das Heil
gelegt. Wie viel bedeutet mir dieses
Werk meines Heilandes?
Das Kidron-Tal

Folge mir nach


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Jesus Christus // Hinauf nach Jerusalem

Die Leiden des Christus seines Freundes Lazarus und hat erlebt,
was es bedeutet, dass der Tod als Folge
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit den- der Sünde in diese Welt gekommen ist
ken wir ein wenig nach über die Leiden, (s. Joh 11,35). Es ging Kraft von ihm aus,
die der Herr Jesus erduldet hat. Dabei be- als Er die Menschen heilte und ihnen
schämt es uns, dass Er diese Leiden auf so eine zeitliche Befreiung von den Fol-
sich nehmen musste, weil wir und unsere gen der Sünde schenkte (s. Mk 5,30). Er
Sünden es erforderlich machten. Gleich- hat dabei mehr gelitten, als wir es uns
zeitig sind wir aber auch dankbar dafür, vorstellen können, da Er rein und heilig
dass der Herr Jesus freiwillig und aus Lie- war (s. Mt 8,16.17). Wie sehr hat Er es
be diesen Leidensweg gegangen ist. Und empfinden müssen, wie schrecklich die
wir freuen uns darüber, dass er durch Lei- Folgen der Sünde sind, die über diese
den zur Herrlichkeit gegangen ist und Schöpfung gekommen sind!
jetzt schon von der Frucht der Mühsal
seiner Seele genießen kann. Seine Leiden Leiden aufgrund von fehlendem
sind beendet, und Er hat die Herrlichkeit Verständnis
erreicht. Er ist jetzt verherrlicht zur Rech-
ten Gottes. Das war die Freude, für die Er Der Herr Jesus hat auch gelitten unter
das Kreuz erduldete (Heb 12,2). dem geringen Verständnis, das seine Jün-
ger für ihn hatten. Mit ihnen hat Er man-
ches besprochen und vieles hat Er ihnen
Leiden aufgrund von Ablehnung erklärt. Aber seine Jünger haben Ihn nur
wenig verstanden. Wie oft haben sie an-
Als der Herr Jesus auf diese Erde kam, ders geurteilt, als der Herr Jesus es getan
musste Er von Beginn an spüren, dass hätte. Sie stritten darüber, wer der Größte
sein Volk Israel Ihn nicht annahm. Diese von ihnen sei (Lk 22,24). In Gethsema-
Verwerfung durch sein irdisches Volk ne schliefen sie ein, als er in ringendem
machte Ihn traurig. Das waren Leiden! Gebet war (Mt 26,40). Schließlich haben
Besonders die obere Schicht des Volkes Ihn alle verlassen und sind geflohen (Mt
hasste Ihn und suchte nach einer Mög- 26,56). Wie hat der Herr Jesus unter die-
lichkeit, Ihn umzubringen. Gerade die, sem Unverständnis vonseiten der Jünger
die aus den Schriften wissen mussten, gelitten. Gehen wir hin und wieder – zum
dass Er der Messias ist, wollten Ihn nicht. Beispiel Sonntags morgens – in Gedan-
Schließlich haben sie Ihn aus Neid dem ken mit Ihm auf seinem Leidensweg?
Tod überliefert. Sind wir bereit, dort mit Ihm zu wachen?
Oder wird uns eine Versammlungsstunde
Leiden aufgrund der Folgen der schon zu lang, wirklich an Ihn zu denken?
Sünde
Vorempfindende Leiden des
Dann hat der Herr Jesus auf seinem Kreuzes
Weg über diese Erde unter den Folgen
der Sünde gelitten. Er stand am Grab Kurz bevor der Herr Jesus gefangen ge-

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Hinauf nach Jerusalem // Jesus Christus

nommen wurde, erleben wir im Garten Maß der Leiden, die der Herr Jesus
Gethsemane ein wenig davon, wie sehr durchlitten hat?
Er gelitten hat, als das, was auf Golga-
tha geschehen würde, vor Ihm stand. Leiden am Kreuz – von seinen
Er war in ringendem Kampf. Er betete Geschöpfen
heftiger. Sein Schweiß wurde wie große
Dann kam das Kreuz. Dort hat Er unfass-
bare körperliche und seelische Qualen
erlitten, die Ihm von den Menschen zu-
gefügt wurden. Was für ein Spott! Was
für eine geringschätzige Behandlung!
Sogar sein Verhältnis des absoluten Ver-
trauens zu seinem Gott und Vater zog
man in den Schmutz (Mt 27,43). Nicht
genug, dass man Ihn in das Gesicht ge-
schlagen hatte. Und Ihn angespuckt
hatte. Eine Dornenkrone auf den Kopf
gesetzt, mit einem Rohr darauf geschla-
gen und den Rücken blutig geschlagen
hatte. Schließlich nagelte man Ihn an ein
Kreuz. Was waren das für Schmerzen!

Leiden am Kreuz – im Gericht


Gottes

Doch dann kam das Gericht von einem


heiligen Gott, der Sünde nicht sehen
kann und jetzt seinen eigenen Sohn,
der unsere Sünden auf sich nahm, stra-
fen musste. Gar nichts wurde zurück-
gehalten. Der Herr Jesus hat das ganze
Gericht für jede einzelne Sünde getra-
gen. Und Er musste zur Sünde gemacht
werden. Als ob er der Ursprung oder
die Quelle der Sünde gewesen wäre.
Für die Augen der Menschen war dies
Der Garten Gethsemane alles verborgen. Eine tiefe Finsternis
umhüllte das Kreuz. Aber plötzlich hör-
Blutstropfen. Ein Engel kam vom Him- te man einen lauten Schrei: „Mein Gott,
mel, um Ihn zu stärken (Lk 22,39 ff.). He- mein Gott, warum hast du mich verlas-
bräer 5,7 spricht von starkem Geschrei sen?“ Ahnen wir wohl etwas von dem
und Tränen. Ahnen wir etwas von dem Maß dieser Leiden?

Folge mir nach


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Jesus Christus // Hinauf nach Jerusalem

Leiden von Anfang seines Stunden der Finsternis rief Er mit lauter
Lebens an Stimme: „Es ist vollbracht.“ Dann neigte
er das Haupt und übergab seinen Geist.
So haben die Leiden des Todes von Be- Er gab selbst sein Leben in den Tod. Da-
ginn des Weges unseres Herrn Jesus auf mit war das Werk am Kreuz vollbracht.
der Erde über seinem Leben gestanden. Es war alles getan, damit Menschen
Er wusste genau, was über Ihn kommen mit Gott versöhnt werden können. Und
würde. Er wusste, dass sein Weg über Gol- damit Gott vollkommen zur Ruhe kom-
gatha und durch das Grab gehen würde. men konnte in Bezug auf die Sünde.
Aber Er hat keinen Moment gezögert. Er
ist nicht stehen geblieben oder zurück- Auch dieses Letzte – dass der Herr Jesus
gewichen. Er ist hindurchgegangen bis sein Leben in den Tod gab – war notwen-
zum bitteren Ende, dem Tod am Kreuz. dig. Schon dem ersten Menschen im Pa-
Dafür sei Er für ewig gepriesen! radies hatte Gott angekündigt, dass das
Essen von der Frucht des verbotenen
Baumes den Tod zur Folge haben würde.
Sein Tod am Kreuz Und das Neue Testament bestätigt es in
Römer 6,23: „Der Lohn der Sünde ist der
Die Leiden des Herrn Jesus fanden ih- Tod.“ Deshalb blieb es dem Herrn Jesus
ren Höhepunkt am Kreuz auf Golgatha. nicht erspart, sein Leben zu geben. Doch
Dort trug Er das Gericht Gottes und gab Er hat es freiwillig und in eigener Macht
sein Leben in den Tod. Nach den drei getan.

Im Alten Testament gibt es ein eindrück-


liches Bild von dieser Hingabe: das Blut
der Opfertiere. Wenn ein Opfertier ge-
schlachtet wurde, musste das Blut die-
ses Tieres aufgefangen werden, um es
nach der Vorschrift Gottes an den Altar
zu sprengen und zu gießen. Einmal im
Jahr ging der Hohepriester mit dem Blut
eines Opfertieres in das Allerheiligste
und sprengte davon auf den Sühn-
deckel, der die Bundeslade bedeckte.
Dieses Bild wird im Neuen Testament in
Hebräer 9,22 aufgegriffen: „Ohne Blut-
vergießung gibt es keine Vergebung.“
Dabei verstehen wir gut, dass vergos-
senes Blut hingegebenes Leben bedeu-
tet.
Der Tod am Kreuz war der Ausdruck
größter Schwachheit (2. Kor 13,4) und

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Hinauf nach Jerusalem // Jesus Christus

bedeutete doch zugleich den größten sucht ihr den Lebendigen unter den
Sieg. Denn der Herr Jesus hat durch Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist
den Tod den zunichte gemacht, der die auferstanden“ (Lk 24,5.6).
Macht des Todes hat und alle die be-
freit, die durch Todesfurcht das ganze Diese Auferstehung des Herrn Jesus
Leben der Knechtschaft unterworfen war eine Auferstehung aus den Toten.
waren (vgl. Heb 2,14.15).

Wie groß ist dieses Werk am Kreuz! Wir


bewundern den Herrn Jesus dafür, dass
Er alles bis zum Ende vollbracht hat.
Was für einen Sieg hat Er dadurch er-
rungen!

Als weiteren Beweis dafür, dass der Herr


Jesus wirklich gestorben war, wurde Er
auch begraben. Sein Leib wurde in eine
neue Gruft gelegt, in die noch nie je-
mand gelegt worden war. Wieder ging
eine Vorhersage des Alten Testamentes
in Erfüllung (vgl. Ps 16,10b; Jes 53,9).
Doch der Herr Jesus blieb keinen Au-
genblick länger als notwendig im Grab.
Früh am ersten Tag der Woche ist Er auf-
erstanden!

Die Auferstehung

Seine Auferstehung ist der Beweis da- Die Juden kannten durchaus die Wahr-
für, dass Gott das Werk vom Kreuz an- heit von der Auferstehung. Martha
genommen hat und dass es absolut glaubte daran, dass ihr gestorbener
ausreichend ist! Gott brauchte nicht Bruder Lazarus am letzten Tag auferste-
länger schweigen. Er hat seinen Sohn, hen würde (Joh 11,24). Was die Juden
der Ihn so verherrlicht hatte, aus den allerdings nicht kannten, war die Tat-
Toten auferweckt. sache der „Aus-Auferstehung“. Das ist
eine neue Wahrheit, die erst durch den
So kamen die Frauen, die am ersten Tag Herrn Jesus offenbart wurde. Sie bein-
der Woche Spezereien brachten, um haltet, dass aus einer Menge von Toten
den Herrn Jesus einzubalsamieren, zu einer oder Einzelne auferweckt werden
einem leeren Grab. Was für eine herr- – im Gegensatz zu einer allgemeinen,
liche Frage, was für ein Jubelruf: „Was gleichzeitigen Auferstehung aller Men-

Folge mir nach


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Jesus Christus // Hinauf nach Jerusalem

schen, wie sie ganz am Ende der Welt- de ich einen neuen Körper haben, der
geschichte geschieht, wenn alle Toten, dem des auferstandenen Herrn Jesus
ungläubige Menschen, sich vor dem gleich ist. Dann werde ich den Herrn Je-
großen weißen Thron wiederfinden sus sehen, wie er ist.“
werden (Off 20,11 ff.).
Das alles nahm seinen Anfang an die-
So war es bei dem Herrn Jesus. Er wur- sem ersten Tag der Woche, dem Sonntag
de auferweckt, um nie wieder zu ster- nach dem Tod des Herrn Jesus am Kreuz.
ben, während die übrigen Toten im Tod Seine Feinde waren bereit, viel Geld da-
blieben. Der Herr Jesus ist der Erste in für zu bezahlen, dass die Auferstehung
dieser Auferstehung. Doch in dieser des Herrn nicht bekannt würde. Die
Auferstehung aus den Toten werden Soldaten, die das Grab bewacht hatten,
Ihm andere folgen. Wenn der Herr Je- sollten sagen, dass die Jünger den Leib
sus wiederkommt, um die Seinen zu des Herrn Jesus gestohlen haben. Aber
sich zu nehmen, werden die in Chris- der Herr Jesus ist vielen Glaubenden er-
tus Entschlafenen lebendig gemacht schienen (s. nur 1. Kor 15,5 ff.), so dass
(1. Kor 15,52). Sie werden auferstehen, seine Auferstehung eine genau bestä-
während die Ungläubigen noch im Tod tigte historische Tatsache ist. Kein Wun-
bleiben werden. In einer dritten Phase der, dass der Mensch ohne Gott diesen
dieser Aus-Auferstehung werden ge- Sieg des Herrn Jesus über den Tod nicht
storbene Heilige lebendig gemacht, wahrhaben möchte. Umso mehr freuen
wenn der Herr Jesus kommt in Macht wir uns, dass Er wirklich auferstanden
und Herrlichkeit, um sichtbar auf der ist. Wie viel hängt davon ab – unsere Si-
Erde zu erscheinen und sein Reich cherheit, unsere Rechtfertigung, unsere
anzutreten (Off 20,4). Damit ist diese Freude und unsere Hoffnung!
Aus-Auferstehung – die Bibel spricht
von der ersten Auferstehung (siehe Off
20,5) – abgeschlossen. Danach werden Dieser Jesus ist der Christus
nur noch diejenigen lebendig gemacht,
die für immer in die Hölle, den Feuer- Dieser Jesus, der ein so großes Werk
see, kommen. vollbracht hat, ist zugleich der Christus.
Er ist der verheißene Messias seines Vol-
Die Auferstehung des Herrn Jesus ist kes Israel. Mit diesem Titel des Herrn Je-
auch die Sicherheit für uns, dass wir sus verbinden sich große Herrlichkeiten.
Gläubige Ihm folgen werden in dieser Wird er doch einmal der Herrscher auf
Auferstehung. Jedes Kind Gottes darf dieser Erde sein. Wird er doch als König
wissen: „Ich gehöre zu dem Herrn Jesus, und Priester auf seinem Thron sein und
auch in der Auferstehung. Er wird mich in seiner Größe sowohl David als auch
lebendig machen (wenn ich vor seinem Salomo bei weitem überragen.
Kommen noch entschlafen sollte) oder
umgestalten (wenn ich noch auf der Auf diesen Messias hatten die Juden
Erde lebe, wenn Er kommt). Dann wer- gewartet. Doch den verachteten Je-

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Hinauf nach Jerusalem // Jesus Christus

sus wollten sie nicht haben. Dass der Gottes. Alle seine Herrlichkeiten, die
Christus leiden würde – das passte er sich erworben hat und die Er jetzt
nicht in ihr Bild. Deshalb fiel es den als Mensch besitzt, sind in diesem Ti-
Jüngern auch so schwer, diese Ankün- tel eingeschlossen. Wie groß wird uns
digungen des Herrn Jesus bezüglich seine Person, wie herrlich unser Herr
seines Weges in Jerusalem zu verste- Jesus Christus. Sowohl seine Ernied-
hen. Doch er ging diesen Weg, um am rigung, die in seinem Jesus-Namen
Kreuz zu sterben und das Erlösungs- besonders hervortritt, als auch seine
werk zu vollbringen. Nach vollbrach- Erhöhung, die in dem Titel Christus
tem Werk ging er zurück in den Him- betont wird, setzen uns immer wieder
mel, um darauf zu warten, einmal als in Erstaunen und Bewunderung. Wie
König der Könige und Herr der Herren dankbar sind wir dafür, dass Er gelit-
wiederzukommen. Bei seiner Rück- ten hat, gestorben ist, sich begraben
kehr in den Himmel wurde er sowohl ließ, auferweckt wurde und jetzt ver-
zum Herrn als auch zum Christus ge- herrlicht im Himmel ist! Bald werden
macht. Da bekam der Titel „Christus“ wir Ihn sehen, wie Er ist!
noch eine viel weitere und umfassen-
dere Bedeutung! War er als der Chris-
tus zunächst der verheißene Nach- Christian Rosenthal
komme Davids, so ist er jetzt zudem
der verherrlichte Mensch zur Rechten

Das ganze Haus Israel wisse nun zuverlässig,


dass Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum
Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr ge-
kreuzigt habt (Apg 2,36).
Diesen Jesus hat Gott auferweckt, wovon wir
alle Zeugen sind (Apg 2,32).
Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel
aufgenommen worden ist, wird ebenso kom-
men, wie ihr ihn habt auffahren sehen in den
Himmel (Apg 1,11).
Folge mir nach
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Bibel praktisch // THESSALONICH und BERÖA

Die zweite Missionsreise des


Apostels Paulus

THESSALONICH UND
BERÖA – DIE PREDIGT
UND IHRE AUFNAHME
APOSTELGESCHICHTE 17,1-15
Bogen von Galarius in Thessalonich

In einigen Artikeln begleiten wir den Apostel Paulus auf


seiner zweiten Missionsreise. Diesmal treffen wir ihn in
Thessalonich und in Beröa, wo es ganz unterschiedliche
Reaktionen auf seine Predigt gibt.

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THESSALONICH und BERÖA // Bibel praktisch

Nach den verschiedenen Erlebnis- die Schriften des Alten Testamentes


sen von Glück und Leid, Bekehrungen (vgl. Apg 17,2).
und Verfolgungen in Philippi kommt
Paulus mit seinen Begleitern nach Thes- Was war nun der genaue Inhalt seiner
salonich und drei Wochen später nach Botschaft? Er sprach
Beröa. Dort unterredet er sich mit den
Juden jeweils in der Synagoge. von den Leiden des Christus,
von seinem Tod und
von der Auferstehung.1
Inhalt und Grundlage der Belehrung
Dazu wies er aus den Schriften des Al-
ten Testamentes nach, dass dieser Je-
Diese Unterredung des Apostels mit
sus, der gestorben und auferstanden
den Juden in der Synagoge entspricht
ist, der im Alten Testament verheißene
einer Gewohnheit von Paulus in dop-
Christus (oder Messias) ist. Und gerade
pelter Hinsicht – was den Ort seiner
dieser letzte Punkt erregte den Zorn
Predigt und den Inhalt seiner Botschaft
der Juden!
betrifft. Der Ort war die Synagoge, und
der Inhalt seiner Botschaft war Jesus

D
Christus. Immer wieder suchte er zuerst
die Synagoge auf, wenn er in eine Stadt
ieser Jesus ist der Christus
kam, in der er vorher nicht gewesen
Paulus wusste, dass diese Erklärung
war. Denn dort traf er die Menschen
das Gewissen der Juden ansprechen
an, die zumindest eine äußerliche Be-
würde. Damit wurden sie vor eine Ent-
ziehung zu Gott hatten – Juden, die er
scheidung gestellt. Entweder mussten
mit dem Christentum vertraut machen
sie zugeben, dass sie den Messias ans
konnte. Und seine Botschaft war natür-
Kreuz gebracht hatten, oder sie muss-
lich der Herr Jesus, denn für Ihn hatte er
ten die Botschaft komplett ablehnen.
ja alles für Verlust und Dreck geachtet
Im ersten Fall wäre auch für sie der Weg
(Phil 3,8)!
frei gewesen, die Retterhand des Herrn
Jesus im Glauben anzunehmen. Aber
Immer dann, wenn die Juden die Bot-
dazu waren sie im Allgemeinen zu stolz.
schaft, die Paulus ihnen brachte, ab-
Im zweiten Fall blieb für sie keine Ret-
lehnten und mit aktivem Widerstand
tungsmöglichkeit. Um ihre eigene Ehre
begannen, verließ Paulus die Synago-
zu retten, mussten sie Paulus daher
ge und suchte sich einen anderen Ort
ausschalten und ihn zum Schweigen
für die Weitergabe seiner Botschaft. In
bringen. Damit lehnten sie die ausge-
Ephesus zum Beispiel wechselte er von
streckte Hand Gottes ab und verloren
der Synagoge in eine Schule (vgl. Apg
jede Möglichkeit, die Gnade Gottes zu
19,9). Aber den Inhalt seiner Botschaft
erleben.
hat er nie verändert. Er hat immer von
Jesus Christus gesprochen und die
1
Vergleiche dazu den Artikel „Siehe, wir gehen hinauf
Grundlage für seine Belehrung waren nach Jerusalem“ auf Seite 21
Folge mir nach
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Bibel praktisch // THESSALONICH und BERÖA

Auch heute noch stellt die Botschaft verarbeiten. Da können wir viel lernen
von dem Herrn Jesus jeden Menschen von den Menschen aus Beröa!
vor eine persönliche Entscheidung.
Hast Du Dich entschieden?
a) Aufnehmen mit Bereitwilligkeit
Zusätzlich regte sich in den Juden noch
der Neid. Da kam dieser Prediger Pau- Die Beröer lehnten Paulus nicht ab –
lus, und tatsächlich schloss sich ihm weder aus Prinzip noch aufgrund der
eine große Menge von Menschen an. Schwachheit seines Auftretens noch
Deshalb setzten sie alles daran, dass aufgrund der Trägheit, das eigene Le-
Paulus von der Bildfläche verschwindet. ben zu verändern. Sie hörten zu und
Sogar nach Beröa kamen sie, um Paulus nahmen das Wort zunächst einmal be-
auch von dort zu vertreiben. So setzte reitwillig auf.
Paulus die Reise weiter fort und kam
schließlich nach Athen.
b) Täglich damit beschäftigt sein

W ie hören
Sowohl in Thessalonich als auch in
Sie untersuchten dieses Wort täglich.
Es war keine Einmal-Aktion, es war kein
Strohfeuer, sondern eine Sache, die
Beröa gab es jedoch auch Juden, die sie mit entsprechender Energie und
glaubten. Gerade bei den Beröern er- Gründlichkeit betrieben. Jeden Tag
kennen wir vier schöne Merkmale, wie untersuchten sie die Worte, die sie von
mit der Botschaft von Paulus umgegan- Paulus gehört hatten. Wie steht es mit
gen wurde. unserem täglichen Bibellesen?

Diese Merkmale sollten auch uns kenn-


zeichnen, wenn wir Gottes Wort lesen c) Anhand der Schriften untersuchen
oder der Verkündigung dieses Wortes
zuhören. Wie oft machen wir es an- Weder nahmen die Beröer diese Bot-
ders und sprechen nach einer Predigt schaft auf, ohne darüber nachzuden-
ausführlich über das, was uns nicht ge- ken, noch lehnten sie diese ab aufgrund
fallen hat. Ob es uns gefallen hat oder ihrer eigenen Überlegungen und Er-
nicht, ist aber nicht der Maßstab. Die fahrungen. Diese stehen uns so oft im
Frage ist, was Gott uns zu sagen hat. Weg! Nein – die Beröer untersuchten
Wenn wir schlecht darüber reden, ver- die Schriften. Das war der Maßstab, den
lieren wir den Segen, den Gott uns zu- sie an die Worte des Apostels legten.
gedacht hat. Es geht nicht darum, blind Das Wort Gottes, die Bibel, ist der ein-
und gedankenlos alles anzunehmen. zig gültige und zuverlässige Maßstab.
Das haben die Beröer auch nicht getan. Anhand dieses Maßstabes dürfen und
Aber es geht um die richtige Haltung, sollen wir jede Verkündigung und jede
in der wir das Gehörte annehmen und Predigt beurteilen.

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THESSALONICH und BERÖA // Bibel praktisch

d) Bereitschaft zeigen, das Wort anzu- nicht tun will? Gott redet zu uns, damit
nehmen wir unser Leben entsprechend einrich-
ten. Er möchte nicht vergeblich zu uns
Nach der sorgfältigen Untersuchung reden!
der Schriften kamen die Beröer zu
dem Ergebnis, dass Paulus die richtige
Botschaft verkündigte. Da blieb für sie
nur ein Schluss – sie glaubten dieser
B rüderliche Fürsorge
Sowohl in Thessalonich als auch in Be-
Botschaft und damit dem Herrn Jesus. röa erwies sich der Glaube derer, wel-
Jetzt waren sie glückliche Gotteskinder, che die Botschaft angenommen hat-
ten, sehr bald als
echt. Ohne Rück-
sicht auf persön-
liche Nachteile
waren die Glau-
benden bereit,
dem Apostel
Paulus und sei-
nen Begleitern zu
helfen. Sie sand-
ten ihn von Thes-
salonich nach Be-
röa, und von dort
geleiteten sie ihn
Mosaik einer Predigt Paulus in Beröa

bis nach Athen.

Ihr Glaube erwies


sich dadurch als
echt, dass sie
Liebe zu dem
Apostel hatten
und dies mit Ta-
ten unter Beweis
stellten. Das ist
gerettet vom Zorn Gottes! Was muss ei- ein deutliches Zeichen dafür, dass wirk-
gentlich geschehen, damit wir die Wor- lich neues Leben vorhanden ist, denn
te Gottes annehmen, die Er uns beim dieses Leben zeigt sich darin, dass es
Lesen der Bibel, in einer Bibelstunde Gott und die Brüder liebt.
oder bei einer –konferenz sagen lässt?
Genügt die einfache Botschaft oder Christian Rosenthal
gleichen wir dem Mann aus Jakobus
1,23.24, der die Botschaft hört, aber

Folge mir nach


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Einer für alle
„Ich bin der gute Hirte; der gute
Hirte lässt sein Leben für die Schafe“
Johannesevangelium, Kapitel 10, Vers 11

Mit einer Selbstlosigkeit ohnegleichen hat vor Jahren in Washington ein Unbekannter sein
Leben geopfert, um nach dem Absturz eines Verkehrsflugzeugs in dem vereisten Potomac-
Fluss fünf andere Passagiere zu retten.

Augenzeugen dieser Tat wurden die Besatzungsmitglieder des Rettungshubschraubers, der


die im Wasser treibenden Überlebenden aufnehmen sollte. Die Piloten sahen, wie ein Mann
mittleren Alters jedes Mal das
Rettungsgerät an einen anderen
weitergab. Man gab ihm durch
Zeichen zu verstehen, dass
er jetzt an der Reihe sei, aber
trotzdem gab er das Seil weiter.

Nachdem auf diese Weise


fünf Menschen durch den
Hubschrauber in Sicherheit
gebracht werden konnten,
versank der Mann ohne
Hilferuf im Fluss. – „Ich habe
noch nie jemand mit solcher
Opferbereitschaft gesehen“,
sagte einer der beiden
Hubschrauberpiloten. „Ich gebe
offen zu, dass mir die Tränen
gekommen sind, und ich glaube,
er hat diese Tränen verdient. Er war ein wirklich edler Mensch und ein echter Held.“ – So weit
(Aus dem Kalender „Die gute Saat“)

der Bericht der Tagespresse.

Dass einer sich für fünf andere opferte, ist beeindruckend. Wie aber muss uns dann die
Tatsache ansprechen, dass am Kreuz von Golgatha einer bereit war, für alle zu sterben?
Christus, der Gerechte, starb für die Ungerechten. Der Vollkommene, Reine nahm die Schuld
auf sich und starb für Dich und mich. Eine Antwort auf diese Liebe und Hingabe kann man
nur persönlich geben, indem man Jesus Christus als seinen persönlichen Retter annimmt und
Ihm seine Sünden bekennt. Heute ist das noch möglich. Was morgen sein wird, weiß keiner
von uns.

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