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VffG, Jahrgang 3, Nr.

2, Juni 1999, 120 Seiten

Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung, 7. Jahrgang, Heft 3 & 4, Dezember 2003
Kriegsgründe: Kosovo 1999 – Westpreußen 1939 · Partisanenkrieg und Repressaltötungen · Der 1. Holocaust 1914-1927 · Polnische Bevölkerungsverluste ISSN: 1370-7507
während des 2. Weltkrieges · Lebensweg eines tschechischen »Partisanen« · Geschichte und Pseudogeschichte, Teil 2 · Versuche der Widerlegung revisioni-
stischer Thesen · Woher stammt der David-Stern? · Gewißheit um Heisenberg · Irrtümer und Unsinn über Wagner · Der Abfall eines jüdischen Revisionisten ·

Vierteljahreshefte
Redefreiheit…, Teil 3 · Zensur und Willkür ohne Ende · Kristallnacht in Barcelona, u.v.a.m.
VffG, Jahrgang 3, Nr. 3, September 1999, 120 Seiten
KL Stutthof · Der große Patentraub · Wlassow in neuem Licht · Wandlungen der Totenzahl von Auschwitz · Wieviele Tote gab es in Auschwitz?
· Das Schicksal der Juden Deutschlands 1939-45 · Unbekannter Hunger-Holocaust · Sowjetische Bildfälschungen · Britische Propaganda 1939-

für freie
45 · Aufstieg und Fall von Lindbergh · Die Beneš-Dekrete · Konrad Henlein und die sudetendeutsche Frage · Grenzen der Naturwissenschaft
· Wahnwelten · Redefreiheit…, Teil 4 · Jürgen Graf: Urteil von Appelationsgericht bestätigt, u.v.a.m.
VffG, Jahrgang 3, Nr. 4, Dezember 1999, 120 Seiten
Fremdarbeiter im Dritten Reich · Deutsche Zwangsarbeit und ihr Entschädigung · Ist Amerika seit 250.000 Jahren besiedelt? · Wer waren die
Ureinwohner Amerikas? · Perspektive in „Holocaust“-Kontroverse · Holocaust-Religion · 100 Mio. Kommunismus-Opfer: Warum? · Kulmhof/Chelmno · Sinti

Geschichtsforschung
und Roma · Peenemünde und Los Alamos · Entmachtung der deutschen Vertriebenen · „Deutsche Geschichtsschreibung“ · Bundesprüfstelle verweigert Poli-
tical Correctness · Holocaust im Internet · Wissenschaft oder Ideologie?
VffG, Jahrgang 4, Nr. 1, Juni 2000, 120 Seiten
Verschiedene Beiträge zum Prozeß David Irving gegen D.E. Lipstadt · »Schlüsseldokument« – alternative Interpretation · Vergasungslügen
gegen Deutschland · Verfahrenstechniker zu Vergasungsbehauptungen · Treblinka-Archäologie · England – Aggressorstaat Nr. 1 · Churchill
plante 3. Weltkrieg gegen Stalin · Englands Kriegsgründe für WKII · Rätselhafter General Wlassow · Japan: einen Holocaust verschwindet ·
Einkreisung Deutschlands · Freispruch für polnischen Historiker · Prozeß gegen Dr. Toben · Zweierlei Kronzeugen · u.a.m.
VffG, Jahrgang 4, Nr. 2, August 2000, 120 Seiten
Holo-Orthodoxie · Gedenken an Pfeifenberger und Elstner · Deutschland – Sommer-Alptraum · Was geschah mit unregistrierten Juden? · 7. Jahrgang • Heft 3 & 4 • Dezember 2003
“Schon 1942 wußte man…” · Leichenkeller von Birkenau · Serienlügner Wiesel · Üben bis zur Vergasung! · Lügner Lanzmann · Gaskammer-Besichtigung ·
Juden unter NS-Herrschaft · Tod Himmlers · WK II: Wessen Krieg? · Leistungen der Wehrmacht zur Flüchtlingsrettung · Galileo Galilei · Neue Weltreligion ·
Nazifizierung der Deutschen · Ideologische Versuchung · Unsere jüdischen Wurzeln? · u.a.m.
VffG, Jahrgang 4, Nr. 3&4 (Doppelnummer), Dezember 2000, 232 Seiten (als Einzelheft € 30,-) 11. September 2001:
Ganzjahres-Alptraum Deutschland · 20. Jahrhundert – ein „deutsches“ Jahrhundert? · Revisionistische Wiedergeburt · Kongreß der Verfolgten ·
Historische Vergangenheit, politische Gegenwart · Was widerfuhr den ungarischen Juden? · Luftschutz in Birkenau: Neubewertung · Berichte zu Terror oder Betrug?, S. 250-287
Auschwitz · Amtlich sanktionierter Betrug in Dachau · Giftmordfall Marie Besnard · „Swing tanzen verboten“ · Das Ende von U 85 · Armee von
Nieten · Washington oder Wilson? · Entstehung des jüdischen Volkes · Wilhelm II. und T. Herzl · Sieg der verlorenen Revolution · u.a.m. Der Krieg gegen den Irak:
VffG, Jahrgang 5, Nr. 1, Mai 2001, 120 Seiten Die auserwählte Komponente, S. 288
Revisionismus und Zionismus · Großbritannien und Palästina · Englands Propagandanetz in den USA · US-Intrigen zur Ausweitung des 2. Weltkriegs · Roose-
velt und der Fall Kent · Pläne zur Ausrottung des deutschen Volkes · Grabschändung durch Behörde · Vergewaltigte E. Wiesel deutsche Mädels? · Der Holocaust
begann 1648 · Die Shoah: bloßer Glaube? · Esquire über Revisionismus · Bedrohung und Gewalt gegen Revisionisten · »Strafbarkeit des Auschwitz-Leugnens«
Weltkrieg gegen das „Böse“:
· Fälschungen zum Holocaust · Legenden des Sklavenhandels, u.a.m. USA gegen den Rest der Welt, S. 304-328
VffG, Jahrgang 5, Nr. 2, Juli 2001, 120 Seiten
Beirut: Die unmögliche revisionistische Konferenz · Die Führer der islamischen Staaten sollten ihr Schweigen zum „Holocaust“-Betrug bre- Leidendes Palästina:
chen · Auswirkung und Zukunft des Holocaust-Revisionismus · Zyklon B, Auschwitz und der Prozeß gegen Dr. Bruno Tesch · Neubewertung Deutsche Medienblindheit, S. 329
Churchills – Teil 1 · J. Goebbels und die „Kristallnacht“ · Die Wiege der Zivilisation am falschen Ort? · Ein Volk gibt es unter uns… · Reali-
tät und Wirklichkeit · Der Angler, der Karpfen und der Revisionist · Jagd auf Germar Rudolf, Teil 3 · u.a.m. Israel ermordet Frieden, S. 340-344
VffG, Jahrgang 5, Nr. 3, September 2001, 120 Seiten
Folgen des Großterrorismus · »den holocaust hat es nie gegeben« · Offener Brief an arabische Intellektuelle · N. Finkelstein über Juden,
Exaktheit als Methode:
Antisemitismus, Israel · Revisionisten sind schwer zu widerlegen · Schwimmbad in Auschwitz · Marschall Pétain · Finnischer Winterkrieg 1939 · Unternehmen Faurissons Revisionismus, S. 350
Barbarossa und Europas Überleben · Ardennenschlacht · Neubewertung Churchills – Teil 2 · Britische Kriegsverbrechen · Weiße “Mumien” von Ürümchi ·
Kelten in Westchina · Pressefreiheit abgeschafft · Der Fall Gamlich · Die Neuseeland-Saga · u.a.m. Auschwitz Dokumente und Versuche:
VffG, Jahrgang 5, Nr. 4, Dezember 2001, 120 Seiten Leichenkeller = „Gaskammer“?, S. 357
Schützt unsere Demokratie! · Der Verfassungsschutz zum Revisionismus · Politische Romantik des Holocaust · J. Spanuth · Deportation
ungarischer Juden 1944 · Mythos von Gebrauchsobjekten aus Menschenhaut · Revision zur Französischen Revolution · Wendepunkt Erster Gasprüfer und Gasrestprobe, S. 380
Weltkrieg – Teil 1 · Unterdrückung Lettlands, 1918-1991 · OSI – US-Nazijäger · Stalins Säuberung der Roten Armee · Offene Fragen zu den Flammen und Rauch, S. 386
Terrorangriffen auf die USA · Amerika & England: Das Ende der Freiheit? · Gaskammern im Altreich? · Zeugen · u.a.m.
VffG, Jahrgang 6, Nr. 1, April 2002, 120 Seiten Humanes Töten:
Politisch verfolgte Deutsche genießen Asyl … im Ausland · Fort Eben-Emael: Wendepunkt der Geschichte · Bombardierung von Bergen Deutsche ermorden ist gut, S. 392
1944/45 · Durchbrach die Me 262 die Schallmauer? · Konzentrationslagergeld · Miklos Nyiszli · Israels Geburt durch Blut und Terror · Holocaust-Dynamik ·
Juden, Katholiken und der Holocaust · Revisionismus und die Würde der Besiegten · Globale Probleme der Weltgeschichte · N.G. Finkelstein in Beirut: Gegen-
veranstaltung arabischer Revisionisten · Jagd auf Germar Rudolf · Nachrufe · u.a.m. Pseudowissenschaft:
VffG, Jahrgang 6, Nr. 2, Juni 2002, 120 Seiten Eine Definition, S. 403
Naher Osten: Lunte am Pulverfaß · Geopolitik des Afghanistankrieges · 11. September 2001 · Helden von Bethlehem · V. Frankl über Auschwitz
· „Entdeckung“ des „Bunkers 1“ von Birkenau · Kosten von Auschwitz · Rückblick auf GULag · Kinderlandverschickung im 2. Weltkrieg · Ehrendes Angedenken:
Antigermanismus · Totalitarismus in der Springer-Presse · Gutachten im Asylverfahren von G. Rudolf · Geistesfreiheit in Deutschland · Japan Jean-Claude Pressac, S. 406-414
knackte US-Funkverkehr im Sommer 1941 · Hitler ohne Völkermordprogramm gegen Slawen · Ausgrabungen in Sobibor? · u.a.m.
VffG, Jahrgang 6, Nr. 3, September 2002, 128 Seiten Leni Riefenstahl, S. 415

½ KL Mauthausen:
IHR: Sinkt das Schiff? · Douglas: Revisionist oder Scharlatan? · »Keine Löcher, keine Gaskammer(n)« · V.E. Frankl in Auschwitz · Treblinka: Vernichtungsla-
ger oder Durchgangslager? · C.A. Lindbergh: Prinzipien vor Privatleben · Trübe Machenschaften der Anti-Defamation League · Auch Kulturrevisionismus ist
dringend erforderlich · Ich, der Antisemit? · Stalins Vernichtungskrieg – amtlicher Verleumdungskrieg · Nachruf auf Thor Heyerdahl · Schwimmbad im Ghetto Der Fall Lachout, S. 422
Castle Hill Publishers
Theresienstadt · Wie die USA den Vietnamkrieg vom Zaune brachen · Aus den Akten des Frankfurter Auschwitz-Prozesses · u.v.a.m.
VffG, Jahrgang 6, Nr. 4, December 2002, 120 Seiten Emil Lachout 2003 Aufstand für die Wahrheit:
Auschwitz-Opferzahl: Zahlen-Roulette dreht sich weiter · Russen recherchieren in “Sache Holocaust” · Sowjetischen Befragung der Topf- Verein für Holo-Verfolgte, S. 436-450
Ingenieure · “Verbrennungsgruben” und Grundwasserstand in Birkenau · Die Stärkebücher von Auschwitz · Giftgas über alles, von Friedrich
Paul Berg · Vrba entlarvt Lanzmanns Film Shoah... und sich selbst · Mondlandung: Schwindel oder Wahrheit? · Männer beiderlei Geschlechts
und der kalte Verfassungsputsch · Von der Gefahr, Revisionist zu sein… · Hundert Jahre Leni Riefenstahl · Zensur im Internet, u.a.m.
VffG, Jahrgang 7, Nr. 1, April 2003, 120 Seiten
E. Zündel: Kampf für Deutschland · Die 4-Mio. Zahl von Auschwitz: Entstehung, Revision, Konsequenz · Zigeuner-“Vergasung” in Auschwitz
· Lodz-Ghetto in der Holocaust-Propaganda · Neues Gesicht des “Holocaust” · Der General im Eis · Klimaforschung: Wissenschaft oder Ideologie? · Umer-
ziehung an deutschen Schulen · Hintergründe der 68er-Kulturrevolution · Entstehung des Dt. Reiches · Warum die USA den Internationalen Strafgerichtshof
ablehnen · Revisionismus in Estland · Dissidentenverfolgung: Rennicke, Amaudruz, Plantin · u.a.m.
VffG, Jahrgang 7, Nr. 2, Juli 2003, 120 Seiten
Am Rande des Dritten Weltkriegs · Die Opiumkriege · Sind alle Menschen gleich? · Wie die Psychologie Darwin verlor · Gruppendenken ·
Dachau-Greuelmärchen bloßgelegt · Jüdische Mythen um die Berliner Olympiade (1936) · Walter A. Peltz als Holocaust-Falschzeuge · Schicksal
der jüdischen Familie Goldsteen aus Holland · KL Sachsenhausen · Verbrennungsexperimente mit Tierfleisch und -fett · Dissidentenverfolgung:
Kanada, Neuseeland, Deutschland · Die Versenkung des Schlachtschiffes Bismarck u.a.m
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wenden Sie sich dazu an die Redaktion. Unterstützung: Sollten Sie unsere Arbeit wertvoll finden, so VffG, Jahrgang 1, Nr. 1, März 1997, 58 Seiten
Offenkundigkeit · Zyklon B · Selbstassistierter Holocaust-Schwindel · Französischer Hersteller von Zyklon B? · Affäre Garaudy/
Versand: außerhalb Großbritanniens per Luftpost, Porto und bitten wir Sie herzlich, uns nach Kräften zu unterstützen, sei Abbé Pierre · Historiker: Keine Beweise für Gaskammern! · Zur Legalität von Geiselerschießungen · Ein anderer Auschwitz-
Verpackung sind inklusive. es durch Abonnements, die Übernahme von Patenschaften, prozeß · Englands Oberjuden vor Gericht · Juden in Wehrmachtsuniform · Guido Knopp und die historische Wahrheit · Zur
Zahlungsbedingungen: 60 Tage rein netto. die Vermittlung neuer Abonnenten und Interessenten oder gar Wissenschaftsfreiheit in Deutschland · Bücherverbrennung in Deutschland heute · »Prawda«: Der Holocaust ist ein Mythos
Zahlungsweise: durch Spenden. Spendenüberschüsse fließen zu 100% in die VffG, Jahrgang 1, Nr. 2, Juni 1997, 74 Seiten
– bar: vorzugsweise €, SF, £ oder US$. Erforschung wichtiger geschichtlicher Fragen. Wannsee-Konferenz · Wieviele Juden überlebten Holocaust? · Sonderbehandlung · Gespensterkrankheit · Loch in der Tür · Anne Frank ·
Unbefohlener Völkermord · Völkermord durch Telepathie · KGB-Novellist G. Fleming · Revisionismus im Cyberspace · Focus, Monitor und
die Wahrheit · Revisionistische Gutachten · Rudolf Gutachten in der Kritik · Zur Lage des Holocaust-Revisionismus · Aktion Troja · Völkermord
Voraussetzungen für den Abdruck von Artikeln in den Vierteljahresheften für freie Geschichtsforschung: nicht gleich Völkermord · Deutschland verletzt Meinungsfreiheit
Inhaltliche Voraussetzungen: Vorgehensweise: Mit Ausnahme anonym zugesandter Beiträge VffG, Jahrgang 1, Nr. 3, September 1997, 90 Seiten: zur Zeit ausverkauft
Themengebiete: Geschichte, insbesondere Zeitgeschichte; werden Korrekturbögen nach Erfassung zugesandt, ein VffG, Jahrgang 1, Nr. 4, Dezember 1997, 82 Seiten
daneben auch Meinungs- und Forschungsfreiheit. Nach Recht auf Abdruck entsteht dadurch nicht. Das eventuelle Rudolf Gutachten: »gefährlich« · Technik deutscher Gasschutzbunker · Sauna ein »Verbrechen«? · Was geschah den aus Frankreich deportierten
Möglichkeit neuartige, bisher unveröffentlichte Berichte, Erscheinungsdatum behält sich die Redaktion vor. Ein Juden? · Juden von Kaszony · Wieviel Gefangene wurden nach Auschwitz gebracht ? · Himmler-Befehl zum Vergasung-Stop · NS-Sprache
gegenüber Juden · Ch. Browning: unwissender Experte · Deutscher Soldat in Auschwitz und Buchenwald · Die Ignoranz der deutschen Elite ·
Übersichtsartikel bzw. Forschungsergebnisse; Autorenhonorar wird nur gezahlt, falls der Autor unter Menschenrechtsorganisationen und Revisionismus
Stil: systematischer Aufbau; sachlich; Belegung von Tat- gesellschaftlicher und/oder staatlicher Verfolgung wegen
VffG, Jahrgang 2, Nr. 1, März 1998, 82 Seiten
sachenbehauptungen; merkliche Trennung von Meinung und seinen Meinungsäußerungen leidet. Es wird jeweils nur ein Grundwasser in Auschwitz-Birkenau · Die »Gasprüfer« von Auschwitz · Zweimal Dachau · Irren-Offensive · Ein Australier in
Tatsachenbehauptungen. Belegexemplar versandt. Auf ausdrücklichen Wunsch können Auschwitz · Die Affäre Papon-Jouffa-Faurisson · Maurice Papon und Yves Jouffa: zweierlei Maß? · Milliarden Franc den Juden
bis zu fünf Belegexemplare zugesandt werden. geraubt… oder von Marschall Pétain? · Büchervernichter und ihre Opfer · 451 Grad Fahrenheit · Vom Holocaust Museum
Äußere Voraussetzungen: Aus naheliegenden Gründen drucken ausgeladen: Schriftsteller spricht beim Nationalen Presseclub
wir Beiträge gegebenfalls auch unter Pseudonymen ab, die Daten: Wir bevorzugen Daten auf Diskette (PC, evtl. auch VffG, Jahrgang 2, Nr. 2, Juni 1998, 82 Seiten
wir selbstverständlich streng vertraulich behandeln. Anonym MAC, 3,5”/1,44MB und ZIP/100 oder 250 MB). Die Datei- Appell an unsere Unterstützer · Kurzwellen-Entlausungsanlagen in Auschwitz · ›Gaskammern‹ von Majdanek · »Ein Kommentar ist Stelle
zugesandte Beiträge, die ebenfalls willkommen sind, können formate der üblichen Textverarbeitungsprogramme können in überflüssig« · Auschwitz: Krema-Zerstörung als Propaganda-Bremse · Das Detail · »Gaskammer« von Auschwitz I · Wiedergutmachung:
nur veröffentlicht werden, wenn sie inhaltlich annähernd der Regel alle verarbeitet werden, vorteilhaft sind jedoch aus Korrektur eines Fehlurteils · Der Mythos von der Vernichtung Homosexueller im Dritten Reich · Guido Knopp: Meister der Gehirnwäsche ·
druckreif sind. Gründen der Portabilität Dateien des Formats *.rtf (Rich Text Deutschland und seine Neurosen · Zweifeln verboten, fragen verboten, zitieren verboten!
Es besteht keine Umfangsbeschränkung für eingereichte Format). Wir selbst verwenden bevorzugt MS Word97/2000 VffG, Jahrgang 2, Nr. 3, September 1998, 82 Seiten
»Schlüsseldokument« ist Fälschung · Dokumentation eines Massenmordes · Verdrängte Schiffskatastrophen · Vatikan und
Beiträge. Beiträge, die merklich 10 Seiten in unserer Zeitschrift sowie PageMaker 6.5/InDesign (MS Publisher und Quark »Holocaust«: »Komplizenschaft« zurückgewiesen · R. Graham und Revisionismus · Lügen über Waffen-SS-Division · Auschwitz
überschreiten (etwa 50.000 Zeichen, bzw. 9.000 Wörter), Express können gelesen werden). Bitte senden Sie Ihre Sterbebücher · Auschwitz-Überleben · Kriegsgerüchte · »Vor dem Lesen vernichten!« · Falsche Erinnerungen überall – nur
müssen damit rechnen, in mehrere Teile zerlegt in aufein- Manusripte nicht per Fax, da dies ein automatische Erfassung nicht in der Zeitgeschichte · J. W. Goethe knapp BRD-Zensur entgangen · Polizeistaatliche Intoleranz.
anderfolgenden Ausgaben publiziert zu werden. In solchen (OCR) erschwert. Bilder können sowohl in allen gängigen VffG, Jahrgang 2, Nr. 4, Dezember 1998, 82 Seiten
Fällen ist dafür zu sorgen, daß der Beitrag eine Gliederung Bildformaten auf Diskette als auch im Original zugesandt Zensoren und Zensierte · Cremonini-Preis 1999 · »Gasdichte« Türen in Auschwitz · Kurzwellen-Entlausungsanlage, Teil 2 ·
aufweist, die eine solche Teilung erlaubt. werden. Redefreiheit, dissidente Historiker und Revisionisten, Teil 1 · Aus Kriegspropaganda werden historische »Tatsachen« · 1944: Schreckensjahr
Beiträge von zwei Seiten Länge oder mehr sollten mit 3,5”-Disketten sowie unverlangte Manuskripte werden im Kaukasus · »Holocaust in neuem Licht« – Hintergrundinformationen · Repression gegen Dissidenten in Schweiz · Eine Zensur findet nicht
Abbildungen versehen sein, um den Text aufzulockern nicht zurückgesandt, verlangte Original-Manuskripte und statt, es sei denn... · Liste eingezogener Schriften · Dänisches Zeugen-Potpourri.
(Buchumschläge behandelter Werke, Dokumenten-Faksimiles, Abbildungen nur auf ausdrückliche Bitte. VffG, Jahrgang 3, Nr. 1, März 1999, 120 Seiten
Deutschlands Historiker anno 1999 · Eine Fallstudie früher integrierter Kriegführung · Redefreiheit…, Teil 2 · Rückblick auf
Portraits behandelter Personen und evtl. der Beitragsautoren, Falls Sie mit diesen Bedingungen einverstanden sind, den Revisionismus · Wie die Siegerpropaganda aus Bäckereien »Krematorien« schuf · »Zur Bestreitung des Holocaust – Fakten
Autorvorstellungen, Bilder historischer Ereignisse etc.). erwarten wir gerne Ihre Arbeiten. und Motive« · Geschichte und Pseudogeschichte · Die 1998’er Konferenz in Adelaide, Australien · Das Rudolf Gutachten
in der Kritik, Teil 2 · Pyrrhussieg in der Schweiz für die jüdische Gedankenpolizei · Die Wilkomirski-Pleite · Fragen an die
* zuzüglich 8% Porto & Verpackung in Europa, 16% außerhalb Europas. UNESCO zum Thema Auschwitz.
Inhalt

George Bush wider den Revisionismus ..................................................................................................................................243
Von Richard Widman
Revisionistische Notizen ..........................................................................................................................................................244
Von Bradley Smith
11. September 2001: Terrorangriff oder Betrugsmanöver der US-Regierung?
Geisterreiter am Himmel: Ein alternatives Szenario zum 11. September 2001, von Alexander K. Dewdney .......................250
Mobiltelefon-Experimente in Linienflugzeugen, von Germar Rudolf ....................................................................................275
Die merkwürdige Untätigkeit der US-Luftwaffe, von Mark Elsis ..........................................................................................277
Der Krieg gegen den Irak: In Israel konzipiert.....................................................................................................................288
Von Stephen J. Sniegoski
Eine Übersicht über den Krieg gegen den Terrorismus .......................................................................................................304
Von Jim Marrs
Entweder Weltherrscher oder das Nichts..............................................................................................................................313
Von Andreas Wesserle
Die furchtbaren Leiden der Palästinenser .............................................................................................................................329
Von Georg Wiesholler
Wie Israel den Frieden ermordet
Israelischer Planierraupen-Fahrer ermordet US-Friedensaktivistin, von Nigel Parry und Arjan El Fassed.......................340
Nachruf auf Rachel, von Colonel Maguire ............................................................................................................................342
Wie deutsches und amerikanisches Geld in Israel ausgegeben wird, von Germar Rudolf....................................................343
Simon Wiesenthals Kriegsjahre: Neues Licht in eine düstere Vergangenheit ...................................................................344
Von Theodore O‘Keefe
Meine revisionistische Methode ..............................................................................................................................................350
Von Prof. a.D. Dr. Robert Faurisson
Die Leichenkeller der Krematorien von Birkenau im Lichte der Dokumente ...................................................................357
Von Carlo Mattogno
Auschwitz: Gasprüfer und Gasrestprobe ..............................................................................................................................380
Von Carlo Mattogno
Flammen und Rauch aus Krematoriumskaminen................................................................................................................386
Von Carlo Mattogno
Der glückliche Drachen Nummer 5 ........................................................................................................................................391
Von Minoru Reich-Sato
Humanes Töten ........................................................................................................................................................................392
Von Ernst Manon
Revisionismus in Portugal .......................................................................................................................................................398
Von Jürgen Graf
Der Holocaust-Revisionismus in den Massenmedien............................................................................................................399
Von Paul Grubach
Pseudowissenschaft ..................................................................................................................................................................403
Von Germar Rudolf
In Memoriam Jean-Claude Pressac
Jean-Claude Pressac und der Revisionismus, von Jürgen Graf ............................................................................................406
Meine Erinnerungen an Jean-Claude Pressac, von Carlo Mattogno ....................................................................................412
Leni Riefenstahl – kein Abschied............................................................................................................................................415
Von Martha Jüngst
Gerechtigkeit für Deutschland – vielleicht nächstes Jahr ....................................................................................................417
Über und von Martin Hohmann, MdB

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4 241
Die „Gaskammer“ im KL Mauthausen – Der Fall Emil Lachout .......................................................................................422
Von Johannes Heyne
Aufstand für die Wahrheit ......................................................................................................................................................436
Von Horst Mahler
Amalia Hinterwäldlerin vor Gericht, von Ursula Haverbeck................................................................................................445
Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten, von Horst Mahler .......................................448
Offener Brief an Horst Mahler, von Prof. a.D. Dr. Robert Faurisson...................................................................................449
Bücherschau
Der Terror begann nicht erst unter Stalin, von Thomas Dunskus .........................................................................................450
Das Ende der Legenden, von Wolfgang Strauss ....................................................................................................................451
Unauslöschliche Schatten: Die Filmwelt und der Holocaust, von Francis Dixon.................................................................460
Aus der Forschung
Erpreßte Geständnisse: Warum Unschuldige einen Mord gestehen, von Manfred Köhler ...................................................461
Intelligenz: vererbt oder erlernt?, von Andrea Schneider .....................................................................................................464
Aus den Akten des Frankfurter Auschwitz-Prozesses, Teil 5, von Germar Rudolf ................................................................465
Leserbriefe ................................................................................................................................................................................470
In Kürze ....................................................................................................................................................................................475
Erratum ..................................................................................................................................................................................480

Appell an alle Leser
Erst Möllemannn, dann Hohmann und Brigadegeneral Gün- werden müssen, um ihren Untertanengeist endlich abzulegen.
zel; die Bevölkerungsstatistiken Deutschlands weisen unauf- Und wie können Sie uns dabei helfen? Ganz einfach: Wer
hörlich auf einen baldigen Völkerselbstmord hin; die impor- immer uns in folgenden Bereichen helfen und entlasten kann,
tierten Ausländermassen können nicht integriert werden, weil wird herzlich gebeten, sich mit uns in Verbindung zu setzen:
nichts mehr da ist, worin sich integrieren ließe; immer noch Übersetzungen vom Englischen und Französischen ins Deut-
zahlt Deutschland jährlich Milliarden über Milliarden an alle sche; und vom Deutschen ins Englisch; ein Email-Konto ist
Welt; die Wirtschaft geht daher den Bach hinunter. Der große unbedingte Voraussetzung.
Kladderadatsch steht schon bald bevor. Man muß nur bis Korrekturlesen von deutschen Texten; ein Email-Konto ist
zehn zählen können, um das zu erkennen. unbedingte Voraussetzung.
Leider können die meisten Leute nicht bis zehn zählen, am Massen-Email-Versendung Entwurf und Organisation von
allerwenigsten die deutschen Politiker. Und die, die zählen Aussendungen via Email; Email-Konto ist unbedingte Vor-
können, sind vom rotfaschistischen und Zionnazi-Staatsterror aussetzung.
so eingeschüchtert, daß man unausweichlich den Eindruck Neuwerbung von Kunden durch Ansprechen von Verwand-
bekommt, Deutschland habe sich von einer freiheitlichen ten und Bekannten; durch Mitteilung von potentiellen Inter-
Demokratie in eine stalinistische Diktatur verwandelt. Was essenten; durch Angabe von Kontaktaddressen örtlicher oder
also tun? regionaler/überregionaler Periodika, in denen wir Anzeigen
Das größte Problem der 70 Millionen verbliebenen Deut- schalten können.
schen ist, daß Millionen unter ihnen glauben, sie seien ja Entwurf von Werbung für Inserate im Internet oder in Print-
ganz alleine und könnten alleine ja doch nichts ändern. medien.
Und genau da muß man ansetzen! Wahrscheinlich in typi- Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Wenn allerdings
scher Entwicklung haben auch die Vierteljahreshefte für freie die Abonnentenentwicklung noch drei Jahre so weitergeht,
Geschichtsforschung in den letzten Jahren Abonnenten verlo- werden die Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung
ren: Die Alten sterben weg, neue Deutsche werden erst gar aus finanziellen Gründen zwangsweise eingestellt werden
nicht geboren oder kommen mit einem Ariel-rein gewasche- müssen. Dann würde das letzte deutsche nicht-zensierbare
nen Hirn auf diese Welt. Das größte Problem aber ist, die po- Organ von internationalem Rang und wissenschaftlichem
tentiellen, sich einsam fühlenden Millionen zu erreichen. Wir Ansehen aufhören zu bestehen. Das kann keiner wollen.
haben uns dazu etwas einfallen lassen, aber um es effektiv zu Darf ich daher mit Ihrer Hilfe rechnen? Wenn ja, so wenden
gestalten, kann ich hier nicht offen darüber schreiben. Kurz Sie sich bitte an mich.
gesagt werden wir mehr Gewicht auf die Menschenrechte le- Mit Dank im voraus verbleibe ich verbindlichst Ihr
gen, die bekanntlich in Deutschland mit den Füßen getreten
werden. Die meisten Deutschen wissen gar nicht mehr, daß Germar Rudolf
sie überhaupt Rechte haben. Die halten es für absolut in Ord- Castle Hill Publishers
nung, daß Politiker entlassen, Beamte gefeuert, Wissen- PO Box 257768
schaftler eingekerkert und Bücher verbrannt werden, wenn es Chicago, IL 60625, USA
um unerwünschte Äußerungen zu umstrittenen Themen geht. chp@vho.org
Ich denke, daß die Deutschen umerzogen und dadurch befreit 001-773-769-1121

242 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
George Bush wider den Revisionismus
Von Richard Widman
Am Montag, den 16. Juni 2003, gaben die Schlagzeilen in res Bild der tatsächlichen Ereignisse – und schon gar über
ganz Amerika das neueste Ziel des Unmutes von Präsident Ursachen und Beweggründe für derartige Geschehnisse.
Bush bekannt: Geschichts-Revisionisten. Während Bush sei- Bushs Kommentar: »Ich weiß, daß jetzt sehr viel Geschichte
ne Aufmerksamkeit von Al-Qaida und Iraq gen Iran verlager- revidiert wird. Aber er [Saddam Hussein] ist nicht länger ei-
te, entschloß er sich, die Revisionisten zu kritisieren. Eine ne Bedrohung der freien Welt« ist unaufrichtig. Obgleich
Schlagzeile meldete: »Bush greift „Historische Revisioni- Bush über den letzteren Punkt bezüglich Hussein recht hat,
sten“ über Irak an«.1 Harry Barnes, ein früher Pionier des beweist dies auf keinem Fall Bushs Implikation. Bush ver-
Revisionismus, sagte einmal, daß den Antirevisionisten »der langte, daß Hussein aus der Machtposition entfernt werden
Ausdruck [Revisionismus] nach Böswilligkeit und Rachsucht müsse, weil er angeblich ein Programm mit Massenvernich-
schmeckt, und einem teuflischen Verlangen, den Retter der tungswaffen entwickelte. Falls dies der Grund war und es
Menschheit zu verleumden.«2 Sicherlich hat sich Bush nicht sich zeigt, daß tatsächlich gar keine Massenvernichtungswaf-
nur als „Antirevisionist“ plaziert, sondern auch als „Retter fen existierten, dann war der Krieg selbst ungerechtfertigt.
der Menschheit“ für seinen jüngsten Feldzug im Irak. In den Tagen kurz vor dem Krieg war die Propaganda des
Ich bin hier weder an Bushs Motivation noch an einer Kritik Weißen Hauses ungenau und anscheinend auf der Suche
seiner Pläne interessiert, sondern nur an dem Angriff auf den nach dem richtigen Ton, der am besten bei den Amerikanern
Revisionismus selbst. Bushs Kritik behauptet irrtümlich, daß ankam. Wir hörten von Husseins Brutalität gegen seine eige-
der Revisionismus verfälsche. Es ist wichtig zu verstehen, nen Landsleute; wir hörten von den Massenvernichtungswaf-
daß der Revisionismus weder rachsüchtig ist und auch nicht fen; wir hörten von Verbindungen zur Al-Qaida und zum in-
die Geschichte verfälscht. Es ist bekannt, daß alle gute Ge- ternationalem Terrorismus. Am Ende war es jedoch das un-
schichtsschreibung notwendigerweise revisionistische Ge- klar definierte Programm der Massenvernichtungswaffen,
schichtsschreibung ist. Revisionisten haben nie versucht, die welches die Vergasung der Kurden von 1988 ausstach.5 Da-
Geschichte zu verfälschen, sondern sie versuchen, die Wahr- raus leiteten die Amerikaner der Zeit nach dem 11. Septem-
heit festzustellen und die Ursachen von Kriegen zu entdecken. ber Schreckensszenarien ab, in denen sie selbst vergast wer-
Bush Kritik an den Revisionisten war eine Antwort an die den, und natürlich erwachte ihre kollektive Erinnerung an die
Zweifler an der offiziellen Begründung für den Irak-Krieg. In phantastischen Legenden über NS-Vergasungen während des
einer Rede vor Geschäftsführern aus New Jersey kritisierte Zweiten Weltkrieges. Hussein kam die Rolle eines modernen
Bush: „Hitlers“ zu. Dieser „Hitler“ war nicht der Hitler der Ge-
»Es gibt Leute, die die Geschichte ändern wollen: Ich nen- schichte, sondern der Hitler der populären Legende und des
ne sie Geschichts-Revisionisten.« Mythos. Es war der Hitler mit der Teufelsgabel in der Hand.6
Um zu zeigen, daß er nicht mit Revisionisten übereinstimme, Die Welt mag sehr wohl ein sichererer Platz sein, nachdem
machte er eine ähnliche Bemerkung einen Tag später in einer Saddam Hussein ausgeschaltet wurde. Die ungeschickte Pro-
Rede in einer Volkshochschule in einem Vorort Washingtons: 3 paganda der US-Regierung und der Mangel eines Beweises,
»Ich weiß, daß jetzt viel Geschichte revidiert wird. Er daß der Irak Massenvernichtungswaffen besaß, ist jedoch
[Saddam Hussein] ist jedoch keine Bedrohung der freien wert, von Historikern analysiert zu werden. Vielleicht besaß
Welt mehr.« der Irak solche Waffen und hat sie einfach in der Wüste gut
Reporter suchten Klarheit und fragten Bushs Pressesprecher versteckt. Vielleicht hatte der Irak keine solche Waffen, aber
Ari Fleischer, was Bush mit „Geschichtsrevision“ meinte. Bush hatte es ehrlich geglaubt – eine Vorstellung mit
Fleischer antwortete:3 schrecklichen Schlußfolgerungen. Oder vielleicht war die
»Die Vorstellung, daß Saddam Hussein vor dem Krieg kei- ganze Geschichte ein Machwerk, fabriziert für die öffentli-
ne Massenvernichtungswaffen hatte.« chen Verbreitung.7
Fleischers Antwort ist jedoch nicht sehr Die Wahrheit über diese Ereignisse und
befriedigend. Um zu verstehen, was der die Beweggründe, die amerikanische
Grund für die jüngste Aufregung war, Militärmacht auf den Irak loszulassen,
wendet man sich am besten an Harry werden eines Tages herauskommen.
Elmer Barnes. Barnes definierte „Revi- Vielleicht dauert es Jahre, bis die Do-
sionismus“ wie folgt:4 kumente der Öffentlichkeit zugänglich
»Revisionismus ist nichts anderes als werden, aber es wird dann bekannt wer-
der Versuch, geschichtliche Aufzeich- den, was diese jüngste Vernichtung
nungen zu korrigieren angesichts bes- menschlichen Lebens verursachte. Und
serer historischer Beweise, einer ru- eines ist sicher: wenn dieser Tag
higeren politischen Atmosphäre und kommt, dann werden die Bücher, die
einer objektiveren Einstellung.« dann geschrieben werden, von Ge-
Revisionisten wissen, daß Geschichts- schichts-Revisionisten verfaßt sein.
schreibung oft darauf beruht, was wäh- Die Geschichtsschreibung wird ein wei-
rend der Kriegszeit gelesen wurde, und teres Mal mit den Tatsachen in Überein-
wenig Ähnlichkeit mit der Realität hat. stimmung gebracht werden. Das kann
Während der Kriegszeit verhindern nur geschehen, wenn die offizielle Ge-
Emotionen und Propaganda oft ein kla- schichtsschreibung, die von Politikern
Ari Fleischer

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4 243
und ihren Sprechern fabriziert wurde, überarbeitet wird. Das historical review, Costa Mesa, California, 1991, S. 273.
3
war immer die Rolle des Revisionismus gewesen. Nur durch Scott Lindlaw, »Bush Again Defends Rationale for Iraq War«, Yahoo!
News, June 17, 2003;
Kenntnisse der Tatsachen über die internationalen Beziehun- http://story.news.yahoo.com/news?tmpl=story&u=/ap/20030617/ap_on_g
gen und die Ursachen von Kriegen können wir wirklich unse- o_pr_wh/bush_59
re Hoffnung auf Wohlstand, Sicherheit und Frieden in den 4
Barnes, aaO. (Anm. 2), S. 273.
5
kommenden Jahren verstärken. Bush ist im Unrecht, wenn er Die Beschuldigung, daß Hussein die Kurden vergast habe, ist nicht be-
wiesen. Tatsächlich ist diese Anklage sehr umstritten. Es wurde sogar
meint, daß Revisionisten ihn verunglimpfen wollen; sie tun
vorgeschlagen, daß tatsächlich der Iran und nicht der Irak die Kurden
nur das, was sie immer schon getan haben: Lügen und My- vergast habe. Für zusätzliche Information siehe
then zu entlarven, die den Frieden und den guten Willen zwi- www.informationclearinghouse.info/article1779.htm
6
schen den Nationen beeinträchtigen. Es gibt mehrere Artikel und Briefe, die Saddam Hussein mit Adolf Hitler
vergleichen. Dies wurde eine populäre Ansicht. Einige von diesen sind
»Hitler and Hussein and the Lesson of History«,
Anmerkungen www.mikehersh.com/Hitler_Hussein_and_History.shtml und »Of Hitler
Zuerst veröffentlicht in The Revisionist 1(3) (2003), Übesetzt von Fabian and Hussein«, http://stacks.msnbc.com/news/919790.asp und »Saddam
Eschen Hussein – could he be another Adolf Hitler?«
1
Randall Mikkelsen, »Bush Blasts „Revisionist historians“ on Iraq«, Ya- www.stp.uh.edu/vol63/89/OpEd2/8921198/8921198.html
7
hoo! News, 16. Juni 2003; Bezüglich der Massenvernichtungswaffen wird jetzt bestätigt, daß sogar
http://story.news.yahoo.com/news?tmpl=story&u=/nm/20030616/ts_nm/i Colin Powell ernstliche Zweifel über Iraks Waffenbesitz hatte. Siehe
raq_usa_bush_dc_7 »Straw, Powell had serious doubts over their Iraqi weapons claims: Se-
2
Harry Elmer Barnes, »Revisionism and the Promotion of Peace«, in: Bar- cret Transcript revealed«
nes Against the Blackout: Essays Against Interventionism, Institute for www.guardian.co.uk/Iraq/Story/0,2763,967548,00.html

Revisionistische Notizen
Von Bradley Smith
Die Betonköpfe im Auschwitz-Museum geben zu: der rung der These von einer singulären deutschen Monstrosität
„Urzustand“ der Gaskammer ist getürkt einfach alles erlaubt sei.
Seit mehr als einem halben Jahrhundert haben die im Au- Ohne viel Aufhebens hat man jetzt die Tonart des Liedes
schwitz-Museum tätigen Fremdenführer Besuchern aus aller über die vermeintliche „Gaskammer“ auf der Internet-Seite
Welt erzählt, die „Gaskammer“ im Lager Auschwitz I sei im von Auschwitz etwas geändert:2
„Urzustand“ belassen worden. Jeder geht dorthin. Niemand »Nach dem Kriege wurde in Auschwitz ein Teilumbau
weiß, wie viele Leute – Millionen? – das gehört haben. Mil- durchgeführt. Der Schornstein und zwei Brennkammern
lionen und Abermillionen auf der ganzen Welt haben das ge- wurden unter Verwendung von Originalteilen nachgebaut,
lesen oder sich erzählen lassen. Wir haben einige dieser wie auch einige der Öffnungen im Dach der Gaskammer.«
Fremdenführer 1994 auf Video aufgenommen, als sie einer Noch ein Punkt hinsichtlich des Abrutschens der Auschwitz-
Gruppe von Besuchern genau dies auf englisch verkündeten.1 Geschichte. Bis vor einigen Jahren hörten wir immer und
Auf polnisch haben sie vielleicht Gott weiß was gesagt. immer wieder, die deutschen Ungeheuer hätten in Auschwitz
Revisionisten haben schon vor über dreißig Jahren gesagt, „vier Millionen“ Juden umgebracht. Die Geschichte war so
und seitdem endlos wiederholt, daß diese Behauptung nach- unsagbar dumm, daß sogar die Betonköpfe im Museum
weislich eine Lüge ist. Es ist eine Lüge, die so leicht zu über- schließlich meinten, man müsse das aufgeben. Die Presse in
prüfen ist, daß man meinen sollte, nur Dummköpfe oder Leu- Amerika und Europa hätte ohne weiteres die Sache auch
te, denen die Verteufelung der Deutschen am Herzen liegt, noch ein halbes Jahrhundert lang mitgemacht, aber die zu-
könnten so etwas verbreiten. Die Leiter des Museums und nehmende Blamage der Leute, die diese Geschichte so lange
diejenigen, die es unterstützen, meinen, daß zur Untermaue- wider besseres Wissen aufrecht erhalten hatten, hat ihnen
diesen Spaß vermasselt. Eine „Verfälschung“
war es nicht gewesen, sondern ganz schlicht
eine Lüge.
Jetzt erzählen uns die Betonköpfe im Au-
schwitz-Museum, daß dort ungefähr „eine Mil-
lion“ Juden getötet worden sind. Um der
Wahrheit die Ehre zu geben: wir wissen nicht,
wieviele Juden in Auschwitz getötet worden
sind. Vielleicht ein Dutzend. Oder mehr. Eine
Sache scheint sicher: Niemand kam in einer
„Gaskammer“ ums Leben, niemand wurde Op-
fer eines organisierten Versuchs, einen Völ-
kermord durchzuführen. Niemand. Punkt.
Wenn einer etwa für die New York Times ar-
beitet, dann hat er den Auschwitz-Betonköp-
2
fen die Sache mit den „vier Millionen in Au-
Die offizielle Internet-Seite des Auschwitz-Museums

244 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
schwitz getöteten Juden“ ein halbes Jahrhundert lang abge- auf die Olympischen Spiele von Atlanta im Jahre 1996. In
kauft. Fast genau so lange auch die Sache mit dem „Urzu- seiner Jugend hat er mal einen Schulaufsatz verfaßt, in dem
stand“ der „Gaskammer“. So einer soll sich das nicht allzu er schrieb: »der Holocaust hat nie stattgefunden«.4 Damals
sehr zu Herzen nehmen. Alle anderen Zeitungen in Amerika, war er offenbar noch an intellektuellen Dingen interessiert
nicht nur die Times, haben nachgedruckt, was diese Beton- und hatte sich noch nicht vorgenommen, Leute umzubringen,
köpfe vorgaben. von denen er meinte, sie hätten Unrecht (ja, ja, ich weiß – er
Ich frage mich, was die Elie Wiesels über diese kleine, aber gilt erst einmal als unschuldig).
sehr bezeichnende Geschichte sagen werden. Sie fassen sich Abgesehen von seiner Holocaust-Leugnung, steht Rudolph in
vermutlich an den Kopf. Immerhin wird es Jahre dauern, bis Verbindung mit den Leuten von Christian Identity, einer
die Bedeutung dieses neuerlichen Eingeständnisses persönli- Sekte mit einer phantasievollen Deutung christlicher heiliger
cher und historischer Beschämung in die Presse sickert. Elie Schriften. Die menschliche Wesensart ist unbegrenzt, und
Wiesel und seine Leute wissen, wie man mit der Presse um- somit auch die Interpretation heiliger Texte oder die Zahl der
geht. Erst kauft man sie, dann programmiert man sie, dann Leute, die sich damit befassen. Auch in revisionistischen
benutzt man sie. Kein Problem. Auch die Betonköpfe von Kreisen trifft man sie an, meist nette Leute, die einem im ein-
Auschwitz sind beherrschbar. zelnen auseinandersetzen können, wie die historischen Wan-
derungen die Israeliten schließlich auf die Britischen Inseln
Der palästinensische Präsident als Holocaust Revisionist führten, wo sie dann zu Engländern wurden.
Eine fast leere israelische Knesset (Parlament) beschloß am Die Identity-Leute mißtrauen den Juden, mögen sie häufig
Dienstag, alle Holocaust-Leugner zu ‘verfolgen’, wobei hier nicht und wünschen ihnen Übles an den Hals. Das ist eine
der neue palästinensische Präsident Mahmud Abbas beson- ganz vernünftige Einstellung, wenn man das glaubt, was sie
ders anvisiert wurde. Der von der rechtsextremen Nationalen von der Bibel glauben, die Schlange, Kain, und den Rest der
Union-Partei am späten Abend herbeigeführte Beschluß wur- Geschichte der Juden. Das liegt so ungefähr auf der selben
de, wie der Vorsitzende des parlamentarischen Gesetz-Aus- Linie wie die Ideen mancher Juden, die meinen, der Vater
schusses im staatlichen Fernsehen bekannt gab, mit 13 gegen 5 von Kain habe ihnen auf immer und ewig irgendeine Ecke im
Stimmen des 120-köpfigen Parlaments angenommen. Nahen Osten zugesprochen.
Der Sprecher sagte, die Abstimmung habe keine gesetzliche Wenn wir meinen, daß der Revisionismus eine bedeutende
Wirkung. Rolle in der amerikanischen Kultur spielen kann und soll, tä-
Abbas hatte seinerzeit an der Moskauer Universität eine Dis- ten wir gut daran, die revisionistische Theorie als solche von
sertation über das Thema »Geheime Beziehungen zwischen den Leuten abzusondern, die sich aus einem bestenfalls ex-
Nazismus und Zionismus« eingereicht, in der er in Abrede zentrischen und völlig überzogenen Eigeninteresse zu ihr
stellte, der Holocaust der Nazis habe zum Tode von 6 Millio- hingezogen fühlen. Ihr Ehrgeiz ist nicht minder gefährlich als
nen Juden geführt und in der er statt dessen von „weniger als der von Leuten, die das Tabu päppeln und ausnutzen, das die
einer Million“ sprach.3 Holocaustgeschichte vor nüchterner Untersuchung schützt.
Abbu Mazen, alias Mahmud Abbas, der neue palästinensi- Wenn jemand die revisionistische Theorie abtut, weil manche
sche Premierminister, ist zwar ein Holocaust-Revisionist, er Leute sie für eigene Zwecke mißbrauchen, sollte er daran
wird jedoch von der Linken nicht als „Hasser“ attackiert. So denken, daß es nicht die Leute von, beispielsweise, der Chri-
denkt man eben. Das Schlichte und das Bedeutsame gehen stian Identity sind, die für uns totschlagen. Es sind die Repu-
nahtlos in einander über, man merkt es kaum, so leicht geht blikaner und die Demokraten. Immer. Nicht die „Hasser“,
das. Politisierer und Intellektuelle haben beim Nicht- sondern Demokraten und Republikaner – alles „gute Leute“.
Hinsehen Übung. Erst neulich fiel mir auf, daß J. Krishna-
murti, einer meiner prinzipienhaften Helden, mit der Frau Gehirnwäsche und Gehirn-Säuberung
seines besten Freundes schlief und die Sache vertuschte. Sein Ein Leser aus New Jersey schreibt, sein Interesse am Revi-
ganzer wichtigtuerischer Bekanntenkreis half ihm dabei. sionismus sei wiedererwacht, nachdem er entdeckt habe, sei-
Woran dachten diese Leute? Man stelle sich vor, wir könnten ne Tochter sei im achten Schuljahr an einer öffentlichen
wirklich in die Gehirne der Mächtigen, der Einflußreichen, Schule mit Holocaust-„Stuß“ genudelt worden. Die Sache
der Beispielhaften hineinsehen. Die Welt stünde Kopf. gipfelte in der Pflichtteilnahme an einer Aufführung des mie-
Viele auf der linken Seite setzen sich für die „Menschenrech- sen Spielberg-Films Schindlers Liste, der seinerseits auf ei-
te“ der Palästinenser ein und sind gegen die israelische Be- nem billigen australischen Roman beruht. Er schreibt:
setzung Palästinas. Alle auf der linken Seite sind gegen intel- Nichtteilnahme zog die üblichen Strafarbeiten, Aufsätze usw.
lektuelle Freiheit für Holocaust-Revisionisten, als ob es nicht nach sich. Also erst kamen fünf Stunden Schindler und dann
ein „Menschenrecht“ wäre, frei zu sagen, was man denkt. noch zwei Stunden, in denen die Lehrer weitere Holocaust-
Gleichzeitig, weil sie ja ihr etwas mangelhaftes Programm ‘Fakten’ eintrichterten. Das kam alles, nachdem ein Holo-
der menschlichen „Rechte“ fördern will, sagt die Linke nichts caust-Überlebender von den 11 (elf) Millionen geschwatzt
über Abu Marzuns Holocaust-Revisionismus. Wenn man ein hatte. So sehen die ‘Fakten’ aus, die die öffentlichen Schulen
bekannter Palästinenser ist, kann man sagen, daß manches in New Jersey unseren Achtklässlern vermitteln. Elf Millio-
am Holocaust durchaus nicht stimmt. Wenn man ein norma- nen, das sind 6 Millionen Juden und 5 Millionen andere.
ler Amerikaner ist – oder, schlimmer, ein normaler Europäer Gaskammern. Seife aus Judenleichen. Tätowierungen, die jü-
– riskiert man dabei alles. So ist es halt mit der linken Politik. dischen Häftlingen abgeschnitten und als ‘Kunst am Bau’
verwendet wurden. Meine Lieblingsgeschichte (die auch Sa-
Amerikas meistgesuchter Verbrecher nach 5 Jahren im muel Crowell5 gefallen würde), ist die Sache mit dem Ad-
Netz renalin, das bei den Vergasten so stark anstieg, daß sie noch
Vor kurzem wurde Eric Rudolph verhaftet, dieser Mann, dem mit ihren Fingernägeln Worte in die Betonwände der ‘Gas-
vier Bombenanschläge zur Last gelegt werden, darunter der kammer’ kratzten.

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 245
Was würden die Leute denn schreiben? „Ich wurde vergast“? Nun kann man sagen, daß niemand jemals den Weg der Gu-
Eigentlich wollte ich mich zurückhalten, aber dann ging’s mit rus auch wirklich gegangen ist und daß wir in einer anderen
mir durch, und ich erklärte meiner Tochter die Sache mit der Welt leben würden, wenn das der Fall gewesen wäre. Es liegt
‘Gaskammer von Sherlock Holmes’. Später sahen wir dann aber auf der Hand, nachdem wir ihnen nun fünf- oder zehn-
ein Interview von David Cole mit Dr. Franciszek Piper. Je- tausend Jahre lang zugehört haben, daß sie unerheblich sind.
denfalls ist meiner Tochter der Unsinn inzwischen klar. Genauer gesagt, sie sind geradezu gefährlich. Sehen sie sich
Der Staat New Jersey benutzt also einen Hollywoodfilm, auf doch bloß einmal den Jubel in Gaza an, wenn wieder jüdi-
einer Romangrundlage, um den Schülern Holocaust-‘Ges- sche Zivilisten absichtlich von frommen Moslems umge-
chichte’ zu vermitteln. Wer profitiert von so einer unehrli- bracht worden sind, oder diese zigarrenqualmige Selbstzu-
chen Handlung? Verfolgen sie mal den Kampf um kulturelle friedenheit in Tel Aviv, wenn wieder mal die Apache-
Hegemonie. Verfolgen sie das Geld. Hubschrauber Araber umgelegt haben, die für die Befreiung
ihrer Heimat von den jüdischen Eroberern kämpfen, oder den
Sind die Gurus unerheblich? Ärger in Washington, wenn mal wieder Juden und Palästi-
Am Sonntagmorgen schaue ich den Fox-Nachrichtensender nenser draufgehen und nicht nur Palästinenser.
an. Nach der üblichen Diskussion mit Brit Hulme und den Es ist nutzlos, weiterzureden. Wir sind so. Es ändert sich
anderen Leuten, wie jede Woche, tritt der kalifornische bud- nicht. Wir hoffen alle, daß es sich mal ändert. Wir wollen
dhistische Guru auf. Weiß nicht mehr, wie er heißt. So etwa tun, was wir tun können, damit es sich ändert. Aber wir sind
das erste, was er sagt, ist: »Es geht nicht darum, was du bist, die, die wir sind und sind das, was wir tun, und weil Sein und
sondern darum, wer du bist.« Das interessiert mich heute und Tun dasselbe ist, sieht es eben für uns nicht gut aus.
ich suche nach einem Bleistift in der Küche, um es zu notie-
ren. Als ich dann soweit bin, weiß ich nicht mehr genau, ob New Yorker Persönlichkeit möchte Strafen für
er das gesagt hat, oder aber »nicht wer du bist ist wichtig, „Gedankenverbrechen“
sondern, was du tust«. Rudolf Giuliani schreibt, daß in der Welt, und besonders in
Jetzt, mit dem Bleistift in der Hand, habe ich auch Zeit, dar- Europa, ein Aufflammen antisemitischer Gewalt festzustellen
über nachzudenken, wie man das, was ich bin, von dem, was sei.6 Er vermerkt, daß Antisemitismus der älteste Haß in der
ich tue, trennen kann. Wer ich bin, ist, was ich tue, und was westlichen Kultur sei und der „Holocaust“ dies beweise. Er
ich tue, ist, wer ich bin. Wo ist der Unterschied? Wenn ich bringt vor, daß es daher »unumgänglich ist, [Europas] Bür-
etwas entsetzlich Dummes tue, wäre es schön, einfach zu sa- gern ein ehrliches Verständnis des Holocausts zu vermitteln,
gen »ja, ja, das habe ich schon gemacht, aber ich war es da revisionistische Standpunkte die Wiederholung eines auf
nicht.« Wenn nicht ich, wer denn? dem Rassebegriff fußenden Genozids hervorrufen könnten.«
Wenn ein frommer Muslim seine heiligen Schriften liest und Revisionistische Standpunkte sind Standpunkte, die ich und
dann absichtlich einen Bus in die Luft sprengt, um die Israe- einige meiner Freunde einnehmen – nicht alle meiner Freun-
lis darin umzubringen, kann er sagen: »Ja, ich habe das ge- de sind Revisionisten und nicht alle Revisionisten sind meine
tan, aber das war eigentlich nicht ich. Wenn die Juden in Is- Freunde. Jedenfalls glaubt Rudolf Giuliani, daß ich einer von
rael sich bis hierhin oder bis dahin zurückziehen würden, den Leuten bin, die Europa, wenn nicht sogar die ganze Welt,
und mich in Ruhe ließen, täte ich etwas anderes und wäre ein dem Risiko eines »auf dem Rassebegriff fußenden Genozids«
ganz anderer Mensch.« Bis dahin ist er leider ein frommer aussetzen.
Muslim, der willkürlich Juden in israelischen Bussen tötet. Das ist einfach ein bißchen zu dumm (Proust sagt so etwas
Das macht er und das ist er. und mir gefällt die Formulierung), aber es entspricht der
Dasselbe gilt für die Juden in Israel, die sich Land nehmen, durchschnittlichen Meinung unserer kulturellen und politi-
das Palästinensern gehört. Sie berufen sich auf ihre heiligen schen Eliten in Sachen Revisionismus.
Schriften oder auf irgendeinen moralischen oder politischen Auf der Tagung in Wien wird Giuliani anregen, daß die Eu-
Grundsatz. Sie bleiben jedoch, was sie sind, Juden, die nach ropäer auf Haß begründete Verbrechen beobachten und sie
palästinensischem Land gieren und es sich aneignen. Die als eine Besonderheit gegenüber anderen Verbrechen wie
Ironie ist dabei, daß sie häufig um so gieriger sind, je fröm- Mord, Tätlichkeiten, oder Sachbeschädigung behandeln soll-
mer sie sind. ten, und daß solche Beobachtungen analysiert und verfolgt
Auch der amerikanische Präsident ist ein frommer Mann. Er und entsprechende Gesetze erlassen werden müssen.
liest die heiligen Schriften auf seine Weise. Wie er sie sieht, Giuliani erwähnt keine „Gedankenverbrechen“. In den mei-
weiß ich nicht, aber diejenigen, die wir und die sich selbst sten europäischen Ländern ist die revisionistische Theorie
„Christliche Zionisten“ nennen, glauben anscheinend, daß die schon heute ein Gedankenverbrechen, und die Täter können
Lesart des Präsidenten die richtige ist. Er hat vielleicht diese Jahr für Jahr ruiniert, verfolgt, angeklagt und eingesperrt
richtige Lesart erworben, kurz nachdem er, wie er sagt, „wie- werden. Giuliani (sagt er) sei ein Kind der ethnischen Vielfalt
dergeboren“ wurde. von Brooklyn, von New York, und der jüdischen Kultur und
Eine Sache ist bei all dem sicher. Wenn wir den Gurus folgen Politik, und man hat ihm beigebracht zu glauben, daß revi-
– ob sie nun Juden, Moslems, Christen, oder Buddhisten sind sionistische Theorien über die Holocaustgeschichte zu geno-
– dann bleiben wir auf dem Weg, den wir seit fünf- oder zidhaftem Massenmord führen können, und daß es daher ein
zehntausend Jahren entlanglaufen, auf dem Weg, der uns auf Haß begründetes Verbrechen ist, die Gaskammerge-
„Auge um Auge“ lehrt, auf dem Weg, dessen Ereignisse uns schichten in Frage zu stellen. So sieht die ethnische Vielfalt
lehren, daß Macht vor Recht geht, auf dem Weg, der uns in Brooklyn aus.
zeigt, daß – unabhängig davon, in welche Religion du nun In Kanada sitzt seit Monaten Ernst Zündel im Gefängnis,
gerade hineingeboren wurdest – deine Gurus schlauer sind weil er ein Revisionist ist. Kanada ist also fürs erste sicher. In
und mehr über Gott wissen, als die Gurus in allen anderen Deutschland ist Germar Rudolf wegen eines Gedankenver-
Kulturen, egal, wie sehr sie angebetet werden. brechens verurteilt worden; er hatte das Rudolf Gutachten

246 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
über chemische und technische Aspekte der „Gaskammern“ – Welche „Güter“ verkaufte Otto Frank der deutschen Ar-
von Auschwitz veröffentlicht.7 Ich frage mich, was Giuliani mee?
davon halten würde, die wissenschaftliche chemische Analy- – Warum berichten die Medien über Gustav Schwarzeneg-
se von Wandproben aus einem nicht in Polen gelegenen Ge- ger?
bäude zum Gedankenverbrechen zu machen. – Warum schweigen die Medien nach einem halben Jahr-
Na, das würde natürlich von dem Gebäude abhängen, nicht hundert immer noch über Otto Frank?
wahr? Für manche Gebäude wäre das ja ganz in Ordnung. – Können wir Männer wie Gustav Schwarzenegger und Otto
Bei anderen – tja, da käme man für vier oder fünf Jahre rein, Frank überhaupt beurteilen?
wenn man so etwas tut und die „falschen“ Ergebnisse findet. – Wem nützt es, Gustavs Geschichte hochzuspielen und Ar-
Das wäre ein „Haß-Verbrechen“. Es gibt eben bestimmte nold damit anzugreifen, während Ottos Geschichte ver-
Wände, in bestimmten Gebäuden wo man die chemischen schwiegen wird und seine Tochter Anne zugleich ein gro-
Verbindungen in der Wand besser nicht analysiert, denn was ßes kulturelles Kleinod bleibt? Wer profitiert davon?
man dann findet, könnte bedeuten, daß das, was da sein soll-
te, nicht da ist, und daß das, was nicht da sein sollte, doch da Das „verborgene Leben“ von Anne Franks Vater Otto:
ist und das könnte dann zu einem auf Haß begründetem Ge- Eine Überraschung nach der anderen
nozid führen – an wem? an unseren jüdischen Freunden? Mir war nicht bekannt, daß Anne Franks Vater Otto ein NS-
Nochmal, he? Kollaborateur und Kriegsprofitmacher war. Wo war ich nur
Giuliani schreibt: die ganze Zeit?10 Ich wußte nicht, daß Otto Waren für die
»Eins der Ziele des Gesetzes ist zu lehren, ist Grenzen zu deutsche Armee herstellte und als Großhändler verkaufte,
ziehen zwischen dem, was erlaubt und dem, was verboten während er sich im berühmten Hinterhaus in Amsterdam ver-
ist.« steckte. Ich wußte auch nicht, daß er sowohl mit den deut-
Wir ziehen also besser eine Linie zwischen revisionistischen schen als auch mit den niederländischen Nationalsozialisten
Theorien einerseits und der orthodoxen Theorie über den Ho- kollaborierte.
locaust andererseits, so wie sie von den Professoren gelehrt Diese Fakten wurden mir zuerst bekannt durch Joe Orolin.
wird. Wir müssen revisionistische Theorien verbieten. Wir Joe sandte mir Ausschnitte von regionalen Zeitungen aus
müssen es Revisionisten untersagen, die Resultate ihrer Ar- Pennsylvania und überregionalen Medien. Die meisten seiner
beiten zu veröffentlichen. Wir müssen Professoren verbieten, Geschichten kenne ich bereits aus Meldungen vom Internet,
darüber zu sprechen, Studenten verbieten, so etwas zu unter- aber es gibt immer wieder welche, von den ich sonst nie et-
suchen, und der Bevölkerung verbieten, so etwas in den Me- was gehört hätte, weil es entweder Lokalnachrichten sind
dien zu hören. Das sind alles Gedankenverbrechen, oder wie oder weil sie zwar überregional sind, aber irgendwie im In-
man in unserer von einem angeschmutzten Liberalismus be- ternet untergehen.
wegten Kultur sagt, „Haßverbrechen“. Eines Nachmittags erhielt ich also Joes Ausschnitt einer am
Das ist der Zweck der Holocaust-Industrie. Giuliani entpuppt 27.8.2003 veröffentlichten Pressemeldung von Associated
sich als einer der Sprecher dieser Industrie, die auf Zensur Press, verfaßt von Ray Locker. Bei dem Artikel handelte es
spezialisiert ist und die freiheitliche Behandlung einer spezi- sich um die Rezension des Buches The Hidden Life of Otto
ellen historischen Frage unterdrückt. Wem nützt das? Wollen Frank von Carol Ann Lee, erschienen im Verlag Harper-
Sie das wissen? Folgen Sie dem Geld! Collins/William Morrow. Und der Anfang dieser erstaunli-
Wenn Sie meinen, daß man gegen das Holocaust-Tabu ange- chen Rezension: liest sich so
hen sollte, und wenn Sie meinen, daß das Tabu – das Tabu »Für einen Mann, der auf ewig mit dem Holocaust und der
selbst – das eine offene Diskussion über die Allianz der USA Sache des Weltjudentums in Verbindung gebracht werden
mit Israel verhindert, Unrecht ist, dann geben Sie mir ein wird, ging Otto Frank – der Vater der Holocaust-
paar Dollar, damit ich eine öffentliche Plattform gestalten Tagebuchschreiberin Anne Frank – mit einem steten Sinn
kann, auf der diese dunklen Tabus bei Tageslicht betrachtet für die Ambivalenz durch sein Leben. Jetzt, angesichts die-
werden können. Vielen Dank! ses forschenden und einsichtsreichen Buches von Carol
Ann Lee, wissen wir auch warum.
Arnold Schwarzeneggers Vater war ein SA-Mann; Anne Wenn es auch zu weit ginge, Frank einen „Kollaborateur“
Franks Vater war ein NS-Kollaborateur und jener Nazi-Regierung zu nennen, die ihn und seine Familie
Kriegsprofitmacher; warum wird die eine dieser beiden letztlich ins Konzentrationslager sandte, so machte er den-
Geschichten unterdrückt? noch Geschäfte mit der deutschen Armee, die damals die
Arnold Schwarzeneggers Vater Gustav trat im Mai 1939 Niederlande besetzt hatte.
freiwillig den „Braunhemden“ bei, – etwa »sechs Monate, Frank arbeitete auch mit niederländischen Sympathisanten
nachdem die Braunhemden bei der Reichskristallnacht mit- von Hitlers Dritten Reich zusammen und hielt sich in Krei-
halfen […], bei der jüdische Häuser, Geschäfte und Synago- sen auf, die letztlich dafür sorgten, daß er und seine Fami-
gen überall in Deutschland angegriffen wurden.«8 lie nach fast drei Jahren des Versteckens im Hinterhaus
Anne Franks Vater Otto Frank war ein Kriegsprofitmacher, seines Geschäftes verhaftet wurden.«
der Güter an die deutsche Armee verkaufte, als diese in ei- Diese Beobachtungen erstaunten mich. Ich hatte nie etwas
nem gigantischen Programm der ethnischen Säuberung Eu- von diesem Buch gehört. Ich durchsuchte das Internet und
ropa von den Juden „befreite“ (vgl. die Details weiter unter).9 fand heraus, daß dieses Buch im Februar, also sechs Monate
Fragen: zuvor veröffentlicht worden war. Ich suchte in der New York
– Woher wissen wird, daß Gustav Schwarzenegger ein SA- Times, im Atlantic Monthly und im Wall Street Journal nach
Mann war? Rezensionen dieses Buches. All diese Organe haben die Ge-
– Woher wissen wird, daß Otto Frank mit den Nationalsozia- schichte von Anne Frank ein halbes Jahrhundert lang propa-
listen kollaborierte? giert. Ich fand allerdings nichts bei diesen Großkopferten.

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 247
Ich fand drei weitere Rezensionen in kleinen Blättern. Ich »Otto Frank ging einen Pakt mit dem Teufel ein […]«
fand auch heraus, daß das Buch schon 2002, also ein ganzes Und das ist, was sie damit meint: Otto war Hersteller und
Jahr zuvor, in England veröffentlicht worden war. Ich hatte Großhändler des Geliermittels Opekta und anderer Produkte,
nie etwas davon gehört. In Amerika hört die öffentliche die er im großen Maßstab unter anderem an die Wehrmacht
Aufmerksamkeit und die Geschäftigkeit um Anne Frank verkaufte.
niemals auf. Nie! Und nun haben wir ein dramatisches Buch »Pektin war ein Konservierungsmittel und fand vielseitige
über Annes Vater von einem angesehenen Autor, das Buch Anwendungen in Abhängigkeit von der Art des verwende-
enthält sehr kontroverse Informationen, aber es gibt keinerlei ten Pektins. Alles Pektin war für die Herstellung von Le-
Interesse. Man fragt sich verwundert, warum das so ist. bensmitteln von Bedeutung, aber bestimmte Sorten dienten
Ich bestellte das Buch im Internet bei Amazon.com und er- auch als Wundbalsam sowie als Blutverdickungsmittel bei
hielt es fünf Tage später. Ich las das Buch teils am kommen- Bluttransfusionen. Wieder andere Pektin-Arten wurden in
den Abend in meinem Bett und teils am nächsten Nachmittag der Stahlindustrie als Härtemittel und in der Ölindustrie
in einem Straßencafe, während meine Frau mit einer Freun- als Emulgatoren eingesetzt. Es ist daher möglich, daß die
din einkaufen ging. Otto scheint ein guter und anständiger Wehrmacht das von Franks Firma gekaufte Pektin in der
Mann gewesen zu sein, der in Angelegenheiten verwickelt Kriegsindustrie einsetzte.«
war, die sich seiner Kontrolle entzogen, so wie fast jeder in Bezüglich Ottos Produktion und Verkauf von Produkten an
jener Zeit in diesem Teil der Welt. die Wehrmacht schreibt Lee:
Ich habe mir über Otto Frank niemals viele Gedanken ge- »Die Lieferungen an die Wehrmacht (über Zwischenhänd-
macht. Ich habe auch nie viel von ihm gehört. Ich wußte ler) sicherten das Überleben von Ottos Betrieb. Mehr als
mehr oder weniger, was wir alle wußten. Er verließ Amster- 80% aller niederländischen Firmen lieferten während des
dam mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern unter der Auf- Krieges Produkte an die Wehrmacht, so daß man ange-
sicht der Deutschen, und als er nach Amsterdam zurückkam, sichts dieser statistischen Zahlen kaum schockiert darüber
waren seine Frau und seine zwei Töchter tot. Wir alle haben sein kann, daß Otto genau dasselbe tat.«
Familienmitglieder verloren, viele von uns haben Familien- Miep Gies, jene Dame, die Annes Tagebuch auf dem Boden
mitglieder fast verloren, und ich kann mir in etwa vorstellen, des Hinterhauses fand, nachdem die Franks deportiert wor-
wie sich Otto gefühlt haben muß, als ihm Miep Gies Annes den waren, wird wie folgt zitiert:
Tagebuch gab, das sie vom Dachboden gerettet hatte, nach- »[…] Die Bedingungen, unter der seine [Ottos] Firma im
dem die Familie abgeführt worden war. Krieg operierte, sollte man im Auge behalten. Es gab keine
Otto muß von einer Flutwelle von Erinnerungen und Überra- Alternative – nicht zu liefern hätte bedeuten können, daß
schungen überwältigt worden sein sowie anschließend von die Firma hätte zugemacht werden müssen.«
einer ekstatischen Freude, zumindest diese Seiten in den Hier ist die „revisionistische“ Betrachtungsweise von Otto
Händen halten zu dürfen, die von seiner Tochter geschriebe- Franks Leben in Amsterdam während des Zweiten Weltkrie-
nen wurden, als sie alle noch zusammenlebten. Er hatte etwas ges: Otto Frank leitet während des Krieges ein Unternehmen
von ihr behalten. Sie war nicht völlig verschwunden. Er hatte vom Erdgeschoß des Hinterhauses aus, in dem sich seine
wenigstens etwas. Familie verbarg. Das Unternehmen lieferte Güter an die
Eine früher erschienenes Buch von Carol Ann Lee über Anne Wehrmacht. Otto machte damit Gewinne. Er schmierte damit
Frank (Roses from the Earth: The Biography of Anne Frank) einen niederländischen Nationalsozialisten, damit dieser sein
erhielt in England gute Kritiken. Aufgrund ihrer Forschungen Betriebs-„Geheimnis“ nicht verriet.
hat die Verfasserin in dem neuen Buch eine Menge darüber Otto war demnach also ein Jude, ein NS-Kollaborateur, ein
zu sagen, wie das „Tagebuch“ zusammengeschustert wurde. Kriegsgewinnler sowie ein guter Mensch mit hochentwickel-
Sie berichtet offen, wie Anne ihr eigenes Tagebuch um- tem Feingespür. Ich würde ihn gerne gekannt haben, sein
schrieb, mit den Problemen, die sich aus den verschiedenen Freund gewesen sein und alles in meiner Macht stehende ge-
von Otto in Auftrag gegebenen Übersetzungen ergeben, Ot- tan haben, um seine Tochter vor jenen retten zu können, die
tos eigenes Umschreiben des Textes und so weiter. Im Grun- sie als ihre Feinde ansah.
de vertritt sie die in den 1970er und 80er Jahren geformte re- Hinzugefügt werden sollte, daß es sehr wahrscheinlich ist,
visionistische Ansicht – ohne dies allerdings so auszudrücken daß Otto seinem niederländisch-nationalsozialistischen Ge-
–, daß das „Tagebuch“ ein Roman ist, der auf Tagebuchein- genüber Tonny Ahlers sowohl während des Krieges als auch
tragungen basiert, die sowohl von Annes Vater wie auch von danach Erpressungsgelder zahlte, um Ottos Kollaboration mit
anderen umgeschrieben wurden, nicht aber um ein Tagebuch den Nationalsozialisten während des Krieges zu verschwei-
an sich. gen. Es sieht sogar so auch, als ob Otto Tonny Ahlers bis zu
Daran ist nichts auszusetzen – abgesehen freilich von der seinem Tode im Jahre 1980 Erpressungsgelder zahlte!
Tatsache, daß jene, die die Holocaust-Lobby vertreten, jahr- Was aber heißt dies alles für jemanden wie mich? Zunächst
zehntelang Lügen über diesen Roman verbreitet haben. gilt festzustellen, daß eine Zusammenarbeit mit den Deutschen
Das Kernanliegen von Carol Ann Lees The Hidden Life of bzw. Nationalsozialisten offenbar etwas ganz anderes bedeute-
Otto Frank ist herauszufinden, wer das Versteck der Franks te, als was uns die Holocaust-Industrie glauben machen will,
verraten und sie somit an die deutsche Besatzungsmacht aus- und auch etwas ganz anderes als das, was die US-„Nazijäger“
geliefert hat. Was mich anbetrifft, so ist dieser Aspekt das vom Office of Special Investigations meinen, wenn sie das
Uninteressanteste an der ganzen Geschichte. Das mag Ge- Wort „Kollaboration“ in den Mund nehmen bei ihren Men-
schmacksache sein. Aber wie nebenbei dokumentiert Fräu- schenjagden auf alte europäische Männer, die während des
lein Lee die faszinierende Geschichte von Otto Franks Kolla- Zweiten Weltkrieges mit den Deutschen „kollaborierten“.
boration mit dem nationalsozialistischen Regime, also so- Kollaboration war die Regel, auch wenn zugegebenermaßen
wohl mit den deutschen Besatzern als auch den niederländi- nicht für jeden. In den Niederlanden kollaborierten zum Bei-
schen Behörden. Sie schreibt: spiel 80% der niederländischen Geschäftsleute mit den Deut-

248 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
schen. In den Lagern entschieden sich praktisch alle Juden, sammengeschlossen, um meiner Arbeit an den Universitäten
die von den Nationalsozialisten zur Erfüllung bestimmter der USA höchstpersönlich den Garaus zu machen. Man möge
Aufgaben ausgewählt wurden, mit ihnen zusammenzuarbei- sich dies vorstellen: Sulzberger und Foxman, zwei der ein-
ten. Das war die Regel. Freilich gab es auch einige, die eine flußreichsten Männer der US-amerikanischen Kultur und Po-
Zusammenarbeit verweigerten, wie auch unter den niederlän- litik, jeder von ihnen mit dem Zugriff auf Zigmillionen von
dischen Geschäftsleuten. Dollars, schließen sich zusammen, um ein Projekt auszurot-
Sodann sollte man fragen, wieviele belgische Firmen die ten, das von einem einzigen Mann mit ein paar freiwilligen
deutschen Kriegsanstrengungen unterstützten. Und wie viele Helfern und keinerlei Budget durchgeführt wird.
französische? Polnische, dänische, norwegische, tschechi- Der unten wiedergegebene Artikel erschien 2003 in der Son-
sche? Und wieviele dieser Firmen in deutsch-besetzten Ge- derausgabe der ADL-Druckschrift ADL on the Frontline (der
bieten wurde von Juden geleitet? Artikel befindet sich nicht auf der ADL-Webseite – falls ich
Und weiter: wieviele Juden dienten in der Wehrmacht wäh- ihn übersehen habe, möge man mich korrigieren und mir die
rend des Hitler-Regimes?11 Wie vielen Juden gelang es in URL mitteilen).
Deutschland, ihre Betriebe auch während des Krieges weiter- »NEW YORK TIMES UND ADL KLÄREN ÜBER EXTREMISMUS
zuführen? Gabe es so etwas überhaupt? Weiß man darüber AUF
etwas? Wird deren Geschichte auf ähnlich Weise unter den Wenn der Herausgeber einer Studentenzeitung gebeten
Teppich gekehrt wie Ottos Geschichte? wird, eine Anzeige zu veröffentlichen, in der geleugnet
Am 1. August 2003 wurde dem 79-jährigen US-Bürger Jakiw wird, daß der Holocaust stattfand – oder in der eine „offe-
Palij aus Queens, der verdächtigt wird, früher als Wachmann ne Debatte“ zu diesem Thema gefordert wird – kann er
ein deutsches Lager bewacht zu haben, von einem US-Bun- oder sie dann „nein“ dazu sagen, ohne die Pressefreiheit
desrichter die US-Staatsbürgerschaft aberkannt. Die Staats- zu unterminieren?
anwaltschaft warf Palij nicht vor, selbst irgendwelche Grau- Nach Ansicht der ADL und der New York Times ist die
samkeiten verübt zu haben. Aber der US-Staatsanwalt von Antwort darauf ein Ja. Beide Organisationen sind beunru-
Brooklyn Roslynn Mauskopf meinte, Palij habe Blut an den higt durch die andauernden – und oft erfolgreichen – Ver-
Fingern: suche von Holocaust-Leugnern und anderen Extremisten,
»Indem er die Gefangenen, die unter unmenschlichen Be- Anzeigen und anderes Material in Universitätszeitschriften
dingungen in Trawniki festgehalten wurden, bewachte, unterzubringen. Aus dieser gemeinsamen Sorge erwuchs
verhinderte Jakiw Palij deren Flucht und trug direkt zu de- ein jährliches Kolloquium mit dem Titel „Extremismus zielt
ren gelegentlicher Abschlachtung durch die Nazis bei.« auf die Studentenmedien: Zur Ausgewogenheit zwischen
Im August 2003 war Palij 79 Jahre alt. 1944, als er mit den Freiheit und Verantwortung.“
Deutschen „kollaborierte“, indem er das Lager Trawniki von Jeffrey Ross, ADL-Direktor für Universitätsangelegenhei-
außen bewachte, muß er ungefähr 21 gewesen sein. Im glei- ten und Höhere Bildung, führte aus: „Wir möchten Hoch-
chen Jahr 1944, als Otto Frank mithalf, die deutsche Wehr- schul-Journalisten dazu erziehen, die Pressefreiheit gegen
macht zu ernähren und womöglich gar auszurüsten, war die- die Verantwortung der Medien abzuwägen, wenn ihnen
ser bereits 55 Jahre alt. Haßmaterial zugesandt wird.“
Man sollte annehmen, daß man mit 55 Jahren wesentlich bes- Das dritte Kolloquium in dieser Reihe wurde im Haupt-
ser in der Lage ist, die politische und moralische Tragweite quartier der New York Times in New York City abgehalten.
der großen Ereignisse zu erfassen, die man durchlebt, als An ihm nahmen 100 Hochschul-Journalisten und Heraus-
wenn man erst 21 Jahre alt ist. Vielleicht werden die ADL geber sowie Mitglieder aus den Universitätsverwaltungen
und die Holocaust-Industrie ja vorbringen, daß Otto als Jude teil, einschließlich zehn Hochschul- und Universitätspräsi-
ein paar extra Jahrzehnte brauchte, um ein moralisches Ge- denten, wodurch 53 verschiedene akademische Körper-
wissen zu entwickeln. Aber das glaube ich nicht. schaften vertreten waren, die höchste bisher erzielt Zahl.
Als ich 21 Jahre alt war, befand ich mich mit der Siebten US- Die Teilnehmer kamen aus allen Gegenden der USA, eini-
Kavallerie-Division in Korea. Ich war ein junger Mann, der ge von so entfernten Gegenden wie Kalifornien.
einfach auf Spaß aus war, wie es ein Schlager vor ein paar Der Bundesdirektor der ADL, Abraham H. Foxman, und
Jahren ausdrückte. Ich war ein Kriegsfreiwilliger. Ich hatte der Verleger der New York Times, Arthur Sulzberger juni-
keine politischen Vorstellungen. Ich wollte niemandem weh- or, hielten Reden vor der Versammlung. An der von Steven
tun, aber ich hätte alles getan, was meine Vorgesetzten von Freeman, ADL-Direktor für Rechtsangelegenheiten, mode-
mir verlangt hätten. Tatsächlich war es genau das, was ich rierten Podiumsdiskussion nahmen teil: Mr. Ross, Stephen
getan habe: alles, was man von mir verlangte. Jespersen (Direktor für Inserat-Annahme der Times) und
Ich kann mir kaum vorstellen, wie ein 21-jähiger ukraini- Dorothy Samuels, Mitglied des Aufsichtsrates der Times.
scher oder deutscher oder niederländischer Junge damals die Herr Freeman und Herr Ross leiteten zudem interaktive
„moralischen“ Fragen des Zweiten Weltkrieges hätte auf die Diskussionsrunden.«
Reihe bekommen und dann auch noch danach handeln kön-
nen. Einige habe es in gewissem Umfang getan, aber diese Anmerkungen
jungen Männer heute, sechzig Jahre danach, also nach einem Wenn nicht am Abschnittsende anders angegeben, zuerst veröffentlicht in
ganzen Lebensalter, diesbezüglich zu beurteilen, ist eine häß- The Revisionist 1(3) (2003), p. 245-248; ebd., 1(4) (2003) S. 364-366. Über-
liche, eigennützige Farce selbstverherrlichender „Moralität“. setzt von Thomas Dunskus und G. Rudolf.
1
Zuerst veröffentlicht in Smith’s Report (gedruckte Fassung) im August 2003 David Cole Interviews Dr. Franciszek Piper, Director, Auschwitz State
Museum , VHS Video, zu beziehen bei CODOH, P.O. Box 439016, San
Diego, CA 92143, USA (online: codoh.com/cole.ra (enthält Audio)); rei-
Gehirnwäsche für studentische Herausgeber ne Text-Version bei: David Cole, »A Jewish Revisionist’s Visit to Au-
Arthur Sulzberger von der New York Times sowie Abraham schwitz«, JHR 13(2) (1993), S. 11-13 (online: co-
Foxman von der Anti-Defamation League haben sich zu- doh.com/gcgv/gcgvcole.html (Auszug))

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 249
2
www.auschwitz- Zeitschrift.
8
muzeum.oswiecim.pl/html/eng/zwiedzanie/krematorium_1.html LA Times, 23.8.2003.
3 9
»Knesset Votes to Pursue Holocaust Deniers, Including New Palestinian Carol Ann Lee, The Hidden Life of Otto Frank, William Morrow, NYC,
Prime Minister«, Agence France Presse, May 21, 2003; Inquiry and 2003.
10
Analysis Series, Nr. 95, 30.5.2002; Mahmud Abbas, The Other Side: The Siehe den Eintrag vom 1.4.1943 in Anne Franks Tagebuch; Robert Fau-
Secret Relations between Nazism and the Leadership of the Zionist risson war der erste, der diese Tatsache feststellte: »The Diary of Anne
Movement, Dissertation, Moscow Oriental College, 1983. Frank: Is it Genuine?«, Journal of Historical Review 19(6) (2000), S. 2-
4
JTA, 2.6.2003; vgl. www.fbi.gov/mostwant/topten/fugitives/rudolph.htm 11, bes. S. 5f.
5 11
www.codoh.com/incon/inconshr123.html Bryan Mark Rigg, Hitler’s Jewish Soldiers: The Untold Story of Nazi Ra-
6
New York Times, 17.6.2003. cial Laws and Men of Jewish Descent in the German Military, University
7
Castle Hill Publishers, Hastings 2001, zu beziehen über den Verlag dieser Press of Kansas, 2002.

11. September 2001:
Terrorangriff oder Betrugsmanöver der US-Regierung?
Zu den florierenden Verschwörungstheorien über den Angriff auf Amerika

Jedermann kennt die offizielle Version dessen, was am 11. September 2001 geschah. Doch schon eine kurze Suche
im Internet ergibt, daß viele Menschen diese Version in Frage stellen. Manche bezweifeln lediglich, daß die Angrif-
fe – wie regierungsamtlich behauptet – vollkommen überraschend kamen und keinerlei Zeit zum Einsatz der Luft-
abwehr oder für andere Verteidigungsmaßnahmen ließen. Andere gelangen zu weit radikaleren Schlüssen. Wurde
die zum Flug 93 gestartete Maschine, die auf einem Feld in Pennsylvania zerschellte, von einem US-
Kampfflugzeug abgeschossen? Wurden die Flugzeuge, die in die Türme des World Trade Center krachten, tatsäch-
lich von arabischen Terroristen gesteuert, oder wurden sie ferngelenkt? Stürzten die Türme als Ergebnis der Ver-
heerungen ein, welche die Wucht des Aufpralls sowie das brennende Kerosin angerichtet hatten, oder war in ihnen
Sprengstoff verborgen gewesen? Traf tatsächlich eine Boeing 767 das Pentagon, oder handelte es sich um ein ganz
anderes Flugzeug, oder letzten Endes gar um eine Rakete?
Wenn es um die dramatischen Ereignisse des 11. September geht, schießen die wildesten Verschwörungstheorien
ins Kraut. Nach all den haarsträubenden Lügen, die sich verschiedene US-Regierungen im 20. Jahrhunderten zu-
schulden kommen ließen, neigt eine rasch wachsende Schar von Menschen dazu, stets das Gegenteil dessen für
wahr zu halten, was uns Washington auftischt. Es mag sogar sein, daß die amerikanischen Geheimdienste bei der
Fabrizierung von Gerüchten und mehr oder weniger plausibel anmutenden Theorien, welche die der offiziösen Dar-
stellung widersprechen, die Finger mit im Spiel hatten. Der Zweck eines solchen Vorgehens bestünde natürlich dar-
in, die Wahrheit hinter einem Rauchvorhang zahlloser widersprüchlicher Thesen zu verbergen. Diese Taktik hat
sich im Falle des Kennedy-Mordes als äußerst effizient erwiesen. Deshalb sollte ein skeptischer Leser sehr vorsich-
tig sein, wenn man ihn mit alternativen Erklärungen der Geschehnisse des 11. September konfrontiert. Im folgen-
den werden nun zwei solche alternative Erklärungen vorgelegt, von denen die erste den Vorteil hat, daß jedermann
sie überprüfen kann.

Geisterreiter am Himmel: Ein alternatives Szenario zum 11. September 2001
Von Alexander K. Dewdney

Ein Mobiltelefon kann nur dann funktionieren, wenn sein Signal von einem in der Nähe gelegenen Sendeturm auf-
gefangen wird und es sich eine gewisse Zeitspanne lang innerhalb der Reichweite dieses Turms befindet, so daß ei-
ne stabile Verbindung zwischen Telefon und Turm zustande kommen und aufrechterhalten werden kann. Aus die-
sem Grund ist es für Mobiltelefonnetzwerke stets ein Problem gewesen, eine stabile Verbindung zu Telefonen zu
gewährleisten, deren Eigentümer mit hoher Geschwindigkeit (110 Stundenkilometer und mehr) in einem Auto fah-
ren. Allgemein ist auch bekannt, daß Mobiltelefone unbenutzbar werden, wenn sie sich mehrere Kilometer ober-
halb eines Netzwerks befinden. Darum können sie in Flugzeugen, die in großer Höhe fliegen, nicht funktionieren.
Bei den tragischen Ereignissen des 11. September 2001 erfolgten angeblich zahlreiche Mobiltelefonanrufe aus den
entführten Maschinen an verschiedene auf dem Erdboden befindliche Personen. Von besonderem Interesse ist hier
Flug 93 der United Airlines, weil aus diesem Flugzeug – das dann auf einem Feld in Pennsylvania zerschellte – be-
sonders viele Anrufe zu verzeichnen waren. Daß diese zustande kamen, obgleich die Maschine zu jenem Zeitpunkt
in großer Höhe und mit großer Geschwindigkeit flog, muß sogleich unsere Aufmerksamkeit erwecken. Wir begin-

250 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
nen unsere Darlegungen darum mit der Beschreibung einer Reihe von Experimenten mit Mobiltelefonanrufen aus
Flugzeugen, die auf verschiedener Höhe flogen. Diese Experimente sowie Zeugenaussagen von Experten und Laien
sollen eine Antwort auf die Frage liefern, ob diese Mobiltelefonanrufe technisch überhaupt möglich waren, und
wenn nein, wie sie sich dann erklären lassen.

Projekt Achilles sen meine Frau zu Hause an. Die Anrufe an die Geschäfts-
nummer wurden vom Anrufbeantworter registriert. Zwei An-
Bericht über das „Projekt Achilles“. Teil eins: 23. Januar rufe kamen durch. Von den 17 Anrufen an meine Hausnum-
2003, 16:35 bis 17:40 Uhr; Civic Airport, London, mer kamen nur rund zehn durch. In drei Fällen konnten wir
Ontario/Kanada ein rudimentäres Gespräch führen, in den restlichen Fällen
AUSRÜSTUNG war bloß ein Geräusch zu hören.
Flugzeug: Diamond DA20/C1. Katana-Zweisitzer, Motor:
125 PS. Rumpf und Gestell aus Fiberglas-Kohlenfaser- ZUSAMMENFASSUNG
Gemisch, Gewicht bei voller Ladung: 745kg. Beim ersten Test führten lediglich fünf der 16 versuchten
Mobiltelefone: Ein Mobiltelefon Modell Motorola »120 Anrufe zu einem Stimmenkontakt, der ein sinnvolles Ge-
CDMA« (A); zwei Mobiltelefone Motorola »i1000 plus« (B) spräch ermöglichte. In wenigstens zwei Fällen konnte keiner-
(beide zur Zeit des Flugs voll geladen). lei Verbindung mit auf dem Erdboden befindlichen Mobilte-
Der Flugplan bestand aus vier „Runden“ (ovalen Flugstrek- lefonanlagen erreicht werden. Das Material, aus dem die
ken in Form einer Büroklammer) über dem Flugraum von (hier in London, Ontario hergestellte) Diamond Katana be-
London, Ontario (Kanada). Jede Runde war sieben bis acht steht, macht diese für EM-Strahlung bei Radiowellenlänge
Meilen lang und zwei bis drei Meilen breit. Die Anrufe er- fast ganz durchlässig, und die Ergebnisse des Experiments
folgten abwechselnd aus Telefon A und Telefon B. Ein zwei- sind deshalb als optimal zu betrachten. Bei Flugzeugen mit
tes Mobiltelefon des Modells i1000, das für den Einsatz in metallener Hülle wird unter diesen Umständen zweifellos ei-
größerer Höhe gedacht gewesen war, rutschte auf den Boden ne geringere Zahl von Anrufen durchkommen.
des Cockpits und konnte angesichts der gedrängten Raum-
Höhe Höhe in Fuß Erfolgsquotient
verhältnisse nicht geborgen werden. Eine Kontrolle des Bat-
Geringe Höhe (1100- 2100) 4/12 33%
teriebestands des ersten Telefons dieses Modells ergab aber,
daß dieses keinen nennenswerten Energieverlust zu verzeich- Mittlere Höhe (3100 – 3500) 1/7 14%
nen hatte.
Nach dem dritten Anruf kam ich zum Schluß, daß im Cockpit SCHLUSSFOLGERUNG
zu viel Lärm herrscht, um den Anrufbeantworter verstehen Der Zweck des Experiments bestand darin, die Auswirkung
zu können; deshalb änderte ich meinen Plan und rief stattdes- der Höhe auf die Erfolgsquote bei Mobiltelefonanrufen aus
Flugzeugen zu ermitteln und allfällige Mängel bei der prakti-
T1: ERGEBNISSE VON EXPERIMENT NR. 1 schen Durchführung solcher Versuche auszubügeln. Bezüg-
MOBILTELEFONANRUFE AUS GROSSEN HÖHEN lich des ersten Punktes deutet alles darauf hin, daß die Er-
Runde 1 in 1100 Fuß Höhe (335,5 m) folgsquote mit steigender Höhe sinkt, doch bedarf dies einer
1. Abschnitt A an Geschäftsnummer Keine Verbindung? gründlicheren Klärung.
B an Geschäftsnummer 1 min. erfolgreich Was das Vorgehen bei solchen Anrufen betrifft, ist es wohl
A an Geschäftsnummer 1 min. erfolgreich am besten, eine Nummer zu wählen, die man gut kennt, um
2. Abschnitt B an Privatnummer Keine Verbindung? die verschiedenen Botschaften auf der Anzeige richtig zu
A an Privatnummer unterbrochen, erfolgreich deuten; außerdem hat dies den Vorteil, daß der Gesprächs-
B an Privatnummer erfolgreich partner die Zeit des Anrufs notieren und den Inhalt des Ge-
sprächs zusammenfassen kann. (In den meisten leichten Ma-
Runde 2 in 2100 Fuß Höhe (640,5 m) schinen herrscht im Cockpit soviel Lärm, daß man die Stim-
1. Abschnitt A an Privatnummer Keine Verbindung? me des Angerufenen nicht immer hören kann; in nur zwei
B an Privatnummer Keine Stimme, nur Piepton Fällen konnte ich meine Frau mehr oder weniger deutlich
A an Privatnummer Keine Verbindung verstehen.) Wichtig ist ferner, daß man sich gut vorbereitet,
2. Abschnitt B an Privatnummer 1 min. erfolgreich ein spezielles Futteral für das Mobiltelefon sowie Schreibma-
A an Privatnummer Keine Stimme terial, ein Tonband etc. bei sich trägt. Die Geschwindigkeit
B an Privatnummer Keine Stimme der Katana war ein wenig zu hoch, als daß ich die Anrufe
Runde 3 in 3100 Fuß Höhe (945,5 m) mühelos tätigen und zugleich alles sorgfältig hätte notieren
1. Abschnitt A an Privatnummer Anruf vergessen können. Zwei der Anrufe erfolgten erst gegen Ende einer
B an Privatnummer System überlastet Runde, unmittelbar vor dem Aufstieg in die nächste. Es wäre
A an Privatnummer Unvollständig besser gewesen, wenn eine andere Person die Mobiltelefone
2. Abschnitt B an Privatnummer »Bitte warten: Clearnet« bedient hätte. Zu guter Letzt wäre ein sauberes Klassifizie-
A an Privatnummer Unvollständig rungssystem erforderlich, mit dessen Hilfe man die Zwi-
B an Privatnummer Anruf verspätet, unvollständig schenstufen zwischen völligen Fehlschlägen und gut hörba-
ren Gesprächen erfassen könnte.
Runde 4 in 3500 Fuß Höhe (1067,5 m) Sämtliche Anrufe liefen über das Bell Mobility Network, das
A an Privatnummer Unvollständig in der Gegend von London, Ontario, rund 25 Mobiltelefonan-
B an Privatnummer Vollständig, doch abgebrochen lagen installiert hat. Dank einer höchst nützlichen Serie von
Anmerkung: Unter „Höhe“ ist Höhe über dem Erdboden und nicht Karten, die mir ein lokaler Mobiltelefonfan zur Verfügung
über dem Meeresspiegel zu verstehen.

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 251
gestellt hat (www.arcx.com/sites/), ist es mir gelungen, sämt- (Versuchsleiter); Pat Dewdney (Kontaktperson auf dem Erd-
liche solche Anlagen in London, Ontario, zu orten. boden).
A. K. Dewdney Wetter: unbegrenzte Sicht, leichte Bewölkung mit vereinzel-
(Der Verfasser dankt Corey Barrington, Pilot bei Empire ten Wolken auf 3.000 und 25.000 Fuß Höhe, Sichtbarkeit 15
Aviation, der bei diesem Flug am Steuer saß.) Meilen, Lufttemperatur -12°C.
Bei diesem Experiment flogen wir eine kreisförmige Route
Bericht über das „Project Achilles“. Teil zwei. anstelle des länglichen Ovals. Das Zentrum des Kreises lag in
25. Februar 2003 der Mitte der Innenstadt, und der Flug führte uns über den
AUSRÜSTUNG größten Teil der Vorstädte. Sämtliche unten angegebenen
Flugzeug: Diamond Katana Viersitzer (Empire Aviation). Lokalisierungen beziehen sich auf das Stadtzentrum und sind
Mobiltelefone: C1, C2, C3, C4 (Beschreibung im Anhang.) jeweils rund drei Meilen von diesem entfernt.
Personal: Corey Barrington (Pilot); Darren Spicknell (Opera-
tor, Techniker bei Wireless Concepts, Inc); Kee Dewdney PROTOKOLL
Zu vom Operationsleiter angegebenen Zeiten machte der
T2: ERGEBNISSE DES EXPERIMENTS 2
Operator jeweils einen Anruf an eine vorgegebene Nummer,
MOBILTELEFONANRUFE AUS GROSSER HÖHE
wobei er die Kodenummer des Mobiltelefons (1 bis 4) sowie
Zeit Anruf T. Ausrichtung Registriertes Ergebnis
die Höhe angab. Die Kontaktperson am Boden notierte, was
17:05 Im Taxi zum Flugzeug
sie gehört hatte, und verzeichnete die Zeit des Anrufs. Auf
17:12 Start
den ersten drei Höhen von 2000, 4000 und 6000 Fuß wurde
17:14 auf 2000 Fuß (610 m) über Grund jedes der Telefone benutzt. Auf 8000 Fuß über dem Erdbo-
17:15 1 1 N Zustandekommen unklar den wurden lediglich C2 und C3 verwendet, da C1 und C4
17:17 2 2 W Zustandekommen unklar nicht mehr einsatzfähig waren.
17:19 3 3 SW Fehlschlag Die Ergebnisse sowie der zeitliche Rahmen gehen aus Tabel-
17:21 4 4 S unklarer Erfolg/unterbrochen le T2 hervor.
17:24 Aufstieg auf 4000 Fuß (1220 m)
über Grund SCHLUSSFOLGERUNGEN
17:25 5 1 NO Fehlschlag Da es sich bei sämtlichen hier verwendeten Mobiltelefonen
17:26 6 2 N Klarer Erfolg um allgemein verbreitete Typen handelt, läßt sich folgern,
17:27 7 3 NW Fehlschlag daß von diesem besonderen Flugzeugtypus aus Mobiltelefone
17:29 8 4 W Fehlschlag mit steigender Höhe sehr rasch nutzlos werden. Dies gilt na-
17:33 Aufstieg auf 6000 Fuß (1830 m) mentlich für zwei der verwendeten Telefontypen, Mike und
über Grund Nokia, die in mehr als 2000 Fuß (610 m) Höhe nicht mehr
17:34 9 1 SO Fehlschlag funktionierten. Von den beiden übrigen war der Audiovox
17:36 10 2 E Fehlschlag bis 6000 Fuß (1220 m) streckenweise einsatzfähig, versagte
17:37 11 3 NO Fehlschlag jedoch oberhalb dieser Höhe, während das BM Analog Mo-
17:38 12 4 N Fehlschlag biltelefon in über 7000 Fuß Höhe (2135 m) einmal funktio-
17:39 13 1 NW Fehlschlag nierte, in größeren Höhen jedoch nie. Wir dürfen somit ge-
17:40 14 2 SW Klarer Erfolg trost folgern, daß gewöhnliche Mobiltelefone, digital oder
17:42 15 3 S Fehlschlag analog, in 8000 oder mehr Fuß Höhe (2440 m) keine Verbin-
17:43 16 4 SO Fehlschlag dung mit dem Erdboden herstellen können.
17:44 17 1 O Fehlschlag
Es sei darauf hingewiesen, daß mehrere der hier als „Erfolge“
bezeichneten Anrufe für den Registrierenden schwer zu hö-
17:45 18 2 NO Fehlschlag
ren waren; deshalb die hier verwendeten Ausdrücke „unter-
17:45 19 3 NO Erfolg, doch unterbrochen
brochen“ oder „summend“.
17:46 20 4 N Fehlschlag
17:49 Beginn des Aufstiegs auf 8000 Fuß ZUSAMMENFASSUNG DER TABELLE T2
(2440 m) über Grund (nur Telefone Höhe (Fuß/m) Versuche Erfolge Erfolgsquote
2 und 3) 2000 (610) 4 3 75%
17:50 21 2 W Fehlschlag 4000 (1220) 4 1 25%
17:50 22 3 SW Fehlschlag 6000 (1830) 12 2 17%
17:51 23 2 S Erfolg, doch starker Summton 8000 (2440) 12* 1 8%
17:53 Höhe von 8000 Fuß (2440 m) über * Einschließlich dreier Erfolge beim Aufstieg; der letzte erfolgrei-
che Anruf erfolgte aus etwas über 7000 Fuß Höhe.
dem Erdboden erreicht
17:58 24 3 SO Fehlschlag Die vier eingesetzten Mobiltelefone wurden von vier ver-
17:58 25 2 O Fehlschlag schiedenen Telefonbetreibern (Mobiltelefonanlagen) bedient.
17:58 26 3 O Fehlschlag Da die Anrufe im Fall eines jeden Netzwerks aus einer Reihe
17:59 27 2 NO Fehlschlag unterschiedlicher Positionen erfolgten, können die Fehlschlä-
18:00 28 3 N Fehlschlag ge nicht auf die Position der Anlagen zurückgeführt werden.
18:01 29 1 N Fehlschlag Die Gegend von London, Ontario, weist eine große Anzahl
18:01 30 2 NW Fehlschlag von Mobiltelefonanlagen auf, die fünf verschiedenen Netzbe-
18:02 31 3 NW Fehlschlag treibern angehören.
18:02 32 4 NW Fehlschlag
Vermerkt sei, daß auch dieses Experiment in einem radio-
transparenten Flugzeug mit einem Rumpf aus Kohlefasern
18:15 Auf dem Flughafen gelandet

252 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
durchgeführt wurde. Mißlingt aus einem solchen Flugzeug ne von Flugzeugen aus funktionieren, und wenn ja, wie gut.
ein Mobiltelefonanruf, so wird ein solcher erst recht aus einer Der erste Flug (Teil eins) war im wesentlichen ein Test der
auf gleicher Höhe fliegenden Maschine mit Metallhülle experimentellen Situation, dessen Zweck darin bestand, eini-
scheitern. Eine solche schwächt nämlich sämtliche Mobiltele- ge erste Daten zu erlangen und eine einfache, wirksame Ar-
fonsignale merklich ab. Alles berechtigt zu dem Schluß, daß beitsmethode zu entwickeln. Die Ergebnisse von Teil 2
die Erfolgsquote in einem Flugzeuge mit Aluminiumhülle (Diamond Katana Viersitzer) habe ich bereits vorgelegt; jene
(wie sie die meisten Passagierflugzeuge besitzen) erheblich von Teil drei (Cessna 172-R) folgen unten.
niedriger läge als beim hier geschilderten Versuch. Man wird Da die Experimentierreihe damit abgeschlossen ist, möchte
nicht fehlgehen mit der Annahme, daß von Passagierflugzeu- ich nun meine Ergebnisse resümieren und einige Schlußfol-
gen erfolgreiche Mobiltelefonanrufe aus mehr als 8000 Fuß gerungen unterbreiten. Diese fußen teils auf den Experimen-
Höhe (2440 m) unmöglich und aus einer geringfügig niedri- ten selbst, teils auf zwei anderen Quellen (vgl. Anhang B am
gen Höhe statistisch unwahrscheinlich sind. Ende des Berichts). Expertenmeinungen und Augenzeugen-
berichte sind nicht nur vor Gericht zulässig, sondern auch bei
MOBILTELEFONTYPEN, NETZWERKE manchen wissenschaftlichen Untersuchungen, wenn die Er-
– C1 Motorola i95cl – Telus Mike Network – 800 Mhz eignisse von kurzer Dauer waren und Experimente entweder
IDEN zu teuer oder unmöglich durchzuführen sind. Natürlich wie-
– C2 Motorola StarTac – Bell Mobility – 800 Mhz Analog gen Zeugenaussagen nicht gleich schwer wie Expertenmei-
– C3 Audiovox 8300 – Telus PCS Network – 1.9 Ghz nungen oder tatsächliche Experimente, doch im vorliegenden
CDMA / 800 MHz Fall scheinen die Augenzeugenberichte übereinzustimmen
– C4 Nokia 6310i – Rogers AT&T – 1.9 Ghz GHz GSM. und in die gleiche Richtung zu weisen.
(Tri-Band – hat einen 1.8 GHz und 900 Mhz GSM. Hierbei Hinweis: Die Unternehmen, deren Geräte bei diesem Expe-
handelt es sich um europäische Frequenzen.) riment zum Einsatz kamen, Empire Aviation und Cellular So-
– IDEN – Integriertes digitalbetriebenes Netzwerk. lutions (beide London, Ontario, Kanada), haben aus rein
– CDMA – Code Division Multiple Access kommerziellen Gründen mit mir zusammengearbeitet. Sie
– GSM – Global Systems for Mobile Communications waren über den Zweck der Versuche nicht unterrichtet und
Ausgangsleistung: Das Nokia 6310i und das Audiovox 8300 verbanden keinerlei Interessen mit deren Ergebnis.
Telefon besitzen im Digitalbetrieb eine Sendeleistung von
0,2 Watt. Das Motorola StarTac Telefon hat eine Ausgangs- EXPERIMENTE
leistung von 0,6 Watt. Das vorhergehende Experiment, Teil zwei genannt, wies klar
Wenn das Audiovox 8300 Telefon im Analogbetrieb einge- darauf hin, daß die Erfolgsquote bei Mobiltelefonanrufen aus
setzt wird, sendet es mit 0,6 Watt. (Dies ist normalerweise Flugzeugen mit steigender Höhe drastisch sinkt. Es wurde in
freilich nicht der Fall – die Leistung beläuft sich unter nor- einem Viersitzer des Modells Diamond Katana über der ka-
malen Umständen auf 0,52-0,45 W). nadischen Stadt London, Ontario (300.000 Einwohner),
Frequenz: Sowohl Telus Mike (C1) als auch Motorola Star- durchgeführt. Jene Gegend besitzt ca. 35 Zellanlagen, die
Tac (C2) operieren im Bereich von 800 MHz. Dies bewirkt über eine Fläche von rund 25 Quadratmeilen verteilt sind.
ein größere Signalreichweite. Doch weist das IDEN (Mike) Die Flugroute war eine nach oben führende Spirale, alle 200
Netzwerk weniger Mobiltelefonanlagen auf und ist ein jünge- Fuß (61 m) unterbrochen, wobei die Grenze der Route ober-
res digitales Netzwerk. Die meisten digitalen Technologien halb des Stadtrandes verlief. Bei jeder Umfliegung versuchte
operieren auf der Grundlage des „alles oder nichts“. Wenn ein erfahrener Operator eine im voraus festgelegte Anzahl
ein Signal durchkommt, so ist es deutlich. Mit Nachlassen von Mobiltelefonanrufen durchzuführen, wobei er sich einer
des Signals nimmt die Deutlichkeit nicht etwa kontinuierlich Reihe gut geladener Mobiltelefone bediente, die weitgehend
ab, sondern man nimmt einige digitale Verzerrungen wahr, repräsentativ für die heute sowie im Jahre 2001 benutzten
worauf das Gespräch jäh unterbrochen wird. Modelle waren.
Netzwerke: Mike Network: Neueres, vollkommen digitales (In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, daß die
Netzwerk mit moderner Antennenkonstruktion und weniger kanadische Mobiltelefontechnologie nicht nur identisch mit
Zellanlagen; Bell Mobility Analog: Älteres, analoges Netz- der amerikanischen ist, sondern daß Kanada auf dem Felde
werk mit weniger fokussierender Antennenbauweise, doch der Kommunikationstechnologie den Vergleich mit keinem
zahlreichen Zellanlagen; Telus PCS:
Neueres, digitales Netzwerk mit vielen
Frequenzen, moderner Antennenbau-
weise und vielen Zellanlagen; Rogers
GMS: Unser neuestes digitales Netz-
werk mit moderner Antennenbauweise
und vielen Zellanlagen. (Ich danke Dar-
ren Spicknell dafür, daß er mir diese Da-
ten zur Verfügung gestellt hat.)
A. K. Dewdney, 25. Februar 2003

„Project Achilles“: Schlußbericht und
Zusammenfassung der Ergebnisse.
In den ersten Monaten des Jahres 2003
führte der Verfasser drei Experimente
durch, um zu ermitteln, ob Mobiltelefo- Eines der bei den Mobiltelefonexperimenten benutzten Flugzeuge

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 253
T3: EXPERIMENT 3: ANRUFE AUS GROSSER HÖHE 19:45 16 1 N Fehlschlag, kein Läuten
Zeit Anruf Tel. Lok. Ergebnis 19:46 17 2 N Klarer Erfolg
19:05 – Im Taxi 19:47 18 3 NW Fehlschlag, kein Läuten
zum Flugzeug 19:48 19 4 NW Fehlschlag, kein Läuten
19:12 – Abflug 19:49 20 5 W Klarer Erfolg
19:15 – auf 2000 19:50 21 1 W Fehlschlag, kein Läuten
Fuß über Grund 19:51 22 2 SW Fehlschlag, kein Läuten
19:17 1 1 N Klarer Erfolg, kurze Unter- 19:52 23 3 SW Fehlschlag, kein Läuten
brechung 19:53 24 4 S Fehlschlag, kein Läuten
19:18 2 2 W Klarer Erfolg 19:54 25 5 S Klarer Erfolg
19:20 3 3 SW Klarer Erfolg 19:55 – Beginn
19:22 4 4 S Klarer Erfolg (2 Versuche) des Aufstiegs auf
19:23 5 5 SO Klarer Erfolg 8000 Fuß (Tele-
19:27 – Aufstieg fone C2, C3 and
auf 4000 Fuß C5)
19:28 6 1 NO Klarer Erfolg 19:55 26 2 SO Fehlschlag, kein Läuten
19:30 7 2 N Klarer Erfolg 19:57 27 3 O Fehlschlag, kein Läuten
19:31 8 3 NW „Erfolg“ (fragmentarisch) kein 19:59 28 5 O Klarer Erfolg, kurze Unterbre-
vollständiges Wort chung
19:32 9 4 W Fehlschlag, kein Läuten 20:00 – Aufstieg
19:34 10 5 SW Klarer Erfolg auf 8000 Fuß
19:35 – Aufstieg vollendet
auf 6000 Fuß 20:01 29 2 NO Fehlschlag, kein Läuten
19:39 11 1 SO Klarer Erfolg 20:02 30 3 NO Fehlschlag, kein Läuten
19:41 12 2 O Klarer Erfolg 20:03 31 5 N Fehlschlag, kein Läuten
19:42 13 3 O Klarer Erfolg, kurze Unter- 20:04 32 2 NW Klarer Erfolg
brechung 20:05 33 3 NW Fehlschlag, kein Läuten
19:44 14 4 NO Fehlschlag, kein Läuten 20:07 34 5 W Fehlschlag, kein Läuten
19:44 15 5 NO Fehlschlag, kein Läuten 20:20 – Landung

anderen Land der Welt zu scheuen braucht. In Forschung und len (19,2 km), Wind 20 km/h von SSW, Lufttemperatur
Entwicklung ist Kanada eines der weltweit führenden Länder.) 19°C.
Der Zweck der dritten Phase des Experiments lag in dem, Bei diesem Experiment war die Flugroute dieselbe wie in
was man als „Faradaysche Abschwächung“ der Erfolgsquote Teil zwei. Das Zentrum des Flugkreises lag über der Innen-
und Qualität der Anrufe bezeichnen könnte. Das Vorhanden- stadt, und der Flug erstreckte sich über den größten Teil des
sein einer Metallhülle um manche elektronischen Geräte än- Stadtrandes. Sämtliche unten angeführten örtlichen Angaben
dert unter Umständen deren Verhalten, weil eine solche Hülle beziehen sich auf das Stadtzentrum und liegen jeweils unge-
elektromagnetische Wellen abschwächen oder gar völlig ab- fähr 2 Meilen (3,2 km) von diesem entfernt.
schirmen kann. Aus diesem Grund wurde das Katana-
Flugzeug des vorhergehenden Experiments, von dem allge- PROTOKOLL
mein angenommen wird, daß es verhältnismäßig leicht von Zu jeweils vom Versuchsleiter angegebenen Zeiten machte
elektromagnetischen Wellen durchdrungen werden kann, der Operator einen Mobiltelefonanruf an eine vorgegebene
durch ein Flugzeug mit Aluminiumhülle ersetzt. Nummer, wobei er die Codenummer des benutzten Telefons
(1 bis 5) sowie die Höhe angab. Die Ansprechpartnerin auf
AUSRÜSTUNG, VERSUCHSTEILNEHMER, WETTER dem Boden notierte alles, was zu ihr durchkam, sowie die
Flugzeug: Cessna 172-R (2002), Viersitzer (Empire Aviati- Zeit des Anrufs. Auf den beiden ersten Höhen von 2000 bzw.
on) 4000 Fuß über dem Erdboden (610/1220 m) wurde jedes Te-
Mobiltelefone: C1, C2, C3, C4, C5 (Beschreibung in Anhang lefon einmal verwendet. Auf 6000 und 8000 Fuß Höhe
A). (1830/2440) wurden nur die Telefone C2, C3 und C4 be-
Personal: Corey Barrington (Pilot – Empire Aviation); Dar- nutzt, da C1 und C4 betriebsunfähig waren.
ren Spicknell (Operator – Techniker bei Wireless Concepts, Zu den Ergebnissen siehe Tabelle 3, zur Zusammenfassung
Inc); Kee Dewdney (Versuchsleiter); Pat Dewdney (An- die Tabelle unten links.
sprechpartnerin auf dem Erdboden). Anmerkung: Unter den „versuchten“ Anrufen befanden sich
Wetter: Leichte Bewölkung mit vereinzelten Wolken auf auch solche mit den ausgefallenen Telefonen C1 und C4 auf
5000 Fuß Höhe (1525 m), dicke, aber durchbrochene Wol- über 4000 Fuß Höhe, wo diese nach Angaben des Mobiltele-
kendecke auf 24.000 Fuß Höhe (7320 m), Sichtweite 12 Mei- fonfachmanns ohnehin nicht mehr hätten funktionieren kön-
nen. Es war notwendig, diese Anrufe in die Statistik mitein-
ZUSAMMENFASSENDE TABELLE ZU EXPERIMENT 3
zubeziehen, da die Ergebnisse auf verschiedenen Höhen
Höhe (Fuß /m) Versuche Erfolge Erfolgsquote
sonst nicht vergleichbar wären.
2000 (610) 5 5 100%
Die Resultate dieses Experiments können mit jenen von Teil
4000 (1220) 5 3 60%
zwei verglichen werden, wo wir anstelle der Cessna die Dia-
6000 (1830) 15 6 40%
mond Katana benutzten:
8000 (2440) 15 2 13%

254 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
Höhe (Fuß) Versuche Erfolge Erfolgsquote scheiden, wenn man sich so ausdrücken darf.
2000 4 3 75% Setzen wir den Durchschnittswert von k mit 6.400.000 an, so
4000 4 1 25% erhalten wir die Formel:
6000 12 2 17% Erfolgschance = 6.400.000/Höhe²
8000 20 1 5% Unter Verwendung dieser Formel erhalten wir eine wohlbe-
gründete, durch untenstehende Tabelle veranschaulichte
Um die Ergebnisse vergleichbar zu gestalten, wurde Telefon
Schätzung der Wahrscheinlichkeit, daß ein Mobiltelefon aus
C5 nicht in die Berechnungen miteinbezogen, da es beim er-
einem langsam fliegenden Flugzeug durchkommt.
sten Experiment nicht gebraucht worden war.
Höhe (Fuß) Wahrscheinlichkeit eines
Höhe (Fuß) Versuche Erfolge Erfolgsquote
erfolgreichen Anrufs
2000 4 3 75%
4.000 0,400
4000 4 1 25%
8.000 0,100
6000 12 2 17%
12.000 0,040
8000 12 1 8%
16.000 0,025
20.000 0,016
Analyse 24.000 0,011
Da die (1,5 mm dicke) Hülle der Cessna allem Anschein nach 28.000 0,008
den Ausgang des Experiments kaum beeinflußt hat, können 32.000 0,006
die Daten der Teile zwei und drei wie folgt miteinander
kombiniert werden, um verläßlichere Zahlen für die beim Privatpiloten, die leichte Maschinen fliegen, sind heutzutage
Experiment verwendete Reihe von Testtelefonen zu erhalten: mit der Tatsache vertraut, daß sie ihre Mobiltelefone für An-
rufe auf den Boden benutzen können, zumindest wenn sie
Höhe (Fuß) Versuche Erfolge Erfolgsquote nicht höher als ein- oder zweitausend Fuß fliegen. Oberhalb
2000 9 8 89% dieser Höhe werden Anrufe recht schwierig; manchmal
4000 9 4 44% kommen sie durch, manchmal nicht. Je höher ein Pilot fliegt,
6000 27 8 30% desto geringer sind die Erfolgsaussichten. Auf 8000 Fuß Hö-
8000 35 3 9% he sind die Chancen null, außer wenn der Pilot ein Mobiltele-
Die auf den ersten drei Höhen erhaltenen Daten passen allem fon mit denselben Fähigkeiten wie C5 benutzt (siehe Anhang
Anschein nach in ein allgemein gültiges Schema, nach dem A). Doch auch dieser Telefontyp versagt ab 6000 Fuß Höhe
die Erfolgsquote mit steigender Höhe schrumpft. Anders ge- häufig. In einer Höhe von 20.000 Fuß stehen die Erfolg-
sagt, die Chance eines erfolgreichen Mobiltelefonanrufs aus schancen bei kaum einem Prozent.
einem Flugzeugs verhält sich umgekehrt proportional zur Die hier dargelegten Ergebnisse beziehen sich lediglich auf
Höhe, entsprechend der Formel: leichte Flugzeuge und sind insofern klar optimal, als Anrufe
Erfolgschance = k/Höhe, wobei k eine Konstante ist. aus einem großen, mit einer schweren Hülle umgebenen, sich
Man beachte, daß die Werte von k, die aus diesen Daten her- schnell bewegenden Passagierflugzeug bedeutend schwieri-
vorzugehen scheinen, zumindest bis in 6000 Fuß Höhe be- ger zu tätigen sind.
merkenswert konstant sind. Auf 8000 Fuß freilich fällt der
Wert von k steil ab, was darauf hindeutet, daß dort andere Schlußfolgerungen
Verhältnisse gelten. Es läßt sich nicht sagen, daß das Faradaysche Abschirmungs-
experiment (Teil drei) vollständig war, da der Bediener das
Höhe (Fuß) k-Wert Telefon meist in normaler Stellung sitzend an sein Ohr hielt.
2000 1780 Dies bedeutet, daß die Signale von den Testtelefonen nur
4000 1760 teilweise abgeschwächt wurden, da der Bediener von Fen-
6000 1800 stern umgeben war, die selbst wellendurchlässig sind.
8000 720 Obwohl es sich noch nicht sagen läßt, in welchem Umfang
Das zu erwartende Schema der Verringerung der Erfolgsquo- sich die schwerere Aluminiumhülle eines Flugzeuges der Bo-
te ist selbstverständlich umgekehrt quadratisch. Es ist dies ei- eing 700-Serie auf Mobiltelefonanrufe von innerhalb des
ne natürliche Folge der drei Dimensionen, welche jede ein- Flugzeugs auswirken würde, wäre sicherlich ein Effekt vor-
förmige Strahlung durchqueren muß. Die umgekehrte qua- handen, weil der Sende- und Empfangswinkel durch diese
dratische Verringerung folgt einem umgekehrten Muster kleinen Fenster erheblich kleiner ist.
bzw. einer umgekehrten Formel: Wie zuvor gezeigt, ist die Chance, daß ein normaler Mobilte-
Erfolgschance = k/Höhe² lefonanruf aus großer Höhe zu einer Zellanlage durchkommt,
Es scheint legitim, die auf 4000 und 8000 Fuß gewonnenen weniger als ein Prozent. Die Chance, daß zwei Anrufer Er-
Daten als Ecksteine bei der Berechnung der Konstante k zu folg haben, beträgt weniger als ein Zehntausendstel. Dieser
verwenden (bei der es sich wohlverstanden nicht um dieselbe Wahrscheinlichkeitsquotient ist nämlich das Ergebnis zweier
Konstante handelt wie bei der vorhergehenden Analyse). separater Wahrscheinlichkeiten (1/100 × 1/100). Werden
Auf 4000 Fuß über dem Erdboden ergibt sich ein k-Wert von hundert Anrufe getätigt, so ist, auch wenn die meisten schei-
7.040.000. auf 8.000 Fuß einer von 5.760.000. Obgleich der tern, die Chance, daß auch nur beispielsweise dreizehn
k-Wert hier abermals zu sinken scheint (was darauf hindeu- durchkommen, astronomisch gering. Praktisch bedeutet dies
tet, daß die Verminderung noch brüsker erfolgen kann als „unmöglich“.
umgekehrt quadratisch), benutzen wir den Durchschnittswert Bei geringeren Höhen steigt die Wahrscheinlichkeit einer
der beiden Schätzungen, entsprechend unserer regelmäßig Verbindung von „unmöglich“ auf verschiedene Abstufungen
geübten Praxis, im Zweifelsfall für die Mobiltelefone zu ent- von „unwahrscheinlich“. Doch hier heißt es einem anderen

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 255
Phänomen Rechnung tragen, das in einem propellerbetriebe- Team dahingehend instruieren, daß die Unterstützung
nen Flugzeug nicht getestet werden kann. Bei 500 Meilen pro durch einen Operator nicht funktioniert. Haben Sie je ver-
Stunde (800 km/h) braucht ein tieffliegendes Flugzeug nur sucht, ein Mobiltelefon in einem öffentlichen Gebäude zu
sehr wenig Zeit zum Überfliegen einer jeden Zelle. Wenn benutzen? Unmöglich. Es gibt darin zu viele Stellen, wo es
beispielsweise eine Zelle (d.h. eine von einer bestimmten kein Signal gibt. Dies nur als kleine Informationsstücke.
Zellanlage bediente Fläche) einen Durchmesser von einer Megan Conley <megan_conley@hotmail.com>«
Meile (1,6 km) aufweist, braucht das Flugzeug zu ihrem
Überfliegen eine bis acht Sekunden. Bevor ein Mobiltelefon- »Guten Tag,
anruf durchkommen kann, muß das Gerät einen elektroni- Ich bin ein Radiofrequenz-Konstruktionsingenieur, der
schen „Handschlag“ mit der Zellanlage vollziehen, über wel- beim Ausbau von Sprint, Verizon und anderen Mobiltele-
che der Anruf läuft. Dieser „Handschlag“ kann kaum in acht fon-Netzwerken in New Orleans beteiligt war. Sie haben
Sekunden erfolgen. Erreicht das Flugzeug die nächste Zelle, vollkommen recht. In Autos, die mit 55 Meilen pro Stunde
muß der Anruf an diese weitergereicht werden. Dieser Pro- [88 km/h] fahren, funktionieren diese Dinger nur mit
zeß dauert auch einige Sekunden. Zusammen brauchen die Schwierigkeiten. Wenn Sie aus irgendwelchen Gründen die
beiden Voraussetzungen für das Zustandekommen und die Zeugenaussage eines anderen Ingenieurs benötigen soll-
Aufrechterhaltung eines Gesprächs allem Anschein nach zu- ten, dann lassen Sie mich dies wissen. Ich werde jemanden
viel Zeit, als daß ein solches in die Wege geleitet werden finden, der meine Angaben bestätigt. Meine Ingenieurs-
könnte. Früher oder später wird der Anruf seitens der Tech- website: http://www.geocities.com/rf_man_cdma/
nik aufgegeben. Brad Mayeux <cdmaman@engineer.com>«
Diese Einschätzung wird sowohl durch Zeugenaussagen als
auch durch Expertenmeinungen untermauert, die wir unten in PERSÖNLICHE ERLEBNISSE
Anhang B wiedergeben. Was sich anhand theoretischer Be- »Sehr geehrter Herr,
rechnungen voraussagen läßt, stimmt also mit dem überein, Ihr Artikel ist der erste mir bekannte, der diese zweifelhaf-
was Experten bestätigen. Unter diesen Umständen scheint die ten „Mobiltelefonanrufe“ in den Mittelpunkt stellt. Letzten
Folgerung gerechtfertigt, daß Mobiltelefonanrufe aus einem Monat flogen meine Frau und ich nach Melbourne, ca.
rasch fliegenden Flugzeug (aus jeder beliebigen Höhe) nicht 1.000 Meilen [1.600 km] südlich von hier. In Passagier-
mehr Erfolgschancen haben als solche aus in großer Höhe flugzeugen sind Mobiltelefone bei uns verboten, doch auf
langsam fliegenden Flugzeugen. dem Rückflug hatte ich ein neues NOKIA-Telefon, eben in
A.K. Dewdney, 19. April 2003 Melbourne gekauft. Wegen seiner Kleinheit vergaß ich fast,
daß es sich in meiner Tasche befand. Ich stellte es verstoh-
Hinweis len an. Kein Empfang, nicht einmal über Städten oder als
Der Verfasser hat weder seinen akademischen Titel noch sei- wir uns Brisbane näherten. Vielleicht ist dies in den USA
ne akademische Stellungen aufgeführt, weil die hier geschil- anders, doch ich bezweifle es.
derten Forschungen in keinerlei Verbindungen zu irgendwel- Dieses Verbrechen schreit nach einer Untersuchung. Die
chen Universitätseinrichtungen standen und von solchen auch Gerechtigkeit für die Tausende von Opfern und ihre Fami-
nicht finanziell unterstützt wurden. Er hat gegenwärtig den lien erfordert dies.
Titel eines emeritierten Professors für Computerwissenschaft Mit den besten Grüßen
sowie eines beigeordneten Gastprofessors für Biologie an der Bernie Busch <bbusch@iprimus.com.au>«
Universität von Western Ontario und eines Professors für
Computerwissenschaft an der Universität von Waterloo. »Hallo Herr Professor,
Ich habe mehrmals versucht, mein Mobiltelefon in einem
Anhang A: Mobiltelefontypen Flugzeug in über zwei- bis dreitausend Fuß Höhe zu benut-
– C1 - Motorola i95cl - Telus Mike Network - 800 Mhz IDEN
– C2 - Motorola StarTac - Bell Mobility - 800 Mhz Analog zen, aber es klappt nicht. Meine Experimente erfolgten dis-
– C3 - Audiovox 8300 - Telus PCS Network - 1.9 Ghz CDMA / 800 MHz kret bei mehr als 20 Flügen mit Southwest Airlines zwi-
– C4 - Nokia 6310i - Rogers AT&T - 1.9 Ghz GHz GSM. (Tri-Band - Has schen Ontario, Kalifornien und Phoenix, Arizona. Ihre Er-
an 1.8 GHz and 900 Mhz GSM these are European frequencies) gebnisse entsprechen den meinigen. Mit Sprinttelefonen
– C5 - Motorola Timeport 8767 - Bell Mobility - 800 MHz Analog (CDMA
Tri-Mode 1.9 GHz CDMA / 800 Mhz CDMA) der Modelle 3500 und 6000 kam kein Anruf auf über 2500
Fuß durch, und auf schätzungsweise 5000 Fuß erschien
Anhang B: Briefe der Hinweis „Kein Betrieb“.
EXPERTENMEINUNGEN Es scheint zwei Gründe dafür zu geben: 1. Die Zellanlagen
»Sehr geehrter Herr, besitzen nicht genug Energie, um viel weiter als eine Meile
Ich habe den Artikel [Geisterreiter] noch nicht zu Ende ge- zu reichen; 2. Das Mobiltelefonsystem ist nicht in der La-
lesen, doch habe ich beruflich mit Telekommunikation zu ge, Anrufe zu vermitteln, wenn das Flugzeug eine Ge-
tun. Die Verwendung eines Mobiltelefons in einem Flug- schwindigkeit von mehr als 400 Meilen pro Stunde aufweist
zeug ist beinahe unmöglich. Die Gründe sind vielschichtig, [640 km/h].
doch die Hauptursache liegt darin, daß das Flugzeug den Dies sind sehr simple experimentelle Daten. Wenn einer
Funkverkehr stören würde und daß die Türme, welche die Ihrer Kontaktpersonen sie verifizieren kann, indem er er-
Signale tragen, wegen der Geschwindigkeit des Flugzeugs mittelt, auf welcher Höhe und mit welcher Geschwindigkeit
mit dem Senden und Empfangen überfordert wären. Die das dann in Pennsylvania abgestürzte Flugzeug flog, läßt
Auskunft anrufen? Nun, dies ist grundsätzlich unmöglich. es sich beweisen, daß die ganze Geschichte mit den Tele-
Ich habe jeweils für einen namhaften kanadischen und fonanrufen ein Schwindel ist.
amerikanischen Anbieter gearbeitet, und ich mußte mein Rafe <rafeh@rdlabs.com> (airline pilot)«

256 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
tentelefone) bedienten. Da ich jedes Wochenende per Flug-
»Guten Tag,
zeug zu reisen pflegte, ignorierte ich die Sicherheitsvor-
Ich möchte Ihnen zu Ihrem Bericht gratulieren, da ich vom
schriften, welche die Fahrgäste zum Ausschalten ihrer Mo-
allerersten Tage an das Gefühl hatte, daß der „Beweis“
biltelefone anhalten, und versuchte aus purer Neugier, ob
mit den Mobiltelefonanrufen der wohl faulste Teil der Ge-
ich einen Anruf zustande bringen könnte.
schichte war, und es mich sehr erstaunte, daß bisher nie-
Erstens bricht die Verbindung schon beim Start recht
mand diesen Aspekt zur Sprache gebracht hat.
schnell ab (Aufstiegsgeschwindigkeit, seitlicher Empfang
Ich möchte ferner die Frage der Fluggeschwindigkeit an-
von Bodenstationen etc.). Ich schätze, daß die Verbindung
schneiden, die mich zuerst mißtrauisch gegenüber den Mo-
ab 500 Meter Höhe nicht mehr klappt.
biltelefonanrufen gemacht hat. Ich weiß nicht, welche
Zweitens verläuft vor der Landung der Abstieg langsamer,
Höchstgeschwindigkeit Sie in dem kleinen Flugzeug er-
und das Flugzeug hält sich länger im Bereich der Mobilte-
reicht haben, doch in einem großen Passagierflugzeug
lefonstationen auf, doch nur in weniger als 500 m Höhe.
dürfte die Geschwindigkeit (vermutlich) nicht unter 450
Ich habe festgestellt, daß, weil sich das Flugzeug sehr
Meilen pro Stunde [720 km/h] gelegen haben, und die mei-
rasch fortbewegt, die Verbindung von einem Sendeturm
sten Mobiltelefone wären nicht in der Lage, rasch genug
zum anderen hüpft und einem nie die Chance läßt, wirklich
von einer Zelle zur anderen überzugehen, um eine Verbin-
einen Anruf zu tätigen. (Beim Reisen über Land, beispiels-
dung aufrechtzuerhalten (wenigstens nach dem, was ich
weise in einem Auto, habe ich dieses Phänomen niemals
von dieser Technologie verstehe). Außerdem reden wir von
bemerkt.) Dann, wenn eine Verbindung zustande gekom-
der Mobiltelefontechnologie des Jahres 2001, als bekannt-
men ist, braucht es wenigstens zehn bis dreißig Sekunden,
lich Anrufe aus Autos, die mit über 70 Meilen pro Stunde
bis der Anbieter einen Telefonanruf genehmigt. Nach die-
[112 km/h] fuhren, unterbrochen wurden (auch diesmal,
ser Zeit ist (da die Geschwindigkeit immer noch mehr als
weil der Übergang von einer Zelle zur anderen zu schnell
300 km pro Stunde beträgt) bereits die nächste Station er-
erfolgte).
reicht, und das Telefon, das stets nach der besten Verbin-
Auf jeden Fall vielen Dank für Ihre Aufklärungsarbeit.
dung sucht, bricht die eben zustande gekommene Verbin-
Machen Sie so weiter.
dung ab und versucht eine neue Station anzupeilen.
Ben Adam <email auf Anfrage>«
Ich habe dieses Experiment mehr als 18 Monate lang be-
trieben, so daß Witterungsverhältnisse, örtliche Gegeben-
»Lieber Herr Professor, heiten oder der Zufall als Faktoren ausscheiden. Die ganze
Als Antwort auf Ihren Artikel möchte ich meiner Genugtu- Zeit über ließ sich dasselbe Phänomen beobachten: Von
ung darüber Ausdruck verleihen, daß sich jemand mit der einem Flugzeug aus einen Mobiltelefonanruf zu tätigen, ist
nötigen Sachkenntnis die Mühe genommen hat, den Unsinn unrealistisch und so gut wie unmöglich.
mit dem 11. September wissenschaftlich zu widerlegen. In Anbetracht dieser Fakten kann ich Ihren Schlußfolge-
Ich reiste an jedem Wochenende zwischen zwei großen eu- rungen nur beipflichten, daß die offiziellen (und vielleicht
ropäischen Städten hin und her, als sich die Ereignisse in fabrizierten) Geschichten als Unsinn abgetan werden dür-
den USA zutrugen. Besonders merkwürdig erschienen mir fen.
die Berichte, wonach zahlreiche Passagiere an Bord der Mit freundlichen Grüßen
entführten Flugzeuge lange Gespräche mit Bodentelefonen Peter Kes <kpkes@yahoo.com>«
geführt haben sollen, wobei sie sich angeblich ihrer Mobil-
telefone (und nicht etwa der an Bord befindlichen Satelli-

Ein alternatives Szenario
Ein wirksam dargebotenes Zauberkunststück auf der Bühne mögliche Lösung dargeboten. Der Zaubertrick heißt „Gei-
ist ein Ereignis, das nicht tatsächlich stattgefunden hat, zu- sterreiter am Himmel“. Beginnen mit einem Blick hinter den
mindest nicht auf die dem Publikum vorgegaukelte Art und Vorhang an jenem schicksalhaften Tage.
Weise. Dieses soll dazu veranlaßt werden, an einen „Zauber“
zu glauben, während die tatsächliche Erklärung stets weit Flug 11
komplexer und ganz anders ist. Die meisten Zuschauer sind Der Morgen schimmerte hell und klar über dem Logan Air-
sich bewußt, daß die scheinbare Erklärung falsch ist und ver- port in Boston, als sich die Mannschaften für die ersten Flüge
suchen sich vorzustellen, wie der Effekt denn wirklich er- des Tages einfanden. Die Passagiere des Flugs 11 der Ameri-
reicht wurde. Nur sehr wenige nehmen die „offizielle“ Erklä- can Airlines füllten bereits die Lounge, als der Pilot John
rung für bare Münze. Ogonowski und der erste Offizier Thomas McGuiness ihre
Bei anderen, schwärzeren Formen der Magie wird kaum we- Boeing 767 bestiegen, um die routinemäßige Inspektion vor-
niger manipuliert, doch reagieren die Zuschauer anders dar- zunehmen.
auf. Die allermeisten wähnen zu wissen, daß die ihnen ser- Bei seinem Marsch durch die Lounge warf Ogonowski einen
vierte Erklärung richtig ist, und zerbrechen sich gar nicht erst flüchtigen Blick auf die wartenden Passagiere, wie er es stets
den Kopf darüber, wie der Effekt zustande gekommen sein zu tun pflegte. Er bemerkte nichts Ungewöhnliches.
mag. Die Zahl der Zweifler ist sehr gering. Wenn die Ge- Im Cockpit gingen er und McGuiness die lange Checkliste
schehnisse des 11. September 2001 wirklich Bestandteile ei- durch, und als sie die Motoren in Betrieb gesetzt hatten, er-
nes raffinierten Zauberkunststücks waren, wie wurde das wachten die beiden gewaltigen General-Electric-Turbo-
Ganze dann inszeniert? Im vorliegenden Artikel wird eine Triebwerke dröhnend zum Leben. Die Wettervorhersage ver-

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hieß schönes Wetter bis nach Los Angeles. Alles deutete auf flog mit voller Wucht in den Südturm. Flug 175 der United
einen Routineflug hin. Airlines war an jenem Morgen – um 8:15 Uhr – ebenfalls
Um 7:45 Uhr schloß die Flugmannschaft die Kabinentüren, vom Bostoner Logan-Flughafen gestartet.
und die 767 begann auf die Landebahn hinauszurollen. We- Um 9:45 Uhr brauste ein drittes Flugzeug in eine Ecke des
nige Minuten später erhielt die Maschine die Starterlaubnis. Pentagon-Gebäudes. Um 10:00 Uhr zerschellte eine vierte
Um 7:59 Uhr liefen die Motoren voll an, und die 767 hob Maschine auf einem Feld in der Nähe von Pittsburgh; offen-
vom Boden ab. Sie stieg in den klaren, blauen Himmel em- bar hatte sie ihr Ziel gänzlich verfehlt.
por, erreichte auf 25.000 Fuß ihre maximale Flughöhe und Schon Minuten nach dem ersten Einschlag berichteten die
schoß westwärts in Richtung Los Angeles. Ogonowski fragte wichtigsten Nachrichtenmedien über die Geschehnisse und
auf dem Flugkontrollcomputer die Koordinaten für Los An- warteten mit immer neuen Einzelheiten auf. Anscheinend
geles ab und setzte dann das INS/Autopilot-System in Be- hatten vier von Selbstmördern gesteuerte Flugzeuge soeben
trieb. Eine Stewardesse brachte Kaffee ins Cockpit und un- zwei der wichtigsten Wahrzeichen Amerikas getroffen. Nach
terhielt sich kurz mit Pilot und Co-Pilot, ehe sie sich wieder ihren Eindrücken gefragt, beschrieben die Menschen auf der
ihren Pflichten zuwandte. Straße diese als „irreal“. Etwas Ähnliches hatte die Welt
Bis 8:27 Uhr, fast eine halbe Stunde nach dem Start, verlief noch nie erlebt. Das Drama drängte alle anderen Themen in
der Flug völlig normal. Doch zu jenem Zeitpunkt verspürte den Hintergrund und rief bei den Amerikanern zuerst schiere
Ogonowski ein Drücken in der Brust, und plötzlich fiel ihm Sprachlosigkeit und dann ungeheure Empörung hervor.
das Atmen schwer. Ein Herzanfall? Der Pilot warf einen ner- In den folgenden Tagen verbreitete sich die Geschichte von
vösen Blick auf McGuiness; wenn sich die Symptome ver- vier Zellen arabischer Terroristen im Nu. Man enthüllte die
schärften, würde er diesen wohl warnen müssen, daß er sich Namen der Flugzeugentführer sowie ihre Verbindungen oder
unwohl fühlte. Doch McGuiness’ Gesicht war schneeweiß, Beziehungen mit Al Qaida und dem gefürchteten Osama bin
und er schien mühsam um Atem zu ringen. Dann übergab er Laden. Schon bald sollte Bush seinen „Krieg gegen den Ter-
sich. »Wir stecken in der Klemme«, sagte sich Ogonowski rorismus“ ausrufen. Schon bald sollten sich amerikanische
und versuchte verzweifelt zu denken. Aus dem Passagierab- Truppen zum Einfall in Afghanistan rüsten, und Israel sollte
teil hinter den geschlossenen Cockpittüren drangen Rufe und das Gebiet westlich des Jordans und den Gazastreifen wieder
Schreie. Dem Piloten wurde nun dunkel vor den Augen, und besetzen.
er konnte nicht mehr atmen. »Ruf die Stewardessen«, ver- Die Septemberangriffe nahmen von Anfang an apokalypti-
mochte er noch zu sagen, ehe er starb. Der Kopf des Co- sche Dimensionen an, und die Entführer erschienen fast
Piloten hing bereits seitwärts herab. schon als die vier Reiter der Apokalypse. In der vorliegenden
Im Passagierabteil verlor eben die letzte Stewardesse das Analyse wird die Möglichkeit erörtert, daß die Flugzeuge
Bewußtsein und sank langsam in die Knie, ehe sie im Gang nicht von physisch vorhandenen Personen entführt worden
zwischen den Sitzreihen ihr Leben aushauchte. Das Flugzeug sind, sondern durch eine einfache Kombination zweier tech-
roch nach Erbrochenem und Kot. Außer einem oder zwei nologisch raffinierten Methoden. In diesem Fall hätten wir es
Passagieren, die in den Gängen lagen, waren alle in ihren Sit- nicht mit apokalyptischen Reitern zu tun, sondern mit „Gei-
zen zusammengesunken. Sie schienen alle in tiefen Schlaf sterreitern“, die an die amerikanische Ballade Ghost Riders in
versunken, doch in Wirklichkeit waren sie tot. An Bord be- the Sky gemahnen.
fand sich keine lebende Seele mehr.
Im Cockpit saßen Pilot und Copilot regungslos in ihren Sit- Eine Analyse der Terrorangriffe
zen und starrten mit leeren Augen in den tiefen blauen Him- Die Diskrepanz zwischen der eben von mir gelieferten Schil-
mel über den Fenstern. Das Flugzeug flog mit unverändertem derung der Entführung und der von den Medien feilgebote-
Kurs weiter, als sich unversehens die Zahlen auf dem zuvor nen ist nur allzu offenkundig, und erstere wird vielen absolut
reglosen Navigationssystemsschirm änderten. Anstelle der unwahrscheinlich vorkommen. Wie könnte auch jemand auf
Koordinaten für den Raum Los Angeles erschienen neue Zif- den Gedanken verfallen, einen scheinbar so eindeutigen Fall
fern auf dem Schirm. Das Flugzeug vollzog eine jähe zu hinterfragen? Die FBI-Ermittlungen hatten schon erstaun-
Schwenkung nach links und begann einen langsamen Ab- lich rasch zu eindeutigen Ergebnissen geführt, war es dem
stieg, wobei es seine Geschwindigkeit um 100 Meilen pro FBI doch geglückt, einen Fall, in den nicht weniger als 19
Stunde erhöhte (160 km/h). Terroristen verwickelt waren, in sage und schreibe zwei Ta-
Wäre im Cockpit noch jemand am Leben gewesen, so hätte gen zu lösen. (Hingegen hatte man mehrere Jahre gebraucht,
er durch das Fenster sehen können, wie die Stadt New York um einen einzelnen Terroristen – den Unabomber – dingbar
näher rückte. Das Flugzeug senkte sich immer tiefer und zu machen.) Dazu kam ein steter Strom von vorsichtigen
nahm Kurs auf Untermanhattan. Presseerklärungen und Meldungen aus dem Pentagon, und
Als die 767 den East River überflog, war es schon völlig klar, schon ein paar Tage nach dem Angriff wurden Kriegspläne
wo das Ziel der Maschine lag. Das World Trade Center ge- des Weißen Hauses ruchbar. Diese deuteten zwangsläufig auf
wann immer deutlichere Konturen. Um 8:45 Uhr raste die eine sehr gut vorbereitete Regierung hin. Man hätte eigent-
Boeing 767 krachend in den Nordturm. Ein riesenhafter lich meinen sollen, Menschen, die sich eben erst mit einer
Flammenball, brennender Treibstoff, schoß auf der Südost- „neuen Realität“ abgefunden hatten, würden schwerlich ge-
seite des Nordturms hoch. Die vergasten Passagiere und Be- willt sein, diese gegen etwas noch viel Schlimmeres einzu-
satzungsmitglieder des Flugs 11 wurden nun kremiert, und tauschen. Trotzdem schien sich die „Irrealität“ der Angriffe
zusammen mit ihnen Hunderte von Büroangestellten im nahtlos in die Irrealität des darauf folgenden Dramas einzu-
Nordturm. fügen.
18 Minuten später, um 9:03 Uhr, als Tausende von New Im folgenden will ich die technische Machbarkeit der elek-
Yorkern atemlos und entsetzt den brennenden Nordturm an- tronischen Entführung großer Passagierflugzeuge erörtern,
starrten, erschien aus Südwesten eine zweite Boeing 767 und wie sie im einleitenden Szenario beschrieben wird. Ich be-

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haupte nicht, genau so habe es sich am 11. September zuge- ich mein Bestes, um nicht zu lügen. Ich hatte keine Vor-
tragen. Doch noch viel weniger bin ich der Ansicht, daß die kenntnis von diesen Attacken und betrachte die Tötung un-
Angriffe von „arabischen Terroristen“ ausgeheckt und ausge- schuldiger Frauen, Kinder und Menschen auch nicht als
führt worden sind. schätzenswerten [sic] Akt.« (Unmat, 2001)
Ich mache lediglich geltend, daß die unten beschriebene Me- Trotzdem behauptete das Weiße Haus, es habe „Verbindun-
thode eine von mehreren – freilich die effizienteste – zur gen“ zwischen Al Qaida und den Anschlägen vom 11. Sep-
Umwandlung von Passagierflugzeugen in fliegende Bomben tember aufgedeckt und verfüge über geheime Informationen,
ist. Daraus folgt gleich meine nächste Behauptung, nämlich die aus Gründen der „nationalen Sicherheit“ der Öffentlich-
daß die gleich nach dem 11. September erfolgten hastigen keit nicht bekannt gemacht werden dürften.
Erklärungen bestenfalls eine unverzeihliche Torheit seitens
der Bush-Regierung und schlimmstenfalls ein Desaster für Undichte Stellen im Geheimdienst
Amerika waren. In letzterem Fall deutet das hier vorgebrach- Eine andere Ungereimtheit bei den Angriffen vom 11. Sep-
te Beweismaterial auf gewisse Elemente in der Machtstruktur tember muß jedermann stutzig machen, der sich ein wenig in
der US-Regierung hin, und der einzig mögliche Schluß be- der Geschichte des „Terrorismus“ auskennt. Allein schon der
steht darin, daß die Vereinigten Staaten selbst gekidnappt Umfang einer solchen Operation, die perfekte Koordination
worden sind. sowie die Notwendigkeit absoluter Geheimhaltung stellten
Ehe wir uns der Frage zuwenden, wie eine mit ausgeklügel- alles in den Schatten, was eine Terrororganisation je zuvor
ten technologischen Mitteln durchgeführte Entführung mög- zustande gebracht hatte. Auch die früheren Al Qaida angela-
lich ist, scheint es am Platz, einige im Zusammenhang mit steten Anschläge waren vergleichsweise einfache Aktionen
den Attacken stehende Erkenntnisse zu offenbaren, da diese gewesen, bei denen es lediglich darum ging, Sprengstoff auf
Indizien dafür enthalten könnten, daß an jenem Tage etwas heimlichen Wegen (per Schiff oder Auto) zum Tatort zu
ganz anderes geschehen ist als Flugzeugentführungen durch schaffen. Besondere Bedeutung kam bei der umfassenden
„arabische Terroristen“. Operation des 11. September der Geheimhaltung zu.
Von seinen Dimensionen her paßte ein solches Unternehmen
Der historische Kontext weit eher zu einem großen, wohlorganisierten Geheimdienst,
Zuerst der wichtigste Punkt: Niemals hat eine bekannte „ter- der dabei bis zu 50 Agenten einsetzen konnte, von welchen
roristische“ Gruppe, mag es sich nun um Palästinenser, bas- jeder von einem oder mehreren Aspekten des Plans Kenntnis
kische Separatisten, irische Nationalisten, die Tamil Tigers, hatte. Doch bei einem solchen Unterfangen sickert unver-
die Rote Armee Fraktion oder eine sonstige Organisation meidlicherweise das eine oder andere durch. Dies war auch
handeln, je einen Anschlag durchgeführt, ohne dann die Ver- im vorliegenden Fall nicht anders. Wir führen zwei Beispiele
antwortung dafür zu übernehmen. Der Zweck eines solchen an, die auf einen ganz anderen Urheber der Anschläge deuten
Angriffs besteht ja darin, Werbung für eine Sache zu ma- als „arabische Terroristen“.
chen. Die einzige Ausnahme von dieser für die Geschichte Laut Ha’aretz, der größten israelischen Tageszeitung, erhiel-
des Terrorismus gültige Regel ist die mysteriöse Al Qaida, an ten zwei in einem der WTC-Türme arbeitende Angestellte
deren Spitze der nicht minder mysteriöse Osama bin Laden des Dienstleistungsunternehmens Odigo, dessen Sitz in Israel
stehen soll. Der bekannte britische Reporter Robert Fisk hat liegt, zwei Stunden vor dem Anschlag am 11. September
dieselbe Auffassung verfochten: 2001 per Email Warnungen zugestellt (Dror, 2001). Die bei-
»Sie haben keine Botschaft hinterlassen, sondern nur den unterrichteten sogleich ihre – mit dem israelischen Si-
Schweigen.« cherheitsdienst zusammenarbeitende – Firma sowie die ame-
Nach Fisks Ansicht war dies ganz und gar untypisch für jeg- rikanische Polizei und teilten ihnen mit, woher die Warnun-
liche terroristische Organisation (MacIntyre, 2001). gen gekommen waren. Wie sich das Ganze weiter entwickel-
Wäre Al Qaida für die Angriffe verantwortlich gewesen, te, ist nie bekannt geworden, woraus sich folgern läßt, daß
warum hätte bin Laden die Verantwortung dafür denn nicht die Botschaften nicht von „terroristischer“ Seite gekommen
übernehmen sollen? Die vom Weißen Haus aufgestellte Be- waren: Hätte es Indizien oder gar Beweise dafür gegeben, so
hauptung, wonach Al Qaida Amerika mit „namenlosem hätte die US-Regierung diese in ihrem „Krieg gegen den Ter-
Schrecken“ überziehen wollte, ist zutiefst unlogisch. Die ein- ror“ zweifellos weidlich ausgeschlachtet.
zigen anderen Terrorakte, für welche sich keine der „regulä- Interessante Hinweise auf andere vor den Anschlägen durch-
ren“ Organisationen für verantwortlich erklärte, nämlich die gesickerte Informationen vermittelt folgender Report:
Bombenanschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tan- »Ein Bericht des militärischen Nachrichtendienstes der
sania im Jahre 1998 sowie der Angriff auf das Kriegsschiff USA enthüllte Details eines internen Geheimdienstmemo-
USS Cole anno 2000, wurden ebenfalls Al Qaida zur Last ge- randums, das den Mossad mit den Angriffen auf das World
legt. Wie hätte bin Laden da annehmen können, von Al Qai- Trade Center und das Pentagon in Verbindung brachte.
da am 11. September 2001 verübte Terroranschläge könnten Das Memorandum zirkulierte schon drei Wochen vor den
einer anderen Gruppierung angelastet werden, oder man kön- Anschlägen.« (Stern, 2001)
ne die Urheber gar nicht ausfindig machen! Das Ganze ergibt In dem Memorandum wurde darauf hingewiesen, daß der
schlicht und einfach keinen Sinn. Doch nicht genug damit: Mossad eine geheime Operation auf amerikanischem Boden
bin Laden hat mehrfach bestritten, etwas mit den Angriffen plante, um die öffentliche Meinung gegen die Araber aufzu-
zu tun zu haben. Noch am 11. September 2001 erklärte er: hetzen. David Stern, ein Experte für Operationen des israeli-
»Dieser Terrorakt ist das Werk einer amerikanischen schen Geheimdienstes, hielt fest:
Gruppe. Ich habe nichts damit zu tun.« »Die Angriffe erforderten ein hohes Maß an militärischer
Später, am 28. September, doppelte er nach: Präzision und die finanziellen Mittel eines erstklassigen
»Ich habe bereits gesagt, daß ich nicht in die Angriffe in Geheimdienstes. Außerdem mußten die Urheber der An-
den USA vom 11. September verwickelt bin. Als Muslim tue schläge gründlich vertraut mit den Flugoperationen der

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Air Force One, den Flugrouten ziviler Passagiermaschinen Der libanesische Playboy
sowie den Taktiken eines Luftangriffs auf besonders wich- Die Gestalt des Ziad Jarrah, der angeblich die – dann in
tige amerikanische Städte wie Washington sein.« Pennsylvania abgestürzte – Maschine der United Airlines,
Stern unterstrich auch, daß die Angriffe »den Interessen kei- Flug 93, nach ihrer Entführung steuerte, ist für jeden, der sich
ner arabischen Gruppe oder Nation nützen und zu einem mit den Geschehnissen des 11. September befaßt, ein Rätsel.
Zeitpunkt erfolgten, als Israel Zielscheibe internationaler Laut einem erstmals im November 2001 ausgestrahlten Do-
Verurteilungen war«. kumentarbericht der CBC (Canadian Broadcasting Corpora-
tion) war Jarrah ein Playboy und Sproß einer wohlhabenden
Eine virtuelle Freudenfeier libanesischen Familie. (MacIntyre, 2001). Diese bekannte
Höchst verdächtig war die Ausstrahlung eines Videofilms, sich nur nominell zum islamischen Glauben, und dasselbe
der angeblich noch am Tag der Anschläge in Palästina ge- galt in erhöhtem Maße für Jarrah selbst. Er ging gerne zu-
dreht worden war. Er zeigte Palästinenser, die irgend etwas sammen mit anderen jungen Leuten tanzen und hatte sogar
feierten. Die Medien machten geltend, diese Palästinenser be- eine feste Freundin, was einem gläubigen Muselmanen, und
jubelten die Angriffe auf das World Trade Center und das erst recht einem Fanatiker, schlecht ansteht. Der Reporter
Pentagon. Doch wird diese Behauptung durch die Tageszeit Linden MacIntyre ist in den Libanon gereist, um die Familie
widerlegt, an dem der Film gedreht worden sein muß. Die Jarrah zu interviewen; anschließend fuhr er nach Hamburg,
von Buden und Gebäuden in der Nähe der jubelnden Menge wo er sich mit Jarrahs früherer Zimmervermieterin über des-
geworfenen Schatten lassen nämlich klar erkennen, daß es zu sen Verhalten in den Monaten vor dem 11. September unter-
jedem Zeitpunkt ungefähr Mittag war. Doch als sich die An- hielt. Die Jarrahs waren vollkommen sprachlos über die an-
schläge ereigneten, war es in Palästina bereits fünf Uhr gebliche Rolle ihres Sohns bei den Flugzeugentführungen,
nachmittags. Zu dieser Zeit hätten die Schatten im September und auch die Zimmervermieterin, die ihn offensichtlich ge-
einen Winkel von höchstens 30 Grad von der Horizontalen mocht hatte, war völlig fassungslos.
aufgewiesen und wären auf dem Videofilm deutlich als tiefe Jarrah wußte ein Leben in Wohlstand zu schätzen, doch seine
Schatten sichtbar gewesen. große Leidenschaft galt der Luftfahrt, und mit größter Wahr-
Dies bedeutet, daß der Videofilm zu einem früheren Zeit- scheinlichkeit wollte er selbst fliegen lernen. Er nahm in
punkt entstanden war und der Grund für den Jubel der Palä- Hamburg ein Studium auf. Wie seine Zimmervermieterin zu
stinenser ein ganz anderer gewesen sein muß; der Kommen- berichten wußte, begann er dort rätselhafte Ausflüge nach
tar war also bewußt irreführend. Somit drängt sich die Frage Harburg zu unternehmen, von denen er manchmal erst in der
auf, wie der – angeblich von einem „unabhängigen Kamera- Morgendämmerung zurückkehrte. In Harburg wohnte auch
mann“ gedrehte – Streifen so verdächtig rasch in die Hände Mohammed Atta, einer der berüchtigtsten unter den angebli-
der US-Medien geriet. Die einzige Erklärung ist, daß er in chen Flugzeugentführern. Nach Ansicht MacIntyres war es
voller Kenntnis der bevorstehenden Angriffe hergestellt wor- letzterer, der Jarrah für eine Sondermission rekrutiert hat. Ob
den war. dies zutrifft, sei dahingestellt, und wenn es stimmt, wissen
wir nicht, worin diese Mission bestand. Jedenfalls befand
Getürktes Beweismaterial sich Jarrah im Juni 2000 in Florida, wo er Flugstunden nahm
Vor unlösbare Schwierigkeiten stellt uns auch das Beweisma- (nur für leichte Flugzeuge) und mit seinen (später ebenfalls
terial, das von FBI-Ermittlern auf den Parkplätzen der angeb- für den Dokumentarfilm interviewten) Wohngenossen dar-
lich von den Flugzeugentführern benutzten Flughäfen zu- über fachsimpelte, wie es wohl wäre, ein großes Passagier-
sammengetragen worden sein soll. In mehreren Mietwagen flugzeug zu steuern.
entdeckten FBI-Offiziere Exemplare des Koran sowie Flug- Jeder mit auch nur halbwegs fruchtbarer Einbildungskraft
lehrbücher. Vor dem Hintergrund der vom Weißen Haus be- Gesegnete kann sich außer einer Anwerbung durch Al Qaida
schworenen mörderischen „Effizienz“ der Täter, die in der eine ganze Reihe von verschiedenen Gründen vorstellen, die
Tat zur Durchführung eines so komplexen Unternehmens er- den Anstoß dazu gegeben haben könnten, daß Jarrah ein paar
forderlich war, müßte man eigentlich annehmen, daß die Hin- Nächte in Harburg verbrachte und Flugstunden in Florida
termänner den Terroristen die absolute Notwendigkeit der nahm. Jeder einigermaßen kompetente Detektiv fände
Spurenverwischung eingeschärft hätten – man wollte ja zwanglose Erklärungen für dieses Verhalten: Eine fesche und
schließlich „namenlosen Schrecken“ säen… Die Flugzeug- anschmiegsame Maid in Harburg beispielsweise, oder die
entführer hätten bestimmt keine persönlichen Besitzgegen- Aussicht auf einen Posten als Privatpilot eines steinreichen
stände, religiösen Schriften, Flughandbücher etc. zurückge- nahöstlichen Geschäftsmanns in Florida.
lassen. Die Mietwagen wären so sauber und leer gewesen wie Am 9. September 2001, genau zwei Tage vor den Terrorak-
zum Zeitpunkt, als sie gemietet wurden. Kein Moslem, ge- ten, rief Jarrah seinen Oheim im Libanon an. Diesem zufolge
schweige denn ein „islamischer Fanatiker“, wird übrigens ei- machte er einen durchaus normalen und recht glücklichen
nen Koran in einem gemieteten Fahrzeug liegen lassen, be- Eindruck. Er berichtete, in zwei Wochen gedenke er in den
sonders wenn er weiß, daß er nicht zu diesem zurückkehren Libanon zurückzukehren und an einer Party teilzunehmen,
wird. die seine Familie geben wollte. Auf ihn wartete ein funkelna-
Dies führt uns gleich zum nächsten Punkt. Warum in aller gelneuer Mercedes, den ihm sein Vater im Hinblick auf eine
Welt hätte eine dermaßen effiziente terroristische Organisati- künftige Hochzeit gekauft hatte. MacIntyre war dies alles
on überhaupt Mietwagen benutzen sollen? Viel einfacher und nicht ganz geheuer:
nicht weniger sicher wäre es doch gewesen, mit dem Taxi »Je tiefer man in das Geheimnis eindringt, desto verwir-
zum Flughafen zu fahren. Wiederum klaffen die offenkundi- render kommt einem dieses vor.«
gen Fakten und die offizielle Version himmelweit auseinan- Ich werde später noch auf die angeblichen Flugzeugentführer
der. zurückkommen.

260 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
Der Bombenanschlag auf das World Trade Center im beim Bombenanschlag mitgewirkt. Die Jury befand diesen
Jahre 1993 sowie Ayyad für schuldig (Abdel Rahman wurde bei einem
Das wichtigste Ziel der Anschläge vom 11. September waren anderen Prozeß verurteilt). Dem Schuldspruch lagen Indizien
selbstverständlich die Zwillingstürme des World Trade Cen- zugrunde, die auf eine Verschwörung hinwiesen, obgleich
ter in Untermanhattan. Schon früher, am 26. Februar 1993, kein Zeuge die Verdächtigen am Tatort gesehen hatte und
waren diese Zielscheibe eines Attentats gewesen. Einer der auch keine Sachbeweise gegen diese vorlagen. (Pringle,
Bombenleger soll Mohammed Salameh gewesen sein, ein 1994)
Student, der damals in Jersey City lebte. Nach dem Prozeß berichtete Salem eine völlig andere Ge-
Am 26. Februar 1993, um 12:18 Uhr, erschütterte eine hefti- schichte. In miesem Englisch sagte er nun folgendes aus:
ge Explosion in der Parkgarage B unter den Zwillingstürmen »Wir hatten schon anfangen Bombe basteln, wo dann in
das Gebäude. Sieben Menschen kamen dabei ums Leben; World Trade Center hochging. Sie ist von aufsehende Auf-
Tausende von Angestellten wurden für mehrere Stunden ein- seher von Büro gebaut […] und wir haben alle informiert
geschlossen und mußten starken Rauch einatmen. Innerhalb gewesen und haben wir gewißt, daß man hat anfangen mit
einer Woche gingen dem FBI Mohammed A. Salameh sowie Bombe basteln.« (Morales & DeRienzo, 1995)
dessen Freund Nidal Ayyad als Hauptverdächtige ins Netz. Wer nicht über die bei größeren Geheimdienstoperationen
Salameh war aufgrund eines Metallsplitters dingbar gemacht üblichen Mätzchen Bescheid weiß, der sei darauf hingewie-
worden, den man in der Parkgarage des World Trade Center sen, daß die Belastung Unschuldiger sowie andere schmutzi-
gefunden hatte. Er trug die Seriennummer eines Ford- ge Tricks in diesen Kreisen gang und gäbe sind. (Ostrovsky
Enocoline-Lastwagens, welcher einer Autovermietungsagen- & Hoy, 1990/91). Besondere Schwierigkeiten treten dabei
tur der Kette Ryder in Jersey City gehörte. Es stellte sich her- meist nicht auf. Im vorliegenden Fall konnte Hadas Salameh
aus, daß Salameh den betreffenden Wagen unlängst gemietet beispielsweise damit beauftragen, irgendeine harmlose Fracht
hatte. Am 25. Februar, dem Tag vor dem Bombenattentat, zu einer Adresse in Jersey City zu transportieren, wo er ein
hatte er den Wagen bei der Polizei von Jersey City als ge- Gebäude betreten mußte, um die Ankunft der Ladung zu
stohlen gemeldet, was für einen Terroristen ein gelinde ge- melden. Während er sich innerhalb des Gebäudes aufhielt,
sagt befremdliches Verhalten ist. Die Lizenznummer konnte konnte man den LKW stehlen und an einen Ort schaffen, wo
er nicht angeben, da sich die betreffenden Dokumente in dem man ihn mit der todbringenden Fracht belud.
entwendeten Fahrzeug befanden. Er meldete den Diebstahl
auch bei der Vermietungsagentur und versuchte, die 400 Dol- Die fehlenden Passagiere
lar zurückzubekommen, die er für den Wagen hingeblättert Auf den meisten Websites, wo Listen mit den Passagieren
hatte. Am nächsten Tag, als der Anschlag auf das World Tra- der Unglücksflugzeuge veröffentlicht werden (CNN, 2001;
de Center Gesprächsthema Nummer eins war, rief Salameh WRH, 2001; IIIEb, 2001), fehlen die Namen der Entführer.
abermals die Agentur Ryder an, erfuhr von dieser die Li- Es mag natürliche triftige Gründe dafür geben, diese der Öf-
zenznummer und reichte eine zweite, diesmal vollständige fentlichkeit vorzuenthalten. Einer davon könnte sein, daß die
Diebstahlsanzeige bei der Polizei an. Kurz: Der junge Mann Luftfahrtgesellschaften, als sie die Passagierlisten den Medi-
verhielt sich so, als habe er keine Ahnung davon, daß der ge- en zur Verfügung stellten, beschlossen, die Namen der Terro-
stohlene Lastwagen beim Terroranschlag auf das World Tra- risten zu tilgen, um die Opfer nicht dadurch zu entehren, daß
de Center Verwendung gefunden hatte. man sie mit ihren Mördern in einem Atemzug nannte. Frei-
Doch nicht genug der Merkwürdigkeiten. Salameh und lich hat keine der Luftfahrtgesellschaften je eine diesbezügli-
Ayyad pflegten eine kleine Moschee im zweiten Stock eines che Stellungnahme abgegeben. Bei den Passagieren wurden
Gebäudes im Zentrum von Jersey City zu besuchen. Der dor- nicht nur die Namen, sondern auch die Berufe und Wohnorte
tige Imam war Scheich Omar Abdel-Rahman. Er wurde angegeben. In keinem Fall steht unter der Rubrik Beruf „Ter-
ebenfalls festgenommen und später in einem separaten Ver- rorist“. Der Schluß mag ja gewagt anmuten, doch wenn die
fahren unter Ausschluß der Öffentlichkeit abgeurteilt. Bei ei- Namen der Flugzeugentführer nicht auf den Passagierlisten
ner Durchsuchung der Moschee hatte die Polizei keine Hin- stehen, dann vielleicht schlicht und einfach darum, weil es
weise darauf entdeckt, daß dort Bomben hergestellt worden gar keine Flugzeugentführer an Bord gab.
wären. Auch in Salamehs Wohnung hatte man nichts Bela-
stendes gefunden. Die fehlenden Blackboxes
Hingegen fand die Polizei in der Wohnung eines „Freundes“ Jede der entführten Boeings besaß eine Blackbox des Stan-
von Salameh Drähte, wie sie bei der Herstellung von Bom- dardformats, einen FDR (Flight data recorder) sowie einen
ben benutzt werden, schriftliche Instruktionen zum Bomben- CVR (Cockpit voice recorder). Vor dem 11. September ist
bau sowie Spuren von Sprengstoff. Am Tag vor dem An- kein Fall eines Flugzeugabsturzes bekannt, bei dem die wich-
schlag wurde Salameh von Josie Hadas, einem Bekannten tigsten Flugdaten und Stimmenaufnahmen nicht geborgen
Salamehs aus Jersey City, damit beauftragt, einen LKW für worden wären. Doch nur eine der betreffenden Kästen aus
den Transport einer gewissen Fracht zu mieten. Hadas, ein is- den Unglücksflugzeugen des 11. September ist je geborgen
raelischer Bürger, wurde von der Polizei in Gewahrsam ge- worden, und zwar der CVP des Flugs 93 (die betreffende
nommen, jedoch schon bald wieder auf freien Fuß gesetzt United-Airlines-Maschine zerschellte, wie bereits erwähnt,
und nach Israel zurückgeschickt, wo man ihn (angeblich) bis auf einem Feld in Pennsylvania). Die Nachrichtensendung
zum heutigen Tage einfach nicht finden kann. (IIIE, 2001) ABC News berichtete:
Belastungszeuge Nummer eins beim Prozeß war der FBI- »Es hieß, der CVR sei schwer beschädigt, und der Herstel-
Schnüffler Emad Salem, ein früherer ägyptischer Armeeoffi- ler sei mit einer gründlichen Analyse beauftragt worden.
zier, der sich bei Scheich Abdel Rahman angebiedert und Das in Pennsylvania abgestürzte Flugzeug soll mit einer
sich in dessen Bekanntenkreis eingeschlichen hatte, wo er Geschwindigkeit von mehr als 500 Meilen pro Stunde auf
Spitzeldienste für das FBI leistete. Er gab an, Salameh habe dem Boden aufgeprallt sein.«

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 261
Schwarze Kästen sind so konstruiert, daß sie einer Beschleu- waffe dort Flugzeuge bereit. Freilich wurde der Inhalt der
nigung von dem 3.400-fachen der Erdanziehung widerstehen Website schon zwei Tage später dahingehend verändert, daß
können, was einer Abbremsung von 33.489 m/sec² ent- an jenem Morgen keine Flugzeuge verfügbar gewesen seien
spricht. – angesichts der Wichtigkeit jener Gegend und der Anzahl
Eine mit einer Geschwindigkeit von 800 km/h auf dem Bo- dort stationierter Jäger fürwahr eine Merkwürdigkeit. (Rup-
den aufprallende oder in ein Gebäude rasende Maschine pert, 2002)
kommt binnen einer Zehntelsekunde zum Stillstand, was ei- Der Luftwaffe standen nicht fünf Minuten, sondern mehr als
ner Abbremsung von höchstens 2.236 m/sec² oder ungefähr seine Stunde zum Abfangen der Passagierflugzeuge zur Ver-
7% des angegebenen Höchstwerts entspricht. Die Hitzeresi- fügung. [Näher mit diesem Thema befaßt sich der folgende
stenz der Kästen liegt bei 1.100°C während eines Zeitraums Beitrag in diesem Heft, der Herausgeber.]
von 30 Minuten. Die Temperatur wäre beim Absturz in Pen-
sylvania nicht ins Gewicht gefallen, doch selbst der beim Eine virtuelle Flugzeugentführung
Einschlag in die Türme auflodernde Feuerball war nicht hei- Jeder Beobachter der Angriffe vom 11. September nahm na-
ßer als 1.000°C (NTSB, 2002). Die Hitze konnte nur so lange türlich an, daß die Flugzeuge von Menschen kontrolliert
andauern, wie Kerosin verbrannte, und die Temperaturen wurden. Alles schien auf eine Entführung durch Terroristen
mögen innerhalb der hitzeisolierten Kästen kaum halb so hinzudeuten. Doch was auf den ersten Blick unmöglich er-
hoch gewesen sein. Jedenfalls stürzte jeder der beiden Türme scheinen mag, stellt sich bei näherer Untersuchung manchmal
weniger als eine halbe Stunde nach dem Aufprall ein. als nicht nur möglich, sondern durchaus real heraus. Meine
Es besteht kaum Zweifel daran, daß die Blackboxes, hätte Argumentation beruht auf einer Spekulation, und da der Teu-
man sie bergen können, gegebenenfalls alle notwendigen In- fel oft im Detail steckt, könnte sich das eine oder andere
formationen zur Bestätigung der Behauptung geliefert hätten, durchaus anders zugetragen haben. Doch hinsichtlich der
wonach die vier Flugzeuge von Terroristen entführt worden zentralen Schlußfolgerung kann kein Zweifel vorliegen.
sein sollen. Die Medien haben sich über den Inhalt des CVR In einem modernen Passagierflugzeug wie der Boeing 757
von Flug 93 ausgeschwiegen. Das FBI hat zwar behauptet, oder 767 durchlaufen alle Kontrollsignale vom Piloten und
auf dem Tonband seien Schreie und Schüsse zu hören gewe- Co-Piloten das Flugkontrollsystem (Flight Control System,
sen, hat dieses jedoch nicht freigegeben (Quinn, 2001). Falls FCS). (Safford, 1975; Spitzer, 1987). Das Herz des Systems
die Maschine auf die von mir vorher geschilderte alternative ist ein Computer mit drei Prozessoren, welche eine fehlerlose
Methode umgelenkt worden ist, wären Schreie in der Tat zu Operation gewährleisten. Jeder Prozessor vermag separate
erwarten gewesen – Schreie von vergifteten und sterbenden Versionen dessen zu steuern, was im wesentlichen ein und
Passagieren und Besatzungsmitgliedern nämlich. dieselbe Software ist. Nur ein Prozessor ist jeweils in Betrieb,
doch kann der Pilot von einem Prozessor auf den anderen
Die fehlenden Abfangjäger umstellen, wenn Verdacht auf fehlerhafte Funktion besteht.
Seit vielen Jahren ist es gängige Praxis, jedes Flugzeug, das Wie jeder multifunktionale Computer besitzt jeder Prozessor
vom Kurs abweicht, binnen Minuten von Abfangjägern stel- ein Operationssystem. Wenn mit dem Computer oder mit dem
len zu lassen. Sobald ein Fluglotse bei einer in der Luft be- Flugkontrollsystem als Ganzem nicht in Ordnung ist, steuert
findlichen Maschine eine Kursabweichung registriert, ver- der Pilot die Maschine von Hand – außer wenn er tot ist.
sucht er zunächst, Kontakt mit dem betreffenden Piloten auf- Das einfachste Schema zur Umwandlung eines modernen
zunehmen. Kommt keine Verbindung zustande (was sowohl Passagierflugzeugs in eine fliegende Brandbombe stützt sich
bei der offiziellen als auch bei der alternativen Erklärung der auf zwei Instrumente: a) Zwei kleine Kanister mit tödlichem
Geschehnisse des 11. September der Fall gewesen wäre), Gas, die in den Lüftungsröhren des Flugzeugs verborgen sind
wendet sich der Lotse an das Militär (NORAD) und ersucht und entweder durch einen Zünder oder durch ein Funksignal
um die Stellung eines Abfangjägers. Dem Begehren wird au- geöffnet werden. b) Ein kleines Informationsimplantat (drei
tomatisch stattgegeben, ohne daß eine höhere Instanz als der Zahlen) im Flugkontrollsystem sowie eine Methode zu des-
Verbindungsoffizier zur zivilen Luftfahrtorganisation FAA sen Auslösung.
bei NORAD ihre Genehmigung erteilen müßte. Das Ganze Das geeignetste Giftgas wäre wohl das rasch wirkende Sarin,
dauert fünf bis fünfzehn Minuten, je nachdem, wann das ein tödliches Nervengas, das innerhalb einer Minute jeden
Flugzeug vom Kurs abgekommen ist und in welcher Entfer- Flugzeuginsassen außer Gefecht setzen würde. Selbst wenn
nung sich die nächste Operationsbasis befindet. Sobald der sämtliche Sauerstoffmasken aus ihren Schließfächern fielen,
Abfangjäger in Sichtweite der Maschine ist, wackelt er mit brächte dies keine Rettung mehr, denn jeder, der das Gas
den Flügeln, um dem Piloten eine Reaktion zu entlocken; an- auch nur einmal eingeatmet hat, ist dem Tode geweiht. Die in
schließend hat er die Anweisung, visuell nachzuprüfen, wer unserem alternativen Szenario beschriebenen Symptome sind
sich im Cockpit befindet. jene einer Sarinvergiftung. Sarin löst sich chemisch binnen
New York und Washington gehören zu den bestbewachten kurzer Zeit auf und hinterläßt keine Spuren.
Städten der Vereinigten Staaten. Zum ersten Mal seit dem In- Das unter Punkt b genannte Informationsimplantat würde die
krafttreten der eben umrissenen Standardmaßnahmen wurde neuen Flugkoordinaten (Breitengrad, Längengrad, Höhe) in
kein einziger Abfangjäger entsandt, obgleich nicht nur ein einer Form umfassen, die von dem Teil des Flugkontrollsy-
Passagierflugzeug vom Kurs abgekommen war, sondern stem bildenden INS (inertial navigation system, inertes Navi-
gleich vier. gationssystem) verwendet wird. Das zentrale Problem der
Ein auf dem Luftstützpunkt Andrews Air stationiertes vorliegenden Analyse besteht darin zu ermitteln, welcher der
Kampfflugzeug hätte rund fünf Minuten gebraucht, um bei- zwei Wege der effizientere zur Erreichung dieses Ziels ist.
spielsweise eine der beiden Boeings abzufangen, die dann in Betrachten wir zunächst die einfachere Variante. Ein im vor-
die Türme des World Trade Center krachten. Am Morgen des aus installierter virusähnlicher Code-Implantat im Flugkon-
11. September standen laut der offiziellen Website der Luft- trollcomputer (oder den Flugkontrollcomputern), das wie die

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Gasbehälter entweder durch einen Zünder oder durch ein Eine solche Präzision ist ausreichend, um die genauen drei-
Funksignal aktiviert wird, sendet neue Koordinaten an das dimensionalen Koordinaten von Zielen wie den Türmen des
INS. Dazu wären nur wenige Programmzeilen erforderlich: World Trade Center oder des Pentagons einzuhalten.
Anschließend an einen Zeit/Signal-Check würde die Anwei- Die Organisation, welche die Anschläge ausführt, kann nach
sung folgen, die Koordinaten für Los Angeles durch die im der heimlichen Installierung der Software auf die oben ge-
Speicher abgelegten zu ersetzen, usw. Bei der zweiten Me- schilderte Art und Weise die ganze Operation in Gang setzen,
thode (Vialls, 2001) existiert diese Software bereits im Ope- sobald sie sich vergewissert hat, daß das betreffende Flug-
rationssystem des Flugkontrollsystems; sie wird in Zukunft zeug mit INS und Autopilot fliegt. Dann werden die Gaska-
höchstwahrscheinlich als Waffe gegen Flugzeugentführun- nister geöffnet, und nach etwa fünf bis zehn Minuten würde
gen Verwendung finden. Diese Software wäre wohl in der die installierte Software die neuen Koordinaten an den INS
Lage, die neuen Koordinaten direkt per Funk vom Boden zu weiterleiten. Sobald die neuen Zielkoordinaten eingegeben
lesen. Es ist mir bisher freilich nicht gelungen, diese Mög- sind, ändert das Flugzeug seinen Kurs. Bei den Ereignissen
lichkeit anhand zuverlässiger Quellen zu dokumentieren. des 11. September wären diese Richtungsänderungen auf
Bei dieser Methode würde die Installierung der mörderischen dem Bodenradar (mit oder ohne Transponder) als „abrupte
Software und Hardware im betreffenden Flugzeug während Schwenkung nach links“ oder „abrupte Schwenkung nach
einer routinemäßigen Wartung durchgeführt. Die mit dieser rechts“ sichtbar. Genau so hat das Flugkontrollpersonal diese
Aufgabe betrauten Agenten könnten sich als Mechaniker Schwenkungen denn auch beschrieben.
oder auch als Reinigungspersonal verkleiden. Im Cockpit Beim Einsatz mehrerer Koordinaten wäre es auch möglich,
würden sie die spezielle Software wenn nötig in allen drei eine kompliziertere Flugroute mit mehreren Richtungsände-
Flugkontrollsystemprozessoren installieren. In einem War- rungen zu programmieren.
tungstürchen des Ventilationssystems würden sie zwei mit
Zündern ausgerüstete Sarinkanister installieren. Dies zu be- Virtuelle Telefonanrufe
werkstelligen, wäre noch der leichteste Teil der gesamten Wie auch immer eine elektronische Flugzeugentführung ab-
Operation; deren Schwierigkeit hängt davon ab, wie unbeob- laufen mag – die hinter ihr stehende Organisation wird unter
achtet sich die Agenten in der Maschine bewegen können. allen Umständen weitere Elemente in ihren Plan einbauen,
Ein Zugang zum Wartung- und Standortplänen der Maschine nämlich Listen von Geisterpassagieren sowie falsche Anrufe
wäre für diese zwar nicht absolut notwendig, doch sehr nütz- seitens einiger Fluggäste. Die folgende Analyse konzentriert
lich, da dann die Notwendigkeit entfiele, dieselben Dinge in sich auf Flug 93, da aus der betreffenden Maschine mehr An-
einem Reserveflugzeug zu installieren, wo sie vielleicht nie rufe zu verzeichnen waren als aus allen drei anderen zusam-
gebraucht werden. men. Die Durchführung dieser Anrufe wäre nicht minder
Jene Teile des Flugkontrollsystems, die uns hier interessie- komplex und würde nicht weniger Planung erheischen als die
ren, sind der Flugkontrollcomputer, das INS sowie der Auto- virtuelle Entführung selbst.
pilot. Bei den meisten kommerziellen Flügen läßt der Pilot Jede Analyse der Anrufe aus jenem Flugzeug muß mit eini-
die Maschine durch den Autopiloten fliegen, der seinerseits gen grundlegenden Fakten zu Mobiltelefonanrufen aus gro-
vom INS gelenkt wird. Der Autopilot vermag einen reibungs- ßer Höhe beginnen. Laut der AT&T-Sprecherin Alexa Graf
losen, angenehmen Flug zu garantieren und lästige Nebenef- sind Mobiltelefone nicht für Anrufe aus großen Höhen kon-
fekte wie das Rütteln durch starke Windeinwirkung weitge- zipiert, auf denen sich Passagierflugzeuge normalerweise
hend abzumildern. Autopiloten existieren schon seit rund 50 bewegen. Ihrer Ansicht nach war es ein „Glücksfall“, daß so
Jahren und sind mit der Zeit technisch immer vollendeter viele Anrufe ihren Bestimmungsort erreicht hatten (Harter
geworden. Sie erledigen das, was man „örtliche Kontrolle“ 2001). Einer meiner Kollegen, der in der Mobiltelefonindu-
bezeichnen könnte, ganz hervorragend, sorgen dafür, daß das strie gearbeitet hat, bezeichnete es sogar als „Wunder“, daß
Flugzeug auf der richtigen Höhe den richtigen Kurs einhält überhaupt ein Anruf durchkam. Ein Flugzeug mit Metallhülle
etc. Doch bildlich gesprochen haben sie keine Ahnung, „wo- und -rumpf verhält sich wie ein Faradayscher Käfig und ten-
hin die Reise geht“. Diese Information muß vom INS kom- diert dazu, elektromagnetische Wellen abzuschirmen oder
men. Die im Flugkontrollsystem gespeicherten Zielkoordina- zumindest abzuschwächen. Aus einem am Boden stationier-
ten können vom Piloten abgerufen und dem INS zugestellt ten Flugzeug ist ein Mobiltelefonanruf möglich, weil das Si-
werden. Für die Piloten von Passagierflugzeugen ist es zur gnal zwar stark abgeschwächt, aber immer noch nahe genug
Routine geworden, INS und Autopilot gemeinsam in Betrieb beim nächstgelegenen Mobiltelefonturm ist, um von diesem
zu halten, wobei das INS dem Autopiloten kontinuierlich aufgefangen zu werden. Auf mehr als 10.000 Fuß (3.050 m)
neue Richtungsanweisungen erteilt, um die Maschine auf Höhe kommt man freilich nur ganz selten durch, wenn über-
Kurs zu halten. haupt.
Inerte Navigationssysteme existieren seit ungefähr 30 Jah- Ein erfahrener Pilot meint dazu folgendes:
ren und haben – genau wie die Autopiloten – während die- »Die Vorstellung, beim Fliegen ein Mobiltelefon zu benut-
ser Zeit eine atemberaubend rasante Entwicklung durchge- zen, ist ganz unrealistisch. Sobald man über 10.000 Fuß
macht. Edward Safford, der Nestor der US-Luftfahrt, mein- fliegt, funktioniert das Ding nicht mehr, weil die Höhe zu
te dazu: groß ist, man zu rasch fliegt (und darum zu rasch von einer
»Das Flugzeug kann jede beliebige Route auf der Welt zu- Zelle zur anderen wechselt), als daß das Telefon ein Signal
rücklegen, ohne daß es einen Navigator oder äußere Hilfe von sich geben könnte.« (AVWeb, 1999)
beim Navigieren braucht.« (Safford, 1975) Wer im Verlauf des letzten Jahrzehnts ein Flugzeug bestieg,
Dieses Zitat ist mehr als ein Vierteljahrhundert alt. Heutzuta- weiß, daß die Passagiere vor dem Abflug stets ersucht wer-
ge sind die Möglichkeiten des INS noch weit größer, so etwa den, während des Flugs ihre Mobiltelefone auszuschalten.
das Positionieren eines Flugzeuges über der Mitte einer Lan- Dies hängt nicht etwa mit einer allfälligen Beschädigung der
debahn hunderte von Kilometer vom Abflugsort entfernt. Funkeinrichtungen an Bord zu tun, da diese ohnehin elektro-

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nisch geschützt sind. Der Grund liegt vielmehr darin, daß ei- remy Glick nannte, seine Gattin Lyz Glick anrufen, die je-
ne Flut von Mobiltelefonanrufen aus niedriger Höhe zu doch gerade auf Besuch bei Verwandten in Catskills, Staat
„Kaskaden“ führen kann, welche unter Umständen den Zu- New York war. Das Telefon wurde von Glicks Schwieger-
sammenbruch der Operationen einer Mobiltelefonanlage be- mutter JoAnne Makely abgenommen.
wirken. JoAnne: »Jeremy. Gott sei Dank. Wir machen uns solche
Auf einer Höhe von 10.000 Fuß oder weniger ist das „Kas- Sorgen.«
kaden“-Problem sehr reell, weil Mobiltelefonanrufe unter Anrufer: »Es gibt schlechte Nachrichten. Ist Liz da?«
dieser Bedingung zwar schwierig, aber nicht unmöglich sind. Der Anrufer schilderte im folgenden arabisch aussehende
Aufgrund seiner Position kann ein Mobiltelefon dann sofort Entführer mit roten Kopfbinden und Messern. Einer hatte den
mehrere Anlagen erreichen. Dies kann Probleme heraufbe- Fluggästen mitgeteilt, er habe eine Bombe. Der Anrufer frag-
schwören, da die Software, die bestimmt, welche Station den te, ob es stimme, daß Flugzeuge im World Trade Center ein-
Anruf übernehmen soll, ihren Entscheid anhand der relativen geschlagen hätten. Seine Schwiegermutter bestätigte dies.
Stärke des Anrufs trifft. Erfolgt dieser aus großer Höhe, so Der Anrufer erwähnte, daß ein anderer Passagier die Nach-
vermag die Software die relative Stärke an verschiedenen richt per Mobiltelefon erfahren hatte.
Anlagen möglicherweise nicht zu unterscheiden. Wenn dies Anruf A2: Wieder rief der Mann, der sich Tom Burnett nann-
geschieht, so ist das System darauf programmiert, diese Sen- te, Deena an. Es war inzwischen etwa 9:30 h. Deena sagte
defrequenz zu schließen und statt dessen eine neue zu wäh- später: »Er machte keinen verängstigten Eindruck, sprach
len. Doch wird dasselbe Problem – der Entscheid darüber, aber schneller als sonst.« Er teilte ihr mit, im Cockpit befän-
welche Zelle den Anruf übernehmen soll – einfach an die den sich Entführer.
neue Frequenz weitergereicht, so daß diese geschlossen wird Deena: »Es sind mehrere Flugzeuge entführt worden, doch
etc. Als Folge einer nur Sekunden dauernden Kaskade würde man weiß nicht wieviele.«
dann eine Frequenz nach der anderen geschlossen, und das Anrufer: »Du machst wohl Witze.«
ganze Netzwerk bräche zusammen. (Fraizer 2002) [Anm. der Redaktion: Eine seltsame Bemerkung für jeman-
Obgleich beim Flug der später auf einem Feld abgestürzten den, der sich in seiner Todesstunde wähnt.]
Maschine während der ersten Phase nach der Entführung, als Deena: »Nein.«
sie sich noch auf maximaler Höhe befand, ein Anrufer prak- Anrufer: »Waren es Fracht- oder Passagierflugzeuge?«
tisch keine Erfolgschancen gehabt hätte, wären Anrufe spä- [Anm. der Redaktion: Eine äußerst unangebrachte Frage für
ter, beim langsamen Abstieg über Pennsylvania, sicher mög- jemanden, der sich in seiner Todesstunde wähnt.]
lich gewesen. Doch auch dann wären mit größter Wahr- Deena: »Ich weiß es nicht.«
scheinlichkeit Mobiltelefonnetzwerkkaskaden erfolgt. Solche Anrufer: »Okay. Ich muß auflegen.«
blieben jedoch am Morgen des 11. September ganz aus. Zwei Anruf C: Ein Mann, der angab, Mark Brigham zu sein, rief
weitere Gründe sprechen gegen die offizielle Darstellung. Brighams Schwägerin Cathy Hoglan an, bei der Brighams
Zunächst sei darauf hingewiesen, daß die angeblichen Ent- Mutter Alice auf Besuch war. Cathy beantwortete den Anruf
führer sich den Fluggästen gegenüber verdächtig tolerant und reichte den Hörer mit der Bemerkung an Alice weiter:
verhielten, indem sie ihnen rund 13 Anrufe zugestanden. »Alice, spricht mit Mark. Er ist entführt worden.«
Man müßte doch annehmen, daß Terroristen sich jegliche Anrufer: »Mama? Hier spricht Mark Brigham.« (Alice Brig-
Anrufe verbäten, weil solche den Behörden am Boden wert- ham erklärte diese merkwürdige Begrüßung mit samt Nach-
volle Auskünfte über die Lage an Bord etc. vermitteln und so namen damit, daß ihr Sohn zutiefst verstört gewesen sei.)
die ganze Operation gefährden könnten. Anrufer: »Ich will dir sagen, daß ich dich lieb habe. Ich bin
Die folgende Analyse der Anrufe beruht auf den von vier auf einem Flug von Newark nach San Francisco, und drei
Reportern der Pittsburgh Post-Gazette gesammelten Informa- Kerle haben das Flugzeug übernommen. Sie sagen, sie hätten
tionen. (Roddy et al. 2001) Die Anrufe waren meist sehr eine Bombe.«
kurz, und man muß sich vor Augen halten, daß nur zwei da- Alice: »Wer sind diese Kerle?«
von aufgenommen wurden; bei den restlichen haben die an- Anrufer (nach einer Pause): »Du glaubst mir doch, oder?«
gerufenen Personen den Inhalt der Gespräche aus dem Ge- Alice: »Ja, Mark. Ich glaube dir. Doch wer sind diese Ker-
dächtnis wiedergeben müssen, so daß der exakte Wortlaut le?«
nicht mehr zu ermitteln ist. (Nach einer weiteren Pause wurde das Gespräch unterbro-
Nach einer Abflugsverspätung (sie hätte eigentlich um 8:01 chen.) [Anm. der Redaktion: Die Nachfrage nach der Identi-
Uhr starten sollen) erreichte die Maschine von Flug 93 ihre tät der „Kerle“ hat den Anrufer offenbar aus der Fassung ge-
Reisehöhe von ca. 30.000 Fuß (9150 m) rund 40 Minuten bracht.]
nach dem Start. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt hätten INS Anruf D: Ein Mann, der vorgibt, Todd Beamer zu sein, kam
und Autopilot in Betrieb genommen werden müssen, und ge- mit einem United Airlines Flugtelefon zu niemandem durch
rade in diesem Moment wurde das Flugzeug laut mehreren als zum Kundendienstzentrum der Firma Verizon, wo der
Mobiltelefonanrufen „entführt“. Operator den Anruf um 9:45 Uhr an die Verizon-Aufseherin
Anruf A1: Ein Mann, der sich als Tom Burnett ausgab, rief Lisa Jefferson weiterleitete. (Verizon ist eine große Kommu-
seine Frau Deena in San Ramon, Kalifornien, an. Soweit sich nikationsmittelfirma, welche United Airlines mit Flugtelefo-
diese erinnert, erfolgte der Anruf ca. um 9:20 Uhr. nen versorgt.) Der Mann teilte Frau Jefferson mit, das Flug-
Deena: »Ist bei dir alles in Ordnung?« zeug sei entführt worden; er sehe drei Terroristen mit Mes-
Anrufer: »Nein. Ich bin auf dem United Flight 93 von Ne- sern, von denen einer behaupte, eine Bombe bei sich zu ha-
wark nach San Francisco. Das Flugzeug ist entführt worden. ben. Er schilderte, wie die Passagiere in den hinteren Teil der
Wir sind in der Luft. Man hat bereits einen Mann niederge- Maschine getrieben worden seien, wo der Mann mit der
stochen. Es ist eine Bombe an Bord. Ruf das FBI an.« Bombe sie bewache. Er bat den Aufseher, die Familie Bea-
Anruf B: Kurz vor 9:30 Uhr wollte ein Mann, der sich Je- mer in seinem Namen anzurufen.

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Anrufer: »Oh! Wir gehen nach unten. [Pause.] Nein. Es ist Wainio sagte, sie könne ihre Arme fühlen.
alles o.k. Mir scheint, wir drehen ab.« (Ungefähr zu diesem Heymann: »Schauen wir den schönen blauen Himmel an.
Zeitpunkt vollzog die Maschine, die sich in der Nähe von Seien wir für einen Augenblick zusammen. Atmen wir zu-
Cleveland befand, einen jähen Schwenker nach links in Rich- sammen tief ein.« (Pause.)
tung Washington, DC.) Anruferin: »Es tut mir weh, daß es für dich soviel schwerer
Anruf A3: Der Mann, der sich Tom Burnett nennt, rief Deena sein wird als für mich.«
Burnett abermals an. Anruf A4: Kurz vor 10:00 Uhr erhielt Deena Burnett einen
Deena: »Sie entführen überall an der Ostküste Flugzeuge und vierten Anruf.
rammen damit bekannte Gebäude.« Anrufer: »Eine Gruppe von uns wird etwas tun.«
Anrufer: »Okay. Wir werden etwas unternehmen. Ich rufe Deena: »Nein, Tom. Setz dich doch und verhalte dich unauf-
dich nochmals an.« fällig.«
Anruf F1: Um 9:47 Uhr registrierte der Anrufbeantworter Anrufer: »Deena, wenn Sie das Flugzeug abstützen lassen
von Lorne Lyles einen Anruf, der seiner Ansicht nach von wollen, müssen wir etwas tun. Wir können nicht auf die Be-
seiner Frau CeeCee stammte. Man konnte hören, wie die hörden warten. Wir müssen nun handeln.«
Frau für sich, ihre Familie, ja sogar für die Seelen der Ent- Anrufer: »Bete. Bete ganz einfach, Deena. Wir müssen etwas
führer betete. tun.«
Anruf B (Fortsetzung): Die Staatspolizei telefonierte mit der Anruf D (Fortsetzung): Der Anrufer, der sich als Todd Bea-
Schwiegermutter von Jeremy Glick und bat sie, eine Frage an mer vorgestellt hatte, scheint fast bis zum Ende des Flugs mit
Jeremy weiterzuleiten. Wußte er, wo sich sein Flugzeug be- der Verizon-Aufseherin Lisa Jefferson in Verbindung geblie-
fand? Er wußte es nicht, gab jedoch an, die Maschine habe ben zu sein. Zu diesem Zeitpunkt rezitierte der Anrufer
ihren Kurs geändert. Psalm 23 aus der Bibel.
Anrufer: »Ich will, daß du glücklich bist, und werde jeden Anruf F2: Die Anruferin, die sich als CeeCee Lyles ausgege-
Entscheid respektieren, den du triffst.« ben hatte, kam diesmal zu Lorne Lyles durch.
Er sagte, die Passagiere stimmten darüber ab, ob sie versu- Anruferin: »Spatzi, mein Flugzeug ist entführt worden.«
chen sollten, das Flugzeug in ihre Gewalt zu bekommen. Lyles: »Was??? Mach bloß keine Witze.«
Lyz: »Schatz, du mußt es tun.« Sie unterhielten sich über Anruferin: »Nein, Spatzi, solche Witze mache ich nicht. Ich
Waffen. Der Anrufer scherzte. liebe dich. Sag den Jungen, daß ich sie liebe.«
Anrufer: »Ich habe mein Buttermesser vom Frühstück.« Während das Paar zusammen betete, hörte Lorne Geräusche,
Anruf G: Ungefähr um diese Zeit erhielt Phil Bradshaw, die er später als Hinweis auf einen Gegenangriff seitens der
Ehemann der Stewardesse Sandy Bradshaw, einen Anruf von Passagiere deuten sollte.
einer Frau, die angab, seine Gattin zu sein. Anruferin: »Sie dringen gewaltsam in das Cockpit ein.«
Anruferin: »Hast du gehört, was los ist? Mein Flugzeug ist Anruf D (Fortsetzung): Nachdem er mit Lisa Jefferson zu
entführt worden. Es ist von drei Kerlen mit Messern entführt Ende gebetet hatte, hängte der Anrufer, der sich Todd Bea-
worden.« mer nannte, nicht ab. Lisa Jefferson erinnert sich an seinen
Phil fragte sie, ob sie wisse, wer die Maschine fliege. inzwischen berühmt gewordenen Schlachtruf: »Seid ihr be-
Anruferin: »Ich weiß nicht, wer die Maschine fliegt, oder wo reit, Jungs? Na dann, an die Säcke!«
wir sind. Ich sehe einen Fluß.« Anruf J (Fortsetzung): Esther Heymann, die überzeugt war,
Bradshaw: »Mach’s gut und komm bald heim.« mit ihrer Stieftochter zu reden, hörte deren letzte Worte.
Die Anruferin erklärte, sie müsse gehen. Sie wollte Wasser Anruferin: »Ich muß gehen. Sie sind bereit zum Sturm auf
kochen, um es auf die Entführer zu schütten. das Cockpit. Ich liebe dich. Auf Wiedersehen.«
Anruf H: Kurz nach 9:30 Uhr erhielt Fred Fiumano einen Anruf G (Fortsetzung): Phil Bradshaw hörte die letzten Wor-
Anruf von jemandem, der angab, seine Freundin Marion Brit- te des Anrufers an ihn.
ton zu sein. Die Anruferin weinte und erzählte, die Maschine Anrufer: »Alle rennen in die erste Klasse. Ich muß gehen.
sei entführt und zwei Fluggäste seien bereits getötet worden. Tschüß.«
Fiumano versuchte seine Freundin zu trösten und meinte, die Anruf F2 (Fortsetzung): Lorne Lyles erinnert sich daran, wie
Entführer würden sie wahrscheinlich spazierenfliegen. »Es sie die letzten Augenblicke von Flug 93 mitverfolgte.
passiert dir nichts.« Anrufer (schreiend): »Sie tun es. Sie tun es. Sie tun es.«
Anruf I: Jack Grandcolas in San Rafael, Kalifornien, erhielt Der Anrufer schrie wieder, sagte etwas Unverständliches,
einen Anruf von einer Frau, die seine Gattin Lauren Catuzzi und die Verbindung brach ab.
Grandnicolas zu sein behauptete. Die auf dem Telefonbeant-
worter registrierte Nachricht war sehr kurz: Einzelheiten einer Operation
»Schatzi, nimm das Telefon ab, wenn du mich hörst. Nun Wie in aller Welt könnte irgendeine Organisation die eben
gut. Ich habe dich lieb. Es gibt ein kleines Problem mit geschilderten Telefonanrufe fälschen? Während ich diesen
dem Flugzeug. Im Moment ist bei mir alles in Ordnung. Satz niederschrieb, wurde mein Nachdenken durch eine
[…]« Stimme unterbrochen, die durch die Hintertür unserer Gar-
Sie bat Jack, allen auszurichten, daß sie sie liebe, und gab das tenterrasse drang: »Ist jemand daheim?« Es war mein Sohn,
Flugtelefon dann an die Person neben ihr weiter. der in der Stadt gewesen war und nun auf Besuch zu uns
Anruferin: »Nun rufen Sie ihre Angehörigen an.« kam. Er war mit ein paar alten Freunden auf Tour gewesen.
Anruf J: Esther Heymann erhielt einen Anruf von einer Frau, Ich ging zur Gartenterrasse, um ihn zu begrüßen.
die sich als ihre Stieftochter Honor Elizabeth Wainio ausgab, Doch war es gar nicht mein Sohn, sondern der Nachbar von
die Frau neben Grandcolas. nebenan, der eine Leiter borgen wollte. Es wunderte mich
Anruferin: »Elizabeth, wir wissen noch nicht, wie das her- sehr, daß ich seine Stimme mit dem meines Sohnes hatte
auskommt. Ich umarme dich.« verwechseln können. Sie hat eine andere Höhe und einen an-

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deren Klang, doch die damalige Situation – ich wartete auf Betreffenden sowie schließlich eine ganze Menge persönli-
die Heimkehr meines Sohns – bewirkte, daß ich diese Unter- cher Informationen, die teils „durch Feldforschung“ erlangt
schiede überhörte. worden sind, wie es im Jargon dieser Leute heißt. Sobald die
Natürlich beweist dieses Beispiel an sich noch nichts, doch Passagierliste verfügbar ist, geht jeder Operator seine eigene
veranschaulicht es eine Tatsache, die sich Spiritisten und Kopie durch, um zu ermitteln, ob sich darauf Namen von
Medien seit Jahrhunderten zunutze machen, um ihre Kunden Personen befinden, über die er Unterlagen besitzt. Die ande-
hinters Licht zu führen. Verzweifelte Menschen, die mit ei- ren Fahrgäste interessieren ihn nicht.
nem teuren Verstorbenen Kontakt aufnehmen wollen, sind Der erste, stets von summenden Geräuschen begleitete Satz
am Ende einer spiritistischen Séance meist zufrieden und sa- lautet stets etwa so: »Schatz, wir sind entführt worden!« Von
gen etwa: »Ich schwöre, das war mein Sohn. Ich habe seine nun an steht der Angerufene ganz unter dem Eindruck dieser
liebe, süße Stimme erkannt.« Die Atmosphäre verleitet den niederschmetternden Nachricht, die er natürlich nicht im ge-
Empfänger einer solchen Botschaft dazu, den geliebten Men- ringsten bezweifelt. Danach kann der Operator Fragen be-
schen tatsächlich zu hören. Selbstverständlich muß die Stim- antworten und seinem Gesprächspartner eine Komödie vor-
me zumindest eine starke Ähnlichkeit aufweisen. Im vorlie- spielen, in der natürlich wichtige Details wie „arabisch aus-
genden Fall hätten die Fälscher aber noch zusätzliche Vortei- sehende Kerle“ oder „Messer“ nicht fehlen dürfen. Ist der
le gehabt: Das Summen im Telefon nämlich sowie die Ten- Bediener der Ansicht, seine Botschaft sei auf fruchtbaren
denz von Telefonfrequenzen mit sehr geringer Bandbreite, Boden gefallen, kann er den Anruf jederzeit mehr oder weni-
eine menschliche Stimme verzerrt zu übermitteln. Außerdem ger taktvoll beenden, je nachdem, wie weit die Handlung des
verändert extremer Streß die menschliche Stimme bisweilen Szenarios inzwischen gediehen ist. Er kann beispielsweise
noch stärker, so daß die Unterschiede dem Angesprochenen sagen: „Okay. Wir werden etwas unternehmen. Ich ruf dich
nicht auffallen. wieder an.“ Ende des Anrufs.
Um sich Namen und relevante persönliche Daten zu besor- Jeder Bediener hat eine Stimme, die derjenigen der nachge-
gen, hätten die Agenten der für die Anschläge verantwortli- äfften Person einigermaßen ähnelt (oder sie wird in Echtzeit
chen Organisation die betreffenden Flüge vor dem 11. Sep- mit moderner Computertechnologie dahingehend verändert).
tember mehrmals selbst benutzen und Mitreisende dabei in Dies bereitet keine allzu großen Schwierigkeiten. Beispiels-
freundliche Gespräche verwickeln müssen: »Fliegen Sie oft weise ist es wesentlich einfacher, jemanden zu finden, dessen
mit dieser Route?« Es hätte nicht allzu viel Zeit erfordert, ei- Stimme – besonders am Telefon – der meinen gleicht, als je-
ne Dossier mit Namen zu erstellen, Stimmen heimlich auf manden, der – sogar auf einer unscharfen Foto – ähnlich aus-
Tonband aufzunehmen und eine Reihe von mehr oder weni- sieht wie ich. Schließlich können die meisten Menschen ler-
ger wichtigen Details aus dem Leben einiger Passagiere in nen, Stimmen nachzuahmen. Besondere Fertigkeiten in dieser
Erfahrung zu bringen. Schließlich hätte eine solche Liste un- Kunst pflegen Komödianten zu besitzen, die wohlbekannte
ter Umständen mehrere Dutzend Passagiere umfassen kön- Persönlichkeiten parodieren.
nen, von denen natürlich nicht alle an jenem schicksalhaften Die Bediener haben Anweisungen erhalten, wie sie bei einem
Morgen des 11. September 2001 mit Flug 93 reisten. Anruf zu verhalten haben. Zwar kennt jeder zumindest ein
In der Zwischenzeit hatten die Drahtzieher ein Szenario ent- paar „intime“ Einzelheiten aus dem Leben des Anzurufen-
worfen, um eine Reihe von Ereignissen vorzutäuschen. Der den, doch verfügen alle auch über Techniken des Abschwei-
Kern dieses Szenarios, das den Zeitraum von der Öffnung der fens; sie wissen ferner, daß sie lange Unterhaltungen vermei-
Sarinkanister bis zum Aufprall umfaßte, war eine Reihe von den müssen, bei denen elementare Kenntnismängel den gan-
Pseudo-Ereignissen an Bord: Das erste Auftauchen der Ent- zen Schwindel platzen ließen, etc. Drei solche Ablenkungs-
führer, deren Erklärungen, Keilereien mit Passagieren, der techniken sind Beten (wenn nötig durch Ablesen eines Tex-
Kriegsrat der Fluggäste im hinteren Teil der Maschine und tes; Anrufe D, F1 und J), Weinen (Anruf H) oder Diskussion
schließlich der Sturm auf das Cockpit. Auch einige tatsäch- der anderen Angriffe (Anrufe A2 und B).
lich eingetretene Geschehnisse wie der jähe Schwenk der Im vorliegenden Fall, Flug 93, können nun mehrere Anrufe
Maschine (vgl. Anruf D) gehörten mit zum Skript. näher analysiert werden. Zunächst sei darauf verwiesen, daß
Man stelle sich dann ein Studio vor (jeder Geheimdienst der längste Anruf von der Person gemacht wurde, die sich als
verfügt über mehrere solche). Im Raum befindet sich eine Todd Beamer ausgab (Anruf D), und zwar an die Verizon-
Leinwand, auf der die Ereignisse als Text ablaufen, so daß Aufseherin Lisa Jefferson, die den wirklichen Todd Beamer
alle Beteiligten stets auf dem laufenden sind. Dem Direktor gar nicht kannte.
der Operation käme eine ähnliche Rolle zu wie dem Diri- Zu Beginn von Anruf B (Glick) teilt der Anrufer mit, die
genten eines Symphonieorchesters, der das Spiel seiner Passagiere wüßten von der Entführung anderer Maschinen an
Musiker koordiniert. Ein Toningenieur hält mehrere in ei- jenem Morgen. Gegen das Ende der Unterhaltung, als der
nem anderen Studio hergestellte Aufnahmen bereit. Auf ih- Anrufende mögliche Aktionen gegen die Entführer diskutiert,
nen sind Geräusche zu hören, die auf gemurmelte Diskus- bemerkt er scherzhaft: »Ich habe mein Buttermesser vom
sionen zwischen Fahrgästen oder ein Handgemenge hinzu- Frühstück.« Dies ist darum eigentümlich, weil dies voraus-
deuten scheinen, und man hört auch Schreie und Flüche. setzt, daß die Passagiere bereits gefrühstückt haben, obwohl
Solch eine Aufnahme kann dann über irgendeine Telefon- Mahlzeiten in einem Flugzeug normalerweise erst serviert
leitung abgespielt werden, wenn das Szenario dies vorsieht, werden, wenn dieses seine durchschnittliche Flughöhe bereits
oder es kann einfach zur lautlichen Untermalung im Kon- erreicht hat, im vorliegenden Fall also, als die angebliche
trollraum dienen. Entführung begann.
Geschulte Bediener mit Kopfhörern erledigen die Telefonan- Bei Anruf A2 (Burnett) geht Deena Burnett auf die anderen
rufe. Jeder von ihnen hat die zur Verfügung stehenden Unter- Entführungen ein. »Es sind mehrere Flugzeuge entführt wor-
lagen für mehrere Personen, die früher schon mit Flug 93 ge- den, aber man weiß nicht, wie viele.«
reist sind, gründlich studiert: Stimmaufnahmen, ein Profil der Anrufer: »Du machst wohl Witze.«

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Deena: »Nein.« soll. In Nachrichtensendungen (San Diego, 01; BBC, 01; Te-
Anrufer: »Waren es Fracht- oder Passagierflugzeuge?« legraph, 01) wurden zwei Anrufe geschildert, die sie an ihren
Hier scheint der Anrufer auf Zeit zu spielen. Erstens sind Gatten Ted Olson, Generalstaatsanwalt der Vereinigten Staa-
Entführungen von Frachtflugzeugen so gut wie unbekannt, ten, gemacht haben soll.
und zweitens widerspricht die offenkundige Erstauntheit des Die Frau, die sich als Barbara Olson ausgab, sagte, sie habe
Anrufers der früher, in Anruf B, gemachten Behauptung, sich in der Toilette eingeschlossen und zehnmal vergeblich
wonach die Passagiere von Flug 93 allgemein Bescheid über versucht, ihren Mann anzurufen, ehe sie endlich durchkam.
die anderen Entführungen wußten. Das erste Gespräch, in dem die Anruferin sagte: »Ob du es
Auch bei Anruf C scheint ein grober Fehler aufgetreten zu glaubst oder nicht, wir sind entführt worden«, wurde aus ir-
sein. Ob wohl einer der Sprecher im Studio geschlafen hat? gendeinem Grund unterbrochen. Bei einem zweiten Versuch
Anrufer: »Mama? Hier spricht Mark Brigham. Ich will dir beschrieb die Anruferin Männer mit Messern, welche die Be-
sagen, daß ich dich lieb habe. Ich bin auf einem Flug von satzung überwältigt hätten, und fragte dann: »Was soll ich
Newark nach San Francisco, und drei Kerle haben das Flug- dem Piloten sagen, daß er tun soll?«
zeug übernommen. Sie sagen, sie hätten eine Bombe.« Dies alles ist nicht minder mysteriös als die vorher beschrie-
Alice: »Wer sind diese Kerle?« benen Anrufe. Was für weise Ratschläge hätte Ted Olson
Anrufer (nach einer Pause): »Du glaubst mir doch, oder?« dem Piloten (der angeblich mit den Passagieren in den hinte-
Alice: »Ja, Mark. Ich glaube dir. Doch wer sind diese Ker- ren Teil der Maschine verbannt worden sein soll) denn schon
le?« erteilen können?
Alice Brigham erklärte den seltsamen ersten Satz damit, daß Die hier vorgenommenen Analysen beweisen an sich noch
ihr Sohn verwirrt gewesen sei. Doch wenn Mark entschieden nicht, daß eine Operation zur Vortäuschung von Mobiltele-
hatte, seine Mutter anzurufen, hätte er sich dann ausgerechnet fonanrufen stattgefunden hat. Sie belegen aber eindeutig, daß
ihr gegenüber mit Vor- und Familiennamen vorgestellt? Ei- alle Anrufe sehr gut zu einer solchen Operation passen wür-
nen solchen Schnitzer kann ein Anrufer nur dann begehen, den. Eine ganze Reihe von Indizien spricht dafür, daß wir es
wenn er an etwas ganz anderes denkt als an das, was angeb- mit einer solchen Operation zu tun haben und nicht mit tat-
lich den Grund für seinen Anruf darstellt. Was aber könnte sächlich von Flugzeugen aus gemachten Mobiltelefonanru-
dies im vorliegenden Fall gewesen sein? fen. Mehr läßt sich anhand einer solchen Analyse kaum sa-
Statt dann die Frage seiner Mutter, wer denn diese Kerle sei- gen.
en, zu beantworten, antwortet der Anrufer mit der Gegenfra- Jedenfalls gibt es allen Grund zum Zweifel daran, daß Mobil-
ge: »Du glaubst mir doch, oder?« Allem Anschein nach hat telefonanrufe von großer Höhe aus überhaupt möglich gewe-
er das Vertrauen in seine Fähigkeit verloren, Mark Brigham sen wären, und daß solche aus geringerer Höhe keine Mobil-
nachzuäffen, und beendet das Gespräch. (Man kann sich telefonanlagenkaskaden hervorgerufen hätten.
ausmalen, wie er sich frustriert auf die Stirn hämmert…)
Anrufer C machte keinen zweiten Anruf. Von den 13 Anru- Nochmals zu den fehlenden Abfangjägern
fen, die angeblich von diesem Flugzeug aus erfolgten, Wenn Flug 93 bei der in diesem Artikel skizzierten alternati-
stammten vier von Burnett (A), zwei von einer Lyles (F) und ven Methode ferngesteuert wurde, kann der vorzeitige Ab-
die restlichen sieben von jeweils einer verschiedenen Person, sturz der Maschine durchaus Bestandteil des Plans gewesen
wobei die von diesen sieben Anrufern gemachten Mitteilun- sein. Ein solcher Absturz ließe sich durch das INS des betref-
gen teils eher wirr, teils klar waren. Die Anrufe fügen sich in fenden Flugs leicht verursachen. Während die Maschine
den Rahmen eines logisch aufgebauten Szenarios ein, das scheinbar schnurstracks auf das Weiße Haus zuflog, wären
dem Mythos Rückhalt verleihen soll. die INS-Koordinaten in diesem Fall so eingestellt gewesen,
Da hätten wir Todd Beamer, der bei seinen Freunden (und daß das Flugzeug über einem leeren Feld in Pennsylvania ab-
Beobachtern) als Draufgänger bekannt ist. Er ist also der stürzte. Die Absturzstelle hätte auf einer Linie gelegen, die in
ideale Mann, um den „Sturm auf das Cockpit“ zu führen. Richtung Weißes Haus führte. Vor ihrem Zerschellen hätte
Schon lange vor dem 11. September ist entschieden worden, die Maschine zu einem langen, schrägen Abflug angesetzt,
daß er der „Grund“ für den vorzeitigen Absturz dieser Ma- der einen Aufprall mit hoher Geschwindigkeit garantierte
schine fern vom Weißen Haus sein wird. und dafür sorgte, daß zahlreiche Trümmer auf dem Feld zu-
Anrufer D, der sich als Todd Beamer ausgab, hatte offen- rückblieben.
sichtlich Schwierigkeiten mit der Benutzung seines Flug- Allem Anschein nach wurden drei F-16-Jäger auf einem
zeugtelefons. Dies ließe sich noch erklären, wenn das ver- Luftstützpunkt in Langley, Virginia, mobilisiert, um das Pas-
wendete Telefon nicht Teil des Verizon-Systems gewesen sagierflugzeug abzuschießen. Einer Schätzung zufolge waren
wäre. Doch fiel es dem Anrufer leicht, mit einem gewöhnli- sie zum Zeitpunkt, als diese abstürzte, noch volle 14 Minuten
chen Mobiltelefon das Aufsichtsbüro der Firma Verizon zu von ihr entfernt, so daß sie von Anfang an keine Chance auf
erreichen, dem er dann erklärte, er habe versucht, jemand an- einen Abschuß gehabt hätten.
zurufen! Merkwürdigerweise zog er es angesichts seines be- Bei allen vier Flügen war es bei einer ferngesteuerten Entfüh-
vorstehenden Hinscheidens vor, mit der ihm unbekannten Li- rung von entscheidender Bedeutung, daß keine Jagdflugzeu-
sa Jefferson zu sprechen und diese zu bitten, seinen Lieben ge in der Nähe stationiert waren. Bei einer Abfangoperation
Grüße auszurichten! müssen die Piloten der betreffenden Jäger nämlich den Vor-
Von den aus den anderen Flugzeugen gemachten Anrufen schriften zufolge einen Blick ins Cockpit der vom Kurs ab-
verdient vor allem einer Beachtung, der von Barbara Olson, gekommenen Maschine werfen, um zu ermitteln, ob diese
einer wohlbekannten Anwältin aus Washington und bekann- entführt worden ist. Im vorliegenden Fall hätte ein Jägerpilot
ten politischen Fernsehkommentatorin gemacht worden sein Pilot und Co-Pilot regungslos in ihren Sitzen zusammenge-
soll. Frau Olson starb auf Flug 77 der American Airlines, je- sunken gesehen. Nach Kerlen mit dunklen Bärten hätte er
nem Flugzeug, das angeblich das Pentagon getroffen haben freilich vergebens ausgespäht…

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Virtuelle Flugzeugentführer wie es etliche seiner berühmteren Kollegen ungeniert taten.
Ein Hinweis darauf, daß es sich bei den angeblichen Terrori- Mehrere der angeblichen Entführer wurden nämlich beim
sten um Phantasiegestalten handelte, ergibt sich aus der Kluft Alkoholgenuß beobachtet und unterhielten sexuelle Bezie-
zwischen dem offiziellen Bild und der Realität. Wir haben hungen zu mehreren Partnerinnen.
bereits den Fall des Ziad Jarrah kennengelernt, eines jungen Wie konnten mehr als ein Dutzend „Flugzeugentführer“ über
Mannes ohne Bindungen an den islamischen Glauben, der ein Jahr lang in den USA leben, all das tun, was die Medien
sich über Nacht zu einem teuflischen Flugzeugentführer ge- ihnen zuschreiben, und dabei gar keine Entführer sein? Im
mausert haben soll. Auf die Frage „Wie hältst Du’s mit der folgenden will ich darlegen, daß diese Männer sehr wohl all
Religion?“ erhalten wir bei fast jedem der vermeintlichen die Handlungen ausführen konnten, die von ihnen berichtet
Entführer dieselbe beunruhige Antwort, wie wir schon bald werden, ohne deshalb Terroristen gewesen zu sein. Alles
sehen werden. hängt nämlich davon ab, welche Absichten sie mit ihren Ta-
Jarrah wollte unbedingt Flugzeugingenieur werden. Wenn ten verfolgten. Ich will (als eine unter mehreren Möglichkei-
der Islam (oder „muselmanische Fanatiker“) ihn nicht von ten) ein Betrugsmanöver skizzieren, das eine prinzipielle
diesem Wunsch abbrachten und ihn dazu bewogen, jung in Antwort auf diese Frage liefert.
den Tod zu gehen, wer hat ihn dann dazu gebracht? Viel- Zuerst gilt es freilich eine Liste der „19“ angeblichen Terrori-
leicht niemand! sten zu erstellen und einen Teil der Verwirrung zu klären, die
Allerlei Rätsel gibt uns auch Hani Hanjour auf, ein klein- mit ihren Namen verknüpft ist. Eine erste Liste enthält 19
wüchsiges, schüchternes Bürschchen, das als Teenager in Namen, die sich auf vier Flugzeuge verteilen:
Saudiarabien keinen sehnlicheren Wunsch verspürte, als United Airlines Flight 175 (Südturm des WTC)
Steward zu werden. Er nahm Flugunterricht, legte dabei aber – Marwan Al-Shehhi
weniger Interesse an den Tag, flog bei manchen Kursen mit – Fayez Ahmed
Pauken und Trompeten durch und brach andere vorzeitig ab. – Mohald Alshehri
Trotzdem soll er der Pilot bei Flug 77 der American Airlines – Hamza Alghamdi
gewesen sein, d.h. er soll die Maschine gesteuert haben, die – Ahmed Alghamdi
dann angeblich ins Pentagon raste. American Airlines Flight 11 (Nordturm des WTC)
1998 nahm Hanjour eine Fluglektion. Wes Fults, Manager – Waleed M. Alshehri
der betreffenden Flugschule, kommentierte später: – Wail Alshehri
»Er hatte nur ganz nebelhafte Vorstellungen davon, wozu – Mohamed Atta
die Instrumente dienten.« – Abdulaziz Alomari
Dennoch schaffte es Hanjour im April 1999 nach mehrjähri- – Satam Al Suqami
gen erfolglosen Versuchen, eine kommerzielle Pilotenlizenz American Airlines Flight 77 (Pentagon)
zu erwerben. Wie dies vor sich ging, darüber hüllen sich die – Khalid Al-Midhar
Verantwortlichen der FAA in Schweigen. Zuvor, im April – Majed Moqed
1996, nahm er an einer dreißigminütigen Lektion an der Sier- – Nawaq Alhamzi
ra Academy of Aeronautics in Oaklahoma teil, blieb dem Un- – Salem Alhamzi
terricht aber darauf stets fern. Einen Monat später hielt er – Hani Hanjour
sich in Scottsdale, Arizona, auf, wo er sich beim CRM Flight United Airlines Flight 93 (Pennsylvania)
Cockpit Resource Management für Flugstunden anmeldete. – Ahmed Alhaznawi
Nach drei Monaten verließ er die Schule ohne Zertifikat. Er – Ahmed Alnami
kehrte ein Jahr später dorthin zurück, nahm ein paar Wochen – Ziad Jarrah(i)
am Unterricht teil und empfahl sich dann abermals. Im Ver- – Saeed Alghamdi
lauf der folgenden drei Jahre bewarb er sich um Wiederzu- Gab es 20 „Terroristen“ und nicht nur 19? Am Flug 175 der
lassung an der Scottsdale-Flugschule, doch wurde ihm ab- United Airlines soll auch ein Amer Kenfer teilgenommen ha-
schlägig beschieden, da er nicht das Zeug zum Piloten besit- ben. Vielleicht spielt dies keine Rolle, da fünf der den Medi-
ze. 1998 schrieb er sich in Phoenix, Arizona, bei Sawyer en vom FBI zur Verfügung gestellten Namen nachweislich
Aviation ein. Er nahm an einigen wenigen Lektionen mit falsch sind. Ebenso wie vier andere „Entführer“, deren Na-
dem Flugsimulator teil und schüttelte dann Arizonas Staub men wir gleich anführen werden, wurde Kenfer vom FBI
von seinen Füßen. (Goldstein et al., 2001) nicht nur mit Namen, sondern auch mit Beruf und Geburtsda-
Im August 2001 meldete sich Hanjour auf dem Freeway Air- tum identifiziert. Es stellte sich dann aber heraus, daß alle
port in Bowie, Maryland, wo er ein einmotoriges Flugzeug fünf quicklebendig und hell empört darüber waren, als „Ter-
mieten wollte, sich jedoch abermals eine Abfuhr holte: Ange- roristen“ angeschwärzt worden zu sein. Neben Kenfer han-
sichts seiner allgemeinen Inkompetenz weigerten sich die delte es sich um folgende Männer:
Behörden des Flughafens, ihm ein Flugzeug zu vermieten. – Waleed Al Shehri (BBC, 2001)
(Goldstein et al., 2001). Hält man sich vor Augen, daß Han- – Abdulaziz Al Omari (BBC, 2001)
jour noch nicht einmal ein einmotoriges Flugzeug lenken – Ahmed Ibrahim Al Ghamdi (Islam Online, 2001)
konnte, verwundert es einen fürwahr, daß er eine Boeing zu – Fayez Mohammad al-Shehri (Islam Online 2001)
steuern und mit ihr das Weiße Haus zu treffen vermochte. Wie konnte jeder vierte „Entführer“ falsch identifiziert wor-
Die zweite enorme Diskrepanz zwischen Offizialversion und den sein? FBI-Quellen reden sich damit heraus, daß arabi-
Wirklichkeit liegt in der Einstellung der angeblichen Entfüh- sche Namen leicht zu verwechseln seien. Doch wie stellt man
rer zur Religion. Hanjour mag von allen noch der gläubigste es an, um Berufe und Geburtsdaten zu verwechseln? Mehr
gewesen sein; laut seinem älteren Bruder war er tatsächlich als einem der betreffenden Herren war in der Vergangenheit
recht fromm, und es liegen keine Berichte darüber vor, daß er der Paß gestohlen worden (Telegraph, 2001). Diese Tatsache
sich offen über die Gebote des Islam hinweggesetzt hätte, läßt sich ohne weiteres mit dem von uns umrissenen alterna-

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tiven Szenario in Übereinklang bringen, auch wenn die gro- Da nur neun der 19 angeblichen Entführer dokumentarische
ßen US-Medien die These vertreten, die Pässe seien vor 2001 Spuren hinterließen, ist es gut möglich, daß nur neun Perso-
von Al-Qaida-Agenten entwendet worden. Allerdings leuch- nen durch ein solches Schwindelunternehmen geködert wor-
tet es nicht ein, warum Al Qaida auf diese Weise den den sind. Dieses müßte spätestens Anfang 1999 begonnen
Schwarzen Peter an andere Araber hätte weitergeben sollen. haben, denn die ersten Dokumente fallen in diesen Zeitraum.
Was hätte ihr das genützt? Von besonderem Interesse sind die Aktivitäten Mohammad At-
Und überhaupt – wie hätte das FBI die belastenden Pässe in tas, an den sich mehrere Zeugen aus dem Jahr 2000 erinnern.
die Hände bekommen können? Da sie bei den Flugzeugab- Mitte März jenes Jahres zog Atta bei Amanda Keller ein, ei-
stürzen natürlich zu Asche verbrannt wären, müßten sie in ner Dame von zweifelhaftem Leumund, die ihr Haar hellrosa
den gemieteten Fahrzeugen zurückgelassen worden sein. zu färben pflegte. Fräulein Keller ist heute unauffindbar.
Will man uns zumuten, dies zu glauben? Hatten die Terrori- (MCMN, 2002b). Zwischen Ende April und der dritten Mai-
sten letzten Endes alle 20 Pässe in den Mietwagen gelassen, woche soll Atta laut Johnette Bryant, einer für Darlehen zu-
um die Ermittler raschestens auf ihre Fährte zu bringen? Sehr ständigen Beamtin im Landwirtschaftsdepartement, ein Dar-
viel triftiger ist da doch die Annahme, daß sich das FBI seine lehen zum Kauf eines Crop Dusters (Flugzeug zum Besprü-
Informationen aus anderer Quelle besorgt hat. hen landwirtschaftlicher Flächen) beantragt haben. (MCMN,
2002b). Das FBI bestreitet sowohl Attas Aufenthalt bei
Dienstleistungsfirma Fliegender Teppich Amanda Keller als auch sein Gesuch um ein Darlehen vehe-
Ich möchte nun eine Möglichkeit darlegen, wie die angebli- ment, vermutlich weil sich Atta damals noch in Hamburg
chen Entführer des 11. September dazu gebracht worden sein aufgehalten und potentielle Selbstmordpiloten wie Ziad Jar-
könnten, die gewünschten Spuren zu legen: Jede von ihnen rah angeworben haben soll.
war mit der Aussicht auf eine gutbezahlte Stelle in die USA Laut der offiziellen Version traf Atta am 3. Juni 2000 in den
gelockt worden. Man stelle sich beispielsweise eine Operati- USA ein. Der zuvor bärtige Mann soll zu jenem Zeitpunkt
on namens Dienstleistungsfirma Fliegender Teppich vor. Ein glattrasiert gewesen sein. Im Juli 2000 meldeten sich Atta
Agent, der sich als höherer Manager dieser eben aus der Tau- und Marwan Al Shehhi bei Huffman Aviation in Venice, Flo-
fe gehobenen Firma ausgibt, schildert deren künftige Aktivi- rida, für Flugstunden an, während Naway Alhamzi und Kha-
täten mit folgenden Worten: lid Al-Midhar ihren Flugunterricht in San Diego, Kalifornien,
»Wir möchten unser neues Unternehmen „Dienstleistungs- begonnen haben sollen (ABC, 2001). Die beiden letztgenann-
firma Fliegender Teppich“ nennen. Zwar werden wir uns ten Männer brachen den Unterricht schon bald ab, da es bei
in erster Linie auf schnelle Flugverbindungen zwischen ihnen mit dem Englischen haperte. Angeblich begaben sie
Städten im Mittleren Osten und darüber hinaus spezialisie- sich anschließend nach Arizona, um weitere
ren, doch gedenken wir auch eine ganze Reihe anderer Flugstunden zu nehmen. In Florida, wo die meisten der künf-
Möglichkeiten auszunutzen, einschließlich spezialisierter tigen Entführer lebten, betrieben etliche von ihnen Sport (was
Cargo-Operationen, Zerstäubung von Pestiziden für die auf die Empfehlungen der Schwindelfirma zurückzuführen
Landwirtschaft etc. Dazu brauchen wir eine Gruppe talen- gewesen sein mag) und besuchten regelmäßig das World
tierter junger Männer wie Sie als Manager der Firma. Gym in Boynton Beach, Florida. Freilich legten sie bei ihren
Weitere Manager sowie das restliche Personal rekrutieren Leibesübungen bedauerlich geringen Eifer an den Tag:
wir später, doch brauchen wir ein festes Kader, und dabei »Waleed Al-Shehri, Wail Alshri und Satam Al-Suqami
denken wir an Sie, meine Herren. In den kommenden Mo- standen einfach um eine paar Sportgeräte herum, baten nie
naten werden Sie reichlich Gelegenheit erhalten, ihre In- jemanden um Hilfe […] und hoben nie Gewichte.«
itiative und Phantasie unter Beweis zu stellen. Während Atta hingegen trainierte sehr hart. (Golden & Moss, 2002).
der Ausbildungsperiode erhalten Sie selbstverständlich ein Bei Huffmann Aviation, wo Atta und Al-Shehhi ihren Flu-
Salär, und zwar ein angemessenes. Doch jenen von Ihnen, gunterricht nahmen, scheinen sie dem Schuldirektor mitge-
welche das Training erfolgreich abschließen, winken weit teilt zu haben, sie gedächten in den Vereinigten Arabischen
attraktivere Gehälter, wenn wir erst einmal mit unseren Emiraten zu arbeiten. Sie erhielten ihre Pilotenlizenz am 21.
Operationen beginnen. Dezember 2000. Acht Tage darauf, am 29. Dezember, absol-
Sie werden eine Ausbildung auf mehreren Gebieten erhal- vierten sie beide drei Trainingsstunden an einem Boeing-
ten, darunter auch Flugstunden, damit sie die verschiede- 727-Flugsimulator in Opalocka bei Miami.
nen Aspekte unserer künftigen Tätigkeit persönlich kennen- Die angeblichen Entführer, allen voran Atta, hinterließen ei-
lernen. Das Niveau eines Berufspiloten werden Sie freilich ne breite Spur: Zeugen, Videoüberwachungsaufnahmen,
nicht erreichen, doch möchten wir, daß Sie mit den diver- Mietwagen etc. Die Organisatoren der „Dienstleistungsfirma
sen Operationen unserer Firma vertraut sind. Schließlich Fliegender Teppich“ waren über alle ihre Aktivitäten auf dem
ist es eine wohlbekannte Tatsache, daß Kader mit einem laufenden und spielten ihre Informationen nach dem 11. Sep-
gewissen Maß an praktischer Erfahrung mehr leisten als tember dem FBI zu, das anhand dieser Unterlage den Werde-
solche, denen diese Erfahrung abgeht. Wir erwarten von gang der „Terroristen“ rekonstruieren konnte. Mehrere Do-
Ihnen ferner, daß Sie den Angestellten ein gutes Beispiel kumente zeigen beispielsweise, wo sich Atta zu dieser oder
geben, indem Sie auf Ihre Gesundheit achten, beim Essen jener Zeit aufgehalten hat. (ABC, 2001). Seine Tätigkeit läßt
maßhalten, ausreichend schlafen und regelmäßig Sport sich nicht nur als Bestandteil eines ungeheuer ehrgeizigen
treiben. terroristischen Plans gegen die USA erklären, sondern nicht
Aus Sicherheitsgründen muß ich Sie ersuchen, mit nieman- minder zwanglos als die Bemühungen eines (moralisch nicht
dem, nicht einmal mit Freunden und Verwandten, über die sonderlich hoch stehenden) Tölpels, der scharf auf das von
Firma und ihre Ziele zu sprechen. Wir wollen unseren der Schwindelfirma verheißene märchenhafte Salär war.
Konkurrenten ja um eine Nasenlänge voraus sein, wenn Unter den von Atta hinterlassenen Spuren gibt es, soweit sich
wir mit unseren Aktivitäten beginnen.« heute beurteilen läßt, lediglich drei, die auf seine Rolle als

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Terrorist hinzuweisen scheinen. Doch geht man vom Szena- Sports Bar in Daytona Beach die Ehre ihres Besuchs, wobei
rio „Fliegender Teppich“ aus, so ergibt sich für jede davon sie eine ganze Menge Geld für starke Getränke und Striptea-
eine andere Deutungsmöglichkeit. Beispielsweise flog Atta se-Tänzerinnen springen ließen. Ob ein vierter Mann dabei
im Januar 2001 nach Madrid und kehrte schon nach sechs Ta- war, läßt sich nicht mehr einwandfrei ermitteln. Sie zogen
gen von dort zurück. Hat er sich in der spanischen Hauptstadt wüst gegen Amerika vom Leder, und zwar so laut, daß es
mit der Crème von Al Qaeda getroffen, oder konnte er dank möglichst jeder hörte. »Wartet nur bis morgen, dann fließt in
seinem hohen Lohn Urlaub machen? Im Februar und März Amerika das Blut in Strömen«, drohten sie. Selbstverständ-
2001 sollen sich Atta und andere laut Augenzeugen bei South lich versäumten sie es auch nicht, in der Bar ein Exemplar
Florida Crope Care, einer auf Pestizide spezialisierten Firma, des Koran zurückzulassen… (CBS News, 2001)
nach Flugzeugen zum Versprühen von Insektiziden und Herbi- Später am gleichen Abend bezogen Atta und Alomari Zim-
ziden erkundigt haben. Im August desselben Jahres lancierten mer im Comfort Inn in South Portland.
Atta und seine Freunde bei einer Firma in Belle Glade, Florida, Bei einer nahegelegenen Tankstelle, zwei Geldautomaten
eine ähnliche Anfrage. Planten sie Milzbrand-Attacken, oder sowie einem lokalen Supermarkt (Wal Mart) wurden sie von
bereiteten sie sich im Auftrag der Firma fliegender Teppich auf Sicherheitskameras aufgenommen. War dies die Nacht vor
die Zerstäubung von Pestiziden aus der Luft vor? ihrer Selbstmordmission oder eine ganz normale Geschäfts-
Von Mitte Mai bis Mitte Juni lebten Atta und Al-Shehhi in reise für die Firma Fliegender Teppich? (ABM, 2001) Daß
Hollywood, Florida, wo sie ein Flugtraining absolvierten. Für das FBI die Videoaufnahmen flugs zur Hand hatte, beweist
Al Qaeda oder die Firma fliegender Teppich? Ende Juni rei- wohl, daß es in schier übermenschlicher Anstrengung im
ste Atta nach Las Vegas, wo er sich mit Alhazmi, Hanjour, Handumdrehen viele tausend Stunden Videofilme von jeder
Al-Shehhi und Jarrah traf. Bei einem weiteren Stelldichein in Tankstelle und jedem Markt jener Gegend überprüft hatte…
Las Vegas waren auch Hanjour und Alhamzi zugegen. Wa- Es ist durchaus möglich, daß es nie eine „Dienstleistungsfir-
ren dies Al-Qaeda-Sitzungen oder Ge- ma Fliegender Teppich“ oder etwas Ähnli-
schäftstreffen der Schwindelfirma? ches gab. In diesem Fall waren sich Atta
Im Juni und Juli desselben Jahres unter- und wenigstens ein Teil der anderen „Ter-
nahm Atta eine Reihe von Flügen (Fort roristen“ sehr wohl bewußt, daß sie Rollen
Lauderdale-Boston, Boston-New York, in einer Komödie spielten, bei der sie fette
Newark-Fort Lauderdale). Diese Flüge las- Löhne aus der Kasse der CIA einstrichen.
sen sich sowohl im Licht der offiziellen Ein Hinweis darauf, daß es sich so verhal-
wie auch der alternativen Version der Ge- ten haben könnte, sind Gerüchte, die von
schehnisse erklären. Anfang Juli flog Atta Neewsweek, der Washington Post und dem
abermals nach Spanien und unternahm dort Miami Herald kolportiert wurden
eine zwölftägige Rundreise, was eher auf (MCMN, 2001). Diese Blätter behaupteten
einen Sonderurlaub bei der Firma fliegen- nämlich, Atta habe die International Of-
der Teppich als auf eine Mission für Al ficers School auf dem Maxwell-
Qaeda hinzuweisen scheint. Luftwaffenstützpunkt in Montgomery, Al-
Am 31. Juli 2000 hörte eine Kellnerin und abama, besucht.
Barmaid im Pelican Alley Restaurant, Ve- Der „Vater aller Flugzeugentführer“ ist na-
nice, Florida, ein Gespräch zwischen Atta, türlich Osama bin Laden selbst. Seit dem
Al Shehhi und einem dritten, schwerge- 11. September 2001 sind in verlassenen
wichtigen Mann, die sich über Geld unter- Häusern, Höhlen und anderen gemütlichen
hielten. Der korpulente Herr soll folgendes Orten so viele Videobänder mit bin-Laden-
gesagt haben: STRENGSTENS EMPFOHLEN! Auftritten „gefunden worden“, daß man Al
»Wir reden hier über 200.000 Dollar. Wir stehen in Ver- Qaida mit Fug und Recht wegen Umweltverschmutzung vor
antwortung gegenüber der Familie!« den Kadi zerren könnte.
Die Kellnerin meinte, die drei gehörten zur Mafia. (MCMN, Die – unglaublich stümperhaft gemachten – Videos sind aku-
2002a). Im eben geschilderten Zusammenhang könnte der stisch so schlecht, daß man in sie beinahe alles hineindeuten
Hinweis auf die 200.000 Dollars ohne weiteres Bestandteil kann. Bei den früheren Exemplaren ließe sich dies zur Not
einer Diskussion über Löhne gewesen sein. noch mit Inkompetenz erklären, doch bei den späteren, von
Mitte August mieteten Atta und Al-Shehhi in Pompano Be- denen die Hersteller wußten, daß sie an die Medien gelangen
ach für vier Tage einen Wagen, und Atta mietete in Palm Be- würden, versagt auch diese Deutung. Der Inhalt der Bänder
ach für drei Tage ein Flugzeug. Wiederum stellt sich die Fra- variiert stark. Auf den einen werden die Angriffe auf das
ge: Trafen sie sich dabei mit Al-Qaeda-Agenten, oder gönn- World Trade Center diskutiert; auf den anderen wird erläutert,
ten sie sich einfach ein paar freie Tage? weshalb Al Qaeda westliche Ziele angreift. Die Texte enthalten
Ende August 2001 erwarb Atta (via Internet) zwei Tickets für zeitgenössische islamische Standard-Platitüden, die von Stu-
den American-Airlines-Flug 11 und tauchte dann mit Al- denten des Nahen Ostens als solche erkannt werden würden.
Shehhi in der Shuckum’s Oyster Bar in Hollywood, Florida, Schon 2001 hegten viele den Verdacht, daß zumindest ein
auf. Atta trank Preiselbeerensaft und vergnügte sich am Flip- Teil der Bänder gefälscht war. Dieser Verdacht hat seither
perkasten, während Al-Shehhi in Begleitung eines dritten, Auftrieb erhalten. Beispielsweise wurde Ende November
nicht identifizierten Mannes dem Alkohol zusprach. Wer war 2002 ein Videoband „gefunden“, das angeblich den gesamten
der unbekannte Dritte – ein anderer Flugzeugentführer oder Text einer Brandrede gegen den Westen enthielt. Der Text
ein Manager der Firma fliegender Teppich? wurde bald in zahlreichen Zeitungen veröffentlicht und rief
An dem Abend, der vielleicht ihr letzter auf Erden war, er- ungeheure Wut auf bin Laden und Al Qaeda hervor (ganz zu
wiesen Atta, Alomari und Al-Shehhi der Red Eyed Jacks schweigen von dem wachsenden Argwohn, mit dem man in

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Nordeuropa danach jedem Araber und/oder Moslem begeg- Da der Kauf der Möbel schon in drei Wochen erfolgen sollte,
nete). Das Band wurde von einem schweizerischen Institut mußten sich die Agenten gehörig sputen. Sie gründeten eine
für künstliche Intelligenz analysiert. Dieses hielt in einer an- fiktive Möbelmaklerfirma, druckten teure Broschüren, schul-
schließenden Stellungnahme fest, der Sprechtext stimme ten einen Offizier (Katsa) in Verkaufstechniken und -jargon,
nicht mit dem Bild überein, sondern sei später zu diesem hin- ließen Helfer (Sayanim) aufmarschieren, die als Statisten bei
zugefügt worden (SMH, 2002). der geplanten Schmierenkomödie gebraucht wurden, verfolg-
ten jede Bewegung des Luftwaffenattachés und seines Assi-
Spurenverwischung stenten während der paar Tage, welche sie in Brüssel ver-
Das umfassende „Trainingsprogramm“, die mit den ausge- brachten, warteten, bis der Attaché nach Paris abreiste, und
klügeltsten Mitteln der Technik vollzogene ferngesteuerte folgten dem Assistenten in ein teures Möbelgeschäft. In die-
Entführung sowie die Mobiltelefonanrufe setzen den Einsatz sem Moment tauchte dort ein Katsa auf, der vorgab, ein Mö-
mehrerer Dutzend Personen voraus. Würde beispielsweise belhändler zu sein, und zu diesem gesellte sich alsbald ein
der Mossad eine solche Operation durchführen, wären viele Sayan, der die Rolle eines zufriedenen Kunden spielte. Der
der daran beteiligten Agenten Mossadoffiziere (Katsas) und Sayan dankte dem Katsa überschwenglich, und zwar so laut,
Helfer (Sayanim), aber auch Außenstehende mit besonderen daß der Assistent des Luftwaffenattachés jedes Wort hören
Fertigkeiten, die diverse Sonderaufgaben zu erfüllen hätten. konnte, worauf er den Laden verließ. Nun verwickelte der
Nun kann man ja davon ausgehen, daß Mossad-Agenten nach Katsa den Syrer in ein Gespräch und zeigte ihm eine Bro-
getaner Arbeit den Mund halten, aber wenn doch einer zuviel schüre mit teuren Möbeln.
plaudert? Und die Außenstehenden? So brutal es auch anmu- Der ahnungslose Mann war so beeindruckt von dem Bom-
ten mag: das Einfachste ist unter diesen Umständen, die un- bengeschäft, das der Katsa angeblich eben getätigt hatte, daß
zuverlässigen Elemente ein für alle Male loszuwerden. er zusammen mit diesem eine Einkaufsliste mit Stühlen, Ti-
Die simpelste Methode, nach einer hochgeheimen Operation schen und allerlei anderem Mobiliar erstellte. Als der Assi-
lästigen Mitwissern den Mund für immer zu stopfen, besteht stent dann noch merkte, daß er den Unterschied zwischen den
darin, diese in ein Passagierflugzeug zu setzen und ihnen auf den Listen figurierenden Preisen und dem tatsächlich zu
weiszumachen, sie würden „zu ihrem eigenen Besten“ an ei- entrichtenden Betrag in seiner eigenen Tasche verschwinden
nen sicheren Ort geschafft, bis sich die Wogen geglättet hät- lassen konnte, wurde die Verlockung für ihn unwiderstehlich.
ten. Am 4. Oktober 2001, keinen Monat nach den Anschlä- Der Mossad kaufte nun die betreffenden Möbel und ließ zwei
gen vom 11. September, stürzte eine TU-154 der Sibur Airli- der Tische mit einem Privatflugzeug nach Israel schaffen, wo
nes, die auf dem Flug von Tel Aviv nach Novosibirsk war, Spezialisten tagelang damit beschäftigt waren, komplizierte
ins Schwarze Meer, wobei alle 77 Insassen sowie das gesam- Mikrofone und Funkgeräte einzubauen. Dann wurden die Ti-
te Bordpersonal den Tod fanden. Anfänglichen Berichten zu- sche zurück nach Brüssel expediert, und nach ihrem Kauf
folge hatte es an Bord zwei Explosionen gegeben, die erste durch die Syrer traten sie – zusammen mit dem Rest der Wa-
auf großer Höhe, die zweite unmittelbar vor dem Aufprall, re – ihre nächste Reise in den Nahen Osten an, doch diesmal
was den Verdacht nährte, im Flugzeug könnten sich zwei nach Damaskus.
Bomben befunden haben. Doch schon nach wenigen Tagen Was ich hier geschildert habe, ist nur ein Teil einer Operati-
erzählte man eine andere Geschichte: „Offizielle amerikani- on, die in ihrer Gesamtheit wesentlich komplizierter war.
sche Sprecher“ gaben nun an, die Maschine sei bei Militär- Man mag ja einwenden: „Warum bloß so kompliziert?“, be-
manövern von einer ukrainischen Rakete getroffen worden – sonders wenn der zu erwartende Nutzen so bescheiden war
eine Version, welche von Sprechern der ukrainischen Streit- wie in diesem konkreten Fall. Doch für den Mossad waren
kräfte kategorisch dementiert wurde. (CNN, 2001) die auf diese Weise erhältlichen Informationen offenbar so
wichtig, daß er grünes Licht für die Operation gab, sobald er
Was ist „kompliziert?“ sich vergewissert hatte, daß sie machbar war. Unter den ge-
Einige Leser haben darüber geklagt, daß von mir entworfene rade herrschenden Umständen mag es sehr wohl die einfach-
alternative Szenario sei „zu kompliziert“. Doch Kompliziert- ste Methode gewesen sein, um an Insiderinformationen aus
heit ist stets etwas Relatives. Was für Otto Normalverbrau- der syrischen Luftwaffe heranzukommen. Schenkt man
cher „zu kompliziert“ scheinen mag, kann sich als verhält- Ostrovsky Glauben, so sind derartige Operationen für den
nismäßig einfach erweisen, wenn man sich vor Augen hält, Mossad reine Routine. Moderne Nachrichtendienste wie der
welche weitreichenden Ziele bei einer Operation verfolgt Mossad sammeln nicht nur Informationen – sie schaffen auch
werden. Zur Vergleich sei hier eine um das vielfacher weni- „Tatsachen“, locken Menschen in Fallen, morden, inszenie-
ger dramatische und folgenreiche Operation beschrieben, ren politische Ereignisse und trainieren sogar militante Oppo-
wobei wir uns auf die Darstellungen des ehemaligen Mossad- sitionelle in anderen Ländern.
Offiziers Victor Ostrovsky stützen. Die betreffenden Ereig- Wenn es nun um eine wirklich wichtige Operation wie die
nisse trugen sich zu einer Zeit zu, wo Ostrovsky noch als Entführung von vier Flugzeugen geht, die man dann arabi-
Mossad-Mitarbeiter in Europa stationiert war. (Ostrovsky & schen Terroristen in die Schuhe schieben kann, wird der
Hoy, 1990) Mossad bestimmt keinen Aufwand scheuen. Angesichts des
Der Mossad hatte aus internen Quellen davon Wind bekom- immensen Nutzens für Israel sind die in meinem alternativen
men, daß ein syrischer Luftwaffenattaché nach Europa reisen Szenario skizzierten Methoden nicht nur verhältnismäßig ein-
wollte, um dort Möbel für das neue Verwaltungsquartier der fach, sondern sie scheinen geradezu aus dem Lehrbuch des
syrischen Luftwaffe in Damaskus einzukaufen. Dies gedachte Mossad zu stammen.
sich der israelische Geheimdienst zunutze zu machen, indem
er zwischen Kauf und Lieferung in den Möbeln Abhörgeräte Wer profitierte?
anbrachte. Der potentielle Gewinn ließ die folgende, „kom- Betrachtet man die Attentate vom 11. September 2001 als
plizierte“ Operation lohnend erscheinen. ungelöstes Verbrechen, so besteht die vielversprechendste

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Methode zu dessen Lösung darin, wie bei jedem beliebigen bei den anderen Al Qaida angelasteten Terroranschlägen um
Kriminalfall zu fragen: Qui bono? Wer profitierte? Nehmen „schmutzige Tricks“ aus der CIA-Giftküche gehandelt haben
wir einmal an, Al Qaida sei unschuldig, so deutet alles auf könnte. Dazu würden dann auch die Bombenattentate auf die
ganz andere Täter hin. Ehud Sprinzak, israelischer Terroris- US-Botschaften in Kenia und Tansania am 7. August 1998
mus-Experte an der Hebräischen Universität Jerusalem, sowie der Angriff auf das Schlachtschiff USS Cole am 12.
kommentierte die Anschläge wie folgt: Oktober 2000 im Hafen von Aden, Jemen, gehören.
»Vom Standpunkt der Juden aus ist dies der wirksamste Schon vor Jahrzehnten hatten die Armeechefs sowie die Na-
Werbeakt, der zu unseren Gunsten unternommen worden tional Security Agency den skandalösen Vorschlag gemacht,
ist.« (Jackson, 2001) Angriffe auf amerikanische Ziele durchzuführen und sie „ku-
Diese Bemerkung paßt haargenau zu einer Nachrichtensen- banischen Terroristen“ in die Schuhe zu schieben (Bamford,
dung, die im Wirbel um den 11. September beinahe unterging. 2001). Die mit den Codewörtern »Operation Northwoods«
Schon eine Stunde nach den Angriffen auf die Türme des und »Operation Mongoose« bezeichneten Aktionen sahen die
World Trade Center wurden fünf Israelis an einem Parkplatz Sprengung eines Schiffs auf dem US-Flottenstützpunkt in
in der Nähe des Liberty State Park, New Jersey, beobachtet. Guantanamo (Kuba) vor, ferner die Versenkung von Flücht-
Der Park befindet sich genau gegenüber den jenseits des lingsbooten sowie schließlich die Entfachung einer „kommu-
Hudson River gelegenen Zwillingstürmen. Drei der Israelis nistischen“ Terrorkampagne in Miami mit Bomben- und
standen auf dem Dach eines weißen Lastwagens, nahmen die Mordanschlägen auf prominente Exilkubaner. Noch stärker
Katastrophe auf Video auf und stießen laut einem Augenzeu- an die Ereignisse des Jahres 2001 erinnerte ein von den Chefs
gen, der sie durch einen Feldstecher betrachtete, Hohn- und der drei Waffengattungen gemeinsam unterzeichneter und
Jubelrufe aus. (Melman, 2001) Der Zeuge, der das Quintett Präsident Kennedy unterbreiteter Plan, die Entführung eines
von einem Gebäude neben dem Parkplatz aus sah, meldete Passagierflugzeugs durchzuführen oder vorzutäuschen, bei
deren seltsames Verhalten sofort dem FBI. Die als „israeli- der sämtliche Personen an Bord umkommen sollten. Der
sche Touristen“ beschriebenen Männer wurden vom FBI in Zweck dieser Operationen bestand darin, Kuba als Schuldi-
Gewahrsam genommen; zwei von ihnen wurden später als gen zu brandmarken und die öffentliche Meinung so aufzuput-
Mitarbeiter des „israelischen Geheimdienstes“ identifiziert. schen, daß die Medien eine direkte militärische Invasion der
Man hielt alle fünf ungefähr zwei Monate lang in Gewahrsam Insel hätten gutheißen müssen. Kennedy verwarf den Plan.
und schob sie dann nach Israel ab. Diese tatsächliche Freu- Eine weitere logische Schlußfolgerung wäre unter diesen
denfeier bildet einen ironischen Kontrast zu der falschen, die Umständen, daß Al Qaida beileibe nicht jene Art von Ter-
man den Palästinensern unterstellt hat. rororganisation ist, als die man sie darzustellen pflegt. Es
Gewisse Elemente in den USA zogen ebenfalls Nutzen aus schiene dann durchaus möglich, daß es sich bei Al Qaida um
den Geschehnissen. Zunächst lieferten diese einen unmittel- eine gemeinsam von Israel und den USA kontrollierte Fron-
baren Vorwand für eine längere militärische Übung, bei der torganisation handelt. Die Verbindungen zwischen bin Laden
Munition im Wert von Hunderten von Millionen Dollar ver- und der CIA sowie jene zwischen den Familien bin Laden
schossen wurde – ein Plus für die Waffenindustrie. Strate- und Bush sind wohlbekannt. „Al Qaida“ käme dann die Auf-
gisch sollten die Vereinigten Staaten vom folgenden „Krieg gabe zu, jene Terroranschläge zu verüben, die den USA ei-
gegen den Terrorismus“ profitieren, da ihnen dieser die nen Vorwand für jede beliebige militärische Intervention bie-
Chance bot, die amerikanische Kontrolle der unermeßlich ten, während Israel freie Hand auf der Westbank und im Ga-
reichen zentralasiatischen Ölfelder via Afghanistan zu si- zastreifen erhält. Dies schließt die Möglichkeit keineswegs
chern, den natürlichen Korridor für eine Pipeline zum Persi- aus, daß manche Mitglieder von Al Qaida – eventuell sogar
schen Golf. Wie erinnerlich wurde behauptet, Afghanistan bin Laden selbst – aufrichtig davon überzeugt sind, einer mi-
diene Al Qaida als Operationsbasis. litanten islamischen Kampforganisation anzugehören. (Die
Falls die USA und Israel die Missetat gemeinsam verübt ha- ganze Operation erinnert fatal an Joseph Hellers Roman
ben sollten, darf man sich mit Fug und Recht fragen, wer da- Catch-22, in dem Milo Minderbinder den Deutschen die
bei welche Rolle gespielt hat. Geht man vom alternativen Dienste der US-Bomber für Geld zur Verfügung stellt.)
Szenario aus, so spricht alles dafür, daß der Mossad nach ei- Doch leider haben wir es hier nicht mit einem Roman oder
nem geheimen (natürlich nur mündlichen) Abkommen die einem Film zu tun. Wenn viele Beobachter von einem „sur-
Flugzeugentführungen übernahm. Die rechte Hand wußte realistischen“ Ausmaß der Anschläge vom 11. September
dann nicht, was die linke tat; gewisse Kreise in der US- sprachen, so mag dies eine unbewußte Reaktion auf deren
Regierung dürften gewiß darüber unterrichtet gewesen sein, allzu dramatische, an einen Film gemahnende Natur gewesen
daß sich etwas ganz Großes zusammenbraute, ohne aber die sein. Was man als das „Hollywood-Böse“ bezeichnen könnte
Einzelheiten zu kennen. (im Gegensatz zum „banalen Bösen“, das angeblich den An-
Eine der vielen ironischen Pointen dieses Szenarios ist, daß stoß zum jüdischen „Holocaust“ gab), hat die Gestalt eines
die Erklärung des US-Außenministeriums, wonach eindeuti- Terroristen angenommen, der keinen wirklichen Grund zum
ge Informationen auf die Schuld Al Qaidas hinwiesen, tat- Morden hat, jedoch durch seine Religion irrsinnig geworden
sächlich wahr gewesen sein mag. Natürlich waren die „ein- ist, Menschen aus purem Vergnügen abschlachtet und sich
deutigen Informationen“ samt und sonders getürkt… auf seinen Märtyrertod freut. (Vielleicht ist er auch nur „nei-
disch“ auf die westliche Zivilisation.) Solche Klischeevor-
Bedeutung des alternativen Szenarios stellungen haben die Medienberichterstattung über den Na-
Wenn die Angriffe des 11. September Ergebnis einer ge- hen Osten schon lange vor dem 11. September 2003 geprägt.
meinsamen Geheimoperation des Mossad und mancher US-
Agenturen wie der CIA und NSA war (wobei kein Mensch Weshalb gerade im September 2001?
weiß, welche Rolle die Armeechefs und das Weiße Haus ge- Unter Annahme des alternativen Szenarios wurde der Zeit-
spielt haben mögen), liegt der Schluß nahe, daß es sich auch punkt der Anschläge so gewählt, daß Israel aus der Schußli-

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nie geriet. Der Judenstaat befand sich damals in einer äußerst manentes Klima der Gewalt aufrechtzuerhalten, das es Israel
bedrängten Lage, und sein Ansehen in der westlichen Welt ermöglicht, sich als Opfer zu gebärden, statt als Täter dazu-
verschlechterte sich wegen seiner brutalen Behandlung der stehen.
Palästinenser unerbittlich. Diese Tendenz ließ sich zwar in
Europa deutlicher beobachten als in Nordamerika, doch hatte Die Medien
Israel triftigen Grund zur Furcht, mehr und mehr Amerikaner Bedauerlicherweise stehen die US-Medien, insbesondere das
könnten die Geduld mit ihm verlieren, und die gewählten Fernsehen, seit dem Golfkrieg von 1991 unter strikter Kon-
Volksvertreter könnten unter wachsenden Druck geraten, auf trolle des Pentagon, sobald es um militärische Fragen jeder
eine Änderung des amerikanischen Verhältnisses zu Israel Art geht. (MacArthur, 1993) Die Tage, wo unabhängige Re-
hinzuarbeiten. porter noch – wie weiland in Vietnam – durch die Kampfzo-
Dies konnte Israel nicht einfach hinnehmen, hat es doch seit nen streifen konnten, sind längst Geschichte. Ein Journalist,
den fünfziger Jahren nach den allervorsichtigsten Schätzun- der sich den Vorgaben des Pentagon nicht unterwirft und
gen über 100 Milliarden Dollar Unterstützung („Entwick- dessen Version nicht vorbehaltlos übernimmt, wird nicht zu
lungshilfe“ und Geschenke) von den USA erhalten. Einzig den Konferenzen eingeladen, bei denen die Militärs der Pres-
und allein dank diesem Geld war Israel in der Lage, wirt- se ihre Sicht der Dinge darlegen. Zudem neigen die Medien
schaftlich zu überleben. Ein erheblicher Teil der „Entwick- immer mehr dazu, ganze Gruppen pauschal als „Terroristen“
lungshilfe“ geht übrigens in die USA zurück, da er zum Kauf zu verketzern, was natürlich darauf abzielt, den Haß auf Ara-
amerikanischer Waffen verwendet wird. ber und/oder Muslime zu schüren.
Was in Israel endgültig die Alarmglocken läuten ließ, war die Insofern sind die US-Nachrichtenmedien begeisterte Partner
UN-Konferenz über Rassismus in Durban, bei der unter an- im „Krieg gegen den Terrorismus“ geworden und dienen
derem der staatliche Rassismus Israels zur Sprache kam. So- damit Sonderinteressen, die sie als „Interessen Amerikas“
bald dieses Thema auf die Tagesordnung gesetzt wurde, mar- ausgeben. Geht man davon aus, daß es sich bei den Ereignis-
schierten amerikanische und israelische Delegierte gemein- sen des 11. September tatsächlich um eine Provokation han-
sam aus dem Konferenzsaal. delte, so kann die Folge nur lauten, daß uns die Anschläge
Große Besorgnis mußte in Israel auch die von palästinensi- erspart geblieben wären, hätten die Medien sich während der
schen Klägern am 18. Juni 2001 beim belgischen Gerichtshof letzten beiden Jahrzehnte nicht an die Kandare nehmen las-
für internationales Recht eingereichte Strafanzeige erwecken. sen.
Diese Palästinenser waren Überlebende der 1982 in den liba- Hätten die Hintermänner dieses Verbrechens nämlich nicht
nesischen Orten Sabra und Shatila begangenen Massaker. Ih- von Anfang an darauf bauen können, daß die Medien gehor-
re Anzeige richtete sich gegen Ariel Sharon und andere Israe- sam die Parolen des Pentagon nachplappern und die Attentate
lis. Sie erfolgte genau einen Tag nach einer BBC-Dokumen- „arabischen Terroristen“ anlasten würden, so hätten sie es
tarsendung, in der die These verfochten wurde, Sharon habe sich ganz gewiß zweimal überlegt, ob sie dieses Risiko ein-
sich Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Mensch- gehen sollten. (Wo sind die Woodwards und Bernsteins,
lichkeit zuschulden kommen lassen. wenn man sie wirklich braucht?)
Die Strafanzeige schien fundiert genug, um zu einem Prozeß Indem die Medien den „Terroristen“ als entmenschte Horror-
zu führen. Sharon wäre dann laut dem 1993 erlassenen Ge- figur aus einem Filmstudio darstellen, tragen sie ihr Scher-
setz zur Ahndung schwerer Verstöße gegen die Genfer Kon- flein dazu bei, daß der gerechte Kampf um Selbstbestim-
vention von 1949 sowie der Zusatzprotokolle I und II ange- mung, der bisweilen gewaltsame Formen annimmt, immer
klagt worden. Er nahm die Gefahr eines Prozesses ernst ge- neue „Terroristen“ hervorbringen wird und die amerikani-
nug, um eine belgische Anwältin, Michele Hirsch, anzuheu- schen Truppen endlos auf der Suche nach dem Finsterling
ern, welche das Verfahren vereiteln sollte. des neuen Jahrtausends sein werden.
Die US-Politik im Nahen Osten ähnelt der israelischen Poli-
tik auf der Westbank und gegenüber seinen arabischen Nach- Zusammenfassung
barstaaten immer mehr. Seit Jahrzehnten verwendet Israel das Im vorliegenden Artikel wird eine alternative Methode zur
Wort „Terrorist“ inflationär, und die US-Medien tun es ihm Hervorbringung jener Ergebnisse geschildert, deren Zeuge
bei jeder Gelegenheit gleich. Dabei werden die Wurzeln des die Welt am Morgen des 11. September 2001 wurde. Daß das
„Terrorismus“, die in der israelischen Politik auf der West- hier beschriebene Szenario – Vergiftung der Fluggäste und
bank, im Gazastreifen und gegenüber den arabischen Nach- Besatzung mit Sarin, Fernsteuerung der Flugzeuge, Operati-
barstaaten liegen, schlicht und einfach unter den Teppich ge- on zur Vortäuschung von Mobiltelefonanrufen – machbar ist,
kehrt. Die israelischen Reaktionen auf die Taten militanter kann keinem Zweifel unterliegen. Ich behaupte wohlverstan-
Palästinenser scheinen bewußt darauf hinzuarbeiten, ein per- den nicht, das Ganze habe sich genau so und nicht anders zu-

Über den Verfasser
Dr. Dewdney ist ein bekannter kanadischer Computerwissenschaftler, der in der
Zeitschrift Scientific American mathematische Beiträge schrieb. Er ist Autor zahl-
reicher Bücher und wissenschaftlicher Publikationen sowie Professor Emeritus
der University of Western Ontario. A. K. Dewdney verfolgt die Ereignisse im Na-
hen Osten und setzt sich für die Menschenrechte ein. Seine elektronische
Adresse lautet akd@uwo.ca (und seine Telefonnummer 519 6798-8105). Aka-
demische Website: www.csd.uwo.ca/faculty/akd/.

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getragen, sondern halte lediglich fest, daß eine Geheimopera- entdeckt), oder die Taten des Washingtoner Snipers (der
tion, ausgeführt von jenen, die dabei am meisten zu gewin- Name des Täters war nicht, wie behauptet, Muhamad; er hat-
nen hatten, unvergleichlich besser zu den Tatsachen paßt als te keinen „weißen Lastwagen“, etc.).
die offizielle Version, wonach „arabische Flugzeugentführer“
und Al Qaida für die Angriffe verantwortlich gewesen seien. Empfehlungen
Zu diesen Tatsachen gehört der politische Hintergrund: Al Allein schon die Möglichkeit, daß die Angriffe des 11. Sep-
Qaida wäre, wenn die offizielle Darstellung stimmt, die ein- tember von ganz anderen Leuten als behauptet ausgeführt
zige Terrororganisation der Geschichte, die Ziele angreift, worden sind, ruft gebieterisch nach folgenden Maßnahmen:
ohne dann die Verantwortung dafür zu übernehmen; Israel 1. Eine offene, unter den Augen der Öffentlichkeit durchge-
und die USA sind die einzigen Profiteure der Geschehnisse. führte Untersuchung der Vorkommnisse durch eine unab-
Das alternative Szenario trägt all dem Rechnung, während hängige juristische Instanz. Die gegenwärtig im US-
die Standardversion von Ungereimtheiten wimmelt: Die vor- Kongreß ablaufenden Ermittlungen dürften durch die Ver-
getäuschte Freudenfeier in Palästina am Tag der Angriffe; suche Bushs und Cheneys beeinträchtigt werden, ihren
der frühere Anschlag auf das World Trade Center; die feh- Umfang zu begrenzen, was an sich schon ein verdächtiger
lenden Abfangjäger; die fehlenden Passagiere; die fehlenden Umstand ist.
Schwarzen Kästen; das allem Anschein nach getürkte Be- 2. Eine von einer unabhängigen juristischen Instanz im Rah-
weismaterial; das Geheimnis des Ziad Jarrah. men öffentlicher Verhandlungen durchzuführende Über-
Kurzum: Betrachtet man die gesamte Konstellation der Er- prüfung des Beweismaterials, das bei den Prozessen gegen
eignisse, vor deren Hintergrund sich die Attentate des 11. Salameh, Ayyad und andere im Anschluß an den Bom-
September abspielten, als Mosaik, so entsprechen die bereits benanschlag auf das World Trade Center im Jahre 1993
eingesetzten Mosaiksteine jenen Fakten, die allgemein be- vorgelegt wurde.
kannt sind und an denen niemand zweifelt. Die fehlenden
Steine entsprechen entweder der vom Weißen Haus aufge- Weiterführende Lektüre
tischten Version oder dem hier umrissenen alternativen Szen- N. M. Ahmed, The War on Freedom: How and why America
ario. Erstere scheint äußerlich zu passen, doch wenn wir ver- was attacked, September 11, 2001, Tree of Life Publications,
suchen, die Steine wirklich einzusetzen, bemerken wir rasch, CA, 2002. Dieses gutrecherchierte und wohldokumentierte
daß sie sich nicht in das Mosaik einfügen lassen. Buch stammt von einem bekannten Autor, der sich als Wis-
Man könnte diese Probleme, welche die Version des Weißen senschaftler einen Namen gemacht hat. Mein hier vorliegen-
Hauses aufwirft, von einem rein mathematischem Standpunkt der Artikel ergänzt Ahmeds Buch, in dem nur ein wesentli-
aus anpacken. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß sie ches Element fehlt – ein echtes alternatives Szenario zur Er-
den Tatsachen entspricht? Um diese Frage zu beantworten, klärung der Geschehnisse des 11. September. Ahmeds Werk
müßte man ganz einfach die Wahrscheinlichkeit der einzel- ist in vielen Buchläden erhältlich und kann auch via ama-
nen Bestandteile miteinander multiplizieren. Wenn man bei- zon.com bestellt werden.
spielsweise davon ausgeht, daß nur in der Hälfte der Fälle,
wo Flugzeuge vom Kurs abkommen, Abfangjäger aus- Zuerst veröffentlicht in The Revisionist, 1(3) (2003), S. 248-271. Die Über-
schwärmen (obwohl dies praktisch immer geschieht), daß setzung aus dem Englischen stammt von Jürgen Graf
Schwarze Kästen bloß in der Hälfte der Fälle gefunden wer-
den (obwohl man sie so gut wie immer findet), und daß bei Empfohlene Lektüre
jedem zweiten Flug Passagiere nicht auf der Liste figurieren Andreas von Bülow, Die CIA und der 11. September.
(obwohl dies selten vorkommt), ist die Wahrscheinlichkeit, Internationaler Terror und die Rolle der Geheimdienste, 2.
daß all diese Pannen am 11. September zusammenkamen, be- Aufl., Piper, München 2003, 271 S., ISBN: 3-492-04545-6
reits schon auf ein Achtel reduziert. Dabei sind die vielen an-
deren Unwahrscheinlichkeiten, allen voran die Mobiltelefon- Quellen
– (ABC, 2001) ABC. 2001 (12. November ). A mission to die for. Four
anrufe aus großer Höhe, noch gar nicht berücksichtigt. Dies Corners, ABC TV. Am 3.Oktober 2002 heruntergeladen von
allein sollte genügen, um jeden denkenden Menschen miß- www.abc.net.au/4corners/atta/default.htm.
trauisch zu stimmen, zumal die von uns angesetzten Wahr- – (AVWeb, 1999) Dahler C. 1999. AVWeb letters. Am 20. November 2002
scheinlichkeitswerte viel zu hoch angesetzt sind, um der offi- heruntergeladen von www.avweb.com/other/avma9910.html
– (Bamford, 2001) Bamford J. 2001. Body of Secrets: Anatomy of the Ultra-
ziellen These entgegenzukommen. secret National Security Agency, New York, NY: Houghton-Mifflin.
Der Verfasser ist sich sehr wohl bewußt, daß noch zahlreiche – (BBC, 2001) British Broadcasting Corporation, 2001. Final calls from
andere Argumente gegen die Richtigkeit der offiziellen Ver- doomed flights, am 3. November 2002 heruntergeladen von
sion vorliegen. In der Tat vertreten manche Kritiker die Auf- http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/americas/1539193.stm
fassung, der Angriff auf das Pentagon sei nur vorgetäuscht – (CBS News, 2001) CBS News (AP), 2001. Focus on Florida. 12. Septem-
ber 2001. Am 2. Oktober 2002 heruntergeladen von
worden, und es sei dabei ein sehr viel kleineres Flugzeug www.cbsnews.com/stories/2001/09/14/national/main311268.shtml
zum Einsatz gekommen; in den Türmen des World Trade – (CNN, 2001) Cable Network News. 2001. Trade Center Victims. Am 22.
Center sei Sprengstoff verborgen gewesen; rund 130 Israeli, Januar 2002 heruntergeladen von
die sich nach ersten Angaben unter den Opfern befanden, www.cnn.com/SPECIALS/2001/trade.center/victims/ua175.victims.html
– (Dror, 2001) Dror Y. 2001. Odigo says workers were warned of attack. Is-
hätten in Tat und Wahrheit überlebt. Aus Gründen der Ein- rael: Ha’aretz. (27. September)
fachheit habe ich diese Möglichkeiten hier unberücksichtigt – (Eager & Musso, 2001) Eager TW, Musso C. 2001. »Why did the World
gelassen und mich jeden Kommentars dazu enthalten. Auch Trade Center collapse? Science, engineering, and speculation«. Journal
habe ich auf eine Analyse zahlloser anderer Terrorakte ver- of the Minerals, Metals, and Materials Society. 53 (12): 8-11.
www.tms.org/pubs/journals/JOM/0112/Eagar/Eagar-0112.html. Am 17.
zichtet, die womöglich ebenfalls dazu dienten, falsche Fähr-
Dezember 2001 heruntergeladen.
ten zu legen, wie beispielsweise der Bombenanschlag auf Ba- – (FAA, 1998) 1998 (3. Juli). »Special military operations«. Kap. 4, Ab-
li (am Tatort wurde aus Israel stammender C4-Sprengstoff schnitt 5, Federal Aviation Agency Order 7610.4J.

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Mobiltelefon-Experimente in Linienflugzeugen
Von Germar Rudolf
Zumal das im obigen Beitrag diskutierte Thema von äußer- setzt für 18:05 Zentraler Sommerzeit. Wetter: sonnig, nur
ster Wichtigkeit ist, entschied ich mich, meine eigenen Expe- wenige Wolken sowohl bei Start als auch bei Landung in
rimente durchzuführen, während ich von Chicago, IL, nach Burlington, VT, um 20:54 Ostzonen-Sommerzeit.
Burlington, VT, flog zu einer Familienfeier eines Freundes. 2. Flug: Flugzeug: Airbus A319. United Airlines Flug 397.
Start von Burlington, VT, am Sonntag, 20. Juli 2003, um
Telefone 17:40 Ostzonen-Sommerzeit. Wetter: sonnig, nur wenige
– Audiovox CDM 9000 mit Verizon Wireless Netzwerk. Wolken sowohl bei Start als auch bei Landung. Ankunft in
– Nokia 8260 mit Cingular Wireless Netzwerk. Chicago O’Hare um 19:00 Zentraler Sommerzeit.

Reisedaten Experimente
1. Flug: Flugzeug: Airbus A320. United Airlines Flug 568. Beim Abflug wurde nur das Audiovox Telefon benutzt. Wäh-
Start von Chicago O’Hare am Freitag, 18. Juli 2003, ange- rend das Flugzeug noch auf der Startbahn beschleunigte,

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 275
wählte ich meine Nachrichtbox an und erhielt unmittelbar ei- telbar danach hergestellt werden und blieb bis zur Landung
ne klare Verbindung gerade als das Flugzeug abhob. Ich leg- um 19:00 bestehen. Nach Angaben des Piloten muß das
te sofort auf und wählte erneut. Während das Flugzeug Fahrwerk spätestens in einer Höhe von 1.500 Fuß über
schnell aufstieg, erhielt ich erneut schnell eine klare Verbin- Grund (457,5 m) ausgefahren werden. Er konnte sich nicht
dung, jedoch nach der Eingabe meiner PIN-Nummer zum genau daran erinnern, wann er das Fahrwerk in diesem Fall
Zugriff auf meine Nachrichtenbox ging die Verbindung ver- ausfuhr, aber er meinte, dies sei gut vor dieser Marke erfolgt,
loren, und jeder Versuch, eine Verbindung herzustellen, wahrscheinlich in etwa 2.200 bis 2.500 Fuß Höhe (671-762,5
schlug anschließend fehl. Nach einer weiteren Minute be- m) bei einer Geschwindigkeit von etwa 200 Knoten (371
schwerte sich das Telefon mit einem lauten Alarmton dar- km/h).
über, daß kein Signal mehr vorhanden sei. Nach der später Während der Nokia-Benutzer in beiden Fällen eine Sitzreihe
erteilten Auskunft der Piloten erreichte das Flugzeug inner- entfernt vom Fenster saß, saß der Audiovox-Benutzer zwei
halb von fünf Minuten eine Flughöhe von 15.000 Fuß über Sitzreihen entfernt vom Fenster während des ersten Fluges
Grund (4.575 m) innerhalb von fünf Minuten. und unmittelbar am Fenster während des Anflugs auf Chica-
Während des gesamten Fluges auf einer Reisehöhe von go. Tatsächlich wurde das Telefon im zweiten Fall nur etwa
37.000 Fuß (11.285 m) gab es nie ein Signal. Sobald das 10 cm vom Fenster entfernt gehalten, um den bestmöglichen
Flugzeug in den Sinkflug Richtung Burlington überging, Empfang zu gewährleisten.
wurden beide Telefone wieder eingeschaltet in dem Versuch,
ein Signal zu erhalten. Sobald die Telefone ihre Suche nach Schlußfolgerungen
einem Signal aufgaben, jeweils signalisiert durch einen lau- Burlington, VT, liegt in einer eher ländlichen Gegend, wäh-
ten Alarmton, wurden sie umgehend aus und wieder einge- rend Chicago, die drittgrößte Stadt der Vereinigten Staaten,
schaltet, wodurch sie ständig gezwungen wurden, erneut eines der best-entwickelten Mobiltelefon-Netzwerke hat.
nach einem Signal zu suchen. Einige Minuten, bevor der Pi- Dessen ungeachtet waren die Ergebnisse in beiden Fällen
lot um 20:49 Ostzonen-Sommerzeit das Fahrwerk zur Lan- ähnlich für das Verizon Wireless Netzwerk, das von sich
dung ausfuhr, zeigten beide Telefone an, daß sie nun ein Si- selbst behauptet, daß bestentwickelte Netzwerk der USA zu
gnal hätten, allerdings scheiterte jeder ununterbrochen sein. Es ist nicht klar, warum das zweite Telefon beim An-
durchgeführte Versuch beider Telefone, die Nachrichtenbox flug auf Chicago nicht in der Lage war, ein Signal zu lokali-
anzurufen. Um 20:51, zwei Minuten, nachdem das Fahrwerk sieren.
ausgefahren worden war, konnte erstmals eine klare und sta- Mobiltelefone in Linienflugzeugen können ein Signal bis zu
bile Verbindung zur Nachrichtenbox durch beide Telefone einer Reisehöhe von etwa 6.000 Fuß (1830 m) empfangen,
hergestellt werden. Diese Verbindung konnte ab da zu jeder aber es ist nicht möglich, eine Verbindung herzustellen, zu-
Zeit bis zur Landung um 20:54 unmittelbar wieder hergestellt mindest nicht während der üblichen Reisegeschwindigkeit
werden. Um ihre Hilfe gebeten, erklärten die Piloten, daß sie normaler Linienflugzeuge (800-880 km/h). Da – wenn über-
das Fahrwerk bei einer Flughöhe von 2.000 Fuß
über Grund (610 m) bei einer Geschwindigkeit
von etwa 200 Knoten (371 km/h) ausgefahren hät-
ten.
Da für den Zeitpunkt des Abbruchs der Verbin-
dung beim Start keine exakte Informationen über
Flughöhe und -geschwindigkeit in Erfahrung zu
bringen waren – noch nicht einmal der exakte
Zeitpunkt des Abbruchs der Verbindung ist be-
kannt – wurden bei dem zweiten Experiment beim
Abflug von Burlington keine Versuche beim Start
durchgeführt.
Beim Anflug auf Chicago konnte das No-
kia/Cingular Telefon bis zum Zeitpunkt unmittel-
bar nach der Landung kein Signal registrieren.
Das Audiovox/Verizon Telefon registrierte ein Si-
gnal zu dem Zeitpunkt, als sich das Flugzeug von
Osten kommend gerade über dem Michigan See
befand auf einer geschätzten Flughöhe von etwa
6.000 Fuß (1.830 m). Es konnte allerdings keine
Verbindung aufgebaut werden. Das Signal wurde
wieder verloren, als wir uns der Mitte des Sees
näherten, und wurde wiedergefunden bei der An-
näherung an die Westküste des Sees. Ununterbro-
chene Versuche zum Aufbau einer Verbindung
schlugen ausnahmslos fehl bis zum Zeitpunkt von
etwa einer Minute, nachdem der Pilot das Fahr-
werk etwa 10-13 km westlich der Westküste des
Michigan Sees um 18:56 Zentraler Sommerzeit
ausgefahren hatte. Die erste erfolgreiche Verbin-
dung erfolgte um 18:57. Die zweite konnte unmit-

276 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
haupt – erst dann eine Verbindung hergestellt werden konnte, daß unter solchen Umständen kein Mobiltelefon, welcher Art
nachdem der Pilot das Fahrwerk bei einer Flughöhe von etwa auch immer, eine stabile Verbindung zu welchem Netzwerk
610 Metern und einer Geschwindigkeit von 370 km/h oder auch immer hätte aufbauen können, unabhängig davon, in
weniger ausgefahren hatte, scheint die Schlußfolgerung ge- welcher Höhe das betrachtete Flugzeug flog. Dies trifft ins-
rechtfertigt zu sein, daß es im Sommer 2003 unmöglich war, besondere auf United Airlines Flug Nr. 93 zu, der nicht nur
eine Verbindung mit einem Mobiltelefon von einem in den mit unvermindert hoher Geschwindigkeit flog, sondern zu-
USA fliegenden Linienflugzeug herzustellen, das in einer dem zu der Zeit, als die angeblichen Mobiltelefonanrufe getä-
Höhe von über 610 m über Grund und mit einer Geschwin- tigt wurden, auch in einer relativ hohen Flughöhe.
digkeit von 370 km/h oder schneller flog. Wenn man den
schnellen Abstieg des Flugzeugs in Betracht zieht sowie die Aufruf an alle Leser
Tatsache, daß es beim Annähern an die Landebahn immer Jeder, der seine eigenen Erkenntnisse zu diesem Problem bei-
langsamer wird, so kann die tatsächliche Höhe, bei der eine tragen möchte, indem er die Fähigkeit seines Mobiltelefons
Verbindung zustande kam, auch nur etwa 500 m und die Ge- testet, von Linienflugzeugen aus während des Landeanfluges
schwindigkeit lediglich 320 km/h betragen haben. Telefonanrufe zu machen, sei dazu herzlich aufgerufen. Wir
Der Grund, warum eine Verbindung erst ab etwa 500 m zu- werden die entsprechenden Ergebnisse je nach Wunsch ent-
stande kam trotz der Tatsache, daß ein Signal ab etwa 2.000 weder mit vollem Namen des Experimentierers oder unter
m zur Verfügung stand, wird der sein, daß die Geschwindig- Wahrung der Anonymität veröffentlichen. Bitte geben Sie
keit des Flugzeugs in größeren Höhen einfach zu hoch ist. Es folgende Daten an:
kann daher mit Sicherheit geschlossen werden, daß es einer – Telefonmarke, benutztes Netzwerk;
Geschwindigkeit von gut unter 370 km/h bedarf, um eine – Flugzeugtyp, Fluglinie, Flugnummer, Datum und Zeit des
stabile Verbindung zum Bodennetzwerk aufzubauen. Dies ist Abflugs (planmäßig) und der Ankunft (tatsächlich);
allerdings eine Geschwindigkeit, die ein modernes Passagier- – Wetterbedingungen bei der Landung;
flugzeug nur während des Landeanflugs erreichen kann, mit – Exakte Zeiten, wann Sie was machten und wann Sie erfolg-
ausgefahrenem Fahrwerk und den Brems- und Landeklappen reich eine Verbindung herstellen konnten, und da der Zeit-
voll ausgefahren. punkt des Ausfahrens des Fahrwerks ein guter Bezugs-
Man stimmt allgemein darüber ein, daß alle der am 11. Sep- punkt ist, notieren Sie sich dies bitte auch, und fragen Sie
tember abgestürzten Flugzeuge mit voller Reisegeschwindig- den Piloten während Sie von Bord gehen, bei welcher Hö-
keit von 800 km/h und mehr bis zu ihrem Absturz/Einschlag her er das Fahrwerk ausfuhr.
flogen. Es kann daher mit Sicherheit geschlußfolgert werden,

Die merkwürdige Untätigkeit der US-Luftwaffe
Wurden am 11. September 2001 absichtlich keine Abfangjänger entsandt?
Von Mark Elsis
»Am Anfang seines Kampfes für Recht und Freiheit
Steht der Patriot allein auf weiter Flur,
Haß und Verachtung schlagen ihm entgegen. »Fürchte nicht den Pfad der Wahrheit,
Doch winket seinem Streben der Erfolg weil so wenige auf ihm wandeln.«
Schar’n sich die Lauen eilends um sein Banner, Robert Francis Kennedy
Nun lohnt es sich ja, Patriot zu sein!«
Mark Twain

Im vorliegenden Artikel wird die Chronologie der Ereignisse Bei der Lektüre unserer Analyse halte man sich bitte die fünf
am Morgen des 11. September 2001 von 7:59 Uhr bis folgenden, äußerst wichtigen Fakten vor Augen:
10:06:05 Uhr genau nachgezeichnet und die Presseerklärung 1) Im Steuerjahr 2003 wird die Regierung der Vereinigten
widerlegt,1 die eine Woche nach den Anschlägen, am 18. Staaten mehr Geld für das Militär ausgeben als sämtliche
September, vom NORAD (North American Aerospace De- anderen Länder der Welt zusammen. Die gegenwärtigen
fense Command, Nordamerikanisches Oberkommando der Ausgaben belaufen sich auf 437 Milliarden Dollar, wozu
Luftabwehr) veröffentlicht wurde. noch 339 Milliarden für bereits eingegangene Verpflich-
Von dem Moment, als Flug 11 der American Airlines die tungen kommen. Somit ergibt sich eine Gesamtsumme von
Sprechverbindung mit der Luftverkehrskontrolle verlor und 776 Milliarden. 46% unserer Steuern gehen an den militä-
um 8:13:31 Uhr entführt wurde, bis zum Aufprall der United- risch-industriellen Komplex.2 Nicht berücksichtigt sind
Airlines-Maschine des Flugs 93 in Shanksville, Pennsylva- dabei die nicht im Budget enthaltenen Ausgaben, die so-
nia, verstrichen annähernd eine Stunde und dreiundfünfzig genannten „schwarzen“ Projekte sowie die Heimwehr;
Minuten. Was ist in diesem Zeitraum geschehen? Die ebensowenig die mehr als 40 Milliarden Dollar, welche
folgenden Darlegungen erteilen eine präzise Antwort auf die Washingtoner Regierung im Jahre 2003 für die Ge-
diese Frage. heimdienste ausgeben wird.

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 277
2) Die amerikanische Luftwaffe (United States Air Force, öffentlichte offizielle Totenliste studiert, stellt man fest, daß
USAF) ist die technologisch fortschrittlichste und stärkste dort nur 86 Opfer genannt werden.
Luftwaffe, welche die Menschheit jemals gekannt hat. Am Ähnliches gilt für die drei anderen Unglücksflüge des 11.
Dienstag, dem 11. September 2001, gab es sieben voll- September. Addiert man die Zahl der Passagiere sowie der
ständig ausgerüstete und in voller Alarmbereitschaft be- Angehörigen des Bordpersonals, so kommt man auf offiziell
findliche Luftwaffenstützpunkte zum Schutz des nordame- 265 Namen. Doch ergeben die auf CNN.com einsehbaren
rikanischen Kontinents. Die Air National Guard ist exklu- vier offiziellen Totenlisten insgesamt lediglich 229 Namen.
siv für die Sicherheit des Luftraums des nordamerikani- Somit fehlen auf diesen Listen insgesamt 36 Personen, ein-
schen Kontinents verantwortlich, und die betreffenden schließlich aller 19 Entführer. Warum?6
Einheiten unterstehen dem Befehl der 1st Air Force, die Die vier entführten Maschinen, zwei Flugzeuge des Typs
auf der Tyndall Air Force Base (AFB) in Panama City, Boeing 767 und zwei des Modells Boeing 757, verfügten
Florida, stationiert ist. Die Air National Guard unterhält über eine Gesamtzahl von 762 Passagiersitzen.7 Wie war es
sieben Luftwaffenstützpunkte mit 14 voll bewaffneten da möglich, daß lediglich zwischen 30,1% (229 Passagiere
Kampfflugzeugen und Piloten, die rund um die Uhr abruf- plus Besatzung) und 34,7% (265 Passagiere und Besatzung)
bereit sind. Außer in Tyndall stehen jederzeit einsatzberei- der Plätze belegt waren? Wie kam es, daß in allen vier Flug-
te Abfangjäger auch auf folgenden Stützpunkten: Home- zeugen zusammen mehr als zwei Drittel der Plätze leer blie-
stead Air Reserve Base (ARB), Homestead, Florida; ben?
Langley AFB, Hampton, Virginia; Otis Air National 8:01 Uhr: United Airlines Flug 93, eine Boeing 757-222 mit
Guard (ANG), Falmouth, Massachusetts; Oregon ANG, einer Maximalkapazität von 200 Passagieren und 43.486 Gal-
Portland, Oregon; March ARB, Riverside, Kalifornien; El- lonen Treibstoff, rollt auf die Startbahn des Newark Interna-
lington ANG, Houston, Texas.3 tional Airport in New Jersey. An Bord sind angeblich 44
Doch nicht genug damit: Am 11. September gab es wenig- Menschen; Ziel der Reise ist der San Francisco International
stens 28 weitere Basen der US-Luftwaffe, die sich in Reich- Airport in Kalifornien. Dieses Flugzeug wird noch 41 Minu-
weite der vier entführten Passagierflugzeuge befanden4 ten am Boden stehen, bevor es sich in die Luft erhebt. Wie
3) Für potentielle Terroristen sind New York City und Wa- eben erwähnt, sollen sich in ihm 44 Personen befinden, doch
shington, D.C., die mit Abstand verlockendsten Ziele auf auf der offiziellen CNN.com-Totenliste sind nur 33 Opfer
amerikanischem Boden. verzeichnet.
4) Bei NORAD handelt es sich um eine bilaterale, von den 8:13:31 Uhr: Flug 11 der American Airlines erhält die letzte
USA und Kanada gemeinsam gebildete Organisation, de- Botschaft von der Flugkontrolle Boston: AAL11, drehen Sie
ren Aufgabe darin besteht, den nordamerikanischen Kon- 20 Grad nach rechts. Flug 11 antwortet: 20 Grad rechts,
tinent vor Angriffen aus der Luft zu schützen, mögen die- AAL11. Einige Sekunden später ordnet der Lotse an:
se nun von Flugzeugen, Raketen oder Raumschiffen aus- AAL11, steigen Sie nun hoch und halten Sie FL350 (35.000
gehen. NORAD arbeitet eng mit anderen Militärorganisa- Fuß) ein. Lotse: AAL11 Boston. Flug 11 antwortet nicht.
tion zusammen, um den Schutz des Luftraums zu gewähr- 8:14 bis 8:20 Uhr: Flug 11 der American Airlines wird ent-
leisten, wozu die Überwachung und Kontrolle des Him- führt und kommt vom Kurs ab.
mels über Kanada und den USA gehört. Es ist NORADs 8:14 Uhr: Flug 175 der United Airlines, eine Boeing 767-222
Aufgabe, jeden Quadratzentimeter Luftraum über dem mit einer Maximalkapazität von 181 Passagieren und 90.764
nordamerikanischen Kontinent zu kennen. Liter Treibstoff, hebt sich vom Logan International Airport in
5) Vom Zeitpunkt, als Flug 11 der American Airlines den Boston, Massachusetts, ab. Reiseziel ist der Los Angeles In-
Sprechkontakt verlor und um 8:13:31 Uhr entführt wurde, ternational Airport. Eigentlich war der Start für 7:58 Uhr
bis zum Absturz der United-Airlines-Maschine des Flugs vorgesehen. Es sollen 65 Menschen an Bord sein, doch auf
93 in Shanksville, Pennsylvania, um 10:06:05 Uhr, ver- der CNN.com-Totenliste stehen bloß 56.
strichen fast eine Stunde und dreiundfünfzig Minuten. 8:17 Uhr: Nach 3 Minuten und 30 Sekunden unterbrochenem
Hundertdreizehn Minuten lang unternahm die US- Sprechkontakt mit Flug 11 hätte die FAA die Standardab-
Luftwaffe nicht den geringsten Versuch, auch nur eine der fangprozeduren in die Wege leiten sollen.8
vier entführten Maschinen abzufangen. Wer die Regeln, 8:20 Uhr: Der Transponder von Flug Nr. 11 der American
Vorschriften und Prozeduren, die eine solche Untätigkeit Airlines hört auf, das IFF-Signal (Identification Friend Foe,
als Ding der Unmöglichkeit erscheinen lassen, verstehen Freund-Feind Identifizierung) zu senden. Verliert ein Pilot
will, sollte das Dokument The Federal Aviation
Administration (FAA) Standard Intercept
Procedure (Standardabfangprozedur der Staat-
lichen Luftfahrtverwaltung FAA) lesen.5
Alle folgenden Zeitangaben erfolgen nach der
Eastern Daylight Time (östliche Tageszeit).
7:59 Uhr: Flug 11 der American Airlines, eine
Boeing 767-223ER mit einer Maximalkapazität
von 181 Passagieren und 90.764 Liter Treibstoff,
startet auf dem Logan International Airport in Bo-
ston, Massachusetts. Zielort ist der Los Angeles
International Airport. Die geplante Abflugzeit war
7:45 Uhr.
Es heißt, an Bord dieses Fluges seien 92 Opfer
gewesen, doch wenn man die auf CNN.com ver- Das Weiße Haus: Opfer oder Täter?

278 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
sein Transponder-Signal, so macht ihn die Luftverkehrskon- nuten hätten erreichen können, was bedeutet, daß sie zwi-
trolle sofort darauf aufmerksam, da ihr der Flugzeug-Code schen 8:42 und 8:44 Uhr dort gewesen wären.
und die Flughöhe nicht mehr zur Verfügung stehen. Dies Diese beiden F-15 hätten den Flug 11 der American Airlines
verursacht den Lotsen große Schwierigkeiten, insbesondere leicht abfangen können – vorausgesetzt, die Luftverkehrs-
im verkehrsreichsten Luftraum der Erde, dem nordöstlichen kontrolle Boston, die doch bereits um 8:25 mehrere andere
Korridor der USA. Luftverkehrskontrollzentren über die Entführung von Flug 11
Nach 6 Minuten und 30 Sekunden fehlendem Stimmenkon- ins Bild gesetzt hatte, hätte NORAD ebenfalls unterrichtet.
takt sowie angesichts des Ausfalls des Transponder-Signals Warum geschah dies nicht? Oder wurde NORAD sehr wohl
von Flug Nr. 11 gibt es für die FAA keinen Grund mehr, mit unterrichtet, leugnet es aber? Ich wiederhole, daß es NO-
der Einleitung der Standardabfangprozeduren zu zögern. RADs Aufgabe ist, jeden Quadratzentimeter Himmel über
Man hat dies bei dem bekannten Golfer Payne Stewart getan, Nordamerika zu kennen; dementsprechend konnte es dieser
und zwar nur wenige Minuten nach dem Abbruch des Institution unmöglich entgangen sein, daß Flug 11 der Ame-
Sprechkontakts mit seinem Lear-Jet. Warum unterließ man rican Airlines irgendwann zwischen 8:14 und 8:20 Uhr ent-
dies nun hier? Oder hat die FAA die Standardabfangprozedu- führt worden war.
ren tatsächlich angeordnet und NORAD zwischen 8:14 und 8:26 Uhr: Flug 11 der American Airlines hält Westkurs ein;
8:20 informiert? Hat sich NORAD dann untätig verhalten er befindet sich zwischen Albany und Lake George, New
und die Nachricht 26 bis 32 Minuten lang für sich behalten, York, doch dort dreht er plötzlich um 100 Grad nach Süden
bis man schließlich um 8:46 Uhr das 102. Abfanggeschwader ab und nimmt direkt Kurs auf New York City. Die Maschine
auf der Otis Air National Guard Base in Falmouth, Mas- folgt dem Hudson River südwärts, bis sie in die Nordseite
sachusetts, anwies, sich in die Luft zu erheben? Irgendwann des Nordturms des World Trade Centers kracht.
zwischen 8:13:31 und 8:20 Uhr war Flug 11 der American Knapp 40 Meilen nördlich des World Trade Center, am Hud-
Airlines entführt worden, und spätestens um 8:20 Uhr funk- son River, liegt das weitaus verlockendste Ziel für Terrori-
tionierte auch sein Transponder nicht mehr, aber NORAD er- sten in den USA, Indian Point mit seinen drei Kernkraftwer-
teilt Otis erst um 8:46 den Befehl zum Abflug. ken, von denen zwei in Betrieb sind. In diesen drei Atom-
8:20 Uhr: American Airlines Flug 77, eine Boeing 757-223, kraftwerken befinden sich hochradioaktive Abfälle, die sich
mit einer Maximalkapazität von 200 Passagieren und 43.486 im Verlauf von 65 Betriebsjahren angesammelt haben. Auch
Liter Treibstoff, startet von Dulles International Airport, ca. Flug 175 der United Airlines flog nahe an Indian Point vor-
30 Meilen westlich von Washington D. C. und dem Penta- bei; der Abstand betrug lediglich ein paar Flugminuten.
gon, in Richtung Los Angeles International Airport. Der Start Indian Point ist ganze 24 Meilen von der Stadtgrenze von
war auf 8:01 Uhr anberaumt gewesen. Angeblich befinden New York City entfernt. Es liegt in der dichtbevölkertsten
sich 64 künftige Opfer an Bord, doch betrachtet man die offi- Zone Nordamerikas, dem sogenannten nordöstlichen Korri-
zielle Totenliste von CNN.com, findet man nur 56. dor.
8:24:38 Uhr: Der Pilot von Flug 11, John Ogonowski, oder Warum hat Flug 11 der American Airlines das lohnendste
einer der Entführer, aktiviert die Sprechtaste, so daß die Terrorziel in den USA, Indian Point mit seinen Kernkraft-
Luftverkehrskontrolle in Boston einen der Entführer zu den werken, einfach überflogen, anstatt hier abzustürzen und ein
Passagieren sagen hört: nukleares Inferno zu entfachen? (Mehr dazu im Vermerk zu
»Wir haben ein paar Flugzeuge. Verhaltet euch bloß ruhig, den Geschehnissen um 8:39 Uhr.)
und alles ist in Ordnung. Wir kehren zum Flughafen zu- 8:33:59 Uhr: Ein weiterer Funkspruch von Flug 11: »Keiner
rück. Keiner soll sich rühren.« soll sich rühren. Wir kehren zum Flughafen zurück. Keine
Anscheinend hat einer der Entführer das Ansagesystem mit unvorsichtigen Bewegungen, bitte.«
dem Sprechfunksystem verwechselt. Die Luftverkehrskon- 8:36 Uhr: Ein NORAD-Sprecher, Major Mike Snyder, soll
trolle antwortet: »Wer versucht mich anzurufen?« Berichten zufolge gesagt haben, der FAA habe NORAD ca.
8:25 Uhr: Die Luftverkehrskontrolle Boston unterrichtet zehn Minuten vor dessen Aufprall im World Trade Center
mehrere Luftkontrollzentren, daß Flug 11 der American Air- über die Entführung von Flug 11 in Kenntnis gesetzt.
lines entführt worden ist. Vor mehr als 11 Minuten hat die 8:37 Uhr: Flugkontrolleure bitten die Piloten von Flug 175
Luftverkehrskontrolle Boston erstmals die Verbindung mit der United Airlines, Ausschau nach der vom Kurs abgekom-
Flug 11 verloren. Warum dauerte es so lange bis zur Einlei- menen Maschine des Flugs 11 zu halten, die sich ca. 10 Mei-
tung der vorschriftsmäßigen Prozedur? Warum hat man NO- len weiter südlich befinden muß. Die Piloten entgegnen, sie
RAD nicht auch gleich unterrichtet? Oder hat man dies getan? könnten das Flugzeug sehen. Sie erhalten Anweisungen, Di-
Falls die Vorschriften eingehalten und NORAD um 8:25 stanz zu halten. Dieser Zwischenfall wird in dem Transkript
alarmiert wurde, und wenn sich NORAD seinerseits an das der von den Fluglotsen geführten Gespräche, die in der New
Reglement hielt und dem 102. Abfanggeschwader auf der York Times veröffentlicht worden sind, nicht erwähnt. War-
Otis National Guard Base in Falmouth, Massachusetts bei- um nicht?
spielsweise um 8:26 Uhr den Startbefehl erteilte, mußten 8:38 Uhr: Luftverkehrskontrolle Boston informiert NORAD,
zwei Maschinen des Typs F-15 nicht später als um 8:32 Uhr daß Flug 11 der American Airlines entführt worden ist.
in der Luft sein und das World Trade Center wenigstens 14 8:39 Uhr: Flug 11 der American Airlines befindet sich nun
Minuten und 26 Sekunden erreichen, bevor Flug 11 um direkt über dem verheißungsvollsten Terroristenziel der
8:46:26 Uhr in den Nordturm krachte. Wenn diese beiden F- USA, den drei Kernkraftwerken von Indian Point. Wie be-
15-Maschinen mit Höchstgeschwindigkeit flogen, waren 14 reits erwähnt, sind zwei davon in Betrieb, und zwar seit 1973
Minuten und 26 Sekunden genau das Doppelte der Zeit, die und 1976, während das dritte abgeschaltet ist. Zur Erinne-
sie zum Erreichen des World Trade Center benötigten. Auch rung: Indian Point ist nur 24 Meilen von der New Yorker
ein Otis-Sprecher hat eingeräumt, daß die beiden Flugzeuge Stadtgrenze und ungefähr 40 Meilen vom World Trade Cen-
vom Typ F-15 das World Trade Center in zehn bis zwölf Mi- ter entfernt.

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 279
Wäre Flug 11 auf eines der drei Kernkraftwerke abgestürzt, 8:40 Uhr: Die Federal Aviation Administration (FAA) unter-
so wäre eine ungeheure Menge radioaktiver Strahlung freige- richtet NORAD, Flug 11 der American Airlines sei entführt
setzt worden. Da dort nukleare Abfälle von 65 Betriebsjahren worden. NORAD selbst hat offiziell zugegeben, um diese
aufbewahrt werden, hätte ein solcher Absturz unter Umstän- Zeit von den Geschehnissen in Kenntnis gesetzt worden zu
den den vorzeitigen Tod von bis zu 20 Millionen Menschen sein. Wie bereits früher hervorgehoben, hat Flug 11 um
durch Verstrahlung heraufbeschworen. Der ganze nordöstli- 8:13:31 Uhr den Sprechkontakt mit der Luftverkehrskontrolle
che Korridor, von New York City bis Boston, wäre im Nu für verloren, was bedeutet, daß man 26 Minuten und 29 Sekun-
Jahrtausende zu einem Ödland geworden. den lang die Hände in den Schoß gelegt hat. Flug 11 hat sei-
Warum haben die Terroristen, die Flug 11 entführten, diese nen Transponder um 8:20 Uhr ausgeschaltet, was bedeutet,
Gelegenheit versäumt und sind statt dessen noch sieben Mi- daß man zwanzig Minuten lang ungenutzt verstreichen ließ.
nuten lang den Hudson River entlang in Richtung World So etwas kommt in der Praxis einfach nicht vor.
Trade Center geflogen? Erstens hätte die Maschine während Nun hat die FAA also glücklich NORAD über die Entführung
dieser sieben Minuten von Militärflugzeugen abgefangen von Flug 11 informiert. Was tut NORAD? Erteilt es dem 102.
werden können, und zweitens führte das Rammen des World Abfanggeschwader der Otis Air National Guard Base in Fal-
Trade Center, wo die Maschine die Zone zwischen dem 94. mouth, Massachusetts, sofort den Startbefehl? Weit gefehlt –
und dem 98. Stockwerk traf, zum Tod von kaum anderthalb- NORAD behält diese ungeheuer wichtige Information noch
tausend Menschen. volle sechs Minuten für sich. Es passiert vorerst also nichts.
Das Mabuse-Hirn hinter diesen „Terroristen“ hätte gewiß be- 8:41:32 Uhr: United Airlines Flug 175 sendet eine letzte Bot-
griffen, daß ein Angriff auf Indian Point der vernichtendste schaft an die Luftverkehrskontrolle New York: »Wir wollten
Schlag gewesen wäre, den man der stärksten Militärmacht noch etwas abwarten, bis wir uns mit eurem Zentrum in Ver-
der Welt hätte zufügen können. Warum also wurde Indian bindung setzten. Wir haben nach unserem Abflug aus BOS
Point verschont? [Boston] eine verdächtige Botschaft gehört; es klingt so, als
Wenn die Terroristen aber unbedingt das World Trade Center habe jemand das Mikrofon manipuliert und gesagt, jeder solle
angreifen wollten, hätten sie dann nicht besser daran getan, auf seinem Platz sitzen bleiben.«
bis ca. elf Uhr vormittags zu warten, da sich dann rund 8:42 Uhr: Flug 93 der United Airlines, eine Boeing 757-222
50.000 Menschen, oder noch mehr, in den Gebäuden aufge- mit einer Maximalkapazität von 200 Passagieren und 43.486
halten hätten? Außerdem hätte die effizienteste Strategie zur Liter Treibstoff, hebt sich vom Newark International Airport
Tötung einer möglichst großen Zahl von Menschen natürlich ab. Ziel der Reise ist der San Francisco International Airport.
darin bestanden, so tief wie möglich in die Türme zu fliegen, Die geplante Abflugszeit wäre 8:01 Uhr gewesen. Es heißt,
d.h. ca. um den dreißigsten Stock herum. an Bord seien 44 Menschen gewesen, doch auf der offiziel-
Somit haben diese meisterhaft organisierten „Terroristen“ le- len, auf CNN.com veröffentlichten Totenliste figurieren le-
diglich 3.056 Menschen umgebracht, obgleich sie leicht eine diglich 33 Opfer.
zehnmal höhere Zahl hätten töten können. Ähnlich verhält es 8:42 Uhr: Ein Fluglotse meint zum Flug 175 der United Air-
sich im Fall des Angriffs auf das Pentagon. Warum wurde lines, es sehe so aus, als nehme dieser Kurs nach Süden, doch
dieses auf der sogenannten „friedlichen“ Westseite getroffen, sende der Transponder nicht, und niemand melde sich.
wo umfangreiche Bauarbeiten im Gange waren, statt auf der 8:43 Uhr: Die FAA unterrichtet NORAD, daß der Flug 175
Ostseite, wo sich das Kommandozentrum befand? der United Airlines entführt worden sei. NORAD hat offiziell
Zurück zu Indian Point. Nehmen wir an, ein Flugzeug hätte eingeräumt, um 8:43 ins Bild gesetzt worden zu sein. Somit
dieses Ziel verfehlt. Daß gleich zwei Flugzeuge nicht getrof- weiß NORAD nun über zwei Entführungen Bescheid. Flug
fen hätten, ist aber sehr unwahrscheinlich. Flug 175 der Uni- 11 der American Airlines hat sich – siebzehn Minuten nach
ted Airlines war zu einem gegebenen Zeitpunkt ebenfalls nur seinem jähen Schwenk nach Süden – inzwischen über New
einige Flugminuten von Indian Point entfernt. Doch unter der York City niedergesenkt und ist nur noch drei Minuten vom
unrealistischen Annahme, daß auch zwei Flugzeuge den Er- World Trade Center entfernt. Wie reagiert NORAD auf diese
folg der Operation nicht garantiert hätten, wäre noch eine neue Hiobsbotschaft? Erteilt es dem 102. Abfanggeschwader
dritte Maschine zur Verfügung gestanden, nämlich Flug 93 der Otis Air National Guard Base nun endlich den sofortigen
der United Airlines, eine Boeing 757-222, die drei Minuten Startbefehl? Keine Rede davon!
später vom Newark International Airport, New Jersey, nach 8:46 Uhr: NORAD rafft sich nun dazu auf, dem 102. Ab-
San Francisco abfliegen sollte. Den Newark International fanggeschwader Anweisung zum Einsatz zwei seiner F-15-
Airport trennen nur zehn Flugminuten von Indian Point. Kampfflugzeuge zu erteilen. Für den 11. September 2001
Somit hätten drei Passagierflugzeuge Indian Point innerhalb lautete die Mission dieser Einheit wie folgt:
von dreizehn Minuten, zwischen 8:39 Uhr und 8:52 Uhr, tref- »Unsere Flugzeuge und ihre Besatzung sind 24 Stunden
fen können, wenn dies beabsichtigt gewesen wäre. Der ganze pro Tag jederzeit bereit, unseren Himmel zu schützen. Der
nordöstliche Korridor wäre im Handumdrehen zu einer für Verantwortlichkeitsbereich des 102. Abfanggeschwader er-
Jahrtausende strahlenverseuchten Todeszone geworden.9 streckt sich über einen Bereich von mehr als 500.000 Qua-
8:40 Uhr: Nasty und Duff sind die Codenamen der beiden F- dratmeilen mit 90 Millionen Einwohnern, ein Gebiet mit
15-Piloten vom 102. Abfanggeschwader der Otis Air Natio- den großen Industriezentren Boston, New York, Philadel-
nal Guard Base in Falmouth, Massachusetts, die sich mit phia und Washington, D.C.«
großer Verspätung in die Luft erheben und Jagd auf Flug 175 Nach seinen eigenen Angaben war NORAD wenigstens
der United Airlines machen sollten. Nasty berichtet, zu die- sechs Minuten lang über die Entführung von Flug 11 auf dem
sem Zeitpunkt habe ihm ein Kollege mitgeteilt, ein in Boston laufenden, ehe es dem Luftwaffenstützpunkt Otis den Befehl
abgeflogenes Flugzeug sei entführt worden, und es herrsche zur Entsendung der Abfangjäger gab. Im Fall des Fluges 175
Alarm. Die beiden Piloten werfen sich in Montur und ma- verstrichen zwischen dem Erhalt der Entführungsmeldung
chen sich startbereit. und dem Einsatzbefehl immerhin drei Minuten.

280 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
Möglichweise zögerte NORAD bei Flug 11 allerdings über 8 8:49 Uhr: Flug 175 der United Airlines weicht nun vom vor-
Minuten, eventuell 10 Minuten, vielleicht gar 26 Minuten mit geschriebenen Kurs ab.
dem Befehl zum Einsatz der Abfangjäger. Für die zweite Va- 8:50:51 Uhr: Ca. 285 Meilen westlich des Pentagon erfolgt
riante spricht die zuvor zitierte Erklärung des NORAD- der letzte Funkkontakt von Flug 77 der American Airlines.
Majors Mike Snyder (vgl. den Kommentar zu 8:36 Uhr), für 8:52 Uhr: Zwei Flugzeuge des Typs F-15 Eagle, die dem
die zweite die Tatsache, daß um 8:20 Uhr die Transponder- 102. Fighter Wing angehören, haben sich von ihrem Stütz-
Signale von Flug 11 aufhörten. Vergessen wir auch nicht, punkt, der Otis Air National Guard Base in Falmouth, Mas-
daß der letzte Sprechkontakt zwischen Flug 11 und der Luft- sachusetts, in die Luft erhoben. Die Höchstgeschwindigkeit
verkehrskontrolle Boston um 8:13:31 erfolgte, was bedeuten eines solchen Kampfflugzeugs liegt bei 1875+ mph. Laut der
könnte, daß NORAD gar über 32 Minuten verfügte, ehe es New York Times befindet sich Otis 153 Meilen ostnordöstlich
den Einsatzbefehl an Otis gab. des World Trade Center. Innerhalb von 6 Minuten nach dem
Aber auch falls NORAD die Nachricht von der Entführung Erhalt des Einsatzbefehls (8:46 Uhr) sind sie in der Luft. Gu-
von Flug 11 erst um 8:40 Uhr und jene von der Entführung te Arbeit. 38 Minuten nach der Entführung von Flug 11 der
von Flug 175 erst um 8:43 Uhr erhielt, wie kam es dann, daß American Airlines befanden sich endlich Kampfflugzeuge in
es nicht unverzüglich über Otis die Entsendung der Einsatz- der Luft. Doch diese wissen immer noch nicht, daß Flug 11 ins
jäger anordnete? Und da New York City und Washington World Trade Center gekracht ist, oder daß Flug 175 vor drei
unbestrittenermaßen die beiden verlockendsten Ziele für Ter- Minuten eine Schwenkung vollzogen hat und direkt auf New
roristen sind, hätte man da nicht annehmen dürfen, daß der York City zufliegt. Warum hat man ihnen dies vorenthalten?
Luftwaffenstützpunkt Langley um 8:46 Uhr den Befehl zum 8:53 Uhr: Ein Fluglotse berichtet anderen in der Luft befind-
Schutz der US-Hauptstadt hätte erhalten sollen? Doch nein, lichen Flugzeugen, was mit Flug 175 geschehen ist. »Wir
NORAD nahm sich 38 Minuten Zeit und geruhte die Anwei- könnten es mit einer Flugzeugentführung zu tun haben. Wir
sung erst um 9:24 Uhr zu erteilen. Es wird jedem einleuch- haben ein paar ernsthafte Probleme.«
ten, daß da etwas nicht stimmen kann. 8:55 Uhr: Barbara Olson, Passagier von Flug 11, ruft ihren
8:46:26 Uhr: Flug 11 der American Airlines kracht in den Mann an, Generalstaatsanwalt Theodore Olson vom US-
Nordturm des World Trade Center, und zwar in der Zone Justizministerium. Er verfolgt am Fernsehen, was sich im
zwischen dem 94. und dem 98. Stockwerk. Die Flugge- World Trade Center tut. Frau Olson teilt ihm mit, die Entfüh-
schwindigkeit betrug 490 Meilen pro Stunde. rer besäßen Teppichmesser und andere Messer und hätten die
Den Aufprall schilderte der Augenzeuge Lerner-Lam wie Passagiere im hinteren Teil des Flugzeugs zusammengetrie-
folgt: ben. Sie fragt ihn: »Was soll ich dem Piloten sagen, daß er
»Die Maschine sandte Vibrationen aus, die das ganze Ge- tun soll?« Das Gespräch wird unterbrochen, und Olson ruft
bäude durchfuhren, bis in seine Grundfesten und in den das Kommandozentrum des Justizministeriums an, um es
Boden hinein.« über die Entführung zu unterrichten. Frau Olson meldet sich
Laut Seismographen in Lamont-Doherty und anderen Orten ein zweites Mal und sagt ihrem Mann, das Flugzeug vollzie-
erreichten diese Vibrationen den Gegenwert eines Erdbebens he eine Kursänderung. Allem Anschein nach war sie die ein-
der Stärke 0,9. Ein solches Beben ist zu schwach, um wahr- zige Person, die von Flug 77 mit einem Anruf an eine Person
genommen zu werden. am Boden durchkam.
8:46 Uhr: Die Transponder-Signale des Flugs 175 der United 8:56 Uhr: Flug 77 der American Airlines entsendet keine
Airlines hören auf. Transponder-Signale mehr.
8:47 Uhr: Die FAA teilt NORAD mit, daß Flug 11 das World 8:56 Uhr: Flug 77 der American Airlines kommt vom Kurs
Trade Center getroffen hat. Seinen eigenen Angaben zufolge ab und vollzieht über Südohio/Nordostkentucky eine
hat NORAD diese Nachricht nicht an die Piloten der beiden Südwendung um 180 Grad.
Abfangjäger mitgeteilten, die eben vom Stützpunkt Otis ab- 8:57 Uhr: Die FAA setzt das Militär formell davon in Kennt-
hoben. Weshalb nicht? Schließlich befindet sich inzwischen nis, daß Flug 11 ins World Trade Center gekracht ist. Bis zu
ein anderes entführtes Verkehrsflugzeug, Flug 175 der Ame- diesem Zeitpunkt wußten die beiden F-15-Jagdflugzeuge
rican Airlines, bereits in der Nähe von New York City; in vom Stützpunkt Otis nichts von diesem Ereignis, obwohl
zwei Minuten wird es seine Schwenkung vollziehen und di- NORAD bereits zehn Minuten zuvor auf dem laufenden war.
rekt auf New York zusteuern. Warum dauerte es zehn Minuten, bis man die Meldung an die
8:47 Uhr: Joe Pfeiffer, Chef des 7. Bataillons der New Yor- beiden Flieger weiterleitete? Und erfahren diese auch, daß
ker Feuerwehr, sendet einen Notruf aus, in dem er mitteilt, Flug 175 seinen Kurs jäh geändert hat und seit acht Minuten
der Aufprall eines Flugzeugs auf den Nordturm sei kein Un- direkt auf New York City zufliegt? Ach woher.
fall gewesen, sondern ein bewußter Angriff, dessen Ziel es 8:59 Uhr: Flug 77 der American Airlines hat seine Kehrt-
gewesen sei, Massensterben und Verwüstung herbeizuführen. wendung um 180 Grad vollzogen und fliegt direkt zurück in
Während das kleine Videoteam (sein Videofilm, das soge- Richtung Washington D. C. sowie das Pentagon, von dem es
nannte Feuerwehrvideo, zeigt als einziges den Einschlag von noch 330 Meilen entfernt ist.
Flug 11 ins World Trade Center) sowie die Feuerwehrmän- 9:00 Uhr: Die Betriebsaufsicht von United Airlines hat eine
ner, die den Aufprall der ersten Maschine gesehen hatten, an das ganze System umfassende Botschaft ausgesandt, in der
den Ort der Tragödie eilten, sandte Feuerwehrchef Pfeiffer die Piloten vor potentiellen »Eindringlingen ins Cockpit«
Notrufe über Funk und Telefon, wobei er klar festhielt, es gewarnt werden. Flug 93 der United Airlines, der sich über
habe sich um einen »direkten Angriff« gehandelt und nicht Pennsylvania befindet, entgegnet: »Nachricht erhalten.«
um einen Unfall. 9:00 Uhr: Das letzte Radarsignal von Flug 175 der United
8:48 Uhr: Im Fernsehen und Radio melden die ersten Nach- Airlines wird in einer Höhe von 18.000 Fuß verzeichnet. Die
richten, wonach möglicherweise ein Flugzeug ins World Maschine setzt zum Tiefflug an, mit einer Geschwindigkeit
Trade Center geflogen sei. über Grund von 885 km/h.

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 281
9:00 Uhr: Die FAA beginnt, sämtliche Passagierflugzeuge zu »Die F-15-Piloten flogen wie vom Affen gebissen und er-
kontaktieren, um sie vor Entführern zu warnen. reichten über 500 [sic!] Meilen pro Stunde, waren aber
9:00 Uhr: Das Pentagon erhöht seine Alarmbereitschaft um ei- nicht in der Lage, das Passagierflugzeug [Flug 175] einzu-
nen Grad von Normal auf Alpha. Eine weitere Erhöhung er- holen.«
folgt bis nach dem Einschlag von Flug 77 im Pentagon nicht. Das einzige Passagierflugzeug, daß sich ohne IFF-
9:01 Uhr: Präsident Bush gibt folgende Erklärung ab: »Und Transpondersignale in der Luft befindet, ist nun Flug 77 der
ich saß vor dem Klassenzimmer und wollte eben hineingehen, American Airlines, der soeben über Süd-Ohio/Nordost-
als ich ein Flugzeug sah, das in den Turm flog – das Fernse- Kentucky eine Kehrtwendung um 180 Grad vollzogen hat
hen war offenbar eingeschaltet, und da ich selber Pilot war, und seit 8:59 Uhr direkt zurück Richtung Washington mit
sagte ich: „Das ist ein schrecklicher Pilot.“ Und ich sagte: seinem Pentagon fliegt. Warum wurden die beiden Abfang-
„Es muß ein fürchterlicher Unfall gewesen sein.“ Doch dann jäger, die noch 71 Meilen von New York und dem World
führte man mich weg – ich hatte wenig Zeit zum Nachden- Trade Center weg waren, jetzt nicht sofort umgeleitet, um die
ken.« Bush kann aber ganz unmöglich gesehen haben, wie einzige noch in der Luft befindliche gefährliche Maschine
das erste Flugzeug das World Trade Center traf, denn die abzufangen, nämlich Flug 77 der American Airlines? Die
einzige Videoaufnahme, die den Aufprall zeigt, wurde erst beiden F-15 hätten Washington schon lange erreicht, ehe
später im Fernsehen gezeigt. Wie kam Bush also dazu, sich Flug 77 34 Minuten später, um 9:37, Uhr ins Pentagon don-
dergleichen aus den Fingern zu saugen? nerte. Schließlich besteht die Aufgabe der auf Otis stationier-
9:02:54 Uhr: Flug 175 der United Airlines saust in die Süd- ten Jäger darin, den Himmel von Washington D. C. aus in
seite des Südturms des World Trade Center. Der Aufprall er- nördlicher Richtung zu schützen. Angesichts der Tatsache,
folgt in der Zone zwischen dem 78. und dem 84. Stockwerk, daß ihre Höchstgeschwindigkeit bei 1875+ Meilen pro Stun-
und zwar mit einer Geschwindigkeit von über 500 Meilen de liegt, hätten die zwei F-15 die ca. 300 Meilen, die sie von
pro Stunde. Teile des Flugzeugs einschließlich eines Motors der Hauptstadt trennten, in etwa 11 Minuten zurücklegen
durchdringen das ganze Gebäudes und fallen auf dessen können. Es hätte ausgereicht, mit Höchstgeschwindigkeit zu
Nordseite sechs Blöcke weiter auf den Boden. fliegen, und sie wären 23 Minuten vor Flug 77 über dem
Als Flug 175 den Südturm traf, sandte es, so Lerner-Lam, Pentagon gewesen. Doch nicht genug damit: Selbst wenn sie
»Vibrationen aus, die durch das ganze Gebäude liefen, durch lediglich mit der gleichen Geschwindigkeit geflogen hätten,
seine Grundfesten bis in den Boden«. Seismographen in La- mit der sie laut NORAD die letzten 71 Meilen bis zum World
mont-Doherty und anderswo gaben an, die Vibrationen hät- Trade Center zurückgelegt hatten (532.5 Meilen pro Stunde
ten einem Erdbeben von Stärke 0,7 entsprochen. NORAD oder 28,4% der Maximalgeschwindigkeit), hätten sie den
gibt an, zum Zeitpunkt des Aufpralls von Flug 175 im World Wettflug zum Pentagon gewonnen. Warum erhielten die bei-
Trade Center, also um 9:02:54 Uhr, seien die beiden F-15- den F-15 keinen Befehl, schleunigst das einzige noch in der
Maschinen vom Stützpunkt Otis noch 71 Meilen entfernt ge- Luft befindliche Flugzeug abzufangen, von dem man wußte,
wesen. Dies bedeutet, daß sie im Schnitt lediglich mit 23,9% daß es entführt worden war, und das schnurstracks auf die
ihrer Höchstgeschwindigkeit geflogen sind, während sie sich amerikanische Hauptstadt zusteuerte?
anschickten, Flug 175 abzufangen. Doch das ist noch lange nicht alles. Warum haben die zwei
Otis ist 153 Meilen vom World Trade Center entfernt. Die F-15, die das World Trade Center um 9:11 Uhr erreichten
Höchstgeschwindigkeit eines Jagdflugzeugs vom Typ F-15 und inzwischen wußten, daß Flug 77 seit 12 Minuten Wa-
beläuft sich auf 1875+ Meilen pro Stunde. 153 Meilen minus shington ansteuerte, keinen Versuch unternommen, diese
71 Meilen macht nach Adam Riese 82 Meilen, die in den 11 Maschine abzufangen? Ihnen standen bis zum Zeitpunkt, wo
Minuten zwischen 8:52 Uhr und 9:03 Uhr zurückgelegt wur- letztere das Pentagon traf (9:37 Uhr), immer noch satte 26
den. Die Fluggeschwindigkeit war also 447,3 Meilen pro Minuten zur Verfügung. Es hätte ausgereicht, mit 576,9 Mei-
Stunde. Teilt man diesen Wert durch 1875 Meilen pro Stun- len pro Stunde oder 30,8% der Höchstgeschwindigkeit zu
de, so gelangt man zum Ergebnis, daß die Flugzeuge mit nur fliegen. Wofür bezahlen wir diese Herrschaften eigentlich?
23,9% ihrer Höchstgeschwindigkeit flogen. Selbst wenn man Führen wir unseren Gedankengang weiter. Die beiden F-15
berücksichtigt, daß eine Maschine einige Augenblicke hätten bis 9:26 Uhr über dem Himmel von New York verhar-
braucht, um ihre Höchstgeschwindigkeit zu erreichen, ist die- ren und erst dann Kurs auf Washington nehmen können, um
ses langsame Flugtempo unerklärlich. die Hauptstadt samt dem Pentagon zu schützen. Zu jener Zeit
Die folgenden Zitate entstammen einem am 30. August 2002 nahm Flug 77 seit immerhin 27 Minuten Kurs auf Washing-
veröffentlichten BBC-Beitrag. Die zwei entsandten F-15- ton; seit genau einer halben Stunde war sie vom Kurs abge-
Piloten berichteten den Journalisten gegenüber, wie sehr sie kommen, und ihr Transponder sendete keine Signale mehr
sich nach dem Einschlag des ersten Flugzeugs im World Tra- aus. Mit Höchstgeschwindigkeit fliegend, hätten die F-15 das
de Center bemüht hätten, rasch nach New York zu kommen. Pentagon in knapp zehn Minuten erreicht und wären Flug 77
„Duff“ und „Nasty“ erinnerten sich, daß sie nur noch Minu- immer noch um eine Minute zuvorgekommen. Warum ge-
ten von diesem entfernt waren, als das zweite Flugzeug ein- schah dies alles nicht, ihr Herren von NORAD?
schlug. Pilot Duff sagte:10 Ein sehr interessanter Videofilm zeigt möglicherweise, wie
»Ich habe mich lange gefragt, was geschehen wäre, hätten eine F-15 in der Nähe des World Trade Center herumfliegt,
wir den Einsatzbefehl rechtzeitig bekommen. Im Geist ha- gerade als Flug 175 in den Südturm donnert. Warum spricht
ben wir den Flug tausendmal nachvollzogen, und ich weiß niemand von diesem Video?12
nicht, was wir hätten tun können, um rascher hinzukom- 9:03 Uhr: Das Luftverkehrskontrollzentrum Boston ordnet
men.« den Stop sämtlicher Flüge von den ihm unterstehenden Flug-
Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, ein wenig schneller zu plätzen in den gesamten New Yorker Luftraum an.
fliegen als mit 23,9% der Höchstgeschwindigkeit? Ein weite- 9:05 Uhr: Andrew Card tritt an Bush heran, während sich
res Zitat von Generalmajor Paul Weaver.11 dieser zusammen mit 16 Schulkindern und deren Lehrerin

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Sandra Kay Daniels in der Emma E. Booker Elementary daß Flug 175 der United Airlines das World Trade Center ge-
School in Sarasota, Florida, eine Geschichte über eine Ziege troffen hat.
anhört. Card flüstert dem Präsidenten ins Ohr: »Ein zweites 9:15 Uhr: American Airlines untersagt jegliche neuen Abflü-
Flugzeug hat das World Trade Center getroffen. Amerika ge in den USA.
wird angegriffen.« Bush (unseres Wissens doch immerhin 9:16 bis 9:20 Uhr: Die FAA teilt NORAD mit, daß Flug 93
Oberkommandierender der US-Streitkräfte) läßt sich zusam- der United Airlines entführt worden ist. (Laut der Pittsburgh
men mit den Kindern noch wenigstens weitere sieben, wenn Post-Gazette war der genaue Zeitpunkt 9:20 Uhr.) Weder so-
nicht gar achtzehn Minuten lang die Ziegengeschichte erzäh- fort noch später werden irgendwelche Jäger als Reaktion in
len. Warum er sich nicht gleich von den Kindern verabschie- die Luft beordert. Daß die beiden F-15-Maschinen, die sich
det und auf die dramatische Lage reagiert hat, ist vollkom- zuvor auf die Jagd nach Flug 77 gemacht hatten, nun Flug 93
men unlogisch und unerklärlich. abzufangen versuchten, ist ausgeschlossen. Aus der von
Dies alles hätte einfach nicht passieren dürfen. Folgendes NORAD selbst erstellten zeitlichen Rekonstruktion der Ge-
hätte geschehen müssen: Sobald der Geheimdienst vom Ein- schehnisse geht unerklärlicherweise nicht hervor, wann man
schlag des Flugs 175 ins World Trade Center erfuhr (im Be- dort von der FAA über die letzte Entführung informiert wur-
wußtsein, daß es sich um einen „terroristischen Akt“ handel- de. Es handelt sich um das einzige der vier Flugzeuge, für
te), hätte er Bush sofort zu einem geheimen Ort bringen sol- das diesbezügliche Angaben fehlen. Weshalb?
len. Es ist schlicht nicht vorstellbar, daß der Geheimdienst 9:17 Uhr. Die FAA erläßt ein Startverbot für alle Flugplätze
Bush an einem Ort – in diesem Fall in der erwähnten Schule in der Gegend um New York City.
– bleiben ließ, wo seine Anwesenheit allgemein bekannt war. 9:20 Uhr: United Airlines ordnet ein Startverbot für das gan-
9:05 Uhr: Die Flugkontrolle von West Virginia bemerkt ein ze Territorium der USA an.
neues, in Richtung Osten fliegendes Flugzeug, das ohne 9:21 Uhr: Die Hafenbehörde von New York City befiehlt die
Funkkontakt und ohne Transponder-Identifizierung in ihre Schließung sämtlicher Brücken und Tunnels in der Gegend
Radarzone eindringt. Man ist sich nicht sicher, ob es sich um von New York City.
Flug 77 der American Airlines handelt. Angeblich warteten 9:22 Uhr: Ein von einem Erdbebenmonitor in Südpennsylva-
die Herrschaften volle 19 Minuten lang, ehe sie NORAD ins nia, 60 Meilen von Shanksville entfernt, registrierter Über-
Bild setzten. schallknall geht vermutlich auf ein Jagdflugzeug zurück, das
Warum hatte NORAD bis 9:05 Uhr keine Jäger aufsteigen die Schallgrenze überschritten hat.13
lassen, um Washington zu schützen? Wie war solch ein 9:23 Uhr: Bush führt Telefongespräche mit Cheney, seiner
groteskes Versäumnis überhaupt möglich? Zu jenem Zeit- nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, FBI-Chef
punkt hatten bereits zwei Passagierflugzeuge das World Robert Mueller sowie Gouverneur George Pataki von New
Trade Center getroffen. Neun Minuten zuvor hörte der York. Warum hat Bush von 9:05 Uhr (als ihm Card mitteilte,
Transponder von Flug 77 der American Airlines auf zu Flug 175 sei im World Trade Center eingeschlagen) bis 9:23
funktionieren; die Maschine hatte eine Wendung von 180 Uhr gewartet, bis er sich endlich ans Telefon bequemte? Er
Grad vollzogen und flog seit sechs Minuten direkt auf die hat den Jägern immer noch keine Erlaubnis zum Abschuß
US-Hauptstadt zu. Vielleicht wäre es nun wirklich an der jedweder feindlichen Passagierflugzeuge erteilt. Um Flug-
Zeit gewesen, sich in Erinnerung zu rufen, daß Washington zeuge abzufangen, brauchen Jäger natürlich keine spezielle
neben New York in den Vereinigten Staaten das verlok- Genehmigung – dies hätten sie tun sollen, oder wußten sie
kendste Ziel für Terroristen darstellt. Doch nein, man rea- etwa nicht Bescheid darüber?14 -, doch zum Abschuß eines
giert auch weiterhin nicht. Passagierflugzeugs braucht es einen Befehl vom Präsidenten.
9:06 Uhr: Das Startverbot für Flugzeuge wird auf den ganzen Worauf wartete Bush eigentlich noch?
Nordosten von Washington bis Cleveland ausgedehnt. Das 9:24 Uhr: Die FAA teilt NORAD mit, daß Flug 77 der Ame-
Luftverkehrskontrollzentrum außerhalb von Washington in- rican Airlines entführt worden ist. Sie hat mit dieser Maschi-
formiert sämtliche mit der Luftfahrt in Verbindung stehenden ne den Kontakt verloren, als das Transponder-Signal um 8:56
Institutionen landesweit über die vermutete Entführung von Uhr aufhörte. Warum hat die FAA 28 Minuten lang zugewar-
Flug 11. tet, ehe sie NORAD über die Entführung in Kenntnis setzte?
9:06 Uhr: Die FAA setzt das Militär formell davon in Kennt- Rätsel über Rätsel!
nis, daß Flug 175 der United Airlines entführt worden ist. 9:24 Uhr: NORAD erteilt dem ersten Abfanggeschwader auf
9:08 Uhr: Die FAA erteilt allen in der Luft befindlichen der Langley Air Force Base in Hampton, Virginia, den Befehl
Flugzeugen Anweisungen, den New Yorker Luftraum zu ver- zur Entsendung zweier, möglicherweise dreier F-16-Kampf-
lassen und ordnet die Annullierung sämtlicher geplanten Flü- flugzeuge. Diesmal wartet die Organisation also keine sechs
ge Richtung New York an. Minuten mehr ab, bis sie die Konsequenzen aus der eben erhal-
9:10 bis 9:20 Uhr: Flug 93 der United Airlines wird entführt. tenen Botschaft zieht. Langley liegt 130 Meilen südlich von
9:11 Uhr: Die beiden F-15 Eagles vom Luftwaffenstützpunkt Washington D. C. und dem Pentagon. Die Maximalgeschwin-
Otis haben New York City und das World Trade Center end- digkeit der F-16 beläuft sich auf 1500 Meilen pro Stunde.
lich erreicht. Sie haben also 19 Minuten benötigt, um die 153 Weswegen erhielt Langley den Befehl zur Entsendung der
Meilen zwischen Otis und dem World Trade Center zurück- Flugzeuge nicht um 8:20 Uhr oder um 8:40 Uhr oder um
zulegen, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von nur 8:46:26 Uhr oder allerspätestens um 9:02:54 Uhr? Wie konn-
483,2 Meilen pro Stunde oder 25,8% der Höchstgeschwin- te es NORAD einfallen, nach dem Einschlag von Flug 175 in
digkeit von 1875+ Meilen pro Stunde entspricht. Ein Min- den Südturm noch 21 Minuten zu zaudern, bevor Langley
destmaß an mathematischen Kenntnissen enthüllt die Faden- endlich um 9:24 Uhr den Einsatzbefehl erhielt?
scheinigkeit der von NORAD in seiner Presseerklärung vom Dies allein beweist klipp und klar, daß an der offiziellen Ver-
18. September vorgebrachten Argumente. sion der Ereignisse des 11. September etwas nicht stimmt; an
9:12 Uhr: Die FAA unterrichtet das Militär formell darüber, dieser Erkenntnis führt kein Weg vorbei.

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 283
Unbegreiflicherweise wurde die Andrew Air Force Base, die tionale Tragödie« ereignet. Er werde, so kündet er an, »die
nur ca. elf Meilen vom Pentagon entfernt ist und über zwei Personen, welche diesen Akt begangen haben«, zur Strecke
Abfanggeschwader verfügt, niemals zur Entsendung auch nur bringen, und fügt hinzu:15
eines einzigen Flugzeugs aufgefordert, bis das ganze Drama »Der Terrorismus gegen unsere Nation wird keinen Erfolg
vorüber war. Die Besatzung dieses Stützpunkts muß folglich haben.«
angewiesen worden sein, sich untätig zu verhalten. Dasselbe Es war dies ein Echo der Worte, die sein Vater, George H.
gilt für sämtliche wenigstens 35 Luftwaffenbasen, die sich W. Bush, einige Tage nach der irakischen Besetzung Kuwaits
nahe genug am Ort der Geschehnisse befanden, um diese zu im August 1990 von sich gegeben hatte. »Sie werden damit
verhüten. Sie alle hatten den Befehl zur Untätigkeit erhalten. keinen Erfolg haben«, hatte der alte Bush damals gesagt, und
9:25 Uhr: Luftverkehrskontrolleure unterrichten den Ge- nach der Meinung seines Sohns war das eines seiner größten
heimdienst der Vereinigten Staaten, daß sich Flug 77 der Augenblicke gewesen.
American Airlines der Hauptstadt Washington nähert. Während seiner Ansprache an die Nation versprach Bush
9:26 Uhr: Die FAA ordnet ein landesweites Flugverbot an. ferner eine umfassende Untersuchung des Angriffs. Nun,
Sämtliche bereits gestarteten internationalen Flüge erhalten heute, 16 Monate später, nachdem Bush alles in seinen Kräf-
Order, in Kanada zu landen. ten Stehende zur Verhinderung einer Untersuchung getan
9:26 Uhr: Barbara K. Olsen, Passagierin des Flugs 77, ruft hat, ist endlich eine solche in Gang gekommen. Daß Henry
ihren Gatten, Generalstaatsanwalt Theodore Olsen, abermals Kissinger und George Mitchell als Vorsitzender und Vize-
im Justizministerium an, um ihn über die Entführung auf dem vorsitzender des Komitees zurückgetreten sind, ist hochinter-
laufenden zu halten. Sie berichtet ihm von den Entführern essant. Die Ernennung des Killers Kissingers zum Leiter der
und sagt aus, diese hätten Passagiere und Piloten im hinteren Untersuchungskommission war natürlich eine Garantie dafür
Flugzeugteil zusammengetrieben. Abermals ist sie die einzi- gewesen, daß diese vor keinen noch so schmutzigen Tricks
ge Person, die von Flug 77 anruft. Ist es nicht höchst seltsam, zurückschrecken würde. Hat Kissinger den Handschuh ge-
daß von diesem Flugzeug nur eine einzige Anruferin durch- worfen, weil einige seiner Kunden Gefahr liefen, entlarvt zu
kam, aber dafür gleich zweimal? werden und vor dem Richter zu landen? Lag da vielleicht ein
9:28 Uhr: United Airlines Flug 93: Durch ein offenes Mikro- Interessenkonflikt vor, Henry?
fon an Bord hört man, wie jemand sagt: »Schert euch bloß Bushs Ansprache an die Nation hätte mindestens 15 bis 20
weg von hier!« Minuten früher erfolgen müssen. Doch natürlich hatte der
9:28 Uhr: United Airlines Flug 93: »Es treten die ersten hör- Präsident zuvor wichtigeren Aufgaben gefrönt. Er lauschte ja
baren Anzeichen von Problemen auf, im Cockpit vernimmt mit den ABC-Schützen wenigstens bis 9:12 Uhr, möglicher-
man Hintergrundgeräusche.« Fluglotsen hören über ein offe- weise gar bis 9:23 Uhr, gebannt der Ziegengeschichte.
nes Mikrophon Schreie und Geräusche, die auf ein Handge- 9:30 Uhr: United Airlines ordnet die Landung aller ihr unter-
menge hindeuten. Dann hört man die Entführer auf arabisch stehenden Flüge auf amerikanischem Boden an.
miteinander reden. Doch geschieht dies alles wenigstens acht, 9:32 Uhr: Geheimdienstagenten schneien in Cheneys Büro
vielleicht gar zwölf Minuten, nachdem die Entführer das im Weißen Haus herein. Sie stützen ihn unter den Armen,
Cockpit übernommen haben. wobei sie ihn beinahe vom Erdboden hochheben, und
9:30 Uhr: Zwei, eventuell drei F-16-Flugzeuge des Modells schleppen ihn in den Untergrundbunker im Keller des Wei-
Fighting Falcon mit dem Codenamen Huntress heben vom ßen Hauses. Warum haben sie so lange damit zugewartet?
Stützpunkt Langley ab und fliegen zunächst Richtung New 9:32 Uhr: Die New Yorker Börse wird geschlossen.
York City. Ein paar Minuten nach ihrem Start ereignet sich 9:33 Uhr: Laut der New York Times brach der Kontakt mit
laut General Haugen folgendes: »Eine Person kam ans Funk- Flug 77 der American Air Lines um 8:56 ab, als der Trans-
gerät, gab sich als Angehöriger des Geheimdienstes aus und ponder jener Maschine verstummte. Die Luftverkehrskontrol-
sagte: „Ich will, daß ihr das Weiße Haus um jeden Preis le Washington sieht auf den Radarschirmen einen sich rasch
schützt.“« Die F-16 änderten ihren Kurs und flogen nun auf bewegenden Fleck und sandte eine Warnung an den Dulles
Washington zu. Da sowohl Washington als auch New York Airport in Washington. Ist es überhaupt denkbar, daß ein
nördlich von Langley liegen, und sich die Kursänderung we- Flugzeug im amerikanischen Flugraum für volle 37 Minuten
nige Minuten nach dem Abflug vollzog, kann dies kein einfach verschwindet?
Grund dafür gewesen sein, daß diese F16-Jäger so langsam 9:35 Uhr: Flug 93 der United Airlines kommt bei Cleveland,
flogen. Ohio, vom Kurs ab, vollzieht eine Schwenkung um 135 Grad
Warum wurden diese Jäger zuerst nach New York entsandt, und fliegt nun Richtung Südosten. Die Maschine befindet
wenn Flug 77 der American Airlines doch seit bereits minde- sich 375 Meilen von Newark, New Jersey, entfernt. Von ih-
stens 31 Minuten schnurstracks auf Washington zuflog und rem neuen Ziel, Washington, trennen sie noch 280 Meilen.
der Transponder der Maschine sowie die anderen Kommuni- Laut der Nachrichtensendung ABC News funkte kurz vor der
kationssysteme schon seit 34 Minuten ausgeschaltet waren? Richtungsänderung dieses Flugzeugs jemand im Cockpit und
Es gibt inzwischen keine anderen Passagierflugzeuge mehr, ersuchte die FAA um einen neuen Flugplan mit Bestim-
die mit ausgeschalteten Transpondern irgendwohin fliegen. mungsort Washington. Dies hätte alle Alarmglocken läuten
Um 9:25 Uhr haben die Fluglotsen den Geheimdienst der lassen sollen, da ein Flugzeug, das sich in Not befinden,
USA in Washington bereits darüber informiert, daß Flug 77 normalerweise den nächstgelegenen Flughafen anpeilt.
sich der Hauptstadt unerbittlich nähert. Warum düsen die F- 9:35 Uhr: Die ersten American-Airlines-Flüge beginnen auf
16-Jäger unter diesen Umständen erst nach New York? Flughäfen in den USA zu landen.
9:30 Uhr: Bush hält aus der Emma E. Booker Elementary 9:36 Uhr: Der Ronald Reagan Washington National Airport
School in Sarasota, Florida, eine Ansprache an die Nation. Er erteilt einem eben von der Andrew Air Force Base gestarte-
sagt, das Land sei zur Zielscheibe eines »anscheinend terro- ten Militärflugzeug des Modells 130, einen Versuch zur
ristischen Anschlags« geworden, und es habe sich eine »na- Identifizierung von Flug 77 der American Airlines zu unter-

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nehmen. Die C130 meldet, es handle sich um eine Boeing rasota aufgefordert werden müssen, wo sich der Präsident be-
767, die sich in geringer Höhe und mit großer Geschwindig- fand, doch unverständlicherweise unterblieb dies.
keit bewege. Um 8:56 Uhr war der Transponder von Flug 77 der American
9:37 Uhr: Flug 77 verschwindet von den Radarschirmen und Airlines verstummt, also 41 Minuten vor dem Einschlag im
rast in die Westseite des Pentagon. Diese Sektion des Gebäu- Pentagon. Neben jenen von Otis und Langley hätten auch die
des enthält hauptsächlich unlängst renovierte, leere Büros. Jäger von Tyndall rechtzeitig an Ort und Stelle sein können.
Laut dem Pentagon selbst erfolgte der Aufprall um 9:37 Uhr, 9:38 Uhr: Flug 93 der United Airlines vollendet seine
nach anderen Berichten freilich später, um 9:40 oder um 9:43 Schwenkung um 135 Grad und fliegt nun direkt auf Wa-
Uhr, laut der New York Times gar um 9:45 Uhr. shington zu.
Um 9:37 Uhr hatte NORAD gemeldet, die F-106-Jäger aus 9:40 Uhr: Der Transponder von Flug 93 verstummt.
Langley seien immer noch 105 Meilen oder 12 Flugminuten 9:40 Uhr: Verkehrsminister Norman Y. Mineta, der vom
vom Pentagon entfernt. Dies bedeutet unglaublicherweise, Weißen Haus in den Bunker bestellt worden ist, stand in
daß die Maschinen mit sage und schreibe 14,3% ihrer permanenter Verbindung mit dem Operationszentrum der
Höchstgeschwindigkeit flogen, während sie versuchten, Flug Federal Aviation Administration und verfolgte, wie Flug 77
175 vor seinem Aufprall im Pentagon anzufangen. Hätten die auf Washington zusteuerte, wobei alle sieben Sekunden Ra-
Maschinen ihre Höchstgeschwindigkeit eingehalten, so wä- darsignale gesendet wurden. Man meldete, die Maschine sei
ren sie genau um 9:37 Uhr an Ort und Stelle gewesen. noch 50 Meilen entfernt, dann noch 30 Meilen, dann noch 10
Langley ist 130 Meilen vom Pentagon entfernt. Die Maxi- Meilen – bis man im Bunker erfuhr, daß es im Pentagon eine
malgeschwindigkeit der F-16 beträgt 1500 Meilen pro Stun- Explosion gegeben hatte.
de. Zieht man von 130 Meilen 105 Meilen ab, so bleiben Mineta schrie Monte Belger von der FAA durchs Telefon an:
nach Adam Riese noch 25 Meilen übrig, die man in 7 Minu- »Monte, hol alle Flugzeuge vom Himmel.« Es war dies ein
ten zurücklegen konnte. Die um 9:30 gestarteten Maschinen beispielloser Befehl, denn damals befanden sich 4.546 Flug-
hätten demnach um 9:37 am Ziel sein können. 60 Minuten zeuge in der Luft. Belger, stellvertretender und handlungsbe-
dividiert durch 7 Minuten ergibt 8,57. Multipliziert man die- vollmächtigter Verwalter der FAA, erinnerte Mineta daran,
sen Wert mit den 25 zurückgelegten Meilen, gelangt man daß die Piloten von Passagierflugzeugen in solchen Fällen
zum Ergebnis, daß die Flugzeuge mit einer Geschwindigkeit die Befugnis besitzen, selbst zu entscheiden. »Wir überlassen
von 214,3 Meilen pro Stunde geflogen sind, also mit 14,3% es dem jeweiligen Piloten, ob die Flugzeuge landen«, sagte
der Höchstgeschwindigkeit. Wie in drei Teufels Namen Belger dem Minister. »Ich scheiße auf die Befugnis der Pilo-
konnten diese beiden F-16 bloß bei der Jagd auf Flug 77 mit ten«, heulte Mineta. »Sorgen Sie gefälligst dafür, daß diese
einem Siebtel ihrer Höchstgeschwindigkeit fliegen? Selbst gottverdammten Flugzeuge landen!«
wenn es stimmt, daß sie zuerst Kurs auf New York einschlu- Die FAA untersagte sämtliche Abflüge von amerikanischen
gen, liefert dies keine Erklärung für ihr unglaublich langsa- Flughäfen und wies alle in der Luft befindlichen Flugzeuge
mes Tempo, da sie schon wenige Minuten nach ihrem Abflug an, auf dem nächsten Flughafen zu landen. Kein Zivilflugzeug
Befehl zur Kursänderung auf Washington bekamen und so- durfte sich mehr in die Luft erheben. Nur militärische und me-
wohl Washington als New York fast genau gleich weit nörd- dizinischen Zwecken dienende Flüge waren noch erlaubt.
lich von Langley liegen. 9:42 Uhr: Mark Bingham, Passagier von Flug 93, ruft seine
Von den sieben rund um die Uhr voll einsatzbereiten Luft- Mutter an: »Mama, hier spricht Mark Bingham« sagt er ner-
waffenstützpunkten lagen weitere drei in Reichweite Wa- vös. »Du sollst wissen, daß ich dich liebe. Ich rufe vom Flug-
shingtons: Tyndall AFB in Panama City, Florida, liegt 800 zeug aus an. Wir sind entführt worden. Es sind drei Männer
Meilen von der Hauptstadt entfernt; nach ihrem Start und an Bord, die behaupten, sie hätten eine Bombe.«
dem Erreichen der Höchstgeschwindigkeit hätten die dorti- 9:45 Uhr: Bushs Fahrzeugkolonne verläßt die Emma E. Booker
gen Flugzeuge Washington in 35 bis 40 Minuten erreichen Elementary School in Sarasota und begibt sich zum Präsiden-
können. Homestead ARB in Florida trennen 1000 Meilen tenflugzeug auf dem Sarasota-Bradenton International Airport.
von der Hauptstadt, die, war die Höchstgeschwindigkeit erst 9:45 bis 9:48 Uhr: Das Kapitol sowie das Weiße Haus wer-
einmal erreicht, in 45 bis 50 Minuten zu erreichen gewesen den evakuiert.
wäre. Schließlich beträgt die Entfernung zwischen Washing- 9:47 Uhr: US-Militärbefehlshaber in aller Welt erhalten den
ton und Ellington ANG in Houston, Texas, 1250 Meilen, und Befehl, ihre Alarmbereitschaft um vier Punkte auf „Delta“ zu
diese Distanz wäre in 55 bis 60 Minuten zu überbrücken ge- erhöhen, was der Höchststufe entspricht. Verteidigungsmini-
wesen. ster Donald Rumsfeld erhöht die Kampfbereitschaft der USA
Man wird sich erinnern, daß NORAD um 8:40 Uhr von der auf Stufe DefCon 3, die höchste seit dem arabisch-
FAA über die Entführung von Flug 11 und um 8:43 Uhr über israelischen Krieg von 1973. Hochrangige US-Beamte sen-
die Entführung von Flug 175 unterrichtet worden war. NO- den auch eine Botschaft an die Russen, die eben mit Militär-
RAD räumt somit ein, volle 54 Minuten vor dem Einschlag manövern in der Nähe von Alaska beginnen wollen und bit-
von Flug 77 ins Pentagon über die Entführung beider Ma- ten sie um eine Überdenkung ihrer Pläne.
schinen Bescheid gewußt zu haben. Ganz abgesehen von Otis 9:49 Uhr: Die F-16-Maschinen aus Langley erreichen endlich
ANG, das (um 8:52 Uhr) bereits Jagdflugzeuge entsandt hat- Washington, wo sie über der Stadt patrouillieren. Sie haben
te, und Langley AFB (das seinen Abfangjägern um 9:24 den 19 Minuten benötigt, um vom 130 km südlich gelegenen
Startbefehl erteilte; um 9:30 waren sie dann in der Luft), hät- Langley zur Hauptstadt zu fliegen. Hätten sie Höchstge-
ten Kampfflugzeuge von Tyndall AFB und Homestead ARB schwindigkeit eingehalten, so wären sie ungefähr um 9:37
vor Flug 77 am Pentagon sein können; jene von Ellington Uhr dort gewesen, also zu jenem Zeitpunkt, zu dem das Pen-
ANG besaßen zumindest eine Außenseiterchance. Selbstver- tagon von Flug 77 getroffen wurde.
ständlich hätten zumindest die beiden Basen in Florida, Tyn- Daß sie Washington erst um 9:49 erreichten, weist darauf
dall und Homestead zur Entsendung von Maschinen nach Sa- hin, daß ihre Durchschnittsgeschwindigkeit bei lediglich

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410,5 Meilen pro Stunde lag. Bei ihrem Versuch, die Haupt- Eine Notrufzentrale in Pennsylvania erhält einen Anruf seitens
stadt der Nation zu schützen, flogen die Piloten also nur mit eines Passagiers von Flug 93. Dieser sagt: »Wir werden ent-
27,4% ihrer Maximalgeschwindigkeit. (Diese beträgt 1500 führt!«
Meilen pro Stunde. 60 Minuten dividiert durch 19 Minuten 9:58 Uhr: Ein aufgeregter Passagier an Bord von Flug 93 der
ergibt 3,16. Multipliziert man diesen Wert mit 130 Meilen, so United Airlines ruft die Notrufnummer 911 an. Er teilt dem Te-
kommt man auf 410,5 Meilen pro Stunde, was 27,4% von lefonisten – der Glen Cramer heißt – mit, er habe sich in einer
1500 Meilen pro Stunde entspricht.) der Toiletten eingeschlossen. Cramer sagte in einem am 11.
Die F-16 sind um 9:30 gestartet, d.h. 43 Minuten nach dem September ausgestrahlten Bericht, der Passagier habe eine vol-
Aufprall von Flug 11 im Nordturm und 27 Minuten nach je- le Minute lang gesprochen. »Wir werden entführt, wir werden
nem von Flug 175 im Südturm. In voller Kenntnis dieser Tat- entführt«, habe er in sein Mobiltelefon geschrien. »Wir haben
sache fliegen die Piloten mit 27,4% ihrer Höchstgeschwin- uns dies mehrmals bestätigen lassen«, unterstrich Cramer,
digkeit, um Flug 77 abzufangen und eine ähnliche Tragödie »und wir haben ihn gebeten, zu wiederholen, was er sagte. Er
in Washington zu verhüten! Wie erklärt sich dies? war ganz verzweifelt. Er sagte, seiner Meinung nach werde das
Wozu dient überhaupt eine Höchstgeschwindigkeit von Flugzeug abstürzen. Er habe eine Art Explosion gehört und
1875+ bzw. 1500 Meilen pro Stunde, wenn die Flugzeuge zu weißen Rauch aus dem Flugzeug dringen sehen, wisse jedoch
einem Zeitpunkt, wo man sie dringend braucht, weil die USA nicht wo. Und dann brach der Kontakt ab.« Es war dies der
angegriffen werden, nur mit einem Viertel dieses Tempos letzte Mobiltelefonanruf eines Passagiers der entführten Ma-
fliegen? schinen.
Betonen wir es nochmals: Die US-Luftwaffe ist die techno- 9:59 Uhr: Das Präsidentenflugzeug startet von Sarasota-
logisch fortgeschrittenste und überlegenste militärische Bradenton International Airport in Florida nach Washington,
Streitkraft, welche die Menschheit je gekannt hat. Nichtsde- und zwar ohne zusätzlichen Militärschutz. Dies spricht jeder
stoweniger will man uns einreden, wir hätten an jenem Mor- Logik Hohn. Zwei der sieben an jenem Tag voll einsatzberei-
gan keinerlei andere Kampfflugzeuge gehabt, die sich weni- ten Militärstützpunkte, deren Zweck im Schutz des nordameri-
ger als 1000 Meilen von New York City und Washington kanischen Kontinents besteht, liegen in Florida. Die Home-
entfernt auf Routinepatrouillen oder Trainingsflügen befun- stead Air Reserve Base liegt 185 Meilen, die Tyndall Air Force
den haben. Ich habe mit etlichen Angehörigen der Luftwaffe Base in Panama City 235 Meilen von Sarasota entfernt. Diese
gesprochen, und alle haben mir bestätigt, daß dergleichen ein beiden Stützpunkte hätten um 8:20 Uhr, oder um 8:40 Uhr,
Ding der Unmöglichkeit ist. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt oder um 8:43 Uhr, oder um 8:46:26 Uhr, oder um 9:02:54 Uhr,
gibt es Kampfflugzeuge, die Routinepatrouillen fliegen oder oder um 9:24 Uhr, oder allerspätestens um 9:37 Uhr den Be-
an Übungen teilnehmen. Wo waren sie am 11. September fehl erhalten müssen, ihre Jäger zu entsenden. Innerhalb von 16
2001? bis 18 Minuten hätten sie in Sarasota sein können, um das Prä-
Schließlich: Weswegen hat sich die Luftwaffe nicht an ihre sidentenflugzeug zu schützen. Selbst wenn man mit dem Ein-
Standardprozeduren gehalten und sogleich Flugzeuge ent- satzbefehl an die Jäger bis 9:37 Uhr gezögert hätte, als das Pen-
sandt, um wenigstens eine der vier entführten Maschinen ab- tagon getroffen wurde, hätten sie vier bis sechs Minuten vor
zufangen, wie man es für den verstorbenen großen Golfspie- dem Start der Präsidentenmaschine zur Stelle sein können. Was
ler Payne Stewart getan hat, als sein Lear Jet vom Kurs ab- war mit den Jagdflugzeugen auf diesen beiden Stützpunkten
kam? Immerhin ging es diesmal nicht um einen bedauerli- los? Hatte man an jenem Morgen dringlichere Aufgaben zu er-
chen Zwischenfall in Oshkosh, Wisconsin, sondern um New ledigen als den Schutz des Präsidentenflugzeugs? Warum stellt
York City und die US-Hauptstadt Washington. Erstere Stadt außer mir niemand diese Fragen?
war eine Stunde und dreiundzwanzig Minuten vollkommen Am 30. August 2002 vermeldete BBC:17
ungeschützt (von 8:14 bis 9:37 Uhr), letztere eine Stunde und »Unmittelbar nach den Terroranschlägen erhoben sich
fünfunddreißig Minuten – und dies in einem Land, dessen US-Kampfflugzeuge in die Luft, um Amerika gegen weitere
Luftwaffe jener aller anderen Länder turmhoch überlegen ist. Schläge zu verteidigen. Ihre Mission bestand darin, Präsi-
Warum war diese Luftwaffe am 11. September zahnlos? dent George W. Bush zu schützen und jedes entführte Flug-
Die beiden entsandten Jägergruppen, die F-15 von Otis und zeug zu stellen, das ein anderes Ziel in den USA ansteuer-
die F-16 von Langley, wurden nur zu Dekorationszwecken in te.«
die Luft beordert. Die Öffentlichkeit sollte den Eindruck er- 9:59:04 Uhr: Der Südturm des World Trade Center stürzt
halten, die Piloten hätten tapfer versucht, die vier entführten plötzlich ein. Eine gewaltige Staub- und Schuttwolke senkt
Maschinen abzufangen. Dies ist die einzig mögliche Erklä- sich im Nu über Untermanhattan. Später heißt es, der Einsturz
rung. Unsere Luftwaffe hatte am 11. September den Befehl sei nicht direkt durch den Aufprall heraufbeschworen worden,
erhalten, nichts zu tun. sondern durch die große Hitze des brennenden Flugzeugtreib-
9:55 Uhr: Bush erreicht den Sarasota-Bradenton International stoffs, welche die Stahlstützgerüste der Betonböden ge-
Airport und besteigt die Präsidentenmaschine.16 schwächt habe. Die Türme wurden aber so gebaut, daß sie der
9:55 Uhr: Im Bunker des Weißen Hauses sagt ein militärischer Wucht einer in sie prallenden Boeing 707 widerstehen konn-
Assistent zu Cheney: »Ein vom Kurs abgekommenes Flugzeug ten. Die Boeing 767 trägt praktisch die gleiche Menge Treib-
befindet sich 80 Meilen von hier. Wir haben ein Kampfflugzeug stoff wie die Boeing 707.18
in der Gegend. Sollen wir ihm den Befehl erteilen, die Maschi- 10:00 Uhr: Bill Wright sitzt am Steuer eines kleinen Flug-
ne zu stellen?« Cheney bejaht die Frage sofort. Während sich zeugs. Ein Fluglotse bittet ihn, aus dem Fenster zu blicken.
das Kampfflugzeug dem Flug 93 der United Airlines immer Er sieht Flug 93 der United Airlines in drei Meilen Entfer-
mehr nähert, wird die Frage an Cheney zweimal wiederholt, nung – nahe genug, um das Wappen der United Airlines zu
und jedesmal antwortet er mit Ja. erkennen. Die Luftverkehrskontrolle fragt Wright, auf wel-
9:59 Uhr: An Bord von Flug 93 der United Airlines kommt es cher Höhe sich die Maschine befinde, und weist ihn dann an,
zu einem Handgemenge zwischen Entführern und Passagieren. sich von ihr zu entfernen und sofort zu landen. Wright sah

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Flug 93 drei- oder viermal hin- und herschaukeln, bevor er »Während der ganzen Jahre, als ich beim Pentagon war,
dem Befehl stattgab. Er meint, vielleicht hätten die Entführer hätte so etwas nicht geschehen können. ATC-Radarbilder
versucht, angreifende Passagiere zurückzuschlagen. waren (und sind) in den unterirdischen Teilen des Penta-
10:00 Uhr: NRC weist sämtliche Kernkraftwerke an, die gon verfügbar, und jedes Passagierflugzeug, das sich nä-
höchste Alarmstufe zu verhängen. her als 300 Meilen bei Washington befunden und plötzlich
10:01 Uhr: Die FAA erteilt den Startbefehl für F-16-Kampf- auf die Hauptstadt Kurs genommen hätte oder das seinen
flugzeuge in Toledo, Ohio. Obwohl dort keine Alarmbereit- Transponder ausgeschaltet und auf Signale der Luftver-
schaft rund um die Uhr herrscht, erheben sich die Jäger be- kehrskontrolle nicht geantwortet hätte, wäre binnen Minu-
reits nach 16 Minuten in die Luft – eine hervorragende Lei- ten von mit Überschallgeschwindigkeit fliegenden Jägern
stung. Freilich sind seit dem Absturz des letzten entführten vom Luftwaffenstützpunkt Andrews AFB gestellt worden.
Flugzeugs nun schon 11 Minuten vergangen. Warum Andrews keine Jäger entsandt hat, will mir einfach
Beachtung verdient folgende Tatsache: Daß keine Jäger von nicht in den Kopf. Wenn wir früher innerhalb von sechs
näher bei den entführten Flugzeugen befindlichen Basen ent- Minuten Kampfflugzeuge alarmieren und starten lassen
sendet worden sind, erklärt NORAD damit, das die Organisa- konnten, so können wir dies auch heute noch.«
tion lediglich Stützpunkte benutze, die Teil des NORAD- Bald nach dem 11. September setzte sich ein Fluglotse in
Verteidigungsnetzwerks bildeten (sieben dem Schutz des New Hampshire über das Verbot hinweg, mit den Medien zu
kontinentalen Teils der USA dienende Basen waren in stän- sprechen. Dem Vernehmen nach sagte er, ein F-16-
diger Alarmbereitschaft). Der Stützpunkt Toledo gehörte Kampfflugzeug sei »Flug 93 der United Airlines dicht ge-
nicht zum NORAD-Netzwerk und erhielt doch um 10:01 Uhr folgt«. Die F-16 »vollzog Kehrtwendungen um 360 Grad, um
den Befehl zur Entsendung von Jagdflugzeugen. Warum war nahe bei dem Passagierflugzeug zu bleiben«. Der Jägerpilot
dies nicht schon mindestens eine Stunde zuvor geschehen? müsse »alles gesehen haben«, meinte der Fluglotse zum Ab-
Könnte es womöglich sein, daß dies in der Tat der Fall gewe- sturz von Flug 93.
sen war und jenes Flugzeug, das Flug 93 verfolgte, aus Tole- Was ist mit unserem ersten Amendment passiert? Warum
do kam? Unbeachtet von den Medien, hat ein Seismologe gibt es zu den Ereignissen des 11. September 2001 in den
vermeldet, um 9:22 habe es in West-Pennsylvania einen USA keine freie und offene Debatte? Ich, Mark Elsis, bin be-
Überschallknall gegeben. Könnte es sich dabei um ein reit, mit jedermann vor jedem beliebigen Forum darüber zu
Kampfflugzeug gehandelt haben, das sich auf die Jagd nach diskutieren. Gibt es einen unerschrockenen Kontrahenten, der
Flug 93 machte? mit mir die Klingen kreuzen und darüber debattieren will,
10:02 Uhr: Nach einer Kontrolle von Radarbändern wird bei was an jenem Tag tatsächlich geschehen ist?
Shanksville, Pennsylvania, ein Radarsignal von Flug 93 der © 8. Januar 2003
United Airlines entdeckt.
10:03 Uhr: Laut dem FBI verstummt der Cockpit- Anmerkungen
Stimmenrecorder, und Flug 93 der United Airlines stürzt bei 1
Siehe www.norad.mil/newsreleases/news_rel_09_18_01.htm; siehe auch
Shanksville, Pennsylvania, in Somerset County ca. 80 Meilen den AP-Artikel zur NORAD-Presseerklärung:
südöstlich von Pittsburgh ab. www.attackonamerica.net/8minutesaway.htm
2
10:04 Uhr: Johnstown-Cambra County Airport meldet, daß www.warresisters.org/piechart.htm.
3
www.af.mil/news/airman/1299/home2.htm.
Flug 93 der United Airlines sich 15 Meilen weiter südlich be- 4
Auf folgender Website findet man die Namen der sieben in voller Alarm-
finde. bereitschaft befindlichen sowie der weiteren 28 in Reichweite der An-
10:06:05 Uhr: Gemäß seismologischen Daten stürzt Flug 93 griffsziele liegenden Luftwaffenstützpunkte:
der United Airlines bei Shanksville, Pennsylvania, in Somer- www.StandDown.net/USAFbases.htm.
5
set County ca. 80 Meilen südöstlich von Pittsburgh ab. Die www.standdown.net/FAAStandardInterceptProcedures.htm.
6
Man gehe zu www.attackonamerica.net/, dort weiter zur Sektion »Evi-
Entfernung zu Washington beträgt 124 Meilen, die man bei dence« und dann weiter nach unten bis: AA11 Passenger List, UA 175
500 Meilen Stundengeschwindigkeit in ca. 15 Minuten zu- Passenger List, AA 77 Passenger List und UA 93 Passenger List. Man gehe
rücklegen kann. Ein Augenzeuge berichtet, er habe ein wei- zu jedem beliebigen dieser vier Links und zähle die Passagiere selbst.
7
ßes Flugzeug gesehen, das einem Kampfflugzeug glich und Boeing 767 Seating Charts:
www.boeing.com/commercial/767family/pf/pf_seating_charts.html
unmittelbar nach dem Absturz über der Unglücksstelle seine Boeing 757 Seating Charts:
Kreise zog. www.boeing.com/commercial/757family/pf/pf_seating_charts.html.
8
Die F-16-Maschinen von Langley AFB haben Washington www.standdown.net/FAAStandardInterceptProcedures.htm
9
um 9:49 Uhr erreicht. Wie schon hervorgehoben, beläuft sich »Jet [757 / 767] Could Wreck TMI [Three Mile Island], NCR [Nuclear
Regulatory Commission] Admits«,
die Maximalgeschwindigkeit dieses Flugzeugtyps auf 1500 www.AttackOnAmerica.net/JetCouldWreckNuclearNRCAdmits.htm.
Meilen pro Stunde. Nachdem Flug 77 um 9:37 Uhr das Pen- 10
»US Considered „Suicide Jet Missions“«,
tagon getroffen hat, befindet sich nur noch eine Maschine mit news.bbc.co.uk/1/hi/world/americas/2222205.stm
11
verstummtem Transponder in der Luft, und die fliegt schnur- »National Guard Fighters Raced After 2 Airliners«,
stracks Richtung Washington – Flug 93 der United Airlines. www.staugustine.com/stories/091601/ter_0916010027.shtml
12
www.MyCountryRightOrWrong.net/F-15.htm
Wären die F-16 mit Höchstgeschwindigkeit geflogen, so hät- 13
www.worldnetdaily.com/news/article.asp?ARTICLE_ID=30682
ten sie das entführte Passagierflugzeug innerhalb von 5 bis 8 14
www.attackonamerica.net/ignorad.htm
15
Minuten gestellt, je nachdem, um wieviel Uhr sie gestartet http://www.AttackOnAmerica.net/BushAtEmmaEBookerSchool.mov.
16
waren. Warum haben sie keinen diesbezüglichen Versuch un- Wir haben eine Videoaufnahme von Bush, wie er am Sarasota-Bradenton
International Airport ankommt; darauf ist auch zu sehen, wie Air Force
ternommen? Warum machten sie sich nicht schleunigst auf One startet. Man gehe zu:
die Jagd nach dem einzigen noch in der Luft befindlichen www.AttackOnAmerica.net/AirForceOneLeavingSarasota.ra
entführten Flugzeug? 17
news.bbc.co.uk/1/hi/world/americas/2222205.stm
18
Lassen wir zum Schluß einen Fluglotsen des Pentagon zu www.fema.gov/library/wtcstudy.shtm liefert eine detaillierte forensische
Studie des Einsturzes der beiden Türme.
Wort kommen:

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 287
Der Krieg gegen den Irak: In Israel konzipiert
Von Stephen J. Sniegoski
Paul W. Schroeder, ein erfahrener Historiker auf dem Gebiet sche Bewegung, die Israels Sicherheit garantieren würde.«
der auswärtigen Beziehungen, kritisierte in einem langen Ar- Schon eine Zeitlang vor dem 11. September 2001 hatten
tikel in The American Conservative die Gründe für den ge- Neokonservative öffentlich einen amerikanischen Krieg ge-
planten US-Angriff auf den Irak und bemerkte ganz nebenbei: gen den Irak befürwortet. Die Schrecken des 11. Septembers
»was vielleicht der uneingestandene wirkliche Grund und boten den Vorwand. Der Gedanke, daß die Neokonservativen
das Motiv hinter der Politik ist: Sicherheit für Israel.« als treibende Kraft hinter der US-Kriegsbewegung stehen,
Wenn Israels Sicherheit tatsächlich das wirkliche amerikani- wurde durch eine Reihe Kommentatoren verbreitet. Zum
sche Motiv für den Krieg ist, so schrieb Schroeder,1 Beispiel war Joshua Micah Marshall Verfasser eines Artikels
»würde dies etwas meines Wissens Einmaliges in der Ge- in The Washington Monthly mit dem Titel: »Bomb Saddam?:
schichte darstellen. Es kommt oft vor, daß Großmächte How the obsession of a few neocon hawks became the central
versuchen, ihre Kriege durch Stellvertreter zu führen, in- goal of U.S. foreign policy« (Saddam Bombardieren? Wie die
dem sie kleinere Mächte für ihre Interessen kämpfen las- Zwangsvorstellungen von ein paar neokonservativen Falken
sen. Dies wäre aber der erste mir bekannte Fall, wo eine das Hauptziel der US-Außenpolitik bestimmte)
Großmacht – ja, sogar eine Supermacht – den Kampf als Und in der linksgerichteten e-Zeitschrift CounterPunch,
Stellvertreter für einen kleinen Vasallenstaat übernimmt.« schrieben Kathleen und Bill Christison:3
Gibt es denn Hinweise darauf, daß Israel und seine Partei- »Es gibt starke Anzeichen dafür, daß der Krieg gegen den
gänger es geschafft haben, die USA für ihre Interessen kämp- Irak auf Geheiß von Israel oder dem Drängen von Politik-
fen zu lassen? machern geplant wird, deren Hauptziel es ist, ein sicheres
Um die wirklichen Motive für den geplanten Krieg gegen Umfeld für Israel zu schaffen. Viele israelische Analytiker
den Irak ans Licht zu bringen, muß man die entscheidende glauben dies. Der israelische Kommentator Akiva Eldar
Frage stellen: Wie führte der Terroristen-Angriff vom 11. bemerkte kürzlich offenherzig in einer Spalte der Zeitung
September zu dem geplanten Krieg gegen Ha’aretz, daß [Richard] Perle,
den Irak, obwohl es keine wirklichen Be- [Douglas] Feith und ihre Mitstrategen
weise dafür gibt, daß der Irak in den 11. „einen Balanceakt zwischen ihrer
September verwickelt war? Seit dem An- Loyalität zur amerikanischen Regie-
griff vom 11. September versuchen Neo- rung und israelischen Interessen durch-
konservative, die überwiegend (wenn führen.“ Der Hinweis auf eine doppelte
auch nicht ausschließlich) dem jüdischen Loyalität ist in der israelischen Presse
Volk angehören und rechtsgerichteten kein Tabu – anders als in den USA. Der
zionistischen Überzeugungen huldigen, Friedensaktivist Uri Avnery, der den is-
den 11. September auszunutzen, um ge- raelischen Premierminister Sharon gut
gen den islamischen Terrorismus einen kennt, hat geschrieben, daß Sharon
großangelegten Krieg zu entfachen, des- Richard Perl lange Zeit grandiose Pläne zur Um-
sen Angriffsziel mit den Feinden Israels strukturierung des Nahen Ostens ge-
identisch ist. schmiedet habe, und daß „mich die Signale, die jetzt aus
Obwohl der Ausdruck Neokonservative für diese Gruppe in Washington kommen, an Sharon erinnern. Ich habe durch-
den USA allgemein gebräuchlich ist, scheint eine kurze Be- aus keinen Beweis dafür, daß die Bush-Leute ihre Ideen
schreibung dieser Gruppe hilfreich zu sein. Viele der Neo- von ihm bekommen haben. Aber der Stil ist der gleiche.“«
konservativen der ersten Generation waren ursprünglich linke In dem folgenden Beitrag will ich versuchen, dieser These
Demokraten oder gar Sozialisten und Marxisten, oftmals Fleisch und Blut zu geben und die Verbindungen zwischen
Trotzkisten. Sie schwenkten in den 60er und 70er Jahren des der Kriegshaltung der Neokonservativen und der Lang-
letzten Jahrhunderts nach rechts, als sich die Demokratische zeitstrategie der israelischen Rechten, wenn nicht gar breiter
Partei der kriegsgegnerischen Linken McGoverns zuwandte. Kreise in Israel aufzuzeigen. Kurz gesagt: schon seit vielen
Und die Sorge um Israel war deutlich im Vordergrund bei Jahren geistert in Israel die Idee eines Nahost-Krieges herum
dieser Schwenkung nach rechts. Der Politikwissenschaftler als Mittel zur Lösung der israelischen Sicherheitsprobleme,
Benjamin Ginsberg formulierte es so:2 die sich aus einer endgültigen Lösung des Palästinenserpro-
»Ein Hauptgrund, der sie unbarmherzig nach rechts trieb, blems ergeben.
war ihre Verbundenheit mit Israel und ihre wachsende
Frustration während der 60er Jahre, als sich die Demokra- Krieg und Vertreibung
tische Partei immer mehr gegen eine amerikanische Mili- Wenn man verstehen will, warum israelische Führer einen
tärbereitschaft stellte und sich zunehmend für die Interes- Nahost-Krieg wollen, muß man zuerst einen kurzen Blick auf
sen der Dritten Welt (z.B. palästinensische Rechte) begei- die Geschichte und die Ziele der zionistischen Bewegung
sterte. Reagans Rechte mit ihrer stramm antikommunisti- werfen. Trotz öffentlicher rhetorischer Beteuerungen des Ge-
schen Haltung, dem Engagement für eine amerikanische genteils war die Idee einer Vertreibung (oder, mit dem akzep-
Militärstärke, der Bereitschaft, sich politisch und militä- tierten Euphemismus: Transfer) der eingesessenen palästi-
risch in die Angelegenheiten anderer Nationen einzumi- nensischen Bevölkerung ein integraler Bestandteil der zioni-
schen, um demokratische Werte (und amerikanische Inter- stischen Bemühungen, einen jüdischen Staat in Palästina zu
essen) zu fördern, boten den Neokonservativen eine politi- gründen. Der Historiker Tom Segev schreibt:

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»Die Idee eines Transfers hat die zionistische Bewegung führen müsse. Der Krieg, so sagte er, würde »die Umstände«
von Anfang an begleitet und erschien zuerst in Theodor für die Entfernung der gesamten palästinensischen Bevölke-
Herzls Tagebuch. Tatsächlich fingen die Zionisten seit dem rung vom Westufer des Jordans und Gaza und sogar aus Isra-
Zeitpunkt mit der Durchführung eines Mini-Transfers an, el selbst liefern.6
als sie Land kauften und die arabischen Bewohner evaku- Der israelische Außenpolitik-Experte Yehoshafat Harkabi
ierten... Die Araber „verschwinden“ zu lassen, war eine kritisierte das Kriegs- und Vertreibungs-Szenario und sprach
Grundvorstellung des zionistischen Traumes und war auch in seinem bedeutenden Werk Israels Fateful Hour (Israels
eine notwendige Bedingung seiner Verwirklichung... Mit Schicksalsstunde), das 1988 herauskam, von »israelischen
wenigen Ausnahmen stellte kein Zionist die Erwünschtheit Absichten, dem Nahen Osten eine Pax Israelica aufzuerlegen
eines Zwangstransfers in Frage – oder dessen Moralität.« und die arabischen Länder zu beherrschen und sie rück-
Die zionistischen Führer lernten jedoch, so führt Segev wei- sichtslos zu behandeln«. Harkabi schrieb aus einer realisti-
ter aus, ihren Plan einer Massenvertreibung nicht öffentlich schen Perspektive und schlußfolgerte, daß Israel angesichts
zu verkünden, weil »dies den Zionisten die Sympathien der der Stärke der arabischen Staaten und der betroffenen großen
Welt verscherzen würde.«4 palästinensischen Bevölkerung sowie der heftigen Oppositi-
Der Schlüssel für die Lösung des Problems bestand darin, ei- on der Weltmeinung nicht die Macht habe, dieses Ziel zu er-
nen geeigneten Zeitpunkt für den Beginn der Vertreibung zu reichen. Er hoffte, daß »der mißlungene israelische Versuch,
finden, damit sie nicht von der ganzen Welt verurteilt würde. dem schwächsten arabischen Staat – Libanon – eine Neu-
Ende der 30er Jahre schrieb David Ben Gurion:5 ordnung aufzuzwingen, den Leuten ähnliche Ambitionen in
»Was in normalen Zeiten nicht absehbar ist, wird in revo- anderen Gebieten nehmen werde.«7 Nicht berücksichtigt
lutionären Zeiten möglich: und wenn dann die Gelegenheit wurde von Harkabi die Möglichkeit, daß die USA als Stell-
verpaßt und nicht durchgeführt wird, was in solch großen vertreter Israels tätig werden könnten, um das Endziel zu er-
Stunden möglich ist – dann ist eine ganze Welt verloren.« reichen.
Die »revolutionären Zeiten« sollten 1948 mit dem ersten ara-
bisch-israelischen Krieg kommen, als die Zionisten in der US-Realpolitik
Lage waren, 750.000 Palästinenser (über 80% der eingeses- In den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts war die
senen Bevölkerung) zu vertreiben und dadurch einen über- US-Nahost-Politik zwar voller Sympathie für Israel, aber
wiegend jüdischen Staat zu erlangen, wenngleich dessen Ge- nicht identisch mit dessen Politik. Das Grundziel der US-
biet nicht ganz Palästina oder das Politik war die Schaffung stabiler Re-
»Land Israel« umfaßte, das die Zioni- gierungen in Nahost, die es möglich
sten als notwendig für einen lebens- machten, daß das Öl verläßlich in die
fähigen Staat ansahen. westlichen Industriestaaten fließen
Die Gelegenheit, noch mehr Land zu konnte. Die islamischen Länder muß-
erhaschen, ergab sich als Resultat des ten nicht mit Israel befreundet sein –
Krieges von 1967. Allerdings brachte ja, sie konnten sogar offen gegen den
diese Besetzung das Problem einer jüdischen Staat auftreten. Die USA
großen palästinensischen Bevölke- arbeiteten auf einen Frieden zwischen
rung mit sich. Zu dieser Zeit war die Israel und den mohammedanischen
Weltmeinung völlig gegen erzwunge- Staaten dieser Region hin, aber es soll-
Elliott Abrams
ne Bevölkerungstransfers. Die 1949 te ein Friede sein, der den Bedürfnis-
ratifizierte, epochemachende vierte Genfer Konvention hatte sen der mohammedanischen Nationen Rechnung trug – vor al-
einstimmig Deportationen von Zivilisten während einer Be- lem ihren Forderungen in Verbindung mit den Palästinensern.
setzung verboten.5 Seit dem Krieg von 1967 war die Aufgrund der Politik zur Sicherung der Ölversorgung aus
Hauptfrage der israelischen Politik: Was soll mit diesem Ge- Nahost unterstützte Washington in der Mitte der 80er Jahre
biet und seiner palästinensischen Bevölkerung geschehen? stark den Irak in seinem Krieg gegen den Iran, obwohl die
In den 80er Jahren, als die rechtsgerichtete Likud-Partei an USA auch dem Iran eine Zeitlang Hilfe zukommen ließen
die Macht kam, tauchte die Idee einer Vertreibung wieder öf- (siehe den Iran-Contra-Skandal). Ironischerweise war es Do-
fentlich auf. Und dieses Mal war sie direkt mit einem größe- nald Rumsfeld, der 1983 als US-Gesandter den Weg für die
ren Krieg verbunden, wobei die Destabilisierung des Nahen Wiederaufnahme der Beziehungen mit dem Irak ebnete,
Ostens als Vorbedingung für die palästinensische Vertrei- nachdem die Beziehungen 1967 abgebrochen worden waren.
bung angesehen wurde. Ein solcher Vorschlag – einschließ- Die Vereinigten Staaten sahen, wie andere westliche Staaten,
lich der Entfernung der palästinensischen Bevölkerung – den Irak als ein Bollwerk gegen die radikalen Islamisten des
wurde in einem Artikel von Oded Yinon mit dem Titel »Eine Ayatollahs im Iran an, die die westlichen Ölinteressen be-
Strategie für Israel in den 80er Jahren« umrissen, der im Fe- drohten. Die US-Unterstützung für den Irak beinhaltete auch
bruar 1982 in der Zeitschrift Kivunim der Zionistischen Geheimdienst- Informationen, Militärausrüstung und Land-
Weltorganisation erschien. Yinon war mit dem israelischen wirtschaftskredite. Und die USA schickten die größte Flot-
Außenministerium verbunden gewesen und sein Artikel gab tenstreitmacht seit dem Vietnam-Krieg in den Persischen
zweifellos das Denken hochstehender israelischer Militärs Golf. Angeblich zum Schutz der Öltanker entsandt, führte sie
und des intellektuellen Establishments wieder. Der Artikel schließlich schwere Angriffe auf die Flotte des Iran durch.
rief Israel dazu auf, die Auflösung und Aufspaltung der ara- Während dieser Zeit der Unterstützung durch die USA be-
bischen Staaten in ein Mosaik ethnischer Gruppen zu betrei- nutzte der Irak Giftgas gegen die Iraner und die Kurden, eine
ben. Mit Gedanken in dieser Richtung erklärte Ariel Sharon Vorgehensweise, die jetzt von der US-Regierung und ihren
am 24. März 1988, daß Israel, wenn die palästinensische Er- Unterstützern in den Medien als so furchtbar bezeichnet
hebung andauere, gegen seine arabischen Nachbarn Krieg wird. Tatsächlich wurde es dem Irak durch US-Geheim-

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dienste ermöglicht, Giftgas gegen die Iraner anzuwenden. sondern die von ihr vorgeschlagene „Neue Weltordnung“
Außerdem lockerte Washington gegenüber dem Irak seine war in der Form, wie sie von Außenminister James Baker
eigenen Export-Restriktionen für Technologie, was es den umgesetzt wurde, in Konflikt mit neokonservativen/israeli-
Irakern ermöglichte, Supercomputer, Werkzeugmaschinen, schen Zielen, da sie darauf ausgerichtet war, die arabische
giftige Chemikalien und sogar Anthrax- und Beulenpest- Koalition zu besänftigen, die den Krieg unterstützte. Das
Erreger zu importieren. Kurzum: die USA halfen dem armen führte Bestrebungen mit sich, die israelische Herrschaft in
Irak mit genau den Schreckenswaffen, die Regierungsbeamte den besetzten Gebieten im Zaum zu halten. Die Regierung
jetzt als Rechtfertigung für eine gewaltsame Entmachtung Bush forderte, Israel solle den Bau neuer Siedlungen in den
Saddams hinaustrompeten.8 besetzten Gebieten einstellen und machte davon die Vergabe
Als 1988 der Krieg zwischen Iran und Irak endete, behielten einer Kreditgarantie über 10 Mrd. $ abhängig, mit der Hun-
die USA ihre Unterstützung des Irak bei und überschütteten derttausende Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion
das Land mit militärischer Elektronik, moderner Technologie angesiedelt werden sollten. Obwohl sich Bush schließlich
und Landwirtschaftskrediten. Die USA rechneten offenbar kurz vor der Wahl im November 1992 dem prozionisti-
damit, daß Saddam die Stabilität in der Golfregion aufrecht- schen Druck in Amerika beugte, waren viele Neokonserva-
erhalten würde. Als aber der Irak im August 1990 in Kuwait tive über seinen Widerstand unzufrieden, was einige, wie
einmarschierte, änderte sich die US-Politik abrupt. Wie Fal- z.B. Safire, veranlaßte, bei der Wahl 1992 Bill Clinton zu
ken erzeugten die Neokonservativen Unterstützung für einen unterstützten.12
US-Krieg gegen den Irak. Das Komitee für Frieden und Si-
cherheit am Golf wurde mit Richard Perle an der Spitze eta- Das Netzwerk
bliert, um den Krieg zu propagieren.9 Und neokonservative Während der Regierung Clinton brachten die Neokonservati-
Kriegsfalken wie Perle, Frank Gaffney Jr., A.M. Rosenthal, ven ihre Ansichten durch ein eng verbundenes Netzwerk von
William Safire und The Wall Forschungsgruppen weiter,
Street Journal vertraten die dem American Enterprise In-
Auffassung, daß Amerikas stitute (AEI), dem Middle
Kriegsziel nicht nur darin East Media Research Institu-
bestehen sollte, den Irak aus te (Memri), dem Hudson In-
Kuwait zu vertreiben, son- stitute, dem Washington In-
dern auch Iraks Militärpo- stitute for Near East Policy,
tential zu zerschlagen, vor dem Middle East Forum,
allem seine Fähigkeit zur dem Jewish Institute for Na-
Herstellung von Nuklear- tional Security Affairs (JIN-
waffen. Die erste Bush- SA), dem Center for Securi-
Regierung machte sich diese ty Policy (CSP) – die großen
Haltung zu eigen.10 Einfluß bei den Medien hat-
Die Neokonservativen hoff- ten und die den Republika-
ten indessen darüber hinaus, nern bei der Bemannung von
daß der Krieg zu einer Ab- Regierungsposten halfen.
setzung von Saddam Hus- Manche dieser Organisatio-
sein und einer amerikani- nen waren ursprünglich von
schen Besetzung des Irak eigentlichen Konservativen
führen würde. Aber trotz gegründet und erst später
dem Drängen des damaligen Paul Wolfowitz von den Neokonservativen
Verteidigungsministers Ri- übernommen worden,13 an-
chard Cheney und seines Stellvertreters Paul Wolfowitz wur- dere sind von den Neokonservativen gebildet worden, wobei
de die völlige Eroberung des Irak wegen des Widerstands einige der Gruppen eine direkte israelische Verbindung hat-
von General Colin Powell, dem Generalstabschef, und von ten. Zum Beispiel war Oberst Yigal Carmon, ehemals beim
General Norman Schwarzkopf, dem Kommandeur vor Ort, israelischen Militärnachrichtendienst, ein Mitbegründer des
nicht durchgeführt. Außerdem hatten die USA nur ein UN- Middle East Media Research Institute (Memri). Und die ver-
Mandat zur Befreiung Kuwaits, nicht zur Absetzung von schiedenen Organisationen sind untereinander eng verbun-
Saddam. Letzteres zu versuchen, hätte zum Zerbrechen der den. Zum Beispiel war die Mitgründerin von Memri, Meyrav
Koalition unter US-Befehl geführt.11 Amerikas Koalitions- Wurmser, Mitglied des Hudson Institute, während ihr Ehe-
partner in der Region, vor allem die Türkei und Saudi- mann David Wurmser an der Spitze der Nahost-
Arabien, fürchteten, daß die Beseitigung von Saddams Re- Forschungsabteilung des AEI stand. Und Pede war sowohl
gierung dazu führen könnte, daß der Irak in sich bekriegende Mitglied beim American Enterprise Institute (AEI), wie auch
ethnische und religiöse Gruppen zerfallen würde. Das hätte Direktionsmitglied des Hudson Institute.14
zu einem kurdischen Aufstand im Irak führen können, der In einem kürzlich erschienenen Artikel in The Nation erörtert
sich dann auf die unzufriedene eigene kurdische Bevölkerung Jason Vest den immensen Einfluß auf die derzeitige Regie-
der Türkei hätte ausbreiten können. Außerdem hätten die rung Bush durch Leute aus zwei wichtigen neokonservativen
Schiiten des Irak unter den Einfluß des Iran kommen können, Forschungseinrichtungen, JINSA und SCP. Vest geht detail-
wodurch die Bedrohung durch den islamischen Radikalismus liert auf die engen Verbindungen ein zwischen den beiden
in der Region erhöht worden wäre. Organisationen, rechten Politikern, Waffenhändlern, Militärs,
Die Bush-Regierung zerschmetterte nicht nur die neokonser- jüdischen Milliardären und der republikanischen Regierung.
vativen Hoffnungen, weil sie Saddam an der Macht beließ, In bezug auf JINSA schreibt Vest:15

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»1976 von Neokonservativen gegründet, die sich sorgten, sauberer Bruch: eine neue Strategie zur Sicherung des Rei-
daß die USA vielleicht nicht in der Lage wären, an Israel ches« und war als politischer Plan für die neue Regierung
im Fall eines weiteren arabisch-israelischen Krieges aus- Benjamin Netanjahus gedacht. Die Studie besagte, daß Ne-
reichend Militärgüter zu liefern, entwickelte sich JINSA tanjahu »einen klaren Bruch« mit dem Osloer Friedensprozeß
von einer lose verbundenen Vorgruppe zu einem 1,4 Mio. vornehmen und Israels Anspruch auf das Westufer und Gaza
$-pro-Jahr-Projekt mit einem imponierenden Aufgebot erneut bekräftigen solle. Sie legte einen Plan vor, anhand
Washingtoner Machtspieler auf seiner Gehaltsliste. Bis dessen Israel »seine strategische Umgebung formen« könnte,
zum Beginn der jetzigen Bush-Regierung gehörten angefangen mit der Beseitigung Saddam Husseins und der
Schwergewichtler wie Cheney, John Bolton (jetzt Unter- Einsetzung einer haschemitischen Monarchie in Bagdad, was
staatssekretär für Waffenkontrolle) und Douglas J. Feith zu als erster Schritt dazu dienen sollte, um die antiisraelischen
dem JINSA-Beratungsgremium. Feith ist der dritthöchste Regierungen in Syrien, dem Libanon, Saudi-Arabien und
Beamte im Pentagon. Sowohl Pede wie auch der frühere dem Iran zu eliminieren.16
CIA-Direktor James Woolsey, zwei der lautesten Stimmen Man beachte, daß diese Amerikaner – Perle, Feith und
im Chor für einen Irak-Angriff, gehören Wurmser – einer fremden Regierung Rat-
ebenso zu dem Gremium, wie auch sol- schläge erteilten, und daß sie derzeit Po-
che Überbleibsel aus der Reagan-Ära sten in der Regierung George W. Bush
wie Jeane Kirkpatrick, Eugene Rostow innehaben. Perle ist Chef des Verteidi-
und [Michael] Ledeen – Oliver Norths gungsrates (Defense Policy Board), Feith
Iran/Contra Verbindung mit den Israe- ist Staatssekretär für Verteidigungspolitik
lis.« (Assistant Secretary of Defense for Po-
Vest bemerkt, daß »Dutzende« von JIN- licy) und Wurmser ist Sonderbeauftragter
SA- und CSP- von John Bolton, dem Chefunterhändler
»Mitglieder zu machtvollen Regie- des Außenministeriums für Waffenkon-
rungsposten aufgestiegen sind, wo sie trolle. Weiter ist bemerkenswert, daß
sich weiterhin zugunsten der gleichen 1996 Israel durch Beseitigung seiner
Ziele einsetzen, wobei ihnen die aus der Feinde »seine strategische Umgebung
Regierung ausgeschiedenen Helfer zu formen« sollte, während jetzt die gleichen
Diensten sind, aus deren Reihen sie Personen vorschlagen, daß die USA die
stammen. Fleißig und beharrlich haben Nahost-Umgebung formen, um Israels
sie dafür gesorgt, eine Reihe von The- Feinde zu beseitigen. Mit anderen Wor-
men – Unterstützung der nationalen ten: die USA sollen als Handlanger Israels
Raketen-Verteidigung, Widerstand ge- dienen, um israelische Interessen zu för-
gen Waffenbegrenzungsverträge, Vor- dern.
kämpfer für verschwenderische Waffen- William Kristol Am 19. Februar 1998 schlug das neokon-
systeme, Waffenhilfe für die Türkei und amerikanischen servative Komitee für Frieden und Sicherheit im Golf in ei-
Unilateralismus im allgemeinen – zu einer harten Linie zu nem »Offenen Brief an den Präsidenten« »eine umfassende
verknüpfen, in deren Zentrum die Unterstützung der israe- politische und militärische Strategie« vor, »um Saddam und
lischen Rechten steht.« sein Regime zu beseitigen«. Der Brief fuhr fort:
Und Vest fährt fort:15 »Es wird nicht leicht sein – und der Handlungsverlauf, den
»Bei keinem Thema fällt die harte Linie von JINSA/CSP wir bevorzugen, ist nicht ohne Probleme und Gefahren.
mehr ins Auge als bei ihrer unbarmherzigen Kampagne für Aber wir glauben, daß die vitalen Interessen unseres Lan-
einen Krieg – nicht nur in bezug auf den Irak, sondern für des erfordern, daß die USA [eine solche Strategie über-
einen totalen Krieg, wie Michael Ledeen, einer der einfluß- nehmen].«
reichsten JINSAs in Washington, es im letzten Jahr formu- Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören folgende Beam-
lierte. Für diese Mannschaft ist ein „Regimewechsel“ mit ten, die derzeit der Regierung Bush angehören: Elliott Ab-
allen Mitteln im Irak, im Iran, in Syrien, Saudi-Arabien rams (National Security Council), Richard Armitage (State
und bei den palästinensischen Behörden ein zwingendes Department), Bolton (State Department), Feith (Defense De-
Muß.« partment), Fred We (Defense Policy Board), Zalmay Kha-
Rekapitulieren wir Vests Hauptpunkte: Das JINSA/CSP – lilzad (White House), Peter Rodman (Verteidigungsministe-
Netzwerk hat »die Unterstützung für die israelische Rechte rium), Wolfowitz (Verteidigungsministerium), David Wurm-
im Zentrum«. In Übereinstimmung mit den Ansichten der is- ser (Außenministerium), Dov Zakheim (Verteidigungsmini-
raelischen Rechten befürwortet es einen Nahost-Krieg, um sterium), Perle (Verteidigungsrat) und Rumsfeld (Verteidi-
die Feinde Israels zu eliminieren. Und Mitglieder des JIN- gungsminister).17 1998 gehörte Donald Rumsfeld zum Neo-
SA/CSP-Netzwerkes haben einflußreiche Positionen in der kon-Netzwerk und forderte damals bereits einen Krieg gegen
Außenpolitik der republikanischen Regierung erlangt, ganz be- den Irak.18
sonders in der gegenwärtigen Regierung von George W. Bush. Zu den Unterzeichnern gehörten auch Prozionisten und neo-
konservative Leuchten wie Robert Kagan, William Kristol,
„Sicherung des Reiches“ Gaffney (Direktor des Center for Security Policy), Joshua
Eine klare Veranschaulichung des neokonservativen Kriegs- Muravchik (American Enterprise Institute), Martin Peretz
denkens gegen den Irak ist ein 1996 von Perle, Feith, David (Chefredakteur, The New Republic), Leon Wieseltier (The
Wurmer u.a. entwickelter Plan, der von einer israelischen New Republic), und der frühere Abgeordnete Stephen Solarz
Forschungsgruppe, dem Institute for Advanced Strategic and (D-N.Y.).17 Präsident Clinton wollte seinerzeit nur das Irak-
Political Studies, publiziert wurde. Er trägt den Titel »Ein Befreiungs-Gesetz unterstützen, das 97 Mio. $ für die Aus-

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bildung und die Militärausrüstung der irakischen Opposition machte sich in den 70er Jahren als Top-Assistent von Senator
bewilligte.19 Henry „Scoop“ Jackson (D-Wash.) bemerkt, der eines der ra-
Im September 2000 gab die neokonservative Forschungs- dikalsten antikommunistischen und proisraelischen Senats-
gruppe Project for the New American Century (PNAC)20 ei- mitglieder war. Nach 1980 diente Perle unter Ronald Reagan
nen Bericht heraus: »Rebuilding America’s Defenses: Stra- als Vizeverteidigungsminister, wobei sein stramm antisowje-
tegy, Forces and Resources for a New Century« (Erneuerung tischer Standpunkt, vor allem seine Gegnerschaft zu jeglicher
der Verteidigung Amerikas: Strategie, Kräfte und Ressourcen Form von Waffenkontrollen, ihm von seinen Feinden den
für ein neues Jahrhundert), der eine Ausweitung der globalen Beinahmen »Prinz der Dunkelheit« einbrachte. Seine Freun-
Stellung der Vereinigten Staaten vorsah. In bezug auf den de sahen ihn jedoch, wie einer es ausdrückte, als »einen der
Nahen Osten forderte der Bericht eine verstärkte amerikani- wunderbarsten Menschen in Washington« an. Daß Perle be-
sche Militärpräsenz am Golf, ungeachtet ob Saddam an der kannt ist als ein Mann von scharfem Intellekt, als liebens-
Macht war oder nicht:21 würdiger und großzügiger Gastgeber, als witziger Begleiter
»Die Vereinigten Staaten haben jahrzehntelang versucht, und loyaler Bundesgenosse, hilft, sein Prestige in neokonser-
bei der Sicherung der Golfregion mehr Präsenz zu zeigen. vativen Kreisen zu erklären.25
Zwar liefert der ungelöste Konflikt mit dem Irak die unmit- Perle ist nicht einfach nur ein Exponent projüdischer Ansich-
telbare Rechtfertigung hierfür, aber die Notwendigkeit für ten; er hat auch enge Beziehungen zu Israel, da er ein persön-
die Anwesenheit beträchtlicher amerikanischer Streitkräfte licher Freund von Sharon ist und Aufsichtsratsmitglied der
im Golf geht über die Frage des Regimes von Saddam Jerusalem Post sowie ein ehemaliger Angestellter des israeli-
Hussein hinaus.« schen Waffenherstellers Soltam. Dem Autor Seymour M.
Zu den Mitarbeitern der Studie gehörten Personen, die in der Hersh zufolge wurde Perle, als er noch Kongreßassistent für
zweiten Regierung Bush eine führende Rolle einnehmen soll- Jackson war, vom FBI durch Telefonabhörungen dabei er-
ten: Cheney (Vizepräsident), Rumsfeld (Verteidigungsmini- wischt, wie er als geheim eingestufte Informationen vom Na-
ster), Wolfowitz (stellv. Verteidigungsminister), und Lewis tionalen Sicherheitsrat an die israelische Botschaft lieferte.26
Libby (Cheneys Stabschef). Der Herausgeber des Weekly Obwohl er formal gesehen nicht der Bush-Regierung ange-
Standard, William Kristol, war ebenfalls Mitautor. hört, hat Perle den unbezahlten Vorsitz im Ausschuß für Ver-
Um die Politik des Weißen Hauses direkt beeinflussen zu teidigungspolitik (Defense Policy Board) inne. Durch diese
können, verschafften sich Wolfowitz und Perle im Wahl- Position hat Perle Zugang zu als geheim eingestuften Doku-
kampf 2000 eine führende Rolle im Ratgeberstab für Außen- menten und enge Kontakte mit Regierungsführern. Ein Arti-
politik und nationale Sicherheit. kel in Salon formulierte es so:27
Das Team, an dessen Spitze der Sowjetspezialist Condolezza »Das Defense Policy Board, das ursprünglich ein obskures
Rice stand, wurde als »die Vulkane« bezeichnet. Bush hatte ziviles Komitee war, um dem Verteidigungsminister unver-
keine direkten Erfahrungen in der Außenpolitik und wenig bindlich Ratschläge im ganzen Spektrum militärischer
Weltkenntnis, was durch seine berüchtigten Schnitzer illu- Fragen zu erteilen, ist jetzt mit beherzten Irak-Falken auf-
striert wird – er verwechselte die Slowakei mit Slowenien, gefüllt und wurde quasi eine Lobby-Organisation, deren
bezeichnete die Griechen (Greeks) als »Grecians« und fiel Hauptziels zu sein scheint, Krieg gegen den Irak zu füh-
bei einem unerwartetem Test bezüglich der Namen von vier ren.«
ausländischen Staatsführern durch. Er muß sich daher sehr
auf seine Ratgeber stützen. »Derzeit unvorstellbare Aktionen«
Kagan bemerkte, »sein außenpolitisches Team wird von ent- Als Bush und seine Leute im Januar 2001 ihr Amt antraten,
scheidender Bedeutung dafür sein, welche Politik er betrei- zitierten israelische Presseberichte Regierungsbeamte und
ben wird«, und der Kolumnist Robert Novak bemerkte:22 Politiker, die offen von einer Massenvertreibung der Palästi-
»Da Rice in bezug auf Nahost-Angelegenheiten keine Er- nenser sprachen. Ariel Sharon wurde im Februar 2001 zum
fahrungen hat, werden Wolfowitz und Perle die Nahostpo- Ministerpräsidenten von Israel gewählt. Er ist für seine
litik am meisten beeinflussen.[23] Kurz gesagt: Wolfowitz Schonungslosigkeit bekannt und hatte in der Vergangenheit
und Perle würden dem „Weiß-nichts-Bush“ eine Außenpo- gesagt, daß Jordanien der Palästinenserstaat werden sollte,
litik fix und fertig liefern. Und sicherlich würden solche wo die aus Israel entfernten Palästinenser angesiedelt werden
rechtsgerichteten zionistischen Standpunkte von Cheney sollten.28 Die Öffentlichkeit in Israel sorgte sich zunehmend
und Rumsfeld bekräftigt, wie auch von der großen Anzahl über demographische Veränderungen, die den jüdischen Cha-
sonstiger Neokons, welche die Regierung Bush über- rakter des Staates Israel bedrohten. Amon Sofer, Professor an
schwemmen werden. der Universität Haifa, veröffentlichte eine Studie Demogra-
Neokonservative werden die Schlüsselstellungen in der phie von Eretz Israel (Groß-Israel), die voraussagte, daß etwa
Verteidigungs- und Außenpolitik besetzen. In Rumsfelds 2020 die Nichtjuden in Israel und den besetzten Gebieten ei-
Stab sind Wolfowitz und Feith. In Cheneys Stab gehören zu ne Mehrheit von 58 % ausmachen würden.29 Darüber hinaus
den wichtigsten Neokonservativen Libby, Eric Edelman wurde erkannt, daß der Gesamtanstieg der Bevölkerung das
und John Hannah. Und Cheney selbst hat mit seinen lang- übersteigen würde, was das Land mit seinen begrenzten
währenden Neokon-Verbindungen und Ansichten eine Wasservorräten ertragen konnte.30
wichtige Rolle bei der Ausformung von „Bushs“ Außenpo- Es schien für manche, daß Sharon beabsichtige, die Vertrei-
litik gespielt.« bung mittels militanter Maßnahmen zu bewerkstelligen. Ein
linksgerichteter Analytiker sagte damals:31
Eine Perle unter den Männern »Ein großer Krieg mit einem Transfer am Schluß – das ist
Perle wird oft als der einflußreichste Neokonservative in der der Plan der Falken, die den Augenblick seiner Verwirkli-
Außenpolitik beschrieben, als ihre Graue Eminenz.24 Er chung in der Tat fast erreicht haben.«

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Im Sommer 2001 berichtete die maßgebliche Jane’s Informa- Israels traditionelle Feinde sollten jetzt auch die Feinde Ame-
tion Group, daß Israel die Planung eines massiven und bluti- rika werden. Und Israel würde unter dem Mäntelchen eines
gen Einmarsches in die besetzten Gebiete abgeschlossen ha- „Krieges gegen den Terrorismus“ eine bessere Möglichkeit
be, bei dem auch »Luftangriffe durch F-15 und F-16- haben, sich mit den Palästinensern zu befassen.
Bomber, schwerer Artillerie-Beschuß und ein anschließender Direkt nach den Angriffen des 11.9. begannen die Neokon-
Angriff durch eine 30.000 Mann starke ... kombinierte Pan- servativen, öffentlich auf einen breiter angelegten Krieg ge-
zer- und Infanterietruppe erfolgen würden.« gen den Terrorismus zu drängen, der sich unmittelbar mit den
Solche gewaltigen Angriffe würden weit mehr als nur die Feinden Israels befassen sollte. Zum Beispiel war Safire der
Beseitigung Arafats und der PLO-Führung zum Ziel haben. Ansicht, daß die wirklichen Terroristen, auf die sich Amerika
Aber die Vereinigten Staaten legten ihr Veto gegen den Plan konzentrieren sollte, nicht Gruppen religiöser Fanatiker sei-
ein, und auch Europa machte seine Ablehnung von Sharons en, »sondern irakische Wissenschaftler, die heute fieberhaft
Plan deutlich.32 in versteckten biologischen Laboratorien und unterirdischen
Ein mit der israelisch-palästinensischen Szene vertrauter Be- Nukleareinrichtungen arbeiten, [und die,] wenn man sie un-
obachter schrieb im August 2001 voraussehend:33 gestört ließe, es dem von Haß getriebenen machthungrigen
»Es liegt nur am gegenwärtigen politischen Klima, daß Saddam ermöglichen würden, Millionen Menschen zu töten.
solche Vertreibungspläne nicht durchgeführt werden kön- Diese Macht würde ihn von einem eingesperrten Tyrannen zu
nen. Obwohl gegenwärtig das politische Klima heiß ist, einer um sich greifenden Weltmacht verwandeln.«35
sieht man deutlich, daß die Zeit für eine derartige drasti- Innerhalb der US-Regierung deutete Wolfowitz deutlich ei-
sche Aktion noch nicht reif ist. Erst wenn die Temperatur nen umfassenderen Krieg gegen bestehende Regierungen an,
weiter hochgebracht wird, werden Aktionen möglich, die als er sagte:36
derzeit unvorstellbar erscheinen.« »Ich denke, man muß sagen, daß es nicht einfach darum
Wieder einmal waren »revolutionäre Zeiten« für Israel not- geht, Leute zu fangen und zur Rechenschaft zu ziehen, son-
wendig, um seine politischen Ziele zu verwirklichen. Und dern man muß ihre Zufluchtsstätten beseitigen, ihre Unter-
dann kamen die Angriffe vom 11. September. stützungssysteme, und den Staaten ein Ende machen, die
den Terrorismus begünstigen. Und deshalb muß es ein
Revolutionärer September breiter und anhaltender Feldzug sein. Es wird nicht aufhö-
Die Schreckenstaten des 11. September lieferten die »revolu- ren, wenn [nur] ein paar Kriminelle in Gewahrsam ge-
tionären Zeiten«, in denen Israel radikale Maßnahmen durch- nommen werden.«
führen könnte, die unter normalen Verhältnissen unannehm- Am 20. September 2001 schickten Neokonservative vom
bar wären. Auf die Frage, wie sich die Angriffe auf die US- Project for the New American Century Präsident Bush einen
israelischen Beziehungen auswirken würden, erwiderte der Brief, mit dem sie den Krieg gegen den Terrorismus unter-
frühere Premierminister Benjamin Netanjahu: stützten und betonten, daß die Beseitigung Saddams ein we-
»Das ist sehr gut.« sentlicher Bestandteil dieses Krieges sei. Sie behaupteten,
Dann merkte er selbst an: daß »selbst wenn die Beweise den Irak nicht direkt mit dem
»Nun, also nicht sehr gut, aber es wird unmittelbares Mit- Angriff in Verbindung bringen, muß eine jede Strategie, die
gefühl erzeugen.« eine Vernichtung des Terrorismus und seiner Förderer zum
Dann sagte Netanjahu richtig voraus, die Angriffe würden Ziel hat, entschlossene Bemühungen beinhalten, Saddam
»das Band zwischen den zwei Völkern stärken, weil wir Hussein von der Macht im Irak zu entfernen. Sofern man
schon über so viele Jahrzehnte hinweg feindlichen Terror er- derartige Bemühungen nicht unternimmt, würde dies eine
fahren haben, während die Vereinigten Staaten erst jetzt ein frühe und vielleicht entscheidende Niederlage im Krieg ge-
massives Terrorblutbad
erleben mußten.« Sharon
verglich Israel mit der
Lage der USA und be-
zeichnete die Attacke als
einen Angriff auf »unsere
gemeinsamen Werte«. Er
erklärte:34
»Ich glaube, gemein-
sam können wir diese
Kräfte des Bösen ver-
nichten.«
In den Augen der israeli-
schen Führung hatten die
Angriffe vom 11. Sep-
tember die USA und die
Israelis gegen einen ge-
meinsamen Feind verei-
nigt. Und dieser Feind
befand sich nicht im ent-
fernten Afghanistan, son-
dern geographisch ganz
in der Nähe von Israel. Wiederhole: Wer gehört zur Achse des Bösen?

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gen den internationalen Terrorismus bedeuten.« Weiter was »kein weniger wichtiger Sieg in diesem Krieg wäre als
meinten die Briefschreiber, daß, wenn Syrien und der Iran die Vernichtung bin Ladens.«40
nicht alle Unterstützung für die Hisbollah einstellen, die USA Kritiker eines größeren Krieges im Nahen Osten erkannten
»geeignete Maßnahmen gegen diese bekannten Förderer des bald die Kriegspropaganda-Bemühungen der Neokonservati-
Terrorismus erwägen« sollten. Unter den Unterzeichnern des ven. Der Altkonservative U. Scott McConnell analysierte die
Briefes waren neokonservative Größen wie William Kristol, Lage im September 2002 und schrieb:41
Midge Decter, Eliot Cohen, Francis Fukuyama, Gaffney, »Für die Neokonservativen [...] ist bin Laden nur ein Ne-
Kagan, Kirkpatrick, Charles Krauthammer, Perle, Peretz, benschauplatz. [...] Sie hoffen, den 11. September als Vor-
Norman Podhoretz, Solarz, und Wieseltier.37 wand für die Eröffnung eines größeren Krieges im Nahen
Osten benutzen zu können. Ihr Hauptziel – wenn auch nicht
Der IV. Weltkrieg ihr einziges – ist der Irak Saddam Husseins, auch wenn der
In der Ausgabe vom 29. Oktober 2002 sagten Kagan und Irak nichts mit dem Anschlag auf das World Trade Center
Kristol im Weekly Standard einen größeren Nahostkrieg vor- zu tun hat.«
aus:38 McConnell hielt jedoch die Neokon-Haltung fälschlich für
»Letzten Endes wird der Konflikt in Afghanistan zum Krieg die Ansicht von nur einer kleinen Minderheit in der Bush-
gegen den Terrorismus im gleichen Verhältnis stehen wie Regierung.41
der Nordafrika-Feldzug zum Zweiten Weltkrieg: ein ent- »Die Neokon-Wunschliste ist ein Rezept, um einen riesigen
scheidender Anfang auf dem Pfad zum Sieg. Aber im Ver- Weltenbrand zwischen den Vereinigten Staaten und den
gleich zu dem, was sich am Horizont drohend abzeichnet, – Ländern in der ganzen Arabische Welt zu entzünden, des-
ein weitreichender Krieg in Gebieten von Zentralasien bis sen Folgen niemand mehr als noch kalkulierbar ausgeben
zum Nahen Osten und leider auch wieder zurück zu den kann. Die Unterstützung für einen solchen Krieg – der nur
USA – wird sich Afghanistan als Eröffnungsschlacht er- allzu leicht zu einem globalen Krieg werden könnte – be-
weisen... Aber dieser Krieg wird nicht in Afghanistan en- schränkt sich auf eine Minderheit innerhalb der Regierung
den. Er wird sich ausbreiten und eine Reihe Länder mit Bush (Vize-Außenminister Paul Wolfowitz ist ihr Hauptfür-
Konflikten unterschiedlicher Intensität erfassen. Er könnte sprecher) und im Lande. Aber sie beherrscht gegenwärtig
durchaus den Einsatz amerikanischer Militärmacht in die wichtigsten konservativen Zeitschriften, das Wall Street
zahlreichen Gebieten gleichzeitig erfordern. Er wird dem Journal, die National Review, den Weekly Standard, und
Zusammenstoß der Kulturen gleichen, den jedermann ger- die Washington Times, wie auch die neoliberale New Re-
ne vermieden hätte.« public von Marty Peretz. In einer instabilen Lage können
Kagan und Kristol scheinen sich auf diesen gigantischen solche Meinungsträger von Bedeutung sein.«
Weltenbrand zu freuen. Die altgediente Kolumnistin Georgie Anne Geyer äußerte ei-
In einem Artikel des Wall Street Journal vom 20. November ne ähnliche Ansicht und bemerkte:
2001 tauft Eliot Cohen den Konflikt »IV. Weltkrieg«, ein »Die „Irak-Einnehmen“-Kampagne [...] begann innerhalb
Ausdruck, der von anderen Neokonservativen aufgegriffen weniger Tage nach den Bombenanschlägen vom Septem-
wurde. Cohen proklamiert:39 ber. [...] Sie kam zuerst und besonders bei den proisraeli-
»Der Feind in diesem Krieg ist nicht der „Terrorismus“ schen Hardlinern im Pentagon auf, wie etwa dem stellver-
[...], sondern der militante Islam. [...] Afghanistan stellt nur tretenden Außenminister Paul Wolfowitz und Berater Ri-
eine Front im IV. Weltkrieg dar, und die Gefechte dort sind chard Perle, aber auch von strammen Neokonservativen
nur ein Feldzug.« wie auch einigen Journalisten und Kongreßangehörigen.
Cohen fordert nicht nur einen US-Angriff auf den Irak, son- Es wurde bald deutlich, daß viele von ihnen, wenn auch
dern auch die Auslöschung des islamischen Regimes im Iran, nicht alle, der Gruppe angehören, die in diplomatischen
und politischen Kreisen
oftmals als „Israel-zuerst-
Leute“ bezeichnet wird,
was bedeutet, daß sie im-
mer die israelische Poli-
tik, oder was sie eben da-
für halten, über alles an-
dere stellen.«
Geyer meinte, diese Den-
krichtung werde »von küh-
len Köpfen in der Regierung
in Schach gehalten, das
könnte sich aber jederzeit
ändern.«42

Bushs Innerstes erhellt
Die Neokonservativen ha-
ben die Schreckenstaten des
11. September als Blitz-
schlag dargestellt, um Präsi-
dent Bush seiner Sendung
Israel beendet die Belagerung Arafats… die andere Belagerung hält an!!! bewußt zu machen: das

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Übel des Weltterrorismus zu vernichten. Es ist eine Ironie, machen. Und wenn es Staaten, Regime und Nationen gibt,
daß sich Podhoretz christlicher Terminologie bedient, um den die den Terrorismus unterstützen, hoffen wir, sie zu überre-
veränderten Bush zu beschreiben:43 den, daß es in ihrem eigenen Interesse ist, damit aufzuhören.
»Ein verwandelter – oder genauer, ein verklärter – George Aber ich denke, ich würde es bei „dem Terrorismus ein Ende
W. Bush erschien vor uns. In einem früheren Artikel [...] machen“ belassen, Herr Wolfowitz mag für sich selbst spre-
habe ich, vielleicht etwas voreilig, vorhergesagt, daß aus chen.«47
der Schwärze von Rauch und Feuertod, die der 11. Sep- Es ist jedoch bezeichnend, daß, obwohl der „Krieg gegen den
tember verbreitet hat, eine Art Offenbarung mit einer ihr Terrorismus“ nicht mit einem Angriff auf den Irak beginnen
eigenen ganz anderen Art Feuer aufgeflammt ist, die Bush sollte, die Militärpläne für genau ein solches Unterfangen
im tiefsten Inneren, in Herz und Seele erleuchtet hat. Das ausgearbeitet wurden. Ein streng geheimes Dokument, das
heißt, daß Bush sich zuvor unsicher war, warum er auser- Bush am 17. September 2001 unterzeichnete und das den
wählt worden sein sollte, Präsident der Vereinten Staaten Kriegsplan für Afghanistan umriß, beinhaltete, als einen Ne-
zu werden, jetzt plötzlich wußte er, daß ihn der Gott, dem benpunkt, Instruktionen an das Pentagon, auch Pläne für ei-
er sich schon früher als wiedergeborener Christ geweiht nen Angriff auf den Irak auszuarbeiten.48
hatte, zu einem bestimmten Zweck in das Ovale Büro ge- Bushs öffentliche Äußerungen entwickelten sich rasch in
stellt hatte. Er hatte ihn an diesen Platz gestellt, damit er Richtung auf eine Ausweitung des Krieges auf den Irak. Am
den Krieg gegen das Übel des Terrorismus führe.« 21. November 2001 erklärte er in einer Rede in Fort Camp-
Im direkten Gefolge des 11.9. erörterten Regierungs- bell, Kentucky, daß »Afghanistan nur der Anfang des Krieges
Schwergewichtler die Zielsetzung des „Krieges gegen den gegen den Terror ist. Es gibt noch andere Terroristen, die
Terrorismus“. Bob Woodward zufolge (Bush at War), hat Amerika und unsere Freunde bedrohen, und es gibt andere
Rumsfeld bereits am 12. September Nationen, die gewillt sind, sie zu unterstützen. Wir werden
»die Frage eines Angriffs auf den Irak aufgeworfen. War- nicht als Nation sicher sein, bis alle diese Bedrohungen
um sollten wir nicht gegen den Irak vorgehen, nicht nur beseitigt sind. In der ganzen Welt, und über Jahre hinweg
gegen al Kaida, fragte er. Rumsfeld sprach nicht nur für werden wir diese Bösen bekämpfen, und wir werden gewin-
sich selbst, als er die Frage aufbrachte. Sein Stellvertreter, nen.«49
Paul D. Wolfowitz hatte sich einer Politik verschrieben, die Am 26. November sagte Bush in Erwiderung auf die Frage,
den Irak zum Hauptziel in der ersten Runde im Krieg ob der Irak einer der Terroristen-Nationen sei, die er meine:
gegen den Terrorismus machen sollte.«44 »Nun, meine Botschaft ist, daß wenn man einen Terroristen
Woodward fügt hinzu: beherbergt, dann ist man ein Terrorist. Wenn man einen
»Die Terroristenangriffe vom 11. September öffneten für Terroristen füttert, dann ist man ein Terrorist. Wenn man
die USA ein neues Fenster, um gegen Hussein vorzuge- Massenvernichtungswaffen entwickelt, um die Welt zu ter-
hen.« rorisieren, wird man zur Rechenschaft gezogen werden.«
Am 15. September brachte Wolfowitz militärische Argumen- Man bemerke, daß Bush den Besitz von Massenvernich-
te vor, die eher für einen US-Angriff auf den Irak als auf Af- tungswaffen als Indikator für „Terrorismus“ mit einbezog,
ghanistan sprachen. Wolfowitz drückte die Auffassung aus, nicht hingegen Terroristen-Aktivitäten, die unabdingbar mit
daß »Afghanistan anzugreifen ungewiß sei« und gab der den Angriffen des 11. September in Verbindung standen.50
Befürchtung Ausdruck, daß die amerikanischen Truppen »in
Gebirgsgefechten stecken bleiben könnten. [...] Dagegen war Wandel vollzogen
der Irak ein wenig widerstandsfähiges unterdrückerisches Der Wandel zur Unterstützung eines breiter angelegten Krie-
Regime, das leicht zerfallen könnte. Ihn konnte man schaf- ges war vollzogen mit Bushs Rede zur Lage der Nation vom
fen.«45 29. Januar 2002, in der er offiziell den „Krieg gegen den Ter-
Die Neokonservativen konnten jedoch am Anfang ihr Ziel, rorismus“ von den speziellen Geschehnissen des 11.9. ab-
einen breiter angelegten Krieg, nicht erreichen, teilweise we- koppelte. Bush erwähnte nicht einmal bin Laden oder Al
gen des Widerstands von Außenminister Powell, der meinte, Kaida. Die Gefahr, so hieß es nun, ginge hauptsächlich von
daß sich der Krieg auf die wirklichen Täter des 11. Septem- drei Ländern aus – Iran, Irak und Nordkorea – die er „Achse
bers konzentrieren sollte. (So stellten sich tatsächlich die des Bösen“ taufte und die angeblich die Welt mit ihren Mas-
meisten Amerikaner den Krieg vor). Powells wirksamstes senvernichtungswaffen bedrohten. Bush sagte:51
Argument war seine Erklärung, daß ein amerikanischer An- »Staaten wie diese und ihre Terroristen-Verbündeten stel-
griff auf den Irak keine internationale Unterstützung erlangen len eine Achse des Bösen dar, und sind gerüstet, um den
würde. Er meinte, daß ein US-Sieg in Afghanistan es den Weltfrieden zu bedrohen. Wenn sie versuchen, Massenver-
USA erleichtern würde, sich den Irak zu einem späteren nichtungswaffen zu erlangen, stellen diese Regime eine
Zeitpunkt militärisch vorzunehmen, »wenn wir beweisen ernste und wachsende Gefahr dar. Sie könnten diese Waf-
können, daß der Irak [beim 11. September] eine Rolle ge- fen an Terroristen liefern und diesen damit das Mittel ge-
spielt hat«.46 ben, das ihrem Haß entspricht. Sie könnten unsere Ver-
Powell unterschied sich von den neokonservativen Falken bündeten angreifen oder versuchen, die Vereinigten Staa-
darin, daß er die Notwendigkeit einer internationalen Unter- ten zu erpressen. In einem jeden dieser Fälle wäre der
stützung hervorhob, im Gegensatz zum amerikanischen Uni- Preis der Gleichgültigkeit katastrophal.«
lateralismus, aber ein noch größerer Unterschied lag in seiner Die Phrase „Achse des Bösen“ ist von Bushs neokonservati-
Auffassung, daß der „Krieg gegen den Terror“ direkt mit den vem Redenschreiber David Frum geprägt worden.52
Tätern des 11. Septembers verknüpft sein müsse – Osama bin Im April 2002 führte Bush öffentlich aus, daß die amerikani-
Ladens Netzwerk. Powell wies öffentlich die Forderung von sche Politik auf einen „Regimewechsel“ im Irak ausgerichtet
Wolfowitz zurück, »Staaten ein Ende zu machen« und erwi- sei. Und im Juni erklärte er, daß die USA Präventivschläge
derte, »wir sind darauf aus, dem Terrorismus ein Ende zu gegen die Länder führen würden, die die USA bedrohten.53

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Dem zufolge, was allgemein als Weisheit gilt, stellte der Irak Angriffe den Zusammenbruch von Saddams Regime bewir-
Anfang 2002 offenbar eine solche Bedrohung dar. Außerdem ken. Amerikanische Militärführer lehnten diese Vorgehens-
begann General Tommy R. Franks, der Chef des US- weise hartnäckig als zu gefährlich ab und boten statt dessen
Zentralkommandos, Bush alle drei oder vier Wochen unter einen Plan an, bei dem ein wesentlich größeres Truppenkon-
vier Augen über die Pläne für einen neuen Irak-Krieg zu in- tingent – etwa 250.000 – zum Einsatz kommen sollte, das in
formieren.54 eher konventioneller Weise in den Irak einmarschieren sollte,
Die Neokonservativen sowohl in wie außerhalb der Regie- indem man, wie beim Golfkrieg von 1991, von den Nachbar-
rung wollten einen unilateralen US-Angriff auf den Irak, der staaten her anrückte.
nicht durch widerstrebende Ziele irgendeines Koalitionspart- Perle und die Neokonservativen fürchteten ihrerseits, daß
ners beeinträchtigt werden sollte. Diesem Vorstoß waren kein Nachbarstaat die notwendigen Basen zur Verfügung
Powells Bemühungen entgegengerichtet, Bush zu überzeu- stellen würde, so daß diese Vorgehensweise wahrscheinlich
gen, daß UN-Sanktionen notwendig seien, um einen US- bedeuten würde, daß der Krieg überhaupt nicht losginge,
Angriff zu rechtfertigen, was der Präsident zu guter Letzt oder daß sich der Widerstand gegen den Krieg in der langen
plausibel fand. Das bremste die Kriegstreiberei, stellte zu- Zeit, die zur Ansammlung einer großen Streitmacht notwen-
gleich aber auch eine Abkehr Powells von seiner ursprüngli- dig war, so formieren würde, daß die Operation aus politi-
chen Haltung dar, daß Washington nur dann gegen den Irak schen Gründen undurchführbar würde. Perle reagierte ärger-
Krieg führen sollte, wenn Bagdad eine Verwicklung in den lich auf die Einwände der Militärs und sagte, die Entschei-
Terrorismus des 11. September nachgewiesen würde. dung, den Irak anzugreifen, sei »eine politische Beurteilung,
Der UN-Sicherheitsrat beschloß, daß UN-Inspektoren mit für die diese Jungs keine Kompetenz haben«.58 Cheney und
umfassenden Inspektionsrechten bestimmen sollten, ob der Rumsfeld gingen sogar noch weiter und bezeichneten die
Irak seine Verpflichtung verletzte, alle seine Massenvernich- Generale als Feiglinge, weil sie sich nicht genug für einen
tungswaffen zu zerstören. Die Resolution 1441 des UN- Einmarsch im Irak begeisterten.59
Sicherheitsrats (8. November 2002) bürdete dem Irak die Man könnte versucht sein, Perle und den anderen Neokon-
Beweislast dafür auf, keine Massenvernich- servativen anzulasten, daß sie verrückt und
tungswaffen mehr zu besitzen. Die Resolu- größenwahnsinnig sind, wenn sie die Vor-
tion stellt fest, daß eine jede falsche Erklä- sicht der Militärs zurückweisen – wie kön-
rung oder Auslassung in der irakischen nen Laien so tun, als ob sie mehr von Mili-
Waffenauflistung einen weiteren wesentli- tärstrategie verstehen als professionelle Mi-
chen Verstoß des Irak gegen seine Ver- litärs? Richard Perle mag jedoch sein, was
pflichtungen darstelle. Dies könne den Si- er will – verrückt ist er bestimmt nicht. Er
cherheitsrat veranlassen, die Anwendung ist auch nicht dumm. Zweifellos hat er die
von militärischer Gewalt gegen den Irak in Implikationen seines Planes durchdacht.
Betracht zu ziehen. Und es ist offenbar, daß die „von-innen-
Während manche behauptet hatten, dies heraus“-Option aus Perles Perspektive ein
könne eine Abwendung des Krieges bedeu- Vorschlag war, bei dem auf jeden Fall et-
ten,55 so erlaubt dies zugleich den Vereinig- was heraus kommt.
ten Staaten, die neue UN-Resolution als le- Nehmen wir an, es funktioniert – daß mit
gale Rechtfertigung für einen Krieg zu ge- einer geringen amerikanischen Streitmacht
brauchen. Tatsächlich stand es den USA einige strategische Gebiete erobert werden
David Frum
frei, die Resolution durch einen Krieg können und die irakische Armee schnell zu-
durchzusetzen, ohne weitere Bevollmächtigung durch die sammenbricht. Dann erscheinen Perle und die Neokonservati-
UN. Der britische Journalist Robert Fisk schreibt:56 ven als Militärgenies und erhalten als Belohnung freie Zügel
»Die Vereinten Nationen können eine jede Nichtmitarbeit zur Vorbereitung einer Reihe weiterer Billigkriege in Nahost.
des Iraks mit den Waffeninspektoren debattieren, aber die Andererseits, nehmen wir an, daß die Mini-Invasion ein voll-
USA werden entscheiden, ob der Irak UN-Resolutionen ständiges Fiasko wird. Die amerikanischen Truppen werden
gebrochen hat. Mit anderen Worten: Amerika kann ohne in den Städten besiegt. Viele werden gefangengenommen
Erlaubnis der UN den Krieg erklären.« und vor der ganzen Welt vorgeführt. Saddam hält bombasti-
sche Reden, daß er die amerikanischen Angreifer besiegen
Lehnstuhl-Strategen werde. Die ganze arabische und islamische Welt feiert die
Die Neokonservativen haben nicht nur die Außenpolitik, die amerikanische Niederlage. Amerikanische Flaggen werden
zum Krieg gegen den Irak führte, bestimmt, sondern sie ha- bei massiven antiamerikanischen Demonstrationen im gesam-
ben auch bei der Ausarbeitung der Militärstrategie eine Rolle ten Nahen Osten verbrannt. Amerika wird völlig gedemütigt,
gespielt. Spitzenleute des Militärs einschließlich Angehörige als Papiertiger dargestellt, und die normalen Amerikaner se-
des Generalstabs äußerten sich ursprünglich ablehnend ge- hen all das im Fernsehen. Wie werden sie reagieren?
genüber der ganzen Idee eines solchen Krieges.57 Aber Perle Eine solche Katastrophe wäre ein neues Pearl Harbor in be-
und andere Neokonservative haben geraume Zeit darauf be- zug auf den Haß, der damit gegen den Feind hervorgerufen
harrt, daß ein Sturz Saddams wenig militärische Anstrengun- würde. Die Öffentlichkeit würde fordern, die Ehre und das
gen oder Risiken beinhalten würde. Sie drängten auf eine Ansehen Amerikas wieder herzustellen. Sie würde die ihr
Kriegsstrategie, die „von-innen-heraus“ genannt wurde, bei von den neokonservativen Propagandisten verabreichte Idee
der Bagdad und ein paar andere wichtige Städte mit einer akzeptieren, daß es um einen Krieg zwischen Amerika und
sehr kleinen Zahl von Luftlandetruppen – manchen Schät- dem Islam gehe. Washington würde einen totalen Krieg ent-
zungen zufolge mit nur 5.000 Soldaten – angegriffen werden fachen, der ein starkes Bombardement der Städte beinhalten
sollten. Den Befürwortern des Planes zufolge sollten solche würde. Und die Luftangriffe könnten sich leicht vom Irak auf

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die übrigen islamischen Nachbarstaaten ausweiten. Ein Er- Wie man vorhersehen konnte, distanzierte sich die Regierung
oberungs- und Auslöschungskrieg ist der liebste Traum der Bush am Tag nach der Konferenz von Murawiecs Szenario,
Neokonservativen, da er alle Feinde Israels im Nahen Osten dieses habe nichts mit der tatsächlichen amerikanischen Au-
vernichten würde. (Es scheint, daß das Pentagon die Irak- ßenpolitik zu tun, und Saudi-Arabien wurde als loyaler Ver-
Streitkräfte vergrößert hat, um das Risiko des oben beschrie- bündeter bezeichnet.61 Aber das Weiße Haus unternahm
benen Szenarios zu verhindern.)60 nichts, um Perle zu entfernen oder auch nur eine Rüge zu er-
teilen, weil er einen Plan zum Angriff auf einen engen Ver-
„Unsere Feinde, die Saudis“ bündeten hatte diskutieren lassen – dabei sind manche Leute
Es gibt eine Fülle von Hinweisen, daß sich der Krieg nicht wegen weit kleinerer Vergehen aus Regierungsämtern ent-
auf den Irak allein beschränken wird. Am 10. Juli 2002 in- fernt worden. Wir können ziemlich sicher sein, daß es der
formierte Laurent Murawiec auf Geheiß von Perle kurz den Regierung Bush aufgrund dieser Unterlassung nicht gelungen
Ausschuß für Verteidigungspolitik über Saudi-Arabien, des- ist, die Saudis davon zu überzeugen, daß Murawiecs Plan au-
sen freundschaftliche Beziehungen mit den USA seit über 50 ßerhalb des Bereichs der Möglichkeiten ist.
Jahren der Stützpfeiler der amerikanischen Sicherheitsstrate- Murawiecs antisaudisches Szenario tauchte gleichzeitig in
gie im Nahen Osten ist. Murawiec beschrieb das Königreich der neokonservativen Presse auf. The Weekly Standard
als Hauptunterstützer von antiamerikanischem Terrorismus, brachte in seiner Ausgabe vom 15. Juli 2002 einen Artikel
als »Kern des Bösen, die Haupttriebkraft, der gefährlichste mit der Überschrift: „Die bevorstehende Abrechnung“, von
Gegner.« Er behauptete, es sei für die USA nötig, Saudi- Simon Henderson vom neokonservativen Washington Institu-
Arabien als Feind zu betrachten. Murawiec sagte, Washing- te for Near East Policy. Und die Juli/August-Ausgabe von
ton sollte fordern, daß Riad die Finanzierung fundamentalis- Commentary, das vom American Jewish Committee heraus-
lamischer Gruppen in der ganzen Welt stoppen und alle Pro- gegeben wird, enthielt einen Artikel mit dem Titel: »Unsere
paganda gegen die USA und Israel im Land verbieten solle, Feinde, die Saudis.«62
sowie »die in die Terrorkette Verstrickten strafverfolgen oder Auch Stephen Schwartz, führender neokonservativer Experte
isolieren, einschließlich der Saudi-Nachrichtendienste«. Falls in bezug auf Saudi Arabia, gab seine Ansichten kund, aller-
sich die Saudis weigerten, das Ultimatum einzuhalten, so ar- dings mußte er einen Preis dafür zahlen. Schwartz hat zahl-
gumentierte Murawiec, dann sollten die USA in das Land reiche Artikel und kürzlich auch ein Buch verfaßt: The Two
einmarschieren und es besetzen, einschließlich der heiligen Faces of Islam: The House of Sa’ud from Tradition to Terror
Stätten Mekka und Medina, seine Ölfelder in Besitz nehmen (Die zwei Gesichter des Islam: Das Haus Sa’ud von der Tra-
und seine Finanzwerte beschlagnahmen.61 dition zum Terror), worin er eine Saudi/Wahhab-Verschwö-
Murawiec schloß die Informationsrunde mit der verblüffen- rung postuliert, den ganzen Islam zu übernehmen und Terror
den Zusammenfassung dessen, was er »eine Großstrategie in der ganzen Welt zu verbreiten. Als Folge seiner antisaudi-
für den Nahen Osten« nannte: schen Kommentare wurde Schwartz Anfang Juli 2002 von
»Irak ist der taktische Drehpunkt. Saudi-Arabien der stra- seinem erst kurz zuvor übernommenen Posten als Kommen-
tegische Drehpunkt. Ägypten ist der Preis.« tator bei Voice of Amerika entlassen und wurde dadurch in
Kurzum, das Ziel des Krieges gegen den Irak wäre die Ver- neokonservativen Kreisen zum Märtyrer.63
nichtung der engsten Verbündeten der USA. Man kann sich Wie Thomas F. Ricks in der Washington Post ausführt, stellt
schwerlich eine Politik vorstellen, die besser geeignet wäre, die von Murawiec ausgedrückte antisaudische Kriegslust eine
den gesamten Nahen Osten gegen die USA zu entflammen. Ansicht dar, die bei der Regierung Bush zunehmend um sich
Aber genau das ist das von den Neokonservativen gewünsch- greift – vor allem beim Stab von Vizepräsident Cheney und
te Ergebnis.61 bei der zivilen Führung des Pentagons – und bei neokonser-
vativen Verfassern und
Denkern, die eng mit den
Politikmachern in der
Regierung verbündet
sind.64
Im November 2002 war
das antisaudische Thema
bei den Massenmedien
angelangt – mit einem
Artikel in Newsweek, der
eine finanzielle Unter-
stützung der Terroristen
des 11. Septembers durch
die königliche Familie
der Saudis andeutete so-
wie diesbezüglichen
Kommentaren durch füh-
rende Personen im Senat,
wie Joseph Lieberman (D-
Conn.), John McCain (R-
Ariz.), Charles Schumer
»Du nennst mich einen „Mann des Friedes“??? (D-New York), and Ri-
Warum bestehst Du darauf, meinen Ruf zu ruinieren?« chard Shelby (R-Ala.).65

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Die Politik der Bush-Regierung ist weit vorangekommen, hat Im April 2002 äußerte der führende israelische Militärhisto-
aber immer noch nicht das erreicht, was die Neokonservati- riker Martin van Creveld, daß ein US-Angriff auf den Irak
ven wollen: einen Krieg der USA gegen den gesamten Islam. für Premierminister Sharon die Deckung liefern könnte, um
Podhoretz, der ranghöchste Sprecher der Neokonservativen die Palästinenser mit Gewalt vom Westufer wegzuschaffen.
erklärte: »Der militante Islam stellt heute ein Wiederaufleben Nach Crevelds Ansicht »würde die Vertreibung der Palästi-
des Expansionismus durch das Schwert« aus der Frühzeit des nenser nur ein paar Brigaden erfordern«, wenn sich diese
Islams dar.66 Nach Auffassung von Podhoretz dürfen die auf »schwere Artillerie« stütze. Creveld fuhr fort:70
USA nicht einfach in der Defensive verharren, wenn sie ei- »Israelische Militärexperten schätzen, daß ein derartiger
nen wieder hochkommenden Islam überleben wollen, son- Krieg in nur acht Tagen vorbei sein könnte. Wenn die ara-
dern müssen den militanten Islam an seinem direkten Ur- bischen Staaten nicht intervenieren, werden am Ende die
sprung in Nahost zermalmen. Palästinenser vertrieben sein und Jordanien in Ruinen lie-
»Die Regime, die es reichlich verdienen, gestürzt und er- gen. Wenn sie aber intervenieren, wäre das Ergebnis das
setzt zu werden, beschränken sich nicht auf die drei im ein- gleiche, und der Großteil der arabischen Armeen wäre
zelnen bezeichneten Mitglieder der Achse des Bösen. Diese vernichtet. [...] Israel würde wieder triumphieren, wie
Achse sollte mindestens auch Syrien und den Libanon und schon 1948, 1956, 1967 und 1973.«
Libyen umfassen, wie auch „Freunde“ Amerikas wie die Obwohl Creveld sich nicht gegen diese drohende Vertrei-
königliche Familie der Saudis und Ägyptens Hosni Mu- bung aussprach, gab im September 2002 eine Gruppe israeli-
barak, zusammen mit den palästinensischen Behörden, scher Akademiker ihre Opposition kund. In ihrer Erklärung
egal ob Arafat oder einer seiner Henker an ihrer Spitze hieß es:71
steht.« »Wir sind tief besorgt über die Anzeichen, daß die israeli-
Nach der großen Eroberung sollten die USA die gesamte Re- sche Regierung den „Nebel des Krieges“ dazu ausnutzen
gion neu organisieren, was eine Zwangsumerziehung der könnte, weitere Verbrechen gegen das palästinensische
Menschen dort zur Folge haben sollte, damit sie die Denkli- Volk zu begehen, bis hin zu einer kompletten ethnischen
nie von Amerikas Führung übernehmen. Podhoretz gesteht Säuberung. [...] Der israelischen Regierungskoalition ge-
ein, daß die Menschen des Nahen Ostens, bei einer freien hören Parteien an, die einen „Transfer“ der palästinensi-
demokratischen Wahl eine antiamerikanische und antiisraeli- schen Bevölkerung propagieren, als Lösung dessen, was
sche Politik und entsprechende Führer wählen könnten. Aber sie ‚das demographische Problem’ nennen. Es werden re-
er verkündet, daß »es eine Politik gibt, die dies abwenden gelmäßig Politiker in den Medien zitiert, die eine Zwangs-
kann«, vorausgesetzt, »daß wir dann hart genug sind, den vertreibung vorschlagen, erst kürzlich [die Knesset-
besiegten Parteien eine neue politische Kultur aufzuzwingen. Abgeordneten] Michael Kleiner und Benny Elon, wie am
Genau das haben wir direkt und ohne uns zu entschuldigen 19. September 2002 auf der Webseite von Yediot Ahronot
in Deutschland und Japan getan, nachdem wir den Zweiten berichtet wurde. In einem Interview mit der Zeitung
Weltkrieg gewonnen haben.«67 Ha’aretz beschrieb Stabschef Moshe Ya’alon kürzlich die
Palästinenser als „Krebserscheinung“ und verglich die
Vertreibung Militäraktionen in den besetzten Gebieten mit „Chemothe-
In Israel selbst wäre jedoch nicht zu erwarten, daß die Araber rapie“. Er regte an, daß eine noch radikalere „Behand-
»eine neue politischer Kultur« übernehmen; man würde da- lung“ nötig sein könnte. Premierminister Sharon hat dies
von ausgehen, daß sie verschwinden. als „Beschreibung der Realität“ mitgetragen. Zunehmende
Eine Vertreibung der Palästinenser ist unabdingbar mit einem rassistische Demagogie in bezug auf die palästinensischen
Nahost-Krieg zusammengekoppelt – oder, mit Ben Gurions Bürger Israels geben einen Hinweis auf das Ausmaß der
Ausdruck, mit »revolutionären Zeiten«. Als der „Krieg gegen Verbrechen, die möglicherweise erwogen werden.«
den Terror“ nach dem 11. September heißer wurde, kam auch Die jordanische Regierung, die fürchtete, daß Israel bei ei-
die Erörterung eines Zwangs-„Transfers“ der Palästinenser nem zu erwartenden US-Angriff auf den Irak die palästinen-
wieder ins Zentrum der israelischen Politik. Illan Pappe zu- sische Bevölkerung nach Jordan treiben könnte, forderte im
folge, einem jüdisch-israelischen revisionistischen Histori- Herbst 2002 eine öffentliche Versicherung von der israeli-
ker:68 schen Regierung, daß diese nichts Derartiges unternehmen
»Man kann sehen, wie über diese neue Beteuerung in ganz werde. Die Sharon-Regierung hat es aber abgelehnt, sich öf-
Israel geredet wird: die Erörterungen von Transfer und fentlich von einer Vertreibungspolitik zu distanzieren.72
Vertreibung, die von der extremen Rechten benutzt wurden,
sind jetzt der gute Ton bei der Mitte.« Nur ein Vorwand
Sogar Benny Morris, der Papst der revisionistischen Histori- Wie man jetzt sieht, war der „Krieg gegen den Terrorismus“
ker Israels, unterstützt ausdrücklich die Vertreibung der Palä- nie als Krieg zur Ergreifung und Bestrafung der Täter der
stinenser im Falle eines Krieges. »Dieses Land ist so klein,« Verbrechen des 11. Septembers geplant. Der 11. September
rief Morris aus, »daß es keinen Platz für zwei Völker gibt. In lieferte für die Regierungsführer einfach einen Vorwand, um
fünfzig oder hundert Jahren wird es nur einen Staat zwischen langfristige politische Pläne umzusetzen. Wie schon anders-
dem Meer und dem Jordan geben. Dieser Staat muß Israel wo ausgeführt wurde, einschließlich meiner eigenen Artikel,
sein.« sahen die Ölinteressen und die amerikanischen Imperialisten
Laut einer jüngst erhobenen Umfrage, die von Israels Jaffee den Krieg als ein Mittel an, um das ölreiche Zentralasien dem
Center for Strategic Studies durchgeführt wurde, unterstützt amerikanischen Herrschaftsbereich einzuverleiben.73
fast die Hälfte der Israelis eine Vertreibung der Palästinenser Obwohl dies erreicht wurde, ist die US-Marionettenregierung
vom Westufer und Gaza, und fast ein Drittel unterstützt die von Hamid Karzai in Afghanistan in einer gefährlichen Lage.
Vertreibung der israelischen Araber. Drei Fünftel befürwor- Karzais Macht scheint auf seine unmittelbare Umgebung be-
ten, »israelische Araber zu ermuntern, wegzugehen.«69 grenzt zu sein, und er muß von amerikanischen Leibwächtern

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geschützt werden. Um den Rest von Afghanistan kämpfen das Wachstum anderswo den möglichen Anteil des Irak auf
weiterhin verschiedene Kriegsherren und sogar die wieder vielleicht 5% begrenzen, was zwar signifikant, aber immer
hochkommenden Taliban.74 Anstatt mit eigenen Bemühungen noch im zweiten Drittel der Ölnationen ist.«
zur Konsolidierung der Lage in Zentralasien beizutragen, hat Ein Krieg würde die Ölindustrie in der gesamten Golfregion
Washington sein Augenmerk jetzt darauf gerichtet, die Kon- einer großen Gefahr aussetzen. William D. Nordhaus, Ster-
trolle über den Nahen Osten zu erlangen. ling Professor of Economics in Yale und Mitglied von Präsi-
Allem Anschein nach sind die Hauptpolitikmacher in der Re- dent Carters Ökonomischen Ratgeberausschuß schreibt:79
gierung Bush schon die ganze Zeit über die neokonservativen »Ein Krieg im Persischen Golf könnte eine größere Um-
Likud-Anhänger. Die Kontrolle über Zentralasien ist sekun- wälzung auf dem Ölmarkt hervorrufen, sei es aufgrund von
där in bezug auf die Kontrolle des Nahen Ostens. Tatsächlich materiellen Schäden oder weil die politischen Ereignisse
könnte der Krieg gegen Afghanistan für die führenden Neo- die Ölproduzenten dazu veranlassen, die Produktion nach
konservativen nur ein Eröffnungsspiel gewesen sein, das dem Krieg zu drosseln.
notwendig war, um ihr letztes und entscheidendes Ziel zu er- Ein besonders besorgniserregender Ausgang wäre eine
reichen: die US-Kontrolle über den Nahen Osten, im Interes- vollständige Zerstörung der Ölanlagen im Irak und mögli-
se Israels. Das entspricht dem, was revisionistische Historiker cherweise in Kuwait, dem Iran und Saudi-Arabien. Im er-
als Franklin D. Roosevelts „Hintertür zum Krieg“ für den sten Golfkrieg zerstörte der Irak auf dem Rückzug viele
Zweiten Weltkrieg dargestellt haben. Roosevelt wollte Krieg kuwaitischen Ölquellen und andere Öl-Infrastruktur.
mit Japan, um gegen Deutschland kämpfen zu können, und Die Sabotage verminderte die kuwaitische Ölproduktion
er provozierte Japan, US-Kolonialbesitz im Fernen Osten fast ein Jahr lang, und der Vorkriegsstand der Ölprodukti-
anzugreifen. Nachdem die Vereinigten Staaten durch die on wurde erst wieder 1993 erreicht – fast zwei Jahre nach
Hintertür in den Krieg eingetreten waren, konzentrierte Kriegsende im Februar 1991.
Roosevelt die militärischen Bemühungen Amerikas auf Sofern die irakische Führung bei einem neuen Krieg nicht
Deutschland.75 völlig überrumpelt wird, wären die Streitkräfte des Irak
wahrscheinlich in der Lage, die Ölförderanlagen des Irak
Öl als Motiv zu zerstören. Zwar spricht in Friedenszeiten nichts für eine
Aber was hat es mit dem amerikanischen Wunsch auf sich, derartige Zerstörung, aber in Kriegszeiten kann ein solches
das irakische Öl zu kontrollieren? Der Irak besitzt nach Sau- Selbstopfer nicht ausgeschlossen werden. Die Kontaminie-
di-Arabien die zweitgrößten nachgewiesenen Ölreserven. rung der Ölanlagen in der Golfregion durch biologische
Außerdem glauben viele Experten, daß der Irak unermeßliche oder chemische Waffen würde eine noch schlimmere Be-
noch nicht entdeckte Ölreserven hat, durch die das Land fast drohung für die Ölmärkte darstellen.«
Saudi-Arabien gleichkommt. Die meisten Kriegskritiker un- Nordhausens Vorhersage mag übertrieben schwarz sein. Das
terstellen, daß der Wunsch amerikanischer Ölgesellschaften, entscheidende ist jedoch, daß die Experten einfach nicht ab-
das irakische Öl zu kontrollieren, das Motiv der US-Kriegs- schätzen können, was passieren wird. Ein Krieg stellt ein
politik sei. Manche Leute, vor allem Kriegsbefürworter, ha- enormes Risiko dar. Der Wirtschaftsanalytiker Robert J. Sa-
ben auch argumentiert, daß die Vereinigten Staaten, wenn sie muelson schlußfolgert in seiner Abschätzung der möglichen
erst die Kontrolle über das irakische Öl erlangt hätten, die wirtschaftlichen Folgen eines Krieges gegen den Irak:80
Welt mit billigem Öl überschwemmen und so die amerikani- »Wenn es um Frieden und Wohlstand geht, dann macht
sche wie auch die Weltwirtschaft aus der Rezession heraus- Krieg keinen Sinn. Aber wenn eine jetzige Auseinanderset-
stoßen könnten.76 zung einen späteren Krieg verhindert, der kostspieliger
Obwohl diese Argumente oberflächlich plausibel erscheinen, wäre, dann macht er durchaus Sinn.«
hat das Öl-Kriegsmotiv eine Reihe ernster Fehler. Zum ersten Damit soll nicht geleugnet werden, daß gewisse Ölgesell-
scheinen es nicht die Vertreter der Ölindustrie oder die gro- schaften von einem Krieg in Nahost profitieren könnten, wie
ßen Wirtschafts-Mogule zu sein, die nach einem Krieg auch manche Unternehmen von jedem Krieg profitieren. Vor
schreien. Dem Ölanalytiker Anthony Sampson zufolge „ha- allem für US-Ölgesellschaften bestünde die Aussicht, Ge-
ben die Ölgesellschaften wenig Einfluß auf die Entschei- winn aus der amerikanischen Kontrolle über den Irak zu zie-
dungsprozesse der US-Politik. Die meisten großen amerika- hen, da zu erwarten wäre, daß amerikanischen Gesellschaften
nischen Gesellschaften, einschließlich der Ölgesellschaften, in einer US-geförderten Nachkriegsregierung des Irak bevor-
glauben nicht, daß ein Krieg gut fürs Geschäft sei, wie die zugt und die einträglichsten Ölgeschäfte ergattern würden.
fallenden Aktienpreise zeigen.77 Daß spezielle Ölgesellschaften davon profitieren würden,
Ferner ist nicht ersichtlich, daß ein Krieg für die Ölindustrie widerlegt aber nicht das allgemeine Argument, daß ein Krieg
oder die Weltwirtschaft gut wäre. Warum sollte das Große Öl ein großes Risiko für die amerikanische Ölindustrie und die
einen Krieg riskieren wollen, der in einer ganzen Region ei- amerikanische Wirtschaft insgesamt bedeutet.
nen Großbrand entfachen, und damit seine derzeitigen Inve- Amerikanischer Imperialismus dürfte als strategisches Motiv
stitionen im Golf gefährden könnte? Der Irak hat in der Tat plausibler sein als die wirtschaftlichen Interessen der Ölindu-
bedeutende Ölreserven, aber es gibt keinen Grund zu glau- strie und der Wirtschaft im allgemeinen. Statt des derzeitigen
ben, daß sie eine direkte Auswirkung auf den Ölmarkt haben indirekten Einflusses über die ölproduzierenden Gebiete des
würden. Daniel Yergin, der Vorsitzende von Cambridge Nahen Ostens könnten die USA direkte Kontrolle erlangen,
Energy Research Associates führt aus:78 entweder mittels einer Marionetten-Regierung im Irak, die
»Was die Produktionskapazität angeht, repräsentiert der Washington genügend Einfluß gewährt, um den restlichen
Irak nur 3% der Welt-Gesamtmenge. Seine Ölexporte sind Staaten im Nahen Osten zu diktieren, oder eine tatsächliche
auf dem gleichen Niveau wie die von Nigeria. Selbst wenn direkte US-Kontrolle über sowohl den Irak wie auch andere
der Irak seine Kapazität verdoppeln würde, könnte dies Teile des Nahen Ostens. Vermutlich würde dieser Zustand
mehr als ein Jahrzehnt dauern. In der Zwischenzeit würde eine größere Sicherheit für den Ölfluß bieten, als dies ge-

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 299
genwärtig der Fall ist, wo die Vasallenstaaten etwas Auto- Da Amerika durch seine Vasallen-Staaten – Saudi-Arabien
nomie genießen und die Möglichkeit besteht, daß sie von an- und die Golf-Emirate – bereits beträchtliche Macht in der öl-
tiamerikanischen Kräften gestürzt werden. Der Neokonserva- produzierenden Golfregion ausübt, ist es schwer zu verste-
tive Robert Kagan behauptet:81 hen, warum die amerikanischen Imperialisten eine radikale
»Wenn wir wirtschaftliche Probleme haben, wurde dies Abwendung von ihrer Status-quo-Politik machen sollten.
durch eine Unterbrechung unserer Ölversorgung verur- Würde der Nutzen, der durch eine direkte Kontrolle der Re-
sacht. Wenn wir Streitkräfte im Irak haben, wird es keine gion erlangt werden könnte, die damit verbundenen Risiken
Unterbrechung der Ölversorgung geben.« aufwiegen? Ein Krieg könnte virulente antiamerikanische
Die Neokonservativen versuchen oft, diesen geplanten ame- Kräfte freisetzen, die Amerikas Vasallenstaaten in Nahost
rikanischen Kolonialismus zu beschönigen, indem sie be- destabilisieren und zu Terroristen-Angriffe auf die amerika-
haupten, daß die USA nur Demokratie verbreiten würden. Sie nische Heimat aufreizen könnten. Außerdem würde eine
implizieren, daß die „demokratischen“ Regierungen in Nah- amerikanische Militärbesetzung des Irak – ganz zu schwei-
ost die amerikanische Politik unterstützen würden, ein- gen von anderen Nahostländern – dem Volk und der Regie-
schließlich einer Unterstützung Israels und einer Ölpolitik, rung der Vereinigten Staaten eine schwere Last aufbürden.86
die sich am Wohlergehen der USA ausrichtet. Würde das amerikanische Volk eine solche Belastung akzep-
Aber angesichts der dort weitverbreiteten antizionistischen tieren? Würde es die brutale Vorgehensweise mittragen, die
und antiamerikanischen Haltung erscheint es höchst unwahr- notwendig wäre, um eine jede Opposition zu unterdrücken?
scheinlich, daß Regierungen, die den Volkswillen vertreten, Um 1950 wollten die Franzosen nicht die Brutalität mittra-
jemals eine solche Politik verfolgen würden. Nur eine gen, die notwendig war, um die Kolonialherrschaft in Algeri-
nichtrepräsentative Diktatur kann proamerikanisch und prois- en aufrechtzuerhalten. Selbst in der totalitären Sowjetunion
raelisch sein. Der zionistische US-Abgeordnete Tom Lantos erzwang die Volksmeinung die Aufgabe des imperialisti-
(D-Kalif.) äußerte offen, um die Befürchtungen eines israeli- schen Abenteuers in Afghanistan, was zum Zerfall des ge-
schen Knesset-Abgeordneten zu dämpfen:82 samten Sowjetreiches beitrug. Kurzum, ein Wechsel von der
»Ihr werdet keinerlei Probleme mit Saddam haben. Wir indirekten zur direkten Kontrolle über den Nahen Osten müß-
werden den Bastard schon bald loswerden. Und an seiner te den Männern, denen es nur um das Anwachsen der ameri-
Stelle werden wir einen pro-westlichen Diktator installie- kanischen Imperialmacht geht, als das schlimmste Risiko er-
ren, der für uns und für euch gut sein wird.« scheinen, weil dadurch Amerikas gesamte imperiale Planung
unterminiert werden könnte.
Banaler Imperialismus einer raumfremden Macht Eine direkte amerikanische Kontrolle des Nahen Ostens wür-
Die USA würden durch eine Kontrolle der Öllieferungen aus de sich nicht nur als schwere Belastung für das amerikani-
Nahost sicherlich ihre Welt-Dominierung erhöhen. Aber die sche Volk erweisen, sondern zweifellos auch Rückschläge
amerikanischen Imperialisten, die nicht in irgendeiner Weise bei anderen Ländern hervorrufen. Das scheint geradezu ein
mit der Likud-Position Israels verknüpft sind – z.B. Zbigniew Gesetz der internationalen Beziehungen zu sein, das schon
Brzezinski und Brent Scowcroft – stehen einem Nahost- seit der im Peloponnesischen Krieg geübten Politik des
Krieg ablehnend gegenüber .83 Wenn eine solche Kriegspoli- Gleichgewichts der Kräfte gilt. Christopher Layne führt
tik ein offensichtlicher Segen für den amerikanischen Impe- aus:87
rialismus wäre, warum wird sie dann von führenden ameri- »Die Geschichtsüberlieferung zeigt, daß Hegemonie in der
kanischen Imperialisten nicht gierig aufgenommen? Eine di- realen Welt nie eine auf Dauer gewinnbringende Strategie
rekte koloniale Kontrolle der internen Angelegenheiten eines gewesen ist. Der Grund ist einfach: Das Hauptziel der
Staates wäre ein bedeutsamer Bruch mit der amerikanischen Staaten in der internationalen Politik ist es, zu überleben
Politik des letzten halben Jahrhunderts. Amerika kann zwar und die eigene Souveränität zu bewahren. Und wenn ein
Vasallenstaaten und ein inoffizielles Empire haben, aber ein Staat zu mächtig wird – die Vorherrschaft übernimmt – ist
direkter Imperialismus, wie ihn eine Besetzung des Nahen das Ungleichgewicht der Kräfte zu seinen Gunsten eine
Osten mit sich brächte, wäre, wie Mark Danner es in der New Bedrohung für die Sicherheit aller anderen Staaten. Daher
York Times formulierte, »dem Sich-Bescheiden auf eine Ein- hat in der ganzen modernen Geschichte der Politik rund
dämmungspolitik, der Ideologie einer Status-quo-Macht ganz um die Welt das Entstehen einer Hegemonialmacht die Bil-
fremd, die der amerikanischen Strategie ein halbes Jahrhun- dung von Allianzen anderer Staaten gegen die Hegemonie
dert lang am Herzen lag.«84 ausgelöst.«
Darüber hinaus besteht ein grundlegender Aspekt der ameri- Das britische Empire, das eine Ausnahme von der Regel ei-
kanischen Globalpolitik in der Aufrechterhaltung von Frie- nes unvermeidlichen Fehlschlags der Hegemonialmacht zu
den und Stabilität in der Welt. Washington predigt anderen bilden scheint, erlangte seinen Erfolg aufgrund seiner Vor-
Ländern in bezug auf Gewaltanwendung Redlichkeit und Zu- sicht. Owen Harries, der Herausgeber von National Interest,
rückhaltung. Sofern also die USA einen Präventivschlag ge- hat ausgeführt, daß Englands imperiale Erfolge auf seine
gen ein Land führen, würde dies zweifellos ihre Fähigkeit ziemlich behutsame Vorgehensweise zurückgehen. In der
beeinträchtigen, anderen Ländern, die auch einen Präventiv- Ausgabe vom Frühling 2001 bemerkt Harries:88
schlag gegen ihre Feinde für notwendig erachten, Zurückhal- »England war die einzige Hegemonialmacht, die nicht die
tung aufzuerlegen. Kurzum, die Führung eines Präventiv- Bildung einer feindlichen Koalition gegen sich auslöste. Es
krieges würde die gesamte Weltordnung destabilisieren, die vermied dieses Schicksal, indem es sich bei der Ausübung
die USA angeblich in ihrem „Krieg gegen den Terrorismus“ seiner Macht in der Hauptarena große Beschränkungen
bewahren wollen. In der Tat wird die globale Stabilität oft- auferlegte, Vorsicht und Fingerspitzengefühl walten ließ,
mals als zentraler Punkt der weltweiten Wirtschaftsverflech- indem es im allgemeinen abseits stand und sich auf die
tungen angesehen, die der Schlüssel des amerikanischen Rolle eines Vermittlers beschränkte, der nur im äußersten
Wohlstands sind.85 Notfall eingreift. Damit folgte es der Warnung, die Edmund

300 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
Burke gegeben hatte, als die Ära seiner Vorherrschaft eben fürworter eines solchen Krieges, und sie haben einflußreiche
anfing: „Ich fürchte unsere eigene Macht und unseren ei- Posten in der Außenpolitik und der Nationalen Sicherheit der
genen Ehrgeiz. Ich fürchte, zu sehr gefürchtet zu werden.“ Bush-Regierung inne.
Ich glaube, die USA brauchen jetzt unbedingt eine solche Wenn es nicht um Israel und Juden ginge, wäre nichts Be-
Warnung.« sonderes an meiner These. In der Geschichte der Außenpoli-
Ganz augenscheinlich wäre eine amerikanische Übernahme tik wurde oft behauptet, daß die eine oder andere Führungs-
der wichtigsten ölproduzierenden Gebiete der Welt alles an- persönlichkeit durch Bande zur Wirtschaft, einer Ideologie
dere als ein vorsichtiger Zug. Es wäre ein klassisches Bei- oder einem auswärtigen Staat motiviert sei. George Washing-
spiel für das, was der Historiker Paul Kennedy als „imperiale ton hat in seiner Abschiedsrede die Auffassung ausgedrückt,
Überdehnung“ bezeichnet. Im Nahen Osten festgebunden, daß die größte Gefahr für die amerikanische Außenpolitik die
wäre es für die USA schwieriger, Bedrohungen ihrer Macht „Hingabe“ einflußreicher Amerikaner an eine auswärtige
im Rest der Welt zu begegnen. Selbst jetzt schon ist es frag- Macht sei, wodurch die US-Außenpolitik auf den Nutzen
würdig, ob das US-Militär dazu in der Lage ist, zwei Kriege dieser Macht und zum Schaden der USA ausgerichtet werde.
gleichzeitig auszufechten, ein Problem das (aus Sicht des US- Genau eine solche Situation liegt derzeit vor.
Regimes) mit der Streitlust Nordkoreas zum Vorschein ge- Wir können nur mit Furcht in die nahe Zukunft schauen,
kommen ist.89 Es ist eigentlich nicht ersichtlich, warum intel- denn, um es mit den unheilkündenden Worten Robert Fisks
ligente amerikanische Imperialisten, für die nur die Machtfül- auszudrücken:92
le der USA zählt, die gerade jetzt an erster Stelle in der gan- »Ein Feuersturm naht heran.«
zen Welt stehen, den Wunsch haben sollten, das Risiko eines
Nahost-Krieges und einer Besetzung einzugehen. Anmerkungen
1
Paul W. Schroeder, »Iraq: The Case Against Preemptive War«, The
Kein amerikanisches Motiv American Conservative, 21. Oktober 2002
Die vorstehende Analyse führt nicht nur zu der Schlußfolge- (www.amconmag.com/10_21/iraq.html). In Wirklichkeit beobachten wir
rung, daß die Neokonservativen offensichtlich an vorderster nicht zum ersten Mal, daß eine mächtige Nation unter Führung einer
Front der Kriegsbefürworter sind, sondern auch, daß die Mo- schwächeren steht. Charles C. Tansill, der große revisionistische Histori-
ker diplomatischer Beziehungen schrieb: »Das Hauptziel der amerikani-
tive der proisraelischen Likud-Anhänger die logischsten,
schen Außenpolitik seit 1900 ist die Erhaltung des Britischen Weltrei-
vielleicht gar die einzigen logischen Motive für einen Krieg ches«. (Back Door to War. Chicago: Chicago University Press, 1952,
sind. Wie ich ausgeführt habe, wollten die Likud-Anhänger S.3.) England konnte sein Ziel aufgrund der Propaganda der Medien und
immer in einer radikalen Weise das Palästinenserproblem in hochstehenden Sympathisanten in den USA erreichen. Siehe Nicholas
den besetzen Gebieten behandeln – ein Problem, das aus ih- John Cull, Selling War. The British Propaganda Campaign against
rer Sicht wegen der demographischen Veränderungen American “Neutrality” in World War II (Oxford University Press, 1995)
und Thomas E. Mahl, Desperate Deception: British Covert Operations in
schlimmer geworden ist. Ein US-Krieg im Nahen Osten wür- the United States, 1939-44 (Washington: Brassey’s, 1998).
de zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein Fenster voller Möglich- 2
Benjamin Ginsberg, The Fatal Embrace. Jews and the State (Chicago:
keiten für eine Endlösung dieses Problems ergeben und Isra- University of Chicago Press, 1993), S. 231. Über die Verbindungen zwi-
els Dominanz in der Region erhöhen. Die derzeitige aus Sicht schen Juden, dem Zionismus und den Neokonservativen siehe Paul Gott-
der Likud-Strategen so gefährliche Lage würde erhebliche fried, The Conservative Movement (New York: Twayne Publishers,
1993); J. J. Goldberg, Jewish Power. Inside the Jewish Establishment
Risiken rechtfertigen. Und ein Blick in die Geschichte zeigt, (Reading, Mass.: Addison Wesley Publishing Company, Inc., 1996), S.
daß Länder, deren Führer glaubten, schweren Problemen ge- 159-162; Peter Steinfels, The Neoconservatives: The Men Who Are
genüberzustehen, eine risikoreiche Politik verfolgten – wie Changing America’s America’s Politics (New York: Simon and Schuster,
Japan 1941.90 1979); Gary Dorrien, The Neoconservative Mind Politics, Culture, and
Im Gegensatz dazu stehen die USA derartig schlimmen Be- the War of Ideology (Philadelphia: Temple University, 1993); und James
Neuchterlein, »This Time: Neoconservatism Redux«, First Things, 66
drohungen keineswegs gegenüber. Die amerikanischen Impe-
(Oktober 1996), S. 7f.
rialisten dürften mit dem Status quo einigermaßen zufrieden (www.firstthings.com/ftissues/ft9610/opinion/neuchterlein.html).
und nicht geneigt sein, irgendein Risiko einzugehen, das ihn 3
Joshua Micah Marshall, »Bomb Sadddam?: How the obsession of a few
gefährdet. neocon hawks became the central goal of U.S. foreign policy«, Washing-
Die Schlußfolgerungen, die ich in diesem Artikel gezogen ton Monthly, Juni 2002
habe, erscheinen offensichtlich, werden aber selten in der Öf- (www.washingtonmonthly.com/features/2001/0206.marshall.html); Kath-
leen und Bill Christison, »A Rose By Another Name. The Bush Admini-
fentlichkeit angeschnitten, weil die jüdische Macht ein Tabu- stration’s Dual Loyalties«, CounterPunch, 13. Dezember 2002
Thema ist. Der unerschrockene Joseph Sobran formulierte es (www.counterpunch.org/christison1213.html). Siehe auch Christopher
so:91 Matthews, »The road to Baghdad«, San Francisco Chronicle, 24. März
»Man darf die Macht einer jeden anderen Gruppe erör- 2002; Justin Raimondo, »Our Hijacked Foreign Policy: Neoconserva-
tern, von den Black Muslims bis zur christlichen Rechten, tives take Washington – Baghdad is next«, 25.März 2002
(www.antiwar.com/justin/j032502.html); Holger Jensen, »Pre-Emption,
aber die viel größere Macht des jüdischen Establishments
Disarmament Or Regime Change? Teil III«, 7. Oktober 2002
ist verbotenes Terrain.« (www.antiwar.com/orig/jensen1b.html); Scott McConnell, »The Struggle
Rekapitulieren wir also nochmals die Hauptpunkte dieses Es- over War Aims: Bush versus the Neo-Cons«, 25. September 2002
says, um „Haß“ oder „Antisemitismus“ Einhalt zu gebieten. (www.antiwar.com/mcconnell/mc092501.html); und Jim Lobe, »Neocon-
Erstens, die Auslösung eines Nahostkrieges zur Lösung der servatives Consolidate Control over U.S. Mideast Policy«, Foreign Pol-
Sicherheitsprobleme Israels ist seit langem eine Bestrebung icy in Focus, 6.Dezember 2002 (http://www.foreignpolicy-
infocus.org/commentary/2002/0212abrams.html). Wie man sehen wird,
bei rechten Likudanhängern in Israel. Ferner argumentierten stammt ein Großteil des Materials dieses Artikels von Verfassern, die der
die Likud-hörigen Neokonservativen schon vor den Schrek- Auffassung sind, daß die Neokonservativen eine treibende Kraft in bezug
kensereignissen des 11. September 2001 für eine amerikani- auf einen Krieg gegen den Irak sind.
4
sche Beteiligung an einem solchen Krieg. Seit dem 11. Sep- Tom Segev, One Palestine, Complete: Jews und Arabs under the British
tember stehen die Neokonservativen an der Spitze der Be- Mandate (New York: Metropolitan Books, 2000), S. 404f. Bezüglich ei-

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ner Geschichte der zionistischen Vertreibungsvorstellungen siehe Nur In Interagency Fights, His Views Often Prevail,« Washington Post, 13.
Masalha, Expulsion of the Palestinians: The Concept of ‘Transfer” in Oktober 2002, A-1.
23
Zionist Political Thought, 1882-1948 (Washington: Institute of Palestine Ian Urbina, »Rogues’ Gallery: Who Advises Bush and Gore on the Mid-
Studies, 1992). dle East?«, Middle East Report, 216, Herbst 2000
5
Zitiert in Norman Finkelstein, Image und Reality of the Israel-Palestine (www.merip.org/mer/mer216/216_urbina.html).
24
Conflict, Einleitung zur deutschen Ausgabe (10. Juli 2002) J.M. Marshall, aaO. (Anm. 3).
25
(www.normanfinkelstein.com/id127.htm). Eric Boehlert, »The Armchair General«, Salon, 5. September 2002
6
Ralph Schoenman, The Hidden History of Zionism, Kapitel 12, »Strategy (www.salon.com/news/feature/2002/09/05/perle/). Sidney Blumenthal
for Conquest«, 1988 schrieb, daß Perk »bei der Ausformung der Nuklearwaffen-Politik der
(http://www.balkanunity.org/mideast/english/zionism/ch12.htm). Regierung wohl mehr als jede andere Person aktiv war, mit Ausnahme
7
Yehoshafat Harkabi, Israeli Fateful Hour (New York: Harper & Row, von Reagan selbst.« (»Richard Pede, Disarmed but Undeterred«, Wa-
1988), S. 57f. shington Post, 23. November 1987, S. B-1.)
8
Stephen R. Shalom, »The United States and the Iran-Iraq War«, 26
Holger Jensen, aaO. (Anm. 3); J. Vest, aaO. (Anm. 15); und Seymour M.
http://www.zmag.org/zmag/articles/ShalomIranIraq.html; Jeremy Scahill, Hersh, »Kissinger and Nixon in the White House«, The Atlantic Monthly,
»The Saddam in Rumsfeld’s Closet«, Common Dreams, 2. August 2002, 24:5 (Mai 1982) (www.theatlantic.com/issues/82may/hershwh2.htm).
http://www.commondreams.org/views02/0802-01.htm; Robert Windrem, 27
E. Boehlert, aaO. (Anm. 25).
»Rumsfeld key player in Iraq policy shift«, MSNBC, 18. August 2002, 28
Ronald Bleier, »Sharon Routs Bush: Palestinians now vulnerable to ex-
http://www.msnbc.com/news/795649.asp; Chris Bury, »The U.S.-Iraq re- pulsion«, August 2001 (http://desip.igc.org/SharonRoutsBush.html), und
lationship was not always about confrontation«, 18. September 2002, Bleier, »The Next Expulsion of the Palestinians«, Januar 2001
http://abcnews.go.com/sections/nightline/DailyNews/us_iraq_history_1_ (http://desip.igc.org/TheNextExpulsion.html).
020917.ht ml; und Michael Dobbs, »U.S. Had Key Role in Iraq Buildup«, 29
Tikva Honig Parnass, »Israel’s Recent Conviction: Apartheid in Palestine
Washington Post, 30. Dezember 2002, S. A-1,
Can Only Be Preserved through Force«, Between the Lines, September
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/articles/A52241-
2001 (www.between- lines.org/archives/2001/sep/Tikva_Honig-
2002Dec29.html.
9 Parnass.htm).
B. Ginsberg, aaO. (Anm. 2), S. 208. 30
10 R. Bleier, »Sharon Gears Up for Expulsion«, Januar 2002
Christopher Lane, »Why the Gulf War was Not in the National Interest«,
(http://desip.igc.org/SharonGearsUp.html).
The Atlantic, Juli 1991 (www.theatlantic.com/issues/91jul/layne.htm). 31
11 Tikvah Honig-Parnass, »Louder Voices of War. Manufacturing Consent
Arnold Beichman, »How the divide over Iraq strategies began«, Wash-
at its Peak«, Between the Lines, 1:8 (Juli 2001), zitiert in R. Bleier,
ington Times, 27. November 2002
»Sharon Routs Bush« (Anm. 28).
(www.washtimes.com/commentary/beichman.htm). 32
12 Jane’s Foreign Report (Juli 12, 2001), zitiert in Finkelstein, »Israelis Ge-
Warren Strobel, »Bush won’t back loan to Jewish state«, Washington
nerals’ Plan to „Smash“ Palestinians«, 12. Juli 2002, Mid-Easy Reali-
Times, 18. März 1992, S. A7; Michael Hedge, »Israeli lobby president
ties,
resigns over promises«, Washington Times, 4. November 1992, S. A-3;
(www.middleeast.org/premium/read.cgi?category=Magazine&standalone
»Loan Guarantees for Israel«, Washington Times, 11. September 1992,
=&num= 278&month=7&year=2001&function=text); und Tanya
S. F-2; Frank Gaffney, Jr., »Neocon job that begs for answers,« ebd., 13.
Reinhart, »The Second Half of 1948«, Mid-East Realities, 20. Juni 2001
Oktober 1992, S. F-1; Andrew Borowiec, »Group counters Bush on Is-
(www.middleeast.org/premium/read.cgi?category=Magazine&num=251
rael,« ebd., 27. Februar 1992, S. A-1; und Ginsberg, aaO. (Anm. 2), S.
&month=6&year=2001&function=text).
218-223. Eine interessante Nebenbemerkung J.J. Goldberg bemerkt in 33
Bleier, »Sharon Routs Bush« (Anm. 28).
Jewish Power, (S. 234) daß »1991, als die Kontroverse zwischen der 34
James Bennet, »Spilled Blood Is Seen as Bond That Draws 2 Nations
Bush-Regierung und Israel ihren Höhepunkt hatte, waren nicht weniger Closer«, New York Times, 12. September 2001, S. A22
als 7 der 19 Staatssekretäre im Außenministerium Juden.« (www.nytimes.com/2001/09/12/international/12ISRA.html); »Horrific
13
Wie sich die Neonkonservativen an die Spitze der Bewegung der etablier- tragedy, the media, Palestinian reaction«, Jerusalem Media & Communi-
ten konservativen Intellektuellen setzte mainstream conservative intel- cation Centre (www.jmcc.org/new/01/Sep/us.htm).
lectual movement wird bei Paul Gottfried, aaO. (Anm. 2) beschrieben. 35
William Safire, »The Ultimate Enemy«, New York Times, 24. September
14
Brian Whitaker, »US thinktanks give lessons in foreign policy«, The 2001
Guardian, 19. August 2002 (www.embargos.de/irak/post1109/english/ultimate_enemy_nyt.htm).
(www.guardian.co.uk/elsewhere/journalist/story/0,7792,777100,00.html). 36
Department of Defense News Briefing – Deputy Secretary Wolfowitz,
15
Jason Vest, »The Men From JINSA and CSP«, The Nation, 2. September 13. September 2001
2002 (www.thenation.com/doc.mhtml?i=20020902&s=vest&c=1). (www.defenselink.mil/news/Sep2001/t09132001_t0913dsd.html).
16
The Institute for Advanced Strategic and Political Studies, »Study Group 37
William Kristol u.a., »Toward a Comprehensive Strategy: A letter to the
on a New Israeli Strategy Toward 2000«, »A Clean Break: A New Strat- president«, 20. September 2001
egy for Securing the Realm« (www.israeleconomy.org/strat1.htm). (www.nationalreview.com/document/document092101b.shtml), und
17
»Open Letter to the President,« 19. Februar 1998, »Project for the New American Century«
www.iraqwatch.org/perspectives/rumsfeld-openletter.htm; Frank Gaff- (www.newamericancentury.org/Bushletter.htm).
ney, »End Saddam’s Reign of Terror: Better late than never,« National 38
Robert Kagan und William Kristol, »The Gathering Storm«, The Weekly
Review Online, 21. Februar 2002, Standard, 7:7 (29. Oktober 2001)
www.nationalreview.com/contributors/gaffney 022101.shtml. (http://theweeklystandard.com/Content/Public/Articles/000/000/000/384t
18
Rumsfeld ist seit langem ein eifriger Unterstützer Israels. Er hat z.B. bei hhhq.asp).
„Solidarität-mit-Israel“-Essen Reden gehalten, die von der „Internationa- 39
Eliot A. Cohen, »World War IV«, The Wall Street Journal, 20. November
len Gemeinschaft von Christen und Juden“ (International Fellowship of 2001 (www.opinionjournal.com/editorial/feature.html?id=95001493).
Christians and Jews.) veranstaltet wurden. Michael Gillespie, »Bill Moy- 40
Paläokonservative sind die konservativen Gegner der Neokonservativen.
ers, modernity, Islam«, Middle East Times, 30 (2002) In bezug auf die Außenpolitik neigen sie zur Unterstützung eines Nichtin-
(www.metimes.com/2K2/issue2002-30/opin/bill_moyers.htm). terventionismus. Die Paläokonservativen sind weit weniger mächtig als
19
Seymour Hersh, »The Iraq Hawks«, New Yorker, 20. Dezember 2001 die Neokonservativen. Die Neokonservativen dominieren fast alle For-
(http://www.globalpolicy.org/wtc/targets/1220hawks.htm). schungsgruppen, die von den Medien des Establishments als „konserva-
20
PNAC beschreibt sich selbst wie folgt: »Das im Frühjahr 1997 gegrün- tiv“ oder „rechtsgerichtet“ bezeichnet werden.
dete Projekt für das Neue Amerikanische Jahrhundert ist eine gemeinnüt- 41
Scott McConnell, aaO. (Anm. 3).
zige Bildungseinrichtung, deren Ziel es ist, die globale Führung der USA 42
Georgic Anne Geyer, »Pro-Israeli, Anti-Arab Campaigns Could Isolate
zu fördern. Das Projekt ist eine Initiative des New Citizenship Project America«, 25. Oktober 2001
(501c3), dessen Vorsitzender William Kristol und dessen Präsident Gary (www.uexpress.com/georgieannegeyer/index.cfm?uc_full_date=2001102
Schmitt ist.« (www.newamericancentury.org/aboutpnac.htm 5&uc_comic=gg&uc_daction= X).
21
Neil Mackay, »Bush planned Iraq „regime change” before becoming 43
Norman Podhoretz, »In Praise of the Bush Doctrine«, Commentary (Sep-
President«, Scottish Sunday Herald, 15. September 2002 tember 2002)
(www.sundayherald.com/print27735). (www.ourjerusalem.com/opinion/story/opinion20020904a.html).
22
Glenn Kessler und Peter Slevin, »Cheney Is Fulcrum of Foreign Policy:

302 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
44
Bob Woodward, Bush at War (New York: Simon & Schuster, 2002), S. der Liste der Feinde zu streichen, sieht es nicht so aus, als ob dies tatsäch-
49. lich geschehe.
45 64
Ebd., S. 83. T.E. Ricks, aaO. (Anm. 61).
46 65
Ebd., S. 84. Michael Isikoff und Evan Thomas, »The Saudi Money Trail«, Newsweek,
47
Patrick E. Tyler and Elaine Sciolino, »Bush’s Advisers Split on Scope of 2. Dezember 2002; Calvin Woodward, »Saudi princess’s largess may ex-
Retaliation«, New York Times, 20. September 2002 tend to terrorists«, The Associated Press, The News Tribune (Tacoma,
(www.stanford.edu/class/intnlrel193/readings/week4/split.html), und Wash.), 25. November 2002 (www.tribnet.com/news/story/2218751p-
Julian Borger, »Washington’s hawk trains sights on Iraq«, 15. Oktober 2286814c.html).
66
2001 (www.guardian.co.uk/waronterror/story/0,1361,558276,00.html). Norman Podhoretz, »How to Win World War IV«, Commentary, Februar
48
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»Bush Promises Military All It Needs to Win Long Battle Ahead, Presi- 7:6 (20. November 2002) (http://eatthestate.org/07-
dent addressed the troops at Fort Campbell, KY«, 21. November 2002, 06/PalestineTransferApartheid.htm).
69
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ber 2002 (http://usinfo.state.gov/topical/pol/terror/01112607.htm). idea of transfer«, in Haaretz (April 5, 2002), zitiert in Finkelstein, Image
51
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70
(www.whitehouse.gov/news/releases/2002/01/20020129-11.html). Martin van Creveld, »Warning: Sharon’s plan is to drive Palestinians
52
Matthew Engel, »Proud wife turns “axis of evil” speech into a resigna- across the Jordan«, Daily Telegraph, 28. April 2002
tion letter«, The Guardian, 27. Februar 2002 (www.telegraph.co.uk/news/main.jhtml?xml=/news/2002/04/28/wpal28.x
(www.guardian.co.uk/bush/story/0,7369,658724,00.html). ml; www.seeingred.com/Copy/5.3_sharons_plan.html).
71
53
B. Woodward, aaO. (Anm. 44), S. 330. »Urgent Plea to Prevent Massive War Crimes Comes from Israeli Aca-
54
Glenn Kessler, »U.S. Decision on Iraq Has Puzzling Past«, Washington demics«, Mid-East Realities, 22. September 2002
Post, 12. Januar 2002, S. A-20. (www.middleeast.org/premium/read.cgi?category=Magazine&num=752
55
Justin Raimondo, »War Party Stalled«, 20. November 2002 &month=9&year=2002&function=text).
72
(www.antiwar.com/justin/j112002.html). Aluf Benn, »PM rejects Jordan’s request to rule out “transfer” in Iraq
56 war«, Ha’aretz, 29. November 2002
Robert Fisk, »George Bush Crosses Rubicon – But What Lies Beyond?«,
The Independent, 9. November 2002 (www.haaretzdaily.com/hasen/pages/ShArt.jhtml?itemNo=235416&contr
(www.commondreams.org/views02/1109-03.htm). assID= 2&subContrassID=4&sbSubContrassID=0&listSrc=Y).
57 73
Thomas F. Ricks, »Some Top Military Brass Favor Status Quo in Iraq«, Siehe Stephen J. Sniegoski, »September 11 and the origins of the “War
58
Richard Norton-Taylor, »British military chiefs uneasy about attack on Terrorism”: A revisionist account«, Teil 3, »The Last Ditch«
plans«, The Age, 31. Juli 2002 (www.thornwalker.com/ditch/towers_3.htm).
74
(www.theage.com.au/articles/2002/07/30/1027926884871.html). Eric Margolis, »Details of U.S. victory are a little premature«, Toronto
59
Justin Raimondo, »Attack of the Chicken-Hawks«, 2. August 2002 Sun, 22. Dezember 2002
(www.antiwar.com/justin/pf/p-j080202.html); und Doug Thompson, (www.canoe.ca/Columnists/margolis_dec22.html).
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»Suddenly, the hawks are doves and the doves are hawks«, Capitol Hill Bezüglich einer Übersicht über Roosevelts Bemühungen, die Vereinigten
Blue (http://chblue.com/artman/publish/article_165.shtml). Staaten in den Krieg zu bekommen, siehe Stephen J. Sniegoski, »The Ca-
60
Julian Borger, »Pentagon build-up reaches unstoppable momentum«, The se for Pearl Harbor Revisionism«, The Occidental Quarterly, 1:2 (Winter
Guardian, 31. Dezember 2002 2001) (www.charlesmartelsociety.org/toq/vol1no2/ss-pearlharbor.html),
(www.guardian.co.uk/Iraq/Story/0,2763,866919,00.html). und »Pearl Harbor: Facing facts«, The Last Ditch
61
Thomas E. Ricks, »Briefing Depicted Saudis as Enemies«, Washington (www.thornwalker.com/ditch/pearl.htm).
76
Post, 6. August 2002,S. A-1; und Jack Shafer, »The PowerPoint That Grant Aldonas, Staatssekretär im Handelsministerium (Undersecretary of
Rocked the Pentagon: The LaRouchie defector who’s advising the de- Commerce) sagte vor einem Forum von Geschäftsleuten, daß ein Krieg
fense establishment on Saudi Arabia«, Slate, 7. August 2002 im Irak »den Ölhahn des irakischen Öls öffnen würde, was sicherlich in
(http://slate.msn.com//?id=2069119). Bezug auf die Weltwirtschaft für die Leistung der Länder, die Öl herstel-
62
Simon Henderson, »The Coming Saudi Showdown«, The Weekly Stan- len und verbrauchen, tiefgreifende Auswirkungen haben würde.« Michael
dard, 15. Juli 2002 Moran und Alex Johnson, »Oil after Saddam: All bets are in«, MSNBC
(www.washingtoninstitute.org/media/henderson/henderson071502.htm); News, 7.November 2002 (www.msnbc.com/news/823985.asp?0sl=-
Victor Davis Hanson, »Our Enemies, the Saudis«, Commentary, 10#BODY).
Juli/August 2002. Siehe auch Simon Henderson, »The Saudi Way«, Wall 77
Anthony Sampson, »Oilmen don’t want another Suez«, Guardian Unlim-
Street Journal, 12. August 2002 ited, 22. Dezember 2002
(www.opinionjournal.com/editorial/feature.html?id=110002116); und (www.observer.co.uk/international/story/0,6903,864336,00.html). Samp-
Claudia Rosett, »Free Arabia«, Wall Street Journal, 14. August 2002 son ist der Autor von The Seven Sisters (New York: Bantam Books,
(www.opinionjournal.com/columnists/cRosett/?id=110002126).
63 1976), in dem das große Öl und der Nahe Osten behandelt werden. Dan
Ronald Radosh, »State Department Outrage: The Firing of Stephen
Morgan und David B. Ottaway schreiben: »Vertreter mehrerer größerer
Schwartz«, Front Page Magazine, 2. Juli 2002
Firmen sagten, daß sie in der Debatte in Washington, wie gegenüber dem
(www.frontpagemag.com/Articles/Printable.asp?ID=1610); Stephen
Irak vorgegangen werden solle, möglichst keine Rolle spielen wollen.
Schwartz, »Defeating Wahabbism«, Front Page Magazine, 25. Oktober
„Für die amerikanischen Ölgesellschaften ist es nicht von Vorteil, im ge-
2002 (www.frontpagemag.com/Articles/Printable.asp?ID=4178); und
genwärtigen Stadium einen besonders aggressiven Standpunkt einzuneh-
Stephen Schwartz, Two Faces of Islam: The House of Sa’ud from Tradi-
men. Es wird genügend Zeit in der Zukunft geben“, sagte James Lucier,
tion to Terror (New York: Doubleday & Co., 2002).
ein Ölanalytiker bei Prudential Securities.« (»In Iraqi War Scenario, Oil
Von den Schwarz Wohlgesonnenen schreibt William Kristol, daß »nie-
Is Key Issue«, Washington Post, 15. September 2002, S.A-1. Für MSNBC
mand hat mehr als Stephen Schwartz getan um das radikale, Saudi-
schreibt John W. Schoen: »Bis jetzt haben die U.S. Ölgesellschaften in
Wahhabi-Antlitz des Islam aufzudecken.« Und der unabhängige linke
bezug auf die mögliche Kriegsbeute geschwiegen.« (»Iraqi oil, American
Kriegsbefürworter Christopher Hichens fällt mit ein, daß »die Arbeit von
bonanza?«, 11. November 2002;
Stephen Schwartz beispielhaft innermoslemische Eigenheiten (Begriffe,
www.msnbc.com/news/824407.asp?0bl=-0)
Unterschiede) erhellt, – sowohl historische wie auch theologische – Ei- 78
Daniel Yergin, »A Crude View of the Crisis in Iraq«, Washington Post, 8.
genheiten, deren Verständnis für den Rest der Welt von höchster Bedeu-
Dezember 2002, Seite B-1. Yergins Buch The Prize. The Epic Quest for
tung sind. Er ist der ausgeprägteste Feind eines Islamofaschismus.«
Oil, Money, and Power (New York: Simon & Schuster, 1991) gewann
(www.randomhouse.com/doubleday/display.pperl?isbn=0385506929)
den Pulitzer Preis.
Schwartz beschreibt den Islam im großen und ganzen als friedfertig, nur 79
William D. Nordhaus, »Iraq: The Economic Consequences of War«, New
die Wahhabi-Richtung sei gefährlich. Obwohl seine Argumentation dazu
York Review of Books, 5. Dezember 2002
dienen könnte, einige islamische Länder (wie den Irak und den Iran) aus

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 303
(www.nybooks.com/articles/15850). Siehe auch einen ausführlicheren Business: Instability and aggression are regarded as a threat to the
Artikel von Nordhaus, »The Economic Consequences of a War with global stability upon which U.S. markets depend«, Los Angeles Times, 2.
Iraq«, 29. Oktober 2002, (www.econ.yale.edu/~nordhaus/iraq.pdf); und April 1999 (www.diaspora- net.org/food4thought/layneschwarz.htm).
86
George L. Perry, »The War on Terrorism, the World Oil Market and the Stratfor, »U.S. Could Become Mired in Iraq Occupation«, 30. Dezember
U.S. Economy«, Analysis Paper #7, America’s Response to Terrorism 2002 (http://world- analysis.1accesshost.com/stratfor2.html).
87
(geändert am 28. November 2001) Christopher Layne, »The Power Paradox: History teaches that holding a
(www.brookingsinstitution.org/dybdocroot/views/papers/perry/20011024 monopoly on might – as the United States now does – is likely to provoke
.htm). a backlash«, Los Angeles Times, 6. Oktober 2002.
80 88
Robert J. Samuelson, »The Economic Impact of War«, Newsweek, 2. Owen Harries, »The Anglosphere Illusion«, National Interest, 63 (Früh-
Dezember 2002. jahr 2001).
89
81
Zitiert in Jay Bookman, »The presidents real goal in Iraq«, The Atlanta Rowan Scarborough, »U.S. ability to fight two wars doubted«, Washing-
Journal-Constitution, 29. September 2002 ton Times, 25. Dezember 2002, A-1, A-9.
90
(www.accessatlanta.com/ajc/opinion/0902/29bookman.html). Robert Smith Thompson, A Time for War. Franklin D. Roosevelt and the
82
Akiva Eldar, »They’re jumping in head first«, Ha’aretz, 30. September Path to Pearl Harbor (New York: Prentice Hall Press, 1991), S. 379; und
2002 (www.haaretzdaily.com/hasen/pages/ShArt.jhtml?itemNo=214159). Bruce M. Russet, No Clear and Present Danger. A Skeptical View of the
Eine Zusammenfassung über einige der nicht-demokratischen Lösungen, United States Entry into World War II (New York: Harp er Torchbooks,
die von der US-Regierung in bezug auf den Nachkriegs-Irak erwogen 1972), S. 53f
91
werden, (einschließlich der Einsetzung des jordanischen Prinzen Hassan Joseph Sobran, »The Jewish Establishment«, Sobran’s, September, 1995,
als König) gibt Conn Hallinan, »Favored Post- Saddam Leaders Believe S. 4. Ähnliches führt Philip Weiss aus, der im New York Observer
Bush’s Democracy Rhetoric«, Foreign Policy in Focus, 26. November schreibt: »In bezug auf die Castro-Lobby oder die Nationale Schützen-
2002 (www.foreignpolicy- vereinigung, zwei mächtige Interessen-Lobbies, schleicht die Times nicht
infocus.org/commentary/2002/0211invasion.html); und Brian Whitaker, auf Katzenpfoten. Wenn diese dem System die Muskeln zeigen, lesen wir
»Jordan prince touted to succeed Saddam«, The Guardian, 19. Juli 2002 ziemlich bösartige Berichte über das Arlingtoner Hauptquartier der
(www.guardian.co.uk/Archive/Article/0,4273,4464346,00.html). Schußwaffen-Lobby und den faden, fremden Wayne LaPierre, oder hyste-
83
Todd S. Purdum, Patrick E. Tyler, »Top Republicans Break With Bush on rische Interviews mit Castro-Hassern der Achten Straße in Miami... Eine
Iraq Strategy«, New York Times, 16. August 2002 der Schwierigkeiten dieser Frage [des jüdischen Einflusses] ist [jedoch],
(www.rider.edu/users/phanc/courses/350- daß die Massenmedien sich weigern, ihn direkt anzusprechen, weil dies
web/mideast/iraq/topGOPbreakwGWBreiraq.htm); Zbigniew Brzezinski, als zu heikel angesehen wird.« (»Holy or Unholy, Jews and Right in an
»If We Must Fight ...«, Washington Post, 18. August 2002, S. B07 Alliance«, New York Observer, 19. September 2002;
(www.rider.edu/users/phanc/courses/350- www.observer.com/pages/story.asp?ID=6336) Bezüglich der Macht jüdi-
web/mideast/iraq/brzezinski.htm). scher Gruppen in Amerika, Kritik an Israel zum Schweigen zu bringen,
84
Mark Danner, »The Struggles of Democracy and Empire«, New York siehe Alexander Cochburn, »Israel and „Anti-Semitism“«, Counter-
Times, 10. Oktober 2002 punch, 16. Mai 2002 (www.counterpunch.org/cockburn0516.html).
92
(www.globalpolicy.org/globaliz/politics/1010empire.htm). Robert Fisk, »The Coming Firestorm«,” 27. Mai 2002
85
Christopher Layne und Benjamin Schwarz, »Making the World Safer for (www.counterpunch.org/fisk0527.html).

Eine Übersicht über den Krieg gegen den Terrorismus
Von Jim Marrs

»Haß kann nicht Haß austreiben; das vermag nur Liebe.« Es ist ein Krieg, der unter der Prämisse erklärt wurde, daß am
Dr. Martin Luther King Jr. 11. September 2001 ein heimtückischer Angriff gegen die
Vereinigten Staaten geführt wurde. Im Gegensatz zu früheren
»Wer nicht aus der Geschichte lernt, ist dazu verurteilt, sie Kriegen gibt es kein Berlin oder Tokio zu erobern, und daher
zu wiederholen.« Der Philosoph George Santayana kann auch kein Sieg errungen werden – außer für die, die
vom Krieg profitieren. Die wirklichen Opfer dieses Krieges
»Wir scheuen uns nicht, das amerikanische Volk mit un- werden die normalen amerikanischen Bürger sein, zusammen
liebsamen Tatsachen zu konfrontieren, mit Ideen aus ande- mit den hungernden Afghanen.
ren Ländern, mit fremden Philosophien und rivalisierenden Dieser neue Krieg kann durchaus mit dem fehlgeschlagenen
Wertsystemen. Denn eine Nation, die Angst davor hat, daß Drogen-Krieg und dem fast vergessenen Krieg gegen die
ihre Bevölkerung auf offenem Markt über wahr und falsch Armut verglichen werden. Es gab noch keinen erkennbaren
urteilt, ist eine Nation, die ihre Bevölkerung fürchtet.« Sieg gegen den Drogenmißbrauch oder die Verheerungen der
Präsident John F. Kennedy Armut in unserer eigenen Nation. Unsere Gefängnisse sind
überfüllt mit Drogen-Straftätern, ohne erkennbare Verringe-
Die Amerikaner zahlen jetzt allmählich den Preis dafür, daß rung von Nachfrage oder Angebot, und unsere bürgerlichen
sie im Geschichtsunterricht geschlafen, wichtige Informatio- Grundrechte wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. Ge-
nen in den alternativen Medien ignoriert und es versäumt ha- nau wie diese fehlgeschlagenen Kampagnen wird der Krieg
ben, an ihrem eigenen politischen Geschehen mitzuwirken. gegen den Terrorismus uns alle für die absehbare Zukunft auf
Sie finden sich in einem neuen Krieg wieder – dem Krieg ge- einen Kurs bringen, der uns teuer zu stehen kommt: durch
gen den Terrorismus. Das ist ein Krieg, den sie sich nicht Einschränkungen der persönlichen Freiheit, eine noch stärker
gewünscht und den sie nie ins Auge gefaßt haben, weil wir zentralisierte Staatsmacht und allgegenwärtige Angst.
alle von der flimmernden Unterhaltungs-Röhre betäubt wer- Und wo sind die Stimmen derer, die den Nutzen dieses neuen
den. Krieges in Frage stellen? Die Medien treiben den Angst-

304 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
Faktor jeden Tag weiter nach oben und geben sich wenig den. Das war ein gutes Beispiel für die Doppelzüngigkeit un-
oder keine Mühe, auf die wenigen denkenden Amerikaner zu serer modernen Kriege.
hören, die sich die Frage stellen: „Muß ich wirklich meine Der Golfkrieg drehte sich nur ums Öl, von den Ölbohrungen,
Freiheit aufgeben, um sie zu retten?“ Mit Flaggen an den An- die von Kuwait schräg in die südwestlichen Reserven Iraks
tennen unserer benzinschluckenden Vehikel und der Vater- geführt wurden, bis zur Zerstörung der Ölfelder am Schluß.
landsliebe im Herzen marschieren wir also wieder los in ei- Hier fanden wir in Saddam Hussein einen neuen „Hitler“, ei-
nen neuen Ölkrieg. nen Feind, der vom CIA bewaffnet und finanziert worden
war. Der CIA ist eine Einrichtung, deren Spitzenleute schon
Ölkriege seit langem in Verbindung mit den Öl-Leuten der CFR-
Jawohl, Öl. Erdöl stand hinter all den Kriegen der letzten Mitglieder und anderen Globalisten sind (siehe Rule by Se-
Zeit, seit Anfang der 40er Jahre, als ein überwiegend land- crecy). Saddam Hussein, der wegen seines achtjährigen
wirtschaftliches und isolationistisches Amerika als Reaktion Krieges gegen den Iran im Auftrag der USA knapp bei Kasse
auf den japanischen Angriff auf Pearl Harbor plötzlich in ei- war, beschloß, Kuwait wiederzugewinnen, um dadurch seine
nen Weltkrieg gestürzt wurde. Die Amerikaner betrauerten Einnahmen zu erhöhen. Kuwait war von den britischen
den Verlust von etwa 3000 Soldaten und Zivilisten auf Ha- Truppen vom Südirak abgetrennt worden. Als die USA nach
waii und ließen es in rechtschaffener Empörung zu, daß ihr ihren Vorstellungen hierzu befragt wurden, erwiderte die US-
Land in ein riesiges Militärlager verwandelt wurde. Botschafterin April Glaspie, daß die US-Regierung dazu
Die US-Bundesregierung, die unter Präsident Franklin Roo- „keine Meinung“ habe, und daß Kuwaits Angelegenheiten
sevelts Politik zur Bekämpfung der Depression soviel Macht nicht mit denen der USA gekoppelt seien. Als aber irakische
an sich gerissen hatte, wurde unter Propagierung der „natio- Truppen nach Kuwait einmarschierten, mobilisierte Bush ge-
nalen Sicherheit“ noch stärker und zentralisierter. Das er- gen sie eine Streitmacht der Vereinten Nationen, die mit 4
schien damals ganz natürlich und notwendig. Mrd. Dollar aus einem geheimen Fonds unterstützt wurde,
Aber heute wissen ernsthafte Geschichtsforscher, daß selbst für den seine Geschäftspartner in Saudi-Arabien gesorgt hat-
dieser „gute Krieg“ das Ergebnis der Manipulationen einer ten.
Handvoll reicher und mächtiger Leute war. Als Roosevelt, Aber als sich diese patriotischen US-Soldaten Saddam näher-
der typische Wall-Street-Insider, im Sommer 1941 Japans ten, stoppte der ganze Krieg und George H. W. Bushs alter
Ölversorgung abschnürte, stellte er damit sicher, daß die Geschäftspartner ist immer noch an der Macht. Es scheint,
Vereinigten Staaten zu guter Letzt angegriffen würden. Es ist daß dies nur eine weitere Provokation war. Und, wie in Viet-
inzwischen gut belegt, daß Roosevelt und einige enge Ratge- nam, garantierte der amerikanische Steuerzahler eine 500
ber sehr wohl wußten, daß Pearl Harbor am 7. Dezember Mio. Dollar Anleihe, die Saddam benutzte, um Waffen gegen
1941 angegriffen werden sollte, daß sie sich aber dafür ent- US-Truppen anzukaufen – sogar als sich die USA anschick-
schieden, es geschehen zu lassen, um ihre Zielsetzung zu ten, gegen ihn zu kämpfen.
fördern, Amerika in den Krieg zu bringen. (Die Einzelheiten
hierzu können meinem Buch Rule by Secrecy entnommen Die Kaperung des Öls am Kaspischen Meer
werden, HarperCollins, 2000) Heute geht es in Wirklichkeit um die reichen Ölreserven um
Der Vietnam-Krieg wurde von Leuten betrieben, die Roose- das Kaspische Meer, den Preis, der schon Hitler lockte, des-
velt und dem Council on Foreign Relations (CFR) nahestan- sen Zug in dieses Gebiet nur von der zähen sowjetischen
den, die lange den Wunsch geäußert hatten, die Kontrolle Verteidigung von Stalingrad, der Stadt an der Wolga, ge-
über Indochinas Öl-, Magnesium- und Gummibestände zu er- stoppt wurde.
langen. Wieder wurde eine Provokation geschaffen. Im Au- Ende der 70er Jahre, als die Sowjets große nichtgenutzte Öl-
gust 1964 brachte Präsident Lyndon Johnson den Kongreß vorräte in Tschetschenien entdeckten, war diese Region reif
zur Raserei, als er behauptete, daß nordvietnamesische Ka- zur Ausbeutung, aber die Kontrolle über Afghanistan war
nonenboote die 6. US-Flotte im Golf von Tonkin vor der Kü- notwendig, um die Pipeline zu sichern, mit der das Öl dem
ste von Vietnam angegriffen hätten. »Unsere Jungs treiben Weltmarkt zugeführt werden sollte. Doch nach fast
im Wasser«, jammerte er. Der Kongreß reagierte darauf mit 10jährigem brutalen Krieg ohne Pardon gegen die afghani-
Erlaß der Golf-von-Tonkin-Resolution, die die Verfassung schen und arabischen Söldner, die – einschließlich Osama
verletzte und Johnson die Befugnis gab, Krieg zu führen, um bin Laden – von den Vereinigten Staaten unterstützt wurden,
Angriffe auf Amerikaner zu stoppen. Das war der Anfang waren die Sowjets gezwungen, sich zurückzuziehen. Die
des echten Vietnam-Krieges, bei dem geschossen wurde. wirtschaftliche Belastung des russisch-afghanischen Krieges
Dabei war alles eine Lüge. Es ist nie jemals ein Beweis vor- war so groß, daß sie den Kommunismus Anfang der 90er
gebracht worden, daß ein derartiger Angriff stattgefunden Jahre zu Fall brachte.
hat. Tatsächlich nannten die Herausgeber von US News & Jetzt haben die internationalen Banken und Ölleute eine Ba-
World Report (23. Juli 1984) dies »den „Phantom-Krieg“, sis in dem von Geldmangel beherrschten Rußland, und erneut
der zum Krieg führte«. Während Amerika Krieg gegen ziehen die Ölvorräte vom Kaspischen Meer im Wert von
Nordvietnam führte, das, wie man uns sagte, nur eine Mario- schätzungsweise 40 Mrd. Dollar ernsthafte Aufmerksamkeit
nette der kommunistischen Regierungen von Rußland und auf sich. 1997 bildeten sechs internationale Gesellschaften
China war, wurde Johnson von seinen CFR-Beratern ermun- und die Regierung von Turkmenistan die Central Asian Gas
tert, der Sowjetunion Anleihen zu gewähren, und zwar in hö- Pipeline Ltd. (CentGas), um eine 790-Meilen-Pipeline nach
herem Umfang, als während des Zweiten Weltkrieges, als sie Pakistan zu bauen, und vielleicht weiter ins Gebiet von Neu-
der Verbündete der USA war. US-garantierte Kredite gaben Delhi in Indien.
Rußland die Mittel zur Errichtung von Anlagen, die Kriegs- Die Führung des Konsortiums hat die Unocal Corporation
material produzierten, das dann nach Nordvietnam geschickt inne, deren Präsident, John F. Imle Jr. sagte, das Projekt be-
wurde, um gegen amerikanische Truppen eingesetzt zu wer- deute »die Bildung eines neuen Wirtschaftskorridors für die

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 305
Region – oft auch Seidenstraße des 21. Jahrhunderts ge- schen Aktivitäten in Afghanistan tatsächlich sechs Monate
nannt.« vor dem sowjetischen Vorgehen begannen.
Aber mit der fundamentalistischen moslemischen Regierung Brzezinski sagte, die Regierung Jimmy Carters habe im Juli
in Afghanistan kam es zu Problemen, von denen nicht das 1979 heimlich begonnen, Gegner des prosowjetischen Regi-
geringste die Behandlung der Frauen durch die Taliban- mes in Kabul zu finanzieren, wohl wissend, daß ein solches
Regierung war, die Frauenaufmärsche gegen Firmen hervor- Vorgehen einen sowjetischen Einmarsch provozieren könnte.
rief, die dort Geschäfte machen wollten. Zudem verursachte Sowjetische Führer vertraten damals die Ansicht, daß der
das Taliban-Regime chaotische Zustände, als es die verschie- Einmarsch notwendig sei, um einen amerikanischen Angriff
denen islamischen Sekten gegeneinander ausspielte, um auf Afghanistan zu vereiteln. Der ehemalige Sicherheitsbera-
selbst an der Herrschaft zu bleiben. Mitte 1999 zog sich Unocal ter, der bei der Gründung der globalistischen Trilateral-
unter Berufung auf die gefährliche politische Lage aus dem Kommission mitgewirkt hat, drückte kein Bedauern aus über
Pipeline-Konsortium zurück und das Projekt ging ein. diese Provokation und erklärte:
Man beachte, daß Präsident Bush, als er dem Terrorismus »Die Geheimoperation war eine ausgezeichnete Idee. Sie
den Krieg erklärte, überhaupt nicht die Terroristen in Nord- brachte die Demoralisierung und schließlich den Zusam-
Irland oder die palästinensischen Selbstmord-Attentäter er- menbruch des Sowjetreichs mit sich.«
wähnte. Die Aufmerksamkeit richtete sich ausschließlich auf Sie brachte auch die Taliban-Regierung hervor, gegen die wir
Afghanistan – genau die Nation, die gebraucht wurde, um die heute kämpfen, und auch Osama bin Laden.
lukrative Pipeline fertigzustellen. Es sollte ebenfalls beachtet Etwa 1984, als Vizepräsident George H.W. Bush die Lage in
werden, daß Vizepräsident Dick Cheney den Vorsitz bei Hal- Afghanistan kontrollierte, war bin Laden Leiter der Maktab
liburton führte, einem riesigen Dienstleistungsunternehmen al-Khidamir (MAK), die Gelder, Waffen und Leute von der
für die Ölindustrie, und man nimmt allgemein an, daß er Außenwelt in den Krieg gegen die Sowjetunion kanalisierte.
mächtiger ist als der Präsident. Er half bald, einen vielsprachigen Verband arabischer Trup-
Heute kann bewiesen werden, daß Militäraktionen gegen Af- pen aus Ägypten, Pakistan, dem Libanon, Syrien und palästi-
ghanistan schon lange vor den Angriffen des 11. September nensischen Flüchtlingslagern aufzustellen, mit dem es der
ausgearbeitet wurden. CIA einfacher fand zu verhandeln, als mit den fundamentali-
stischen Muslimen Afghanistans.
Lange vorausgeplantes Vorgehen gegen Afghanistan Eine eingehende Gewissensprüfung wäre angebracht bezüg-
Wie George Amey von der BBC berichtete, wurde der paki- lich Amerikas Rolle bei der Bewaffnung und Ausbildung ei-
stanische Außenminister Niaz Naik Mitte Juli von amerikani- ner internationalen Gruppe extremistischer Muslime in Af-
schen Beamten gewarnt, daß etwa Mitte Oktober eine Mili- ghanistan, lange nachdem deren Kameraden die Kasernen der
täraktion gegen Afghanistan in Gang gesetzt werde. Bei einer Marinesoldaten in Beirut zerstört und zahllose Flugzeuge ent-
von den UN gesponserten Afghanistan-Konferenz in Berlin führt haben.
wurde Naik informiert, daß, sofern bin Laden nicht ausgelie- Im Gefolge der Anschläge vom 11. September fanden Be-
fert würde, Amerika militärisch vorgehen würde, um ihn wie richte wenig Beachtung, daß China ein Bündnis mit den Af-
auch den Taliban-Führer Mullah Omar zu töten oder gefan- ghanen unterschrieben hatte und ganz still in die umstrittene
genzunehmen, als erster Schritt um dort eine neue Regierung Welthandelsorganisation aufgenommen wurde, ein Vorge-
einzusetzen. hen, das unter normalen Verhältnissen eine große Protestwel-
Es muß jedoch bemerkt werden, daß die amerikanische Ein- le hervorgerufen hätte. Zwar ist ein derartiges Bündnis bisher
mischung in Afghanistan bereits vor Jahren begonnen hat, nicht bestätigt worden, doch besuchte dieses Jahr der paki-
mindestens sechs Monate vor der Sowjetinvasion im Dezem- stanische General Pervez Musharraf, der Chef des General-
ber 1979. stabs und der pakistanischen Heeresverbände, China auf des-
Der ehemalige Berater für Nationale Sicherheit, Zbigniew sen Wunsch und erörterte Angelegenheiten von gegenseiti-
Brzezinski, gab 1998 in einem Interview mit der französi- gem Interesse.
schen Zeitung Le Nouvel Observateur, dessen entscheiden- Obwohl behauptet wird, daß Pakistan im gegenwärtigen
den Teile nie in die USA gelangten, zu, daß die amerikani- Krieg gegen den Terrorismus die USA unterstütze, sagte der
Koordinator für Terrorismus-Abwehr vom Außenmi-
nisterium, Michael Sheehan, vor einem Unteraus-
schuß des Senats zu auswärtigen Angelegenheiten,
daß Pakistan terroristische Gruppen in Afghanistan
unterstütze und ausbilde. Damit erhebt sich das Ge-
spenst einer chinesischen Einmischung, wenn die US-
Streitkräfte im bergigen Afghanistan stecken bleiben
sollten.

Würden Amerikaner Amerikaner angreifen?
Die Anschläge auf das World Trade Center und das
Pentagon lieferten eine passende Entschuldigung, um
die vorgefertigten Pläne für eine Militäraktion gegen
Afghanistan in Gang zu setzten. Aber wurde es ein-
fach zugelassen, daß diese Ereignisse passierten, oder
wurde darauf hingearbeitet? Die Frage ist: Würde ir-
Rechts die Klagemauer, links die Lachmauer gendein Amerikaner einen Angriff auf seine Lands-
mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan leute zulassen, nur um sein eigenes Geschäft oder

306 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
seine politischen Ziele zu fördern? Leider scheint die Ant- Wir können daraus ersehen, daß die Schaffung von Krisen
wort „Ja“ zu lauten. zur Verfolgung politischer Ziele eine Methode ist, auf die
Es erscheint unglaublich, aber kürzlich kamen 40 Jahre alte man sich im 20. Jahrhundert durchaus verstand und die man
Regierungsdokumente an die Öffentlichkeit, die für längst auch anwandte. Geht so auch heute das Spiel? Betrachten wir
vernichtet gehalten worden waren. Sie zeigen, daß das US- den Angriff vom 11. September.
Militär Anfang der 60er Jahre vorschlug, terroristische An-
schläge in den USA durchzuführen und Fidel Castro die Fragen zum 11. September
Schuld zu geben. Oberflächlich gesehen erscheint alles hinreichend klar. Der
Diese Dokumente werden in einem kürzlich erschienenen offiziellen Version zufolge entführten 19 nahöstliche Selbst-
Buch über die National Security Agency (NSA) erörtert. Es mord-Attentäter – das Herz voller Haß gegen die amerikani-
hat den Titel Body of Secrets: Anatomy of the Ultra-Secret sche Freiheit und Demokratie – vier Flugzeuge, von denen
National Security Agency, Verfasser ist James Bamford. Die- zwei in die Zwillingstürme des World Trade Center von New
se Dokumente wurden seit Ende 1961 erstellt, nach der fehl- York rasten und ein drittes in das Pentagon. Das vierte soll
geschlagenen Invasion der Schweinebucht von Kuba im den Meldungen zufolge nach Versuchen von Passagieren, die
Frühjahr desselben Jahres. Präsident John F. Kennedy, der Terroristen zu bekämpfen, in West-Pennsylvania abgestürzt
über die ungeschickten Aktionen des CIA verärgert war, hat- sein.
te die Verantwortung für Kuba vom CIA an das Verteidi- Aber es ist eine Reihe störender Fragen aufgetaucht:
gungsministerium übertragen. Hier erwogen Militärstrategen – Warum war das US-Militär bereits Monate vor den An-
Pläne zur Schaffung terroristischer Aktionen, damit die ame- schlägen des 11. September dabei, Kriegspläne gegen Af-
rikanische Bevölkerung erschrecken und in wilder Panik ei- ghanistan vorzubereiten? Warteten sie nur auf irgendein
nen militärischen Angriff auf Kuba unterstützen würde. Bei Ereignis, um die normalerweise uninteressierte amerikani-
der »Operation Northwoods« wurden folgende Pläne in Be- sche Öffentlichkeit in einen Krieg zu treiben – wie in der
tracht gezogen: Vergangenheit?
– die Fabrizierung »einer Reihe gutkoordinierter Vorfälle« in – Wie konnten bin Laden belastende Dokumente unbeschä-
oder um den US-Marinestützpunkt an der kubanischen digt im WTC gefunden werden, während die Schwarzen
Guantanamo-Bucht, das Anzetteln von Aufständen, die Aufzeichnungskästen des Flugzeugs, die so gebaut sind,
Sprengung von Munitionslagern, Flugzeugen und Schiffen; daß sie Abstürze überdauern können, unbrauchbar waren?
– Entfaltung »einer Schreckenskampagne des kommunisti- – Selbst Tage und Wochen nach dem Angriff auf das WTC
schen Kuba« in der Gegend von Miami, in weiteren Städ- wurden Nachrichten-Kameraleute daran gehindert, die
ten Floridas, und sogar in Washington; Ruinen aus bestimmten Winkeln zu fotografieren, wie sich
– Versenkung »einer Schiffsladung Kubaner auf dem Weg CBS-Korrespondent Lou Young beklagte, der fragte:
nach Florida (tatsächlich oder zum Schein), Anschlagsver- »Warum fürchten sie, was wir sehen können?«
suche auf kubanische Flüchtlinge in den Vereinigten Staa- – Warum wurde die Verbindungsperson der New Yorker Po-
ten fördern«; lizei zum FBI als „Sicherheitsrisiko“ rausgeworfen, wie die
– Bomben an genau ausgesuchten Stellen explodieren zu las- New York Times am 16. Oktober berichtete? Wessen Si-
sen, zusammen mit der Veröffentlichung von »präparier- cherheit ist in Gefahr? Die des FBI? Was darf die New
ten Dokumenten«, die auf eine kubanische Mittäterschaft Yorker Polizei nach Meinung des FBI nicht erfahren?
wiesen; – Wie konnte ein offensichtlich ausgeklügelter Terroristen-
– die Verwendung falscher russischer Flugzeuge, um zivile Plan mit vielleicht bis zu 100 Beteiligten fünf Jahre lang
Flugzeuge zu bedrängen; durchgezogen werden, ohne unseren Nachrichtendiensten,
– »Versuche zu machen, zivile Flugzeuge und Fahrzeuge zu vor allem dem FBI und dem CIA, aufzufallen? Und warum
entführen«, sogar den Abschuß eines zivilen Flugzeugs zu verdoppeln wir das Budget dieser Einrichtungen, anstatt sei
simulieren. völlig umzustrukturieren und die für dieses Fiasko Verant-
Kennedy lehnte die »Operation Northwoods« ab und wortlichen zu feuern? Werden wir jetzt doppelt so viel
hochrangige Militäroffiziere befahlen, die Dokumente zu Fehlschläge wie vorher bekommen?
vernichten. Aber irgend jemand hatte einen Ausrutscher und – Warum stürzte der Südturm zuerst ein, wo er doch nicht so
die Papiere wurden vom Assassination Records Review Bo- umfassend beschädigt worden war wie der Nordturm, der
ard entdeckt und kürzlich von den National Archives an die fast anderthalb Stunden lang brannte, bevor er zusammen-
Öffentlichkeit gegeben. sackte?
Ein neuerer Fall ist der New York Times (28. Oktober 1993) – Warum behaupteten viele Zeugen, daß sie weitere Explo-
zufolge der eines Informanten namens Emad Salem, der An- sionen innerhalb des Gebäudes gehört hätten? Und warum
fang 1993 mit Terroristen aus Nahost zu tun hatten, die mit erschien der Zusammenbruch der WTC-Türme eher wie
Osama bin Laden in Verbindung waren, um eine Bombe zu eine kontrollierte Implosion als wie ein tragischer Unfall?
entwickeln, die gegen das New Yorker World Trade Center – Warum räumte FBI-Direktor Robert Mueller ein, daß die
verwendet werden sollte. Salem, ein ehemaliger ägyptischer Namensliste der Entführer möglicherweise nicht deren
Armee-Offizier, wollte den Sprengstoff durch ein harmloses wirkliche Namen enthielt? Muß nicht jedermann einen
Pulver ersetzen, aber sein Plan, den Angriff zu vereiteln, Ausweis mit Foto vorzeigen, um einen Boarding-Paß zu
wurde durch einen FBI-Beamten gestoppt, der offenbar sei- erhalten? Was war mit den normalen Sicherheitsmaßnah-
nen Insider-Informanten nicht preisgeben wollte. Man ließ es men?
zu, daß der Anschlag weiter betrieben wurde. – Warum gab es bei den veröffentlichten Passagierlisten und
Die Explosion im World Trade Center am 26. Februar hatte 6 den offiziellen Verlustangaben der vier Unglücksflugzeuge
Tote, über 1000 Verletzte und Schäden in Höhe von über ei- in Bezug auf 35 Namen keine Übereinstimmung? Der In-
ner halben Milliarde Dollar zur Folge. ternet-Kolumnist Gary North berichtete: »Die publizierten

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Namen stimmen in keinem Fall mit den Gesamtlisten der ren geheimsten Computern? (Hanssens letzte Aufgabe, be-
an Bord befindlichen Personen überein.« Warum diese vor er als Spion verhaftet wurde, bestand darin, die Nach-
Diskrepanz? richten-Computersysteme des FBI auf den neuesten Stand
– Da keiner der aufgelisteten Passagiere einen arabisch- zu bringen).
klingenden Namen hatte, woher wußte dann die Regierung, – Wenn der Flug 93 von United Airlines infolge des Kamp-
wer die Entführer waren? fes zwischen heroischen Passagieren und den Entführern
– Warum stimmte die Sitznummer der Entführer, die Flug- abstürzte, warum erzählten dann Zeugen von einem zwei-
begleiterin Madeleine Amy Sweeney telefonisch an die ten Flugzeug, das dem Linienflugzeug folgte, von herabfal-
Bostoner Luftverkehrskontrolle durchgab, nicht mit den lenden brennenden Trümmern, warum gab es keinen tiefen
Sitzen der Männer überein, die laut FBI verantwortlich wa- Krater, und warum waren die Wrackteile über ein Gebiet
ren? von 10 Kilometern verstreut, was alles auf eine Explosion
– Da Saudi-Arabiens Außenminister behauptete, daß fünf der in der Luft hindeutet?
behaupteten Entführer nicht an Bord der Todesflugzeuge – Warum beschrieben Nachrichtensender, daß Passagieren
gewesen und tatsächlich noch am Leben seien und ein von Flug 93 mit Teppichmessern die Kehle durchschnitten
sechster Mann der Liste laut Berichten lebendig und wohl- und sie verstümmelt wurden, wo doch das Time Magazin
auf in Tunesien lebt – warum befinden sich diese Namen am 24. September berichtete, daß einer der Passagiere mit
immer noch auf der FBI-Liste? einem Mobiltelefon zu Hause anrief um zu berichten: »Wir
– Warum befand sich keiner der Namen der genannten Ent- sind entführt worden. Sie sind freundlich.«?
führer auf irgendeiner der Passagierlisten? Wenn sie alle Der Internet-Kolumnist Gary North stellte fest:
falsche Namen benutzten, wie konnte das FBI sie dann so »Wir brauchen eine Theorie über die koordinierten Entfüh-
schnell identifizieren? rungen, die auf einer einleuchtenden Abfolge von Ursache
– Warum nahm einer der genannten Entführer Gepäck mit und Wirkung beruht, die nicht bei vier Maschinen und zwei
auf einen Selbstmord-Flug, und ließ es dann zusammen mit verschiedenen Luftfahrtgesellschaften davon ausgeht, daß
einer belastenden Notiz in seinem Wagen auf dem Flugha- sowohl die Sicherheitsregeln beim Einchecken wie auch
fen? bei der Sitzzuweisung an Bord völlig versagten. Ich kann
– In Bezug auf die Untersuchungen der September-An- nicht verstehen, wie jemand richtig beurteilen kann, wer
schläge insgesamt gaben die US-Behörden Ende Oktober hinter den Angriffen steht, wenn er nicht eine einleuchten-
laut New York Times zu, daß die Mehrzahl der vielverspre- de Erklärung dafür hat, wie die Entführer an Bord kamen
chenden Hinweise zur Auffindung von Mittätern und eini- und nicht rausgeworfen wurden.«
ge der Spuren zu Verdächtigen, die sie seit langem mit Aber die Staatsregierung ließ – unter Mithilfe der kriecheri-
Argwohn bedacht haben, sich in Luft aufgelöst hat. Warum schen Medien – nicht zu, daß solche rationalen Erwägungen
ergab sich bei der umfassendsten Kriminaluntersuchung in der Eilverurteilung im Wege standen, der zufolge bin Laden
der Geschichte der USA nichts Substantielles, wo doch der Schuldige hinter den Anschlägen sei.
mehr als 800 Leute verhaftet wurden und über 365.000
Hinweise von der Öffentlichkeit eingegangen sind? Bin Laden und seine Freunde
– Warum wird keiner der fast 100 Leute, die noch vom FBI Wie bei der Ermordung von John F. Kennedy hatten die Be-
gesucht werden, als Hauptverdächtiger angesehen? hörden einen Verdächtigen, bevor überhaupt jemand richtig
– Warum bombardierten die USA Afghanistan, wo doch of- wußte, was eigentlich geschehen war. Es war der Sohn einer
fensichtlich keiner der aufgelisteten Entführer Afghane reichen Ölfamilie aus Nahost, Osama bin Laden, der während
war, sondern Araber aus verschiedenen nahöstlichen Län- des russisch-afghanischen Krieges der 80er Jahre von der
dern? Da manchmal behauptet wird, der Irak sei in den US-Regierung Waffen erhielt und finanziert wurde. Trotz der
Angriff auf das WTC 1993 verwickelt gewesen, warum Tatsache, daß bin Laden jede Kenntnis von dem Angriff ver-
sind wir dann nicht sofort gegen diese „Schurken“-Nation neint, wurde er sowohl von der Regierung wie auch von der
vorgegangen? Presse als schuldig angesehen. In den gleichgeschalteten
– Warum denkt man bei Berichten über Saufgelage und Nut- Massenmedien wurde keine andere Deutung der Angriffe er-
tensuche, wie sie von Reuters Nachrichtendienst über eini- laubt.
ge der Entführer in Boston verbreitet wurden, mehr an Bin Laden ist ein maßgeschneiderter Feind, der Mann, der
Söldner, die vor einer Mission zechen, als an fromme reli- Berichten zufolge hinter dem Angriff von 1993 auf das WTC
giöse Fundamentalisten, die bald vor ihren Schöpfer treten stand und seit mehr als einem Jahrzehnt vor der amerikani-
sollen? schen Justiz auf der Flucht ist. Es wurde bemerkt, daß die
– Wie erhielten die Terroristen streng geheime Codes und amerikanische Regierung offensichtlich mehr Zeit und Geld
Signale des Weißen Hauses und des Präsidentenflugzeugs, darin investiert hat, Microsofts Bill Gates zu jagen, als bin
die Rechtfertigung dafür, daß Präsident Bush am 11. Sep- Laden zu fangen.
tember durchs ganze Land gescheucht wurde? Zeugte das Das kann an den Geschäftsverbindungen zwischen unserem
von einer Insider-Aktion, oder bewies das, wie Fox News neuen terroristischen Feind und reichen amerikanischen Ge-
berichtete, daß der frühere FBI-Angestellte und Doppela- sellschaften liegen.
gent Robert Hanssen die neueste Version der gestohlenen Mehreren Berichten zufolge, einschließlich dem Buch The
Computer-Software Promis an seinen russischen Agenten- Outlaw Bank: A Wild Ride into the Secret Heart of the BCCI
führer ausgehändigt hat, der sie an bin Laden weitergege- (New York: Random House, 1993) von Jonathan Beaty und
ben haben soll? Gibt diese Software, die während der Rea- S.C. Gwynne sowie der American Free Press (15. Oktober
gan-Regierung von Beamten des Justizministeriums unter 2001), einer Wiederauflage der Washingtoner Zeitung The
Staatsanwalt Ed Meese von einer US-Gesellschaft gestoh- Spotlight, benutzte der Freund der Familie Bush, James R.
len wurde, Außenstehenden einen Blanko-Zugang zu unse- Bath, Geld von Osama bin Ladens Bruder Salem, um mit Ar-

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busto Energy, einer Bohrgesellschaft in West-Texas, eine Im Wall Street Journal hieß es (28. Sept. 2001):
Partnerschaft mit George W. Bush zu eröffnen. (Arbusto ist »George H.W. Bush, der Vater von Präsident Bush, arbei-
Spanisch für Busch/Strauch.) tet über die Carlyle-Gruppe, eine internationale Berater-
Laut dem Houston Chronicle wurde Bath von Salem bin La- firma, für das bin-Laden-Familienunternehmen in Saudi-
den zu seinem Geschäftsrepräsentanten in Texas ernannt, Arabien.«
kurz nachdem Bush Senior 1975 von dem zum Präsidenten Vom Stabschef von Bush senior wurde bestätigt, daß Bush
ernannten Gerald Ford zum CIA-Direktor gemacht wurde. Es Anfang 2001 nach einer gesellschaftlichen Zusammenkunft
war die Familie Bush, vor allem die Herren Jeb und Neil der bin-Laden-Familie ein Dankschreiben geschickt habe.
Bush, die in das Spar- und Anleihen-Debakel von 1989 bis Angesichts solcher Verbindungen und seinem Sohn als am-
1993 verwickelt war, das den Steuerzahler mehr als 500 Mrd. tierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten hinterfragte
Dollar kostete. Larry Klayman, der Vorsitzende und Hauptberater von Judi-
Über ein verschlungenes Netz von Ölleuten aus Texas, rei- cial Watch (Justizbeobachter) die Carlyle-Beteiligung von
chen Saudi-Scheichen und skrupellosen, mit der inzwischen Bush senior:
zwangsaufgelösten Geldwäscherbank Bank Of Credit And »Jeder ausländische Staat oder Investor, der versucht, sich
Commerce International (BCCI) verbundenen Bankiers er- bei der gegenwärtigen Bush-Regierung Lieb-Kind zu ma-
langte Bush Junior schließlich einen beträchtlichen Anteil an chen, gibt sicherlich seinen Auftrag an die Carlyle-Gruppe.
einer neuen Ölgesellschaft namens Harken Energy. Zwei Und angesichts des früheren Präsidenten Bush, der die In-
Monate bevor Saddam Hussein irakische Truppen nach Ku- vestitionen der Firma im Ausland vorantreibt, könnten an-
wait hineinschickte, verkaufte Bush zwei Drittel seiner An- dere Länder verständlicherweise die Interessen der Carly-
teile bei Harken, was ihm einen Gewinn von fast einer Mil- le-Gruppe mit den Interessen der Regierung der Vereinig-
lion Dollar einbrachte. Die Aktien fielen, als die Invasion der ten Staaten verwechseln.«
Iraker begann. Nachdem er Einzelheiten der Carlyle/bin Laden-Gruppe in
Es sollte erwähnt werden, daß es während des Golf-Krieges verschiedenen Wirtschaftsbereichen einschließlich der Luft-
die Binladen Brothers Construction (jetzt Binladen Group) fahrtindustrie beschrieben hatte, kommentierte der Verfasser
war, die half, Flugplätze für die US-Flugzeuge zu bauen. Die Michael C. Ruppert:
bin-Laden-Brüder wurden damals als „gute Freunde der US- »Mit anderen Worten: Osama bin Ladens Angriffe auf das
Regierung“ beschrieben. World Trade Center und das Pentagon haben seiner Fami-
Auch später wurde die bin-Laden-Firma weiterhin in An- lie mit der sich daraus ergebenden massiven Erhöhung des
spruch genommen, um einen amerikanischen Luftstützpunkt US-Verteidigungshaushalts gerade einen dicken Haufen
in Saudi-Arabien zu errichten, trotz der Tatsache, daß Osama Geld eingebracht.«
bereits terroristischer Handlungen beschuldigt worden war, Noch verdächtiger werden diese Geschäftsbeziehungen, mit
wie etwa der Lastwagen-Bombe gegen die Khobar-Türme denen frühere und jetzige politische Führer Amerikas mit
auf der Base Dharan, die 19 Amerikaner tötete. Ein Mitarbei- Leuten aus Nahost verbunden sind, durch die Bekanntma-
ter von WorldNetDaily kommentierte: chung, daß gegen mehrere US-Firmen Untersuchungen ein-
»Sagen wir es gerade heraus. Osama sprengt unsere Anla- geleitet wurden, weil sie genau vor den Angriffen des 11.
gen, und seine Familie bekommt den Vertrag, um sie wie- September Aktien mit Spekulation auf eine Baisse verkauft
der aufzubauen. Bekommen Sie das Gefühl, daß da mehr haben.
abläuft, als wir zu sehen bekommen?«
Osamas älterer Bruder Salem wurde 1988 bei dem merkwür- Aktien-Spekulationsverkäufe deutet auf Vorabwissen
digen Absturz eines Ultraleicht-Flugzeuges getötet. Das Derartige Aktenverkäufe bieten die Möglichkeit, große Ge-
Flugzeug, das nur für einen Passagier war, kam bei San An- winne zu machen, indem man Aktien an eine befreundete
tonio, Texas, plötzlich und unerklärlich vom Kurs ab und ge- dritte Partei gibt, und sie dann zurückkauft, wenn der Preis
riet in eine Hochspannungsleitung. Die BCCI-Bank wurde fällt. Wenn so etwas einem tragischen Ereignis vorausgeht,
1991 durch Bundesermittler geschlossen, nachdem sie etwa dann kann man mit den Erfahrungen der Geschichte auf ein
10 Mrd. Dollar Verluste erlitten hatte. BCCI war eine von Vorabwissen schließen. Es ist in weiten Kreisen bekannt, daß
Pakistanis betriebene Einrichtung mit Tarngesellschaften auf der CIA die Promis-Software benutzt, um routinemäßig den
den Kaiman-Inseln, die mittels Geheimkonten globale Geld- Aktienhandel auf mögliche Warnsignale für einen terroristi-
wäsche betrieben und die vom US-Nachrichtendienst benutzt schen Anschlag oder ein verdächtiges Finanzgebaren zu be-
wurden, um Geld an bin Laden und die Mujaheddin in Af- obachten.
ghanistan zu übermitteln, als diese gegen die von den So- Eine Woche nach den Angriffen vom 11. September berich-
wjets unterstützte Regierung kämpften. tete die Londoner Times, daß der CIA Kontrollbeamte der
Eine weitere enge Verbindung zwischen bin Laden und der Londoner Behörde für Finanzdienste gebeten hat, verdächti-
Bush-Familie ist eine private internationale Investment-Firma ge Verkäufe von Millionen Aktienposten zu untersuchen, die
mit einem Volumen von 12 Mrd. Dollar, bekannt als die Car- genau vor den terroristischen Angriffen erfolgt waren. Man
lyle-Gruppe. Obwohl sie ihre Web-Seite seit den Anschlägen hoffte, daß von den Geschäftspapieren eine Spur zu den Ter-
des 11. September entfernt hat, ist bekannt, daß zu den Carly- roristen führen würde. Die Times erklärte, daß Marktbeob-
le-Direktoren Frank Carlucci, der frühere Verteidigungsmini- achter in Deutschland, Japan wie auch den USA Informatio-
ster unter Reagan, der ehemalige Außenminister James Baker nen über den Spekulationsverkauf von Versicherungs- und
und der ehemalige Reagan-Berater und Unternehmer Richard Flugzeugaktien sowie von Aktien von Rüstungsfirmen erhal-
Darman gehören. Die New York Times berichtete, daß dem ten hatten, die allesamt im Gefolge der Angriffe drastisch fie-
früheren Präsidenten Bush gestattet wurde, sich in Carlyles len.
Investments einzukaufen, die aus mindestens 164 Gesell- Richard Crossley, Analyst und Aktienmakler der City von
schaften rund um die Welt besteht. London, bemerkte, daß jemand drei Wochen vor dem Angriff

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auf das WTC und das Pentagon begann, Aktien in unge- stellte in Israel Nachrichtentexte erhielten, die zwei Stunden,
wöhnlich großen Mengen zu verkaufen. Er sagte, daß dies für bevor die Flugzeuge in das Gebäude stürzten, vor einem An-
ihn der Beweis war, daß jemand Insider-Vorabwissen von griff auf das WTC warnten. Der für Verkauf und Marketing
den Angriffen hatte. Er fügte hinzu: verantwortliche Vize-Präsident der Firma, Alex Diamandis,
»Was ist schrecklicher, als mit dem Stilett einen Stoß ins sagte, es sei möglich, daß die Warnung an weitere Odigo-
Herz des westlichen Finanzmarktes zu zielen? Davon zu Angehörige geschickt wurde, man habe aber keine diesbe-
profitieren. Mir fehlen die Worte.« züglichen Mitteilungen erhalten.
Auch die US-Regierung gab zu, daß sie spekulative Aktien- Die Streitkräfte befanden sich mehrere Tage vor dem Angriff
verkäufe untersuchte, die von einem Vorabwissen von der in erhöhter Alarmbereitschaft, und mehrere Hellseher be-
Tragödie zeugen. Mehrere Tage vor dem 11. September gab haupteten, sie hätten eine Vorahnung gehabt, daß etwas im
es einen ungewöhnlich eifrigen Handel mit Luftgesellschafts- Gange sei.
und Versicherungsaktien, die hauptsächlich auf einen Wert- Sogar die Russen traten auf die Bühne. Dr. Tatjana Koragina,
verlust der Aktien setzten. Vom Interdisciplinary Center, ei- eine erfahrene Forscherin am Institut für makrowirtschaftli-
ner Anti-Terrorismus-Denkfabrik, an der ehemalige israeli- che Forschung, das zum Russischen Ministerium für Wirt-
sche Nachrichtenoffiziere beteiligt sind, wurde berichtet, daß schaftsentwicklung gehört, gewann an Glaubwürdigkeit
Insider beinahe 16 Mio. Dollar Profit gemacht haben, indem durch ihre Voraussage vom Juli, daß Ende August eine un-
sie Aktien von American und United Airlines verkauften, je- gewöhnliche Katastrophe Amerika treffen und die Wirtschaft
ner zwei Fluggesellschaften, die von den Entführungen be- ruinieren würde. In einem Interview mit der Prawda erklärte
troffen waren, und der Investmentfirma von Morgan Stanley, sie:
die 22 Etagen des WTC einnahm. »Die USA ist als Ziel des Finanzangriffs ausgewählt wor-
Offensichtlich konnte keine der verdächtigen Transaktionen den, weil sich dort das Wirtschaftszentrum des Planeten
mit bin Laden in Verbindung gebracht werden, weil dieses befindet. Dort wird die Wirkung am stärksten sein. Die
Nachrichtenthema stillschweigend aus dem Blickwinkel ver- Wellenfront einer wirtschaftlichen Krise wird sich über den
loren wurde, wobei sich viele Leute fragten, Planeten ausbreiten.«
ob die Spur zu amerikanischen Firmen oder Nach dem 11. September wurde Dr. Kora-
Nachrichtendiensten zurückführte. gina nochmals interviewt und sie versicher-
Dem Internet-Verfasser und früheren Poli- te, daß die „mächtige Gruppe“ hinter den
zisten von Los Angeles Michael C. Ruppert Anschlägen erneut zuschlagen werde.
zufolge wurden diese Transaktionen in er- »Wenn [die Amerikaner] nach den zu er-
ster Linie von der US-Filiale der Deutschen wartenden neuen Anschlägen erkennen,
Bank/A.B. Brown ausgeführt, einer Firma, daß ihre Regierung ihnen nichts garan-
deren Vorsitz bis 1998 A.B. „Buzzy“ tieren kann, werden sie in Panik geraten
Krongard innehatte, der heute leitender Di- – mit einem Kollaps ihres Wirtschaftssy-
rektor des CIA ist. stems als Folge.«
Außer Krongard gehört zu den weiteren Auf die Frage, wer tatsächlich hinter dem
prominenten Amerikanern, die sowohl mit widerwärtigen Plan stehe, erwiderte sie, es
der Macht des CIA wie auch der Wallstreet seien nicht die 19 Terroristen, die vom FBI
Verbindung haben, Clark Clifford (der eine identifiziert worden sind, vielmehr eine
Schlüsselfigur war, daß BCCI zu Ansehen größere Gruppe, die die Welt umformen
gelangte), John Foster und Allen Dulles John Deutch wolle. Sie sagte, diese Gruppe von äußerst
(Allen überwachte die fehlgeschlagene In- mächtigen Privatpersonen halte ein Aktien-
vasion an der Schweinebuch und kontrollierte die Warren- volumen von insgesamt etwa 300 Billionen Dollar und beab-
Kommission), Bill Casey, David Doherty, George Herbert sichtige, ihre Macht unter einer neuen Weltregierung zu lega-
Walker Bush, John Deutch, Nora Slatkin und Hank Green- lisieren.
burg. Manche hielten Dr. Koraginas unheimlich richtigen Voraus-
Wie in Rule by Secrecy im Einzelnen beschrieben wird, sind sagen für ein Anzeichen dafür, daß Rußland hinter manchen
von Anfang an viele Spitzenposten der CIA mit Angehörigen der gegenwärtigen Ereignisse stehe. Tatsache ist, daß Ruß-
der Wallstreet-Elite besetzt, die ihre globalistische Zielset- land mehrere Staaten unterstützt hat, die Terroristen finanzie-
zung fördern wollen. Die CIA betreibt auch eine Reihe ren, einschließlich Irak, Iran, Syrien, Libyen, Nordkorea und
Scheinfirmen (Briefkasten-Gesellschaften), die selbst mit Ak- Kuba.
tien und Anleihen handeln. »Ich bin absolut davon über-
zeugt, daß die CIA ein vollständiges und perfektes Vorabwis- Vorabwissen der Israelis?
sen von den Angriffen hatte, bis hin zum Datum, Zeitpunkt, Aber vergessen wir nicht die Anzeichen, daß jemand in Israel
Ort und Ziel,« sagte Ruppert dem OnLine Journal am 12. vorab von den Angriffen wußte. Und es gab Zweifel in Be-
Oktober. zug auf die Zahl israelischer Staatsbürger, die bei dem An-
Es gab noch weitere Anzeichen für ein Vorabwissen. Der griff getötet worden sind. Am Tag danach behauptete die Je-
Bürgermeister von San Francisco, Willie Brown, erklärte laut rusalem Post, daß zwei Israelis in den entführten Flugzeugen
Radiosender KSFO, daß er am 10. September von seinem umgekommen seien und 4.000 im WTC vermißt würden. Ei-
persönlichen Flughafen-Sicherheitsdienst gewarnt wurde, ne Woche später berichtete ein Beiruter Fernsehsender, daß
nicht am nächsten Tag zu fliegen. 4.000 israelische Angestellte im WTC am Tag des Angriffs
Noch ominöser war ein Artikel in der Washington Post vom nicht dort waren. Diese Nachricht verbreitete sich über das
28. September, demzufolge in New York Angehörige der So- Internet, wurde aber schnell als Lüge abgestempelt. Am 19.
fort-Nachrichten-Firma Odigo bestätigten, daß zwei Ange- September berichtete die Washington Post, daß etwa 113 Is-

310 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
raelis beim WTC vermißt würden, und am nächsten Tag be- Als die Öffentlichkeit erstmals von Global Hawk erfuhr, gab
merkte Präsident Bush, daß über 130 Israelis zu den Opfern es Spekulationen, daß die UAV-Technologie zur Vereitelung
gehörten. Schließlich, am 22. September, stellte die New York von Entführungen benutzt werden könnte. Im Falle einer Ent-
Times fest: führung würde die Global-Hawk-Technologie eingesetzt, und
»Es gab tatsächlich nur drei Israelis, deren Tod bestätigt das gekaperte Flugzeug könnte zur Landung an einen siche-
wurde: zwei in den Flugzeugen und ein weiterer hatte ge- ren Ort geflogen werden, ungeachtet dessen, was die Mann-
schäftlich die Türme besucht. Er wurde identifiziert und schaft oder die Entführer tun würden.
beerdigt.« In der Tat erwähnte die New York Times nach den Anschlä-
Von allen Nationen der Welt hat Israel wahrscheinlich am gen am 28. September 2001 in einem Artikel über die Erhö-
meisten von den Ereignissen des 11. September profitiert. hung der Flugsicherheit eine »neue Technologie, die es den
Jetzt ist eine ständige amerikanische Militärstreitkraft im Na- Fluglotsen wahrscheinlich in ferner Zukunft erlauben wird,
hen Osten gewährleistet, die dieser kleinen Nation trotz der in Bedrängnis geratene Flugzeuge über Fernsteuerung zu
in den arabischen Staaten erzeugten Wut einen Schutzschild landen.« Das erweckte den Anschein, als ob eine solche
bietet. Nachdem Ariel Sharons provokativer Besuch der Technologie noch nicht verfügbar wäre, aber bereits früher in
mohammedanischen Moschee in Jerusalem zu umfassender diesem Jahr schlug ein ehemaliger Chef von British Airways
palästinensischer Gewalt geführt hatte, begann die Welt- vor, daß eine solche Technologie im Falle einer Entführung
meinung von der unkritischen Unterstützung Israels abzu- benutzt werden könnte, um ein Flugzeug vom Boden aus
schwenken. Es war berichtet worden, daß die Bush-Regie- fernzusteuern und zu dirigieren.
rung dabei gewesen war, ernsthafte Überlegungen zugun- Es braucht wohl nicht gesagt zu werden, daß es Leute gibt,
sten eines unabhängigen palästinensischen Staates anzustel- die fragen, ob der erste wirkliche Einsatz von Global Hawk
len. am 11. September erfolgt ist. Schließlich wissen alle erfahre-
Israels mächtiger und effektiver Geheimdienst Mossad ist zu- nen Flieger und Militärs recht gut: wenn eine Technologie
folge der US-Heeresschule für moderne Militärforschung wie Global Hawk öffentlich gezeigt wird, dann wurde sie al-
(Army School of Advanced Military Studies) nicht über allen ler Wahrscheinlichkeit nach schon jahrelang im Geheimen
Verdacht erhaben. Die Washington Times brachte am 10. benutzt. Aber ganz gleich, wie die Flugzeuge von den Terro-
September, genau 24 Stunden vor den Anschlägen, einen Ar- risten gesteuert wurden: es liegt nahe, daß ihre Hintermänner
tikel, in dem Offiziere der Schule mit einer Beschreibung des Informationen, wenn nicht gar Hilfe aus Regierungskreisen
Mossad zitiert wurden: erhalten haben müssen.
»Zu allem fähig, brutal und verschlagen. Ist in der Lage,
die US-Streitkräfte anzugreifen und es wie eine palästinen- Osama bin Laden antwortet
sisch/arabische Tat aussehen zu lassen.« Folgendes hat bin Laden laut der pakistanischen Zeitung
Es ist allgemein bekannt, daß der Mossad jede arabische und Ummat in einem Interview am 28. September gesagt:
mohammedanische Organisation infiltriert hat und kaum »Ich habe bereits gesagt, daß ich nicht an den Anschlägen
Probleme hätte, eine beliebige Anzahl Fanatiker zu finden, vom 11. September in den Vereinigten Staaten beteiligt bin.
um eine solche Selbstmord-Mission durchzuführen – im Als Mohammedaner versuche ich mein Bestes, niemals zu
Glauben, daß sie damit Allah dienten. Tatsächlich gab es lügen. Ich hatte keine Kenntnis von diesen Anschlägen,
kürzlich Berichte in den Nachrichten, daß nicht alle Entfüh- noch sehe ich die Ermordung unschuldiger Frauen, Kinder
rer wußten, daß ihre Mission zum Tode führen würde. und anderer Menschen als lobenswerte Tat an. Der Islam
verbietet streng, unschuldigen Frauen, Kindern und son-
Ferngesteuerte Flugzeuge – eine Realität stigen Leuten Schaden zuzufügen. So etwas ist sogar im
Dank einer kürzlich vorgestellten Technologie kann jetzt die Verlauf einer Schlacht verboten. Es sind die Vereinigten
Theorie aufgestellt werden, daß keiner der Entführer vor hat- Staaten, die jede Mißhandlung von Frauen, Kindern und
te, zu sterben. einfachen Leuten zu vertreten haben.«
Global Hawk (Globaler Falke) heißt die neueste Version ei- In diesem, in den USA offensichtlich unterdrückten Interview
nes unbemannten Flugkörpers (UAV), der in hoher Flughöhe gab bin Laden Israel die Schuld an den Anschlägen und rief:
über lange Strecken operieren kann, mit anderen Worten: ei- »Alles, was in den letzten 11 Monaten in Palästina ge-
ne unbemannte Drohne, die mittels elektronischer Fernsteue- schieht, reicht aus, um Gottes Zorn auf die Vereinigten
rung abheben, Aufgaben ausführen – z.B. Schlachtfelder fo- Staaten und Israel herabzurufen [und] was früher den un-
tografieren – und landen kann. Diese nach Science Fiction schuldigen Menschen des Irak, von Tschetschenien und
anmutende Ausrüstung führte am 7. Oktober 2001 ihre erste Bosnien angetan wurde.«
offizielle Flugaufgabe durch, als sie über Afghanistan zur Bin Laden fuhr fort:
Erkundung eingesetzt wurde, um US-Luft- und Bombenan- »Wir sind nicht feindselig gegenüber den USA. Wir sind
griffe gegen das Taliban-Regime vorzubereiten. Dieses fernge- gegen das System [der US-Regierung], das andere Natio-
steuerte Flugzeug, das einem üblichen Passagierflugzeug Bo- nen zu Sklaven der Vereinigten Staaten macht oder sie
eing 737 ähnelt, wurde aber schon früher in diesem Jahr erfolg- zwingt, ihre politische oder wirtschaftliche Freiheit zu ver-
reich getestet, zuerst am Luftwaffenstützpunkt Edwards und pfänden.« (Der Wortlaut befand sich zeitweilig auf der
später am Luftwaffenstützpunkt Edinburgh in Südaustralien. Webseite www.khilafah.com)
Dr. Brendan Nelson, der parlamentarische Staatssekretär des Natürlich kann man bin Laden nicht unbesehen Glauben
Verteidigungsministers sagte, bevor er Australien verließ: schenken, aber dann könnte man das gleiche in bezug auf die
»Global Hawk wird bei seiner Rückreise nochmals Flugge- US-Regierung sagen, die bei so vielen Lügen und Schwinde-
schichte machen, als erster unbemannter Flugkörper, der leien ertappt wurde, daß es erstaunlich ist, daß überhaupt
nonstop von Australien an die Westküste der Vereinigten noch jemand offiziellen Verlautbarungen Aufmerksamkeit
Staaten fliegt.« schenkt.

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Die trostlose Geschichte der US-Außenpolitik seit dem Zwei- – Ebenfalls im Jahr 1965 begannen die USA, Nordvietnam
ten Weltkrieg müßte wirklich einmal sorgsam betrachtet zu bombardieren, nachdem Präsident Johnson den dortigen
werden. Diese Politik war spätestens seit 1939 in den Händen Bürgerkrieg zu einer „Aggression“ des Nordens erklärt hat-
der Elite des Council on Foreign Relations, wie die New York te. Zwei Jahre später war die Stärke der amerikanischen
Times vor Jahren bestätigt hat. Zu dieser Elite und ihren Truppen in Vietnam auf 380.000 angewachsen. Die Gefal-
Partnern gehören die früheren Präsidenten Bush und Bill lenen der USA beliefen sich am Ende dieses asiatischen
Clinton, Gerald Ford, Jimmy Carter und Richard Nixon, Krieges auf etwa 58.000, während die Verluste Vietnams –
praktisch jeder CIA-Direktor wie auch eine beträchtliche Nord wie auch Süd – sich eher in der Größenordnung von
Reihe bekannter früherer und gegenwärtiger Regierungsbe- Millionen beliefen.
amter wie Dick Cheney, Henry Kissinger, Wesley Clark, – 1973 wurde die gewählte Regierung von Salvador Allende
Strobe Talbott, Alexander Haig, Alan Greenspan, Bruce in Chile durch einen Militärputsch mit Hilfe des CIA ge-
Babbitt, James A. Baker III, Sandy Berger, Colin Powell, Ha- stürzt. Allende wurde getötet, und etwa 30.000 Menschen
rold Brown, Zbigniew Brzezinski, Frank C. Carlucci, Ri- starben durch die sich anschließende Gewalt und Unter-
chard Darman, John Deutch, Lawrence Eagleburger, Robert drückung, darunter auch einige Amerikaner.
McFarlane, Brent Snowcroft, Condoleezza Rice und Casper – 1968 wurde General Sukarno, Diktator von Indonesien,
Weinberger. durch General Suharto gestürzt – wieder mit Hilfe des CIA.
Diese Politik stellte Neokolonialismus dar, also die Unter- Suharto erwies sich als noch diktatorischer und korrupter
werfung und Beherrschung anderer Nationen durch Militär- als sein Vorgänger. Berichten zufolge starben 800.000
Diktatoren oder reiche Familien, die oft vom US-Militär oder Menschen während seines Regimes.
Nachrichtendienst zur Macht gebracht worden sind. Das Er- – Weitere 250.000 Menschen starben 1975 bei der brutalen
gebnis dieser neokolonialistischen Politik war im besten Fall Invasion von Ost-Timor durch das Suharto-Regime, das
trostlos und im schlimmsten Fall katastrophal. von der US-Regierung und Henry Kissinger Hilfe erhielt.
Es geht nicht um die Aggression, die die amerikanische Au- – 1979 wurde schließlich die mächtige Somoza-Familie, die
ßenpolitik in der Geschichte, etwa beim mexikanischen Krieg Nikaragua seit 1937 regiert hatte, gestürzt und Daniel Or-
von 1848 oder dem spanisch-amerikanischen Krieg 1898, an tega wurde zum Präsidenten gewählt. Vom CIA unterstütz-
den Tag gelegt hat. Nehmen wir uns die Politik seit dem te Contra-Rebellen, die von Honduras aus operierten,
Zweiten Weltkrieg vor: kämpften einen langanhaltenden Krieg, um die Ortega-
– 1951, als Irans Ministerpräsident Mohammed Mossadegh Regierung zu entfernen, wobei schätzungsweise 30.000
die Ölindustrie dieser Nation im Mittleren Osten verstaat- Menschen starben. Die während dieses Krieges durchge-
lichte, wurde er durch einen vom CIA angestifteten Coup führten illegalen Waffen- und Drogengeschäfte riefen
gestürzt, und der Schah übernahm 1963 die gesamte schließlich den sog. Iran-Kontra-Skandal in den Vereinig-
Macht. Tausende Iraner starben während der repressiven ten Staaten hervor, bei dem Waffen an den Iran verkauft
Herrschaft des Schahs und seiner Geheimpolizei SAVAK. wurden, um mit dem Gewinn die Kontras zu unterstützen.
Schließlich wurde der Schah 1979 durch Ayatollah Kho- – US-Marinesoldaten landeten 1982 im Libanon in dem Ver-
meini verjagt, der der neueste ausländische Feind der USA such, ein weiteres Blutvergießen zwischen den israelischen
wurde, trotz der Tatsache, daß er während seines Pariser Besetzungstruppen und der Palästinensischen Befreiungs-
Exils auf der Gehaltsliste des CIA stand. Dem Schah wurde organisation zu verhindern. Tausende starben in dem sich
in den USA Asyl gewährt. daraus ergebenden Bürgerkrieg, einschließlich mehrerer
– 1954 stürzte die CIA die vom Volk gewählte Regierung Hundert Palästinenser, die in Flüchtlingslagern christlicher
des Jacobo Arbenz in Guatemala, der das Eigentum der Milizen einem Massaker zum Opfer fielen. Trotz der Bom-
United Fruit verstaatlicht hatte. Prominente amerikanische bardierung Beiruts mit Schiffsartillerie wurden die ameri-
Regierungsbeamte wie der frühere CIA-Direktor Walter kanischen Truppen 1984 nach einer Reihe blutiger Gegen-
Bedell Smith, dann CIA-Direktor Allen Dulles, der Staats- angriffe zurückgezogen.
sekretär für Inneramerikanische Fragen John Moors Cabot – 1983 marschierten US-Truppen in der kleinen Inselnation
und Außenminister John Foster Dulles waren allesamt eng Grenada in der Karibik ein, nachdem dort eine linke Regie-
mit der United Fruit verbunden. Schätzungsweise 120.000 rung gebildet worden war. Die offizielle Erklärung war,
Bauern Guatemalas starben während der folgenden Mili- daß man eine Handvoll amerikanischer Studenten retten
tärdiktatur. wollte, die festgestellt hatten, daß sie keiner Rettung be-
– Fidel Castro stürzte mit verdeckter Hilfe des CIA die Mili- dürften.
tärdiktatur von Fulgencio Batista und führte Wirtschafts- – Über 20 Jahre lang, während der 70er und 80er Jahre, gab
und Erziehungsreformen sowie die Verstaatlichung ameri- die US-Regierung der rechtsgerichteten Regierung der Re-
kanischer Unternehmen durch. Nachdem er schnell als publik El Salvador Hilfe und Waffen gegen ihre linksge-
Kommunist etikettiert worden war, organisierte die CIA richteten Gegner. Bis 1988 sind etwa 70.000 Salvadorianer
anti-Castro-Kubaner, was zu zahlreichen Angriffen auf gestorben.
Kuba und schließlich zur fehlgeschlagenen Invasion der – Mehr als eine Million Menschen starb in Angola bei dem
Schweinebuch im Jahr 1961 führte. Seit dieser Zeit ist die 15jährigen Krieg zwischen der marxistischen Regierung,
Inselnation das Ziel von US-Wirtschaftssanktionen. die von kubanischen Truppen unterstützt wurde, und der
– Mehr als 3.000 Personen starben als Folge der Invasion in Nationalen Union für die vollständige Unabhängigkeit von
die Dominikanische Republik durch US-Marinesoldaten im Angola, die von der Regierung Südafrikas und der USA
Jahr 1965. Die Truppen waren angeblich zur Verhinderung unterstützt wurde.
einer kommunistischen Machtübernahme geschickt wor- – Als Mohammed Al-Ghaddafi seit seiner Machtübernahme
den, obwohl später zugegeben wurde, daß es keinen Be- 1969 versuchte, die Unternehmen in der an Ölvorkommen
weis für eine solche Machtergreifung gab. reichen Nation Libyen zu verstaatlichen, zog er sich den

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Zorn der US-Regierung zu. 1981 wurde behauptet, daß – Gleichfalls 1991 stellten die Vereinigten Staaten die Hilfe
Ghaddafi „Hit-Teams“ in die Vereinigten Staaten geschickt für Haiti ein, nachdem die Wahl eines liberalen Priesters
habe, um Präsident Reagan zu ermorden, und 1986, nach- eine Militäraktion hervorgerufen hatte. Schließlich wurden
dem sich die US-Ölgesellschaften aus Libyen zurückgezo- US-Truppen eingesetzt.
gen hatten, wurde ein Luftangriff durchgeführt, der zwar in Zu den Ländern, die den Einsatz amerikanischer CIA-
Bezug auf Ghaddafi fehlschlug, aber mehrere Menschen und/oder Militäreinheiten als Ergebnis der US-Außenpolitik
tötete, einschließlich seiner Tochter, die noch ein Kind erlebt haben, gehören Somalia, Afghanistan, Serbien, Koso-
war. vo, Bosnien, Brasilien, der Tschad, der Sudan und viele an-
– 1987, während des Irak-Iran-Krieges, führte ein fehlgelei- dere.
teter irakischer Raketenangriff auf die US-Fregatte Stark Dr. Martin Luther King Jr. erklärte während des Vietnam-
zu 37 Toten. Kurz darauf entschuldigte sich der irakische Krieges:
Präsident für den Vorfall. 1988 schoß ein Schiff der US- »Meine Regierung ist der in der Welt führende Lieferant
Marine über dem Persischen Golf ein iranisches Flugzeug von Gewalt.«
ab, was zu 290 Toten führte. Die Reagan-Regierung be- Er sagte nicht „mein Land“ oder „mein Volk“, es ist die Re-
zeichnete das einfach als einen Fehler. gierung, oder besser diejenigen, die sie kontrollieren, die ver-
– Tausende freiheitssuchender Chinesen wurden 1989 auf antwortlich sind. Obwohl auch die verwirrten und unwissen-
Pekings Tiananmen Platz getötet, nachdem sich Chinas den US-Bürger, die behaupten, in einer Demokratie zu leben,
kommunistische Hardliner mit dem ehemaligen US- einen gerechten Anteil an der Schuld auf sich nehmen müs-
Präsidenten Richard Nixon beraten hatte. Es braucht wohl sen.
nicht betont zu werden, daß Nixon der einzige US-
Präsident war, der wegen drohender strafrechtlicher Ver- Schlußfolgerung
folgungen zurücktrat. Der wahre Feind ist derjenige, welcher tatsächlich hinter den
– Etwa 8.000 Panamesen starben über Weihnachten 1989, als Terroranschlägen vom 11. September 2001 steckt. Osama bin
Präsident George H.W. Bush US-Truppen in diesen mittel- Laden, der so eng mit den finanziellen Interessen der Bush-
amerikanischen Staat schickte, um seinen früheren Ge- Familie und der CIA verknüpft ist, mag der Rädelsführer sein
schäftspartner Manuel Noriega gefangenzunehmen. Die oder aber auch nur ein allzu gelegener Sündenbock, womit
Entschuldigung hierfür war, Noriega sei an der Einfuhr 9/11 nur eine weitere Provokation wäre, um die Amerikaner
von Drogen in die USA beteiligt. U.S. News & World Re- in einen weiteren Krieg ums Erdöl zu treiben.
port führte an, daß sich 1990 die Menge Drogen, die durch Wir müssen gründlich darüber nachdenken, was die wirkli-
Panama kamen, verdoppelt habe. che Ursache für den Terror ist: der bärtige Fanatiker in einem
– Die irakischen Verluste – militärische wie auch zivile – be- verarmten Lande des mittleren Ostens oder diejenigen, die
liefen sich während des kurzen Krieges im Persischen Golf am meisten von der Untergrabung des US-Verfassung „im
1991 auf mehr als 300.000. Es wird geschätzt, daß mehr als Namen der Freiheit“ profitieren würden.
eine Million Iraker, einschließlich Frauen und Kinder, als
Folge der im letzten Jahrzehnt fortgeführten Raketen- und Englische Originalfassung »An Overview of the War on Terrorism« (hier
Luftangriffe wie auch der wirtschaftlichen Sanktionen ge- leicht gekürzt): www.jimmarrs.com/view/view102301.html; übersetzt von
gen das Land gestorben sind. Patricia Willms.

Entweder Weltherrscher oder das Nichts
Zur Außenpolitik der Vereinigten Staaten von Amerika
Von Andreas Wesserle

1638, inmitten der Schrecken des Dreißigjährigen Krieges spielen begann – umwoben vom Wehgeschrei der zur Ohn-
malt Peter-Paul Rubens eines seiner erschütterndsten Werke: macht verdammten Staaten des „Alten Europa“ (Pentagon-
Die Folgen des Krieges;1 heute strahlt es als ein Höhepunkt minister Rumsfeld) – als er zur Endattacke auf das ölreiche
der prunkvollen Gemäldesammlung im Pittipalais oberhalb Zwergland Irak blies. Als „Mesopotamien“, Ur, Sumer, Ba-
der Stadt Florenz. Mit vollendeter Meisterschaft deutet er die bylon und Assyrien legte dieses vor satten 50 Jahrhunderten
allgemeinen Kriegsgreuel als ein allegorisches Drama, in den Grund für unsere „Zivilisation“ und ist wie keine andere
welchem die liebende Venus einen die Künste und die Wis- Erdengegend als unser „Wurzelland“ von leicht zerstörten
senschaft zertrampelnden Mars zurückzuhalten sucht, derweil Kulturschätzen übersät. Im 20. Jahrhundert, nach seiner Be-
dieser von der anfeuernden Furie Alekto in die Tiefen des freiung von der osmanischen und vor allem der englischen
Hungers und der Pest gezerrt wird. Weit abseits erhebt die Knechtschaft, gestaltete der griechische Städteplaner Doxia-
Gestalt der Europa vor dem offenen Tor des Janustempels dis Bagdad nach neuesten Gesichtspunkten – weit moderner
wehklagend die Hände zum Himmel. als jede amerikanische Großstadt. Ebenso richtete der iraki-
Wie kein zweites erleuchtet das Kunstwerk blitzartig die jet- sche Staat die allgemeine Krankenversicherung ein, einen
zige Lage, nachdem der U.S.-Präsident G.W. Bush den Fortschritt, den das „reichste Land der Erde“ bis morgen
Schlußakt im Äonendrama „Die Universalweltherrschaft“ zu nicht erreicht. Doch was schert sich das Weiße Haus darum?

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Was würde Rubens dazu sagen? Als Weltmann und gewieg- fer (d.h. alle Erdenstaaten) und vorhandenen Dependenzen
ter Diplomat würde er wohl auf sich überschneidende und auf und bricht ihren Widerstand. Andererseits gelingt es da-
sich vermischende historische Momente hinweisen. Etwa wie mit der führenden „Machtelite“ (Prof. C. Wright Mills), hi-
folgt: storisch gepaart mit grausamsten Unterdrückungen (so der
Sozialisten von 1865 bis 1921 und später der – die größte
Weltherrschaft Volksgruppe ausmachenden – Deutschamerikaner, oder der
Die USA sind der erste Großstaat der Erde seit der letzten großen, kriegsunlustigen Bevö1kerungsmehrheit zu Anfang
Eiszeit – soll Platos Gleichnis von Blüte und Untergang des des Ersten und des Zweiten Weltkrieges und nun des Irak-
poseidongesegneten Atlantis Glauben geschenkt werden –, Abenteuers) innenpolitisch jegliche Zweifel und Bedenken
der seinen Anspruch auf die alleinige Weltherrschaft erfolg- zu entmachten.
reich zu vertreten scheint. Der kecke „Cowboystil“ der Es wäre demnach ein schwerwiegender Fehler, die imposan-
Bushregierung bezeichnet in dieser Hinsicht keineswegs den ten „Errungenschaften“ ihrer wortwörtlich Oberen Zehntau-
Anfang, sondern die Ernte einer vor vielen Jahrhunderten send der amerikanischen Bevölkerung anzulasten. Diese Be-
ausgesäten Entwicklung. Begünstigt von seiner einzigartigen völkerung – d.h. die seit dem Ende der Populisten und der
geopolitisch-historischen Lage (von Schwachen umgeben Progressiven von etwa 1900-1917 Entmündigten und jegli-
und bis heute nur Schwache unterjochend), von rasendem cher Macht Entfremdeten, mehr als 99,9% der 286 Millionen
Raubbau der im jungfräulichen Schoß zweier neuer Konti- Einwohner – gehört den Lieblingsopfern der seit Generatio-
nente schlummernden Natur- und Bodenschätze und vor nen emporschießenden Haupt- und Herrscherkultur an. Im
a1lem vom unbeugsamen Sendungsbewußtsein, das alle an- Gegensatz zu den im Macht-und Wirtschaftskampf unterle-
dersgearteten Völker und Menschen lediglich als Mittel zum genen Subkulturen des Gros der amerikanischen Bevölke-
Zweck behandeln läßt, überflügelt „Amerika“ scheint’s spie- rung (von der einst führenden Kultur Virginias, vom Norden
lend leicht seine gescheiterten Vorgänger und Konkurrenten: im Sezessionskrieg total ausgemerzt, ganz zu schweigen), hat
das portugiesische, spanische, französische, russische und diese Hauptkultur mit althergebrachter Anmaßung und Ziel-
englische Weltreich. strebigkeit den machtlogischen Schluß aus den Ölkrisen der
Die ihm seit 1917 nacheifernde Spielart des moskowitisch- 1970er und 80er Jahre gezogen. Sie hat den von ihr insze-
byzantinischen Imperialismus – sein einziger ernstzuneh- nierten Untergang des Sowjetreiches dazu ausgenützt, ihre
mender staatlicher Gegner nach 1783 – strauchelt 1991 fatal Monopolstellung über die Welt weiter auszubauen und zu fe-
vor Amerikas gesellschaftlich-wirtschaftlichem Totalitaris- stigen. Das Ziel war und ist, sämtliche Rohstofflieferanten
mus (Prof. Noam Chomsky). Sein großes Vorbild, das ab wie auch die Drehscheiben der Kontinentalstrategie (darunter
1775 als rückschrittlich angesehene englische Empire, liefert ganz Lateinamerika, Nigeria, den Kongo, Südafrika,
ihm den Leitspruch: „The Pen is Mightier Than the Sword“ Restafrika, ganz Vorder-, Mittel- und Südasien, den Pazifik
(Die Schreibfeder ist mächtiger als das Schwert). Damit, d.h. und Europa) in verläßliche Protektorate zu verwandeln – so-
mittels seiner Propaganda und den ununterbrochen weltweit fern sie es, wie Deutschland, Italien und Japan, nicht schon
wabernden, 1917 in New York erfundenen Public Relations, sind. Diese Gebiete und das Potential seiner Menschen und
weicht es außenpolitisch die Moral seiner vorgesehenen Op- Rohstoffe dienen hauptsächlich und letztendlich der Festi-

Peter-Paul Rubens, Die Folgen des Krieges

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gung und Verewigung der Macht der amerikanischen Welte- Tatsächlich scheint es der Weltmachtelite, im weit kosmi-
lite und der mit ihr liierten weltpolitischen Bewegung. scherem Maßstab als selbst ihren englischen Vorgängern, ge-
lungen zu sein, im endlichen Explosivstadium der faustischen
Gegenseitige Interessen Kultur (Oswald Spengler) die maßgeblichen außen- und in-
Nicht Liebe und Zuneigung, sondern „gegenseitige Interes- nenpolitischen Elemente der Weltherrschaft in ihrer Hand zu
sen“ bestimmen das Verhalten. Eben diese Interessen führten vereinen. Der Welt-Machiavelli: endlich aus der Provinz der
im Dezember 1983 Donald Rumsfeld – nun der öffentlich italienischen Stadtstaaten und dem Gestrüpp der europäi-
bissigste Habicht im Washingtoner Tiergarten – als Abge- schen Staatsräson befreit? Das Vierte und das Wahre Rom?
sandten des Präsidenten Reagan nach Bagdad. Er läßt Sad- Wohl kaum.
dam Hussein im Krieg gegen den Iran diplomatische und mi- Der angriffslustige Überheld Amerikus zeigt uns gleich meh-
litärische Hilfe angedeihen, wie von der Washington Post am rere Achillesfersen. Aus Platzmangel naschen wir aus der
1. Januar 1984 berichtet. Die USA liefern 45 Bell Angriffs- Unzahl und dem Unteig der Plus- und Minusfaktoren nur
hubschrauber an den Irak; im Gegensatz zum amerikanischen wenige Leckerbissen heraus. Oft stellen sich diese Faktoren
Senat unterstützt das Weiße Haus Saddam Hussein. Man als (Zerr-)Spiegelbilder ein und desselben Gebildes heraus.
zuckt mit keiner Wimper, als dieser die iranischen Truppen
und 1988 kurdische Zivilisten mit Giftgasen töten läßt. Frei- Das Letzte Rom?
lich muß gegen 1990 Husseins zunehmender Einfluß am Per- Eine Idee mit einer großen kulturellen Vergangenheit in West
sischen Golf Onkel Sam und Israel unbequem geworden sein. und Ost. Die Vereinigten Staaten haben seit ihrer Gründerzeit
Denn Präsident Bush d.Ä. und sein Außenminister Baker (ein auch davon gezehrt. Weltpolitisch interessant wird dies je-
„Öl-Advokat“) richten eine Depesche an die US-Botschafte- doch erst nach dem einigenden Ausgang des Sezessionskrie-
rin Glaspie im Irak, worin Kuwait als ein die amerikanischen ges (1861-65) und dem Ausbau eines transamerikanischen
Interessen nicht lebenswichtig berührendes Gebiet bezeichnet Kolonialreiches in Hawaii, Midway, Guam und den Philippi-
wird. Hussein schnappt nach dem Köder und marschiert ein. nen, mit starker Ausstrahlung nach China und Japan: nach
Die Falle schnappt zu. Hunderttausende irakische Soldaten dem Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898. „Eins, zwei,
und Zivilisten fallen dem entbrennenden „Vergeltungskrieg“ drei im Sauseschritt läuft die Zeit – wir laufen mit!“ rief
zum Opfer. Nach Berichten des 1991 vom früheren amerika- schon Wilhelm Busch aus und wirklich findet sich Onkel
nischen Justizminister Ramsey Clark gegründeten „Interna- Sam 1914 als die stärkste Industriemacht auf Erden (noch vor
tional Action Center“2 und der UNICEF vom 12.8.1999 wa- dem Deutschen Reich und Großbritannien) und als strebsam-
ren in den vorangegangenen neun Jahren 1,7 Millionen als ster Weltpolitiker mit gleich zwei „Cäsaren“ unter den Ach-
direkte Folge der „UNO“-Sanktionen als auch des absichtli- seln: Theodor Roosevelt und Woodrow Wilson. Die geballte
chen Bombardements der Trinkwasser-, Abwässer- und Faust auf der Waage des außer Rand und Band geratenen eu-
Kläranlagen im Irak gestorben. Die Mehrheit der Opfer sind ropäischen Gleichgewichts. Was tun? 1917 „befreit“ Ameri-
Kinder. Da die Bushregierung ab Januar 2001 die Angriffe ka Frankreich und sieht sich weltanschaulich, politisch und
ihrer Vorgänger noch vervielfacht hat – schon Clinton ließ in wirtschaftlich als der Große Überlebende: das Neue Rom.
den ersten acht Monaten d.J. 1999 mehr als 1100 Flugkörper Diese Lage stellt der amerikanische Schriftsteller Dos Passos
auf 359 „Ziele“ herabstürzen – halten Sachverständige wie fest; sie besteht tatsächlich, hält man sich die Mitglieder der
die amerikanische Professorin Yvonne Haddad vom „Center Elite vor Augen, die den Ersten und Zweiten Weltkrieg be-
for Muslim-Christian Understanding“ der Georgetown Uni- stimmten: darunter John Foster und Allen Dulles, Bernard
versität, Washington, eine Sterbeziffer von weiteren 250.000 Baruch, der Marinestaatsekretär Franklin Roosevelt. Nach
Nichtkombattanten pro Jahr für wahrscheinlich. Fazit: Völ- 1991 wandte sich die Elite den Weltlorbeerkranz. Wird sie
kermord mitten im „Frieden“.3 ihn behalten?
Ist von einem Regime, das über 400 seiner heiligsten, mit den Wie in Rubens Meisterwerk dargestellt, steht wegen der
Einheimischen (nicht: „Eingeborenen“) Amerikas geschlosse- ständigen Kriege das Tor zum altrömischen Janustempel stets
nen 500 Verträge gebrochen hat, etwas besseres zu erwarten? offen. Dasselbe trifft symbolisch auf die USA zu. Auch wie
Der Zweck der Sache ist einfach und wirksam. Der Irak und das damalige Rom den Widerstand etwa der Kelten mit sei-
schließlich auch – laut Prof. Noam Chomsky vom berühmten ner Wein- und Genußkultur klug aufweichte, versteht die
Massachusetts Institute of Technology (MIT) – der Iran und amerikanische Machtelite die Moral und die Moralität seiner
Saudi Arabien müssen „dran glauben“ weil: „Nachbarn und Freunde“ und die seiner Bevölkerung mit
a) es ihren gewaltigen Öl- und Gasvorkommen unter ande- seinem „American way of life“ zu untergraben – auf die mas-
rem nicht gestattet werden darf, in halbwegs autonomen senproduzierten „Menschen“-scharen des Industriezeitalters
Händen zu verbleiben; zugeschnitten, versteht sich. Aber gleich zu Beginn der ame-
b) ihre strategische Schlüssellage – im Spannungsfeld Eura- rikanischen Revolution erteilte ihm die Geschichte eine wei-
sien-Afrikas und des indischen Subkontinents – nur von tere, wichtige Lektion. Mit der Billigung des Oberbefehlsha-
amerikahörigen, politisch repressiven Marionettenregimes bers General Washington führt der später berüchtigte Bene-
verwaltet werden darf; dict Arnold einen Zangenangriff auf das sich in englischen
c) der amerikanische Festlanddegen und die Medienbombe Händen befindende Quebec (Kanada) aus: im Herbst und
über Eurasien-Afrika – Israel – gefördert werden soll.4 Winter 1775.
Knapp sechzehn Jahre vorher hatte der englische General
Gewalttätige Raumpolitik Wolfe in einer welthistorischen Schlacht die Festung Quebec
Eine Raum- und Gewaltpolitik, die sich sehen lassen kann, den Franzosen entrissen; er fand dabei den Heldentod. Ganz
selbst im historischen Vergleich mit dem Inkastaat, dem chi- Nordamerika nördlich des schwächlichen spanischen Koloni-
nesischen Kaiserreich, den Assyrern, dem Perserreich und alreiches in Mexiko (einschl. Texas, Colorado, Kalifornien)
Rom. Wir gratulieren! gehört den Briten! Eine Tatsache, die freilich erst durch die

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Siege von Englands Festlanddegen 1763 festgeschrieben Der selbstbewußte Ton des in jeder Hinsicht Ersten Gründer-
wurde: Friedrich des Großen von Preußen in einem „Frieden vaters bestimmt zumindest oberflächlich belauscht den Tenor
von Paris“ (Beendigung des Siebenjährigen Krieges). Doch der amerikanischen Außenpolitik bis ins 21. Jahrhundert
die von den amerikanischen Aufständischen erhoffte Unter- zweifach. Einerseits von den Warnungen des Präsidenten Jef-
stützung von Seiten der französischen Quebecois blieb aus. ferson und der Monroedoktrin von 1823 gestärkt, hält er die
Vor den Mauern Quebecs erleidet der General Montgomery USA aus den verstrickenden europäischen (und afro-asia-
den Heldentod. Die amerikanischen Revolutionäre unterlie- tischen) Händeln bis nach dem Ende des Sezessionskrieges
gen. Seither wird das frisch weiterrollende – besser gesagt: 1865 militärisch heraus. Als der Amerika-Imperialismus
Salto springende – Expansionsprogramm schon vorher durch schließlich noch vor 1898 in den fieberhaften Weltimperia-
die zermürbende Propaganda und Public Relations angefeuert lismus umschlägt, behält er immer noch scheinheilig den
und berechnend vorwärtsgetragen. Die dabei zum Vorschein Tarnanstrich des unschuldig Angegriffenen, der einst mehr
kommende Sicht umfaßt die Vorherrschaft über Kontinente. oder minder berechtigt war.
Mit Seward – Präsident Lincolns Außenminister ab 1861 – Die große Wasserscheide wird 1803 erreicht, als der helle,
erstreckt sie sich über fünf der sieben Weltmeere. Theodor doch widersprüchliche Chefideologe der Revolution, der da-
Roosevelt und Wilson tragen sie in alle sieben Kontinente. malige Präsident Jefferson, in einem machtpolitischen Hand-
Ihr Testamentsvollstrecker F.D. Roosevelt kassiert die Stra- streich Napoleon I. das riesige Louisianagebiet für ganze $15
tegie ein, indem er ab 1933 die Welt mit Stalin teilt. 1991 Millionen abkauft. Dies stärkt die Macht der „Exekutive“ ge-
wird der Schlußstrich gezogen. genüber dem Kongreß (der dritte „Ast“ der Verfassung, die
Im Laufe dieses atemberaubenden Rundum-Dranges betreibt Justizordnung mit dem Obersten Bundesgericht, ist ein heiß-
die amerikanische Elite ihre „Aufklärung“, indem sie ihre blütiger Vorkämpfer für die Macht der Bundesregierung bis
momentanen Gegner zu unverbesserlichen Todfeinden, zu ins 21. Jahrhundert) und öffnet die Schleusen einer Flut von
Teufeln stempelt, deren Ausmerzung wie auch das Auslöschen Neusiedlern und skrupellosen Schiebern/Politikern. Andrew
der Freiheit ihrer Vö1ker als eine barmherzige Wohltat für die Jackson, ein Freibeuter, Milizgeneral, Indianertöter, Mas-
Menschheit gefeiert wird. Das kommtdem düster-ehrgeizigen senmörder und bis heute beliebter, korrupter Demokratenprä-
Hang der nördlichen „Yankees“ eben entgegen, die im Gegen- sident, ist einer der bekanntesten. Nachdem amerikanische
satz zu den Anglikanern Virginias vom starren, kalvinistischen Neusiedler 1810 in Baton Rouge am Mississippi die spani-
Puritanismus gezeichnet sind (fruchtbare Pflanzstätte des Kapi- sche Herrschaft stürzen und eine „Republik“ ausrufen und
talismus! Sezessionskrieg! Prohibition! Fehde dem Tabak! weitere amerikanische Übergriffe auf spanisches Gebiet unter
usw.). Und der „Aggressor“ ist immer „der Andere“. dem Präsidenten Madison zur Annektierung des Großteils
Das ist die höchste Ironie der Neuzeit: daß der Staat (bzw. des spanischen Westflorida führen (bis zum Rio Perdido),
ursprünglich der Staatenbund), der am 4. Juli 1776 mit seiner holt General Jackson zum Hauptschlag aus. Unter dem Vor-
der europäischen Aufklärung entspringenden Unabhängig- wand, plündernde Seminoleindianer verfolgen zu wollen,
keitserklärung (Jefferson!) den Startschuß zum Weltrennen stößt er 1818 mit der stillschweigenden Billigung Präsident
der „völkischen Freiheitskriege“ abfeuert, sich ein und zwei Monroes tief in die Halbinsel Florida hinein. Er wird der Se-
Jahrhunderte darauf als immer gründlicherer Feind der Völ- minolen zwar nicht habhaft, hinterläßt aber eine Blutspur der
kerfreiheit entpuppt, um schließlich ihr prinzipieller Wider- Willkür, die schließlich das Endprotokoll des (John Quincy)
sacher zu sein. Er vergißt, daß seine, in einem weiteren Frie- Adams-Onis Vertrages von 1819 beschleunigt herbeiführt:
den von Paris von 1783 verbriefte Freiheit einem diplomati- Onkel Sam säckelt ganz Florida ein, und die spanisch-ameri-
schen Kompromißfrieden zu verdanken ist (hauptsächlich kanische Westgrenze verläuft nun vom Sabinefluß (Westrain
zwischen England, Frankreich und Spanien). Er behandelt al- des heutigen Louisiana) in nordwestlicher Richtung stufen-
le auch ausländischen Konflikte als totale Welt-Bürgerkriege, weise bis zum 42. Breitengrad im heutigen Wyoming und
vor allem nach dem vom Norden als eine totale Offensive daher über 1600 km stracks zum Stillen Ozean. Dem Au-
gegen die Zivilbevölkerung des Südens geführten Sezessi- ßenminister und späteren Präsidenten, Sohn des Präsidenten
onskrieg. Kitcheners und Churchills England gibt ihm hierbei John Adams, Vater des bedeutenden Diplomaten, Sproß der
noch ein weiteres Vorbild. berühmten Adamssippe aus Massachusetts John Quincy
Adams schwillt die Brust: der Pazifik ist erreicht! Das Tor
HÖHEPUNKTE DES EXPANSIONISMUS und der geopolitische Keil zur unbegrenzten Expansion nach
Lassen wir ohne weitere Umschweife die Höhepunkte der Westen, Norden und Süden ist in Onkel Sams Hand. Die Ta-
amerikanischen Expansionspolitik aus dieser Perspektive ten folgen. Generale und Präsidenten wie Andrew Jackson
rasch an uns vorbeihuschen: vertreiben Hunderttausende von Indianern aus den östlichen
Im Frieden von Paris von 1783 zieht Großbritannien die USA in die unwirtlichen Gegenden westlich des Mississippi.
Grenzen der USA am entlegenen Mississippi und im Süden Oft gehören diese Einheimischen kulturell hochstehenden
etwa entlang des 31. Breitengrades (Groß-Florida bis zum Bauern- und Tempelkulturen an. Aus diesen Gebieten wer-
Unterlauf des Mississippi wird Spanien zugesprochen), klug den sie nach der Entdeckung von Gold und Silber wiederum
kalkulierend, daß der republikanische Sendungsdrang der in die Steppen des heutigen Oklahoma vertrieben. Auch
Amerikaner diese bald in einen Konflikt mit Spanien und Oklahoma fällt der Habgier der Bleichgesichter zum Opfer.
Frankreich stürzen würde. Es behält recht. 1796 veröffent- Um 1900 überleben nur etwa 100.000 von einst 5 Millionen
licht Präsident Washington seine Abschiedsbotschaft. Er Indianern. Diese werden meistens in Reservate eingepfercht.
warnt vor „bleibenden Bündnissen“ mit dem Ausland und Ein grausiges Vorspiel für die Vertreibung von 21 Millionen
bevorzugt eine „achtungsgebietende defensive Haltung“. Deutschen, Finnen, Polen, Ungarn, Bulgaren und Griechen
Amerika soll sich aus Europas fast völlig verschiedenen In- im 20. Jahrhundert und ein Vorgeschmack dessen, was sich
teressen herauszuhalten suchen und seinen eigenen geopoliti- heute – amerikanischen Zeugen zufolge – in Palästina, dem
schen „Kurs“ einschlagen.5 Irak und Vorderasien abspielt.

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Unter hysterischen Kampfsprüchen (z.B. »Manifest Destiny« und in der eigenen Bevölkerung die Siedehitze des Sen-
(offenbarte Vorsehung) oder »54º 40’ or Fight!«, was die dungsbewußtseins aufwallen zu lassen. Von erneutem welt-
amerikanische Nordwestgrenze an den Südzipfel Alaskas politischen Belang stellte sich 1898 die Explosion des ameri-
herangebracht und das britische Nordamerika (Kanada) ganz kanischen Kriegsschiffes „Maine“ im Hafen von Havanna
vom Pazifik abgeriegelt hätte) werden die späteren Staaten vor, die zum Krieg mit Spanien führte. Untersuchungen ge-
Oregon und Washington bis zum 49. Breitengrad annektiert – gen Ende des 20. Jahrhunderts ergeben, daß das Schiff einer
die Vancouverinsel verbleibt in englischen Händen – und das inneren Detonation zum Opfer fiel, die höchstwahrscheinlich
geopolitische Kernland „Texas“ (dessen amerikanische Sied- nicht durch eine Unglück verursacht worden war (etwa durch
ler kurz vorher gegen Mexiko rebelliert hatten) 1845 vom eine Kohlenstaubexplosion). Die „Maine“ wurde also von
Präsidenten Tyler rechtswidrig – mittels eines Kongreßbe- amerikanischen Agenten versenkt. Mehr als 250 Matrosen
schlusses – an die USA angeschlossen. Sein aggressiver fanden den Seemannstod. Der dafür Verantwortliche war
Nachfolger Polk provoziert einen Krieg mit Mexiko; der wohl der schrill imperiale, aufgeweckte Staatssekretär im
amerikanische General Taylor blockiert die mexikanische Marineministerium, Theodor Roosevelt, der spätere Präsi-
Stadt Matamoros und übertölpelt den Kongreß, der nach dem dent. Sein Vetter, F.D. Roosevelt und dessen Nachfolger soll-
Verfassungsrecht Krieg erklären muß, indem er die mexika- ten ihn später bis ins Jahr 2003 zu übertrumpfen suchen. Prä-
nischen Verteidigungsmaßnahmen als „Angriffskrieg“ hin- sident Woodrow Wilson, dessen „rechte Hand“ Colonel
stellt. Im Vertrag von Guadalupe Hidalgo 1848 verliert Me- House und andere amerikanische Polit- und Finanzgrößen
xiko beiläufig die Hälfte seines Hoheitsgebiets. Die USA unterstützen ab 1914 Großbritannien und Frankreich. Wilson
gewinnen ihre heute reichsten Staaten: Groß-Texas vom Rio vergißt sich soweit, daß er sogar amerikanische Gesetze
Grande bis nach Wyoming, Neu-Mexiko, Colorado; Utah, bricht, um englischen Schiffen in amerikanischen Häfen das
Nevada, Arizona und hauptsächlich Kalifornien. Polks List Laden von Munition und weiterer Konterbande zu ermögli-
(die List der Exekutive und des Obersten Kriegsherren) wird chen. Der progressiv-republikanische Senator Robert LaFol-
seither mit Bombenerfolg immer wieder angewandt und ver- lette von Wisconsin überführt Wilson des Gesetzesbruches.
bessert: 1861 am Anfang des Sezessionskrieges, 1917 zu Be- Er entgeht dem Ausschluß aus einem hysterischen Senat nur
ginn der amerikanischen Intervention im Ersten, 1939/41 als um ein Haar; LaFollette, William Jennings Bryan, Populist
Ankurbelung des Zweiten Weltkrieges, 1950 zu Beginn des und Wilsons erster Außenminister, sowie die Sozialistenfüh-
Koreakrieges, 1964 beim massiven Einschreiten im Indo- rer Eugene Debs und Dorothy Day sind die einzigen ameri-
chinakrieg, 1990/91 im Golfkrieg und den darauf folgenden kanischen Staatsmänner des 20. Jahrhunderts. Wilson und
„UNO“-Sanktionen, und neuerdings, nach dem 11. Septem- House sind auch im Komplott der englischen Herrscherklasse
ber 2001, in der Weltoffensive gegen den sog. Terrorismus (einschließlich des Ersten Admiralitätslords W. Churchill und
und für die fieberhafte amerikanisch-nukleare Wiederaufrü- König Georg V.) eingeweiht, mit Hilfe des Unterganges der
stung, die Streichung des Raketenabwehrvertrages mit Ruß- „Lusitania“ 1915 die USA in den Krieg auf Seiten der Enten-
land, die beschleunigte Militarisierung des Weltraumes und te zu stürzen. Der Präsident gibt den autoritären europäischen
den Angriffskrieg gegen den Irak. Regimen ein Beispiel, indem er die ursprünglich kriegsunlu-
Selbstverständlich zeigt das Verzeichnis lediglich einige Hö- stige Bevölkerungsmehrheit, vor allem die Deutsch-Ameri-
hepunkte der Expansion an. Darüber hinaus hat das Weiße kaner, die damals die mit Abstand größte Volksgruppe der
Haus seit dem 19. Jahrhundert sich in Hunderten und Tau- USA ausmachten, sowie die damals zahlenmäßig bedeuten-
senden „kleinerer“ Operationen und Angriffe hervorgetan, den Sozialisten unterwirft bzw. ausmerzt. Auf sein Geheiß
mit Vorliebe in Nord- und Südamerika. Das Urteil des impe- sowie das Geheiß seiner Adjutanten, die fleißig „Patrioten-
rialen englischen Staatsmannes Lord Palmerston (englischer komitees“ gründen, werden u.a. die Werke der „Klassiker“
Außen- und Premierminister von 1830 bis 1865) anläßlich Luther, Goethe, Schiller usw. öffentlich verbrannt; das Lesen
der allamerikanischen Umtriebe der Yankees scheint nicht von Luthers deutscher Bibelübersetzung wird unter Gefäng-
völlig grundlos: diese »erfinderischen Schurken« seien »äu- nisstrafe gestellt. In Milwaukee, dem „Deutsch-Athen am
ßerst unangenehme Burschen«.6 Clare Boothe Luce, Gattin Michigansee“, wird das Goethedenkmal vor der Hauptbiblio-
des einstigen Medienlöwen Henry Luce (Time, Life, Fortune) thek zerstört und 100 Bühnen und Vereine ausgemerzt.
und eine der hervorragenden amerikanischen Frauen des 20. Wilsons Nachfolger, vor allem F.D.R. nach 1933, eifern ihm
Jahrhunderts, spricht da noch deutlicher: »F.D. Roosevelt, nach. Nach 1920 rücken Wilsons republikanische Nachfolger
der Kerl, der uns in den Zweiten Weltkrieg log.«. Prof. Noam von seiner cäsaropapistischen Weltbekehrungspolitik ab. Sie
Chomsky hat wohl auch nicht ganz unrecht, wenn er die Be- stützen sich auf die mächtige Dollardiplomatie, den diploma-
zeichnung „Schurkenstaaten“ dem Weißen Haus entwendet tischen Überdruck (Washingtoner Flottenkonferenz von
und sie auf die Mächtigen anwendet, vor allem auf die USA, 1921/22 hauptsächlich zwischen USA, England, Japan,
die sich seit dem Untergang des Sowjetreiches prinzipiell Frankreich, Italien) und – darin Wilson und Teddy Roosevelt
über zwischenstaatliche Rechtsnormen erhaben fühlen. Dies nacheifernd – auf Militär- und Wirtschaftsexpeditionen nach
kam im ersten Irakkrieg und später zum Vorschein und wur- Lateinamerika. Hoover (Huber) mahnt seinen Außenminister,
de während der zweiten Kolonialexpedition gegen diesen daß eine Friedenspolitik nicht „mit den Hunden des Krieges“
Staat ja noch grausamer „gehandhabt“.7 erreicht werden kann – eine bemerkenswerte Haltung, die
Aber noch mehr. Frau Clare Boothe Luce’s Bemerkung deu- nach ihm nur noch der demokratische Präsident und Nobel-
tet auf einen ständigen Mißstand hin, auf eine unvernarbte preisträger Jimmy Carter anzunehmen versucht. F.D. Roose-
Wunde, da sich die „erfinderischen Schurken“ mindestens velt ist da aus ganz anderem, opportunistisch-weltunter-
seit den Tagen des Generals Andrew Jackson ergötzlicher- jochendem Holz geschnitzt. Ein Sproß der Brahmanen-Ober-
weise stets als die unschuldig Angegriffenen darzubieten kaste der amerikanischen Ostküste („Old Money“), verfolgt
wissen. Geschickt wird die Gelegenheit beim Schopf ergrif- er neben einer jonglierenden Wirtschaftspolitik (Weltwirt-
fen, um (Schein-)Aggressionen „der Anderen“ vorzutäuschen schaftskatastrophe) folgende Ziele:

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a) ab Wahl 1932 ein Bündnis mit dem Bolschewisten Stalin Unheil – macht stutzig. Steht den Völkern der Erde das un-
aus weltanschaulichen, weltenteilenden und „persönli- endliche Unheil bevor?9
chen“ Gründen; Das offizielle Pentagonverzeichnis umfaßt „mindestens“ 66
b) eine fieberhafte Aufrüstung von Marine und strategischer amerikanische Stützpunkte oder besetzte Territorien rund um
Luftwaffen; den Erdball (Jahr 2000). Eine stolze Zahl. Offensichtlich ist
c) die viermalige Wahl – die „lebende Verfassung“ brutal auch nach Roosevelt ein rasanter Fortschritt in der Ausdeh-
brechend – zum lebenslänglichen Cäsaropapisten. nung des Weltreiches erreicht worden. Die unternommenen
Persönlich und durch seine Diplomaten (Bullitt in Paris!) jagt Schritte werden als bekannt vorausgesetzt. Ein kurzer Kom-
er Großbritannien unter Chamberlain, Polen, Frankreich und mentar folgt.
Deutschland in den europäischen Krieg, den er ab 1933/36 Anläßlich der Konferenz von Potsdam (Juli-Aug. 1945) ver-
zielbewußt auf einen Weltkrieg auszudehnen bestrebt ist. Da sucht Präsident Truman Stalin mit der Atombombe zu impo-
der deutsche Diktator auf Roosevelts Provozierungen nicht nieren; zum selben Behufe läßt er über 200.000 Menschen in
hereinfällt, etwa Roosevelts „unerklärten“ Krieg gegen Hiroschima und Nagasaki töten. Er sträubt sich auch nicht
Deutschland im Atlantik, treiben letzterer, sein Freund Harry dagegen, im Potsdamer Plünderungsvertrag Deutschlands
Hopkins, Finanzminister Morgenthau, Kriegsminister Stim- unermeßliche wissenschaftlichen, menschlichen und kulturel-
son usw. das kompromißbereite Japanische Reich in die Falle len Schätze mit dem Roten Zaren zu teilen. Nur sichert er
„Pearl Harbor“. Japans diplomatische und Marine-Geheim- sich den Löwenanteil. 15 Millionen Deutsche und Millionen
kodes sind geknackt. Der Präsident und seine Clique sind Anderer werden aus Ostdeutschland und Osteuropa vertrie-
schon im voraus genauestens unterrichtet. Mittels ihrer Wel- ben, was der Tscheche Benesch, Roosevelt und Stalin schon
tintrigen jagen sie die sehr zögernde Mehrheit der amerikani- vorher ausgeheckt hatten.10 Die unter der Leitung General
schen Bevölkerung, darunter den Flieger Lindbergh und den Dornbergers und Prof. Wernher von Brauns nach den USA
Architekten Frank Lloyd Wright, in die Kriegshysterie. Roo- verfrachteten Raketenspezialisten verhindern das Auslöschen
sevelt betreibt ab Anfang 1940 – Ermächtigungsgesetz im Amerikas durch Stalin und legen den Grundstein zur ameri-
Kongreß! – ein ruchloses Terrorregime, worin er unter ande- kanischen Weltraumeroberung. Als im Juni 1950 etwa
rem einer englischen Nachrichtenzentrale in Manhattan ge- 75.000(!) nordkoreanische Truppen Südkorea angreifen, wel-
stattet, amerikanische Privatbürger zu bespitzeln und zu ver- ches den Norden um die 400 Mal provoziert hatte, bricht
folgen. Eine Methode, die 1981, nach Reagans Amtseinfüh- Truman im gewohnten Cäsarenstil die Verfassungspflicht des
rung, von Seiten der mächtigen weltpolitischen Bewegung Kongresses, Krieg zu erklären, und erwidert mit einer Groß-
verstärkt wiederaufgenommen wird. kampf-„Polizeiaktion“. Über drei Millionen „Feinde“ werden
Churchill, ab Mai 1940 englischer Premier, schlägt als Re- getötet, in der Mehrheit koreanische Zivilisten.
präsentant des 1917 zu Grabe getragenen englischen Weltrei- Eine noch umfangreichere Todesernte wird im Vietnam-
ches die wiederholten Friedensangebote des Deutschen Rei- bzw. Indochinakrieg eingebracht. Ein weiterer Cäsar, diesmal
ches ab und verkauft sein Volk an Roosevelt, der es und das der mit allen Wässerchen gewaschene Lyndon B. Johnson,
ganze Empire in Teheran und Jalta an Stalin weiterverkauft täuscht nach althergebrachter Art einen Angriff der Nordvi-
(vgl. den englischen Historiker John Charmley).8 Anfangs etnamesen auf provozierend die nordkoreanischen Gewässer
klappt es. Roosevelt mißachtet Washingtons und Jeffersons durchkreuzenden amerikanischen Kriegsschiffe vor. Am 7.
Mahnungen wie auch Monroes Gelöbnis, sich in Europa August 1964 reagiert der Kongreß wie gehabt mit einem Er-
nicht einzumischen. Er zieht die Bilanz seiner Vorläufer seit mächtigungsgesetz („Tonkin Gulf Resolution“), das Johnsons
Andrew Jackson und ist seinerseits ein leuchtendes Fanal für bereits angeordnete Massenbombardierung des Nordens gut-
alle seiner demokratischen wie republikanischen Nacheiferer heißt. Der Präsident möchte gern „Kanonen mit Butter“.
bis 2004 – mit der mögli-
chen Ausnahme des Prä-
sidenten Carter. Die von
Roosevelt nach allen Re-
geln der Kunst hochge-
päppelte Sowjetunion
beißt nach der Ferse On-
kel Sams, doch schließ-
lich ins Gras. Der Weg
zur Unendlichkeit steht
offen! Oder?
Das Urteil des Wiener
Weltwirtschaftlers Joseph
Alois Schumpeter (Uni-
versitäten Bonn und Har-
vard), Roosevelt und
Churchill hätten mehr
Unheil angerichtet als
Dschingis Khan – tat-
sächlich unvergleichlich
mehr materielles, insbe-
sondere aber geistig-
moralisches, sittliches Mit Ihrer Erlaubnis…

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Aber ach – es gelingt ihm nicht. Obgleich er Südvietnam und führten innenpolitischen Opposition muß Carter „zurück-
Südostasien mit amerikanischen Truppen und Material über- stecken“. Panamas Omar Torrijos, ein Trabant der USA,
schwemmt und die Zivilbevölkerung völkerrechtsbrechend plant, sein Land in eine „amerikanische Schweiz“ zu ver-
dezimiert (KZs, Chemiekrieg), zwingen seine überhohen Aus- wandeln, was durch seinen rätselhaften Tod verhindert wird.
gaben für innen- und außenpolitische Ziele die amerikanische Miami übernimmt die Wirtschaftsführung über ganz Latein-
Wirtschaft auf Jahre hinaus in die Knie („Stagflation“ – Flaute amerika. Im Dezember 1989 überfällt Präsident Bush d.Ä.
mit Teuerung). Die Neger und die Studenten revoltieren. Panama und installiert ein Marionettenregime. Das Land fällt
Es bedarf keiner überreichen Phantasie, ähnliche, aber ernste- in eine drückende Armut zurück. Die „Camp David-Verein-
re Ergebnisse nach 2001 auch den Abenteuern des Präsiden- barungen“ zwischen Carter, Ägyptens Präsident Anwar al-
ten Bush vorauszusagen. Doch ist die Geschichte, mit den Salat und Israels Menachem Begin bezeichnen seither den
Worten des großen Sozialwissenschaftlers Max Weber, kein Höhepunkt der Versuche, einen Ausgleich zwischen Israel
Wiener Fiaker, aus dem man nach Belieben aus- und wieder (dem Degen Amerikas über dem Nahen Osten) und den Ara-
einsteigen kann. Gegen jene, die mit erhobenem Zeigefinger bern, vor allem den Palästinensern zu schaffen. Mit Carters
gerne schulmeistern möchten, gibt es tatsächlich geopoliti- Worten sind die Bestimmungen, wonach Israel sich ver-
sche, wirtschaftliche aber auch weltanschauliche Zwänge, pflichtete, aus dem Westjordanland u. Gaza sich zurückzu-
denen ein Staat nicht ungestraft entrinnen kann. Freilich darf ziehen und seine Wehrsiedlungen aufzulösen („Land um
ein Gebilde von der Größenordnung, der eingeklemmten La- Frieden“) bis heute nicht erfüllt – von den Madrid- und Oslo-
ge und geistigen Verwundbarkeit etwa Frankreichs, Deutsch- Übereinkommen ganz zu schweigen.11 Freilich muß auch
lands oder auch Österreich-Ungarns vor 1914 keineswegs mit Präsident Carter sein „Pfund Fleisch“ zum Opfer bringen: er
den USA verglichen werden, die nach 1945 das einzig über- ist gezwungen, seinen UNO-Botschafter Andrew Young
lebende Weltreich darstellen. Dem aus seiner über zwei (dem Mitstreiter Dr. Martin Luther Kings) zu entlassen, weil
Großkontinenten aufsteigenden Zitadelle und schon damals dieser sich Unterredungen mit den Palästinensern zuschul-
über die sieben Weltmeere und fünf der sechs bewohnten denkommen ließ.
Festländer gebietenden Amerika steht da ein ganz anderer Was auch die – machtpolitisch begründeten – Unterlassungen
Spielraum offen als selbst dem einstigen britischen Empire. Carters in Palästina gewesen sein mögen, sein Schicksal er-
Allerdings sind auch ihm in einer Welt der zur Freiheit auf- eilt ihn im Iran. Dort hatten die USA die alteingeführten Im-
strebenden Völker deutliche Grenzen gesetzt. Deswegen be- perialisten England und Rußland unsanft ausgebootet. Kurz
mühte sich Amerika schon vor dem Sowjetuntergang, nachdem Roosevelt und Churchill im August 1941 durch die
a) außenpolitisch die Völker zu verdumpfen und in einem Atlantikcharta das Selbstbestimmungsrecht der Völker und
„Weltendorf“ zu vermassen („Fellachinismus“, Oswald die Unverletzbarkeit der Grenzen verkündet hatten, überfie-
Spengler); len England und die Sowjetunion den Iran und zogen ihre
b) die auch nur potentiell Mißliebigen mit ungeheurer Waf- Besatzungszonen. US-Präsident Truman sorgte dafür, daß
fenübermacht auszurotten; und Stalin auch aus dem Nordiran (einschließlich Aserbeidschan
c) innenpolitisch widersprüchlich den Sendungsdrang seiner und Kurdistan) entfernt wurde. Die Briten blieben mit ihrer
Bevölkerung zu mobilisieren, sie aber wirtschaftlich und „Anglo-Iranian Oil Company“. Als Premierminister Mossa-
politisch zu entmachten. degh diese aber 1953 nationalisierte, stach er in ein Wespen-
Trotz aller Freiheits-Fanfarenstöße (und mit Hilfe derselben nest. In einem ihrer berühmten Unternehmen (Operation
die Übermacht der Oberen Zehntausend absolut gestaltend) Ajax) bemächtigte sich die CIA gewisser königstreuer Gene-
ist es das Ziel des amerikanischen Staates, die Menschen der rale und trieb unter der Führung von Kermit Roosevelt Mos-
Erde endgültig dem Frondienst zu unterjochen – dergestalt sadegh aus Parlament (Madschlis) und Land. Schah Reza II.
seine Zukunft vernichtend. Der Staat ist zugleich auch Welt- wurde wieder eingesetzt und baute die berüchtigte Geheim-
wirtschafts- und Finanzzentrum („Wallstreet“). Denn Politik polizei Savak auf – mit Rat und Tat der CIA. Und siehe da,
ist Geschäft und Geschäft Politik. Ja, es darf so gar ein unter Washingtons sanftem Druck erobert ein amerikanisches
„Spiegelgesetz der Weltherrschaft“ aufgestellt werden: Ölkartell im Handstreich die strategische Lage in der irani-
1. ein Imperium verliert in dem Maße seinen Freiheitsspiel- schen Wirtschaft (British Petroleum Co., Royal Dutch Shell
raum, als es seine Herrschaft über sämtliche Zipfel der Er- und die „Compagnie Francaise des Petroles“ bleiben Minder-
de einseitig auszudehnen bestrebt ist; heitsteilnehmer). 1978 erntet Carter die Früchte dieser Inter-
2. es ist gezwungen, die ganze Erde zu unterwerfen, um jeg- ventionen: Krawalle, Streikwellen und Ajatollah Khomeinis
lichen, auch nur potentiellen Freiheitshort schon im voraus Revolution. Der von Carter unterstützte Schah muß fliehen.
zu tilgen. Als er endlich in ein New Yorker Krankenhaus eingeliefert
Es befindet sich also in einem ständigen Kriegszustand, was wird, stürmen iranische Studenten die US-Botschaft in Tehe-
seiner Wirtschaft schlecht bekommt. Andererseits führt die ran und halten 52 Amerikaner 444 Tage lang als Geiseln ge-
ungezähmte Welt-Industriewirtschaft, der Raubbau an fangen. An einem Glückstag, dem 20.1.1981, kurz nach Rea-
Mensch und Natur zum unzeitigen Siechtum und frühen Tod gans Amtseinführung, kehren sie heim. Das Geheimnis hinter
ihrer selbst. diesen Zauberzahlen lüftet sich mit der Zeit etwas: Reagan
Der gescheite, persönlich sympathische Präsident und Nobel- und seine Adjutanten (darunter der Vizepräsident in spe Ge-
laureat Carter bekommt manche dieser Widersprüche und org Bush d.Ä.) hatten in Paris und Madrid mit Khomeinis
Zwänge ab 1976 am eigenen Leibe zu spüren. Er versucht, Abgesandten Geheimverhandlungen betrieben – während sie
im Zuge seiner das „Menschenrecht“ betonenden Außenpoli- öffentlich den Ajatollah als den düstersten Ausbund der Bos-
tik Panama eine beträchtliche Mitbestimmung am Panamaka- heit verteufelten. Schließlich schickt der Präsident dem Aja-
nal einzuräumen (Panama wurde unter der militärischen und tollah noch eine Bibel mit seiner Widmung...
finanziellen Geburtshilfe Präsident T. Roosevelts 1903 aus Solche Bocksprünge hat Carter sich nicht geleistet. Und
Kolumbien herausseziert). Wegen der von R. Reagan ange- doch, zwischen den aufeinanderprallenden Ratschlägen von

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Außenminister Vance und Staatssicherheitsberater Zbigniew Hand“ des herausragenden Generals Washington) zum
Brzezinski hin- und hergerissen, scheint das Herz Carters Vorschein:
sich endlich jener Sekte der Machtelite zugeneigt zu haben, »Das Volk, mein Herr, ist eine große Bestie.«
der nach dem Vietnamfiasko wieder die Hörner wuchsen Das Prinzip ist nicht, wie oft fälschlicherweise behauptet
(und die mit Reagan bis heute die endgültige Vorherrschaft wird: „Ein Mensch, eine Stimme“ (und deshalb denselben
in Staat, Welt und Wirtschaft errungen hat).12 Wenn Dr. Einfluß in der Politik!). Gerade deswegen unterlag in den
Brzezinskis öffentlichen Ausführungen Glauben geschenkt Präsidentschaftswahlen von 2000 der Kandidat Gore, der ei-
werden darf (er hieß sich den ersten Polen, der nach 300 Jah- ne Mehrheit von einer halben Million über seinen Gegner
ren endlich in der Lage sei, es den Russen heimzuzahlen), Bush erzielt hat, mit Hilfe des republikanisch geneigten
wurden die Sowjets mit amerikanischen „Aufmarschplänen“ Obersten Bundesgerichtshofes. Die so „optisch“ entstehende
in das strategische Schlüsselland Afghanistan in die Falle ge- Blöße versucht Bush – nach dem Urteil realistischer Beob-
lockt. Wieder einmal ein Streich der CIA. achter – dadurch zu verdecken, daß er das ihm bekannte At-
Alles in allem: obgleich auch in seinem Wesen die Prediger- tentatskomplott vom 11. September nicht verhindert oder es
allüren seiner Vorgänger und Nachfahren zu irrlichtern durch amerikanische Agenten provoziert (in den Fußstapfen
scheinen, war Carter trotz aller Zwänge meilenweit von deren seiner Vorgänger ab 1818, 1846, 1861, 1898, 1915, 1939-41,
zynischen Gewalt- und Weltaneignungspolitik entfernt. Er ist 1963, 1964 usw.).13 „Schaun ’mer mal…“
ein Mensch. Eigenartig, daß gerade er und Präsident Hoover Die politischere Seite: im Jahre 2000 geben nur 52% der
– in der Politik die Gegenpole der Cäsaropapen – den „weni- Stimmberechtigten ihre Stimme ab. 1996 sind es weniger als
ger wirkungsvollen“ Führern (Laudatio Gunnar Berges, Vor- 49%. Landtags- und Lokalwahlen sind noch weit weniger be-
stand des norwegischen Nobelkomitees) zugerechnet werden. liebt. Grund: die Entfremdung der Massenwähler vom „Sy-
Daß Carter in seiner Dankesrede im Rathaus von Oslo 2002 stem“, ausgelöst durch die Unterdrückung und die blutige
u.a. (a) „mächtige Staaten“ wegen des ansteckenden Beispie- Ausrottung der zahlenmäßig starken, nicht-oligarchischen
les vor Aggressionskriegen warnt (er heißt sie „Präventiv- sozialpolitischen Bewegungen von Seiten des plutokratischen
kriege“) und (b) drei Atommächte erwähnt, die in Gegenden Zweiparteiensystems seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bis
„hoher internationaler Spannung“ lägen und ihre Nachbarn jüngst. Die Bessergestellten und Betuchten ziehen den Nut-
bedrohten (Indien? Pakistan? Israel?), wird ihm in den USA zen daraus. Daß die Republikanische Partei durch den Erfolg
sehr übel angekreidet. Doch es spricht für den Mann. der Nixon-Strategie „für die Südstaaten“ und der Väterchen-
Carters Nachfolger machen sich’s da leichter. Obschon sie an rolle des Plutokratenfreundes Ronnie Reagan die weltan-
das blasiert-bornierte Auftreten ihres aristokratischen Vorbil- schaulich und weltpolitisch stärkste geworden ist und die
des F.D. Roosevelt persönlich nicht heranzureichen vermö- Demokraten lahmgeschossen hinterherhinken, ist ein Ergeb-
gen, eifern sie seinem skrupellosen, modernen Cäsaropapis- nis. Ein zweites: das Aufblühen der schon im 18. Jahrhundert
mus weltweit mit verdoppelter Frische nach. Es stimmt zwar, ausgesäten Idee, daß „wir in einem Paradies leben“, analog
das Reagans fieberhafte Rüstungsausgaben – und sein Bünd- dem „Paradies der Werktätigen“ unter den Väterchen Lenin,
nis mit dem polnischen Papst – dem Sowjetreich (das Roose- Stalin und Breschnjew.14 Es keimt die logische Absurdität
velt seit 1933 mit allen Schlichen zu fördern versucht hatte), auf, daß sich laut Umfragen 19% der US-Bürger einbilden,
dem „Reich des Bösen’, das Licht ausbliesen. Zugleich aber Mitglied der obersten Gesellschaftsklasse, der oberen „ein
beschleunigten sie die ernsthafte Teuerung in den USA und Prozent“ zu sein und daß etwa weitere 20% der US-Bürger
stürzten die Mehrheit der US-Bevö1kerung in Armut und tie- erwarten, bald dazuzugehören... Der Atombombenerfolg der
fe Verschuldung, während eine Handvoll Plutokraten, die Unterdrückungs- und expansiven Imperialpolitik der Machte-
Freunde Reagans, Bush seniors, Clintons und Bush juniors lite! Bushs Berater (vor allem der bekannte Karl Rove) schü-
sich über alle Maßen bereicherte. Sie alle haben dies gemein: ren diese Gefühle und die seit dem 11.9.2001 kursierende hy-
a) Ihr Bündnis mit der weltpolitisch mächtigsten Bewegung sterische Angst, um die Schraube der Entmachtung und der
gestattet es ihnen, die Schlünde der totalitären Nachrich- Aggression hurtig weiterzudrehen.
tenfabriken New Yorks und Hollywoods zum Schleudern Die wirtschafts- und sozialpolitische Seite: Dabei klafft die
nie abreißender Bannflüche gegen jeden auch nur potenti- Kluft in der Wirtschaftsmacht nun (im letzten Jahrzehnt)
ell Mißliebigen aufzureißen. zwischen den wenigen Reichen einerseits und dem Gros der
b) Um Exempel zu statuieren und Milliarden- bzw. Billio- Bevölkerung andererseits erschreckender auseinander als
nenverdienste einzustreichen, greifen sie strategisch gün- selbst in der rasenden Bereicherungszeit vor und nach dem
stig gelegene Schwache an, so z.B. Grenada, Nikaragua, Sezessionskrieg von 1861-65, im „güldenen Zeitalter“. Wer
Panama (und intervenieren in sämtlichen Nachbarstaaten: sich ein köstlich-ergötzliches Bild der damaligen – und der
Kolumbien, Haiti, Honduras, El Salvador, Guatemala), jetzigen – Zustände machen möchte, lese den Klassiker: Gu-
Libyen, dem Sudan, Afghanistan und knüpfen so an die stavus Myers, Die großen amerikanische Vermögen.15 Nur
imperialen Traditionen Nixons, Johnsons wie auch deren daß eben im heutigen Alter des einseitigen Weltimperia-
Vorgänger bis ins frühe 19.Jh. an. lismus die Praktiken der Korruption, der Bestechung und der
c) Sie geben vor, die „Demokratie“ zu fördern, errichten tat- Eroberung des Staatsapparates noch allgegenwärtiger sind.
sächlich eine seit den Hoch-Zeiten des Feudalismus (bes- Selbst einstige deutsche Kanzler ziehen es vor, kein Liedlein
ser gesagt: seit den Endzeiten des römischen Reiches) un- davon zu singen. Wie der baptistische Geistliche und ehema-
erreichte, hauchdünne Minderheitspolitik: eine Oligarchie. lige Assistent von US-Präsident Johnson, Bill Moyers, am öf-
Dies hat wie gewöhnlich mehrere Seiten. Verfassungs- fentlichen Fernsehen (PBS) klarlegte, wird „Einfluß“ im
rechtlich (nach der heutigen, 1787 angenommenen „Con- Weißen Haus, dem Kongreß und den Gerichtsverfahren ge-
stitution“) sind die USA bis jetzt keine „reine“, plebiszitä- kauft…
re Demokratie. Die viele Gründerväter beseelenden Ge- Persönlich und geschäftlich mit der Öl-, Kohlen- u. Rü-
fühle kommen im Ausbruch Hamiltons (der „rechten stungsindustrie verbunden, unterlassen US-Präsident Bush

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und sein Vize Cheney keine Gelegenheit, die Großindustrie Kurze Hinweise: während der Aktienbaisse der Jahre 2000-
zu schützen und zu stützen, damit sie die Umwelt und die 2003 verliert die US-Wirtschaft mindestens $7 Billionen
Menschen wirksamer „beeinflussen“ können, und räumen ih- Dollar; der Vorgang ist lange noch nicht abgeschlossen (Spe-
nen unbegrenzte Möglichkeiten im Irak, Iran, Mittelasien, am kulierseifenblase der 90er Jahre!); wenige Bonzen streichen
Kaspischen Meer, in Afghanistan ein. Clinton war selbstver- Billionengewinne ein, während das Heer der Kleininvestoren
ständlich ebenso geschäftstüchtig. Seit dem Sommer 2002 auch noch den letzten sauer zusammengesparten Kreuzer ver-
wird aus Washington berichtet, daß die „carpetbaggers“ liert. Diese dreijährige Vertrauenskrise (gigantische Betrüge-
(Kriegsprofitgeier) vor dem Oval Office im Weißen Haus reien der Großkonzerne!) stellt die längste seit 1940 dar, dem
Schlange stehen, um ihre Ölmilliarden und -billionen im Irak letzten Jahr der US-Wirtschaftskatastrophe.
usw. zu sichern. Da Präsident Clinton mit viel Tamm-Tamm die Armenfür-
Im Inneren Amerikas aber sieht das Bild etwas düsterer aus. sorge „reformierte“, ist im heutigen Notstand der Andrang zu
40 Millionen Amerikaner „erfreuen sich“ gar keiner Kran- den karitativen Anstalten der überwältigendste seit 1940;
kenversicherung; bei mehr als 80 Millionen anderen, die ihre wohlgemerkt das Gros der Amerikaner ist stark verschuldet;
Krankenkasse am Arbeitsplatz vermittelt erhielten (bei 129 seit der Kreditkartenmode rast die Privatverschuldung um
bis ca. 140 Millionen Beschäftigten, wovon laut dem „U.S. weitere Trillionen Dollar hoch, die Wirtschaft beschleunigt
Bureau of Labor Statistics“ 29,5% Teilzeitarbeiter sind), wird destabilisierend. Es herrscht also die schlimmste Not seit 63
sie laufend und drastisch gekürzt. Nach den Angaben des Jahren. Ergo: Bushs Aufrüstung und seine Förderung des
demokratischen Senators Kerry hungern jährlich 13 Millio- Großkapitals werden buchstäblich aus dem Fleisch der Bür-
nen Kinder; die Mehrzahl der Viertklässler in den öffentli- ger herausgeschnitten. Typisch für ein Entwicklungsland.
chen Grundschulen ist des Lesens unkundig; die meisten Wie lange noch?
Schüler der achten Klasse an öffentlichen Schulen sehen sich Typisch auch die auf Andrew Jackson und dessen Zeitgenos-
außerstande, eine einfache praktische Rechenaufgabe zu lö- sen des 19. Jahrhunderts zurückreichende Plündermentalität
sen. Immerhin hatte sich der Kandidat und Frühpräsident – gegenüber den eigenen Staatsangehörigen und gegenüber
Bush als den „Erziehungspräsidenten“ gelobt. Das hindert sämtlichen Außenstaaten –, die nach dem Vietnamfiasko und
ihn nicht daran, die Erziehungszuwendungen an die Staaten der aufgeklärteren Herrschaft Carters seit Reagan fröhliche
um 1 Milliarde Dollar zu kürzen. Weiter gekürzt werden die Urständ’ feiert. Sie entspringt dem Ehebund des Kolonialka-
Arbeitslosenunterstützung, die Unterstützung für die Sicher- pitalismus mit dem Welteroberungsdrang und der Industriali-
heit am Arbeitsplatz, für das Kinderimpfprogramm und die sierung des Massenmenschen (ménage à trois). Nicht, daß
Verhütung von Geburtsfehlern, usw. Dem Bericht des Direk- daheim wenig oder nichts zu verbessern wäre. Ganz im Ge-
tors vom berühmten „Woods Hole Forschungszentrum“, genteil harren da gewaltige Aufgaben jener, die sich noch ei-
Massachusetts zufolge überschattet und verdrängt der „Krieg nen Rest des menschlichen Bewußtseins bewahrt haben. Die
gegen den Terrorismus“ den lebenswichtigen Natur- und Infrastruktur z.B. ist in wüstem Zustand: zwei Drittel aller
Umweltschutz. Sehr bezeichnend ist, daß Bush junior der Brücken, einschließlich der Autobahnbrücken, sind baufällig;
destabilisierenden Finanzpolitik Reagans nacheifert, indem er der Güter- und der Personenverkehr der Eisenbahn ist in de-
hauptsächlich den oberen 2% in der Einkommensskala eine solatem Zustand; der öffentliche Nahverkehr in den meisten
Steuerreduktion von $1,35 Billionen (US-Trillionen) beschert Ballungsräumen ist völlig unzureichend. Der Mißstand deutet
und das so entstehende gähnende Loch im Staatshaushalt auf ein größeres Übel hin: die funktionell, geographisch und
damit zu stopfen versucht, daß er den gesetzlich unantastba- rassisch unausgewogene Sozialstruktur. Mehrere großflächi-
ren Rentenfonds (Social Security Fund) über 10 Jahre $1,5 ge Elendsräume durchfurchen das Land. Der berüchtigste,
Billionen entwendet. Ohne diesen politisch motivierten Dieb- „Appalachia“, zieht sich in einem 2500 km weit ausholenden
stahl beliefe sich den Angaben des „Congressional Budget Bogen von den Toren der Hauptstadt Washington bis über
Office“ zufolge das Washingtoner Staatsdefizit in 10 Jahren den Mississippi nach Arkansas und Texas hin. Der buntschil-
auf $2,8 Billionen. 42 der 50 Bundesstaaten sind um weitere lernde Präsident Johnson war der letzte, der dieses Gebiet
Hunderte Milliarden verschuldet, allein Kalifornien um die menschlicher zu gestalten suchte. Er rannte sich in Vietnam
$40 Milliarden. Das gibt zu einschneidenden Kürzungen im fest. Die Städte selber sind von Elendsvierteln und Elends-
Bildungswesen und den lebenswichtigsten Gesundheits- und stätten durchzogen und umlagert, wie: Bronx, Brooklyn, Har-
Dienstleistungen Anlaß. Des ungeachtet spendiert der Ober- lem, Hoboken, Jersey City, Newark, Camden, East St. Louis,
befehlshaber und Präsident Bush täglich(!) eine Milliarde ganz Detroit, wo Dutzende von Millionen dahinvegetieren.
Dollar für die Rüstung. Er gibt seinem Finanzminister O’Neil Der bekannte Thomas Wolfe schildert die Lage in seinem
und dem Wirtschaftsberater Lindsey den Laufpaß, weil diese Roman Es führt kein Weg zurück wie folgt:
die unmittelbaren Kosten des Irakabenteuers auf $200 Milli- „Die blinde Ungerechtigkeit dieses Kontrastes war für ihn
arden bezifferten und weil sie die vorgesehenen weiteren das Brutalste: nur wenige Blocks von diesem Abgrund
Steuerkürzungen um die $730 Milliarden, die hauptsächlich menschlicher Verkommenheit und menschlichen Elends
den Wohlhabendsten zugute kämen, wegen des inflationären entfernt, erstrahlten ringsum im kalten Mondlicht die
Drucks ablehnten. Der Präsident des „Federal Reserve Bo- Hochburgen der Macht, in deren Riesentresoren ein Groß-
ard“ (US-Zentralbank) Greenspan, der derselben Meinung teil des Reichtums der ganzen Welt verschlossen lag.“
ist, wird offiziell geknebelt. Die Verlautbarungen selbst der Die menschliche Verkommenheit? Sie umzieht am düstersten
stattlichen Wallstreetfirma „Goldmau, Sachs &Co.“ mahnen die Gipfel der Macht. Wenn ein Firmenvorstand (CEO) ty-
den Präsidenten, wenn schon, dann nur einen Blitzstich der pisch 40 mal mehr „verdient“ als sein Arbeitnehmer (der im
„Anspornung“ vorzunehmen, um baldigst zu den Gefilden Jahr 2001 je nach Kurs $29.000 bis 31.000 brutto jährlich
der gesunden Finanzpolitik zurückzukehren. Allzusehr liegen verdiente) und wenn, laut dem Finanzblatt Forbes, die 400
noch die ungesunden Konsequenzen der „Stagflation“-Krise reichsten Amerikaner ein Vermögen besitzen, das die Habe
unter Johnson und dessen Nachfolgern vor Augen. der 30 Millionen ärmsten um das dreifache übertrifft, dann

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darf kein ausgesprochenes Verständnis der Reichen für die Doch bedeuten sie zweifellos eine ernste Herausforderung
Nicht-Reichen angenommen werden. Wenn das Vermögen der Scheinheiligkeit seiner Gewaltpolitik. Die große Mehr-
eines mehrfachen Milliardärs das Sozialprodukt von 50 heit der US-Bevö1kerung lehnte das Irakabenteuer ohne
UNO-Staaten übertrifft, wird das Klassenverständnis seiner UNO-Vollmacht ab. Es wäre ein explosiver Schlag gegen ihr
Mitreichen für die „Entwicklungsländer“ – einschließlich der Sendungsbewußtsein, „Die Freiheit“ in der Welt zu verbrei-
USA – die reine Profitrechnung selten übersteigen. Von dem ten, wenn die lange unterdrückte Wahrheit herauskäme, daß
aufgestauten revolutionären Zorn der Massen Afrikas und wieder einmal ein einseitiger Eroberungskrieg eingeleitet
Asiens ganz zu schweigen. Dieser Zorn wird von dem Ver- wurde.
halten der US-Elite gegenüber Staaten wie Haiti, Kuba, Nica- Wenn ein solcher Krieg von andauernden Wirtschafts- und
ragua, Panama, Kolumbien, Brasilien, Argentinien, Chile, Militärkrisen begleitet wäre – was durchaus im Rahmen des
Nigeria, dem Kongo, dem Irak, Iran, Pakistan, Indochina, In- Möglichen liegt –, dann würde die Bevölkerung wahrheits-
donesien usw. wohl kaum gemildert.- gemäß den „Obersten Kriegsherrn“ Bush dafür verantwort-
Die Werke Samuel Huntingtons (Harvard Univ.) wie The lich halten, die zischende Lunte in das Pulverfaß Vorder-,
Clash of Civilizations (1996), die einen Welt-Zusammenprall Mittel-und Südasien geworfen zu haben. Dann wäre der Prä-
zwischen dem Häuflein technisierter, einst abendländischer sident der bestgehaßte Mann im Land. Wie vom republikani-
Völker und der Überzahl der nicht-europäischen Völker vor- schen Strategen Pat Buchanan im Buch A Republic, Not an
aussagen und feststellen, geben zu denken. Ja, vielleicht noch Empire wohl erkannt,17 dreht sich dann der Auserwähltheits-
erregender wäre die Möglichkeit eines Krieges zwischen den fimmel gegen die Elite und ihr Weißes Haus. Der dumpfe
„Vereinigten Staaten von Europa“ und dem „Kaiser Nord- Schmerz und die seit der Vernichtung der demokratischen
amerikas“, welche der 1827 früh verstorbene schwäbische Bewegungen durch die Plutokratie von 1880 bis 1920 ausge-
Dichter Hauff und der bedeutende Poet Lord Tennyson schon löste Entfremdung der Massen von sich selbst wechselt in
im 19. Jahrhundert voraussahen. Wenn sich die Entwicklung den lodernden Freiheitsdrang um und bahnt sich im Kampf
weiterhin so beschleunigt wie seit der Französischen Revolu- mit den Trägern des Imperialismus das Strombett zur Anar-
tion von 1789, gehören solche Hypothesen nicht unbedingt chie. Von den 200 Jahren Raubbau an Mensch und Umwelt
mehr nur ins Reich der Phantasie.16 und seinen Naturkatastrophen ganz zu schweigen. Dann, in
Ein Streiflicht auf diese vorrevolutionäre und Vorkriegslage der prekären Lage und „ganz natürlich“ steigt ein Großer
(nach außen und innen) werfen die spöttischen Kommentare Diktator auf, der sich als den Heiland und Herrn über sämtli-
der leider viel zu seltenen satirischen Blätter Amerikas. Die che Welt- und Amerikakrisen anbietet.
„ernsten“ Zeitungen, samt ihrer Fernseh-, Radio- und anderer Die Mahnungen Washingtons und Jeffersons in den Sturm-
Zweige, sitzen viel zu tief im Schraubstock der „Aufklä- wind schlagend, doch tief in den Fußstapfen seiner diktatori-
rungspolitik“ des Staates und dessen „Großen Bruders“, um schen Vorbilder und Ausstandsführer Lincoln, Wilson und
noch glaubhafte Randglossen zu den imperialen Gesten der Roosevelt hat das Bush’sche Weiße Haus die Gelegenheit
Oberen abgeben zu können. Während es früher Tausende au- schon im voraus beim Schopf erwischt. Es hat sich ganz vor-
tonomer Verleger, Radionetze und Filmproduzenten gab, ge- sorglich vorbereitet, nach außen und innen. Als ob im Spiel
hört der Äther Amerikas und der Welt heute sechs Medien- der Weltpolitik das militärische und das „Hochdruck“-
riesen. Ob sie nun proklamiert: „Bush möchte UNO-Unter- Moment das Überwiegende wäre – ja, als ob es seit 1991 gar
stützung für den Plan, daß die USA alles tun dürfen, was ih- kein Spiel der Weltpolitik mehr gäbe, im Gegensatz zu Präsi-
nen paßt“ (3. Okt. 2002) oder: „Alle 42 Präsidenten von Wa- dent Hoovers Mahnung, daß solide Diplomatie nicht mit den
shington bis Bush sind der Lüge in wichtigen Staatssachen „Hunden des Krieges“ bewerkstelligt werden kann – hat es,
überführt“ (5. Dez. 2002) oder gar: „Saddam Husseins volle kurz ausgeführt, folgende Schritte nach außen unternommen
Einwilligung in die Entwaffnungsforderungen der USA und oder erweitert:
der UNO erbost Bush“ (13. Feb. 2003), gehört die Wochen- am Feindbild gegenüber Rußland hat sich wenig geändert;
zeitung The Onion (Die Zwiebel) zu den ergötzlichsten satiri- trotz aller russisch-amerikanischer „Zusammenarbeit“ gegen
schen und bluternsten Zeugen unserer Zeit. Was sie mit Hu- den sogenannten Terrorismus bleibt der Finger am Abzug;
mor zu verstehen gibt, wird zum Entsetzen des Weißen Hau- wie der Sheriff und seine Gegner im Wildwestfilm beäugen
ses und der „No. 10 Downing Street“ von einem zunehmen- sich Amerika und Rußland über die Läufe von je 2000
den Demonstrantenheer in den USA und rund um den Erd- Sprengköpfen, die in zwei Minuten hochgeschickt die
ball wahrhaft und standhaft verkündet: „Kein Krieg im Irak“, Sprengkraft von 80.000 Hiroschimabomben in sich vereinen.
„Friede der Welt!“ Auch die US-Strategie hat sich nicht gemäßigt. Weiterhin
Mehr als 36 US-Großstädte verabschieden schon vor dem 18. „beschatten“ US-U-Boote (mit Kernraketen bestückt) die
Jan. 2003 Friedensresolutionen. Chicago schließt sich ihnen russischen Küsten; US-Raumsatelliten spähen in die dunkel-
an. In Milwaukee führt der 90-jährige sozialdemokratische sten Ecken. Am Kaspischen Meer, in Mittelasien, Afghani-
Altbürgermeister Zeidler eine starke Friedenskundgebung im stan und Pakistan schwingt Onkel Sam sein Szepter und baut
Rathaus an. Am 18. Januar marschieren Hunderttausende für seine Öl- und Erdgasleitungen. Im Balkan, auch auf der Fähr-
den Frieden, mehrere Hunderttausend allein in der Hauptstadt te reicher Bodenschätze, mischt er sich in einem traditionel-
Washington. Am folgenden 15. Februar versammeln sich len russischen Interessenbereich ein. Im Irak betritt er den
mindestens eine halbe Million Friedensdemonstranten vor Vorhof Rußlands und versucht, dieses mit der Drohung zu
dem UNO-Gebäude in New York, etwa 750.000 im England erpressen, daß es für den Fall, daß es nicht „pariert“, seine
des Tony Blair und überwältigende 11 Millionen um die Ölkonzessionen in einem US-besetzten Irak verliert (dasselbe
Welt. Tatsächlich sind diese Kundgebungen überzeugender gilt übrigens auch für Frankreich). Soll Rußland also das
als die im Früh- und Mittelstadium des Vietnamkrieges. Das Wenige retten, was ihm von seiner Unabhängigkeit noch üb-
Weiße Haus zeigt sich „nicht beeindruckt“; seine Herrschaft riggeblieben ist und was es notgedrungen zu einer „unan-
beruht schließlich nicht auf demokratischer Legitimation. fechtbaren“ eurasischen Kontinentalmacht auszubauen be-

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strebt ist, so muß es den USA gegenüber seinen Hauptnach- Die zynische Selbstverständlichkeit, mit der sich die Macht-
teil bereinigen: seine geopolitische Klemmlage (wieder ein- haber weltweit fader Klischees und dreister Erpressungen
mal eine Tschistka). Das heißt, daß es auf irgendeine Weise bedienen, erinnert an den Aufschrei des Deutsch-Schweizer
zu den Halbinseln Mittel- und Westeuropas vorstößt und den Historikers und Diplomaten Burckhardt: »Les terribles sim-
durch Bushs Säbelrasseln provozierten, vielleicht vorüberge- plificateurs!« (Die furchtbaren Vereinfacher). Uralter Praxis
henden Bruch der NATO (Amerikas „dicker Knüppel“ in Eu- entstammend, wurden Kampfrufe vor und während der Fran-
ropa) ausnützt und verschlimmert. Möglich würde dies erst zösischen Revolution von 1789 systematisiert. Sie wurden
zur Zeit einer tiefgreifenden, internen Krise der USA. Dann während des Ersten Weltkrieges von der Entente und von
erfüllte sich Donoso Cortez’ Wort aus dem 19. Jahrhundert, Woodrow Wilson, auch von Lenin und seinen Bolschewisten
daß Rußland Gewehr bei Fuß ganz Europa durchmesse.18 in einem Wettbewerb der Welterlöser erfolgreichst angewen-
Daß die US-„Sandkastenangriffspläne“ auf Rußland, China, det. Unter F.D. Roosevelt und seinen Nachfolgern, vor allem
Nordkorea, den Iran, Irak, Syrien usw. usf. erstaunlicherwei- dem republikanischen Außenminister J. Foster Dulles und
se im Jahre 2002 aufgedeckt wurden, erhellt die Lage weit- den Präsidenten Kennedy, Johnson, Carter, Reagan, Bush
gehend. Wie schon seit 1861 und 1917 mehrmals, so dekla- sen., Clinton und Bush jun. erreichen Schlagworte („slo-
miert das Weiße Haus auch jetzt düster, daß Neutralität vom gans“) den Zenit der weltweiten und unablässigen, kombi-
Bösen ist. „Du bist entweder mit oder gegen uns“. Basta. Den nierten militärischen, wirtschaftlichen und psychischen Ge-
Neutralen oder den Zaudernden erwartet der überwältigende samtfeldzüge, deren sich die genannten Cäsaropapen unter
„präventive Gegenschlag“. der unaufhörlichen Begleitmusik der Massen-„Neuigkeits“-
Es überrascht also nicht, daß Bush & Pentagon folgenschwe- Fabriken New Yorks und Hollywoods souverän bedienen.
re Schritte in die Wege geleitet haben: die Weiterentwicklung Freilich scheinen Bush jun. und seine Machtelite zum Schluß
des „Sternenkriegsprogramms“, einst Reagans krankes Lieb- gekommen zu sein, daß angesichts der wehrtechnischen
lingskind; trotz des russischen Protestes wird deswegen der Übermacht der USA nicht lange herumgefackelt werden
„Anti-Ballistic Missile“-(Raketenabwehr-)Vertrag außer muß. Ungeachtet der heiligen Eide, die die USA verfassungs-
Kraft gesetzt; die vom Weißen Haus und Rumsfeld vorgege- rechtlich an die Normen der UNO-Charta binden (zwischen-
bene Begründung, ihnen lägen ausschließlich die „Schur- staatliche Verträge erklärt die Verfassung zum „höchsten
kenstaaten“ im Sinn, ist wirklichkeitsfern;19 die totale militä- Staatsrecht“), werden diese und die UNO-Beschlüsse forsch
rische Vorherrschaft der USA über den Weltenraum; den übergangen wie z.B. Kap. 1, Art. 2, §4 der UNO Charta, der
Einsatz „taktischer“ Kernwaffen („Bunkerknacker“) auch die Gewaltandrohung und -anwendung zwischen Mitglied-
gegen nicht-nukleare Staaten, wie dem Irak oder Iran; die staaten untersagt, oder wie Art. 33, der Verhandlungen, Un-
vorgetäuschte „Zerstörung“ des eigenen Kernwaffenarsenals terredungen, Vermittlung, Schlichtung, juristische Entschei-
(um dem „Nicht-Vermehrungsabkommen“ vorgeblich Genü- dungen und andere friedliche Wege zur Beilegung „interna-
ge zu tun), indem Waffenteile zeitweilig demontiert werden, tionaler Konflikte“ vorsieht.
um jederzeit wieder zusammengebaut werden zu können; den Andererseits bemächtigt sich das Weiße Haus flugs der durch
Bau einer neuen Nuklearfabrik mit dem Auftrag, die Kerne seine Imperialpolitik heraufbeschworenen und provozierten
von bis zu 500 Atombomben jährlich herzustellen; die Wie- „Ausnahmelage“, um die bürgerlichen Rechte und Freiheiten
deraufnahme der „Nukleartests“; das Weiterverfolgen der „B und die Mündigkeit seiner Zivilbevö1kerung bis zur Wurzel
und C-Dimensionen“ der A,B,C-Waffensysteme (atomar, zu beschneiden. Wie der Republikaner Buchanan und der
biologisch, chemisch);20 die Anwendung nicht-nuklearer linke Noam Chomsky übereinstimmend klarlegen, harrt der
„Massenvernichtungswaffen“ von höchster Brisanz; damit Staatstotalitarismus – die potenzierte Vervollkommnung des
zusammenhängend die Anwendung eines zermürbenden schon vorhandenen, wirtschaftlich-gesellschaftlichen Totali-
„Shock and Awe“-(Schrecken und Furcht)-Erstschlages ge- tarismus Amerikas – nur des „Terroristen-Endangriffs“ auf
gen angegriffene Großziele und Großstädte, etwa Bagdad, die USA, um voll verwirklicht zu werden.
Basra, Teheran oder die Ballungsräume anderer, nicht ge- Es sei noch kurz erwähnt, daß trotz aller bibel- und ideolo-
nehmer Staaten; die Ernte an toten Nichtkombattanten dürfte gieschwingenden Kampfrufe, mit Hilfe totaler Kriege „die
pro Ziel mehrere Tausend nicht unterschreiten; die Bereit- Welt für die Demokratie sicher zu machen“ (Woodrow
schaft, jenseits aller Genfer, Haager oder ähnlicher Konven- Wilson), die USA sich selber erst in den 1960er und 70er
tionen die Soldaten und die Zivilbevölkerung der angegriffe- Jahren ernstlich in die Richtung einer Demokratie zu bewe-
nen Staaten als Versuchskaninchen „zukunftsträchtiger“ gen anfingen, was ihre Innenpolitik anbelangt. Die Bürger-
Vernichtungswaffen zu mißbrauchen.21 rechtsgesetze von 1964/65 erweiterten das Wahlrecht für alle
Selbstverständlich stellen manche dieser „undichten“ Mel- in einer Weise, wie sie Bismarck schon 1866 und 1871 im
dungen einen Teil des „Schröcklichkeitsspektrums“ der psy- Norddeutschen Bund und im Zweiten Deutschen Reich all-
chologischen Kriegführung dar, womit das Weiße Haus gemein einführte. Gebeutelt von der Niederlage in Indochina
schon vor der Eröffnung der offiziellen Feindseligkeiten die und vom Negeraufstand wachgerüttelt, erließ der Kongreß
Kampfmoral seiner in- und ausländischen Opponenten und richtungsweisende Gesetze wie das „Freiheit der Informati-
Todfeinde zu untergraben beabsichtigt. Dessen ungeachtet ist on“-Gesetz, das Nationale Umweltpolitikgesetz (NEPA) und
es eine Zumutung sondergleichen – besonders auch an die In- mehrere weitreichende Umweltschutzgesetze („Reine Luft“,
telligenz seiner Bürger – daß eine vor Tötungsinstrumenten „Reines Wasser“, „Gefährdete Tier- und Pflanzenarten“,
und Todesmethoden strotzende Weltübermacht andere dritt- „Umweltsäuberung“). Im Gegensatz zu den macht- und geld-
klassige Staaten bezichtigt, „Massenvernichtungswaffen“ zu schwingenden Eliten hatte nun der kleine Bürger bzw. seine
verbergen oder entwerfen zu wollen. Schließlich scheint Vereine (wie der Sierraklub) zum ersten Mal in der Ge-
heutzutage nur der Besitz von glaubwürdigen Vergeltungs- schichte Amerikas die Gelegenheit, seine Meinung und die
waffen die Unabhängigkeit und Selbständigkeit eines Staates von Abermillionen von Mitbürgern in die Tat umzusetzen.
zu gewährleisten. Eine goldene demokratische Zeit schien anzubrechen.

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Denkste. Die unter Reagans Demagogie wieder hochgepäp- stimmt es wahrscheinlich nicht, daß Lenin, Stalin und Mao
pelte Plutokratie schreitet wie gehabt unter Bush und Cheney die politische Jungfräulichkeit Onkel Sams besudelten, son-
von Sieg zu Sieg.22 dern eher, daß Lincoln, Wilson & Co. dem Staatstotalitaris-
Nun wurden die Fenster, die in den 1960er und 70er Jahren mus das Vorbild abgaben.
das demokratische und plutokratiefreie Sonnenlicht herein- Doch es kommt noch besser: seit dem „Auslandsnachrichten-
lassen sollten, von den Reagan- und Clintonregierungen mit Untersuchungsgesetz“ (FISA) von 1978 darf die Exekutive
verdreifachtem Eifer wieder versiegelt. Manche, wie der Di- (Geheimpolizei) unter dem Vorwand, die US-Diplomatie zu
rektor der Umweltschutzgemeinschaft „Sierraklub“, werden unterstützen, ohne größere richterliche Kontrolle Telefone
an das aristokratische Gehabe der Kaufmannselite zu Anfang abhören, Korrespondenz, Computer Email usf. hochnotpein-
des 19. Jahrhunderts erinnert. Die klassischen Manchesterli- lich untersuchen. Kein Wunder also, daß die Briefkorrespon-
beralen der US-„Rechten“ andererseits beschleicht angesichts denz mit Europa so lange unterwegs ist... Jetzt, mit dem Anti-
der gewaltigen Machtballung im Weißen Haus, welche die terrorismus-Gesetz vom Oktober 2001, sind auch die letzten
längst totgeglaubten Geister der demokratischen Cäsaropapen Hindernisse beseitigt. Ganz zu schweigen von der Kontroll-
Wilson, Roosevelt, Truman und Johnson wiedererweckt, ein und Untersuchungsmacht der mächtigsten weltpolitischen
beklemmendes Gefühl der Ohnmacht.23 Aber die kleine Bewegung, deren Kompetenzen und „Schwarze Listen“ de-
Schar an verantwortungsbewußten Politikern, die sich vom nen der offiziellen Geheimpolizei zumindest gleichstehen.
Welteroberernimbus der Cäsaropapen nicht ins Bockshorn Die Bühne für den Auftritt des Großen Weltbruders ist also
jagen läßt, wie der Senator Russ Feingold von Wisconsin nach menschlichem Ermessen perfekt staffiert.
(der sich auch mit einer Gesetzesvorlage, die rooseveltschen Das eingangs erwähnte Rubens’sche Gemälde zeigt, daß ge-
Verbrechen an den Deutsch-Amerikanern, Italo-Amerikaner rade Religions- und Weltanschauungskriege oft in Massakern
usw. zu untersuchen, einen Namen erworben hat), lehnt diese und Völkermord ausarten. Die Versuchung dazu ist um so
neueste Ausgabe des „Ehernen Geizes der Oligarchie“ ab. größer, wenn eine kriegstreibende und kriegsbetreibende Sei-
Feingold ist der einzige Senator, der gegen die sogenannte te die überwältigende wehrtechnische Macht in ihren Fäusten
Antiterrorismus-Gesetzesvorlage stimmte (H.R. 3162; auch zusammenballt. Nirgends kommen sowohl die konfessionelle
äußerst vielversprechend als „USA-Patriotengesetz“ be- und weltanschauliche Blindheit einerseits als auch die Arro-
kannt), die kurz nach dem „11.9.“ im Kongreß durchge- ganz der Übermacht mit derartig erstickender Direktheit zum
peitscht wurde. Sie enthält weitestgehende Kürzungen und Ausdruck als in den Äußerungen des US-Präsidenten Bush
Beschneidungen der Bürgerrechte. Er und einige wackere junior. In seiner Rede vom 17. März 2003, in der Ansprache
Mitstreiter wenden sich auch gegen die Schaffung des neuen vor dem American Enterprise Institute (?!) und der Presse-
„Superministeriums“ für die Sicherheit des Heimatlandes (!! konferenz von Anfang März klöppelte er, politisch geschickt,
Es fehlt nur noch ein „Komitee für die öffentliche Sicherheit“ menschlich ermüdend und moralisch verwerflich die Spitzen
= KGB). Am 11. Oktober 2002 erteilen der Senat (77 gegen seiner endlos vorgebeteten Litanei zusammen von den angeb-
23 Stimmen) und das Repräsentantenhaus (296:133) dem lichen Massenvernichtungswaffen Husseins, den behaupteten
Obersten Kriegsherrn Bush die Angriffserlaubnis gegen den „zwölf Jahre Nichtstun“, der kämpferische „Weltkoalition“
Irak. Doch schon wenige Monate nach diesem Skandal füh- und vom zu verdammenden Versagen der UNO. Daß er sich
ren die Wisconsiner Kongreßmitglieder Jerry Kleczka (Mil- dabei in Widersprüchen verwickelt, Tatsachen auf den Kopf
waukee)24 und Tammy Baldwin eine Aufhebungsantrag im stellt und die düstersten Abgründe der eigenen Politik mit
Repräsentantenhaus ein – leider ohne Erfolg, wie wir heute frommen Augenaufschlag rasch verdeckt – z.B. daß die Öl-
wissen. Bereitet sich der Schlachtenlenker auf seine größere und Gasvorkommen nicht „dem irakischen Volk“ übergeben,
Rolle des Weltenherrn vor? Daß der mehrfach vorbestrafte sondern schon vor Kriegsanfang an den Meistbietenden ver-
Admiral Poindexter (der zugunsten seines Herrchens Reagan kauft wurden –, das alles gehört zum Repertoire des erfolg-
meineidig wurde) damit betraut ist, im Pentagon(!) eine reichen US-Politikers. Daß ihm ein Teil der US-Bevölkerung
Nachrichtenzentrale zur totalen „Erfassung“ sämtlicher US- dabei Glauben schenkt, gehört zur politischen Kultur Ameri-
Bürger aufzubauen, deutet in jene Richtung. Anfang 2003 hat kas, in welcher der Auserwähltheitsfimmel und die Scheinre-
das Weiße Haus die Vorlage zu einem „verbesserten“ USA- ligion ein starke Rolle spielen: Sie gehören zusammen. Bush
Patriotengesetz No. 2 in der Tasche, welche – falls ange- der Schlachtenlenker, getragen von seinen „Beratern“ Ri-
nommen – der stolzen wenn auch öfters rein theoretischen chard Perle und dem „zweiten Mann“ im Kriegsministerium,
Tradition des anglo-amerikanischen Liberalismus (sie reicht Wolfowitz – hat die Lunte zu den aufeinandergestapelten
zurück auf die englische Bill of Rights von 1689 und auf die Pulverfässern in Nahost gezündet und stößt dazu schein-
ein Jahrhundert jüngere amerikanische Freiheitsurkunde) christliche Phrasen aus. Die resultierende Explosion könnte
vollends das Licht ausblasen würde. Bushs Irakkrieg wird die furchtbarste der Menschengeschichte werden. Aufstände
dann zum Vorwand und Hysteriedynamo, um die Vorlage und Erhebungen vielerorts führen zur fortschreitenden
durchzupauken.25 Destabilisierung der Weltwirtschaft; dies und der Religions-
Nicht, daß der Staat vorher (und vor Roosevelt, Wilson, Lin- krieg zur Weltrevolution, und diese in vier bis sechs 6 Jahren
coln) schwächlich oder gar ohnmächtig gewesen wäre. Mit- nach der nächsten US-„Präsidentenwahl“ von 2004 zum
nichten. Sachkennern fällt auf, daß spätestens mit der Amts- Endkrieg.
periode W. Wilsons und wahrscheinlich der Lincolns in den Was Wunder, daß republikanische, dem Irakkrieg abholde
aufschießenden Ballungsräumen engmaschige Spitzelnetze Realpolitiker wie der frühere Außenminister Baker (ein Öl-
angelegt wurden. Noch zur Zeit Carters kam heraus, daß et- Advokat) und der frühere Staatssicherheitsberater General
wa 23% aller Universitätspedells Informanten der Bundesge- Brent Scowcroft in ihren Artikeln in der New York Times und
heimpolizei sind (diese haben wahrlich lebenswichtige Ge- dem Wallstreet Journal im Jahr 2002 das Gespenst des Ar-
heimnisse mit dem Einsatz von Blut und Ehre gehütet). Unter mageddon an die Wand malten. Dies bzw. Al-Medschiddo ist
Bush junior muß deren Zahl noch weit höher liegen. Also bekanntlich der Ort im nördlichen Palästina, an dem laut der

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„Johannes-Offenbarung“ die Endschlacht zwischen den bö- worfene USraelische Expansionsvorhaben deckt sich nahtlos
sen und den guten Mächten der Welt geschlagen wird, kurz mit den mythischen Vorstellungen der „rechtswinkligen“
vor (oder nach?) der Wiederkehr Christi. Christen und Hebräer, die sich auf die Wiederkunft des Da-
Den Erläuterungen der Zeitschrift The Progressive (Madison, vidischen Reiches und den Bau des Dritten Tempels freuen.
Wis.) und anderen zufolge, beabsichtigt der Gewaltmann, Freilich scheint es auch anderer Eigenschaften nicht zu ent-
Weltenpolitiker und Ölspekulant Bush, sich und Israel an die behren. Finanziell sieht es wie ein glänzendes Geschäft aus,
Spitze der Heerkolonnen des Guten zu stellen oder zumindest weil die der Region entsprudelnden Öl- und Gasbillionen di-
den Anschein dazu zu erwecken. Na also! Der wiedergebore- rekt in die Taschen einer winzigen Machtelite fließen. Vom
ne Welterlöser: Alexander der Große, Julius Cäsar, Jesus und imperialen Standpunkt aus erscheint es tadellos, weil der
Dschingis Khan, alles in einem. neue Kolonialraum Vorderasiens geopolitisch im Süden vom
Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß bei den „Präsiden- Indischen Ozean (einem amerikanischen Teich), im Osten
tenwahlen“ der USA höchstens die Hälfte der Wählerschaft von Afghanistan und Pakistan (US-Schutzgebieten im Nor-
tatsächlich wählt. Die Vor- und Nachwehen der Wahlen von den von den ergiebigen Öl- und Erdgasquellen am
2004, die schon 2002 anfingen, werden selbstverständlich Kaspischen Meer) und in Mittelasien (US-Interessengebiete)
souverän von der Plutokratie gehandhabt.26 Doch in dem das und im Westen von der Türkei, Ägypten und dem Mittelmeer
Weiße Haus umwabernde und es in die Gefilde des „Gesalb- (US-Bastionen) umrahmt sind. Es kann also nichts schief ge-
ten des Herren“ emporhebenden Abglanz der Scheinlegitimi- hen… Deshalb werden jetzt schon US-Prokonsuln (Militär-
tät ist es immerhin noch wichtig, den Schein der „Demokra- gouverneure) ernannt, um die frisch „befreiten“ Staaten Irak,
tie“ zu wahren – schon deswegen, um die Hörner der Anar- Iran, Syrien, Libyen usw. usf. auf Jahrzehnte hinaus zu „ver-
chie rechtzeitig wegzubiegen. Dann sind „Stimmenblöcke“ walten“. Deutschland, Japan und Italien geben das gute Bei-
wichtig. Einer dieser Stimmblöcke umfast die 60 Millionen spiel.
„evangelistischen“ oder „wiedergeborenen“ Christen, die seit Freilich löst das Vorhaben mancherorts auch Unbehagen aus.
1991 unter der Führung wortgewaltiger und geschäftstüchti- Da gibt es den ehemaligen Republikaner Patrick Buchanan,
ger Fernsehprediger in die Reihen der fanatischsten Partei- dessen erwähntes Buch A Republic Not an Empire schon
gänger Israels eingeschwenkt sind. Der Islam ist für sie 1999 die Gefahren der imperialen Aufblähung, der Vergel-
grundsätzlich vom Teufel. Je geschwinder und je gründlicher tungsschläge gegen das Staatsgebiet der USA, des jahrelan-
also ihrer Meinung nach die einflußreichsten islamischen gen die Weltwirtschaft zerrüttenden Weltbürgerkrieges und
Staaten von Nordafrika über Vorderasien bis Pakistan und schließlich der Machtkonsolidierung der imperialen Elite, die
Indonesien eingeäschert und der israelischen Machtsphäre unerreichbar hoch über den ausgelaugten Massen thront (wie
eingegliedert werden, desto schleuniger ereignet sich die seiner Zeit Kaiser Diokletians um 290 n.Chr.), realistisch
Wiederkunft des Herren. Daß diese „Politik“ in den genann- heraufbeschwört. Sein Artikel in der Zeitschrift American
ten Staaten nicht auf Gegenliebe stößt, andererseits aber vom Conservative vom März 2003 gibt das Gefühl der Mehrzahl
rechten Flügel der israelischen Regierungskoalition lebhaft aller Amerikaner wieder, sich zu weit und zu tief mit Israel,
unterstützt wird, liegt auf der Hand. Es ist beachtenswert, daß vor allem mit dem Wüterich Sharon eingelassen zu haben.
Noam Chomsky in seiner Rede vom 1.11.2002 vor der über- Dürfen es sich die mächtigsten Beamten des Staates leisten,
füllten Aula der MATC (Technischen Fachhochschule Mil- mit „geteilter Treue“ in der Kolonialpolitik zu schalten und
waukee) – die allermeisten Studenten waren „links“ und zio- zu walten? Die Konsequenzen dieser machtpolitischen Frage,
nistenfeindlich – eben diesen Punkt berührte.27 Die öffentlich deren Lösung heute mit allen machtpolitischen Mitteln unter-
bekanntesten und mächtigsten Schöpfer der Bush’schen Au- drückt wird, werden die US-Öffentlichkeit künftig immer
ßenpolitik sind nicht Außenminister Powell und sein Stab, stärker engagieren.
sondern Richard Perle und Wolfowitz, die Chomsky ulki- Die universalistische Sicht des Papstes verleiht diesem als
gerweise »rechts von [Premierminister] Sharon« sieht. Perle vielleicht dem einzigen Weltpolitiker eine mit der Scheinlegi-
versah unter Reagan das Amt des Vize-„Verteidigungs“- timität der US-Weltpräsidenten konkurrierende Autorität (das
Ministers, hatte enge Beziehungen zu Admiral Nitze, Au- ist der Weltelite nicht entgangen; sie strengt sich an, nach
ßenminister Acheson und Senator Jackson. Heute ist er ein dem Ableben des jetzigen einen ihr genehmen Kandidaten
betuchtes Mitglied des American Enterprise Institute mit be- zum Oberhirten wählen zu lassen). Der Papst ist gegen den
ster Protektion. Laut Chomsky und dem letzten amerikani- Irakkrieg: aus all’ den oben angeführten und angedeuteten
schen Abgesandten im Irak, John Wilson28 schrieb jener um Gründen, aus Sorge um seine östlich-orthodoxen Schäfchen
1995 – just zu der Zeit, als der verantwortungsbewußte israe- und insbesondere wegen der Feindschaft des Islam gegen den
lische Premier Rabin von Rechtsgerichteten niedergeschos- „Westen“, die das Irakabenteuer Bushs vollends zum Lodern
sen wurde – die Bibel des Likud und der Bush’schen Außen- bringen wird.
politik: im US-Interesse müßten Syrien, der Irak und der Iran Nicht zuletzt hält der Papst Bushs Angriffskrieg für rechts-
als Einflußfaktoren ausgelöscht und Saudi-Arabien mittels widrig, da mit den Normen der UNO-Charta und der US-
einer Volkserhebung „demokratisch“ werden. Wolfowitz, der Verfassung unvereinbar. Glänzender unterrichtet als jeder
seit 1992 auch öffentlich in die Jerichoposaune der radikalen amerikanische Oberste Kriegsherr, entfaltete er im Febru-
Blut-und-Boden-Politik stößt, war unter Bush senior und dem ar/März 2003 eine beachtliche diplomatische Offensive. Er
damaligen „Verteidigungs“-Minister Cheney von 1989 bis empfing den irakischen stellvertretenden Premier Tariq Aziz,
1993 ein stellvertretender Verteidigungsminister. Heute be- einen chaldäischen Christen, und entsandte seinen Diploma-
kleidet er das Amt des Stellvertretenden Verteidigungsmini- ten Etchegaray nach Bagdad. Allerdings verlief ein Treffen
sters und ist somit die Graue Eminenz hinter dem granitenen zwischen Kardinal Laghi und Bush im Sande. Der letztere
Kriegsminister Rumsfeld, der oft als der zweitmächtigste empfing Laghi mit einem säuerlichen Lächeln (er dachte sich
Mann im Weltall angesehen wird. Das von Perle, Wolfowitz wohl, wie einst Stalin: „Wie viele Divisionen hat der
und deren Kollegen und Vorgängern von langer Hand ent- Papst?“). Bush torpedierte eine geplante UNO-Ansprache des

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 325
Papstes. Selbstverständlich konnte er es sich nicht leisten, al- Größerer. Seine Machtfülle umhüllt den Erdball. Mittels sei-
le seine außenpolitischen Taten, Gefühle und Äußerungen ner Heere und Geldpioniere entfließt sie der US-Ostküste und
vor dem Menschengericht als rechtsbrüchig und verbreche- bedeckt Afrika, Europa und Vorderasien. Sie entsprudelt der
risch entlarvt zu sehen. In einer Pressekonferenz streifte der US-Westküste und überschwemmt den Pazifik, Japan, Au-
Kardinal noch einma1 einige dem Papst vernünftig scheinen- stralien, China, Nord- und Südasien. Die Ströme prallen im
de Themen: die Illegalität des Irakabenteuers; das Risiko der indischen Ozean (einem amerikanischen Binnensee) aufein-
Destabilisierung der Weltpolitik und Weltwirtschaft; das der ander und verdoppeln anscheinend ihre Maelstrom-Energie.
endgültigen Feindschaft des Islam; das Leiden der irakischen Doch letztendlich wenden sich die Energien auf den Urheber
Bevölkerung (die seit 1991 in einem von den USA ausgelö- zurück. Rein tagespolitisch betrachtet thront der jetzige Cäsa-
sten Völkermord mehr als zwei Millionen Todesopfer zu be- ropape auf der Schulterpyramide seiner Vorherrscher. Sein
klagen hat); die Leiden des dem israelischen Staatsterror aus- „Job“ ist es, vermittels der ihm und seinem Bundesgenossen
gelieferten Volkes Palästinas, das der Verwirklichung der Israel zur Verfügung stehenden A-B-C-Waffen x-beliebige,
Verträge von Oslo harrt.29 mißliebige Staaten mit dem Völkermord zu drohen und die-
Macht nichts. Bush und seine „Berater“ kalkulieren, daß die sen auch ohne mit der Wimper zu zucken und mit frömmeln-
koloniale Frage auf allen Kontinenten wie gehabt mit Zuk- den Sprüchen auf den Lippen an Milliarden Menschen auf
kerbrot und Peitsche gründlich gelenkt werden kann. Zuhau- Erden durchzuführen – wobei er Billionen und Trillionen an
se greift er gleich auf eine ganze Palette von Machtinstru- Dollarrenditen für sich und seine Gesellen einsäckelt, ver-
menten zurück. Die mit Bush verbündete mächtigste weltpo- steht sich. Denn er versteht sich als der Gesalbte des Herrn.
litische Bewegung mit ihrem Monopol über die Nachrichten- Wie naiv auch immer dies sich ausnehmen mag, der „kleine“
fabriken schottet die Massen Amerikas und der Welt gründ- Auserwähltheitsgläubige mißt seine Welt mit einem ähnli-
lichst von der Wirklichkeit ab (sogar winzigste Veröffentli- chen Maßstab. Die Verluste der „Todfeinde“, wie ungeheuer
chungen wie The Plough der pietistischen Bruderhofgemein- diese auch menschlich gesehen sein mögen, gelten nichts im
de sind vor ihren Nachstellungen nicht sicher, wenn sie Arti- Vergleich zu den geringfügigen Verlusten der „Streiter des
kel wie: „The Boy Who Kissed the Soldier, Report from Ba- Herrn“. Millionen Ziviltote im Koreakrieg und weitere Mil-
lata Camp“ bringen: reale Schilderungen des „Lebens“ in Pa- lionen im Indochinakrieg – großenteils auf Onkel Sams tech-
lästina, von amerikanischen Jüdinnen verfaßt). Die neu erlas- nisiertes Wüten zurückzuführen – werden nie erwähnt. Doch
senen Ermächtigungsgesetze des Staatstotalitarismus gestat- der etwas über 40.000 tatsächlich gefallener GI’s in Vietnam
ten es Bush und seiner Elite, jeder auch nur potentiellen Op- wird mit narzißtischer Übertreibung gedacht. Nur der frühere
position oder Aufwallung der Anarchie mehr als vollauf zu Kriegsminister McNamara unter Kennedy und Johnson erin-
begegnen. Vielleicht am wichtigsten ist das schon erwähnte nert sich heute schaudernd der (tatsächlich weit über
Sendungsbewußtsein, der Hauptdynamo des US-gesellschaft- 100.000) Ziviltoten der US-Terrorangriffe auf Tokio/Joka-
lichen (deswegen um so mächtigeren) Totalitarismus. Im hama, Kobe, Osaka, Toyama; dabei fanden 1,4 bis 1,5 Mil-
heutigen Europa findet sich kaum ein Gegenbeispiel. Als lionen japanischer Nichtkombattanten den Tod30 (etwa 1,2
Synthese der republikanischen Berufung („Der Hort der Millionen Soldaten fielen an der Front oder starben als Ver-
Freiheit“) und des kalvinistischen Auserwähltheitsglaubens schleppte in Sibirien). Wer erwähnt im Rahmen der von den
konzentriert es sich vornehmlich auf die Vater-, Führer- und Nachrichtenfabriken jetzt hochgepeitschten Kriegshetze die
Feldherrngestalt des Präsidenten. Opfer der anglo-amerikanischen Bombenkampagne – Anfang
Eine kurze Erläuterung. Anfang September 1901 fand die 1940 begonnen von Churchill und seinem „Berater“ Dr. Lin-
Pan-Amerikanische Ausstellung in Buffalo statt. Als US- demann – von Monte Casino über Castelgandolfo, Rom, Pa-
Präsident McKinley diese mit seinem Besuche beehrt und der dua, die norditalienischen Großstädte, Bozen, Matrei am
US-Staats- und Regierungschef kanadisches, d.h. ausländi- Brenner, Innsbruck, Salzburg, Wiener Neustadt, München,
sches Gebiet betritt, durchläuft ein Auf-
schrei des Entsetzens das Land: „Der Ge-
salbte des Herren hat die Gefilde des Ge-
lobten Landes verlassen!“ Eine 300 m
kurze, doch trotzdem Dante’sche Reise,
sozusagen: vom Paradies ins Inferno
(kurz darauf wird der Präsident von ei-
nem Anarchisten erschossen). Die zu-
kunftsschwere Umorientierung erfolgt
sofort. Washington und Jefferson hatten
es klug verstanden, den Auserwähltheits-
glauben auf inner- und panamerikanische
Bereiche zu beschränken. Nun wird die-
ser unter dem aktivistischen Präsidenten
Theodore Roosevelt und mehr noch ver-
mittels der Intrigen, Erpressungen und
Verschwörungen Woodrow Wilsons,
F.D. Roosevelts und deren Nachfolger
fest mit dem expansiven Weltherr-
schaftsdrang verkettet.
Bush junior ist der Lachende Sieger. Befreiung auf amerikanisch:
Nach ihm kommt kein geographisch Die Innenstadt von Münster/Westfalen bei Kriegsende

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Nürnberg, Rothenburg o.d. Tauber? Wer erinnert sich der Unrecht zu stürzen und einen Rechtsstaat aufzubauen. Die
etwa 50.000 Ziviltoten im Feuersturm von Hamburg, der inneren Krisen der USA stellen gigantische Aufgaben, die
25.000 bis 30.000 von Leipzig, der ca. 300.000 von Elbflo- der jahrhundertelangen geduldigen Arbeit heischen.
renz (davon 202.000 vom Polizeipräsidium gezählt)?31 Die 4) Der Aggressionskrieg gegen den Irak heizt auch die
Hekatombenernte der „Befreier’: Nur wer selbstmordend den schwelenden (welt-)wirtschaftlichen, militärischen und
von der „Kakokratie“ (Herrschaft des Schlechten – Prof. Her- außenpolitischen Fragen weiter auf. Daß am 24.3.03 der
mann Oberth) emsig verbreiteten Märchen Glauben schenkt, Dow-Jones Index an der Wallstreet um über 300 Punkte
gibt sich hin, die hier angedeutete Wahrheit zu bagatellisie- stürzte – der hysterischste Sturz seit den Nachwehen des
ren. Überblickt man die Entwicklungsgeschichte der US- „11.9.“ –weil die Aktionäre einen Endsieg innerhalb von
Machtelite vom Anfang des 19. bis ins 21. Jahrhundert, so ist fünf Tagen erwarteten, zeigt die institutionelle und morali-
man versucht, in Umkehr des Goethewortes auszurufen: sche Labilität eines Großteils des „führenden Amerika“
„Die Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse grell auf. Die Kurse dürften sich wieder erholen. Ob die
schafft.“ schwer angeknackste Weltwirtschaft dies tut, ist eine an-
Es sei nochmals auf Schumpeters Urteil verwiesen, daß Roo- dere Frage. Von den durch die Weltmachtelite ausgebeute-
sevelt und Churchill (und die ihnen nacheifern) weit schlim- ten Volkswirtschaften Lateinamerikas (darunter Argenti-
meres Unheil anrichteten als Dschingis Khah. niens, Brasiliens, Venezuelas, Kolumbiens, Mexikos) über
Zweifellos, rein physisch gesehen haben jene eiskalten Ana- die zweitstärkste Kapitalistenzitadelle Japan34 bis Deutsch-
lytiker recht, denen im Gegensatz dazu die von einem Staat land und Europa laufen die einst glänzendsten Linienschif-
ausgeübte Weltherrschaft „als ein naturgeschichtliches Phä- fe des Kapitalismus bestenfalls mit starker Schlagseite da-
nomen“ nichts ausmacht. Sie übersehen aber die moralische her. Ganz abgesehen von Onkel Sams „Blockhütte“, deren
und sittlich-rechtliche Grundlage jeder andauernden Macht- Vor- und Hinterhöfe sich bekanntlich über alle Kontinente
struktur. Und diese heißt seit 1776 und 1848 mehr denn je: bis zum Mond und Mars erstrecken. Präsident Bush jun.
die Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht der Völker! scheint darauf erpicht, die Teuerung/Flaute der Johnson-
Wer gegen diese Grundlage frevelt – wie materiell und nach- Nixon-Ford-Carter-Reagan-Bush-sen.-Jahre ins Ungeheu-
richtentechnisch mächtig er auch sei – wird vom Ausbruch erliche zu steigern, indem er für die Aufrüstung täglich ei-
des Völkerrechts hinweggefegt. Der große schwäbische Den- ne Milliarde Dollar ausgibt, daneben mindestens $200
ker G.W.F. Hegel spricht vom qualitativen Umschlag des Milliarden für das Irakabenteuer vergeudet und schließlich
hochgestapelt Handgreiflichen. Dieser wird zum Weltum- hauptsächlich den oberen 2% auf der Einkommensskala
sturz. Denn der Koloß – die Herrschaftskultur der Machtelite eine Steuerkürzung von insgesamt $2,1 Billionen schenkt
– ruht auf tönernen Füßen.32 – was alles aus der Haut und den Knochen der US-Bevöl-
Knüpfen wir die Fäden rasch zusammen kerung, der Säuglinge, der Schulkinder, der Arbeitnehmer
1) Der Sendungsglaube der US-amerikanischen Massen ist und der Senioren gestanzt wird. Wenn Perles und Wolfo-
ein zweischneidiges Schwert. Sollten sie einmal, vielleicht witz’ Pläne weiter verwirklicht werden – und warum auch
schon bald vom Dornröschenschlaf der Kafka’schen Ohn- nicht? – (Perle besitzt eine Villa an der Côte d’Azure),
machtsexistenz erwachen – wohl von wirtschaftlichen und folgt auf die jahrzehntelange Besetzung des Irak diejenige
außenpolitischen Krisen wachgerüttelt – und erkennen, Irans, Syriens und wohl auch Saudi-Arabiens. Diese Vor-
daß sie in jeder Hinsicht von den Weltmachenschaften ei- haben dürften drei Hauptkonsequenzen zeitigen:
ner zynischen Elite (deren Mitglieder der „Regierung“ oft a) Die zu erwartenden Steuererhebungen erdrücken die
gar nicht angehören) ausgebeutet und zerfleischt werden, US-Bevölkerung, dieweil eine winzige Weltelite sich
wird das Gericht furchtbar sein. Dann bricht die knapp un- die Taschen mit Milliarden- und Billionengewinnen
ter der Oberfläche des Freiheitsdranges schlummernde vollstopft.
Anarchie durch. Denn die Freiheit ist das höchste Gut, wie b) Unvorhergesehene Rückschläge im Irak und um den
schon unsere Vorkämpfer in der Schlacht am Teutoburger Erdball herum lassen den Weltbefreier zu Kernwaffen
Wald erkannten. greifen. Vergeltungsschläge gegen das Hoheitsgebiet
2) Es ist zu erhoffen, daß die wackeren Streiter für Natur und der USA sind zu erwarten. Die Weltlage verschlechtert
Umwelt – eine jetzige Subkultur – dann bald die Oberhand sich schlagartig.
erringen. Allerdings muß der US-Staat völlig umgebaut, c) Daß die dergestalt durchgeführte „Demokratisierung“,
die diktatorische Präsidentschaft abgeschafft und der nebst der Spaltung der NATO (die baldigst von einem
„Vorsitz“ auf ein Kollegium von sieben bis 50 Häuptern EU-Gremium abgelöst werden sollte) und der Vernich-
verteilt werden (nach dem Schweizer Muster). tung der UNO allenthalben auf Gegenliebe stößt, ist
3) Mit der Erkenntnis, daß die Gründerväter der heutigen nicht wahrscheinlich. Die vorauszusehenden, jahrelan-
Verfassung (1787 ratifiziert) die Einführung stehender gen Welt-Kriege und Interventionen – die auch zu er-
Heere verboten (zweijährige Begrenzung), die Verteidi- wartenden bürgerkriegsähnlichen Aufstände in den
gung des Landes und das Unterdrücken von Aufruhr einer USA und Europa nicht zu vergessen – stürzen die Welt-
Miliz überließen und daß die größten Präsidenten (Wa- wirtschaft vollends in die letzte Absturzspirale. Das Aus
shington, Jefferson und Monroe) strengstens vor außera- ist da. Durchaus möglich, daß das Chaos absichtlich her-
merikanischen Abenteuern mahnten und gelobten, die aufbeschworen wird, frei nach dem Shakespeare’schen
USA aus europäischen Händeln heraushalten zu wollen,33 Motto: „Seine Tollheit hat Methode“, um nach 2004 den
daß aber seit der Amtszeit der Präsidenten Theodore Roo- Enderlöser und den Endlösungsheld der in jeder Hinsicht
sevelt und vor allem Woodrow Wilson dieses heiligste widerstrebenden Menschheit aufzuzwingen.
Grundrecht gebrochen und die übermächtigste Militär- 5) Wäre es nicht klüger, dem Rat der „Peace Action Wiscon-
macht der Menschengeschichte fieberhaft aufgebaut wird, sin“ (Friedenstätigkeit-Wiskonsin)35 und der Tat der Kon-
kommt auch die Einsicht, die Absurdität zu sanieren, das greßabgeordneten Kleczka, Baldwin (Dem., Wis.), Ron

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Paul (Republ., Texas) zu folgen, nämlich gegen den Ag- der Geschichte, Center for Muslim-Christian Understanding, Georgetown
gressionskrieg zu arbeiten und folgendes anzustreben: das University , Washington. D.C.
4
Vgl. Z.B. »Israel again launches airstrikes«, The Milwaukee Journal
Ende der illegalen israelischen Besetzung Palästinas, dann Sentinel, 20.5.2001
die Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staa- 5
James D. Richardson (Hg.), A Compilation of the Messages and the Papers
tes; die Kürzung der US-Unterstützung für die Marionet- of the Presidents, 1789-1901, Government Printing Office, Washington.
6
tenregime in Ägypten, Jordanien, Kuwait, Qatar usw.; den Kenneth Bourne, The Foreign Policy of Victorian England 1830-1902,
Oxford, Clarendon Press, 1970.
Abzug der US-Besatzungstruppen aus Saudi-Arabien mit 7
Noam Chomsky, In a League of Its Own, Harvard International Review,
seinen islamischen Weihestätten; die Reform bzw. Um- Sommer 2000.
kehr der expansiven amerikanischen McDonald- und Coca 8
John Charmley, »Churchill – The End of Glory«, The Council Chronicle,
Cola-„Kultur“. 9
The Chicago Council on Foreign Relations, November 1993.
Fürwahr ein Jahrhundertprogramm. Inzwischen scheinen sich Vgl. Harry Elmer Barnes (Hg.), Perpetual War for Perpetual Peace,
Greenwood Press Publishers, New York 1953/1969; die Werke John
im Gefolge der US-Kolonialabenteuer weitere Konflikte zu- Costellos; John V. Denson (Hg.), The Costs of War, Transaction Publish-
sammenzubrauen. Falls die US-Welt-Gewaltpolitik fortge- ers, New Brunswick, N.J., 2. Auflage 1999; Naval History; United States
setzt wird, dürften anfängliche Regional-, dann Raumkriege Naval Institute; Mai/Juni 1999: Daryl S. Borgquist, The Red Cross Con-
unter anderem an den folgenden Nahtstellen ausbrechen: nection, Naval History, U.S. Naval Institute, Annapolis, MD, Mai/Juni
1999; Robert B. Stinnett, Day of Deceit; the Free Press, New York, 2000.
Türkei-Kurdistan-Syrien-Iran-Israel; schließlich Rußland; 10
Vgl. Wenzel Jaksch, Europas Weg nach Potsdam, Deutsche Verlagsan-
Indien-Pakistan-China; Nord- und Südkorea; Japan-China; stalt Stuttgart, 1958.
China-Rußland; Mittelamerika-Panama-Kolumbien-Venezu- 11
The Carter Center, Atlanta, Georgia, »President Carter Is Awarded the
ela; usw. Wird es dem jetzt muskelprotzenden Onkel Sam ge- Nobel Peace Prize«, President Carter’s Acceptance Speech for the 2002
Nobel Peace Prize.
lingen, auch nur wenige dieser von ihm gesetzten Flächen- 12
Vgl. »St. Jimmy The Lesser. Jimmy Carter is Not Worthy of the Nobel
brände einzudämmen? Wohl kaum. In der Umkehr liegt das Peace Prize«, The Progressive, Dezember 2002.
Heil. Halten sich die Menschheit und Amerika die weltweit 13
Vgl. Orville V. Webster, The Book of Presidents, JBG Publishing Los
zu erwartenden Milliarden Todesopfer der künftigen Kriege 14
Angeles 1991.
und Naturkatastrophen vor Augen, so sieht selbst das Maxi- Vgl. D.H. Lawrence, Studies in Classic American Literature, T. Seltzer
Publishers, New York 1923.
malprogramm der Friedensaktionäre sehr gemäßigt und reali- 15
The History of Great American Fortunes; übersetzt im S. Fischer Verlag
stisch aus. Das bedeutet aber auch, wie überall in dieser 1916; Neuausgabe, Money, Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1979.
16
kreisrund geschaffenen Welt, die Verwirklichung eines zu- Vgl. Dave Berkman, Why We’re Not Loved, Shepherd Express, Milwau-
tiefst widersprüchlichen Programms: kee 2002.
17
Regnery, Washington 1999.
1) Die Völker und Konfessionen sollen sich der Illusion ent- 18
Vgl. Herbert Leiner, ...und das dritte Rom wird Moskau sein, Zeitge-
ledigen, es hätte jemals nur ein „auserwähltes Volk“ gege- schichte Bastei-Lübbe, 1984.
ben; es gibt derer viele. Ein jedes in dieser Vielfalt ist von 19
Vgl. Noam Chomsky, Ramsey Clark, Edward W. Said, Acts of Aggres-
seinen Nachbarn schöpferisch verschieden. Durch göttli- sion, Policing „Rogue“ States, Seven Stories Press, New York 1999.
20
chen Ruf aneinandergepflanzt, erwachsen sie jenseits von Vgl. »So Much for the Plan to Scrap Old Weapons«, The New York
Times, 22.2.02; »White House opposes germ weapons treaty«, The Mil-
Raum und Zeit zum strahlend-schillernden Lebenswald waukee Journal Sentinel, 20.5.2001.
der göttlichen Vorsehung. 21
Vgl. Center for Defense Information,1779 Massachusetts Av NW., Wash-
2) Das Weltall und die Menschheit jagen der Auflösung ent- ington, D.C. 20036-2109; November 2002; »The Nuclear Nightmare Re-
gegen (Entropie). Doch die heute vorherrschende, von turns«, The Mobilizer, Peace Action, Wisconsin, April 2002.
22
Kevin Phillips, Wealth And Democracy, Broadway Books, NY 2002.
leiblich und geistig Verkrüppelten gezeichnete Karikatur 23
Carl Pope, »Forward Into the Past«, Sierra, März/April 2003; »Some
der faustischen Kultur (Oswald Spengler) beschleunigt fear Governments growth in size, power«, Milwaukee Journal Sentinel
den Verfall nur noch. Deshalb sind die Völker je einzeln 16. Dezember 2001; »Bush builds White House’s clout«: ebd., Sonntag,
und in ihrer Welt-Einheit gefordert, auch den letzten Fet- 22. Dez. 2002.
24
Jerry Kleczka, Democrat, Wisconsin; Congress of the United States,
zen der kolonialen Gewaltpolitik von sich zu werfen und Brief, 12.2.2003; http://www.house.gov/kleczka/108_1pr_02_12.htm
die spezifische und Dauerkrise in einer geistigen, politi- 25
»Statement of U.S. Senator Russ Feingold On The Anti-Terrorism Bill,
schen und Arbeitssynthese zu überwinden. From The Senate Floor«, 25. Oktober 2001; Russell D. Feingold, Wis-
consin, United States Senate, 21. Okt. 2002; ders., 10. Dez. 2002; Russ
Andere Schriften des Autors zum Thema Feingold, United States Senator, Wisconsin, März 2003; Bill Moyers,
PBS-Television, Feb./März 2003.
– Casa Maria Catholic Worker, Mai 2000, November 2001, 26
Kevin Phillips, The Progressive (Madison, Wisconsin), September 2002.
Januar 2002 27
Noam Chomsky, »U.S. Foreign Policy: What Went Wrong«, 15th Annual
– Andreas R. Wesserle, »Bombs on Britain«, The Journal of Pledge of Resistance, MATC, 1. November 2002.
28
Historical Review, Winter 1981. Interview mit Bill Moyers am PBS-TV, Februar 2003.
29
Vgl. »„Grave responsibility before God“ Vatican warns«, »War is not
– Andreas R. Wesserle, »The New World Disorder«, The the answer, says Racine Dominican«, Catholic Herald, 20.3.2003.
Journal of Historical Review, Winter 1991-1992. 30
Vgl. Martin Caidin, A Torch To The Enemy, Ballantine Books, New York
– Andreas R. Wesserle, Geschichte der amerikanischen Aus- 1960.
31
senpolitik, 1776-2003, VGB-Verlag, Berg am Starnberger Vgl. Maximilian Czesany, Europa im Bombekrieg 1939-1945, Leopold
Stocker Verlag, Graz-Stuttgart, 1986/1998; Bundesminister für Vertrie-
See 2003.
bene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte (Hg.), Der Luftkrieg über
Deutschland 1939-1945, Deutscher Taschenbuchverlag, November 1963.
Anmerkungen 32
Vgl. Richard Bernstein, »Hyper Power«; The New York Times,
1 23.3.2003; Maureen Dowd, »Perle’s Plunder Blunder«, »Week in Re-
www.diemystikerin.de/hauptseite/europa.html; view« ebd.
www.onlinekunst.de/frieden/eingang_d.html; 33
Constitution of the United States, Art. I., Section 8, 12-16.
2
Erklärung vom 12.8.1999; Adresse: 39 West 14th Street, Rom 206, New 34
Vgl. James Brooke, »Japan Fears Its Weakened Economy Is Becoming
York, NY 10011. America’s Prey«, The New York Times International, 3. Nov. 2002.
3
Yvonne Haddad, »The Islamic World And The United States«, World Af- 35
The Mobilizer, Monthly Newsletter of Peace Action-Wisconsin; 2001-1.
fairs Institute, University of Wisconsin-Milwaukee, 8.2.2002; Professorin März 2003.

328 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
Die furchtbaren Leiden der Palästinenser
Von Georg Wiesholler

»Wer den Holocaust und Möllemanns dicta auf eine Ebene bringt, der hat das Recht verwirkt, noch für voll ge-
nommen zu werden.« – Eckhard Henscheid, Junge Freiheit, 7.6.02

In großen, fetten Lettern zitierte die t.z., eine Münchner düste eilends mit Gefolge in vorauseilendem Gehorsam nach
Abendzeitung, die künstlich entrüsteten Aufschreie Paul Düsseldorf, um sich der Empörung Spiegels anzuschließen.
Spiegels, des Zentralratsvorsitzenden der Juden in Deutsch- Heute wissen wir, daß es zwei arabische Jungen waren, die
land: In der Welt am Sonntag nannte er Möllemanns Äuße- sich an der Ermordung eines palästinensischen Buben durch
rung »die größte Beleidigung, die eine Partei in der Ge- die israelische Soldateska rächen wollten.
schichte der Bundesrepublik nach dem Holocaust ausgespro- Paul Spiegel hat es mit seinem Aufschrei nun einmal auf
chen habe.«1 Eine Partei kann nicht sprechen, er hat wohl Möllemann abgesehen, auf einen Politiker mit Einfluß, der
Jürgen Möllemann gemeint. muß weg, den will er zur Strecke bringen.
Dies war ein deftiger Schlag mit der Auschwitzkeule, eine Was hatte nun Jürgen Möllemann Schlimmes gesagt, das ein
Keule, die jeden niederstreckt, den sie trifft. Paul Spiegel solch hartes Urteil, einen solchen Bann, rechtfertigen könnte?
kürte Jürgen Möllemann zum Antisemiten. Der Ausdruck Nun, zuerst verteidigte er den Grünen-Abgeordneten Jamal
Antisemit ist ein »Killerwort, an wem es klebt, der ist ge- Karsli, der mittlerweile der FDP beigetreten ist. Dieser mein-
sellschaftlich und politisch geächtet.« (Helmut Markwort). te, wie ich auch, daß die Israelis im Kampf gegen die Palästi-
Dann erließ Spiegel noch einen Aufruf an die Anständigen in nenser »Nazimethoden« verwenden und machen können, was
der BRD:2 sie wollen, weil sie über eine »mächtige Lobby« verfügen.
»Es gehe nicht um einen Streit zwischen dem Zentralrat Diese Ansicht mit Karsli teilen viele renommierte Persön-
und Möllemann, sondern um eine Auseinandersetzung zwi- lichkeiten, auch Israelis. Monsignore Rouf Nattar, der Apo-
schen Möllemann und den Demokraten in diesem Lande. stolische Delegat, meinte schon vor mehreren Jahren:3
Dazu bedürfe es eines Aufstandes der Demokraten in die- »Er könne nicht verstehen, daß sich Juden über Hitler be-
sem Lande.« klagten, und jetzt selber gegen die Araber härter vorgehen
Hier verwechselt Paul Spiegel die Rollen. Jürgen Möllemann als damals Hitler gegen die Jude.«
stritt für die Demokratie, für das freie Wort, und Paul Spiegel »Der Geist Hitlers nehme satanisch an den israelischen
will es verbieten. Was Paul Spiegel von den Demokratie hält, Massakern gegen Araber teil«, meinte der israelische
zeigte er wieder auf dem Parteitag der CDU am 17.6.2002, Dramatiker Steiner.«4
wo er von der CDU/CSU forderte, mit der FDP keine Koali- Und der 1994 verstorbene israelische Philosoph, Theologe
und Publizist, Jeshajahu Leibowitz, der nach Rudolph Kreis
tion einzugehen, solange Möllemann stellvertretender Vorsit-
»Selbstkritik des Judentums auf höchstem Niveau« betrieb,
zender der FDP sei. schrieb:5
Nun könnte man ja zur Tagesordnung übergehen, wenn man »Wenn die Nation (in der Sprache der Nazis „die Rasse“)
weiß, daß der Zentralratsvorsitzende Spiegel verbal schneller und die nationale Staatsgewalt zu obersten Werten erhoben
schießt, als er denkt. Als die Düsseldorfer Synagoge einem werden, dann gibt es kein Halten mehr für die Taten der
Brandanschlag ausgesetzt war, schrie er auch in gekünstelter Menschen. Und genau diese Mentalität gibt es auch mitten
Empörung, bevor eine polizeiliche Ermittlung mit dem Fall unter uns. Wir verhalten uns schon so in den von uns be-
überhaupt begonnen hatte, und er wissen konnte, wer die Tä- setzten Gebieten, der West-Bank, dem Gazastreifen und im
ter wirklich waren: Libanon, wie sich die Nazis in den von ihnen besetzten Ge-
»Nun hätten die Neonazis das letzte Tabu gebrochen, jetzt bieten […] verhalten haben.«
zünden sie sogar Synagogen an.« Später wurde er noch genauer, er brachte es in einer Zeit-
Sogar der Bundeskanzler, eingeschüchtert vom Zentralrat, schrift, die für echte deutsch-jüdische Versöhnung eintrat,
auf den Punkt:6
»Die Zionisten sind nicht wie Nazis, sie sind Na-
zis.«
Was Jamal Karsli über die Macht der israelischen
Lobby sagte, bestätigen ihm amerikanische und nor-
wegische Journalisten:7
»Die Israelis können sich das erlauben [UNO-
Beschlüsse abzulehnen], weil sie wissen, daß sie in
den USA eine mächtige, gutorganisierte jüdische
Lobby haben (Richard Murphy), Nahostspezialisten
wissen, daß in der Regierung Bush Juden die Spit-
zen in der Administration einnehmen, so Paul Wol-
fowitz, Richard Perle und Douglas Feith, um nur
einige zu nennen.«
Dann sagte Möllemann noch, daß auch er mit der
Waffe in der Hand, gegen Besatzer um die Freiheit

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 329
kämpfen würde. Nicht wie kolportiert wird, daß er die Botschaft in London reagierte unmittelbar mit einem hefti-
Selbstmordattentate gutheiße. Daß die Palästinenser einen gen Protest. Auch die offizielle Stellungnahme aus Israel
Freiheitskampf führen, bezeugen u.a. die israelische Rechts- war nicht ohne Heftigkeit. Dies würde bedeuten (meinte die
anwältin Felicia Langer und der Staatssekretär Raymond Jo- Botschaft), den Terror zu rechtfertigen. […]«
hansen vom norwegischen Außenministerium, um nur zwei Frau Blair wollte diese tragischen Handlungen nicht rechtfer-
bedeutende Persönlichkeiten zu nennen. tigen. »Verstehen heißt nicht verzeihen« (to understand is not
Was war eigentlich daran auszusetzen, daß Jürgen Mölle- to condone), sagte sie einige Tage später im Fernsehen.
mann Sharons Politik hart und unverblümt attackierte und Arthur Green, Philip Lown Professor an der Jewish Brandeis
Sympathie für das geschundene palästinensische Volk zeig- Universität, meinte:11
te? Auch der Abgeordnete Karl Lamers (CDU) meinte, daß »Endlose Verzögerungen an den Kontrollpunkten, Nieder-
die Strategie Sharons den Terrorismus fördere (auch die At- reißen von Häusern, Herausreißen der (Öl)bäume, Verach-
tentate der Selbstmörder). Und Ex-Bundesarbeitsminister tung der alten Leute, und vieles andere war das tägliche
Blüm, der einmal sagte, spart bitte woanders, aber nicht bei Schicksal der Palästinenser im Laufe von 35 Jahren. Diese
den Juden (Spiegel), erklärte in einem Interview mit dem dauernden Erniedrigungen sind die unmittelbare Ursache
Stern:8 für die Wut der Selbstmordbomber, die meistens aus ehr-
»Ich kann in den Aktionen der israelischen Militärs keinen baren, von arabischer Kultur geprägten Dörfern kommen.«
Abwehrkampf gegen den Terrorismus sehen, sondern nur Ted Turner, CNN-Gründer und stellvertretender AOL-
einen hemmungslosen Vernichtungskrieg.« Aufsichtsratsvorsitzender, ist auch überzeugt, daß die palä-
Weiter sagte Blüm dem Blatt zufolge, der Vorwurf des Anti- stinensischen Selbstmordattentate die Folge der brutalen is-
semitismus werde »auch als Knüppel benutzt, um jeden Hin- raelischen Militär-Aggressionen sind.12
weis auf die Mißachtung der Menschenrechte in Israel tot- Da die Israelis mit den Selbstmordattentätern nicht fertig
zumachen«. werden, meinte nun Nathan Lewin, einer der bekanntesten
In der Times las ich auf der Titelseite mit großen Buchsta- Anwälte der USA, Professor an der George Washington
ben:9 School of Law, die Israelis hätten das Recht, die Angehöri-
»Cherie Blairs Selbsmordbomber-Dummheit. Die Frau des gen der Selbstmordattentäter zu exekutieren. »Wenn das Le-
Premierministers und Außenminister Jack Straw zeigen zur ben Unschuldiger gerettet werden könne, sei die Hinrichtung
gleichen Zeit Mitgefühl mit den jungen Bombenwerfern, als der Angehörigen legitim«, meinte dieser jüdische Gelehrte.13
19 Israelis in die Luft flogen. […] Was sie sagten: Solange Auch viele Israelis stimmen den oben Zitierten zu. Soweit ich
diese jungen Leute das Gefühl haben, ohne Hoffnung leben weiß, hat Hitler die Angehörigen der Attentäter vom 20. Juli
zu müssen, sprengen sie sich selber in die Luft (Cherie in Sippenhaft genommen. Aber er hat sie nicht hingerichtet.
Blair). Wenn junge Leute sich umbringen, können wir für Man kann doch die Deutschen nicht einfach als Antisemiten
diese jungen Leute nur ein tiefes Mitleid haben. Sie müssen und Volksverhetzer anprangern (Blüm), weil sie die Men-
an einer furchtbaren Depression leiden, weil sie sich zu schenrechtsverletzungen der Israelis mit Recht verurteilen?
solchen Handlungen verführen lassen (Jack Straw). Diese künstliche Erregung des Zentralrats der Juden in
Der Schatten-Außenminister Michael Ancram empfand Deutschland hängt wohl damit zusammen, daß man sich dort
diese Äußerungen als eine tiefe Beleidigung der Familien betroffen fühlt, weil die Verbrechen der israelischen Regie-
der Opfer. Es gibt keine noch so erklärbare Berechtigung rung gutgeheißen werden. Wer schweigt, stimmt zu! Ich habe
für diese Verbrechen der Terroristen; besonders von dieser vom Zentralrat nie kritische Äußerungen über die Greueltaten
Art, wie wir dies heute wieder in Israel gesehen haben. der Israelis gehört. Er ist das Sprachrohr der israelischen Re-
Der israelische Botschafter gab eine scharfe Erklärung ab: gierung. Dies bestätigte auch Uri Averny, Chefredakteur des
Keine politischen Sorgen oder Umstände können jemals Nachrichten-Magazins Ha’alom Ha-ze, ehemaliger Abgeord-
diese vorsätzliche auf Menschen gerichtete Attentate für neter des israelischen Parlaments, kürzlich in einem Inter-
politische Zwecke rechtfertigen. view mit der Jungen Freiheit:14
Das (brit.) Außenministerium gab folgende Stellungnahme »Der Zentralrat der Juden in Deutschland ist leider eine
ab: Sollten diese Äußerungen jemand gekränkt haben, Filiale der israelischen Botschaft in Berlin.«
dann bedauern wir dies.« Alexander Brenner, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde
In der deutschen Presse gab es über die hier aus der Times zi- zu Berlin, nannte ihn und den Dirigenten Daniel Barenboim
tierten Äußerungen keine wochenlangen Aufschreie, wie dies Nestbeschmutzer. Evelyn Hecht-Galinski, die Tochter des
bei der Äußerung Jürgen Möllemanns der Fall war. Weder in verstorbenen Zentralratsvorsitzenden Heinz Galinski, schloß
der Süddeutschen Zeitung, noch im Münchner Merkur, noch sich auch dieser „Nestbeschmutzung“ in einem Leserbrief in
im Berliner Tageblatt, noch in der Frankfurter Allgemeinen, der Süddeutschen Zeitung (21.6.02), an:
natürlich auch nicht in der Israel verbundenen Welt. »Solange sich der Zentralrat als diplomatische Vertretung
Ausländische Kritik an den Greueltaten der Israelis soll na- Israels aufführt, ist wohl jegliche Objektivität zu vermis-
türlich verheimlicht werden. Man will sie den Bürgern in der sen.«
BRD vorenthalten, sonst könnten sie auf den Gedanken Dies kann man auch von den israelitischen Kultusgemeinden
kommen, an Israel keine Tribute mehr zu entrichten. sagen. Johann Hatz, Präsident des Wiener Landtages, Sozial-
Aber die norwegische Tageszeitung Aftenposten fand es demokrat, hatte die Einladung zu einem Ball einer israeli-
schon nötig, darüber zu berichten (siehe Anhang!); auch im schen Wohltätigkeitsorganisation mit den Worten abgelehnt,
Fettdruck, um nur ein Beispiel aus dem Ausland zu neh- er könne angesichts einer »israelischen Schandregierung«
men:10 und ihres »Staatsterroristen Sharon« beim besten Willen
»Die Frau des britischen Premierministers säte mit ihrer nicht zum Feiern kommen. Der Präsident der Israelitischen
Äußerung über die palästinensischen Selbstmordbomber Kultusgemeinde, Ariel Muzikant, drohte mit einer Anzeige
politischen und diplomatischen Sturm. […] Die israelische wegen »nationalsozialistischer Wiederbetätigung«, wenn er

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seine Äußerung nicht zurücknähme. So leicht wird man nicht Volk erhalten und zu einer freiheitlichen Volksgemein-
nur ein Antisemit, sogar auch ein Neonazi! schaft führen wollen. In Ihrer Begriffswelt sind sie [die
Der Oberrabbiner von Wien, Moishe Arye Friedman, dürfte deutschen Patrioten] Diener des Bösen. So – und nicht an-
dem Ariel Muzikant nicht zugestimmt haben. In einem Ge- ders – beschreiben Sie die heutigen „Nazis“. Sie wissen
spräch mit dem National-Zeitungs-Herausgeber Dr. Gerhard natürlich, daß eine servile Presse ihren Bannfluch vielfältig
Frey sagte er:15 aufgreift und zu einem sinnesbetäubenden Echo verstärkt.
»Was heute als Antisemitismus bezeichnet wird, kommt in Das muß für die Juden in Deutschland schlimme Folgen ha-
Wahrheit von den Zionisten[…] Die Zionisten sollten sich ben, denn diese werden dadurch von den Deutschen, die es
mit ihren eigenen Verbrechen befassen.« noch sein wollen, als Feinde wahrgenommen.«18
Daher schoß sich auch der Zentralratsvize, Michel Friedman, Hier wäre bei den Zentralratsjuden weniger Pathos, weniger
der „Fernsehkasperl“,16 der sich als die höchste moralische Entrüstung angebracht. Warum müssen diese Herren gleich
Oberinstanz, sozusagen als Censor Germaniae in der BRD die große Keule schwingen? Die wetzt sich doch ab. Der
betrachtet, auf Jürgen Möllemann ein. In gemimter Empö- Unmut Möllemanns richtete sich doch nicht gegen die Juden,
rung griff auch er zur Auschwitzkeule und schimpfte Mölle- sondern vor allem gegen den arroganten Friedman.
mann einen Antisemiten. Wohl wissend, daß das Stigma An- Daß Friedman nicht nur arrogant, sondern auch gehässig ist
tisemit in der BRD, wie schon Markwort erwähnt, das Ende und einer Schelte bedarf, zeigte die Art, wie dieser „Polit-
jeglicher respektablen politischen Karriere bedeuten kann. christ“, dem die Erlöserkirche in München kürzlich die Kan-
»In solchen Momenten lehnt sich in Deutschland die ganze zel zur Verfügung stellte, das Heiligste der christlichen Reli-
Öffentlichkeit über den Brustkorb des Delinquenten, um in gion, das Kreuz, verächtlich in den Schmutz zog:19
den Atemzügen nach verdächtigen antisemitischen Ne- »Jesus, ein Menschenopfer – kann eine solche Religion mit
bengeräuschen zu horchen« (Der Spiegel). einem solchen Symbol verbunden sein wollen? In der jüdi-
So wurde der Streit zwischen Jürgen Möllemann und Friedman schen Religion darf es keine Menschenopfer geben, denn
zur Zufriedenheit des Zentralrats in der BRD zu einer „Anti- das höchste Gut ist der Mensch selbst, […] Eine Religion,
semitismusdebatte“ in allen Medien wochenlang hochstilisiert. die aus einem Gewaltakt ihre Identität bezieht, muß sich
Mit Recht fühlte Jürgen Möllemann sich daher beleidigt: fragen lassen, welches Menschenbild sie prägt.«
»Ich fürchte, dass kaum jemand den Antisemiten, die es in Er forderte dann noch: »Holt Jesus vom Kreuz.« Friedman
Deutschland leider gibt, mehr Zulauf verschafft als Herr wäre zu empfehlen gewesen, die Evangelien zu lesen, bevor
Sharon und in Deutschland Herr Friedman mit seiner into- er der CDU; dann hätte er nicht so blöde dahergeredet. Es
leranten und gehässigen Art.« war doch der jüdische Pöbel, aufgehetzt vom jüdischen Ho-
Deswegen also wurde Jürgen Möllemann als Antisemit be- hepriester Kaiphas, der damals diesen »Gewaltakt« von Pon-
zeichnet! Dazu äußerte sich Professor Dr. Fritz Süllwold in tius Pilatus forderte, Jesus zu kreuzigen, weil er sich weiger-
der FAZ:17 te, die jüdische Lehre anzuerkennen.
»Laut Pressemitteilung hat er aber nur eine Art Hypothese Weiß denn der Jude Friedman nicht, daß es die jüdische Re-
geäußert[…] Eine solche Aussage, die sich nicht auf Juden ligion ist, die aus einem Gewaltakt, aus einem Massaker an
insgesamt bezieht, sondern nur auf konkrete Verhaltens- ganz unschuldigen Kindern, ihre Identität bezieht und dies
weisen zweier namentlich genannter Personen ist ein Pro- dazu noch jährlich groß feiert?
blem der empirischen Sozialwissenschaften. Dementspre- »Denn ich will in der selben Nacht durch Ägyptenland ge-
chend muß überprüft werden, ob der von Möllemann ver- hen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter
mutete spezielle Kausalzusammenhang wirklich existiert. Mensch und Vieh.« (2 Mose 12)
[…] Aus der durchaus begründeten persönlichen Ausein- Bei dem von Paul Spiegel angeordneten „Aufstand der De-
andersetzung zwischen einem Nichtjuden und einer Person mokraten“ (wo nur 300 teilnahmen), führte Frau Susanne
jüdischer Herkunft kann nicht auf eine grundsätzliche und Thaler, Mitglied der jüdischen Gemeinde in Berlin und Dah-
generalisierte Judenfeindschaft des Nichtjuden geschlossen lemer FDP-Ortsverbandsvorsitzende, ein unglaublich phanta-
werden. Eine solche Schlußfolgerung wäre sachlogisch stisches Argument gegen die FDP ins Feld: Sie werde die
unhaltbar und nicht die Argumentationsweise intelligenter FDP verlassen, Möllemann bedrohe sie. Das Projekt 18 ste-
Menschen.« he, meinte sie, für den ersten und den achten Buchstaben des
Hat sich nicht auch die kürzlich verstorbene Grande Dame Alphabets, für A und H, für Adolf Hitler.
der deutschen Publizistik, Marion Gräfin Dönhoff,
die Mitbegründerin der liberalen Wochenzeitung Die
Zeit, ähnlich geäußert? Sie meinte, Daniel Goldhagen
fördere mit seinem Geschichtsbuch Hitlers willige
Vollstrecker den Antisemitismus. Goldhagen schrieb,
daß die Deutschen schon von Geburt her ein Volk
von Mördern und Folterknechten seien.
Da Rudolf Augstein einmal glaubte, daß die massive
Einwanderung russischer Juden in die BRD den Anti-
semitismus fördern könnte, wurde auch er von Heinz
Galinski als Antisemit beschimpft.
»Als einer der bekanntesten Repräsentanten der
Judenheit in Deutschland [Friedman] schüren Sie
Feindschaft zwischen dem deutschen Volk und den
Juden, indem Sie mit Ihrem Wirken in der Öffent-
lichkeit Haß gegen jene predigen, die das deutsche

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Diese Warnung Möllemanns an den Zentralrat der Juden, daß Privilegien unbegrenzter Einreise von Juden aus den GUS-
Juden wie Sharon und Friedman zum Antisemitismus beitra- Staaten] die Keimzelle eines neuen Antisemitismus bilden
gen könnten, ist doch nicht von der Hand zu weisen, dies ist könnte.«
doch nichts Einzigartiges in der deutschen Geschichte. Lud- Daher meine auch ich, sollen gewisse Juden nicht so vorlaut
wig Thoma warnte die Juden in Deutschland in den zwanzi- sein, sondern mehr in sich gehen.
ger Jahren und der Ex-Reichskanzler Brüning 1937 die Zio- Außerdem wurde Jürgen Möllemann zum Vorwurf gemacht,
nisten in Amerika. Ludwig Thoma lebte mit einer Jüdin zu- einseitige Kritik gegenüber Israel ausgeübt zu haben. Wenn
sammen, so daß man ihn nicht in die antisemitische Ecke jemand einseitig gegenüber Israel ist, dann sind es die Damen
stellen kann, wie es mit Jürgen Möllemann versucht wurde. und Herren vom Zentralrat, die Sprachrohre Sharons. Vor ei-
Sicherlich auch nicht Ex-Reichskanzler Brüning:20 niger Zeit fand in Frankfurt vor der Paulskirche eine prois-
»Wer mit Bedauern oder, wenn er selbst Jude ist, mit Sorge raelische Demonstration statt. Auf mitgeführten Transparen-
das Anwachsen der antisemitischen Stimmung gerade in ten konnte man lesen: »Sharon, go on, don’t stop!« (Weiter
der akademischen Jugend, der Zukunft Deutschlands, sieht, so, Sharon, nicht aufhören). Und der Zentralratsvorsitzende
der lege sich Rechenschaft ab über die große Schuld, wel- belehrte uns:
che die jüdische Presse an dieser Erscheinung trifft. Das »Terror ist Mord. In Israel ist Terror eine bekannte Größe
[jüdische] „Berliner Tageblatt“ züchtet an einem Tag mehr und nicht erst seit der Intifada.«
Antisemitismus als die Hakenkreuze an jeder Straßenecke.« Das Vorgehen Israels sei nur die Folge des Terrors der palä-
Wenn die Zionisten in Amerika gegen das nationalsozialisti- stinensischen Selbsmordattentäter. Diese seien die Ursache,
sche Regime so weiter hetzten und verleumdeten, »sehe ich Israel verteidige sich nur. Man dürfe Ursache und Folgen
in diesem Falle das größte Unglück für das Judentum in der nicht verwechseln.
ganzen Welt voraus.«21 Kein Wort über den brutalen Terror der israelischen Regie-
Diese Warnungen wurden in den Wind geschlagen – und so rung. In unglaublicher Weise verdrehte dieser Herr Spiegel
kam es, wie es kommen mußte. Statt die Warnung Mölle- Ursache und Folgen. Gegenüber uns Deutschen konnte er
manns ernst zu nehmen, schlug man ihn mit der Antisemitis- einfach behaupten, daß die Palästinenser die Terroristen, die
mus-Keule und brachte ihn zu Fall. Mörder seien, und die Israelis die armen, unschuldigen Op-
Daß Juden Deutschland dauernd durch ihre aggressive, arro- fer.
gante Sprache als das »Land der Judenmörder« bezeichnen, Bei der Demonstration »Gegen Terror und Antisemitismus«
hat zur heutigen Entfremdung geführt (man mag es auch An- auf dem Odeonsplatz in München konnte Frau Knobloch sich
tisemitismus nennen), was auch Ignatz Bubis am Ende seines nicht genugtun, die Grausamkeiten des palästinensischen
Lebens zugeben mußte. Dazu trägt auch der Zentralratsvize Terrors hervorzuheben. Auf die Ursachen dieses Terrors ist
Friedman mit Worten wie den folgenden bei:22 sie nicht eingegangen, und den Terror des israelischen Regi-
»Versöhnung ist ein absolut sinnloser Begriff. […] Die Er- mes hat sie überhaupt nicht erwähnt. Jerzy Montag, der jüdi-
ben des judenmordenden Staates bieten den Opfern und sche Landesvorsitzende der Grünen, der sich erlaubte, auf die
Nachkommen der Opfer Versöhnung an und sind erbittert, völkerrechtswidrigen Methoden der israelischen Besat-
wenn dieses Wort zurückgewiesen wird. Es kommt ihnen in zungsmacht hinzuweisen, »erntete wütende Buhrufe«
Wirklichkeit gar nichts anderes zu, als die schwere, histo- (Münchner Merkur).
rische Verantwortung auf sich zu nehmen, für immer.«. Hier wurde die ganze Demonstration (von rund 500 Zu-
Diese Deutschenhetze von einem führenden Juden in der schauern, nicht 2000, wie die Veranstalter selber angeben)
BRD kann nur im Antisemitismus enden! gegen einen nicht existenten Antisemitismus mißbraucht.
Der Soziologie-Professor Alphons Silbermann stellte fest:23 Da sollen sich die Israelis ein Beispiel an der Regierung in
»Überhaupt sollte nicht übersehen werden, daß die von Sri Lanka nehmen. Die Tamilen lagen an der Spitze mit
den Juden erfahrenen Leiden, ob physischer, existentieller Selbstmordattentaten (168 gegenüber 105 palästinensischen).
oder geistiger Art, oft einem Eigenverschulden entspran- Die neue Regierung in Colombo hatte den Mut zu sagen, daß
gen.« die LTTE keine Terroristen, sondern primär Freiheitskämpfer
Auch die Jüdin Frau Jelena Bonner, die Witwe des jüdischen sind, und hob das Verbot dieser Organisation auf, verhandel-
Dissidenten Sacharow, sagte, »die Juden sind es selber, die te mit ihnen und schloß am 22.2.2002 einen Waffenstillstand,
den Antisemitismus verdichten.«24 Vor einiger Zeit schrieb der bis heute gehalten hat.25 Die israelische Regierung hat
Rabbi Chaim Naphtalin, Oberhaupt der israelischen Gemein- nicht den Mut (wahrscheinlich gar nicht die Lust), mit den
de in Konstanz: Palästinensern zu verhandeln, um einen Frieden zu schließen.
»Ich habe die brennende Sorge, daß sich damit [jüdische Wer wagt schon, Spiegel zu widersprechen? Wer dies tut, ist
unweigerlich, wie wir gesehen haben, ein Antisemit, ein
Ewiggestriger. Franziska Augstein schrieb in der Süddeut-
schen, daß wir Deutschen kein Recht haben, Israel zu kritisie-
ren, und auch kein Recht, israelisch-kritische Juden zu zitieren.
Das Zentralratsmitglied der Juden, Salomon Korn, meinte
auch, so in der Frankfurter Allgemeinen: Deutsche seien zu
Kritik an Israel weniger berechtigt, weil diese wegen der in
der jüngeren deutschen Geschichte an Juden begangene
Greueltaten zu einer Umkehr des »moralischen Gefälles«
zwischen Juden und Nichtjuden führe und dies in den Untie-
fen des Antisemitismus enden müsse.
Dies war wieder die „Auschwitzkeule“, die immer ge-
schwungen wird, wenn Juden die wirklichen Argumente feh-

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len und wenn Deutsche meinen, daß Juden auch Täter und Vertrag von 1916 teilten Briten und Franzosen das zu erwar-
Verbrecher sein können und nicht nur Opfer. Somit sollen tende türkische Erbe unter sich auf. Daher die heutigen un-
nach Korn auch die Enkel des „Tätervolkes“ die Juden scho- lösbaren Probleme.
nen. Ihnen soll bewußt bleiben, daß sie immer noch im „Land Die Zionisten in Amerika – vor allem die Gazetten und die
der Judenmörder“ leben. Wegen Auschwitz sind die Deut- Filmgesellschaften, die sich in ihren Händen befanden (Po-
schen die Geisel der Juden; und sollen dies für ewig bleiben! tocki) und heute noch befinden – taten dann alles, damit sich
Sie müssen zu den brutalsten Greueltaten der Israeli nicht nur die USA am Krieg gegen Deutschland beteiligten, und
schweigen, sondern diese Verbrechen auch noch moralisch, Deutschland den Krieg verlöre. Auch aus Deutschland gebür-
militärisch und finanziell unterstützen. »Er vermisse [in der tige Juden nahmen an dieser Hetze teil. So schuf Carl
BRD] die Solidarität mit Israel«, meinte Paul Spiegel. »Der Laemmle, der Besitzer der Filmgesellschaft Universal Pictu-
Holocaust sei die Initialzündung für die Gründung Israels res, so einen Hetzfilm: Ein deutscher Offizier in Belgien,
gewesen. Daher«, meinte er, »müssen die Deutschen die Exi- dargestellt von dem Hochstapler Erich Stroheim (Hochstap-
stenz Israels sicherstellen.« ler, weil er sich das Adelsprädikat „von“ zulegte), riß einer
Heute behaupten die Zentraljuden immer wieder, man dürfe Amme das Kind aus den Armen und warf es auf den Boden.
Israel kritisieren, ohne als Antisemit beschimpft zu werden. Der Frau riß er die Kleider vom Leib und warf sie auf ein
Als vor längerer Zeit einige beherzte Jungsozialisten ver- Bett. Da der Geschlechtsakt durch das Schreien des Kindes
suchten, im Münchner Rathaus durch ihre Ausstellung gestört wurde, stieg er von der Frau herunter, warf das Kind
»Blickpunkt Orient – Alltagsszenen aus Palästina«, ein ande- zum Fenster hinaus und setzte dann den Geschlechtsakt fort.
res Bild über Palästina zu erbringen, lief Frau Knobloch, die Diesen Film sah ich im Soldatenheim in Narvik mit den ent-
Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde und Vor- sprechenden Kommentaren.
standsmitglied des Zentralrats, sofort zum Oberbürgermeister Diese jüdische Hetze in Amerika ergab den Nährboden für
Ude und protestierte. Sie bezeichnete diese Ausstellung als den Antisemitismus nach dem Ersten Weltkrieg in Deutsch-
»antisemitisch« und »zur Volksverhetzung beitragend«, und land. Der Antisemitismus während der Kaiserzeit war unbe-
der feige Demokrat(?) Ude untersagte(!) diese Ausstellung.26 deutend. Adolf Hitler sprang dann auf diese antisemitische
Daß Kritik an Israel antisemitisch sei, bestätigte uns auch der Welle und hatte damit die ersten Erfolge.
israelitische Schriftsteller Ephraim Kishon:27 Die Gefühle der Palästinenser (und übrigens auch die Gefüh-
»Ich bin Jude, nationalistisch, extremistisch, chauvini- le der deutschen patriotischen Juden) spielten für diese Her-
stisch, militaristisch. Und wem das nicht gefällt, der ren Zionisten überhaupt keine Rolle. Da die Briten sich Palä-
braucht meine Bücher nicht zu lesen. […] Wer antiisrae- stina vom Völkerbund als Mandatsgebiet zuteilen ließen, ge-
lisch eingestellt ist, ist ein Antisemit. Das ist der alte zwei- statteten sie Juden die Einwanderung.
tausendjährige Schlüssel.« Der Zionist Asher Ginsburg, ein Zeitgenosse Herzls, der sich
Wir Deutschen leben also in bezug auf Israel, wie seinerzeit unter dem Namen Ahad Haam in Palästina niedergelassen
die DDR-Bürger im Tal der Ahnungslosen. Wir sollen über hatte, schrieb:
die Verbrechen der Israelis in Palästina nichts erfahren. Da- »Natürlich war es weltweit bekannt, daß Palästina zu kei-
her ist eine Aufklärung über die Entstehung Israels und die ner Zeit eine unbewohnte Wüste war. […] Wir neigen dazu
politischen Hintergründe wirklich vonnöten. Daher ein kur- zu glauben, daß Palästina nahezu unbewohnt ist. Das ist in
zer Abriß über die Geschichte Israels:28 Wirklichkeit nicht der Fall. Es ist schwierig, in diesem ara-
»Die britische Regierung war inmitten militärischer Krisen bischen Land Grundbesitz zu finden, der brach liegt. Wir
zu dem Schluß gelangt, daß jüdische Sympathien [vor al- müssen die dortige Bevölkerung mit Respekt behandeln.
lem in den USA] für den Sieg der Alliierten von Bedeutung Aber was tun unsere Brüder in Israel? Genau das Gegen-
seien. Die zionistischen Führer gaben uns das Verspre- teil. Auf Dauer wird diese Behandlung der Araber nur Ra-
chen, sie würden, falls die Alliierten eine Möglichkeit sa- che und Vergeltung nach sich ziehen.«
hen, für die Juden eine nationale Heimstatt in Palästina zu Der Münchner Rabbiner Steven Langnas behauptete dagegen
eröffnen, ihr Bestes tun, um die jüdischen Gefühle in der vor dem renommierten Peutinger-Collegium in München:31
Welt für die alliierte Sache zu wecken.« »Die Israelis haben ein historisches und moralisches Recht
»Mit Wohlwollen«, schrieb der britische Außenminister Bal- auf ihr Land. Für uns ist Israel das versprochene Land.
four dann an Bankier Rothschild, »betrachtet die Regierung Viele Siedlungen liegen an Orten, die eine religiöse Bedeu-
seiner Majestät die Errichtung einer nationalen Heimstätte tung für die Juden haben· [auch für die Christen und Mos-
für das jüdische Volk in Palästina.« lems]. Die jüdischen Einwanderer in das damals unter bri-
Wenig erwähnt wird, daß in der Balfour-Erklärung steht, tischem Mandat stehenden Palästina haben das Land er-
»nichts darf getan werden, was die zivilen und religiösen worben, oft zu hohen Preisen gekauft und nicht besetzt und
Rechte der bestehenden nichtjüdischen Gemeinschaften in gestohlen.«
Palästina beeinträchtigt.«29 Woher nehmt sich dieser Rabbiner das »historische und mo-
Auch Dagens Nyheter bestätigte in einem Artikel die Fest- ralische Recht« auf dieses Land und das Recht, die dort seit
stellung Lloyd Georges:30 zweitausend Jahren wohnenden Einwohner, die Palästinen-
»Zum Durchbruch kam es 1917 [also nicht erst nach Au- ser, einfach zu vertreiben?
schwitz, wie Spiegel meint], als der britische Außenmini- Außerdem verschweigt Rabbiner Langnas seinen Zuhörern,
ster Balfour zum Dank für die militärischen Einsätze der daß die palästinensischen Landarbeiter von diesem Land, das
Zionisten während des Ersten Weltkrieges den Juden ein die Jewish Agency kaufte, vertrieben und ihrem Schicksal
nationale Heimstätte in Palästina versprach.« überlassen wurden und ihr Leben dann kümmerlich fristen
Hier ist es angebracht zu erwähnen, daß die Briten zuerst Pa- mußten.32
lästina den Arabern versprochen haben, damit diese für sie Der verstorbene Judenführer Nahum Goldmann erinnerte die
gegen die Türken kämpften, und schon im Sykes-Picot- Zionisten daran:33

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»Wir dürfen nicht vergessen, daß wir politisch die Aggres- Dann sprengten sie, um nur ein Beispiel zu nennen, das Hotel
soren sind, und die Palästinenser sich verteidigen. Das King David, wo auch das Hauptquartier der Briten unterge-
Land gehört ihnen, denn sie wohnen darin.« bracht war, wobei über 100 Personen umkamen, auch Frauen
Der schon oben zitierte israelische Philosoph und Theologe und Kinder. Ben Gurion drohte den Briten,37 jeden Soldaten,
Jeshajahu Leibowitz schrieb:34 den sie gefangennehmen konnten, aufzuhängen, falls sie
»Der Tanach [Abkürzung für Tora, Propheten und Schrif- nicht Palästina den Juden überlassen würden. Zwei waren be-
ten] gibt keinerlei Basis für die Gründung des heutigen reits umgebracht worden. Auch Nahum Goldmann drohte
Staates Israel ab. Der Staat Israel existiert, weil wir Juden den Briten mit Terror und der Auschwitzkeule, falls sie der
die Existenz dieses Staates wollen, weil wir die nationale Gründung eines israelischen Staates nicht bald zustimmen
und politische Unabhängigkeit des jüdischen Volkes in sei- würden:38
nem Land wollen. Die Gründung des Staates Israel und »Ich habe ihm geschildert [dem britischen Vertreter], in
seine Existenz lassen sich nicht aus dem Tanach ableiten.« welcher Zwangslage er sich befände, wenn sich der Terro-
Der oben schon zitierte Wiener Oberrabbiner sagte im Ge- rismus in Israel ausbreiten würde. Aber für Sie wäre es
spräch mit Dr. Frey:35 schlimmer. Wenn Begin und seine Freunde der Irgun die
»Der ganze Staat Israel widerspricht dem Gebot Gottes, Macht übernehmen, werden Moshe Sharett, Weizmann und
der uns befohlen hat, auf keinen Fall nach Israel zu gehen ich zurücktreten. Aber dennoch wird der Terror herrschen:
und sicher nicht mit Macht und Waffengewalt. […] Juden werden Engländer umbringen […] und Engländer
Die Gründung Israels beruht nicht auf Logik. Sie hat keine Juden, zwei Jahre nach Auschwitz.«
normale Legitimation. Da ist weder in ihrer Gründung Die Briten gaben dem Terror nach, entzogen sich ihrer Ver-
noch in ihrem gegenwärtigen Ausmaß irgendeine ersichtli- antwortung und setzten, um ihr Gesicht zu wahren, die Peel-
che Gerechtigkeit zu sehen – obgleich eine äußere Not und Kommission ein. Diese stellte lapidar fest, was schon früher
eine wunderbare Erfüllung vorgelegen haben mögen.« bekannt war, nämlich daß die Balfour-Deklaration völker-
David Ben Gurion, der erste israelische Ministerpräsident, rechtswidrig und auch mit dem Selbstbestimmungsrecht der
gab in einem Gespräch mit Nahum Goldmann, dem Vorsit- UNO unvereinbar war. Somit überließen die Briten ihr Man-
zenden des World Jewish Congress, zu, daß die Israelis das dat der UNO.
Land gestohlen haben:36 Die jüdischen Terrorbanden Stern und Irgun begannen nun
»Wieso sollten die Araber Frieden schließen? Wenn ich ein die Palästinenser mit Massakern zu terrorisieren, um sie zu
arabischer Führer wäre, ich würde nie ein solches Ab- vertreiben. Um nur eines der bekanntesten Beispiele zu neh-
kommen mit Israel unterzeichnen. Das ist doch ganz nor- men, überfielen jüdische Terroristen der Gruppe Lechi und
mal: wir haben ihr Land genommen. Sicher, Gott hat es Irgun eines der bekanntesten, am 9.4.1948 das Dorf Deir
uns versprochen, aber wie kann sie das interessieren? Un- Yassin und metzelten an die 300 Einwohner nieder, auch
ser Gott ist nicht der ihre. Wir stammen zwar aus Israel, Frauen und Kinder. Der Irgun-Anführer Benzion Cohen gab
das stimmt, aber das war vor zweitausend Jahren. Inwie- zu, daß sie vorher ausgemacht hatten, alle, die Widerstand
fern betrifft sie das? Es gab den „Antisemitismus“, die Na- leisteten – was heißt bei Israelis schon Widerstand? – zu tö-
zis, Hitler und Auschwitz, aber war das ihre Schuld? Sie ten, ganz gleich ob es alte Menschen oder Frauen und Kinder
sehen nur eins: wir sind gekommen und haben ihr Land waren.39
geraubt.« Die UNO beschloß – wider das Völkerrecht (so Prof. Dr.
Daher kam es schon 1929 zum Aufstand gegen die Briten Hans Köchler, Innsbruck) – eine Teilung Palästinas, ohne mit
und die Juden, der brutal niedergeschlagen wurde. Ein weite- den Einwohnern zu verhandeln oder abstimmen zu lassen. Im
rer Aufstand dauerte von 1936 bis 1939. Erst 1939 untersag- Mai 1948 erklärten sich die Zionisten zu den Herren Palästi-
ten die Briten aufgrund des Krieges den Landverkauf und nas, ohne sich vorher mit den Palästinensern über Grenzen
begrenzten die Einwanderung von Juden, und hielten diese und andere Probleme abgesprochen zu haben. Obwohl 1947
Politik auch noch nach dem Kriege aufrecht. Damit waren in Palästina 1,2 Millionen Palästinenser wohnten, aber nur
die Zionisten nicht zufrieden und begannen, die Briten zu ter- 630 000 Juden, erhielten die Juden den größten Teil des Lan-
rorisieren und aus Palästina hinauszubomben. Mitglieder der des. Vier Fünftel des Landes rissen sie an sich und nach dem
Stern-Bande ermordeten den britischen Gouverneur im Na- Sechstagekrieg alles. Beim Krieg nach der Staatsgründung
hen Osten, Lord Moyne, zusammen mit seinem Chauffeur. wurden fast eine Million Palästinenser in einer groß ange-
legten ethnischen Säuberung vertrieben. »418 Städte
und Dörfer wurden dem Erdboden gleich gemacht.«40
Die israelische Regierung behauptete immer wieder,
sie wolle diese Gebiete nur verwalten und nach einem
Friedensvertrag, den sie immer wieder hinausgescho-
ben hat, wieder verlassen.
Zu Nahum Goldmann, der mit den Arabern vor der
Staatsgründung verhandeln wollte, sagte Ben Gurion:41
»Aber bei den Arabern, diesen Barbaren, nützen al-
le deine Talente [Verhandlungseigenschaften] gar
nichts. […] Sie verstehen nur die harte Tour, und
diese eiserne Faust habe eben ich, nicht du.«
Diese »eiserne Faust« löste, wie wir wissen, das Pro-
blem bis heute nicht. Die UNO sandte damals den
schwedischen Grafen Folke Bernadotte, der am Ende
des Krieges Tausenden von Juden in den Konzentra-

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tionslagern Bergen-Belsen und Neuengamme das Leben ret- Auf einer Veranstaltung des Deutsch-Palästinensischen
tete, nach Israel, um zu schlichten. Er wurde von israelischen Freundschaftskreises in Düsseldorf erzählte Frau Langer in
Staatsterroristen ermordet. Nach diesen Mördern hat man ihrem Vortrag am 24.5.2002 mit erschütterten Worten, daß
nicht einmal gefahndet, und diese laufen heute noch frei her- Sharon aus dem Blut der Selbstmordattentäter politisches
um und brüsten sich im israelischen Fernsehen ihrer feigen Kapital schlage. »Aber warum sind Menschen bereit zu ster-
Tat. Sie wurden nicht nach Schweden ausgeliefert. Der ben? Woher kommt diese neue Beziehung zum Tod?« Sharon
schwedischen Kriminalpolizei verweigerte man die Einreise. sei es gelungen, eine neue Generation von Selbstmordatten-
Aber von Arafat fordert Sharon, die Mörder des rassistischen tätern heranzuzüchten. Sharon habe sich zum Ziel gesetzt die
Ministers Seevi an die Israelis auszuliefern. Einer der Mörder „Infrastruktur des Terrors“ zu bekämpfen, zerstöre aber die
von Graf Bernadotte war Shamir.42 Er wurde dann noch mit „Infrastruktur des Lebens“.48
Kenntnis der Wähler zum Ministerpräsidenten gewählt, wie Niemand in der Welt kümmerte sich um diese armen, vertrie-
Begin, der Schlächter von Deir Yassin. benen Flüchtlinge. Die Welt schaut ungerührt zu – wie auch
»Israel wollte in der Vergangenheit keinen Frieden, und damals bei der Vertreibung der Deutschen. Die vielen UNO-
will auch heute keinen Frieden, sondern ist allein an der Resolutionen, Israel möge die „Westbank“ räumen und den
Aufrechterhaltung der Herrschaft über die besetzten Ge- Flüchtlingen die Rückkehr ermöglichen, wurden überhaupt
biete interessiert.«43 nicht beachtet, im Gegenteil. Shamir verhöhnte die UNO, in-
Ben-Zion Dinur, Israels erster Erziehungsminister, ein dem er sagte, diese Resolutionen würden in den Archiven
furchtbarer Rassist, schrieb 1954 in der Einleitung zu seinem verstauben wie alle früheren.49
Buch History of Haganah: Obwohl US-Präsident George W. Bush Sharon mehrmals
»In unserem Land gibt es nur Platz für Juden. Wir sollten aufgefordert hat, seine Truppen unverzüglich aus den palästi-
den Arabern sagen: Haut ab von hier. Und wenn sie dem nensischen Autonomiegebieten zurückzuziehen, setzte Sha-
Aufruf nicht folgen und Widerstand leisten, werden wir sie ron seine militärische Aggression ostentativ fort, womit er
mit Gewalt hinaustreiben.« den Präsidenten bloßstellte, zum Hilfssheriff degradierte. Er
Ist dies nicht die Sprache des Stürmers? erlaubte sich auch, die UNO zu verhöhnen, indem er einer
Dies ist der Dank dafür, daß islamische Länder seinerzeit die UNO-Kommission die Erlaubnis verweigerte, die Angaben
von der katholischen Regierung in Spanien verjagten Juden von Massaker in der Flüchtlings-Stadt Dschenin zu überprü-
aufgenommen haben. fen.
»Wir kamen und haben die dort ansässigen Araber in elen- Warum ist Israel der einzige Staat, der – von der Völkerge-
dige Flüchtlinge verwandelt. Und trotzdem wagen wir meinschaft ungestraft – so gut wie alle ihn betreffenden Re-
noch, sie zu verleumden und ihren Namen mit Schmutz zu solutionen der UNO ignorieren darf, während andere Staaten
bewerfen. Statt zutiefst beschämt zu sein, über das, was wir zu deren Durchsetzung mit Krieg überzogen werden?
getan haben und einen kleinen Teil von dem, was wir ver- So hat man dem Irak angeblich deshalb den Krieg erklärt,
brochen haben, wieder gut zu machen, rechtfertigen wir weil Saddam Hussein sich weigerte, der UNO-Resolution
unsere scheußlichen Handlungen und versuchen sogar nachzukommen, Kuwait zu räumen. Und weil er sich weiger-
noch, dieses Verbrechen zu glorifizieren.«44 te, sein Land von einer UNO-Kommission weiter kontrollie-
Im Mai 1967 zählte die UNRWA (eine Organisation der ren zu lassen, wurde der Irak weiter bombardiert, bekriegt
UNO) 1.345.000 Flüchtlinge in den Lagern; heute sind es so- und besetzt.
gar über 3 Millionen. Sie vegetieren in Zelten, Blechhütten Warum also verfährt man nicht ebenso mit Israel? Ganz ein-
und Baracken gleich Gettos und hoffen, in ihre Heimat zu- fach, weil die Israelis auf die Außenpolitik der USA großen
rückkehren zu dürfen. Einfluß haben. Ganz einfach, weil die Israelis auf die Außen-
Zwanzig Jahre später45 politik der USA großen Einfluß haben.
»Der Gaza-Streifen ist tatsächlich ein Vorhof zur Hölle »Mitglieder des Kongresses, ob Demokraten oder Republi-
und eine Brutstätte der Verzweiflung. 600.000 Araber le- kaner, sind zum erheblichen Teil von jüdischen Verbänden
ben zusammengepfercht in einem Terrain von 50 Kilometer für Wahlkampfspenden und andere Dienste abhängig und
Länge und 8 Kilometer Breite. In bezug auf die Bevölke- können somit auf die Politik in Israel nicht einwirken.«50
rungsdichte steht der Gaza-Streifen an erster Stelle, wirt- »Laß mich eines ganz klar machen. Über amerikanischen
schaftlich ist er indes Anwärter auf den Elends-Rekord. Als Druck brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Wir, die
jüdische Heimstätte ist Israel weiterhin erfolgreich, als Be- Juden, kontrollieren Amerika, und die Amerikaner wissen
satzungsmacht erntet es keine Lorbeeren.« das.«51
In Ain el Hilweh bei Sidon leben heute 40.000 Vertriebene in Wie wäre es sonst zu verstehen, daß Sharon sich weigern
Schmutz und größter Armut. Der Gazastreifen ist ein über- konnte, der Aufforderung von Präsident Bush Folge zu lei-
fülltes Gefängnis mit Meeresblick, das die dort lebenden In- sten?
sassen nur mit Genehmigung Israels verlassen dürfen.46 Frau Maischberger sagte in einem Interview mit Burkhard
Die israelische Rechtanwältin Frau Felicia Langer, eine aus Hirsch u.a., daß Karslis Äußerungen, die jüdische Lobby be-
Polen stammende Jüdin, Trägerin des alternativen Friedens- stimme die Politik in den USA, »klar ein antisemitischer To-
nobelpreises Right Livlihood Award schrieb:47 pos«, daher »unerträglich sei«.52
»Krankenhäuser wurden konfisziert und in Gefängnisse Sind die oben zitierten Personen Richard Murphy, der Re-
verwandelt, Tausende von Häusern niedergewalzt oder in dakteur der Aftenposten, und Professor Levan auch Antisemi-
die Luft gesprengt. Die Zahl derer, die den Schüssen zum ten? Darf man heute in der BRD nicht mehr sagen, was man
Opfer fallen, wächst und wächst. Ja, sie haben sogar Men- für die Wahrheit hält und was möglicherweise die Wahrheit
schen lebendig begraben. All dieser Terror ist vergeblich. ist?
Der Aufstand geht weiter. Die Palästinenser haben ihren Juden brauchen den Antisemitismus, »denn dieser dient heu-
Wunsch nach Freiheit nicht aufgegeben.« te ausschließlich dazu, die jüdische Identität zu bewahren.«53

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 335
»Zweierlei Recht sind dem Herrn ein Greuel«, steht schon im dische Bischof von Linköping, Martin Lind, daß die Israelis
Alten Testament (Spr. 20:10 und 23). Zweierlei Recht? Die Rassisten sind.58 Der aus Syrien gebürtige Bundestagsabge-
Israelis als „Gottes Volk“ erlauben es sich, den „Gojim“ ge- ordnete Karsli erhielt von dem israelischen Journalisten
genüber ein Ausnahmerecht anzuwenden und die Araber als Shraga Elan einen Brief, in welchem er ihm mitteilte, er habe
rechtlos zu erklären. Diesen Sachverhalt argumentativ zu be- sich gefreut, daß er die israelischen Nazi-Methoden aufge-
handeln, das wäre das beste Mittel gegen den Antisemitis- griffen habe:
mus. »Auf diesem Hintergrund und nach reichhaltigen Recher-
Die Juden im Warschauer Getto haben, obwohl dies aus- chen und Überlegungen kann ich sagen, daß genügend
sichtslos war, zu den Waffen gegriffen, weil sie keine Hoff- überzeugende Beweise vorliegen, die den Vergleich zwi-
nung für die Zukunft sahen. Sie hatten nichts als „die Ketten“ schen der NS-Judenpolitik und der jetzigen israelischen
zu verlieren, wie sie sich ausdrückten. In dieser Lage befinden Palästinapolitik absolut rechtfertigen.«
sich heute die Palästinenser. Man wird mir zum Vorwurf ma- Zu seiner Verteidigung verbreitete Karsli diesen Brief und
chen, diesen Vergleich auch nur erwogen zu haben. Der spani- bezeichnete ihn als lesenswert. Daraufhin schrieb Guido We-
sche Dichter und Nobel-Preisträger Jose Saramago, der mit ei- sterwelle an Jürgen Möllemann einen Brief:
ner Dichterdelegation Palästina besuchte und Einblick erhielt, »Ein Vergleich mit der Ermordung von 6 Millionen Juden
verglich die Behandlung der Palästinenser durch die Israelis im schlimmsten Abschnitt der deutschen Geschichte ist un-
mit denjenigen der Juden durch die Deutschen in Auschwitz.54 geheuerlich und offenbart eine Geisteshaltung, die in der
So griff also die zweite Generation der Flüchtlinge, da sie liberalen Familie nichts zu suchen hat.«
aufgrund der Teilnahmslosigkeit der Völker der Welt mit Bit- Die Verbreitung dieses Briefes durch Karsli zeige, so We-
ten und Flehen nichts erreichen konnte, zu den Waffen, weil sterwelle, daß dieser hingegen so denke, mag er sich noch so
für sie dieses Leben in Unfreiheit nun einmal nicht lebens- oft aus taktischen Gründen entschuldigen.
wert war. Sie wurden von der israelischen Übermacht brutal Hatte der israelische Journalist Shraga Egan, dessen Brief
niedergeschlagen, eingekerkert, ermordet oder vertrieben. Karsli als »lesenswert« weitergeleitet hat, Auschwitz im
Ein Journalist fragte damals den israelischen Botschafter in Sinn, als er Vergleiche zwischen der NS-Judenpolitik und der
Washington, Professor Moshe Arens:55 jetzigen israelischen Palästinenserpolitik hergestellt hatte?
»Wohin sollen die Palästinenser gehen, wenn sie niemand Bestimmt nicht! Hier griff auch Westerwelle zur unvermeid-
aufnehmen will?« lichen Auschwitzkeule, um sich beim Zentralrat einzu-
Dieser intellektuelle Volksverhetzer antwortete zynisch: schmeicheln!
»Sie können Massenselbstmord begehen.« Der frühere FDP-Vorsitzende Kinkel sagte, falls Karsli bis
Für diese israelischen Rassisten sind die Palästinenser keine Montag nicht die FDP-Fraktion verlasse, werde der Bundes-
Menschen. Es sind Kakerlaken (Sharon), Schlangen (Obadia vorstand eine Entscheidung fassen, daß Möllemann von sei-
Josef, geistiger Führer der Schas-Partei), tollwütige Hunde nem Amt zurücktreten müsse.59 Das sind die Sprecher einer
(Shamir), Läuse und ein Krebsgeschwür (der ermordete Mi- Partei, die sich liberal und demokratisch nennt! Gewisse Ju-
nister Seevi), zweibeinige Tiere (Begin). den haben in der BRD das Sagen.
»Der zionistische Anspruch, daß sich jeder Mensch jüdi- Obgleich den Palästinensern so viel Unrecht angetan wurde,
scher Abstammung „durch die Stimme des Blutes“ auf be- stimmten sie dem Abkommen von Oslo zu. Sie waren bereit,
sondere Art mit Israel verbinden müsse, ähnle der Hitler- sich mit einem Fünftel ihres ehemaligen Territoriums abzu-
schen Blut- und Bodentheorie, drücke einen Rassismus aus, finden. Aber die israelischen Regierungen hielten sich nicht
„eine Art anthropologischen Mystizismus“, den ich zu ak- daran. Sie räumten nicht die Siedlungen, wie abgemacht, im
zeptieren nicht bereit bin.«56 Gegenteil. Statt Palästina als Staat anzuerkennen, nahmen sie
Rabbiner Menuhin, der Vater des berühmten Geigers, den Palästinensern immer noch mehr Land weg und holten
schrieb:57 rund »eine Million Juden aus der ehemaligen Sowjetunion
»Es wäre nicht so weit gekommen, hätten die Juden im Ju- ins Land, um dieses gestohlene Land weiter zu besiedeln«.60
dentum leben können, statt einem gewalttätigen jüdischen »Seit dem Abkommen von Oslo wuchs die Zahl der Wohnein-
Nationalismus – dem aggressiven politischen Zionismus heiten [in den besetzten Gebieten] um mehr als 50%. Die
unterworfen zu werden.« Zahl der Siedler stieg um 72%«,61 Ostjerusalem gar nicht
In einer Morgenandacht im Fernsehen bestätigte der schwe- eingerechnet.
Seit Oslo wurden 203.000 mehr Juden in neue Sied-
lungen angesiedelt,62 und seit Sharons Machtantritt 34
neue Siedlungsaußenposten geschaffen.63
»Die neue Straße von Tel Aviv in die jüdische Sied-
lung Ariel ist vierspurig angelegt. Bulldozer haben
breite Straßen durch die hügeligen Olivenhaine pa-
lästinensischer Bauern gefräst. Hunderte ihrer Oli-
venhaine, die dem Highway 5 im Wege standen,
sind mitten in der Erntezeit einfach abgesägt wor-
den. […] Pro Jahr pumpt die israelische Regierung
immer noch 500 Millionen Mark in die Siedlungen
[Europa (lies Deutschland) finanziert die Sied-
lungspolitik mit etwa 200 Millionen Dollar jähr-
lich64]. Eine attraktive Starthilfe erhielten die etwa
150.000 Israelis, die seit dem Amtsantritt Baraks im
Mai 1999 in die Siedlungen gezogen sind.«65

336 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
Der Israel gewogene Journalist Dr. Friedrich Schreiber sagte Ein anderer Reporter von Dagens Nyheter, sicherlich ein äl-
in Oberhaching, das israelische Parlament habe in der jüng- terer Herr, schrieb:73
sten Vergangenheit »in einem einseitigen völkerrechtswidri- »Was uns nach dem Krieg beim Besuch von Marseille am
gen Akt« große arabische Gebiete Jerusalem zugeschlagen meisten erregte, war die sinnlose Zerstörung des Hafen-
und auf diesem Weg ein »urbanes Monstrum geschaffen:« 66 viertels [port vieux]. Die Deutschen behaupteten, in diesem
»Seit die Intifada startete, wurden Tausende (tusenvis) von Viertel versteckten sich Partisanen, welche vorher deutsche
Ölbäumen gefällt oder mit dem Bagger herausgerissen. Soldaten ermordet haben. Aber die Deutschen waren noch
Nach Angabe der in Bethlehem residierenden israelischen so anständig und verkündeten vorher den Bewohnern des
Menschenrechtsorganisation sind allein im Nablusgebiet Viertels, daß es gesprengt wird, so daß die Bewohner sich
4300 Ölbäume gefällt worden.« 67 noch in Sicherheit begeben konnten. [Aus sicherer Quelle
Die Israelis foltern, und seit der 2. Intifada wurden über weiß ich, daß die Sprengung zusammen mit der Polizeibe-
3.000 Palästinenser ermordet, »darunter 836 Kinder.«68 hörde von Marseille vorgenommen wurde]
In Dänemark verglich der Dompropst von Kopenhagen in ei- Aber was sah ich jetzt in Dschenin? Die Israelis fuhren mit
ner Predigt den Mord an palästinensischen Kindern mit dem Panzern und Radladern ohne Warnung durch das Flücht-
Kindermord des Herodes in Jerusalem.69 lingslager und zerstörten Häuser und Autos. Die Einwoh-
Gegen diesen Staatsterror wehren sich natürlich die Palästi- ner wurden in den Häusern lebendig begraben. Und jetzt
nenser. Denn hier geht es um die Existenzmöglichkeit dieses verweigert man einer UNO-Kommission sogar den Zutritt.
armen, unterdrückten Volkes. Der sozialdemokratische däni- Wer sind hier die Terroristen? Wer handelt hier unmensch-
sche Außenminister Mogens Lykketoft bestätigte dies. Er ap- lich?«
pellierte auf der Tagung der europäischen Sozialdemokraten »Das UNO-Flüchtlingswerk für Palästina (UNWRA)
im Mai vorigen Jahres an den anwesenden israelischen Au- schätzt die Zahl der zerstörten Häuser auf rund 250, was
ßenminister Peres. Israel möge endlich mit der Unterdrük- bei den durchweg dreistöckigen Bauten 750 Wohnungen
kung der Palästinenser aufhören, die Siedlungspolitik einstel- entspricht. Diese gewollte systematisch Zerstörung des
len, sie sei das größte Hindernis für den Frieden in Nahost. ganzen Hawashin-Viertels im Lager von Dschenin stand
In »Politiken« schrieb er:70 eindeutig in keinem Verhältnis zu einem angestrebten mili-
»Laßt uns nicht vergessen, daß diese Katastrophe die Fol- tärischen Ziel.«74
ge 35-jähriger jüdischer Besatzungszeit ist. Laßt uns nicht »Es wurden klare Beweise gefunden, daß israelische Trup-
vergessen, daß 3 Millionen Palästinenser in eineinhalb pen schwere Kriegsverbrechen begangen haben, als sie in
Jahren unter demütigenden Absperrungen leben, ohne Be- den Tagen vom 3. bis zum 10.4. Dschenin besetzten. Wir
wegungsfreiheit, jeder zweite arbeitslos und ohne Hoffnung haben 52 Palästinenser identifiziert, davon 22 Zivile, die
auf eine Zukunft. Sie werden durch immer enger werdende nicht im Kampf gefallen, sondern überlegt ermordet wor-
jüdische Siedlungen eingekreist, Siedlungen, die aus kom- den sind. Wir fanden auch Beweise, daß israelische Solda-
fortablen Wohnungen bestehen mit den dazugehörigen ten zivile Personen, sozusagen als Schutzschild, vor sich
Straßen. Das Land haben sie den Palästinensern abge- hergetrieben haben, damit sie von Palästinensern nicht
nommen. Laßt uns nicht vergessen, daß es die Taktik Sha- angegriffen werden können, was dem Völker- und Kriegs-
rons ist, durch Errichtung von Siedlungen auf allen Anhö- recht widerspricht.«75
hen die Palästinenser einzukreisen, so daß ein palästinen- »Israelische Soldaten (JDF) erschossen einen am Boden
sischer Staat nicht existieren kann. Und jetzt hat er Mini- liegenden verwundeten, wehrlosen Palästinenser.«76
ster in seine Regierung aufgenommen, die Befürworter »Am gleichen Tag wurden laut HRW-Bericht auch 5 Zivili-
ethnischer Säuberungen sind.« sten getötet, unter ihnen ein junger unbewaffneter Mann,
Der Staatssekretär im norwegischen Außenministerium, der vor sein Haus trat und von den ins Lager eindringen-
Raymond Johansen, räumte den Palästinensern sogar das den Soldaten angeschossen und schwer verletzt wurde. Ei-
Recht ein, auf israelische Soldaten zu schießen (siehe Möl- ne Krankenpflegerin in weißer, mit einem roten Halbmond
lemann!), da es sich um einen Befreiungskampf handelt.71 markierter Uniform versuchte mit ihrer Schwester, dem
Dafür haben die israelischen Herrenmenschen kein Ohr. Sie verletzten Mann zur Hilfe zu eilen; die etwa 100 Meter ent-
werden immer brutaler. Der angeblich so friedfertige Peres fernten Soldaten schossen auch die beiden Frauen nieder.
schweigt und macht mit (angeblich, um Schlimmeres zu ver- Während einer halben Stunde schossen die Soldaten auf
hindern). jeden, der den auf der Straße Liegenden zur Hilfe kommen
»Im Flüchtlingslager Dschenin vernichteten die israeli- wollte.«77
schen Truppen Anfang April im Laufe von drei Tagen bis In Aftenposten konnte man lesen:
zu 400 Häuser und möglicherweise genau so viele Men- »Und wieder haben wir erlebt, wie arrogant Israelis die
schen. „Vernichten“ ist hier das passende Wort, obwohl es UNO behandeln. Der Haltung der Israelis kann man nur
historisch stark belastet ist. Ich kenne keine militärische entnehmen, daß sie etwas zu verbergen haben.«78
Offensive oder Antiterroraktion, in der eine von Menschen Die schwedische, sozialdemokratische Außenministerin An-
bewohnte Stadt derartig pulverisiert wurde [Siehe dazu die na Lindh forderte die Israelis auf, Sharon zu stürzen, damit
Äußerung von Norbert Blüm!]. diese brutale Militärpolitik ein Ende habe (während der deut-
Nach den Sprengungen der Häuser fuhren israelische Pla- sche(?) Außenminister Fischer diesem Kriegsverbrecher den
nierraupen in die Ruinen und ebneten alles ein. In den roten Teppich ausbreitete). Außerdem unterstützte sie die
noch stehengebliebenen Häusern vernichteten sie zusätz- Forderung der EU, daß Israel den angestellten Schaden, der
lich noch die Einrichtungen wie Kühlschränke, Radios, sich auf Milliarden schwedische Kronen beläuft, wiedergut-
Steckdosen, Kleiderschränke, Spiegel u.v.a. Außerdem hin- macht.79
terließen die Soldaten noch Haufen von menschlichem Die Regierung der USA, beherrscht von der mächtigen jüdi-
Kot.«72 schen Lobby, wie auch die meisten europäischen, allen voran

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der deutsche Vasall, der wegen Auschwitz auch israelische »Israel hat Palästina den Krieg erklärt. Ein Krieg, der sich
Verbrechen hinnehmen muß, appellieren immer an Arafat, leicht zu einem großen Krieg in der Region entwickeln
den „Terrorismus“ einzustellen, um eine vertrauensbildende kann. Israel hat Atomwaffen und Sharon ist eine Person,
Stimmung zu schaffen und so nebenbei bitten sie Sharon, den die voll bereit ist, diese anzuwenden. Wir sind der Ansicht,
Kriegsverbrecher, den Schlächter von Sabra und Schatila daß es hauptsächlich Sharon und seine politische Führung
(über eintausend ermordete palästinensische Flüchtlinge),80 er ist, welche jetzt die Region auf den Punkt gebracht hat, wo
möge doch seine Truppen zurückziehen. Daß die Israelis den wir täglich die schlimmsten Entladungen befürchten müs-
Palästinensern Land wegnehmen, Siedlungen errichten, das sen. Wir meinen, es ist Sharon, der nicht nur das Volk von
Wasser abgraben, ist doch reiner Staatsterrorismus. Solche Israel unglaublich bedroht, sondern auch die Juden auf
Maßnahmen können doch keine vertrauensbildende Stim- der ganzen Welt.
mung hervorrufen! Dies scheint diesen westlichen Regieren- Sharon hat die Möglichkeit zum Frieden ausgeschlagen,
den entgangen zu sein. Sharon denkt gar nicht daran, diese indem er auf das Angebot Saudi-Arabiens nicht einging,
Siedlungen aufzugeben; er will ein „Groß-Israel“. sondern mit brutaler Gewalt antwortete.«
»Bei der Übernahme seines Amtes hat er erklärt, daß er Von dieser Bedrohung des »Volkes von Israel« schrieb der
gar nicht daran denke, die „Westbank“ und Gaza an die schon oben zitierte israelische Philosoph Jeshajahu Leibo-
Palästinenser zurückzugeben«.81 witz:83
Benjamin Netanjahu, Sharons Rivale und eventueller Nach- »Wenn wir den Weg, auf dem wir uns befinden, fortsetzen –
folger, verkündete kürzlich auf dem Parteitag der faschisti- dann wird das zum Untergang des Staates Israel führen,
schen Likud, daß er gar nicht daran denke, einen Staat für die und zwar in einem Zeitraum von einigen Jahren, dazu
Palästinenser errichten zu lassen. Im Gegenteil: Er gebrauch- braucht es nicht einmal Generationen. Im Inneren wird Is-
te häufiger das Wort „Transfer“ (eine Umschreibung für bru- rael ein Staat mit Konzentrationslagern für Menschen wie
tale Vertreibung). mich werden, sobald Vertreter der rechtsnationalen Par-
Es ist erfreulich, daß es auch viele Juden gibt, die diese ver- teien, wie Kahana, Raful, Druckmann und Sharon, an die
brecherischen Machenschaften in Israel heftig verurteilen. So Macht kommen werden. Nach außen wird Israel sich in ei-
forderten 20 renommierte schwedische Juden im November nem Krieg auf Leben und Tod mit der gesamten arabischen
2000 namentlich die Regierung in Israel auf, »sofort Ver- Welt von Marokko bis Kuwait verstricken. Das ist die Per-
handlungen mit den Palästinensern aufzunehmen, Palästina spektive der nahen Zukunft.«
als Staat anzuerkennen, die Rückkehr der Palästinenser zu Leider ist der Mahner schon 1994 verstorben.
ermöglichen oder diese zu entschädigen.« Sie stellten fest, Und am 11.4.2002 lese ich in Dagens Nyheter, daß sich 87
»daß die Palästinenser in den Flüchtlingslagern in Unfrei- namentlich genannte renommierte schwedische Schriftsteller
heit hausen, daß sie in einer verstümmelten Wirtschaft, in ei- dem Protest der Juden angeschlossen haben.
ner gelähmten Gemeinschaft leben und in einem Land, das Warum schweigen eigentlich die Juden in Deutschland zu
durch israelische Siedlungen zerstückelt ist. Ariel Sharon diesen furchtbaren Greueltaten der israelischen Soldateska?
provozierte auf dem Tempelberg bewußt und legte den Fun- Sie schauen weg! Die von der Münchner Presse so hochge-
ken an die bereits verglommene Lunte, die den Sprengstoff zur jubelte Buchhändlerin Rachel Salamander, die jetzt den Auf-
Explosion brachte, der darin bestand, daß die Abmachung von ruf in der Frankfurter Allgemeinen »Gegen Stimmenfang der
Oslo durch die ununterbrochene Errichtung neuer Siedlungen Liberalen im braunen Sumpf« unterschrieb, hatte ein ganz
und durch das ständige Hinausschieben der Errichtung eines originelles Argument, um von diesen Greueltaten in Israel
palästinensischen Staates nicht eingehalten wurde. Daher ist wegschauen zu dürfen:84
es nicht verwunderlich, daß es durch die dauernden Demüti- »Man kann darüber diskutieren, wie so ein Staat hätte aus-
gungen der Palästinenser zu einem Volksaufstand kam.« sehen können, doch ich denke, daß es nicht gut ist, aus
Dem haben sich nun weitere 37 schwedische Juden nament- 3.000 Kilometer Entfernung Ratschläge zu erteilen.«
lich angeschlossen. Sie fordern die sofortige Räumung der Aber die Palästinenser kritisiert sie durchaus!
besetzten Gebiete, daß Israel zulasse, daß eine internationale »Israel ist weit, mögen Sie denken. Israel betrifft auch uns.
Friedenstruppe im Gebiet eingesetzt werde und daß Israel in- […]«85
ternationale Gesetze befolge und sich zu Friedensverhand- Bei der Verleihung des »Kulturellen Ehrenpreises der Stadt
lungen bereit zeige:82 München« an sie wetterte sie wieder gegen das Wegschauen
der Deutschen bei der Deportation der Juden unter
der Hitlerzeit. Sie vermißte den »Aufschrei des Ge-
wissens«. Aber die Brutalitäten der israelischen Re-
gierung liegen zu weit weg, die bedürfen nicht des
Aufschreis ihres Gewissens?!86
Dem schloß sich Ignatz Bubis an:87
»Nur eines habe ich immer vermieden, anderen Re-
gierungen – egal welchen – Ratschläge zu erteilen.
Und ich bin auch in Israel nie mit Vorschlägen auf-
getreten, wie dort Konflikte gelöst werden können.
Da käme ich mir lächerlich vor. […] Wer bin ich
schon, daß ich von Deutschland aus den israeli-
schen Politikern erklären könnte, wie sie ihre Poli-
tik machen sollen!«
Aber deutschen Politiker hat er Ratschläge erteilt. In
der eben zitierten Autobiographie schreibt sein Ghost-

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writer Sichrovski: Lösungsvorschläge
»Er berät Politiker [S. 12], er riet Kanzler Kohl, den säch- »Für den Staat Israel gibt es zwei Möglichkeiten: die zwei-
sischen Justizminister Heitmann als Kandidat zum Präsi- er unabhängiger Staaten mit einem geteilten Jerusalem
dialamt von der Liste zu nehmen [S. 249], er wurde bei der oder die eines binationalen Staates mit einem vereinigten
Bundesregierung vorstellig, den 9. November, den Tag des Jerusalem. Den zweiten Weg müsse Israel beschreiten,
Mauerfalles, nicht als Nationalfeiertag auszurufen.« (S. wenn es überleben wolle.«91
237) Da ja nicht umstritten ist, daß Zionisten die Palästinenser aus
Israel darf in der BRD nicht als ein faschistisch-rassistischer ihrer angestammten Heimat vertrieben haben, sollten die Is-
Staat, als ein Apartheidstaat hingestellt werden, dafür sorgt raelis sich bei den Palästinensern entschuldigen, ihre „Groß-
der Zentralrat der Juden, die Vertretung der israelischen Bot- Israel-Ideologie“ aufgeben und sie bitten, daß sie in den vor
schaft, weil die Deutschen als »Volk der Judenmörder« sich 1967 eroberten Gebieten bleiben dürfen und die Palästinenser
sonst weigern würden, diesen faschistischen Staat weiter zu dafür entschädigen. Sie müßten versprechen, daß die Siedler
unterstützen, was sie offiziell bisher mit 137 Milliarden DM Gaza und die Westbank sofort räumen, den Schaden wieder-
gemacht haben.88 Ohne die finanziellen Zuschüsse der BRD gutmachen und beim Wiederaufbau Palästinas mithelfen, so
könnte der Staat Israel nicht existieren! Daher auch die Ver- wie die Deutschen den Schaden an den Juden mit mehr als
antwortung der jetzigen Generation für den Bestand Israels! 130 Milliarden DM gutgemacht haben. Dann sollte ein Frie-
Vor einiger Zeit wurde das Buch von Robert Gellately »Hin- densvertrag geschlossen werden, mit dem eine massive Ab-
geschaut und weggeschaut – Hitler und sein Volk« veröffent- rüstung (Gleichstellung mit den Palästinensern) einhergehen
licht. Er machte wieder alle Deutschen verantwortlich, weil muß.
sie bei der Deportation der Juden weggeschaut haben. Aber
Juden dürfen von diesen furchtbaren Greueltaten in Israel Anmerkungen
wegschauen. Sensible deutsche Kritiker nennen sie dann 1
»Spiegel: größte Beleidigung«, t.z., München, 27.5.2002.
noch unverschämterweise Antisemiten. Begreifen diese Da- 2
»Paul Spiegel fordert Aufstand der Demokraten«, Süddeutsche Zeitung,
men und Herren vom Zentralrat denn nicht, daß sie deswegen 5.6.2002.
3
in Kollektivhaft genommen werden und der Terrrorismus Süddeutsche Zeitung, 2.11.1996.
4
»Der israelische Dramatiker Georg Steiner«, Frankfurter Allgemeine,
sich dann auch gegen jüdische Gemeinden in der BRD rich- 23.3.1992.
ten könnte? Siehe dazu den arabischen Anschlag auf die 5
J. Leibowitz, Gespräche über Gott und die Welt, S. 104.
Synagoge in Düsseldorf! 6
semit-times, Nr.21/1992, eine nicht von Deutschen subventionierte Zeit-
Sharon folgt nun nicht dem Rat der schwedischen Juden. Er schrift, daher eingegangen.
7
folgt dem Rat, den schon vor längerer Zeit der Friedens- M. Fyhn, Washington-Korrespondent, »Israels mächtige Freunde in den
USA«, Aftenposten, 10.4.2002.
Nobel-Preisträger, Henry Kissinger, Ex-US-Außenminister, 8
»Zentralrat der Juden empört über Blüm«, Süddeutsche Zeitung,
der israelischen Regierung erteilte:89 19.6.2002.
9
»Die Rebellion in den besetzten Gebieten solle sofort er- »Cherie Blair's Suicide Bomb Blunder«, The Times, 19.6.2002.
10
stickt werden, und als erster Schritt sei es dazu nötig, (ganz »Israel reagerer skarpt mot staatsminister Blairs kone«, Aftenposten,
20.6.2002.
im Sinne der Frau Knobloch) die Fernsehteams hinauszu- 11
Sh’ma, http://www.jewishdiversity.com/may02/arthur.htm.
werfen; gewiß, es werde Kritik an diesem Schritt geben, 12
Frankfurter Allgemeine, 20.6.2002.
13
doch sie werde sich wieder legen. Und dann, so Kissinger Lorenz Jäger, »Massive Vergeltung«, Frankfurter Allgemeine, 14.6.2002.
14
weiter, müsse Israel die Rebellion unter Ausschluß der Öf- Uri Averny, »Wir wollen keine Sonderrolle«, Junge Freiheit, 31.5.2002.
15
National-Zeitung, Nr. 28/ 2002.
fentlichkeit niederschlagen – mit überwältigenden Mitteln, 16
Der Schriftsteller Eckhard Henscheid in einem Interview mit der Jungen
brutal und schnell.« Freiheit, 7.6.2002.
Dem stimmte der US-Starkolumnist und Pulitzer-Preisträger 17
»Generalisierung als Antisemitismus-Merkmal«, Frankfurter Allgemeine,
Charles Krauthammer zu:90 18
13.6.2002.
»Jedes Element der Infrastruktur in Arafats Polizeistaat Horst Mahler in einem Brief an Friedman, »Guten Tag, Herr Friedman.«
19
Die Woche, Nr.15/1995.
muß zerstört werden: Hauptquartiere, Polizeistationen, 20
Wilhelm Volkert, Ludwig Thoma, Sämtliche Beiträge aus dem Miesba-
Fernsehstationen und regierungsnahe Zeitungen. Einige cher Anzeiger, 1920/21.
21
Tage gibt der einflußreiche Publizist den Israelis für einen Heinrich Brüning, Die Lage der Juden in Deutschland, Briefe und Ge-
„überwältigenden und massiven“ Feldzug; er ist über- spräche, 1934–1945, Stuttgart 1974, S.162.
22
Rheinischer Merkur, 16.11.1985.
zeugt, daß es sich bald so ereignen wird.« 23
Alphons Silbermann, Was ist jüdischer Geist, S. 114f.
Weil sich die Israelis nicht mehr der Palästinenser erwehren 24
Zit. aus Sonja Margolina, eine russ. Jüdin, Das Ende der Lüge, Siedler, S.
können, die selbstmörderische Handlungen begehen, Hand- 11.
25
lungen, die auf die Verzweiflung dieses geschundenen Vol- »Waffenstillstand nach 60000 Toten«, Politiken, 27.5.2002.
26
Abendzeitung, München, 19.11.1998.
kes hinweisen, schlägt Nathan Lewin, wie oben schon er- 27
In einem Gespräch mit der österreichischen Tageszeitung »Kurier« vom
wähnt, vor, die Angehörigen dieser Attentäter zu ermorden. 25.10.1976.
Was Kissinger, Krauthammer und Lewin empfehlen und 28
So Lloyd George, zit nach Die Zeit, Nr. 49/1977.
29
Sharon bereits durchführt, ist ein Holocaust am palästinensi- 30
The Balfouer Declaration, Foreign Office, 2. November 1917.
schen Volk! Und dieses soll sich nicht einmal gegen seine »Der Traum von Groß-Israel lebt weiter«, Dagens Nyheter, 5.4.2002.
31
Münchner Merkur, 27.4.2002.
brutalen Mörder wehren dürfen. Die westliche Wertegemein- 32
Dies erzählte mir Mordechai Oppenheimer, ein jüdischer Freund in der
schaft schaut zu oder soll wegschauen; sie muß dieses Mor- Emigration in Schweden. Er verließ 1936 Palästina, weil, wie er sagte,
den an den Palästinensern einfach hinnehmen! Und wir Deut- die Politik der Zionisten keinen Segen hätte.
33
schen müssen wegen Auschwitz schweigen, wegschauen und Jörg Bremer in der Frankfurter Allgemeinen vom 16.5.2001.
34
Jeshajahu Leibowitz, Gespräche über Gott und die Welt, S. 143.
diesen verbrecherischen, rassistischen Apartheid-Staat noch 35
Georg Steiner, Dramatiker, beim 6. amerikanisch-israelischen Dialog in
weiter unterstützen. Jerusalem im Sommer 1968; n. Alfred M. Lilienthal: The Zionist Con-
nection - What Price Peace, New York 1978, S. 731.

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 339
36
Nahum Goldmann, Das jüdische Paradox, S. 137. 2.4.2002.
37 63
Associated Press 23.7.1947. Frankfurter Allgemeine, 13.4.2002.
38 64
Nahum Goldmann, Das jüdische Paradox, S. 55f. Uri Avnery in einem Interview mit der Jungen Freiheit, 31.5.2002.
39 65
W. Köhler, »Zur 50. Wiederkehr des Massakers«, Frankfurter Allgemei- Die Woche, 1.12.2000.
66
ne, 29.4.1998. Süddeutsche Zeitung, 6.10.2001.
40 67
Steinar Sörlie u. Eva Björeng, »Die Welt feilscht mit den Rechten der Pa- Aftenposten, 2.4.2001.
68
lästinenser«, Aftenposten, 12.6.2002. Süddeutsche Zeitung, 27.3.2002.
41 69
Nahum Goldmann, Das jüdische Paradox, S. 134. »Ja takk, Israel«, Aftenposten, 4.4.2002.
42 70
Per Jönsson, »Der Traum von Groß-Israel lebt immer noch«, Dagens Politiken, eine dänische Tageszeitung, 12.4.2002.
71
Nyheter, 16.3.2002. Aftenposten, 31.3.2001.
43 72
Jeshajahu Leibowitz, israel. Philosoph und Theologe, Gespräche über Per Jönsson, »Man hat uns verlassen«, Dagens Nyheter, 27.4.2002.
73
Gott und die Welt, S. 12. Stig Röjeraas, Dagens Nyheter, 27.4.2002.
44 74
Nathan Chofshi, Jewish Newsletter, 9.2.1959. »Sprache der Trümmer in Nablus und Jenin«, Neue Zürcher Zeitung,
45
A. Ponger, »Als Besatzungsmacht erntet Israel keine Lorbeeren«, Süd- 4.5.2002.
75
deutsche Zeitung, 14.12.1987. Auszüge aus dem 48 Seiten umfassenden Human Rights Watch Bericht,
46
Süddeutsche Zeitung, 4.7.2002. zit. n. Politiken, 3.5.2002.
47 76
Felicia Langer, israelische Rechtsanwältin, Die Zeit der Steine, S. 18ff. Jens Hosöe, aus dem Human Rights Watch Bericht in Politiken vom
48
»Israel hat seine Seele verloren«, Neue Solidarität, Nr.23/ 2002. 4.5.2002.
49 77
Münchner Merkur, 22.12.1990. Bericht von Human Rights Watch zu Jenin, Neue Zürcher Zeitung,
50
Prof Dr. Kenneth Levan, Pressespiegel der Deutschlandbewegung, Sept. 8.5.2002.
78
2001. Aus dem Leitartikel in Aftenposten vom 2.5.2002.
51 79
Israel Radio Kol Yisrael, zit. von Washington Report an Middle East In einem Interview mit Dagens Nyheter, 4.5.2002.
80
Affairs, 11.10.2001. Alexander von Sobeck »Mein Ausland« in Phoenix vom 23.6.2002.
52 81
ntv, 4.6.2002. Per Jönsson, Der Traum von Groß-Israel lebt, Dagens Nyheter, 5.4.2002.
53 82
M. Mayer in der Frankfurter Allgemeinen vom 16.3.1993. Dagens Nyheter, 5.4 2002.
54 83
»Ja takk, Israel«, Aftenposten, 4.4.2002. Jeshajahu Leibowitz, Gespräche über Gott und die Welt, S. 24.
55 84
Dagbladet (Norwegen), 12.7.1982. Abendzeitung, München, 23.1.1999.
56 85
Der österreichische, jüdische Ex-Kanzler Bruno Kreisky, Der Spiegel, Nr. »Die Gesichter der Opfer«, Süddeutsche Zeitung, München, 11.7.2002.
86
18/1979 . Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.2.2000.
57 87
»Die israelischen Nazis«, National-Zeitung, 25.8.1967. I. Bubis, Damit bin ich noch längst nicht fertig, S. 235.
58 88
Dagens Nyheter, 12.4.2002. Niels Hansen, ehemal. dt. Botschafter in Israel, »Jeder Deutscher ist ein
59
Alle Zitate aus der Frankfurter Allgemeinen vom 6.6.2002, Westerwelle Mörder«, Frankfurter Allgemeine, 11.6.2002.
89
stellt Möllemann. »Leiden an Israel«, Süddeutsche Zeitung, 2.4.1988.
60 90
Sörlie und Björeng, Altenposten, 12.6.2002. Der Spiegel, Nr. 37/2001.
61 91
Frankfurter Allgemeine, 5.12.2000. Der große, schon verstorbene Geiger Yehuda Menuhin, Frankfurter All-
62
Hans Chech, langjähriger Israelreporter, Bayr. Fernsehen Alpha, gemeine vom 6.3.1989.

Wie Israel den Frieden ermordet
Israelischer Planierraupen-Fahrer ermordet US-Friedensaktivistin
Von Nigel Parry und Arjan El Fassed
Am 16. März 2003 wurde die 23 Jahre alte US-amerika- Rachel und sieben weitere ISM-Aktivisten hielten sich in der
nische Friedensaktivistin Rachel Corrie aus Olympia, Wa- Hi-Es-Salam-Gegend der Stadt Rafah (Gaza) auf, um zu ver-
shington, in der Stadt Rafah im besetzten Gazastreifen von suchen, die Einplanierung palästinensischen Landes und Ei-
einem israelischen Planierraupenfahrer ermordet. Rachel hielt gentums zu verhindern. Zwei israelische Planierraupen und
sich im Gazastreifen auf, um gegen das Einebnen palästinen- ein Panzer der Besatzungsarmee waren ebenfalls zugegen.
sischer Wohnhäuser zu protestieren. Sie war eine Freiwillige Zwei Stunden lang spielten die Aktivisten mit den israeli-
der International Solidarity Movement (Internationalen Soli- schen Soldaten „Katz und Maus“ und versuchten, die geplan-
daritätsbewegung), die sich selbst wie folgt beschreibt:1 ten illegalen Zerstörungen durch das physische Blockieren
»Die Internationalen Solidaritätsbewegung ist eine palä- der zwei Planierraupen zu vereiteln.
stinensisch geleitete Bewegung palästinensischer und in- In einem Email-Bericht des Palestine Monitor heißt es:2
ternationaler Aktivisten, die sich dafür einsetzt, das Be- »Rachel Corey [sic], 23 Jahre alt vom Staate Washington,
wußtsein für den palästinensischen Freiheitskampf und für wurde getötet, als sie versuchte, israelische Armee-Pla-
ein Ende der israelischen Besetzung zu stärken. Wir wen- nierraupen daran zu hindern, ein palästinensisches Haus
den gewaltfreie, direkte Handlungsmethoden des Wider- zu zerstören. Andere Ausländer, die mit ihr vor Ort waren,
stands an, um den illegalen israelischen Besatzungskräften berichten, daß sich der Fahrer der Raupe bewußt war, daß
und deren Politik zu begegnen und sie herauszufordern. Rachel dort stand, daß er aber einfach weiterfuhr, um das
Wie im Völkerrecht und in UN-Resolutionen festgehalten, Haus zu zerstören. Zuerst lud er Sand und anderen schwe-
erkennen wir das palästinensische Recht an, sich israeli- ren Schutt auf ihr ab, doch dann drückte er sie zu Boden
scher Gewalt und Besatzungsherrschaft mittels legitimem und fuhr über sie, brach ihr beide Arme, Beine und ihren
bewaffneten Kampf zu widersetzen. Wir sind allerdings da- Schädel. Sie wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo sie
von überzeugt, daß Gewaltfreiheit eine mächtige Waffe im später starb. Ein weiterer Ausländer wurde bei dem Angriff
Kampf gegen Unterdrückung sein kann, und wir haben uns ebenfalls verletzt und in ein Krankenhaus eingewiesen –
dem Prinzip des gewaltfreien Widerstandes verschrieben.« seine Staatsangehörigkeit ist zur Zeit noch nicht bekannt.«

340 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
Die von der Internationalen Solidaritätsbewegung am 16. weiter, so daß sie schließlich unter den Haufen von Erde
März 2003 veröffentlichte Presseerklärung führt dazu aus: und Schutt gedrückt wurde. Nachdem sie aus dem Blickfeld
»Rachel hielt sich in palästinensischen Häusern auf, die verschwunden war, fuhr der Fahrer immer noch weiter, bis
von illegaler Zerstörung bedroht waren, und auch heute sich die Raupe komplett über ihr befand. Der Fahrer hob
stand Rachel mit anderen gewaltlosen internationalen Ak- die Schaufel nicht an, so daß sie darunter zermalmt wurde.
tivisten vor einem Haus, daß zur illegalen Zerstörung vor- Dann legte der Fahrer den Rückwärtsgang ein, und die
gesehen war. Zeugen zufolge wurde Rachel zweimal von sieben andere ISM-Aktivisten, die an der Aktion teilnah-
einer israelischen Militärplanierraupe überfahren, die da- men, eilten herbei, um ihren Körper auszugraben. Ein
bei war, ein palästinensisches Heim einzuebnen. Die Zeu- Krankenwagen fuhr sie zum Al-Najar Krankenhaus, wo sie
gen sahen, daß Rachel für den Raupenfahrer klar erkenn- verstarb.«
bar war und nichts tat, um diesen Angriff zu provozieren.« Hauptmann Jacob Dallal, Pressesprecher der israelischen
Das nebenstehende Foto zeigt deutlich, daß Rachel auffällig Verteidigungskräfte[sic], soll laut der israelischen Zeitung
markiert war (sie trug eine rote Leuchtweste) und ein Mega- Ha’aretz ausgeführt haben:
phone bei sich trug, womit alle Zweifel ausgeräumt sind, daß »Dies ist ein bedauernswerter Unfall. Es handelt sich hier
die Friedensaktivistin von dem Fahrer irgendwie hätte über- um eine Gruppe von Protestierern, die sehr verantwor-
sehen werden können, und sie war auch ohne jeden Zweifel tungslos handelten und jeden in Gefahr brachten.«
keine Bedrohung für den Fahrer. Mitglieder der israelischen Armee und beigeordneter parami-
Ein späterer Bericht des ISM-Medien-Koordinators Michael litärischer Siedlerorganisationen sind für die Tötung von
Shaik in Beit Sahour ent-
hielt nähere Details über
den Vorfall:
»Die Konfrontation
zwischen der ISM und
der israelischen Armee
dauerte bereits zwei
Stunden an, als Rachel
überfahren wurde. Ra-
chel und die anderen
Aktivisten hatten sich
während der gesamten
Konfrontation deutlich
Foto aufgenommen zwischen 15:00- Foto aufgenommen um 16:45 Ortszeit. Andere Frie-
sichtbar als unbewaff-
16:00 Ortszeit am 16. März 2003 in densaktivisten kümmern sich um Rachel, nachdem
nete internationale Rafah, besetzter Gazastreifen. Eine deut- diese soeben vom Fahrer der israelischen Planierrau-
Friedensaktivisten zu lich sichtbare Rachel Corrie, ein Mega- pe tödlich verletzt wurde (im Hintergrund). Dieses Foto
Erkennen gegeben. phone hochhaltend, stellt sich dem Fah- wurde nur wenige Sekunden aufgenommen, nachdem
Die israelische Armee rer einer der zwei Planierraupen entge- die Ladeschaufel der Planierraupe auf ihrem Weg zu-
versucht nun, das An- gen in einer Gegend, wo diese versuch- rück ein zweites Mal über Rachels Körper geschleift
denken an sie dadurch ten, ein palästinensisches Haus zu zer- wurde. Das Bild zeigt deutlich, daß der Fahrer hätte
zu entweihen, indem sie stören. Sie tat dies, um die Arbeit des verhindern können, sie zu töten, wenn er nur seine
behauptet, Rachel sei Soldaten zu stören und zu verhindern, Schaufel angehoben hätte, zumal sich ein großer Zwi-
daß er irgendwelche Häuser zerstört. Fo- schenraum zwischen der Unterseite der Raupe und
aus Versehen getötet to von Joseph Smith. (ISM Handout) dem Boden befindet. Photo von Richard Purssell. (ISM
worden, als sie vor eine Handout)
Planierraupe gelaufen
sei. Augenzeugen des
Mordes bestehen aller-
dings darauf, daß dies
absolute nicht wahr
sei. Rachel saß auf dem
Weg vor der Planier-
raupe, als sich diese
ihr näherte. Als sich
der Raupenfahrer wei-
gerte anzuhalten oder
auszuweichen, kletterte
sie auf den Hügel aus
Erde und Schutt, der Foto aufgenommen um 16:47 Ortszeit am 16. Rachel im Al-Najar Krankhaus, Rafah, besetz-
sich vor der Raupe an- März 2003, Rafah, besetzter Gazastreifen. Ra- ter Gazastreifen. Rachel kam um 17:05 Orts-
sammelte. Sie trug eine chel Corrie liegt am Boden, tödlich verwundet zeit in der Notaufnahme an, wo sich Ärzte ver-
fluoreszierende Weste durch einen israelischen Planierraupenfahrer. sammeln, um sie zu retten. Um 17:20 wird sie
Rachels Mitaktivisten haben sie ein wenig aus für tot erklärt. Laut Ha’aretz führte Dr. Ali Mu-
und sah dem Fahrer
dem Sand ausgegraben und versuchen, ihren sa, Arzt im Al-Najar Krankenhaus, als Todes-
direkt in die Augen, der Hals gerade zu halten wegen Verletzungen an ursache aus „“Schädel- und Brustfrakturen“.
immer weiter fuhr. Die der Wirbelsäule. Photo von Joseph Smith. (ISM Foto von Mohammad Al-Moghair
Raupe bewegte sich Handout)

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 341
2.181 Palästinensern und die Verletzung von weiteren 22.218 Anmerkungen
zwischen dem 29. September 2000 und dem 4. März 2003 Entnommen der Electronic Intifada, 16.3.2003,
verantwortlich. http://electronicintifada.net/v2/article1248.shtml. Nigel Parry und Arjan El
Abgesehen von der Ermordung von Rachel Corrie durch ei- Fassed sind die zwei Gründer der Electronic Intifada. Michael Brown und
nen Planierraupenfahrer haben die israelischen Truppen auch Ken Harper trugen ebenfalls zu diesem Bericht bei.
1
www.palsolidarity.org/
viele andere ausländische Aktivisten in einer Vielzahl von 2
www.palestinemonitor.org/, 15.3.2003.
Vorfällen während der Intifada getötet: den deutschen Arzt 3
Siehe http://electronicintifada.net/cgi-
Harald Fischer, den italienischen Kameramann Rafaeli Ciri- bin/artman/exec/search.cgi?keyword=iain%20hook
ello und den britischen Angestellten der Vereinten Nationen
Ian Hook.3

Nachruf auf Rachel
Von Colonel Maguire
Vor sechzehnhundert Jahren, im Jahr 404 nach Christi Ge- den Raupenfahrer nach einer getürkten Untersuchung für un-
burt, reiste der christliche Mönch Telemachus von Kleinasien schuldig und erklärte die Wohnungszerstörung für legal. Der
nach Rom mit dem festen Vorsatz, die Gladiatorenkämpfe zu Mob im Videodrom tobt weiter und verlangt mehr Blut.
beenden. Bei seiner Ankunft in Rom lief er in die Arena und Kann noch irgend jemand einen Zweifel daran haben, daß es
rief aus: »Im Namen Christi, haltet inne!« Telemachus stellte sich hier tatsächlich um das Reich des Anti-Christen handelt,
sich zwischen die Kämpfer in seinem Versuch, die Gladiato- bevölkert zugleich von zionistischen Juden und zionistischen
ren zu stoppen. Aber die Gladiatoren und die Menge, viele Nichtjuden?
davon selbst „Christens“, konnten sein Einschreiten gegen ih- Und man wird sich wohl noch fragen dürfen, was die regie-
re uralte Tradition nicht annehmen. Gemeinsam töteten sie rung der Vereinigten Staaten von Amerika unter der Führung
Telemachus. Aber Honorius, der christliche Herrscher von Präsident George W. Bush bezüglich dieser Gewalttat
Westroms, wurde zutiefst in seinem Gewissen gerührt. Er unternommen hat? Immerhin ist Rachel eine US-Bürgerin,
hielt inne und verbot für alle Zukunft alle weiteren Gladiato- und beim Gaza-Streifen handelt es sich nicht um israelisches
renkämpfe. Gebiet. Israelische Truppen besetzen dieses Gebiet wider-
Neulich hat eine andere Wallfahrerin von weither ihren zer- rechtlich und entgegen mehreren Resolutionen des UN-
brechlichen Körper dazwischen geworfen mit dem Ausruf Sicherheitsrates, die Israels sofortigen Rückzug fordern.
„Haltet Inne!“ An ihrer Seite stand ein Mann, der innig und Wenn es überhaupt jemals ein klares Kriegsverbrechen gege-
mit Demut zum Himmel betete, sie möge damit Erfolg haben. ben hat, dann ist es dieses, vollständig mit jeder Menge Zeu-
Wir können uns vorstellen, wie andere Christen vor 1600 gen und von Anfang bis Ende mit Farbvideo und Foto aufge-
Jahren beteten, als Telemachus seinen Körper zwischen die nommen.
Gladiatoren warf. So wie damals Telemachus, so wurde auch Sollte das Volk und die Regierung der Vereinigten Staaten
Rachel Corrie von den Herzlosen gnadenlos zermalmt, taub unter solchen Umständen nicht eine Entschuldigung verlan-
gegenüber ihrem Flehen und zornig über ihre Botschaft. In gen? Sollte da nicht der US-Präsident eine Pressekonferenz
den Zuschauerrängen des weltweiten Videodroms riefen vie- einberufen und verlangen, daß Sharons Regierung die Täter
le der Zuschauer ebenfalls „töte, töte!“, viele davon selbst verhaftet, und zwar sowohl die direkt beteiligten Soldaten als
Judeo-Christen. Soweit stimmt unsere Analogie. auch deren militärischen wie zivilen Vorgesetzten? Sollte er
Die völlige Abgebrühtheit dieses wohl-dokumentierten dann nicht die Auslieferung dieser Kriegsverbrecher verlan-
Kriegsverbrechens, der vorsätzliche Charakter dieser Tat des gen, damit diese in den USA vor Gericht zur Verantwortung
israelischen Fahrers; und ebenso die danebenstehenden israe-
lischen Sicherheitstruppen, für die es keine zehn Sekunden
wert war, Rachel und ihre Freunde mit ein wenig Tränengas
zu vertreiben, all dies entzieht sich unserem Verständnis. Wir Die neuesten Opfer
wissen, daß sich keiner dieser zionistischen Besatzungssolda- Am 10. April 2003 schossen israelische Solda-
ten alleine in den Gazastreifen begibt, um dort Wohnungen ten auf Tom Hurndall, 22, einen britischen
zu zerstören. Aber um dieses Szene von Dantes Inferno zu
ISM-Aktivisten, bei dessen Versuch, Kinder in
vervollständigen, um diese satanische Beleidigung Christi zu
perfektionieren, kamen hinterher einige jüdische Pharisäer
Rafah vor israelischem Gewehrfeuer zu
vorbei, die sich weigerten, jener Frau, die dort zermalmt am schützen. Tom wurde von Scharfschützen im
Boden lag, medizinische Hilfe zu leisten. Dies geschah nicht Kopf getroffen. Sein Zustand ist kritisch.1
unweit von der Stelle entfernt, wo vor zwei Jahrtausenden Brian Avery, 23, ein US-amerikanischer ISM-
der barmherzige Samariter den verwundeten Wanderer auf-
Aktivist, wurde am 5. April 2003 durch israeli-
fand. Es ist dies nicht der Mord allein, sondern die ganze ne-
bensächliche Grundlosigkeit des Ganzen. Man kann sich vor-
sche Kräfte in Jenin ins Gesicht geschossen.
stellen, daß Dämonen in der Hölle mit den Verdammten der- Er erlitt schwere Verletzungen im Gesicht und
maßen umgehen, aber sonst erwartet man das nirgendwo. wird sich intensiver plastischen Chirurgie un-
Das Nachspiel dieses Vorfall jedoch weicht völlig von der terziehen müssen. Brian kehrte am 16. Juni
anfangs aufgezeigten historischen Parallele ab. Anstatt die 2003 vom Krankenhaus in Haifa nach Hause
Wohnungszerstörung zu verbieten, erklärte Israels Regierung zurück.2

342 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
gezogen werden können? Sollten die Vereinigten Staaten Israel kein Übel tun kann; sie sind ausschließlich damit be-
nicht sofort alle Hilfe für den zionistischen Staat einstellen, schäftigt, zionistisch-politische Ziele voranzutreiben, und sie
bis er sich dem Völkerrecht und dem Diktat der allgemeinen alle ignorieren eifrig all jene christlichen Prinzipien, die nicht
Menschlichkeit beugt? in Israels Konzept passen.
Es kann nicht überraschen, daß Präsident Bush auch nicht ei- Auch die US-Medien – CNN, FOX, ABC, CBS, Associated
nen einzigen Piepser des Protest gegenüber den Israelis ver- Press und alle großen Zeitungen in ganz Nordamerika –
lauten ließ. Dies ist deshalb verständlich, weil offen gesagt meldeten kein Sterbenswörtchen über die tragischen Ereig-
die Juden und Israel diese korrupte US-Regierung dominie- nisse vom 16. März 2003, als das Leben der jungen Rachel
ren. Sie besitzen Herrn Bush, sie kontrollieren das Verteidi- Corrie durch grausame und sadistische israelische Mörder
gungsministerium, und er, ihre unterwürfige Marionette, ausgelöscht wurde. Denn Du mußt wissen, daß auch diese
handelt untertänigst gemäß ihrem Geheiß. Medien von zionistisch-jüdischen Interessen dominiert wer-
Und wo sind die Stimmen jener, die behaupten, heute im den. Genauso wie Bush, seine Kohorten in der US-
Namen Christi zu sprechen, wo ist jene evangelistisch- Hauptstadt Washington sowie die prozionistische christliche
christliche Führerschaft, die wir täglich in den jüdischen kon- Lobby, so sind auch sie Komplizen des Mordes an Rachel
trollierten Fernsehkanälen sehen? Diese selbsternannten Pro- Corrie.
pheten, Männer wie Pat Robertson, Jerry Falwell, James Quelle: http://www.thetruthseeker.co.uk/article.asp?ID=901
Dobson und Billy Graham kümmert sich einen feuchten Keh- 1
Siehe www.palsolidarity.org/activists/tomhurndall/tomhurndall.htm
richt darum, was Rachel Corrie widerfuhr. Sie predigen, daß 2
Siehe www.palsolidarity.org/reports/writings/5Apr03_JeninMichael.htm

Die Gaza-Mauer, Israels anti-arabischer Schutzwall, im Bau …

Wie deutsches und amerikanisches Geld in Israel ausgegeben wird
Von Germar Rudolf
Es sollte Allgemeinwissen sein, daß Israel nur deshalb über- aufgezwungenen deutschen Schuldkomplex – und von den
leben kann, weil es massive finanzielle Unterstützung haupt- Vereinigten Staaten als Ergebnis des enormen politischen
sächlich von zwei Nationen erhält: von Deutschland – mittels Einflusses der amerikanischen jüdischen Lobbygruppen. Der
der Manipulierung der öffentlichen Meinung durch einen Grund für die voraussetzungslose Unterstützung Israels ist

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 343
die Behauptung, nach dem „Holocaust“ stünde den Juden ein kommunistischen Regimes in Ost-Berlin die Flucht seiner
Heimatland zu, in dem sie in Zukunft einen Zufluchtsort fin- Bürger verhindern sollte, obwohl diese jüdische Mauer der
den können. Wie die Konzentrierung von Millionen von Ju- ehemaligen Berliner Mauer schockierend ähnlich sieht. Diese
den in einem schmalen Streifen Landes umgeben von Hun- jüdische Mauer soll hingegen die jüdische Besatzungsmacht
derten von Millionen extrem feindlich gesonnener Menschen von den Risiken feindlicher Eindringlinge schützen, ähnlich
als eine sichere Zufluchtsstätte angesehen werden kann, ist an vielleicht dem altertümlichen römischen Hadrianswall in
sich ein Rätsel. Solche Umstände fordern die „Endlösung“ Schottland oder dem Limes in Deutschland. Jede Meile die-
der Judenfrage im Nahen Osten durch einen Möchtegern- ser Mauer kostet ungefähr eine Million Dollar, ermöglicht
Vernichter geradezu heraus. dank deutscher und amerikanischer Finanzhilfen. Es ist dies
Als Ergebnis dieser Lage werden die jüdischen Versuche der perfekte Ausdruck für die zionistischen Paranoia der
immer grotesker, „ihr“ Heimatland in eine Festung umzu- permanenten Belagerung. Jetzt sieht nicht nur jede israeli-
wandeln. Während sich die USA auf ihren Krieg gegen den schen Botschaft aus wie ein kleines KZ – mit dem entschei-
Irak vorbereiteten, den damals womöglich gefährlichsten denden Unterschied, daß die Wachtürme nach außen gerich-
Gegner Israels, erfand Israel die „Mauer“ neu: man begann tet sind – sondern ganz Israel scheint sich jetzt langsam in ei-
dort mit der Errichtung einer riesigen Betonmauer um den ne riesige Festung zu verwandeln, abgesichert von massiven
besetzten Gazastreifen, um die dort ansässige palästinensi- Schutzmauern und bewacht von bedrohlich ausschauenden
sche Bevölkerung abzuriegeln. Die Mauer soll bestimmt die Wachtürmen.
Juden in Israel halten, wie einst die Berliner Mauer des

Simon Wiesenthals Kriegsjahre:
Neues Licht in eine düstere Vergangenheit
Von Theodore O‘Keefe

Aus den U.S. National Archives wurde uns die Kopie eines te Simon Wiesenthal dem »US Camp Commander, Mauthau-
aus dem Jahre 1945 stammenden Dokuments zugänglich, das sen« seinen Lebenslauf und eine Liste mit den Namen von 91
neue Beweise für die Zusammenarbeit des berühmt-berüch- Männern und Frauen, die ihm zufolge Kriegsverbrechen be-
tigten „Nazijägers“ Simon Wiesenthal mit der Sowjetunion gangen hatten. In einem Begleitbrief schrieb Wiesenthal mit
während des Zweiten Weltkriegs erbringt.1 Der Verfasser des jener Zurückhaltung, die später zu seinem Markenzeichen
Dokuments, ein den amerikanischen Militärbehörden im werden sollte:
ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen in Oberöster- »Viele von diesen haben mir selbst und meinen Mitgefan-
reich übergebenen Lebenslauf, ist Simon Wiesenthal selbst. genen unermeßliches Leid zugefügt. […] Viele von diesen
In dieser kurzen Autobiographie behauptet er, dem sowjeti- habe ich selber in ihrer Zahl und Methode phantastische
schen Besatzungsregime in der ostgalizischen Stadt Lemberg Morde begehen sehen.«
(ukrainisch: Lwiw; polnisch: Lwów) als Ingenieur gedient zu Auf die Liste der „Kriegsverbrecher“ selbst sowie Wiesent-
haben und vom kommunistischen Regime für seine Dienste hals Bemühungen, diese zu identifizieren, zu charakterisieren
reich belohnt worden zu sein. Diese 1945 entstandene Dar- und anzuklagen, gehen wir im folgenden ein. Da es sich bei
stellung Wiesenthals untermauert eine gegenüber den US- dem Mann, der diese Dokumente vor nun über 58 Jahren un-
Behörden im Jahre 1948 abgegebene veröffentlichte eides- terzeichnete, um Ing. Szymon Wiesenthal handelt, der den
stattliche Erklärung, wonach er während der sowjetischen Gegenstand des vorliegenden Artikels bildet, sind seine An-
Besetzung 1939-1941 in Lemberg als »sowjetischer Chefin- gaben zu seiner Person hier jedoch von größerem Interesse
genieur« tätig war.2 als seine Jagdbeute.
Somit hat Wiesenthal kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Wiesenthal beginnt seinen „Lebenslauf“, der seiner Form
zweimal dem widersprochen, was später die Standardge- nach eher einer kurzen Autobiographie ähnelt und seine wei-
schichte seiner Zeit im sowjetisch beherrschten Lemberg teren Eingaben begleitete, mit einem kurzen und scheinbar
werden sollte: Laut dieser wurde er nämlich gezwungen, als belanglosen Abschnitt über seine Herkunft und Ausbildung.
schlecht entlohnter Fabrikmechaniker zu arbeiten und entkam Der nächste Absatz lautet:
der Deportation ins Innere der UdSSR nur um Haaresbreite. »Nach Kriegsausbruch blieb ich in Lemberg, und nach
Der Lebenslauf sowie diesem von Wiesenthal anno 1945 dem Einzug der Roten Armee setzte ich meine Arbeit als
beigelegte Dokumente enthalten zusätzliche Aussagen, die Bauingenieur und Konstrukteur von Kühlungseinrichtun-
im Widerspruch zu Wiesenthals offizieller Darstellung seiner gen sowie anderen Installationen und Privatwohnungen
Kriegsjahre stehen. Von Belang sind diese Urkunden auch, fort. Während dieser Zeit erfand ich ein künstliches Iso-
weil sie erste Belege für Wiesenthals Karriere als Denunziant liermaterial, für das mich die sowjetische Regierung mit
und Verfolger angeblicher deutscher Kriegsverbrecher liefern. einer Prämie von 25.000 Rubeln auszeichnete.«
Diese beiden Sätze liefern konkretere Einzelheiten über Si-
Lemberg: Die fehlenden Jahre mon Wiesenthals Arbeit, Status und Verhältnis zu den So-
Am 25. Mai 1945, rund drei Wochen nach der Einnahme des wjetbehörden während der 21 Monate dauernden sowjeti-
Lagers durch US-Truppen, überreichte der kurz zuvor befrei- schen Besetzung Lembergs als alle anderen bisher erschiene-

344 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
nen Aussagen oder Berichte Wiesenthals. Wie oben ver- senthal hatten die Ukrainer rund 40 Juden in den Gefängnis-
merkt, verleiht das, was er 1948 bei einer Befragung durch hof gebracht, stellten sie dort in Reih und Glied auf und be-
die US-Armee zu Protokoll gab, seiner Erklärung von 1945 gannen, sie einen nach dem anderen zu erschießen. Er berich-
Glaubwürdigkeit und vermittelt weitere Details hinsichtlich tet, die Henker hätten sich zwischen den Morden die Bäuche
seiner Aktivitäten von September 1939 bis Mitte 1941: mit Wurst vollgeschlagen und sich Wodka hinter die Binde
»Bis 1939 als professioneller Bauingenieur tätig, zwischen gekippt. In den – streckenweise in der dritten Person ge-
1939 und 1941 sowjetischer Chefingenieur, in Lemberg schriebenen – Memoiren heißt es:
und Odessa angestellt. Zehn Tage vor dem Ausbruch des »Die Schüsse sowie die Schreie der sterbenden Männer
Kriegs zwischen Deutschland und Rußland kehrte ich nach drangen immer näher zu Wiesenthal. Er erinnert sich, daß
Lemberg zurück, wo ich den deutschen Einmarsch miter- er dastand und die graue Wand anstarrte, ohne sie wirk-
lebte.« lich zu sehen. Plötzlich hörte er den Klang von Kir-
Wiesenthals ausdrückliche Behauptung, ein sowjetischer chenglocken, und eine ukrainische Stimme rief: „Genug!
Chefingenieur gewesen zu sein, ist vielsagend. Wenn er, wie Abendmesse!“«
er angab, in Odessa (Sowjetukraine), rund 300 Meilen von In jener Nacht, so fährt die Schilderung fort, wurde Wiesent-
Lemberg entfernt, gearbeitet hat, muß er sich einer Bewe- hal dank der zufälligen Begegnung mit einem in der ukraini-
gungsfreiheit erfreut haben, wie sie nur wenige Bewohner schen Hilfspolizei dienenden polnischen Bekannten in seiner
der besetzten Gebiete in Ostpolen vor dem Ausbruch des Zelle gerettet. Der Polizist heckte einen kühnen Plan aus: Er
deutsch-sowjetischen Krieges genossen. Für die meisten Po- würde seinen Kollegen erzählen, Wiesenthal sei ein Sowjet-
len war der einzige Bestimmungsort in der UdSSR während spion, und er müsse ihn einem ukrainischen Kommissar an-
der ersten Sowjetokkupation der Gulag. derswo in der Stadt vorführen. Zwar, so behauptet Wiesent-
Wiesenthals 1967 erschienene Me- hal, sei er brutal verprügelt worden,
moiren The Murderers among Us doch sei es dem ihm freundlich ge-
(Die Mörder unter uns) stehen in sinnten Polizisten geglückt, ihn und
schroffem Gegensatz zu seinen 1945 einen anderen „Spion“ (einen Freund
und 1948 aufgestellten Behauptun- Wiesenthals) aus dem Gefängnis zu
gen.3 In diesem Buch berichtet er über führen, und beide Männer waren am
seine Anstellung im kommunistisch nächsten Morgen wieder daheim,
regierten Lemberg folgendes:4 »nachdem sie mehrmals um ein Haar
»Ende September war die Rote Ar- der Verhaftung entronnen waren.«
mee in Lemberg, und wiederum Das wenige, was Wiesenthal in sei-
wurde Wiesenthal „befreit“. […] nem Lebenslauf von 1945 über die
Die Wiesenthals schafften es, in Zeit nach dem deutschen Einmarsch
Lemberg zu bleiben, doch Wiesent- berichtet, widerspricht der Geschichte
hals Zeit als unabhängiger Archi- in seinen Memoiren klar. Er schreibt:
tekt war vorbei. Er war froh, eine »Als diese Stadt nach Ausbruch des
schlechtbezahlte Stelle als Mecha- deutsch-sowjetischen Krieges von
niker in einer Fabrik zu finden, die den deutschen Truppen eingenom-
Bettfedern herstellte.« men worden war, wurde ich am 13.
Wenn das, was Wiesenthal in seinen Juli 1941 sofort als Vertreter der
Erklärungen von 1945 und 1948 hin- jüdischen Intelligenz verhaftet. Da
sichtlich seiner Anstellung, seines ich wirtschaftlich unabhängig war,
Status und seiner wirtschaftlichen La- gelang es mir, durch Bestechung
Simon Wiesenthal
ge unter den Sowjets von sich gege- aus dem Kerker freizukommen.«
ben hat, der Wahrheit entspricht,5 drängen sich weitere Fra- In dieser weniger als vier Jahre nach den behaupteten Ge-
gen zu seinen Aktivitäten und Verbindungen in Lemberg von schehnissen entstandenen Version wird Wiesenthal eine Wo-
1939 bis 1941 auf. War er KP-Mitglied? Erwarb er die so- che später verhaftet als in seinen Memoiren. Seine Rettung
wjetische Staatsbürgerschaft? Beteiligte er sich an der Ver- aus dem Kerker erfolgt hier durch Bestechungsgeld und nicht
folgung der polnischen und ukrainischen christlichen Bevöl- durch eine zufällige Begegnung mit einem selbstlosen und
kerungsmehrheit? Und weshalb wurde Wiesenthal – der an- kaltblütigen polnischen Freund. Obgleich Wiesenthal in die-
scheinend das Vertrauen der Sowjets besaß, tüchtig war und sem Dokument sowie in seiner Befragung von 1948 geltend
über hochgeschätzte Fertigkeiten verfügte – nicht mit der Ro- macht, er habe unzählige Grausamkeiten durchlebt oder ge-
ten Armee evakuiert wie so viele andere, als diese Lemberg sehen, spricht er von keiner Massenerschießung durch
Mitte 1941 räumte? schlemmende und zechende ukrainische Hilfspolizisten.
Wiesenthals Zeugenaussage von 1948 liefert ein weiteres In-
Von Kirchenglocken gerettet? diz gegen die Geschichte von seiner wundersamen Errettung
Eine der berühmtesten Episoden aus der Heiligengeschichte vor der Ermordung durch Ukrainer im Juli 1941. Er hatte
Wiesenthals besteht in seiner Verhaftung und in der angeb- damals folgendes ausgesagt:
lich in letzter Minute erfolgten Rettung vor der Exekution »Am 8. Juli 1941 wurde ich von zwei Soldaten und einem
durch ukrainische Hilfspolizei einige Tage nach Eintreffen ukrainischen Hilfspolizisten aus meinem Wohnsitz ver-
der Wehrmacht. In The Murderers among Us wird berichtet, schleppt. Eine Gruppe von 60 Juden, die wie ich aus ihren
Wiesenthal sei am Sonntagnachmittag, den 6. Juli 1941, von Wohnungen gezerrt worden waren, wartete auf der Straße;
einem ukrainischen Polizisten festgenommen und ins Brigid- wir gingen langsam die Straße hinunter, da beständig neue
ki-Gefängnis von Lemberg eingeliefert worden.6 Laut Wie- Juden aus ihren Häusern gebracht wurden. Als wir etwa

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100 bis 120 Mann zählten, schaffte man uns zu den deut- dramatische Rettung während eines von Ukrainern verübten
schen Eisenbahnwerken, wo die Armeeingenieure auf uns Blutbads verlieren, sondern sogar in direktem Gegensatz zu
warteten. Wir mußten Spießruten laufen, und fast jeder von dieser Version stehen, kann man nur folgern, daß diese Epi-
uns bekam einen Fußtritt oder einen Peitschenhieb ab.« sode in seinen Memoiren eine bewußte Verleumdung der
(Rückübersetzung aus dem Englischen.) Ukrainer darstellt sowie wohl auch ihrer Kirche.
Wiesenthal fährt fort, er habe anschließend als Zwangsarbei-
ter in den Eisenbahnwerken Dienst getan, wobei er nachts Ein Leben voller Wunder?
jeweils heimkehren durfte, und dies wenigstens zwei Wochen Obwohl seine Erklärungen von 1945 und 1948 darauf hin-
lang. weisen, daß Wiesenthal mit den Sowjets zusammengearbeitet
Jüdische Propagandisten erzählen begreiflicherweise gerne hat, ist ihm häufiger vorgeworfen worden, mit den Deutschen
skurrile und oft frei erfundene Geschichten von Greueltaten, kollaboriert zu haben.8 Schriftliche Beweise dafür sind zwar
die im Verlauf der Jahrhunderte gegen Juden begangen wor- nicht vorhanden, doch ergeben sich interessante Fragen aus
den sein sollen. Im Licht der von Wiesenthal 1945 und 1948 seinen verschiedenen Erzählungen über gewisse Kriegserleb-
gemachten Aussagen, die nicht nur kein Wort über seine nisse, beispielsweise den eigentümlichen und widersprüchli-

Lebenslauf
von
Ing. WIESENTHAL, Szymon

Ich bin am 31. Dezember 1908 in Buczacz, Polen, geboren. Meine Ausbildung umfaßte öf-
fentliche und Hochschulen in jener Stadt, das Institut für Technologie in Prag, wo ich den
Grad eines Bauingenieurs erwarb (1932), ein Staatsdiplom in Bauingenieurswesen in Polen
(1939) mit gleichzeitigem Grad eines Freien Künstlers an der Polnischen Kunstakademie in
Lemberg (1937).
Nach Kriegsausbruch blieb ich in Lemberg, und nach dem Einzug der Roten Armee setzte
ich meine Arbeit als Bauingenieur und Konstrukteur von Kühlungseinrichtungen sowie anderen
Installationen und Privatwohnungen fort. Während dieser Zeit erfand ich ein künstliches Iso-
lierungsmaterial, für das mich die sowjetische Regierung mit einer Prämie von 25.000 Rubeln
auszeichnete.
Als diese Stadt nach Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges von den deutschen Trup-
pen eingenommen worden war, wurde ich am 13. Juli 1941 sofort als Vertreter der jüdischen
Intelligenz verhaftet. Da ich wirtschaftlich unabhängig war, gelang es mir durch Bestechung,
aus dem Kerker freizukommen. Aufgrund der antijüdischen Einschränkungen konnte ich meinen
Beruf als Architekt nicht weiter ausüben und arbeitete eine Zeitlang als Maler in den Eisen-
bahnwerken von Lemberg. Am 20. Oktober 1941 wurde ich wiederum festgenommen; der Grund dafür
war, daß ich meinen Ingenieursgrad nicht angegeben hatte, den ich in der Tat nicht hatte
enthüllen wollen, da ich nicht bereit war, für die Deutschen zu arbeiten. Nach vier Wochen
wurde ich als Konstruktionszeichner in dasselbe Eisenbahnwerk zurückgeschickt, wo ich fast
zwei Jahre lang als einer von 1500 Juden verbleiben mußte, die man wie mich selbst zur Ar-
beit zwang. Während dieser Zeit geriet mein Leben mehrmals in höchste Gefahr, und ich verlor
beide Eltern, die von den Nazis umgebracht wurden. Zur gleichen Zeit erlebte ich auch die
Massenvernichtung von Juden in jener Stadt, auch wenn es meiner Gattin glückte, nach War-
schau zu entkommen. Von ihr habe ich seither nicht mehr gehört, und ich kann nur vermuten,
daß sie während des Aufstandes in jener Stadt im August 1944, bei dem 200.000 Juden ihr Le-
ben verloren, umgekommen ist. Nur weil ich in der Eisenbahnwerkstatt arbeitete, gelang es
mir, mit dem Leben davonzukommen.
Als mir klar wurde, daß die Nazis ihre Politik der vollkommenen Vernichtung der Juden
begannen, flüchtete ich am 18. Oktober 1943 aus dem Lemberger Zwangsarbeitslager, wo ich
während meiner zweijährigen Arbeit in den Eisenbahnwerken gefangen gehalten worden war (als
Häftling wurde ich mit den anderen täglich unter Bewachung ins Werk geleitet), und tauchte
unter, bis ich mich am 21. November 1943 jüdischen Partisanen anschloß, die dort tätig wa-
ren. Während ich in den Reihen der Partisanen gegen die Nazis focht, gelang es uns, eine er-
hebliche Menge von Beweisen und anderem Material zu sammeln und zwecks Sicherstellung zu
vergraben, welches die von den Nazis verübten Untaten belegte. Als die Partisanen von den
Deutschen zerstreut wurden, floh ich am 10. Februar 1944 nach Lemberg und versteckte mich
wiederum. Am 13. Juni 1944 wurde ich bei einer Hausdurchsuchung erwischt und kam sofort in
das bekannte Lager Lacki nahe der Stadt. Da es für gefangengenommene Partisanen keinen Aus-
weg gab, versuchte ich durch Aufschneiden meiner Pulsadern Selbstmord zu begehen, wurde je-
doch gerettet.
Mit dem Beginn der russischen Offensive schickte man mich von einem Konzentrationslager
ins andere; dies war das Ergebnis des stetigen deutschen Rückzugs. Zu diesen Lagern gehörten
Premysl, Dobromil, Chyrow, Sanok, Dukla, Grybow, Neu-Sandez, Krakow-Plashow, Großrosen und
Buchenwald. Nach Mauthausen kam ich am 15. Februar 1945.
Ing. Wiesenthal Szymon
Ing. Szymon WIESENTHAL“
Simon Wiesenthal unterbreitete diesen kurzen Lebensbericht, der den Schwerpunkt auf seine Erfahrungen während der
Kriegsjahre legte, am 25. Mai 1945 den US-Armeebehörden in Mauthausen, drei Wochen nachdem US-Truppen das KL
übernommen hatten.7

346 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
chen Darstellungen seines Schicksals nach seiner abermali- rückte (die Deutschen räumten die Stadt einen Monat später),
gen Verhaftung durch die Deutschen im Jahre 1944. kann man nicht so recht begreifen, weshalb ein Partisanenof-
Wiesenthal hat stets behauptet, 1943 in Lemberg aus deut- fizier und mit Partisanendokumenten ertappter Spezialist
scher Gefangenschaft geflohen zu sein.9 Doch was er über nicht unverzüglich verhört, sondern in ein Krankenhaus ver-
die mehreren in Freiheit verbrachten Monate berichtet hat, ist bracht wurde, wo er sich, wie Wiesenthal anderswo in seiner
höchst widerspruchsvoll. In seinen Memoiren heißt es ledig- Aussage von 1948 angibt, mehr als einen Monat lang erholen
lich, er habe sich vor den Deutschen versteckt. In seinem Le- durfte.
benslauf von 1945 gab er an, sich „jüdischen Partisanen“ an- Wie bereits vermerkt, steht in Wiesenthals Memoiren nichts
geschlossen und in deren Reihen gekämpft zu haben. Bei sei- darüber, daß er Partisan gewesen sein soll. Doch heißt es
ner Befragung von 1948 gab er zu Protokoll, bei den Partisa- dort, er sei bei seiner Festnahme im Besitz einer Pistole ge-
nen Major gewesen zu sein, der sich auf den Bau von Bun- wesen (was sicherlich zu seiner Einstufung als Partisan ge-
kern und Befestigungen spezialisiert habe, und deutete an, führt hätte); auch soll er »ein von ihm geführtes Tagebuch
seine Gruppe sei von den Sowjets unterstützt worden. Im Ju- und eine Liste mit den Namen von SS-Wachmännern und ih-
ni 1944 sei er wieder in Gefangenschaft geraten. In seinem ren Verbrechen« bei sich getragen haben, die er erstellt hatte,
Lebenslauf von 1945 serviert er freilich eine andere Version: »weil er glaubte, sie könne eines Tages von Nutzen sein«.10
»Während ich in den Reihen der Partisanen gegen die Na- In den Memoiren heißt es, die Pistole sei gleich von einem
zis focht, gelang es uns, eine erhebliche Menge von Bewei- der Offiziere, die Wiesenthal verhaftet hatten, zwecks Ver-
sen und anderem Material zu sammeln und zwecks Sicher- kauf auf dem Schwarzmarkt gestohlen worden (wunderba-
stellung zu vergraben, welches die von den Nazis verübten rerweise hatte Wiesenthal also die Pläne des Offiziers
Untaten belegte. Als die Partisanen von den Deutschen erahnt), doch habe man ein Papier mit gepfefferten Anklagen
zerstreut wurden, floh gegen einzelne deutsche
ich am 10. Februar Offiziere bei ihm gefun-
1944 nach Lemberg den, das er irgendwann
und versteckte mich den Alliierten übergeben
wiederum. Am 13. Juni wollte.
1944 wurde ich bei ei- Abermals wurde Wie-
ner Hausdurchsuchung senthal nicht nur ver-
erwischt und kam so- schont, sondern man ver-
fort in das bekannte zichtete – immer seiner
Lager Lacki nahe der eigenen Darstellung nach
Stadt. Da es für gefan- – sogar darauf, ihn zu
gen genommene Parti- verhören. Der Folter will
sanen keinen Ausweg er entkommen sein, in-
gab, versuchte ich dem er zweimal versuch-
durch Aufschneiden te, Selbstmord zu bege-
meiner Pulsadern hen, das erste Mal durch
Selbstmord zu begehen, Aufschneiden seiner
wurde jedoch gerettet.« Pulsadern, das zweite
Wie er als Jude und Par- Mal durch Erhängen.
tisan aus dem Gewahr- Nachdem man ihn ins
sam der deutschen Si- Kommerzialisierung der Lüge: Krankenhaus gebracht
cherheitskräfte gerettet Video und DVD-Fassungen von Wiesenthals Helden- und Schauer- und mittels nahrhafter
wurde, geht aus der Er- märchen. Nahrung wieder aufge-
klärung nicht hervor, doch bei seiner Befragung von 1948 päppelt hatte, war sein Verhör für den 15. Juli 1944 vorgese-
war Wiesenthal gesprächiger: hen, doch anscheinend hatten die Deutschen sein Tagebuch
»Am 13. Juni 1944 waren wir in diesem Bunker [in Lem- und seine schwarze Liste inzwischen vergessen, denn die Ro-
berg]. Man suchte dort nach Waffen und erwischte uns. Es te Armee war im Anmarsch, und Wiesenthal wurde mit ei-
gelang uns nicht mehr, unsere eigenen Waffen einzusetzen. nem Kontingent jüdischer Gefangener nach Westen evaku-
[…] Ich schnitt mir sofort die Arterie auf. Man brachte uns iert.11
ins Lonsky-Gefängnis, und sie fanden einen Teil meiner Was immer man über diese Diskrepanzen und Unwahr-
Unterlagen. Wir hatten Tag für Tag auf eine sowjetische scheinlichkeiten denken mag: Es ist jedenfalls bemerkens-
Offensive gewartet und erstellten darum zu jener Zeit ge- wert, daß einer der prominentesten Überlebenden der angeb-
wisse Unterlagen über das gesamte Partisanengebiet, in lichen Hitlerschen Judenausrottungspolitik selbst einräumt,
dem wir uns befanden. Die Notizen waren in unserem Be- unter Umständen überlebt zu haben, die ihm bei Vorliegen
sitz, und diesem Umstand verdanke ich es, daß ich nicht einer solchen Politik einen alsbaldigen Tod garantiert hät-
sofort getötet wurde wie so viele andere Juden, denn diese ten.12 Angesichts der verschiedenen Ungereimtheiten in sei-
Unterlagen schienen sehr wertvoll zu sein, und darum lie- nen diversen Berichten drängt sich der Verdacht förmlich
ferte man mich nach meinem Selbstmordversuch in ein Ge- auf, daß Wiesenthal sehr wohl verhört wurde – doch warum
fängniskrankenhaus ein.« (Rückübersetzung aus dem Eng- hat er dies dann geleugnet?
lischen.)
Somit war Wiesenthal dieser Version zufolge nicht nur Jude Falsus in uno…?
und Partisan, sondern ein bewaffneter jüdischer Partisan. Da Ein ehrwürdiges juristisches Prinzip besagt: „Falsus in uno,
die Rote Armee zu jenem Zeitpunkt rasch auf Lemberg vor- falsus in omnibus“ („In einem Punkt falsch, in allen Punkten

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falsch“, oder, volkstümlich übersetzt, „Einmal ein Lügner, Fällen irgendwelche Einzelheiten und gibt nur dreimal das
immer ein Lügner“). Natürlich kann man hier einwenden, Datum und den Ort eines spezifischen Verbrechens an. Er
daß viele Menschen manchmal lügen, aber durchaus nicht behauptet, ein von ihm einfach als »Krieger, Gen.maj. SS«
immer, und daß eine Wahrheit auch dann eine Wahrheit bezeichneter Mann (vermutlich Obergruppenführer Fried-
bleibt, wenn sie aus dem Munde eines solchen Menschen rich-Wilhelm Krüger) habe »am 18. August 1941 persönlich
stammt. Selbstverständlich ist bei der Bewertung von Zeugen- 13.000 Menschen durch Erschießen umgebracht«, und vier
aussagen dieser weniger strikte Maßstab anzulegen, auch bei Offiziere hätten »am 18. November 1943 in Lemberg 7.000
Wiesenthal, doch strapaziert dieser unsere Nachsicht allzu oft. getötet«, verzichtet jedoch meist auf Daten: »Tötete in seinem
1945 hatte er in seinem Lebenslauf geschrieben: Werk in Lemberg 1.200 Juden« (über Georg Gross, den
»Während dieser Zeit geriet mein Leben mehrmals in »Chef der Lemberger Eisenbahnwerke«); »tötete allein in
höchste Gefahr, und ich verlor beide Eltern, die von den Tarnopol 8.000 Juden« (über den angeblichen Untersturm-
Nazis umgebracht wurden.« führer »Rokita«); »größter Mörder von allen. Die Zahl seiner
In dem beigelegten Begleitbrief hieß es: Opfer beläuft sich auf Tausende« (über »Amond [sic] Goeth«,
»Da alle Angehörigen meiner Familie und meine nächsten den Kommandanten des Lagers Plaszow bei Krakau); »ver-
Verwandten von den Nazis getötet worden sind, bitte ich antwortlich für mehrere tausend Tote« (über einen einfach
Sie, mich den US-Behörden zur Verfügung zu stellen, wel- als »Hasse« bezeichneten Mann).
che die Kriegsverbrechen untersuchen.« Trotz des Fehlens präziser Informationen über spezifische
Doch in seinen Memoiren wird über Wiesenthals Vater be- Missetaten wimmelt Wiesenthals Liste nur so von konkreten
richtet, dieser habe während des Ersten Weltkriegs in der Beschreibungen der Angeklagten. Während wir über »Scher-
österreichischen Armee gedient. Weiter steht dort klipp und ner« (vielleicht Julius Scherner, der als SS- und Polizeiführer
klar: »Er fiel 1915 im Kampf.«13 Könnte sich der Hinweis in im Distrikt Krakau Dienst tat) lediglich erfahren, daß er
seinem Lebenslauf vielleicht auf seinen Stiefvater bezogen »Kranke im Hospital tötete«, wird »Hujar Untersturmführer«
haben? Den Memoiren zufolge lautet die Antwort nein:14 als »Gewinner zahlreicher Wetten« geschildert, bei denen es
»Wiesenthals Stiefvater wurde in ein sowjetisches Gefäng- darum ging, »mit einer Kugel zwei Köpfe zugleich zu durch-
nis verbracht, wo er bald starb.« bohren«, und ein angeblicher Unterscharführer »Lied« wird
In seiner vereidigten Erklärung von 1948 sagt Wiesenthal als »Degenrat [sic] und Sammler der Schädel seiner Opfer«
nichts über seine Eltern. vorgestellt. In einigen Fällen ergeht sich Wiesenthal in Schil-
In Anbetracht der 1945 aufgetischten Lügen Wiesenthals derungen von Mordmethoden, die an oscarträchtige Holo-
über die Ermordung seines Vaters durch die Deutschen caust-Grusicals aus Hollywood gemahnen:
(zweifellos wollte er sich so das Mitleid der Amerikaner si- »Schlimmster Sadist und Killer, bediente sich ausschließ-
chern) und der vielen anderen Widersprüchlichkeiten in sei- lich einer Axt«,
ner Zeugenaussage ist man versucht, den vorher zitierten la- oder noch lächerlicher:
teinischen Spruch ein wenig abzuändern: „Falsus in pluribus“ »Die beiden letzteren spezialisierten sich darauf, Men-
(„Falsch in allen möglichen Punkten.“) schen zu hängen und bei lebendigem Leibe in Stücke zu
hacken.«
Wiesenthals Liste Eine größere Zahl von Anklagen ist weniger dramatisch und
Die den Amerikanern von Wiesenthal angebotene Liste an- vager formuliert:
geblicher Kriegsverbrecher umfaßt vier Seiten und stellt den »Listenführer des Lagers. Viele Grausamkeiten,«
ersten eindeutigen Beweis für seine Aktivitäten als „Nazijä- »Legte eifrigsten Sadismus an den Tag.«
ger“ dar. Da ihm die angeblich im Wald vergrabenen (oder »„Arbeitete“ in Böhmen.«
ihm von der Gestapo abgenommenen) Unterlagen fehlten, Rund 20 der auf der Liste Aufgeführten werden überhaupt
mußte er sich auf sein fabulöses Gedächtnis verlassen; dies keiner Verbrechen bezichtigt. Dies verrät hie und da den
hatte Folgen, auf die wir bald zu sprechen kommen. Es gibt Hang des Verfassers zum Erfinden griffiger Spitznamen für
keine Beweise dafür, daß Wiesenthal je als Belastungszeuge seine Bösewichte, doch alles in allem fehlte es Wiesenthal
gegen einen der Genannten aufgetreten ist, ebenso wie klare noch an jener Phantasie, die er später an den Tag legen sollte:
Belege dafür fehlen, daß die Genannten wirklich Verbrechen Der »Planer und Organisator von Massenmorden in ganz
begangen haben; auch liefert er wenige Hinweise auf Ort- Galizien« war schlicht ein »Engels, Gestapokommissar«.
schaften. Doch Wiesenthals Liste vermittelt einen Vorge- Obgleich in der Einleitung geltend gemacht wird, Wiesenthal
schmack seiner künftigen Karriere als begabter Erfinder von habe vielen der aufgelisteten Schreckenstaten persönlich bei-
Greuelmärchen und mag auch das eine oder andere Indiz für gewohnt (»[…] die ich selbst bei Morden und anderen Ver-
sein Treiben während des Krieges liefern. brechen gegen die Menschlichkeit beobachtet habe«), be-
In der kurzen Einleitung zu der 91 Namen umfassenden Liste hauptet er anschließend nur in einem einzigen Fall, selbst da-
schreibt Wiesenthal: bei gewesen zu sein, nämlich bei der angeblichen Erschie-
»Folgendes ist eine kurze Liste von SS-Männern und ßung von 13 Männern mit amerikanischen Pässen »am [sic]
Gestapo-Agenten sowie von Mitgliedern der Nazipartei, August 1944«.
die ich selbst bei Morden und anderen Verbrechen gegen Wiesenthals Liste liefert augenscheinlich keine greifbaren
die Menschlichkeit beobachtet habe.« Beweise für kriminelle Taten und dürfte auch bei der Auffin-
Die Liste ist in zwei Gruppen unterteilt. Die erste hatte Wie- dung seiner 91 Übeltäter wenig hilfreich gewesen sein. Ob-
senthal im »Distrikt Galizien (Lemberg)« getroffen (oder von gleich er in 70 Fällen den Rang oder (manchmal in sehr all-
ihnen gehört), die zweite im »Lager Krakau-Plashow« (sic). gemeinen Worten) die Funktion des Betreffenden nennt,
Er legt den Genannten unzählige Massenmorde zur Last (ins- kennt er bloß bei 18 von ihnen den Vornamen (in einem Fall
gesamt sollen seine 91 Nazis rund 1.150.000 Menschen über lediglich den ersten Buchstaben davon). Bei 42 der angebli-
den Jordan befördert haben), nennt aber in den wenigsten chen Kriegsverbrecher wird der Heimat- oder Herkunftsort

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angegeben, doch kaum je die genaue Adresse (zwei der Ge- »Um Ihnen meine persönlichen Daten zu vermitteln, lege
nannten sollen aus Holland, weitere drei aus der damals von ich einen kurzen Lebenslauf bei.«
Ungarn annektierten Batschka-Region gestammt haben). Nur Die Verfasserin führt den größten Teil der Einleitung zur
in fünf Fällen wird eine Straße genannt und in zwei eine voll- Wiesenthal-Liste an und gibt viele seiner Anschuldigungen
ständige Anschrift. Bei 12 der 91 erfahren wir den Zivilberuf, richtig wieder, unterläßt jedoch jeglichen Hinweis auf den
bei drei davon auch jenen von Verwandten. Lebenslauf, der dem Begleitbrief folgt und vor der Liste von
Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, einen Ver- „Kriegsverbrechern“ im Dossier des Krakauer Prozesses
such zur korrekten Identifizierung der 91 Personen auf Wie- steht, in dem sich die Dokumente von 1945 befinden.16 Auch
senthals Liste zu unternehmen oder herauszufinden, was mit bei ihrer Darstellung von Wiesenthals Leben unter den So-
jenen geschah, die tatsächlich existiert haben. Doch liefert wjets sowie während der restlichen Kriegszeit läßt die Auto-
eine Analyse der von Wiesenthal gelieferten Informationen rin kein Sterbenswörtchen über diese Urkunde fallen.17
möglicherweise wichtige Hinweise auf die Verbindungen, die Hella Pick und andere Biographen mögen das in den Doku-
er zur Kriegszeit pflegte. 13 der Aufgelisteten sollen »Gesta- menten aus dem Jahre 1945 (Brief, Liste und Lebenslauf)
po-Agenten« gewesen sein, davon acht in Lemberg/Galizien vorhandene Beweismaterial für Wiesenthals Kollaboration
und fünf in Krakau/Plaszow. Bei den restlichen 78 kann er und allgemeine Unehrlichkeit unterdrückt haben, doch ist
nur in 10 Fällen mit dem Vornamen und in einem Fall mit dies sicherlich weniger bedeutsam als die unfaßbare Leicht-
dem Anfangsbuchstaben des Vornamens aufwarten (14,1 %), gläubigkeit der Heerscharen von Wiesenthal-Bewunderern
bei 34 (43,6%) mit dem Herkunftsort, bei 10 (12,8%) mit während seiner langen Karriere. Wenn Frau Pick die Drei-
dem Zivilberuf, dazu bei zweien von ihnen noch mit dem von stigkeit hat, Wiesenthals Behauptung »Mein Gedächtnis war
Verwandten. Doch bei seinen 13 angeblichen Gestapo- zu jener Zeit hervorragend« beifällig zu zitieren, und zwar
Agenten kennt Wiesenthal in sieben Fällen (53,8%) den Vor- unmittelbar nach ihrer Schilderung seiner Darstellungen aus
namen, bei neun (69,2%) den Herkunftsort und bei fünf dem Jahre 1945,18 so bildet diese Chutzpah das Gegenstück
(38,5%) den Zivilberuf, dazu bei einem jenen eines angehei- zur Naivität, geistigen Trägheit und Schlampigkeit der brei-
rateten Verwandten. Daß er nur bei einem seiner 13 Gestapo- ten Masse seiner Anhänger. Seit nunmehr fast vierzig Jahren
Agenten mit dem Rang in Armee oder Polizei dienen kann haben seine endlose Hatz auf eine bestimmte Kategorie an-
(während er bei 54 der 78 anderen den Rang nennt, darunter geblicher Verbrecher sowie seine Mißachtung rechtsstaatli-
bei Gestapo-Offizieren), verstärkt den Eindruck, daß es sich cher Normen und historischer Genauigkeit Wiesenthal die
bei ersteren um militärische oder zivile Untergrundagenten höchsten Auszeichnungen eingebracht, die Regierungen ver-
gehandelt haben dürfte. Wenn Wiesenthal über dermaßen ne- leihen können, und ihn in den Augen einer breiten Öffent-
bulöse Figuren weitaus mehr konkrete Angaben machen lichkeit zum umschwärmten Helden werden lassen.
kann als über die leichter identifizierbaren Offiziere und son- Wiesenthals langes Leben neigt sich anscheinend seinem En-
stigen Personen, verleiht dies dem Verdacht Auftrieb, daß de zu, und es besteht kaum Hoffnung, daß seine wirkliche
Wiesenthal selbst im Solde der Gestapo stand. Vergangenheit noch vor seinem Hinschied gründlich unter-
sucht und öffentlich bloßgestellt wird. Doch schließt dies
Wiesenthal hinter der weißgetünchten Fassade keinesfalls aus, daß ein kompetentes Forscherteam sich die-
Bekanntlich ist Wiesenthal seit den sechziger Jahren Gegen- ser Aufgabe in den kommenden Jahren zuwenden wird. Hin-
stand eines regelrechten Kults. Seine geschickte Maskierung ter die lackierte Fassade des Wiesenthal-Mythos zu blicken
von Rache als Gerechtigkeit sowie seine (oft von A bis Z er- und die Fäulnis zu enthüllen, die sich da angesammelt hat,
fundenen) Abenteuer bei der Treibjagd auf mit phantasievol- würde einen zumindest teilweisen Einblick in den Verfalls-
len Spitznamen bedachte Nazi-Superkriminelle haben ihn in prozeß vermitteln, dem die westliche Gesellschaft seit ge-
der westlichen Welt zum Helden gemacht. Sicherlich hatte raumer Zeit ausgesetzt ist. Und auch wenn Simon Wiesenthal
und hat er seine Widersacher, beispielsweise gewisse israeli- dann nicht mehr unter den Lebenden weilen sollte, würde der
sche Diplomaten und Geheimdienstoffiziere, den verstorbe- Ruf des „Nazijägers“ durch eine Beleuchtung seiner tatsäch-
nen jüdischstämmigen österreichischen Bundeskanzler Bruno lichen Aktivitäten während des Krieges zweifellos gehörig
Kreisky und die Revisionisten, doch ihre Stimmen wurden zurechtgestutzt, denn Tatsachen sind die Todfeinde des „Er-
durch den ohrenbetäubenden Beifall seitens der Medien über- innerns“.
tönt.15 Innerhalb der Holocaust-Industrie treibt eine recht an-
sehnliche Wiesenthal-Industrie ihre Sumpfblüten: Es gibt Anmerkungen
Dutzende von Büchern von und über Wiesenthal; er wird in Zuerst veröffentlicht unter »The War Years of Simon Wiesenthal: New Light
einer ganzen Reihe von Dokumentar- und Spielfilmen darge- on a Dark Past« im Journal of Historical Review 21(1) (2002), S. 15-22.
stellt; die in Los Angeles ansässige Stiftung, die ihn für die Übersetzt von Jürgen Graf.
1
Benutzung seines Namens entlohnt, hat Dutzende von Mil- Memorandum des Hauptquartiers der Alliierten Expeditionsstreitkräfte.
Thema: Kriegsverbrechen, 6. Juli 1945. Dossier 000-50-59, Unterlagen
lionen Dollar in Form von Spenden und Regierungssubven- des Hauptquartiers der US-Armee in Europa (USAEUR), Abteilung für
tionen eingeheimst. Kriegsverbrechen, Dokumentengruppe 338, National Archives at College
Doch gibt es überzeugende Beweise dafür, daß zumindest ei- Park, College Park, Maryland. In einer 1996 erschienenen Biographie
ner seiner jüngsten Biographen Zugang zu seinen 1945 nie- wird Wiesenthal dahingehend zitiert, er habe die Originaldokumente auf
dergeschriebenen Dokumenten hatte. In ihrem Buch Simon Polnisch verfaßt. Doch die englische Version in den National Archives
trägt seinen Namen, und er hat nie bestritten, daß sie seine Aussagen kor-
Wiesenthal: A Life in Search of Justice schreibt Hella Pick, rekt wiedergibt. Siehe Hella Pick, Simon Wiesenthal: A Life in Search of
Wiesenthal habe den US-Armeebehörden in Mauthausen eine Justice, Northeastern University Press, Boston 1996, S. 84f.
2
auf den 25. Mai 1945 datierte Liste mit 91 Namen überreicht. Verhör Nr. 2820. Unterlagen der Verhörsabteilung der Beweisermitt-
Frau Pick zitiert fast den gesamten Text des aus Wiesenthals lungsabteilung des Amtes des Hauptrats für Kriegsverbrechen, Dokumen-
tengruppe 238, National Archives Microfilm Publication M1019, Film-
Feder stammenden Begleitbriefs, läßt aber bezeichnender- rolle 79, National Archives at College Park, College Park, Maryland. Die
weise den letzten Satz weg: Befragung Wiesenthals fand am 27. und 28. Mai 1948 statt, dem An-

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 349
schein nach im Rahmen der Untersuchung angeblicher Verbrechen der Häftling, Wiesenthal habe während des Krieges mit der Gestapo zusam-
Wehrmacht. Das Verhör wurde auf deutsch geführt; die in diesem Artikel mengearbeitet. Siehe seine Aussage in: Mark Weber, »Simon Wiesenthal:
angeführten Auszüge wurden vom Verfasser übersetzt und weichen in ei- Fraudulent Nazi Hunter«, Journal of Historical Review 15(4) (1995), S. 9f.
9
nigen Punkten von den Übersetzungen im Artikel »New Documents Raise Murderers…, aaO. (Anm. 3), S. 33-34; Verhör von 1948; Lebenslauf.
10
Doubts as to Simon Wiesenthal‘s War Years« ab (Journal of Historical Murderers…, aaO. (Anm. 3), S. 34.
11
Review 8(4) (1988), S. 489-503). Ebenda, S. 35-37.
3 12
Simon Wiesenthal, The Murderers among Us: The Simon Wiesenthal In einer weiteren eidesstattlichen Erklärung, die diesmal 1954 im Rahmen
Memoirs, ed. Joseph Wechsberg, Bantam, New York 1968. (Die Origi- eines Wiedergutmachungsantrags in Düsseldorf abgegeben wurde („Ei-
nalausgabe erschien 1967 bei McGraw-Hill in New York.) In diesem desstattliche Erklärung über die Zeit meiner Verfolgung“, in: Robert
Buch stehen seltsamerweise Wiesenthals eigene Erzählungen über seine Drechsler, Simon Wiesenthal: Dokumentation, Dokumente zur Zeitge-
Nazijagden neben vier Kapiteln, in denen sein Leben erzählt wird, »so schichte 1/1982) behauptet Wiesenthal, unmittelbar nach seiner Verhaf-
wie er es [dem Herausgeber] Joseph Wechsberg berichtet hat.« (S. vi). tung (vermutlich zur Erlangung von Informationen) gefoltert worden zu
Man wird natürlich annehmen dürfen, daß der biographische Teil von sein, doch habe er sich die Pulsadern aufgeschnitten und sei ins Kranken-
Wiesenthal genehmigt worden ist. haus eingeliefert worden. Daß Wiesenthal hier seinen sonstigen Darstel-
4
Ebenda, S. 25 lungen zu diesem Punkt widersprach, mag sich durch seinen Wunsch
5
Es lohnt sich der Hinweis darauf, daß in den beiden letzten (von Bewun- nach Wiedergutmachungsgeldern erklären lassen. In dieser Aussage steht
derern stammenden) Biographien Wiesenthals zwar dessen Behauptung nichts über seine Aktivitäten während der Sowjetherrschaft.
13
übernommen wird, er sei ein von den Kommunisten schlecht behandelter Murderers…, aaO. (Anm. 3), S. 23.
14
Bettfedernhersteller gewesen, daß jedoch auch festgehalten wird, er habe Ebenda, S. 25.
15
eine Zeitlang als Bauingenieur in Odessa gearbeitet. Siehe H. Pick, Simon Mark Weber, Simon Wiesenthal…, aaO. (Anm. 8), passim.
16
Wiesenthal…, aaO. (Anm. 1), sowie Alan Levy, The Wiesenthal File, Pick, Simon Wiesenthal…, aaO. (Anm. 1), S. 85-86.
17
W.B. Erdmans Co, Grand Rapids, MI, 1994, S. 33f. Beide Bücher beruhen Pick, Simon Wiesenthal…, aaO. (Anm. 1), S. 48-73, passim. Laut Pick (S.
dem Vernehmen nach auf ausführlichen Interviews mit Wiesenthal. In kei- 85) hat der wohlbekannte Filmregisseur Abby Mann (Judgement at Nu-
nem steht bei der Schilderung seiner Aktivitäten im sowjetisch beherrschten remberg) die Wiesenthal-Dokumente aus dem Jahre 1945 in den National
Lemberg ein Hinweis auf Dokumente oder Transkripts der Interviews. Archives konsultiert, während er Material für seine – später mit dem
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Murderers…, aaO. (Anm. 3), S. 26f. Emmy-Award ausgezeichnete – Fernsehserie Murderers among Us: The
7
Eine Abbildung des englischsprachigen Dokuments befindet sich auf S. Simon Wiesenthal Story sammelte. Wir haben diese Serie zwar nicht ge-
16 der anfangs zitierten Ausgabe des Journal of Historical Review. Da sehen, doch geht aus Berichten hervor, daß Mann, der als Leutnant der
das Dokument mit »/s/« für »signed« endet, ist davon auszugehen, daß es US-Armee 1945 in Mauthausen mit Wiesenthal Freundschaft schloß, al-
sich bei diesem Dokumente entweder um eine Abschrift oder um eine les vermieden hat, was der Wiesenthal-Legende ernstlichen Schaden hätte
Übersetzung des Originals handelt. zufügen können.
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Beispielsweise behauptete Bruno Kreisky, Jude und ehemaliger KL- Pick, Simon Wiesenthal…, aaO. (Anm. 1), S. 85.

Meine revisionistische Methode
Von Prof. a.D. Dr. Robert Faurisson
Ich bin es nicht gewöhnt, in meinem Heimatland, dem »mil- Position sei »verrottet«. »Es gibt zu viele Lügen«, hält er fest
den Frankreich« (douce France),1 Komplimente und Glück- – laut Pressac nicht jüdische, sondern kommunistische Lügen.
wünsche zu erhalten. Am 26. Mai 2000 schrieb im Figaro ein Er fragt:
Gérard Slama, ich sei der »anerkannte Meister in der Kunst »Können die Dinge wieder ins Lot gebracht werden?«
der Erpressung wissenschaftlicher Wahrheit«. Und am 24. Und er liefert die Antwort gleich mit:
März 2000 las ich auf der Titelseite von Le Monde des »Es ist zu spät.«
Lettres folgende, von Pierre Vidal-Naquet2 stammende Cha- Pressac erklärt, für »offizielle Gewißheiten« gebe es keine
rakterisierung meiner Person: Zukunft mehr.
»Angesichts der Lüge, deren reinster Ausdruck Faurisson Vielleicht ist es uns gelungen, Pressac zu bekehren. Sollte
ist, empfindet man eine Art merkwürdigen philosophischen dies der Fall sein, dann möglicherweise darum, weil ich im
Schwindes.« Mai 1995 das Gericht darum ersucht habe, Pressac als Zeu-
Ich hoffe, es wird Ihnen bei meinen Ausführungen nicht gen zu einem meiner vielen Prozesse zu laden. Unvorsichti-
schwindlig werden. gerweise gab er der Vorladung statt. Es war mir untersagt,
Es gibt freilich auch gute Nachrichten aus Frankreich, insbe- ihm Fragen zu stellen, so daß ich meinen Anwalt instruierte,
sondere die Veröffentlichung des Buches einer jungen Dame dies für mich zu tun. Ich wollte ihm die Sache einfach ma-
namens Valérie Igounet. Ihr siebenhundertseitiges Werk Hi- chen und sagte ihm:
stoire du Négationnisme en France3 (Geschichte des Nega- »Sie brauchen ihm bloß zwei Fragen zu stellen. Erstens:
tionismus in Frankreich) ist aus einer Doktorarbeit entstan- „Sie haben kürzlich ein Buch mit dem Titel Les Créma-
den. Es ist voll und ganz gegen uns Revisionisten eingestellt, toires d’Auschwitz: La Machinerie du Meurtre de Masse[5]
doch werden wir darin so oft zitiert, daß man das Buch als veröffentlicht, das sechzig Illustrationen enthält: Fotos,
gute Einführung für einen Laien bezeichnen könnte, der gerne Zeichnungen etc. Können Sie uns ein Foto oder eine
wissen möchte, was die Revisionisten zu sagen haben. Viel- Zeichnung einer Gaskammer zeigen?“«
leicht sollte die Verfasserin dafür gerichtlich belangt werden. Natürlich war Pressac dazu nicht in der Lage. Die zweite
Das Buch endet mit einem erstaunlichen Interview mit dem Frage, die ich meinem Anwalt aufgetragen hatte, lautete:
„Holocaust“-Forscher Jean-Claude Pressac. Wie Sie wissen, »Was ist eine Gaskammer? Bitte beschreiben Sie eine!«
war dieser der Liebling der Klarsfelds, Pierre Vidal-Naquets Wie es seine Art ist, sprach Pressac des langen und breiten
und dergleichen. Doch was sagt er hier? Überraschenderwei- über Ventilation und Ventilatoren. Er schweifte so sehr vom
se scheint er sich mehr oder weniger von den Exterminationi- Thema ab, daß ihm die vorsitzende Richterin auf die Sprünge
sten4 loszusagen. Pressac meint, die exterminationistische zu helfen versuchte:

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»Aber Herr Pressac, ein Ventilator ist zur Ventilation da.« Meine Antwort lautete:
Ich konnte sehen, daß Pressac drauf und dran war, in Tränen »Ich habe keine.«
auszubrechen. Er sagte zu den drei Richtern: Sie hätten das Lächeln dieses Anwalts sehen sollen! Er war
»Sie müssen verstehen, daß ich nur ein Leben habe. Sie müs- ganz entzückt. Hier hatten wir einen Professor vor uns – doch
sen verstehen, daß ich in meinem Kampf alleine dastehe.« er besaß keine Methodologie! Ich sagte:
Sie sehen also, es hat sich einiges verändert. Und nun direkt »Ich habe lediglich eine Methode. Mir scheint, ich habe
zu meinem Vortrag. schon sehr oft bemerkt, daß die Leute das Wort „Methodolo-
Ich weiß, daß diejenigen unter Ihnen, welche an früheren gie“ als hochtrabenden Ersatz für „Methode“ verwenden.«
Konferenzen teilgenommen haben, enttäuscht wären, wenn Als ich nach Frankreich zurückgekehrt war, öffnete ich mein
ein Faurisson-Vortrag nicht in drei Teile gegliedert wäre. geliebtes American Heritage Dictionary of the English Lan-
Dieser Vortrag zerfällt in der Tat in drei Teile. Der erste wird guage. Ich schlug das Stichwort »Methodologie« auf und
sich mit meiner revisionistischen Methode in der Literatur fand folgende Anmerkung:
befassen, denn ich war literarischer Revisionist, ehe ich hi- »Immer häufiger als geschwollener Ersatz für „Methode“
storischer Revisionist wurde. Vielleicht wird Sie dies etwas verwendet.«
verblüffen, besonders jene unter Ihnen, die nicht mit der Ich sandte eine Fotokopie an den Anwalt und beide Richter
französischen Literatur vertraut sind. Nur keine Angst: Ich (ein seltsamer Prozeß, bei dem es zwei Richter gibt!).
werde es leicht machen. Der zweite Teil ist meiner revisioni- Meine Methode ist schwierig und riskant – bisweilen sogar
stischen Methode in der Geschichte gewidmet – und nicht physisch riskant, setzt sie doch voraus, daß ich manchmal
nur jener des „Holocaust“. Im dritten Teil werde ich mehrere meinen Fuß an Orte setzen muß, wo ich unwillkommen bin,
neue Forschungen vorschlagen, Forschungen, die ich nicht und harte Fragen stellen muß. Die Anwendung meiner revi-
mehr unternehmen kann, die jedoch von einer neuen Genera- sionistischen Methode kann einem eine Ohrfeige oder einen
tion von Revisionisten in Angriff genommen werden könn- Gefängnisaufenthalt bescheren. Doch beim Erforschen histo-
ten. Ich werde neue Arten und Methoden der Forschung auf rischer Probleme darf man nicht zimperlich sein. Man darf
folgenden Gebieten empfehlen: Erstens dem Anne-Frank- sich nicht auf Papierwerk und Archive beschränken – was
Tagebuch, zweitens dem Einsatzgruppenproblem, drittens sehr leicht ist.
dem Schicksal von in Auschwitz geborenen Kindern, viertens Manchmal muß man gewissen Leuten von Angesicht zu An-
den „braunen Juden“, die während des Krieges mit Deutsch- gesicht gegenübertreten, wie ich es mit Anne Franks Vater in
land kollaboriert haben, sowie fünftens der Abfassung und seinem Haus oder mit Michael Berenbaum in seinem Büro im
Veröffentlichung eines Gegen-Führers für das U.S. Holo- U.S. Holocaust Museum getan habe. Berenbaum hat vor kur-
caust Memorial Museum. zem das Vorwort zu einem sehr schweren Buch verfaßt, von
dem ich von einem Freund Ernst Zündels ein Exemplar erhal-
Meine revisionistische Methode ten habe. Ich halte es hiermit vor die Kamera: Sein Titel lau-
Der Revisionismus ist keine Ideologie. Er ist eine Arbeitsme- tet The Holocaust Chronicle.6 Hören Sie genau hin: Sie wer-
thode, ein Prozeß der Überprüfung und abermaligen Über- den den Klang der Leere hören.
prüfung allgemein akzeptierter Ansichten. Man kann auf je- Berenbaums Problem besteht darin, daß er Bücher schreibt,
dem beliebigen Feld revidieren, in der Physik, der Geschichte die dicker und dicker werden, doch während sie immer mehr
oder anderswo, doch gibt es verschiedene Arten, die revisio- Muskeln erfordern, erheischen sie immer weniger Hirn. Ver-
nistische Methode zu praktizieren. Ihre revisionistische Me- suchen Sie, in diesem Opus eine Gaskammer zu finden! Es
thode hängt von Ihnen ab, von Ihrem Charakter und Ihrer gibt Hunderte von Fotos. Hier ist eine, die zwei Wände zeigt.
Ausbildung. Ich will nicht behaupten, meine Methode sei die Es ist die Gaskammer von Dachau, die »nie in Betrieb war«
bestmögliche, doch werde ich versuchen, meine Methode, die (wie seit 1960 anerkannt wird und auf einem Schild in der
meinem speziellen Training sowie meiner speziellen Ausbil- Gedenkstätte Dachau steht), doch heißt es anderswo (auf S.
dung erwachsen ist, zu beschreiben. 609) im Buch, sie sei sehr wohl in Betrieb gewesen, aber nur
Ich habe nach Adjektiven zur Beschreibung dieser Methode ein klein wenig (»relativ wenige der Insassen Dachaus wur-
gesucht und dabei die folgenden gefunden: Es handelt sich den vergast«). Hier haben wir ein anderes Foto vor uns, eines
um eine Methode, die klassisch, direkt, kühn, wagemutig und der Gaskammer von Belzec. Doch o weh – das ist ja die Gas-
streng ist – sehr streng sogar. Dies ist eine Tatsache. Manch- kammer von Auschwitz I, von der wir nun wissen, daß sie
mal verwende ich den Begriff „Revisionismus mit Nieten und ein Schwindel ist.
Nägeln“. Meine Methode lehnt große Worte ab. Seien Sie
einfach, obgleich dies so schwer ist. Stoßen Sie direkt zum Meine revisionistische Methode in der Literatur
Mittelpunkt der Frage vor, und versuchen Sie zuerst, mir den Ich habe 1939, im Alter von zehn Jahren, begonnen, Latein
Pudding zu bringen. Ich will keine Worte. Ich werde den zu studieren. Als ich zwölf war, fing ich mit dem Erlernen
Pudding kosten, doch zuerst bringen Sie mir den Pudding – des Griechischen an. Mir scheint, damals bin ich zum Revi-
das heißt, keine intellektuelle Aufgeblasenheit und keine Pe- sionisten geworden. Ich will Ihnen sagen warum. Ich mochte
danterie. Latein und Griechisch sehr, doch die Beherrschung dieser
Sie mögen vielleicht gemerkt haben, daß ich das Wort „Me- Sprachen war höchst aufwendig. Latein ins Französische
thode“ verwende. Ich habe nicht „Methodologie“ gesagt. Im oder Englische zu übersetzen ist schwierig, Griechisch ins
Dezember 1998 trat ich beim Prozeß meines liebsten Freun- Französische oder Englische zu übertragen ist noch schwieri-
des Ernst Zündel als Zeuge auf. Ein jüdischer Anwalt fragte ger, doch am schwierigsten ist es, Französisch oder Englisch
mich: ins Latein oder Griechische zu übersetzen.
»Der Professor, der zu Ernst Zündel und seinen Schriften Die Übersetzung aus dem Französischen ins Latein und Grie-
aussagte, hat uns seine Methodologie erklärt. Was ist Ihre chische lehrte mich eine schmerzliche Wahrheit: Wir sind
Methodologie, Herr Faurisson?« unfähig, auch nur unsere eigene Sprache sorgfältig zu lesen.

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 351
Wir bilden uns ein, wir könnten dies, und können es doch Meine revisionistische Methode auf dem Gebiet der
nicht. Erst wenn man gezwungen ist, aus seiner eigenen Geschichte
Sprache in eine fremde zu übersetzen, bemerkt man, daß man Ich werde meine Methode auf dem Gebiet der Geschichte
nicht sorgfältig gelesen hat. Sorgfältig zu lesen ist äußerst ausführlicher erörtern. Begonnen habe ich mit der Anwen-
schwierig. Ich glaube, wenn Sie etwas wirklich verstehen dung einer sehr präzisen Befragungsmethode zur Erfor-
wollen, sollten Sie es in eine Sprache übertragen, die von Ih- schung des „blutigen Sommers“ von 1944, einer Periode, die
rer eigenen ganz verschieden ist: Latein, oder Griechisch, wir in Frankreich »L’Epuration« (die Säuberung) nennen.
oder Hebräisch, oder Chinesisch. Dank meines Latein- und Genau wie ich es bei der Auseinandersetzung mit der Dich-
Griechischstudiums erwarb ich große praktische Erfahrung tung getan hatte, bemühte ich mich, meine Untersuchungen
auf diesem Feld. zu konzentrieren, indem ich meine Aufmerksamkeit einem
Als ich französische Literatur zu unterrichten begann, hatte kleinen Gebiet in Frankreich zuwandte. Ich studierte die Fra-
ich anfangs Schwierigkeiten. In Frankreich ist es gängige ge der vom Maquis (oder der Résistance) durchgeführten
Praxis, daß man seinen Studenten einen kurzen Text zum Er- Hinrichtungen. Dies war eine schwierige und gefahrenvolle
klären und Kommentieren aufgibt. Es wird von den Lehrern Arbeit. Ich mußte Männer ausfindig machen und befragen,
verlangt, daß sie den Studenten beim Verständnis des Textes welche Angehörige der Erschießungskommandos gewesen
behilflich sind, indem sie ihnen mehrere Fragen vorlegen. waren, und ihnen Fragen stellen wie:
Auch ich ging anfänglich so vor; ich hielt mich an die übli- »Warum haben Sie mitgemacht? Wie konnten Sie dies
che Prozedur. Eines Tages dämmerte es mir, daß die Fragen tun?«
meine Studenten davon abhielten, sich auf die sorgfältige Es ist dies eine sehr aufreibende Arbeit. Sie müssen die Orte
Lektüre des Textes zu konzentrieren, und ich beschloß, Ihnen aufsuchen, wo die Exekutionen stattfanden. Sie müssen die
künftig keine Fragen mehr vorzulegen. Ich ersuchte sie fortan genauen Namen der Angehörigen des jeweiligen Erschie-
lediglich, den Text zu erklären, und sagte ihnen, sie sollten ßungskommandos herausfinden. Damals, in den sechziger
jegliches Kommentieren unterlassen. Jahren, hatten die Menschen große Angst, insbesondere vor
Meine Methode des Literaturunterrichts war für meine Stu- den Kommunisten. Doch ich untersuchte die von der Rési-
denten nicht ohne Gefahren. Ich pflegte ihnen zu sagen: stance durchgeführten Hinrichtungen und veröffentlichte die
»Wenn Sie einen Text studieren, versuchen Sie, seine Be- Ergebnisse meiner Forschungen.7 Sie müssen sich vor Augen
deutung zu verstehen. Lesen Sie sorgfältig. Und nun will halten, daß man uns erzählt, während des Krieges habe es in
ich Ihnen etwas Schwieriges sagen: Akzeptieren Sie von Frankreich „Widerstandskämpfer“ gegeben. Wir haben von
Anfang an, daß es entweder eine Bedeutung gibt oder kei- „Widerstandskämpfern“ und „Kollaborateuren“ gehört. Ich
ne. Verwechseln Sie Bedeutung nicht mit Kommentar.« möchte festhalten, daß es zur Kriegszeit zwei Arten von Wider-
Ich brachte ihnen eine Art Technik bei. Ich sagte jeweils: standskämpfern gab: Widerstandskämpfer gegen die deutsche
»Sie müssen den Text lesen und den Verfasser vergessen. Besetzung sowie solche gegen den kommunistischen Terror.
Der Verfasser jedes Textes ist für Sie auctor ignotus [unbe- Ich komme nun zum „Holocaust“. Wie ging ich hier vor? Ich
kannter Autor]. Auf diese Weise werden Sie keine vorge- hatte Leute sagen hören, es habe Gaskammern gegeben. An-
faßten Meinungen haben. Hüten Sie sich vor dem Titel: dere sagten schon damals, es habe keine gegeben. Welche
Der Verfasser benutzt ihn, um Sie zu beeinflussen. Es ist Methode zur Revision der Geschichte entsprach meiner Na-
genau so, als ob der Verfasser sagte: „Dies ist reiner tur, mir selbst? Ich sagte mir:
Orangensaft“, und wenn sie ihn kosten, merken Sie, daß es »Also gut, ich sehe, daß man sich über die Frage streitet,
kein reiner Orangensaft ist.« ob die Gaskammern existiert haben, und möchte nun eine
Ich schärfte meinen Klassen ein, Poesie genau so zu lesen einfache Frage stellen: „Was ist eine Nazigaskammer? Ich
wie Prosa, was in Frankreich fast schon ein Verbrechen ist. muß eine sehen.“«
In Frankreich haben wir, wie Sie wissen, eine sehr raffinierte So fuhr ich nach Paris und suchte das Centre de Documenta-
Intelligenzia. Sie hat alle möglichen Theorien ausgebrütet, tion Juive Contemporaine auf. Ich erinnere mich, wie der Ar-
von denen eine so lautet: Wenn man es mit komplexer Dich- chivangestellte mich fragte, was ich wünsche. Ich antwortete:
tung zu tun hat, wie jener von Gérard de Nerval, Arthur »Das Foto einer Nazigaskammer.«
Rimbaud, Charles Baudelaire, Lautréamont, Apollinaire und Der Mann entgegnete:
Paul Valéry, darf man nicht versuchen, sie zu verstehen. »Wir haben viele Bücher.«
Doch lag es in meiner Natur, daß ich ihre Dichtung verstehen »Ein Foto«, sagte ich. »Wir haben viele Zeugenaussagen«,
wollte, Zeile um Zeile, Wort um Wort. Manchmal kam es fuhr er fort. »Ein Foto«, wiederholte ich. »Wir haben viele
vor, daß ich Wochen auf einen kurzen – und schwierigen – Dokumente«, wich er aus. »Ein Foto«, beharrte ich. Dann rief
Text von Gérard de Nerval aufwendete (oder verschwende- er Madame Imbert (ich erinnere mich an ihren Namen).
te). Vielleicht war meine Methode gut, denn ich erzielte da- »Kommen Sie herein. Dieser Herr möchte das Foto einer
mit oft befriedigende Resultate. Nazigaskammer.«
In den Sechzigern machte ich mir einen Namen in der fran- Ich schwöre, daß sie sagte:
zösischen Literatur. Ich hatte ein wunderbares Leben. Ich ha- »Wir haben viele Zeugenaussagen.«
be einmal geschrieben, mein Leben bestehe aus vier Teilen. »Aber dieser Herr will ein Foto«, wandte der Archivange-
Der erste war meine Familie – meine Frau und meine drei stellte aufgebracht ein. Man bedeutete mir, ich solle mich
Kinder – sowie die Freuden des Lebens. Der zweite war mein hinsetzen. Volle sechzig Minuten saß ich da. Die arme Frau
Beruf, das Unterrichten. Der dritte war meine literarische durchstöberte die Regale und öffnete ein Buch nach dem an-
Forschungsarbeit. Vielleicht hätte ich bei diesem dritten Teil deren – erfolglos. Schließlich brachte sie mir ein allgemein
Halt machen und mich nicht in den gefahrenschwangeren bekanntes Foto, dasjenige eines behelmten US-Soldaten, der
vierten Teil vorwagen sollen, doch wurde ich auch auf dem vor den Entlausungsgaskammern in Dachau steht, sowie ähn-
Gebiet der Geschichte zum Revisionisten. liche Bilder. »Hier gibt es ein Problem«, dachte ich mir.

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Die Direktheit meiner Methode liegt darin, daß ich jeweils und dies die Gefahr einer Vergiftung erhöht. Ich fragte ledig-
zum Zentrum des Zentrums vorstoße – sogar in einem jüdi- lich:
schen Dokumentationszentrum. Das sogenannte jüdische »Wie war das möglich? Sagen Sie es mir. Liefern Sie mir
Dokumentationszentrum in Paris hatte ein Dossier mit der eine Erklärung, die technisch gesehen Hand und Fuß hat.«
Bezeichnung »Massenvergasungen von Menschen«. »Da ha- Wissen Sie, welche Antwort Pierre Vidal-Naquet, Léon Po-
be ich aber Glück!« sagte ich mir. »Die schwerwiegendsten liakov und 32 weitere Historiker auf meine Fragen erteilten?
Anklagen gegen Deutschland müssen hier vorzufinden sein. Sie hatten eine prächtige Antwort, die sie am 21. Februar
Ich will mit den allerschwerwiegendsten anfangen.« Nun, ich 1979 in Le Monde veröffentlichten:
ging die schwerwiegendsten Vergasungsvorwürfe durch und »Man darf sich nicht fragen, wie solch ein Massenmord
fand – nichts. technisch möglich war. Er war technisch möglich, weil er
Ich beschloß, die Orte aufzusuchen, wo es angeblich Gas- stattgefunden hat.«
kammern gegeben hatte. Zuerst reiste ich nach Struthof- Vielleicht hätte ich nun aufhören und mir sagen sollen:
Natzweiler in der Nähe von Straßburg und entdeckte, daß die »Nun gut, sie können mir nicht antworten. Ich werde ein-
dortige „Gaskammer“ durchaus keine Gaskammer war, ob- fach warten, bis eine Antwort erfolgt.«
wohl sie auf großen Schildern als solche betitelt wurde. Ich weiß nicht, weshalb ich nicht locker ließ. Als erster habe
Kaum hatte ich die Ergebnisse meiner Untersuchung veröf- ich die Pläne der angeblichen Gaskammern publiziert, ob-
fentlicht, wurde die „Gaskammer“ dem Zutritt der Öffent- gleich es eigentlich Aufgabe der Gegenseite gewesen wäre,
lichkeit entzogen. Versuchen sie einmal, sie zu betreten! Die dies zu tun.
Schilder mit der Aufschrift „Gaskammer“ hängen immer Am 19. Januar 1995 hatte ich den größten Schock meines
noch da, aber man teilt den Besuchern mit: Lebens – und ich habe viele solche erlebt. Als ich die Wo-
»Wir können Sie nicht hereinlassen, denn es hat Fälle von chenzeitschrift L’Express öffnete, fand ich einen langen Arti-
Vandalismus gegeben.« kel von Eric Conan, einem Historiker, der mit Haut und Haa-
Dies stimmt nicht und ist so oder so keine akzeptable Erklä- ren gegen uns eingestellt ist. Die Überschrift lautete: »Au-
rung. schwitz: La Mémoire du Mal« (Auschwitz: Die Erinnerung
Als ich Majdanek besuchte, steuerte ich schnurstracks auf den an das Böse.) Dort las ich auf Seite 68 folgendes über die
Ort zu, wo sich die Gaskammern befunden haben sollen. Die- Gaskammer von Auschwitz I:
ses Gebäude trägt heute noch eine unübersehbare Aufschrift, »Alles daran ist falsch.«
die von der deutschen Lagerverwaltung angebracht worden Im gleichen Artikel schrieb Conan über das, was er als »Fäl-
war und besagt: »Bad und Desinfektion.« Ich dachte mir: schungen« bezeichnete:
»In diesem Gebäude werde ich entweder „Bad und Desin- »Es war für Faurisson ein Leichtes, dies zu sagen, um so
fektion“ und sonst gar nichts finden, oder aber ich finde mehr, als die Verantwortlichen der Gedenkstätte sich wei-
„Bad und Desinfektion“ und dazu noch irgend etwas Ver- gerten, ihm zu antworten.«
dächtiges.« Da stand es also schwarz auf weiß. Dabei war der angebliche
Was ich dann fand, war nichts weiter als „Bad und Desinfek- Fälscher doch die ganze Zeit über ich gewesen, und die Ex-
tion“, einschließlich einer ganz charakteristischen Vorrich- terminationisten galten als die Verkünder der Wahrheit. Da-
tung: Ein kleiner Ofen neben der sogenannten „Gaskammer“, mals, im Jahre 1995, räumte ein orthodoxer Historiker also
der zur Beschleunigung des Entlausungsvorgangs mittels ein, daß Faurisson recht gehabt hatte, fügte jedoch gewisser-
Erwärmen der Luft diente, sowie in der Mitte der Türe ein maßen gleich hinzu: „Na und?“
Platz für das Thermometer. Wie Sie sehen, unterscheidet sich Der Besuch einer dieser Stätten kann dazu führen, daß einem
meine Methode nicht allzu stark von der Art und Weise, wie ein anderes schlagkräftiges Argument einfällt, das freilich
die Polizei ein Verbrechen untersucht. überraschenderweise niemand, nicht einmal Fred Leuchter,
Ich besuchte Auschwitz, Treblinka und ähnliche Orte. An je- ins Feld geführt hat. Wenn man darlegen möchte, daß die be-
dem von ihnen fand ich eine verschwindende Gaskammer. hauptete Kapazität der deutschen Verbrennungsöfen unmög-
Sobald ich mich ihr näherte, entschwand sie. Ich stellte den lich hoch ist, kann man auf ganz einfacher Ebene argumen-
Führern nie irgendwelche Fragen. Wie wir wissen, leiern die- tieren. Man braucht keine zweihundert Seiten zu schreiben.
se bedauernswerten Leuten bloß auswendiggelernte Lektio- Man gehe nur hin und suche ein Krematorium auf. Man er-
nen herunter. Immer, wenn ich ein Lager aufsuchte, verlangte mittle die Kapazität der heutigen Krematoriumsöfen und ver-
ich eine Unterredung mit einem Experten, den ich um eine gleiche diese mit jener Kapazität, die für Auschwitz vor
Erklärung zu der fehlenden Gaskammer bitten konnte. Ich sechzig Jahren behauptet wird. Dasselbe kann man mittels
habe nie eine bekommen. der Untersuchung einer Gaskammer tun. Man sehe sich eine
Als Ergebnis veröffentlichte ich in Le Monde am 29. Dezem- amerikanische Exekutionsgaskammer an, und man wird ent-
ber 1978 einen Artikel, dem am 16. Januar 1979 ein Leser- decken, wie kompliziert es ist, auch nur eine Person zu ver-
brief in derselben Zeitung folgte. Ich stellte einfache Fragen gasen. Sicher, wir wissen, daß manche Aspekte einer formel-
(gehen Sie immer so einfach wie möglich vor!): Wie konnte len Hinrichtung eine Art Luxus sind. Stellen Sie sich nur vor,
man eine Gaskammer betreten, um die Leichen herauszuzie- wie es 1924 war, als erstmals in den USA eine Hinrichtung
hen, wenn dies doch dem Betreten eines Ozeans von Blau- durch Gas erfolgte. Sie werden dann begreifen, wie unge-
säure gleichkam? Wie konnten die Arbeiter die Leichen an- mein kompliziert eine Vergasung ist, auch heute noch. Sie
fassen, wenn das Gift doch durch die Haut dringen kann? brauchen nur eine tatsächlich existierende Gaskammer in ei-
Wie war das mit der körperlichen Anstrengung, die mit einer nem amerikanischen Zuchthaus mit einer sogenannten Nazi-
solchen Räumungsarbeit verbunden war – wir wissen gaskammer zu vergleichen. Dann werden Sie einsehen, daß
schließlich, daß man in einem soeben mit Blausäure entwe- die Durchführung einer Vergasung in den angeblichen Gas-
sten Raum selbst die kleinste Anstrengung wie das Öffnen kammern der Nationalsozialisten ein Ding der Unmöglichkeit
eines Fensters unterlassen muß, weil man dann rascher atmet gewesen wäre.

VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 353
Es reicht jedoch nicht, die Orte aufzusuchen; man muß auch erhabener Art. Der eine Text war „eine Anrufung der Göt-
mit Menschen sprechen. Genau wie ich es getan habe, muß ter“, der andere „eine Anrufung der Seele von diesem oder
man dorthin gehen, wo die Gefahr lauert. 1994 stattete ich jenem“, und so weiter. Nachdem Champollion die altägypti-
Michael Berenbaum, dem damaligen Forschungsdirektor des sche Schrift enträtselt hatte, stellte sich heraus, daß es sich
U.S. Holocaust Museum, einen überraschenden Besuch ab. bei solchen Texten oftmals um Listen von so und so vielen
Nachdem ich mir die Ausstellung zusammen mit zwei ameri- Kühen, so und so vielen Ziegen, so und so vielen Schafen
kanischen Freunden angesehen hatte, rief ich Michael Beren- handelte. So arbeiten Intellektuelle: Sie verkünden immer
baum von der Eingangshalle aus an. Ich sagte ihm am Tele- große Ideen, Philosophie. Ich hasse Philosophie. Ich hasse
fon: sie, weil ich sie einfach nicht verstehe.
»Mein Name ist Robert Faurisson. Ich möchte gerne mit Mein Vorbild für den Revisionismus in der Geschichte ist
Ihnen sprechen.« vielleicht am ehesten Sherlock Holmes. Man muß mutig sein
Berenbaum erwiderte ohne zu zögern: wie er. Und wie Sherlock Holmes muß man sich kurz fassen
»Es ist viertel vor vier. Um Viertel nach vier erwarte ich und stets den Kern der Frage anpacken. So kam es zu meiner
Sie in meinem Büro.« prägnanten Formel »No holes, no „holocaust“« (Keine Lö-
Es war, als hätte er die ganze Zeit über auf mich gewartet. cher, kein „Holocaust“), von der Sie gehört haben. Es mag
Als ich sein Büro betrat, sah ich nicht nur Berenbaum, son- Sie überraschen, daß ich diese Formel erstmals bei der IHR-
dern auch zwei weitere Herren, die auf einem Sofa saßen. Sie Konferenz von 1994 aussprach. Ich erinnere mich, daß da-
waren die Direktoren des Museums. Links und rechts flan- mals niemand darauf reagiert hat, vielleicht weil mein Eng-
kierten mich meine eigenen Begleiter und Zeugen. Beren- lisch so mangelhaft ist. Dann, zwei oder drei Jahre später,
baum fragte: begannen Revisionisten wie Dr. Countess zu reagieren und
»Nun, was für Fragen haben Sie?« warnten:
Ich antwortete: »Wir müssen vorsichtig sein. Ihre Formulierung ist sehr
»Unten, im Gästebuch, habe ich folgendes eingetragen: Ich kurz.«
habe diesen Ort am 30. August 1994 besucht. [Ich liebe Ich kann diesen Einwand begreifen. Wenn etwas sehr kurz
Daten.] Ich habe keine Antwort auf meine Herausforde- ist, kann es zu kurz sein. Komplizierte Dinge, so scheint es,
rung „Zeigen oder zeichnen Sie mir eine Nazigaskammer“ lassen sich nicht in ein paar wenige Worte kleiden. Ich kann
gefunden.« sehr wohl verstehen, weshalb die Menschen vorsichtig und
Ich wußte, daß es im Museum eine Schwindelgaskammer zurückhaltend sind, doch manchmal liegt in der Kürze tat-
gab, hätte aber gerne von Berenbaum persönlich gehört, daß sächlich die Würze.
es ein gutgemachter Schwindel war. Freilich wußte ich, daß Ich meine, daß »No holes, no „holocaust“« ein guter Spruch
er dies nicht sagen würde. war, und kann dies wie folgt erklären: Wenn man ein wirk-
»Warum sollte ich Ihre Frage beantworten?« erwiderte er. lich großes Problem vor sich hat, weiß man, daß man es nicht
»Wer steht auf Ihrer Seite? Ernst Zündel, Bradley Smith. vollumfassend anpacken kann. Dies wäre ein Ding der Un-
Merken Sie sich, daß wir letztes Jahr zwei Millionen Besu- möglichkeit, weil es einfach zu groß ist. Was muß man dann
cher hatten. Wer sind Sie denn?« tun? Man muß sich ein Herz fassen und direkt zum Mittel-
Ich sagte: »Sie müssen meine im Gästebuch eingetragene punkt des Kerns vorstoßen. Der Mittelpunkt des „Holocaust“
Frage beantworten.« »Ich sehe nicht ein, warum«, versetzte ist Auschwitz. Auschwitz ist seine Zitadelle. Somit haben wir
er. Plötzlich kam mir eine Inspiration, und ich sagte ihm: einen großen Kreis H – „Holocaust“ – und darin einen klei-
»Doch, Sie müssen mir antworten, weil Sie eine Anklage ge- neren Kreis A – Auschwitz. Was ist nun der Mittelpunkt von
gen die Deutschen erheben.« Wahrscheinlich wurde sich Be- Auschwitz? Nun, der Mittelpunkt ist K – die Krematorien,
renbaum zum ersten Mal in seinem Leben bewußt, daß er mit von denen jedes eine (oder mehrere) Menschentötungsgas-
der Behauptung, die Gaskammern hätten existiert, eine An- kammer(n) enthalten haben soll. Was aber ist der Mittelpunkt
klage gegen die Deutschen erhob. Ich dachte, er würde mir von K? Es kann nur das einzige Krematorium sein, von dem
eine Ohrfeige verabreichen. Berenbaum wurde tatsächlich es heißt, es sie noch verhältnismäßig intakt, ohne eine „Re-
wütend, und einige Augenblicke lang meinte ich, er würde konstruktion“ zu sein. Dies ist heute das Krematorium II in
die Sicherheitsbeamten herbeirufen. Wenn ich mich recht erin- Auschwitz-Birkenau. Es ist zwar von den Deutschen ge-
nere, stellte er das Tonbandgerät ab – und die ganze nächste sprengt worden (oder vielleicht von den Russen, aber das
Stunde lang quälte ich den armen Mann mit meinen Fragen. spielt keine große Rolle). Unsere Gegner sagen:
Ein Revisionist muß ein wenig sadistisch sein können. Er »Dies ist der Ort.«
muß eine Frage beharrlich wiederholen und sagen können: Also müssen wir uns zum Krematorium II begeben und dort
»Ist das der Zahn, der Ihnen weh tut?« – »Ja.« – »Wirklich? das Epizentrum des Holocaust suchen: Die Löcher in der
Dieser da?« Auf diese Art und Weise habe ich all meine Un- Decke der angeblichen Gaskammer im Krematorium II.
tersuchungen durchzuführen versucht. Durch diese Löcher sollen die SS-Männer nämlich die Zy-
klon-B-Granulate eingeworfen haben. Gehen Sie zum Kre-
Machen Sie es einfach… matorium II. Suchen Sie diese Löcher. Sie werden kein ein-
Als ich revisionistische Arbeit auf dem Feld der Literatur lei- ziges finden.
stete, war mein Vorbild Jean-François Champollion, der Im Frühjahr 2000 hat mir Charles Provan eine Schrift über
Mann, der im Jahre 1822 die ägyptischen Hieroglyphen ent- diese Löcher überreicht.8 Er revidiert darin meinen Revisio-
zifferte. Champollion verließ sich nicht auf große Worte oder nismus, was eine recht gute Sache ist. Nun werde ich seine
große Theorien. Er versuchte einfach, Wort für Wort zu ver- Revision meines Revisionismus revidieren. Dies ist zunächst
stehen. Wissen Sie, daß es vor seiner Entdeckung viele Pro- nur eine vorläufige Stellungnahme, in der ich nur meine er-
fessoren gab, die es fertigbrachten, über Texte zu reden, die sten Eindrücke mitteilen will. Ich habe Herrn Provan zugesi-
sie nicht verstanden? Natürlich waren ihre Erklärungen stets chert, daß ich dazu später näher Stellung beziehen werde.

354 VffG · 2003 · 7. Jahrgang · Heft 3 & 4
Meiner Ansicht nach ist es eine gute Arbeit. Zuerst einmal ist in. In jenen winzigen Räumen in Amsterdam lebten zwei
sie kurz. Anders als die Bücher Berenbaums. Soweit ich ur- Jahre lang acht Menschen, umgeben von anderen Räumen,
teilen kann, ist sie gut gemacht. Sie ist präzis. Ganz offen- in denen „Feinde“ wohnten. Die „Feinde“ hörten mit.«
sichtlich hat Provan hart daran gearbeitet. Doch enthält seine »Jawohl«, stimmte er mir zu.
Studie einen schlimmen methodischen Fehler. Um es einfach »Wie kommt es denn, daß der junge Mann auf dem Estrich
zu sagen: man darf Zeugenaussagen nicht mit dem vermen- Holz spaltet, um Anne mit seiner Kraft zu beeindrucken?
gen, was man an Ort und Stelle vorfindet, also mit den mate- Können Sie sich den Lärm vorstellen? Paer stellt sogar
riellen Spuren. Möbel her, und jeden Morgen klingelt der Wecker. Dazu
Sie, Herr Provan, haben mit den Zeugenaussagen angefan- lärmt der Radioapparat; wenn der Zahnarzt [einer der
gen. Doch anstatt die materiellen Spuren für die angeblichen acht] einen Patienten behandelt, schreit dieser, und so fort.
Einwurflöcher von den Zeugenaussagen zu trennen, sprechen Wie erklären Sie dies alles?«
Sie bei Ihrer Beurteilung der Zeugenaussagen darüber, was Er konnte keine Erklärung vorbringen.
wir an Ort und Stelle finden müßten. Dies bedeutet, die Din- Als nächstes wollte ich wissen:
ge durcheinanderzubringen. Wenn Sie mir einen Vergleich »Wie war das mit dem Müll?«
gestatten: Statt beim Anmachen einer Vinaigrette zuerst Öl Hören Sie sich diesen französischen Intellektuellen an!
und dann Essig zu nehmen, tischen Sie zuerst die Vinaigrette »Wie war das mit dem Müll? Sie schreiben, dieser sei im
auf und versuchen dann das Öl vom Essig zu trennen, was Ofen verbrannt worden.«
allzu schwierig ist, verstehen Sie? Mehr dazu später. Aber »Ja.«
Charles Provan hat seriöse Arbeit geleistet, und wir müssen »Doch Sie sind am 12. Juni eingezogen. Sie sagen, Sie hät-
sie ernst nehmen.9 ten den Ofen zum ersten Mal am zwölften oder fünfzehnten
Oktober angezündet, wenn ich mich recht erinnere. Was
Revisionistische Methoden für die Zukunft taten Sie also im Sommer mit dem Müll, und wie war das
Nun zur revisionistischen Methode für eine neue Generation. später mit dem Rauch? Sie lebten an einem Ort, der als
Ich muß sagen, daß ich recht gerührt war, als ich hier ankam menschenleer galt. Doch Rauch ist ein Zeichen dafür, daß
und Germar Rudolf sowie Jürgen Graf angestrengt zusam- jemand dort wohnt, besonders nachts. Sehen Sie sich ein-
men arbeiten sah. Das ist die neue Generation. Einer der bei- mal an, wie auffällig Rauch nachts ist.«
den, Germar Rudolf, befindet sich im Exil.10 Was für eine Otto Frank vermochte nichts zu antworten.
Schande, daß er seine Heimat, seine Karriere, seine Frau und Ich stellte dem armen Mann viele solche Fragen. Seine Frau
seine beiden Kinder zurücklassen mußte! Jürgen Graf aus der mischte sich gelegentlich in unser Gespräch ein:
Schweiz ist zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Ist »Erstaunlich! Ja, wie habt ihr das fertiggebracht?« Oder:
das nicht auch eine Schande? Aber Sie hätten die beiden zu- »Wie war das möglich?« Plötzlich fuhr er sie auf Deutsch an:
sammen arbeiten sehen sollen! Sie arbeiteten mit großer »Halt’s Maul!« Ich fuhr mit meinen Fragen fort, und plötz-
Freude und großem Eifer. An Menschen wie sie richte ich lich kam Otto Frank eine geniale Idee. Er sagte:
mich nun, und ich möchte mehrere Denkanstöße für künftige »Herr Faurisson, ich bin hundertprozentig mit Ihnen ein-
Forschungen vermitteln. verstanden. Wissenschaftlich, theoretisch, ist es unmöglich,
Lassen Sie mich mit dem Tagebuch der Anne Frank begin- aber es ist so geschehen.«
nen. Vielleicht erinnern Sie sich daran, daß ich Anne Franks Ich sagte ihm:
Vater Otto Frank in den siebziger Jahren in Basel, Schweiz, »Herr Frank, Sie machen mir die Dinge schwer. Wenn Sie
besucht habe. Wie alle Gauner war er recht charmant, sogar mir zustimmen, daß eine Tür nicht offen und geschlossen
sehr charmant. Manchmal hört man die Leute sagen: „Aber er zugleich sein kann, brauchen wir uns nicht bei Begriffen
war doch so charmant. Wie konnte er ein Gauner sein?“ wie „wissenschaftlich“ oder „theoretisch“ aufzuhalten,
Gauner sind stets charmant! aber wenn Sie mir sagen, Sie hätten mit eigenen Augen ei-
Ich besuchte also Otto Frank. Es gefällt mir, den Menschen ne solche Tür gesehen, dann bereitet mir dies Kopfzerbre-
in die Augen zu sehen. Ich teilte ihm mit, daß ich ernsthafte chen. Bitte beantworten Sie meine Fragen.«
Zweifel an der Echtheit des Tagebuchs seiner Tochter hegte. Natürlich blieb eine Antwort aus.
Er erwiderte: Am nächsten Tag führte er mich zu einer Bank. Es war das
»Das ist schon recht. Ich bin bereit, Ihre Fragen zu beant- erste Mal, daß ich je im Tresorraum einer Schweizer Bank –
worten.« oder einer Bank überhaupt – war. Ich sah die imposanten
Zu meinem Glück war seine (zweite) Frau zugegen. (Sie Tresors, in denen man Geld, Edelsteine oder Manuskripte
werden sehen, daß sie für die Geschichte wichtig ist.) Frank aufbewahren kann. Otto Frank nahm die Manuskripte heraus.
hatte gesagt, er sei auf meine Fragen vorbereitet, aber er ver- Er sagte:
hielt sich ein wenig wie Michael Shermer, der mich 1994 in- »Nun, hier sind sie.«
terviewte. Vielleicht dachte sich Otto Frank, genau wie Wir kehrten nun nach Hause zurück, um sie uns anzusehen.
Shermer: „Ah, ein französischer Intellektueller. Der stellt be- Ich sagte:
stimmt hochintellektuelle Fragen, über die Psychologie eines »Herr Frank, ich bin kein Experte für Handschriften. Mich
jungen Mädchens, über die menschlichen Beziehungen zwi- interessieren die Manuskripte nicht. Was ich möchte, ist,
schen den acht Menschen, die sich am gleichen Ort versteckt daß Sie mir die Geschichte so erklären, daß sie einleuchtet
hielten, über die politischen Ansichten zu den Juden in jener – doch das können Sie nicht.«
Zeit, und so weiter.“ Als ich aus Basel nach Hause zurückgekehrt war, entwarf ich
Nun, da kam ich also, mit meinem „Nieten-und-Nagel“- einen Berich