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Der geistiger Zustand unsere Zeit

Das Grosse Evangelium Johannes Band 9 Kapitel 40 & 41 Jakob Lorber

40. Kapitel
[GEJ.09_040,01] (Der Herr:) „Der wahre Glaube und die reine Liebe werden in jener Zeit
ganz erlöschen. An ihrer Stelle wird ein Wahnglaube unter allerlei ärgsten Strafgesetzen den
Menschen aufgedrungen werden, gleichwie da auch ein böses Fieber dem Menschenleibe den
Tod aufdrängt. Und so sich irgendeine von Meinem Geiste gestärkte Gemeinde wider die
falschen und von Gold, Silber, Edelsteinen und andern großen Erdengütern strotzenden und
allerhochmütigsten und herrsch- und selbstsüchtigsten Lehrer und Propheten, die sich als eure
allein wahren Nachfolger und Meine Stellvertreter den Menschen zur tiefsten Verehrung
darstellen werden, erheben und ihnen zeigen wird, daß sie nur gerade das Gegenteil von dem
sind, als was sie sich den Menschen mit der frechsten und Gottes vergessendsten Keckheit
darstellen, indem sie sie zwingen, nur bei ihnen allein das Seelenheil und die Wahrheit zu
suchen, so wird es da Kämpfe und Kriege und Verfolgungen geben, wie sie seit dem Beginne
der Menschen auf dieser Erde noch nicht stattgefunden haben.
[GEJ.09_040,02] Doch der allerärgste und allerfinsterste Zustand wird nicht lange währen,
und es wird kommen, daß die falschen Lehrer und Propheten sich selbst am Ende den
Todesstoß geben werden. Denn es wird da Mein Geist, das ist der Geist aller Wahrheit, unter
den vielfach bedrängten Menschen wach werden, die Sonne des Lebens wird gewaltig zu
leuchten beginnen, und die Nacht des Todes wird sinken in ihr altes Grab.
[GEJ.09_040,03] Ich habe euch aber von dieser nun dargestellten finsteren Zeit schon
mehrere Male geweissagt und habe nur darum ihrer nun wieder erwähnt, auf daß ihr um so
leichter die Entsprechung in diesem heute abendlichen Begebnis mit jener künftigen Zeit
findet.
[GEJ.09_040,04] Seht, dies kleine Städtchen, beinahe von allen Seiten mit heidnischen
Dörfchen und Flecken umgeben, ist noch von einer kleinen Anzahl Juden bewohnt, die gleich
mit einigen Altsamariten sich in einem reineren Judentume befinden, und denen die
Tempelgesetze vielfach ein Greuel sind! Sie sehen des Tempels arges und wirres Treiben gar
gut ein, obschon sie sich demselben nicht widersetzen können. Ihre Nachbarn sind Heiden,
die auf ihre Götzen zwar auch nichts halten, aber des äußeren Scheines halber doch noch so
tun müssen, als hielten sie etwas darauf. Sie glauben aber eigentlich schon an gar nichts mehr
als allein an einen guten Gewinn, den sie irgend erbeuten können.
[GEJ.09_040,05] Und seht, also wird es in jener von Mir geweissagten Zeit auch sein, freilich
in einem großen Weltumfange!
[GEJ.09_040,06] Es wird eine reine Gemeinde ähnlich diesem Städtchen fortbestehen,
umgeben zunächst mit völlig glaubenslosen Menschen, die nur allerlei gewinnbringende
Industrie treiben werden und sich weder um Meine reine Lehre und noch weniger um das
verrufene Heidentum Roms in jener Zeit kümmern werden. Bei solchem Umstande wird es in
der reinen Gemeinde denn auch sehr verwitwet und traurig auszusehen anfangen.
[GEJ.09_040,07] Meine reine Lehre wird gleichen der traurig gewesenen Witwe, deren toten
Sohn Ich zum Leben wieder erweckt habe; der Glaube aber bezeichnet den toten Sohn, den
Ich erweckte. Ihn tötete das arge Fieber, das da wieder gleicht dem Weltgewinnsinne, in den
auch dieses Völkchen überging, und zwar auf Grund des widersinnigsten und argen
Betrugtumes Jerusalems und daneben auch auf Grund der gänzlichen Glaubenslosigkeit der
diesen Ort umgebenden Heiden, die in der geweissagten argen künftigen Zeit den Namen
,Industrielle‘ haben werden.
[GEJ.09_040,08] Also auf dem Grunde alles dessen geht der ehedem reine, wenn auch darum
junge Glaube, weil er sich erst vor etwa sechzehn Jahren durch einen hier eingewanderten
Samariten, der eben der Gemahl dieser Witwe war, hier eingebürgert hatte, durch das
Weltsinnsfieber zugrunde, da er stirbt und wir ihm als einem Toten begegneten.
[GEJ.09_040,09] Aber da komme Ich Selbst, bekehre die Heiden und komme mit ihnen
hierher am größten Trauerabende dieser Gemeinde und mache den toten Glauben wieder
lebendig und gebe ihn der Witwe, also der reinen Gotteslehre wieder zurück; und es werden
nun nach dieser Meiner Tat auch alle die Heiden hierher kommen und den wieder neubelebten
Glauben an einen, allein wahren Gott annehmen und ihr Leben einrichten nach Seinem ihnen
bekanntgegebenen Willen.
[GEJ.09_040,10] Das blinde Mädchen aber, das Ich sehend gemacht habe, stellt die völlig
glaubenslose Industrie jener Zeit dar, von der nun die Rede ist, und sie wird eine derart karge
und magere sein, daß die zu stolzen und prachtliebenden Könige von den Menschen sogar
große Steuern mit aller Gewalt von dem fordern werden, was sie essen und trinken werden,
und es wird dadurch entstehen eine große Not, Teuerung, Glaubens- und Lieblosigkeit unter
den Menschen, die sich gegenseitig betrügen und verfolgen werden.
[GEJ.09_040,11] Doch – das merket euch wohl! – so die Not am größten sein wird, dann
werde Ich der wenigen Gerechten wegen kommen, und werde das Elend vertilgen von der
Erde und Mein reines Lebenslicht leuchten lassen in den Herzen der Menschen.
[GEJ.09_040,12] Und nun habe Ich dir, du Mein lieber Bruder Jakobus, die Winke, die du
von Mir gewünscht hast, mit dem Gesagten auch gegeben, und du als ein kräftiger Denker
wirst das Weitere leicht finden.
[GEJ.09_040,13] Obschon aber ein solches Vorerkennen der leidigen Zukunft die Seele des
Menschen nicht seliger zeiht, so schadet es ihr auch nicht, wenn sie sich in den
Entsprechungen übt und durch sie das erkennt, wie alles Sichtbare, was da ist und geschieht in
dieser Welt, mit der inneren und verborgenen Welt der Geister, die alle Zeiten und Räume als
stets in enthüllter Gegenwart in sich faßt, auf das innigste zusammenhängt und aufeinander
Beziehung hat. – Habt ihr nun das alles wohl verstanden?“
41. Kapitel
[GEJ.09_041,01] Sagten darauf alle: „Ja, Herr und Meister, was Du uns jetzt wieder erläutert
hast, das haben wir wohl verstanden; nur das ist uns noch trotz dem vielen, was wir darüber
schon aus Deinem Munde vernommen haben, stets nicht völlig klar, warum Du es zulässest,
daß in dieser Welt in einem fort nach einem aus Deinen Himmeln unter die Menschen
gekommenen Lichte wieder eine langwierige dichteste Geistesnacht folgen muß.
[GEJ.09_041,02] Wir alle, die wir nun aus Deinem Munde die reinste Lehre erhalten, werden
sie als lebendige Zeugen Deiner persönlichen Gegenwart, Deiner Taten und Lehren auch
ebenso rein den andern Menschen überliefern, und unsere Nachfolger werden dasselbe wieder
tun. Und sollte es jemanden geben, der den Menschen in Deinem Namen etwa ein anderes
Evangelium predigen würde, so wirst Du das ja sehen und sicher klarst darum wissen! Solch
einem Propheten wird Deine Macht ja doch den Mund zuschließen können! Wenn das
geschähe, dann sehen wir nicht ein, wie da Deine reinste und göttlichste Lehre je verfälscht
und am Ende in ein finsterstes und plumpstes Heidentum verkehrt werden könnte.
[GEJ.09_041,03] Sagte Ich: „Ihr sehet jetzt noch gar vieles nicht ein, was Ich aber wohl
einsehe! Und so hätte Ich euch gar vieles noch zu sagen und zu erklären, aber ihr würdet das
nun noch nicht fassen und ertragen. So Ich aber nach Meiner Auffahrt Meinen Geist aller
Wahrheit über euch ausgießen werde, dann wird er euch in alle Weisheit führen, und ihr
werdet dann alles einsehen und fassen, was ihr jetzt noch lange nicht einsehen und fassen
könnet.
[GEJ.09_041,04] Sehet aber und gebet wohl acht darauf, was Ich euch nun noch sagen werde!
Ich werde euch aber keine Lehre geben, sondern nur vielen Sinn enthaltende Beispiele, aus
denen euch klarer werden mag, warum ihr jetzt trotzdem, daß ihr schon so vieles von Mir
gesehen und gehört habt, noch gar vieles nicht einsehen und fassen könnet.
[GEJ.09_041,05] Seht und betrachtet das Licht der Sonne in seiner mannigfachsten Wirkung
auf die Kreaturen nur dieser Erde und also auch die verschiedenartigste Wirkung des Regens
auf das Erdreich, auf die Pflanzen, Tiere und Menschen! Da stehen auf demselben Felde
heilsame Kräuter und mitten unter ihnen aber giftiges Unkraut. Woher nehmen die Giftkräuter
ihr Gift, da sie doch von einer und derselben Sonne beschienen, in der gleichen Erde ihre
Wurzeln haben und vom gleichen Regen und Tau befeuchtet und belebt werden?
[GEJ.09_041,06] Seht, das wirkt der innere Geist und verkehrt das Licht und den Regen in
sein Eigentümliches! Der Löwe, der Panther, der Tiger, die Hyäne, der Wolf und noch eine
Menge anderer Raubtiere nähren sich vom Fleische sanfter Tiere und werden auch von
derselben Sonne beschienen und erwärmt, und löschen sich den Durst mit demselben Wasser
wie die sanften und zahmen Haustiere; woher kommt ihnen ihre Wildheit? Seht, die erzeugt
ihr innerer Geist, der das Sanfte in sich in die reißende Wildheit verkehrt!
[GEJ.09_041,07] Gehet weiter hin in ein Haus, und ihr werdet daselbst finden ein mit
mehreren Kindern wohlgesegnetes Elternpaar! Diese Kinder haben alle nur einen und
denselben Vater, eine und dieselbe Mutter, genießen an der Eltern Tische dieselbe Kost,
empfangen den gleichen Unterricht und genießen die gleiche Pflege; aber da ist das eine
leiblich stark, das andere schwach, ein anderes ist munter und voll Fleiß in allem und wieder
ein anderes mürrisch und träge. Wieder ein anderes dieser Kinder ist voll Talente und lernt
und begreift alles leicht. Ein anderes wieder ist zwar voll guten Willens; aber es fehlt ihm an
Talenten, lernt schwer und begreift alles nur mühsam und selten ganz so, wie etwas zu
Erlernendes begriffen werden soll. Und so werdet ihr unter diesen Kindern noch eine Menge
anderer Unterschiede merken. Ja, wie kommt denn das? Möchtet ihr da nicht auch sagen:
,Aber, Herr und Meister, wie und warum läßt denn Du das zu? Was kann das wohl für einen
weisen Zweck haben?‘
[GEJ.09_041,08] Ja, sehet, auch daran schuldet der innere freie Geist, und er bewirkt solches
alles; und wäre dem nicht also, so gäbe es auch keinen inneren freien Geist, dessen Aufgabe
es ist, sich aus sich selbst zu einem selbständigen Sein auszubilden und zu gestalten.
[GEJ.09_041,09] Wie und warum aber also, das habe Ich euch schon bei verschiedenen
Gelegenheiten gezeigt und es euch auch anschaulich zur Genüge erklärt; aber dennoch fasset
ihr derlei Dinge noch nicht in der rechten Tiefe, dieweil der ewige Geist aller Wahrheit und
Weisheit eure Seelen noch nicht völlig durchdrungen und erfüllt hat.
[GEJ.09_041,10] So ihr aber diese euch nun vorgezeigten Bilder nur einigermaßen
durchdenket, so wird es euch auch bald und leicht klarer werden, wie mit der Zeit ein noch so
reinstes Licht aus Meinen Himmeln in eine dickste Heidenfinsternis verkehrt werden kann
und auch wird, und daß Ich am Ende das doch eher zulassen muß, als mit aller Meiner Macht
und Gewalt den freien Lebensgeist im Menschen zu knebeln.
[GEJ.09_041,11] Wie würde euch eine Erde wohl gefallen, auf der ein Ding dem andern so
völlig ähnlich wäre, wie ein Auge dem andern? Wie gefielen euch die Menschen, die sich in
allem so gleich sähen wie die Sperlinge, von denen keiner weiser und stärker ist als sein ihm
völlig ähnlicher Nachbar? Ich meine, daß euch so eine mathematisch gleiche Welt in der
kürzesten Zeit sehr zu langweilen anfinge. Und wäre das in Meinen freien Himmeln etwa
anders, so es dort nicht noch endlosere Verschiedenheiten und Mannigfaltigkeiten gäbe?
[GEJ.09_041,12] Oder was würdet ihr von Meiner Weisheit denken, so Ich aller Wesenheit
nur die Gestalt eines Eies gegeben hätte? Seht, es ist demnach schon alles recht und gut also,
wie es ist! Ihr sehet, wie schon gesagt, nun freilich von gar vielem den Grund nicht ein; aber
es wird die Zeit schon kommen, in der ihr das alles fassen und begreifen werdet. Und somit
wollen wir uns nun mit dem begnügen, was uns bis jetzt gegeben ist.
[GEJ.09_041,13] Nun aber stehen noch Speisen und Wein vor uns auf den Tischen, und wir
wollen denn auch noch etwas für unseren Leib tun. Dann aber werden wir uns zur Nachtruhe
begeben und uns morgen früh wieder auf den Weg machen. Wohin, das wird uns der Geist
des Vaters künden.“
[GEJ.09_041,14] Auf diese Meine Rede erstaunten die Griechen über alle Maßen und lobten
und ehrten Mich. Ich aber aß und trank noch ungestört weiter, und so auch alle die andern.
Nach dem Essen aber erhob Ich Mich, und die Witwe ließ Mir und den Jüngern gute Lager
bereiten. Die Griechen aber blieben bei ihren Tischen.

Quelle: http://www.scribd.com/doc/9693589/Jakob-Lorber-Groes-Evangelium-Johannes-09