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„The Sword and the Torch“: Lonsai Maikov

? Ich denke, das Lonsai nem ganzen Herzen und meiner ganzen Seele - was ursprüngli-
Maikov noch immer zu den che Tradition heißt. Zur gleichen Zeit beschäftigte ich mich
unbekannteren Bands des auch viel mit Crowleys Arbeiten und deshalb wurden meine er-
Neofolk-Genres gehören, sten Arbeiten, meine ersten beiden CDs auch mehr von meinen
deshalb bitte ich, Euch erst
einmal vorzustellen und zu alten Leidenschaften, wie dem Symbolismus und dem christli-
erzählen wie ihr Euch ge- chen Mystizismus („From the Fountain“, 1994) und meiner Faszi-
funden habt und womit al- nation für Crowley und der dunklen Seite des europäischen Pan-
les begonnen hat. theismus („Our Lady of the Bones“, 1995) beeinflußt. In all diesen
Jahren entstanden viele Tapes, die ich jetzt wirklich langweilig,
Da müssen wir schon viele ja gar dumm, finde, aber andererseits zeigen sie meinen Weg auf
Jahre zurückgehen, um diese und ich will diese Zeit auch nicht vergessen, denn was wirklich
Frage zu beantworten. Man kann entscheidend ist, ist, wer ich heute bin und was ich heute tue.
sagen, daß Lonsai Maïkov in meinen Gedanken bereits 1988
erschaffen wurde. Zu dieser Zeit interessierte ich mich sowohl
musikalisch als auch politisch für den Extremismus. Damals sah
ich Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus trotz
der unterschiedlichen Gesinnung als die Möglichkeiten über den
Horizont der Normalbürger zu kommen. Besonders von Propagan-
damaßnahmen und dem Einsetzen von Kunstwerken, um die
Masse unter eine Flagge, unter ein Banner zu stellen, war ich
fasziniert. Ausgesprochen anziehend für mich war auch die Ve r-
strickung der künstlerischen „Avantgarde” mit dem totalitären
Kampf der Politik. Die italienischen Futuristen und auch Maïa-
kowski, Arno Breker, u.a. sowie einige französische Schriftsteller
(Drieu La Rochelle; Rebatet ...) gaben unter anderem den Aus-
schlag, daß ich mich dazu entschloß, an einem Projekt zu arbe i-
ten, das Musik und Propaganda verband. Diese (experimentelle)
Musik aus jene r Zeit ist außer für mich nicht sonde rlich inte r-
essant, da sie eigentlich meine Suche nach der eigenen Identi-
tät darstellt. Nichtdestoweniger bestand sie aus dunklen und
krachigen Elementen, womit ich meine seltsamen Gefühle aus ? Was hat den Ausschlag gegeben, das Ihr mit
Abneigung gegen und Anziehung für Propaganda erforschte. Die dieser Art von Folk-Music begonnen habt? Das ist doch
Macht der modernen Massenmedien und die ständige Gehirnwä- für Frankreich recht einmalig, oder?
sche, die sie vollziehen, machten mir Angst. Dennoch war ich
von den Büchern von Gustave Le Bon, die im 19ten Jahrhundert Wie ich schon vorher sagte, langweilte mich die
geschri eben wurden, total fasziniert. Er wußte genau über das experimentelle Musik und für mich schien es so, als ob dies der
globale Konzept von Propaganda Bescheid, wie es auch etwa 100 falsche Weg sei, das auszudrücken, was ich ausdrücken wollte.
Jahre später während des 2. Weltkrieges wieder eingesetzt we r- Nachdem ich eine Zeitlang recht aufwendige Sounds und auch
den sollte. Manchmal beeinflußte mich Le Bon, Vacher de Lapou- Krachiges kreiert hatte, ve rlangte es mich nach etwas
ge und ihr Sozialdarwinismus schon, besonders wenn ich mich Einfacherem, also dachte ich mir, das Beste wäre, eine
genau mit den politischen und künstlerischen Aspekten des Akustikgitarre einzusetzen. Vielleicht wurde meine
19ten Jahrhunderts und auch mit dem Symbolismus und und der Entscheidung auch davon beeinflußt, daß ich zu dieser Zeit
Dekadenz beschäftigte. Die Bücher von Huysmans, Barres, Bar- „De ath in June“ und „Sol Invictus“ hörte. Aber mein Ziel war
bey D’Aurevilly usw. sprachen mich sehr an. Zu dieser Zeit lang- keineswegs, diese Künstler zu kopieren oder mir ihre
weilten mich auch dann die krachigen Elemente in der Musik Bekanntheit zunutze zu machen, um Geld zu machen. Mit
und auch die Kritik gegen den Totalitarismus und mir wurde meiner Art von Musik werde ich nie richtig Geld machen
klar, daß es doch nicht so viele Unterschiede zwischen dem Fa- können. Ich bin mir nicht sicher, ob Folk Music die richtige
schismus und der modernen Demokratie gab. Mehr noch, daß Bezeichnung für meine Musik ist, aber sie wird anscheinend von
Demokratie die Mutter des modernen Depotismus war; das war einer Menge Leute verwendet und da die Menschen immer eine
nur eine logische Schlußfolgerung der liberalen kapitali stischen Bezeichnung für alles brauchen, benutze ich diesen Ausdruck,
Gesellschaft. Also begann ich im Jahre 1991 an Stücken zu ar- um keine Zeit zu vergeuden. Was ich mache, ist wahrscheinlich
beiten, bei denen ich eine Akustikgitarre verwendete; na ja, das einzigartig in Frankreich, aber darüber habe ich mir noch nie
war nicht gerade brilliant. Aber all die Erfahrungen, die ich wäh- Gedanken ge macht.
rend dieser Jahre durch Musik, lesen, warten, Leute treffen und ? Inwieweit haben Euch die „großen“ Folkbands des
meine Reisen gesammelt habe, gaben mir auch Zeit, um meinen World-Serpent Labels beeinflußt? Waren sie eventuell
eine Haupttriebkraft bei Eurer Hinwendung zum
eigenen Weg zu finden, meine Gedanken zu präzisieren. 1989/90
Neofolk? Ich frage daher, da mich Eure erste CD vom
habe ich dann angefangen, mich mit europäischen Mythologien äußeren sehr an Death In June erinnert - Tarnjacke
zu beschäftigen, vertiefte mich in die Arbeiten von G. Dumezil usw.
und andere (ähnliche) Bücher, wie die von F. Leroux und C.J.
Guyonvarc’h über die keltische Kultur; ich begann auch die Bü- Ich weiß nicht. Ich habe nie versucht an einem Stück solan-
cher von Nietzsche wieder zu lesen und dann wurde mir endlich ge herumzubasteln bis es mir sagte „Das klingt jetzt genau wie
klar, daß mein Weg darin lag, mich diesen Themen zu widmen. ‘Death in June’ oder ‘Sol Invictus’“. Mein Respekt vor diesen
Während all dieser Studien und politischer, kultureller und Künstlern ist viel zu groß, als daß ich genau das täte, was sie
künstlerischen Auseinandersetzungen stieß ich dann auch auf taten. Mir scheint, daß die Leute immer nur das sehen, was sie
den Namen Evola und Guénon und ich verstanden schnell, daß wollen, also nur die Dinge, die nach „Death in June“ oder „Sol
ich genau das gefunden hatte, wonach in seit vielen Jahren auf Invictus” aussehen oder klingen; ich will nicht, daß das jetzt als
der Suche war, nämlich einer Welt voller Traditionen. Aber glaubt persönlicher Angriff angesehen wird, obwohl ich eigentlich nicht
bloß nicht, daß alles wie eine Offenbarung für mich war, nein, so sehr an Originalität interessiert bin. G.I. Gurdjieff sagte ein-
ich mußte daran arbeiten, mich hineinlesen in die Materie und mal über eine weibliche Künstlerin „Ihr sagt, sie hat ihren eige-
erneut die Bücher der obigen Autoren, aber auch die anderer, wie nen Stil, ich sage, daß das eine Einschränkung bedeutet“. Viele
z.B. Spengler, lesen, um wirklich zu verstehen - und Verstehen Künstler denken, sie kennen ihre Persönlichkeit, wissen, wer
beinhaltet nicht nur auf intellektueller Basis, son dern mit mei- sie sind, genau das ist ihr Stil. Ich finde, Persönlichkeit kann
man erwerben. Individuell in sozialer Hinsicht zu sein, heißt Landes seit Jahrhunderten genauso wie die sämtli cher Länder
nicht Persönlichkeit zu haben, eine eigenständige Person zu auf der Welt ist, nämlich amerikanisiert. Kultur ist heute nur
sein. „Selbst-kenntnis“ trifft’s vielleicht am besten. Individu alität noch ein Wort für die krank en Gedanken von Schriftstellern und
wird von äußeren Einflüssen, Sitten und Gebräuchen, Moralvor- die Arbeiten von Malern. Individualität ist ein Wort, das übe r-
stellungen und Erziehung erzeugt. Eine eigenständige Pe rson zu haupt nichts mehr damit zu tun hat, ein Volk unter das Banner
sein, eine wirkliche Persönlichkeit zu haben und die Seele eines der Spiritualität zu stellen. Diese Klischees (um diese Dinge zu
Menschen sind die Teile des Ursprünglichen, die wir in uns beschreiben, kann ich nicht das Wort Tradition verwenden) sind
selbst entdecken müssen; der Grund unseres Daseins kann nur nichts für mich. Das französische Volk gibt es nicht mehr; das
in diesem Bereich gefunden werden. Musik ist dabei nicht so gleiche trifft auch auf das deutsche oder englische Volk genauso
wichtig, sie ist nur ein „Medium“, wie auch viele andere Hand- wie für andere europäische und nicht-europäische Völker zu. Die
lungen, die ich unternehme; Musik ist eben mein bevorzugtes Völker stehen heutzutage unter der Führung von schwachen
„Medium“. Was die Tarnjacke angeht, mich ziehen, wie vorher Feiglingen. Von diesen Schafen kann man nichts erwarten, da
schon erwähnt, Dinge wie der militärische Lebenstil, Selbstdiszi- sie nur an Geld, Essen und Trinken und Spaßhaben denken.
plin, Ehre und die Schönheit der Strenge sehr an. Man darf da s Warum sollte ich auch nur eine Minute an solche Lebensformen
Photo auf der Rückseite der CD nicht ohne die Vorderseite denken? Das, was wichtig ist, ist das Gefühl in einem selbst, die
betrachten, wo ich mich mit einem magischem Gewand Ge wißheit, daß man einer Tradition angehört, die schon Jahr-
ablichten ließ. Neben anderen Einflüssen ist das „Duo“ hunderte bevor man auf die Welt kam, existierte, und die auch
Magier/Kämpfer immer noch sehr wichtig für mich, da ich dann noch bestehen wird, wenn wir diese Welt wieder verlassen
hierdurch die Magie sowohl als Kämpfer ausübe, als auch die haben. Wenn wir lernen, wie wir all das verdienen, dann bedeutet
(nicht nur östliche) Kriegskunst als Weg der Magie benutze. das die Einführung in die Zeitalter. Ich glaube an die Doktrinen
Genau das ist es, was wir auf dieser CD-Hülle darstellen wollen. der Kreisläufe, die vier Zeitalter, die einer Menge Musikern in-
zwischen bekannt sein dü rften, da sie in Interviews darüber
? Was haltet ihr heute von den Bands wie Death In sprechen. Im letzten Zeitalter, dem Zeitalter des Eisens, ist
June oder Sol Invictus und Artverwandten? nichts mehr von Bedeutung. Man erkennt, daß außerhalb der
Zumindest Tony Wakeford scheint ja eine Unmenge inneren Landschaft nichts mehr heilig ist. Um heilig zu sein,
an Zeit in Eurem Land zu verbringen. muß eine Sache oder ein Brauch oder ein Symbol oder ein Stück
Land mit den übernatürlichen Kräften verbunden sein. Das Ver-
Was „Death in June“ betrifft, bin ich der Meinung, daß ihre
bindungsstück ist meist der Mensch, so daß die Bestrebung „den
beste Zeit vorbei ist. In den letzten Aufnahmen fand ich nicht den
Kontakt mit dem Heiligen a ufrechtzuerhalten“ von innen kommt.
„Enthusiasmus“, den die Vorgänger innehatten. „Enthusiasmus“
Der äußere Kampf ist nur das Medium für dieses Ziel. Was ich
ist vielleicht nicht das beste Wort, aber ich glaube, Ihr seht, was
klarmachen will, ist, daß alle diese Dinge wichtig sein können,
ich meine. Das gleiche gilt übrigens auch für „Sol Invictus“ und
aber nicht an sich wichtig sind.
Tony Wakeford, obwohl ich den Beweggründen dieser Künstler
immer noch mit Interesse folge, da sie im gewissen Sinne doch
? Desweiteren kommen und kamen immer wieder
als die „Väter“ der eigentlichen neo-europäischen Musikszene wichtige Denker aus Eurem Land: Jean Cocteau, Pierre
anzusehen sind. Jetzt ziehen mich Bands wie A.C.T.U.S., Drieu la Rochelle, René Guénon und Alain de Benoist.
MORDOR; AIN SOPH usw. mehr an. Hast Du eine Beziehung zu den Genannten? Was
denkst Du über ihre Schriften?
? Wenn ich an
Frankreich den- Meine persönliche
ke, assoziiere ich Hitliste ist: Guénon;
verschiedene Din- Drieu; de Benoist. Ich
ge damit, wie z.B. verstehe nicht ganz,
guten Wein, die
wundervolle Bre- was Cocteau mit den
tange, die Katha- anderen Schriftstellern
rer und ihre Bur- zu tun hat, obwohl ich
gen, das Land des mich für einige seiner
Grals, ein eigen- Bücher vor ein paar
williges aber Jahren noch intere s-
freundliches Volk. sierte. Seine persönli-
Was bedeuten
che Sichtweise der
Euch diese Dinge?
Inwieweit sind Kunst ist sicherlich
Euch französische interessant. Die wich-
Traditionen und tigte Person dieser
Klischees wichtig kurzen Auflistung ist
oder unwichtig? jedoch mit Sicherheit
Guénon. Er ist weit
Da ich in der Bre- mehr als nur Poet oder
tagne lebe, verbringe Philosoph. Für mich ist
ich auch eine Menge er ein „Meister des Le -
Zeit in dem Wald mit bens“, um die alte
Namen Brocéliande griechische Bezeich-
(Brekilian in der br e- nung zu wählen. Seine
tagnischen Sprache), von dem die Leute sagen, daß Merlin dort Schriften sind Grundsteine. Wenn ich nur einige Bücher behal-
lebte. Obwohl man die Sage um König Arthus nicht um ein be- ten dürfte und den Rest hergeben müßte, würde ich nur seine
stimmten Land ranken kann, ist dieser Wald doch ein magischer We rke und die Evolas behalten. Ich versuche jedoch immer seine
Platz mit seinen alten Eichen, Schlössern, Wasserfällen usw. Bücher in positiver Weise zu lesen, da ich mich nicht von Dog-
Während eines Sommers bin ich durch die ganze Bretagne ge- men verblenden lassen will. Dieser Weg steht wohl der Tradition
reist, um viele Megalith-Stätten zu photographien; außerdem völlig entgegen. Aber was immer die Medien sagen, Demokratie
habe ich eine Menge bretagnische Schlösser besichtigt. Genauso ist auch auf Dogmen aufgebaut und ihre heiligen Menschenrech-
wie die Regionen eines jeden anderen europäischen Landes gibt te sind nicht weniger als Dogmen. Wenn man diese nicht respe k-
es in der Bretagne vieles für den Geist und die Augen. Auch tiert, wird man als Heretiker a bgestempelt.
wenn ich mich keineswegs als Weinkenner bezeichnen würde,
schmerzt es mich doch sehr zu sehen, daß mein Land mehr we-
gen seiner Gastronomie als wegen seiner Kultur bekannt ist.
Aber das kommt wahrscheinlich daher, weil die Kultur meines
Um auf die vorhergehenden Fragen zurückzu-kommen, es
gibt rein gar nichts, worauf man stolz sein könnte, ein Franzose
zu sein. Dieser Schwachsinn wurde nur von Franzosen geschrie-
ben. Das Gift, das die Welt tötet, wurde von Frankreich und sei-
ner dämlichen Revolution 1789 gemacht; aber wenn es auch
nichts aus dieser Zeit gibt, worauf man stolz sein könnte, gibt es
auch nichts, worüber man ärgerlich sein sollte. Es ist nur ein
Ereignis, das irgendwann einfach passieren mußte.
Ich verspüre auch eine große Zuneigung zu Drieu, seinem
Leben, seinem Kampf. Seine Bücher gaben mir ein Beispiel und
in meiner Vorstellung gleicht er Mishima sehr. Sie ve rstrickten
ihr Leben so sehr mit ihren Schriften, daß sie sich am Ende ent-
schlossen, für ihre Schriften zu sterben. Drieu La Rochelle ist
mein persönlicher Pantheon der Schriftsteller, genauso wie
Mishima oder D’Annunzio und Pound. Was A. De Benoist betrifft,
ist er sicherlich ein Einfluß, den der französische rechte Flügel wicht mich mehr zu Runen und der besonderen germano - nordi-
nicht leugnen kann. Ich selbs t bin nicht sehr ve rtraut mit schen Tradition hinzieht. Es liegt wahrscheinlich auch daran,
seinen Ansichten außer der „Element“-Kritik. Er ist ein großer daß dies die erste Tradition war, mit der ich mich neben der kel-
Denker und seine metapolitische Arbeit ist stark, aber ich inte r- tischen Tradition ernsthaft beschäftigte. Die rom anische Traditi-
essi ere mich nicht für das intelle ktuelle Spiel der Neuen Rech- on ist allerdings eine derer, die ich als besonders schön empfin-
ten. de, auch in der Hinsicht, daß sie im Stil sehr ernsthaft ist, wie
? Hast Du Dich mit der Nouvelle Droite und ihren z.B. der kriegerische Asketismus, die Nack theit, die in den Riten
Ideen auseinander gesetzt? Wenn ja, was denkt ihr immer wieder auftaucht, die Reinheit des menschlichen „Le-
über sie? bensgefühls“, wo die rohen Gewalten überall waren und wo der
Kampf zwar als wild aber dennoch als natürlich angesehen wurde.
Wie ich schon vorher sagte, ist mir die Nouvelle Droite zu Diese Spiritualität gepaart mit Disziplin war der totale Unter-
hypothetisch und intellektuell. Aber man muß schon zugeben, schied sowohl zum Pantheismus (die ersten Romanen stellten
daß sie die erste Bewegung war, die sich organisierte, um den nicht „das Nicht-Menschliche“ dar, also eine übernatürliche
metapolitischen Bereich zu erforschen und sich über die Kraft, den Göttern ähnlich, nur mit menschlichen Eigenschaften)
Links/Rechtstrennung erhob, um in einen neuen politischen als auch zum Atheismus oder was wir als Religion bezeichnen.
Kampf einzutreten. Die Nouvelle Droite operierte schon immer Für mich ist das die höhere Form der Spiritualität. Der Mithras-
im radikalen Gegensatz zum Parteienkonzept des 19ten Kult fasziniert mich gleichermaßen. Und das nicht nur wegen
Jahrhunderts und forschte auf wissenschaftlichen, seines kriegerischen Stils und seiner Riten, sondern insbeson-
wirtschaftlichen, nicht liberalen, heidnischen und kulturellen dere wegen dem, was hinter diesen ganzen recht ve rständlichen
Gebieten. Sie mußte herausfinden, daß eine große Anzahl von Facetten dieses Kultes steckt. Die sieben Stufen der innerlichen
großen Denkern von der demokratischen Kultur regelrecht Einweihung könnte man parallel zu dem chaldä ischen Glauben
begraben worden ist. Ich fühle mich der Nouvelle Droite dahinge - sehen, dem Aufstieg der Seele in die sieben Sphären des Seins,
hend nahe, als daß sie den Anti -Amerikanismus proklamiert, was von den Göttern und den Planeten symbolisiert wird
paneuropäische Position bezieht und eine kritische Meinung (Mond/Herkules, Merkur/Hermes, Ve nus/Aphrodite, Son-
über die liberale Wirtschaft hat. Aber alle diese positiven Punkte ne/Apollo, Mars/Ares, Jupiter/Zeus, Saturn/Chronos), während
halten sich die Waage mit den schon vorher erwähnten die Seele von astralen Substanzen umhüllt ist. Die Initiierung
intellektuellen Sichtweisen vieler Nouvelle -Droite-Denker. Ich der Mithras wurde von dieser Tradition inspiriert, die sieben Stu-
habe nie mit diesen Denkern diskutiert, außer auf dem fen der verschiedenen Metalle, die der Einzuweihende erkli m-
Kollegium über das Heidentum, das im Februar 1995 in Paris men muß, war das Symbol, das anzeigte, daß die Seele zum Krie-
veranstaltet wurde, wo ich einige Mitglieder des bedeutenden gerischen zurückkehrte. Nur der beson dere Einzuweihende
Teils der Nouvelle Droite kennenlernte, der G.R.E.C.E. Es machte konnte alle sieben Stufen durchqueren , um die göttlichen Kräfte
mir Angst, daß diese Leute in mir den Eindruck erweckten, Ge - zu erfreuen. Wenn ich diese innere Tradition betrachte, betrach-
schäftsleute, Spieß-er, zu sein. Nicht nur ihre Bücher sondern te ich gleichzeitig die Traditionen an sich. Ich sehe also nicht,
auch, das, was sie sagten und ihre Eigenarten führten dazu, daß wie die Auflösung der heutigen Dunkelheit durch die Ver-
ich diesen traurigen Eindruck gewann. Schließlich denke ich, fälschung des Heidentums erreicht werden könnte. Wir stehen
daß die Nouvelle Droite einfach zu „modern“ im aller am Ende des Zyklus und es könnte wieder eine lange Zeit da u-
schlechtesten Sinne ist, obwohl es unter den Mitgliedern große ern, um diese Zeit des Chaos endgültig hinter uns zu lassen,
Denker gibt. Für die Sache an der ich momentan arbeite, habe aber irgendwann wird es soweit sein. Was wichtig ist, ist, daß wir
ich mit A. De Benoist ein Inte rview über Evola geführt. an uns selbst arbeiten müssen, um das „Andenken“ an die Tradi-
tion zu erhalten, denn dieses Andenken wird denen he lfen, die
? Die Nouvelle hält für Europa einzig einen das goldene Zeitalter erleben werden, und die den Schleier von
heidnischen Hintergrund für sinnvoll, wenn mir auch der Tradi tion lüften müssen. Heidentum ist wie alle Dinge ein
das Buch von Benoist „Heide sein“ wenig zugesagt hat. Medium.
Auch bei Euch entdeckte ich ein Faible für
heidnisches: Runen und Texte sprechen für sich. Ihr
fühlt Euch also eher vom germanischen Norden als ? Franzosen und Runen - passt das zusammen?
vom römischen Süden angesprochen?
Warum eigentlich nicht? Die Kelten und die Germanen ha-
Ich möchte gern klarstellen, daß der Unterschied für mich ben denselben Ursprung. Frankreich ist das Resultat von allen
nur in der Form zweier Teile des gleichen indoge rmanischen möglichen Invasionen, wie z.B. der indogermanischen, der kelti-
Ursprungs liegt. Manch einer sagt, daß die ersten Rö- schen, der römischen, der germanischen Invasionen und im
mer/Romanen die Preußen ihrer Zeit waren. Ich glaube, das 9ten und 10ten Jahrhundert, der Invasion durch die Wikinger.
stimmt so. Rom war Südeuropas Hochburg der nordischen Tradi- Um Deine nächste Frage schon vorweg zu nehmen, möchte ich
tion. Nordisch ist hier nicht als geographische Angabe zu verste- sagen, daß ich mich nicht als besonders französisch bezeichnen
hen. Man muß verstehen, daß für die indogermanische Tradition würde. Also kann man mein Interesse für Runen und meine
der Nordpol die ursprüngliche Basis, das heilige weiße Land, da r- französische Abstammung durchaus miteinander vereinbaren.
stellt - ich benutze diesen Ausdruck wegen des optischen Ei n- Als ich das erste Mal mit Runen in Berührung kam, löste das
etwas ganz Besonderes in mir aus. Als ich schrieb, wartete ich
drucks. In vielen seiner Arbeiten besteht Evola auf diesem auf etwas, ähnlich dem in den Schriften von Robert N. Taylor
Punkt und in diesem speziellen Punkt bin ich genau seiner Me i- beschriebenen Runenyoga, einer Technik, durch die man durch
nung. Es liegt vielleicht da ran, daß mein pe rsönliches Gleichge- entsprechende Körperhaltung die Formen der Runen nachemp-
findet. Ich denke da ran, mehr an diesen Techniken zu arbeiten bauen; aber gleichwohl, ob man die französische, die
und diese in Einklang mit den Schwingungen der Runen zu brin- deutsche oder die englische Sprache verwendet, ist doch
gen. das Wichtigte, was man ausdrücken will und nicht wel-
che Sprache man dabei verwendet. Die Art und Weise ist
? Fühlt Ihr Euch eher als Franzosen oder als nicht von großer Bedeutung für mich.
Europäer?

Natürlich fühle ich mich europäisch, obwohl sich mein ? Welche genauen Beziehungen gibt es
persönliches Gleichgewicht mehr von einigen besonderen zwischen Lonsai Maikov und Dissonant
Traditionsformen angezogen fühlt. Alle Dinge, die irgendwie mit Elephant?
der kriegerischen Tradition zusammenhängen könnten, versetzt
meine Seele in Schwi ngung, sowohl als Europäer als auch als Mathieu Broquerie gehört zu den wenigen Personen,
Nichteuropäer. Da ich anscheinend eher europäisch bin, werde die mir wirklich nahe stehen. Er ist ein großartiger
ich mehr von Traditionen angezogen, die mir geographisch näher Songschreiber und es ehrt mich sehr, ihn zu meinen
sind als andere. Freunde n zählen zu dürfen. Schon seit dem ersten Tag
arbeiten wir perfekt zusammen. Es fällt uns nicht
? Nahezu eine Standartfrage: Was erwartet Ihr von besonders schwer, als Dissonant Elephant oder Lonsai
der EU, die ja letztendlich nur ein Europa der Banken Maïkov zusammenzuarbeiten. Wir haben das gleiche
und Konzerne ist? Weltbild. Die Arbeit macht uns immer Spaß und es ist
wirklich wunderbar, mit ihm zu arbeiten. Dissonant
Nichts. Was will man schon von einer kapitalistischen Elephant und Lonsai Maïkov sind zwei ganz verschiedene
liberalen Föderation erwarten? Geld ist mit Sicherheit der Projekte, auch wenn Mathieu und ich das gleiche
größere Wert in der Welt, aber auch ein völlig subje ktiver Wert, Weltbild haben, drücken wir diese Vorstellung auf unter-
der die ganzen Feiglinge dazu bringt, die nicht mehr kulturell schiedliche Art und Weise aus. Das ist immer ein
interessierte Masse, ihrer kor rupten Macht auszusetzen. Geld Problem der Gestaltung, nichts weiter.
und Kapital sind die mächtigsten Waffen der modernen Welt und
da diese Waffen die Menschen in die Leere führen, haben nur
eine kleine Anzahl von Leuten etwas davon. Man kann wirklich ? Werden wir Euch jemals Live erleben? Und
rein gar nichts von so einer monströsen Bestie erwarten, wo was bringt die Zukunft?
Millionen von Leuten in der Zukunft, mehr noch als heutzutage,
durch die Macht des Geldes versklavt und gleichzeitig einer Das kann ich nicht beantworten. Es war zwar eine
Gehirnwäsche durch die Massenmedien unterzogen werden. Zusammenarbeit mit Marco Thiel von Abyss Recordings
Irgendwann erreichen diese Menschen dann auch die Stufe Europa geplant und wir hatten vor, ein Konzert in Berlin
derjenigen, die nur an diesem ärmlichen Wohlbefinden zu organisieren, aber die
interessiert sind. Die Leute das politische Interesse verlieren zu momentane „antifaschistische“ Atmosphäre scheint nicht
lassen, ist auch eine sehr gute Taktik, um die Macht der besonders förderlich für so eine Sache zu sein. Ansonsten
momentanen Politik zu vergrößern. Was will man da von einem haben wir keine weiteren Pläne, außer jemand unter der Sigill-
Europa wie diesem erwarten? So ein Eu ropa wird alle Völker in Leserschaft wäre an einer Zusammenarbeit mit uns
einen Topf werfen, um sie zu einem auferlegten Traum von interessiert. Was unsere Veröffentlichungen angeht, gibt es da
Gleichheit zu reduzieren. Das einzige Mittel, das man dagegen die „Orientations“-CD, die 7 Stücke enthält, die den Weg aus der
einsetzen kann, ist, sich an jedem Tag des Lebens zu wehren Hölle unseres dunklen Zeitalters aufzeigt. Wir planen, auf Abyss
und einer anderen Vision vom vereinten Europa die Chance zu Recordings Eu ropa eine limitierte Vinyl-Pressung
geben, nämlich einem Europa der Ehrlichkeit, der Streitkräfte, herauszubringen; dieses Label wird auch die V/A „Kampfbund“
des Glaubens, der Ordnung, der Ehre und des Mutes; um ein veröffentlichen, die unter anderem Dissonant Elephant und
Stück von M. Broquerie zu zitieren „die Qualität über die Lonsai Maïkov (die Titel sind: „Men Amongst Ruins“ und „Le
Gleichheit stellen“. Coup de Grace“) enthalten wird. Das neue Album von Dissonant
Elephant wird in einigen Wochen erscheinen und den Titel „Bil
? Ein Europa der starken Vaterländer oder eine sa ‘bu“ tragen, das ist wirklich eine sehr schöne
europäische Förderation - was haltet Ihr für besser? Veröffentlichung geworden.
Oder habt Ihr ganz andere Vorstellungen?

Ein Imperium zu gründen, ist die einzige Lösung. Wenn es Interview: Claudia K. und Stephan P.
eine Möglichkeit gäbe, um die derzeitigen Strömungen in eine
Staatsstruktur einzuarbeiten, dann wäre die Erschaffung eines Fotos: Alan „Vixit“ Souquet. Except „Rose Runes
Imperiums die einzige Lösung, um ein neues Weltreich aus dem von T. Vicka
zu erschaffen, was gewachsen ist, nämlich auf spirituellen Kräf-
ten. Aber wie schon vorher erwähnt, die erste Sache, die man
unternehmen muß, ist, diejenigen Ideale wieder zu erlangen, die
ein Imperium ausmachen, nämlich die in uns selbst. Wenn es
eine Hoffnung gibt, ein neues Europa zu erschaffen, ist der einzi-
ge Weg, diesen Traum zu ve rwirklichen, den inneren Kampf ge-
gen die Schwachheit auszutragen. Wir müssen erst verstehen,
daß der erste Feind in uns selbst steckt. Wir müssen lernen, als
Krieger zu leben und allen besonderen Krisen, die die Erde er-
schüttern, unvoreingenommen und distanziert entgege nzutre-
ten. Eine Handvoll Menschen um die ausgereifte Vorstellung ei-
ner Hierarchie zu sammeln, könnte, sollte sogar, der einzige Weg
sein, um ein „Weltreich aus Stärke und Ordnung“ zu schaffen.

? Für wie wichtig befindet Ihr die


französischen Sprache allgemein und für Eure
Texte?

In den zukünftigen Stücken von Lonsai Maïkov we r-


de ich mit Sicherheit mehr auf die französische Sprache