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Diagnostische Beobachtungsverfahren

Dozent: Hans-Walter Kranert

Portfolio

Zur Fragestellung:

„ Wie reagieren Passanten auf Menschen, die im


Mülleimer nach Pfandflaschen suchen?“

von

Julia Bunke
Matrikelnummer: 2262552

und

Liv Plote
Matrikelnummer: 2266303
Gliederung

1. Einführung

1. Beobachtungsfeld
2. Hinführung zum Beobachtungsthema

2. Unstrukturierte Beobachtung

1. Beobachtungsprotokoll
2. Zusammenfassung der Beobachtungen

3. Strukturierte Beobachtung

1. Fragestellung
2. Erläuterung Beobachtungsbogen
3. Beobachtungssituation
4. Beobachtungsprotokolle

4. Strukturierte Beobachtung anhand eines Core- Sets

1. Beobachtungsinstrument
2. Beobachtungssituation und Beobachtungsgegenstand
3. Ergebnisse

5. Stellungnahme

1. Beantwortung der Fragestellung


2. Förderempfehlung
Beobachtungsfeld

Das ausgewählte Beobachtungsfeld ist der Würzburger Hauptbahnhof. Aufgrund der vielen
Menschen, die dort täglich zu sehen sind, bietet dieser viele mögliche Bereiche für eine
Beobachtung. Von dem Verhalten der Pendler, die sich einen Weg zwischen den
Menschenmassen während der Stoßzeiten zum Zug bahnen, bis zum Einstiegsverhalten am
Zug oder der Straßenbahn bieten sich viele interessante Möglichkeiten der Beobachtung. Da
dieses Feld allerdings sehr weitreichend und unübersichtlich ist muss es noch weiter
eingegrenzt werden. Aus diesem Grund stehen der Bahnhofsvorplatz sowie der
Eingangsbereich im Fokus der Beobachtungen.

Hinführung zum Beobachtungsthema

Neben den Fahrgästen, Bahnhofsangestellten und dem Sicherheitspersonal entdeckten wir


einen Beobachtungsbereich, der häufig übersehen wird und gerade deshalb sehr interessant
erscheint. Es handelt sich dabei um die Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, wie
Obdachlose, Drogenabhängige oder generell Menschen, denen das Schicksal offensichtlich
nicht wohlgesonnen war. Diese „Randgruppen“ sind ebenfalls am Würzburger Hauptbahnhof
vertreten und das sogar ziemlich häufig. Jedoch werden sie nur selten beachtet, zumindest
scheint es im Alltag so. Von Interesse ist deshalb für uns weniger das Verhalten dieser
Menschen, sondern eher die Reaktion der Bahnhofsgäste auf diese. Welche Reaktionen sind
zu beobachten, wenn ein Mensch zum Beispiel Pfandflaschen aus den Mülleimern sammelt
oder die Bahnhofsbesucher um Geld bittet? Da es jedoch stigmatisierend wäre, Menschen, die
man nicht kennt, als obdachlos oder suchtkrank abzustempeln, soll es in den Beobachtungen
um die Reaktion der Passanten auf Menschen gehen, die in Mülleimern nach Pfandflaschen
suchen.

Wichtig erscheint dabei, so verdeckt wie möglich zu beobachten, was Positionswechsel der
Beobachter mit einschließt. Welche Beobachterstandpunkte gewählt werden, werden in den
Beobachtungsbeschreibungen genau ausgeführt.
Beobachtungsprotokoll

Unstrukturierte Beobachtung

Wo: Eingang des Würzburger Hauptbahnhofes im Umkreis von etwa 200 m

Wann: 16:00-17:30 Uhr

Wer: erwachsener Mann (etwa 30-40 Jahre alt), sammelt Flaschen aus diversen
Müllbehältern (Kleidung: verschmutzte Hose, alte Lederjacke, Kappe, kaputtes Schuhwerk),
im Mittelpunkt stehen Passanten, die auf den Flaschensammler reagieren

Situation

- Mann, der etwa 5 Min. in einem der Müllbehälter nach Pfandflaschen sucht wird von einer
Gruppe Erwachsener aus ca. zwei Metern Entfernung beobachtet

- Gruppe besteht aus zwei erwachsenen Frauen und zwei erwachsenen Männern, stehen im
Halbkreis mit Blick zum Flaschen sammelnden Mann

- beide Männer aus der Gruppe halten jeweils eine leere Flasche in der Hand, einer der
beiden läuft zu dem Müllbehälter, schmeißt seine Flasche rein, obwohl der Flaschensammler
fast mit dem ganzen Oberkörper im Mülleimer versunken ist, dieser reagiert allerdings nicht
darauf

- anderen Mitglieder der Gruppe lachen, eine der beiden Frauen zeigt auf den Mann am
Müllbehälter und sie fangen wieder an, gemeinsam zu lachen, worüber gesprochen wird ist
aufgrund der Entfernung nicht erfassbar

- Ein älteres Ehepaar: stehen unter dem Dach des Eingangs, etwa 10 Meter gegenüber,
Mann beobachtet Flaschensammler länger, schüttelt den Kopf, sagt etwas zu seiner Frau,
während er den Flaschensammler beobachtet

- Gruppe von Polizisten, drei Männer, eine Frau: gehen an ihm vorbei, schauen belustigt in
die Richtung des Flaschensammlers

- älterer Erwachsener beobachtet ihn länger aus etwa 2 Meter Entfernung, redet mit sich
selbst, schüttelt mit dem Kopf

- junger Erwachsener geht alleine an Flaschensammler vorbei, mustert ihn kurz, schaut weg,
geht weiter -> weitere Passanten, ähnliches Verhalten
Zusammenfassung

Unstrukturierte Beobachtung

Im Mittelpunkt unserer unstrukturierten Beobachtung stehen Passanten, die auf einen Mann
mittleren Alters, der in mehreren Müllbehältern in der Nähe des Würzburger Hauptbahnhofs
nach Pfandflaschen sucht, eine beobachtbare Reaktion zeigen. Bezüglich der Fragestellung,
wie und in welcher Intensität die Reaktionen der Passanten stattfinden, konnten wir
beobachten, dass speziell eine Gruppe sehr auffällig und direkt auf den Flaschensammler
eingehen, indem sie offensichtlich und gemeinsam lange und überwiegend lachend in seine
Richtung schauen und ihn mustern. Die Gruppe besteht aus vier Erwachsenen, zwei davon
sind männlich, die anderen zwei weiblich. Die beiden Männer der Gruppe halten jeweils eine
Flasche in der Hand. Der eine der beiden Männer geht zu dem Mülleimer, in dem sich der
Flaschensammler beugt und schmeißt seine (Glas-)Flasche hinein. Gleichzeitig können wir
beobachten, dass die anderen Mitglieder der Gruppe offenbar über dieses Ereignis lachen. Der
Mann kehrt zur Gruppe zurück und sie bleiben dort für einige Minuten stehen und beobachten
weiterhin den Flaschensammler, bis sie sich gemeinsam aus dem Beobachtungsfeld entfernen.
Wir stellen fest, dass der Mann, der nach Pfandflaschen sucht, im gesamten
Beobachtungszeitraum kein einziges Mal auf Passanten reagiert. Im weiteren Verlauf der
Beobachtung können wir weitere Passanten beobachten, die allerdings weniger offensichtlich
auf den Flaschensammler reagieren: die meisten der Passanten, die etwa einen Meter entfernt
an ihm vorbeilaufen, mustern ihn oder schauen ihn kurz an. Nur einige beobachten ihn
auffällig lang und geben verbale oder nonverbale Äußerungen von sich, wie beispielsweise
ein älterer Erwachsener, der an ihn vorbeigeht und einige Sekunden stehenbleibt, den Kopf
schüttelt, etwas zu sich selbst sagt und weitergeht. Ein anderer älterer Erwachsener, der mit
seiner Frau unter der Bedachung des Eingangs steht, beobachtet den Flaschensammler aus
einer Entfernung von etwa 10 Metern, schüttelt ebenfalls den Kopf und sagt etwas zu seiner
Frau in einer für uns unverständlichen Lautstärke. Des Weiteren ist uns eine Gruppe von
uniformierten Polizeibeamten aufgefallen, die an dem Mann vorbei laufen. Die Gruppe
besteht aus einer Frau und drei Männern, die alle in die Richtung des Flaschensammlers
schauen und belustigt lächeln. Sie gehen jedoch weiter, ohne ihn weiter zu beobachten.

Zusammenfassend ist fest zu stellen, dass über die Hälfte der Passanten, die ihn wahrnahmen,
nur sehr flüchtig hinsahen und keine Äußerungen von sich gaben.
Beobachtungssituation

Um die Erkenntnisse aus der unstrukturierten Beobachtung zu bestätigen und ggf. zu


erweitern, wurde eine strukturierte Beobachtung mit Hilfe eines zuvor erstellten
Beobachtungsbogens durchgeführt. Für möglichst unverfälschte Ergebnisse wurde diese in
einer natürlichen Situation, dem Vorplatz des Würzburger Hauptbahnhofs in Form einer
nicht- teilnehmenden Zeitstichprobe von 16 Uhr bis 17 Uhr durchgeführt. Der zeitliche
Rahmen wurde bewusst gewählt, da es sich um eine Stoßzeit handelt, bei der sich viele
Menschen auf dem Bahnhofsvorplatz befinden (Feierabend, etc.) und ebenfalls gehäuft
Menschen, die den Müll durchsuchen.

Wie bereits in der Einführung erwähnt änderte sich der Beobachterstandpunkt innerhalb des
zuvor beschriebenen Beobachtungsfeldes, um die Beobachtung möglichst verdeckt durch zu
führen. Außerdem wechselten die „Flaschensammler“ häufig die Position (um mehrere
Mülleimer zu durchsuchen).

Zusammenfassung

Die Ergebnisse der strukturierten Beobachtung sind dem Beobachtungsbogen (in


ausgedruckter Form) zu entnehmen.

Auf den folgenden Seiten befindet sich lediglich ein Modell des Beobachtungsbogens.
Beobachtung der Reaktionen verschiedener Personen auf einen
„Flaschensammler“

Situation: Zeit:

Name des Beobachtenden: Datum:

Männlich
Kind Jugendlicher/ Erwachsener/ Erwachsener/
junger mittleres Alter höheres Alter
Alter

Erwachsener

Uniform
>Polizist
>Bahnhofs-
angestellter
>etc.
Offiziell
>Anzug
> Hemd und Hose
>etc.
Äußere Erscheinung

Arbeit
>“Blaumann“
>Latzhose
>etc.
Alltag

Extravagant/auff
ällig
>Springerstiefel
>“Bomberjacke“
>etc.
Religiös/tradi-
tionell
>Habit
>Kopfbedeckung
>etc.
Sportlich
>Jogginghose
>Turnschuhe
>etc.
Alleine

Zu zweit
Anzahl

Zu dritt

Mehr als drei


Personen

Stehen/warten
Bewegungs-
abläufe

Langsames
Vorbeigehen

Zügiges
Vorbeigehen

rennen

„Übersehen“

Flüchtiges
Hinsehen

Längeres
Hinsehen
Reaktionen

Beobachten

Verdeckte
verbale Äußerung

Offene verbale
Äußerung

Hilfsbereitschaft
Beobachtung der Reaktionen verschiedener Personen auf einen
„Flaschensammler“

Situation: Zeit:

Name des Beobachtenden: Datum:

Weiblich
Kind Jugendliche/ Erwachsene/ Erwachsene/
junge mittleres Alter höheres Alter
Alter

Erwachsene

Uniform
>Polizistin
>Bahnhofs-
angestellte
>etc.
Offiziell
>Bluse
> Kleid
>etc.
Äußere Erscheinung

Arbeit
>“Blaumann“
>Latzhose
>etc.
Alltag

Extravagant/auf-
fällig
>Springerstiefel
>“Bomberjacke“
>etc.
Religiös/tradi-
tionell
>Habit
>Kopfbedeckung
>etc.
Sportlich
>Jogginghose
>Turnschuhe
>Leggins
>etc.
Alleine

Zu zweit
Anzahl

Zu dritt

Mehr als drei


Personen

Stehen/warten
Bewegungs-
abläufe

Langsames
Vorbeigehen

Zügiges
Vorbeigehen

rennen

„Übersehen“

Flüchtiges
Hinsehen

Längeres
Hinsehen
Reaktionen

Beobachten

Verdeckte
verbale Äußerung

Offene verbale
Äußerung

Hilfsbereitschaft
Mini Core- Set

Aufgrund des Beobachtungsfeldes entschieden wir uns für folgende Items:

d3350 Körpersprache einsetzen

Eine Bedeutung mit Körperbewegungen vermitteln, wie mit Gesichtsausdruck (z.B. lächeln,
Stirn runzeln, zusammenzucken), Bewegungen und Haltungen von Armen und Händen (z.B.
wie beim Umarmen, um Zuneigung zu zeigen)

d4402 Einen Gegenstand handhaben

Mit Fingern und Händen die Kontrolle über etwas auszuüben, es zu dirigieren oder zu führen,
wie mit Münzen oder anderen kleinen Gegenständen

d4503 Hindernisse umgehen

In der Weise zu gehen, dass sich bewegenden oder festen Gegenstände, Menschen, Tieren und
Fahrzeugen ausgewichen wird, wie auf einem Markt oder in einem Laden gehen, im
Straßenverkehr gegen oder diesen umgehen oder in belebten Gegenden gehen

d7204 Sozialen Abstand wahren

In einer kontextuell, sozial und kulturell angemessenen Weise sich über den Abstand zwischen
sich und anderen bewusst zu sein und diesen zu wahren
Beobachtungssituation, Beobachtungsgegenstand und Ergebnisse

d3350 Körpersprache einsetzen

Beobachtungssituation/--gegenstand: männlicher Passant im mittleren Erwachsenenalter,


trägt Alltagskleidung, wartet alleine auf dem Bahnhofsvorplatz

Beobachtung/ Ergebnis: Als Reaktion auf einen Mann, der nur wenige Meter vor ihm im
Müll nach Pfandflaschen sucht zieht er seine Augenbrauen nach oben und beginnt gleichzeitig
zu lächeln. Dabei sucht er den Blickkontakt zu anderen Passanten. Aufgrund seiner bewusst
eingesetzten Mimik, kann er non verbal sein Empfinden den anderen Passanten gegenüber
ausdrücken.

d4402 Einen Gegenstand handhaben

Beobachtungssituation/--gegenstand: weibliche Passantin im jungen Erwachsenenalter,


trägt Alltagskleidung, wartet alleine auf dem Bahnhofsvorplatz, beschäftigt sich mit ihrem
Smartphone

Beobachtung/ Ergebnis: Aufgrund der Beschäftigung mit dem Smartphone nimmt sie den
„Flaschensammler“ nicht wahr. Sie kann ihre Hände und die Finger gezielt einsetzen um das
Smartphone zu bedienen. Aufgrund der Schnelligkeit ihrer Tippbewegungen lässt sich eine
gute Feinmotorik erkennen.

d4503 Hindernisse umgehen

Beobachtungssituation/--gegenstand: weibliche Passantin im jungen Erwachsenenalter,


trägt Alltagskleidung, läuft alleine zügig in Richtung Bahnhofshaupthalle

Beobachtung/Ergebnis: Durch ihren zügigen Gang nimmt sie den „Flaschensammler“ nur
flüchtig wahr. Trotz des schnellen Gangs orientiert sie sich gut in der Umgebung und weicht
anderen Personen gezielt aus. Auch am Eingang zum Bahnhof kann sie sich ihren Weg durch
die Menschenmenge bahnen ohne einen Zusammenstoß hervor zu rufen.
d7204 Sozialen Abstand wahren

Beobachtungssituation/--gegenstand: Männlicher Passant im mittleren Erwachsenenalter,


trägt Alltagskleidung, steht in einer Gruppe von insgesamt vier Personen auf dem
Bahnhofsvorplatz

Beobachtung/Ergebnis: Die Gruppe steht nur wenige Meter von dem Mann, der im Müll
nach Pfand sucht, entfernt und reden laut über diesen. Der „Flaschensammler“ kann die
abfälligen Bemerkungen hören, denn die Gruppe bemüht sich nicht, ihre Lautstärke zu
dämpfen. Der beobachtete Mann nimmt aktiv am Gruppenverhalten teil und scheint dabei
Spaß zu haben. Es lässt sich also erkennen, dass er deutliche Mängel in seinem
Sozialverhalten aufweist und es nicht schafft, einen angemessenen sozialen Abstand zu
wahren.
Beantwortung der Fragestellung

Während unserer Beobachtung konnten wir verschiedene Formen des Umgangs von
Passanten mit Flaschensammlern wahrnehmen. Dabei kam es nur geringfügig zu starken
Reaktionen (Beschimpfungen etc.), weshalb sich eine klare Tendenz des „flüchtigen
Hinsehens“ und des Beobachtens aus „sicherer“ Entfernung“ heraus kristallisierte. Dieses
Verhalten kann darauf fußen, dass eine große Unsicherheit mit dem Umgang dieser
Randgruppe besteht, zudem könnte man die flüchtigen Blicke der Menschen als eine Art von
Verdrängungsmechanismus deuten, der einen Menschen vor einem schlechten Gewissen
schützen soll, dass durch die Konfrontation mit Armut hervorgerufen werden würde.

Des Weiteren konnten wir beobachten, dass sich Menschen innerhalb von Gruppen oftmals
leichter zu auffälligen, offensichtlichen Reaktionen (z.B lästern, auslachen) hinreißen ließen.
Vermutlich dient die Gruppe als Schutzraum, innerhalb dessen eigene Normen und Werte
denen des Kollektivs untergeordnet werden und somit die Hemmschwelle für
„unangemessene“ Reaktionen sinkt.

Eine ebenfalls bemerkenswerte Beobachtung haben wir in Bezug auf eine Gruppe mit
Polizeibeamten gemacht: diese reagierten belustigt auf das Verhalten der Flaschensammler.
Aus diesem Grund könnte man von einer mangelnden Sensibilisierung für Randgruppen in
der polizeilichen Berufsausbildung ausgehen.
Förderempfehlung

Aufgrund der getätigten Beobachtungen konnten einige Verbesserungsmöglichkeiten für das


Leben der „Flaschensammler“ und die Solidarität der Bevölkerung erkannt werden.

Zum einen würde man es den Pfandsammlern ersparen in den Müll zu klettern und sich somit
herab zu würdigen, indem man, wie bereits an einigen großen deutschen Bahnhöfen
vorhanden, einen Sammelplatz speziell für Pfandflaschen einrichten würde. Dieser könnte
direkt neben den Mülleimern platziert und als solcher gekennzeichnet werden. Somit wäre es
für die Passanten, die ihr Pfand entsorgen kein zusätzlicher Aufwand und für die
„Flaschensammler“ hygienischer und menschenwürdiger.

Ebenfalls wäre es unseres Erachtens wichtig, die Solidarität der Menschen miteinander zu
erhöhen, indem man die Bevölkerung für „arme“ Menschen sensibilisiert. Dies kann mit Hilfe
von Informationsflyern direkt am Bahnhof geschehen aber auch in der Öffentlichkeitsarbeit
überall sonst integriert werden. Dies würde die Unsicherheiten und Hemmungen gegenüber
diesen Randgruppen abbauen und für ein sozialeres Miteinander sorgen.

Als weiterer wichtiger Punkt erscheint uns die Sensibilisierung der Polizeibeamten während
ihrer Ausbildung. Die von uns beobachteten Polizisten und Polizistinnen reagierten
unangemessen auf die „Flaschensammler“ und stellten somit ein negatives Vorbild für den
Rest der Passanten dar. Diese Sensibilisierung könnte in Form der direkten Konfrontation mit
der Randgruppe erfolgen, zum Beispiel in einem Pflichtpraktikum in einer sozialen
Einrichtung wie der Bahnhofsmission währen der Berufsausbildung. Ebenfalls erscheint es
sinnvoll, den generellen Kenntnisstand der Beamten bezügliche „armer“ Menschen zu
erweitern, beispielsweise durch die Integration in den Ausbildungsunterricht.

Der wohl wichtigste Förderungspunkt liegt in der staatlichen Subventionierung einschlägiger


Einrichtungen, wie zum Beispiel der Bahnhofmission oder der mobilen Drogenhilfe. Diese
arbeiten meist mit freiwilligem Personal und haben somit nur begrenzte
Handlungsmöglichkeiten.