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11 – Lipide und Membranen

- Einteilung der Lipide


- Eigenschaften
- Biologische Membranen
- Lipoproteine

Einführung:

Biologische Membranen bestehen hauptsächlich aus Lipiden und Proteinen. Sie kompartimentieren die Zellen
untereinander und die Organellen in den Zellen selbst. Sie sind jedoch nicht für alle Moleküle durchlässig,
sondern sie regulieren den Transport von diversen Stoffen in die und aus der Zelle.
Viele biochemische Prozesse sind membrangebunden: Nervenimpulse werden von Nervenzellmembranen
verarbeitet, Hormone und Nährstoffe werden von spezifischen Membranrezeptoren erkannt etc.

1. Einteilung der Lipide

(Lipos: gr. Fett)


Lipide sind Stoffe biologischen Ursprungs, die in organischen Lösungsmitteln löslich sind, nicht aber in Wasser.
Lipide sind zum Beispiel Fette, Öle, manche Vitamine, Hormone und Bestandteile der Membrane.

Fettsäuren

Fettsäuren (FS) sind Carbonsäuren mit langkettigen Kohlenwasserstoffresten, biologisch wichtig sind vor allem
solche mit 16 oder 18 C-Atomen. In der Natur kommen sie selten frei vor, sie sind meistens verestert (zum
Beispiel mit einem Glycerin-Molekül, siehe Zusatzblatt). Mehr als die Hälfte der Fettsäuren sind ungesättigt,
besitzen also eine (oder mehrere) Doppelbindung(en).
Gesättigte FS sind hochflexibel, sie lassen sich um praktisch jede Kohlenstoff Doppelbindung frei drehen, die
energetisch günstigste Konformation ist die vollständig gestreckte, aufgrund der kleinsten sterischen Hinderung.
Ungesättigte FS liegen fast immer in cis-Konfiruration, was eine 30°-Krümmung der Kohlenstoffkette hervorruft
und somit eine dichte Packung verhindert.

Triacylglycerine (Triglycerine)

Triacylglycerine bilden den Energiespeicher im tierischen Organismus, sie sind jedoch nicht in Membranen
vorhanden.
Die Veresterung von einem Molekül Glycerin mit drei FS-Molekülen führt zu einem Fettsäuretriester des
Glycerins. Triacylglycerine lassen sich je nach Art und Position der gebundenen FS in einfache (enthalten nur
eine Art FS) und gemischte (enthalten zwei oder drei verschiedene FS) einteilen.
Fette und Öle bestehen aus Triacylglycerinen. Fette sind bei Raumtemperatur fest, Öle hingegen flüssig. Dies
hängt ab von der Anzahl ungesättigter FS.
Fette sind sehr effiziente Stoffwechsel-Energiespeicher, sie liefern gegenüber Glycogen etwa das sechsfache an
Energie. Spezielle Zellen (Adipocyten = Fettzellen) sind spezialisiert für Synthese und Lagerung von
Triacylglycerinen, während in anderen Zellarten nur kleinste Tröpfchen vorhanden sind. Von der Fettreserve
kann ein Mensch über einen Monat zehren, während der Glycogen-Vorrat nicht mal für einen Tag ausreicht.
Die Triacylglycerine dienen auch als Wärmeschutz im subkutanen Fettgewebe.

Glycerophospholipide (Phosphoglyceride)

Sie gelten als die wichtigsten Lipidbestandteile von biologischen Membranen.


Dem Glycerophospholipid liegt ein sn-Glycerin-3-Phosphat zugrunde, das mit zwei FS an den Kohlenstoffen
C(1) und C(2) verestert ist, sowie mit einem Resten X a Phosphat.
Glycerine sind amphiphile Moleküle, sie besitzen unpolare FS-Schwänze und polare Phosphoryl-X-Köpfe.
Bei den meisten in biologischen Membranen enthaltenen Glycerophospholipiden sind die Phosphatreste mit
polaren Alkoholen verestert, die C(1)-Position wird meistens von gesättigten, die C(2)-Position oft von
ungesättigten FS eingenommen.
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Sphingolipide

Sphingolipide gehören auch zu den Hauptbestandteilen von biologischen Membranen.


Sie leiten sich vom Sphingosin, dem Dihydrosphingosin und deren C16/17/19/20-Homologen ab.
Die häufigsten Sphingolipide sind Sphingomyeline (ist in den Myelischeiden erhalten), Cerebroside (in
Zellmembranen der Nervenzellen im Gehirn), Glucocerebroside (in Zellmembranen anderer Gewebe) und
Ganglioside (bilden 6% der Gehirnlipide).

Cholesterin

Derivate des Cyclopentanperhydrophenantren nennt man Steroide. Das häufigste tierische Steroid ist das
Cholesterin. Es ist auch ein wichtiger Bestandteil der tierischen Zellmembran, befindet sich auch in Membranen
von subzellulären Organellen, sowie in Lipoproteinen des Blutplasmas.
Cholesterin bildet auch die Ausgangssubstanz für die Synthese von Steroidhormonen.
Pflanzen haben nur wenig Cholesterin, Hefe und Pilze besitzen überhaupt keines. Beide enthalten jedoch
Cholesterin-ähnliche Substanzen.

2. Eigenschaften von Lipidaggregaten

Micellen und Doppelschichten

Amphiphile Moleküle bilden in wässrigen Lösungen Micellen, dabei muss eine kritische Micellenkonzentration
überschritten werden. Micellen werden von Lipiden mit nur einer Kohlenstoffkette gebildet.
Lipide mit zwei Kohlenstoffketten (Sphingolipide und Glycerophospholipide) neigen zur Bildung von
Doppelschichten. Sie bilden das Grundgerüst von biologischen Membranen.

Liposomen

Liposomen sind geschlossene, sich selbstversiegelnde, flüssigkeitsgefüllte Vesikel, die durch eine einzige
Doppelschicht begrenzt sind. Sie sind sehr stabil.
Lipiddoppelschichten sind für ionische und polare Substanzen nahezu undurchlässig, sie bilden also eine
effektive Barriere für polare Substanzen. Für Wasser selbst sind sie durchlässig.

Transversale Diffusion (Flip-Flop), der Transfer eines Lipidmoleküls auf die gegenüberliegende Schicht
geschieht äusserst selten, der polare Kopf müsste durch den Kohlenwasserstoffkern transportiert werden. Das
Enzym Flipase kann jedoch die transversale Diffusion katalysieren.
Laterale Diffusion, paarweiser Austausch von benachbarten Phospholipidmolekülen in der gleichen Ebene,
geschieht hingegen spontan und mit hoher Geschwindigkeit.

Die Lipiddoppelschicht besitzt eine charakteristische Übergangstemperatur. Unter dieser Marke wird die sonst
flüssige Membran zu einem gelartigen Festkörper, sie verliert ihre Fluidität. Die Übergangstemperatur steigt mit
zunehmender Kettenlänge und abnehmender Anzahl Doppelbindungen (wie das auch bei einzelnen FS der Fall
ist). Die Übergangstemperatur liegt im Schnitt zwischen 10 und 40°C. Cholesterin kann die Membranfluidität
senken und verhindert die Kristallisation der Membrane.
Die Fluidität biologischer Membrane ist eine wichtige physiologische Eigenschaft, denn sie erlaubt den
eingebetteten Proteinen WW mit anderen Proteinen.

3. Biologische Membrane

Biologische Membrane bestehen nicht ausschliesslich aus der Lipiddoppelschicht, sondern enthalten eingebettete
Proteine. Sie machen meistens etwa 50% aus, in ihrer Zusammensetzung sind sie abhängig von der Herkunft der
Membrane.

Man unterscheidet zwei Arten von Membranproteinen:


- integrale (intrinsische) Proteine: Sie sind durch hydrophobe WW fest an die Membran gebunden und lassen
sich fast nicht abtrennen.
- periphere (extrinsische) Proteine: sie lassen sich äusserst leicht von der Membran ablösen, während diese
intakt bleibt.
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Integrale Proteine sind in allen biologischen Membranen vorhanden, manche sind nur zu einer spezifischen
Oberfläche der Membran hin exponiert, andere, die Transmembranproteine, durchspannen die gesamte
Membran. Integrale Proteine sind amphiphil, die Abschnitte, die innerhalb der Membran liegen sind vorwiegend
hydrophob, während die Abschnitte ausserhalb der Membran meist polare Reste tragen.

Die integralen Membranproteine schwimmen wie Eisberge in einem zweidimensionalen Lipidmeer. Die
Lipidmoleküle sind durch laterale Diffusion frei beweglich und bewegen sich wie Wasser um einen Eisberg.

Die Erythrocytenmembran

Die Membran eines roten Blutkörperchen besteht aus etwa 50% Proteinen, 42% Lipiden und 8%
Kohlenhydraten. In den reifen Zellen der Säugetiere sind keine Zellorganellen mehr enthalten, die Membran
umschliesst im wesentlichen eine Hämoglobinlösung.
Die Erythrocytenmembran enthält viele Anionenkanäle. Diese bewirken einen schnellen Transfer von Anionen
durch die Membran. Dieser Transfer ist wichtig für den CO2-Transport im Blut.
Die Fluidität ist die Erythrocytenmembranen äusserst wichtig, um den Fluss des Blutes aufrechtzuerhalten.
Teilweise müssen sich Erythrocyten durch Kapillarabschnitte drängen, die enger sind als ihr eigener
Durchmesser.

Blutgruppen

Die Erythrocytenmembran enthält an ihrer Oberfläche komplexe Kohlenhydrate (Bestandteile von


Glycoproteinen und Glycolipiden). Sie spielen eine Rolle bei diversen Erkennungsreaktionen, so zum Beispiel
beim...

AB0-System

Das AB0-System wird charakterisiert durch drei Blutgruppensubstanzen, nämlich A-, B-, und H-Antigene. Sie
sind Bestandteile von Sphingoglycolipiden auf den Erythrocyten. Individuen mit A-Zellen besitzen Anti-B-
Antikörper, solche mit B-Zellen Anti-A-Antikörper, solche mit AB-Zellen weder noch und solche mit 0-Zellen
beide. Gelangt bei einer Transfusion Blut einer falschen Gruppe in die Laufbahn, so verklumpt das Blut und
kann eventuell die Gefässe verstopfen.

Gap Junctions

Der physikalische und metabolische Kontakt, der zwischen den meisten eukaryontischen Zellen herrscht, wird
durch sogenannte Gap Junctions gewährleistet. Teilweise sind ganze Organe kontinuierlich von ihnen
durchzogen, sie bilden wichtige interzelluläre Kommunikationskanäle. Wichtig sind sie für Zellen, die weitab
vom Blutgefässsystem liegen, welche so mit Nährstoffen versorgt werden.

Membrananordnung

Lipide werden in eukaryotischen Zellen auf der cytoplasmatischen Seite des ER synthetisiert. Damit die Lipide
durch transversale Diffusion an die äussere Membranschicht gelangen können, enthält die Membran Flip-Flop
Enzyme, die Flipasen. Die Membranlipide werden in situ, also direkt an Ort und Stelle synthetisiert.
Wie jedes Protein wird auch ein Membranprotein an Ribosomen erzeugt, mit Vorlage einer mRNA. Es sind
jedoch nicht frei schwimmende, sondern die an die Membran der rauhen ER gebundenen Ribosomen. Diese
membrangebundenen Ribosomen synthetisieren Transmembranproteine, solche, die innerhalb des ER wirken
oder in Lysosomen. Teilweise werden die Proteine im Golgi-Apparat durch post-translationale Veränderungen
noch verfeinert.

Signalhypothese

Sezernierte ER-, lysosomale und Transmembranproteine werden mit einem Signalpeptid synthetisiert, das eine
Leitsequenz von ca 13-36 AS enthält. Taucht das Signalpeptid aus der ribosomalen Oberfläche hervor, so bindet
ein Signalerkennungspartikel an das Ribosom, das Wachstum des Polypeptids wird blockiert. Der Komplex aus
Signalerkennungspartikel und Ribosom diffundiert an die Oberfläche der rauhen ER und wird an einen
ignalerkennungspartikel-Rezeptor gebunden. Die Peptidsynthese wird fortgesetzt und der Peptidfaden kann in
das rauhe ER eindringen.
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Coated Vesicles

Proteine werden von rauhen ER oder vom Golgi-Apparat mittels Vesikel (Coated Vesicles) zu ihrem endgültigen
Bestimmungsort transportiert. Vesikel sind kleine Säckchen, die von einer Lipiddoppelschicht umhüllt sind. Die
Vesikel fusionieren mit der Zellmembran, die Beschaffenheit der Membran ist dabei äquivalent mit der der
Zielmembran, so erscheinen zum Beispiel Kohlenhydratanteile nur auf der Aussenseite der Plasmamembran und
nicht auf der Innenseite.

4. Lipoproteine

Lipide und Proteine können kovalent verbunden sein, oder sie bilden nicht kovalente Aggregate, sogenannte
Lipoproteine.

Man unterscheidet fünf Klassen anhand ihrer Dichte:


- Chylomikronen
- very low density lipoprotein (VLDL)
- intermediate density lipoprotein (IDL)
- low density lipoprotein (LDL)
- high density lipoprotein (HDL)

Den Proteinanteil der Lipoproteine bezeichnet man als Apolipoprotein oder Apoprotein.
Lipoproteinewerden in der Leber oder im Darm synthetisiert und transportieren Fettlösliche Substanzen wie
Cholesterin und fettlösliche Vitamine im Blut.
Zum Beispiel wird Cholesterin durch Endocytose von LDL-Partikeln aufgenommen. HDL hingegen entfernt
Cholesterin aus dem Gewebe und transportiert es zur Leber.

Intrazelluläre Lipidablagerungen in glatten Muskelfasern der inneren Arterienwand führen zu Verengung der
Arterie, die das Gefässlumen einengen oder sogar verschliessen können. Dies führt zu Atherosklerose
Peronen, die einen Mangel an LDL-Rezeptoren haben, können das Cholesterin aus LDL nicht optimal verwerten
und sind besonders anfällig. Das HDL hingegen schützt vor kardiovaskulären Erkrankungen. Frauen haben
höhere HDL-Spiegel als Männer und leiden demzufolge seltener an Herzkrankheiten. sr