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Stoffwechsel treibt Wachstum und Teilung von


Krebszellen an

Der Stoffwechselzustand von Tumorzellen trägt zu Signalen bei, die das


Teilungsverhalten von Tumorzellen steuern. Schon der deutsche Biochemiker
und Nobelpreisträger Otto H. Warburg beobachtete in den 1920er Jahren,
dass Tumorzellen ihren Stoffwechsel radikal umschalten. Dieser, nach seinem
Entdecker „Warburg Effekt“ genannte Prozess, wurde lange von der
Krebsforschung vernachlässigt, aber neueste Forschungen belegen seine
grundsätzlich Bedeutung für die Entwicklung aggressiver Tumoren. Richard
Moriggl und seine MitarbeiterInnen haben jetzt in einer Veröffentlichung in
der Zeitschrift Leukemia gezeigt, wie der Tumorpromotor STAT5
Stoffwechselsignale integriert, die zur Transformation beitragen. Damit
wurde möglicherweise ein neues Zielmolekül für therapeutische Ansätze bei
Tumorerkrankungen von den Forschenden an der Veterinärmedizinischen
Universität Wien, Medizinischen Universität Wien und dem Ludwig
Boltzmann Institut für Krebsforschung identifiziert.

Zum Wachsen braucht jeder Organismus nicht nur Energie, sondern auch Baustoffe.
Komplexe Stoffwechselprozesse stellen Zellen die notwendigen Bausteine zur Verfügung, um
zu wachsen und sich dann teilen zu können. In einer gesunden Zelle bildet sich ein
Gleichgewicht bei Stoffwechselprozessen, in dem Zucker zur Energiegewinnung vollständig
zu Kohlendioxid „verbrannt“ wird. In Krebszellen wird dieses Gleichgewicht verschoben.
Zucker wird für die Energiegewinnung nicht mehr vollständig oxidiert, sondern vermehrt
für Wachstum und schnelle Zellteilung verwendet.

Als Tankanzeige für die Energieversorgung der Zelle dient das Zuckermolekül UDP-GlcNAc.
Ist die Zelle gut mit Nährstoffen versorgt, wird dieses Molekül im Überfluss gebildet und so
der Zelle signalisiert, dass der Tank sozusagen voll ist. Ein bestimmtes Enzym kann dieses
Zuckermolekül wie eine Markierung an verschiedenen Eiweißstoffen anbringen und so
Stoffwechselprozesse steuern. „Wir untersuchen STAT5, das an einer bestimmten Stelle
(T92) mit GlcNAc markiert werden kann. Mittels gentechnischer Verfahren haben wir eine
Variante von STAT5 hergestellt, die diese Markierung nicht tragen kann, um ihren Einfluss
auf dieses Onkogen zu entschlüsseln. Diese Variante ist sozusagen blind für die Tankanzeige
und simuliert den Zustand eines leeren Tanks“, erklärt die Erstautorin Patricia Freund vom
Institut für Tierzucht und Genetik der Veterinärmedizinischen Universität Wien ihren
experimentellen Ansatz.

Die Forschenden haben jetzt festgestellt, dass die STAT5 Variante ohne GlcNAc Markierung
nicht nachhaltig Tyrosin-phosphoryliert wird. Somit fehlt die nachhaltige Aktivierung, die
notwendig ist für eine Transformation von Zellen in Krebszellen. „Wenn der Tank leer ist,
kann die Zelle sich nicht teilen“, erklärt Moriggl. Die Signale einer guten Versorgung von
Nährstoffen, also einer hohen Konzentration von UDP-GlcNAc, sind eine Voraussetzung,
dass onkogene Signale über STAT5 den Zellkern erreichen. „Wir können also STAT5
abschalten, wenn wir ihm selektiv vortäuschen, dass der Nährstofftank der Zelle leer ist.
Gemeinsam mit unseren Kollaborationspartnern werden wir nun das therapeutische
Potential dieser Strategie erforschen“, erläutert Moriggl das Anwendungspotential seiner
Forschung.

Diese Forschung wurde finanziell unterstützt von einer privaten Melanoma Donation in
Liechtenstein und teilweise gefördert vom FWF durch SFB-F28 „Jak-Stat Signalling: from
Basics to Disease“ und SFB-F47 "Myeloid Neoplasia".

1 von 1 20.07.2019, 17:48