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PRO SOPHIA 1_2004 01.06.

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Ausgabe 1 – Mai 2004

Zeitschrift für FREIE GEISTIGE PRODUKTION auf anthroposophischer Grundlage

Das Kommunikationsmedium der


Denkschule in Hamburg

Beiträge zum Weltverständnis


Liebe Freunde, Hinsicht den Forderungen unserer Zeit ent-
endlich ist es soweit! Die seit langem ange- sprechen. Daher erscheint es mir geboten,
kündigte Zeitschrift der Denkschule er- die Wirksamkeit der empfangenen Impulse
scheint. Mit ihrem Erscheinen verbindet sich durch das Medium einer Zeitschrift zu erwei-
die Hoffnung meinerseits, die vielen wertvol- tern. Ich bitte, dies im richtigen Sinne zu ver-
len Kontakte und Verbindungen zu anthropo- stehen, es handelt sich nicht um private
sophisch bewegten Menschen erhalten und Wünsche und Liebhabereien, sondern um
vertiefen zu können. Diese, vor allem aus der Aufgaben, die an mich herangetreten sind.
Arbeit der Denkschule in Hamburg und der Mit der ProSophia will ich in besonderer
Veröffentlichung meines Buches resultieren- Weise versuchen, ein Gespräch zwischen
den Freundschaften, Bekanntschaften und anthroposophisch interessierten Menschen
Interessenschaften zeigen, daß die Zahl jener zu entfachen. Dabei soll der übliche Rahmen
Menschen, die auf eine bestimmte Weise einer Zeitschrift bewußt überschritten wer-
seelisch-geistiges Wachstum suchen, sehr den. Denn Zeitschriften zeigen in der Regel
viel größer ist, als ich ursprünglich annahm. jenen leicht überheblichen Duktus, den man
Das ist eine sehr schöne, zu Herzen gehende überspitzt formulieren könnte als: Die
Erkenntnis für alle, die bei ihrer spirituellen Wissenden schreiben für die Unwissenden.
Suche in eine gewisse menschliche Isolation Dies ist – wie gesagt – überspitzt formuliert
geraten sind. In einer solchen Situation und gewiß von den meisten Autoren und
durchlebt man Phasen des Zweifels und der Redakteuren so nicht gemeint. Es sollte das
Einsamkeit, die vermeinen lassen, der einzi- jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß
ge zu sein und von allen anderen mißver- auch und vor allem in anthroposophischen
standen zu werden. Um so befreiender und Artikeln sich oftmals Behauptung an Be-
beruhigender ist es, zu erfahren, daß es viele hauptung reiht, als handelte es sich um das
ähnlich gestimmte Menschen gibt, die ver- sichere Wissen des Autors. Längst nicht
gleichbare Erlebnisse durchlitten haben. Es immer wird angegeben, woher der Autor sein
erscheint mir daher als eine wirkliche Not- Wissen bezog, und nur selten wird der Leser
wendigkeit, diese mit mir verbundenen in die Lage versetzt, das Behauptete zu über-
Menschen vermittels einer Zeitschrift nun prüfen. Dagegen soll mit dieser Zeitschrift
auch untereinander zu verbinden. versucht werden, statt der Monologe im Stile
Ein weiteres Argument für die Zeitschrift der Behauptungen eine Kommunikation auf
ergibt sich aus der folgenden Betrachtung: der Basis von Fragen und Vorschlägen zur
Der große Zuspruch, den sowohl die Arbeit Antwort zustande zu bringen. Leser schrei-
der Denkschule als auch das Buch „Die ben, was sie bewegt, was ihnen auffiel, was
Offenbarung der Engel und die achte sie erforscht haben, wonach sie sich fragen.
Sphäre“ bisher erfuhren, läßt vermuten, daß Andere Leser reagieren darauf, stellen ihrer-
die Intentionen dieser Arbeit in gewisser seits Fragen, geben Kommentare oder ma-

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chen Vorschläge zur Antwort. Wie anders korrekt zu beschreiben. Man mache sich also
könnten ehrliche Menschen miteinander und an die wissenschaftlich genaue, schriftliche
mit den Angaben Rudolf Steiners umgehen? Fixierung seiner Fragen, Probleme, Ideen,
In jedem Falle sind die Leser aufgefordert, Entdeckungen und Impulse. Dies wird nicht
ihre Ideen, Beobachtungen, Fragen und Vor- immer auf Anhieb gelingen, daher empfiehlt
schläge zwecks Abdruck an die Redaktion zu es sich, diesen Vorgang ggf. mehrfach zu
senden. Die Redaktion wird unter den Ein- wiederholen. Und eine dritte Stufe könnte
sendungen jene Beiträge auswählen, welche noch darin bestehen, die korrekt beschriebe-
sie zur Veröffentlichung für geeignet hält, nen Seelenimpulse über das bloß Korrekte
und sie wird auch ggf. mit Änderungsvor- hinauszuführen in die künstlerische, ästheti-
schlägen an die Autoren herantreten. Dies ist sche Darstellung. Ja, darum soll es sich ganz
gewiß eine subjektive Vorgehensweise, doch bewußt handeln: den eigenen Seelenimpul-
wir wollen versuchen, eine ehrliche Zeit- sen die ihnen gebührende Kultur zu ver-
schrift herauszugeben. Daher muß es Men- schaffen. Dies wäre schon für sich ein loh-
schen geben, die mit ihrer ganzen Subjekti- nendes Unterfangen, das keines weiteren
vität und der ihnen möglichen Objektivität Anreizes bedarf, doch die Anthroposophie
den Inhalt der Veröffentlichungen verantwor- Rudolf Steiners liefert uns zu einem solchen
ten. Nur eine solche Vorgehensweise kann Versuch der Rekultivierung des Seelenle-
den Mißbrauch unseres Mediums verhindern bens allerschwerwiegendste Argumente. Da-
und der Zeitschrift Stil, Niveau und Note zu der Artikel „Vom Verhältnis des Men-
geben. schen zur dritten Hierarchie“ in der
Mit der Zugrundelegung jener Gesinnung nächsten Ausgabe.
des Fragens und Vorschlagens gegenüber den Nun ist mir durchaus bewußt, daß die
zu bewegenden Themen wird bezweckt, daß meisten Menschen gerade vor dem schrift-
der Leser nicht wartet mit seinem Beitrag, bis lichen Fixieren ihrer Seelenimpulse zurück-
er vollständiges Wissen über den zu be- schrecken. Einige sind es gewohnt, ein
schreibenden Sachverhalt gewonnen hat, Tagebuch zu führen. Die meisten aber mei-
sondern daß er sich traut, von dem Stand nen, daß es sicher nicht so wichtig sei, ihre
aus, auf dem er sich gerade befindet, über Gedanken schriftlich niederzulegen. Doch
jene Dinge zu schreiben, die seine Seele das ist – so behaupte ich – ein Irrtum. Natür-
bewegen. Also, lieber Freund, laß’ uns wis- lich bleibt es dem Leser überlassen, ob er
sen, was Deine Seele wirklich bewegt. Wir sich üben will in dem, was Rudolf Steiner die
werden Dir sagen, was sich unseren Seelen „freie geistige Produktion“ nannte. Doch wer
dazu ergibt und was wir z. B. bei Rudolf sich nicht überwinden kann, schriftlich an
Steiner zu Deinem Thema lesen konnten. der Kultivierung seiner Seelenimpulse zu
An dieser Stelle möchte ich eine Verfah- arbeiten, geht fast zwangsläufig am schöpfe-
rensweise vorschlagen, die auch schon in der rischen Denken vorbei. Gewiß kann man
Denkschule verschiedentlich Anwendung auch Ideen haben, ohne zu schreiben. Doch
gefunden hat. Und zwar sollte man diejeni- die rechte Klarheit entsteht nur über die kon-
gen Dinge, welche die Seele bewegen, krete Fixierung der Gedanken. Diese wiede-
zunächst einmal versuchen festzuhalten. rum ist vor allem im Schreiben gegeben.
Dazu empfiehlt es sich, stets einen Block und Schon das Sprechen ist ziemlich ungenau,
einen Stift parat zu halten, denn gerade die man frage sich nur einmal am Abend, mit
schönsten und wichtigsten Impulse ver- welchen Worten man am Morgen zu jeman-
schwinden wieder im Trubel des Alltags, dem gesprochen hatte. Und man frage sich
wenn man sie nicht sofort festhält. Das wäre auch, wie gut es denn gelang, seine See-
eine erste Stufe dieser Arbeit: die Sammlung. lenimpulse durch das Sprechen zum Aus-
Ein zweiter Arbeitsgang bestünde darin, die druck zu bringen. Nicht selten fällt einem
gesammelten Impulse und Ideen wieder erst nach dem Gespräch ein, wie man sich
anzuschauen und zu versuchen, diejenigen, hätte besser ausdrücken, besser verständlich
die einem wichtig erscheinen, nun möglichst machen sollen. Insofern sei den Lesern das

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Aufschreiben der Gedanken noch einmal dadurch der Arbeitsaufwand ein gewisses
dringend ans Herz gelegt. Maß überschreiten, so werden wir die für uns
Zum Schluß noch einige Hinweise zur arbeitenden Menschen selbstverständlich
Organisation der ProSophia. Da z. Z. noch bezahlen müssen. Was dann geschehen soll,
nicht abzusehen ist, welches Echo dieses muß abgewartet werden. Zunächst aber
Unterfangen bei den Lesern/Autoren/lnter- arbeiten alle Beteiligten ohne Honorar. Die
essenten haben wird, ist zunächst geplant, Mitarbeiterschaft besteht bisher aus Ulrike
die Zeitschrift jährlich drei bis vier Mal Nadler, zuständig für die Bearbeitung der
erscheinen zu lassen. Wann immer genü- Textbeiträge und die Adressverwaltung,
gend Beiträge zum Weltverständnis zur sowie Archibald Kleinau, der die Produktion
Veröffentlichung bereitstehen, wird es eine und den Versand besorgt, und aus mir, ver-
neue Ausgabe geben. Solange ein gewisses antwortlich – wie immer – für alles.
Maß an Arbeit und Material nicht überschrit- Wir sind natürlich interessiert, unsere
ten wird, soll die ProSophia als nicht-kom- Mitteilungen möglichst vielen Menschen
merzielles Kommunikationsblatt herausgege- zukommen zu lassen und bitten die Leser um
ben werden. Dem entsprechend können für die Weitergabe des Blattes und um
schriftliche oder sonstige Beiträge keinerlei Bekanntgabe der Adressen weiterer interes-
Honorare gezahlt werden. Das Copyright sierter Menschen an uns, die das Blatt per
bleibt bei den Autoren und sonstigen Ur- Post oder E-Mail zugesandt erhalten sollen.
hebern. Aus diesen Gründen wollen wir uns Wer Ideen hat, wo diese Zeitschrift zur
aber auch den Luxus leisten, keine Werbung Mitnahme ausgelegt werden kann, der for-
abzudrucken. Die ProSophia wird nur dann dere die entsprechende Anzahl von Exem-
über Ereignisse, Produkte, Projekte, Einrich- plaren an. Wir sind aber auch bemüht, Kos-
tungen und Veranstaltungen berichten, wenn ten zu sparen und bitten daher diejenigen,
die Redaktion von deren Wichtigkeit und die ungebeten die ProSophia per Post oder E-
Integrität überzeugt ist und diese unterstüt- Mail erhalten haben, aber an unserem Blatt
zen will. Trotz oder gerade wegen dieser nicht interessiert sind, uns dies entsprechend
idealistischen Absichten, kann die Zeitschrift mitzuteilen. Wer Post-Empfänger unserer
nicht kostenlos erscheinen. Gegenwärtig Zeitschrift ist, aber über eine E-Mail-Adresse
liegt der Herstellpreis bei zwei Euro pro verfügt, der sende diese bitte an die E-Mail-
Exemplar. Hinzu kommt ggf. das Porto. Wir Adresse der Redaktion, die auf der letzten
bitten daher jene Empfänger der ersten Seite zu finden ist. Bei Umzug etc. bitte nicht
Ausgabe, die an Erhalt und Weiterführung vergessen, auch uns eine entsprechende
des Kommunikationsblattes interessiert sind, Mitteilung zu machen.
uns einen gewissen Ausgleich für Versand- Ja, liebe Freunde, stets in der Hoffnung,
und Herstellungskosten zukommen zu las- dem waltenden Geist der Menschheitsent-
sen. Dies kann in Form von Briefmarken oder wicklung irgendwie dienlich sein zu können,
auch auf andere Weise geschehen. Wir prü- wünsche ich uns allen eine kommunikative
fen zur Zeit die Einrichtung eines Schenk- Zukunft. Bis zur nächsten Ausgabe – vermut-
geld-Kontos und suchen in dieser Sache noch lich im September.
fachkundige Beratung. Sollte das Echo auf Hamburg, im April 2004
unsere Zeitschrift groß sein und sollte Hans Bonneval

Rudolf Steiner zum Thema des Denkens


Unser lieber Freund, David Hornemann, einzelnen Beiträge gesetzt. Schließlich sind
hat sehr bemerkenswerte Aussprüche wir eine Denkschule, da dürfen solche
Rudolf Steiners über das Denken unter dem Denksätze natürlich nicht fehlen. Wer ähn-
Titel „Das Denken als Grundkraft des lich interessante Sammlungen angelegt hat,
Kosmos“ gesammelt. Wir haben diese der möge nicht zögern, uns diese zwecks
Zitate als besondere Akzente zwischen die Abdruck zur Verfügung zu stellen.

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Rudolf Steiner zum Thema des Denkens


„In dem Denken haben wir das Element und fühlen (auch wahrnehmen), sind wir
gegeben, das unsere besondere Individu- einzelne, indem wir denken, sind wir das
alität mit dem Kosmos zu einem Ganzen alleine Wesen, das alles durchdringt.“
zusammenschließt. Indem wir empfinden GA 4, S. 91

Hegel und das Schicksal Mitteleuropas


Lars Grünewald als Dozent der Denkschule
Mit großem Erfolg leitet Lars Grünewald Logik verknüpft sind.
seit Januar 2003 einen wöchentlichen Kurs Nun ist es schon mehr als nur einfach eine
zum Thema „Hegels Wissenschaft der Logik“. verwunderliche Tatsache, daß sich mir für
Ich hatte dieses Seminar in das Programm den Fortgeschrittenen-Kurs der Denkschule,
aufgenommen aufgrund einer schriftlichen der in diesem Jahr unter dem Namen
Ausarbeitung, die mir Lars im Frühjahr 2001 „Anthroposophie als Lebensschule“ läuft, ein
zukommen ließ und die ich den Lesern gern Thema ergab, welches auf ganz andere
vorstellen möchte. Durch die Geschehnisse Weise das Scheitern der mitteleuropäischen
um das World Trade Center gewannen Kultur zum Gegenstand hat. Dieser fortlau-
Themen wie „Globalisierung“ und „amerika- fende Kurs, der jeweils am Donnerstag um
nischer Imperialismus“ plötzlich stark an 18 Uhr mit Eurythmie beginnt, befaßt sich im
Popularität, was dann vermutlich dazu führ- ersten Halbjahr 2004 mit dem Vortrags-
te, daß dem Hegel-Kurs ein besonders reges Zyklus Rudolf Steiners „Das Karma des
Interesse entgegengebracht wurde. Aufgrund Berufes“ GA 273.
der starken Nachfrage im Jahr 2003 konnte Jener Vortragszyklus beginnt mit einem
das Seminar 2004 in neuer Gestalt wieder- über drei Vorträge ausgedehnten Exkurs über
holt werden. Das ursprünglich recht umfang- vor allem Goethes, aber auch Schillers
reiche Thema wurde in zwei unterschiedli- Leben. Beide Persönlichkeiten haben trotz
che Kurse aufgeteilt. So beginnt das inzwi- aller Besonderheiten doch recht viel zu
schen in „Hegels ,Logik’ und der amerikani- Verallgemeinerndes aufzuweisen, gewisser-
sche Kulturimperialismus“ umbenannte Se- maßen als weithin leuchtende Beispiele für
minar an jedem Dienstag um 18.30 Uhr mit den Menschen des Bewußtseinsseelenzeit-
dem sogenannten „theoretischen“ Kurs als alters. Wir erfahren, wie die Mitteleuropäer
„Systematische Einführung in die Wissen- veranlagt sind, und wie jene Größen des
schaft der Logik“. Um etwa 20 Uhr endet der deutschen Idealismus mit diesen Veran-
theoretische Kurs und die Arbeit wird als lagungen umgingen. Wir erfahren aber auch,
„praktischer Kurs“ fortgesetzt unter dem Titel wie sehr unsere heutige Kultur den guten
„Die Logik als Instrument der Weltgestal- Anlagen des Bewußtseinsseelenmenschen
tung“. Beide Kurse können auch unabhängig entgegensteht, wie sehr sie verhindert, was
voneinander besucht werden. Der prakti- möglich wäre. Und fragen wir dann aus der
sche Kurs wirft vor allem ein deutliches Licht heute doch sehr problematischen Situation
auf die tragische Geschichte Mitteleuropas, des Berufslebens heraus, wie es zu diesen
deren wahre Gestalt dem öffentlichen Be- und den anderen problematischen Zustän-
wußtsein noch weitestgehend verborgen ist. den hat kommen können, so enden wir –
Rudolf Steiners Ausführungen lassen aber Steiner folgend – wiederum bei Hegel, wie
eine tief erschütternde Deutung der Zusam- die folgenden Ausführungen des Lars
menhänge zu, die auf das Engste mit der Grünewald zeigen.
praktischen Anwendung der Hegelschen (HB)

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Rudolf Steiner, Hegel und der ahrimanische Kulturimpuls


Mit den nachstehenden Anregungen möch-
nischen Bevölkerung, inhaltlich kaum
te ich den anthroposophisch orientierten Le-
etwas anderes finden als Hegelsche
ser davon überzeugen, dass 1.) die Beschäf-
Philosophie." (GA 202, S. 60)
tigung mit dem hier behandelten Thema für
den Fortbestand des anthroposophischen
Kulturimpulses von lebenswichtiger Bedeu- Diese Parallele zwischen der Philosophie
tung ist, dass 2.) nahezu jegliche Beschäfti- Hegels und dem anglo-amerikanischen bzw.
gung mit diesem Thema von anthroposophi- ahrimanischen Kulturimpuls erklärt sich
scher Seite bisher ausgeblieben ist und dass dadurch, dass „Hegel es war, der den ahri-
deswegen 3.) die Beschäftigung mit diesem manischen Mächten die Menschenvernunft
Thema in nächster Zukunft unbedingt ergrif- abgerungen hat“ (GA 199, S. 154), um sie in
fen werden muss, um den von Rudolf Steiner seiner „Wissenschaft der Logik“ systematisch
beschriebenen Kampf zwischen anthroposo- darzustellen. Der wesentliche Unterschied
phischem und ahrimanischem Kulturimpuls besteht lediglich darin,
nicht endgültig zu verlieren.
Zur Begründung dieser Behauptungen soll, „daß Hegel die Sache als etwas ganz
so weit wie möglich, Rudolf Steiner selber zu Offenbares betrachtet, und die Geheim-
Wort kommen. Dieser äußert in einer gesellschaften des Westens sorgsam darü-
Vortragsreihe über die „geisteswissenschaftli- ber wachen, daß dasjenige, was Hegel
che Behandlung sozialer und pädagogischer vor die Welt hingestellt hat, ja nicht allge-
Fragen“ über den Fortgang unserer Kultur, mein bekannt werde." (GA 202, S. 60)
man beschreibe ihn zutreffend,
Steiner selbst spricht unmissverständlich
„wenn man ihn mit einem Überhandneh- aus, dass unsere kulturelle Entwicklung
men des Ahrimanischen identifiziert. Also wesentlich anders hätte verlaufen können,
wir sind in das Ahrimanische hinunterge- wenn die Erkenntnisse Hegels in Mitteleuro-
rast, hinuntergesaust und haben heute pa aufgegriffen und in der Praxis angewandt
den Impuls in uns, alles eigentlich aus worden wären:
ahrimanischen Untergründen heraus zu
beschreiben, zu betrachten und auch zu „Es hätte ... in einer bedeutsamen Weise
tun.“ (GA 192, S. 173) pariert werden können, was an weltge-
schichtlichen Ereignissen aus der Macht
Mehrfach weist Steiner darauf hin, dass westlicher Geheimgesellschaften hervor-
sich der ahrimanische Kulturimpuls von den gegangen ist, wenn man in Mitteleuropa
anglo-amerikanischen Ländern her ausbreitet nur die eigenen Leute studiert hätte."
und von gewissen Geheimgesellschaften vor- (ebd., S. 60f)
angetrieben wird, die sich zur Erreichung
ihrer Ziele okkulter Mittel bedienen. Der Diese Beschäftigung mit den ‚okkulten
Inhalt jener Lehren, mittels derer in ungeheu- Grundlagen der Kultur- und Sozialgestaltung’
rem Umfang Einfluss auf die Entwicklung ist aber ausgeblieben; wir sehen dies an der
und Gestaltung unseres kulturellen Lebens Ohnmacht all jener Bestrebungen, deren Ziel
genommen wird, ist nun allerdings nicht es ist, der uneingeschränkten Ausbreitung
geheim, sondern in seinem wesentlichen Ge- des ahrimanischen Kulturimpulses wirksam
halt seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhun- entgegenzuarbeiten. Insbesondere die An-
derts öffentlich zugänglich: throposophie, die wir Steiner zufolge „errun-
gen haben, damit wir diesem Hineinsausen
„Sie können wirklich, wenn Sie bekannt in das Ahrimanische dasjenige entgegenhal-
werden mit den esoterischsten Lehren der ten können, was jene Gleichgewichtslage
Geheimgesellschaften der anglo-amerika- hervorbringt, welche die heutige Menschheit

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... so sehr braucht“ (GA 192, S. 183), hätte ge, was die Menschheit braucht, ohne das
eine solche Beschäftigung mit den durch sie nicht vorwärtskommen kann, was aber
Hegel vermittelten Inhalten unbedingt nötig. erst Ahriman entrissen werden mußte. So
So betont Steiner: bleibt die Hegelsche Logik tatsächlich
etwas Ewiges, so muß sie fortwirken. Sie
„Es liegt ... eine geistige Kraft in diesem
muß immer wieder gesucht werden. Man
Hegeltum, und es liegt in ihm etwas, das
kann ohne sie nicht auskommen.“
aufgenommen werden muß von jeder
(GA 199, S. 153)
geistigen Weltanschauung. Denn rachi-
tisch werden müßte jede Geisteswissen- Und unmittelbar auf die Situation im Jahre
schaft, die nicht durchdrungen werden 1920 bezogen fordert Steiner:
könnte von dem knöchernen Ideensys-
tem, das ... dem verknöchernden Ahri- „Es ist notwendig, es wäre notwendig,
man abgerungen worden ist durch He- daß in diesem Zeitpunkte, der vielleicht
gel. Man braucht dieses System. Man einer der wichtigsten ist, noch wichtiger
muß in einer gewissen Weise daran inner- als 1914, möglichst viele Menschen sich
lich stark werden. Man braucht diese gerade an das Bedeutsame in Hegel erin-
kühle Besonnenheit, wenn man nicht in nern. Denn die Seelen könnten in einer
nebuloser warmer Mystik verkommen gewissen Weise aufwachen gerade an
will beim geistigen Streben." Hegel. Und Aufwachen ist nötig. Man
(GA 199, S. 156f) glaubt es nicht, man will es nicht glau-
ben, welche Gefahren eigentlich in der
Mit außerordentlich eindringlichen Worten Zivilisation Europas und seines amerika-
erläutert Steiner: nischen Anhanges walten; man will nicht
glauben, welche Niedergangskräfte vor-
„Wer Hegel versteht, wie er seine ,Logik’
handen sind.“ (GA 199, S. 157)
ausgearbeitet hat, der sieht, wie die
Menschheit in dieser Zeit ... beginnt zu
„Durch Geisteswissenschaft muß sich der
verkalken, beginnt materialistisch zu wer-
Boden finden, wo dasjenige nicht begra-
den, dicht zu werden, in die Materie ver-
ben werden darf, was in Georg Friedrich
strickt zu werden. Wie ein Versinken in
Wilhelm Hegel als ein Ewiges ... geboren
die Materie im Wissen, im Erkennen ist es
worden ist. ... Es darf nicht begraben wer-
in dieser Zeit. Und es erscheint einem wie
den, es muß in der Geisteswissenschaft
im Bilde diese Menschheit, im Materiel-
zu einem Leben erweckt werden, wie wir
len versinkend, Hegel wie in der Mitte
es wahrhaftig jetzt in diesem intellektuel-
stehend, mit aller Gewalt sich herausar-
len, moralischen und ökonomischen
beitend und entreißend Ahriman dasjeni-
Niedergange brauchen.“
ge, was Ahriman Gutes hat: die abstrakte
(GA 199, S. 162)
Logik, die wir brauchen zu unserer inner-
lichen Befreiung, ohne die wir nicht zum Es ist in die freie Entscheidung und in das
reinen Denken kommen, diese entrei- Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen
ßend den Mächten der Schwere, diese gestellt, die eindeutige Forderung Steiners
entreißend den irdischen Mächten und entweder aufzugreifen oder unberücksichtigt
sie hinstellend in ihrer ganzen kalten zu lassen. Bisher wurde sie unberücksichtigt
Abstraktheit, damit sie nicht in demjeni- gelassen, mit katastrophalen Folgen für die
gen Elemente lebe, das das Ahrimanische gesellschaftliche Entwicklung in Politik, Wirt-
im Mensch ist, sondern damit sie herauf- schaft und Geistesleben. Jeder Anthro-
komme in das menschliche Denken. Ja, posoph, der sich mit den zitierten Äußerun-
diese Hegelsche Logik ist den ahrimani- gen Steiners bekannt gemacht hat,
schen Mächten entrissen, entrungen und entscheidet durch sein Tun oder Unterlassen
der Menschheit gegeben; sie ist dasjeni- eigenverantwortlich mit über den weiteren

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Fortgang unserer Kultur. Allerdings wird das tung fruchtbar zu machen, ist es also zu-
Aufgreifen der eindeutigen Aufforderung nächst erforderlich, die innerhalb der Logik
Rudolf Steiners dadurch erschwert, dass das enthaltenen Keime mittels anthroposophi-
erhebliche Potenzial der Hegelschen Logik scher Forschung zu entwickeln. Ist diese
zunächst alles andere als offensichtlich ist. Aufgabe jemals von Institutionen, die sich
So äußert auch Steiner: mit dem anthroposophischen Kulturimpuls
identifizieren, auch nur ansatzweise betrie-
„Mir erscheint oft Hegels Logik als der ben oder gefördert worden? Wie kann man
Keim einer Pflanze, dem man kaum sich (als Anthroposoph) über Stagnation und
ansieht, was er werden kann, der aber öffentliche Wirkungslosigkeit wundern,
doch die mannigfaltigsten Anlagen in sich wenn man derart eindeutige Äußerungen
trägt. Und mir scheint, wenn dieser Keim Steiners derart unberücksichtigt lässt? Auf-
wächst, wenn ihn der Mensch liebevoll grund der vorangegangenen Ausführungen
pflegt und in den seelischen Boden ein- bleibt wohl nur die Aufforderung übrig, drin-
setzt durch anthroposophische For- gend die von Rudolf Steiner ausgesproche-
schung, dann entsteht gerade das, daß der nen Forderungen in Taten umzusetzen. Wer
Gedanke nicht nur gedacht, sondern als sich für dieses Arbeitsgebiet und seine kon-
Realität erlebt werden kann.“ kreten Perspektiven für die praktische
(GA 81, S. 64f) Sozialgestaltung interessiert, ist herzlich ein-
geladen, Kontakt aufzunehmen.
Um die von Hegel entwickelten Erkennt-
nisse für die soziale und kulturelle Gestal- Lars Grünewald

Naturbetrachtung & Erlösung in der


Lüneburger Heide
Auch in diesem Jahr soll das beliebte den. Wie im Vorjahr sind wieder das kurze
Naturbetrachtungsseminar wieder stattfin- Wochenendseminar und das sieben Tage
dauernde Urlaubs-
seminar miteinander
verknüpft. Das Wo-
chenendseminar mit
seinem kompakten
Programm führt den
Teilnehmer in die
Welt der Elementar-
wesen und Natur-
geister, so daß der
Zusammenhang des
Menschen mit der
Natur auf sehr be-
sondere Weise deut-
lich wird. Durch
meditative Übungen
kann eine Annähe-
rung an das Wesen-
Heidberg im Spöktal Foto: Jürgen Sander hafte der Welt ge-

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sucht und der Einstieg in die große Aufgabe urlaubsartigen Atmosphäre, der kann sich für
des Menschen, die Erlösung der dienstbaren das Wochenseminar anmelden, welches das
Wesen, gefunden werden. Übungen des kompakte Wochenend-Programm in ruhi-
schöpferischen Denkens werden auch bei gerer Gangart bis zum Freitag, den 2. 7. fort-
diesem Seminar die Grenzen des bloßen setzt. Wir werden täglich eine Unterneh-
Verstandeswis-sens zu überschreiten helfen. mung am Morgen beginnen, die im Laufe des

Waldoper im Spöktal Foto: Jürgen Sander

Durch zusätzliche Übungen im Bereich des Nachmittags endet, und dann um 20 Uhr
Sozialen wird nicht nur der Umgang mit der noch ein vortragsartiges Arbeits-Treffen
Natur in ein neues Licht gestellt, sondern durchführen. Für das gesamte Seminar wird
auch das Zwischenmenschliche kann eine keine gesonderte Kursgebühr erhoben. Auch
interessante Vertiefung erfahren. Somit steht zu diesem Seminar bitte schriftlich anmel-
das gesamte Seminar unter dem Leitstern des den, die Formulare liegen in der Denkschule
Wesenhaften: Was sind Wesen, welche gibt aus oder sind bei der Redaktion zu bestellen.
es und in welchem Wechselverhältnis stehen Seminarort ist der Pensionsbetrieb Haus
sie zum Menschenwesen? Spöktal, welcher auf einem sehr wertvollen
Das Wochenende beginnt am Freitag, den Naturgrundstück gelegen ist. Es handelt sich
25.6. um 12 Uhr mit dem Mittagessen und um ein Nichtraucher-Haus mit hervorragen-
endet am Sonntag, den 27.6. um ca. 19 Uhr der, vorwiegend vegetarisch-biologischer
mit dem Abendessen. Kost, in welchem keine Haustiere zugelassen
Wer die am Wochenende angerissenen sind.
Themen vertiefen möchte in einer ruhigen Auskunft: 040-27076-502 Hans Bonneval

Rudolf Steiner über das Denken:


„Das gemeinsame Urwesen, das alle Gedankeninhalt erfüllte Leben in der
Menschen durchdringt, ergreift somit der Wirklichkeit ist zugleich das Leben in
Mensch in seinem Denken. Das mit dem Gott.“ GA 3, S. 250

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Außersinnliches: Gesichte-r
Die folgenden Ausführungen betreffen eines der großen Themen meiner Arbeit, welches in
dem Artikel „Engel heute“ in dieser Ausgabe näher beschrieben ist. Es handelt sich um das
weite Gebiet der außersinnlichen Wahrnehmungen, welche laut Rudolf Steiner von zuneh-
mender Häufigkeit und Bedeutung für alle Menschen sein werden. Die erste große Frage,
die sich wohl jedem Menschen, der sich mit diesen Dingen befaßt, zunächst stellt, ist: Wo
beginnt das Außer- oder Übersinnliche? Welche Erscheinungen treten überhaupt im
menschlichen Bewußtsein auf und wie sind sie einzuordnen? Und hatte nicht Rudolf Steiner
gesagt, man solle innere Phänomene nicht als sensationell nach außen tragen, um die
Entwicklung nicht zu stören? Ich will daher mit einer recht harmlosen Erscheinung begin-
nen und nicht etwa damit aussagen: Hier ist höhere Wahrnehmung, hier ist Außersinnliches,
hier ist Imagination usw., sondern ich will etwas schildern, was mir innerlich erscheint und
einfach meine eigenen Fragen veröffentlichen. Ich sage also: Ich weiß nicht, wie das fol-
gende einzuschätzen ist, was meint der Leser? Und wenn ich dazu auffordere, uns ähnliche
Erlebnisse zu berichten, damit wir sie veröffentlichen können, dann soll der Betreffende dies
natürlich nur dann tun, wenn er es für richtig und wichtig hält.

Oft geschieht es, wenn ich mich nur kurz verstärkt sich allmählich, gerät in die Über-
hinlege, um ein wenig auszuruhen, daß vor treibung und schlägt in die Auflösung um.
den geschlossenen Augen markante Gesich- Kurz vor Ende dieser recht zügigen Bewe-
ter erscheinen. Es sind Gesichter von Men- gung erscheint der reine Typus, den ich bild-
schen, die ich nicht kenne, und auch sie lich nicht beschreiben könnte. Es handelt
scheinen mich nicht zu kennen. Sie schauen sich um ein bildhaftes Element, das sich
mich ernst und interessiert an, doch sie kaum darstellen läßt. Man stelle sich z. B. ein
bewegen sich nicht, zeigen keinerlei Mimik, hasenartiges Gesicht vor, mit langen, vorste-
aber sie leben. Sie sprechen nicht und bli- henden Schneidezähnen oder ein Stupsna-
cken mich unbewegt, aber lebendig an. Das sengesicht. Diese Erscheinungen gehören zu
Bild bzw. die Szene ist innerlich ruhig, aber bestimmten Form-Typen von Gesichtern, die
sie bewegt sich als Ganzes innerhalb meines häufiger vorkommen. Nun stelle man sich
Blickfeldes. Meistens tritt die Erscheinung vor, daß die charakteristischen Formmerk-
von der linken Seite her auf, wandert in die male eines solchen Gesichtes sich allmählich
Mitte und wird irgendwann schwächer und verstärken, bis sie in völliger Übertreibung in
verschwindet mehr nach rechts herüber, die Auflösung umschlagen. Es geschieht dies
ohne daß ich genau sagen könnte, wie sie aber nicht, indem z. B. die Schneidezähne
sich auflöst. Die Bilder sind nicht sehr deut- immer länger werden oder die Stupsnase
lich oder intensiv, aber sehr eindrucksvoll. immer größer, sondern sie werden irgendwie
Sie bleiben nur einige Sekunden, manchmal deutlicher, intensiver, ausschließlicher bis
vielleicht eine Minute lang, ehe sie sich wie- zur völligen Überzeichnung. Ein solches
der auflösen. Einige Male konnte ich ein sol- Erlebnis dauert vielleicht zwei oder drei
ches Gesicht dann für wenige Momente Sekunden und konnte von mir bisher nicht
wiedererscheinen lassen. Das gelingt aber wiederholt werden.
nur selten. Meistens bemerke ich die Erschei- Am gestrigen Abend sah ich die Silhouetten
nung erst, wenn sie sich wieder auflöst. Sie zweier spielender Kleinkinder mit den typi-
gehört irgendwie zu meinem Innenleben, so schen wippenden Kleinkind-Bewegungen.
daß ich zunächst nicht erstaunt bin, wenn sie Das rechts stehende Kind legte dem links
auftritt. sich befindenden den Arm auf die Schulter,
Manchmal kommt es vor, daß die Form des was dazu führte, daß beide den Halt verloren
Gesichtes sich innerlich zu bewegen be- und umfielen. Ich konnte keine Gesichts-
ginnt. Der Charakter oder Gesichts-Typus züge oder Kleidungsstücke erkennen, aber

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die Bewegungen bzw. die ganze Szene hatte ungen aus der Anthroposophie heraus, oder
etwas Charakteristisches, sie war äußerst ty- wer Ähnliches erlebt hat, möge sich doch
pisch für Kleinkinder, ja, geradezu urbildlich. bitte schriftlich an die Redaktion wenden.
Wer Ideen hat zur Deutung dieser Schau- (HB)

Rudolf Steiner über das Denken:


„Der Mensch ist dem Weltlauf gegenüber sondern der tätige Mitschöpfer des Welt-
nicht ein müßiger Zuschauer, der innerhalb prozesses; und das Erkennen ist das voll-
seines Geistes das bildlich wiederholt, was endetste Glied im Organismus des Univer-
sich ohne sein Zutun im Kosmos vollzieht, sums.“ GA 3, S. 11

Schöpferisches Denken in der Kunst


Gemäldeausstellung in Hamburg
Am Samstag, den 18. September zeigt geeignet, Neues in die Welt zu bringen. Der
unsere liebe Freundin Emma Volquardsen Verstand kann zwar eine Anthroposophie
den Teilnehmern der Denkschule ihre sehr auswendig lernen, aber nicht zur Anwen-
besonderen Werke der Malerei. Es handelt dung im Leben bringen. Der Verstand würde
sich nicht um eine Verkaufsausstellung, son- immer dort, wo die an der Wahrnehmung
dern um eine Art Seminar der Denkschule, gebildeten Gedanken enden, mit spekulati-
welches zum Inhalt hat, Produkte des schöp- ven, irrtumsgefährdeten Schlüssen arbeiten
ferischen Denkens vorzustellen und zu be- oder in einen unkontrollierbaren Phantasmus
sprechen. Ab 14 Uhr sind die Teilnehmer mit abzugleiten drohen. Erst wenn man bereit ist,
„Anhang“ eingeladen, in die Bismarckstraße sowohl seine Erfahrungen als auch das
54 in 20259 Hamburg-Eimsbüttel zu kom- Spekulative ruhen zu lassen, eröffnet sich uns
men. Um ca. 16 Uhr werde ich dann einen das Denken in der Vernunft bzw. der Be-
kleinen Vortrag zum schöpferischen Umgang wußtseinsseele. Die Frage nach dem Wah-
mit dem Denken halten. Um ca. 18 Uhr soll ren, Schönen und Guten hat nur Aussicht auf
die von Kuchen, Kaffee und anregendem Antwort, wenn der Verstand sich zugunsten
Austausch begleitete Bildbetrachtung been- der Bewußtseinsseele enthält. Diese Denkart
det sein. Auskunft: Tel. 040-49 65 40. wurde in so großartiger Weise von den
Das zentrale Anliegen der Denkschule ist Schöpfern des deutschen Idealismus prakti-
es, den Menschen des Bewußtseinsseelen- ziert. Wie Rudolf Steiner berichtet, erforschte
zeitalters mit der schöpferischen Variante des z. B. Goethe die Naturerscheinungen unter
Denkens bekannt zu machen, und außerdem Ausschaltung allen Vorwissens und jeglicher
ihn anzuregen, sich dieses produktive Den- Spekulation, bis ihm das Objekt sein Ge-
ken zur Gesinnung, zur Gewohnheit zu ma- heimnis mitteilte. Diese Denkungsweise
chen. Der Grund, weshalb mir dies so hätte sich im Laufe des neunzehnten Jahr-
besonders wichtig erscheint, liegt darin, daß hunderts allmählich auf die allgemeine
nach Rudolf Steiner allein das schöpferisch- Menschheit übertragen sollen. Doch leider
künstlerische Denken in der Lage ist, die gelang dies nicht. So konnte Rudolf Steiner
durch ihn gegebenen Resultate der Geistes- seiner eigentlichen Lebensaufgabe auch erst
forschung für das Leben fruchtbar zu ma- nachkommen, nachdem er versucht hatte,
chen. Das leider in unserer Kultur üblich ge- durch mehrere Bücher auf dieses besondere
bliebene Verstandesdenken ist nicht Problem des Denkens hinzuweisen. Die

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„Philosophie der Freiheit“ ist geradezu als


Übungsbuch für ein schöpferisches Denken
konzipiert worden – und es wirkt! Da aber
die mir bekannten anthroposophisch arbei-
tenden Menschen sich nicht besonders für
dieses Thema interessierten, sah ich mich
veranlaßt, im Jahre 1996 die Denkschule ins
Leben zu rufen. Seither suche ich jede
Gelegenheit, die enorme Kraft dieser Denkart
darzustellen.
Dreimal bisher konnte im Rahmen der
Denkschule ein Wochenend-Seminar zum
Thema „Schöpferisches Denken“ durchge-
führt werden – mit gutem Erfolg. In diesem
Zusammenhang ist nun auch diese Gemäl-
deausstellung der Emma Volquardsen zu
sehen.
Kommet also zahlreich in die Bismarck-
straße und lasset Euch anregen. Der Eintritt
ist frei – vielleicht hättet Ihr ein paar
Groschen für den Kuchen. (HB)

Emma Volquardsen „Fingerübung“

Engel heute
Die Rubrik „Außersinnliches“ umfaßt u. a. ten geschaffene kosmische Sphäre, aus wel-
auch eine fortlaufende Berichterstattung cher heraus versucht wird, den Menschen
unter dem Titel „Engel heute“. Diese Unter- von der für ihn vorgesehenen christlichen
rubrik wurde nach dem gleichnamigen Entwicklung abzubringen. Luzifer und Ahri-
Kapitel meines Buches „Die Offenbarung der man erreichen dies, indem sie wahrneh-
Engel und die achte Sphäre“ eingerichtet, mungsähnliche visionäre Imaginationen aus
denn jenes Kapitel befaßt sich mit Berichten der achten Sphäre jenen spirituell suchen-
von Menschen, die der Auffassung sind, den Menschen zukommen lassen, die bereit
Engel oder andere Geistwesen gesehen bzw. sind, ihren freien Willen gegen ein visionäres
erlebt zu haben. Das Kapitel stellt diese Hellsehen einzutauschen. Dies kann bereits
Erlebnisse verschiedensten Schilderungen geschehen, wenn man mit bestimmten
Rudolf Steiners gegenüber und fragt, ob es Wünschen in seiner Meditation dann Trance-
sich bei diesen als Engelerscheinungen oder Traum-Zustände aufsucht, starke Atem-
beschriebenen Schauungen tatsächlich um Übungen durchführt, sich auf Phantasierei-
das Erleben von Wesen der höheren Hierar- sen einläßt oder vorstellungshalber die eige-
chien handelt oder um eine der vielen ande- ne Führung anderen Wesen überläßt. Sobald
ren Erscheinungen, die auf diesem Sektor man seinen freien Willen in spiritueller Ver-
möglich sind und von Steiner beschrieben senkung auch nur zum Teil aufgibt, nähert
wurden. Innerhalb dieser anderen Erschei- man sich der achten Sphäre. Dies geschieht
nungen nimmt das Erleben der sogenannten offenbar sogar dann, wenn man lediglich ein
achten Sphäre eine besondere Stellung ein. Medium oder Channel befragt, wenn man
Wenn ich Steiner recht interpretiere, handelt also nicht selbst in spiritistische Prakti-
es sich um eine von den Widersachermäch- ken eintritt, sondern dies stellvertretend

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durch eine andere Person vornehmen läßt. ichlose, hochintelligente Ahrimanwesen. Die
Hinter der Verlockung, aus nicht-sinnlichen besondere Schöpfung des Christus besteht
Quellen etwas Okkultes über sich oder ande- nach meiner Auffassung darin, daß er die po-
re zu erfahren, etwas zu erfahren, was der lar entgegengesetzt wirkenden Kräfte Luzifers
gewöhnlichen Menschenerkenntnis nicht zu- und Ahrimans gegeneinander in ein relatives
gänglich ist, steht das Wirken der Widersa- Gleichgewicht setzt. So entsteht zwischen
cher. Ihr Ziel ist es, dem Menschen sein dem vergangenheitstragenden Licht-Geist
Christlichstes zu entreißen: den freien Wil- Luzifer und dem zukunftsgerichteten Ma-
len. Christus als Schöpfergott der Erde läßt terie-Geist Ahriman die Gegenwart der
die Geistes-Kraft des Lichtgottes Luzifer und christhaften Menschenwelt. Der Mensch ist
die Materie-Kraft des „Ahriman“ genannten das durch den Christus erzeugte Gleich-
Gottes der Finsternis im Menschen zusam- gewicht zwischen Luzifer und Ahriman. So
menströmen, um aus diesen beiden zeigt es auch der „Menschheitsrepräsentant“,
Gegensatzkräften ein Wesen von freiem die große Holzstatue, die Rudolf Steiner
Willen zu erzeu- entwarf und von
gen: den Men- der Holzbildhaue-
schen. Diese vom Rudolf Steiner über das Denken: rin Edith Maryon
Sohnes-Gott einge- „Das Denken ist das Element, durch das wir anfertigen ließ. Der
setzte und von Stei- das allgemeine Geschehen des Kosmos mit- Kopf des Menschen
ner so bezeichnete machen; das Fühlen das, wodurch wir uns mit seinen geistemp-
„neue Trinität“ aus in die Enge des eigenen Wesens zurückzie- fänglichen Denk-
Luzifer, Christus hen können.“ GA 3, Seite 108 und Sinnesorganen
und Ahriman ist ist mehr von den
Schöpfer der „Sün- Lichtkräften Luzi-
denfall-Welt“, jener Welt, in welche die fers durchdrungen, während im Stoffwechsel
Menschheit nach Ausschluß aus dem Garten und in den Gliedmaßen der Schwerekraft-
Eden versetzt wurde. Die neue Trinität (s. GA erzeuger Ahriman überwiegt. Zusammen-
187, 22.12.18) schafft unter Leitung des gehalten und ins Gleichgewicht gebracht
Sohnes-Geistes unser physisches Sonnensys- werden Kopf und Gliedmaßen durch das
tem, um darin den Menschen zu einem rhythmische System des Herzens und der
freien Wesen umzugestalten. Die beiden Lunge, in welchen das Christuskräftetra-
Repräsentanten der sogenannten Wider- gende Ich des Menschen waltet.
sachermächte, Luzifer und Ahriman, sind Nun soll der Mensch nach dem Plan seines
Brüder des Christus und gestalten dessen Schöpfers natürlich weder ein luziferisches
Schöpfung dadurch, daß jeder für sich ver- noch ein ahrimanisches Wesen werden,
sucht, den Menschen auf seine Seite zu brin- doch es scheint das genannte Bestreben der
gen und in die ihm unterstellten Gattungen beiden Widersacher ganz im Sinne des
einzureihen. Luzifer versucht, uns zu einem Christus zu sein. Denn wenn ich Steiner rich-
der seinen zu machen, indem er alle Erden- tig verstanden habe, soll sich das christliche
entwicklung rückgängig machen will. Der Menschen-Ich dadurch bewähren, daß es in
vorirdische Mensch ohne physisch-minerali- jeder Situation des Lebens das richtige relati-
schen Leib ist sein Ideal. Damit würden wir ve Gleichgewicht zwischen den luziferi-
ein in unserer eigenen Vergangenheit zu- schen und ahrimanischen Kräften herstellt.
rückgebliebenes Wesen sein, welches das Ich Die Kraft aber, die dies zu tun vermag, ist
ohne die Erdenmaterie entwickelt. Ahriman keine andere als der freie Wille selbst, ist das
will dagegen die Zukunft vorwegnehmen. Er Freiheits- und Liebe-begabte Menschen-Ich.
versucht, die Ich-Entwicklung des Menschen Luzifer und Ahriman haben die Aufgabe, das
auf der Erde abzubrechen und würde am menschliche Ich als frei wollendes Gleich-
liebsten sofort mit der Geistselbst-Entwick- gewichtsorgan auszubilden und zu prüfen.
lung des Menschen einen neuen Kosmos be- Daher versuchen sie dem Menschen seine
ginnen lassen. Auf diese Weise würden wir Gleichgewichtskraft abzuringen und ihn all-

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mählich in ihre Welt, in die achte Sphäre hin- mit Sinnesorganen wahrnehmen können.
überzuziehen. Als Lockmittel zur Aufgabe Sinneswahrnehmungen sind gebunden an
und Übergabe seines freien Willen bzw. als die physisch-mineralische Materialität, die
Gegenleistung erhält der sich auf diese Weise nur in der gegenwärtigen Entwicklungsphase
unbewußt entchristende Mensch visionäre, der Erde vorhanden ist. Auf dem alten Mond
verdichtete oder auch als mineralisiert be- gab es nur Imaginationen, und diese wurden
zeichnete Imaginationen. Diese entsprechen wahrgenommen mit entsprechenden Imagi-
oftmals ganz dem, was der betreffende zu er- nationsorganen, welche noch immer in je-
leben wünscht. Imaginationen sind Symbol- dem Menschen vorhanden sind, aber in der
bilder, welche in verdichteter bzw. minerali- Regel nicht zur Ausbildung kommen. Die
sierter Form die Substanz der achten Sphäre, alte Menschheit besaß ein sich zurückbilden-
in ihrer ursprünglichen Form aber die der des, immer schwächer werdendes instinkti-
Welt des alten Mondes ausmachen. Damit ist ves Hellsehen; man war neben der heutigen
eine besondere Schwierigkeit im Begreifen Wahrnehmungsfähigkeit noch zur visionären
der Steinerschen Angaben berührt, die wir in Imagination fähig.
folgenden Ausgaben noch einmal näher un- Um die Zeit des Mysteriums von Golgatha
tersuchen werden. Sie besteht darin, daß – war in den östlichen und südlichen Kulturen
immer vorausgesetzt, ich interpretiere die das alte Hellsehen bereits erloschen. Im Nor-
anthroposophischen Zeugnisse in der Weise, den und Westen blieb es auch noch einige
wie sie gemeint waren – jenes dem unsrigen Zeit nach dem Christus-Tod erhalten. Im
vorangegangene Sonnensystem des soge- Norden sprach man von der Götterdämme-
nannten alten Mondes zwar schon aus Feuer, rung und im Westen erzählt die Legende vom
Luft und Wasser bestanden haben soll, daß Zauberer Merlin diese Geschichte des erlö-
aber diese Elemente nicht in Form von wahr- schenden visionären Hellsehens. Der Chris-
nehmbarer Materie vorhanden waren. Das tus beendet mit seinem Tod das alte visionä-
versteht man aus der gegenwärtigen Kultur re, instinktive Wahrnehmen des Geistigen
nur schlecht, daß z. B. Eisen nicht bloß in und stiftet einen neuen Weg zum Geist für
fester, flüssiger, gas- alle Menschen. In-
artiger und feuer- sofern kann das
hafter bzw. plasma- Rudolf Steiner über das Denken: Christentum in sei-
tischer Form im „Die menschliche Erkenntnis ist kein außer ner wahren Gestalt
Reich der wahr- den Dingen sich abspielender, aus bloßer nicht einfach als
nehmbaren, mine- subjektiver Willkür entspringender Prozeß, eine Religion unter
ralischen Materie sondern, was da in unserem Geist als Natur- vielen angesehen
erscheinen kann, gesetz auftritt, was sich in unserer Seele aus- werden. Wahres
sondern offenbar lebt, das ist der Herzschlag des Universums esoterisches Chris-
auch noch in den selbst.“ GA 1, S. 288 tentum – nicht ka-
Reichen der Imagi- tholisches oder
nationen, Inspirati- protestantisches –
onen und Intuitionen. Imagination ist also ist der neue Weg zum geistigen Erkennen der
nicht bloß Symbolbildhaftes, welches irgend- Welt für jeden Menschen. Im Zuge dessen
wo in der geistigen Welt auch vorhanden ist, wird das auf dem alten Mond ausgebildete
sondern es ist eine andere Sphäre der Sub- Imaginationsorgan wieder in neuer Form
stanzialität, durch welche alle Wesen, die aktiviert werden. Durch Übung oder Ver-
gegenwärtig das sogenannte Sonnensystem anlagung ausgebildet, erlaubt dieses Organ
bilden, in einer früheren Entwicklungsstufe auch dem heutigen Menschen, die immer
hindurchgegangen sind. Diese frühere „In- vorhandenen Imaginationen zu allen uns
karnation“ unseres Sonnensystems nennt umgebenden Dingen oder Wesen wahrzu-
man esoterisch den alten Mond. Da es aber nehmen – freilich nicht mehr in der alten
auf dem alten Mond keine mineralische Ma- visionären Form. Das neue Hellsehen, wel-
terie gab, hätte man den Mond auch nicht ches der Christus stiftete, geschieht bei vol-

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lem Tagesbewußtsein und geht aus einem ähnlich oder gleich einer sinnlichen Wahr-
verstärkten Denken hervor. Die Imagination nehmung. Das besonders Heimtückische an
wird gewöhnlich als Hellsichtigkeit bezeich- diesen leicht zu erringenden „falschen“
net und besteht in einer gesetzmäßigen Imaginationen ist, daß die darin enthaltenen
Symbolbilder-Schau. Jedes Wesen hat nicht Auskünfte über irdische Zusammenhänge
nur seine physische Erscheinung, sondern sehr oft wahr und zutreffend sind oder min-
auch sein charakteristisches bewegtes Sym- destens von den Empfängern als wahr erlebt
bolbild, seine Imagination. Die nächst höhe- werden. Wenn z.B. ein Medium befragt wird,
re Stufe der Geistwahrnehmung bildet die die Verbindung zu einem Verstorbenen
Inspiration als eine Art Hellhören. Die Wesen Anverwandten herzustellen, um herauszufin-
sprechen sich im Menschen aus, sie sagen, den, wo beispielsweise das Testament hinge-
wer und was sie sind. Und die höchste Stufe legt wurde, weil die Hinterbliebenen dieses
der Übersinnlichkeit bildet die Intuition, ein nicht finden können, so ist nicht selten eine
Hellsein, ich bin das andere Wesen. Diese korrekte „Antwort“ durch das Medium
drei Stufen der Höheren Wahrnehmung sind erwirkt worden. Damit ist allerdings nicht
aber gleichzeitig höhere oder feinere geklärt, wie diese Antwort zustande kam. Es
Substanzialitäten des Seins, durch welche handelt sich im Falle dieser verdichteten
der Mensch und seine Mitwesen einst hin- Imaginationen also nicht um leicht zu durch-
durchgingen und für deren Wahrnehmung schauende Unwahrheiten und Irrtümer, son-
Organe entwickelt wurden, die sich in der dern um den hoch wirksamen Versuch
gegenwärtigen Phase der Erdenentwicklung Luzifers und Ahrimans, dem Menschen so
in inaktivem, latentem Zustand befinden. Wir viel wie nur möglich von seiner christlichen
sind zur Zeit nicht hellsichtig, weil das Kraft des freien Willens abzuringen und nach
gesamte Menschsein durch den Christus ver- Möglichkeit die ganze Menschenseele zum
ändert und erneuert wurde. Wir werden in Bewohner der achten Sphäre zu machen.
der Zukunft der Menschheitsentwicklung die Dies schildert Steiner im fünften Vortrag des
gegenwärtig latenten Organe wieder zur Bandes 254 der Gesamtausgabe recht aus-
Aktivität bringen. Denn so wie von jeder führlich. Da heißt es unter anderem:
Erscheinung der physischen Welt Sinnesreize
ausgehen, die den Gegenstand bzw. das GA 254 / Vortrag 5 /Absatz 13
Wesen wahrnehmbar machen, so gehen von „Wir sind also eingespannt in eine Welt
seinem geistigen Zentralwesen auch Imagi- von verdichteten Imaginationen, die da-
nationen, Inspirationen und Intuitionen aus, durch nur keine mondhaften Imagina-
die der Mensch auch empfängt, die er aber tionen sind, daß sie durch das Material
nur durch entsprechende hellseherische der Erde verdichtet sind. Das aber sind
Fähigkeiten sich zu Bewußtsein bringen die Gespenster, das heißt, hinter unserer
kann. Nun sind aber z. B. die regulären Welt ist eine Welt von Gespenstern,
Imaginationen nur durch eine intensive, auf- geschaffen von Luzifer und Ahriman.“
wendige Schulung zu erreichen, weshalb es
nur wenigen talentierten Menschen gelingt, 254/5/18 „Wir sehen: es liegt die Tatsa-
zur den regulären, schwer zu entschlüsseln- che vor, daß seit dem Beginn der Erden-
den Imagination vorzudringen. Luzifer und entwickelung es die Intention Luzifers
Ahriman locken dagegen den sich hellsichtig und Ahrimans war, die ganze Erdenent-
Wähnenden mit einer sehr viel leichter zu wickelung verschwinden zu lassen in die
erringenden Form der symbolhaften Bilder: achte Sphäre.“
mit den visionären Imaginationen, die der
alten Form des Hellsehens verwandt sind. 254/5/25 „Dem Menschen mußte die mi-
Diese Bilder zeigen offenbar keine Symbole neralische Natur eingegliedert werden, er
für die Wesen, sondern sie zeigen die äuße- mußte ein vom Mineralischen durchzoge-
ren Gestalten, mit denen die Wesen auf der nes Wesen werden, um für die Freiheit
Erde erscheinen. Man hat also den Eindruck reif zu werden, so daß der Mensch zur

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Freiheit nur erzogen werden kann inner- Diese Auszüge machen deutlich, warum
halb der irdischen, sinnlichen Welt.“ das Buch „Die Offenbarung der Engel und
die achte Sphäre“ genannt wurde, denn nach
254/5/27 „Luzifer und Ahriman haben intensivem Studium der Angaben Steiners –
aber das Bestreben, gerade des Menschen vor allem auch jenen des Vortrages „Was tut
freien Willen hereinzuzerren in ihre achte der Engel in unserem Astralleib?“ GA 182/6 –
Sphäre; gerade alles das, was aus des bin ich zu dem Schluß gekommen, daß allzu
Menschen freiem Willen stammt, nicht viele der vermeintlichen Engel-Erlebnisse
daraus stammen zu lassen, sondern es doch etwas anderes sein müssen als das, was
hineinzuzerren in ihre achte Sphäre. Das Steiner als Erleben der Engel beschrieben
heißt, der Mensch ist fortwährend der hat. Ich will mir nicht anmaßen, zu sagen,
Gefahr ausgesetzt, daß ihm sein freier die vermeintlichen Engel seien alle „Ge-
Wille entrissen und hineingezerrt werde spenster der achten Sphäre“ gewesen, doch
in die achte Sphäre.“ fast alle der mir bisher zugänglichen Engel-
Schauungen weichen stark von den Be-
254/5/28 „Das geschieht dann, wenn das schreibungen Rudolf Steiners ab. Nun hängt
freie Willenselement zum Beispiel umge- aber nach Steiners Angaben die gute Zu-
wandelt wird in visionäres Hellsehen. Da kunftsentwicklung der Menschheit in größ-
ist der Mensch schon darinnen in der ach- tem Maße gerade vom richtigen Erkennen
ten Sphäre. Und das ist etwas, was man des eigenen Engels eines jeden Menschen
so ungern von seiten der Okkultisten ab. Aus diesem Grunde halte ich es nach wie
sagt, weil es eigentlich eine furchtbare vor für wichtig, die öffentlich bekannt gewor-
Wahrheit ist: In dem Augenblick, wo der denen Engel-Erlebnisse zu studieren, um her-
freie Wille umgewandelt wird zu visionä- auszufinden, worum es sich dabei jeweils
rem Hellsehen, ist dasjenige, was sich im handelt. Also nicht, um vom hohen Roß des
Menschen entwickelt, ein Beutestück von besserwissenden Anthroposophen auf die
Luzifer und Ahriman. Das wird sofort ein- teilweise sehr naiv dargestellten Engel-Erleb-
gefangen von Luzifer und Ahriman und nisse herabzuschauen, wurde diese Arbeit
wird für die Erde dadurch zum Ver- begonnen, sondern um hoffentlich bald Kri-
schwinden gebracht. Daraus können Sie terien zur Beurteilung der vielen verschiede-
sehen, wie durch die Bindung des freien nen Arten von Schauungen und Visionen in
Willens gleichsam die Gespenster der Zusammenarbeit mit interessierten Men-
achten Sphäre geschaffen werden. Fort- schen erarbeitet zu haben. Ziel dieser Initia-
während sind Luzifer und Ahriman damit tive muß es sein, den vielen innerlich erle-
beschäftigt, den freien Willen des Men- benden Menschen eine gewisse Unterstüt-
schen zu binden und ihm allerlei Dinge zung geben zu können, indem man sie
vorzugaukeln, um dann das, was ihm vor- bekannt macht zum einen mit dem, was
gegaukelt wird, ihm zu entreißen und in Rudolf Steiner über diese Dinge hinterlassen
der achten Sphäre verschwinden zu lassen. hat – und das ist recht viel – und zum ande-
Und das, was so naivgläubige, aber doch ren mit den Erlebnissen anderer bzw. mit den
abergläubische Menschen an allerlei anderen Erlebenden selbst. Auf diese Weise
Hellsehen entwickeln, ist oftmals so, daß könnte verhindert werden, daß jenes von
da ihr freier Wille hineinimprägniert Steiner beschriebene Erleben des eigenen
wird. Dann schafft es Luzifer gleich hin- Engels von den Erlebenden mißgedeutet und
weg, und während die Menschen dann et- unverstanden bliebe. Es könnte verhindert
was von der Unsterblichkeit zu erreichen werden, was der Menschheit droht, daß wir
glauben, schauen sie in Wahrheit in ihren diese zentral wichtigen Erscheinungen „ver-
Visionen zu, wie ein Stück oder ein Pro- schlafen“. Es könnte vor allem auch verhin-
dukt ihres Seelenwesens herausgerissen dert werden, daß immer mehr Menschen
und für die achte Sphäre präpariert wird.“ mehr oder weniger Opfer der achten Sphäre
werden. Denn alles, was sich da tummelt

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unter Channelling, Prophetie oder Hellsich- Wer hat was gehört, gelesen oder selbst er-
tigkeit, steht in der akuten Gefahr, ein kom- lebt? Bitte traut Euch, auch schwierige, un-
fortables Produkt der achten Sphäre zu sein. verständliche oder zweifelhafte Erlebnisse
Wir werden daher unter dieser Rubrik mitzuteilen. Wir werden diese – sofern wir
sowohl die Schilderungen Rudolf Steiners sie für geeignet halten – veröffentlichen und
betreffend das Erleben des Engels und ande- die Leser um Reflexion bitten. Wer seine Er-
rer Geistwesen durch den Menschen als lebnisse nur inkognito mitteilen möchte, der
auch die Erlebnisse und Erfahrungen unserer vermerke dies deutlich und gebe uns ein
Leser oder anderer Zeitgenossen darzustellen Pseudonym an. Ich weiß natürlich, daß dies
versuchen. Wir beginnen in der nächsten eine heikle Materie ist, doch ich halte eine
Ausgabe mit den Ausführungen Steiners, die solche Arbeit für notwendig, weil tatsächlich
im 6. Vortrag des Buches GA 182 „Was tut die Gefahr besteht, daß die Menschheit
der Engel in unserem Astralleib?“ zu lesen wichtige Entwicklungsschritte versäumt,
sind. Und wir bitten nochmals die Leser, sich wenn sie nicht wach auf alles schaut, was
auch an dieser Thematik aktiv zu beteiligen. geschieht. (HB)

Essen & Denken in Langenfelde


Zum fünften Mal wird am Sonnabend, den vorführen und versuchen, die Teilnehmer zur
9. Oktober das Ernährungs-Seminar "Essen & Mithilfe und Nachahmung zu animieren. Die
Denken" in der KITA FÖRSTERWEG 51 in Hauptbeschäftigung der Teilnehmer wird
Hamburg-Langenfelde durchgeführt. Auch allerdings im Essen und Trinken bestehen –
dieses Seminar steht im Zeichen des schöp- wir bitten daher, mit leerem Magen zu er-
ferischen Denkens. Ziel der Kochvorführung scheinen. Das Seminar wird um 13 Uhr be-
ist es, einen virtuosen, intuitiven Umgang mit ginnen und bis ca. 18 Uhr mit dem Essen be-
vegetarischen Nahrungsmitteln vorzuführen. schäftigt sein. Danach werde ich noch einen
Für das Kochen ohne Rezept konnte ich zwei Vortrag über Ernährung aus anthroposophi-
starke Mitköche gewinnen: und zwar Linda scher Sicht halten. Für dieses Seminar ist we-
Socias – sie betreibt mit ihrer intuitiven Zu- gen der Lebensmitteldisposition eine schrift-
bereitungsweise einen eigenen Catering-Ser- liche Anmeldung erforderlich, die in der
vice – und Peter Drescher – Therapeut, Do- Denkschule ausliegt oder bei der Redaktion
zent des begrifflichen Denkens und schöp- angefordert werden kann. Der Kostenbeitrag
ferischer Koch. Zu dritt werden wir die wird vermutlich bei 20 Euro liegen.
Zubereitung einfacher, schmackhafter und Auskunft: 040-27076-502
gesunder Gerichte der vegetarischen Küche Hans Bonneval

Impressum:
Die „ProSophia – Beiträge zum Weltverständnis“ Gestaltung und Repro:
erscheint als Kommunikationsmedium der „Bewe- Renate Wegener, Offset-Repro
gung Neue Isis“, deren Herz die freie Assoziation Neumann-Reichardt-Str. 29, 22041 Hamburg
„Neue Schule des Denkens“ in Hamburg ist – bes- E-Mail: info@wegener-repro.de
ser bekannt als „Denkschule“. Herstellung und Versand:
Initiator der Bewegung und Herausgeber der Pro- Archibald Kleinau
Sophia ist Hans Bonneval, zu erreichen per Adresse Margaretenhof 3, 22397 Hamburg
Forum-Initiative E-Mail: archibald@kleinau-online.de
Mittelweg 145 a, 20148 Hamburg, Tel. 040-418083 Druck:
Redaktionsadresse: digi-book, Hollenstedt
Ulrike Nadler, Stralsunder Straße 3, 21339 Lüneburg Bisherige Auflage:
E-Mail: ulrike.nadler@freenet.de 500 Exemplare

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