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Freitag, der 25.

Oktober 2019
Freitag. Der Morgen begann mit der Bekanntschaft der Geschichte der Wolfskinder, die einigen
Ländern, außer Deutschland und Litauen, völlig unbekannt sind.
„Als Wolfskinder bezeichnet man die im nördlichen Ostpreußen am Ende des Zweiten Weltkrieges
durch Kriegseinwirkungen und -folgen zeitweise oder dauerhaft elternlos gewordenen heimatlosen
Kinder, die, um in den ersten Nachkriegsjahren zu überleben, in das Baltikum flüchteten oder dorthin
gebracht wurden. In Litauen wurden sie als vokietukai bezeichnet, das heißt „kleine Deutsche“.

Ihre Väter waren als Soldaten eingesetzt, gefallen oder später in Kriegsgefangenschaft geraten. Im
Jahr 1945 flohen zahlreiche Deutsche aus dem nördlichen Ostpreußen vor der Roten Armee, wurden
jedoch teilweise wieder in das Gebiet zurückgeschickt. Weitere Zehntausende Deutsche, auch Frauen
und junge Mädchen, wurden 1945 zur Zwangsarbeit in das Innere der UdSSR verschleppt. Zivilisten
kamen bei Erschießungen und gewaltsamen Übergriffen um, ebenso durch Zwangsarbeit,
Unterernährung und verschiedene Epidemien. Zahlreiche Kinder wurden zu Waisen oder wurden von
ihren Eltern getrennt und mussten die Nachkriegszeit elternlos überleben und sich selbst
durchschlagen. Das war angesichts der katastrophalen Lebensmittelversorgung in Ostpreußen und
besonders in Königsberg (Ostpreußen), heute Kaliningrad, sehr schwer. Die in diesem Gebiet
verbliebenen Deutschen durften zunächst nicht in die sowjetische Besatzungszone ausreisen.
Wo die Eltern und Großeltern nach der sowjetischen Besetzung an Hunger und Krankheit verstarben,
mussten sich die Kinder alleine vor dem Verhungern bewahren durch „Betteln, Schuften und Stehlen“.
Litauische Bauern, die in den ostpreußischen Städten Lebensmittel verkauften, warben 1946 Kinder
und Jugendliche als Arbeitskräfte an. Daraufhin fuhren zahlreiche Kinder regelmäßig nach Litauen, um
Lebensmittel einzutauschen oder zu erarbeiten bzw. zu erbetteln oder um dort dauerhaft zu bleiben.
Genaue Zahlen liegen nicht vor. Schätzungen gehen davon aus, dass sich 1948 ca. 5.000 deutsche
Kinder und Jugendliche in Litauen aufhielten.“
Wir hatten Besuch. Wir haben zwei Frauen, Ela Matemaitienė ( geb.Ela Karin Macik) und Valerija
Čepienė( geb. Waltraut Mint), ehemalige Wolfskinder, eingeladen, um der jüngeren Generation ihre
Geschichten zu erzählen. Unser Treffen Begann von einem Film über die Geschichte der Wolfskinder:
„ Kinder der Flucht. Wolfskinder“. Danach haben die Gäste uns ihre Geschichten erzählt, als sie als
drei- und fünfjährige Mädchen ihre Eltern und alle Verwandten verloren, sich auf den Weg aus
Königsberg nach Litauen (Tauroggen) machten, um ein Stück Brot zu finden. Die Reise nach Litauen
war für sie sehr hart, sie mussten im Wald, in einem Heuhaufen oder in einer Hundehütte
übernachten. Sie hatten manchmal gar nichts zu essen, deswegen waren sie gezwungen, von den
litauischen Bauern Gemüse und Obst zu klauen. Sie hatten auch Gewalt in den Familien erlebt, von
denen sie aufgenommen wurden, und mussten für ein Stück Brot in den Familien arbeiten.
Die tränenreichen Erlebnisse der Frauen berührten die Projektteilnehmer, und sie versprachen, über
die "Wolfskinder" an ihren Schulen und ihren Familien zu erzählen, wenn sie nach Hause
zurückkehren.
Nach dem Treffen mit den Wolfskindern sind wir zum Denkmal der Konvention 1812 gefahren.
Die Konvention von Tauroggen war ein Waffenstillstand, der am 30. Dezember 1812 in der
Poscheruner Mühle, etwa drei Kilometer südwestlich von Tauroggen entfernt, an der damaligen
Grenze zwischen Preußen und Russland von dem preußischen Generalleutnant Johann David von
Yorck und dem russischen Generalmajor Hans Karl von Diebitsch abgeschlossen wurde. Anteil am
Zustandekommen dieser Vereinbarung hatten der in russische Dienste gegangene, vormals
preußische Major Carl von Clausewitz und der Generalgouverneur von Livland und Kurland in Riga,
Generalleutnant Filippo Paulucci.
König Friedrich Wilhelm III. von Preußen missbilligte die Konvention zunächst und gab Befehl, Yorck zu
verhaften und vor ein Kriegsgericht zu stellen; nachdem ihm die Niederlage Napoleons in Russland
jedoch in ganzem Umfang bekannt war und die Entwicklung in Preußen seinen General bestätigte,
erhielt auch Yorck die ihm gebührende Anerkennung.
Den diplomatischen Hintergrund bildete das Bekenntnis des Zaren Alexander im Rescript vom 6.
Dezember 1812 zu einem Bündnis mit Preußen.
Vom Denkmal für Konvention 1812 sind wir zur Grenze mit dem ehemaligen Ostpreußen gefahren
und haben das erste Dorf Lauksargiai besichtigt.
Im Zentrum für traditionelles Handwerk und Ethnokultur in Norkaičiai haben die Projektteilnehmer
die Aktivitäten dieser Gemeinde, das Dorfmuseum, litauische Volkslieder kennengelernt. Sie lernten
auch nach der alten Methode Kerzen gießen, filzen und spinnen. Die Projektteilnehmer aus
Griechenland haben uns griechische Tänze vorgestellt, die Gemeinde Norkaičiai litauische Volkslieder
und Volkstänze.
Danach bekamen die Projektteilnehmer die Zertifikate, und die letzten Fotos sind gemacht worden.
Der Abschiedsabend in den Familien, die letzten Aktivitäten in den Familien, Bewertung dieses
Projekttreffens bei einer Tasse Kaffee.
Am Samstag, um 8. Uhr Abfahrt nach Vilnius zum Flughafen, und von dort – der Flug nach Hause.
Erasmus + -Projekte sind nicht nur eine Gelegenheit, die Fremdsprachenkenntnisse zu vertiefen, die
Geheimnisse der Kommunikation und Zusammenarbeit in einer Fremdsprache zu lernen, sondern
auch die Gelegenheit, andere Länder nicht als Tourist, sondern als willkommenes neues
Familienmitglied kennenzulernen.