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Rüdiger Ganslandt E Edition

Harald Hofmann
Handbuch
der Lichtplanung

45˚


10˚
1,70 m
20˚
45˚

90˚
1,20 m

15˚ 25˚ 40˚

Vieweg
Licht und Beleuchtung sind ein vieldisku- eine angemessene technische Lösung für
tiertes Thema geworden, nicht zuletzt, die Beleuchtungsanforderungen eines
weil mit dem wachsenden Bewußtsein für konkreten Projektes zu finden.
architektonische Qualität auch die Anfor-
derungen an eine angemessene Architek- Das Handbuch für Lichtplanung will einen
turbeleuchtung steigen. Ließ sich die Überblick über Grundlagen und Praxis der
Betonarchitektur der jüngsten Vergangen- Architekturbeleuchtung geben. Es versteht
heit noch mit standardisierten Lichtkon- sich sowohl als Lehrbuch, z. B. für Studen-
zepten beleuchten, so wird für die vielfäl- ten der Architektur, wie auch als Nach-
tigen und anspruchsvollen Bauten der schlagewerk für den Praktiker. Das Hand-
Gegenwart eine ebenso differenzierte und buch will weder mit der umfangreichen
anspruchsvolle Beleuchtung gefordert. lichttechnischen Fachliteratur konkurrie-
ren noch die begrenzte Anzahl von Bild-
Eine ausreichende Palette an Lichtquellen bänden zu ausgeführten Planungsbeispie-
und Leuchten für diese Aufgabe ist durch- len erweitern. Ziel ist vielmehr, das Thema
aus vorhanden; das Leistungsspektrum der Architekturbeleuchtung möglichst praxis-
Lichttechnik wird durch den technischen nah und verständlich zu erschließen.
Fortschritt um immer zahlreichere und Hintergrundinformationen liefert dabei ein
spezialisiertere Beleuchtungsinstrumente Kapitel zur Geschichte der Beleuchtung.
erweitert. Gerade diese Tatsache macht es Der zweite Teil des Handbuchs beschäftigt
dem Lichtplaner aber zunehmend schwe- sich mit lichttechnischen Grundlagen und
rer, sich im umfassenden Angebot an einer Darstellung der verfügbaren Licht-
Lampen und Leuchten zu orientieren und quellen, Betriebsgeräte und Leuchten. Der
dritte Teil umfaßt eine Auseinandersetzung
mit Konzepten, Strategien und Abläufen
der lichtplanerischen Praxis. Im vierten
Teil findet sich eine umfangreiche Samm-
lung exemplarischer Lösungen für die
häufigsten Aufgabenstellungen der Innen-
raumbeleuchtung. Glossar, Register und
Literaturverzeichnis unterstützen die
Arbeit mit dem Handbuch und erleichtern
die Suche nach weiterführender Literatur.

ISBN-NR.: 3-528-08895-8
Rüdiger Ganslandt
Geboren 1955. Studium von Germanistik,
Kunst und Kunstgeschichte in Aachen.
Mitarbeit an einem Projekt zum Thema
phantastische Architektur. Buchveröffent-
lichungen aus dem Grenzgebiet zwischen
Natur- und Geisteswissenschaft, Artikel
zum Thema Lichtplanung. Seit 1987 bei
ERCO, Arbeit an Texten und didaktischen
Konzepten. Lebt in Lüdenscheid.

Harals Hofmann
Geboren 1941 in Worms. Von 1961 bis
1968 Studium der Elektrotechnik an der
TH Darmstadt. 1975 Promotion. Dort
Lehr- und Forschungstätigkeit am Institut
für Lichttechnik bis 1978. Seit 1979 Leiter
der Abteilung Lichttechnik bei ERCO und
Lehrauftrag für Beleuchtungstechnik am
Fachbereich Architektur der TH Darmstadt.
Titel Handbuch der Lichtplanung
Autoren Rüdiger Ganslandt
Harald Hofmann
Layout und otl aicher und
Gestaltung Monika Schnell
Zeichnungen otl aicher
Reinfriede Bettrich
Peter Graf
Druckhaus Maack
Reproduktion Druckhaus Maack, Lüdenscheid
OffsetReproTechnik, Berlin
Reproservice Schmidt, Kempten
Satz und Druck Druckhaus Maack, Lüdenscheid
Buchbinderische C. Fikentscher
Verarbeitung Großbuchbinderei Darmstadt

©Friedr.
ERCO Leuchten GmbH, Lüdenscheid
Vieweg & Sohn Verlagsgesell-
schaft mbH, Braunschweig/Wiesbaden
1. Auflage 1992
Der Verlag Vieweg ist ein Unternehmen
der Verlagsgruppe Bertelsmann Interna-
tional.
Das Werk einschließlich aller seiner Teile
ist urheberrechtlich geschützt. Jede Ver-
wertung außerhalb der engen Grenzen des
Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustim-
mung des Verlages unzulässig und strafbar.
Dies gilt insbesondere für Vervielfältigun-
gen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen
und die Einspeicherung und Verarbeitung
in elektronischen Systemen.
Printed in Germany
ISBN 3-528-08895-8
Rüdiger Ganslandt E Edition
Harald Hofmann
Handbuch der
Lichtplanung

Vieweg
Zu diesem Buch Licht und Beleuchtung sind ein vieldisku- als Nachschlagewerk für den Praktiker.
tiertes Thema geworden, nicht zuletzt, Das Handbuch will weder mit der umfang-
weil mit dem wachsenden Bewußtsein reichen lichttechnischen Fachliteratur
für architektonische Qualität auch die An- konkurrieren noch die begrenzte Anzahl
forderungen an eine angemessene Archi- von Bildbänden zu ausgeführten Planungs-
tekturbeleuchtung steigen. Ließ sich die beispielen erweitern. Ziel ist vielmehr, das
Betonarchitektur der jüngsten Vergangen- Thema Architekturbeleuchtung möglichst
heit noch mit standardisierten Lichtkon- praxisnah und verständlich zu erschließen.
zepten beleuchten, so wird für die vielfäl- Hintergrundinformationen liefert dabei
tigen und anspruchsvollen Bauten der Ge- ein Kapitel zur Geschichte der Beleuchtung.
genwart eine ebenso differenzierte und Der zweite Teil des Handbuchs beschäftigt
anspruchsvolle Beleuchtung gefordert. sich mit lichttechnischen Grundlagen und
Eine ausreichende Palette an Licht- einer Darstellung der verfügbaren Licht-
quellen und Leuchten für diese Aufgabe quellen, Betriebsgeräte und Leuchten. Der
ist durchaus vorhanden; das Leistungs- dritte Teil umfaßt eine Auseinandersetzung
spektrum der Lichttechnik wird durch den mit Konzepten, Strategien und Abläufen
technischen Fortschritt um immer zahlrei- der lichtplanerischen Praxis. Im vierten
chere und spezialisiertere Beleuchtungs- Teil findet sich eine umfangreiche Samm-
instrumente erweitert. Gerade diese Tat- lung exemplarischer Lösungen für die
sache macht es dem Lichtplaner aber häufigsten Aufgabenstellungen der Innen-
zunehmend schwerer, sich im umfassen- raumbeleuchtung. Glossar, Register und
den Angebot an Lampen und Leuchten zu Literaturverzeichnis unterstützen die Ar-
orientieren und eine angemessene tech- beit mit dem Handbuch und erleichtern
nische Lösung für die Beleuchtungsanfor- die Suche nach weiterführender Literatur.
derungen eines konkreten Projektes zu
finden.
Das Handbuch für Lichtplanung will
einen Überblick über Grundlagen und
Praxis der Architekturbeleuchtung geben.
Es versteht sich sowohl als Lehrbuch, z. B.
für Studenten der Architektur, wie auch
Inhalt Vorwort

1.0 Geschichte
1.1 Geschichte der Architekturbeleuchtung 12
1.1.1 Tageslichtarchitektur 12
1.1.2 Künstliche Beleuchtung 13
1.1.3 Naturwissenschaft und Beleuchtung 15
1.1.4 Moderne Lichtquellen 16
1.1.4.1 Gasbeleuchtung 17
1.1.4.2 Elektrische Lichtquellen 18
1.1.5 Quantitative Lichtplanung 22
1.1.6 Anfänge einer neuen Lichtplanung 22
1.1.6.1 Impulse aus der Bühnenbeleuchtung 24
1.1.6.2 Qualitative Lichtplanung 24
1.1.6.3 Lichttechnik und Lichtplanung 25

2.0 Grundlagen
2.1 Wahrnehmung 28
2.1.1 Auge und Kamera 28
2.1.2 Wahrnehmungspsychologie 29
2.1.2.1 Konstanz 31
2.1.2.2 Gestaltgesetze 33
2.1.3 Physiologie des Auges 36
2.1.4 Gegenstände der Wahrnehmung 38
2.2 Größen und Einheiten 40
2.2.1 Lichtstrom 40
2.2.2 Lichtausbeute 40
2.2.3 Lichtmenge 40
2.2.4 Lichtstärke 40
2.2.5 Beleuchtungsstärke 42
2.2.6 Belichtung 42
2.2.7 Leuchtdichte 42
2.3 Licht und Lichtquellen 43
2.3.1 Glühlampen 45
2.3.1.1 Halogen-Glühlampen 49
2.3.2 Entladungslampen 52
2.3.2.1 Leuchtstofflampen 53
2.3.2.2 Kompakte Leuchtstofflampen 54
2.3.2.3 Leuchtröhren 55
2.3.2.4 Natriumdampf-Niederdrucklampen 56
2.3.2.5 Quecksilberdampf-Hochdrucklampen 57
2.3.2.6 Mischlichtlampen 58
2.3.2.7 Halogen-Metalldampflampen 59
2.3.2.8 Natriumdampf-Hochdrucklampen 60
2.4 Betriebs- und Steuergeräte 65
2.4.1 Betriebsgeräte für Entladungslampen 65
2.4.1.1 Leuchtstofflampen 65
2.4.1.2 Kompakte Leuchtstofflampen 66
2.4.1.3 Leuchtröhren 66
2.4.1.4 Natriumdampf-Niederdrucklampen 66
2.4.1.5 Quecksilberdampf-Hochdrucklampen 66
2.4.1.6 Halogen-Metalldampflampen 67
2.4.1.7 Natriumdampf-Hochdrucklampen 67
2.4.2 Kompensation und Schaltung von Entladungslampen 67
2.4.3 Funkentstörung und Begrenzung anderer Störungen 67
2.4.4 Transformatoren für Niedervoltanlagen 68
2.4.5 Helligkeitssteuerung 71
2.4.5.1 Glühlampen und Halogen-Glühlampen 71
2.4.5.2 Niedervolt-Halogenlampen 71
2.4.5.3 Leuchtstofflampen 71
2.4.5.4 Kompakte Leuchtstofflampen 72
2.4.5.5 Andere Entladungslampen 72
2.4.6 Fernsteuerung 72
2.4.7 Lichtsteuersysteme 72
2.4.7.1 Lichtsteuersysteme für Bühnenwirkungen 73
2.5 Licht – Eigenschaften und Merkmale 74
2.5.1 Lichtquantität 74
2.5.2 Diffuses und gerichtetes Licht 76
2.5.2.1 Modellierung 77
2.5.2.2 Brillanz 78
2.5.3 Blendung 79
2.5.4 Lichtfarbe und Farbwiedergabe 83
2.6 Lichtlenkung 85
2.6.1 Prinzipien der Lichtlenkung 85
2.6.1.1 Reflexion 85
2.6.1.2 Transmission 85
2.6.1.3 Absorption 87
2.6.1.4 Brechung 87
2.6.1.5 Interferenz 87
2.6.2 Reflektoren 88
2.6.2.1 Parabolreflektoren 89
2.6.2.2 Darklightreflektoren 90
2.6.2.3 Kugelreflektoren 90
2.6.2.4 Evolventenreflektoren 90
2.6.2.5 Elliptische Reflektoren 90
2.6.3 Linsensysteme 91
2.6.3.1 Sammellinsen 91
2.6.3.2 Fresnellinsen 91
2.6.3.3 Abbildende Systeme 91
2.6.4 Prismenraster 92
2.6.5 Zusatzeinrichtungen 92
2.7 Leuchten 94
2.7.1 Ortsfeste Leuchten 94
2.7.1.1 Downlights 94
2.7.1.2 Uplights 97
2.7.1.3 Rasterleuchten 97
2.7.1.4 Fluter 100
2.7.1.5 Architekturintegrierte Leuchten 101
2.7.2 Bewegliche Leuchten 102
2.7.2.1 Strahler 102
2.7.2.2 Wandfluter 103
2.7.3 Lichtstrukturen 104
2.7.4 Sekundärleuchten 105
2.7.5 Lichtleitersysteme 105

3.0 Lichtplanung
3.1 Konzepte der Lichtplanung 110
3.1.1 Quantitative Lichtplanung 110
3.1.2 Leuchtdichtetechnik 112
3.1.3 Grundlagen einer wahrnehmungsorientierten Lichtplanung 115
3.1.3.1 Richard Kelly 115
3.1.3.2 William Lam 117
3.1.3.3 Architektur und Atmosphäre 118
3.2 Qualitative Lichtplanung 119
3.2.1 Projektanalyse 119
3.2.1.1 Raumnutzung 119
3.2.1.2 Psychologische Anforderungen 122
3.2.1.3 Architektur und Atmosphäre 122
3.2.2 Projektentwicklung 123
3.3 Planungspraxis 126
3.3.1 Auswahl von Lampen 126
3.3.1.1 Modellierung und Brillanz 127
3.3.1.2 Farbwiedergabe 127
3.3.1.3 Lichtfarbe und Farbtemperatur 128
3.3.1.4 Lichtstrom 128
3.3.1.5 Wirtschaftlichkeit 128
3.3.1.6 Helligkeitssteuerung 130
3.3.1.7 Start- und Wiederzündverhalten 130
3.3.1.8 Strahlungsbelastung und Wärmelast 130
3.3.2 Auswahl von Leuchten 132
3.3.2.1 Serienprodukt oder Sonderanfertigung 132
3.3.2.2 Integrierte oder additive Beleuchtung 132
3.3.2.3 Ortsfeste oder bewegliche Beleuchtung 136
3.3.2.4 Allgemeinbeleuchtung oder differenzierte Beleuchtung 136
3.3.2.5 Direkte oder indirekte Beleuchtung 136
3.3.2.6 Horizontale und vertikale Beleuchtung 138
3.3.2.7 Beleuchtung von Arbeitsfläche und Boden 138
3.3.2.8 Wandbeleuchtung 139
3.3.2.9 Deckenbeleuchtung 141
3.3.2.10 Begrenzung der Leuchtdichte 141
3.3.2.11 Sicherheitstechnische Anforderungen 143
3.3.2.12 Zusammenarbeit mit Klimatechnik und Akustik 143
3.3.2.13 Zusatzeinrichtungen 143
3.3.2.14 Lichtsteuerung und Bühneneffekte 144
3.3.3 Anordnung von Leuchten 144
3.3.4 Schaltung und Lichtsteuerung 150
3.3.5 Montage 152
3.3.5.1 Deckenmontage 152
3.3.5.2 Wand- und Bodenmontage 154
3.3.5.3 Tragstrukturen 154
3.3.6 Berechnungen 154
3.3.6.1 Wirkungsgradverfahren 154
3.3.6.2 Projektierung nach der spezifischen Anschlußleistung 157
3.3.6.3 Punktbeleuchtungsstärken 158
3.3.6.4 Beleuchtungskosten 159
3.3.7 Simulation und Präsentation 160
3.3.8 Messung von Beleuchtungsanlagen 168
3.3.9 Wartung 169

4.0 Planungsbeispiele
4.1 Foyer 173
4.2 Aufzugsbereich 180
4.3 Flur 184
4.4 Treppe 188
4.5 Gruppenbüro 192
4.6 Einzelbüro 198
4.7 Besprechungsbüro 203
4.8 Konferenzraum 207
4.9 Auditorium 213
4.10 Kantine 217
4.11 Café, Bistro 221
4.12 Restaurant 225
4.13 Multifunktionaler Raum 229
4.14 Museum, Vitrine 236
4.15 Museum, Galerie 241
4.16 Gewölbe 249
4.17 Verkauf, Boutique 252
4.18 Verkauf, Theke 256
4.19 Verwaltung, Publikumsverkehr 259
4.20 Präsentation 264

5.0 Anhang
Beleuchtungsstärken, Empfehlungen
Bezeichnung von Lampen
Glossar, Literatur, Quellen, Register
1.0 Geschichte
1.1 Geschichte
1.1 1.1.1 Tageslichtarchitektur

Geschichte der Während des größten Teils ihrer Geschichte,


von der Entstehung der Gattung Mensch
Architektur- bis ins 18. Jhdt., stehen der Menschheit nur
zwei Lichtquellen zur Verfügung. Die ältere
beleuchtung dieser Lichtquellen ist das Tageslicht, das
eigentliche Medium unseres Sehens, an
dessen Eigenarten sich das Auge in seiner
Jahrmillionen währenden Entwicklung
angepaßt hat. Erst wesentlich später, in der
Steinzeit mit ihrer Entwicklung von Kultur-
techniken und Werkzeugen, kommt die
Flamme als zweite, künstliche Lichtquelle
hinzu. Von nun an bleiben die Beleuch-
tungsbedingungen für lange Zeit gleich;
die Höhlenmalereien von Altamira werden
unter dem selben Licht gemalt und betrach-
tet wie die Malerei der Renaissance und
des Barock.
Gerade weil die Beleuchtung sich auf
Tageslicht und Flamme beschränken muß,
wird der Umgang mit diesen Lichtquellen
aber während der Zehntausende von Jah-
ren währenden Praxis immer weiter per-
fektioniert.

1.1.1 Tageslichtarchitektur
Für den Bereich des Tageslichts bedeutet
dies zunächst eine konsequente Anpassung
der Architektur an die Erfordernisse einer
Beleuchtung mit natürlichem Licht. So wird
die Ausrichtung von Gebäuden und die
Lage einzelner Räume durch die Einfalls-
richtungen der Sonne bestimmt; auch die
Ausmaße der Räume orientieren sich an
der Möglichkeit zur natürlichen Beleuch-
tung und Belüftung. Abhängig von den
Lichtverhältnissen in unterschiedlichen
klimatischen Bereichen der Erde entwickeln
sich verschiedene Grundtypen von Tages-
lichtarchitektur. In kühleren Regionen mit
überwiegend bedecktem Himmel entstehen
so Gebäude mit großen, hoch angebrach-
ten Fenstern, die möglichst viel Licht direkt
einlassen. Durch das diffuse Himmelslicht
entsteht dabei eine gleichmäßige Beleuch-
tung; die Problematik des Sonnenlichts –
Schlagschatten, Blendung und Aufheizung
des Raums – bleiben auf wenige Sonnen-
tage beschränkt und können vernachlässigt
werden.
In Ländern mit hohem Sonnenlicht-
anteil stehen gerade diese Probleme im
Vordergrund. So dominieren dort Gebäude
mit kleinen, niedrig liegenden Fenstern
und stark reflektierenden Außenwänden.
Direktes Sonnenlicht kann auf diese Weise
kaum in den Raum dringen; die Beleuch-
tung erfolgt vor allem durch von der Ge-
bäudeumgebung reflektiertes Licht, das
bei der Reflexion gestreut wird und einen
großen Teil seines Infrarotanteils bereits
abgegeben hat.
Über die Frage nach einer quantitativ
ausreichenden Beleuchtung hinaus werden
Tageslichtarchitektur: Sonnenlichtarchitektur: beim Umgang mit Tageslicht aber auch
große, hohe Fenster kleine, niedrige Fenster, ästhetische und wahrnehmungspsycholo-
reflektierende Umgebung
gische Aspekte berücksichtigt. Dies zeigt
sich zum Beispiel bei der Behandlung von
Architekturdetails, die je nach Art der

12
1.1 Geschichte
1.1.2 Künstliche Beleuchtung

Beleuchtung unterschiedlich gestaltet


werden müssen, um durch das Spiel von
Licht und Schatten räumlich zu wirken.
Im direkten Sonnenlicht erscheinen Säu-
lenkanelluren, Reliefs und Simse schon bei
geringer Tiefe plastisch; für die gleiche
Wirkung ist bei der Gestaltung diffus be-
leuchteter Architekturdetails eine wesent-
lich größere Tiefe erforderlich. So können
die Fassaden in südlichen Ländern schon
durch leichte Oberflächenstrukturen ge-
gliedert werden, während die Architektur
nördlicher Breiten – und die Gestaltung
von Innenräumen – auf ausladendere For-
men und farbliche Absetzungen zur Struk-
turierung der Oberflächen angewiesen ist.
Licht dient aber nicht nur der plasti-
schen Wirkung räumlicher Körper, es ist
auch ein hervorragendes Mittel zur psy-
chologischen Lenkung der Wahrnehmung.
Schon in den Tempeln des alten Ägypten –
z. B. im Sonnentempel des Amun Re in Kar-
nak oder in Abu Simbel – findet sich Licht
daher nicht in Form einer gleichmäßigen
Allgemeinbeleuchtung, sondern als Mittel
Lichteinfluß auf nörd- zur Betonung des Wesentlichen – allmäh-
liche und südliche lich dunkler werdende Säulengänge erlau-
Formgebung. Im Süden
werden plastische For- ben dem Betrachter die Adaptation an eine
men auf die Wechsel- Minimalbeleuchtung, aus der heraus dann
wirkung von steil ein- das punktuell beleuchtete Götterbild als
fallendem Sonnenlicht überwältigend hell empfunden wird. Häu-
und Bodenreflexlicht
ausgelegt, im Norden fig wirkt die architektonische Konstruktion
ist für die Formgebung zusätzlich als astronomische Uhr, so daß
ausschließlich das flach diese Lichtwirkung nur zu bedeutungs-
einfallende Sonnen- vollen Tages- oder Jahreszeiten auftritt;
licht entscheidend. Öllampe aus Messing
beim Sonnenauf- oder -untergang bzw. zu
den Sonnenwenden.
Diese Fähigkeit zur gezielt differen-
zierenden, psychologischen Tageslicht-
beleuchtung wird im Lauf der Geschichte
immer weiter perfektioniert, sie findet
ihren Höhepunkt in den Kirchen des Barock,
– z. B. der Wallfahrtskirche in Birnau oder
der Wies Dominikus Zimmermanns –, die
den Blick des Besuchers aus der diffusen
Helligkeit des Hauptschiffs auf den licht-
überfluteten Altarbereich lenken, in dessen
gerichtetem Licht goldverzierte Schnitze-
reien brillant und plastisch hervortreten.

1.1.2 Künstliche Beleuchtung


Auch im Bereich der künstlichen Beleuch-
tung findet eine vergleichbare Perfektio-
nierung statt; eine Entwicklung, der aller-
dings durch die unzulängliche Leuchtkraft
der verfügbaren Lichtquellen deutliche
Grenzen gesetzt sind.
Am Anfang steht die Trennung der
leuchtenden Flamme vom wärmenden Griechische Öllampe,
Feuer, das separate Nutzen brennender ein antikes Massen-
produkt
Äste außerhalb der Feuerstelle. Hierzu liegt
es nahe, besonders gut brennbare und
leuchtkräftige Holzstücke auszuwählen,
den Ast also durch das besonders harz-
haltige Kienholz zu ersetzen. Im nächsten
Schritt wird nicht mehr nur eine natürliche
Eigenschaft des Holzes genutzt; bei der
Fackel wird die Leuchtkraft durch Auftra-
gen von brennbaren Materialien künstlich

13
1.1 Geschichte
1.1.2 Künstliche Beleuchtung

Lampen und Brenner- Brennstoff allein durch


konstruktionen der die Kapillarwirkung des
2. Hälfte des 19. Jahr- Dochtes zur Flamme,
hunderts, Kupferstich. ältere Lampen für dick-
Aufbauend auf der flüssige Pflanzenöle
Grundkonstruktion des benötigen aufwendigere
Argandbrenners wird Versorgungslösungen
der Gebrauchsgegen- durch Sturzflaschen
stand Öllampe durch oder Federsysteme. Für
zahlreiche technische besonders flüchtige oder
Neuerungen an unter- dickflüssige Öle existie-
schiedliche Anforde- ren spezielle, dochtlose
rungen angepaßt. Deut- Lampen, die durch den
lich erkennbar sind die eigenen Dampfdruck
Unterschiede zwischen des leichtflüchtigen
Lampen mit Flachdoch- Öles oder durch Kom-
ten und leistungsstär- pression von außen für
keren Runddochten. brennbare Gasgemische
Jüngere Lampen für sorgen.
Petroleum transportie-
ren den dünnflüssigen

14
1.1 Geschichte
1.1.3 Naturwissenschaft und
Beleuchtung

erzeugt. Mit der Entwicklung von Öllampe benannte Argandlampe, eine Öllampe mit
und Kerze stehen schließlich kompakte, röhrenförmigem Docht, bei der die Luft
relativ sichere Lichtquellen zur Verfügung; sowohl vom Röhreninneren, wie auch von
hier werden ausgesuchte Brennstoffe öko- der Außenseite des Dochts zur Flamme
nomisch genutzt, der Fackelstab wird auf gelangen kann. Durch diese verbesserte
den Docht als Transportmittel für Wachs Sauerstoffzufuhr bei gleichzeitig vergrö-
oder Öl reduziert. ßerter Dochtoberfläche kommt es zu einer
Mit der Öllampe, die schon in vorge- sprunghaften Steigerung der Lichtleistung.
schichtlicher Zeit entwickelt wird, ist für In einem weiteren Schritt werden Docht
lange Zeit die höchste Stufe des lichttech- und Flamme mit einem Glaszylinder um-
nischen Fortschritts erreicht. Zwar wird geben, dessen Kaminwirkung für einen er-
die Lampe selbst – später kommt der Ker- höhten Luftdurchsatz und damit für eine
zenhalter dazu – ständig weiterentwickelt, nochmalige Leistungssteigerung sorgt. Mit
es entstehen prächtige Leuchter in immer der Argandlampe erhält die Öllampe ihre
neuen Stilrichtungen; die Flamme selbst, endgültige Form, auch heutige Petroleum-
und damit auch ihre Leuchtkraft, bleibt lampen arbeiten nach diesem nicht mehr
jedoch unverändert. zu verbessernden Prinzip.
Da diese Leuchtkraft aber, verglichen
mit heutigen Lichtquellen, sehr gering ist, Optische Instrumente als Hilfsmittel der
bleibt die künstliche Beleuchtung ein Not- Lichtlenkung sind früh bekannt. Schon in
behelf. Anders als beim Tageslicht, das eine der Antike werden Spiegel genutzt und
souveräne und differenzierte Beleuchtung theoretisch beschrieben; von Archimedes
des ganzen Raums zuläßt, ist die Helligkeit berichtet die Legende, daß er feindliche
der Flamme immer nur auf ihre Umgebung Schiffe vor Syrakus durch Hohlspiegel in
beschränkt. Die Menschen versammeln Brand setzte. Auch über Brenngläser in
sich also in der Nähe der Leuchte oder pla- Form wassergefüllter Glaskugeln (Schuster-
zieren die Leuchte direkt beim zu beleuch- kugeln) wird berichtet.
tenden Objekt. Die Nacht wird auf diese Um die Jahrtausendwende finden sich
Weise nur spärlich erhellt; eine umfassende im arabischen und chinesischen Raum
Illumination erfordert unzählige kostspie- theoretische Arbeiten über die Wirkungs-
lige Leuchten und ist nur bei höfischen weise optischer Linsen. Ab dem 13. Jhdt.
Prunkveranstaltungen denkbar. Architek- können diese Linsen dann konkret nach-
turbeleuchtung im heutigen Sinn bleibt gewiesen werden, sie werden meist als
Petroleumlampe bis ins späte 18. Jhdt. fast ausschließlich Sehhilfen in Form von Lupen (Lesesteinen)
mit Argandbrenner eine Angelegenheit des Tageslichts. oder Brillen genutzt. Als Material wird
zunächst geschliffener Beryll verwendet,
später wird dieser kostspielige Halbedel-
1.1.3 Naturwissenschaft und Beleuch- stein durch Glas ersetzt, das nun in ausrei-
tung chend klarer Qualität hergestellt werden
kann. Noch heute verweist der Name
Der Grund für das Stagnieren der Entwick- „Brille“ auf das ursprüngliche Material der
lung leistungsstarker künstlicher Licht- Sehhilfe.
quellen liegt in unzureichenden natur- Im späten 16. Jhdt. werden von hollän-
wissenschaftlichen Kenntnissen; im Fall dischen Brillenschleifern erste Teleskope
der Öllampe an falschen Vorstellungen entwickelt. Im 17. Jhdt. werden diese Ge-
vom Wesen der Verbrennung. Bis zur Ent- räte dann von Galilei, Kepler und Newton
stehung einer modernen Chemie galt perfektioniert; es werden Mikroskope und
hier die aus der Antike überkommene Vor- Projektionsapparate konstruiert.
stellung, daß eine Substanz beim Verbren- Gleichzeitig entstehen grundlegende
nen „Phlogiston“ freisetzen würde. Ein Theorien über das Wesen des Lichts. Hier-
brennbarer Stoff bestände demnach aus bei vertritt Newton die These, daß Licht
Asche und Phlogiston ( den antiken Ele- aus Teilchen besteht – eine Anschauung,
menten Erde und Feuer ), die beim Verbren- die sich bis in die Antike zurückverfolgen
nen getrennt werden – das Phlogiston läßt –, während Huygens Licht als Wellen-
wird als Flamme frei, die Erde bleibt als phänomen begreift. Beide rivalisierenden
Asche zurück. Theorien werden durch eine Reihe von op-
Es ist verständlich, daß auf der Grund- tischen Phänomenen belegt und existieren
lage dieser Theorie eine Optimierung von parallel zueinander; heute ist klar, daß Licht
Verbrennungsprozessen unmöglich ist, weder als reines Teilchen- noch als reines
weil die Bedeutung der Luftzufuhr für die Wellenphänomen verstanden werden kann,
Christiaan Huygens Isaac Newton Flamme nicht erkannt wird. Erst durch sondern nur durch eine Kombination bei-
die Experimente Lavoisiers setzt sich die der Ansätze zu verstehen ist.
Erkenntnis durch, daß Verbrennung Anla- Mit der Entwicklung der Photometrie –
gerung von Sauerstoff bedeutet und jede der Lehre von der Messung von Licht- und
Flamme also von der Luftzufuhr abhän- Beleuchtungsstärken – durch Boguer und
gig ist. Lambert im 18. Jhdt. liegen schließlich die
Lavoisiers Experimente finden in den wesentlichsten wissenschaftlichen Grund-
siebziger Jahren des 18. Jhdt.s statt. Schon lagen für eine funktionsfähige Lichttechnik
wenig später, 1783, werden die neuen vor. Dennoch beschränkt sich die Anwen-
Erkenntnisse lichttechnisch umgesetzt. dung der erkannten Zusammenhänge fast
Francois Argand konstruiert die nach ihm ausschließlich auf die Konstruktion opti-

15
1.1 Geschichte
1.1.4 Moderne Lichtquellen

scher Geräte wie Teleskop und Mikroskop,


auf Instrumente also, die der Beobachtung
dienen und auf äußere Lichtquellen ange-
wiesen sind. Eine aktive Lichtlenkung durch
Reflektoren und Linsen, wie sie theoretisch
möglich ist und gelegentlich erprobt wird,
scheitert an der Unzulänglichkeit der vor-
handenen Lichtquellen.
Im Bereich der häuslichen Beleuchtung
kann das Fehlen eines lenkbaren, fernwir-
kenden Lichts hingenommen werden, es
wird durch die abendliche Familienver-
sammlung im Nahlicht der Öllampe kom-
pensiert; in anderen Bereichen führt dieser
Mangel jedoch zu erheblichen Problemen.
Dies zeigt sich bei Beleuchtungssituatio-
nen, in denen ein erheblicher Abstand zwi-
schen Lichtquelle und zu beleuchtendem
Objekt vorgegeben ist, vor allem also in
der Straßenbeleuchtung und der Bühnen-
beleuchtung; in der Signaltechnik vor allem
bei der Konstruktion von Leuchttürmen.
Es ist daher nicht erstaunlich, daß die Ar-
gandlampe mit ihrer erheblich vergrößerten
Lichtstärke nicht nur zur Erhellung der
Wohnzimmer dient, sondern gerade in die-
sen Bereichen begeistert aufgenommen und
Leuchtturmbefeuerung
mit Fresnellinsen und zur Entwicklung lichtlenkender Systeme
Argandbrenner genutzt wird.
Dies gilt zunächst für die Straßen- und
Bühnenbeleuchtung, bei denen die Argand-
lampe bereits kurz nach ihrer Entwicklung
verwendet wird, vor allem aber für die Be-
feuerung von Leuchttürmen, die bislang
mit Kohlenfeuern oder einer Vielzahl von
Öllampen nur notdürftig betrieben werden
konnten. Der Vorschlag, Leuchttürme mit
Systemen aus Argandlampen und Parabol-
spiegeln zu bestücken, wird schon 1785
gemacht; sechs Jahre später wird er auf
Frankreichs prominentestem Leuchtturm
in Cordouan verwirklicht. 1820 entwickelt
Augustin Jean Fresnel schließlich ein Sy-
stem aus Stufenlinsen und Prismenringen,
das ausreichend groß produziert werden
kann, um das Licht von Leuchttürmen op-
timal zu bündeln; auch diese Konstruktion
wird in Cordouan zum ersten Mal erprobt.
Fresnellinsen bilden seither die Grundlage
jeder Leuchtturmbefeuerung, darüber hin-
aus werden sie aber auch in zahlreichen
Scheinwerfertypen verwendet.

1.1.4 Moderne Lichtquellen


Fresnellinsen und Mit der Argandlampe ist der Gipfel einer
Argandbrenner. Der Entwicklung erreicht, die über Zehntau-
innere Teil des Licht-
kegels wird durch eine sende von Jahren den Umgang mit der
Stufenlinse gebündelt, Flamme als Lichtquelle allmählich perfek-
der äußere Teil durch tioniert; hier wird die Öllampe auf ihren
separate Prismenringe optimalen Stand gebracht. Durch den
umgelenkt. Augustin Jean Fresnel naturwissenschaftlichen Fortschritt, der
diesen letzten Entwicklungsschritt ermög-
licht, werden nun aber völlig neue Licht-
quellen entwickelt, die die Beleuchtungs-
technik in immer schnelleren Schritten
revolutionieren.

16
1.1 Geschichte
1.1.4 Moderne Lichtquellen

1.1.4.1 Gasbeleuchtung
Zuerst erhält die Argandlampe hierbei
Konkurrenz durch die Gasbeleuchtung.
Daß brennbare Gase existieren, ist schon
seit dem 17. Jhdt. bekannt. Systematisch
verstanden und hergestellt werden Gase
aber wiederum erst im Rahmen der mo-
dernen Chemie – fast gleichzeitig mit der
Argandlampe wird ein Verfahren zur Ge-
winnung von Leuchtgas aus Steinkohle
entwickelt.
Gegen Ende des 18. Jhdt.s wird die Lei-
stungsfähigkeit der Gasbeleuchtung in
einer Reihe von Pilotprojekten – ein Hör-
saal in Löwen durch Jan Pieter Minckellaers,
eine Fabrik, ein Privathaus und sogar ein
Wagen durch den englischen Ingenieur
William Murdoch – demonstriert, die neue
Lichtquelle erreicht hierbei ungekannte
Beleuchtungsstärken. Einer allgemeinen
Verbreitung steht jedoch die aufwendige
Schaufensterbeleuch- Herstellung des Leuchtgases und die Rei-
tung mit Gaslicht nigung von übelriechenden Verunreini-
(um 1870)
gungen im Wege. Zwar werden kleine
Apparaturen, sogenannte Thermolampen,
entwickelt, die eine Gaserzeugung im Ein-
zelhaushalt ermöglichen und dabei gleich-
zeitig für Beleuchtung und Heizung sor-
gen; diesen Geräten ist aber kein Erfolg
Carl Auer v. Welsbach beschieden. Wirtschaftlich wird die Gas-
beleuchtung erst durch die Kopplung von
Koksgewinnung und Gaserzeugung, d. h.
durch die zentrale Versorgung ganzer
Stadtteile mit Gas. Hierbei bildet die Stra-
ßenbeleuchtung den Vorreiter, nach und
nach werden auch öffentliche Gebäude
und schließlich Privathaushalte an die
Gasversorgung angeschlossen.
Wie jede andere Lichtquelle wird auch
das Gaslicht durch eine Reihe von techni-
schen Weiterentwicklungen zunehmend
effizienter genutzt. Ähnlich wie bei der
Öllampe entstehen eine Reihe von Brenner-
formen, die durch vergrößerte Flammen-
flächen für eine erhöhte Lichtstärke sorgen.
Auch das Argandsche Prinzip der ringför-
migen, von beiden Seiten mit Sauerstoff
versorgten Flamme kann bei der Gasbe-
leuchtung eingesetzt werden und führt
wiederum zu überlegenen Lichtausbeuten.
Der Versuch, durch Weiterentwicklung
des Argandbrenners einen Sauerstoffüber-
schuß im Gasgemisch zu erzeugen, führt
jedoch zu einem überraschenden Ergebnis.
Da aller Kohlenstoff des Gases nun voll-
ständig zu wiederum gasförmigem Kohlen-
dioxyd verbrannt wird, fehlen die glühen-
den Kohlepartikel, die für die Lichterschei-
nung der Flamme verantwortlich sind; es
entsteht die außerordentlich heiße, jedoch
kaum leuchtende Flamme des Bunsen-
brenners. Der Lichtstärke selbstleuchten-
der Flammen sind also Grenzen gesetzt;
eine weitere Leistungssteigerung muß auf
andere Prinzipien der Lichterzeugung zu-
Drummondsches Glühstrumpf nach rückgreifen.
Kalklicht Auer v. Welsbach
Ein möglicher Ansatz eines hocheffizien-
ten Gaslichts ergibt sich hierbei durch das
Phänomen der Thermoluminiszenz, der

17
1.1 Geschichte
1.1.4 Moderne Lichtquellen

Anregung eines Leuchtstoffes durch Er-


wärmung. Anders als bei Temperaturstrah-
lern sind Lichtausbeute und Lichtfarbe
hierbei nicht allein von der Temperatur,
sondern auch von der Art des erhitzten
Stoffes abhängig; es wird mehr und wei-
ßeres Licht als bei Temperaturstrahlern
abgegeben.
Die erste Lichtquelle, die nach diesem
Prinzip arbeitet, ist das 1826 entwickelte
Drummondsche Kalklicht, bei dem ein
Kalkstein mit Hilfe eines Knallgasbrenners
zur Thermoluminiszenz angeregt wird.
Das Kalklicht ist zwar sehr effektiv, muß
aber ständig von Hand nachreguliert wer-
den, so daß es fast nur als Effektlicht in
der Theaterbeleuchtung eingesetzt wird.
Erst 1890 wird durch den österreichischen
Chemiker Carl Auer von Welsbach eine
praktikablere Methode zur Nutzung der
Thermoluminiszenz entwickelt. Auer von
Welsbach tränkt hierbei einen Zylinder aus
Baumwollgewebe mit einer Lösung von
seltenen Erden – Substanzen die, ähnlich
wie Kalkstein, beim Erhitzen ein starkes,
weißes Licht abgeben. Diese Glühstrümpfe
werden auf Bunsenbrennern angebracht.
Beim ersten Betrieb verbrennt die Baum-
wolle, zurück bleibt nur ein Gerüst aus sel-
tenen Erden – der eigentliche Glühstrumpf.
Mit der Kombination der extrem heißen
Bunsenbrennerflamme und Glühstrümpfen
aus seltenen Erden ist auch bei der Gas-
beleuchtung das Optimum erreicht. So wie
die Argandlampe als Petroleumlampe bis
heute Verwendung findet, wird auch der
Glühstrumpf noch immer bei der Gasbe-
Jablochkoff-Kerzen, leuchtung, z. B. in Campinglampen, genutzt.
freistrahlend und mit
Glaskolben
1.1.4.2 Elektrische Lichtquellen
Bogenlampe von Auch das Gasglühlicht teilt jedoch das
Hugo Bremer. Ein ein- Schicksal der meisten Lichtquellen, die zum
facher Federmechanis-
mus regelt selbsttätig Zeitpunkt ihrer Perfektionierung durch an-
den Abstand von vier dere Leuchtmittel bereits überrundet sind.
V-förmig angeordneten Dies gilt für die altvertraute Kerze, der das
Kohleelektroden. Rußen erst 1824 durch einen vorgespann-
ten Docht abgewöhnt wird, dies gilt für die
Argandlampe, deren Siegeszug mit der Ent-
wicklung des Gaslichts zusammenfällt, dies
gilt aber auch für die Beleuchtung durch
Gasglühstrümpfe, die in Konkurrenz zu den
neuentwickelten Formen elektrischen Lichts
Bogenlicht auf der treten muß.
Place de la Concorde Anders als bei Öllampe und Gasbeleuch-
tung, die von lichtschwachen Anfängen
zu leistungsfähigeren Formen weiterent-
wickelt wurden, entsteht bei der elektri-
schen Beleuchtung die lichtstärkste Form
zuerst. Schon seit Anfang des 19. Jhdt.s ist
bekannt, daß durch Anlegen einer Span-
nung zwischen zwei Kohleelektroden ein
extrem heller Lichtbogen erzeugt werden
kann. Ähnlich wie beim Drummondschen
Kalklicht ist jedoch ein ständiges manuel-
les Nachregulieren erforderlich, so daß
sich die neue Lichtquelle schon aus diesem
Grund nicht durchsetzt. Darüber hinaus
müssen Bogenlampen zunächst aufwen-
dig an Batterien betrieben werden.

18
1.1 Geschichte
1.1.4 Moderne Lichtquellen

Siemens-Bogenlampe
von 1868. Ein schwenk-
barer Scheinwerfer, laut
Beschreibung mit „Hohl-
spiegel, Laufwerk, Statif
und Blendscheibe“ – die
älteste mit einer Zeich-
nung dokumentierte
Leuchte im Siemens-
Archiv.

19
1.1 Geschichte
1.1.4 Moderne Lichtquellen

Mitte des Jahrhunderts werden automa-


tisch nachstellende Lampen entwickelt,
so daß der Regulieraufwand entfällt, vor
allem aber stehen nun Generatoren für
die kontinuierliche Stromversorgung zur
Verfügung. Weiterhin kann aber pro Strom-
Heinrich Goebel, experi- quelle nur eine Bogenlampe betrieben
mentelle Glühlampen werden; eine Reihenschaltung von Lam-
(Kohlefäden in luftleer
gepumpten Kölnisch- pen – die „Teilung des Lichts“, wie es in der
wasserfläschchen). Sprache der Zeit heißt – ist nicht möglich,
da die unterschiedlichen Brennzustände
der Einzellampen die gesamte Reihe rasch
zum Erlöschen bringt. Erst in den siebziger
Jahren des vorigen Jahrhunderts wird auch
dieses Problem gelöst. Eine simple Lösung
bietet hierbei die Jablochkoff-Kerze, bei
der zwei parallele Kohleelektroden in einen
Gipszylinder eingebettet sind, die gleich-
mäßig von oben nach unten abbrennen.
Eine komplexere, aber auch zuverlässigere
Lösung stellt die Differentiallampe dar –
1878 von Friedrich v. Hefner-Alteneck,
einem Siemens-Ingenieur, entwickelt – ,
bei der Kohlenachführung und Strom-
konstanz durch ein elektromagnetisches
System bewirkt wird.
Mit der Teilbarkeit des Lichts wird die
Bogenlampe zu einer praktikablen Licht-
quelle, die nicht nur in Einzelfällen ge-
nutzt wird, sondern breite Verwendung
Joseph Wilson Swan, finden kann. Eingesetzt wird sie überall
Swan-Glühlampe mit dort, wo ihre überragende Lichtstärke
Graphitfaden und
Federsockel. genutzt werden kann – wiederum also auf
Leuchttürmen, bei der Bühnenbeleuch-
tung, vor allem aber für alle Formen der
Straßen- und Außenbeleuchtung. Für den
privaten Haushalt ist die Bogenlampe aller-
dings wenig geeignet, da sie – ein Novum
in der Lichttechnik – viel zu viel Licht liefert.
Um das Gaslicht aus den Wohnstuben ver-
drängen zu können, sind also andere For-
men elektrischer Beleuchtung notwendig.
Daß elektrische Leiter sich bei genügend
großem Widerstand erwärmen, gelegent-
lich sogar zu glühen beginnen, ist früh be-
kannt; Humphrey Davy demonstriert schon
1802 – acht Jahre vor seiner spektakulären
Vorführung einer der ersten Bogenlampen
– einen elektrisch zum Leuchten gebrach-
Thomas Alva Edison, ten Platindraht.
Edison-Lampen in Wie bei der Bogenlampe verhindern
Platindraht- und Kohle-
fadenversion, noch aber auch bei der Glühlampe technische
ohne den typischen Schwierigkeiten die Durchsetzung der
Schraubsockel. neuen Lichtquelle. Nur wenige Stoffe haben
einen Schmelzpunkt, der hoch genug liegt,
um lichterzeugende Weißglut vor dem
Schmelzen zu ermöglichen. Darüber hin-
aus erfordert der hohe Widerstand dünne
Glühfäden, die schwer zu fertigen sind,
leicht brechen und im Sauerstoff der Luft
rasch verbrennen.
Erste Versuche mit Platindrähten oder
Kohlefäden kommen daher über minimale
Brennzeiten nicht hinaus. Eine deutliche
Verlängerung der Brenndauer wird erst er-
reicht, als ein Verbrennen des Glühfadens –
inzwischen meist aus Kohle oder Graphit
gefertigt – durch einen umgebenden, eva-
kuierten oder mit Inertgas gefüllten Glas-
kolben verhindert wird. Pioniere sind hier

20
1.1 Geschichte
1.1.4 Moderne Lichtquellen

Joseph Wilson Swan, der mit seiner Gra-


phitlampe Edison immerhin um ein halbes
Jahr zuvorkommt, vor allem aber Heinrich
Goebel, der schon 1854 mit Hilfe verkohl-
ter Bambusfasern und luftleer gepump-
ter Kölnischwasserflaschen Glühlampen
mit einer Lebensdauer von 220 Stunden
erzeugt.
Der eigentliche Durchbruch ist aber
Thomas Alva Edison zu verdanken, dem
es 1879 gelingt, aus den experimentellen
Konstruktionen seiner Vorgänger ein indu-
strielles Massenprodukt zu entwickeln,
das in vielen Punkten – bis hin zur Kon-
struktion des Schraubsockels – der heuti-
gen Glühlampe entspricht. Verbessserungs-
bedürftig bleibt allein der Glühfaden. Von
Edison genutzt wird hier zunächst der
Goebelsche Kohlefaden aus verkohltem
Bambus. Später werden synthetische Koh-
lefäden entwickelt, die aus Nitrozellulose
gespritzt werden. Eine deutliche Steige-
Quecksilber-Nieder- rung der Lichtausbeute, dem Schwach-
drucklampe von Cooper- punkt aller Glühlampen, ist aber erst durch
Hewitt. Diese Lampe den Wechsel zu metallischen Glühfäden
entspricht von der Funk-
tionsweise in etwa einer möglich. Hier tut sich wieder Auer von
heutigen Leuchtstoff- Welsbach hervor, der schon durch die Ent-
röhre, besitzt jedoch wicklung des Glühstrumpfs eine effizien-
noch keinen Leucht- tere Gasbeleuchtung ermöglichte. Er ver-
stoff, so daß nur wenig
sichtbares Licht abge- wendet Osmiumfäden, die mühsam durch
geben wird. Die Lampe Sintern gespritzter Pulverbreistränge ge-
ist wie ein Waagbalken wonnen werden müssen. Die Stabilität der
in der Mitte montiert, Glühfäden ist aber gering, so daß sich auf
da sie durch Kippen der
Röhre mittels einer Zug- dem Markt die etwas später entwickelten,
schnur gezündet wird. robusteren Tantallampen durchsetzen.
Diese wiederum werden von Lampen mit
Glühfäden aus Wolfram abgelöst, einem
Material, das auch heute noch für die
Wendel der Glühlampen benutzt wird.
Nach der Bogenlampe und der Glühlampe
entstehen die Entladungslampen als dritte
Form der elektrischen Beleuchtung. Auch
hier liegen die ersten physikalischen Er-
kenntnisse lange vor der praktischen Um-
setzung. Berichte über Lichterscheinungen
in Quecksilberbarometern existieren schon
aus dem 17. Jhdt.; die erste Demonstration
einer Entladungslampe liefert wiederum
Humphrey Davy, der zu Beginn des 18. Jhdt.s
alle drei Formen elektrischer Beleuchtung
systematisch untersucht. Bis zur Konstruk-
tion anwendungstauglicher Entladungs-
lampen vergehen aber fast achtzig Jahre;
Theaterfoyer mit erst nach der Durchsetzung der Glühlam-
Moorelampen pen werden um die Wende zum 20. Jhdt.
erste Entladungslampen für Beleuchtungs-
zwecke auf den Markt gebracht. Hierbei
handelt es sich einerseits um die Moore-
lampe – einen Vorläufer der heutigen
Leuchtröhre –, die mit langen, beliebig
formbaren Glasröhren, hohen Spannungen
und einer reinen Gasentladung arbeitet,
sowie um Niederdruck-Quecksilberdampf-
lampen, die in etwa heutigen Leuchtstoff-
lampen, jedoch ohne Leuchtstoffbeschich-
tung, entsprechen.
Die Moorelampe wird – wie heute die
Leuchtröhre – vor allem zur Konturenbe-
leuchtung in der Architektur und zu
Werbezwecken benutzt; ihre Lichtstärke

21
1.1 Geschichte
1.1.5 Quantitative Lichtplanung
1.1.6 Anfänge einer neuen Lichtplanung

ist für eine wirkliche Beleuchtungsfunk- geklärt werden, wieviel Licht und welche
tion zu gering. Im Gegensatz hierzu bietet Beleuchtungsformen in bestimmten Be-
die Quecksilberdampflampe eine hervor- leuchtungssituationen benötigt werden.
ragende Lichtausbeute, die sie zur Konkur- Vor allem im Bereich der Arbeitsplatz-
renz der relativ unwirtschaftlichen Glüh- beleuchtung wird der Einfluß von Beleuch-
lampe macht. Diesem Vorteil steht jedoch tungsstärke und -art auf die Effektivität
eine unzulängliche Farbwiedergabe gegen- der Produktion intensiv untersucht. Basie-
über, die eine Verwendung nur bei ein- rend auf wahrnehmungsphysiologischen
fachsten Beleuchtungsaufgaben zuläßt. Untersuchungen entsteht so ein umfang-
Die Lösung dieses Problems wird auf reiches Regelwerk, das Mindestbeleuch-
zwei unterschiedliche Weisen gefunden. tungsstärken für bestimmte Sehaufgaben
Eine Möglichkeit ist es, die der Quecksilber- fordert sowie Mindestqualitäten für Farb-
dampfentladung fehlenden Spektralanteile wiedergabe und Blendungsbegrenzung
durch zusätzliche Leuchtstoffe auszuglei- angibt.
chen. Es entsteht hierbei die Leuchtstoff- Obwohl dieser Normenkatalog vor
lampe, die tatsächlich gute Farbwieder- allem für die Beleuchtung von Arbeits-
gabewerte erreicht und gleichzeitig durch plätzen gedacht ist, wird er weit über die-
Ausnutzung der reichlich vorhandenen sen Bereich hinaus als Richtlinie für die
Ultraviolettanteile eine erhöhte Lichtaus- Beleuchtung genutzt; er bestimmt bis in
beute bietet. die Gegenwart die Praxis der Lichtpla-
Der zweite Ansatz besteht in der Erhö- nung. Als umfassende Planungsgrundlage
hung des Quecksilberdampfdrucks. Hierbei für alle beleuchtungstechnischen Auf-
ergibt sich zwar nur eine mäßige Farbwie- gabenstellungen ist dies Konzept einer
dergabe, es wird aber eine erheblich ver- fast ausschließlich quantitativ orientierten
Amerikanischer Licht- besserte Lichtausbeute erreicht. Zusätzlich Lichtplanung allerdings wenig geeignet.
turm (San José 1885) können auf diese Weise hohe Lichtstärken Zielsetzung der Normen ist die ökonomi-
erreicht werden, die die Quecksilberdampf- sche Verwaltung der verfügbaren Licht-
Hochdrucklampe zur Konkurrenz der Bo- menge, ihre Grundlage ist die physiologi-
genlampe werden lassen. sche Erforschung des menschlichen Auges.
Daß der wahrgenommene Gegenstand
zumeist mehr ist als bloße, sinnfreie Seh-
1.1.5 Quantitative Lichtplanung aufgabe, daß der sehende Mensch außer
der Physiologie des Auges auch eine Psy-
Gut hundert Jahre nach dem Beginn der chologie der Wahrnehmung besitzt, wird
wissenschaftlichen Beschäftigung mit hier außer acht gelassen. So begnügt sich
neuen Lichtquellen liegen alle heute ge- die quantitative Lichtplanung damit, eine
bräuchlichen Lampen zumindest in ihrer gleichmäßige Allgemeinbeleuchtung be-
Grundform vor. Nachdem in der gesamten reitzustellen, die der schwierigsten zu er-
bisherigen Geschichte ausreichendes Licht wartenden Sehaufgabe gerecht wird und
nur am Tag zur Verfügung steht, wandelt darüber hinaus hinsichtlich Blendung und
sich das künstliche Licht so von einem Not- Farbverfälschung innerhalb der Norm-
behelf zu einer ebenbürtigen Beleuch- grenze liegt. Wie der Mensch aber z. B.
tungsart. eine Architektur unter diesem Licht sieht,
Tageslichtähnliche Beleuchtungsstär- ob ihre Struktur klar und eindeutig wahr-
ken, sei es im Innenraum, z. B. im Wohn- genommen werden kann und wie ihre
bereich oder am Arbeitsplatz, sei es in der ästhetische Wirkung durch die Beleuch-
Außenbeleuchtung, z. B. auf Straßen und tung vermittelt wird, liegt außerhalb der
Plätzen oder bei der Anstrahlung von Ge- Reichweite der angewandten Beleuch-
bäuden, sind damit nur noch eine Frage tungsregeln.
des technischen Aufwandes. Vor allem bei
der Straßenbeleuchtung ergibt sich die
Versuchung, die Nacht zum Tag zu machen 1.1.6 Anfänge einer neuen Licht-
und damit quasi abzuschaffen. In den Ver- planung
einigten Staaten werden entsprechende
Projekte verwirklicht, die jeweils eine ganze Es kann daher nicht überraschen, daß sich
Stadt durch ein Raster von Lichttürmen schon früh neben der quantitativ orien-
beleuchten. Es zeigt sich jedoch, daß eine tierten Lichttechnik Ansätze einer Pla-
solche Flutlichtbeleuchtung durch Blen- nungstheorie entwickeln, die stärker auf
dung und Schlagschatten mehr Nachteile die Architekturbeleuchtung und ihre Er-
als Vorteile bringt, so daß diese Extrem- fordernisse ausgerichtet ist.
form der Außenbeleuchtung bald wieder Teilweise entstehen diese Konzepte im
verschwindet. Rahmen der Lichttechnik selbst; hier ist vor
allem Joachim Teichmüller, der Gründer
Sowohl der Versuch einer stadtumfassen- des ersten deutschen Instituts für Licht-
den Beleuchtung wie dessen Scheitern technik in Karlsruhe, zu nennen. Teichmüller
können als Symptom für eine neue Phase definiert den Begriff der „Lichtarchitektur“,
des Umgangs mit künstlichem Licht be- einer Architektur, die das Licht als Baustoff
trachtet werden. Waren bisher unzuläng- begreift und bewußt in die architektoni-
liche Lichtquellen das Hauptproblem, so sche Gesamtgestaltung einbezieht. Nicht
steht nun der sinnvolle Umgang mit einem zuletzt aber weist er – wohl als erster –
Überfluß an Licht im Vordergrund; es muß darauf hin, daß das künstliche Licht dem

22
1.1 Geschichte
1.1.6 Anfänge einer neuen Lichtplanung

Tageslicht bei der Architekturbeleuchtung


überlegen sein kann, wenn seine Möglich-
keiten differenziert und bewußt genutzt
werden.
Stärker jedoch als innerhalb der Licht-
technik, die generell eher zu einer quanti-
tativen Beleuchtungsphilosophie neigt,
entstehen neue Konzepte der Architektur-
beleuchtung durch die Architekten selbst.
Schon von alters her ist aus der Tageslicht-
beleuchtung die formverdeutlichende und
strukturierende Wirkung des Lichts, die
Bedeutung des Spiels von Licht und Schat-
Joachim Teichmüller ten für die Architektur bekannt. Mit dem
Entstehen leistungsfähiger künstlicher
Lichtquellen kommen zu diesen Kenntnis-
sen der Tageslichttechnik die Möglichkei-
ten des künstlichen Lichts hinzu. Licht
wirkt nun nicht mehr nur von außen nach
innen, es kann Innenräume beliebig be-
leuchten und sogar von innen nach außen
strahlen. Wenn Le Corbusier Architektur
als das „weise, richtige und wunderbare
Spiel der Körper im Licht” bezeichnet, so
meint dies nicht mehr allein das Sonnen-
licht, sondern bezieht den künstlich be-
leuchteten Innenraum ein.
Von diesem neuen Verständnis des
Lichts ist vor allem die Bedeutung der gro-
ßen Fensterflächen in der Glasarchitektur
betroffen, die nicht mehr nur Einlaßöff-
nungen für Tageslicht sind, sondern dar-
über hinaus die nächtliche Wirkung der
künstlich beleuchteten Architektur be-
stimmen. Vor allem von den Architekten
der „Gläsernen Kette” wird das Gebäude
als kristallines, selbstleuchtendes Gebilde
Wassili Luckhardt verstanden. Utopische Vorstellungen einer
(1889–1972): Kristall Glasarchitektur, leuchtender Städte aus
auf der Kugel. Kult-
bau. Zweite Fassung. Lichttürmen und Glashallen, wie sie sich
Ölkreide, um 1920. bei Paul Scheerbart finden, schlagen sich
zunächst in ebenso visionären Entwurfs-
zeichnungen leuchtender Kristalle und
Kuppeln nieder. Wenig später, in den 20er
Jahren unseres Jahrhunderts, werden die
Konzepte der Glasarchitektur aber bereits
konkret umgesetzt; vor allem große Ge-
bäude wie Industriebauten oder Kaufhäu-
ser erscheinen nachts als selbstleuchtende,
durch den Wechsel von dunklen Wand-
J. Brinkmann, L. C. van und hellen Glasflächen gegliederte Gebilde.
der Vlugt und Mart Stam:
Tabakfabrik van Nelle, Lichtplanung geht hier schon deutlich
Rotterdam 1926–30. über eine bloße Schaffung von Beleuch-
tungsstärken hinaus, sie bezieht die Struk-
turen der beleuchteten Architektur in ihre
Überlegungen mit ein. Dennoch greift auch
dieser Ansatz noch zu kurz, da er das Ge-
bäude nur als Gesamtheit, vor allem als
nächtliche Außenansicht betrachtet, den
wahrnehmenden Menschen in diesem Ge-
bäude jedoch weiterhin außer acht läßt.
Die Gebäude der Zeit bis zum zweiten
Weltkrieg zeichnen sich also durch eine
zum Teil hochdifferenzierte Außenbeleuch-
tung aus; dem Trend zu einer quantitativ
orientierten, einfallslosen Rasterbeleuch-
tung im Gebäudeinneren wird hierdurch
jedoch kaum Einhalt geboten.
Um zu weitergehenden Konzepten der
Architekturbeleuchtung zu kommen, muß
neben dem Licht und der Architektur zu-

23
1.1 Geschichte
1.1.6 Anfänge einer neuen Lichtplanung

sätzlich der Mensch als dritter Faktor im der Lichtplanung nimmt und zahlreiche
Kräftedreieck der Beleuchtung begriffen bekannte Lichtplaner aus der Bühnen-
werden. Anstöße zu dieser Erkenntnis beleuchtung kommen.
kommen vor allem aus der Wahrnehmungs-
psychologie. Anders als bei der physiolo-
gischen Forschung wird hier nicht nur 1.1.6.2 Qualitative Lichtplanung
nach dem Auge, nach quantitativen Grenz-
werten für die Wahrnehmung abstrakter Ansätze einer neuen Beleuchtungsphilo-
„Sehaufgaben” gefragt. Im Mittelpunkt sophie, die nicht mehr ausschließlich nach
steht vielmehr der wahrnehmende Mensch, quantitativen Aspekten fragt, entstehen
die Frage, wie die konkret wahrgenommene nach dem zweiten Weltkrieg in den USA.
Realität im Vorgang des Sehens aufgebaut Als Pionier ist hier vor allem Richard Kelly
wird. Sehr schnell wird bei diesen Unter- zu nennen, der die vorhandenen Anregun-
suchungen klar, daß Wahrnehmung kein gen aus Wahrnehmungspsychologie und
bloßer Abbildungsprozeß, kein Photogra- Bühnenbeleuchtung zu einem einheitlichen
Licht zum Sehen phieren der Umwelt ist. Unzählige optische Konzept zusammenfaßt.
Phänomene zeigen vielmehr, daß bei der Kelly löst sich von der Vorgabe einer
Wahrnehmung eine komplexe Deutung einheitlichen Beleuchtungsstärke als Zen-
der Umgebungsreize vorgenommen wird, tralkriterium der Lichtplanung. Er ersetzt
daß Auge und Gehirn unsere Realität weni- die Frage nach der Lichtquantität durch
ger abbilden als konstruieren. die Frage nach einzelnen Qualitäten des
Vor diesem Hintergrund erhält Beleuch- Lichts, nach einer Reihe von Funktionen
tung eine völlig neue Bedeutung. Licht ist der Beleuchtung, die auf den wahrnehmen-
nicht mehr nur eine quasi phototechnische den Betrachter ausgerichtet sind. Kelly un-
Größe, die für eine ausreichende Belich- terscheidet hierbei drei Grundfunktionen:
tung sorgt; es wird zu einem entscheiden- ambient light (Licht zum Sehen), focal glow
den Faktor für unsere Wahrnehmung. (Licht zum Hinsehen) und play of brilliance
Beleuchtung sorgt dabei nicht nur für die (Licht zum Ansehen).
allgemeine Sichtbarkeit unserer Umwelt, Ambient light entspricht hierbei in
sie bestimmt als zentrale Wahrnehmungs- etwa der bisher üblichen quantitativen
bedingung, mit welcher Priorität und in Vorstellung vom Licht. Es wird eine Grund-
welcher Weise die einzelnen Objekte unse- beleuchtung zur Verfügung gestellt, die
rer visuellen Umgebung gesehen werden. zur Wahrnehmung der gegebenen Sehauf-
gaben ausreicht; dies kann die Wahrneh-
mung von Objekten und Gebäudestruk-
1.1.6.1 Impulse aus der Bühnenbeleuchtung turen sein, die Orientierung in einer Um-
gebung oder die Orientierung bei der Fort-
Wesentliche Impulse für eine Beleuchtungs- bewegung.
technik, die auf den wahrnehmenden Focal glow geht über diese Grund-
Menschen zielt, kann die Lichtplanung von beleuchtung hinaus und berücksichtigt
der Bühnenbeleuchtung erhalten. Hier tritt die Bedürfnisse des wahrnehmenden
die Frage nach Beleuchtungsstärke und Menschen in der jeweiligen Umgebung.
Gleichmäßigkeit der Beleuchtung völlig in Durch Licht zum Hinsehen werden gezielt
den Hintergrund, selbst die Verdeutlichung bestimmte Informationen aus der Allge-
der vorhandenen Gebäudestrukturen ist meinbeleuchtung herausgehoben; be-
ohne Bedeutung. Ziel der Bühnenbeleuch- deutsame Bereiche werden betont, wäh-
tung ist es ja gerade nicht, die real vor- rend Unwichtiges zurücktritt. Anders als
handene Bühne mit ihren technischen bei einer gleichförmigen Beleuchtung
Einrichtungen sichtbar werden zu lassen; wird die visuelle Umgebung strukturiert,
wahrgenommen werden sollen vielmehr sie kann schnell und eindeutig verstanden
wechselnde Bilder und Stimmungen – werden. Zusätzlich kann der Blick des Be-
Tageszeiten und Wetterwechsel, bedrohli- trachters auf einzelne Objekte gerichtet
che oder romantische Stimmungen werden werden, so daß eine fokale Beleuchtung
innerhalb einer einzigen Dekoration durch nicht nur zur Orientierung beiträgt, son-
gezielte Beleuchtung sichtbar gemacht. dern auch bei der Präsentation von Waren
Bühnenbeleuchtung geht in ihren Ab- und ästhetischen Objekten genutzt wer-
sichten weit über die Ziele der Architek- den kann.
turbeleuchtung hinaus – sie zielt auf die Play of brilliance berücksichtigt die
Schaffung von Illusionen, während es der Tatsache, daß Licht nicht nur Objekte be-
Architekturbeleuchtung um die Sichtbar- leuchtet und Informationen hervorhebt,
machung realer Strukturen geht. Dennoch sondern selbst zum Objekt der Betrach-
kann die Bühnenbeleuchtung als Vorbild tung, zur Informationsquelle werden kann.
der Architekturbeleuchtung dienen; sie In dieser dritten Funktion trägt das Licht
verfügt über Methoden zur Erzeugung von selbst zur ästhetischen Wirkung einer Um-
differenzierten Lichtwirkungen und über gebung bei – vom Strahlen einer einfachen
die Instrumente zur Erzeugung dieser Kerzenflamme bis hin zur Lichtskulptur
Effekte – beides Bereiche, in denen die ar- kann einem repräsentativen Raum durch
chitektonische Lichtplanung einen großen Licht zum Ansehen Leben und Stimmung
Rückstand aufzuholen hat. So ist es nicht verliehen werden.
verwunderlich, daß die Bühnenbeleuch- Mit diesen drei Grundkategorien der
tung großen Einfluß auf die Entwicklung Beleuchtung ist ein einfaches, aber wir-

24
1.1 Geschichte
1.1.6 Anfänge einer neuen Lichtplanung

kungsvolles Raster geschaffen, das eine Podiumsdiskussion oder eines Diavortrags


Beleuchtung ermöglicht, die sowohl der sein; es kann sich aber auch um die An-
beleuchteten Architektur und den Objekten passung an veränderte Umgebungsbedin-
einer Umgebung als auch den Bedürfnissen gungen handeln; sei es die wechselnde
des wahrnehmenden Menschen gerecht Intensität des Tageslichts oder die Uhrzeit.
wird. Ausgehend von den USA wandelt Lichtsteuerung ergibt sich dabei als logi-
sich die Lichtplanung nun allmählich von sche Konsequenz der räumlichen Differen-
einer rein technischen Disziplin zu einer zierung. Sie ermöglicht die vollständige
gleichberechtigten und unentbehrlichen Nutzung der vorhandenen Möglichkeiten
Disziplin im Prozeß der Architekturgestal- einer Beleuchtungsanlage – einen simul-
tung – zumindest für den Bereich repräsen- tanen Übergang zwischen einzelnen Licht-
tativer Großprojekte kann die Mitwirkung szenen, wie er durch das aufwendige Schal-
eines kompetenten Lichtplaners inzwischen ten von Hand nicht zu erreichen ist.
als Standard angesehen werden. Gegenwärtig entstehen lichttechnische
Neuerungen vor allem auf dem Gebiet
kompakter Lichtquellen. Für den Bereich
1.1.6.3 Lichttechnik und Lichtplanung der Glühlampen ist hier die Halogen-Glüh-
lampe zu nennen, die durch ihr brillantes,
Mit den Ansprüchen an die Leistung der gut bündelbares Licht der Präsentations-
Lichtplanung wachsen auch die Ansprüche beleuchtung neue Impulse gibt. Bei den
an die verwendeten Instrumente; eine dif- Entladungslampen werden ähnliche Eigen-
ferenzierte Beleuchtung erfordert spezia- schaften durch die Halogen-Metalldampf-
lisierte Leuchten, die in ihrer Charakteristik lampen erreicht; gerichtetes Licht kann so
auf die jeweilige Aufgabe abgestimmt sind. auch über große Entfernungen wirkungs-
So erfordert die gleichmäßige Beleuchtung voll eingesetzt werden. Als dritte Neu-
einer Wandfläche völlig andere Leuchten entwicklung ist die kompakte Leuchtstoff-
als die Betonung eines einzelnen Objekts; lampe zu nennen, die die Vorteile der röh-
die gleichbleibende Beleuchtung eines renförmigen Leuchtstofflampe mit einem
Foyers andere Leuchten als die variable kleinen Volumen verbindet und so eine
Beleuchtung eines Mehrzwecksaals oder verbesserte optische Kontrolle, z. B. in be-
eines Ausstellungsraums. sonders wirtschaftlichen Leuchtstoff-
Zwischen der Entwicklung der techni- Downlights, erlaubt.
schen Möglichkeiten und der planerischen Der Lichtplanung werden hier weitere
Anwendung ergibt sich so eine Wechsel- Instrumente zur Verfügung gestellt, die
wirkung, in der planerischer Bedarf für für eine differenzierte, an der jeweiligen
neue Leuchtenformen sorgt, andererseits Situation und den Bedürfnissen des wahr-
aber auch Weiterentwicklungen bei Lam- nehmenden Menschen ausgerichtete Be-
Licht zum Hinsehen pen und Leuchten der Planung neue Berei- leuchtung genutzt werden können. Auch
che erschließen. für die Zukunft ist zu erwarten, daß die
Lichttechnische Neuentwicklungen die- Fortschritte der Lichtplanung von der kon-
nen dabei vor allem der räumlichen Diffe- tinuierlichen Weiterentwicklung der Lam-
renzierung und Flexibilisierung der Beleuch- pen und Leuchten, vor allem aber von der
tung. Hier ist zunächst die Ablösung der konsequenten Nutzung im Sinn einer qua-
freistrahlenden Leuchten für Glühlampen litativ orientierten Planung ausgehen.
und Leuchtstofflampen durch eine Viel- Exotische Lösungen – z. B. im Bereich der
zahl spezialisierter Reflektorleuchten zu Laserbeleuchtung oder der Beleuchtung
nennen, die erst eine gezielte und auf den durch große Reflektorsysteme – werden
jeweiligen Zweck abgestimmte Beleuch- wohl eher Einzelerscheinungen bleiben
tung einzelner Bereiche und Objekte ermög- und keinen Einzug in die allgemeine
licht – von der gleichmäßigen Beleuchtung Planungspraxis finden.
großer Flächen durch Wand- oder Decken-
fluter bis hin zur Heraushebung eines genau
umschriebenen Bereichs durch Konturen-
strahler. Weitere Möglichkeiten für die
Lichtplanung ergeben sich durch die Ent-
wicklung der Stromschiene, die es erlaubt,
Beleuchtungsanlagen variabel zu gestal-
ten und den jeweiligen Erfordernissen einer
wechselnden Nutzung anzupassen.
Jünger als die Fortschritte bei der räum-
lichen Differenzierung der Beleuchtung
sind die Neuentwicklungen im Bereich der
zeitlichen Differenzierung, der Lichtsteue-
rung. Durch kompakte Steueranlagen wird
es möglich, Beleuchtungsanlagen nicht
nur auf eine einzelne Anwendungssitua-
tion auszurichten, sondern verschiedene
Lichtszenen zu definieren. Jede Lichtszene
ist jeweils den Anforderungen einer spe-
Licht zum Ansehen ziellen Situation angepaßt. Dies können
die unterschiedlichen Bedingungen einer

25
2.0 Grundlagen
2.1 2.1 Wahrnehmung
2.1.1 Auge und Kamera

Wahrnehmung Den größten Teil der Informationen über


seine Umwelt nimmt der Mensch durch
das Auge auf. Licht ist dabei nicht nur Vor-
aussetzung und Medium des Sehens; es
schafft durch seine Intensität, seine Vertei-
lung und seine Eigenschaften spezifische
Bedingungen, die unsere Wahrnehmung
beeinflussen.
Lichtplanung ist also Planung der visuel-
len Umwelt des Menschen – ihr Ziel ist
die Schaffung von Wahrnehmungsbedin-
gungen, die ein effektives Arbeiten, eine
sichere Orientierung, das Wohlbefinden in
einer Umgebung sowie deren ästhetische
Wirkung ermöglichen. Die physikalischen
Eigenschaften einer Beleuchtungssituation
können berechnet und gemessen werden;
letztlich entscheidet aber die tatsächliche
Wirkung auf den Menschen, die subjektive
Wahrnehmung über den Erfolg eines Be-
leuchtungskonzepts. Lichtplanung kann
sich folglich nicht auf die Erstellung tech-
nischer Konzeptionen beschränken, sie
muß die Wahrnehmung in ihre Überlegun-
gen einbeziehen.

2.1.1 Auge und Kamera


Sphärische Aberration. Ein verbreiteter Ansatz zur Deutung des
Abgebildete Objekte Wahrnehmungsvorgangs ist der Vergleich
werden durch die Krüm-
mung der Netzhaut des Auges mit einer Kamera: Bei der Kamera
verzerrt. wird durch ein verstellbares Linsensystem
das umgekehrte Bild eines Objekts auf einen
lichtempfindlichen Film projiziert; eine
Blende übernimmt dabei die Regulierung
der Lichtmenge. Nach dem Entwickeln
und der Umkehrung beim Vergrößern liegt
schließlich ein sichtbares, zweidimensio-
nales Abbild des Objekts vor.
Ebenso wird im Auge durch eine ver-
Chromatische Aberra- formbare Linse ein umgekehrtes Bild auf
tion. Unscharfe Abbil- den Augenhintergrund projiziert, die Iris
dung durch die unter-
schiedliche Brechung übernimmt die Funktion der Blende, die
der Spektralfarben lichtempfindliche Netzhaut die Rolle des
Films. Von der Netzhaut wird das Bild durch
den Sehnerv ins Gehirn transportiert, um
dort schließlich in einem bestimmten Be-
reich – der Sehrinde – wieder aufrecht ge-
stellt und bewußtgemacht zu werden.
Der Vergleich von Kamera und Auge be-
sticht durch seine Anschaulichkeit.Dennoch
trägt er nichts zur Klärung des eigentlichen
Wahrnehmungsvorgangs bei. Sein Fehler
liegt in der Annahme, das auf der Netzhaut
abgebildete Bild sei mit dem wahrgenom-
menen Bild identisch. Daß das Netzhaut-
bild die Grundlage der Wahrnehmung bil-
det, ist unbestritten; dennoch bestehen
erhebliche Unterschiede zwischen der tat-
sächlichen Wahrnehmung einer visuellen
Umgebung und dem Bild auf der Netzhaut.
Hier ist zunächst die räumliche Verzer-
rung des Bildes durch die Projektion auf
die gekrümmte Fläche der Netzhaut zu
nennen – eine gerade Linie wird auf der
Netzhaut in der Regel als Kurve abgebildet.
Dieser sphärischen Verzeichnung steht
eine ebenso deutliche chromatische Aber-

28
2.1 Wahrnehmung
2.1.2 Wahrnehmungspsychologie

ration gegenüber – Licht unterschiedlicher


Wellenlängen wird unterschiedlich stark
gebrochen, so daß um die Objekte herum
Farbringe entstehen.
Das Auge ist also ein sehr unzuläng-
liches optisches Instrument, es erzeugt ein
räumlich verzerrtes und nicht farbkorri-
Konstante Wahrneh- giertes Netzhautbild. Diese Fehler tauchen
mung einer Form trotz jedoch in der tatsächlichen Wahrnehmung
Veränderung des Netz-
hautbildes durch die nicht mehr auf, sie müssen folglich wäh-
wechselnde Perspektive rend der Verarbeitung des Bildes im Gehirn
beseitigt worden sein.
Über diese Fehlerkorrektur hinaus existie-
ren aber noch erheblich weitergehende
Unterschiede zwischen dem Netzhautbild
und der tatsächlichen Wahrnehmung.
Werden räumlich angeordnete Objekte
wahrgenommen, so entstehen auf der
Netzhaut perspektivisch verzerrte Bilder.
So erzeugt z. B. ein im Winkel gesehenes
Rechteck ein trapezförmiges Netzhautbild.
Dies Bild könnte aber auch von einer fron-
tal gesehenen, trapezförmigen Fläche oder
von einer unbegrenzten Zahl im Winkel
angeordneter, viereckiger Formen erzeugt
worden sein. Wahrgenommen wird nur
eine einzige Form – das Rechteck, das dies
Bild tatsächlich hervorgerufen hat. Diese
Wahrnehmung einer rechteckigen Form
bleibt sogar dann konstant, wenn sich
Betrachter oder Objekt bewegen, obwohl
sich die Form des projizierten Netzhaut-
bildes nun durch die wechselnde Perspek-
tive ständig verändert. Wahrnehmung
kann also nicht die bloße Bewußtmachung
Wahrnehmung einer des abgebildeten Netzhautbildes sein; sie
Form allein aufgrund entsteht vielmehr erst aus der Interpreta-
der Schattenbildung
bei fehlender Kontur tion dieses Bildes.

2.1.2 Wahrnehmungspsychologie
Die Modellvorstellung vom Auge als Kamera
kann die Entstehung des wahrgenomme-
nen Bildes nicht erklären – sie transportiert
das wahrzunehmende Objekt lediglich von
der Außenwelt zur Sehrinde. Für ein wirk-
Erkennen einer Gesamt- liches Verständnis der visuellen Wahrneh-
form aufgrund der mung sind aber weniger der Transport der
Sichtbarmachung
wesentlicher Details Bildinformation, als vielmehr der Vorgang
der Umsetzung dieser Information, des Auf-
baus visueller Eindrücke von Bedeutung.
Hier stellt sich zunächst die Frage, ob
die Fähigkeit des Menschen, seine Umwelt
geordnet wahrzunehmen, angeboren ist
oder ob sie erlernt, d. h. aus Erfahrungen
aufgebaut werden muß. Weiter stellt sich
die Frage, ob für das wahrgenommene Bild
allein die von außen eintreffenden Sinnes-
Angleichung einer Farbe eindrücke verantwortlich sind oder ob das
an das jeweils wahr- Gehirn diese Reize durch Anwendung eige-
genommene Muster.
Die Farbe des grauen ner Ordnungsprinzipien in ein wahrnehm-
Zentralpunktes paßt bares Bild umsetzt.
sich an die weiße oder Eine eindeutige Beantwortung dieser
schwarze Farbe des Fragen ist kaum möglich; die Wahrneh-
jeweils wahrgenomme-
nen Fünfermusters an. mungspsychologie spaltet sich hier in
mehrere, einander widersprechende Rich-
tungen. Jede dieser Richtungen kann eine
Reihe von Belegen für ihr Modell anführen,
es ist jedoch keine dieser Schulen in der

29
2.1 Wahrnehmung
2.1.2 Wahrnehmungspsychologie

Lage, alle auftretenden Phänomene des


Sehens plausibel zu erklären.
So gibt es Hinweise darauf, daß die
räumliche Organisation der Wahrnehmung
angeboren ist. Setzt man neugeborene
Die Wahrnehmung der
Tiere (oder auch Säuglinge) auf eine Glas- Helligkeit des grauen
platte, die über einer Stufe liegt, so meiden Feldes hängt von der
sie deutlich den Bereich über der tieferlie- Umgebung ab, bei hel-
genden Ebene. Hier hat also ein angebore- lem Umfeld erscheint
ein identisches Grau
nes visuelles Erkennen von Tiefe und der dunkler als bei dunklem
damit verbundenen Gefahr Vorrang vor der Umfeld.
Information des Tastsinns, die eine sichere,
plane Oberfläche anzeigt.
Andererseits läßt sich zeigen, daß die
Wahrnehmung auch von Vorerfahrungen
abhängig ist. So werden bekannte Struktu-
ren schneller erkannt als unbekannte; ein-
mal gewonnene Deutungen komplexer
visueller Gebilde bleiben erhalten und prä-
gen die zukünftigen Wahrnehmungen.
Hierbei kann die Erfahrung und die
damit verbundene Vorerwartung so stark
wirken, daß fehlende Teile einer Form er-
gänzt oder einzelne Details geändert wahr-
genommen werden, um den Gegenstand
der Erwartung anzupassen.
Bei der Wahrnehmung spielen folglich
sowohl angeborene Mechanismen als auch
Erfahrung eine Rolle; vermutlich sorgt die
angeborene Komponente dabei für eine
grundlegende Organisation der Wahrneh-
mung, während auf einer höheren Verarbei-
tungsebene die Erfahrung dazu beiträgt,
komplexe Gebilde zu deuten.
Auch bei der Frage, ob allein die Sinnesein-
drücke die Wahrnehmung bestimmen oder Konstanz der Größen- Hier führt die perspek-
ob zusätzlich psychische Ordnungsprinzi- wahrnehmung. Durch tivische Interpretation
die perspektivische zu einer optischen Täu-
pien benötigt werden, existieren Belege für Interpretation der schung. Die hintere
beide Thesen. So läßt sich die Tatsache, Abbildung wird trotz Vertikallinie erscheint
daß ein mittelgraues Feld bei schwarzer unterschiedlich großer bei identischer Länge
Umrandung als hellgrau, bei weißer Um- Netzhautbilder eine durch die perspektivi-
einheitliche Leuchten- sche Interpretation des
randung als dunkelgrau empfunden wird, größe wahrgenommen. Bildes länger als die
durch die direkte Verarbeitung der wahr- vordere.
genommenen Reize erklären – die wahr-
genommene Helligkeit entsteht aus dem
Verhältnis der Helligkeit des grauen Feldes
und der Helligkeit der unmittelbaren Um-
gebung. Hier entsteht also ein visueller
Eindruck, der ausschließlich auf den von
außen kommenden Sinneseindrücken fußt
und nicht von eigenen Ordnungskriterien
der geistigen Verarbeitung beeinflußt wird.
Andererseits ist die Tatsache, daß verti-
kale Linien in einer perspektivischen Zeich- Der kontinuierliche
nung im Hintergrund erheblich größer er- Leuchtdichteverlauf
der Wand wird als
scheinen als im Vordergrund, dadurch zu Beleuchtungseigen-
erklären, daß die wahrgenommene Zeich- schaft interpretiert, der
nung räumlich interpretiert wird. Eine Reflexionsgrad der
weiter entfernte Linie muß hier aber, um Wand wird dabei als
konstant wahrgenom-
ein ebenso großes Netzhautbild zu erzeu- men. Der Grauwert der
gen wie eine nahe Linie, größer als diese scharf konturierten
sein – die Linie wird also in der Raumtiefe Bildflächen wird dage-
bei effektiv gleicher Länge als größer inter- gen als Materialeigen-
schaft interpretiert,
pretiert und wahrgenommen. obwohl seine Leucht-
Hier bewirkt also die scheinbare Kennt- dichte mit der Leucht-
nis der Entfernungsverhältnisse eine Ver- dichte der Raumecke
änderung der Wahrnehmung. Da die Ent- identisch ist.
fernungen in der Zeichnung aber fiktiv
sind, liegt eine von Außenreizen unabhän-
gige, eigenständige Deutungsleistung des

30
2.1 Wahrnehmung
2.1.2 Wahrnehmungspsychologie

Gehirns vor. Wahrnehmung läßt sich also Netzhautbildes unter Berücksichtigung


auch unter dieser Fragestellung nicht auf des Winkels, unter dem das Objekt gesehen
ein einziges Prinzip zurückführen, sondern wird, als räumliche Erscheinungen kon-
läuft nach mehreren Mechanismen ab. stanter, rechtwinkliger oder kreisrunder
Objekte wahrgenommen werden können.
Für den Bereich der Lichtplanung ist
2.1.2.1 Konstanz besonders ein weiterer Komplex von Kon-
stanzphänomenen von Bedeutung, der die
Auch wenn die Arbeitsweise der Wahrneh- Helligkeitswahrnehmung regelt. Bei der
mung nicht mit einem einzigen, einfachen Identifikation des Reflexionsgrads einer
Ansatz zu erklären ist, bleibt jedoch die Oberfläche (seines Grauwerts als Grund-
Frage interessant, welchem Ziel die unter- lage der gesehenen Helligkeit) ergibt sich
schiedlichen Mechanismen dienen. Gerade die Tatsache, daß eine Fläche je nach der
scheinbare Fehlleistungen bieten dabei die Stärke der umgebenden Beleuchtung un-
Möglichkeit, die Wirkungsweisen und Ziele terschiedlich viel Licht reflektiert, also je-
der Wahrnehmung zu untersuchen. Die weils eine unterschiedliche Leuchtdichte
optische Täuschung erweist sich hierbei besitzt. So hat die beleuchtete Seite eines
nicht als Entgleisung der Wahrnehmung, einfarbigen Objekts eine höhere Leucht-
sondern als Grenzfall eines Mechanismus, dichte als die beschattete Seite; ein schwar-
der unter alltäglichen Bedingungen lebens- zer Körper im Sonnenlicht kann eine erheb-
wichtige Informationen liefert. Hier zeigt lich höhere Leuchtdichte als ein weißer
sich, daß beide oben beschriebenen Phä- Körper in einem Innenraum aufweisen.
nomene, sowohl die wechselnde Hellig- Würde die Wahrnehmung von der gesehe-
keitswahrnehmung bei identischen Flächen nen Leuchtdichte abhängen, so könnte der
als auch die fehlerhafte Wahrnehmung Reflexionsgrad also nicht als konstante
gleich langer Linien aus einer gemeinsa- Eigenschaft eines Objektes erkannt werden.
men Zielsetzung erklärt werden können. Hier muß ein Mechanismus ansetzen,
der den Reflexionsgrad einer Fläche aus
Eine der wichtigsten Aufgaben der Wahr- dem Verhältnis der Leuchtdichten dieser
nehmung muß es sein, in den ständig Fläche und ihrer Umgebung ermittelt. Eine Der räumliche Eindruck
wechselnden Formen und Helligkeitsver- weiße Fläche wird auf diese Weise sowohl wird durch die Postulie-
teilungen des Netzhautbildes zwischen im Licht als auch im Schatten als weiß rung des Lichteinfalls
konstanten Objekten und Veränderungen empfunden, weil sie in Relation zu umge- von oben bestimmt. Beim
Drehen der Abbildung
der Umwelt zu unterscheiden. Da aber benden Flächen jeweils das meiste Licht wechseln Erhebung
auch konstante Objekte durch Verände- reflektiert. Als Grenzfall entsteht hierbei und Vertiefung.
rungen der Beleuchtung, der Entfernung allerdings das oben beschriebene Beispiel,
oder der Perspektive Netzhautbilder un- in dem zwei gleichfarbige Flächen unter
terschiedlicher Form, Größe und Hellig- identischer Beleuchtung durch unter-
keitsverteilung erzeugen, müssen Mecha- schiedliche Umgebungsflächen unter-
nismen existieren, diese Objekte und ihre schiedlich hell wahrgenommen werden.
Eigenschaften dennoch zu identifizieren
und als konstant wahrzunehmen. Die Fähigkeit des Wahrnehmungsprozes-
ses, Reflexionsgrade von Objekten auch
Die Fehleinschätzung gleich langer Linien bei unterschiedlichen Beleuchtungsstär-
zeigt, daß die wahrgenommene Größe ken zu erkennen, stellt allerdings nur einen
eines Objekts nicht allein auf der Größe Teilaspekt dar. Über die Wahrnehmung des
des Netzhautbildes beruht, sondern daß Reflexionsgrads von Objekten hinaus müs-
zusätzlich die Entfernung des Betrachters sen auch Mechanismen existieren, die eine
zum Objekt berücksichtigt wird. Umge- Verarbeitung ungleichmäßiger Helligkeiten,
kehrt werden wiederum Objekte bekannter von Leuchtdichteverläufen und -sprüngen
Größe dazu benutzt, um Entfernungen möglich machen.
abzuschätzen oder die Größe von Nachbar-
objekten zu erkennen. Leuchtdichteverläufe auf Oberflächen sind
Im Bereich der Alltagserfahrung reicht alltägliche Erscheinungen. Sie können aus
dieser Mechanismus aus, um Objekte und der Art der Beleuchtung resultieren; ein Die räumliche Form
ihre Größe verläßlich wahrzunehmen. So Beispiel hierfür ist das allmähliche Abfallen kann allein aufgrund
von Schattenverläufen
wird eine weit entfernte Person nicht als der Helligkeit an den Längswänden eines erkannt werden.
Zwerg, ein Haus am Horizont nicht als einseitig mit Tageslicht beleuchteten
Schachtel wahrgenommen. Erst in Extrem- Raums. Sie können aber auch aus der räum-
situationen versagt die Wahrnehmung; lichen Form des beleuchteten Objekts ent-
aus dem Flugzeug erscheinen Objekte am stehen; Beispiele hierfür sind die Bildung
Boden winzig – bei noch wesentlich weiter charakteristischer Schatten auf räumlichen
entfernten Objekten wie z. B. dem Mond Körpern wie Würfel, Zylinder oder Kugel.
ergibt sich schließlich ein völlig unzuver- Ein dritter Grund für das Vorhandensein
lässiges Bild. unterschiedlicher Leuchtdichten kann
schließlich in der Art der Oberfläche selbst
Ähnliche Mechanismen wie für die Größen- liegen; ein ungleichmäßiger Reflexions-
wahrnehmung existieren auch für den grad führt auch bei gleichmäßiger Beleuch-
Ausgleich der perspektivischen Verzerrung tung zu einer ungleichmäßigen Leucht-
von Objekten. Sie sorgen dafür, daß die dichte. Ziel des Wahrnehmungsvorgangs ist
wechselnden Trapezoide und Ellipsen des es, zu entscheiden, welche Situation vor-

31
2.1 Wahrnehmung
2.1.2 Wahrnehmungspsychologie

Wahrnehmungswechsel liegt; ob ein Objekt also als einfarbig, aber


von Hell/Dunkel zu ungleichmäßig beleuchtet, als räumlich ge-
Schwarz/Weiß bei ver-
änderter räumlicher formt oder als gleichmäßig beleuchtetes
Interpretation einer Objekt mit ungleichmäßigem Reflektions-
Figur grad wahrgenommen wird.
Im nebenstehenden Beispiel wird dieser
Vorgang besonders deutlich. Die geknickte
Karte wird in der Regel so wahrgenommen,
als ob sie von außen (Kante nach vorn) ge-
sehen würde; in diesem Fall erscheint sie
als gleichmäßig weiß, aber einseitig beleuch-
tet. Wird die Karte aber so gesehen, als ob
sie von innen (Kante nach hinten) betrach-
tet würde, so wird sie als gleichmäßig be-
leuchtet, aber auf der einen Hälfte schwarz
gefärbt wahrgenommen. Das Leuchtdich-
temuster des Netzhautbildes wird also un-
terschiedlich interpretiert; im einen Fall
wird es auf eine charakteristische Schwarz-
weißfärbung des wahrgenommenen Objekts
zurückgeführt, im anderen Fall erscheint
die unterschiedliche Leuchtdichte in der
Auf einer unstrukturier- Wahrnehmung der scheinbar gleichmäßig
ten Wand werden Licht-
verläufe zur dominie- weißen Karte nicht, sie wird als Merkmal
renden Figur; bei einer der Beleuchtungssituation registriert.
strukturierten Wand Es ist also eine charakteristische Eigen-
werden Lichtverläufe schaft der Wahrnehmung, einfache und
dagegen als Grund
interpretiert und nicht verständliche Deutungen zu bevorzugen.
wahrgenommen. Hierbei werden Leuchtdichteverläufe ent-
weder weitgehend aus dem wahrgenom-
menen Bild ausgeblendet oder aber im
Gegenteil besonders betont, je nachdem,
ob sie als charakteristische Eigenschaft
des Objekts oder als Eigenschaft der Um-
gebung – in diesem Fall der Beleuchtung
– interpretiert werden.
Diese Mechanismen sollten bei der Licht-
planung berücksichtigt werden. Die erste
Konsequenz ist dabei, daß der Eindruck
einer gleichmäßigen Helligkeit nicht von
einer völlig gleichförmigen Beleuchtung
abhängig ist, sondern schon durch gleich-
mäßig verlaufende Leuchtdichtegradien-
ten erreicht werden kann.
Auf der anderen Seite können ungleich-
mäßige Leuchtdichteverläufe zu einer un-
klaren und verwirrenden Beleuchtungs-
situation führen. Dies zeigt sich z. B., wenn
Lichtkegel unregelmäßig und ohne Bezug
zur Architektur auf Wänden abgebildet
werden. Hier wird die Aufmerksamkeit des
Betrachters auf ein Leuchtdichtemuster
gelenkt, das weder durch die Eigenschaf-
Lichtkegel, die nicht in verlaufen, werden als ten der Wand erklärbar ist, noch als Be-
Übereinstimmung mit störende, selbständige Die Position eines Licht- sonderheit der Beleuchtung einen Sinn
der architektonischen Muster wahrgenommen. kegels entscheidet dar-
Struktur des Raumes ergibt. Leuchtdichteverläufe sollten also,
über, ob er als Grund
oder als störende Figur vor allem, wenn sie ungleichmäßig sind,
wahrgenommen wird. immer durch einen Bezug zur umgeben-
den Architektur deutbar sein.
Ähnlich wie bei der Wahrnehmung von
Helligkeiten ist auch die Farbwahrneh-
mung abhängig von Umgebungsfarben
und der Art der Beleuchtung. Die Notwen-
digkeit der Interpretation von Farbein-
drücken ergibt sich dabei vor allem aus
der Auswirkung der ständig wechselnden
Lichtfarben in der Umgebung.
So wird eine Farbe sowohl im bläu-
lichen Licht des bedeckten Himmels wie

32
2.1 Wahrnehmung
2.1.2 Wahrnehmungspsychologie

unter dem wärmeren, direkten Sonnen- In beiden Fällen wird also eine Figur wahr-
licht konstant wahrgenommen – unter genommen – einmal die Vase, beim anderen
gleichen Bedingungen hergestellte Farb- Mal die beiden Gesichter – , die sich auf
fotografien zeigen dagegen die zu erwar- einem Untergrund der jeweils entgegen-
tenden, deutlichen Farbstiche der jewei- gesetzten Farbe befinden. Wie vollständig
ligen Beleuchtungsart. die Trennung von Gestalt und Umgebung,
von Figur und Grund dabei ist, zeigt sich,
Die Wahrnehmung ist also in der Lage, wenn man in Gedanken die gesehene Figur
sich auf die jeweiligen Farbeigenschaften bewegt – der Hintergrund bewegt sich
der Beleuchtung einzustellen und so unter hierbei nicht mit. In unserer Vorstellung
wechselnden Bedingungen eine konstante bildet der Grund also eine Fläche, die unter
Farbwahrnehmung zu gewährleisten. Dies der Figur liegt und gleichmäßig die ganze
gilt jedoch nur, wenn die gesamte Umge- Zeichnung füllt. Außer seiner Farbe und
bung mit Licht gleicher Lichtfarbe beleuch- seiner Funktion als Umgebung werden
tet wird und die Beleuchtung nicht zu rasch dem Grund keine weiteren Eigenschaften
wechselt. Können unterschiedliche Beleuch- zugeschrieben, er ist kein weiteres, eigen-
tungssituationen direkt verglichen werden, ständiges Objekt und wird von Verände-
so wird der Kontrast einer abweichenden rungen der Figur nicht betroffen. Dieser
Lichtfarbe wahrgenommen. Dies zeigt sich, Eindruck wird vom Wissen, daß der „Hinter-
wenn der Betrachter zwischen unterschied- grund“ unseres Beispiels eigentlich eine
lich beleuchteten Räumen wechselt; vor weitere Figur ist, nicht beeinflußt – der
allem aber, wenn unterschiedliche Leucht- Wahrnehmungsmechanismus ist stärker
mittel in einem Raum verwendet werden als das bewußte Denken.
oder wenn in einem Raum mit farbiger
Verglasung ein Vergleich mit der Außen- An diesem Beispiel zeigt sich, daß die kom-
beleuchtung möglich ist. Die Beleuchtung plexen und widersprüchlichen Muster des
eines Raums mit unterschiedlichen Licht- Netzhautbildes im Wahrnehmungsvorgang
farben kann dennoch sinnvoll sein, wenn geordnet werden, um zu einer einfachen
der Wechsel der Lichtfarbe durch einen und eindeutigen Interpretation zu kommen.
klaren Bezug zur jeweiligen Umgebung Innerhalb des Bildes wird dabei ein Teil
gedeutet werden kann. dieser Muster zusammengefaßt und zur
Figur, zum Gegenstand des Interesses er-
klärt, während der Rest der Muster als Hin-
2.1.2.2 Gestaltgesetze tergrund gesehen und so in ihren Eigen-
schaften weitgehend ignoriert wird.
Thema dieses Kapitels war bisher vor allem Die Tatsache, daß von beiden Deutun-
die Frage, wie die Eigenschaften von Ob- gen unseres Beispiels zunächst bevorzugt
jekten – Größe, Form, Reflexionsgrad und die Vase wahrgenommen wird, zeigt dar-
Farbe – trotz wechselnder Netzhautbilder über hinaus, daß dieser Deutungsvorgang
konstant wahrgenommen werden können. bestimmten Regeln unterliegt; daß sich
Die Frage, wie es zur Wahrnehmung der also Gesetze formulieren lassen, nach denen
Objekte selbst kommt, ist dabei ausgeklam- bestimmte Anordnungen zu Figuren, zu
mert worden. Objekten der Wahrnehmung zusammen-
Bevor einem Gegenstand aber Eigen- gefaßt werden.
schaften zugewiesen werden können, muß
er zunächst erkannt, also von seiner Um- Über ihren Wert für die Beschreibung des
gebung unterschieden werden. Diese Iden- Wahrnehmungsvorgangs hinaus sind diese
tifikation eines Objekts in der Fülle ständig Regeln für den Lichtplaner auch von prak-
wechselnder Netzhautreize ist nicht weni- tischem Interesse. Jede Beleuchtungs-
ger problematisch als die Wahrnehmung anlage besteht aus einer Anordnung von
seiner Eigenschaften selbst. Es muß also Leuchten, sei es an der Decke, an den
gefragt werden, welche Mechanismen die Wänden oder im Raum. Diese Anordnung
Wahrnehmung von Objekten regeln oder, wird jedoch nicht unmittelbar wahrgenom-
allgemeiner ausgedrückt, wie der Wahr- men, sondern nach den Regeln der Gestalt-
nehmungsprozeß die Strukturen, auf die er wahrnehmung zu Figuren organisiert.
sein Augenmerk richtet, definiert und wie Die umgebende Architektur und die Licht-
er sie von ihrer Umgebung unterscheidet. wirkungen der Leuchten ergeben weitere
Muster, die in die Wahrnehmung einbe-
Ein Beispiel soll diesen Vorgang verdeutli- zogen werden.
chen. Auf der nebenstehenden Zeichnung Hierbei kann es dazu kommen, daß
Je nach Sichtweise wer- sieht man meist spontan eine weiße Vase diese Strukturen visuell so umorganisiert
den auf der Abbildung vor grauem Hintergrund. Bei genauerem werden, daß statt der angestrebten Muster
eine Vase oder zwei
gegenüberstehende Hinsehen stellt man jedoch fest, daß die ungeplante Formen wahrgenommen wer-
Gesichter erkannt. Zeichnung auch zwei sich anblickende, den. Ein anderer, unerwünschter Effekt
graue Gesichter auf weißem Untergrund kann sein, daß – wie z. B. beim Schachbrett-
darstellen kann. Sind die verborgenen Ge- muster – Figur und Grund nicht eindeutig
sichter einmal entdeckt, können abwech- festlegbar sind, so daß ein unruhiges, stän-
selnd sowohl die Gesichter als auch die dig umspringendes Bild entsteht. Die Ge-
Vase wahrgenommen werden, jedoch nur staltgesetze sollten also bei der Planung
sehr schwer Gesichter und Vase gleich- von Leuchtenanordnungen berücksichtigt
zeitig. werden.

33
2.1 Wahrnehmung
2.1.2 Wahrnehmungspsychologie

Gestaltgesetz der Nähe. Ein erstes, wesentliches Prinzip der Gestalt-


Leuchten werden zu wahrnehmung ist die Tendenz, geschlos-
Paaren zusammenge-
schlossen. sene Formen als Figur zu interpretieren.
Geschlossene Gestalten müssen dabei
nicht unbedingt eine durchgehende Kon-
tur besitzen. Nahe beieinander angeord-
nete Elemente werden nach einem weite-
ren Gestaltgesetz, dem Gesetz der Nähe,
zusammengefaßt und bilden eine einzige
Figur. So wird im nebenstehenden Beispiel
zunächst ein Kreis und erst danach eine
ringförmige Anordnung von Punkten ge-
sehen. Die Organisation der Punkte ist
dabei so stark, daß die gedachten Verbin-
dungslinien zwischen den einzelnen Punk-
ten nicht geradlinig, sondern auf der Kreis-
linie verlaufen; es entsteht kein Vieleck,
sondern ein perfekter Kreis.
Neben der Wirkung der Nähe existiert noch
ein weiterer Mechanismus, durch den un-
vollständig umschlossene Gebilde dennoch
als Figur wahrgenommen werden können.
Gestaltgesetz der Nähe. Eine geschlossene Form findet sich stets
Vier Punkte werden zu auf der Innenseite der sie begrenzenden
einem Quadrat zusam-
mengeschlossen, ab acht Linie – die formbildende Wirkung der Linie
Punkten bildet sich ein wirkt also nur in einer Richtung. Meist ist
Kreis. diese Innenseite mit der konkaven, um-
schließenden Seite einer Begrenzung iden-
tisch. Dies führt dazu, daß auch bei offenen
Kurven oder Winkeln eine Formwirkung
auftritt, die eine Figur auf der Innenseite
der Linie, also im teilweise umschlossenen
Bereich, sichtbar macht. Ergibt sich auf
diese Weise eine plausible Deutung des
Ausgangsmusters, so kann die Wirkung
der Innenseite sehr stark sein.
Oft besitzen Muster keine Formen, die
nach den Gesetzen der Geschlossenheit,
der Nähe oder der Innenseite zu Figuren
organisiert werden können. Auch in solchen
Fällen existieren jedoch Gestaltgesetze,
die bestimmte Anordnungen bevorzugt als
Figur erscheinen lassen. Hier wird der ein-
fache, logische Aufbau zum Kriterium, eine
Form als Figur wahrzunehmen, während
Die Downlightanord- komplexere Strukturen desselben Musters
nung wird nach dem für die Wahrnehmung im scheinbar durch-
Gesetz der guten Gestalt
zu zwei Linien zusam- gehenden Untergrund verschwinden. Eine
mengeschlossen. Durch Möglichkeit des oben angesprochenen, logi-
das Hinzufügen zweier schen Aufbaus ist die Symmetrie.
Rasterleuchten wird
die Anordnung jedoch
nach dem Gestalt- Eine ähnliche Wirkung geht von paralle-
gesetz der Symmetrie len, ebenbreiten Formen aus. Hier liegt
zu zwei Fünfergruppen zwar keine strenge Symmetrie vor, es ist
umorganisiert. jedoch ein ebenso klares Organisations-
prinzip erkennbar, das zu einer bevorzug-
ten Wahrnehmung als Figur führt.
Ist in einem Muster keine Symmetrie oder
Ebenbreite vorhanden, so reicht schon ein
einheitlicher Stil aus, um eine Form zur
Figur zu machen.
Neben der Leistung, Formen von ihrer Um-
gebung zu trennen, also Figur und Grund
zu unterscheiden, wird bei der Wahrneh-
mung auch das Verhältnis von Figuren
zueinander geklärt; sei es bei der Zusam-

34
2.1 Wahrnehmung
2.1.2 Wahrnehmungspsychologie

menfassung von Einzelformen zu einer Das letzte Gestaltgesetz bei der Gruppenbil-
Großform, sei es bei der Zusammenfassung dung stellt insofern einen Sonderfall dar, als
mehrerer Formen zu einer Gruppe. Auch es das Element der Bewegung mit ins Spiel
hier kommt wieder das Grundprinzip zum bringt. Beim Gesetz des „gemeinsamen
Tragen, das sich schon bei der Unterschei- Schicksals“ ist es nicht eine Ähnlichkeit
dung von Figur und Grund abzeichnete – der Struktur, sondern eine gemeinsame
die bevorzugte Wahrnehmung einfacher, Veränderung, vor allem der räumlichen
geordneter Gebilde. Lage, die Formen zu Gruppen zusammen-
schließt. Dies zeigt sich sehr anschaulich,
Ein grundlegendes Gestaltgesetz ist es wenn einige Formen einer bis dahin wohl-
hier, Linien bevorzugt als gleichmäßige, geordneten Gruppe sich gemeinsam be-
durchgehende Kurven oder Geraden wegen, weil sie, im Gegensatz zum Rest
wahrzunehmen, Knicke und Verzweigun- der Formen, auf einer darübergelegten
gen also zu vermeiden. Die Tendenz, durch- Folie gezeichnet sind. Hier macht die ge-
gehende Linien wahrzunehmen, ist so meinsame Bewegung der einen Gruppe
stark, daß sie die gesamte Deutung eines gegenüber der Unbewegtheit der rest-
Bildes beeinflussen kann. lichen Formen eine Zusammengehörigkeit
so wahrscheinlich, daß das Ausgangsbild
Gestaltgesetz der Im Bereich der flächigen Formen entspricht spontan uminterpretiert wird.
durchgehenden Linien. dem Gesetz der durchgehenden Linie das
Die Anordnung wird
als Kreuzung zweier Gesetz der guten Gestalt. Auch hier wer- Auf den ersten Blick scheinen diese Gestalt-
Linien interpretiert. den Formen so organisiert, daß sich mög- gesetze sehr abstrakt und ohne Bedeutung
lichst einfache, geordnete Figuren ergeben. für die Lichtplanung zu sein. Vor allem bei
der Entwicklung von Leuchtenanordnungen
Beim Zusammenschluß mehrerer Einzelfor- spielen Gestaltgesetze jedoch eine bedeut-
men zu Gruppen werden ähnliche Gestalt- same Rolle; eine geplante Anordnung von
gesetze wirksam wie bei der Organisation Leuchten kann in ihrer tatsächlichen Wir-
von Figur und Grund. Ein wesentliches Prin- kung völlig vom Entwurf abweichen, wenn
zip ist auch hier die Nähe von Formen. ihr Konzept die Mechanismen der Wahr-
nehmung ignoriert.
Ein weiteres Kriterium der Gruppenbildung
ist wiederum die Symmetrie. Vor allem bei
spiegelsymmetrischen Anordnungen um
eine vertikale Achse werden die gespiegel-
ten Formen jeweils zu Paaren zusammen-
gefaßt. Diese Wirkung kann so stark sein,
daß die Zusammenfassung benachbarter
Formen nach dem Gesetz der Nähe aus-
bleibt.
Neben der räumlichen Anordnung ist für
den Zusammenschluß zu Gruppen auch der
Aufbau der Formen selbst verantwortlich.
So werden die Formen im nebenstehenden
Beispiel nicht nach ihrer Nähe oder einer
möglichen Achsensymmetrie organisiert,
sondern in Gruppen gleicher Formen zu-
sammengefaßt. Dies Prinzip der Gleich-
Gesetz der guten Gestalt. artigkeit wird auch dann wirksam, wenn
Die Anordnung wird als die Formen einer Gruppe nicht identisch,
Überlagerung zweier
Rechtecke interpretiert. sondern nur ähnlich sind.

Gestaltgesetz der
Gleichartigkeit. Gleich-
artige Leuchten werden
zu Gruppen zusammen-
gefaßt.

35
2.1 Wahrnehmung
2.1.3 Physiologie des Auges

Schnitt durch das Auge,


schematische Darstel-
lung der für die Physio-
logie der Wahrnehmung
bedeutsamen Teile:

Hornhaut

Hohlraum
Netzhautgrube
(Fovea)

Linse

Glaskörper

Iris (Regenbogenhaut)
mit Pupille
als Sehöffnung
Ziliarmuskel zur Anpas-
sung der Linse an unter-
schiedliche Sehentfer-
nungen (Akkomodation)

Sehnerv

Netzhaut als Träger


der lichtempfindlichen
Rezeptorzellen
Aderhaut zur Blutver-
sorgung des Auges
Lederhaut

36
2.1 Wahrnehmung
2.1.3 Physiologie des Auges

2.1.3 Physiologie des Auges die Besonderheiten des Nachtsehens – vor


allem das Verschwinden von Farben, die
Ausgangspunkt dieses Kapitels ist die geringe Sehschärfe und die bessere Sicht-
Überlegung, daß es für die Beschreibung barkeit lichtschwacher Objekte in der Peri-
der visuellen Wahrnehmung des Menschen pherie des Sehfeldes – sind aus den Eigen-
nicht ausreicht, das Auge als optisches schaften des Stäbchensystems zu erklären.
System darzustellen – die eigentliche Lei-
stung der Wahrnehmung liegt nicht in der Der zweite Rezeptortyp, die Zapfen, bildet
Abbildung der Umwelt auf der Netzhaut, ein System mit unterschiedlichen Eigen-
sondern in der Interpretation dieses Ab- schaften, das unser Sehen bei größeren
bildes; in der Unterscheidung zwischen Lichtstärken, also am Tag oder bei künst-
Objekten mit konstanten Eigenschaften licher Beleuchtung bestimmt. Das Zapfen-
und ihrer veränderlichen Umgebung. Trotz system besitzt eine geringe Lichtempfind-
dieses Vorrangs der Verarbeitung vor der lichkeit und ist vor allem im zentralen
Abbildung dürfen jedoch das Auge und Bereich um die Fovea konzentriert. Es er-
seine Eigenschaften nicht außer acht ge- möglicht aber das Sehen von Farben und
lassen werden; neben der Psychologie ist eine große Sehschärfe bei der Betrachtung
naturgemäß aber auch die Physiologie des von Objekten, die fixiert werden, deren
Auges ein wesentlicher Faktor der Wahr- Bild also in die Fovea fällt.
nehmung. Im Gegensatz zum Stäbchensehen wird
nicht das gesamte Sehfeld gleichmäßig
Das Auge ist zunächst ein optisches System wahrgenommen; der Schwerpunkt der
zur Abbildung von Objekten auf der Netz- Wahrnehmung liegt in dessen Zentrum.
haut. Interessanter als dieses optische Der Rand des Sehfeldes ist allerdings nicht
System, das schon beim Vergleich von Auge völlig ohne Einfluß; werden dort interes-
und Kamera beschrieben wurde, ist aber sante Phänomene wahrgenommen, so
die Fläche, auf der die Abbildung erfolgt – richtet sich der Blick unwillkürlich auf die-
die Netzhaut. In dieser Schicht erfolgt die sen Punkt, der dann in der Fovea abgebildet
Umsetzung des abgebildeten Leuchtdichte- und genauer wahrgenommen wird. Ein
musters in Nervenreize; die Netzhaut muß wesentlicher Anlaß für diese Verlagerung
also lichtempfindliche Rezeptoren besitzen, der Blickrichtung ist neben auftretenden
die zahlreich genug sind, um die hohe Auf- Bewegungen und auffallenden Farben
lösung des visuellen Bildes zu ermöglichen. oder Mustern das Vorhandensein hoher
Leuchtdichten – der Blick und die Auf-
Bei näherer Betrachtung zeigt es sich, daß merksamkeit des Menschen lassen sich
diese Rezeptoren nicht in einem gleich- also durch Licht lenken.
förmigen Raster angeordnet sind; die Netz-
haut hat einen komplizierteren Aufbau. Eine der bemerkenswertesten Leistungen Anzahl N von Zapfen
Zunächst ist hier die Existenz zweier un- des Auges ist seine Fähigkeit, sich auf un- und Stäbchen auf dem
Augenhintergrund in
terschiedlicher Rezeptortypen zu nennen, terschiedliche Beleuchtungsverhältnisse Abhängigkeit vom Seh-
der Zapfen und der Stäbchen. Auch die einzustellen; wir nehmen unsere Umwelt winkel
räumliche Verteilung ist nicht einheitlich. sowohl im Mondlicht als auch im Sonnen-
An einem Punkt, dem sogenannten „blin- licht wahr, obwohl sich die Beleuchtungs- N temporal nasal
den Fleck“, finden sich überhaupt keine stärke hierbei um den Faktor 10 5 unter- 16 .104
Rezeptoren, weil dort die gebündelten Seh- scheidet. Die Leistungsfähigkeit des Auges
nerven in die Netzhaut münden. Anderer- erstreckt sich sogar über einen noch grö- 12 .104
seits existiert auch ein Bereich besonders ßeren Bereich – ein schwach leuchtender
hoher Rezeptordichte, ein als Fovea be- Stern am Nachthimmel wird noch wahr- 8 .104 Stäbchen
zeichnetes Gebiet, das im Brennpunkt der genommen, obwohl er im Auge nur eine Zapfen
Linse liegt. In diesem zentralen Bereich be- Beleuchtungsstärke von 10 –12 lx erreicht. 4 .104 blinder Fleck
finden sich extrem viele Zapfen, während
die Zapfendichte zur Peripherie hin stark Diese Anpassungsfähigkeit wird nur zu
abnimmt. Dort wiederum befinden sich die einem sehr kleinen Teil durch die Pupille 60˚ 40˚ 20˚ 0˚ 20˚ 40˚ 60˚
Stäbchen, die in der Fovea völlig fehlen. bewirkt, die den Lichteinfall etwa im Ver-
hältnis von 1:16 regelt; der größte Teil der 1,0
Der Grund für diese Anordnung unter- Adaptationsleistung wird von der Netz-
schiedlicher Rezeptortypen liegt in der haut erbracht. Hierbei werden vom Stäb- 0,8
Existenz zweier visueller Systeme im Auge. chen- und Zapfensystem Bereiche unter-
Das entwicklungsgeschichtlich ältere dieser schiedlicher Lichtintensität abgedeckt; das 0,6
Systeme wird von den Stäbchen gebildet. Stäbchensystem ist im Bereich des Nacht-
Seine besonderen Eigenschaften sind eine sehens (skotopisches Sehen) wirksam, die 0,4 V' V
hohe Lichtempfindlichkeit und eine große Zapfen ermöglichen das Tagsehen (photo- 0,2
Wahrnehmungsfähigkeit für Bewegungen pisches Sehen), während im Übergangs-
im gesamten Gesichtsfeld. Andererseits ist bereich des Dämmerungssehens (mesopi-
mit den Stäbchen kein Farbsehen möglich; sches Sehen) beide Rezeptorsysteme akti- 400 500 600 700 800 ¬ (nm)
die Sehschärfe ist gering, und es können viert sind.
keine Objekte fixiert, also im Zentrum des Obwohl das Sehen also über einen sehr Relative Hellempfind-
Sehfeldes genauer betrachtet werden. großen Bereich von Leuchtdichten möglich lichkeit von Zapfen V
und Stäbchen V' in
Auf Grund der großen Lichtempfind- ist, existieren für die Kontrastwahrnehmung Abhängigkeit von der
lichkeit wird das Stäbchensystem beim in jeder einzelnen Beleuchtungssituation Wellenlänge ¬
Nachtsehen unterhalb von ca. 1lx aktiviert; deutlich engere Grenzen. Der Grund hierfür

37
2.1 Wahrnehmung
2.1.4 Gegenstände der Wahrnehmung

liegt in der Tatsache, daß das Auge nicht


den gesamten Bereich sichtbarer Leucht-
dichten gleichzeitig abdecken kann, son-
dern sich jeweils für einen bestimmten,
engen Teilbereich adaptiert, in dem dann
eine differenzierte Wahrnehmung möglich
1 ist. Objekte, die für einen bestimmten Adap-
45˚ tationszustand eine zu hohe Leuchtdichte
besitzen, blenden, wirken also undifferen-
ziert hell; Objekte zu geringer Leuchtdichte

10˚ 2
wirken dagegen undifferenziert dunkel.
1,70 m Das Auge kann sich zwar auf neue
20˚ 3 Leuchtdichteverhältnisse einstellen, es
45˚ wählt dabei aber lediglich einen neuen,
ebenso begrenzten Teilbereich aus. Zusätz-
lich benötigt dieser Prozeß der Adaptation
Zeit; die Neuadaption an hellere Situatio-
nen verläuft dabei relativ rasch, während
die Dunkeladaption erheblich längere Zeit
benötigen kann. Anschauliche Beispiele
hierfür sind die Blendungsempfindungen
beim Wechsel von einem dunklen Kinosaal
ins Tageslicht bzw. die vorübergehende
1 Nachtblindheit beim Betreten eines mini-
30˚ mal beleuchteten Raums. Sowohl die Tat-
sache, daß Leuchtdichtekontraste vom
Auge nur in einem gewissen Umfang ver-
0˚ arbeitet werden können, wie die Tatsache,
2 daß die Adaptation an ein neues Beleuch-
1,20 m tungsniveau Zeit benötigt, hat Auswirkun-
25˚ gen auf die Lichtplanung; so z. B. bei der
35˚ bewußten Planung von Leuchtdichtestufen
in einem Raum oder bei der Anpassung
3 von Beleuchtungsniveaus in benachbarten
60˚ Bereichen.
Sehraum (1), bevorzug- 1
ter Sehraum (2) und 65˚ 2.1.4 Gegenstände der Wahrnehmung
optimaler Blickbereich 2
(3) eines stehenden 30˚
(oben) und sitzenden 15˚ 3 Bei der Beschreibung der psychologischen
Menschen (Mitte, unten) Mechanismen des Wahrnehmungsprozes-
bei vertikalen Sehauf- 0˚ ses und ihrer physiologischen Vorausset-
gaben
zungen ist ein dritter Bereich nur am Rande
15˚ erwähnt worden – die Inhalte der Wahr-
30˚ nehmung. Was gesehen wurde, waren bis-
65˚
her entweder ganz allgemein „Objekte“
und „Formen“ oder ausgewählte Beispiele,
an denen sich ein bestimmter Mechanis-
mus anschaulich machen ließ. Die Wahr-
nehmung nimmt aber nicht unterschieds-
los jedes Objekt im Sehfeld wahr; schon
die Bevorzugung des fovealen Bereichs,
das Fixieren kleiner, wechselnder Aus-
schnitte zeigt, daß der Wahrnehmungs-
Häufigkeit H des Blick- 1,0 H prozeß gezielt bestimmte Bereiche aus-
winkels å bei horizon- wählt. Diese Auswahl ist unvermeidlich,
talen Sehaufgaben. Be- 0,6
vorzugter Blickbereich weil das Gehirn nicht in der Lage ist, die
zwischen 15° und 40°, 0,2
å
gesamte visuelle Information des Seh-
bevorzugter Blickwin- feldes zu verarbeiten; sie ist darüber hin-
15˚ 25˚ 40˚
kel 25° aus aber auch sinnvoll, weil nicht jede
90˚ Information, die aus der Umwelt abgele-
1,20 m sen werden kann, für den Wahrnehmen-
den von Interesse ist.
15˚ 25˚ 40˚ Jeder Versuch, die visuelle Wahrnehmung
sinnvoll zu beschreiben, muß sich also auch
Bevorzugter Blickbereich mit den Kriterien beschäftigen, nach denen
bei horizontalen Seh- die Auswahl des Wahrgenommenen erfolgt.
aufgaben. Bevorzugter
Blickwinkel 25° Ein erster Bereich, in dem gezielt Infor-
mationen aufgenommen werden, ergibt
sich aus der jeweiligen Aktivität des Wahr-

38
2.1 Wahrnehmung
2.1.4 Gegenstände der Wahrnehmung

Typische Beleuchtungs- nehmenden. Diese Aktivität kann eine be- Wissen über Vorgänge in der Umgebung.
stärken E und Leucht- stimmte Arbeit, die Fortbewegung oder Fehlen diese Informationen, z. B. in großen,
dichten L unter Tages-
licht und künstlicher jede andere Tätigkeit sein, für die visuelle fensterlosen Gebäuden, wird die Situation
Beleuchtung Informationen benötigt werden. oft als unnatürlich und bedrückend emp-
Die aufgenommenen Informationen funden.
E (lx) unterscheiden sich dabei je nach der Art Ein dritter Bereich ergibt sich aus den
Sonnenlicht 100 000 der Aktivität; ein Autofahrer hat andere sozialen Bedürfnissen des Menschen. Hier
bedeckter Himmel 10 000 Sehaufgaben als ein Fußgänger; ein Fein- müssen die einander widersprechenden
Arbeitsplatzbeleuchtung 1000 mechaniker verarbeitet andere Informa- Forderungen nach dem Kontakt mit ande-
Verkehrszonenbeleuchtung 100 tionen als ein Lagerarbeiter. Merkmal einer ren Menschen und nach einem abgegrenz-
Straßenbeleuchtung 10 Sehaufgabe kann z. B. ihre Größe oder ten Privatbereich gegeneinander abgewo-
Mondlicht 1 räumliche Lage sein; es spielt eine Rolle, gen werden. Sowohl aus den Aktivitäten,
ob die Sehaufgabe bewegt ist oder nicht, die in einer Umgebung ausgeführt werden
L (cd/m2) ob kleine Details oder geringe Kontraste sollen, als auch aus den grundlegenden
Sonnenlicht 1000 000 000 erfaßt werden müssen, ob Farben oder biologischen Bedürfnissen entstehen also
Glühlampe (mattiert) 100 000 Oberflächenstrukturen ihre wesentlichen Schwerpunkte für die Aufnahme visueller
Leuchtstofflampe 10 000 Eigenschaften sind. Aus diesen typischen Informationen. Bereiche, die eine bedeut-
besonnte Wolken 10 000 Merkmalen lassen sich wiederum Beleuch- same Information versprechen – sei es
blauer Himmel 5 000 tungsbedingungen ableiten, unter denen von sich aus, sei es durch die Betonung
Lichtdecken 500 die Sehaufgabe optimal wahrgenommen mit Hilfe von Licht – , werden bevorzugt
Spiegelraster-Leuchten 100 werden kann; es können Beleuchtungs- wahrgenommen; sie lenken die Aufmerk-
bevorzugte Werte in Innenräumen 50–500 weisen definiert werden, die die Durch- samkeit auf sich. Der Informationsgehalt
weißes Papier bei 500 lx 100 führung bestimmter Tätigkeiten optimie- eines Objekts ist also zunächst für seine
Bildschirm (negativ) 10–50 ren. Vor allem in den Bereichen Arbeitswelt Auswahl als Wahrnehmungsgegenstand
weißes Papier bei 5 lx 1 und Verkehr sind für zahlreiche Tätigkeiten verantwortlich. Darüber hinaus beeinflußt
Untersuchungen der jeweiligen Sehauf- der Informationsgehalt aber auch die
gaben und der daraus ableitbaren optima- Weise, in der ein Objekt wahrgenommen
len Wahrnehmungsbedingungen vorge- und bewertet wird.
nommen worden; sie bilden die Grundlage Dies zeigt sich besonders anschaulich
der Normen und Empfehlungen für die am Phänomen der Blendung. Ein Opalglas-
Beleuchtung von Arbeitsstätten und Ver- fenster ruft bei genügend starker Außen-
kehrswegen. beleuchtung Blendung hervor; eine Tat-
Über den spezifischen Informations- sache, die physiologisch aus dem großen
bedarf hinaus, der sich aus einer bestimm- Kontrast zwischen der Leuchtdichte des
ten Aktivität ergibt, existiert jedoch ein Fensters und der deutlich niedrigen Leucht-
weiterer, grundlegender Bedarf nach vi- dichte der umgebenden Wände erklärt
sueller Information. Dieser Informations- werden kann. Bei einem Fenster, das einen
bedarf ist unabhängig von bestimmten interessanten Ausblick auf die Umgebung
Situationen, er entsteht aus dem biologi- ermöglicht, ist der Kontrast zwar noch
schen Bedürfnis des Menschen, sich über größer, die zu erwartende Blendung bleibt
seine Umwelt zu informieren. Während jedoch aus. Blendung kann also nicht aus-
durch die Schaffung optimaler Wahrneh- schließlich physiologisch erklärt werden,
1 mungsbedingungen für bestimmte Tätig- sie tritt verstärkt auf, wenn eine helle, aber
keiten vor allem ein effektives Arbeiten informationslose Fläche den Blick auf sich
2 ermöglicht wird, hängt von der Befriedi- zieht; selbst hohe Leuchtdichtekontraste
gung des biologisch bedingten Informa- werden dagegen als blendfrei empfunden,
3 tionsbedarfs das subjektive Befinden in wenn der wahrgenommene Bereich inter-
einer visuellen Umgebung ab. essante Informationen zu bieten hat. Hier
4 Ein großer Teil der benötigten Infor- wird deutlich, daß es nicht sinnvoll ist,
mationen resultiert dabei aus dem Sicher- lichttechnische Größen – z. B. Grenzwerte
5 heitsbedürfnis des Menschen. Um mögliche für Leuchtdichten oder Beleuchtungsstär-
6 7 L (cd/m2) Gefahren einschätzen zu können, muß ken – losgelöst vom jeweiligen Kontext
10-8 10-6 10-4 10-2 10 0 10 2 10 4 10 6 10 8 eine Umgebung in ihrem Aufbau verstan- vorzugeben, da die tatsächliche Wahrneh-
den werden. Dies betrifft sowohl die Orien- mung dieser Größen durch die Verarbei-
Bereiche der Leucht- tierung – das Wissen über den eigenen tung der vorhandenen Informationen be-
dichte L des Stäbchen- Standort, die Wege und die möglichen einflußt wird.
sehens (1), mesopischen
Sehens (2) und Zapfen- Ziele – als auch das Wissen über die Eigen-
sehens (3). Leuchtdich- schaften der Umgebung. Diese Kenntnisse
ten (4) und bevorzugte oder das Fehlen dieser Informationen be-
Leuchtdichten (5) in stimmen unser Befinden und unser Verhal-
Innenräumen. Absolute
Sehschwelle (6) und ten. Sie bewirken die unruhige und ge-
Schwelle der Absolut- spannte Aufmerksamkeit in fremden oder
blendung (7) gefahrenträchtigen Situationen; sie be-
wirken aber auch die Ruhe und Entspan-
nung in einer vertrauten und sicheren
Umgebung.
Weitere Informationen über die Um-
welt werden benötigt, um das Verhalten
an die jeweilige Situation anpassen zu
können. Dies beinhaltet die Kenntnis über
das Wetter und die Tageszeit sowie das

39
2.2 2.2 Größen und Einheiten

Größen und In der Lichttechnik wird eine Reihe von


Größen benutzt, um die Eigenschaften von
Einheiten Lichtquellen oder deren Lichtwirkungen
quantitativ darstellen zu können.

2.2.1 Lichtstrom

[Ï] = Lumen (lm) Der Lichtstrom beschreibt die gesamte von


einer Lichtquelle abgegebene Lichtleistung.
Grundsätzlich könnte diese Strahlungs-
leistung als abgegebene Energie in der
Einheit Watt erfaßt werden. Die optische
Wirkung einer Lichtquelle wird auf diese
Weise jedoch nicht zutreffend beschrieben,
Der Lichtstrom Ï ist ein
Maß für die Lichtleistung da die abgegebene Strahlung unterschieds-
einer Lichtquelle los über den gesamten Frequenzbereich
erfaßt und die unterschiedliche spektrale
Empfindlichkeit des Auges somit nicht be-
rücksichtigt wird.
Durch die Einbeziehung der spektralen
Empfindlichkeit des Auges ergibt sich die
Größe Lumen. Ein im Maximum der spek-
Ï tralen Augenempfindlichkeit (photopisch,
555 nm) abgegebener Strahlungsfluß von
1 W erzeugt einen Lichtstrom von 683 lm.
Dagegen erzeugt der gleiche Strahlungs-
fluß in Frequenzbereichen geringerer Emp-
findlichkeit gemäß der V (¬)-Kurve entspre-
chend kleinere Lichtströme.

2.2.2 Lichtausbeute

æ= Ï Die Lichtausbeute beschreibt den Wir-


P kungsgrad eines Leuchtmittels. Sie wird
durch das Verhältnis von abgegebenem
[æ] = Im Lichtstrom in Lumen und aufgewendeter
W Leistung in Watt ausgedrückt. Der theore-
tisch erreichbare Maximalwert bei völliger
Umsetzung der Energie in sichtbares Licht
wäre 683 lm/W. Die tatsächlich erreich-
baren Lichtausbeuten variieren je nach
Leuchtmittel, bleiben jedoch stets weit
unter diesem Idealwert.

2.2.3 Lichtmenge

Q=Ï.t Als Lichtmenge wird das Produkt von Zeit


und abgegebenem Lichtstrom bezeichnet;
[Q] = Im . h die Lichtmenge erfaßt also die in einem
Zeitraum abgegebene Lichtenergie. In der
Regel wird die Lichtmenge in klm · h ange-
geben.
Die Lichtstärke I ist ein
Maß für den pro Raum-
winkel Ø abgegebenen 2.2.4 Lichtstärke
Lichtstrom Ï.
I= Ï Eine ideale, punktförmige Lichtquelle
Ø strahlt ihren Lichtstrom gleichmäßig in alle
Richtungen des Raumes ab, ihre Licht-
[I] = Im stärke ist in allen Richtungen gleich. In der
sr Praxis ergibt sich jedoch stets eine un-
Im = Candela (cd) gleichmäßige räumliche Verteilung des
I Ï Ø sr Lichtstroms, die teils durch den Aufbau der
Leuchtmittel bedingt ist, teils durch be-
wußte Lenkung des Lichts bewirkt wird.
Es ist also sinnvoll, ein Maß für die räum-
liche Verteilung des Lichtstroms, d. h. die
Lichtstärke des Lichts anzugeben.

40
2.2 Größen und Einheiten

C 0/180˚
Die Candela als Einheit der Lichtstärke ist
die einzige Grundeinheit der Lichtechnik,
C 90/270˚ von der alle weiteren lichttechnischen
Größen abgeleitet werden. Ursprünglich
wurde die Candela durch die Lichtstärke
einer normierten Kerze definiert, später
diente Thoriumpulver bei der Temperatur
erstarrenden Platins als Normal; seit 1979
90˚ ist die Candela durch eine Strahlungs-
I quelle definiert, die bei einer Frequenz von
0˚ 540 · 1012 Hz 1/683 W pro Steradiant aus-
strahlt.
Lichtstärkeverteilungs- Die räumliche Verteilung der Licht-
körper einer rotations- stärke einer Lichtquelle ergibt einen drei-
symmetrisch abstrah-
lenden Lichtquelle. Ein dimensionalen Lichtstärkeverteilungskör-
Schnitt in der C-Ebene per als Graph. Der Schnitt durch diesen
durch diesen Licht- Lichtstärkekörper ergibt die Lichtstärke-
stärkeverteilungskörper verteilungskurve, die die Lichtstärke-
ergibt die Lichtstärke-
verteilungskurve. verteilung in einer Ebene beschreibt. Die
Lichtstärke wird dabei meist in einem
Polarkoordinatensystem als Funktion des
Ausstrahlungswinkels eingetragen. Um die
Lichtstärkeverteilung unterschiedlicher
Lichtquellen direkt vergleichen zu können,
C 0/180˚ werden die Angaben jeweils auf 1000 lm
Lichtstrom bezogen. Bei rotationssymme-
trischen Leuchten reicht eine einzige Licht-
C 90/270˚ stärkeverteilungskurve zur Beschreibung
der Leuchte aus, achsensymmetrische
Leuchten benötigen zwei Kurven, die aller-
90˚
dings meist in einem einzigen Diagramm
dargestellt werden. Für engstrahlende
Leuchten, z. B. Bühnenscheinwerfer, reicht
I die Genauigkeit des Polarkoordinatendia-
0˚ gramms nicht aus, so daß hierbei eine
Darstellung im kartesischen Koordinaten-
Lichtstärkeverteilungs- system üblich ist.
körper und Lichtstärke-
verteilungskurven
(Ebenen C 0/180° und
C 90/270°) einer achsen-
symmetrisch abstrah-
lenden Leuchte
Auf 1000 lm normierte
Lichtstärkeverteilungs-
kurve, dargestellt in
Polarkoordinaten und
kartesischen Koordina-
ten. Der Winkelbereich,
innerhalb dessen die
maximale Lichtstärke l'
auf l'/2 abnimmt, kenn-
zeichnet den Ausstrah-
lungswinkel ∫. Der Ab-
blendwinkel å ergänzt
den Grenzausstrah-
lungswinkel © G zu 90°.

-90˚ å 90˚
I'
I'
ß 2

-60˚ 60˚ I'


©G
I = I' . Ï 2
©G
[I] = cd I' å ß å
[I'] = cd/kIm
[Ï] = kIm -30˚ 0˚ 30˚ -40˚ -20˚ 0˚ 20˚ 40˚

Umrechnung der auf


1000 lm bezogenen
Lichtstärke l' in die
effektive Lichtstärke l

41
2.2 Größen und Einheiten

Beleuchtungsstärke E 2.2.5 Beleuchtungsstärke


als Maß für den pro
Flächeneinheit A auf-
treffenden Lichtstrom Die Beleuchtungsstärke ist ein Maß für
die Lichtstromdichte. Sie ist als das Ver-
hältnis des auf eine Fläche fallenden Licht-
F E A stroms zur Größe dieser Fläche definiert.
Die Beleuchtungsstärke ist dabei nicht an
eine reale Oberfläche gebunden, sie kann
an jeder Stelle des Raums bestimmt wer-
den. Die Beleuchtungsstärke kann aus der
Lichtstärke abgeleitet werden. Die Beleuch-
tungsstärke nimmt dabei mit dem Qua-
Horizontale Beleuch- drat der Entfernung von der Lichtquelle ab
tungsstärke E h und ver- (photometrisches Entfernungsgesetz).
tikale Beleuchtungs-
stärke Ev in Innenräumen

2.2.6 Belichtung
Eh Ev
Als Belichtung wird das Produkt aus der
Beleuchtungsstärke und der Belichtungs-
dauer, mit der eine Fläche beleuchtet wird,
bezeichnet. Die Belichtung spielt vor allem
bei der Berechnung von Lichtbelastungen
auf Exponaten, z. B. in Museen, eine Rolle.
Em = F
Die mittlere horizontale
Beleuchtungsstärke Em
berechnet sich aus dem
A
Lichtstrom Ï , der auf 2.2.7 Leuchtdichte
die betrachtete Fläche A F
fällt. Während die Beleuchtungsstärke die auf
eine Fläche treffende Lichtleistung erfaßt,
Em beschreibt die Leuchtdichte das von dieser
Fläche ausgehende Licht. Dies Licht kann
A dabei von der Fläche selbst ausgehen (z.B.
bei der Leuchtdichte von Lampen und
Leuchten). Die Leuchtdichte ist hierbei
definiert als das Verhältnis der Lichtstärke
Ep = I2
Die Beleuchtungsstärke und der auf die Ebene senkrecht zur Aus-
an einem Punkt E p be-
rechnet sich aus der
a strahlungsrichtung projizierten Fläche.
Lichtstärke l und dem [Ep] = Ix Das Licht kann aber auch von der Flä-
Abstand a zwischen a I che reflektiert oder transmittiert werden.
der Lichtquelle und Für gestreut reflektierende (matte) und für
dem betrachteten Punkt. [I] = cd
gestreut transmittierende (trübe) Materia-
Ep [a] = m lien kann die Leuchtdichte hierbei aus der
Beleuchtungsstärke und dem Reflexions-
bzw. Transmissionsgrad berechnet werden.
Die Leuchtdichte bildet somit die
Grundlage der wahrgenommenen Hellig-
keit; der tatsächliche Helligkeitseindruck
L= I
Die Leuchtdichte L einer wird allerdings noch vom Adaptations-
selbstleuchtenden Flä-
che ergibt sich aus dem
Ap zustand des Auges, den umgebenden Kon-
trastverhältnissen und dem Informations-
[L] = cd2
Verhältnis von Licht-
stärke l und ihrer proji- m gehalt der gesehenen Fläche beeinflußt.
zierten Fläche A p .
I Ap
L

Die Leuchtdichte einer


L1 = Eh . R1
diffus reflektierenden
beleuchteten Fläche
π
ist proportional zur Ev . R2
L2 =
Beleuchtungsstärke
und dem Reflektions-
π
grad der Fläche.
Eh Ev R2 L2 [L] = 2cd
m
R1 L1 [E] = Ix

42
2.3 2.3 Licht und Lichtquellen

Licht und Licht, die Grundlage allen Sehens, ist für


den Menschen eine selbstverständliche
Die erste künstliche Lichtquelle war die
selbstleuchtende Flamme des Feuers, in
Lichtquellen Erscheinung. Helligkeit, Dunkelheit und
das Spektrum der sichtbaren Farben sind
der glühende Kohlenstoffpartikel ein Licht
erzeugen, das ebenso wie das Sonnenlicht
uns so vertraut, daß eine andere Wahrneh- ein kontinuierliches Spektrum besitzt. Für
mung in einem anderen Frequenzbereich lange Zeit basierte die Technik der Licht-
und mit abweichenden Farbempfindungen erzeugung auf diesem Prinzip, das aller-
kaum vorstellbar erscheint. Tatsächlich ist dings von Fackel und Kienspan über Kerze
das sichtbare Licht aber nur ein kleiner Aus- und Öllampe bis hin zum Gaslicht immer
schnitt aus dem wesentlich breiteren Spek- effektiver ausgenutzt wurde.
trum der elektromagnetischen Wellen, das Mit der Entwicklung des Glühstrumpfs
von den kosmischen Strahlen bis zu den für die Gasbeleuchtung in der zweiten
Radiowellen reicht. Hälfte des 19. Jhdt.s war das Prinzip der
Daß gerade der Bereich von 380 bis selbstleuchtenden Flamme dann aber über-
780 nm, das „sichtbare Licht“, die Grund- holt; an ihre Stelle trat ein Stoff, der durch
lage des menschlichen Sehens bildet, ist Erhitzen zum Leuchten gebracht werden
allerdings kein Zufall. Gerade dieser Be- konnte – die Flamme diente nun nur noch
reich steht auf der Erde als Sonnenstrah- zur Erzeugung der benötigten Temperatur.
lung relativ gleichmäßig zur Verfügung Fast gleichzeitig entstand der Beleuchtung
und kann so als zuverlässige Grundlage durch Gasglühstrümpfe aber Konkurrenz
der Wahrnehmung dienen. durch die Entwicklung von elektrischen
Das Auge des Menschen nutzt also Bogen- und Glühlampen, zu denen am
einen zur Verfügung stehenden Ausschnitt Ende des 19. Jhdt.s noch die Entladungs-
des Spektrums der elektromagnetischen lampen hinzukamen.
Wellen, um sich über seine Umwelt zu in-
formieren. Es nimmt die Menge und Ver- In den dreißiger Jahren dieses Jahrhun-
teilung des Lichts wahr, das von Körpern derts war das Gaslicht schließlich fast völlig
abgestrahlt oder reflektiert wird, um sich durch die Palette elektrischer Leuchtmittel
über deren Vorhandensein und deren Be- abgelöst, auf deren Wirkungsweisen alle
schaffenheit zu informieren; es nimmt dar- modernen Lichtquellen basieren. Die elek-
über hinaus noch die Farbe des abgege- trischen Lichtquellen können dabei in zwei
benen Lichts wahr, um eine zusätzliche Hauptgruppen unterteilt werden, die sich
Information über diese Körper zu erhalten. durch unterschiedliche Verfahren zur Um-
setzung von elektrischer Energie in Licht
Das Auge des Menschen ist aus seiner Ent- unterscheiden. Eine Gruppe bilden dabei die
wicklung heraus an die einzige Lichtquelle Temperaturstrahler, sie umfaßt Glühlam-
1,0 Se (%) angepaßt, die ihm während Jahrmillionen pen und Halogen-Glühlampen. Die zweite
zur Verfügung stand – die Sonne. So ist das Gruppe bilden die Entladungslampen; sie
0,8 Auge in dem Bereich am empfindlichsten, umfaßt ein breites Spektrum von Licht-
in dem auch das Maximum der Sonnen- quellen, z. B. alle Formen von Leuchtstoff-
0,6 strahlung liegt, und so ist auch die Farb- lampen, Quecksilberdampf- oder Natrium-
wahrnehmung auf das kontinuierliche dampf-Entladungslampen sowie Halogen-
0,4
Spektrum des Sonnenlichts abgestimmt. Metalldampflampen.
0,2
ß
¬ (nm)
500 1000 1500 2000 2500

Relative spektrale Ver- 10 16 ¬ (nm) Tonfrequenzen 850 ¬ (nm)


teilung S e (¬) der Glo-
balstrahlung (Sonnen-
und Himmelslicht) mit 10 14 800
IR-Strahlung
einem deutlichen Maxi- Langwelle
mum im sichtbaren Be- 10 12 750
reich Mittelwelle
Kurzwelle
10 10 700
Ultra-Kurzwelle
Dezimeterwellen
10 8 650
Zentimeterwellen
Mikrowellen
10 6 Radar 600

10 4 550
IR-Strahlung
10 2 500
UV-Strahlung
Röntgenstrahlung
10 0 450
Bereiche der elektro- Gammastrahlen
magnetischen Strah- 10 - 2 400
lung. Das Spektrum der
sichtbaren Strahlung 10 - 4 kosmische Höhenstrahlung 350
umfaßt den schmalen UV-Strahlung
Bereich zwischen 380
und 780 nm. 10 - 6 300

43
2.3 Licht und Lichtquellen

Technische Lampen

Temperaturstrahler Entladungslampen

Niederdrucklampen Hochdrucklampen

Glühlampen Halogen-Glühlampen Leuchtstofflampen Quecksilberdampf-


lampen

Niedervolt- Kompakte Halogen-


Halogenlampen Leuchtstofflampen Metalldampflampen

Natriumdampf- Natriumdampf-
Niederdrucklampen Hochdrucklampen

Darstellung der Einord- ladungslampen wird


nung elektrischer Licht- zusätzlich in Nieder-
quellen nach der Art druck- und Hochdruck-
ihrer Lichterzeugung. lampen gegliedert. In
Bei technischen Lampen der zeitlichen Entwick-
wird hier hauptsächlich lung der einzelnen Grup-
zwischen Temperatur- pen zeigt sich deutlich
strahlern und Entla- der Trend zu kompakten
dungslampen unterschie- Lichtquellen wie Nieder-
den; die Gruppe der Ent- volt-Halogenlampen,
kompakten Leuchtstoff-
lampen oder Halogen-
Metalldampflampen.

44
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.1 Glühlampen

2.3.1 Glühlampen
Die Glühlampe ist ein Temperaturstrahler.
Ihre Wirkungsweise beruht darauf, daß
eine Metallwendel zu glühen beginnt,
wenn sie durch elektrischen Strom hoch
genug erhitzt wird. Mit zunehmender
Temperatur verschiebt sich das Spektrum
des abgestrahlten Lichtes in den Bereich
kürzerer Wellenlängen – die Rotglut der
Wendel wird zum warmweißen Licht der
Glühlampe. Die Wendeltemperatur beträgt
hierbei, je nach Lampentyp und Leistung, Glühlampen mit Wolf-
bis zu 3000 K, bei Halogen-Glühlampen ramwendel in einem
evakuierten oder gas-
sogar über 3000 K. Das Maximum der gefüllten Glaskolben.
Strahlung liegt bei diesen Temperaturen Freistrahlende Allge-
noch im infraroten Bereich, so daß im Ver- brauchslampe (links)
gleich zum sichtbaren Anteil sehr viel und Preßglaslampe mit
integriertem Parabol-
Wärmestrahlung, dagegen sehr wenig UV- reflektor (rechts)
Strahlung abgegeben wird. Eine weitere
Erhöhung der Lampentemperatur, die eine
entsprechende Erhöhung der Lichtaus-
beute und eine kältere Lichtfarbe bewirken
würde, ist durch das Fehlen eines geeig-
neten Wendelmaterials ausgeschlossen.
Wie alle erhitzten Festkörper – oder das
hochkomprimierte Gas der Sonne – strahlt
die Glühlampe ein kontinuierliches Spek-
trum ab, der Kurvenzug der spektralen
Strahlungsverteilung ist also geschlossen
und setzt sich nicht aus einzelnen Linien
zusammen. Die Erhitzung der Glühwendel
wird durch ihren hohen elektrischen Wider-
stand erreicht – elektrische Energie wird in
Strahlungsenergie umgesetzt, von der ein
Teil als Licht sichtbar ist. Diesem einfachen
Prinzip stehen jedoch erhebliche praktische
Probleme bei der Konstruktion einer Glüh-
lampe gegenüber. So besitzen nur wenige
leitende Stoffe einen genügend hohen
Schmelzpunkt und gleichzeitig unterhalb
des Schmelzpunkts eine so geringe Ver-
dampfungsgeschwindigkeit, daß sie zu
Glühwendeln verarbeitet werden können.
In der Praxis wird heute fast ausschließlich
Wolfram für die Herstellung von Glüh-
wendeln verwendet, weil es erst bei 3653 K
schmilzt und eine niedrige Verdampfungs- Spektrale Verteilung 100 Se (%)
geschwindigkeit besitzt. Das Wolfram wird Se (¬) eines Tempera-
turstrahlers bei unter-
zu feinen Drähten verarbeitet und zu Ein- schiedlichen Wendel- 80
fach- oder Doppelwendeln gewickelt. temperaturen. Mit ¬ max
Die Wendel befindet sich bei der Glüh- zunehmender Tempera- 60 4000 K
lampe in einem Weichglaskolben, der rela- tur verschiebt sich das
Maximum der Strah- 40
tiv groß ist, um die Lichtverluste durch lung in den sichtbaren 3500 K
Ablagerungen verdampften Wolframs Bereich.
20 3000 K
(Schwärzung) gering zu halten. Um das ß
2500 K
Oxidieren der Wendel zu verhindern, ist
der Kolben bei geringeren Lichtleistungen 400 600 800 1000 1200 1400 ¬ (mm)
evakuiert, bei höheren Lichtleistungen mit
Stickstoff oder einem Stickstoff-Edelgas- Dimmverhalten von 100 Ï (%) 2800 K
gemisch gefüllt. Die Gasfüllung erhöht da- Glühlampen. Relativer
Lichtstrom Ï und Farb-
bei durch ihre Wärmeisolation die Wendel- temperatur in Abhän- 80
temperatur, vermindert aber gleichzeitig gigkeit von der relati- 2700 K
die Verdampfung des Wolframs und er- ven Spannung U/Un . 60
möglicht so höhere Lichtleistungen bzw. Spannungsreduzierung
führt zu einem über- 40 2600 K
eine verlängerte Lebensdauer. Als Edelgase proportionalen Rück- 2500 K
dienen vor allem Argon und Krypton, wobei gang des Lichtstroms. 20 2400 K
Krypton zwar eine höhere Betriebstempe- 2100 K 2300 K
ratur – und damit Lichtleistung – erlaubt, 2000 K 2200 K U/Un (%)
durch seinen hohen Preis aber nur in Lam- 20 40 60 80 100

45
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.1 Glühlampen

Allgebrauchsglühlampe: konstruiert. Der eigent-


Das Prinzip der Licht- liche Durchbruch zur
erzeugung durch einen weitverbreitesten Licht-
elektrisch erhitzten quelle ist aber Thomas
Glühfaden ist seit 1802 Alva Edison zu verdanken,
bekannt. Erste funktions- der 1879 die bis heute
fähige Glühlampen gebräuchliche Glüh-
werden schon 1854 lampenform entwickelt.
durch Heinrich Goebel

Isolierte Kontaktplatte
zur Verbindung mit dem
Phasenleiter

Schraubgewinde zur
mechanischen Befesti-
gung, gleichzeitig Kon-
takt zum Nulleiter

Zuleitungen mit inte-


grierter Sicherung

Lampenfuß aus Glas


mit isolierten Wendel-
haltern

Das Lampeninnere
kann evakuiert oder mit
einem Inertgas gefüllt
sein.
Glühwendel, in der Re-
gel ein doppelt gewen-
delter Wolframdraht

Glaskolben in klarer,
gefärbter oder mattier-
ter Ausführung. Teile
des Glaskolbens können
innenverspiegelt als
Reflektor genutzt wer-
den.

46
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.1 Glühlampen

pen für besondere Ansprüche verwendet Relative Leistung P von 100 P (%)
wird. Glühlampen im Dimm-
betrieb
80
Charakteristisch für Glühlampen ist ihre
niedrige Farbtemperatur – ihr Licht wird 60
also im Vergleich zum Tageslicht als warm
empfunden. Das kontinuierliche Spektrum 40
der Glühlampe bewirkt eine hervorragende 20
Farbwiedergabe.
Als Punktlichtquelle mit hoher Leucht- U/Un (%)
dichte erzeugt Glühlampenlicht Brillanz 20 40 60 80 100
auf glänzendem Material und kann mit
optischen Mitteln gut gelenkt werden, so Einfluß von Über- und %
daß sowohl eng gebündeltes Akzentlicht Unterspannung auf 180 Ï
Lichtstrom Ï, Lichtaus- t
als auch eine breit strahlende Beleuchtung beute æ, elektrische
erzeugt werden kann. Leistung P und Lebens- 140 æ
Glühlampen sind ohne Probleme dimm- dauer t P
bar. Sie benötigen für ihren Betrieb keine 100
Zusatzgeräte und können in jeder Brenn-
60
lage betrieben werden. Diesen Vorteilen
stehen jedoch die Nachteile einer geringen 20
Lichtausbeute und einer relativ kurzen U/Un (%)
Nennlebensdauer gegenüber, wobei die 80 90 100 110 120
Lebensdauer stark von der Betriebsspan- Lichtstrom Ï = ( U )3,8
nung abhängig ist. Zur Zeit werden aller- Ïn Un
dings Glühlampen entwickelt, die durch
eine dichroitische Bedampfung des Lam- Lichtausbeute æ = ( U )2,3
penkolbens den infraroten Anteil des Lichts æn Un
auf die Wendel zurücklenken und so für elektrische Leistung P = ( U )1,5
eine höhere Wendeltemperatur und eine Pn Un
bis zu 40 % höhere Lichtausbeute sorgen.
Lebensdauer t = ( U )–1,4
Glühlampen sind als A(Allgebrauchs)-Lam- tn Un
pen in vielen Formen erhältlich, ihre Kolben Tf = ( U )0,4
können klar, matt oder opal sein. Für den Farbtemperatur
Tfn Un
Einsatz unter besonderen Bedingungen
(z. B. explosionsgefährdete Räume, starke Exponentieller Zusam- 100 N (%)
mechanische Belastung) sind Sonderfor- menhang zwischen der
relativen Spannung
men erhältlich; eine Vielzahl weiterer Son- U/Un und elektrischen 80
derformen existiert für den dekorativen sowie lichttechnischen
Bereich. Größen 60
Eine zweite Grundform sind die R(Re-
40
flektor)-Lampen. Sie sind ebenfalls aus
Weichglas geblasen, richten aber durch 20
ihre Form und eine innen angebrachte
Teilverspiegelung das Licht, während bei t (h)
den A-Lampen Licht in alle Richtungen 200 600 1000 1400 1800
abgestrahlt wird. Eine dritte Grundform
sind PAR(Parabolreflektor)-Lampen. Die 100 Ï (%)
PAR-Lampe ist aus Preßglas gefertigt, um
eine große Temperaturwechselbeständig- 80
keit und eine hohe Formgenauigkeit zu
erreichen; durch einen parabolischen Re- 60
flektor kann ein definierter Ausstrahlungs-
40
winkel erreicht werden.
Bei einer Untergruppe der PAR-Lampen, 20
den Kaltlichtlampen, wird eine dichroiti-
sche, d. h. selektiv reflektierende Verspie- t (h)
gelung benutzt. Dichroitische Reflektoren 200 600 1000 1400 1800
reflektieren das sichtbare Licht, lassen aber
einen großen Teil der Wärmestrahlung 100 ÏA (%)
passieren, die die Lampe so entgegen der
Lichtabstrahlrichtung verläßt. Die Wärme- 80
belastung auf angestrahlten Gegenstän-
den kann so um etwa die Hälfte verringert 60
werden. Anteil funktionsfähiger 40
Lampen N, Lampenlicht-
strom Ï und Anlagen-
lichtstrom Ï A (als Pro- 20
dukt beider Werte) in
Abhängigkeit von der t (h)
Betriebszeit t 200 600 1000 1400 1800

47
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.1 Glühlampen

Obere Reihe (von links


nach rechts): Dekorative
Tropfenlampe. Allge- Preßglaslampe mit di-
brauchslampe: Reflektor- chroitischem Kaltlicht-
lampe mit Weichglas- reflektor. Sichtbares
kolben und Ellipsoid- Licht wird reflektiert,
bzw. Parabolreflektor, Infrarotstrahlung trans-
mäßige Bündelungs- mittiert. Die Wärmebe-
leistung. lastung angestrahlter
Untere Reihe (von links Objekte wird so verrin-
nach rechts): Reflektor- gert.
lampe mit Preßglas-
kolben und leistungs-
fähigem Parabolreflektor,
in engstrahlender (Spot)
und breitstrahlender
Ausführung (Flood)
erhältlich. Durch hohe
Temperaturwechsel-
beständigkeit auch im
Außenbereich verwend-
bar. Preßglas-Reflektor-
lampe höherer Leistung

Glühlampe mit dichroi-


tischem beschichtetem
Glaskolben (hot mirror).
Hier wird sichtbares
Licht transmittiert;
Infrarotstrahlung wird
dagegen zur Wendel
reflektiert und führt
durch Erhöhung der
Wendeltemperatur
zu einer gesteigerten
Lichtausbeute.

48
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.1 Glühlampen

2.3.1.1 Halogen-Glühlampen
Der Konstruktion leistungsfähigerer Glüh-
lampen steht weniger der Schmelzpunkt
des Wolframs (der mit 3653 K von den ca.
2800 K der Betriebstemperatur von Glüh-
lampen noch relativ weit entfernt liegt) Halogen-Glühlampe für
im Wege, als die mit der Steigerung der Nennspannung mit
Schraubsockel und zu-
Temperatur zunehmende Verdampfungs- sätzlichem Hüllkolben
geschwindigkeit der Wendel. Dies führt (links). Der Hüllkolben
zunächst durch die Schwärzung des um- ermöglicht den Betrieb
gebenden Glaskolbens zu einer geringeren ohne Schutzglas. Nie-
dervolt-Halogenlampe
Lichtleistung und schließlich zum Durch- mit Stiftsockel und
brennen der Wendel. Eine Erhöhung der Axialwendel in einem
Lichtleistung muß so mit einer kürzeren Quarzglaskolben
Lebensdauer der Lampe erkauft werden. (rechts)
Eine technische Möglichkeit, den Mate-
rialverlust der Wendel zu verhindern, liegt
in der Beimischung von Halogenen zur
Gasfüllung der Lampe. Bei einer solchen
Lampe verbindet sich das verdampfte Wolf-
ram mit dem Halogen zu einem Metall-
halogenid, das bei der Temperatur im äuße-
ren Lampenbereich gasförmig ist und sich
so nicht am Glaskolben niederschlagen
kann. An der wesentlich heißeren Wendel
wird das Metallhalogenid wieder in Wolf-
ram und Halogen gespalten und das Wolf-
ram so wieder zur Wendel zurückgeführt.
Halogenkreislauf: Ver-
Der Prozeß der Bildung von Metallhalo- bindung von verdampf-
geniden, auf dem die Halogen-Glühlampe tem Wolfram und Halo-
aufbaut, setzt allerdings eine Temperatur genen zu Wolframhalo-
des Lampenkolbens von über 250 °C vor- genid in der Randzone.
Spaltung des Wolfram-
aus. Dies wird durch einen kompakten Kol- halogenids im Wendel-
ben aus Quarzglas erreicht, der die Wendel bereich
eng umschließt. Durch die kompakte Lam-
penform wird neben der Temperaturerhö-
hung auch eine Erhöhung des Gasdrucks
ermöglicht, die die Verdampfungsgeschwin-
digkeit des Wolframs herabsetzt.
Gegenüber der herkömmlichen Glühlampe
gibt die Halogen-Glühlampe ein weißeres
Licht ab – eine Folge ihrer deutlich höheren
Betriebstemperatur von 3000 bis 3300 K;
ihre Lichtfarbe liegt aber immer noch im
Bereich Warmweiß. Die Farbwiedergabe ist
durch das kontinuierliche Spektrum her-
vorragend. Durch ihre kompakte Form stellt 100 N (%)
die Halogen-Glühlampe eine ideale Punk-
tquelle dar, die eine besonders gute Richt- 80
barkeit des Lichts zuläßt und besonders
brillante Lichteffekte ermöglicht. Die Licht- 60
ausbeute von Halogen-Glühlampen liegt –
40
vor allem im Niedervoltbereich – über der
von herkömmlichen Glühlampen. Auch bei 20
Halogen-Glühlampen werden zur Zeit For- Anteil funktionsfähiger
Lampen N in Abhängig-
men mit dichroitisch bedampften Kolben keit von der Betriebs- t (h)
entwickelt, die erheblich größere Lichtaus- zeit t 1000 2000 3000
beuten besitzen.
Die Lebensdauer von Halogen-Glüh- %
lampen liegt über der von herkömmlichen 180 t Ï
Glühlampen. Halogen-Glühlampen sind
dimmbar. Ebenso wie konventionelle Glüh- 140 æ
lampen benötigen sie keine zusätzlichen P
Betriebsgeräte; Niedervolt-Halogenlampen 100
müssen allerdings an Transformatoren be- Einfluß von Über- und
60
trieben werden. Bei zweiseitig gesockelten Unterspannung auf
Lampen, Projektionslampen und Spezial- Lichtstrom Ï, Lichtaus-
beute æ, elektrische Lei- 20
lampen für den Studiobereich ist die Brenn- stung P und Lebens- U/Un (%)
lage häufig eingeschränkt. Einige Halogen- dauer t 80 90 100 110 120

49
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.1 Glühlampen

Glühlampen müssen mit Schutzglas betrie-


ben werden.
Halogen-Glühlampen sind – wie fast alle
konventionellen Glühlampen – für den
Betrieb bei Netzspannung erhältlich. Sie
besitzen meist spezielle Sockel, einige sind
jedoch mit einem Schraubsockel E 27 und
mit einer zusätzlichen äußeren Glashülle
versehen und können wie herkömmliche
Glühlampen verwendet werden.
Neben den Halogen-Glühlampen für
Netzspannung gewinnen jedoch auch Nie-
dervolt-Halogenlampen zunehmend an
Bedeutung. Die Vorteile dieser Lichtquelle –
vor allem die hohe Lichtleistung bei kleinen
Abmessungen – , wie sie bisher vor allem
bei Automobilscheinwerfern ausgenutzt
wurden, führen inzwischen auch im Bereich
der Architekturbeleuchtung zu einem brei-
ten Einsatz von Niedervolt-Halogenlampen.
Die kleinen Abmessungen der Lampe
ermöglichen dabei kompakte Leuchtenkon-
struktionen und eine sehr enge Bündelung
des Lichts. Niedervolt-Halogenlampen sind
für unterschiedliche Spannungen (6/12/
24 V) und in unterschiedlichen Formen er-
hältlich. Auch hier werden freistrahlende
Lampen und Kombinationen von Lampe
Zusammenstellung von und Reflektor bzw. Kaltlichtreflektor ge-
bei der Innenraumbe- fertigt.
leuchtung gebräuch-
lichen Halogen-Glüh-
lampen und Niedervolt-
Halogenlampen

Obere Reihe (von links Untere Reihe (von links


nach rechts): Nieder- nach rechts): Halogen-
volt-Halogenlampe mit glühlampe für Nenn-
Stiftsockel und Alumini- spannung mit E 27-
umreflektor, mit Stift- Sockel und Hüllkolben,
sockel und Kaltlichtre- mit Bajonettsockel, mit
flektor aus Glas, mit zweiseitiger Sockelung.
Bajonettsockel und Alu- Niedervolt-Halogen-
miniumreflektor, mit lampe mit Transversal-
Aluminiumreflektor für wendel, mit Axialwendel
höhere Leistung

50
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.1 Glühlampen

Allgebrauchslampe NV-Halogenlampe
Bez. P (W) F (lm) l (mm) d (mm) Bez. P (W) F (lm) l (mm) d (mm)
A60 60 730 107 60 QT9 10 140 31 9
A60 100 1380 107 60 20 350
A65 150 2220 128 65 Sockel: G4 Lebensdauer 2000 h
A80 200 3150 156 80
Sockel: E27/EE40 Lebensdauer 1000 h NV-Halogenlampe
Bez. P (W) F (lm) l (mm) d (mm)
Reflektorlampe QT12 50 950 44 12
Bez. P (W) F (lm) l (mm) d (mm) 75 1600
R63 60 650 103 63 100 2500
R80 100 1080 110 80 Sockel: GY6,35 Lebensdauer 2000 h
R95 100 1030 135 95
Sockel: E27 Lebensdauer 1000 h NV-Halogen-Reflektorlampe
Bez. P (W) l (cd) l (mm) d (mm)
Parabolreflektorlampe QR38 20 7000 38 38
Bez. P (W) F (lm) l (mm) d (mm) QR58 50 18000 59 58
PAR38 60 600 136 122 Sockel: B15d Lebensdauer 2000 h
80 800
120 1200 NV-Halogen-Reflektorlampe
Sockel: E27 Lebensdauer 2000 h Bez. P (W) l (cd) l (mm) d (mm)
QR70 20 5000 50 70
Parabolreflektorlampe 75 15000
Bez. P (W) F (lm) l (mm) d (mm) 75 19000
PAR56 300 3000 127 179 Sockel: B15d Lebensdauer 2000 h
Sockel: GX16d Lebensdauer 2000 h
NV-Halogen-Reflektorlampe
Allgebrauchsglühlam- Bez. P (W) l (cd) l (mm) d (mm)
pen, Reflektorlampen
und zwei gebräuchliche QR111 50 20000 45 111
Formen von Preßglas- 75 25000
lampen für Netzspan- 100 45000
nung mit Angabe von Sockel: G53 Lebensdauer 2000 h
Lampenbezeichnung,
Leistung P, Lichtstrom F,
Lampenlänge l und Lam- NV-Halogen-Reflektorlampe Kaltlicht
pendurchmesser d Bez. P (W) l (cd) l (mm) d (mm)
QR-CB35 20 5000 37/44 35
QR- 35 8000
CBC35
Sockel: GZ4 Lebensdauer 2000 h

Halogen-Glühlampe NV-Halogen-Reflektorlampe Kaltlicht


Bez. P (W) F (lm) l (mm) d (mm) Bez. P (W) l (cd) l (mm) d (mm)
QT32 75 1050 85 32 QR-CB51 20 8000 45 51
100 1400 85 QR- 35 13000
150 2500 105 CBC51 50 15000
250 4200 105 65/70 20000
Sockel: E27 Lebensdauer 2000 h Sockel: GX5,3 Lebensdauer 3000 h

Halogen-Glühlampe Niedervolt-Halogen-
lampen, freistrahlend,
Bez. P (W) F (lm) l (mm) d (mm) mit Metallreflektor
QT18 75 1050 86 18 oder mit Kaltlicht-
100 1400 86 reflektor aus bedampf-
150 2500 98 tem Glas
250 4200 98
Sockel: B15d Lebensdauer 2000 h

Halogen-Glühlampe
Bez. P (W) F (lm) l (mm) d (mm)
QT-DE12 100 1650 75 12
150 2500 75
200 3200 115
300 5000 115
500 9500 115
Sockel: R7s-15 Lebensdauer 2000 h

Halogen-Glühlampen
für Netzspannung in
einseitig und zweiseitig
gesockelter Form

51
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.2 Entladungslampen

2.3.2 Entladungslampen die abgegebenen Spektralinien, so daß das


Spektrum aufgefüllt wird und sich einer
Anders als bei Glühlampen wird das Licht kontinuierlichen Verteilung annähert; hier-
in Entladungslampen nicht durch eine er- durch wird die Farbwiedergabe und in der
hitzte Wendel, sondern durch das Anregen Regel auch die Lichtausbeute der Lampe
von Gasen oder Metalldämpfen erzeugt. verbessert.
Hierzu wird in einem mit Edelgasen oder Neben den Unterschieden in der Art
Metalldämpfen gefüllten Entladungsgefäß des erzeugten Lichts bestehen aber auch
eine Spannung zwischen zwei Elektroden bei den Betriebsbedingungen Unterschiede
erzeugt, die für einen Elektronenstrom zwischen Glüh- und Entladungslampen.
zwischen den Elektroden sorgt. Auf ihrem Glühlampen können ohne zusätzliche Ein-
Weg durch das Entladungsgefäß prallen richtungen am Netz betrieben werden, sie
die Elektronen mit Gasatomen zusammen, geben nach dem Einschalten sofort Licht
die bei ausreichender Geschwindigkeit der ab. Bei Entladungslampen müssen dagegen
Elektronen zur Abgabe von Strahlung an- besondere Zünd- und Betriebsbedingun-
geregt werden. Für jedes Gas ist dabei eine gen gegeben sein.
bestimmte Kombination abgegebener Wel- Um eine Entladungslampe zu zünden,
lenlängen charakteristisch; es wird jeweils muß dafür gesorgt werden, daß ein ausrei-
Strahlung eines oder mehrerer schmaler chender Elektronenstrom im Entladungs-
Frequenzbereiche abgegeben. gefäß fließt. Da das anzuregende Gas vor
Wird die Geschwindigkeit der Elektro- dem Zünden nicht ionisiert ist, müssen
nen noch größer, so werden die Gasatome diese Elektronen durch besondere Zünd-
beim Zusammenprall nicht mehr angeregt, einrichtungen bereitgestellt werden. Nach
sondern ionisiert; das Gasatom wird in ein dem Zünden der Entladungslampe kommt
freies Elektron und ein positiv geladenes es durch die lawinenartige Ionisierung des
Ion zerlegt. Die Zahl der elektrisch gelade- angeregten Gases zu einem ständig stei-
nen, wirksamen Teilchen im Entladungs- genden Lampenstrom, der die Lampe in
gefäß wird so zunehmend erhöht und be- kürzester Zeit zerstören würde. Um dies zu
wirkt einen entsprechenden Anstieg der verhindern, muß der Lampenstrom durch
Strahlung. ein Vorschaltgerät begrenzt werden.
Sowohl für das Zünden wie für den
Es zeigt sich deutlich, daß Entladungslam- Betrieb von Entladungslampen sind also
pen andere Eigenschaften als Glühlampen Zusatzeinrichtungen erforderlich. In eini-
besitzen. Dies gilt zunächst für die Art des gen Fällen sind diese Einrichtungen in der
abgestrahlten Lichts. Während bei Glüh- Lampe integriert; in der Regel werden sie
lampen ein kontinuierliches Spektrum aber getrennt von der Lampe in der Leuchte
abgegeben wird, dessen Verlauf fast aus- eingebaut.
schließlich von der Wendeltemperatur Zündverhalten und Leistung von Entla-
abhängt, strahlen Entladungslampen ein dungslampen hängen von der Betriebstem-
Spektrum mit einzelnen, für die verwen- peratur ab; dies führt zum Teil zu Baufor-
deten Gase oder Metalldämpfe charakte- men mit zusätzlichem Glaskolben. Häufig
ristischen Linien ab. Die abgestrahlten muß die Lampe nach einer Stromunterbre-
Spektrallinien können dabei in allen Berei- chung einige Minuten abkühlen, bevor sie
chen des Spektrums, von der infraroten wieder gestartet werden kann; ein sofor-
Strahlung über den sichtbaren Bereich bis tiger Wiederstart ist nur durch eine sehr
zur ultravioletten Strahlung liegen. Durch hohe Zündspannung möglich. Bei einem
Anzahl und Verteilung der Spektrallinien Teil der Lampen existieren Vorschriften für
ergibt sich Licht unterschiedlichster Farb- die Brennlage.
wirkung; durch unterschiedliche Lampen-
füllungen können gezielt Lichtfarben und Entladungslampen können nach der Höhe
weißes Licht unterschiedlicher Farbtem- ihres Betriebsdrucks in zwei Hauptgruppen
peraturen erzeugt werden. Vor allem ist es mit unterschiedlichen Eigenschaften unter-
möglich, die bei Temperaturstrahlern vor- teilt werden. Eine Gruppe bilden dabei die
gegebene Grenze von 3650 K zu überschrei- Niederdruck-Entladungslampen. Als Lam-
ten und tageslichtähnliches Licht hoher penfüllung werden hier Edelgase oder Edel-
Farbtemperaturen zu erzeugen. Ein weiterer gas/Metalldampfgemische bei einem Druck
Weg zur gezielten Erzeugung von Licht- von weit unter 1 bar verwendet. Durch den
farben ergibt sich durch die Verwendung geringen Druck im Entladungsgefäß kommt
von Leuchtstoffen auf den Innenwänden es kaum zu Wechselwirkungen zwischen
des Entladungsgefäßes. Vor allem ultra- den Molekülen des Gases, es wird ein reines
violette Strahlung, die bei einigen Gasent- Linienspektrum abgestrahlt.
ladungen auftritt, wird durch diese fluores- Die Lichtleistung von Niederdruck-Ent-
zierenden Leuchtstoffe in sichtbares Licht ladungslampen ist vor allem vom Lampen-
umgesetzt, wobei wiederum durch geeig- volumen abhängig, sie ist pro Volumen-
nete Auswahl und Mischung von Leucht- einheit relativ gering. Um eine ausreichende
stoffen definierte Lichtfarben erzeugt Lichtleistung zu erreichen, müssen die
werden können. Lampen also große, in der Regel rohrför-
Auch durch die Veränderung des Drucks mige Entladungsgefäße besitzen.
im Entladungsgefäß lassen sich die Eigen- Hochdruck-Entladungslampen wer-
schaften einer Entladungslampe verän- den dagegen bei einem Druck deutlich
dern, bei höherem Druck verbreitern sich über 1 bar betrieben. Durch den hohen

52
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.2 Entladungslampen

Druck und die entstehenden hohen Tem-


peraturen kommt es zu Wechselwirkungen
im Entladungsgas. Licht wird nicht mehr
nur in den schmalen Spektrallinien der Nie-
derdruckentladung, sondern in breiteren
Frequenzbereichen abgegeben. Generell
verschiebt sich die abgegebene Strahlung
mit steigendem Druck in den längerwelli-
gen Bereich des Spektrums. 7
Die Lichtleistung pro Volumeneinheit
ist weitaus größer als bei Niederdruck-
entladungen; die Entladungsgefäße sind 5 6
4
klein. Hochdruck-Entladungslampen stellen
also – ähnlich wie Glühlampen – Punkt-
lichtquellen mit hoher Lampenleuchtdichte
dar. In der Regel sind die eigentlichen Ent- 1 2 3
ladungsgefäße von einem zusätzlichen
Hüllkolben umgeben, der die Betriebstem-
peratur der Lampe stabilisiert, gegebenen-
falls als UV-Filter dient und als Träger einer
Leuchtstoffschicht verwendet werden Die von der Elektrode (1)
kann. ausgehenden Elektro-
nen (2) treffen auf
Quecksilberatome (3).
Hierbei werden die Elek-
2.3.2.1 Leuchtstofflampen tronen des Quecksilber-
atoms (4) angeregt,
diese geben dabei UV-
Die Leuchtstofflampe ist eine mit Queck- Strahlung (5) ab. Die
silberdampf arbeitende Niederdruck-Ent- UV-Strahlung wird in
ladungslampe. Sie besitzt ein rohrförmiges der Leuchtstoffbe-
Entladungsgefäß mit einer Elektrode an schichtung (6) in sicht-
bares Licht (7) umge-
jedem Ende. Die Gasfüllung besteht aus wandelt.
einem Edelgas, das die Zündung erleichtert
und die Entladung kontrolliert, sowie aus
einer kleinen Menge Quecksilber, dessen
Dampf bei der Anregung ultraviolette
Strahlung abgibt. Die Innenseite des Ent-
ladungsrohres ist mit Leuchtstoffen be- 100 Se(%) 100 Se(%)
schichtet, die die ultraviolette Strahlung V (¬) T = 2700 K
der Lampe durch Fluoreszenz in sichtbares 80 V (¬) 80 Ra = 95
Licht umsetzen.
Um das Zünden der Leuchtstofflampe 60 60
zu erleichtern, sind die Elektroden meist
40 40
als Glühwendel ausgeführt und zusätzlich
mit Metalloxiden (Emittern) beschichtet, 20 20
die das Austreten von Elektronen fördern.
Die Elektroden werden beim Start vorge- ¬ (nm)
heizt, ein Spannungsstoß führt dann zum 200 400 600 800 400 500 600 700 800 ¬ (nm)
Zünden der Lampe.
Durch die Kombination geeigneter Relative spektrale Ver- 100 Se(%)
Leuchtstoffe können unterschiedliche teilung Se (¬) der V (¬)
Quecksilberdampf-Nie- T = 3800 K
Lichtfarben erzielt werden. Hierzu wer- derdruckentladung. Die 80 Ra = 95
den häufig drei Leuchtstoffe kombiniert, abgegebene Strahlung
deren Mischung eine weiße Lichtfarbe liegt weitgehend außer- 60
erzeugt, die je nach dem Anteil der einzel- halb der Augenempfind-
lichkeit V (¬). 40
nen Leuchtstoffe im warmweißen, neutral-
weißen oder tageslichtweißen Bereich 20
liegt.
Im Gegensatz zu annähernd punktförmigen 400 500 600 700 800 ¬ (nm)
Lichtquellen, wie z. B. der Glühlampe, wird
das Licht bei Leuchtstofflampen von einer 100 Se(%)
großen Oberfläche abgestrahlt. Hierdurch V (¬) T = 5000 K
wird vorwiegend diffuses Licht erzeugt, 80 Ra = 98
das sich weniger zur gezielten Akzent-
beleuchtung als vielmehr zu einer groß- Relative spektrale Ver- 60
teilung Se (¬) gebräuch-
flächigen und gleichmäßigen Beleuchtung licher Leuchtstofflam- 40
eignet. pen mit sehr guter
Durch das diffuse Licht der Leuchtstoff- Farbwiedergabe der
20
lampe entstehen weiche Schatten. Es wird Lichtfarbe warmweiß
(oben), neutralweiß
nur wenig Brillanz auf glänzenden Ober- (Mitte) und tageslicht-
flächen erzeugt. Räumliche Formen und weiß (unten) 400 500 600 700 800 ¬ (nm)

53
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.2 Entladungslampen

100 N (%) 100 Ï (%) EVG 100 ÏA (%) Materialeigenschaften werden also nicht
80 80 80 betont. Durch ihr diskontinuierliches Spek-
60 KVG EVG 60 KVG 60 KVG EVG trum besitzen Leuchtstofflampen andere
40 40 40
Farbwiedergabeeigenschaften als Glüh-
20 20
lampen. Zwar läßt sich schon durch Kombi-
20
nation weniger Leuchtstoffe weißes Licht
3000 6000 9000 12000 t (h) 3000 6000 9000 12000 t (h) 3000 6000 9000 12000 t (h) jeder Farbtemperatur erzeugen, dennoch
hat dieses Licht aber wegen der fehlen-
Anteil funktionsfähiger den Spektralanteile eine schlechtere Farb-
Lampen N, Lampenlicht- wiedergabe als Licht mit kontinuierlichem
strom Ï und Anlagen-
lichtstrom Ï A (als Pro- Spektrum. Um Leuchtstofflampen mit sehr
dukt beider Werte) in guter Farbwiedergabe herzustellen, müssen
Abhängigkeit von der also zahlreiche Leuchtstoffe so kombiniert
Betriebszeit t. Durch werden, daß eine dem entsprechenden
den Einsatz von elek-
tronischen Vorschalt- kontinuierlichen Spektrum vergleichbare
geräten (EVG) werden Verteilung entsteht.
die Betriebseigenschaf- % Einfluß von Über- und Leuchtstofflampen besitzen eine hohe
ten gegenüber dem 120 P Unterspannung auf Lichtausbeute. Ihre Lebensdauer ist ebenfalls
Betrieb mit konventio- Lichtstrom Ï und elek-
nellen Vorschaltgerä- trische Leistung P hoch, verkürzt sich allerdings bei häufiger
100 Ï
ten (KVG) verbessert. Schaltfrequenz deutlich. Für den Betrieb von
80
Leuchtstofflampen werden sowohl Starter
U (%) wie Vorschaltgeräte benötigt. Leuchtstoff-
80 100 120 lampen zünden sofort und erreichen nach
kurzer Zeit ihre volle Lichtleistung. Nach
100 Ï (%)
Lichtstrom Ï von Stromunterbrechungen ist eine sofortige
Leuchtstofflampen im Wiederzündung möglich. Leuchtstofflam-
Dimmbetrieb
60 pen können gedimmt werden. Eine Ein-
schränkung der Brennlage existiert nicht.
20
U (%) Leuchtstofflampen sind meist stabförmig,
20 40 60 80 100 wobei die Länge der Lampe von der Licht-
leistung abhängt. Als Sonderformen sind
100 Ï (%)
Abhängigkeit des Lam- U-förmige oder ringförmige Leuchtstoff-
penlichtstroms Ï von lampen erhältlich. Der Durchmesser der
der Umgebungstempe-
60 ratur T Lampen beträgt 26 mm (bei sehr kleinen
Leistungen 16 mm). Ältere Lampentypen
20 mit einem Durchmesser von 38 mm sind
T (˚C) inzwischen weitgehend ohne Bedeutung.
-20 0 20 40 Leuchtstofflampen sind in zahlreichen
Lichtfarben erhältlich. Hier spielen vor allem
t (%) Lebensdauer t in Ab- die Lichtfarben Warmweiß, Neutralweiß und
150 hängigkeit von der Tageslichtweiß eine Rolle, es sind jedoch
Schalthäufigkeit pro
100 Tag N. Die Nennlebens- auch Lampen für spezielle Zwecke (z. B. Le-
dauer von 100 % wird bensmittelbeleuchtung, UV-Lampen) und
50 bei einer Schalthäufig- farbige Lampen erhältlich. Die Farbwieder-
keit von 8 Schaltungen gabe von Leuchtstofflampen kann auf Ko-
N (1/d) pro 24 h erreicht.
10 20 30 sten der Lichtausbeute verbessert werden;
erhöhte Lichtausbeuten bedingen wiederum
eine Verschlechterung der Farbwiedergabe.
Normalerweise werden Leuchtstoff-
lampen bei vorgeheizten Elektroden durch
einen externen Starter gezündet. Es exi-
stieren jedoch Ausführungen, die durch
integrierte Zündhilfen auf den Starter ver-
zichten können. Sie werden vor allem in
gekapselten Leuchten für explosionsgefähr-
dete Umgebungen eingesetzt.

2.3.2.2 Kompakte Leuchtstofflampen


Kompakte Leuchtstofflampen unterschei-
T26 18W, 36W, 58W den sich in ihrer Funktionsweise nicht von
herkömmlichen Leuchtstofflampen. Sie
besitzen allerdings eine kompaktere Form,
die durch ein gebogenes oder die Kombi-
Längenverhältnisse ge- nation mehrerer kurzer Entladungsrohre
bräuchlicher Leucht- erreicht wird. Bei einigen Typen ist das Ent-
stofflampen T26
ladungsrohr von einer Glashülle umgeben,
die das Aussehen und die lichttechnischen
Eigenschaften der Lampe verändert.

54
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.2 Entladungslampen

Kompakte Leuchtstofflampen besitzen


grundsätzlich die gleichen Eigenschaften
wie konventionelle Leuchtstofflampen,
vor allem also eine hohe Lichtausbeute
und lange Lebensdauer. Ihre Lichtleistung
wird allerdings durch das relativ geringe
Volumen des Entladungsrohres begrenzt.
Gleichzeitig ergeben sich durch die kom-
pakte Form aber neue Eigenschaften und
Einsatzgebiete. So wird es möglich, Leucht-
stofflampen nicht nur in Rasterleuchten,
sondern auch in kompakten Reflektor-
Im Gegensatz zu kon- leuchten (z. B. in Downlights) einzusetzen.
ventionellen Leucht- Auf diese Weise kann ein gebündeltes Licht
stofflampen besitzen
kompakte Leuchtstoff- erzeugt werden, das durch Schattenwurf
lampen zu einem ein- die Eigenschaften beleuchteter Objekte
seitigen Sockel zurück- betont.
geführte Entladungs- Kompakte Leuchtstofflampen können
gefäße.
bei integriertem Starter nicht gedimmt
werden, es sind jedoch Formen mit exter-
nem Starter und vierpoligem Sockel erhält-
lich, die den Betrieb an elektronischen
Vorschaltgeräten und das Dimmen ermög-
lichen.
Kompakte Leuchtstoff-
lampen mit Zweistift- Kompakte Leuchtstofflampen sind vor
Stecksockel und inte-
griertem Starter (oben), allem in Stabform erhältlich, wobei pro
Vierstift-Stecksockel Lampe jeweils zwei oder vier Entladungs-
für den Betrieb an elek- rohre kombiniert sind. Für den Betrieb sind
tronischen Vorschaltge- Start- und Vorschaltgeräte nötig; bei zwei-
Rohranordnungen bei räten (Mitte), Schraub-
sockel mit integriertem poligen Lampen ist der Starter allerdings
kompakten Leuchtstoff- Vorschaltgerät für den schon im Sockel integriert.
lampen: TC/TC-L (oben), direkten Betrieb an
TC-D (Mitte), TC-DEL Neben diesen Standardformen, die
(unten) Netzspannung (unten) mit Stecksockeln ausgerüstet und für den
Betrieb an Vorschaltgeräten vorgesehen
sind, existieren jedoch auch kompakte
Leuchtstofflampen mit integriertem Star-
ter und Vorschaltgerät; sie sind mit einem
Schraubsockel versehen und können wie
Glühlampen verwendet werden. Zum Teil
sind diese Lampen mit zusätzlichen zylin-
drischen oder kugelförmigen Glashüllen
umgeben, um eine größere Ähnlichkeit mit
Glühlampen zu erreichen. Beim Einsatz
dieser Lampen in Leuchten für Glühlam-
pen ist allerdings zu beachten, daß die
Leuchteneigenschaften durch das größere
Volumen der Lampe verschlechtert werden
können.

2.3.2.3 Leuchtröhren
Leuchtröhren arbeiten mit der Niederdruck-
entladung in Edelgasen oder Edelgas-
TC 5W, 7W, 9W, 11W TC-D 10W, 13W, 18W, 26W Quecksilberdampfgemischen. Anders als
Leuchtstofflampen besitzen sie aber un-
geheizte Elektroden, so daß sie mit hohen
Spannungen gezündet und betrieben wer-
den müssen. Da für Anlagen mit einer Span-
nung von 1000 V und höheren Spannungen
besondere Vorschriften gelten, werden
Leuchtröhren häufig mit weniger als 1000 V
betrieben, es sind aber auch Hochspan-
nungs-Entladungslampen erhältlich, die
mit mehr als 1000 V betrieben werden.
Leuchtröhren besitzen eine deutlich ge-
Größenverhältnisse ge- ringere Lichtausbeute als konventionelle
bräuchlicher kompakter
TC-L 18W, 24W, 36W, 40/55W Leuchtstofflampen der Leuchtstofflampen, ihre Lebensdauer ist
Typen TC, TC-D und TC-L hoch. Mit einer reinen Edelgasentladung

55
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.2 Entladungslampen

können nur wenige Lichtfarben erzeugt


werden, so z. B. Rot bei Neonfüllung oder
Blau bei Argonfüllung. Um das Spektrum
der verfügbaren Farben zu erweitern, kön-
nen zunächst gefärbte Entladungsrohre
verwendet werden. Meist wird dem Edel-
gas jedoch Quecksilber zugegeben und die
entstehende Ultraviolettstrahlung durch
Leuchtstoffe in die gewünschten Licht-
farben umgesetzt. Leuchtröhren benöti-
gen ein Vorschaltgerät; sie werden an
Streufeldtransformatoren betrieben, die
für die benötigte hohe Zünd- und Betriebs-
spannung sorgen. Leuchtröhren zünden
sofort, nach Stromunterbrechungen ist
eine sofortige Wiederzündung möglich.
Für die Brennlage bestehen keine Ein-
schränkungen.
Natriumdampf-Nieder- Leuchtröhren besitzen röhrenförmige
drucklampe mit U-för- Entladungsgefäße, die in unterschiedlichen
migem Entladungsrohr
in einem dichroitisch Durchmessern und Längen angeboten
bedampften Hüllkolben. werden. Je nach Verwendungszweck kön-
Durch die dichroitische nen die unterschiedlichsten Rohrformen,
Schicht wird die Infra- so z. B. für Schriftzüge und Firmenzeichen,
rotstrahlung der Lampe
zum Entladungsgefäß angefertigt werden. Es ist eine Vielzahl von
reflektiert und so das Lichtfarben erhältlich.
Erreichen der notwen-
digen Betriebstempera-
tur beschleunigt. LST 35 W, 90 W
2.3.2.4 Natriumdampf-Niederdrucklampen
Größenverhältnisse Natriumdampf-Niederdrucklampen sind
gebräuchlicher Na- in Aufbau und Funktion den Leuchtstoff-
triumdampf-Nieder-
drucklampen (LST) lampen vergleichbar. An Stelle von Queck-
silberdampf wird hierbei aber Natrium-
dampf angeregt. Daraus ergeben sich einige
wesentliche Unterschiede zu Leuchtstoff-
lampen. Zunächst ist das Zünden von
Natriumdampflampen schwieriger als das
Zünden von Quecksilberdampflampen,
da festes Natrium – anders als flüssiges
Quecksilber – bei Zimmertemperatur keinen
Metalldampf bildet. In Natriumdampflam-
pen muß die Zündung also mit Hilfe der
zusätzlichen Edelgasfüllung erfolgen; erst
die Wärme der Edelgasentladung läßt das
Natrium verdampfen, so daß es zur eigent-
lichen Metalldampfentladung kommt.
Natriumdampf-Niederdrucklampen benö-
100 Se (%) 100 N (%) Anteil funktionsfähiger tigen also eine hohe Zündspannung und
80 V (¬) 80
Lampen N, Lampenlicht- eine relativ lange Einbrennzeit bis zum Er-
strom Ï und Anlagen-
60 60 lichtstrom Ï A (als Pro- reichen der vollen Leistung. Um eine aus-
40 40
dukt beider Werte) in reichende Betriebstemperatur der Lampe
Abhängigkeit von der zu gewährleisten, ist das Entladungsrohr
20 20 Betriebszeit t mit einer weiteren, oft im Infrarotbereich
400 500 600 700 800 ¬(nm) 2500 5000 7500 10000 t (h) reflektierenden Glashülle umgeben.
Ein weiterer Unterschied liegt in der
Relative spektrale Ver- 100 Ï (%) Art der erzeugten Strahlung. Während an-
teilung Se (¬) der Na- 80 geregter Quecksilberdampf bei niedrigem
triumdampf-Nieder-
druckentladung. Das 60 Druck vor allem ultraviolettes Licht abgibt,
abgegebene Linien- 40
das mit Hilfe von Leuchtstoffen in sicht-
spektrum liegt nahe der Anlaufverhalten: bares Licht umgesetzt werden muß, gibt
maximalen Empfind- 20 Lampenlichtstrom Ï in
lichkeit des Auges, ver- Abhängigkeit von der Natriumdampf sichtbares Licht ab. Natrium-
hindert jedoch durch 2500 5000 7500 10000 t (h) Zeit t dampf-Niederdrucklampen benötigen also
seinen monochroma- keinen Leuchtstoff. Zusätzlich ist die Licht-
tischen Charakter die 100 ÏA (%) 100 Ï (%) ausbeute dieser Lampen so hoch, daß die
Wiedergabe von Farben. 80 80 benötigten Lampenvolumen erheblich
60 60 kleiner als bei Leuchtstofflampen sind.
40 40

20 20
Die hervorstechendste Eigenschaft der
Natriumdampf-Niederdrucklampen ist
t (min)
2500 5000 7500 10000 t (h) 2 4 6 8 10 12 ihre außergewöhnlich gute Lichtausbeute.

56
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.2 Entladungslampen

Da die Natriumdampf-Niederdrucklampe
zusätzlich noch eine hohe Lebensdauer
besitzt, ist sie die wirtschaftlichste verfüg-
bare Lichtquelle.
Niederdruck-Natriumdampf gibt Licht
ausschließlich in zwei sehr eng benachbar-
ten Spektrallinien ab; das abgestrahlte Licht
ist monochromatisch gelb. Durch seinen
monochromatischen Charakter erzeugt es
im Auge keine chromatische Aberration
und sorgt also für eine große Sehschärfe.
Diesen Vorteilen steht jedoch als deutli-
cher Nachteil die außergewöhnlich schlech-
te Farbwiedergabeeigenschaft entgegen.
Von einer Farbwiedergabe im eigentlichen
Sinne kann nicht mehr gesprochen werden,
es wird nur ein unterschiedlich gesättig-
tes Gelb von der reinen Farbe bis hin zum
Schwarz wahrgenommen. Die Natrium- Quecksilberdampf- Leuchtstoff beschich-
dampf-Niederdrucklampe wird deshalb Hochdrucklampe mit tet, der die UV-Strah-
Entladungsgefäß aus lung der Lampe in
inzwischen auch in ihrem eigentlichen An- Quarzglas und einem sichtbares Licht um-
wendungsgebiet, der Außenbeleuchtung, elliptischen Hüllkolben. setzt und so Lichtaus-
weitgehend von der Natriumdampf-Hoch- Der Hüllkolben ist in beute und Farbwieder-
drucklampe verdrängt. der Regel mit einem gabe verbessert. Gebräuchliche Queck-
Für den Betrieb ist bei einigen stab- silberdampf-Hoch-
drucklampen mit ellip-
förmigen Lampen eine Kombination von tischem Hüllkolben
Zünd- und Vorschaltgerät erforderlich, (HME), kugelförmigem
meist wird jedoch ein Streufeldtransforma- Hüllkolben (HMG) und
tor als Zünd- und Vorschaltgerät verwen- integriertem Reflektor
(HMR)
det. Natriumdampf-Niederdrucklampen
benötigen beim Start eine Einbrennzeit von
einigen Minuten sowie eine kurze Abkühl-
phase vor dem Wiederstart nach Strom-
unterbrechungen. Bei Verwendung von
speziellen Betriebsgeräten ist eine sofor-
tige Wiederzündung möglich. Die Brenn-
lage ist eingeschränkt.
Natriumdampf-Niederdrucklampen besit-
zen in der Regel ein U-förmiges, gelegent- HME 125W HMG 80W HMR 125W
lich auch ein stabförmiges Entladungsrohr,
das mit einer zusätzlichen Glashülle um-
geben ist.

2.3.2.5 Quecksilberdampf-Hochdruck-
lampen
Quecksilberdampf-Hochdrucklampen be- 100 Se (%) 100 N (%) Anteil funktionsfähiger
sitzen ein kurzes, röhrenförmiges Entla- 80 80
Lampen N, Lampenlicht-
V(¬) strom Ï und Anlagen-
dungsgefäß aus Quarzglas, das eine Edel- 60 60 lichtstrom Ï A (als Pro-
gas-Quecksilbermischung enthält. An 40 40 dukt beider Werte) in
beiden Seiten des Entladungsrohrs sind 20
Abhängigkeit von der
Elektroden angeordnet, dicht neben einer 20 Betriebszeit t
dieser Elektroden befindet sich eine zu- 400 500 600 700 800 ¬(nm) 2500 5000 7500 10000 t (h)
sätzliche Hilfselektrode für die Zündung
der Lampe. Das Entladungsgefäß ist mit Relative spektrale Ver- 100 Ï (%)

einem zusätzlichen Hüllkolben umgeben, teilung Se (¬) der 80


Quecksilberdampf-
der die Lampentemperatur stabilisiert und Hochdruckentladung. 60
das Entladungsrohr vor Korrosion durch 40
die Außenluft schützt. Der Hüllkolben Anlaufverhalten:
20 Lampenlichtstrom Ï in
kann zusätzlich mit einem Leuchtstoff Abhängigkeit von der
beschichtet sein, um die Lichtfarbe der 2500 5000 7500 10000 t (h) Zeit t
Lampe zu verändern.
Beim Zünden der Lampe entsteht zu- 100 ÏA (%) 100 Ï (%)

nächst eine Glimmentladung an der Hilfs- 80 80


elektrode, die sich allmählich bis zur zwei- 60 60
ten Hauptelektrode ausdehnt. Wenn das 40 40
Lampengas auf diese Weise ionisiert ist, 20 20
kommt es zu einer Bogenentladung zwi-
schen den Hauptelektroden, die zu diesem 2500 5000 7500 10000 t (h) 2 4 6 t (min)

57
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.2 Entladungslampen

Zeitpunkt einer Niederdruckentladung Mischlichtlampe mit


entspricht. Erst wenn durch die Bogenent- einem Entladungsgefäß
aus Quarzglas für die
ladung das gesamte Quecksilber verdampft Quecksilberdampf-
ist und durch die entstehende Hitze ein Hochdruckentladung
ausreichender Überdruck erzeugt worden und einer zusätzlichen
ist, kommt es zur eigentlichen Hochdruck- Glühwendel, die als
Vorschaltwiderstand
entladung, bei der die volle Lichtleistung dient und das Spektrum
abgegeben wird. im Rotbereich ergänzt.
Der elliptische Hüllkol-
Quecksilberdampf-Hochdrucklampen be- ben ist in der Regel mit
einer lichtstreuenden
sitzen eine mittlere Lichtausbeute; ihre Beschichtung versehen.
Lebensdauer ist sehr hoch. Sie bilden eine
relativ kompakte Lichtquelle, so daß ihr
Licht mit optischen Mitteln gelenkt werden
kann.
Das Licht der Quecksilberdampf-Hoch-
drucklampen ist durch den fehlenden Rot-
anteil des abgegebenen Spektrums bläulich
weiß. Die Farbwiedergabe ist mäßig, bleibt
jedoch über die gesamte Lebensdauer kon-
stant. Meist wird durch zusätzliche Leucht-
stoffe eine neutralweiße oder warmweiße
Lichtfarbe und eine verbesserte Farbwieder-
gabe erreicht.
Durch die integrierte Hilfselektrode
benötigen Quecksilberdampf-Hochdruck-
lampen kein Zündgerät, sie müssen jedoch
an einem Vorschaltgerät betrieben wer-
den. Quecksilberdampf-Hochdrucklampen
benötigen eine Einbrennzeit von einigen
Minuten und eine längere Abkühlphase
vor dem Wiederzünden nach Stromunter-
brechungen. Die Brennlage ist nicht ein-
geschränkt.
Quecksilberdampf-Hochdrucklampen sind
in unterschiedlichen Formen erhältlich; ihre Gebräuchliche Misch-
Außenhüllen können kugelförmig, ellip- lichtlampe mit ellip-
tisch oder pilzförmig sein, wobei die pilz- tischem Hüllkolben
(HME-SB), oder inte-
förmigen Versionen als Reflektorlampen griertem Reflektor HME-SB 160W HMR-SB 160W
ausgebildet sind. (HMR-SB)

2.3.2.6 Mischlichtlampen
Mischlichtlampen entsprechen im Aufbau
Quecksilberdampf-Hochdrucklampen; sie
besitzen jedoch in der äußeren Glashülle
eine zusätzliche Glühwendel, die mit dem 100 Se (%) 100 N (%) Anteil funktionsfähiger
Entladungsrohr in Serie geschaltet ist. Die 80 80
Lampen N, Lampenlicht-
V(¬) strom Ï und Anlagen-
Glühwendel übernimmt hierbei die Rolle 60 60 lichtstrom Ï A (als Pro-
eines strombegrenzenden Elements, so daß 40 40
dukt beider Werte) in
kein externes Vorschaltgerät erforderlich Abhängigkeit von der
ist. Weiterhin wird durch das warmweiße 20 20 Betriebszeit t
Licht der Glühwendel der fehlende Rot- 400 500 600 700 800 ¬(nm) 2000 4000 6000 t (h)
anteil des Quecksilberspektrums ergänzt,
so daß die Farbwiedergabe verbessert wird. Relative spektrale Ver- 100 Ï(%)

Mischlichtlampen besitzen meist zusätz- teilung Se (¬) einer 80


Mischlichtlampe mit
liche Leuchtstoffe zur weiteren Verbesse- der Summe der Spek- 60
rung von Lichtfarbe und Lichtausbeute. tren der Quecksilber- 40
dampf-Hochdruckent- Anlaufverhalten:
ladung und der Glüh- 20 Lampenlichtstrom Ï in
Mischlichtlampen besitzen ähnliche Eigen- wendel Abhängigkeit von der
schaften wie Quecksilberdampf-Hoch- 2000 4000 6000 t (h) Zeit t
drucklampen. Lichtausbeute und Lebens-
dauer sind jedoch deutlich geringer, so 100 ÏA (%) 140 Ï(%)
daß ihnen bei der Architekturbeleuchtung 80 120
keine besondere Bedeutung zukommt. 60 100
Da sie kein Zünd- oder Vorschaltgerät be- 40 80
nötigen und mit einem E 27-Sockel ver- 20 60
sehen sind, können Mischlichtlampen wie
Glühlampen verwendet werden. 2000 4000 6000 t (h) 1 2 3 t (min)

58
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.2 Entladungslampen

Mischlichtlampen geben sofort nach dem


Zweiseitig gesockelte Start durch ihre Glühwendel Licht ab. Nach
Halogen-Metalldampf- einigen Minuten geht der Glühlampen-
lampe mit kompaktem
Entladungsgefäß und anteil zurück, und die Quecksilberentladung
Kolben aus Quarzglas erreicht ihre volle Stärke. Vor der Wieder-
zündung nach einer Stromunterbrechung
benötigen Mischlichtlampen eine Abkühl-
phase. Mischlichtlampen können nicht ge-
dimmt werden. Die Brennlage ist bei einigen
Lampentypen eingeschränkt.
Mischlichtlampen sind in elliptischer Form
oder als pilzförmige Reflektorlampen er-
hältlich.

2.3.2.7 Halogen-Metalldampflampen
Halogen-Metalldampflampen sind Wei-
terentwicklungen der Quecksilberdampf-
Hochdrucklampen und ihnen daher in
Aufbau und Funktion vergleichbar. Sie
enthalten jedoch zusätzlich zum Queck-
silber ein Gemisch von Metallhalogeniden.
Halogenverbindungen besitzen hierbei ge-
genüber reinen Metallen den Vorteil, daß
sie einen wesentlich niedrigeren Schmelz-
punkt besitzen, so daß auch Metalle ver-
100 N (%) Anteil funktionsfähiger wendet werden können, die bei den Be-
80
Lampen N, Lampenlicht- triebstemperaturen der Lampe keinen
strom Ï und Anlagen-
60 lichtstrom ÏA (als Pro- Metalldampf bilden.
40
dukt beider Werte) in Durch die Zugabe von Metallhalogeni-
Abhängigkeit von der den wird neben einer Erhöhung der Licht-
20 Betriebszeit t ausbeute vor allem eine erheblich ver-
2000 4000 6000 t (h) besserte Farbwiedergabe erreicht. Durch
geeignete Metallkombinationen läßt sich
100 Se (%) 100 Ï(%) ein Mehrlinienspektrum ähnlich wie bei
80
V(¬) T = 3000 K 80 Leuchtstofflampen erzeugen; mit beson-
60 60 deren Kombinationen kann ein fast kon-
40 40
tinuierliches Spektrum aus einer Vielzahl
20
von Linien erreicht werden. Ein zusätz-
20
licher Leuchtstoff zur Verbesserung der
300 400 500 600 700 ¬(nm) 2000 4000 6000 t (h) Farbwiedergabe erübrigt sich also. Der
Quecksilberanteil der Lampe dient vor
100 Se (%) 100 ÏA (%) allem als Zündhilfe und zur Stabilisierung
80
V(¬) T = 4000 K
80 der Entladung; nachdem die Metallhalo-
60 60 genide durch die anfängliche Quecksilber-
40 40
dampfentladung verdampft worden sind,
20 20
dienen im wesentlichen diese Metall-
dämpfe zur Lichterzeugung.
300 400 500 600 700 ¬(nm) 2000 4000 6000 t (h) Durch das Vorhandensein von Halo-
genen in der Lampenfüllung scheiden
100 Se (%) Hilfselektroden als Zündvorrichtung aller-
80
V(¬) T = 5600 K
dings aus. Halogen-Metalldampflampen
60 benötigen daher externe Zündgeräte.
40
100 Ï(%) Halogen-Metalldampflampen besitzen
20
80
<1 eine hervorragende Lichtausbeute bei
300 400 500 600 700 ¬(nm) Rückgang des Licht- 60 gleichzeitiger guter Farbwiedergabe; ihre
3
stroms Ï bei unter-
40
Nennlebensdauer ist hoch. Sie stellen kom-
Relative spektrale Ver- schiedlicher Schalt- 24 12 8 pakte Lichtquellen dar, ihr Licht kann also
teilung S e (¬) von ge- häufigkeit von 24, 12, 8, 20
bräuchlichen Halogen- 3 und < 1 Schaltungen optisch gut gelenkt werden. Die Farb-
Metalldampflampen pro Tag 2000 4000 6000 t (h) wiedergabe von Halogen-Metalldampf-
der Lichtfarbe warm- lampen ist allerdings nicht konstant; sie
weiß (oben), neutral- 100 Ï(%) variiert zwischen einzelnen Lampen einer
weiß (Mitte) und tages- 80 Serie und verändert sich abhängig von der
lichtweiß (unten)
60 Lebensdauer und den Umgebungsbedin-
40
gungen, dies ist bei warmweißen Lampen-
Anlaufverhalten: typen besonders auffällig.
Lampenlichtstrom Ï in 20
Abhängigkeit von der Halogen-Metalldampflampen benöti-
Zeit t 1 2 3 t (min) gen zum Betrieb sowohl Zünd- wie Vor-

59
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.2 Entladungslampen

schaltgeräte. Sie benötigen eine Einbrenn-


zeit von einigen Minuten und eine längere
Abkühlphase vor dem Wiederzünden nach
Stromunterbrechungen. Bei einigen, zwei-
seitig gesockelten Formen ist eine sofortige
Wiederzündung mit besonderen Zünd-
geräten oder am elektronischen Vorschalt-
gerät möglich. Halogen-Metalldampflam-
pen werden in der Regel nicht gedimmt.
Die Brennlage ist meist eingeschränkt.
Halogen-Metalldampflampen sind als
HIT-DE 75W, 150W, 250W röhrenförmige Lampen mit ein- oder zwei-
seitigem Sockel, als elliptische Lampen
HIT 35W, 70W, 150W HIT 35W, 70W, 150W und als Reflektorlampen erhältlich. Halo-
gen-Metalldampflampen sind in den Licht-
farben Warmweiß, Neutralweiß und Tages-
lichtweiß erhältlich.

HIE 100W 2.3.2.8 Natriumdampf-Hochdrucklampen


Ähnlich wie bei Quecksilberdampf kann
auch bei Natriumdampfentladungen das
Gebräuchliche Halogen- Spektrum des abgegebenen Lichts durch
Metalldampflampen Erhöhung des Dampfdrucks verbreitert
mit einseitigem Sockel
(HIT) und zweiseitigem werden. Bei ausreichend hohem Druck er-
Sockel (HIT-DE), sowie gibt sich ein annähernd kontinuierliches
elliptischem Hüllkolben Spektrum mit verbesserten Farbwieder-
(HIE) gabeeigenschaften; anstelle des mo-
Einseitig gesockelte nochrom gelben Lichts der Natrium-
Natriumdampf-Hoch- dampf-Niederdrucklampe mit seiner sehr
drucklampe mit kera-
mischem Entladungs- schlechten Farbwiedergabe wird ein gelb-
gefäß und zusätzlichem liches bis warmweißes Licht mit mäßiger
Hüllkolben bis guter Farbwiedergabe erzeugt. Die
Verbesserung der Farbwiedergabe wird
allerdings mit einer Verringerung der Licht-
ausbeute erkauft. Natriumdampf-Hoch-
drucklampen sind in Aufbau und Funktion
den Quecksilberdampf-Hochdrucklampen
vergleichbar, sie besitzen ebenfalls ein
kleines, stabförmiges Entladungsgefäß,
das von einer weiteren Glashülle umgeben
ist. Während bei Quecksilberdampf-Hoch-
drucklampen das Entladungsgefäß aus
Quarzglas gefertigt ist, besteht das Ent-
ladungsgefäß bei Natriumdampf-Hoch-
drucklampen aber aus Aluminiumoxyd, da
Glas durch die bei hohem Druck aggressi-
ven Natriumdämpfe angegriffen wird.
Die Füllung der Lampen besteht aus Edel-
gasen und einem Quecksilber-Natrium-
Amalgam, wobei der Edelgas- und Queck-
silberanteil zur Zündung und Stabilisierung
der Entladung dient.
Ein Teil der Natriumdampf-Hochdruck-
lampen besitzt eine beschichtete Außen-
HSE 70W hülle. Die Beschichtung dient aber ledig-
lich der Senkung der Lampenleuchtdichte
und einer diffuseren Abstrahlung, sie be-
sitzt keine Leuchtstoffe.
HST 70W
Natriumdampf-Hochdrucklampen besitzen
Gebräuchliche Natrium- eine Lichtausbeute, die zwar geringer ist
dampf-Hochdrucklam- als die von Natriumdampf-Niederdruck-
pen, einseitig gesockelt
mit elliptischem Hüll- HST 100W lampen, jedoch über der Lichtausbeute an-
kolben (HSE), röhren- derer Entladungslampen liegt. Ihre Nenn-
förmigem Hüllkolben lebensdauer ist hoch. Die Farbwiedergabe
(HST), sowie zweiseitig ist mäßig bis gut, in jedem Fall jedoch
gesockelt mit röhren- HST-DE 150W
förmigem Hüllkolben deutlich besser als die des monochroma-
(HST-DE) tisch gelben Natrium-Niederdrucklichts.

60
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.2 Entladungslampen

Natriumdampf-Hochdrucklampen werden
Relative spektrale Ver- mit einem Vorschaltgerät und einem Zünd-
teilung S e (¬) der Na- gerät betrieben. Sie benötigen eine Ein-
triumdampf-Hoch-
druckentladung. Durch brennzeit von einigen Minuten und eine
die Erhöhung des Abkühlphase vor dem Wiederzünden nach
Drucks wird das Spek- Stromunterbrechungen. Bei einigen, zwei-
trum gegenüber der seitig gesockelten Formen ist eine sofortige
Niederdruckentladung
invertiert, es entsteht Wiederzündung mit speziellen Zündgerä-
eine breite Verteilung ten oder am elektronischen Vorschaltgerät
mit einem Minimum im möglich. Die Brennlage ist in der Regel
Bereich der Nieder- nicht eingeschränkt.
druckentladung.
100 Se (%) 100 N (%) Natriumdampf-Hochdrucklampen sind als
80 80 klare Lampen in Röhrenform und als be-
60 60 schichtete Lampen in Ellipsoidform erhält-
40 40
lich. Weiter existieren kompakte stabför-
20
mige Lampen mit zweiseitigem Sockel, die
20
eine sofortige Wiederzündung erlauben
¬(nm)
400 500 600 700 800 3000 6000 9000 12000 t (h) und eine besonders kompakte Lichtquelle
darstellen.
100 Ï(%)

80

60

40

20

3000 6000 9000 12000 t (h)

100 ÏA (%) 100 Ï(%) Anlaufverhalten:


80
Lampenlichtstrom Ï in
80
Abhängigkeit von der
60 60 Zeit t
40 40
20 20

3000 6000 9000 12000 t (h) 2 4 6 t (min)

Anteil funktionsfähiger
Lampen N, Lampenlicht-
strom Ï und Anlagen-
lichtstrom Ï A (als Pro-
dukt beider Werte) in
Abhängigkeit von der
Betriebszeit t

61
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.2 Entladungslampen

Leuchtstofflampe Natriumdampf-Niederdrucklampe
Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm) Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm)
T26 18 1350 590 26 LST 35 4800 310 54
30 2400 895 55 8000 425 54
36 3350 1200 90 13500 528 68
38 3200 1047 Sockel: BY22d Lebensdauer 10000 h
58 5200 1500
Sockel: G13 Lebensdauer 7000 h Natriumdampf-Nieder-
drucklampe in der ge-
Stabförmige Leucht- bräuchlichen Bauform
stofflampen (Durch- mit einseitiger Socke-
messer 26 mm) ge- lung und U-förmigem
bräuchlicher Leistungs- Entladungsgefäß
stufen

Kompakte Leuchtstofflampe Quecksilberdampflampe


Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm) Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm)
TC 7 400 138 12 HME 50 2000 130 55
9 600 168 80 4000 156 70
11 900 238 125 6500 170 75
Sockel: G23 Lebensdauer 8000 h 250 14000 226 90
Sockel: E27/E40 Lebensdauer 8000 h

Kompakte Leuchtstofflampe Quecksilberdampf-Reflektorlampe


Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm) Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm)
TC-D 10 600 118 12 HMR 80 3000 168 125
13 900 153 125 5000
18 1200 173 Sockel: E27 Lebensdauer 8000 h
26 1800 193
Sockel: G24 Lebensdauer 8000 h
Mischlichtlampe
Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm)
Kompakte Leuchtstofflampe HME-SB 160 3100 177 75
Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm) Sockel: E27 Lebensdauer 5000 h
TC-L 18 1200 225 17
24 1800 320
36 2900 415
40 3500 535 Mischlicht-Reflektorlampe
55 4800 535 Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm)
Sockel: 2G11 Lebensdauer 8000 h HMR-SB 160 2500 168 125
Sockel: E27 Lebensdauer 5000 h

Kompakte Leuchtstofflampe Quecksilberdampf-


Hochdrucklampen und
Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm) Mischlichtlampen in
TC-DEL 9 400 127 Ellipsoid- und Reflek-
11 600 145 torbauweise. Auswahl
15 900 170 von für die Innenraum-
beleuchtung gebräuch-
20 1200 190 lichen Leistungsstufen
23 1500 210 mit Angaben von Lam-
Sockel: E27 Lebensdauer 8000 h penbezeichnung, Lei-
stung P, Lichtstrom Ï,
Lampenlänge I und Lam-
pendurchmesser d
Kompakte Leuchtstofflampe
Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm)
TC-DEL 15 900 148 58
20 1200 168
23 1500 178
Sockel: E27 Lebensdauer 8000 h

Kompakte Leuchtstoff-
lampen in den ge-
bräuchlichen Baufor-
men TC; TC-D und TC-L
sowie mit integriertem
elektronischen Be-
triebsgerät und
E 27-Sockel TC-DEL

62
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.2 Entladungslampen

Halogen-Metalldampflampe
Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm)
HIE 75 5500 138 54
100 8500 138 54
150 13000 138 54
250 17000 226 90
Sockel: E27/E40 Lebensdauer 5000 h

Halogen-Metalldampf-Reflektorlampe
Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm)
HIR 250 13500 180 125
Sockel: E40 Lebensdauer 6000 h

Halogen-Metalldampflampe
Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm)
HIT 35 2400 84 26
70 5200
150 12000
Sockel: G12/PG12 Lebensdauer 5000 h

Halogen-Metalldampflampe
Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm)
HIT-DE 75 5500 114 20
150 11250 132 23
250 20000 163 25
Sockel: RX7s Lebensdauer 5000 h

Halogen-Metalldampf-
lampen in Ellipsoid-
und Reflektorbauweise
sowie in ein- und zwei-
seitig gesockelter Bau-
form. Auswahl von für Natriumdampf-Hoch-
die Innenraumbeleuch- drucklampen in
tung gebräuchlichen Ellipsoid- und Röhren-
Leistungsstufen form sowie in ein- und
zweiseitig gesockelter
Bauform. Auswahl von
für die Innenraumbe-
leuchtung gebräuchli-
chen Leistungsstufen

Natriumdampf-Hochdrucklampe Natriumdampf-Hochdrucklampe
Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm) Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm)
HSE 50 3500 156 70 HST 35 1300 149 32
70 5600 156 70 70 2300
100 9500 186 75 100 4700
150 14000 226 90 Sockel: PG12 Lebensdauer 5000 h
250 25000 226 90
Sockel: E27/E40 Lebensdauer 10000 h

Natriumdampf-Hochdrucklampe Natriumdampf-Hochdrucklampe
Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm) Bez. P (W) Ï (lm) l (mm) d (mm)
HST 50 4000 156 37 HST-DE 70 7000 114 20
70 6500 156 37 150 15000 132 23
100 10000 211 46 Sockel: RX7s Lebensdauer 10000 h
150 17000 211 46
250 33000 257 46
Sockel: E27/E40 Lebensdauer 10000 h

63
2.3 Licht und Lichtquellen
2.3.2 Entladungslampen

Kompakte Leuchtstoff-
lampe mit integriertem
Vorschaltgerät und
Schraubsockel. Dieser
Lampentyp wird vor
allem im Privatbereich
als wirtschaftliche Alter- Isolierte Kontaktplatte
native zur Allgebrauchs- zur Verbindung mit
glühlampe verwendet. dem Phasenleiter

Schraubgewinde zur
mechanischen Befesti-
gung, gleichzeitig Kon-
takt zum Nulleiter

Integriertes elektroni-
sches Vorschaltgerät

Heizbare Wendelelek-
trode

Das Entladungsgefäß
enthält ein Gemisch
aus Edelgasen und
Quecksilberdampf bei
niedrigem Druck.

Leuchtstoff zur Umset-


zung von Ultraviolett-
strahlung in sichtbares
Licht

64
2.4 2.4 Betriebs- und Steuergeräte
2.4.1 Entladungslampen

Betriebs- und Beim Betrieb von Beleuchtungsanlagen


werden häufig neben Lampen und Leuch-
bei höheren Zündspannungen wird jedoch
ein Streufeldtransformator oder ein Zünd-
Steuergeräte ten zusätzliche Geräte eingesetzt. Hier
sind vor allem Betriebsgeräte zu nennen,
gerät erforderlich. Auch bei Startern und
Zündgeräten sind inzwischen elektroni-
die für den Betrieb zahlreicher Lampen- sche Versionen erhältlich.
typen benötigt werden.
Steuergeräte sind dagegen keine Vor-
aussetzung für den Betrieb von Leuchten. 2.4.1.1 Leuchtstofflampen
Sie dienen dazu, Leuchten zu schalten und
ihre Helligkeit – gelegentlich auch weitere Leuchtstofflampen werden im einfach-
Leuchteneigenschaften – zu steuern. sten Fall mit einem konventionellen Vor-
schaltgerät (KVG) und einem Starter be-
trieben. Das Vorschaltgerät arbeitet hier-
2.4.1 Betriebsgeräte für Entladungs- bei als induktiver Widerstand; es besteht
lampen aus einer Drosselspule mit Kern aus Eisen-
blechlagen und einer Wicklung aus Kupfer-
Charakteristisches Merkmal aller Entla- draht.
dungslampen ist ihre negative Strom/ Konventionelle Vorschaltgeräte stellen
Spannungskennlinie, d. h. ein bei sinken- die preiswerteste Form von Vorschaltgerä-
der Spannung steigender Lampenstrom. ten dar. Sie verursachen jedoch merkliche
Im Gegensatz zu Glühlampen, bei denen Energieverluste durch Eigenerwärmung.
der Lampenstrom durch den Widerstand
der Glühwendel begrenzt wird, kommt es Verlustarme Vorschaltgeräte (VVG)
bei Entladungslampen durch lawinenartige sind konventionellen Vorschaltgeräten
Ionisation der Gasfüllung zu einem ständig vergleichbar; sie benutzen lediglich hoch-
wachsenden Lampenstrom, der zur Zerstö- wertigeres Kernmaterial und dickere
rung der Lampe führen würde. Kupferdrähte, um die Energieverluste im
Zum Betrieb von Entladungslampen Betriebsgerät zu senken. Verlustarme
werden also in jedem Fall strombegren- Vorschaltgeräte sind nur wenig teurer als
zende Vorschaltgeräte benötigt. Diese konventionelle Vorschaltgeräte, so daß
können im einfachsten Fall aus einem ohm- sie diese zunehmend verdrängen.
schen Widerstand bestehen. Da hierbei
jedoch durch die Erwärmung des Wider- Elektronische Vorschaltgeräte (EVG)
stands große Energieverluste entstehen, unterscheiden sich sowohl in Gewicht und
wird diese Form der Strombegrenzung Form als auch in der Funktion von her-
kaum angewandt; sie findet sich nur bei kömmlichen, induktiven Vorschaltgeräten.
Mischlichtlampen, die eine Glühwendel Sie bestehen aus einem Filter, der Rückwir-
als ohmschen Widerstand benutzen. kungen auf das Netz verhindert, einem
Die Begrenzung des Lampenstroms Gleichrichter und einem Hochfrequenz-
durch vorgeschaltete Kondensatoren – Wechselrichter.
also durch einen kapazitiven Widerstand – Elektronische Vorschaltgeräte besitzen
bringt zwar geringere Energieverluste, ver- eine integrierte Startvorrichtung, so daß
ringert aber die Lebensdauer der Lampen kein zusätzlicher Starter benötigt wird. Sie
und ist daher ebenfalls nicht gebräuchlich. sorgen für einen flackerfreien Sofortstart
In der Praxis wird die Begrenzung des Lam- und besitzen eine Abschaltautomatik, die
penstroms vor allem durch Vorschalten bei defekten Lampen andauernde Zündver-
von induktiven Widerständen wie Drossel- suche verhindert; Einschalten und Betrieb
spulen oder Transformatoren erreicht, zu- verlaufen problemlos wie bei Glühlampen.
N L mal diese Vorschaltgeräte zusätzlich den Durch den Hochfrequenzbetrieb der
Vorteil bieten, daß sie zur Erzeugung der Lampen bei 25–40 kHz entstehen eine
Zündspannung für die Lampenzündung Reihe von Vorteilen. Hier ist vor allem eine
genutzt werden können. Von zunehmen- höhere Lichtausbeute zu nennen, die dazu
der Bedeutung sind neben den induktiven führt, daß die für konventionelle Vorschalt-
Vorschaltgeräten hochfrequente elektro- geräte übliche Lichtleistung bei geringerem
nische Betriebsgeräte, die außer ihrer Funk- Energieverbrauch erreicht wird. Gleichzeitig
tion als strombegrenzende Elemente zu- ist die Verlustleistung im Vorschaltgerät
sätzlich die Zündung übernehmen und für deutlich vermindert. Die hohe Betriebsfre-
einen effektiveren Lampenbetrieb sorgen. quenz der Lampen verhindert zusätzlich
Die Zündspannung von Entladungs- Stroboskop- und Flimmereffekte; magne-
lampen liegt in jedem Fall deutlich über tische Störeinflüsse und das Brummen
Schaltbild einer Leucht- ihrer Betriebsspannung und meist auch konventioneller Vorschaltgeräte werden
stofflampe mit indukti- über der zur Verfügung stehenden Netz- vermieden.
vem Vorschaltgerät und
Starter (unkompensiert) spannung. Daher werden zur Lampenzün- Elektronische Vorschaltgeräte sind
dung besondere Einrichtungen benötigt. weitgehend unempfindlich gegen Span-
Hierbei kann es sich um in die Lampe inte- nungs- und Frequenzschwankungen, sie
grierte Hilfselektroden handeln, die die können sowohl bei 50 als auch bei 60 Hz
Lampenfüllung durch eine Glimmentladung und bei Spannungen zwischen 200 und
ionisieren. Meist wird die Zündung jedoch 250 V betrieben werden. Da sie auch für
durch einen Spannungsstoß herbeigeführt. Gleichstrombetrieb geeignet sind, können
Dieser Spannungsstoß kann induktiv durch Leuchtstofflampen am EVG bei Stromaus-
Starter und Vorschaltgerät erzeugt werden, fall auf Batteriebetrieb umgeschaltet und

65
2.4 Betriebs- und Steuergeräte
2.4.1 Entladungslampen

so zur Notbeleuchtung genutzt werden. eine separate Heizstromversorgung durch


70 P (W) KVG Der Preis für elektronische Vorschaltgeräte das Vorschaltgerät.
VVG liegt allerdings über den Preisen für induk-
EVG tive Geräte. Elektronische Starter bewirken ein von
mechanischen Kontakten unabhängiges
50 VG Bei Verwendung induktiver Vorschaltgeräte Schließen und Öffnen des Vorheizkreises.
werden Leuchtstofflampen mit zusätzlichen Sie sorgen unter allen Umgebungsbedin-
Startern gezündet. Hierbei schließt der gungen für einen schnellen und sicheren
30
Starter zunächst einen Vorheizkreis, so daß Start; ununterbrochene Zündversuche bei
die Lampenelektroden vorgeheizt werden. defekten Lampen werden ausgeschlossen.
Lampe Bei ausreichender Vorheizung unterbricht
der Starter den Stromkreis, wobei im Vor-
10 schaltgerät ein Spannungsstoß induziert 2.4.1.2 Kompakte Leuchtstofflampen
wird, der die Lampe zündet.
Kompakte Leuchtstofflampen werden an
Glimmstarter stellen die einfachste Star- den gleichen Vorschaltgeräten wie kon-
T 18W T 36W T 58W terform dar. Sie bestehen aus zwei Bimetall- ventionelle Leuchtstofflampen betrieben.
Elektroden in einem edelgasgefüllten Bei Lampen mit zweipoligem Sockel ist der
Leistungsaufnahme P Glasröhrchen. Beim Einschalten entsteht Starter integriert, so daß sie ohne zusätz-
(Lampenleistung und zwischen den Elektroden des Starters eine lichen Starter an induktiven Vorschalt-
Verlustleistung des Vor-
schaltgeräts) gebräuch- Glimmentladung, die die Elektroden er- geräten betrieben werden. Lampen mit
licher Leuchstofflam- wärmt. Hierdurch biegen sich die Bimetall- vierpoligem Sockel können am induktiven
pen beim Betrieb an Elektroden so weit nach innen, daß sie sich Vorschaltgerät mit Starter oder am EVG
konventionellen (KVG), berühren und dadurch den Heizkreis der betrieben werden.
verlustarmen (VVG) und
elektronischen Vor- Leuchtstofflampe schließen. Nach kurzer
schaltgeräten (EVG) Zeit sind die Starterelektroden dann wie-
der soweit abgekühlt, daß sie sich öffnen. 2.4.1.3 Leuchtröhren
Durch diese Unterbrechung wird der in-
duktive Spannungsstoß zur Lampenzün- Leuchtröhren benötigen eine Betriebs-
dung erzeugt. Nach Zündung der Lampe spannung, die in jedem Fall über der ver-
liegt am Starter nur noch die Betriebs- fügbaren Netzspannung liegt. Sie werden
spannung der Lampe an. Diese reicht nicht daher an einem Streufeldtransformator
aus, die Glimmentladung im Starter zu betrieben, der mit seiner hohen Leerlauf-
betreiben, so daß die Elektroden geöffnet spannung für die Lampenzündung sorgt,
bleiben und keine Dauerheizung der Lam- beim Lampenbetrieb aber nur die niedri-
pen erfolgt. gere Betriebsspannung liefert. Zusätzliche
Glimmstarter sind die häufigste und Start- oder Zündvorrichtungen werden
preiswerteste Starterform. Sie haben je- also nicht benötigt.
doch den Nachteil, daß sie bei defekten Beim Betrieb von Leuchtröhren mit
Lampen ununterbrochen Startversuche Spannungen von 1000 V oder höheren
durchführen, was zu Belästigungen durch Spannungen müssen Bestimmungen für
Geräusche und Flackern der Lampe führt. Leuchtröhrenanlagen und Hochspannungs-
Zusätzlich können sich bei Unterspannung leitungen (VDE 0128, 0713, 0250) berück-
oder niedrigen Umgebungstemperaturen sichtigt werden. Es werden daher zuneh-
Startprobleme durch zu kurze Vorheiz- mend Anlagen mit kürzeren Leuchtröhren
zeiten der Lampe ergeben. und Spannungen unter 1000 V errichtet,
die nur den Anforderungen für Nieder-
Sicherheitsstarter sind Glimmstartern spannungsanlagen (VDE 0100) genügen
vergleichbar. Sie besitzen jedoch eine zu- müssen.
sätzliche Sicherung, die den Starter nach
wiederholten Zündversuchen abschaltet
und so gegen das ununterbrochene Star- 2.4.1.4 Natriumdampf-Niederdrucklampen
ten einer defekten Lampe sichert. Nach
Drücken des Sicherungsknopfes ist der Einige stabförmige Natriumdampf-Nieder-
Starter wieder betriebsbereit. drucklampen können – ähnlich wie Leucht-
stofflampen – an Drosselspulen mit zusätz-
Thermostarter besitzen Kontakte, die lichem Starter betrieben werden. In der
beim Einschalten bereits geschlossen sind. Regel sind Zünd- und Betriebsspannung
Das Öffnen der Kontakte wird durch ein jedoch so hoch, daß ein Streufeldtransfor-
zusätzliches Heizelement bewirkt, das einen mator zur Zündung und Strombegrenzung
Bimetallstreifen oder einen Dehnungs- eingesetzt wird.
draht erwärmt. Da der Starter erst bei aus-
reichender Erwärmung öffnet und sich die
Vorheizzeit bei ungünstigen Temperatur- 2.4.1.5 Quecksilberdampf-Hochdruck-
oder Spannungsverhältnissen automatisch lampen
verlängert, ist für einen problemlosen Start
gesorgt. Zudem entfällt die Anlaufphase Quecksilberdampf-Hochdrucklampen wer-
bis zum Kontaktschluß, so daß Thermo- den durch Glimmentladung an einer Hilfs-
starter schneller als Glimmstarter zünden. elektrode gezündet. Sie benötigen daher
Thermostarter sind allerdings teurer kein zusätzliches Start- oder Zündgerät.
als Glimmstarter. Zum Teil benötigen sie Zur Strombegrenzung werden – wie bei

66
2.4 Betriebs- und Steuergeräte
2.4.2 Kompensation
2.4.3 Entstörung

Leuchtstofflampen – induktive Vorschalt- ten ist der Leistungsfaktor nahezu 1, so


geräte verwendet, die allerdings für den daß eine Kompensation entfällt.
höheren Lampenstrom der Hochdruck-
lampe ausgelegt sein müssen. Leuchtstofflampen, die an induktiven Vor-
schaltgeräten betrieben werden, können
durch Kondensatoren kompensiert wer-
2.4.1.6 Halogen-Metalldampflampen den, die parallel oder in Reihe mit dem
Vorschaltgerät geschaltet sind.
Halogen-Metalldampflampen werden an Wird ein Kompensationskondensator
induktiven Vorschaltgeräten betrieben. In in Reihe mit dem Vorschaltgerät geschaltet,
der Regel wird für die Zündung ein zusätz- so entsteht eine kapazitive Schaltung. Da
liches Zündgerät (Impulsgenerator, Zünd- der Leistungsfaktor hierbei über den Wert 1
pulser) benötigt. bis in den kapazitiven Bereich kompensiert
Für die Beleuchtung bestimmter Ver- wird, wird diese Schaltungsart auch als
kehrsanlagen und Versammlungsstätten Überkompensation bezeichnet. Die Schal-
wird eine sofortige Wiederzündung der tung erlaubt es hierbei, eine zweite Lampe
Lampen nach Stromunterbrechungen mit unkompensiertem Vorschaltgerät par-
gefordert. Diese Wiederzündung ist bei allel zu betreiben, so daß eine Duoschal-
zweiseitig gesockelten Halogen-Metall- tung entsteht. Vorteil der Duoschaltung
dampflampen durch spezielle Zündgeräte ist es, daß beide Lampen phasenverscho-
Schaltbilder von Leucht- möglich, die die erforderlichen hohen ben arbeiten. Auf diese Weise werden
stofflampen. Kompen-
sierte Schaltung: Zündspannungen liefern. Flackereffekte und Stroboskoperscheinun-
Kompensation des Auch für Halogen-Metalldampflam- gen bei Arbeitsplätzen mit rotierenden
Blindstroms durch einen pen sind elektronische Betriebsgeräte er- Maschinenteilen vermieden. Eine weitere
seriell geschalteten hältlich. Sie weisen ähnliche Eigenschaf- Methode zur Verringerung dieser Effekte
Kondensator (oben)
ten und Vorteile auf wie elektronische ist der sequentielle Anschluß der Lampen
Kapazitive Schaltung: Vorschaltgeräte für Leuchtstofflampen, an die drei Phasen eines Drehstromnetzes.
Überkompensation des darüber hinaus ermöglichen sie eine so-
Blindstroms durch einen fortige Wiederzündung der Lampen nach Bei Vorschaltgeräten ohne Kompensa-
seriell geschalteten
Kondensator (Mitte) Stromunterbrechungen. tionskondensator spricht man von einer
induktiven Schaltung. Hierbei kann
Duoschaltung: Kombi- die Kompensation durch einen parallel
nation einer unkompen- 2.4.1.7 Natriumdampf-Hochdrucklampen geschalteten Kondensator erfolgen.
sierten und einer über-
kompensierten Schal-
tung (unten) Natriumdampf-Hochdrucklampen werden Mit entsprechend bemessenem Vorschalt-
an induktiven Vorschaltgeräten betrieben. gerät können zwei Leuchtstofflampen in
N L Ihre Zündspannung ist so hoch, daß ein Reihe betrieben werden; diese Schaltung
Zündgerät benötigt wird. wird als Tandemschaltung bezeichnet.
Einige zweiseitig gesockelte Lampen
lassen eine Wiederzündung im betriebs-
warmen Zustand zu. Hierzu ist – wie bei 2.4.3 Funkentstörung und Begrenzung
Halogen-Metalldampflampen – ein speziel- anderer Störungen
les Zündgerät für die benötigten, hohen
Zündspannungen und eine für diese Span- Entladungslampen und ihre Betriebsgeräte
nungen ausgelegte Installation nötig. können sowohl im Versorgungsnetz als
Auch für Natriumdampf-Hochdrucklam- auch in ihrer Umgebung eine Reihe von
pen sind elektronische Vorschaltgeräte Störungen verursachen.
erhältlich.
N L Hier sind vor allem Funkstörungen zu nen-
nen, die von Start- und Zündgeräten so-
2.4.2 Kompensation und Schaltung wie von der Entladungslampe selbst aus-
von Entladungslampen gehen. Funkstörungen lassen sich durch
entsprechend bemessene Entstörkonden-
Induktive Vorschaltgeräte erzeugen durch satoren begrenzen.
die Phasenverschiebung der Spannung Betriebsgeräte und Leuchten müssen
gegenüber dem Strom einen Blindstrom- je nach ihrer Verwendung bestimmten
anteil – sie besitzen einen Leistungsfaktor Mindestanforderungen bezüglich der Funk-
(cos f) deutlich unter 1. Da Blindströme entstörung (in der Regel Grenzwertklasse
die Leitungsnetze belasten, wird von den B, VDE 0875) entsprechen und die entspre-
Energieversorgungsunternehmen bei grö- chenden Prüfzeichen tragen. Netzrückwir-
N L ßeren Beleuchtungsanlagen eine Kompen- kungen durch Oberwellen müssen eben-
sation des Blindstromanteils – d. h. eine falls unter bestimmten Grenzwerten liegen
Annäherung des Leistungsfaktors an 1 – (VDE 0712).
verlangt. Die Kompensation erfolgt durch
Kondensatoren, die die von der Induktivi- Im medizinischen Bereich kann z. B. der
tät verursachte Phasenverschiebung durch Betrieb von EKG- und EEG-Geräten durch
eine entgegengesetzte Verschiebung aus- elektrische und magnetische Felder, die
gleichen. Kompensation ist für jede ein- von Leuchteninstallationen – vor allem von
zelne Leuchte, für eine Gruppe von Leuch- Leitungen, Vorschaltgeräten und Trans-
ten oder zentral für eine Gesamtanlage formatoren – ausgehen, gestört werden.
möglich. Bei elektronischen Vorschaltgerä- Daher gelten in Arztpraxen, Kliniken und

67
2.4 Betriebs- und Steuergeräte
2.4.4 Transformatoren

ähnlichen Räumen besondere Vorschriften


(VDE 0107) für elektrische Installationen.
Tonfrequente Rundsteueranlagen, z. B. zur
Schaltung von Nachtspeicherheizungen
und Straßenbeleuchtungen, können durch
parallel kompensierte Vorschaltgeräte ge-
stört werden. Zur Vermeidung dieser Stö-
rungen werden entsprechend bemessene
Sperrdrosseln in Serie mit den Kompensa-
tionskondensatoren geschaltet.

2.4.4 Transformatoren für Niedervolt-


anlagen
Neben den Vorschalt- und Zündgeräten
Schaltbilder von Leucht- für Entladungslampen bilden Transforma-
stofflampen. Tandem- toren für Niedervoltanlagen die zweite
schaltung: Betrieb zwei- wesentliche Gruppe der Leuchtenbetriebs-
er seriell geschalteter geräte.
Lampen an einem Vor-
schaltgerät (parallel Bis vor einigen Jahren spielten Nieder-
kompensiert) voltanlagen für die Architekturbeleuch-
tung nur eine untergeordnete Rolle. Dies
N L änderte sich jedoch deutlich mit dem Auf-
kommen der Niedervolt-Halogenlampen,
die vor allem in den Bereichen der Präsen-
tation und der repräsentativen Beleuch-
tung zu einer der bevorzugten Lichtquellen
geworden sind.
Die für Niedervoltanlagen benötigte Klein-
spannung im Bereich unter 42 V (meist 6,
12 oder 24 V) wird mit Hilfe von Transfor-
matoren aus der Netzspannung erzeugt.
Transformatoren können Teil der Leuchte
N L sein oder außerhalb der Leuchte installiert
werden und eine oder mehrere Leuchten
versorgen.
Transformatoren stellen eine Schnittstelle
zwischen der Netzspannung und Klein-
spannungen dar, für die andere Sicher-
heitsbestimmungen gelten. Um auch im
Störungsfall sicherzustellen, daß unter
keinen Umständen Netzspannung in die
Niedervoltinstallation übertritt, müssen
Sicherheitstransformatoren nach VDE
N L 0551 verwendet werden.
Sollen Transformatoren auf entflamm-
baren Oberflächen montiert werden, so
müssen sie – wie Leuchten – zusätzlich ein
Schaltbilder von Leucht- M oder M M Zeichen tragen. Bei diesen
stofflampen. Betrieb an
einem elektronischen Transformatoren ist z. B. durch einen Ther-
Vorschaltgerät: Starter mowächter sichergestellt, daß keine Über-
und Kompensationskon- temperaturen erreicht werden können.
densator entfallen. Transformatoren für Niedervoltanlagen
Einlampige (oben) und
zweilampige Schaltung müssen primärseitig abgesichert sein. Hier-
(unten) bei werden träge Sicherungen verwendet,
da beim Einschalten kurzfristig Ströme bis
zum 20fachen des Nennstroms fließen
können.
Beachtet werden sollte bei der Niedervolt-
technik der – durch große Stromstärken bei
niedrigen Spannungen bedingte – mögliche
Spannungsabfall in den Zuleitungen. Dieser
kann durch entsprechend bemessene Lei-
tungsquerschnitte und kurze Zuleitungen
begrenzt werden; manche Transformatoren
besitzen sowohl primär- als auch sekun-

68
2.4 Betriebs- und Steuergeräte
2.4.4 Transformatoren

därseitig zusätzlich Spannungsabgriffe,


so daß Spannungsverluste bei längeren
Zuleitungen kompensiert werden können.
Elektronische Transformatoren sind elek-
tronischen Vorschaltgeräten in Funktions-
weise und Eigenschaften vergleichbar. Hier
ist vor allem die Arbeitsweise bei hohen
Frequenzen zu nennen, die kleinere Geräte-
abmessungen, ein geringeres Gewicht und
eine niedrige Verlustleistung ermöglicht.
Elektronische Transformatoren liefern eine
weitgehend von der Belastung unabhän-
gige Spannung, so daß sie sich für kleine
Teillasten eignen. Wie bei elektronischen
Vorschaltgeräten ist ebenfalls ein Gleich-
strombetrieb zur Notbeleuchtung möglich.
Der Preis für elektronische Transformato-
ren liegt über dem konventioneller Geräte.

Größenverhältnisse
von Transformatoren
für Niedervoltanlagen:
Sicherheitstransforma-
tor 600 W (oben) und
100 W (Mitte), elektro-
nischer Transformator
100 W (unten)

Pn (W) G (kg) l (mm) b (mm) h (mm) Relative Verlustleistung


Pv/Pn (%) Leerlauf (P V /P n ) von Transforma-
20 0,5 120 56 50 20
toren unterschiedlicher
Vollast
50 1,0 155 56 50 Nennleistung Pn bei
100 1,8 210 56 50 15 gebräuchlichen Sicher-
150 2,6 220 90 90 heitstransformatoren
(oben) und elektroni-
300 5,5 290 150 130 10
schen Transformatoren
600 9,2 310 150 130 (unten). Angaben für
5 Leerlauf und Vollast

20 50 100 150 300 600 Pn (W)

Pn (W) G (kg) l (mm) b (mm) h (mm)


Pv/Pn (%) Vollast
50 0,2 155 45 30 20
100 0,2 155 45 30
15
Nennleistung (Pn ),
Gewicht (G) und
10
Abmessungen (l, b, h)
von gebräuchlichen
Sicherheitstransforma- 5
toren (oben) und elek-
tronischen Transforma-
toren (unten)
20 50 100 150 300 600 Pn (W)

69
2.4 Betriebs- und Steuergeräte
2.4.4 Transformatoren

Niedervoltanlage mit
Einzeltransformatoren.
Die Zuleitung vom Trans-
formator zur Leuchte ist
230/U möglichst kurz, um den
Spannungsabfall gering
zu halten; der Transfor-
mator kann auch Teil der
Leuchte sein.

Niedervoltanlage mit
Sammeltransformator.
Sternförmige Verdrah-
tung zur Erzielung glei-
cher Leitungslängen
230/U zwischen Transformator
und Leuchten; alle Lam-
pen erhalten auf diese
Weise die gleiche Ver-
sorgungsspannung.

. Der Gesamtspannungs-
¤U = 0,035 . I l I2 P abfall ¤U einer stern-
fälle ¤U1 + ¤U2. Die
Einzelspannungsabfälle
A förmig verdrahteten berechnen sich gemäß
l2
[¤U] = V A2
Niedervoltanlage mit Formel, wobei l1 sich aus
Sammeltransformator der Leistung aller Lam-
[I] = A 230/U l1 ergibt sich als Summe pen 4P/U und I 2 aus P/U
der Einzelspannungsab- ergibt.
[l] = m l1
[A] = mm2 A1

¤ U1 ¤ U2
Spannungsabfall ¤U für ¤U
Kupferleiter in Abhän-
gigkeit von Stromstärke,
Leitungslänge und Lei-
terquerschnitt

Spannungsabfall ¤U pro
1 m Leitungslänge in
Abhängigkeit von der
Stromstärke I bzw. der
Lampenleistung P für
unterschiedliche Leiter-
querschnitte A. Gültig
für Anlagen mit einer
Spannung von 12 V

¤U (V/m) A (mm2) I (A) Strombelastbarkeit I von


0,2 0,75 1,5 2,5 4,0 6,0 10 mehradrigen Leitungen
0,75 12 des Leiterquerschnitts A
1,0 15
1,5 18
2,5 26
16 4,0 34
0,1 Außenquerschnitt d von
6,0 44
Mantelleitungen mit der
25 10,0 61 Leiterzahl n für unter-
16,0 82 schiedliche Leiterquer-
25,0 108 schnitte A
A (mm2)
I (A) 10 20 30 40 50 60 A (mm2) n d (mm)
P (W) 120 240 360 480 600 720 1,5 2 10
3 10
5 11
2,5 2 11
3 11
5 13
4,0 3 13
5 15

70
2.4 Betriebs- und Steuergeräte
2.4.5 Helligkeitssteuerung

2.4.5 Helligkeitssteuerung jedoch deutlich vom Verhalten gedimmter


Glühlampen ab.
Für zahlreiche Anwendungen ist es sinnvoll, Hier ist zunächst der annähernd lineare
eine Beleuchtungsanlage oder einzelne Zusammenhang von Lampenstrom und
Leuchtengruppen nicht nur ein- und aus- Lichtstrom zu nennen. Während eine Glüh-
zuschalten, sondern auch in ihrer Hellig- lampe bei einem um 10 % verminderten
keit steuern zu können. Auf diese Weise ist Lampenstrom schon auf ca. 50 % des Licht-
eine Anpassung an unterschiedliche Raum- stroms reduziert ist, muß bei Leuchtstoff-
nutzungen und Umgebungsbedingungen lampen für diese Dimmstufe auch der
möglich; zusätzlich ergibt sich durch die fast Lampenstrom um 50 % reduziert werden.
verlustfrei arbeitende Phasenanschnitts- Leuchtstofflampen verändern ihre Licht-
steuerung eine deutliche Energieersparnis. farbe beim Dimmen nicht. Vor allem bei
Möglichkeiten und Voraussetzungen der kälteren Lichtfarben und geringen Beleuch-
Helligkeitssteuerung variieren jedoch nach tungsstärken kann dies als unnatürlich
Art der verwendeten Lichtquellen erheblich. empfunden werden.
Zur Helligkeitsregelung von Leucht-
stofflampen werden spezielle Dimmer ver-
2.4.5.1 Glühlampen und Halogen-Glüh- wendet. Bei einigen Helligkeitssteuerungen
lampen für Leuchtstofflampen ist ein Dimmen bis
auf niedrige Beleuchtungsstärken aller-
Konventionelle Glühlampen und Halogen- dings nicht möglich. Dies muß z. B. bei Be-
Glühlampen für Netzspannung stellen leuchtungsanlagen in Vortragssälen be-
die am einfachsten zu dimmenden Licht- rücksichtigt werden, in denen für Dia- oder
quellen dar. Zur Helligkeitssteuerung sind Videoprojektionen besonders niedrige
hier einfache Phasenanschnittssteuerun- Dimmstufen benötigt werden.
gen geeignet. Eine Reihe von Helligkeitssteuerungen
Glühlampen können von voller Licht- für Leuchtstofflampen benötigt eine zu-
leistung bis fast zur völligen Verdunkelung sätzliche vierte Leuchtenzuleitung für die
gedimmt werden. Hierbei bewirkt schon Elektrodenheizung. Für das Dimmen von
eine geringe Reduzierung des Lampen- Leuchtstofflampen an Stromschienen
stroms erhebliche Veränderungen der Lam- scheiden derartige Systeme also aus, da
peneigenschaften; der Lichtstrom sinkt bei den gebräuchlichen Stromschienen
überproportional stark, die Lampenlebens- nur drei Leiter zur Verfügung stehen.
dauer nimmt deutlich zu, und die Licht- Beim Dimmen werden die Leitungen
farbe verschiebt sich hin zu wärmeren zwischen Dimmer und Leuchte mit erheb-
Lichtfarben. Da dies Absinken der Farb- lichen Blindströmen belastet, die nicht
temperatur von natürlichen Phänomenen kompensiert werden können, da eine Kom-
her vertraut ist (Sonnenuntergang, Ver- pensation der Anlage nur außerhalb des
glühen eines Feuers), wird die Änderung gedimmten Kreises möglich ist. Diese Blind-
der Lichtfarbe beim Dimmen von Glüh- ströme müssen bei der Dimensionierung
lampen als angenehm empfunden. von Leitungen und Betriebsgeräten be-
rücksichtigt werden.
2.4.5.2 Niedervolt-Halogenlampen Die Helligkeitssteuerung von Leuchtstoff-
lampen kann, je nach den verwendeten
Niedervolt-Halogenlampen verhalten sich Lampentypen, Vorschaltgeräten und Dim-
beim Dimmen wie herkömmliche Glühlam- mern, auf unterschiedliche Weise erfolgen.
pen. Durch wechselseitige Beeinflussung
von Dimmer und Transformator ergeben 26 mm-Lampen an induktiven Vorschalt-
sich allerdings höhere Anforderungen an geräten benötigen einen Heiztransforma-
diese Geräte. So können keine konventio- tor mit elektronischer Zündhilfe. Eine wei-
nellen Dimmer verwendet werden, es sind tere Lösung zur Helligkeitssteuerung von
vielmehr spezielle Dimmer für Niedervolt- 26 mm-Leuchtstofflampen ist die Verwen-
anlagen erforderlich. Auch die verwendeten dung spezieller elektronischer Vorschalt-
Transformatoren müssen für den Dimm- geräte, die gelegentlich mit dazugehörigen,
betrieb zugelassen und mit Sicherungen angepaßten Dimmern verwendet werden
ausgestattet sein, die für die entstehenden müssen, sonst aber mit allen Dimmern für
hohen Einschaltströme ausgelegt sind. Leuchtstofflampen betrieben werden kön-
Das Dimmen erfolgt grundsätzlich primär- nen. Zusätzlich werden pro Leuchte jeweils
seitig. Bei Verwendung elektronischer spezielle Filterdrosseln oder ein als Filter-
Transformatoren können zum Teil konven- drossel verwendetes konventionelles Vor-
tionelle Dimmer eingesetzt werden, einige schaltgerät benötigt. Einige dieser Hellig-
Fabrikate benötigen jedoch speziell an- keitssteuerungen erlauben einen Betrieb
gepaßte Dimmer. mit dreiadrigen Zuleitungen, so daß sie für
den Betrieb an Stromschienen geeignet
sind. Bei Verwendung elektronischer Vor-
2.4.5.3 Leuchtstofflampen schaltgeräte entfallen die beim Dimmen
mit Netzfrequenz auftretenden, störenden
Auch bei Leuchtstofflampen ist eine Hel- Flimmererscheinungen.
ligkeitssteuerung möglich. Das Dimm-
verhalten von Leuchtstofflampen weicht

71
2.4 Betriebs- und Steuergeräte
2.4.6 Fernsteuerung
2.4.7 Lichtsteuersysteme

Stromschienenanlage Das früher übliche Dimmen von 38 mm-


mit 3-Kanal-Fernsteue- Lampen an induktiven Vorschaltgeräten ist
rung. Der Empfänger
kann über Handsender inzwischen nur noch von untergeordneter
oder wandmontierte Bedeutung. Es erfordert spezielle Lampen
Sender angesteuert mit Zündhilfen sowie einen Heiztransfor-
werden. mator zur Dauerheizung der Lampenelek-
troden.

2.4.5.4 Kompakte Leuchtstofflampen


Kompakte Leuchtstofflampen mit zweipoli-
gem Sockel (integriertem Starter) können
nicht gedimmt werden. Lampentypen mit
vierpoligem Sockel werden wie konventio-
nelle 26 mm-Leuchtstofflampen gedimmt.

Beispiel der Fernsteue- 2.4.5.5 Andere Entladungslampen


rung einer 3-Phasen-
Stromschienenanlage In der Regel werden Hochdruck-Entla-
durch Schalten und
Dimmen einzelner Last- dungslampen und Natriumdampf-Nieder-
kreise drucklampen nicht gedimmt, da ein kon-
stantes Brennverhalten nicht gewährleistet
ist und die Lampeneigenschaften durch
das Dimmen verschlechtert werden.

2.4.6 Fernsteuerung
Fernsteueranlagen bieten die Möglichkeit,
einzelne Leuchten oder Lastkreise mit Hilfe
einer Fernbedienung zu steuern. Hierzu
werden Empfängerbausteine in Leuchten,
Lichtstrukturen oder Verteilerdosen einge-
baut; diese Empfänger schalten oder dim-
men die angeschlossenen Leuchten auf
Infrarotsignale hin. Durch entsprechende
Signalcodierung können mehrere Leuch-
ten oder Lastkreise in einem Raum separat
angesprochen werden. Fernsteueranlagen
können zunächst dazu genutzt werden,
die Beleuchtung mit einem Handsender
von jeder Stelle des Raums aus zu steuern.
Wesentlicher ist allerdings die Möglichkeit,
einen einzelnen Stromkreis in mehrere,
separat steuerbare Lastkreise zu teilen.
Für den Betrieb an Stromschienen werden
spezielle Empfängerbausteine angeboten,
die alle Lastkreise der Schiene steuern. Auf
diese Weise kann – vor allem bei Altbauten
mit nur einem verfügbaren Stromkreis pro
Schematischer Aufbau werden die Schalt- und Raum – eine differenzierte Raumbeleuch-
einer programmierbaren Dimmzustände der
Lichtsteueranlage. Im Lichtszenen program- tung ohne aufwendige Installationsarbei-
jeweiligen Raum instal- miert und gespeichert. ten ermöglicht werden.
lierte Bedienelemente Lastbausteine dienen
(1) ermöglichen das Ab- zum Dimmen von Glüh-
rufen der vorprogram- lampen (3), Niedervolt-
mierten Lichtszenen. Im Halogenlampen (4) und 2.4.7 Lichtsteuersysteme
zentralen Steuergerät (2) Leuchstofflampen (5).
Aufgabe einer Beleuchtungsanlage ist es,
optimale Wahrnehmungsbedingungen
230 V für die jeweilige Situation zu schaffen. Die
Beleuchtung muß dabei zunächst die Wahr-
nehmung der Sehaufgaben und eine sichere
3 4 5 Bewegung von Raum zu Raum ermöglichen.
Darüber hinaus soll sie aber auch ästheti-
sche und psychologische Wirkungen berück-
1 2 EVG sichtigen, d. h. für Orientierungsmöglich-
keiten sorgen, architektonische Strukturen
verdeutlichen und die Aussage einer Archi-
tektur unterstützen.

72
2.4 Betriebs- und Steuergeräte
2.4.7 Lichtsteuersysteme

Schon bei einfachen Beleuchtungsauf- hen aus einer Zentraleinheit zur digitalen
gaben zeigt es sich, daß diese Ansprüche Speicherung und Steuerung, einer Reihe
nicht von einem einzigen Lichtkonzept von Lastbausteinen (Dimmer oder Relais),
erfüllt werden können. So ergeben sich die jeweils einem Lastkreis zugeordnet sind,
schon durch wechselnde Umgebungsbedin- und einem oder mehreren Bedienelemen-
gungen unterschiedliche Ansprüche an die ten. Je nach Anwendung sind weitere Bau-
Beleuchtung – die Bedingungen für eine steine zur zeit- oder tageslichtabhängigen
Nachtbeleuchtung sind anders als für eine Steuerung und zur Steuerung mehrerer
Zusatzbeleuchtung am Tag. Noch stärker Räume erforderlich; durch besondere
differenziert werden die Ansprüche an eine Schaltungen bzw. durch Einbindung in die
Beleuchtungsanlage durch wechselnde Programme der Hausleittechnik können
Raumnutzungen, z. B. den Wechsel von neben der Beleuchtung weitere Funktio-
Veranstaltungsarten in einer Mehrzweck- nen der Haustechnik (z. B. die Bedienung
halle, den Wechsel von Ausstellungen in von Jalousien oder Projektionsleinwänden)
einem Museum oder selbst die Nutzung über die Lichtsteueranlage gesteuert und
eines Büroraumes zu Schreibarbeiten bzw. überwacht werden.
einer Konferenz.
Um die unterschiedlichen Anforderungen 2.4.7.1 Lichtsteuersysteme für Bühnen-
bei wechselnden Umgebungsbedingungen wirkungen
und Nutzungsarten zu erfüllen, muß eine
Beleuchtungsanlage in mehreren Dimm- Anders als die Bühnenbeleuchtung, deren
und Schaltzuständen arbeiten, mehrere Aufgabe vorrangig die Schaffung von Illu-
Lichtszenen bilden können. Voraussetzung sionen ist, zielt die Architekturbeleuchtung
Beispiel für eine pro- hierfür ist die Möglichkeit, Leuchten oder auf die Wahrnehmbarkeit und Eindeutigkeit
grammierbare Licht-
steueranlage: Bedien- Leuchtengruppen separat schalten und in der realen Umgebung. Trotz dieses grund-
element (Mitte) für 6 ihrer Helligkeit steuern zu können, so daß legenden Unterschieds werden jedoch
Lichtszenen, zusätzlich Beleuchtungsstärke und Lichtqualitäten in Methoden der Bühnenbeleuchtung in der
mit Ein-/Ausschaltern einzelnen Bereichen des Raums der jewei- Architekturbeleuchtung übernommen; es
für das Auf- und Abdim-
men der Gesamtanlage. ligen Situation angepaßt werden können. werden zunehmend Beleuchtungsanlagen
Zentrales Steuergerät Für jede Nutzungs- oder Umgebungsbedin- mit dramatischen Wirkungen konzipiert.
mit LCD-Display (oben). gung ergibt sich dabei ein optimales Muster Hierzu zählen ausgeprägte Hell-Dunkel-
Lastbaustein (unten) mit geschalteter Leuchten und Helligkeitsstu- Kontraste, der Einsatz farbigen Lichts – sei
programmierter Adresse
und Ein-/Ausschaltern fen, eine Lichtszene. Sollen zahlreiche es durch Strahler mit Farbfiltern, sei es
für Testzwecke Leuchtengruppen exakt gesteuert werden, durch die Konturenbeleuchtung mit farbi-
ist es dabei sinnvoll, die Lichtszenen elek- gen Leuchtröhren – sowie die Projektion
tronisch zu speichern und jede Szene als von Gobos.
Ganzes abrufen zu können. Über die Frage der eingesetzten Licht-
wirkungen hinaus spielt bei der Bühnen-
Die grundlegende Aufgabe eines Licht- beleuchtung aber vor allem der Aspekt der
steuersystems besteht darin, eine Reihe zeitlichen Veränderung eine entscheidende
von Lichtszenen – jeweils also die Schalt- Rolle; der Lichtszenenwechsel dient nicht
1 2 3 4 5 ? F1 F2
und Dimmzustände mehrerer Lastkreise – mehr der Anpassung an vorgegebene An-
6 7 8 9 0 C F3 F4
zu speichern und auf ein Signal hin ab- forderungen, sondern wird zum eigenstän-
zurufen. Durch die programmierte Licht- digen gestalterischen Mittel. Die Verände-
steuerung sind jedoch komplexere Vor- rung des Lichts bezieht sich hierbei nicht
gänge als ein einfacher Lichtszenenwechsel mehr nur auf das Schalten von Leuchten-
möglich. So kann z. B. der zeitliche Verlauf gruppen und die Veränderung der Leuch-
des Szenenwechsels, vom augenblicklichen tenhelligkeit; sie bezieht Ausstrahlungs-
Umschalten bis hin zum unmerklichen charakteristik, Ausstrahlungsrichtung und
ON 1 2 3 Übergang, ebenfalls programmiert werden. Lichtfarbe mit ein.
OFF 4 5 6 Weiter ist es möglich, das Helligkeitsniveau An eine Bühnenlichtsteuerung werden
einer ganzen Lichtszene anzuheben oder also erheblich höhere Anforderungen als
zu senken, ohne ihre Programmierung zu an konventionelle Lichtsteuersysteme ge-
ändern. stellt. Durch den Trend zum Einsatz dra-
Der Wechsel zwischen zwei Lichtszenen matischer Lichtwirkungen in der Architek-
kann von Hand per Knopfdruck über Be- turbeleuchtung werden aber auch hier
dienelemente abgerufen werden. Es ist zunehmend Steuersysteme zum Einsatz
aber auch möglich, Szenenwechsel auto- kommen, die in der Lage sind, Leuchten
matisch zu steuern. Hierbei erfolgt die nicht nur zu schalten und zu dimmen,
ON
Steuerung meist abhängig von der Inten- sondern auch in ihrer räumlichen Lage,
OFF sität des Tageslichts oder in Abhängigkeit ihrer Lichtfarbe und ihrer Ausstrahlungs-
12
von Wochentag und Uhrzeit. charakteristik zu verändern.
Lichtsteuersysteme sind durch die Minia-
turisierung der elektronischen Bausteine
so kompakt, daß sie zum Teil in vorhan-
denen Schalt- bzw. Sicherungsschränken
installiert werden können; bei größeren
Systemen benötigen sie einen eigenen
Schaltschrank. Lichtsteuersysteme beste-

73
2.5 2.5 Licht
2.5.1 Lichtquantität

Licht Waren bisher visuelle Wahrnehmung und


Lichterzeugung getrennt behandelte The-
Eigenschaften und men, so soll nun der Bereich beschrieben
werden, in dem Licht und Wahrnehmung
Merkmale zusammentreffen – der Bereich der Eigen-
schaften und Merkmale des Lichts. Hier soll
gezeigt werden, in welcher Weise bestimmte
Qualitäten des Lichts jeweils andere Wahr-
nehmungsbedingungen schaffen und so
die visuelle Wahrnehmung des Menschen
beeinflussen und steuern. Dabei spielt die
Beleuchtungsstärke ebenso eine Rolle wie
die Verteilung und Richtung des Lichts,
die Begrenzung von Blendungseffekten
oder die Farbqualität einer Beleuchtung.
Für den Bereich der Arbeitsplätze existiert
ein umfangreiches Regelwerk, das Beleuch-
tungsbedingungen definiert, unter denen
bestimmte Sehaufgaben optimal und er-
müdungsfrei wahrgenommen werden
können. Diese Normen beziehen sich je-
doch nur auf die Optimierung der Arbeits-
bedingungen, so daß für die Berücksich-
tigung der architektonischen und psycho-
logischen Anforderungen einer visuellen
Umgebung weitergehende Konzepte ent-
wickelt werden müssen.

2.5.1 Lichtquantität
Grundlegend für eine Beleuchtung ist zu-
nächst die Quantität des Lichts, die in einer
bestimmten Situation, für eine bestimmte
Sehaufgabe zur Verfügung steht. Daß Licht
100 P (%) 3,0 S 3,0 S zur visuellen Wahrnehmung benötigt wird,
80 2,5 2,5 ist eine selbstverständliche Tatsache. Bis
60
2,0 2,0 vor gut hundert Jahren war der Mensch
40
1,5 1,5 dabei an die Lichtmengen gebunden, die
1,0 1,0 ihm das ständig wechselnde Tageslicht oder
20 0,5 0,5 schwache künstliche Lichtquellen wie Ker-
E (lx)
100 300 500 700 900 100 300 500 700
E (lx)
900 10 30 50 70
Alter (a)
90
zen oder Öllampen zur Verfügung stellten.
Erst mit der Entwicklung des Gasglühlichts
Einfluß der Beleuch- Einfluß der Beleuch- Sehschärfe S in Abhän- und der elektrischen Beleuchtung wurde
tungsstärke E auf die tungsstärke E auf die gigkeit vom Lebensalter es möglich, ausreichende Lichtmengen
relative Sehleistung P Sehschärfe S normal- (Durchschnittswerte)
für einfache (obere sichtiger Beobachter künstlich zu erzeugen und auf diese Weise
Kurve) und schwierige die Beleuchtungsverhältnisse aktiv zu
Sehaufgaben (untere steuern.
Kurve) Durch diese Möglichkeit stellte sich
nun die Frage nach dem angemessenen
Licht, nach den Unter- und Obergrenzen
der Beleuchtungsstärke und Leuchtdichte
für bestimmte Situationen. Besonders in-
tensiv wurden die Lichtverhältnisse am
Arbeitsplatz untersucht, um Beleuchtungs-
stärken zu ermitteln, unter denen sich
eine optimale Sehleistung ergibt. Als Seh-
leistung wird dabei die Fähigkeit bezeich-
net, Objekte oder Details geringer Größe
bzw. Sehaufgaben mit geringem Kontrast
zur Umgebung wahrnehmen und identi-
fizieren zu können.
Grundsätzlich steigt die Sehleistung bei
Erhöhung der Beleuchtungsstärke steil
an. Oberhalb von 1000 Lux erhöht sie sich
allerdings nur noch langsam, um schließ-
lich bei sehr hohen Beleuchtungsstärken
durch das Auftreten von Blendung wieder
zu sinken.

74
2.5 Licht
2.5.1 Lichtquantität

Bei leichten Sehaufgaben wird eine aus-


Aus der Spaltbreite des reichende Sehleistung schon durch geringe
kleinsten erkennbaren Beleuchtungsstärken erreicht, während
Landolt-Rings und der komplizierte Sehaufgaben hohe Beleuch-
Beobachtungsentfer- tungsstärken erfordern. So stellen 20 Lux
nung ergibt sich ein
Landolt-Ring zur Be- Sehwinkel å, dessen eine Untergrenze dar, bei der z. B. die Ge-
stimmung der Seh- Kehrwert das Maß für sichtszüge von Menschen gerade noch un-
schärfe. Sehaufgabe die Sehschärfe S ist. Ein terschieden werden können. Für einfache
ist die Bestimmung der Visus von 1 ergibt sich Arbeiten sind schon mindestens 200 Lux
Lage des Spaltes, dessen beim Erkennen des Spal-
Öffnung 1/5 des Ring- tes unter einem Sehwin- erforderlich, während komplizierte Seh-
durchmessers d beträgt. kel å = 1' (1/60°). aufgaben bis zu 2000 Lux, in Spezialfällen
wie z. B. Operationsfeldbeleuchtung bis zu
10000 Lux erfordern. Die subjektiv bevor-
zugte Beleuchtungsstärke am Arbeitsplatz
liegt zwischen 1000 und 2000 Lux.
Die Richtwerte für Beleuchtungsstär-
d d ken, wie sie sich vor allem in der DIN-Norm
5 5 5035, Teil 2, finden, bewegen sich mit Wer-
å ten von 20 bis 2000 Lux innerhalb des
oben dargestellten Rahmens. Die jeweils
empfohlenen Beleuchtungsstärken erge-
ben sich dabei vor allem aus der Größe der
d
Sehaufgabe und ihrem Kontrast zur un-
mittelbaren Umgebung, wobei sehr kleine,
S S= 1 kontrastarme Sehaufgaben die höchste
å Beleuchtungsstärke verlangen.
0,5
[å] = min Die Vorgabe pauschaler Beleuchtungsstär-
ken, wie sie über die Normung der Arbeits-
1
platzbeleuchtung hinaus die gesamte Pra-
xis der Lichtplanung prägt, sagt allerdings
2 wenig über die tatsächliche Wahrnehmung
aus. Im Auge abgebildet, und damit wahr-
nehmbar, wird nicht der auf eine Fläche
3 fallende Lichtstrom – die Beleuchtungs-
stärke –, sondern das von den Flächen emit-
Tafel zur Bestimmung tierte, transmittierte oder reflektierte Licht.
der Sehschärfe S aus Das Bild auf der Netzhaut beruht also auf
einem Abstand von 2 m
dem Leuchtdichtemuster der wahrgenom-
menen Objekte, auf dem Zusammenwirken
von Licht und Objekt.
Auch für den Bereich der Leuchtdichte exi-
stieren Empfehlungen, so für maximale
Leuchtdichtekontraste zwischen Sehauf-
gabe und Umgebung oder für absolute
Leuchtdichten, die z. B. von Leuchtdecken
oder Leuchten für Bildschirmarbeitsplätze
E (lx) Charakeristische Be- nicht überschritten werden sollen. Ziel ist
leuchtungsstärken E in wiederum die Optimierung der Sehleistung
20 Mindestwert in Innenräumen außerhalb von Arbeitsbereichen Innenräumen
Zum Erkennen von Gesichtszügen notwendige Beleuchtungsstärke am Arbeitsplatz.
200 Mindestbeleuchtungsstärke ständig besetzter Arbeitsplätze Über diese Richtwerte hinaus existie-
2 000 Maximale Beleuchtungsstärke an normalen Arbeitsplätzen ren aber auch generelle Empfehlungen für
20 000 Beleuchtungsstärke spezieller Sehaufgaben die Leuchtdichteverteilung im gesamten
z. B. Operationsfeldbeleuchtung Raum. Dabei wird angenommen, daß ein
von diesen Richtlinien abweichender Raum
mit geringen Leuchtdichtekontrasten
E (lx) Empfohlene Beleuch- monoton und uninteressant, bei hohen
tungsstärken E nach CIE Kontrasten dagegen unruhig und irritie-
20–50 Wege und Arbeitsbereiche im Freien für unterschiedliche
50–100 Orientierung in Räumen bei kurzem Aufenthalt Tätigkeitsmerkmale rend wirkt.
100–200 Nicht ständig benutzte Arbeitsräume Seit einiger Zeit sind allerdings syste-
200–500 Sehaufgaben mit geringem Schwierigkeitsgrad matischere Ansätze zur umfassenden
300–750 Sehaufgaben mit mittlerem Schwierigkeitsgrad Lichtplanung anhand der Leuchtdichte-
500–1000 Sehaufgaben mit hoher Anforderung, z. B. Bürotätigkeit verteilung entwickelt worden. Vor allem in
750–1000 Sehaufgaben mit hoher Schwierigkeit, z. B. Feinmontage Waldrams Konzept der „designed appear-
1000–2000 Sehaufgaben mit sehr hoher Schwierigkeit, ance“ bzw. der „stabilen Wahrnehmung“
z. B. Kontrollaufgaben bei Bartenbach finden sich Versuche, die
> 2000 Zusatzbeleuchtung für schwierige und spezielle Aufgaben visuelle Wirkung einer gesamten Umge-
bung (mood, Milieu) durch gezielte Vertei-
lung von Leuchtdichten zu steuern.

75
2.5 Licht
2.5.2 Diffuses und gerichtetes Licht

Jeder Versuch, Beleuchtungsanlagen an- gleichzeitig die Beschaffenheit des Objekts


hand quantitativer Vorgaben zu planen, und die Art der Beleuchtung abgeleitet.
wirft jedoch grundlegende Probleme auf. Schon anhand dieser einfachen Beispiele
Dies gilt sowohl für die pauschale Vorgabe zeigt sich der Stellenwert der psychischen
von Beleuchtungsstärken oder Leucht- Verarbeitung für das letztlich wahrgenom-
dichteskalen als auch für die Vorgabe dif- mene Bild.
ferenzierter Leuchtdichtemuster.
Visuelle Wahrnehmung ist ein Vorgang, Wenn Lichtplanung bestimmte visuelle
bei dem sich der Mensch durch das Medium Wirkungen bewußt anstrebt, muß sie dabei
Licht über die Objekte in seiner Umgebung alle am Wahrnehmungsprozeß beteiligten
informiert, der also grundsätzlich durch Faktoren einbeziehen. Lichtplanung kann
die drei Faktoren Licht, Objekt und wahr- sich also nicht auf die Betrachtung von
nehmendes Subjekt beeinflußt wird. Bei Beleuchtungsstärken oder Leuchtdichten,
einer Planung, die sich auf die Vorgabe von von Licht und Objekt beschränken, auch
Beleuchtungsstärken beschränkt, wird ein- wenn dies z. B. bei der Schaffung optimaler
seitig der Aspekt des Lichts betrachtet. Die Wahrnehmungsbedingungen am Arbeits-
Beleuchtungsstärke ist daher eine unzu- platz naheliegt. Sie muß – als Gestaltung
reichende Grundlage für die Voraussage der Umwelt des Menschen – neben den
visueller Wirkungen, zumal sie, wie oben Eigenschaften des eingesetzten Lichts
beschrieben, nicht direkt wahrnehmbar ist. auch das wahrnehmungspsychologische
Bei der Planung von Leuchtdichtever- Wechselspiel zwischen Lichtquelle, Objekt
teilungen wird neben dem Licht schon die und wahrnehmendem Subjekt in der jewei-
Wechselwirkung des Lichts mit den Objek- ligen Situation berücksichtigen.
ten berücksichtigt. Die Leuchtdichte bildet
die Grundlage der tatsächlich wahrgenom-
nen Helligkeit, so daß der Wahrnehmungs- 2.5.2 Diffuses und gerichtetes Licht
prozeß zumindest bis zur Abbildung auf
der Netzhaut berücksichtigt wird. Verläßt man den Bereich der Quantität und
wendet sich den Qualitäten des Lichts zu,
Dennoch stellt auch die Leuchtdichte und so ist die Unterscheidung zwischen diffu-
ihre Verteilung keine ausreichende Grund- sem und gerichtetem Licht einer der we-
lage für die Planung von visuellen Ein- sentlichsten Aspekte. Schon aus der alltäg-
drücken dar – vernachlässigt bleibt hier lichen Erfahrung sind uns entsprechende
der wahrnehmende Mensch. Das auf der Beleuchtungssituationen vertraut – das
Netzhaut abgebildete Muster von Leucht- gerichtete Licht der Sonne bei wolkenlosem
dichten ist nicht das Endprodukt, sondern Himmel und das diffuse Licht bei geschlos-
nur die Grundlage eines komplexen Verar- sener Wolkendecke. Charakteristische
beitungsprozesses, an dessen Ende das Eigenschaften sind dabei vor allem die
wahrgenommene, wirklich gesehene Bild gleichmäßige, fast schattenlose Beleuch-
steht. Hierbei spielen Gestaltgesetze, Kon- tung bei bedecktem Himmel gegenüber
stanzphänomene, Erwartungshaltungen dem dramatischen Wechsel von Licht und
und der Informationsgehalt des Wahrge- Schatten im Sonnenlicht.
nommenen eine Rolle.
Ziel der Wahrnehmung ist nicht das Diffuses Licht geht von großen leuchten-
Registrieren von Lichterscheinungen, son- den Flächen aus. Dies können flächige
dern die Information über die Umwelt. Lichtquellen wie das Himmelsgewölbe
Interessant sind nicht die Leuchtdichten, beim Tageslicht oder Leuchtdecken im
die eine Ansammlung von Objekten ab- Bereich des Kunstlichts sein. Diffuses Licht
strahlt, sondern vielmehr die Information wird aber auch, und dies ist bei Innenräu-
über die Beschaffenheit dieser Objekte men der häufigere Fall, von angestrahlten
und über die Beleuchtungssituation, unter Decken und Wänden reflektiert. Erzeugt
der diese Beschaffenheit wahrgenommen wird auf diese Weise eine sehr gleichmä-
wird. ßige, weiche Beleuchtung, die den gesam-
So ist zu erklären, daß das tatsächlich ten Raum erhellt und sichtbar macht, je-
wahrgenommene, gesehene Bild nicht mit doch kaum Schatten oder Reflexe erzeugt.
dem Leuchtdichtemuster auf der Netzhaut Gerichtetes Licht geht von punktförmi-
identisch ist, obwohl es auf diesem Leucht- gen Lichtquellen aus. Dies ist beim Tageslicht
dichtemuster aufbaut. Ein weißer Körper die Sonne; im Bereich des Kunstlichts sind
hat in unterschiedlichen Beleuchtungs- es kompakt gebaute Lampen. Die wesent-
situationen jeweils unterschiedliche Leucht- lichen Eigenschaften von gerichtetem Licht
dichten. Dennoch wird dieser Körper immer sind die Erzeugung von Schatten auf Kör-
als gleichmäßig weiß wahrgenommen, weil pern und strukturierten Oberflächen sowie
die Beleuchtungssituation bei der Verarbei- von Reflexen auf spiegelnden Objekten.
tung des Bildes ermittelt und berücksichtigt Diese Wirkungen treten bei einem geringen
wird. Ebenso wird die Schattenbildung auf Anteil von diffusem Licht an der Gesamt-
einem räumlichen Körper – sein Leucht- beleuchtung besonders deutlich hervor.
dichtemuster – nicht als ungleichmäßige Im Bereich des Tageslichts liegt der Anteil
Beleuchtung einer Fläche, sondern als von gerichtetem und diffusem Licht bei
Merkmal einer räumlichen Form interpre- wolkenlosem Himmel durch das Verhältnis
tiert. In beiden Fällen wird also aus dem von Sonnen- und Himmelslicht (5:1 bis
wahrgenommenen Leuchtdichtemuster 10:1) praktisch fest.

76
2.5 Licht
2.5.2 Diffuses und gerichtetes Licht

Im Innenraum ist das Verhältnis von ge-


richtetem und diffusem Licht dagegen frei
wählbar. Hierbei sinkt der Anteil an diffu-
sem Licht, wenn Decke und Wände wenig
Licht erhalten oder auftreffendes Licht
durch geringe Reflexionsgrade der Umge-
bung weitgehend absorbiert wird. Schat-
ten und Reflexe lassen sich so bis hin zu
theatralischen Effekten hervorheben. Dies
wird gezielt bei der Präsentation von
Objekten ausgenutzt, spielt aber bei der
Architekturbeleuchtung nur eine Rolle,
wenn eine betont dramatische Raumwir-
kung angestrebt wird.

Gerichtetes Licht sorgt nicht nur für


Schatten und Reflexe, es eröffnet der
Lichtplanung durch die Wahl von Aus-
strahlungswinkel und -richtung neue
Möglichkeiten. Während das Licht diffuser
oder freistrahlender Lichtquellen immer –
vom Ort der Lichtquelle ausgehend – den
gesamten Raum beeinflußt, ist beim
gebündelten Licht die Lichtwirkung vom
Standort der Leuchte losgelöst.
Hier liegt einer der größten Fortschrit-
te in der Beleuchtungstechnik. War in der
Ära der Kerzen und Petroleumlampen das
Licht an die unmittelbare Umgebung der
Leuchte gebunden, so ergibt sich nun die
Möglichkeit, ein vom Ort der Lichtquelle
entfernt wirkendes Licht einzusetzen. Es
wird möglich, Lichtwirkungen definierter
Beleuchtungsstärke von fast beliebigen
Orten aus in genau definierten Bereichen
hervorzurufen. Auf diese Weise kann ein
Raum bewußt und differenziert beleuch-
tet werden, die jeweilige lokale Beleuch-
tungsstärke kann der Bedeutung und dem
Informationsgehalt des beleuchteten
Bereichs angepaßt werden.

2.5.2.1 Modellierung

Eine ebenso selbstverständliche wie


grundlegende Eigenschaft unserer Umwelt
ist ihre Dreidimensionalität. Uns über die-
Wahrnehmung von Licht mit gerichteten Diffuses Licht erzeugt sen Aspekt zu informieren, muß also ein
räumlichen Formen und und diffusen Anteilen keine Schatten. Formen
Oberflächenstrukturen erzeugt weich verlau- und Oberflächenstruk- wesentliches Ziel der visuellen Wahrneh-
in unterschiedlichen fende Schatten. Formen turen können nur schlecht mung sein. Dreidimensionalität umfaßt
Beleuchtungssituatio- und Oberflächenstruk- erkannt werden. dabei verschiedene Einzelbereiche, von der
nen. Gerichtetes Licht turen sind deutlich zu Ausdehnung des Raums um uns herum
führt durch ausgepräg- erkennen, störende
te Schatten zu einer Schlagschatten treten über die Lage und Orientierung der Objek-
starken Modellierung. nicht auf. te im Raum bis hin zu deren räumlicher
Formen und Oberflä- Form und Oberflächenstruktur.
chenstrukturen werden
betont; gleichzeitig
werden aber Details Bei der Wahrnehmung dieser Aspekte der
durch Schlagschatten Räumlichkeit spielen zahlreiche physiolo-
verdeckt.
gische und wahrnehmungspsychologische
Vorgänge eine Rolle. Für die Wahrneh-
mung räumlicher Formen und Oberflä-
chenstrukturen ist jedoch die Modellie-
rung durch Licht und Schatten von zen-
traler Bedeutung – eine Eigenschaft des
gerichteten Lichts, die bisher nur erwähnt,
jedoch nicht auf ihren Stellenwert für die
Wahrnehmung hin analysiert worden ist.
Wird z. B. eine Kugel unter völlig dif-
fuser Beleuchtung gesehen, so ist ihre
räumliche Gestalt nicht wahrzunehmen,
sie er-

77
2.5 Licht
2.5.2 Diffuses und gerichtetes Licht

scheint lediglich als kreisförmige Fläche. 2.5.2.2 Brillanz


Erst wenn gerichtetes Licht auf die Kugel
trifft – d.h. erst wenn sich Schatten bilden –, Ebenso wie die Modellierung ist auch Bril-
kann ihre Räumlichkeit erkannt werden. lanz eine Wirkung gerichteten Lichts, sie
Ebenso verhält es sich bei der Wahrneh- geht von kompakten, annähernd punktför-
mung von Oberflächenstrukturen, die migen Lichtquellen aus und tritt bei mög-
unter diffusem oder senkrecht auftreffen- lichst geringen diffusen Beleuchtungs-
dem Licht kaum wahrzunehmen sind und anteilen besonders deutlich hervor. Als
erst bei im Winkel auftreffenden, gerich- brillant kann zunächst die Lichtquelle
teten Licht durch ihre Schattenwirkung selbst empfunden werden. Ein Beispiel
hervortreten. hierfür ist die Wirkung von Kerzenflammen
in abendlicher Umgebung. Weiter wirken
Erst durch gerichtetes Licht wird also die Objekte brillant, die dieses Licht brechen,
Information über den räumlichen Aufbau so z. B. beleuchtetes Glas, geschliffene
von Objekten ermöglicht. Ebenso wie das Edelsteine oder Kristallüster. Brillanz ent-
völlige Fehlen gerichteten Lichts diese steht aber auch durch Reflexion auf spie-
Information unmöglich macht, kann aber gelnden Oberflächen wie Porzellan, Glas,
auch ein Zuviel an Modellierung Infor- Lack, poliertem Metall oder feuchten
mationen verdecken. Dies ist der Fall, Materialien.
wenn durch extrem gerichtetes Licht Teile Da Brillanzeffekte durch Reflexion
der Objekte in den Schlagschatten ver- oder Brechung entstehen, sind sie nicht
schwinden. von der Menge des eingesetzten Lichts,
Aufgabe der Lichtplanung muß es also sondern nur von der Leuchtdichte der je-
sein, ein der jeweiligen Situation ange- weiligen Lichtquelle abhängig. Eine sehr
messenes Verhältnis von diffusem und ge- kompakte Lichtquelle (z. B. eine Nieder-
richtetem Licht zu erzeugen. Bestimmte volt-Halogenlampe) kann also trotz ge-
Sehaufgaben, bei denen die Räumlichkeit ringer Lichtleistung Reflexe von größerer
oder die Oberflächenstruktur der betrach- Brillanz hervorrufen als eine lichtstärkere,
teten Objekte im Vordergrund stehen, ver- aber weniger kompakte Lampe.
langen dabei eine betont modellierende
Beleuchtung. Spielen Räumlichkeit und Brillanz kann, vor allem bei Lichtquellen,
Oberflächenstruktur dagegen keine oder ein für sich allein wirksamer Effekt sein,
sogar eine störende Rolle, kann wieder- der die Aufmerksamkeit auf sich zieht und
um eine völlig diffuse Beleuchtung ange- einem Raum eine interessante, lebendige
bracht sein. Note geben kann. Bei der Beleuchtung von
In der Regel sollte allerdings sowohl Objekten verdeutlicht Brillanz – ebenso wie
diffuses als auch gerichtetes Licht vorhan- die Modellierung – deren Räumlichkeit und
den sein. Eine Beleuchtung mit ausgewo- Oberflächenbeschaffenheit, da Brillanz-
genen Anteilen an diffusem und gerich- effekte vor allem auf Kanten und Wölbun-
tetem Licht sorgt für die Sichtbarkeit der gen glänzender Objekte entstehen.
gesamten Umgebung und ermöglicht
gleichzeitig ein räumliches, lebendiges Über die Verdeutlichung der Form und
Wahrnehmen der Objekte. Oberflächenstruktur bewirkt Brillanz eine
In den Normen für die Arbeitsplatz- psychologische Aufwertung des beleuch-
beleuchtung findet sich ein rechnerisches teten Objekts und seiner Umgebung. Diese
Bewertungskriterium für die Modellie- Möglichkeit, Objekte oder Räume interes-
rungsfähigkeit einer Beleuchtung, die hier sant und wertvoll erscheinen zu lassen,
als Schattigkeit bezeichnet wird. Schattig- bestimmt den Einsatz von Brillanzeffekten
keit wird dabei als das Verhältnis der zylin- in der Beleuchtungspraxis. Soll eine Um-
drischen zur horizontalen Beleuchtungs- gebung – ein Festsaal, eine Kirche oder ein
stärke definiert. Foyer – besonders festlich wirken, so kann
dies durch den Einsatz brillanter Licht-
Bei der Planung gerichteter und diffuser quellen erreicht werden, seien es Kerzen-
Beleuchtungsanteile sollten die aus der flammen, Niedervolt-Halogenlampen oder
elementaren Erfahrung des Tageslichts Hochdruck-Entladungslampen.
resultierenden Erwartungen an Lichtrich- Ebenso kann bei der Präsentation von
tung und -farbe berücksichtigt werden. geeigneten Objekten Brillanz – und damit
So kommt das gerichtete Sonnenlicht von ein wertvoller Charakter – durch den Ein-
oben oder von den Seiten, jedoch nie von satz gerichteten Lichts erzeugt werden.
unten; die Farbe des Sonnenlichts ist deut- Dies gilt vor allem für die Präsentation von
Mit Hilfe mehrerer Bei einer gleichmäßigen lich wärmer als die des diffusen Himmels- lichtbrechenden oder glänzenden Mate-
Punktlichtquellen kann Raumbeleuchtung durch lichts. Eine Beleuchtung, bei der gerichte- rialien, von Glas, Keramik, Lack oder Metall.
eine gleichmäßige Raum- diffuses Licht ergeben
beleuchtung erreicht sich dagegen nur schwa- tes Licht schräg von oben kommt und eine Brillanz bezieht ihre psychische Wirksam-
werden. Aufgrund des che, unscharf verlau- wärmere Lichtfarbe besitzt als die diffuse keit – die Weckung von Aufmerksamkeit –
gerichteten Charakters fende Schatten. Allgemeinbeleuchtung, wird also als natür- aus ihrem Informationsgehalt. Die ver-
jedes einzelnen Licht- lich empfunden. Der Einsatz abweichen- mittelte Information kann dabei die bloße
kegels entstehen hierbei
an Objekten scharf der Lichtrichtungen und Farbtemperatur- Existenz einer brillanten Lichtquelle sein,
begrenzte Mehrfach- kombinationen ist möglich, führt jedoch es kann sich jedoch auch um die Informa-
schatten. zu besonders auffälligen Effekten. tion über Art und Qualität einer Oberfläche,
die Geometrie und Symmetrie der Spiege-
lungen handeln.

78
2.5 Licht
2.5.3 Blendung

Es stellt sich jedoch die Frage, ob die Infor- sondern lediglich eine subjektive Stör-
mation, auf die unsere Aufmerksamkeit empfindung hervorgerufen, so spricht
gelenkt wird, in der jeweiligen Situation man von psychologischer Blendung.
wirklich von Interesse ist. Ist dies der Fall, Ursache für die psychologische Blendung
wird Brillanz als angenehm und interessant ist die unwillkürliche Ablenkung, die von
empfunden, die oben beschriebene, ge- hohen Leuchtdichten im Gesichtsfeld aus-
fühlsmäßige Aufwertung von Objekt oder geht. Der Blick wird hierbei immer wieder
Umgebung findet statt. von der Sehaufgabe auf die Blendlicht-
Besitzt die gezeigte Brillanz aber kei- quelle gelenkt, ohne daß dieser Bereich
nen Informationswert, kann sie als Blen- erhöhter Helligkeit jedoch die erwartete
dung empfunden werden. Dies ist vor allem Information zu bieten hätte; ähnlich wie
bei der Reflexblendung der Fall. So werden bei einem störenden Geräusch erzeugt die
Reflexe auf Klarsichthüllen, Bildschirmen Blendlichtquelle optischen Lärm, der die
oder glänzendem Kunstdruckpapier nicht Aufmerksamkeit auf sich zieht und die
als Information (Brillanz), sondern als stö- Wahrnehmung stört.
rende Blendung, als Verdecken der unter Durch die ständig wiederholte Anpas-
den Reflexen verborgenen, eigentlichen sung an unterschiedliche Helligkeitsniveaus
Bei der physiologischen
Blendung wird das Netz- Information verstanden. und die unterschiedliche Entfernung von
hautbild des Sehobjekts Sehaufgabe und Blendlichtquelle kommt
(1) von Leuchtdichten es hierbei zu einer Belastung des Auges,
überlagert, die im Auge 2.5.3 Blendung die als unangenehm oder sogar schmerz-
aus der Streuung (2)
des Lichts einer Blend- haft empfunden wird. Trotz objektiv gleich-
lichtquelle (3) entstehen. Ein wesentliches Merkmal für die Qualität bleibender Sehleistung entsteht so bei der
einer Beleuchtung ist die Begrenzung der psychologischen Blendung ein erhebliches
3 entstehenden Blendung. Als Blendung Unbehagen; die Leistungsfähigkeit am
wird dabei sowohl die objektive Verminde- Arbeitsplatz wird herabgesetzt.
rung der Sehleistung als auch die subjek- Anders als die physiologische Blen-
tive Störung durch das Auftreten von hohen dung, die unabhängig von der jeweiligen
1
Leuchtdichten oder hohen Leuchtdichte- Situation durch das Überschreiten physiolo-
kontrasten im Gesichtsfeld bezeichnet. gisch vorgegebener Grenzwerte für Leucht-
dichte oder Leuchtdichtekontraste erklärt
2 Bei einer objektiven Verringerung der Seh- werden kann, handelt es sich bei der psy-
leistung wird von physiologischer Blen- chologischen Blendung um ein Problem
dung gesprochen. Hierbei überlagert sich der Informationsverarbeitung, das nicht
im Auge das Licht einer Blendlichtquelle losgelöst vom Kontext – vom Informations-
dem Leuchtdichtemuster der eigentlichen gehalt der visuellen Umgebung und vom
Sehaufgabe und verschlechtert so deren Informationsbedarf der jeweiligen Situa-
Wahrnehmbarkeit. Grund für die Überla- tion – beschrieben werden kann. So kann
gerung der Leuchtdichten von Sehaufgabe die psychologische Blendung ausbleiben,
und Blendlichtquelle kann die direkte obwohl erhebliche Leuchtdichtekontraste
Überlagerung beider Abbildungen auf der vorliegen, wenn diese Kontraste erwartet
Netzhaut sein; für die Verminderung der werden und interessante Informationen
Sehleistung reicht aber schon die Über- vermitteln, z. B. bei Brillanz auf Kristall-
lagerung des Streulichts aus, das durch üstern oder beim Blick durchs Fenster auf
die Streuung des Blendlichts im Auge ent- eine interessante Aussicht. Andererseits
steht. Der Grad der Lichtstreuung hängt können bereits geringere Leuchtdichte-
vor allem von der Trübung des Augeninne- kontraste psychologische Blendung her-
ren ab; diese mit dem Alter zunehmende vorrufen, wenn diese Kontraste wichtigere
Trübung ist für die höhere Blendempfind- Informationen überlagern und selbst in-
lichkeit älterer Menschen verantwortlich. formationslos sind; so z. B. bei Reflexen auf
Der Extremfall der physiologischen glänzendem Kunstdruckpapier, beim Blick
Blendung ist die Absolutblendung. Sie ent- auf den gleichmäßig bedeckten Himmel
steht, wenn Leuchtdichten von mehr als oder auf eine Lichtdecke. Sowohl die phy-
104 cd/m2 im Sehfeld vorhanden sind, so siologische wie die psychologische Blen-
z. B. durch den Blick in die Sonne oder dung tritt in zwei Formen auf. Als erste ist
durch den direkten Einblick in künstliche hier die Direktblendung zu nennen, bei
Lichtquellen. Die Absolutblendung ist un- der die Blendlichtquelle selbst im Umfeld
abhängig vom Leuchtdichtekontrast zur der Sehaufgabe sichtbar ist. Der Grad der
Umgebung; sie kann nicht durch Erhöhung Blendung hängt hierbei vor allem von der
des Leuchtdichteniveaus beseitigt werden. Leuchtdichte der Blendlichtquelle, ihrem
Die Absolutblendung ist in der Archi- Leuchtdichtekontrast zur Sehaufgabe, ihrer
tekturbeleuchtung allerdings nur selten Größe und ihrer Nähe zur Sehaufgabe ab.
ein Problem. Wesentlich häufiger tritt hier Die zweite Form der Blendung ist die
die Relativblendung auf, bei der die Ver- Reflexblendung, bei der die Blendlicht-
minderung der Sehleistung nicht durch quelle von der Sehaufgabe oder ihrem
extreme Leuchtdichten, sondern durch zu Umfeld reflektiert wird. Diese Form der
hohe Leuchtdichtekontraste im Gesichts- Blendung hängt neben den oben erwähn-
feld hervorgerufen wird. ten Faktoren zusätzlich von Glanzgrad und
Lage der reflektierenden Oberfläche ab.
Wird durch die Blendlichtquelle keine Vor allem beim Lesen von Texten auf
objektive Verringerung der Sehleistung, Kunstdruckpapier und bei der Arbeit am

79
2.5 Licht
2.5.3 Blendung

Bildschirm stellt die psychologische Blen-


dung durch reflektiertes Licht ein erheb-
3 2 1 liches Problem dar, da der Wettstreit zwi-
schen der wenig entfernten Sehaufgabe
und dem Bild der deutlich weiter entfern-
ten Blendlichtquelle durch ständiges Um-
akkomodieren und den ständigen Konver-
genzwechsel zur raschen Ermüdung der
Augen führt.
3
Die Bewertung von Leuchtdichten und
2
Leuchtdichtekontrasten, die möglicher-
weise zu Blendungseffekten führen, ist
stark von der jeweiligen Umgebung und
den Zielen der Beleuchtung abhängig. So
gelten für eine festlich oder dramatisch
beleuchtete Umgebung andere Regeln als
für einen Arbeitsplatz; was im einen Fall
Bei der Blendung wird erwünschte Brillanz ist, ist im anderen Fall
unterschieden zwischen unerwünschte Blendung. Auch die vor-
der Direktblendung, vor
allem durch Leuchten herrschenden Blickrichtungen spielen eine
(1), der Reflexblendung bedeutsame Rolle; eine Beleuchtung, die
an horizontalen Seh- in aufrecht sitzender Haltung blendfrei ist,
aufgaben (2) und der kann schon beim Zurücklehnen in einem
Reflexblendung an ver-
tikalen Sehaufgaben, Sessel blenden.
z. B. Bildschirmen (3). Formalisierte Regeln für die Begrenzung
Leuchten, die sich auf von Blendung existieren im Bereich der
konventionellen Bild- Arbeitsplatzbeleuchtung; sie beziehen sich
schirmen spiegeln, vor allem auf den Regelfall einer sitzenden
sollen oberhalb des
Grenzausstrahlungs- Beschäftigung und einer Beleuchtung mit
winkels ©G keine Leucht- Rasterleuchten. Hierbei ergeben sich aus
dichten von mehr als Sitzhöhe und bevorzugter Blickrichtung
200 cd/m 2 aufweisen. Bereiche, in denen Lichtquellen am häufig-
Übliche Werte für ©G
liegen zwischen 50° sten blenden. Neben der Blendung durch
und 60°. Fenster gehen Blendwirkungen dabei meist
von Leuchten in bestimmten Deckenberei-
chen aus.
å Bei der Direktblendung handelt es sich
hierbei um den Deckenbereich vor dem
©G Betrachter, der unter Winkeln flacher als
45° gesehen wird. Bei der Reflexblendung
wird Blendung dagegen vor allem durch
Leuchten im Deckenbereich unmittelbar
vor dem Betrachter hervorgerufen. Einen
Sonderfall bildet die Reflexblendung auf
Bildschirmen, also auf annähernd vertikal
angeordneten Flächen. Hier wird Blen-
dung vor allem durch Blendlichtquellen
Begrenzung der Blen- im Deckenbereich hinter dem Betrachter
dung an Bildschirmar- hervorgerufen. Eine Verringerung von
beitsplätzen: Für Räume
mit Bildschirmarbeits- Blendwirkungen läßt sich zunächst durch
plätzen wird ein Min- Herabsetzen des Leuchtdichtekontrasts –
destabschirmwinkel å sei es durch Anheben der Umgebungs-
von 30° empfohlen. leuchtdichte, sei es durch Herabsetzung
der Leuchtdichte der Blendlichtquelle –
erreichen. Darüber hinaus kann Blendung
durch die Anordnung der Leuchten ver-
mieden werden. So sollten z. B. Bänder von
Rasterleuchten möglichst nicht quer zur
Blickrichtung angeordnet, sondern längs
Leuchtdichten von Wän- zur Blickrichtung zwischen den Arbeits-
den, die sich im Bild- plätzen installiert werden.
schirm spiegeln, sollten
im Mittel nicht mehr Eine differenzierte Blendungsbegren-
als 200 cd/m2, maximal zung läßt sich vor allem durch die Aus-
nicht mehr als 400 cd/m2 wahl der Leuchten erreichen. Hier kann
betragen. Die Spiege- durch Reflektoren mit geeigneter Charak-
lung von Fenstern im
Bildschirm sollte grund- teristik dafür gesorgt werden, daß die
sätzlich vermieden wer- Leuchten oberhalb der kritischen Winkel
den. keine unzulässigen Leuchtdichten besitzen.
Durch Verwendung von Leuchten, die nur
wenig Licht direkt nach unten abstrahlen,

80
2.5 Licht
2.5.3 Blendung

Mindestabschirmwinkel kann auch die Gefahr der Reflexblendung


von Leuchten mit unter- deutlich eingeschränkt werden.
schiedlichen Lichtquel-
len in Abhängigkeit von
der Güteklasse der Blen- Zur Bewertung der Blendungsbegrenzung
dungsbegrenzung am Arbeitsplatz existiert ein in der DIN 5035
festgelegtes Verfahren, mit dem sich die
Lampenart Güteklasse der Blendungsbegrenzung Einhaltung der Grenzwerte für die Direkt-
A B C D blendung überprüfen läßt. Hierbei wird die
sehr gering hoch mittel gering Leuchtdichte der verwendeten Leuchten
unter Winkeln von 45°–85° bestimmt und
Leuchtstofflampe 20° 10° 0° 0° in ein Diagramm eingetragen. Abhängig
kompakte Leuchtstofflampe 20° 15° 5° 0° von der Nennbeleuchtungsstärke, der Art
Hochdrucklampe, mattiert 30° 20° 10° 5° der Leuchten und der Güteklasse der an-
Hochdrucklampe, klar 30° 30° 15° 10° gestrebten Beleuchtung lassen sich im Dia-
Glühlampe, klar gramm nun Grenzkurven auffinden, die
von der Leuchtdichtekurve der verwende-
ten Leuchte nicht überschritten werden
dürfen.
Für die Bewertung der
Direktblendung wird die Für die Direktblendung liegt mit dem
85˚ Leuchtdichte der Leuch-
ten im Winkelbereich Grenzkurvenverfahren eine quantitative
45˚ zwischen 45° und 85° Bewertungsmethode vor. Zur Bewertung
berücksichtigt. der Reflexblendung stehen dagegen ledig-
lich qualitative Kriterien zur Verfügung.
Für den Bereich der Reflexblendung bei
horizontalen Lese-, Schreib- und Zeichen-
aufgaben existiert allerdings ein Verfahren,
das den Grad der Reflexblendung quanti-
tativ durch den Kontrastwiedergabefaktor
(CRF) beschreibt. Der Kontrastwiedergabe-
faktor ist hierbei als das Verhältnis des
Leuchtdichtekontrastes einer Sehaufgabe
bei Referenzbeleuchtung zum Leucht-
dichtekontrast dieser Sehaufgabe bei ge-
gebener Beleuchtung definiert.
Der Kontrastwiedergabefaktor wird
Güteklasse Nennbeleuchtungsstärke (lx) anhand eines Referenzreflexionsnormals
A 1000 750 500 – 300 bestimmt, das aus einer hellen und einer
1 2000 1500 1000 750 500 dunklen Keramikscheibe standardisier-
55˚ 70˚
ter Reflexionseigenschaften besteht; die
Leuchtdichtefaktoren beider Scheiben
unter verschiedenen Blickrichtungen und
-winkeln sind bekannt. Für eine vollkom-
85˚ © men diffuse Beleuchtung ergibt sich hier-
E = 500 lx bei der Referenzwert der Kontrastwie-
dergabe. Die Kontrastwiedergabe unter
75˚
gegebener Beleuchtung kann bei bereits
fertiggestellter Beleuchtungsanlage am
65˚ Referenznormal gemessen oder anhand
1 der Leuchtendaten aus den bekannten
55˚ Leuchtdichtefaktoren des Referenznor-
mals errechnet werden. Aus Referenz- und
Realwert ergibt sich dann der jeweilige
103 2 3 4 5 6 8 104 L(cd/m2) Kontrastwiedergabefaktor sowie die Ein-
ordnung der Kontrastwiedergabe in eine
Beispiel für die Anwen- werden können. Die Leuchtdichtegrenzkur- der drei Kontrastwiedergabestufen.
dung des Grenzkurven- Leuchtdichtekurve über- ven (für Leuchten ohne
verfahrens bei einer schreitet die zutreffende leuchtende Seitenteile).
Beleuchtungsstärke von Grenzkurve nicht, die Sie geben Grenzwerte
500 Ix und der Güteklasse Anforderung an die Blen- für die mittlere Leucht-
A. Aus der Raumgeome- dungsbegrenzung der dichte L der Leuchte bei
trie ergibt sich für die Leuchte ist also erfüllt. Ausstrahlungswinkeln ©
erste Leuchte ein Beob- zwischen 45° und 85°
achtungswinkel von 55°, an, die in Abhängigkeit
für die zweite Leuchte von der Nennbeleuch-
ein Winkel von 70°, für tungsstärke und der
die im Diagramm die geforderten Güteklasse
entsprechende Leucht- nicht überschritten wer-
dichten in der Leucht- den dürfen.
dichtekurve 1 abgelesen

81
2.5 Licht
2.5.3 Blendung

C0 = L01 – L02
L O1 L01

L O2
C0 = 0,91

C = L1 – L2
L1 L1
L2
å
CRF = C = C = L1 – .L2
C0 0,91 0,91 L1

Bewertung der Kontrast- Als Gütemerkmal für


wiedergabe: Bei einer die Kontrastwiedergabe
vollkommen diffusen unter dem Beobach-
Referenzbeleuchtung tungswinkel å wird der
(idealisiert dargestellt Kontrastwiedergabe-
durch eine Lichtkuppel, faktor CRF definiert.
oben links) ergibt sich CRF <1 zeigt an, daß
für den Reflexionsstan- die Beleuchtung durch Aus der Projektion des
dard nach Bruel + Kjaer Lichtreflexion an Kon- Bewertungsfeldes auf
der Referenzkontrast trast verloren hat. die Deckenfläche ergibt
C0 (oben rechts). CRF >1 zeigt an, daß sich der Bereich, in dem
Bei einer realen Be- die Beleuchtungssitu- Leuchten die Kontrast-
leuchtung (unten links) ation bezüglich der Kon- wiedergabe negativ be-
ergibt sich unter dem trastwiedergabe die Re- einflussen können. Zur
Beobachtungswinkel å ferenzbeleuchtung Grobplanung einer Be-
für den Reflexions- übertrifft. 25˚
standard der Kontrast leuchtungsanlage wird
C (unten rechts). der CRF-Wert für den
Hauptbeobachtungs-
winkel 25° ermittelt.

35˚ Bewertungsraster für


DIN A3 die Ermittlung des Kon-
trastwiedergabefaktors.
25˚ Zugrunde gelegt wird
eine Beobachtungsflä-
15˚ che im Format DIN A3
Empfehlungen für Mit- 1 0˚ bei einer Blickposition (1)
tel- und Mindestwerte Augen- 50 mm vor und 400 mm
des Kontrastwiederga- punkt über der Vorderkante der
befaktors CRF in Abhän- 15˚ Beobachtungsfläche.
gigkeit von der Art der
Sehaufgaben bzw. der je-
weiligen Anforderungs- 30˚
stufe 45˚

Art der Sehaufgabe Kontrast- CRF- CRF- CRF-


wiedergabe Stufe Mittelwert Minimum
vorwiegend glänzend hoch 1 1,0 ≤ CRF ≥ 0,95
seidenmatt mittel 2 0,85 ≤ CRF < 1,0 ≥ 0,7
matt gering 3 0,7 ≤ CRF < 0,85 ≥ 0,5

82
2.5 Licht
2.5.4 Lichtfarbe und Farbwiedergabe

2.5.4 Lichtfarbe und Farbwiedergabe


Neben der als Helligkeit wahrgenommenen
Leuchtdichte wird vom Auge zusätzlich ein
Farbeindruck registriert, der auf der spek-
tralen Zusammensetzung des wahrgenom-
menen Lichtes beruht. Als farbig kann dabei CIE-Normvalenzsystem. geringster Sättigung.
das Licht selbst empfunden werden (Licht- Spektralfarbenzug als Vom Weißpunkt gehen
Verbindungslinie der fächerförmig die Be-
farbe); Farbe entsteht aber auch durch die Farborte aller gesät- grenzungslinien der
Eigenschaft zahlreicher Stoffe, bestimmte tigten Spektralfarben, Farbbereiche aus. Der
Spektralbereiche zu absorbieren und so die Purpurgerade als Mi- Farbort jeder reellen
spektrale Zusammensetzung des von ihnen schungslinie des lang- Farbe kann im Normva-
welligen und kurzwel- lenzsystem durch die
reflektierten Lichts zu verändern (Körper- ligen Spektralbereichs, x/y-Koordinaten ange-
farbe). Weißpunkt E als Punkt geben werden.

Zur eindeutigen Beschreibung von Farben 0,9 y


existieren unterschiedliche Systeme.
Beim Munsell-System oder der DIN- 520
Farbenkarte werden Körperfarben nach 0,8
den Kriterien Helligkeit, Farbton und Sätti-
gung angeordnet, so daß sich ein vollstän- 540
0,7
diger Farbatlas in Form einer dreidimen-
sionalen Matrix ergibt. Als Helligkeit wird Wellenlänge (nm)
hierbei der Reflexionsgrad einer Körper- 0,6 560 Spektralfarbenzug
farbe bezeichnet; der Farbton bezeichnet
die eigentliche Farbe, während der Begriff Grün Gelbgrün 570
0,5
der Sättigung den Grad der Buntheit, von
der reinen Farbe bis hin zur unbunten Grau-
skala, erfaßt. 0,4 590
Gelb
Beim Normvalenzsystem der CIE wer- Blaugrün Orange 600
den Körper- und Lichtfarben dagegen nicht
in das Raster eines dreidimensionalen Kata- 0,3 E Rot 620
loges eingeordnet, sondern aus der spek- 490 690–780
tralen Zusammensetzung der Lichtart bei 0,2 Blau Purpur
Lichtfarben bzw. aus Lichtart und spektra-
lem Reflexions- bzw. Transmissionsgrad 480
0,1 Purpurgerade
berechnet oder gemessen und in einem
kontinuierlichen, zweidimensionalen Dia-
gramm dargestellt. Außer acht gelassen 380–410 x
wird hierbei die Dimension der Helligkeit,
0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9
so daß im Diagramm nur Farbton und
Sättigung aller Farben bestimmt werden
können.
Durch einen geeigneten Aufbau des
Diagramms ergibt sich eine Farbfläche, die
alle reellen Farben umfaßt und einer Reihe
von weiteren Bedingungen genügt. Die
Farbfläche wird von einem Kurvenzug um-
schlossen, auf dem die Farborte der voll- 0,58 y 0,58 y
565
ständig gesättigten Spektralfarben liegen. Spektralfarbenzug Spektralfarbenzug
Im Inneren der Fläche befindet sich der 0,50 0,50
3000 2500 K
Punkt geringster Sättigung, der als Weiß- 3300 K 580
2000 K
oder Unbuntpunkt bezeichnet wird. Alle 0,42 4000 0,42
5000 1600 K 43 2 1
Sättigungsstufen einer Farbe können nun 6000 A
auf der Geraden zwischen dem Unbunt- 0,34 8000 ww 0,34 D 65
6 5 600
punkt und dem jeweiligen Farbort aufge- E
nw 620
funden werden; alle Mischungen zweier 0,26 0,26 690–
tw 780
Farben liegen ebenfalls auf einer Geraden x x
zwischen den jeweiligen Farborten. 0,32 0,40 0,48 0,56 0,64 0,72 0,32 0,40 0,48 0,56 0,64 0,72

Im Inneren der Farbfläche läßt sich eine Ausschitt aus der Farb- Ausschitt aus der Farb-
Kurve einzeichnen, die die Lichtfarben eines fläche mit dem Planck- fläche mit dem Planck-
schen Kurvenzug und schen Kurvenzug und
Planckschen Strahlers bei unterschiedli- der Geradenschar der den Farborten der
chen Temperaturen darstellt; diese Kurve Farborte gleicher ähn- Normlichtarten A (Glüh-
kann zur Beschreibung der Lichtfarbe von lichster Farbtemperatur lampenlicht) und D 65
Glühlampen genutzt werden. Um die Licht- zwischen 1600 und (Tageslicht) sowie den
10000 K. Angegeben Farborten typischer
farbe von Entladungslampen beschreiben sind die Bereiche der Lichtquellen: Kerzen-
zu können, wird, ausgehend von der Kurve Lichtfarben Warmweiß flamme (1), Glühlampe
des Planckschen Strahlers, eine Geraden- (ww), Neutralweiß (nw) (2), Halogenglühlampe
schar ähnlichster Farbtemperaturen ein- und Tageslichtweiß (tw). (3), Leuchtstofflampen
ww (4), nw (5) und tw (6).
getragen, mit deren Hilfe auch Lichtfarben,

83
2.5 Licht
2.5.4 Lichtfarbe und Farbwiedergabe

die nicht auf dieser Kurve liegen, der Farb- Die Qualität der Farbwiedergabe wird nach
temperatur eines Temperaturstrahlers DIN in vier Stufen eingeteilt, an denen
zugeordnet werden können. Hierbei las- sich die Mindestanforderung für die Farb-
sen sich drei Hauptgruppen unterschei- wiedergabe von Arbeitsplatzbeleuchtun-
den; der warmweiße Bereich mit ähnlich- gen orientiert. Die Farbwiedergabestufen
sten Farbtemperaturen unter 3300 K, 1 und 2 sind zusätzlich in zwei Zwischen-
der neutralweiße Bereich zwischen 3300 stufen – A und B – unterteilt, um eine diffe-
und 5000 K und der tageslichtweiße Be- renziertere Beurteilung von Lichtquellen
reich mit ähnlichsten Farbtemperaturen zu ermöglichen.
über 5000 K. Die Farbwiedergabestufe 1 wird für
Aufgaben gefordert, die eine Beurteilung
Die Farbe beleuchteter Objekte resultiert aus von Farben umfassen. Bei der Beleuchtung
dem Zusammenwirken von Licht und Kör- von Innenräumen, Büros und industriellen
per; aus der spektralen Zusammensetzung Arbeitsplätzen mit anspruchsvollen Seh-
des auf einen Körper fallenden Lichts und aufgaben wird eine Farbwiedergabestufe
der Eigenschaft dieses Körpers, bestimmte von mindestens 2 gefordert, während für
Anteile dieses Lichts zu absorbieren und Industriearbeitsplätze mit einfachen Seh-
nur die restlichen Frequenzbereiche zu re- aufgaben die Farbwiedergabestufe 3 aus-
Spektrale Verteilung 250 Se flektieren. reicht. Die Farbwiedergabestufe 4 ist nur
Se (¬) der Normlichtarten Zusätzlich zur so entstehenden, objek- bei geringsten Anforderungen und Beleuch-
A (Glühlampenlicht, 150
oben) und D 65 (Tages- tiv berechen- oder meßbaren Farbvalenz tungsstärken bis maximal 200 lx zulässig.
licht, unten) 50
¬ (nm)
spielt für die tatsächliche Wahrnehmung
400 600 800 noch die Farbadaptation des Auges eine Für die Auswahl einer Lichtquelle spielt
Rolle. Hierbei findet – ähnlich wie bei der zunächst die Qualität ihrer Farbwieder-
250 Se Adaptation an ein Leuchtdichteniveau – gabe eine Rolle; der Grad an Farbtreue
150
ein allmählicher Angleich an die vorherr- also, mit dem beleuchtete Objekte im Ver-
schende Lichtfarbe statt, so daß auch bei gleich zu einer Referenzbeleuchtung wie-
50
¬ (nm)
einer Beleuchtung mit unterschiedlichen dergegeben werden. In einigen Fällen ist
400 600 800 Lichtfarben eine annähernd konstante zusätzlich der Index für die Wiedergabe
Wahrnehmung der Skala von Körperfarben einer bestimmten Farbe zu berücksichti-
gewährleistet ist. gen; so z. B. wenn es in Medizin oder Kos-
metik auf die differenzierte Beurteilung
Gleiche Lichtfarben können aufgrund un- von Hautfarben ankommt.
terschiedlicher spektraler Zusammenset- Über die Qualität der Farbwiedergabe
zung zu unterschiedlichen Körperfarben hinaus ist aber auch die Auswahl der Licht-
führen. Der Grad dieser Abweichung wird farbe für die tatsächliche Farbwirkung von
durch die Farbwiedergabe beschrieben. entscheidender Bedeutung. So werden
Die Farbwiedergabe ist dabei definiert als blaue und grüne Farben unter Glühlam-
Grad der Veränderung, der bei der Farb- penlicht trotz hervorragender Farbwieder-
Ähnlichste Farbtempe-
ratur T typischer Licht- wirkung von Objekten durch die Beleuch- gabe vergleichsweise grau und stumpf
quellen tung mit einer bestimmten Lichtquelle erscheinen. Gerade diese Farbtöne wirken
gegenüber der Beleuchtung mit einer Re- aber unter tageslichtweißem Leuchtstoff-
Lichtquelle T (K) ferenzlichtquelle entsteht; beurteilt wird lampenlicht – trotz schlechterer Farbwie-
also die Ähnlichkeit von Farbwirkungen dergabe – klar und leuchtend. Bei der Wie-
Kerze 1900–1950 unter zwei Beleuchtungsarten. dergabe gelber und roter Farbtöne kehrt
Kohlefadenlampe 2100 Da das Auge sich an Licht unterschied- sich dies Phänomen der Abschwächung
Glühlampe 2 700–2 900 lichster Farbtemperaturen anpassen kann, bzw. Verstärkung der Farbwirkung um.
Leuchtstofflampen 2 800–7 500 muß die Farbwiedergabe abhängig von der Die planerische Entscheidung für ein
Mondlicht 4100 Lichtfarbe bestimmt werden. Als Referenz- Leuchtmittel muß sich also an der jeweili-
Sonnenlicht 5 000–6 000 quelle kann also nicht eine einzige Licht- gen Situation orientieren. Einige Unter-
Tageslicht 5 800–6 500 quelle dienen; der Vergleichsmaßstab ist suchungen sprechen dafür, daß eine warme
(Sonne, blauer Himmel) vielmehr eine vergleichbare Lichtquelle Lichtfarbe vor allem bei geringeren Be-
bedeckter Himmel 6 400–6 900 mit kontinuierlichem Spektrum, sei es ein leuchtungsstärken und bei gerichtetem
klarer, blauer Himmel 10 000–26 000 Temperaturstrahler vergleichbarer Farb- Licht bevorzugt wird, während kalte Licht-
temperatur oder das Tageslicht. farben vor allem bei hohen Beleuchtungs-
Um die Farbwiedergabe einer Licht- stärken und diffuser Beleuchtung akzep-
Farbwiedergabe quelle zu bestimmen, werden die Farbwir- tiert werden.
Stufe Index Ra kungen einer Skala von acht Körperfarben Bei der Präsentationsbeleuchtung
1A Ra > 90 unter der zu beurteilenden Beleuchtungs- können durch den gezielten Einsatz von
1B 80 ≤ Ra ≤ 90 art sowie unter der Referenzbeleuchtung Lichtfarben – notfalls auch mäßiger Farb-
2A 70 ≤ Ra < 90 berechnet und zueinander in Beziehung wiedergabe – leuchtendere Farben der be-
2B 60 ≤ Ra < 90 gesetzt. Die so ermittelte Qualität der Farb- leuchteten Objekte erreicht werden. Diese
3 40 ≤ Ra < 90 wiedergabe wird in Farbwiedergabeindizes Form der bewußten Hervorhebung von
4 20 ≤ Ra < 90 ausgedrückt, die sich sowohl auf die all- Farbeigenschaften kann auch bei der Ver-
gemeine Farbwiedergabe (Ra) als auch kaufsbeleuchtung eingesetzt werden. Hier
auf die Wiedergabe einzelner Farben be- ergibt sich allerdings die Forderung, daß
ziehen können. Der maximale Index von die Beleuchtung, unter der ein Kunde seine
100 bedeutet hierbei ideale Farbwiedergabe, Auswahl von Waren trifft, nicht allzusehr
während geringere Werte eine entspre- von den Beleuchtungsbedingungen beim
Stufen der Farbwieder- chend schlechtere Farbwiedergabe be- Kunden selbst abweichen sollte.
gabe mit den dazuge- zeichnen.
hörigen Bereichen des
Farbwiedergabeindex Ra

84
2.6 Lichtlenkung
2.6 2.6.1 Prinzipien

möglich, von fast jedem Punkt des Raums


Lichtlenkung Leuchten besitzen eine Reihe von Funktio-
nen. Zunächst ist es ihre Aufgabe, eine aus einzelne Bereiche akzentuiert zu be-
oder mehrere Lampen sowie eventuell not- leuchten. Die Aufgabe der Lichtlenkung
wendige Betriebsgeräte aufzunehmen. wird hierbei von der Reflektorlampe über-
Gleichzeitig müssen sie eine möglichst nommen; die Leuchte dient lediglich als
einfache und sichere Montage, elektrische Lampenträger und als Mittel zur Blen-
Installation und Wartung ermöglichen. dungsbegrenzung.
Durch die Konstruktion der Leuchten Ein Nachteil bei der Verwendung von
wird dafür gesorgt, daß der Benutzer vor Reflektorlampen ist die Tatsache, daß bei
zu hohen Berührungsspannungen (Strom- jedem Lampenwechsel auch der Reflektor
schlag) geschützt wird und daß keine ersetzt wird, was zu hohen Betriebskosten
Gefährdung der Umgebung durch Erwär- führt. Darüber hinaus existiert nur eine
mung entsteht (Feuersicherheit). Leuchten Reihe von standardisierten Reflektortypen
für besondere Betriebsbedingungen – z. B. mit jeweils unterschiedlichem Ausstrah-
explosionsgefährdete oder feuchte Umge- lungswinkel, so daß für spezielle Aufgaben
bungen – müssen durch spezielle Konstruk- – z. B. die asymmetrische Lichtverteilung
tion den erhöhten Ansprüchen genügen. eines Wandfluters – häufig keine geeignete
Neben diesen installations- und sicher- Reflektorlampe zur Verfügung steht. Die
heitstechnischen Aufgaben besitzen Leuch- Forderung nach einer differenzierteren
ten einen ästhetischen Aspekt als Bestand- Lichtlenkung, nach größeren Leuchten-
teil der Architektur eines Gebäudes. Hierbei wirkungsgraden und hoher Blendfreiheit
spielen sowohl die Form und Anordnung führte zur Verlagerung des Reflektors von
der Leuchten als auch die von ihnen er- der Lampe zur Leuchte. Auf diese Weise
zeugten Lichtwirkungen eine Rolle. wird es möglich, Leuchten zu konstruieren,
Die dritte und vielleicht wesentlichste die spezifisch auf die Anforderungen der
Aufgabe der Leuchte ist die Lenkung des verwendeten Lichtquelle und der jeweili-
Lampenlichtstroms. Hierbei wird eine den gen Aufgabe abgestimmt sind und so als
jeweiligen Aufgaben der Leuchte entspre- Instrumente einer differenzierten Licht-
chende Lichtverteilung bei möglichst guter planung eingesetzt werden können.
Ausnutzung der eingesetzten Energie an-
gestrebt.
2.6.1 Prinzipien der Lichtlenkung
Schon für die selbstleuchtende Flamme als
erste künstliche Lichtquelle wurden Leuch- Bei der Leuchtenkonstruktion können
ten entwickelt, um eine sichere Montage unterschiedliche optische Phänomene als
und einen sicheren Transport zu ermög- Mittel der Lichtlenkung genutzt werden:
lichen. Mit dem Aufkommen wesentlich
stärkerer Lichtquellen – zunächst der Gas-
beleuchtung, später der elektrischen Lam- 2.6.1.1 Reflexion
pen – ergab sich zusätzlich die Notwen-
digkeit, durch die Leuchtenkonstruktion Hier wird das auf einen Körper fallende
für eine Kontrolle der Leuchtdichte und Licht je nach dem Reflexionsgrad dieses
eine gezielte Verteilung des Lampenlicht- Körpers ganz oder teilweise reflektiert.
stroms zu sorgen. Neben dem Reflexionsgrad spielt bei der
Zunächst beschränkte sich die Leuch- Reflexion wiederum der Grad der Streu-
tentechnik dabei im wesentlichen auf die ung des zurückgeworfenen Lichts eine
Abschirmung der Lampe und die Senkung Rolle. Bei spiegelnden Oberflächen findet
der Lampenleuchtdichte durch lichtstreu- keinerlei Streuung statt; man spricht hier
ende Lampenschirme. Auf diese Weise wird von gerichteter Reflexion. Mit zunehmen-
eine wirkungsvolle Blendungsbegrenzung dem Streuvermögen der reflektierenden
erreicht; eine eigentliche Lichtlenkung Oberfläche wird der gerichtete Anteil des
findet jedoch nicht statt, da Licht in uner- zurückgeworfenen Lichts immer geringer,
wünschten Richtungen lediglich unter Ver- bis bei vollständig gestreuter Reflexion
lust absorbiert oder gestreut wird. Trotz nur noch diffuses Licht abgegeben wird.
ihrer geringen Effizienz haben sich diese Für die Konstruktion von Leuchten ist
Leuchtenformen jedoch – vor allem im Be- die gerichtete Reflexion von entscheiden-
reich der dekorativen Leuchten – bis heute der Bedeutung; sie ermöglicht durch ge-
erhalten. eignete Reflektorkonturen und Oberflä-
chen eine gezielte Lichtlenkung und ist
Ein Schritt zu einer gezielten und effizien- verantwortlich für die Größe des Leuchten-
ten Lichtlenkung ergab sich durch die Ein- wirkungsgrades.
führung der Reflektor- und PAR-Lampen,
die vor allem in den USA eine breite Ver-
wendung fanden. Hier wird das Licht durch 2.6.1.2 Transmission
in die Lampe integrierte Reflektoren ge-
bündelt und kann so mit definierten Aus- Bei der Transmission wird das auf einen
strahlungswinkeln und hoher Effizienz in Körper fallende Licht je nach dem Trans-
die gewünschte Richtung gelenkt werden. missionsgrad dieses Körpers ganz oder
Anders als bei freistrahlenden Leuchten ist teilweise transmittiert. Zusätzlich spielt
die Lichtwirkung nicht mehr auf die Um- der Grad der Streuung des transmittierten
gebung der Leuchte beschränkt; es wird Lichts eine Rolle. Bei völlig durchsichtigen

85
2.6 Lichtlenkung
2.6.1 Prinzipien

Lichtstärkeverteilung I
(oben links) und Leucht-
dichteverteilung L (oben
rechts) bei diffuser
Reflexion. Die Leucht-
dichteverteilung ist aus I L
allen Blickwinkeln gleich.
Lichtstärkeverteilung
bei gemischter Reflexion
(Mitte) und spiegelnder
Reflexion (unten).

Spiegelnde Reflexion
parallel einfallender
Lichtstrahlen an planen
Oberflächen (paralleler
Strahlengang), konka-
ven Oberflächen (kon-
vergierender Strahlen-
gang) und konvexen
Oberflächen (divergie-
render Strahlengang)

Lichtstärkeverteilung I
(oben links) und Leucht-
Reflexionsgrade ge- dichteverteilung L (oben
bräuchlicher Metalle, rechts) bei diffuser
Farbanstriche und Bau- Transmission. Die Leucht-
stoffe I L dichteverteilung ist aus
allen Blickwinkeln gleich.
Lichtstärkeverteilung bei
Metalle gemischter Transmission
(Mitte) und gerichteter
Aluminium, hochglänzend 0,80–0,85 Transmission durch kla-
res Material (unten)
Aluminium, matt eloxiert 0,75–0,85
Aluminium, mattiert 0,50–0,75
Silber, poliert 0,90
Kupfer, poliert 0,60–0,70
Chrom, poliert 0,60–0,70
Stahl, poliert 0,50–0,60

Farbanstriche

weiß 0,70–0,80
hellgelb 0,60–0,70
hellgrün, hellrot, hellblau, hellgrau 0,40–0,50
beige, ocker, orange, mittelgrau 0,25–0,35
dunkelgrau, dunkelrot, 0,10–0,20
dunkelblau, dunkelgrün

Baustoffe

Putz, weiß 0,70–085


Gips 0,70–0,80
Email, weiß 0,60–0,70
Mörtel, hell 0,40–0,50
Beton 0,30–0,50
Granit 0,10–0,30
Ziegel, rot 0,10–0,20
Glas, klar 0,05–0,10

86
2.6 Lichtlenkung
2.6.1 Prinzipien

Stoffen findet keinerlei Streuung statt.


Mit zunehmendem Streuvermögen wird
der gerichtete Anteil des transmittierten
Lichts immer geringer, bis bei vollständiger
Streuung nur noch diffuses Licht abgege-
ben wird.
Transmittierende Materialien in Leuch-
ten können durchsichtig sein. Dies gilt für Lichtstrahlen werden
einfache Abschlußgläser sowie für Filter, beim Übergang aus
die bestimmte Spektralbereiche absorbie- einem Medium mit dem
ren, die übrigen jedoch transmittieren und Brechungsindex n1 in
ein dichteres Medium
so für farbiges Licht oder für eine Senkung mit dem Brechungsin-
des UV- bzw. Infrarotanteils sorgen. Gele- dex n2 zum Einfallslot
gentlich werden auch streuende Materia- hin abgelenkt. (™1 > ™2).
lien – z. B. opales Glas oder opale Kunst- Für den Übergang von
Luft zu Glas ergibt sich
stoffe – als Leuchtenabschluß verwendet, annäherungsweise
um durch Senkung der Lampenleuchtdichte n2 / n1 =1,5.
Blendwirkungen zu vermeiden.
sin ™1 = n2
sin ™2 n1
2.6.1.3 Absorption ™2
™1

Hier wird das auf einen Körper fallende n1 n2


Licht je nach dem Absorptionsgrad dieses
Körpers ganz oder teilweise absorbiert. Beim Durchgang durch
Bei der Konstruktion von Leuchten wird ein Medium anderer
Dichte werden Licht-
Absorption vor allem zur Abschirmung strahlen parallel versetzt.
von Lichtquellen benutzt; zur Erzielung
von Sehkomfort ist sie dort unverzichtbar.
Prinzipiell ist Absorption jedoch ein uner-
wünschter Effekt, da sie Licht nicht lenkt,
sondern vernichtet und so den Wirkungs-
grad der Leuchte herabsetzt. Typische
absorbierende Leuchtenelemente sind
schwarze Rillenblenden, Abblendzylinder
und -klappen sowie Abblendraster in un-
terschiedlichen Formen. Typischer Strahlengang
parallel einfallenden
Lichts beim Durchtritt
durch asymmetrische
2.6.1.4 Brechung Prismenraster (links
oben), symmetrische
Lichtstrahlen werden beim Eintritt in ein Prismenraster (rechts
oben), Fresnellinsen
transmittierendes Medium abweichender (links unten) und Sam-
Dichte – so z. B. von Luft in Glas und wie- mellinsen (rechts unten)
derum von Glas in Luft – gebrochen, d. h.
in ihrer Richtung verändert. Bei Körpern
mit parallelen Flächen ergibt sich hierbei
nur eine parallele Verschiebung des Lichts,
bei Prismen und Linsen entstehen jedoch
optische Effekte, die von der reinen Win-
keländerung über die Bündelung und
Streuung von Licht bis hin zur optischen sin ™G = n2
Abbildung reichen. Bei der Konstruktion n1
von Leuchten werden lichtbrechende Ele-
mente wie Prismen oder Linsen – häufig in Für den Übergang eines
Kombination mit Reflektoren – zur geziel- Lichtstrahls aus einem
Medium mit dem Bre-
ten Lichtlenkung verwendet. ™G chungsindex n2 in ein
Medium geringerer
n2 n1 Dichte mit dem Bre-
2.6.1.5 Interferenz chungsindex n1 existiert
ein Grenzwinkel ™G. Bei
Überschreiten des Grenz-
Als Interferenz wird die wechselseitige winkels wird der Licht-
Verstärkung oder Abschwächung bei der strahl in das dichtere
Überlagerung von Wellen bezeichnet. Licht- Medium reflektiert
(Totalreflexion). Für den
technisch genutzt werden Interferenz- Übergang von Glas zu
effekte beim Auftreffen von Licht auf sehr Luft ergibt sich annähe-
dünne Schichten, die dazu führen, daß be- rungsweise ™G = 42°.
stimmte Frequenzbereiche reflektiert, an- Technisch genutzt wird
die Totalreflexion z. B. in
dere aber transmittiert werden. Durch eine Lichtleitern (unten).
Abfolge von Schichten geeigneter Stärke
und Dichte kann eine selektive Reflexions-

87
2.6 Lichtlenkung
2.6.2 Reflektoren

fähigkeit für bestimmte Frequenzbereiche


erzeugt werden, so daß z. B. – wie bei den
Kaltlichtlampen – sichtbares Licht reflek-
tiert, infrarote Strahlung aber transmittiert
wird. Auch Reflektoren und Filter für die
Erzeugung farbigen Lichts können auf diese
Weise hergestellt werden. Interferenzfilter,
sogenannte Kantenfilter, besitzen dabei
einen sehr hohen Transmissionsgrad und
eine besonders scharfe Trennung zwischen
reflektierten und transmittierten Spektral-
Kreis (1), Ellipse (2), bereichen.
Parabel (3) und Hyperbel
(4) als Schnittebenen
eines Kegels (oben).
Schematische Darstel- 2.6.2 Reflektoren
lung der Schnittebenen
und Schnittbereiche Als lichtlenkende Elemente dienen bei der
(unten)
Leuchtenkonstruktion vor allem Reflekto-
ren. Neben Reflektoren mit diffus reflek-
tierenden – meist weißen oder mattierten –
Oberflächen werden vor allem Reflektoren
mit spiegelnden Oberflächen verwendet.
3 4 Diese Reflektoren wurden ursprünglich aus
rückseitig verspiegeltem Glas hergestellt,
was zum heute noch üblichen Begriff Spie-
gelreflektortechnik führte. Gegenwärtig
2 wird vor allem eloxiertes Aluminium oder
mit Chrom bzw. Aluminium beschichteter
Kunststoff als Reflektormaterial benutzt.
Kunststoffreflektoren sind dabei preiswert,
1 jedoch thermisch nur begrenzt belastbar
und nicht so robust wie Aluminiumreflek-
toren, die durch ihre widerstandsfähige
Eloxalschicht mechanisch geschützt wer-
den und hohen Temperaturen ausgesetzt
werden können.
Bei den Aluminiumreflektoren existie-
4 ren unterschiedliche Materialtypen, die
3 3 zum Teil vollständig aus hochwertigem
Reinaluminium bestehen, zum Teil eine
Beschichtung aus Reinstaluminium be-
2 2
sitzen. Die abschließende Eloxalschicht ist
je nach Verwendungszweck unterschied-
lich dick; sie beträgt im Innenbereich meist
1 3–5 µm, bei Leuchten für den Außenbereich
oder chemisch belastete Umgebungen bis
zu 10 µm. Die Eloxierung kann schon beim
Rohmaterial (Bandeloxierung) oder auf-
wendiger beim Einzelreflektor (stationäre
Eloxierung) erfolgen.
Die Reflektoroberflächen können glatt
oder mattiert sein, wobei die Mattierung
eine zwar erhöhte, dafür aber gleichmäßige
Leuchtdichte des Reflektors bewirkt. Wird
Strahlengang punkt- eine leichte Streuung des erzeugten Licht-
förmiger Lichtquellen kegels gewünscht, sei es, um einen weiche-
bei der Reflexion an
Kreis, Ellipse, Parabel ren Lichtverlauf zu erreichen, sei es, um
und Hyperbel (von oben Ungleichmäßigkeiten bei der Lichtvertei-
nach unten) lung auszugleichen, können die Reflektor-
oberflächen facettiert oder gehämmert
werden. Metallreflektoren können dichroi-
tisch beschichtet werden, hierdurch kann
die Lichtfarbe sowie der Anteil an abge-
gebener UV- oder Infrarotstrahlung kon-
trolliert werden.
Die Charakteristik einer Leuchte wird
im wesentlichen durch die Form des ver-
wendeten Reflektors bestimmt. Fast alle
Reflektorkonturen lassen sich dabei auf die
Parabel, den Kreis oder die Ellipse zurück-
führen.

88
2.6 Lichtlenkung
2.6.2 Reflektoren

Parabolreflektor mit ge- Parabolreflektor mit gro- Parabolreflektor mit gro- 2.6.2.1 Parabolreflektoren
ringem Abstand zwischen ßem Abstand zwischen ßem Abstand zwischen
Brennpunkt und Reflek- Brennpunkt und Reflek- Brennpunkt und Reflek- Parabolreflektoren stellen die am häufig-
torscheitel; Abschirmung torscheitel; keine Abschir- torscheitel sowie Kugel-
der Direktkomponente mung der Direktkompo- reflektor zur Abschirmung sten verwendete Reflektorform dar. Sie
durch den Reflektor nente der Direktkomponente bieten die Möglichkeit, Licht in unterschied-
lichster Weise – sei es engstrahlend, breit-
strahlend oder asymmetrisch – zu lenken,
und ermöglichen eine gezielte Blendungs-
begrenzung.
Bei Parabolreflektoren wird das Licht
einer Lichtquelle, die sich im Brennpunkt
der Parabel befindet, parallel zur Parabel-
achse abgestrahlt. Mit steigender Abwei-
chung der Lichtquelle von der idealen
Punktförmigkeit – bezogen auf den Para-
beldurchmesser – steigt dabei die Diver-
genz des abgegebenen Lichtbündels.
Wird die Reflektorkontur durch Rota-
Parabolkontur bei Rinnen- tion einer Parabel oder eines Parabelseg-
reflektoren und rotations- ments um die eigene Achse konstruiert, so
symmetrischen Reflekto-
ren ergibt sich ein Reflektor mit engstrahlender
Lichtverteilung. Bei linearen Lichtquellen
entsteht eine vergleichbare Wirkung durch
Rinnenreflektoren mit parabolischem
Querschnitt.
Wird die Reflektorkontur durch Rota-
tion eines Parabelsegments um eine Achse,
die in einem Winkel zur Parabelachse steht,
konstruiert, so ergibt sich je nach Winkel
eine breitstrahlendere Lichtverteilung bis
hin zu einer Batwing-Charakteristik. Aus-
strahlungs- und Abblendwinkel sind hier-
bei weitgehend frei wählbar, so daß Leuch-
ten für unterschiedliche Ansprüche an
Lichtverteilung und Blendungsbegrenzung
konstruiert werden können.
Parabolreflektor mit star-
ker Richtwirkung (oben). Parabolreflektoren können auch bei linea-
Breitstrahlender Parabol-
reflektor mit Abschirm- ren oder flächigen Lichtquellen – z. B.
winkel å (unten) PAR-Lampen oder Leuchtstofflampen –
å eingesetzt werden, obwohl sich die Lampen
hierbei nicht im Brennpunkt der Parabel
befinden. In diesem Fall wird allerdings
weniger eine parallele Ausrichtung des
Lichts als eine optimale Blendungsbegren-
zung angestrebt. Der Brennpunkt der Pa-
rabel liegt bei dieser Konstruktionsform
auf dem Fußpunkt des gegenüberliegenden
Parabelsegments, so daß das Licht der über
dem Reflektor befindlichen Lichtquelle in
keinem Fall oberhalb des vorgegebenen
Parabolreflektor zur Blen- Abblendwinkels abgestrahlt werden kann.
dungsbegrenzung bei Derartige Konstruktionen lassen sich nicht
flächigen und linearen
Lichtquellen. Bei einer nur in Leuchten, sondern auch bei der Ta-
Brennpunktlage auf dem geslichtlenkung einsetzen; parabolische
Fußpunkt (1) des gegen- Raster – z. B. in Oberlichtern – lenken auch
überliegenden Parabel- das Sonnenlicht so, daß Blendung ober-
segments wird kein Licht
oberhalb des Abschirm- halb des Abblendwinkels ausgeschlossen
winkels å abgegeben. wird.
Reflektorkonturen für
parallelen Strahlengang/
Parabel (links oben),
konvergierenden Strah- 1
lengang/Ellipse (rechts 1
oben), divergierenden å
Strahlengang/Hyperbel å
(links unten) und konver-
gierend-divergierenden
Strahlengang (rechts
unten)

89
2.6 Lichtlenkung
2.6.2 Reflektoren

Darklight-Reflektortech- 2.6.2.2 Darklightreflektoren


nik. Durch Reflektoren
mit gleitendem Parabel-
brennpunkt tritt auch Bei den bisher beschriebenen Parabolreflek-
bei Volumenstrahlern toren ist eine definierte Ausstrahlung –
kein Licht oberhalb des und damit eine effektive Blendungsbegren-
å Abschirmwinkels å aus. zung – nur für ideale, punktförmige Licht-
quellen gegeben. Bei Verwendung von
Volumenstrahlern – z. B. von mattierten
Allgebrauchsglühlampen – kommt es
schon oberhalb des Abschirmwinkels zu
Blendwirkungen; im Reflektor wird Blend-
licht sichtbar, obwohl die Lampe selbst
noch abgeschirmt ist. Durch Reflektoren
mit gleitendem Parabelbrennpunkt (so-
genannte Darklightreflektoren) kann dieser
Effekt vermieden werden; Helligkeit tritt
im Reflektor so auch bei Volumenstrahlern
erst unterhalb des Abschirmwinkels durch
die dann sichtbare Lichtquelle auf.

2.6.2.3 Kugelreflektoren
30˚ 40˚ 50˚
Bei Kugelreflektoren wird das Licht einer
Lampe, die sich im Brennpunkt der Kugel
befindet, zu diesem Brennpunkt reflektiert.
Kugelreflektoren werden vor allem als Hilfs-
mittel in Verbindung mit Parabolreflektoren
oder Linsensystemen verwendet. Hier die-
nen sie dazu, den frei nach vorn abgestrahl-
Durch Berechnung ge- ten Anteil des Lampenlichtstroms in den
eigneter Reflektorkon- Parabolreflektor zu lenken und so in die
turen lassen sich für
identische Deckenöff- Lichtlenkung einzubeziehen oder das nach
nung und Lampengeo- hinten abgegebene Licht durch Retroreflek-
metrie unterschiedliche tion zur Lampe sinnvoll zu nutzen.
Abschirmwinkel und
Ausstrahlungscharak-
teristiken erreichen.
2.6.2.4 Evolventenreflektoren
Hier wird das Licht, das von einer Lampe
abgestrahlt wird, nicht, wie beim Kugel-
reflektor, zur Lichtquelle zurückgestrahlt,
sondern stets an der Lampe vorbei reflek-
tiert. Evolventenreflektoren werden vor
allem bei Entladungslampen benutzt, um
eine leistungsmindernde Erwärmung der
Lampen durch das zurückreflektierte Licht
zu vermeiden.

2.6.2.5 Elliptische Reflektoren


Bei elliptischen Reflektoren wird das Licht
einer Lampe, die sich im ersten Brennpunkt
der Ellipse befindet, zum zweiten Brenn-
punkt reflektiert. Hierbei kann der zweite
Brennpunkt der Ellipse als imaginäre, frei-
Evolventenreflektor: strahlende Lichtquelle genutzt werden.
Von der Lampe aus- Elliptische Reflektoren werden benutzt,
gehende Lichtstrahlen
werden stets an der um bei Einbauwandflutern einen Licht-
Lampe vorbeireflektiert. ansatz direkt an der Decke zu erzeugen.
Auch wenn bei Downlights eine möglichst
kleine Deckenöffnung gewünscht wird,
können elliptische Reflektoren eingesetzt
werden. Hier kann der zweite Brennpunkt
als freistrahlende imaginäre Lichtquelle
direkt in der Deckenebene liegen; es ist
Ellipsoidreflektoren aber auch möglich, durch einen zusätz-
in Doppelfokusdown- lichen Parabolreflektor für einen kontrol-
lights (oben), Wand-
flutern (Mitte) und lierten Lichtaustritt und die Begrenzung
Strahlern (unten) der Blendung zu sorgen.

90
2.6 Lichtlenkung
2.6.3 Linsensysteme

2.6.3 Linsensysteme
Im Gegensatz zu Prismenrastern werden
Linsen fast ausschließlich bei Leuchten für
Punktlichtquellen verwendet. In der Regel
wird dabei ein optisches System aufgebaut,
das aus der Kombination eines Reflektors
mit einer oder mehreren Linsen besteht.

2.6.3.1 Sammellinsen
Sammellinsen richten das Licht einer Licht-
quelle, die sich in ihrem Brennpunkt befin-
det, zu einem parallelen Lichtbündel aus.
Sammellinsen werden bei der Leuchten-
konstruktion meist mit einem Reflektor
kombiniert. Hierbei dient der Reflektor
Sammellinse (oben) und dazu, den gesamten Lichtstrom in Aus-
Fresnellinse (unten). strahlungsrichtung zu lenken, die Linse
Durch Veränderung des
Abstands zwischen Linse bewirkt eine exakte Bündelung des Lichts.
und Lichtquelle wird der Häufig kann der Abstand der Sammellinse
Ausstrahlungswinkel ver- zur Lichtquelle verändert werden, so daß
ändert. sich unterschiedliche Ausstrahlungswinkel
einstellen lassen.

2.6.3.2 Fresnellinsen
Fresnellinsen stellen eine Linsenform dar,
bei der ringförmige Linsensegmente kon-
zentrisch zusammengefaßt werden. Die
optische Wirkung dieser Linsen ist der
Wirkung konventioneller Linsen entspre-
chender Krümmung vergleichbar. Fresnel-
linsen sind jedoch wesentlich flacher,
leichter und preiswerter, so daß sie bei
Leuchten häufig an Stelle von Sammel-
linsen eingesetzt werden.
Die optische Leistung von Fresnellinsen
wird durch Störungen an den Segment-
übergängen begrenzt; in der Regel sind die
Rückseiten der Linsen strukturiert, um sicht-
bare Unregelmäßigkeiten bei der Lichtver-
teilung auszugleichen und für einen wei-
chen Lichtverlauf zu sorgen. Leuchten mit
Fresnellinsen wurden ursprünglich vor
allem als Bühnenscheinwerfer eingesetzt;
Scheinwerfer mit abbil- inzwischen werden sie aber auch in der
dender Optik: Eine gleich- Architekturbeleuchtung benutzt, um die
mäßig ausgeleuchtete
Bildebene (1) wird durch Ausstrahlungswinkel bei unterschiedlichen
ein Linsensystem (2) ab- Abständen von Leuchte und beleuchtetem
gebildet. Der Ellipsoid- Objekt individuell regeln zu können.
scheinwerder (oben)
zeichnet sich durch hohe
Lichtstärke, der Konden-
sorscheinwerfer (unten) 2.6.3.3 Abbildende Systeme
1 2 durch hohe Abbildungs-
qualität aus. Abbildende Systeme verwenden einen ellip-
tischen Reflektor oder eine Kombination
aus Kugelspiegel und Kondensor, um ihr
Licht auf eine Bildebene auszurichten.
Durch die Hauptlinse der Leuchte wird
diese Ebene dann auf der zu beleuchten-
den Fläche abgebildet.
Abbildung und Lichtkegel können in
der Bildebene verändert werden. Hierbei
führen einfache Lochblenden oder Iris-
blenden zu unterschiedlich großen Licht-
1 2
kegeln, während sich mit Konturenmasken
unterschiedliche Konturen des Lichtkegels
einstellen lassen. Mit Hilfe von Schablonen

91
2.6 Lichtlenkung
2.6.4 Prismenraster
2.6.5 Zusatzeinrichtungen

(Gobos) ist es möglich, Schriftzüge oder


Abbildungen zu projizieren.
Durch Linsen geeigneter Brennweiten
können unterschiedliche Ausstrahlungs-
winkel bzw. Abbildungsmaßstäbe ausge-
wählt werden. Anders als bei Leuchten
für Fresnellinsen ist es möglich, scharf be-
grenzte Lichtkegel zu erreichen; durch un-
scharfe Projektion können jedoch auch
weiche Verläufe erzielt werden.

Lichtkopf eines Strahlers 2.6.4 Prismenraster


zur Aufnahme von Zu-
satzeinrichtungen
Auch die Lichtbrechung in Prismen kann
Zusatzeinrichtungen als optisches Prinzip zur Lichtlenkung ein-
(von oben nach unten): gesetzt werden. Hierbei wird die Tatsache
Floodlinsen zur Aufsprei-
zung des Lichtkegels. ausgenutzt, daß die Ablenkung eines Licht-
Skulpturenlinse zur Erzeu- strahls beim Durchtritt durch ein Prisma
gung eines ovalen Licht- vom Winkel dieses Prismas abhängt, so
kegels. Rillenblende und daß sich der Ablenkwinkel des Lichts durch
Wabenraster zur Begren-
zung des Lichtkegels Auswahl einer geeigneten Prismenform
und Verminderung der bestimmen läßt.
Blendung Fällt das Licht oberhalb eines bestimm-
ten Grenzwinkels auf die Prismenflanke,
so wird es nicht mehr gebrochen, sondern
total reflektiert. Auch dieses Prinzip wird
häufig in Prismensystemen benutzt, um
Licht in Winkeln abzulenken, die über die
größtmöglichen Brechungswinkel hinaus-
Typische Lichtverteilung
einer Leuchtstofflampe gehen.
mit Prismenraster Prismensysteme werden vor allem bei
Leuchten für Leuchtstofflampen benutzt,
-90˚ 90˚ um den Ausstrahlungswinkel zu kontrol-
lieren und für ausreichende Blendungs-
-60˚ 60˚ begrenzung zu sorgen. Hierbei werden die
Prismen für die jeweiligen Lichteinfalls-
-30˚ 0˚ 30˚ winkel berechnet und zu einem längsorien-
tierten Raster zusammengefaßt, das den
äußeren Abschluß der Leuchte bildet.

2.6.5 Zusatzeinrichtungen
Zahlreiche Leuchten können mit Zusatz-
einrichtungen zur Veränderung der licht-
technischen Eigenschaften versehen wer-
den. Hier sind vor allem Filtervorsätze zu
nennen, die für farbiges Licht sorgen oder
den Anteil des Lichts an UV- oder Infrarot-
strahlung vermindern. Filter können aus
Spektrale Transmissions-
kurven † (¬) gebräuch- Kunststoffolie bestehen, haltbarer sind
licher Filter jedoch Glasfilter. Neben konventionellen
Absorptionsfiltern sind auch Interferenz-
100 †(%) rot 100 †(%) IR filter (Kantenfilter) erhältlich, die einen
60 60
hohen Transmissionsgrad besitzen und
eine exakte Trennung transmittierter und
20 20 reflektierter Spektralanteile bewirken.
¬(nm) ¬(nm)
400 600 800 400 600 800 Mit Hilfe von Floodlinsen kann für eine
breitere und weichere Lichtverteilung ge-
100 †(%) gelb 100 †(%) UV sorgt werden, während Skulpturenlinsen
60 60
einen elliptischen Lichtkegel erzeugen. Wird
eine verbesserte Blendungsbegrenzung
20
¬(nm)
20
¬(nm)
angestrebt, so ist dies durch zusätzliche
400 600 800 400 600 800 Blenden oder Wabenraster möglich. Bei er-
höhter mechanischer Belastung, vor allem
100 †(%) blau im Sportstättenbereich und in vandalis-
60
musgefährdeten Gebieten, kann eine zu-
sätzliche Sicherung (Ballwurfschutz, Van-
20
¬(nm)
dalismussicherung) angebracht werden.
400 600 800

92
2.6 Lichtlenkung

Einbaurichtstrahler für
Preßglaslampen. Einbau-
richtstrahler verbinden
das ruhige Deckenbild
Kühlkörper aus Alumini- integrierter Leuchten
umguß mit der flexiblen Einsetz-
barkeit von Strahlern.
Keramische Fassung für
Sockel E 27

Lampengehäuse

Anschlußklemme

Preßglaslampen als Licht-


quelle und Bestandteil
des optischen Systems

Schwenkbügel zur Aus-


richtung des Lampen-
trägers

Feststehender Darklight-
reflektor

Deckeneinbauring

93
2.7 Leuchten
2.7 2.7.1 Ortsfeste Leuchten

Leuchten Leuchten sind in einer Vielzahl von Typen


erhältlich. Eine große Gruppe bilden hier-
2.7.1.1 Downlights
bei die dekorativen Leuchten, bei denen Wie der Name andeutet, richten Down-
weniger die Lichtwirkung als die äußere lights ihr Licht vorwiegend von oben nach
Gestaltung im Vordergrund steht. Dieser unten. Downlights werden üblicherweise
Bereich soll aber nicht näher behandelt an der Decke montiert. Häufig können
werden. Thema sind vielmehr Leuchten sie dort eingebaut werden, so daß sie als
mit definierten lichttechnischen Eigen- Leuchten kaum noch in Erscheinung treten
schaften, die als Bausteine der Architek- und nur durch ihr Licht wirksam werden.
turbeleuchtung dienen können. Auch hier Downlights werden aber auch in Aufbau-
steht eine Vielzahl von Typen zur Verfü- oder Abhängversionen angeboten. Eine
gung, die sich nach unterschiedlichen Sonderform, die meist in der Flur- oder
Gesichtspunkten ordnen läßt. Als sinnvoll Außenbeleuchtung eingesetzt wird, sind
bietet sich dabei die Einteilung in ortsfeste Downlights für Wandmontage.
Leuchten, bewegliche Leuchten und Licht-
strukturen an. Downlights in ihrer Grundform strahlen
dabei einen senkrecht nach unten gerichte-
ten Lichtkegel ab. Sie werden üblicherweise
2.7.1 Ortsfeste Leuchten an der Decke montiert und beleuchten den
Boden oder andere horizontale Flächen.
Ortsfeste Leuchten sind fest mit der Archi- Auf vertikalen Flächen – z. B. Wänden –
tektur verbunden. Gelegentlich lassen sich ergeben ihre Lichtkegel charakteristische
unterschiedliche Lichtrichtungen einstellen, hyperbelförmige Anschnitte (scallops).
meist ist jedoch durch die feste Montage Downlights werden mit unterschied-
auch die Ausstrahlungsrichtung vorgege- licher Lichtverteilung angeboten. Engstrah-
ben. Je nach Leuchtencharakteristik und lende Downlights beleuchten dabei eine
Bauart ergeben sich eine Reihe von Unter- kleinere Fläche, besitzen durch den größe-
gruppen. ren Abschirmwinkel jedoch eine höhere
Blendfreiheit als breitstrahlende Down-
lights. Einige Downlightformen verwenden
zusätzliche Abblendraster in der Reflektor-
öffnung, um für eine höhere Blendfreiheit
zu sorgen. Bei Downlights mit Darklight-
reflektor ist der Abschirmwinkel der Lampe
mit dem Abblendwinkel der Leuchte iden-
tisch, so daß eine möglichst breitstrah-
lende Leuchte mit gleichzeitig optimiertem
Leuchtenwirkungsgrad entsteht.

Einbaudownlight für
Glühlampen. Durch die
Darklighttechnik ergibt
sich ein deutlich begrenz-
ter Lichtkegel mit identi-
schem Abblend- und Ab-
schirmwinkel.

94
2.7 Leuchten
2.7.1 Ortsfeste Leuchten

Durch entspechende Doppelfokusdownlights besitzen ähn- Downlight-Wandfluter besitzen eine


Reflektorkonturen kön- liche Eigenschaften wie herkömmliche asymmetrische Lichtverteilung, die das
nen unterschiedliche Ab-
schirmwinkel bei gleicher Downlights, ermöglichen jedoch durch Licht nicht nur senkrecht nach unten, son-
Deckenöffnung erreicht ihre spezielle Reflektorform eine hohe dern auch direkt auf vertikale Flächen lenkt.
werden. Lichtleistung bei kleiner Deckenöffnung. Sie werden benutzt, um zusätzlich zum
horizontalen Beleuchtungsanteil eine
Doppelfokusdownlight gleichmäßige Beleuchtung von Wand-
mit Ellipsoidreflektor flächen zu erreichen. Downlight-Wandflu-
und zusätzlichem para- ter beleuchten je nach Ausführung einen
bolischem Abblendreflek-
tor mit besonders kleiner Wandabschnitt, eine Raumecke oder auch
30˚ Deckenöffnung zwei gegenüberliegende Wandabschnitte.

40˚

50˚

Downlight-Wandfluter
mit Darklightreflektor
und zusätzlichem Ellip-
soidsegment für die Er-
zeugung des Wandan-
teils der Beleuchtung

Montageformen von Montage von Doppelfo-


Downlights: Einbau-, kusdownlights in waage-
Halbeinbau-, Aufbau- rechten und schrägen
montage, abgependelte Decken
Montage und Wandmon-
tage

Einbaudownlight für
Hochdruck-Entladungs-
lampen. Lampe und Re-
flektor sind durch ein
Sicherheitsglas vonein-
ander getrennt.

Einbaudownlights für
kompakte Leuchtstoff-
lampen, Bauformen mit
integriertem und sepa-
ratem Vorschaltgerät
(oben) sowie mit Kreuz-
rasterreflektor (unten)
Symbolische Darstellung
im Grundriß: Downlight-
Wandfluter, Doppelwand-
fluter und Eckenwand-
fluter

95
2.7 Leuchten
2.7.1 Ortsfeste Leuchten

Downlight-Richtstrahler dienen zur Klima-Downlights dienen der Führung


akzentuierten Beleuchtung einzelner Be- von Zu- und Abluft. Sie fassen die Öffnun-
reiche oder Objekte. Sie können durch gen für Beleuchtung und Belüftung zu-
Ausrichtung des Lichtkegels wechselnden sammen und sorgen so für ein einheitliches
Beleuchtungsaufgaben angepaßt werden. Deckenbild. Klima-Downlights können
Ihre Lichtverteilung ist eng bis mittelbreit. Anschlüsse für Zuluft, für Abluft oder für
Zu- und Abluft besitzen.
Downlights werden für eine Vielzahl von
Leuchtmitteln angeboten. Der Schwer-
punkt liegt allerdings auf kompakten
Lichtquellen wie Glühlampen, Halogen-
Glühlampen und Hochdruckentladungs-
lampen sowie kompakten Leuchtstoff-
lampen.

360˚ Glühlampen-Downlight
für Abluftführung. Die
Konvektionswärme der
40˚ Glühlampe wird mit dem
Luftstrom abgeführt.

Downlight-Richtstrahler
mit ausrichtbarer Reflek-
torlampe und Abblend-
reflektor. Richtstrahler
können in der Regel um
360° gedreht und um
40° geschwenkt werden.
Auf diese Weise kann der
Richtstrahler sowohl auf
horizontale als auch auf
vertikale Flächen ausge-
richtet werden.

Downlight mit kombi-


nierter Zu- und Abluft-
führung

Downlight mit Abluft-


führung für kompakte
Leuchstofflampen. Die
Abluft wird von der Lam-
pe getrennt geführt, da
die Kühlleistung der Ab-
luft die Betriebseigen-
Downlight-Richtstrahler schaften der Lichtquelle
mit Abblendreflektor beeinflussen kann.

Downlight-Richtstrahler L (dB(A)) Bereich des Schall-


mit Abblendmaske 40 leistungspegels L in
Abhängigkeit von Ab-
luftvolumenstrom V.
20
Typische Werte für
V (m3/h) Downlights
100 140 180

Downlight-Richtstrahler 1,0 Restwärmefaktor Bereich des Restwärme-


mit kardanischer Auf- faktors in Abhängigkeit
hängung 0,6 vom Abluftvolumen-
strom V. Typische Werte
0,2 für Downlights
V (m3/h)
100 140 180

Downlight-Richtstrahler
als Kugelrichtstrahler

96
2.7 Leuchten
2.7.1 Ortsfeste Leuchten

2.7.1.2 Uplights 2.7.1.3 Rasterleuchten


Uplights strahlen im Gegensatz zu Down- Rasterleuchten sind für lineare Lichtquel-
lights nach oben. Sie können so zur Be- len wie Leuchtstofflampen oder kompakte
leuchtung der Decke, zur indirekten Raum- Leuchtstofflampen konstruiert. Den Namen
beleuchtung durch deckenreflektiertes erhalten sie durch ihre Abdeckung, die aus
Licht oder zur Wandbeleuchtung mit Streif- abschirmenden Blendrastern, aus lichtlen-
licht benutzt werden. Uplights können auf kenden Spiegelreflektor- oder aus Prismen-
dem bzw. im Boden oder an der Wand mon- rastern bestehen kann.
tiert werden. Durch die linearen Lichtquellen gerin-
ger Leuchtdichte erzeugen Rasterleuchten
Up-Downlights kombinieren ein Uplight nur wenig Brillanz und Modellierung. Ihre
mit einem Downlight. Sie können also für Lichtverteilung ist meist breitstrahlend, so
die gleichzeitige Beleuchtung des Bodens daß Rasterleuchten vor allem zur flächigen
und der Decke oder für eine Wandbeleuch- Beleuchtung verwendet werden.
tung mit Streiflicht sorgen. Up-Downlights Rasterleuchten besitzen meist eine
können an der Wand montiert oder abge- langgestreckte rechteckige Form (Langfeld-
hängt werden. leuchten); für kompakte Leuchtstofflampen
sind auch quadratische und runde Formen
erhältlich. Ähnlich wie Downlights werden
sie in Einbau- und Aubauformen sowie
Wandmontiertes Up-
Downlight für Preßglas- zum Abhängen angeboten.
lampen

Rasterleuchte für Leucht-


stofflampen mit Dark-
lightreflektor und Evol-
venten-Oberreflektor.
Rasterleuchten können
eine rechteckige (Lang-
feldleuchten) oder auch
eine quadratische bzw.
runde Form besitzen.

30 60 90 I (cm) T [W] TC-L [W]


18
24
18 36, 40, 55
36
58

Schnitt durch eine Boden- 30 60 90 I (cm) T [W] TC-L [W]


einbauleuchte für Halo-
gen-Reflektorlampen 18

24

36, 40, 55

Größenvergleich von 30 60 90 I (cm) T [W] TC-L [W]


Rasterleuchten unter-
schiedlicher Formen und 18
Bestückungen

24

Montageformen von
Uplights und Up-Down-
lights: Wandmontage, 36
Bodenaufbau, Bodenein-
bau

97
2.7 Leuchten
2.7.1 Ortsfeste Leuchten

Rasterleuchten in ihrer Grundform be-


sitzen eine achsensymmetrische Lichtver-
teilung. Sie werden mit Abschirmwinkeln
von 30° bis 40° und unterschiedlichen
Ausstrahlungscharakteristiken angeboten,
so daß Lichtverteilung und Blendungs-
begrenzung auf die jeweiligen Anforderun- Montageformen von
gen abgestimmt werden können. Wird eine Rasterleuchten: Decken-
einbau, Aufbau, Mon-
verminderte Reflexblendung gefordert, so tage an Stromschienen,
können Rasterleuchten mit Batwing-Cha- Wandmontage, Ständer-
rakteristik verwendet werden, die ihr Licht montage und abgepen-
vorwiegend unter flachen Winkeln abstrah- delte Montage
len, so daß nur wenig Licht im kritischen
Reflexionsbereich abgegeben wird. Die
Direktblendung kann bei Rasterleuchten
auf unterschiedliche Weise begrenzt wer-
den. In ihrer einfachsten Form besitzen
Rasterleuchten ein Abblendraster zur Be-
grenzung des Ausstrahlungswinkels. Ein
höherer Leuchtenwirkungsgrad wird aller-
dings durch lichtlenkende Reflektorraster
erreicht. Diese Reflektoren können sowohl
aus hochglänzendem, wie auch aus mattier-
tem Material bestehen. Mattierte Reflek-
toren sorgen hierbei für eine gleichmäßige,
der Deckenleuchtdichte angepaßte Hellig-
keit des Reflektors. Hochglänzende Reflek-
toren lassen dagegen den Reflektor inner-
halb des Abschirmwinkels dunkel erschei-
nen, können jedoch zu unerwünschten
Spiegelreflexen im Reflektor führen. Eine
weitere Möglichkeit zur Lichtlenkung bei
Rasterleuchten sind Prismenraster.

Bauformen von Raster-


leuchten (von oben nach
unten): Leuchte mit La-
mellenraster, Leuchte
mit Reflektorraster,
Leuchte mit Reflektor-
raster und zusätzlichem
Lampenanordnung bei Prismenraster zur Reduk-
Rasterleuchten: Standard- tion der Lampenleucht-
anordnung oberhalb dichte und Verbesserung
der Querreflektoren der Kontrastwiedergabe,
(oben links). Nach oben Leuchte mit Prismen-
versetzte Anordnung zur raster
Erhöhung des Abschirm-
winkels (Mitte links).
Zweilampige Bestückung
in horizontaler und ver-
tikaler Anordnung (unten
links, oben rechts). Seit-
lich versetzte Anordnung
für eine asymmetrische
Lichtstärkeverteilung
(Mitte rechts). Zweilam-
pige Bestückung mit
Doppelreflektor (unten
rechts)

98
2.7 Leuchten
2.7.1 Ortsfeste Leuchten

Asymmetrische Rasterleuchten geben BAP-Rasterleuchten sind für die Beleuch- Direkt-Indirekt-Rasterleuchten werden
ihr Licht vorwiegend in eine Richtung ab. tung von Bildschirmarbeitsplätzen kon- von der Decke abgehängt oder an der
Sie können zur gleichmäßigen Beleuch- struiert. Sie müssen in beiden Hauptachsen Wand montiert. Sie erzeugen einen direk-
tung von Wänden benutzt werden oder einen Abschirmwinkel von mindestens ten Beleuchtungsanteil auf den horizon-
auch eingesetzt werden, um die Blendung 30° besitzen und dürfen oberhalb des Ab- talen Flächen unter der Leuchte und sor-
durch in Richtung auf Fenster oder Türen schirmwinkels eine mittlere Leuchtdichte gen gleichzeitig für die Aufhellung der
abgestrahltes Licht zu vermeiden. von 200 cd/m2 nicht überschreiten. Sie Decke und eine diffuse Allgemeinbeleuch-
werden daher vorwiegend mit Hochglanz- tung.
reflektoren ausgerüstet. Bei Verwendung
moderner Bildschirme mit Positivdarstel-
lung sind höhere Leuchtdichten zulässig,
in kritischen Fällen kann dagegen eine Ab-
schirmung von 40° erforderlich werden.
-10˚ 10˚

-30˚ 30˚

-10˚ 10˚

30˚ 30˚
-30˚ 30˚

-10˚ 10˚

40˚ 40˚
-30˚ 30˚

Abschirmwinkel von 30°


(Grenzausstrahlungs-
-10˚ 10˚
winkel 60°) in beiden
Hauptachsen (oben),
Abschirmwinkel von 40° -30˚ 30˚
(Grenzausstrahlungs-
winkel 50°) in beiden
Hauptachsen (unten) Typische Lichtstärke-
verteilungen von Raster-
leuchten: Direktstrah-
lende Leuchte, Direkt-
Indirektleuchte mit über-
wiegendem Direktanteil,
Direkt-Indirektleuchte
Asymmetrische Raster- mit überwiegendem
leuchten (von oben nach Indirektanteil, indirekt-
unten): Wandbeleuch- strahlende Leuchte
tung durch Schwenken
eines symmetrisch ab-
strahlenden Reflektors,
Beleuchtung durch einen
Wandfluter mit ellipti-
schem Seitenreflektor.
Beleuchtung ohne Wand-
anteil (z. B. im Fensterbe-
reich) durch eine Leuch-
te mit planem Seitenre-
flektor

99
2.7 Leuchten
2.7.1 Ortsfeste Leuchten

Klima-Rasterleuchten dienen der Führung 2.7.1.4 Fluter


von Zu- und Abluft und der Vereinheit-
lichung des Deckenbildes. Klima-Raster- Fluter dienen zur gleichmäßigen Beleuch-
leuchten können ebenfalls Anschlüsse für tung von Flächen, vor allem also von Wän-
Zuluft, für Abluft oder für Zu- und Abluft den, Decken und Böden. Sie finden sich in
besitzen. den Gruppen von Downlights und Raster-
leuchten; die Gruppe der Fluter umfaßt je-
doch auch eigenständige Leuchtenformen.
Wandfluter beleuchten die Wand und – je
nach Bauart – auch einen Teil des Bodens.
Ortsfeste Wandfluter werden in Ein- und
Aufbauversionen für die Decke angeboten.

Wandfluter für Reflek-


torlampen mit einer
Linse zur Aufspreizung
des Lichtkegels und
einem Abblendreflektor.
Der Bodenanteil der Be-
leuchtung ist gering,
die Wandbeleuchtung
besonders gleichmäßig.

Rasterleuchten mit Ab-


luftführung für Unter-
druckdecken, für Abluft-
führung in Kanälen und
für kombinierte Zu- und
Abluftführung

Wandfluter für kompak-


te Leuchtstofflampen

Wandfluter mit Ellipsoid-


reflektor für Halogen-
Glühlampen

Wandfluter mit Skulp-


turenlinse und Schaufel-
reflektor für Reflektor-
lampen

Wandfluter für Leucht-


stofflampen. Der Direkt-
anteil der Beleuchtung
wird abgeschirmt, die
Reflektorkontur sorgt
darüber hinaus für eine
besonders gleichmäßige
Wandbeleuchtung. Bei
der Abbildung unten
wird durch ein zusätz-
liches Prismenelement
unterhalb der Decken-
ebene ein deckenbündi-
ger Lichtansatz erreicht.
Wandfluter für Ausleger-
montage

100
2.7 Leuchten
2.7.1 Ortsfeste Leuchten

Deckenfluter dienen zur Aufhellung oder Bodenfluter werden vor allem bei der 2.7.1.5 Architekturintegrierte Leuchten
Beleuchtung von Decken sowie zur indi- Beleuchtung von Fluren und anderen Ver-
rekten Allgemeinbeleuchtung. Sie werden kehrswegen benutzt. Bodenfluter werden Einige Beleuchtungsformen verwenden
oberhalb der Augenhöhe auf die Wand auf- relativ niedrig in die Wand ein- oder auf Elemente der Architektur als lichttechnisch
gebaut oder abgehängt. Als Leuchtmittel die Wand aufgebaut. wirksame Bestandteile. Typische Beispiele
werden vorwiegend lichtstarke Lampen sind Leuchtdecken, Lichtgräben, Vouten-
wie Halogen-Glühlampen für Netzspan- beleuchtungen oder hinterleuchtete Kontu-
nung und Hochdruck-Entladungslampen ren. Auch bei diesen individuellen Konstruk-
verwendet. tionen können handelsübliche Leuchten,
z. B. für Leuchtstofflampen oder -röhren,
eingesetzt werden.
Architekturintegrierte Beleuchtungs-
formen sind in der Regel wenig effizient
und lichttechnisch schwer zu kontrollie-
ren, sie spielen daher für die eigentliche
Beleuchtung von Räumen kaum eine
Rolle. Zur akzentuierten Gestaltung von
Architektur, z. B. zur Betonung der Kontu-
ren architektonischer Elemente, sind sie
dagegen hervorragend geeignet.

Wandmontierter Dek- Bodenfluter für Wand-


kenfluter. Die Reflektor- einbau. Der Direktanteil
kontur erzeugt eine wird abgeschirmt, die
gleichmäßige Decken- Reflektorkontur bewirkt
beleuchtung. eine gleichmäßige Be-
leuchtung des Bodens.

Bauformen von Boden-


flutern: runde und qua-
dratische Form für Glüh-
lampen oder kompakte
Leuchtstofflampen,
rechteckige Form für
Leuchtstofflampen
Bauformen von Decken- Architekturintegrierte
flutern: Wandmontage, Leuchten in abgehäng-
Ständermontage von ten Deckenelementen,
Einzelleuchten und Kassettendecken und
Leuchtenpaaren, abge- Gewölben sowie in
hängte Montage von Wandkonstruktionen
Leuchtenpaaren

101
2.7 Leuchten
2.7.2 Bewegliche Leuchten

2.7.2 Bewegliche Leuchten 2.7.2.1 Strahler


Bei Strahlern für die Ak-
zentbeleuchtung kann
Im Gegensatz zu ortsfesten Leuchten kön- Strahler sind die häufigste Form beweg- durch die Auswahl von
nen bewegliche Leuchten an wechselnden licher Leuchten. Sie beleuchten einen entsprechenden Reflek-
Orten angebracht werden; meist werden begrenzten Bereich, so daß sie weniger toren oder Reflektor-
lampen der Ausstrah-
sie in Stromschienen oder Lichtstrukturen zur Allgemeinbeleuchtung als zur akzen- lungswinkel variiert
eingesetzt. Darüber hinaus sind bewegliche tuierten Beleuchtung von Objekten einge- werden. Hierbei wird
Leuchten meist auch in der Lichtrichtung setzt werden. Aufgrund ihrer Variabilität zwischen engstrahlen-
variabel, sie sind nicht auf eine definierte in Montageort und Ausrichtung können sie den mit ca. 10° (Spot)
und breiterstrahlenden
Stellung festgelegt, sondern können frei wechselnden Aufgaben angepaßt werden. Formen mit ca. 30°
ausgerichtet werden. Strahler sind in unterschiedlichen Aus- (Flood) unterschieden.
strahlungswinkeln erhältlich. Eine enge
Lichtverteilung ermöglicht hierbei die Be-
leuchtung kleiner Bereiche auch aus grö-
ßerer Entfernung, während die breitere
Verteilung von Strahlerflutern die Beleuch-
tung eines größeren Bereichs mit einer
einzigen Leuchte ermöglicht.
Strahler werden für eine Vielzahl von
Leuchtmitteln angeboten. Da jedoch eine
definierte, enge Ausstrahlung angestrebt
wird, werden bevorzugt kompakte Licht-
quellen wie Glühlampen, Halogen-Glüh-
lampen und Hochdruckentladungslampen,
gelegentlich auch kompakten Leucht-
stofflampen eingesetzt. Hierbei werden
großvolumigere Lampen wie zweiseitig
gesockelte Halogen-Glühlampen und Hoch-
druckentladungslampen sowie kompakte
Leuchtstofflampen vorwiegend für Strah-
lerfluter verwendet, während annähernd Kennzeichnend für Flu-
punktförmige Lichtquellen wie Niedervolt- ter ist ein besonders
breiter Ausstrahlungs-
Halogenlampen oder Halogen-Metall- winkel von ca. 90° zur
dampflampen eine besonders enge Licht- flächigen Wandbeleuch-
bündelung ermöglichen. tung.
Strahler können mit Reflektoren aus-
gestattet sein oder Reflektorlampen ver-
wenden. Einige Strahlertypen sind mit
Sammel- oder Fresnellinsen für einen va-
riablen Ausstrahlungswinkel ausgestattet.
Strahler mit abbildenden Systemen (Kon-
turenstrahler) ermöglichen durch Projek-
tion von Blenden oder Schablonen (Gobos)
zusätzlich unterschiedliche Lichtkegelkon-
turen oder Abbildungen.
Typisch für Strahler ist die Möglichkeit
zum Einsatz von Zusatzeinrichtungen wie
Streu- oder Skulpturenlinsen, Farbfilter,
UV- oder Infrarotfilter sowie verschiede-
nen Abblendeinrichtungen wie Abblend-
klappen, Abblendzylinder, Rillenblenden
oder Wabenraster.

Strahler für Niedervolt-


Halogenlampen können
an Niedervoltschienen
betrieben werden; der
Transformator kann da-
bei in der Decke oder
sichtbar an der Strom-
schiene montiert sein
(oben). Beim Betrieb an
Stromschienen für Netz-
spannung ist der Trans-
formator meist im Adap-
ter integriert oder an der
Leuchte montiert (unten).

102
2.7 Leuchten
2.7.2 Bewegliche Leuchten

2.7.2.2 Wandfluter
Wandfluter sind nicht nur als ortsfeste,
sondern auch als bewegliche Leuchten
erhältlich. Beweglich ist hier allerdings
weniger die Ausrichtung des Lichts, als die
Leuchte selbst. Bewegliche Wandfluter
können – z. B. an Stromschienen – für eine
zeitweilige oder auch dauernde Beleuch-
tung vertikaler Flächen sorgen. Bewegliche
Wandfluter werden vor allem mit lichtstar-
ken Lampen (Halogen-Glühlampen für
Netzspannung, Halogen-Metalldampflam- Bewegliche Wandfluter
pen) oder mit Leuchtstofflampen (konven- in unterschiedlichen
Bauformen, sie können
tionell und kompakt) bestückt. unterschiedlichen Wand-
höhen und Wandabstän-
den angepaßt werden.

Bühnenscheinwerfer
in unterschiedlichen
Bauformen (von oben
nach unten): Konden-
sorscheinwerfer und
Ellipsoidscheinwerfer
als Projektionsschein-
werfer mit abbildender Wandfluter für Halogen-
Optik, Parabolschein- Glühlampen, kompakte
werfer, Scheinwerfer Leuchtstofflampen und
für Reflektorlampen konventionelle Leucht-
und Fresnelscheinwer- stofflampen
fer mit variablem Aus-
strahlungswinkel

Zubehör für Strahler und


Bühnenscheinwerfer:
Wabenraster, Skulptu-
renlinse, Filter, Abblend-
zylinder, Torblende

Ausleger mit integrier-


tem Transformator für
Niedervoltstrahler;
Wandmontage (oben)
und Stellwandmontage
(Mitte). Ausleger für die
Montage von Lichtstruk-
turen und schweren Ein-
zelleuchten (unten)

103
2.7 Leuchten
2.7.3 Lichtstrukturen

2.7.3 Lichtstrukturen Eine Untergruppe der Lichtstrukturen bil- Lichtstrukturen im eigentlichen Sinn sind
den stromführende Tragstrukturen, die gekennzeichnet durch integrierte Leuchten;
Lichtstrukturen sind aus modularen Ele- ausschließlich der Befestigung und Strom- häufig bieten sie allerdings durch Strom-
menten aufgebaute Systeme, die inte- versorgung beweglicher Leuchten dienen. schienen oder Punktauslässe zusätzlich
grierte Leuchten zusammenfassen und die Sie können aus Stromschienen oder aus die Möglichkeit zur Anbringung bewegli-
Befestigung und Stromversorgung beweg- Rohr- und Paneelsystemen mit integrier- cher Leuchten. Sie bestehen aus Rohr oder
licher Leuchten – z. B. Strahler – ermög- ten Stromschienen aufgebaut sein. Paneelelementen und werden meist von
lichen. Sie vereinigen also die Möglichkei- Tragstrukturen können direkt auf der Decke abgehängt.
ten ortsfester und beweglicher Leuchten. Decken und Wänden montiert oder von Lichtstrukturen verwenden vor allem
Lichtstrukturen können aus Schienen, der Decke abgehängt werden. Für freitra- Elemente mit integrierten Rasterleuchten,
Trägern, Rohrprofilen oder Paneelen auf- gende Strukturen großer Spannweiten die sowohl zur direkten Allgemeinbeleuch-
gebaut werden. Typisch ist dabei der modu- existieren Trägersysteme mit hoher stati- tung, als auch zur Indirektbeleuchtung
lare Aufbau, der die Konstruktion zahl- scher Belastbarkeit. durch deckenreflektiertes Licht eingesetzt
reicher Strukturvarianten – von linearen werden können. Zur akzentuierten Beleuch-
Anordnungen bis hin zu flächig vernetzten tung dienen Elemente mit integrierten
Rastern – aus standardisierten Grund- und Downlights oder Downlight-Richtstrahlern
Verbindungselementen ermöglicht. Auf (häufig in Niedervolt-Halogentechnik);
diese Weise können Lichtstrukturen der dekorative Wirkungen können durch Ele-
umgebenden Architektur angepaßt werden Dreiphasen-Strom- mente mit freistrahlenden Glüh- oder
oder selbst architektonische Strukturen schiene für Netzspan- Halogen-Glühlampen erreicht werden. Wei-
nung und Einphasen-
bilden; sie sorgen für ein integriertes und Niedervoltschiene tere Elemente können Hinweisleuchten,
einheitliches Erscheinungsbild der Beleuch- Steckdosen oder Lautsprecher aufnehmen.
tungsanlage.
Adapter mit Phasenwahl-
schalter für die Dreipha-
senschiene

Tragstrukturen in unter-
schiedlichen Bauformen:
von der Stromschiene
bis zur weitgespannten
Tragstruktur

Endstück, Verbinder, fle-


xibler Verbinder, Eckver-
binder, T-Verbinder und
Kreuzverbinder für Strom-
schienen

Tragstruktur mit Down-


light (links oben), Raster-
leuchte (rechts oben),
Deckenflutern (links un-
ten) und Uplight (rechts
unten)

Lichtstruktur; Leerprofil
mit unterschiedlichen
Einsätzen: Rasterleuch-
ten, Downlights (ggf.
auch Lautsprecher,
Stromanschlüsse usw.),
Wandfluter, Stromschie-
nen, Richtstrahler und
Hinweisleuchten

Querschnitte von Licht-


strukturen in unter-
schiedlichen Profil-
formen

104
2.7 Leuchten
2.7.4 Sekundärleuchten
2.7.5 Lichtleitersysteme

2.7.4 Sekundärleuchten 2.7.5 Lichtleitersysteme


Nicht zuletzt durch die zunehmende Ver- Lichtleiter erlauben den Transport von
breitung von Bildschirmarbeitsplätzen Licht in beliebigen, auch gebogenen Weg-
steigen die Anforderungen an den Seh- führungen. Auf diese Weise kann die eigent-
komfort, vor allem an die Begrenzung der liche Lichtquelle vom Lichtaustritt getrennt
direkten Blendung und der Reflexblen- werden. Bei Verwendung von Glasfaser-
dung. Blendfreiheit kann hierbei durch die bündeln lassen sich inzwischen auch für
Verwendung entsprechend konstruierter Beleuchtungszwecke ausreichende Licht-
BAP-Leuchten erreicht werden, darüber ströme durch Lichtleiter transportieren.
hinaus bietet sich aber auch der Einsatz Genutzt werden können Lichtleiter vor
indirekter Beleuchtungsformen an. allem dort, wo herkömmliche Lampen durch
Eine ausschließlich indirekte Beleuch- Sekundärleuchte mit ihre Größe nicht verwendet werden können,
tung durch die Beleuchtung der Decke Parabolreflektor für den ein Sicherheitsproblem darstellen oder
Direktanteil und evol-
bietet die gewünschte Blendfreiheit, ist ventenförmigen Sekun- aber unvertretbare Wartungskosten ver-
aber wenig effektiv und optisch kaum zu därreflektor zur Lenkung ursachen. So kann die besonders kleine
kontrollieren; es entsteht eine völlig gleich- des Indirektanteils Lichtaustrittsöffnung bei miniaturisierten
förmige, diffuse Beleuchtung des gesam- Downlights oder dekorativen Sternen-
ten Raums. Um eine differenziertere Be- himmeln genutzt werden. Bei der Vitrinen-
leuchtung und den Einsatz gerichteten beleuchtung können Ganzglasvitrinen
Lichts zu ermöglichen, können zunächst vom Vitrinensockel aus beleuchtet werden,
direkte und indirekte Beleuchtungsanteile zusätzlich werden Wärmebelastung und
in einer Zweikomponenten-Beleuchtung Gefährdung der Exponate durch die Aus-
kombiniert werden, sei es durch die Koppe- lagerung der Lichtquelle deutlich verringert.
lung von Arbeitsplatzleuchten und Decken- Bei der Modellsimulation können meh-
flutern, sei es durch direkt-indirekt strah- rere Leuchtenmodelle von einer zentralen,
lende Lichtstrukturen. leistungsstarken Lichtquelle aus versorgt
Eine umfassendere optische Kontrolle werden; dies ermöglicht den Einsatz maß-
wird durch die vergleichsweise junge Se- stabsgetreuer Leuchten.
kundärtechnik angestrebt. Hierbei wird die
Decke als lichttechnisch unkontrollierte Sekundärleuchte in
Reflexionsfläche durch einen in die Leuchte Langfeld- und Quadrat-
form
integrierten Sekundärreflektor ersetzt, des-
sen Reflexionseigenschaften und Leucht-
dichte vorgegeben werden können. Durch
die Kombination eines primären und eines
sekundären Reflektorsystems entsteht so Lichtstrukturen mit
eine besonders variable Leuchte, die sowohl direkt-indirektstrahlen-
der sowie indirektstrah-
ausschließlich indirektes Licht, als auch lender Sekundärleuchte
direktes und indirektes Licht in frei wähl-
baren Anteilen abgeben kann. Auch beim
Einsatz von Lichtquellen hoher Leucht-
dichte wie Halogen-Glühlampen oder Halo- Lichtleitersysem, beste-
gen-Metalldampflampen kann auf diese hend aus Lichtgeber,
flexiblen Lichtleitern
Weise ein hoher Sehkomfort erreicht wer- und Lichtleiter-Einzel-
den, ohne daß auf eine differenzierte leuchten. Im Lichtgeber
Beleuchtung verzichtet werden müßte. wird das Licht einer Nie-
dervolt-Halogenlampe
Abgependelte Sekundär- über einen elliptischen
leuchte in direkt-indi- Reflektor auf den Ein-
rektstrahlender Bauform gang eines Lichtleiter-
bündels fokussiert. Das
Licht wird so auf die ein-
zelnen Lichtleiter ver-
teilt, es tritt in mehreren
Lichtleiter-Einzelleuch-
ten aus.

Rotationssymmetrische Typische Formen von


Sekundärleuchte für Lichtleiter-Einzelleuch-
Punktlichtquellen (z. B. ten (von oben nach
Hochdruck-Entladungs- unten): Downlight mit
lampen). Bauformen mit Abblendreflektor, Down-
Direktanteil über Para- light mit bündelnder
bolreflektor oder Linsen- Linsenoptik, Richtstrah-
optik sowie eine rein ler mit Abblendreflektor,
sekundär strahlende Richtstrahler mit bün-
Leuchte delnder Linsenoptik

105
2.7 Leuchten

Auf der Basis geome-


trischer Grundformen
gestaltete Strahler und
Fluter

Strahler in unterschied-
lichen technischen und
gestalterischen Aus-
führungen

Die Entwicklung von


Niedervolt-Halogen-
lampen ermöglicht
besonders kleine
Leuchtenabmessungen,
vor allem bei Strahlern
für Niedervolt-Strom-
schienen.

106
2.7 Leuchten

Innerhalb eines ein-


heitlichen Gestaltungs-
konzepts führt die Kon-
struktion von Leuchten
für unterschiedliche
Lichtquellen und Be-
leuchtungsaufgaben
zu einer breiten Palette
von Bauformen.

Mit Bühnenschein-
werfern lassen sich
theatralische Licht-
wirkungen wie Farb-
effekte und Projektio-
nen auch in großen
Räumen einsetzen.

107
3.0 Lichtplanung
3.1 Konzepte der Lichtplanung
3.1 3.1.1 Quantitative Lichtplanung

Konzepte Die Theorie der künstlichen Beleuchtung


ist eine relativ junge Disziplin. Anders als
der Lichtplanung bei der Tageslichtbeleuchtung, die sich all-
mählich auf eine Tradition von mehreren
tausend Jahren zurückbesinnt, entsteht
der Bedarf für eine Kunstlichtplanung erst
in der jüngsten Geschichte. Noch vor 200
Jahren mußte sich die Planung künstlicher
Beleuchtung auf ein geschicktes Plazieren
weniger Kerzen oder Öllampen beschrän-
ken; eine halbwegs ausreichende Beleuch-
tung ließ sich auf diese Weise nicht errei-
chen. Erst seit rund einem Jahrhundert,
nach einer Phase der rapiden Entwicklung
effizienterer Lichtquellen, verfügt die Licht-
planung über Instrumente, die eine künst-
liche Beleuchtung mit ausreichenden Be-
leuchtungsstärken erlauben. Gleichzeitig
mit diesen Möglichkeiten entsteht aber die
Aufgabe, Ziele und Methoden der neuen
Disziplin zu definieren; zu entscheiden,
nach welchen Kriterien das nun jederzeit
verfügbare künstliche Licht eingesetzt
werden soll.

3.1.1 Quantitative Lichtplanung


Als erstes und bis heute wirksames Kon-
zept entstehen hierbei Normen für die Be-
leuchtung von Arbeitsplätzen. Während
die Beleuchtungsüberlegungen im priva-
ten Bereich auf die Auswahl ansprechen-
der Leuchten reduziert werden, besteht
auf dem Gebiet der Arbeitsplatzbeleuch-
tung ein deutliches Interesse an der Ent-
Beleuchtungsart Tätigkeitsbereich Richtwerte E (lx) wicklung effektiver und wirtschaftlicher
Beleuchtungsformen. Im Vordergrund
Allgemeinbeleuchtung Verkehrswege 50 steht dabei die Frage, welche Beleuch-
in vorübergehend benutz- Treppen und Räume 100 tungsstärken und -arten eine optimale
ten Räumen bei kurzem Aufenthalt Sehleistung und damit hohe Produktivi-
Nicht ständig benutzte Räume – 200 tät und Unfallsicherheit bei vertretbaren
Eingangshallen, Räume mit Betriebskosten gewährleisten.
Publikumsverkehr Beide Aspekte dieser Aufgabenstellung
Allgemeinbeleuchtung Büro mit tageslicht- 300 werden intensiv untersucht; sowohl die
in Arbeitsräumen orientiertem Arbeitsplatz physiologische Frage nach dem Zusam-
Sitzungs- und Besprechungs- 300 menhang von Sehleistung und Beleuch-
zimmer, Verkaufsräume tung, wie auch die lichttechnische Frage
Bürobereich, Datenverarbeitung 500 nach überprüfbaren Kriterien für die Qua-
Großraumbüro, Zeichen- und 750 litäten einer Beleuchtungsanlage. Schon
Konstruktionsbüro früh ergibt sich dabei das Konzept einer
Sehaufgaben mit hoher 1000 quantitativ orientierten Lichtplanung mit
Schwierigkeit, Feinmontage, der Beleuchtungsstärke als zentralem Kri-
Farbprüfung terium, dem als nachrangige Kriterien
Zusatzbeleuchtung 2000 Gleichmäßigkeit der Beleuchtung, Licht-
für sehr schwierige farbe, Schattigkeit und der Grad der Blen-
Sehaufgaben dungsbegrenzung zugeordnet werden.
Auf dieser Grundlage können nun Nor-
menkataloge erstellt werden, die einer
Richtwerte der Beleuch- Vielzahl von Tätigkeiten jeweils eine Min-
tungsstärke E für unter- destbeleuchtungsstärke auf der relevanten
schiedliche Tätigkeitsbe-
reiche in Anlehnung an Nutzebene sowie Mindestanforderungen
Empfehlungen der CIE für die übrigen Qualitätskriterien zuordnen.
In der Praxis ergibt sich dabei die For-
derung nach einer gleichmäßigen, meist
horizontal orientierten Beleuchtung des
gesamten Raums, wie sie am zweckmäßig-
sten durch eine regelmäßige Anordnung
von Leuchten, z. B. Bänder von Leuchtstoff-
leuchten oder Downlightraster, erzielt
werden kann. Die Beleuchtungsstärke

110
3.1 Konzepte der Lichtplanung
3.1.1 Quantitative Lichtplanung

Notbeleuchtung orientiert sich hierbei – der Forderung


nach einer gleichmäßigen Beleuchtung
entsprechend – jeweils an der schwierig-
sten zu erwartenden Sehaufgabe, so daß
für alle anderen Tätigkeiten eine über-
proportionale Beleuchtung gegeben ist.
Sicherheitsbeleuchtung Ersatzbeleuchtung
Es besteht kein Zweifel, daß dies Konzept
einer quantitativ orientierten Beleuch-
tungsplanung im Rahmen der vorgege-
Für Arbeitsplätze mit benen Aufgabenstellung erfolgreich ist.
besonderer Gefährdung Es besteht ein nachweisbarer Zusammen-
hang zwischen Lichtqualität und Sehlei-
stung; dem entspricht eine definierbare
Für Rettungswege Auswirkung der Beleuchtungsqualität auf
Effizienz und Sicherheit am Arbeitsplatz.
Daß die Norm für ein technisches Büro
eine andere Beleuchtung fordert als für
Sicherheitsbeleuchtung Ersatzbeleuchtung ein Hochregallager, ist also begründet.
Sicherheitsbeleuchtung Ersatzbeleuchtung (üb-
Schon bei der Beleuchtung von Arbeits-
dient dem gefahrlosen licherweise mit 10 % der bereichen mit unterschiedlichen oder
Verlassen von Räumen Nennbeleuchtungs- wechselnden Tätigkeiten zeigen sich aber
und Anlagen (Sicher- stärke) übernimmt die die Grenzen des Konzepts einer quantita-
heitsbeleuchtung für künstliche Beleuchtung tiv orientierten Beleuchtungsplanung.
Rettungswege) bzw. der für die Weiterführung
gefahrlosen Beendigung des Betriebs über einen Sollen z. B. ein Zeichenbrett und eine be-
von Tätigkeiten und dem begrenzten Zeitraum, nachbarte CAD-Station beleuchtet wer-
Verlassen von Räumen insbesondere zur Begren- den – inzwischen eine häufige Konstella-
mit Arbeitsplätzen be- zung von Schäden und tion – , so stellt sich heraus, daß das für das
sonderer Gefährdung. Produktionsausfällen.
Zeichenbrett geforderte, hohe Beleuch-
Bestimmungen: Bestimmungen: tungsniveau für die Arbeit am Rechner
ASR 7/4 DIN 5035 Teil 5, DIN 5035 Teil 5 störend wirkt, daß der für den Zeichner
DIN 57108, VDE 0108 erforderliche vertikale Lichtanteil ein Ar-
beiten am Bildschirm sogar unmöglich
machen kann.
Mehr Licht ist also nicht immer besse-
res Licht. Auch andere Lichtqualitäten las-
Sicherheitsbeleuchtung sen sich nicht in eine grundsätzlich gültige
Arbeitsplätze mit Rettungswege Rangliste einordnen – was zur Begrenzung
besonderer Gefährdung der Direktblendung taugt, versagt bei der
E min = 0,1 E n Emin ≥ 1 lx Begrenzung von Reflexblendungen; ein
mindestens jedoch 15 lx (0,2 m über Boden) Licht, wie es zum Lesen des berühmten
En nach DIN 5035, Teil 2 dritten Durchschlags erforderlich ist, kann
E min 1
≥ schon beim Lesen von Texten auf Kunst-
E max 40
druckpapier unerträglich sein. Die häufig
Anforderungen an die
¤t ≤ 0,5 s ¤t < 15 s (Arbeitsstätten) Beleuchtung von Ret- anzutreffende Vorstellung, daß bei einer
¤t < 1 s ( Versammlungsstätten, tungswegen: Mindest- Einheitsbeleuchtung von 2000 Lux mit
Gasthäuser) beleuchtungsstärke Emin, optimaler Blendungsbegrenzung und Farb-
Gleichmäßigkeit Emin/ wiedergabe keinerlei Klagen mehr auf-
¤t ≥ 1 min, t=1h (Arbeitsstätten) E max, Einschaltverzöge-
mindestens jedoch t=3h ( Versammlungsstätten, rung ¤t und Betriebs- kommen sollten, entspringt also einer un-
solange Gefahr besteht Gasthäuser) dauer t zulässigen Vereinfachung. Eine optimale
Beleuchtung unterschiedlicher Arbeits-
Anforderungen an die plätze kann nicht durch die pauschale Ver-
Sicherheitsbeleuchtung besserung der Licht„qualität“, sondern
von Arbeitsplätzen mit
besonderer Gefährdung: nur durch eine Orientierung an den Anfor-
Mindestbeleuchtungs- derungen der einzelnen Bereiche, also
stärke Emin, Einschalt- durch eine Lockerung des Anspruchs an
verzögerung ¤t und Be- die Gleichmäßigkeit der Beleuchtung er-
triebsdauer t
folgen.
Schon in ihrem eigentlichen Anwendungs-
bereich, der Arbeitsplatzbeleuchtung, zei-
h gen sich also die Grenzen einer quantitativ
Augen-
punkt orientierten Lichtplanung. Generell frag-
würdig – obwohl weit verbreitet – ist je-
d doch die Übernahme dieser Beleuchtungs-
philosophie als allgemeines Konzept der
Mindesthöhe h von hinterleuchtete beleuchtete Rettungs- Architekturbeleuchtung. Bei näherer Be-
Rettungszeichen auf Rettungszeichen zeichen trachtung zeigt sich, daß die quantitative
Rettungswegen in Ab-
hängigkeit vom maxi- h= d h= d Lichtplanung von einem stark vereinfach-
malen Sehabstand d 200 100 ten Modell der Wahrnehmung ausgeht.
(nach DIN 4844) Die gesamte Umwelt wird hierbei auf den

111
3.1 Konzepte der Lichtplanung
3.1.2 Leuchtdichtetechnik

Begriff der „Sehaufgabe“ reduziert; alle unterschiedlicher Kontrastverhältnisse auf


Aspekte der Architektur, des Informations- die Sehleistung bekannt sind und durch
gehalts oder der ästhetischen Wirkung den definierten Schwierigkeitsgrad der
einer visuellen Umgebung werden außer Sehaufgabe bei der Beleuchtungsstärke
acht gelassen. Das gleiche gilt für die Defi- berücksichtigt werden. Dies gilt jedoch
nition des wahrnehmenden Menschen, der nicht für die Lichtwirkung im gesamten
faktisch nur als wandelnde Kamera aufge- Raum. Hier bietet die Betrachtung der
faßt wird – berücksichtigt wird ausschließ- Leuchtdichten eine Möglichkeit, die von
lich die Physiologie des Sehens; die ge- einer geplanten Beleuchtungsanlage im
samte Psychologie der Wahrnehmung fällt Wechselspiel mit der Architektur und den
aus der Betrachtung heraus. beleuchteten Objekten erzeugten Hellig-
Eine Planung auf dieser Grundlage, die keitsverhältnisse zu ermitteln und Beleuch-
lediglich für Arbeitsökonomie und Sicher- tungskonzepte für eine vorgegebene Hel-
heit sorgt, alle weitergehenden Bedürf- ligkeitsverteilung zu entwickeln.
nisse des wahrnehmenden Menschen an
seine visuelle Umgebung aber ignoriert, Die eigentliche Leistung der Leuchtdichte-
kann schon am Arbeitsplatz zu Akzeptanz- planung liegt also weniger im Wechsel der
problemen führen. Außerhalb des Arbeits- lichttechnischen Bezugsgröße als in der
bereiches wird eine solche Beleuchtung von Ausweitung der planerischen Analyse auf
den betroffenen Menschen fast zwangs- den gesamten Raum. Wurde bisher eine
läufig als unzureichend empfunden werden; an der jeweils schwierigsten Sehaufgabe
zumindest aber bleibt die Beleuchtungs- orientierte, pauschale Beleuchtungsstärke
lösung deutlich hinter den denkbaren Mög- für den gesamten Raum vorgegeben, so
lichkeiten zurück. werden nun die Leuchtdichten sämtlicher
Bereiche einer visuellen Umgebung geplant.
Dies bedeutet zunächst die Möglich-
3.1.2 Leuchtdichtetechnik keit, differenziert auf die unterschiedlichen
Sehaufgaben in einem Raum einzugehen,
Einer überwiegend an der Beleuchtungs- Raumzonen zu definieren, deren Beleuch-
stärke orientierten, quantitativen Licht- tung jeweils auf die spezifische Tätigkeit in
planung fehlt es an Kriterien für die Ent- diesen Bereichen abgestimmt ist. Hierbei
wicklung einer Konzeption, die über die kann sich die Beleuchtung der einzelnen
Anforderungen der Arbeitseffektivität und Sehaufgaben durchaus an den bisherigen –
Sicherheit hinausgeht, die sowohl der be- und an dieser Stelle auch bewährten – Nor-
leuchteten Architektur als auch den Be- men der quantitativen Lichtplanung orien-
dürfnissen der in dieser Architektur leben- tieren.
den Menschen gerecht wird. Leuchtdichteplanung bleibt aber nicht
Als Antwort auf dieses Problem bietet bei dieser Zonierung, die letztlich nur die
sich eine neuere Beleuchtungsphilosophie Aufspaltung eines Raums in mehrere, kon-
an, wie sie z. B. von Waldram und Barten- ventionell beleuchtete Bereiche bedeuten
bach in den Modellen der „designed appear- würde, stehen. Ihr Hauptaugenmerk richtet
ance“ bzw. der „stabilen Wahrnehmung“ sich nicht auf die Beleuchtung der Sehauf-
vertreten wird. Ziel dieses Ansatzes ist ein gaben, sondern auf das Helligkeitsverhält-
Verfahren, das nicht nur für die ausrei- nis zwischen den Sehaufgaben und ihrem
chende Beleuchtung von Sehaufgaben Umfeld, auf die Balance aller Leuchtdichten
sorgt, sondern in der Lage ist, die optische einer Zone. Hierbei wird vorausgesetzt, daß
Wirkung eines gesamten Raums zu be- die Beleuchtung einer Zone nur dann eine
schreiben und zu planen. optimale, „stabile“ Wahrnehmung ermög-
licht, wenn die Leuchtdichtekontraste be-
Um die visuelle Wirkung einer Umgebung stimmte Werte nicht über- oder unterschrei-
4 planen zu können, wird zunächst ein Wech- ten. Angestrebt wird eine Konstellation,
sel der zentralen Bezugsgröße vorgenom- bei der die Sehaufgabe den hellsten Be-
3 men. Anstelle der Beleuchtungsstärke, die reich der Umgebung bildet und so die Auf-
ausschließlich die technische Leistung einer merksamkeit des Betrachters bindet. Die
2 Beleuchtungsanlage beschreibt, wird nun Leuchtdichte der Umgebung soll dagegen
die Leuchtdichte zum grundlegenden Krite- geringer sein, um den Blick nicht abzulen-
1 rium – eine Größe, die aus dem Zusammen- ken, jedoch innerhalb eines definierten
L (cd/m2) wirken von Licht und beleuchteter Umge- Kontrastbereichs bleiben. Die jeweils zu-
100 2 5 101 2 5 102 2 5 103 2 5 104 2 bung entsteht und so die Grundlage der lässige Kontrastskala ergibt sich dabei aus
menschlichen Wahrnehmung bildet. Durch dem Adaptationszustand des Auges bei
Bereiche typischer den Wechsel zur Leuchtdichte als zentraler der Wahrnehmung der Sehaufgabe – eine
Leuchtdichten L in Größe können die Helligkeits- und Kon- „stabile“ Umgebung beläßt das Auge in
Innenräumen: Leucht-
dichten außerhalb von trastverhältnisse in der gesamten wahr- einem konstanten Adaptationszustand,
Arbeitsbereichen (1), genommenen Umgebung erfaßt werden, während eine „instabile“ Umgebung durch
Leuchtdichten von sei es zwischen Sehaufgabe und Hinter- für den jeweiligen Adaptationszustand des
Raumbegrenzungsflä- grund, zwischen einzelnen Objekten oder Auges zu niedrige oder zu hohe Umfeld-
chen im Arbeitsbereich
(2), Leuchtdichten von zwischen Objekten und ihrem Umfeld. leuchtdichten zum ständigen, ermüden-
Sehaufgaben am Arbeits- Für den Bereich der Beleuchtung von den Adaptationswechsel führt.
platz (3), Grenzleucht- Sehaufgaben am Arbeitsplatz ergibt sich Bei der Planung eines „stabilen“ Raum-
dichten von Leuchten (4) durch diesen Kriterienwechsel keine we- milieus mit seiner kontrollierten Leucht-
sentliche Änderung, da die Auswirkung dichteverteilung kann nicht mehr allein

112
3.1 Konzepte der Lichtplanung
3.1.2 Leuchtdichtetechnik

mit der Vorgabe einer geeigneten Beleuch-


tungsanlage gearbeitet werden. So wie
die Leuchtdichte aus der Wechselwirkung
zwischen der Beleuchtungsstärke und dem
Reflexionsgrad der beleuchteten Ober-
flächen entsteht, müssen bei der Leucht-
dichteplanung Beleuchtungsanlage und
Materialeigenschaften gemeinsam ge-
plant werden. Die gewünschten Leucht-
dichtekontraste können auf diese Weise
nicht nur durch eine Variation der Beleuch-
tung, sondern auch durch die Vorgabe von
Vereinfachter Zusam- EI = 500 lx Umgebungsfarben erzeugt werden. Promi-
menhang zwischen ED EA = 500 lx nentestes Beispiel hierfür ist wohl die Be-
Beleuchtungsstärke E, ED = 50 lx
Reflexionsgrad ® und EW = 200 lx leuchtung des Kunstmuseums in Bern, bei
Leuchdichte L in Arbeits- ES = 200 lx dem eine besonders leuchtkräftige Wirkung
räumen mit Sehauf- der ausgestellten Gemälde nicht durch er-
gabe I, Arbeitsfläche A, höhte Beleuchtungsstärken, sondern durch
Decke D, Wand W und ES EW
Stellwand S das Grau der umgebenden Wände erreicht
wird. Die Gemälde besitzen bei dieser Kon-
EI EA
stellation eine höhere Leuchtdichte als die
relativ dunkle Umgebung, so daß ihre Far-
ben – ähnlich wie bei projizierten Dias oder
der Beleuchtung mit Konturenstrahlern –
RI = 0,7 als besonders intensiv empfunden werden.
®D RA = 0,3
RD = 0,7
RW = 0,5 Auf den ersten Blick zeigt sich hier also
RS = 0,3 ein vielversprechendes Konzept, das die
Schwachstellen der quantitativen Licht-
®S ®W planung vermeidet und Kriterien für eine
wahrnehmungsorientierte Planungstheo-
rie anbietet. Gerade aus dem Bereich der
®I ®A Wahrnehmungspsychologie erwachsen
jedoch erhebliche Zweifel, ob die Leucht-
dichte und ihre Verteilung geeignete Zen-
tralkriterien für eine auf die menschliche
LI = 111 cd/m 2 Wahrnehmung ausgerichtete Theorie der
LD LA = 48 cd/m2 Lichtplanung sind.
LD = 11 cd/m 2
LW = 32 cd/m2 Zwar ist die Leuchtdichte der Beleuch-
LS = 19 cd/m2 tungsstärke insofern überlegen, als sie
tatsächlich der Wahrnehmung zugrunde
LS LW
liegt – das Licht selbst ist unsichtbar, es
kann erst durch die Reflexion an Objekten
wahrgenommen werden. Dennoch ist die
LI LA Leuchtdichte nicht mit der tatsächlich
wahrgenommenen Helligkeit identisch; das
Leuchtdichtemuster auf der Netzhaut lie-
fert lediglich die Grundlage der Wahrneh-
mung, die erst durch komplexe Deutungs-
vorgänge im Gehirn vollendet wird. Dies
gilt auch für an den Adaptationszustand
des Auges angepaßte Leuchtdichteskalen
oder die Umrechnung in gleichabstän-
dige Helligkeitsstufen – zwischen dem tat-
Berechnung der Leucht- .® sächlich wahrgenommenen Bild und den
dichte L aus der Beleuch- L= E
tungsstärke E und dem
π Leuchtdichten des Netzhautbildes besteht
Reflexionsgrad ®. Die kein direkter Zusammenhang.
Formel gilt exakt nur bei Wäre der Mensch in seiner Wahrneh-
vollkommen gestreuter mung ausschließlich an die Leuchtdichte
Reflexion, sie ergibt je- gebunden, so wäre er den verwirrenden
doch in der Praxis gene-
rell gute Annäherungs- Helligkeitsmustern seiner Umwelt hilflos
werte. ausgeliefert; er wäre niemals in der Lage,
Farbe und Reflexionsgrad eines Objekts
von Beleuchtungsunterschieden zu tren-
nen oder räumliche Formen wahrzuneh-
men. Wahrnehmung zielt aber gerade auf
diese konstanten Faktoren der Umwelt,
auf Formen und Materialeigenschaften;
die wechselnden Muster der Leuchtdichte
sind hierbei nur Hilfsmittel und Ausgangs-
basis, nicht aber Ziel des Sehens.

113
3.1 Konzepte der Lichtplanung
3.1.2 Leuchtdichtetechnik

Erst aus der Kenntnis der Beleuchtungsver- beziehung des Informationsgehalts der
hältnisse und unter Zuhilfenahme der Kon- blendenden Flächen. Es zeigt sich, daß
stanzphänomene können aus dem Leucht- Blendung nicht allein hohe Leuchtdichte-
dichtemuster der Netzhaut Deutungen kontraste voraussetzt, sondern zusätzlich
über die zugrundeliegenden Objekte ge- den mangelnden Informationsgehalt der
macht werden, entsteht aus einer Vielzahl blendenden Fläche. Nicht das Fenster mit
verwirrender Flächen das vertraute Bild der Aussicht auf eine sonnige Landschaft
einer dreidimensionalen Realität. Hier- blendet, sondern – trotz geringerer Leucht-
bei können die tatsächlich wahrgenomme- dichte – die Opalglasscheibe, die diesen
nen Helligkeitsrelationen erheblich vom Ausblick verwehrt; nicht der blaue Sommer-
zugrundeliegenden Leuchtdichtemuster himmel mit einzelnen Wolken blendet, son-
abweichen. So erscheint der bedeckte, dern der gleichmäßig grauweiße Himmel
graue Himmel über einem Schneefeld trotz des trüben Herbsttages.
seiner weitaus höheren Leuchtdichte dunk- Wenn aber schon der Extremfall eines
ler als der Schnee. Ebenso wird der Leucht- „instabilen“ Milieus nicht abstrakt zu defi-
dichteabfall auf einer schräg beleuchteten nieren ist, gerät der Versuch einer vom
Wand ignoriert, auf den Seiten eines Wür- Kontext gelösten Beschreibung leucht-
fels dagegen verstärkt, werden Farbrela- dichtetechnischer Idealzustände erheblich
L (cd/m2) tionen und Grauwerte in unterschiedlich ins Wanke. Hier werden mit Maximal-
beleuchteten Bereichen so korrigiert, daß werten um 1:3 bzw. 1:10 Leuchtdichtekon-
500 eine einheitliche Skala wahrgenommen traste zwischen Infeld und näherem bzw.
400 werden kann. weiterem Umfeld festgeschrieben, die
In jedem Fall wird also die Registrie- Ausdrucksskala des Lichtplaners wird auf
300 rung von Leuchtdichten gegenüber der ein flaues Mittelmaß beschränkt. Phäno-
200 Wahrnehmung konstanter Objekteigen- mene wie Brillanz und akzentuierte Model-
schaften zurückgestellt, hat die Gewin- lierung, die wesentlich für die Information
100 nung von Informationen über die Umwelt über Materialien unserer Umwelt sind,
deutlichen Vorrang vor der bloßen opti- werden praktisch ausgeschlossen; Leucht-
0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 ® schen Abbildung. Dieser zentrale Aspekt dichtesituationen wie sie jeder Sonnentag
der Informationsverarbeitung kann aber und jeder Spaziergang im Schnee bietet,
Bevorzugte Leucht- von einer auf der Leuchtdichte fußenden werden für unzumutbar befunden. Ob eine
dichte L von Sehaufga- Wahrnehmungstheorie nicht berücksichtigt Beleuchtungssituation erfreulich oder un-
ben in Abhängigkeit
vom Reflexionsgrad ® werden. Nicht anders als die quantitative zumutbar ist, entscheidet sich aber erst in
der Sehaufgabe. Die im Lichtplanung beharrt die Leuchtdichte- der konkreten Situation; zu hoch werden
Experiment bevorzugten technik auf einem rein physiologischen Leuchtdichtekontraste am Strand nicht
Leuchtdichten sind zum Konzept, das den Vorgang der Wahrneh- dem Flaneur, sondern demjenigen, der dort
Reflexionsgrad propor-
tional; sie ergeben sich mung auf die optische Abbildung im Auge versucht, Bücher zu lesen.
also bei einer gleichblei- reduziert und alle Vorgänge jenseits der Ebensowenig wie sich die tatsächlich
benden Beleuchtungs- Netzhaut unberücksichtigt läßt. Der In- wahrgenommene Helligkeit aus der Leucht-
stärke. Folglich ist bei der formationsgehalt der wahrgenommenen dichte ableiten läßt, kann also aus dem
Wahrnehmung von Seh-
aufgaben die Beleuch- Umgebung und die auf diese Umgebung Kontrastumfang einer Beleuchtungssitua-
tungsstärke gegenüber gerichteten Interessen des wahrnehmen- tion schlüssig auf einen wahrnehmungs-
der Leuchtdichte ein den Menschen können in diesem Modell gemäßen Beleuchtungszustand geschlos-
vorrangiges Kriterium. nicht erfaßt werdengerade aber das sen werden; es bleibt dem Lichtplaner nicht
Wechselspiel von Informationen und In- erspart, sich mit der konkreten Si