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Vorlage aus Wiesbaden an den EuGH


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VG-Richter zweifelt an Unabhängigkeit
seines Gerichts
Rechtsanwalt (m/w/d) Litigation (ö -
von Dr. Markus Sehl 09.05.2019
entliches Recht) & Regulatory (Medi-
en,...
DLA Piper UK LLP , Hamburg

Rechtsanwälte w/m/d Public Sector


Heuking Kühn Lüer Wojtek , München

Erfahrener Rechtsanwalt/Volljurist
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Die Frage eines Richters am VG Wiesbaden lässt sich so zusammenfassen:


Arbeite ich eigentlich an einem unabhängigen Gericht? Denn: Er glaubt das
nämlich nicht. Der EuGH könnte wieder die Chance erhalten, Aussagen zur
deutschen Justiz zu treffen. Anwälte (m/w/d) im zivilen Bau- u.
Architektenrecht
Schlünder Rechtsanwälte Partnerschaft mbB
, Hamm (Westfalen)
Hat es am Thema gelegen? Der Vorlagebeschluss des Verwaltungsgerichts (VG)
Wiesbaden an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) mit dem Aktenzeichen 6 K
1016/15 beschäftigt sich in erster Linie mit dem Petitionsausschuss und der
Datenschutzgrundverordnung. Vielleicht wurde deshalb kaum über die Entscheidung Anwälte (m/w/d) im KFZ- und Allge-
des Einzelrichters der 6. Kammer vom 28. März 2019 berichtet. meinem Haftp ichtrecht
Schlünder Rechtsanwälte Partnerschaft mbB
Dabei hat sie es in sich. Denn die zweite Vorlagefrage lautet: "Handelt es sich bei dem , Hamm (Westfalen)

vorlegenden Gericht um ein unabhängiges und unparteiisches Gericht"? Man könnte


die Frage des Richters so zusammenfassen: Arbeite ich eigentlich an einem
unabhängigen Gericht in Deutschland? Gemeint ist das VG Wiesbaden, betroffen
wären bei einer zukünftigen Entscheidung des EuGH aber alle deutschen Gerichte. Anwälte (m/w/d) im Zivil-/Zivilpro-
zessrecht
Den Aufhänger für die Vorlagefrage liefert dem Wiesbadener Einzelrichter die Schlünder Rechtsanwälte Partnerschaft mbB
, Hamm (Westfalen)
Formulierung "Gericht" in Art. 267 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen
Union (AEUV), denn nur ein "Gericht" kann dem EuGH vorlegen. Für die Frage, ob es
sich bei einer nationalen Einrichtung um ein "Gericht" handelt, komme es nach der
Rechtsprechung des EuGH maßgeblich auf die Unabhängigkeit an, so die Vorlage. Die
bestünde zum einen aus der Autonomie und der hierarchischen Unabhängigkeit der Notarassessor (m/w/d)
Sächsisches Staatsministerium der Justiz ,
Einrichtung und andererseits aus der Unparteilichkeit.
Dresden

VG-Beschluss: "Gefahr der politischen


Ein ussnahme" Referendare (Anwalts- / Wahlstation)
(w/m/d)
Die "nationale Verfassungslage", so der Beschluss, gewährleiste "nur die funktionale Flick Gocke Schaumburg , Bonn

richterliche Unabhängigkeit, nicht aber eine institutionelle Unabhängigkeit der Gerichte".


Immerhin würden die Richter von den Justizministern der Länder ernannt und von ihnen
auch befördert. Auch die Beurteilung der Richter regele das Ministerium und auf die
Richter fände Beamtenrecht Anwendung. Head of Legal
Open Knowledge Foundation Deutschland
Die Vorlage folgert auch, dass zwar die Richter selbst unabhängig seien und nur dem e.V. , Berlin
Gesetz unterworfen. Eine solche rein "funktionelle" Unabhängigkeit reiche aber nicht
aus, "um ein Gericht vor jeder äußeren Einflussnahme zu bewahren". Dabei gehe es
nicht nur um Weisungen, sondern auch um mittelbare Einflüsse, die eine Entscheidung
der Richter steuern könnten. Letztlich entscheide immer das Justizministerium über die
Planstellen und die Anzahl der Richter an einem Gericht sowie über dessen
Ausstattung.
Rechtsanwalt (w/m/d) Internationales
ö entliches, Vertrags- und Straf-
"Bereits die bloße Gefahr einer politischen Einflussnahme auf die Gerichte (durch
recht...
Ausstattung, Personalzuweisung usw. durch das Justizministerium) kann eine Gefahr Hogan Lovells LLP , Hamburg
des Einflusses auf die Entscheidungen der Gerichte um deren unabhängige
Wahrnehmung ihrer Aufgaben zu beeinträchtigen bewirken", heißt es in der Vorlage. Sie
warnt vor einem "vorauseilenden Gehorsam" durch vermeintlichen Erledigungsdruck, Alle Stellenanzeigen
der etwa über "eine vom Ministerium betriebene Belastungsstatistik Pebbsy" ausgeübt
werde.

Abschließend kommt die Vorlage zu dem Ergebnis: "Nach alledem dürfte das
vorlegende Gericht die europarechtlichen Vorgaben nach Art. 47 Abs. 2 GrCH eines
unabhängigen und unparteiischen Gerichts nicht in diesem Sinne erfüllen."

Richtervereinigung: "Eine mutige Entscheidung"


Die Argumentation, die sich über 25 Randnummern des Beschlusses hinweg erstreckt
und mit Nachweisen aus der Rechtsprechung des EuGH angereichert ist, erinnert an
eine Art Best-Of des justizpolitischen Plädoyers für unabhängigere Gerichte und
Staatsanwaltschaften. Das EuGH-Vorlageverfahren ist quasi wie geschaffen dafür, dem
justizpolitischen Thema Aufmerksamkeit zu sichern. Die Vorlage geht ohne Dienstweg,
ohne Zwischenschritte direkt per Post an den EuGH.

Seit vielen Jahren ist die Selbstverwaltung der Justiz den deutschen Richterverbänden
ein Anliegen. Der größte deutsche Zusammenschluss von Richtern und
Staatsanwälten, der Deutsche Richterbund, geht auf Anfrage von LTO allerdings von
einem Einzelfall aus, und möchte das Verfahren nicht weiter kommentieren.

"Eine mutige Entscheidung", sagt aber Carsten Löbbert, Sprecher des


Bundesvorstandes der Neuen Richtervereinigung, "die sich sehr gut mit der
grundsätzlichen Verfasstheit der Justiz in Deutschland auseinandersetzt." Nur: Warum
kommt so eine Vorlage dann erst jetzt?

"Es braucht den richtigen Fall und auch den Richter oder die Richterin mit dem Hang
zum Grundsätzlichen, jemanden, der auch mal quer denkt", so der
Familienrichter* Löbbert. Und wie geht es nun weiter? Wie stehen die Chancen, dass
der EuGH sich tatsächlich zur Unabhängigkeit der deutschen Gerichte äußern wird?

Löbbert ist optimistisch: "Der EuGH wird sicher eine Entscheidung des Generalanwalts
einholen und sich hoffentlich auch mit der Frage nach Unabhängigkeit der deutschen
Gerichte beschäftigen."

Willkommene oder unangenehme Gelegenheit für


den EuGH?
Für den EuGH bietet sich mit der Vorlage innerhalb kurzer Zeit erneut die Gelegenheit,
sich zum deutschen Justizsystem zu äußern. Vor nicht einmal zwei Wochen hat der
EuGH-Generalanwalt Manuel Campos Sánchez-Bordona erst sein Interesse für die
deutsche Justiz und ihre Unabhängigkeit bekundet. Er schrieb in seinen
Schlussanträgen, dass er auf eine "geeignete Gelegenheit gewartet" und die sich nun
ergeben habe, um allgemeine Aussagen zur Legitimation der Staatsanwaltschaften in
den Mitgliedsstaaten zu treffen. Und er hält in seinen Schlussanträgen die deutsche
Staatsanwaltschaft für nicht unabhängig genug, um im Alleingang einen europäischen
Haftbefehl auszustellen.

In dem Verfahren geht es freilich mit dem EU-Haftbefehl um ein originär europäisches
Instrument. Dem EuGH dürfte es leichter fallen, dazu generelle Aussagen zu treffen, die
auch die Justiz in den Mitgliedstaaten berühren. Die Vorlage aus Wiesbaden spielt dem
EuGH dagegen die Unabhängigkeitsfrage der deutschen Gerichte in Reinform zu.

Dass das Gericht der ersten Instanz dem EuGH überhaupt aus eigener Initiative
vorlegt, ist übrigens eher ungewöhnlich. Eine Recherche in der
Entscheidungsdatenbank liefert keinen weiteren Vorlagefall des VG Wiesbaden – eine
Recherche per Suchmaschine ergibt eine einzige Vorlageentscheidung zur Agrarbeihilfe
im Jahr 2009.

Die Vorlage zur Unabhängigkeit des Gerichts wurde am 1. April beim EuGH eingereicht,
sie trägt nun das Aktenzeichen C-272/19. Als nächstes schickt der EuGH das
Vorabentscheidungsersuchen an die Verfahrensbeteiligten, sie haben dann gut zwei
Monate Zeit, um eine schriftliche Stellungnahme einzureichen. Das Land Hessen kann
dann seine Auffassung zur Unabhängigkeit seiner Gerichte darlegen.

*Anm. d. Red.: Zunächst hieß es hier "Verwaltungsrichter", das trifft nicht zu, geändert
am 09.05.2019, 17.56 Uhr.

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