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vorgelegt von Stefanie Frank

Matrikel-Nummer.: 37671

„Der Wirkzusammenhang zwischen Halswirbelsäulenproblematik und


craniomandibulärer Dysfunktion unter dem Aspekt der geschlechter-
spezifischen Gesundheitsforschung“

Bachelor-Arbeit zur Erlangung des Akademischen Grades


„Bachelor of Science“ (B.Sc.)
im Studiengang „Physiotherapie/Ergotherapie“
an der
„Alice Salomon“ - Hochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik
University of Applied Sciences

eingereicht im Sommersemester 2013


am 18.Juni 2013

Erstgutachterin: Prof. Dr. Heidi Höppner


Zweitgutachter: Prof. Dr. Stefan Dietsche
In Dankbarkeit an meinen wunderbaren, verständnisvollen Mann und
meine liebe, fleißig lesende Familie.

II
Inhaltsverzeichnis

Kurzzusammenfassung …………………………………………………………………V
Abstract …………………………………………………………………………….......VI
Abkürzungsverzeichnis …………………………………………………………….....VII
Abbildungsverzeichnis ……………………………………………………………….VIII
Tabellenverzeichnis ………………………………………………………………….VIII

1. Einleitung ……………………………………………………………………………..1

2. Frauengesundheit - Geschlecht und Gender in Alltag und Beruf …………………….2


2.1 Geschlechter und Schmerz ………………………………………………….2
2.2 Hormone, Stress und psychosomatische Faktoren …………………………..5
2.3 Geschlechterrollen und Familie ……………………………………………11
2.4 Auswirkungen im Bezug auf die Probleme der Halswirbelsäule
und des Kiefergelenks ……………………………………………………...16

3. Das Zusammenspiel zwischen Halswirbelsäule und Kiefergelenk …………………18


3.1 Die Halswirbelsäule und ihre Statik ……………………………………….19
3.2 Das Kiefergelenk …………………………………………………………..21
3.3 Anatomische und funktionelle Zusammenhänge ………………………….22

4. Die craniomandibuläre Dysfunktion ………………………………………………..23


4.1 Definition …………………………………………………………………..24
4.2 Ursachen und Symptomatik ………………………………………………..24
4.3 Epidemiologie und Prävalenz ……………………………………………...25

5. Die Zusammenhänge im Körper …………………………………………………….26


5.1 Wechselwirkungen der Körperhaltung und des Kiefergelenks ……………27
5.2 Auswirkungen auf die medizinische
und physiotherapeutische Behandlung …………………………………….32

III
6. Gender, Geschlecht und Gesundheit ………………………………………………..34
6.1 Begriffsdefinition Gender und Geschlecht. ………………………………..34
6.2 Geschlechterspezifischer Versorgungsbedarf ……………………………...34
6.3 Gender und das Geschlecht in der Physiotherapie …………………………38
6.4 Ein geschlechtsspezifisches Versorgungskonzept - ein Ausblick …………40

7. Diskussion …………………………………………………………………………..43

8. Schlussfolgerung ……………………………………………………………………44

Literaturverzeichnis ……………………………………………………………………46

Anhang ………………………………………………………………………………...56

Eidesstattliche Erklärung

IV
Kurzzusammenfassung

Zielsetzung: Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, mögliche Wirkzusammenhänge zwischen


Halswirbelsäulenproblematik und craniomandibulärer Dysfunktion (CMD) zu erklären
und den heutigen Forschungsstand sowie Einflussfaktoren darzustellen. Des Weiteren
soll dies unter einem geschlechterspezifischen Aspekt betrachtet werden, d. h. in wie
weit das Geschlecht die Erkrankung sowie die Behandlung beeinflusst. Unterschiede
zwischen Männern und Frauen in den verschiedensten Bereichen wie Schmerz, Krank-
heitsverhalten und Familie sollen beleuchtet und in Bezug zu den Erkrankungen der
Halswirbelsäule und des Kiefergelenks gesetzt werden. Zudem soll herausgefunden
werden, wie weit die geschlechterspezifische Versorgung in unserer Gesellschaft ange-
kommen ist und mit in die ärztliche Diagnosestellung und Therapie, sowie in die physi-
otherapeutische Behandlung einbezogen wird.
Theoretischer Hintergrund: Immer mehr Menschen leiden unter Halswirbelsäulenbe-
schwerden und/oder einer CMD. Der Zusammenhang der Erkrankungen ist zwar deut-
lich, aber die Hintergründe und Mechanismen, die dahinter stehen, sind noch ungeklärt.
Insbesondere sind Frauen betroffen, was die Frage aufwirft, warum dieses Geschlecht
vermehrt dazu neigt unter diesen Krankheiten zu leiden.
Methodisches Vorgehen: Es wurde in der Fachliteratur der Bibliothek der Alice Salo-
mon Hochschule, der medizinischen Bibliothek der Charité und der Genderbibliothek
der Humboldt-Universität recherchiert. Des Weiteren wurden medizinische Online-
Datenbanken wie Pubmed, EBSCOhost und E-books hinzugezogen.
Resultate: Der Zusammenhang zwischen Halswirbelsäulenproblematik und CMD
konnte durch Studien belegt werden, Beweise für die Ursachen stehen aber noch aus.
Die Bedeutung der Erkrankungen im geschlechterspezifischen Zusammenhang wird
durch die biologischen und sozialen Einflussfaktoren deutlich gemacht. Der geschlech-
terspezifische Versorgungsbedarf ist noch mangelhaft, wird aber für eine optimale Ver-
sorgung benötigt.
Schlussfolgerung: Ein weiterer Forschungsbedarf über die Ursachen der Zusammen-
hänge der Halswirbelsäulenproblematik und der CMD ist vorhanden und ein geschlech-
terangepasstes Versorgungskonzept unter Einbezug der biologischen und sozialen Un-
terschiede der Geschlechter für die Medizin und die Physiotherapie ist von Nöten.

V
Schlüsselwörter: Craniomandibuläre Dysfunktion/CMD, Halswirbelsäulenproblematik,
Gender, geschlechterspezifisches Versorgungskonzept

Abstract

Objective: The objective of this bachelor thesis is to explain potential relationships be-
tween cervical spine disorder and craniomandibular dysfunction (CMD) and to present
the current state of research and further more treats such as posture. This should be also
seen from a gender-related angle meaning the influence of sex on disease and treatment.
Differences between men and women in relation to pain, illness behaviour and familiar
issues should be shown with reference to cervical spine disorder and CMD. Another
aim is to find out how far gender-related care is integrated in our society and also in
medical and physiotherapeutic treatment.
Background: More and more people suffer from cervical spine disorder and/or CMD.
The connection between the diseases is obvious, but the background and causes are out-
standing. Women are particularly affected which leads to the question why the female
sex increasingly tends to suffer from this disorders.
Methods: Research was done in the specialised literature of the library of the Alice
Salomon University, the medical library of the Charité and the genderlibrary of the
Humboldt-University. Additionally medical online databases such as Pubmed, EBSCO-
host and E-books where used.
Results: The relationship between cervical spine disorder and CMD could be demon-
strated by several studies, but there is a lack of evidence for the reasons. The importance
of the diseases in a gender-related context was shown by the biological and social influ-
ences. The gender-related supply requirements are poor but needed for an ideal care.
Conclusion: There is need for research on the causes of connections of cervical spine
disorder and CMD and a concept that is adapted on gender including the biological and
social differences is needed.

Keywords: Craniomandibular Dysfunction/CMD, cervical spine disorder, gender, gen-


der-related care concept

VI
Abkürzungsverzeichnis

ant. anterior
Art. Articulatio
CCDI Craniocervical Dysfunction Index
CMD Craniomandibuläre Dysfunktion
CMI Cervical Mobility Index
DGGZ Deutsche Gesellschaft für geschlechterspezifische Zahn-, Mund- und
Kieferheilkunde e.V.
DGPSF Deutsche Gesellschaft für psychologische Schmerztherapie
und -forschung e.V.
DGZMK Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie in der
Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Ext Extension
Flex Flexion
GBE Gesundheitsberichterstattung
HWS Halswirbelsäule
Latflex Lateralflexion
Lig. Ligamentum
M. Musculus
Mm. Musculi
Proc. Processus
TMD Temporomandibular Disorder
ZNS zentrales Nervensystem

VII
Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Stress und somatische Gesundheitsrisiken ……………………………………..8

Abb. 2: Tiefe Hals- und Nackenmuskeln ……………………………………………20

Abb. 3: Das Kiefergelenk ……………………………………………………………...22

Abb. 4: Kaumuskulatur ………………………………………………………………..58

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Die Halsmuskulatur ……………………………………………………………57

Tab. 2: Suprahyoidale Muskulatur …………………………………………………….57

Tab. 3: Übersicht der Kaumuskulatur ………………………………………………….58

VIII
1. Einleitung

Die Häufigkeit der Halswirbelsäulenproblematik in der physiotherapeutischen Praxis ist


sehr hoch und somit ein Krankheitsbild, was effektiv behandelt werden muss. Immer
mehr Menschen haben Probleme in der Schulter-Nackenregion, häufig gekoppelt mit
Kiefergelenksbeschwerden, die meist durch arbeitsbedingtes, langes Sitzen und Bewe-
gungsmangel im Arbeitsalltag hervorgerufen werden. Es besteht eine 67-prozentige
Prävalenz von Nackenschmerzen über die gesamte Lebensspanne (Leivseth 2010, S.
35). Doch gerade bei Halswirbelsäulenbeschwerden macht sich das Problem oft durch
Kopfschmerzen oder eine eingeschränkte Beweglichkeit des Kopfes bemerkbar, was
den Betroffenen im Alltag stark einschränken kann. Hinzu kommen die Beschwerden
im Kiefer- und Gesichtsbereich, die mit einer craniomandibulären Dysfunktion einher-
gehen. Somit ist es bei diesen Krankheitsbildern enorm wichtig, schnell Abhilfe zu
schaffen und den Ursachen auf den Grund zu gehen. Genau diese Ursachen sollen in
dieser Arbeit erforscht und Zusammenhänge der beiden Erkrankungen dargestellt wer-
den sowie eine Möglichkeit zur Verbesserung der physiotherapeutischen Behandlung,
indem man auch Unterschiede im Bezug auf die Geschlechter mit heranzieht. Welche
Bedeutung haben also Erkrankungen im geschlechterspezifischen Zusammenhang und
welche Faktoren spielen hier eine Rolle? Was haben zum Beispiel die Familie oder
Kinder damit zu tun und welche unterschiedlichen Belastungen gibt es im Leben von
Männern und Frauen? Zudem ist bekannt, dass Stress in der heutigen Zeit immer mehr
Auswirkungen auf unseren Gesundheitszustand hat und so sollen auch psychosomati-
sche Faktoren im Zusammenhang mit den Problemen der Halswirbelsäule und des Kie-
fergelenks betrachtet werden.

Gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen bezüglich ihrer Beschwerden?


Welche Gegebenheiten sind dafür verantwortlich, sowohl in biologischer Hinsicht als
auch im sozialen Bereich, die sich auf den Gesundheitszustand und somit auch auf die
Behandlung und Untersuchung in der Medizin und der Physiotherapie auswirken? Und
kann uns das als Physiotherapeuten 1 helfen, Krankheiten besser zu behandeln?

1
Aufgrund der einfacheren Schreibweise wird hier, trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der Frauen in
dem Berufsfeld der Physiotherapie, die männliche Form genutzt, die die weibliche Form mit einschließt.

1
Werfen wir einen Blick auf die geschlechterspezifische Versorgung und Behandlung
und in wie weit diese in unserem Alltag sowie in der Gesundheitsversorgung ange-
kommen sind.

2. Frauengesundheit – Geschlecht und Gender in Alltag und Beruf

Im Leben der Frau haben viele Faktoren einen Einfluss auf das Verhalten, die Zeitpla-
nung und den gesamten Tagesablauf. So spielen z. B. Kinder eine große Rolle, da sich
auch heutzutage zumeist die Frau darum kümmert, dass das Kind versorgt ist. Aber
nicht nur soziale, sondern auch biologische Einflussgrößen kommen dabei zum Tragen.
Beispielsweise das Schmerzempfinden, der Einfluss von Hormonen und Stress und de-
ren Auswirkungen auf Erkrankung, in dieser Arbeit im Besonderen auf die Problemati-
ken der Halswirbelsäule (HWS) und des Kiefergelenks bezogen, sollten hier Beachtung
finden. Darum ist es wichtig, sich diese Faktoren einmal genauer anzuschauen und sie
in Beziehung zur Krankheit zu setzen.

2.1 Geschlechter und Schmerz

In den letzten Jahren ist die Diskussion um das Thema, ob Männer und Frauen Schmerz
unterschiedlich wahrnehmen und verarbeiten immer stärker vertreten. Die Deutsche
Gesellschaft für psychologische Schmerztherapie und -forschung e.V. (DGPSF) weist
darauf hin, dass neueste Erkenntnisse zeigen, dass sowohl beim Schmerzempfinden als
auch im Bezug auf das Auftreten von Schmerzerkrankungen, den Schmerzverlauf und
die Therapie dem Geschlecht eine sehr große Bedeutung zukommt. Es steht fest, dass
Frauen häufiger als Männer unter Schmerzen leiden und das bei fast allen Schmerzar-
ten. Besonders auffällig sind Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Migräne und
Schmerzen mit Knochenbeteiligung. Zudem haben Frauen intensivere und länger an-
dauernde Schmerzen. Experimente zeigen, dass Frauen auf Schmerzreize wie Hitze oder
Druck deutlich schmerzempfindlicher reagieren. Hinzu kommt, dass die Schmerzinten-
sität höher eingeschätzt wird und die Toleranzgrenze niedriger liegt, als bei Männern.
Einfluss haben hierbei auch noch psychische und soziale Faktoren sowie das Alter, wel-
che aber nicht maßgeblich verantwortlich für Unterschiede sind (Pogatzki-Zahn o. J.).

2
Das bestätigen auch Fillingim et al. (2009) und machen darauf aufmerksam, dass ge-
schlechtsabhängige Einflüsse auf Schmerz ein interessantes und wichtiges Thema be-
sonders in den letzten Jahren geworden ist. In den 1990er Jahren gab es viel Aufmerk-
samkeit um das Thema, den Unterschied zwischen Männern und Frauen zu erforschen
und das Geschlecht mit einzubeziehen. Allerdings ist der Zusammenhang von Ge-
schlecht und Schmerz nicht so einfach herzustellen, da die meisten Studien zwar gezeigt
haben, dass Frauen ein höheres Risiko für bestimmte Schmerzzustände und eine höhere
Empfindlichkeit gegenüber Schmerz haben, es aber auch Studien gibt, die keine Unter-
schiede fanden. Weiterhin besteht das Problem, dass viele Studien nicht auf die Ge-
samtbevölkerung übertragbar sind, da Frauen viel häufiger Behandlungen in Anspruch
nehmen als Männer und somit mehr vertreten sind. In der Übersicht von Fillingim et al.
(2009) wurde deshalb versucht eine repräsentative Aussage zu treffen und dafür Studien
zu verwenden, die sich auf die gesamte Bevölkerung beziehen, aus vielen verschiedenen
Ländern stammen und sich auf verschiedenen Schmerzgruppen wie Bauch-, Rücken-
und Kopfschmerzen etc. sowie unterschiedliche Stimuli beziehen. Im Allgemeinen wei-
sen die Studien darauf hin, dass Frauen ein höheres Risiko für chronische Schmerzzu-
stände haben und vermehrt akuten, prozeduralen Schmerz angeben. Für den oralen
Schmerz konnte LeResche, die viel in den Gebieten des Schmerzes, der craniomandibu-
lären Dysfunktion (CMD) und im Bezug auf Genderthemen geforscht hat, eine ver-
mehrte Häufigkeit bei Frauen feststellen. Dies wurde durch Studien aus Finnland,
Deutschland, Schweden und vielen mehr bestätigt, da sie die gleichen Ergebnisse fan-
den (Fillingim et al. 2009).

Aufgrund von erhobenen Daten wird vermutet, dass die Differenzen zwischen Männern
und Frauen auf eine unterschiedliche Arbeitsweise des Nervensystems zurückzuführen
sind, wobei die Schmerzsensoren bei Frauen empfindlicher reagieren und auch die zent-
rale Verarbeitung von Schmerz, die bei der Chronifizierung von Schmerzen eine Rolle
spielt, sensibler ist. Das bedeutet zusammengefasst, dass Frauen nicht nur schneller und
stärker auf Schmerz reagieren, sondern eine bestehende Überempfindlichkeit der
Schmerzen zudem noch länger anhält. Die herabgesetzte Sensibilität während der
Schwangerschaft wird in der Hormonausschüttung von Östrogen und Progesteron ver-
mutet, die Einfluss auf das Schmerzempfinden haben (siehe Kapitel 2.2 Hormone,
Stress und psychosomatische Faktoren). Es muss allerdings darauf geachtet werden,
dass eine Verzerrung der Ergebnisse durch die Außerachtlassung der Geschlechterun-

3
terschiede in der Forschung möglich ist, da überwiegend Männer für Studien eingesetzt
wurden, obwohl Frauen den höheren Verbrauch an Medikamenten haben (Pogatzki-
Zahn o. J.). Das beweist unter anderem der Arzneimittelreport der Barmer GEK 2012,
da hier deutlich wird, dass Frauen mehr Ärzte aufsuchen und somit auch mehr Medika-
mente verordnet bekommen als Männer (Glaeske, Schicktanz 2012, S. 15), was wieder-
um auf das unterschiedliche Gesundheitsverhalten zurückzuführen ist (siehe Kapitel 2.3
Geschlechterrollen und Familie). Besonders auffällig sind die Unterschiede bei Psycho-
pharmaka mit 56 Prozent mehr Verordnungen als bei den Männern (Glaeske, Schick-
tanz 2012, S. 11) und im Allgemeinen mit 22,3 Prozent mehr Verordnungen für Frauen
im Jahr 2011 gegenüber den Männern (Glaeske, Schicktanz 2012, S. 13). Im Zuge des-
sen weist die DGPSF darauf hin, dass bei Schmerzmitteln eine unterschiedliche Wir-
kung eintreten kann und sogar gegensätzliche Wirkungen möglich sind. Daraufhin wur-
de in den USA durch das amerikanische Institut für Gesundheit (NIH) eine Richtlinie
zum Einbezug von Frauen und Minderheiten in Studien erlassen und der Gedanke von
frauenspezifischen Therapien kam auf (Pogatzki-Zahn o. J.).

Ein weiterer Faktor in der Äußerung von Krankheit oder Schmerz ist die Geschlechter-
rolle. So fällt es in die typische Männerrolle, dass sie keinen Schmerz kennen. Kleine
Jungen bekommen schon gesagt, „Männer weinen nicht“ oder „Ein Indianer kennt kei-
nen Schmerz“. Vielleicht dürfen Frauen den Schmerz eher zulassen und sind durch ihre
Erziehung als die, die beschützt werden müssen, eher in der Lage Schmerz zu äußern
und sich Hilfe zu holen.

Männer berichten von weniger Schmerzen, wenn ein Experiment im Bezug auf
Schmerzempfindung von einer Frau durchgeführt und überwacht wird, Frauen hingegen
ließen sich nicht beeinflussen (Fillingim et al. 2009), was das Rollenverhalten von
Männern als das stärkere Geschlecht unterstreicht. Fillingim et al. (2009) haben rausge-
funden, dass Frauen Schmerz eher als Teil ihres Lebens akzeptieren und großzügiger in
der Äußerung von Schmerz sind, während Männer der maskulinen Norm entsprechen
müssen. Das Schmerzempfinden sowie die Berichterstattung dessen werden also von
psychologischen und auch sozialen Komponenten beeinflusst (Fillingim et al. 2009).

4
Diese Aussagen führen uns näher an das Thema, welche Faktoren dazu beitragen, dass
Frauen häufiger von Halswirbelsäulenbeschwerden und craniomandibulären Dysfunkti-
onen betroffen sind.

2.2 Hormone, Stress und psychosomatische Faktoren

Sexualhormone, auch Steroidhormone genannt, regulieren die Fortpflanzung und prä-


gen die Geschlechtermerkmale. Dazu gehören sowohl Östrogene und Gestagene, die
weiblichen Sexualhormone, als auch Androgene wie Testosteron, welches zu den männ-
lichen Sexualhormonen gehört (Pschyrembel 2007, S. 1769). Androgene werden in den
Hoden, der Nebennierenrinde und in kleinen Mengen auch in den Ovarien produziert.
Sie sind z.B. im Stoffwechsel für die Stimulation spezifischer Stoffwechselleistungen
zuständig, im Genitalbereich für die Ausprägung der männlichen Merkmale und spielen
eine Rolle in der Spermatogenese. Zudem haben sie Einfluss auf die Haare und die Haut
und sind für das Längenwachstum der Knochen verantwortlich. Zu den Östrogenen
zählt als Wichtigstes das Estradiol. Sie werden in den Graaf-Follikeln 2 , dem Corpus
luteum 3 und der Plazenta sowie in der Nebennierenrinde (auch beim Mann) gebildet.
Bei Männern findet die Herstellung in den Hoden und in peripheren Geweben wie Haar-
follikeln und dem Fettgewebe statt. Dem Östrogen sind wichtige Aufgaben im weibli-
chen Zyklus und der Schwangerschaft zugeordnet, wie bei der Follikelreifung, dem
Eitransport und der Zusammensetzung der Uterus- und Cervixsekrete. Bei Männern hat
es die Funktion der Förderung des Wachstums von Prostata und Samenleitern. Weiter-
hin wirkt es beispielsweise auf die Blutgerinnung, das zentrale Nervensystem (ZNS),
durch die Bildung von Endorphinen und auf die Knochen, da die osteoklastäre Resorp-
tion des Knochens gehemmt wird. Im Bezug auf die weiblichen Genitale hat das Östro-
gen Auswirkungen auf die Ovarien und Tuben. Hier erhöht es die Motilität und Sekreti-
on und wirkt auf die Vagina, bei der es unter anderem zu einer Oberflächenzellenerhö-
hung kommt. Außerdem wird im Myometrium die Resonanz auf Oxytocin gefördert
und Einfluss auf die Cervixweitstellung genommen (Pschyrembel 2007, S. 1378f). Bei
den Gestagenen zeigt sich das Progesteron als das Wichtigste, welches im Corpus lu-
teum, der Plazenta und der Nebennierenrinde (auch beim Mann) produziert wird. Das
Hormon wirkt zusammen mit Östrogen regulierend auf den Menstruationszyklus. Pro-
2
reifer Follikel (bei Ovulation) (Pschyrembel 2007, S. 625)
3
Gelbkörper: entsteht aus gesprungenem Follikel (im Ovar) nach Ovulation (Pschyrembel 2007, S. 371)

5
gesteron hat ansonsten Auswirkungen auf die Uterusschleimhaut und spielt eine Rolle
in der Schwangerschaft, beim männlichen Individuum hat es Einfluss auf die Spermien
(Pschyrembel 2007, S. 1556).

Diese vielfältigen Wirkungsweisen zeigen deutlich, welche Rolle die Hormone in unse-
rem Leben spielen. Auch in dem Buch „Gender Inequalities in Health and Healthcare:
What do we know so far?“ von Lorgelly (2006, S. 134) wird der hormonelle Unter-
schied zwischen den Geschlechtern mit einbezogen. Es wird behauptet, Östrogen hat
eine protektive Wirkung. Die Östrogene sollen also eine positive Wirkung für Frauen
bis zur Menopause haben (Lorgelly 2006, S. 134). Diese Aussage scheint sehr verall-
gemeinert und muss genauer betrachtet werden. Es ist zwar bewiesen, dass Östrogen
einen protektiven Effekt zum Beispiel im arteriellen Gefäßsystem hat und zudem die
Aufnahme von Cholesterin in die Gefäßwand hemmt (Aufnahme von Cholesterin in die
Gefäßwand führt zur Verdickung und Bildung von Plaques und somit zur Arteriosklero-
se) (Hanke, Tosch, Lenz, Finking, & Weidemann 2002, S. 38). Östrogen hat aber auch
noch andere Wirkungsweisen wie schon im Kapitel Schmerz angesprochen wurde. Des
Weiteren werden dem Östrogen und anderen Hormonen auch Einflussmöglichkeiten bei
der Entstehung von Schmerz und Erkrankungen zugeschrieben, die näher in Kapitel 2.4
Auswirkungen im Bezug auf die Probleme der HWS und des Kiefergelenks beschrieben
werden.

Welche Wirkung Östrogen im Detail auf den Körper hat und in wie fern Schmerz oder
Erkrankungen wie die CMD davon beeinflusst werden, kann weiterhin nur vermutet
werden. Es gibt keine einheitlichen Ergebnisse, sondern nur Vermutungen und Erfah-
rungswerte. Es sollte trotzdem darauf geachtet werden, den Zyklus der Frau sowohl in
die Forschung als auch in die Behandlung und Therapie mit einzubeziehen, da z. B.
Medikamente anders wirken und somit vorsichtig anzuwenden sind (Botelho & Ferraz
de Arruda Veiga 2008).

Es braucht demnach noch weitere Studien und Forschung, um zu einem Ergebnis zu


kommen und vor allem müssen für jegliche Forschung, geht es nun um Hormone,
Schmerz oder Medikamentenwirkungen, die weiblichen Individuen in die Studien mit
einbezogen werden. So kritisiert Grace (2006, S. 146), dass viele Studien zum Beispiel
nur mit männlichen Teilnehmern durchgeführt werden und somit die Beeinflussung des

6
weiblichen Hormonzyklus keine Beachtung findet. Die Ergebnisse werden aber trotz-
dem auf die gesamte Bevölkerung übertragen.

Die Psyche ist laut Zalpour (2006, S. 3) den Organsystemen übergeordnet und nicht
lokalisierbar. Zudem ist sie abhängig von den Funktionen der Organe, vor allem vom
Hormonsystem und dem Abwehrsystem des Körpers. Durch ihre enge Verbundenheit
zum Nervensystem erklärt sich auch der Zusammenhang der psychischen und körperli-
chen Beschwerden, da bei Erkrankungen meist beide Anteile zur Ursache gehören. Aus
Erkrankungen, die den Ursprung im psychischen haben und sich körperlich äußern, ent-
steht die Psychosomatik (Zalpour 2006, S. 3). Das bedeutet psychische Prozesse können
körperliche Störungen auslösen, welche dann zu Krankheiten werden können. Das Ge-
schehen findet aber auch rückläufig statt, das heißt die körperlichen Störungen beein-
flussen wiederum die Psyche (Springer-Kremser, Ringler & Eder 1991, S. 3).

Das Gefühl unter Stress zu stehen nimmt heutzutage durch hohe Leistungsansprüche
und Belastungen bei der Arbeit immer weiter zu. Dabei wird der Begriff „Stress“ meist
negativ konnotiert und „… im Sinne der psychosozialen Belastung verstanden und be-
zeichnet alles das, was uns stört, irritiert, belastet oder Angst macht und uns in unserem
psychischen Wohlbefinden beeinträchtigt“ (Rensing, Koch, Rippe, B. & Rippe, V.
2006, S. 2). Naturwissenschaftlich werden auch alle physikalischen, chemischen und
biologischen Faktoren, die zur Belastung des Organismus führen, mit einbezogen (Ren-
sing, Koch, Rippe, B. & Rippe, V. 2006, S.2). Im Allgemeinen ist Stress aber zunächst
nur eine physiologisch sinnvolle Reaktion, die aber nicht pathologisch sein muss. Zu
negativem Stress kommt es erst, wenn eine Belastung von längerer Dauer ist und der
Körper nicht fähig, auf diese angemessen zu reagieren (Springer-Kremser, Ringler &
Eder 1991, S. 5). Ein Stresssystem besteht aus den Stressoren, dem Auslöser von Stress,
der Stresssituation des Organismus und den darauf folgenden Reaktionen des Körpers
(Rensing, Koch, Rippe, B. & Rippe, V. 2006, S. 6). Es gibt viele verschiedene Stresso-
ren, z. B. endogene wie Versagensängste, Aufregung oder Schlafstörungen, während
exogene Stressoren unter anderem Erwartungsdruck oder Arbeitsbelastung sind. Diese
Faktoren sind dem psychischen zuzuordnen, während physische Stressoren beispiels-
weise körperliche Belastungen, Verletzungen sowie Erschöpfungszustände sind (Ren-
sing, Koch, Rippe, B. & Rippe, V. 2006, S. 7). Welcher Stressor oder welche Situation
als belastend angesehen wird, ist sehr subjektiv und individuell von den Ressourcen und

7
Erfahrungen abhängig (Rensing, Koch, Rippe, B. & Rippe, V. 2006, S. 15). Hält also
ein Stressor länger an oder ist von hoher Intensität, kann das pathologische Reaktionen,
d. h. Krankheiten, die in einer Übersicht in dem unten abgebildeten Schema dargestellt
sind, auslösen (Rensing, Koch, Rippe, B. & Rippe, V. 2006, S. 17f). Hervorgehoben
wird hier der Arbeitsplatzstress und die Konflikte, die in Partnerschaften auftreten kön-
nen sowie besonders für Frauen die Doppelbelastung durch Familie, Haushalt und Ar-
beit (Rensing, Koch, Rippe, B. & Rippe, V. 2006, S. 22).

Abb. 1 Stress und somatische Gesundheitsrisiken. Einzelne oder mehrere Stressoren


können bei hoher Intensität und/oder langer Dauer verschiedene Organfunktionen be-
einträchtigen oder zu Dysfunktionen führen. Einige besonders häufig betroffene Syste-
me sind hier dargestellt. Welches Organsystem betroffen ist, hängt von genetischen und
entwicklungsgeschichtlichen Faktoren ab. (Rensing, Koch, Rippe, B. & Rippe, V. 2006,
S. 284)

Stressbezogene Gesundheitsprobleme stellen ein großes Problem dar. Dabei geht es um


das Zusammenspiel von existenziellen, sozialen, kulturellen und körperlichen Prozessen
und man steht vor der Frage wie man diese Probleme effektiv behandeln kann. Die Phy-
siotherapie kann viel zur Heilung oder Verbesserung solcher stressbedingten Erkran-
kungen beitragen (Rosberg 2006, S. 86). Susanne Rosberg beschreibt in ihrem Artikel,
dass die Krankheitstage besonders von Frauen in Schweden sehr angestiegen sind.
Frauen haben einen signifikant höheren Anteil an Krankheitstagen, der fast doppelt so
hoch ist wie der Anteil der Männer. Häufigste Ursache dafür sind psychische Gesund-
heitsprobleme wie z. B. stressbedingte sowie muskuloskeletale Störungen. Während

8
1999 der prozentuale Anteil der psychischen Erkrankungen noch bei 18 Prozent lag,
waren es 2003 bereits 30 Prozent. Laut Rosberg ist der Anstieg der stressbedingten Er-
krankungen auf eine Veränderung in den Arbeitsbedingungen zurückzuführen, da die
Arbeitsstunden sowie das Angebot an Arbeit angestiegen sind. Gleichzeitig steigen aber
auch die Anforderungen an Qualifikationen. Die Strukturen und die Organisation der
Firmen ändern sich aufgrund der Globalisierung und das hat Auswirkungen auf den
Gesundheitszustand der Bevölkerung (Rosberg 2006, S. 87).

Frauen arbeiten, auch heute noch, meist in typischen Frauenberufen. Sie arbeiten in
niedrigeren Positionen in der Hierarchie, haben weniger Einfluss und Kontrolle über
ihre Arbeitsbedingungen. Das wiederum beeinflusst den sozialen Status in der Gesell-
schaft und vermindert bei den Frauen die Kontrolle über ihr Leben, vermindert ihre
Selbstachtung und ihre Autonomie und beeinflusst so den Umgang mit Erkrankungen
(Rosberg 2006, S. 87). Das wird auch deutlich, wenn man sich den Stressreport aus
Deutschland von 2012 ansieht, in dem es darum geht die Zusammenhänge im Bezug auf
die Wirkung zwischen Arbeitsbedingungen und psychischen Störungen darzustellen.
Der Report wurde aufgrund der Annahme erhoben, dass immer mehr Erkrankungen
durch psychische Beschwerden und Stress hervorgerufen werden, welche in Folge zu-
nehmender Belastungen am Arbeitsplatz entstehen und in dieser Arbeit aufgrund von
Stress als häufigste Ursache für eine CMD herangezogen wurde. Grundlage dafür war
die Erwerbstätigenbefragung, die es seit 1979 gibt, von BIBB (Bundesinstitut für Be-
rufsbildung) und BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin). Hierbei
wurden über 20 000 Erwerbstätige befragt. Dabei kam heraus, dass sich die Arbeitsan-
forderungen auf einem sehr hohen Niveau stabilisiert haben und sich zudem die subjek-
tive Wahrnehmung der Belastung (im Vergleich zu der letzten Befragung von
2005/2006) noch gesteigert hat (Lohmann-Haislah 2012a, S. 7). Wichtige Themen wa-
ren hierbei im Hinblick auf die Belastung Arbeitsinhalt und -organisation, die Arbeits-
zeitorganisation und die Beschäftigungssituation sowie für die Seite der Ressourcen der
Handlungsspielraum und die soziale Unterstützung (Lohmann-Haislah 2012c, S. 26).
Hier muss aber darauf geachtet werden, dass sich der Handlungsspielraum, also das
selbstständige Planen und Verantwortlichsein nicht in eine zusätzliche Belastung um-
wandelt, da es einen Zusammenhang zwischen Termin- und Leistungsdruck und der
Selbstständigkeit am Arbeitsplatz zu geben scheint (Junghanns 2012, S. 111). Als größ-
te Belastung wird das sogenannte Multitasking, also viele Sachen gleichzeitig zu erledi-

9
gen, benannt. Des Weiteren führen der starke Termin- und Leistungsdruck, wiederkeh-
rende Arbeitsvorgänge, Arbeitsunterbrechungen und ein sehr schnelles Arbeiten voll-
führen zu müssen, zu erheblichen psychischen Belastungen (Lohmann-Haislah 2012d,
S. 34). Hier gibt es kleine Unterschiede für die Geschlechter, da sich Frauen vermehrt
durch Multitasking, Arbeitsunterbrechungen und wiederkehrende Arbeiten belastet füh-
len, was auf ihre häufige Tätigkeit in den Gesundheitsberufen zurückzuführen ist, wäh-
rend Männer eher unter dem Termin- und Leistungsdruck leiden (Lohmann-Haislah
2012e, S. 166).

Insgesamt geben Frauen mehr Beschwerden an, sind erschöpfter und empfinden ihren
Gesundheitszustand als eher negativ. Dies ist besonders bei Frauen in Führungspositio-
nen der Fall (Lohmann-Haislah 2012e, S.166). Psychische Anforderungen treten also
bei vollzeitbeschäftigten Frauen am häufigsten auf, wohingegen teilzeitbeschäftigte
Männer nur sehr gering davon betroffen sind. Allerdings arbeiten Frauen mit 44 Prozent
vermehrt in Teilzeitarbeit, wobei der Anteil bei den Männern nur bei 6 Prozent liegt
(Lohmann-Haislah 2012d, S. 41). Es spielen demnach sowohl die Arbeitszeit, als auch
die Position und das Geschlecht eine Rolle, wenn es darum geht wie belastet ein
Mensch durch seine Arbeit ist. In wie weit sich diese psychischen Belastungen auf fol-
gende Erkrankungen auswirkt ist noch nicht geklärt und muss noch weiter erforscht
werden (Lohmann-Haislah 2012f, S. 181).

Die Veränderung der Arbeitswelt hat dazu beigetragen, dass es zu einem Anstieg der
Diagnosestellung für psychische Störungen als Grund für Arbeitsunfähigkeitstage sowie
für Frühverrentungen kam. In den Befragungen zwischen dem Ende der 1990er und
2000er wurde ein deutlicher Anstieg der Belastung verzeichnet. Diese ist nun zwar nicht
mehr angestiegen, hat sich aber auf einem hohen Niveau manifestiert (Rothe 2012,
S. 9). Es ist bekannt, dass Arbeit zumeist einen positiven Effekt auf die Gesundheit hat,
denn das Wohlbefinden von Arbeitslosen ist nicht so gut wie das der Erwerbstätigen.
Doch wird die Belastung zu groß oder sind die Ressourcen nicht ausreichend, um mit
der Anforderung zu Recht zu kommen, führt das zu Stress (Lohmann-Haislah 2012b,
S. 2).

Wenn es darum geht, dass die gesundheitlichen Beschwerden zunehmen, je höher die
Arbeitszeit ist (Brenscheidt & Beermann 2012, S. 113), muss in diesem Zuge beachtet

10
werden, dass – auch wenn Frauen häufig in Teilzeit arbeiten – genau diese Frauen viel-
leicht auch noch Kinder oder zu pflegende Personen zu versorgen haben. Das bedeutet,
die Zeit der Hausarbeit, Pflege und Betreuung fällt auch in den Bereich „Arbeit“ und
muss berücksichtigt werden.

Für die meisten Frauen muss die erhöhte Arbeitsbelastung im Berufsleben in Folge des-
sen also noch in einem soziokulturellen und geschlechtsspezifischen Kontext betrachtet
werden. Studien haben gezeigt, dass Frauen in gleichem Maße am Arbeitsleben teil-
nehmen ohne jegliche Einschränkung der Arbeitsbelastung aus dem häuslichen Bereich.
Somit haben Frauen insgesamt eine höhere Arbeitsbelastung, mehr Stress und Rollen-
konflikte als Männer (Rosberg 2006, S. 88).

Die gesamte Thematik stellt eine Herausforderung an das Gesundheitssystem dar, da in


einem sozialen und politischen Kontext auch viele biologische, kulturelle und soziale
Faktoren einen Einfluss haben (Rosberg 2006, S. 90).

2.3 Geschlechterrollen und Familie

Eine Theorie in dem Versuch Krankheit von Frauen zu verstehen ist der Ansatz von
Lilleaas, der sich darauf bezieht, dass Frauen offen für die Bedürfnisse anderer sind. Sie
wollen andere beschützen und fühlen sich verantwortlich für Beziehungen. Dabei ver-
gessen sie, auf den eigenen Körper zu hören und sich um die eigenen Bedürfnisse zu
kümmern. Es wird beschrieben, dass Männer zwar nicht mehr auf ihren Körper achten
als Frauen, aber die Arbeit besser von ihrer Freizeit trennen können, sodass sie mehr
Möglichkeiten haben zu genesen. Frauen kommen von der bezahlten Arbeit in die un-
bezahlte, hier als „labour of love“ (Rosberg 2006, S. 89) betitelte Arbeit in der Familie,
wie die Organisation des Haushalts oder sich um die Familienmitglieder zu kümmern.
Die Autorin sieht das Problem allerdings nicht in der vielen Arbeit, sondern darin, dass
die Frauen nicht abschalten können, da sie ständig etwas im Hinterkopf haben und sich
in ihrer Geschlechterrolle verantwortlich für andere fühlen (Rosberg 2006, S. 89). Zu-
dem wird Frauen eher die Möglichkeit der „Schwäche“ und Krankheit zugesprochen als
Männern, was einerseits eine Erklärung dafür sein kann, wieso Frauen ein anderes Äu-
ßerungsverhalten zeigen, wenn es um Krankheit geht, andererseits auch zu Krankheit

11
als Copingstrategie für Belastung führen kann (Springer-Kremser, Ringler & Eder 1991,
S. 17). Hierin sieht auch der DAK-Gesundheitsreport das Problem, warum Männer
Krankheit nicht oder erst spät wahrnehmen, da sie als Schwäche gilt. So wird daraus
geschlossen, dass nicht das weibliche Gesundheitsverhalten auffällig ist, sondern das
männliche (Nolting, Niemann & Schiffhorst 2001, S. 19). Wie schon im Kapitel 2.1
Geschlechter und Schmerz erwähnt, kann vermutet werden, dass das männliche Ge-
sundheitsverhalten mit dem Männlichkeitsbild zusammenhängt, Frauen somit wesent-
lich häufiger ihre Beschwerden äußern und auch damit zum Arzt gehen. Zudem wissen
Männer häufig weniger über ihren Körper. In einer Umfrage konnten z. B. 7 Prozent der
Männer (aber nur 3,6 Prozent der Frauen) nicht sagen, ob ihr Blutdruck je erhöht war,
was zum Teil auf die vermehrten Vorsorgeuntersuchungen bei Frauen zurückzuführen
ist, aber auch an der stärkeren Sensibilisierung der Frauen für Krankheit liegen kann
(Lademann & Kolip 2005, S. 20f).

Obwohl in den meisten Ländern Frauen länger leben als Männer und in allen Lebensal-
tern eine geringere Sterberate haben, haben sie eine höhere Erkrankungsrate, schätzen
ihre Gesundheit niedriger ein als die der Männer (Lorgelly 2006, S. 124f) und haben
einen größeren Verbrauch an Gesundheitsleistungen, was sowohl der Heilmittelbericht
2011 des wissenschaftlichen Institutes der AOK bestätigen, da fast zwei Drittel (61,3
Prozent) der Heilmittelpatienten weiblich waren (Waltersbacher 2011, S. 6), als auch
der BARMER GEK Heil- und Hilfsmittelreport 2012, in dem es heißt, dass „… in fast
allen Altersgruppen Frauen mehr Hilfsmittel verordnet bekommen als Männer“ (Kem-
per, Sauer & Glaeske 2012, S. 60). Lorgelly (2006) sieht diese individuelle Gesundheit
nicht nur in Abhängigkeit von biologischen und sozioökonomischen Faktoren, sondern
eben auch von psychosozialen Einflüssen. Diese sind durch die soziale Rolle, die Le-
bensweise und das Alter geprägt und von dem Äußerungsverhalten bei Krankheit, dem
Gesundheitsverhalten der Frauen und dem Zugang zur Versorgung abhängig, was wie-
derum mit Faktoren wie der geographischen Lage zusammenhängt (Lorgelly 2006, S.
133). Bislang gab es zwar Nachforschungen über Ungleichheiten im Bereich der sozia-
len Unterschiede und Einkommensgruppen, in Genderfragen bleibt aber noch einiges
offen (Lorgelly 2006, S. 120).

12
In jeder Gesellschaft gibt es einen sozio-ökonomischen Status (also die Position einer
Person in der Gesellschaft), der aus den Merkmalen Einkommen, Bildung, soziale
Schicht und Beruf besteht und in enger Beziehung zu gesundheitlichen Themen wie z.
B. Lebenserwartung, Morbidität oder Mortalität steht (Klemperer 2010, S. 193). Auch
wenn es für Frauen heute fast selbstverständlich ist, Familie und Beruf unter einen Hut
zu bekommen ist es doch eine Herausforderung und meist notwendig, wenn man auf die
Einkommensverhältnisse schaut. Hinzukommt, dass die Arbeit auch für die Frau eine
Bereicherung darstellt, da die Tätigkeit im Job einen positiven Einfluss auf das Selbst-
wertgefühl der Frau hat.

Dennoch arbeiten die meisten Frauen eher in Teilzeit oder haben Minijobs und es gibt
immer noch einen durchschnittlichen Lohnunterschied von 23 Prozent zwischen Män-
nern und Frauen, wobei typische Frauenberufe häufig schlechter bezahlt werden (Bünd-
nis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion 2010, S. 1ff). Und wie die Fraktionsvorsitzende
der Grünen, Frau Künast treffend sagte: „Es ist immer noch so: Frauen haben ihre Fami-
lie im Nacken, Männer haben die Familie im Rücken“ (Kitsch 2001). Ob man diesem
Zitat nun wortwörtliche Bedeutung zukommen lassen kann, sei dahingestellt, aber es
weißt auf etwas Entscheidendes hin. Entsprechend der Aussage von Franzius

Mit dem Zitat … hat Renate Künast mit einem Augenzwinkern die
vielfache Lebensrealität von Familien in Deutschland beschrieben:
Während viele Männer einen Vollzeitjob mit hohem Arbeitseinsatz
nur machen können, weil sie von ihrer Familie/Ihrer Frau "den Rü-
cken freigehalten bekommen" sind Frauen als Mütter, die einer Be-
rufstätigkeit nachgehen und gleichzeitig noch für Kinder und Haushalt
zuständig sind, häufig großem Stress ausgesetzt - sie haben sprich-
wörtlich "die Familie im Nacken" (vlg. persönliche Mitteilung Email-
verkehr Franzius 2013, Anhang S. 59)

bekommen die Männer demnach häufig die Unterstützung, während viele Frauen ihrer
Geschlechterrolle getreu sich dem Haushalt und der Familie zuwenden. Da sie aber
trotzdem noch arbeiten gehen, entsteht die sogenannte Doppelbelastung. Auch Springer-
Kremser, Ringler und Eder (1991, S. 14f) widmen sich diesem Thema und beschreiben,
wie schwer es ist, diesen Mehraufwand der Frauen zu erfassen, da sich der Vergleich
zur Arbeit als Beruf als schwierig darstellt. Das bedeutet, viel Arbeit und Stress für die
Frauen mit der Belastung durch den Beruf, die Hausarbeit und die Kinder sowie eine
geringere Anerkennung bedingt durch das Einkommen, die Position im Beruf und die

13
nicht so hoch angesehenen Tätigkeit als Hausfrau und Mutter (Rensing, Koch, Rippe, B.
& Rippe, V. 2006, S. 35). Man sollte allerdings nicht vergessen, dass die Männer durch
einen Vollzeitjob natürlich ebenso stressbelastet sind und es ganz klar auch Fälle gibt,
bei denen die Frau die Vollzeitarbeit wahrnimmt und dem Mann diese Doppelbelastung
zufällt. Es findet sich jedoch heute noch eher die umgekehrte Variante.

Ein wichtiger Faktor, der eine Frau beeinflusst, ist z. B. die Schwangerschaft und die
damit verbundene Gründung einer Familie, durch die eine Unterbrechung ihres Berufes
entsteht. Es ist für manche Frauen schwierig, wieder in das Berufsleben hinein zu fin-
den. Dies ist zum Teil dadurch bedingt, dass trotz der Garantie für einen Arbeitsplatz
vom Arbeitgeber nur einen Vollzeitjob angeboten wird, dieser aber nicht angenommen
werden kann, z. B. aufgrund mangelnder Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder oder
eine Teilzeitarbeit offeriert wird, die unter der Qualifikation liegt (Luz 2007, S. 45). Das
kann wiederum unzufrieden machen, was sich auch auf die Gesundheit auswirken kann.
Denn laut des DAK-Gesundheitsreports mit dem Untertitel „Frauen-Beruf-Familie Dop-
pelbelastung ein Mythos?“ (Nolting, Niemann & Schiffhorst 2001, S. 47) wird von den
meisten erwerbstätigen Müttern der Beruf eher als bereichernd empfunden und nicht als
eine gesundheitsschädigende Überlastung. Begründet wird diese Aussage mit der zu-
sätzlichen Anerkennung, die man durch die Erwerbstätigkeit bekommt, obwohl es zu
größerem Stress führt. Denn im Endeffekt kommt es zu einer besseren sozialen Unter-
stützung und erhöhtem Selbstbewusstsein. Zudem steigt die Kompetenz der Stressbe-
wältigung an. Hier wird allerdings deutlich, dass sich besonders beruftätige Alleinerzie-
hende belastet fühlen und schlechter mit dem dadurch entstehenden Stress umgehen
können, da ihnen ein unterstützender Partner fehlt (Nolting, Niemann & Schiffhorst
2001, S. 48).

Teilzeitarbeit ist demnach eigentlich eine gute Lösung, um der Rollenvielfalt der Frau
gerecht zu werden. Wie hoch die Belastung durch den jeweiligen Beruf sein darf, ist
von Frau zu Frau und je nach Ressourcen unterschiedlich, aber im Allgemeinen könnte
man sagen, dass durch die Arbeit in Teilzeit Familie und Beruf miteinander vereinbar
sind, der Stress nicht so hoch wird und trotzdem die positiven Aspekte der Berufstätig-
keit wie finanzielle Unabhängigkeit und das Ansehen zum Zuge kommen (Nolting,
Niemann & Schiffhorst 2001, S. 48). Das „eigentlich“ am Anfang diese Absatzes ist

14
notwendig, denn in wie weit dies finanziell für eine Familie realisierbar ist und ob eine
Frau mit dieser Rolle zufrieden ist, ist dann wieder eine andere Frage.

Ein Ökonom aus Indien entwickelte 1997 das Konzept der Verwirklichungschancen, in
dem es darum geht, sein Leben so zu führen, dass man Selbstachtung vor sich haben
kann und man sich bewusst dafür entscheidet, so zu leben wie man es eben gerade tut
(Klemperer 2010, S. 202). Der Entwickler diese Konzeptes wollte die Entwicklung von
Ländern nicht nur unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachten, sondern ist der
Meinung, dass Menschen zudem so abgesichert sein müssten, dass es ihnen möglich ist
am alltäglichen, gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, den Zugang zum Gesundheitssys-
tem und auch zum Bildungssystem und dem Arbeitsmarkt zu haben und müssen moti-
viert sein einen guten Gesundheitszustand zu haben. Die Wirtschaft trägt nur dazu bei
diese Chancen zu erhöhen und somit den Menschen dabei zu helfen, sich selbst zu hel-
fen. Werden also die Systeme eines Landes im Bezug auf Bildung, Gesundheit und so-
ziale Absicherung gestärkt, wirkt sich das auch positiv auf die Verwirklichungschancen
und damit auch auf die Gesundheit des Einzelnen aus (Klemperer 2010, S. 203). Auf
das Beispiel dieser Bachelorarbeit bezogen würde dies bedeuten, Frauen (und natürlich
auch Männer) müssen die Möglichkeit bekommen zu arbeiten, sich selbst zu versorgen,
trotzdem noch soziale Kontakte zu haben und sich wohl damit zu fühlen, um gesund zu
bleiben und gut mit ihrer Gesundheit umgehen zu können.

Der Beruf hat demnach einen großen Einfluss auf die Gesundheit. Hier sind als direkte
Faktoren die gesundheitlichen Bedingungen am Arbeitsplatz wie chemische Belastun-
gen, körperlich schwere Arbeit, sowie einseitige Belastungen zu sehen. Diese treten
meist in den unteren Hierarchiestufen auf. Allerdings sind durch den Wandel in der Ar-
beitswelt diese Faktoren rückläufig, da die Bedeutsamkeit der Schreibtischtätigkeiten,
Arbeiten am Computer und die Arbeit im Dienstleistungsbereich steigt. Die Belastun-
gen gehen hier eher in die psychosoziale Richtung. Um diese zu evaluieren gibt es z.B.
das Anforderungs-Kontroll-Modell, welches die Stresserfahrung oder auch Anforderun-
gen im Bezug zu den Kontrollmöglichkeiten aufzeigt. Dies wären unter anderem die
Selbstbestimmung bei den Aufgaben des Arbeitnehmers, die Einbringung eigener Kom-
petenzen sowie die Mitgestaltung des Arbeitsplatzes. Fallen hierbei geringe Kontroll-
möglichkeiten mit hohen Anforderungen zusammen, hat dies schlechte Auswirkungen
auf die Gesundheit, da es zu einer Stressantwort des Körpers auf die Unzufriedenheit

15
kommt. Schaut man im Zusammenhang damit noch auf das Modell beruflicher Gratifi-
kationskrisen, wird deutlich, dass der Mensch für gute Arbeit auch eine entsprechende
Belohnung oder Anerkennung braucht. Dies kann sowohl durch eine finanzielle, emoti-
onale (Lob) oder auch statusbezogene Weise (Beförderung) erfolgen (Klemperer 2010,
S. 206f).

Positiv erscheinen also Arbeitsplätze, an denen man bzw. Frau sich entfalten, mitreden
und den Arbeitsalltag selbst gestalten und bestimmen kann. Doch wie in Kapitel 2.2
Hormone, Stress und psychosomatische Faktoren schon erwähnt, arbeiten immer noch
viele Frauen eher in niedrigeren Stellungen und seltener in Führungspositionen, was
sich auf die Zufriedenheit und die Gesundheit auswirkt.

2.4 Auswirkungen im Bezug auf die Probleme der HWS und des Kie-
fergelenks

Einführend in das Thema wurden viele Faktoren aufgezählt, die Auswirkungen auf Er-
krankungen und im Besonderen bei Frauen haben. Zusammengefasst lässt sich sagen,
dass viele dieser Faktoren einen Ansatz bieten, warum Frauen mehr Probleme mit Er-
krankungen der Halswirbelsäule und vor allem auch des Kiefergelenkes haben.

Aus dem erhöhten Schmerzempfinden von Frauen kann gefolgert werden, dass Frauen
bei einer CMD eher Schmerzen haben bzw. diese auch angeben und damit zum Arzt
gehen. Das hängt dann wiederum mit dem Gesundheitsverhalten zusammen, was deut-
lich macht, dass Erkrankungen bei Frauen aufgrund der Berichterstattung auch eher
diagnostiziert werden.

Die hormonelle Wirkung auf den gesamten Organismus konnte im Kapitel 2.2 Hormo-
ne, Stress und psychosomatische Faktoren dargestellt werden und lässt die Schlussfol-
gerung zu, dass Hormone in der Entstehung von Erkrankungen eine große Rolle spielen
können. Botelho und Ferraz de Arruda Veiga (2008), die die Ergebnisse des Einflusses
des Geschlechts auf die CMD zwischen 1987 und 2008 zusammengefasst haben, be-
schreiben als einen wichtigen Faktor im Zusammenhang der Geschlechterunterschiede
die hormonelle Wirkung. Es wird auf die Häufigkeit der CMD besonders bei erwachse-

16
nen Frauen im Gegensatz zu den Männern hingedeutet und dass die Prävalenz für Frau-
en in der Menopause sinkt. Dies könnte damit zusammenhängen, dass die ovariale Ös-
trogenproduktion absinkt und nur noch die Nebennierenrinde dafür zuständig ist. Eine
Forschergruppe von LeResche fand bei Frauen, die nach der Menopause Hormone be-
kamen, eine um 30 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit für die CMD (Rollmann & Gil-
lespie 2000, S. 72). So haben auch Frauen mit einer Hormonersatztherapie ein höheres
Risiko für Schmerzzustände (Botelho & Ferraz de Arruda Veiga 2008). Im Falle dieser
Arbeit bedeutet das ein erhöhtes Risiko für die CMD. Diese Aussage wird unterstützt
durch die Ergebnisse von Fillingim et al. (2009), die einen Anstieg für das Risiko von
Rückenschmerzen während einer Hormonersatztherapie in der Menopause herausfan-
den. Es wird allerdings darauf hingewiesen, dass zwar die meisten Studien zu der An-
nahme leiten, dass Östrogen zu einem erhöhten Risiko für Schmerz führt, es aber auch
wiederum Autoren gab, die keinen Einfluss von exogenem Hormoneinsatz feststellen
konnten. Interessant ist in diesem Zusammenhang das Ergebnis bei der Migränehäufig-
keit, die vor der Pubertät für Mädchen und Jungen gleich ist, danach aber bei 18 Prozent
für die Frauen und bei nur 6 Prozent für die Männer liegt. Dies legt also einen hormo-
nellen Zusammenhang zwischen Geschlecht und Erkrankung nahe. Ähnliche Ergebnisse
fanden sich für die CMD, da hier die Häufigkeit bei Frauen nach der Pubertät stark an-
stieg (Fillingim et al. 2009). Hormone haben zudem eine direkte Wirkung auf die Ge-
lenke, da Östrogen die Laxität der Gelenke beeinflusst. Demnach spielt dies eine Rolle
in der Entstehung der CMD, da auch das Kiefergelenk von dem hormonellen Einfluss
betroffen ist. Weiterhin hat man nur bei weiblichen Primaten Östrogenrezeptoren im
Gewebe des Kiefergelenks gefunden, was die Möglichkeit eröffnet, dass dadurch die
Entzündungsreaktionen beeinflusst werden (Botelho & Ferraz de Arruda Veiga 2008).

Im Hinblick auf die Fragestellung dieser Arbeit würde das bedeuten, wenn Östrogen auf
die Laxität und auch auf Entzündungsreaktionen des Kiefergelenkes eine Wirkung hat
und diese Faktoren Einfluss auf die Entstehung von einer CMD haben, die Östrogenre-
zeptoren aber nur bei Frauen (theoretische Übertragung von weiblichen Primaten) im
Kiefergelenk vorhanden sind, dies ein Erklärungsansatz wäre, warum Frauen wesentlich
häufiger von dieser Erkrankung betroffen sind. Die angenommene Wirkung von Östro-
gen würde auch erklären, warum postmenopausal weniger Frauen unter einer CMD lei-
den, insofern keine Hormonersatztherapie erfolgt, da der Östrogenspiegel nach der Me-
nopause absinkt. Zudem zeigt dies auch die geschlechtsspezifische Abhängigkeit durch

17
den Anstieg der Erkrankungswahrscheinlichkeit nach der Pubertät bei Mädchen und
dem Absinken nach der Menopause.

Wie im Kapitel 2.2 Hormone, Stress und psychosomatische Faktoren bereits gezeigt,
stellt Stress eine immer größer werdende Belastung dar. Zieht man nun den Bogen zu
Erkrankungen im Kiefergelenksbereich und betrachtet die häufigste Ursache der CMD,
den Stress, lässt sich der Zusammenhang deutlich erkennen. Zudem wurde beobachtet,
dass Patienten 4 , die unter einer CMD leiden, eine geringe Toleranz gegenüber Stress
aufweisen, was sich in der vermehrten Ausschüttung von Adrenalin, Noradrenalin und
Cortisol nach einem Stressreiz im Gegensatz zu Gesunden zeigt (Saha 2008, S. 419).

Hinzukommt für die Frauen mit Kindern die erhöhte Belastung durch die Doppelrolle in
Beruf und Haushalt, wobei nicht außer Acht gelassen werden darf, dass Männer auch
Stress und große Belastungen haben, wenn sie in Vollzeit arbeiten. Allerdings scheinen
Frauen anders damit umzugehen, da sie eher auf ihren Körper achten und Signale
schneller wahrnehmen.

Betrachtet man das Ganze im Hinblick auf die CMD und die Erkrankungen der Hals-
wirbelsäule ist der Zusammenhang zwischen Stress (z. B. als häufigste Ursache einer
CMD), Unzufriedenheit, Doppelbelastung und Krankheit zu ziehen, was sich bei Frauen
als eine zusätzliche Erhöhung der Erkrankungswahrscheinlichkeit auswirken kann. So
führen nicht nur biologische Faktoren wie Hormone oder das geschlechterbedingt unter-
schiedliche Schmerzempfinden zu einer höheren Wahrscheinlichkeit für Frauen zu er-
kranken, sondern auch soziale Einflüsse, die in der Gesellschaft verankert sind.

3. Das Zusammenspiel zwischen Halswirbelsäule und Kiefergelenk

Viele Menschen leiden heutzutage an Halswirbelsäulenproblematiken, häufig begleitet


von einer Craniomandibulären Dysfunktion. Aufgrund des gekoppelten Auftretens der
beiden Erkrankungen lässt sich daraus schließen, dass es einen Zusammenhang zwi-
schen den beiden Regionen Halswirbelsäule und Kiefergelenk geben muss.

4
Aufgrund der einfacheren Schreibweise wird hier, trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der Frauen bei
dieser Erkrankung, die männliche Form genutzt, die die weibliche Form mit einschließt.

18
3.1 Die Halswirbelsäule und ihre Statik

Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Wirbeln und weist eine lordotische Krümmung
auf. Die Größe der Wirbel nimmt mit zunehmender Belastung, also von der Halswirbel-
säule in Richtung der Lendenwirbelsäule, zu. Die Wirbelkörper der HWS sind somit
vom Durchmesser kleiner und haben eine geringere Höhe als die Wirbel in der Len-
denwirbelsäule. Ihre Form ist rechteckig (Benninghoff, Drenckhahn 2003, S. 414-418).
Eine Besonderheit stellen hier der erste und zweite Halswirbel dar, da der Atlas und der
Axis von der typischen Form der Halswirbel abweichen. Somit nehmen die sogenannten
Kopfgelenke eine besondere Rolle auch in der Behandlung von Halswirbelsäulenprob-
lemen ein. Aufgrund des vorderen Bogens, den der Atlas an Stelle eines Wirbelkörpers
hat, ist durch den artikulierenden Dens des Axis die hauptsächliche Rotation im Seg-
ment C1 möglich ist. Die Gelenke von C1 und C2 werden als Articulatio (Art.) atlanto-
axialis lateralis und Art. atlanto-axialis mediana betitelt. Letzteres stellt die Verbindung
des Dens axis zum Atlas her, welche zusätzlich noch durch das Ligamentum (Lig.)
transversum atlantis überspannt wird. Das gesamte Segment wird durch Bänder gesi-
chert, die die Gelenkkapsel verstärken und hemmend auf die Bewegungen des Kopfes
wirken. Das Art. atlanto-occipitalis (Segment C0) befindet sich zwischen dem Occiput
(Os occipitale) und der Facies articularis superior des Atlas. Hier finden die Inklination
und Reklination des Kopfes statt. Die Lateralflexion (Latflex) wird von allen Gelenken
kombiniert ausgeführt (Benninghoff, Drenckhahn 2008, S.122-132). Zudem nehmen die
Kopfgelenke die Last des Kopfes auf und ermöglichen die eben schon genannten Bewe-
gungen in drei Freiheitsgraden aufgrund der Gelenkmechanik (Benninghoff, Drenck-
hahn 2003, S. 417). Auch in der restlichen Halswirbelsäule, welche die mittlere Hals-
wirbelsäule und funktionell auch den cervicothoracalen Übergang mit einschließt, sind
sowohl die Flexion (Flex) und Extension (Ext), also auch die Lateralflexion und Rotati-
on möglich. Durch das Foramen transversarium des Processus transversus der Halswir-
bel zieht die Arteria vertebralis (Benninghoff, Drenckhahn 2008, S.126). Verbunden
sind die Wirbel zum einen ab dem Segment C2 durch die Disci intervertebrales und
zum anderen durch die Facettengelenke, die sich zwischen dem Processus (Proc.) arti-
cularis inferior des oberen Wirbels und dem Proc. articularis superior des darunter lie-
genden Wirbels befinden (Zalpour 2006, S. 324).

19
Bewegungen werden in der HWS durch die vordere Halsmuskulatur, zu der der Muscu-
lus (M.) sternocleidomastoideus, das Platysma und die infrahyoidale Muskulatur (Nähe-
res siehe Anhang Tab. 1, S. 57) gehören, die hintere Halsmuskulatur mit den Musculi
(Mm.) scaleni und die tiefe, prävertebrale Halsmuskulatur (M. rectus capitis anterior
(ant.), M. longus capitis und M. longus colli) ausgeführt (Zalpour 2006, S. 324ff). Für
die Bewegungen in der oberen HWS ist die suboccipitale, kurze Nackenmuskulatur ver-
antwortlich, die zwischen dem ersten und zweiten Halswirbel und dem Occiput verläuft.
Dazu gehören die folgenden Muskeln, die unten noch einmal bildlich dargestellt sind:
M. rectus capitis posterior major (Ext und Latflex), M. rectus capitis posterior minor
(Ext, Latflex und Rotation), M. obliquus capitis superior (Ext und Latflex), M. obliquus
capitis inferior (Rotation und Stabilisation) (Zalpour 2006, S. 329f).

Abb. 2 Tiefe Hals- und Nackenmuskeln. (In Anlehnung an Benninghoff, Drenckhahn


2003, S. 453)

Die genaue Definition einer Halswirbelsäulenproblematik ist sehr komplex. Die Prob-
lematik soll hier in Anlehnung an Zalpour (2010, S. 545) definiert werden. Als eine
andere Bezeichnung kann auch das Halswirbelsäulensyndrom verwendet werden. Sie
kann durch ein Schleudertrauma oder statische Fehlbelastung hervorgerufen werden.
Symptome sind Schmerzen im Bereich des Nackens und des Hinterkopfes und eine
schmerzhafte Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule, die z. B. mit Brachialgien
und vestibulären, akustischen, okulären und auch psychischen Störungen sowie einer
Obstruktion der Arteria vertebralis einher gehen können (Zalpour 2010, S. 545).

20
Bei einer Halswirbelsäulenproblematik können also alle Strukturen, die sich im Bereich
der Halswirbelsäule befinden, betroffen sein. So auch die bereits genannten Muskeln.
Häufige Schmerzhaftigkeiten treten hier an der suboccipitalen Muskulatur auf und auch
die Mm. scaleni können große Probleme verursachen. Die Scaleni bestehen aus drei
Anteilen, die bei der Flex und Rotation der HWS mitwirken und aufgrund des Hebens
der ersten Rippe die Einatmung unterstützen. Durch die Verbindung des Thorax zu den
Wirbeln der HWS haben sie Einfluss auf den cervicothorakalen Übergang. Im Zuge der
verschiedenen Anteile des Muskels kommt es zu einer vorderen und einer hinteren Sca-
lenuslücke. Der M. sternocleidomastoideus und der M. scalenus anterior bilden die vor-
dere Lücke, durch die die Vena subclavia zieht. Die hintere Scalenuslücke wird von
dem M. scalenus anterior und medius gebildet. Hier laufen die Arteria subclavia und der
Plexus brachialis hindurch, was die Bedeutung bei den Problemen der Halswirbelsäule
erklärt (Zalpour 2006, S. 325f). Die Prävalenz der Halswirbelsäulenproblematik ist bei
Frauen deutlich höher als bei den Männern. Das Verhältnis beträgt vier zu eins für die
Frauen bei Nackenschmerzen (Tilscher 2013, S. 39).

Auch die Facettengelenke können z. B. durch segmentale Funktionsstörungen an der


Problematik beteiligt sein und eine Bewegungseinschränkung sowie Schmerzen verur-
sachen. Des Weiteren können neurale Strukturen betroffen sein und auch Bandschei-
benveränderungen sind verantwortlich für Beschwerden in der Halswirbelsäule (Til-
scher 2013, S. 39).

3.2 Das Kiefergelenk

Das Art. temporomandibularis besteht aus dem Caput mandibulae, welches eine konve-
xe Gelenkfläche am Proc. condylaris des Os mandibulare darstellt und der Gelenkfläche
am Os temporale mit der Facies articularis, die sich an der Fossa mandibularis befindet
(siehe auch Abb. 3, S. 23). Dazwischen befindet sich der Discus articularis, der aus ei-
nem vorderen und einem hinteren Band und einer bilaminären Zone besteht und die
Inkongruenz des Gelenks ausgleicht, da die Fossa mandibularis zwei- bis dreifach so
groß ist wie das Caput mandibulae (Zalpour 2006, S. 335f). Der Discus besteht in der
Mitte aus straffem Bindegewebe und an den Rändern aus Faserknorpel. In ihn strahlen
Fasern des M. pterygoideus lateralis ein, außerdem ist er auch mit dem M. masseter und

21
dem M. temporalis verbunden. Die Gelenkkapsel umfasst sowohl den Gelenkhöcker, als
auch die Gelenkpfanne bis hin zur Fissura petrotympanica. Sie ist also so schlaff und
weit, dass sie nicht reißt, wenn das Kiefergelenk luxiert. Zudem wird das Gelenk durch
einige bandhafte Verstärkungen gesichert (Benninghoff, Drenckhahn 2003, S. 514).

Abb. 3 Das Kiefergelenk. (Zalpour 2006, S. 335)

Für das Öffnen und Schließen des Mundes, die Seitverschiebung sowie das Zurückzie-
hen und die Mahlbewegungen des Unterkiefers sind im Besonderen der M. masseter,
der M. pterygoideus medialis und lateralis sowie der M. temporalis verantwortlich (Nä-
heres siehe Anhang Tab. 3 und Abb. 4, S. 58), die zur Kaumuskulatur gehören. Diese
sind auch die Wichtigsten für die Behandlung des Kiefergelenks. Zudem wird der Kau-
vorgang durch die mimische Muskulatur und die Muskulatur des Zungenbeins sowie
der Zunge unterstützt (Zalpour 2006, S. 336).

3.3 Anatomische und funktionelle Zusammenhänge

Die cervicale Stabilität wird durch das muskuläre System gegeben, welches kräftig ge-
nug sein muss, damit es nicht zu Problemen wie Instabilitäten in diesem Bereich kom-
men kann. Da der Schwerpunkt des Kopfes ventral der Bewegungsachse der Wirbelsäu-
le liegt, müssen die Extensoren der HWS wie z. B. der M. trapezius und der M. se-

22
mispinalis den Kopf halten. Die Mm. scaleni sowie der M. levator scapulae arbeiten
gegen die Kräfte, die von ventral und dorsal einwirken. Zudem findet eine Zusammen-
arbeit des M. longus colli und des M. sternocleidomastoideus bei der Stabilisierung
statt. Der M. longus colli wird bei dem Entgegenwirken einer zu starken Lordose der
HWS von der supra- und infrahyoidalen Muskulatur (Näheres siehe Anhang Tab. 1 und
2, S. 57) unterstützt. Diese führt außerdem eine Flexion in der HWS durch und ist für
ihre Statik von Bedeutung. Die Statik kann aber nur aufrecht erhalten werden, wenn die
temporomandibuläre Muskulatur (Kaumuskulatur) stabilisieren kann. Das bedeutet,
dass Fehlhaltungen des Kopfes zu Störungen wie einer Überdehnung und Abschwä-
chung der Zungenbeinmuskulatur führen können (Zalpour 2006, S. 327). Ist solch ein
Zustand der Muskulatur dauerhaft, kann dies zu einer Tonuserhöhung in der Kaumusku-
latur führen (Zalpour 2006, S. 331). Das Os hyoideum (Zungenbein) ist über seine
Muskulatur sowohl mit dem Mundboden als auch mit dem Os temporale, dem Kehl-
kopf, dem Sternum und der Scapula verbunden (Zalpour 2006, S. 327). Beide Zungen-
beinmuskulaturen sind dadurch am Schluckakt beteiligt und schaffen den Ausgleich des
Kiefers gegen die Kaumuskulatur. Die infrahyoidale Zungenbeinmuskulatur wirkt auf
die Mandibula, da diese bei einem Ventralschub des Kopfes über die Spannungserzeu-
gung der Muskulatur zurückgehalten wird. Dabei verändert sich zusätzlich noch die
Okklusion (Schlussbiss) der Zahnreihen (Zalpour 2006, S. 331). Bei der Vorbeugung
des Kopfes aus der Rückenlage oder gegen einen Widerstand arbeiten all diese Hals-
muskeln zusammen, das heißt sowohl die Mm. scaleni als auch der M. rectus capitis
anterior, der M. longus capitis und M. longus colli und die Zungenbeinmuskulatur
(Benninghoff, Drenckhahn 2003, S. 523). Diese Verbindungen zeigen, wieso sich eine
Störung in einem der Bereiche auch auf andere übertragen kann und dass Wechselwir-
kungen zwischen ihnen möglich sind. Weiterführend wird dieses Thema in dem Kapitel
5.1 Wechselwirkungen der Körperhaltung und des Kiefergelenks behandelt.

4. Die craniomandibuläre Dysfunktion

Früher war die CMD wenig bekannt und auch heute weiß nur ein kleiner Anteil der Be-
völkerung, dass es sie gibt und was es damit auf sich hat, obwohl doch viele Menschen
davon betroffen sind. Leider gibt es auch immer noch Ärzte und Physiotherapeuten, die

23
dieser komplexen Erkrankung nicht genügend Aufmerksamkeit schenken, aber auch
einige Institutionen, die versuchen Licht ins Dunkle zu bringen.

4.1 Definition

Die Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie in der Zahn-, Mund-
und Kieferheilkunde (DGZMK) umschreibt die CMD wie folgt:

Der Begriff „craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD)“ umfaßt [sic!]


eine Reihe klinischer Symptome der Kaumuskulatur und/oder des
Kiefergelenks sowie der dazugehörenden Strukturen im Mund- und
Kopfbereich. (Synonyme: Funktionsstörung des Kauorgans, Myo-
arthropathie). Die inhaltlich identischen englischsprachigen Ausdrü-
cke „Temporomandibular Disorders“ (TMDs) und „Craniomandibular
Disorders“ (CMD) entsprechen im großen und ganzen den oben ge-
nannten deutschen Bezeichnungen. (Lange, Ahlers, Ottl 2010)

Sie wird von dem Institut für Craniomandibuläre Dysfunktion auch als „systemische
Erkrankung der Funktionszusammenhänge der Kopf-Schulterorgane“ (Risse 2007-
2012) bezeichnet. Synonyme für die CMD sind unter anderem wie oben schon erwähnt
die TMD oder das Costen-Syndrom (Risse 2007-2012).

4.2 Ursachen und Symptomatik

Die Ursachen für eine CMD können in einer Fehl- und Überbelastung der Muskulatur
des Kauapparates und dessen Gelenken gesehen werden. Stress ist hierbei die Hauptur-
sache für das Aufeinanderpressen der Zähne, welches zu einer vermehrten Belastung
führt. Weiterhin können Fehlstellungen des Bisses und inkorrekte Kontakte der Zähne
sowie Funktionsstörungen oder Fehlhaltungen der Wirbelsäule eine CMD verursachen.
Da sich unsere Zähne normalerweise beim Kauen nur ca. 15 Minuten am Tag berühren
und die Kaumuskulatur sich den Rest der Zeit entspannen kann, ist es nur allzu ver-
ständlich, dass es zu Problemen führen kann, wenn diese Kontaktzeit so wie beim Bru-
xismus (Knirschen) erhöht wird. Folgend kommt es zu übermäßigen Abnutzungser-
scheinungen und somit zu einer erhöhten Empfindlichkeit und Schmerzhaftigkeit der
Zähne. Das Knirschen und Pressen führt zu einem Steifigkeits- und Müdigkeitsgefühl
im Kieferbereich, welches sich bis zu Beschwerden in den Kiefergelenken und der

24
Muskulatur des Kiefers ausweiten kann. Auch Haltungsfehler, z. B. bedingt durch das
Arbeiten am Schreibtisch und Computer oder Gleitsichtbrillen, können die Symptoma-
tik verstärken und sie durch zusätzliche Verspannungen im Nackenbereich noch ergän-
zen. Als weitere Ursachen sind Schläge gegen den Unterkiefer, Schleudertraumata oder
langes Öffnen des Mundes zu nennen (Lange, Ahlers, Ottl 2010).

Die Symptome der CMD sind vielfältig und von Patient zu Patient unterschiedlich. Die
Leitsymptome sind Schmerz und eine Funktionseinschränkung des craniomandibulären
Systems. Der Schmerz kann in verschiedenen Bereichen wie der Muskulatur, präauricu-
lär oder in den Kiefergelenken selbst auftreten. Eine Verstärkung ist durch Bewegungen
des Kiefers wie z. B. das Kauen möglich. Es treten Bewegungseinschränkungen, asym-
metrische Kiefergelenksbewegungen und Geräusche wie Knacken oder Reiben, bedingt
durch das Springen des Discus über den Gelenkkopf bei Bewegung und Arthrose, auf.
Weitere Symptome sind Kopfschmerzen, die durch Verspannungen des M. temporalis
zustande kommen können, aber auch Ohrenschmerz oder Schmerzen im Gesichtsbe-
reich, die unter anderem durch den M. masseter und den M. pterygoideus lateralis aus-
gelöst werden und in den Kiefer sowie den gesamten Kopfbereich ausstrahlen können.
Hinzu kommt eine Hypertrophie der Kaumuskulatur. Auch Ohrgeräusche befinden sich
in der Diskussion im Zusammenhang mit einer CMD zu stehen, was aber noch nicht
eindeutig bewiesen ist (Lange, Ahlers, Ottl 2010).

4.3 Epidemiologie und Prävalenz

Die Häufigkeit der CMD in der erwachsenen Bevölkerung liegt laut Kares (o. J.) bei ca.
7 - 15 Prozent, 10 Prozent der über Achtzehnjährigen sind von Symptomen im cranio-
mandibulären Bereich stark im Alltag eingeschränkt (Piekartz von 2005, S. 1). Am häu-
figsten ist die Erkrankung im jungen und mittleren Erwachsenenalter zu finden, bei
Kindern und Älteren weniger, dafür jedoch bei Frauen 1,5- bis 2-mal so häufig wie bei
Männern (Kares o. J.), was auch durch Bartrow (2011, S. 7) bestätigt wird. Allerdings
müssen diese Zahlen mit Vorsicht betrachtet werden, da es immer noch keine einheitli-
che Definition für die CMD gibt und auch unterschiedliche Klassifizierungen im Bezug
auf die Symptome im Umlauf sind, sodass sogar behauptet werden kann, dass die Häu-
figkeit an einer komplexen CMD zu leiden bis zu 50 Prozent beträgt (Bartrow 2011, S.

25
7). Zudem stellt sich die Frage, wie viele undiagnostizierte CMDs es gibt, da vielen
diese Diagnose noch nicht geläufig ist. Erklärungen für die hohe Repräsentanz der
Frauen bei dem Krankheitsbild der CMD können einerseits in dem Gesundheitsverhal-
ten der Frauen gesehen werden, da sie vier- bis siebenmal häufiger eine Behandlung bei
Beschwerden ersuchen. Des Weiteren kann die Schmerzempfindlichkeit dafür verant-
wortlich gemacht werden (siehe Kapitel 2.1 Geschlechter und Schmerz) und dass Frau-
en ihren Körper und auftretende Symptome stärker beobachten als Männer (Rollmann
& Gillespie 2000, S. 72).

5. Die Zusammenhänge im Körper

Überall wird der Zusammenhang der Körperhaltung, das heißt sowohl der Stellung des
Kopfes und der Halswirbelsäule als auch der gesamten Haltung auf das Kiefergelenk
und andersherum diskutiert. Es werden Vermutungen hervorgebracht, dass dieser Zu-
sammenhang bzw. sogar eine Wechselwirkung besteht, doch in wie weit das belegt ist
und welche Folgen daraus für die Versorgung und Behandlung entstehen, soll in diesem
Kapitel dargestellt werden.

Für die Recherche nach geeignetem Material wurden zum einen Stellungnahmen und
Studien von Größen in der Zahnmedizin wie Oliver Ahlers herangezogen sowie nach
Gesellschaften im Zusammenhang mit der CMD gesucht und darüber durch einen
Schneeballeffekt Autoren gefunden, die sich intensiv mit diesem Thema auseinanderge-
setzt haben. Des Weiteren wurden im Internet und über Pubmed und EBSCOhost (mit
Suchwörtern wie posture, cervical, head, temporomandibular dysfunction/disorder, head
posture, cervical posture/spine, craniomandibular dysfunction/disorder,
sex/gender/women) Beweise und Studien für die aufgestellten Hypothesen gesucht, um
den heutigen Wissensstand um Zusammenhänge der Körperregionen Kiefergelenk und
Halswirbelsäule darzustellen. Studien mit weiteren Symptomen, wie Kopfschmerzen
oder Tinnitus wurden aufgrund der Fülle an Material und der Eingrenzung des Themas
ausgeschlossen. Die Studien sollten nicht mehr als fünf Jahre alt sein und das ergänzen-
de Material nicht älter als zehn Jahre. Es wurde versucht, möglichst zeitnah durchge-
führte Studien auszuwählen und solche, bei denen Experten dieses Themengebietes
mitgewirkt haben, um den neuesten Stand der Wissenschaft zu diskutieren.

26
5.1 Wechselwirkungen der Körperhaltung und des Kiefergelenks

Oliver Ahlers, zahnärztlicher Leiter des CMD-Centrum Hamburg-Eppendorf und inter-


national anerkannter Experte und Spezialist für Funktionsdiagnostik und -therapie in
Hamburg, veröffentlichte zahlreiche Lehrbücher und Publikationen und entwickelte
Behandlungs- und Untersuchungsverfahren weiter (Ahlers 2001-2013). In seiner Publi-
kation „Zusammenhänge zwischen Körperhaltung und Kieferrelation“ geht auch er dar-
auf ein, dass die Wechselbeziehungen zwischen der Haltung des Körpers und der cra-
niomandibulären Funktion noch nicht ausreichend bewiesen sind, obwohl es unter ande-
rem für Zahnärzte von enormer Wichtigkeit für die Behandlung ist, diese zu kennen
(Danner, Jakstat, Ahlers 2009, S. 1). Dieser Beitrag ist trotz logischer und nachvollzieh-
barer Thesen mit Vorsicht zu betrachten, da die Evidenz auf exemplarische Fälle ge-
stützt ist. Laut Danner, Jakstat und Ahlers (2009, S. 2) treten bei Patienten mit CMD
häufig Fehlhaltungen und Funktionsstörungen in der Halswirbelsäule auf. Auch in der
Gegenrichtung scheint es einen Zusammenhang zu geben, da wiederum Patienten mit
Halswirbelsäulenproblemen häufig Zeichen einer CMD zeigen. Das heißt einerseits
haben Änderungen am Kiefergelenk Auswirkungen auf die Haltung, andererseits zeigen
Veränderungen in der Körperhaltung und insbesondere in der HWS bzw. in den Kopf-
gelenken Wirkung auf die Position des Kiefers.

Dies bestätigt auch eine Studie aus Spanien von 2011, in der es darum geht, den Ein-
fluss der craniocervicalen Stellung auf die maximale Mundöffnung und die Druck-
schmerzschwelle bei Patienten mit myofascialer temporomandibulärer Schmerzstörung
herauszufinden. In dem Artikel wird die CMD (hier als TMD = temporomandibular
Disorder bezeichnet, Synonym für CMD) mit den Symptomen des myofascialen
Schmerzes, einer Verlagerung des Discus und Arthralgien bzw. einer Osteoarthrose
beschrieben. Es handelt sich um episodisch auftretende Schmerzen mit Perioden der
Verschlimmerung und Reduktion des Schmerzes. Er kann aber auch persistieren. Hier
wird vermerkt, dass bekannt ist, dass das Halswirbelsäulengewebe den Schmerz an den
Kopf und den orofazialen Bereich weiterleiten kann. Eine Komorbidität von CMD und
Halswirbelsäulenproblematiken ist ziemlich häufig und besteht aus einer Zusammenset-
zung aus funktioneller Einschränkung, Schmerz, empfindlichen Punkten und einer Hy-
peralgesie des oberen Quadranten. Hier wird die Beziehung der orofazialen und cervica-

27
len Region über enge neuromuskuloskeletale und neurophysiologische Zusammenhänge
erklärt. Der sensorische Kernkomplex des Nervus Trigeminus, der sich im Hirnstamm
in der suboccipitalen Wirbelsäule befindet, stellt die wesentliche neurophysiologische
Region dar, in der die sensorischen Informationen der ersten drei cervicalen Spinalner-
ven mit trigeminalen Afferenzen zusammenlaufen. Das Zusammenlaufen der verschie-
denen afferenten und efferenten Neurotransmissionen, gemeinsam mit der Evidenz für
neuronale Plastizität 5 , kann verantwortlich sein für das gleichzeitige Auftreten von
Schmerz und Dysfunktion im cervicalen Bereich, im Kiefergelenk und im Kausystem.
Dies kann durch Veränderungen in der Kopfhaltung erklärt werden, da „45 % der
propriozeptiven Impulse, die die Stellung der Gelenke, Muskelspannung und Lage im
Raum vermitteln, aus den Segmenten C0 bis C3 stammen“ (Saha 2008, S. 419) und
davon wiederum fast zwei Drittel aus dem Kiefergelenk und der umgebenden Muskula-
tur (Näheres dazu findet sich in dem Artikel von Saha 2008). Es wird darauf hingewie-
sen, dass einige Autoren diesen Zusammenhang bestätigen, andere aber auch wieder
nicht (La Touche et al. 2011, S. 48). Der Zusammenhang ist also unklar, auch wenn der
Erklärungsversuch theoretisch logisch nachvollziehbar ist.

In dieser Studie, in der die maximale Mundöffnung und die Druckschmerzschwelle bei
29 CMD-Patienten in drei verschiedenen Kopfpositionen (neutrale Position, anteriore
Translation und posteriore Translation) gemessen wurden. In jeder Position fanden drei
Messungen an drei verschiedenen Tagen statt. Hierbei bleiben aber wichtige Fragen
offen. Zwar wurde herausgefunden, dass sich die Mundöffnung (weiteste Mundöffnung
bei anteriorer Translation möglich) sowie die Druckschmerzhaftigkeit mit den verschie-
denen Kopfpositionen verändert, jedoch weiß man nicht, wieso es sich so verhält. Sie
bestätigt also nur, dass es einen Zusammenhang zu geben scheint (La Touche et al.
2011, S. 49-53). Bewiesen ist somit, dass die Kopfhaltung sich auf die Position der
Mandibula und die Aktivität der Kaumuskulatur auswirkt. Außerdem wirken sich die
Kräftigung der cervicalen, tiefen Flexoren und die manualtherapeutische Behandlung
der Region positiv auf die CMD und deren Symptome aus (La Touche et al. 2011,
S. 49).

5
„Neuronale Plastizität - Definition
Fähigkeit des Zentralen Nervensystems, seine funktionelle und strukturelle Organisation an aktuelle Ge-
gebenheiten anzupassen.“ (Hötting 2012, S. 5)

28
Aber nicht nur die Kopfposition hat Einfluss auf das Kiefergelenk. So werfen Danner,
Jakstat und Ahlers (2009, S. 4) den Blick auf die drei Ebenen des Körpers und welche
Faktoren in den einzelnen Ebenen Störungen auslösen können. Betrachtet man die Sa-
gittalebene, in der die Krümmungen der Wirbelsäule eine wichtige und ausgleichende
Rolle spielen, zeigt sich eine Auswirkung der vermehrten oder verminderten Ausprä-
gung der Lordose oder Kyphose. Des Weiteren sind Abweichungen der Extremitäten-
achsen wie Streckdefizite zu beachten, aber auch ein Beckenschiefstand, der durch eine
anatomische Beinlängendifferenz oder X- und O-Beine hervorgerufen werden kann,
können sich im Extrem auf die Halswirbelsäule und das Kiefergelenk auswirken. Als
Beispiel kann eine fehlende Extension im Hüftgelenk genannt werden, die zu einer Hal-
tungsveränderung im Sinne einer Beckenkippung mit Schwerpunktverlagerung nach
vorne führen würde. Somit muss die Rückenmuskulatur permanente Haltearbeit leisten
(Danner, Jakstat & Ahlers 2009, S. 5-9). Diese Fehlhaltung kann sich über die gesamte
Wirbelsäule hinweg bis zum Schädel auswirken, da sich der Thorax aufgrund der Be-
ckenstellung nach dorsal verschiebt, die Brustwirbelsäule also eher in Flexion steht und
sich die HWS somit kompensatorisch in Extension befindet, was sich wiederum auf die
Kieferposition auswirkt. Den Zusammenhang für den Einfluss der HWS-Stellung auf
die Mandibula sehen die Autoren in der Zusammenarbeit von hyoidaler Muskulatur mit
den Kopf- und Kieferbewegungen. Die posteriore Translation mit Inklination führt zu
einem Hervorschieben des Unterkiefers, während die anteriore Translation mit Reklina-
tion durch einen über die hyoidale Muskulatur ausgeübten Zug eine Rückverlagerung
auslöst (Danner, Jakstat & Ahlers 2009, S. 7). Die Ursachen für die Fehlstellungen der
HWS liegen zum einen in Erkrankungen, meist aber in Fehlhaltungen beim Sitzen, z. B.
bei der Arbeit, vor dem Computer oder anderen sitzenden Tätigkeiten. Somit kommt es
zu Blockierungen und Bewegungseinschränkungen des Kopfes sowie zu Funktionsein-
schränkungen der suboccipitalen Muskulatur, was wiederum zu Fehlhaltungen führt
(Danner, Jakstat & Ahlers 2009, S. 11). Untersuchungen zeigten, dass besonders Frau-
en, die am Computer arbeiteten, schon nach zwei bis drei Stunden Beschwerden im
Schulter-Nackenbereich bekamen und Kopfschmerzen sowie Müdigkeit angaben (Til-
scher 2013, S. 40). Die oben beschrieben Veränderungen der Halswirbelsäule und deren
Auswirkungen auf die Position des Kiefergelenks und die Stellung des Unterkiefers
können eine Störung im Kausystem zur Folge haben (Danner, Jakstat & Ahlers 2009,
S. 8).

29
Weiterhin zeigt sich der Zusammenhang auch in Behandlungsmöglichkeiten, da z. B.
die Studie von Groß (2009, S. 141) über den „Einfluss Manueller Therapie an der obe-
ren HWS auf die Schmerzempfindlichkeit der Kaumuskulatur bei CMD“ aussagt, dass
es eine Verbindung geben muss, da sich die Behandlung der HWS positiv auf die
Schmerzen im Kiefergelenk auswirkt. Allerdings muss beachtet werden, dass an dieser
Studie nur 20 Probanden teilnahmen, die aber randomisiert in eine Experimental- und
eine Kontrollgruppe eingeteilt und durch einen geblindeten Untersucher analysiert wur-
den. Die Experimentalgruppe bekam zweimal pro Woche eine 30-minütige Behandlung
der oberen HWS über einen Zeitraum von drei Wochen. Das Ergebnis war eine deutli-
che Erhöhung der Schmerzschwelle der Kaumuskulatur (M. masseter und M. tempora-
lis) bei einer Behandlung mit manualtherapeutischen Maßnahmen der oberen HWS bis
zum Segment C2. Dieses Ergebnis signalisiert, dass es sekundäre Veränderungen am
Kiefergelenk über das Einwirken auf die HWS geben muss, welche einen Zusammen-
hang der beiden Regionen indizieren (Groß 2009, S. 142ff).

Dem Zusammenhang von der HWS-Stellung bzw. der Körperhaltung und dem Kiefer-
gelenk widerspricht aber zum Beispiel eine der neuesten Studien von 2012. Weber et al.
(2012, S. 134) fanden in ihrer Studie keine Unterschiede der craniocervicalen Stellung
bei 71 Probandinnen. Die Frauen (nur weibliche Teilnehmer) wurden in zwei Gruppen,
einmal mit CMD und ohne CMD aufgeteilt und mittels einer kephalometrischen Analy-
se durch ein Röntgen in verschiedenen Kopfpositionen untersucht. Zudem wurde über
den Craniocervical Dysfunction Index (CCDI) und den Cervical Mobility Index (CMI)
die HWS-Funktion beurteilt. Durchgeführt wurde die Studie aufgrund der Annahme,
dass es einen Einfluss der craniocervicalen Stellung auf die Koexistenz von CMD und
HWS-Störungen gibt. Hypothesen besagen, dass eine anteriore Kopfhaltung in Bezie-
hung zu Nackenschmerzen durch eine Überlastung der Halsmuskulatur sowie zur CMD
durch die Veränderung der Condylenposition der Mandibula steht, was zu einer Über-
lastung des Art. temporomandibularis führt (Weber et al. 2012, S. 135f). In der Unter-
suchung wurden zwar keine Unterschiede in der HWS-Position gefunden, aber unter-
schiedliche Ausprägungen der HWS-Beschwerden, wie eine höhere Frequenz und mehr
Schmerzen bei der Gruppe mit CMD. Das bedeutet, dass auch wenn es nicht an der
Stellung der HWS liegt, es trotzdem eine Verbindung geben muss. Daher wird hier der
Zusammenhang von HWS-Störungen und CMD durch die Innervation des trigemino-
cervicalen Komplexes (wie vorangegangen beschrieben) und die Hyperalgesie der Pati-

30
entinnen mit CMD erklärt und nicht durch die HWS-Stellung (Weber et al. 2012,
S. 138).

Zudem findet auch das Review „Dental occlusion, body posture and temporomandibular
disorders: Where are we now and where are we heading for“ (Manfredini, Castroflorio,
Perenetti & Guarda-Nardini 2012, S. 463) keinen beständigen Zusammenhang zwischen
der Körperhaltung und der Bissstellung. Es wurde versucht, die Beziehung zwischen
Bissstellung und Körperhaltung, diesen beiden Themen und der CMD und die Aussage-
kraft der Untersuchungsmöglichkeiten darzustellen. In dem Review wird darauf hinge-
wiesen, dass sich zwar viele Studien und Autoren mit dem Thema beschäftigen, aber
neben den Beweisen, auch der Blickwinkel auf einen wechselseitigen Effekt zwischen
Kiefer (in diesem Falle der Bissstellung) und Kopf- bzw. Körperhaltung weitestgehend
fehlen. Die Autoren berufen sich darauf, dass jeglicher Beweis, der bis jetzt gefunden
wurde, zu gering ist, um aus einem klinischen Standpunkt als wichtig beurteilt zu wer-
den (Manfredini, Castroflorio, Perenetti & Guarda-Nardini 2012, S. 464f).

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es sehr viele Studien im Bezug auf die Zusammen-
hänge der Beschwerden im Bereich des Kiefergelenks und den Strukturen, die sich in
direkter Nachbarschaft befinden, wie die Kopfgelenke, die Halswirbelsäule und die um-
gebende Muskulatur, gibt. Auch Verbindungen zur Haltung des Kopfes und der Hals-
wirbelsäule werden häufig gezogen. Doch all diese Studien gelangen zu keinem eindeu-
tigen Ergebnis, da es auch Studien gab, die eine Zuordnung zwischen Kopf- und Hals-
wirbelsäulenhaltung und einer CMD im Unklaren lassen (La Touche et al. 2011, S. 49)
oder die nur eine ungenügende Aussagekraft haben. Das bestätigt auch das Review
„The Association Between Head and Cervical Posture and Temporomandibular Disor-
ders: A systematic Review” (Armijo Olivo et al. 2006, S. 9), welches die Verbindung
zwischen Kopf- und Halswirbelsäulenstellung und muskulärer oder intraartikulärer
CMD beleuchten soll. Dazu wurde eine Suche in den medizinischen Onlinedatenbanken
wie Pubmed, Medline und vielen mehr in allen Sprachen vorgenommen. Dies stellt eine
gute Ergänzung zu meiner Recherche dar, da ich mich auf deutsche und englische Stu-
dien aufgrund der Sprachkenntnisse beschränken musste, auch wenn leider nur ältere
Studien (1965 bis 2004) mit einbezogen wurden. Zwölf Studien wurden aufgrund der
Einschlusskriterien im Bezug auf die Methodik und Informationsqualität analysiert. Die
Autoren stellen alle von mir im Vorhinein genannten Möglichkeiten eines Zusammen-

31
hangs vor, wie der Einfluss der Kopfhaltung auf die Bissstellung und die CMD sowie
auf umliegende Strukturen. Zudem werden Auswirkungen auf die Stellung der Mandi-
bula und die Stellung von Kopf und HWS auf die CMD miteinbezogen. Dabei kommen
sie zu dem Ergebnis, dass es keine einheitliche Meinung gibt. Dieses Review soll eine
Übersicht geben und Forschungslücken aufdecken (Armijo Olivo et al. 2006, S. 9f).
Dabei wird deutlich, dass es zu wenig randomisierte, kontrollierte Studien mit geblinde-
ten Untersuchern gibt und eine klare Definition für die CMD geschaffen werden muss.
Adäquate Teilnehmeranzahlen müssen eingebunden sowie einheitliche Untersuchungs-
methoden geschaffen werden (Armijo Olivo et al. 2006, S. 13-19). Es wurde festge-
stellt, dass viele der Studien qualitativ unzureichend waren und die Ergebnisse mit gro-
ßer Vorsicht zu betrachten sind. Es ist demnach keine eindeutige Verbindung zwischen
Kopf- und HWS-Stellung und der CMD zu finden (Armijo Olivo et al. 2006, S. 21).

Das war auch mein Eindruck, den ich während meiner Recherche zu diesem Thema
bekommen habe. Es gibt unzählige Studien, in denen beschrieben wird in wie weit ein
Zusammenhang besteht, doch liest man am Schluss immer den Satz: Die Zusammen-
hänge sind unklar. Das heißt, es besteht eine Verbindung und es werden zwar logische
Vermutungen angestellt, doch diese bleiben leider auch nur Vermutungen, solange sie
nicht wissenschaftlich bestätigt wurden.

Aufgrund dieser Feststellungen, auch wenn man noch nicht definitiv weiß, welche Ur-
sachen dem zugrunde liegen, ist der Zusammenhang zwischen dem Kiefergelenk und
der HWS bzw. der gesamten Körperhaltung enorm wichtig. Speziell für die Therapie,
bedeutet dies, dass immer beide oder besser gesagt alle am Problem beteiligten Systeme
behandelt werden müssen. Denn auch wenn der Patient sich zunächst besser fühlt, ist
die Ursache nicht behoben und die Störungen werden immer wieder auftreten, wenn nur
ein Bereich des gestörten Systems behandelt wird.

5.2 Auswirkungen auf die medizinische und physiotherapeutische Be-


handlung

Aufgrund der im vorangegangenen Kapitel beschriebenen Wechselwirkungen ist die


Komplexität dieses Themas deutlich geworden. Das wesentliche Problem hierbei ist,

32
neben den noch unbekannten Ursachen für das Zusammenwirken der beiden Erkran-
kungen, dass viele Zahnärzte die CMD als Diagnose noch nicht verinnerlicht haben und
somit an falscher Stelle behandeln, da hierbei eigentlich zunächst eine physiotherapeuti-
sche oder orthopädische Behandlung erfolgen müsste, um nicht unnötig an den Zähnen
etwas zu verändern, da die Ursache ganz woanders liegt. Es müsste also zunächst ein-
mal interdisziplinär behandelt werden (Danner, Jakstat & Ahlers 2009, S. 8 u. 13). Auch
die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) hat dies
erkannt und daraufhin 2005 die Zuständigkeit der Zahnmedizin und Kieferorthopädie
auf den craniomandibulären Bereich ausgeweitet. Hierdurch werden die Therapie der
Muskulatur und der Nerven in der Kopf- und Schulterregion und deren funktionelle
Zusammenhänge und somit auch die CMD mit eingeschlossen (Risse 2007a, S. 3). In
den Leitlinien wird sogar darauf hingewiesen, dass Zahnbehandlungen durch die Ein-
wirkung auf die Okklusion sogar eine CMD auslösen können und auch wenn es noch
nicht bewiesen ist wie genau die Wirkzusammenhänge sind, der Zusammenhang beach-
tet werden muss (Risse 2007b, S. 3f). Dazu ist es notwendig, dass zum einen die Deut-
sche Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO) die Neudefinition umsetzt und zum
anderen Nachschulungen für die Ärzte geboten sein müssen (Risse 2007a, S. 5). Auch
müssen sich mehr Ärzte mit der Erkrankung der CMD auseinandersetzen, damit sie gut
behandelt werden kann. Viele Ärzte fühlen sich nicht verantwortlich, wenn es um den
Kiefer geht und andersherum sind viele Zahnärzte nicht so weit, die umliegenden Struk-
turen, wie die HWS mit einzubeziehen (Saha 2008, S. 419). Dies macht noch einmal
deutlich, dass die Interdisziplinarität sowohl zwischen Zahnärzten und Ärzten, als auch
zu den Physiotherapeuten, die bei Kiefergelenkstörungen, schmerzhafter Kaumuskula-
tur und auch bei Halswirbelsäulenproblematiken regulierend eingreifen können, von
enormer Wichtigkeit ist. Aber dazu müssen auch die Physiotherapeuten über die mögli-
chen Zusammenhänge der Krankheitsbilder Bescheid wissen, um an richtiger Stelle zu
behandeln.

Des Weiteren muss beachtet werden, dass es Unterschiede im Bezug auf das Geschlecht
bei Männern und Frauen gibt, die zwar nicht auf struktureller Ebene zu finden sind, sich
aber in den Einflüssen auf die Ursachen der Erkrankungen bemerkbar machen und so-
mit in die Behandlung mit einbezogen werden müssen. Das zeigt, dass ein geschlechter-
spezifisches Versorgungskonzept sinnvoll wäre.

33
6. Gender, Geschlecht und Gesundheit

Immer wieder taucht in der heutigen Zeit das Wort „Gender“ auf. Doch was bedeutet es
eigentlich und wie viel mehr verbirgt sich noch dahinter? Es ist wichtig in diesem Zu-
sammenhang auch auf den Einfluss in der medizinischen Versorgung sowie in der Phy-
siotherapie zu schauen. Die Fragen, die in diesem Kapitel zu beantworten sind, beziehen
sich auf den heutigen Kenntnisstand und in wie weit Konzepte, Behandlungen und The-
rapien auf die Unterschiede der Geschlechter sowohl im biologischen Sinne als auch
unter sozialen Aspekten abgestimmt sind.

6.1 Begriffsdefinition Geschlecht und Gender

„Sex“ (= Geschlecht) kennzeichnet das biologische Geschlecht, beschreibt demnach die


biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen und wird im Folgenden als
„Geschlecht“ betitelt, wohingegen „Gender“ als soziales Geschlecht oder als soziales
Konstrukt des Geschlechtes beschrieben wird. Dies beinhaltet Normen der Gesellschaft
und Rollenerwartungen (Kuhlmann & Kolip 2005, S. 13). Der Genderbegriff tauchte im
sozialwissenschaftlichen englischsprachigen Zusammenhang im Zuge einer Untersu-
chung der Sozialisation von Menschen mit fehlenden Geschlechtsmerkmalen in den
sechziger Jahren das erste Mal auf, um den Unterschied zwischen dem Geschlecht und
Gender im Bezug auf die Identität eines Menschen deutlich zu machen. Ein entschei-
dender Faktor in der Begriffsdefinition ist das Beständige des Geschlechtes im Gegen-
satz zur der Veränderbarkeit von Gender (Frey 2003, S. 31).

6.2 Geschlechterspezifischer Versorgungsbedarf

Der geschlechterspezifische Ansatz umfasst sowohl die biologischen Faktoren, also das
Geschlecht, als auch die sozialen Aspekte des Gender, welche zeit- und ortsabhängig
variieren. Diese Hintergründe, die in Kapitel 2. Frauengesundheit - Geschlecht und
Gender in Alltag und Beruf dieser Arbeit erläutert wurden, müssen in die Versorgung
mit einbezogen werden (Lorgelly 2006, S. 121), da es viele unterschiedliche Einfluss-
faktoren auf die Gesundheit und vor allem auch unterschiedlich belastende Faktoren für

34
Frauen und Männer gibt. Wie schon in Kapitel 2.3 Geschlechterrollen und Familie er-
wähnt, zeigt sich dieser Unterschied z. B. durch eine erhöhte Inanspruchnahme der
Frauen von Gesundheitsleistungen sowohl bei den Heil- und Hilfsmitteln (Waltersba-
cher 2011, S. 6; Kemper, Sauer & Glaeske 2012, S. 60) als auch bei den Arzneimitteln,
da Frauen (unter anderem durch vermehrte Arztbesuche) mehr Medikamente verordnet
bekommen als Männer (Glaeske, Schicktanz & BARMER GEK 2012, S. 15). Deshalb
ist die geschlechterspezifische Anpassung der Versorgung von Nöten und zudem mehr
Angebote, die für Männer ansprechend sind. Das Problem hierbei findet sich in der ste-
reotypen Versorgung für Männer und Frauen, die nicht berücksichtigt, dass die Inzidenz
für Krankheiten und die Erkrankungsschwere zwischen Männern und Frauen deutlich
variieren. Das führt zu einer auf das Geschlecht angepassten Versorgung aufgrund von
geschlechtsabhängigen Ursachen und Krankheitsverläufen (Kuhlmann & Kolip 2005,
S. 19).

Teilweise ist dieses Bewusstsein auch schon in der Gesellschaft verankert. Kuhlmann
und Kolip (2005, S. 12) stellen fest, dass die Relevanz einer geschlechterdifferenzierten
Gesundheitsberichterstattung im gesundheitswissenschaftlichen Kontext zu erkennen ist
und auch in der Politik, auf wissenschaftlichen Kongressen und in Publikationen ist der
Genderbegriff angekommen. So zielt auch der Schwerpunktbericht der Gesundheitsbe-
richterstattung des Bundes (Lademann & Kolip 2005, S. 11) darauf ab durch die Samm-
lung von Daten über die Versorgung der Geschlechter eine verbesserte Versorgung auf-
zubauen, die sowohl Männern als auch Frauen gerecht werden soll und auf ihre spezifi-
schen Bedürfnisse eingeht. Zudem können aus den gesammelten Daten zum einen Ge-
sundheitspotenziale der Geschlechter herausgearbeitet werden und zum anderen Präven-
tionsprogramme besser auf die Zielgruppen abgestimmt werden. Grundvoraussetzung
für solch eine Versorgung sind zunächst einmal die Daten der Gesundheitsberichterstat-
tung. Hier wurde in letzter Zeit der Fokus auf die Frauen gelegt, da von einer Benachtei-
ligung der Frauen im Bezug auf die Gesundheit ausgegangen wurde. Daraus entstand
2001 der erste Frauengesundheitsbericht für Deutschland (Lademann & Kolip 2005, S.
9). Dies blieb allerdings auch bis jetzt der Einzige. Vielleicht ist es aber auch wichtiger,
nicht nur die Frauen unter einem gesonderten Blickwinkel zu betrachten, sondern auch
die Männer mit einzubeziehen, um Unterschiede noch einmal deutlicher werden zu las-
sen. So stellt Maschewsky-Schneider (2004) bei einer Fachtagung in Berlin das Kon-
zept vor, welches von der „Frauengesundheitsberichterstattung zur genderbezogenen

35
Gesundheitsberichterstattung“ (Maschewsky-Schneider 2004) gehen soll. Wir brauchen
sowohl eine Frauengesundheitsforschung als auch eine Frauengesundheitsversorgung,
aufgrund des spezifischen Versorgungsbedarfs. Die Einflussfaktoren auf den Bedarf
wurden in dieser Arbeit vorangehend vorgestellt und werden von Maschewsky-
Schneider (2004) zusammengefasst als die Unterschiede zwischen Männern und Frauen
im Hinblick auf Krankheit, Arbeits- und Lebensbedingungen und die resultierende Le-
bensweise, körperliche und biologische Voraussetzungen und den Umgang mit Erkran-
kungen und belastenden Situationen. Somit müssen Daten gesammelt, die Unterschiede
herausgearbeitet und besonders Frauen betreffende Angelegenheiten im Hinblick auf
die Förderung der Gesundheit, die Prävention sowie die Therapie und Diagnosestellung
herausgefunden werden. Des Weiteren müssen Versorgungsangebote angepasst werden
und der Blick auf die Haus- und Familienarbeit mit einbezogen werden. Dabei müssen
sowohl Belastungen wie durch Erwerbstätigkeit und Familie als auch Ressourcen wie
Handlungsspielräume und Selbstbewusstsein berücksichtigt werden, um Forschungslü-
cken aufzudecken. Doch auch Männer haben einen spezifischen Bedarf in Versorgungs-
themen. Demnach sollte eher in die Richtung der geschlechtersensiblen Gesundheitsbe-
richterstattung gegangen werden, um sowohl Männer als auch Frauen mit einzubeziehen
und für jeden die passende Versorgung zu gewährleisten (Maschewsky-Schneider
2004). Seit April 2013 gibt es nun auch den ersten Männergesundheitsbericht, in dem es
vermehrt um die psychische Gesundheit der Männer geht, da die Versorgung der Män-
ner bis jetzt eher von dem internistischen Bereich geprägt war. Aber auch die Themen
Prävention und Gesundheitsangebote werden aufgegriffen (Stiftung Männergesundheit
o. J.), welche besonders wichtig sind, da dieser Bereich zumeist von Frauen genutzt
wird und demnach auch hier eine geschlechterspezifische Versorgung benötigt wird, um
Männer mehr in die Prävention einzubeziehen und sie mit den Angeboten anzusprechen
(Lademann & Kolip 2005, S.54).

Das Robert Koch-Institut berichtet regelmäßig durch die Gesundheitsberichterstattun-


gen des Bundes über die aktuelle Situation bezüglich der Gesundheit in Deutschland.
Dazu gibt es zum einen die Gesundheitsberichte für Deutschland sowie die GBE (Ge-
sundheitsberichterstattung) kompakt, welche vierteljährlich erscheint und aktuelle Daten
und Informationen präsentiert. Zum anderen erscheinen Beiträge zur GBE und The-
menhefte, in denen aktuelle Themen aufgegriffen werden, wie z. B. der Schwerpunktbe-
richt über die Gesundheit von Männern und Frauen im mittleren Lebensalter (Lademann

36
& Kolip 2005). Hier sind auch Berichte wie der DAK-Gesundheitsreport „Frauen-
Beruf-Familie“ zur Doppelbelastung (Nolting, Niemann & Schiffhorst 2001) zu nennen.
Auf der Seite des Robert Koch-Institutes werden die „Umsetzung einer geschlechtsdif-
ferenzierten Gesundheitsberichterstattung und Ausarbeitung von Vorschlägen und Emp-
fehlungen für geschlechtergerechte Gesundheitsberichterstattung und epidemiologische
Forschung“ (Ziese 2012) als Aufgaben der Gesundheitsberichterstattung beschrieben.

Auffällig ist auch das Verhalten gegenüber der Prävention von Männern und Frauen
und sollte somit im Blick auf den Versorgungsbedarf mit bedacht werden. Frauen neh-
men häufiger Früherkennungs- sowie Präventions- oder gesundheitsfördernde Maß-
nahmen in Anspruch (Lademann & Kolip 2005, S. 53). So nahmen laut einer Umfrage
14,7 Prozent der Frauen schon einmal an einer Rückengymnastik teil, doch nur 7,8 Pro-
zent der Männer haben solch eine gesundheitsfördernde Maßnahme besucht. Das liegt
einerseits an dem Gesundheitsverhalten der Frauen, andererseits aber auch an nicht be-
sonders attraktiven Angeboten für Männer (Lademann & Kolip 2005, S. 54f). Das be-
deutet im Umkehrschluss, dass hier ein neues Konzept entwickelt werden muss, wel-
ches sowohl Frauen als auch Männer anspricht, abgestimmt auf den Versorgungsbedarf.

Kolip und Altgeld (2009, S. 17) kritisieren, dass die Angebote bezüglich Gesundheit
und Prävention nicht auf die geschlechtsspezifischen Gesundheitsbedürfnisse angepasst
werden, das heißt es wird nicht das vom Geschlecht abhängige Gesundheitsverhalten
angesprochen. Schaut man sich die aktuellen Gesundheitsreporte der Krankenkassen
wie der DAK (DAK-Gesundheit 2013) oder der Techniker Krankenkasse (Techniker
Krankenkasse 2012) an, finden sich zwar Vergleiche zwischen den Geschlechtern und
dem Alter, aber es braucht noch wesentlich mehr, um eine geschlechterspezifische Ver-
sorgung zu gewährleisten und vor allem auch bei allen in den Köpfen zu verankern. Das
bestätigen Kuhlmann und Kolip (2005, S. 12), da auch sie der Meinung sind, dass sich
zwar schon viel verändert hat, aber es immer noch an der Umsetzung mangelt. Dies ist
allerdings notwendig, denn durch „die Berücksichtigung der Geschlechterperspektive
kann die Qualität der Versorgung und der Prävention verbessert werden“ (Lademann &
Kolip 2005, S. 90).

37
6.3 Gender und das Geschlecht in der Physiotherapie

In diesem Bereich stellt sich die Frage, in wie weit die Beachtung von gender- und ge-
schlechtspezifischer Behandlung in der Physiotherapie angekommen ist. Blicke ich auf
meine eigene Ausbildung, die ich vor zwei Jahren abgeschlossen habe zurück, kann ich
zwar feststellen, dass schon darauf hingewiesen wurde, dass auf soziale Einflüsse wie
z. B. Hobbies, Berufsstand und Kinder geachtet werden muss, doch ein geschlechter-
spezifischer Zusammenhang zu Erkrankungen oder Behandlungsmethoden wurde nicht
hergestellt.

Sucht man im Internet nach Büchern über Physiotherapie und Gender oder Geschlecht,
findet man relativ wenig und auch erst Literatur aus neuester Zeiten wie z. B. das Buch
„Women’s Health in Physical Therapy: Principle and Practices for Rehab Professio-
nals“ (Irion, J. M. & Irion, G. L.) von 2006. Versucht man sich also als Laie darüber zu
informieren, fällt es schwer geeignetes Material zu finden. Vieles wird nur im Zusam-
menhang mit Hochschulabschlüssen dargestellt wie beispielsweise die Homepage für
Gender Curricula für Bachelor und Master. Hier geht es um das Wissen der Studieren-
den und die Ziele des Studiums. Es soll bekannt sein, welche Rolle das Geschlecht in
unserem Therapiealltag spielt und die Fähigkeit gefördert werden, Studien und Befunde
unter gendersensiblen Aspekten zu analysieren. Zudem wird deutlich gemacht, wie
wichtig Geschlechterforschung für unseren Therapiealltag ist und welche Bedeutung die
geschlechtersensible Gesundheitsversorgung, wie Therapie- und Präventionsangebote
für beide Geschlechter und auch unter Einbezug der kulturellen und sozialen Hinter-
gründe, hat. Das alles ist in den Hochschulen in Deutschland angekommen und soll den
Studierenden vermittelt werden (Höppner 2011). Aber was ist mit den Physiotherapeu-
ten, die nicht akademisiert sind oder die schon Jahre in ihrem Beruf arbeiten?

Im April 2012 wurde das Buch „Gender - Unterschiede in der Orthopädie“, geschrieben
von Scheipl und Rásky im Facultas Verlag veröffentlicht. Darin enthalten ist ein Kapitel
über die Physiotherapie und die Relevanz von genderspezifischem Wissen für die Be-
handlung. So wird in diesem Buch befürwortet, Erkenntnisse über geschlechterspezifi-
sche Einflüsse in der Medizin zu haben wie das Schmerzempfinden (siehe Kapitel 2.1
Geschlechter und Schmerz), psychosomatische, hormonelle und biologische Unter-

38
schiede sowie typische Erkrankungen für ein Geschlecht. Auch hier wird beschrieben,
dass der Einbezug des Geschlechts in die physiotherapeutische Behandlung noch nicht
ausgereift ist und es noch viel zu erforschen gibt (Kozomara 2012). Das bestätigt auch
Höppner (2010, S. 527), indem sie anmerkt, dass z. B. in kulturwissenschaftlichen Krei-
sen und auch in der Medizin das Thema Geschlecht und die Unterschiede zwischen
Mann und Frau bereits existieren, in der Physiotherapie allerdings noch nicht viel dar-
über geredet wird. Sie stellt aber auch dar, wie wichtig der Einbezug individueller Be-
dürfnisse für die Behandlung ist und dass neueste Erkenntnisse praktisch von den Phy-
siotherapeuten umgesetzt werden müssen (Höppner 2010, S. 527). Zu den in dieser Ar-
beit bereits vorgestellten Einflüssen, die als Hintergrundwissen eine wichtige Rolle
spielen, kommen dann in der physiotherapeutischen Praxis weitere Faktoren wie die
Verordnungen der Patienten, die Art und Weise wie Beschwerden von Patienten aufge-
zeigt werden und der Umgang der Patienten mit der Erkrankung (Höppner 2010, S.
527), welche wiederum von dem Geschlecht abhängig sind und sich dadurch unter-
scheiden.

Seit 1999 gibt es die sogenannte International Organization of Physical Therapists in


Women’s Health (IOPTWH) (World Confederation for Physical Therapy 2013), die aus
Mitgliedern der World Confederation für Physical Therapy (WCPH) besteht und sich
besonders für die Gesundheit von Frauen interessiert. Das Ziel dieser Organisation ist
es, die Gesundheitsversorgung für Frauen international durch die Förderung und Unter-
stützung der besten Methoden in der Physiotherapie zu verbessern. Weitere Ziele sind
unter anderem die Förderung der Kooperation von Physiotherapeuten in der ganzen
Welt, die sich um die Belange der Frauen kümmern, diese Tätigkeit durch den Aus-
tausch von Informationen voranzubringen und die Forschung in dem Bereich anzuregen
sowie das erlangte Wissen zu verbreiten (International Organization of Physical Thera-
pists in Women’s Health 2013).

2006 fand in Berlin der erste Kongress statt, der sich mit dem Thema „Gender-Specific
Medicine“ beschäftigte (Grace 2006, S. 148). Die International Society of Gender Me-
dicine wurde auf diesem Kongress gegründet und kooperiert mit der Deutschen Gesell-
schaft für Geschlechtsspezifische Medizin e. V. (DGesGM). Diese weist darauf hin,
dass Frauen und Männer unterschiedliche Risikofaktoren im Bezug auf die Krankheits-
entstehung und den -verlauf haben, sowie unterschiedliche Behandlungsrisiken aufwei-

39
sen. Auch werden, wie bereits erwähnt, zum Beispiel Präventionsangebote unterschied-
lich wahrgenommen. Die Organisation plädiert dafür, dass die Angebote in Prävention
und Therapie auf die Geschlechter abgestimmt werden müssen (Deutsche Gesellschaft
für geschlechtsspezifische Medizin e. V. (DGesGM e. V. 2013).

Daraus lässt sich schließen, dass wir zwar auf dem Weg zu einem geschlechterspezifi-
schen Versorgungs- und Behandlungskonzept sind, das aber noch lange nicht bei allen
angekommen ist und auch vieles noch erforscht werden muss.

6.4 Ein geschlechterspezifisches Versorgungskonzept – ein Ausblick

Da ein geschlechterspezifischer Versorgungsbedarf besteht, dieser aber sowohl für


Frauen als auch für Männer nicht gegeben ist, da es immer noch eine Versorgung nach
Stereotypen gibt (Kuhlmann & Kolip 2005, S. 19), braucht es ein Konzept, welches auf
beide Geschlechter eingeht. Die in Kapitel 6.2 Geschlechterspezifischer Versorgungs-
bedarf genannten Gesundheitsberichterstattungen des Robert Koch-Institutes sind ein
wertvolles Instrument bezüglich der angestrebten Spezifizierung in der Gesundheitsver-
sorgung. Dies sind erste Schritte hin zu einem geschlechterspezifischen Versorgungsan-
gebot, jedoch braucht es noch wesentlich mehr, nämlich den Einbezug aller weiteren
sozialen wie geschlechtsabhängigen Variablen. So machen auch Lademann und Kolip
(2005, S. 10) in ihrem Schwerpunktbericht der Gesundheitsberichterstattung deutlich,
dass der Vergleich der Geschlechter nur ein Anfang für die geschlechterspezifische
Versorgung sein kann und noch weiter differenziert werden muss. So beziehen sie Ein-
flüsse wie den Erwerbsstatus und die Arbeitslosigkeit sowie arbeitsbedingte Belastun-
gen auf die Gesundheit und Familienarbeit mit ein. Des Weiteren werden die Lebens-
form und der sozioökonomische Status betrachtet und dies natürlich nicht nur für Frau-
en, sondern eben auch für Männer, das heißt unter dem Aspekt der geschlechterverglei-
chenden Gesundheitsforschung (Lademann & Kolip 2005, S. 10).

Frauen arbeiten vermehrt in typischen Berufen, die eher von Frauen dominiert werden.
So sind zwei Viertel der Arbeitnehmer in Büroberufen Frauen (Statistisches Bundesamt
2013). Daraus lässt sich der Rückschluss auf den höheren Anteil der Frauen bei dem
Krankheitsbild der HWS-Problematik ziehen, da das Sitzen in einer Fehlhaltung und

40
das Arbeiten mit dem Computer zu Beschwerden im Halswirbelsäulenbereich führen
kann. Das gilt natürlich auch für Männer, die in einem solchen Schreibtischjob arbeiten,
jedoch reagieren wie in Kapitel 5.1 Wechselwirkungen der Körperhaltung und des Kie-
fergelenks schon erwähnt, Frauen stärker auf solch eine Belastung. Hinzu kommt, dass
die betroffenen Personen keine Strategien zur Vermeidung der auftretenden Beschwer-
den kennen (Tilscher 2013, S. 40), was wieder zu der Notwendigkeit eines angepassten
Versorgungskonzeptes führt.

Um ein geschlechterspezifisches Versorgungskonzept entwickeln zu können, müssen


zunächst die Bedürfnisse und gesundheitlichen Probleme der Geschlechter identifiziert
werden. Darauf folgt dann die Entwicklung geschlechterspezifischer Angebote, wäh-
rend bestehende Maßnahmen auf ihre Effektivität geprüft werden müssen (Lademann &
Kolip 2005, S. 88). Hierfür muss unter anderem die Geschlechterperspektive sowohl in
die Leitlinien der Medizin als auch in die Studien der Forschung, in Weiterbildungen
der Ärzte und Physiotherapeuten sowie anderer Gesundheitsberufe und in die Erstellung
von Versorgungskonzepten Einzug finden (Kuhlmann & Kolip 2005, S. 90f). In der
Zahnmedizin ist die Deutsche Gesellschaft für geschlechterspezifische Zahn-, Mund-
und Kieferheilkunde e. V. (DGGZ) (o. J.) dafür verantwortlich, dass nun auch hier ge-
schlechterspezifische Bedürfnisse mit in die Behandlung einbezogen und erforscht wer-
den, um eine bessere Therapie zu gewährleisten.

Die betriebliche Gesundheitsförderung wäre im Bezug auf die Halswirbelsäule und die
Arbeit am Computer ein wichtiger Bestandteil der Prävention. Geht man demnach wäh-
rend der Arbeitszeit in die Betriebe, hat man theoretisch die richtigen Ansprechpartner,
da es alle betrifft, die dort arbeiten. Allerdings muss hierbei darauf geachtet werden,
dass das Angebot des Kurses auch für Männer ansprechend ist, damit nicht nur Frauen,
die eher dazu tendieren solche Gelegenheiten wahrzunehmen, daran teilnehmen. Somit
können den betroffenen Personen Maßnahmen an die Hand gegeben werden, Be-
schwerden, die durch das permanente Sitzen am Computer entstehen, zu vermeiden
bzw. ihnen entgegenzuwirken.

Der geschlechterspezifische Versorgungs- (und Präventions-)bedarf muss demnach er-


mittelt und Maßnahmen an die Zielgruppen angepasst werden. Dabei ist zu beachten,
dass die Maßnahmen auch die Lebensumstände beispielsweise von alleinerziehenden

41
Frauen mit Doppelbelastung berücksichtigen und es überhaupt möglich gemacht wird,
an solchen Maßnahmen teilzunehmen. Dazu gehören neben den medizinischen und
physiotherapeutischen Maßnahmen auch Faktoren wie die Kinderbetreuung, denn ist
diese nicht gegeben, kann auch eine Frau nichts für sich und ihre Gesundheit tun. So
können z. B. betriebliche Gesundheitsförderungskurse meist nicht nach dem Dienst be-
sucht werden, wenn zu Hause die Kinder oder zu pflegende Personen warten (Kuhl-
mann & Kolip 2005, S.80). Es muss also das angeboten werden, was auch wirklich ge-
braucht wird, wie für Frauen die Stressbewältigung oder die Bewegungsangebote zu
Zeiten, die eine berufstätige und Kinder versorgende Frau auch wahrnehmen kann.

Für die Physiotherapie bedeutet das Geschlechterthema, einem bewusst zu machen, wa-
rum wir behandeln, wie wir behandeln. Gibt es z. B. Unterschiede in der Herangehens-
weise bei männlichen und weiblichen Patienten? Was ist also typisch weiblich oder ty-
pisch männlich und trifft das auf den Patienten, den man vor sich hat, zu? Es müssen
sowohl die Bedürfnisse der Patienten, als auch ihre Ressourcen wie Bewältigungsstrate-
gien und die Lebensumstände in die Behandlung mit einbezogen werden. Des Weiteren
spielen neben den körperlichen Voraussetzungen auch noch soziale Einflüsse, wie Ein-
stellungen und Erfahrungswerte, eine Rolle. Im Groben bedeutet das als ersten Schritt
die Wahrnehmung der Unterschiede und diese verständlich zu machen (Höppner 2010,
S. 528ff).

Bezieht man nun diese Gegebenheiten auf die Erkrankungen der HWS und die CMD,
zeigt sich durch den erhöhten Frauenanteil bei den Erkrankungen ein spezifischer Ver-
sorgungsbedarf. So muss für Frauen ein Angebot vorhanden sein, welches gezielt auf
die Probleme der Halswirbelsäule und des Kiefergelenks bzw. der Vorbeugung der Ent-
stehung von Problemen in diesen Bereichen wirkt. Es gibt beispielsweise Studien, die
versuchen aufgrund des Einwirkens von Hormonen auf den Schmerz bei Frauen mit
einer CMD Behandlungsmethoden zu finden, die Frauen helfen in ihrem Zyklus besser
mit der CMD umgehen zu können (Turner et al. 2011). Zudem ist eine Tertiärpräventi-
on ebenso notwendig, die dem Patienten hilft dem erneuten Auftreten der Erkrankung
oder einer weiteren Verschlimmerung entgegenzuwirken. Dafür ist es wichtig die Zu-
sammenhänge der einwirkenden Faktoren aufzuzeigen, wie z. B. Hormone, Stress oder
familiäre Belastungen und es dem Patienten zu ermöglichen, diese in Bezug zu seiner

42
Erkrankung zu setzen, sodass Verhaltensweisen und Stresssituationen verändert bzw.
vermieden werden können.

7. Diskussion

Ziel dieser Arbeit war es zunächst die Zusammenhänge zwischen der Halswirbelsäule
und dem Kiefergelenk bzw. den Erkrankungen in diesen Bereichen darzustellen und die
Evidenz dafür aufzuzeigen, unter dem Beweggrund, dass viele Menschen unter den
Krankheitsbildern leiden. Um diesen Menschen besser helfen zu können sowohl die
Krankheit zu bekämpfen als auch ihr vorzubeugen, sollten die Faktoren, die Einfluss auf
die Erkrankungen haben, dargestellt und geschlechterspezifisch analysiert werden. Dass
es einen Zusammenhang zwischen den beiden Bereichen gibt, ist nicht zu bestreiten.
Wie dieser zustande kommt, ist allerdings noch unklar. Trotz vieler Studien in diesem
Bereich, sind sich die Forscher zwar einig, dass die Halswirbelsäule und die gesamte
Haltung auf das Kiefergelenk einwirken und umgekehrt, welche Ursachen dem jedoch
zugrunde liegen, bleibt weiterhin ein umstrittener Punkt. An dieser Stelle braucht es
noch wesentlich mehr Forschung, um eine eindeutige Aussage machen zu können. Das
bedeutet für die Behandlung, dass schon das Wissen um den bestehenden Zusammen-
hang enorm wichtig ist und wie z. B. von Oliver Ahlers in die zahnärztliche Behandlung
mit einbezogen werden muss, auch wenn die Ursachen, ob nun durch die Stellung der
Wirbelsäule oder durch nervale Zusammenhänge, noch ungeklärt sind. Die Interdis-
ziplinarität ist hier also ein entscheidender Faktor für eine Verbesserung der Behand-
lung und nicht nur Zahnärzte und Ärzte, sondern auch Physiotherapeuten müssen daran
beteiligt sein. Deutlich wurde bei der Bearbeitung dieses Themas aber auch, dass erst
einmal die Grundlagen bekannt sein müssen und das Wissen um die craniomandibuläre
Dysfunktion und auch die Verbindungen zur Halswirbelsäule und dem Rest des Körpers
verbreitet werden müssen. Es sollten Richtlinien erstellt und gezielte Fortbildungen ein-
geleitet werden, denn wenn nicht einmal das Grundwissen vorhanden ist, kann sowohl
im ärztlichen als auch im physiotherapeutischen Bereich keine optimale Behandlung
erfolgen. Des Weiteren haben die Erkrankungen im Bereich der Halswirbelsäule und
des Kiefergelenks einen besonderen Stand im geschlechterspezifischen Zusammenhang,
da es zahlreiche Einflussfaktoren gibt, die vom Geschlecht abhängig sind. Hierbei han-
delt es sich nicht nur um biologische Faktoren, wie Hormone oder ein unterschiedliches

43
Schmerzempfinden von Männern und Frauen, sondern eben auch um soziale Einflüsse,
wie Familie, Kinder und die Rolle und Anerkennung in der Gesellschaft. Frauen haben
zudem häufiger psychosomatische Symptome als Männer, was an einer tatsächlich stär-
keren Reaktion auf Belastung oder auch an der unterschiedlichen Wahrnehmung und
Berichterstattung von Frauen liegen kann. Diese psychosomatischen Prozesse müssten
insgesamt viel mehr Beachtung in der Behandlung finden. Das führt zu einer unter-
schiedlichen Ausprägung der Erkrankung bei Männern und Frauen und sollte in die Un-
tersuchung und Behandlung mit einbezogen werden. Daraus folgt die Notwendigkeit
einer geschlechterspezifischen Versorgung aufgrund eines vom Geschlecht abhängigen
Versorgungsbedarfs. Da diese Erkenntnisse weitestgehend noch nicht fest in der medi-
zinischen und physiotherapeutischen Gesellschaft verankert sind, ergibt sich an dieser
Stelle ein ganz wichtiger Ansatz, an dem weiterhin geforscht werden muss und der vor
allem einen großen Bedarf an der Verbreitung und Umsetzung im Gesundheitswesen
hat. Weiterer Forschungsbedarf besteht im Bezug auf die craniomandibuläre Dysfunkti-
on. Es bedarf zunächst einer einheitlichen Definition, aber auch im geschlechterspezifi-
schen Zusammenhang bleiben, beispielsweise im Bezug auf die Hormone des weibli-
chen Zyklus, noch Fragen offen. Zudem müssen auch andere Symptome wie Tinnitus
oder Kopfschmerzen in diesem Kontext beleuchtet werden, da auch sie häufig mit den
Krankheitsbildern der Halswirbelsäule und des Kiefergelenks einher gehen.

8. Schlussfolgerung

Mit dieser Arbeit soll deutlich werden, dass es noch weitere Forschung braucht, um den
offensichtlich bestehenden Zusammenhang zwischen Halswirbelsäulenproblematik und
craniomandibulärer Dysfunktion zu erklären und zu beweisen. Es gibt zwei Ansätze in
den heutigen Studien, die sich zum einen auf eine Erklärung durch die Wirbelsäulenstel-
lung und deren Auswirkung auf das Kiefergelenk, zum anderen aber auch auf eine ner-
vale Komponente über den trigeminocervicalen Komplex beziehen. Daraus wird ein
Bedarf an intensiverer Forschung in diesem Gebiet deutlich. Es existieren verschiedene
biologische und vor allem auch soziale Einflussfaktoren für Männer und Frauen, viel-
leicht noch weitaus mehr als die hier aufgeführten wie Stress, Kinder, Arbeitsbelastung
oder Hormone und Schmerz. Der Einbezug dieser Faktoren ist essentiell für eine opti-
male Versorgung sowohl in ärztlicher als auch in physiotherapeutischer Hinsicht. Es

44
braucht aus dem aktuellen Stand des Versorgungsbedarfes folgend ein geschlechterspe-
zifisches Konzept, denn wie an dem Beispiel zur Halswirbelsäule und der craniomandi-
bulären Dysfunktion deutlich geworden ist, gibt es viele Einflussfaktoren, die sonst
nicht berücksichtigt werden, für die Verbesserung und Vorbeugung der Erkrankungen
aber eine tragende Rolle innehaben. Hinzu kommt die erhöhte Erkrankungsrate der
Frauen bei diesen Krankheitsbildern, die darauf schließen lässt, wie wichtig eine an die
Geschlechter angepasste Versorgung wäre. Jedem dieser Bereiche, seien es die Einfluss-
faktoren, die geschlechterspezifische Bedeutung der Erkrankungen oder das Versor-
gungskonzept, sollte demnach noch intensiver und tiefgründiger nachgegangen werden.
Diese Thematik ist sehr komplex und bedarf weiterer Aufmerksamkeit, auch durch Ba-
chelorarbeiten.

45
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55
Anhangsverzeichnis

Anhang 1: Die Halsmuskulatur ………………………………………………………..57

Anhang 2: Suprahyoidale Muskulatur………………………………………………….57

Anhang 3: Übersicht der Kaumuskulatur………………………………………………58

Anhang 4: Kaumuskulatur……………………………………………………………...58

Anhang 5: Emailverkehr Franzius, G. …………………………………………………59

56
Anhang

Anhang 1:

Tab. 1 Die Halsmuskulatur. (Zalpour 2006, S. 325)

Anhang 2:
Muskel Verlauf
M. digastricus Proc. mastoideus  Os hyoideum und
Innenseite der Mitte der Mandibula (zwei
Anteile)
M. stylohyoideus Proc. mastoideus  Os hyoideum
M. mylohyoideus Innenrand der Mandibula  Os hyoideum
M. geniohyoideus Mitte des Os hyoideum  Mitte der Man-
dibula
Tab. 2 Suprahyoidale Muskulatur. (in Anlehnung an Zalpour 2006, S. 330)

57
Anhang 3:

Tab. 3 Übersicht der Kaumuskulatur. (In Anlehnung an Zalpour 2006, S. 336)

Anhang 4:

Abb. 4 Kaumuskulatur: links oberflächliche, rechts: tiefe Schicht. (Zalpour 2006, S.


336)

58
Anhang 5:
Anhang Emailverkehr Franzius, G. (2013):

Am 18.01.2013 13:52, schrieb Franzius Georgia (Ref. MdB Künast):


Sehr geehrte Frau Frank,

im Namen von Renate Künast danke ich für Ihre Anfrage.

Mit dem Zitat "Frauen haben die Familie im Nacken, Männer haben die
Familie im Rücken" hat Renate Künast mit einem Augenzwinkern die viel-
fache Lebensrealität von Familien in Deutschland beschrieben: Während
viele Männer einen Vollzeitjob mit hohem Arbeitseinsatz nur machen
können, weil sie von ihrer Familie/Ihrer Frau "den Rücken freigehalten
bekommen" sind Frauen als Mütter, die einer Berufstätigkeit nachgehen
und gleichzeitig noch für Kinder und Haushalt zuständig sind, häufig
großem Stress ausgesetzt - sie haben sprichwörtlich "die Familie im
Nacken"
Ich hoffe, Ihnen mit den Ausführungen weiterhelfen zu können.

Mit freundlichen Grüßen


Georgia Franzius

- - -

Georgia Franzius

Referentin der Fraktionsvorsitzenden


Renate Künast
Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag
Platz der Republik 1
11011 Berlin

Raum JKH 1.542

Tel: ++49-(0)30-227-71918
Fax: ++49(0)30-227-76913

georgia.franzius@gruene-bundestag.de

www.renate-kuenast.de

59
Erklärung

Ich erkläre, dass ich die Bachelor-Arbeit selbstständig verfasst und keine
anderen als die angegebenen Hilfsmittel und Quellen benutzt habe.

Ich bin einverstanden, dass meine Bachelor-Arbeit in der Bibliothek bereit-


gestellt wird.

Berlin, den

Datum, Unterschrift