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Bei Illner geht die Versetzung der SED in den Demokratie-

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14. Februar
2020

Von Stephan Paetow

Fr, 14. Februar 2020


Wer das nun sein könne, wollte Maybrit Illner bereits
heute klären und hatte daher von der CDU den
Saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans
sowie den Junge-Union-Chef Tilmann Kuban
eingeladen. Beide sind auf ihre Weise bereits
Nutznießer der CDU-Führungskrise, die mit Merkels
Grenzöffnung begann und schließlich die CDU zerriss.
Der berufslose Studienabbrecher Hans wurde wegen
guter Führung als Nachfolger ins Saarland-Amt von
Annegret Kramp befördert. Und Tilman Kuban folgte als JU-Chef auf Paul Ziemiak, der als
Dank für den Verrat an der Jungen Union, die eigentlich mehrheitlich Friedrich Merz als
Parteichef wollte, von AKK zum Generalsekretär der Partei aufstieg.

Tobias und Tilman wichen geschmeidig der Frage nach den Kandidaten aus, sie können
beide bei der Wahl zwischen Alaaf, Helau und Ojeminé auf die Schnelle nichts gewinnen.

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Warum saß SPD-Halbchef Norbert Walter-Borjans am Tisch? Vielleicht als
abschreckendes Beispiel. Denn die CDU hatte sich mit Blick auf die SPD schnell
entschieden, auf einen Wahl-Wanderzirkus zu verzichten – auch wenn sie damit die
Chance vertut, auf diese Art frische Kräfte aus den Tiefen ihres Parteiarchivs und den
unteren Sedimenten der Union an die Spitze zu befördern.

Wahrscheinlich aber war Walter-Borjans als Fürsprecher der Linkspartei geladen – seit
Monaten versucht Illner dem TV-Publikum einzureden, dass die SED ein ganz harmloser
Verein sozialistischer Lausbuben sei und, wie in Thüringen, die volle Unterstützung der
CDU verdiene. Da gaben sich die zwei von der Union aber bockig, so sehr die rote Katja
Kipping von der SED auch die Fakten verdrehte („Merz will mit der AfD“) und ihr Begleiter
Borjans ohne rot zu werden assistierte: „Bodo Ramelow steht für die Verteidigung der
Demokratie“.

Robin Alexander von der Welt wusste auch nicht viel zu sagen, außer dass das doch
Pappkameraden seien, die tagsüber etwas beschließen und dann ruft Merkel den
Ramelow an und alles ist anders. Für Merz seien übrigens die meisten Mitglieder der CDU
(also werden die nicht befragt), die Berliner Szene stehe auf Spahn und Laschet mit
seiner „rheinisch harmlosen Art“ wäre der Joker.

Mit Sabine Kropp wurde dann noch eine Polit-Professorin der Freien Universität Berlin
(da wo es die Franziska-Giffey-Promotionen gibt) aufgefahren, die aber auch nur die
Erkenntnis beisteuern konnte: Merz und Merkel, dass seien dann zwei
Gravitationszentren.

Also sprach man eine gepflegte halbe Stunde lang über die AfD. Ein „Nazi” und „Faschist”
sei der Höcke, zitierte der gelehrige Musterschüler Hans seine Partei-Vorgesetzten,
Tilman Kuban benahm sich anständiger, er hielt zwar an der „Brandmauer“ fest, aber
beließ es dabei. Illner wollte dann die Werteunion und Hans-Georg Maaßen aus der
Union entfernen lassen, aber da musste Robin Alexander doch dazwischen gehen.
Maaßen sei ein hochverdienter Staatsbeamter, sogar von einem SPD-Minister ins Amt
gesetzt, und Tilman Kuban, dem wir an dieser Stelle eine große Zukunft bei der CDU
prophezeien, machte klar, dass Wertkonservative selbstverständlich ihren Platz in der
Union haben.

Robin Alexander zeigte schließlich auf Österreich, wo man Klima- und Grenzschutz, Grün
und Schwarz, gut miteinander kombiniere. Aber dazu braucht es einen Sebastian Kurz.
Und die Union hat nur Laschet, Spahn und Merz, die alle drei nicht verstanden haben,
wie die Stimmung im Land wirklich ist. Denn in der CDU herrscht wohl offensichtlich die
Ansicht von Tobias Hans zur „Flüchtlingskatastrophe”: Wir haben zu wenig diskutiert.

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