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Originalveröffentlichung in: Sudan. Festschrift Steffen Wenig (Nürnberger Blätter zur Archäologie: Sonderheft 1999), Nürnberg 1999, S.

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Die Frau im antiken Sudan

Angelika Lohwasser

„Die Frauen beherrschen jenes Äthiopien, von


denen auch die Kandake gemäß der Nachfolge eine
und deren Eunuch der Schatzmeister der königli­
chen Magazine war. Man sollte wissen, daß die
Äthiopen die Mutter eines jeden Königs Kandake
nennen, da die Äthiopen den Vater nicht zeigen,
sondern sie geben sie an, als wären sie die Söhne
der Sonne. Die Mutter eines jeden nennen sie Kanda­
ke'. "

Bei den antiken Autoren findet man i m m e r


wieder Erstaunen ü b e r d i e Frauen im antiken Sudan
ausgedrückt. Die Hinweise auf die Kuschitinnen
betreffen das Andere, Unbekannte, mit dem die
Gebildeten der griechischen und römischen Welt
konfrontiert wurden und das nicht mit den ihnen
bekannten Sozial­ und Vcrhaltensstrukturen zu ver­
gleichen war. So ist die nicht­patrilineare Erbfolge
Gegenstand der Schilderung bei Nikolaus von Da­
maskus: „Die Äthiopen verehren ganz besonders
ihre Schwestern, und die Könige überlassen sehr
oft die Nachfolge nicht ihren eigenen Kindern,
sondern den Kindern ihrer Schwestern. " oder die
Besonderheit der regierenden Königin bei Strabo
(Geogr. XVII 1, 54):,, Unter ihnen waren auch die
Anführer der Königin Kandake, die in der neuesten
Zeit über Äthiopien herrschte, ein mannhaftes Weib,
die an einem Auge blind war. " und Eusebius (H.E.
I I I ) , , . . . denn noch heute wirdjenes Volk auf Grund
einer alten Sitte von einem Weibe regiert. "

Sind all diese Erzählungen Phantasien, die ei­


n e m fernen, unbekannten Land angedichtet wer­
den? O d e r ist zumindest ein Körnchen Wahrheit
enthalten? U m zu einer realistischeren Einschät­

Abb. 1 Figürchcn: 1. A­Gruppe, Site 277: 16 B in


Untemubien; 2. C­Gruppe, Aniba N, Grab 677
(Zeichnung von Hofmann).
Abb. 2 Tributszene aus dem Grab des Huj.
jfi im im im im im irrr~jL

zung der Rolle der Frau im antiken Sudan zu kom­ V:'


men, muß man archäologische und schriftliche r
Quellen zur Untersuchung heranziehen.
A u-
Für die Zeit bis zur kuschitischen Herrschaft der
25. Dynastie in Ägypten wissen wir bis jetzt nur von :1
archäologischen und keinen inschriftlichen Quel­
#
len. Aus der napatanischen Periode des Reiches
I

m
von Kusch stammen eine Reihe von Stelen und
Inschriften, die ein Bild zumindest der königlichen
Frauen geben. Allein für diese Periode stehen uns
inhaltsträchtige Inschriften zusätzlich zu den ar­
chäologischen Quellen zur Verfügung. Aus der
darauffolgenden meroitischen Periode sind wie­
derum vor allem die archäologischen Quellen zu Familien oder Völkern zu sichern, ist das Ziel von
nutzen, an Inschriften können nur die Totenstelen vielen Festen und Ritualen. Ein Symbol dieser
mit den Nennungen der Eltern in die Untersuchung weiblichen Fruchtbarkeit sind auch die kleinen
einbezogen werden. Frauenfigürchen, die in den nubischen Gräbern
gefunden wurden. Auch noch in späterer Zeit sind
diese Idole in Gräbern belegt, sie sind jedoch nicht
/. Die frühe Zeit: A- und C-Gruppe, Reich von mehr so stilisiert und ohne Tätowierungen gestal­
Kerma und das ägyptische Neue Reich tet.

Seit der A­Gruppe (ca. 3400­2800 v. Chr.) sind Gerade in den afrikanischen Kulturen erlangt
kleine Figürchen von Frauen aus Gräbern bekannt 2 . die Fruchtbarkeit der Frauen einen viel höheren
Diese Idole zeigen einen stark stilisierten Frauen­ Stellenwert als bei anderen, oft weiter entwickelten
körper; der Kopf ist als Kugel, die Gliedmaßen als Kulturen. Schon der Unterschied zwischen dem
Stummel geformt. Brüste und Hüften sind jedoch antiken Sudan und dem benachbarten Ägypten ist
füllig und oft detailreich wiedergegeben. Das bemerkenswert. Genießt die ägyptische Frau im
Schamdreieck ist mit Punkten und Linien gekenn­ Vergleich zu der in der griechisch­römischen Welt
zeichnet. Außerdem haben einige Figürchen noch noch mehr Freiheiten und erlangt vor dem Gesetz
weitere Einritzungen auf Hüften, Oberschenkel und nahezu eine Gleichstellung, so lebt sie doch in einer
Gesäß, die vielleicht als Tätowierungen zu deuten patrilinear organisierten Gesellschaft 5 . Im antiken
sind (Abb. 1). Diese in reicher Zahl in A­ und C­ Sudan ist zumindest in späterer Zeit ein nicht zu
Gruppen­Gräbern sowie selten in Kerma gefunde­ unterschätzender Einfluß der Frauen auf König­
nen Figürchen werden in der Literatur meist als tum, Religion und Gesellschaft nachzuweisen. In
Fruchtbarkeitsidole bezeichnet 3 . Oft wird auch die diesen frühen Perioden müssen wir uns jedoch mit
These vertreten, daß es sich bei diesen Figürchen der Feststellung, daß die Frauen aufgrund ihrer
um eine magische Sicherung des Lebens nach dem Fruchtbarkeit besonderes Ansehen genossen, zu­
Tod handelt. Diese Idole ­ Frauen mit großen friedengeben.
Brüsten und ausladenden Hüften (steatopyg) - sind
nicht nur im Mittelmeerraum, sondern auch in an­ Nach Hofmann 6 gehören diese Frauenfigürchen
deren frühen Kulturen zu finden 4 . Die Macht der in die „erotische Sphäre". Da die Figuren v.a. in
Frauen war immer schon die Möglichkeit, Leben Frauen­ und Mädchengräbern gefunden wurden,
geben zu können, Kinder zu bekommen. Diese sieht sie einen Zusammenhang mit der im Ostmit­
Fruchtbarkeit zu bewahren, das Weiterleben von telmeerraum belegten „Großen Göttin". Für die

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vormeroitische Zeit kann sie, da keine einheimi­ „versklavte" Stellung der Frau schließen. Als M e n ­
sche Theologie nachgewiesen ist, den Z u s a m m e n ­ schenopfer sind genauso auch M ä n n e r oder ganze
hang zur „Großen Göttin" nicht belegen, in der G ruppe n von Menschen belegt. Die Gesellschafts­
meroitischen Zeit m ö c h t e H o f m a n n sie mit der struktur von K e r m a ist weitgehend unbekannt; aus
erotisch­agressiven Göttin identifizieren. Sie soll welchen Gründen gewaltsam getötete Menschen
durch den Kontakt mit Ä g y p t e n nach Nubien einge­ Verstorbenen in die Gräber mitgegeben wurden,
führt worden sein, auch nubische Söldner in Vor­ kann nicht m e h r nachvollzogen werden.
derasien bzw. Asiaten in Nubien brachten diese
Vorstellungen in den antiken Sudan 7 . Im Neuen Reich tritt uns die nubische Kultur
stark ägyptisiert gegenüber. Einheimische K o m p o ­
Leider hat man aus dieser frühen Zeit noch keine nenten sind nur schwer auszumachen. Jedoch gibt
Zeugnisse, welche Rolle die Frauen im Sozialgefü­ es Darstellungen von Nubierinnen in Ägypten, die
ge oder bei der Herrschaft der Häuptlinge spielten. sie mit ihrer einheimischen Tracht zeigen. Die
Sicherlich waren sie vor allem mit der Haushalts­ Nubierinnen sind entweder Dienerinnen in Häu­
f ü h r u n g und den damit verbundenen A u f g a b e n wie sern von höhergestellten ägyptischen Familien ­
z.B. der Keramikherstellung betraut. Doch konkre­ eine Reihe von Dienerinnenfigürchen mit negro­
te Aussagen können nicht getroffen werden. iden Zügen und leichter, einheimischer Bekleidung
weisen darauf hin ­ oder sie sind im Z u s a m m e n ­
In K e r m a wurden M e n s c h e n o p f e r in Gräbern hang mit Feldzügen nach Nubien und Tributbrin­
gefunden 8 . Häufig fand man Frauen als O p f e r b e ­ gern auf T e m p e l w ä n d e n oder in Gräbern darge­
stattungen in Männergräbern, auch Kinder wurden stellt. Meist sind sie mit einer Reihe von Kindern,
ge w alts am getötet und Verstorbenen beigegeben. die sie gelegentlich in einem K o r b am Rücken
Lange w u r d e geglaubt, daß die geopferten M e n ­ tragen, gezeigt. Auch hier sieht m a n also wieder
schen Sklaven aus anderen Gebieten des Reiches den Hinweis auf die Fruchtbarkeit der Frauen;
waren, doch wurden auch Gräber g e f u n d e n , in Ägypterinnen werden viel seltener so eng mit Kin­
denen sich die genetischen Strukturen der darin dern verbunden dargestellt.
Bestatteten sehr ähnlich waren, es sich also um
Familien handelte. Die am meisten belegte Form Ein besonderes V o r k o m m e n einer Nubierin soll
von Bestattungen in K e r m a sind Gräber mit einem noch erwähnt werden: Im G r a b des Huj, d e m Vize­
männlichen Verstorbenen, d e m eine Frau als M e n ­ könig von Kusch unter d e m Pharao T u t a n c h a m u n ,
schenopfer beigegeben wurde. Doch davon sollte wird eine Reihe von nubischen Fürsten und Tribut­
m a n nicht gleich auf eine stark untergeordnete, bringern gezeigt (Abb. 2 f . Hinter den ersten, in

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V e r e h r u n g auf die Knie g e s u n k e n e n Fürsten, wird e i n g e w e b t e n Streifen verziert), m a n c h m a l eine
eine hochrangige Nubierin, vielleicht eine Prinzes­ Schärpe, und fast i m m e r das hinter den Beinen
sin, dargestellt. Sie ist nicht, wie sonst üblich, mit h e r a b h ä n g e n d e kleine Schwänzchen, das ich als
d e m einheimischen G e w a n d (wadenlanger Rock) unter das Knie g e b u n d e n e n F u c h s s c h w a n z inter­
und Kindern gezeigt, sondern sie trägt ägyptische pretieren möchte. A u ß e r Accessoires wie Armrei­
Kleidung und ist festlich geschmückt. Hervorzuhe­ fen oder Halskragen findet man auch m a n c h m a l
ben sind die beiden an den Ellenbogen g e b u n d e n e n Sandalen, fast i m m e r j e d o c h eine Krone oder ande­
Tierschwänze, ein Zeichen für Nubier. Hinter einer ren K o p f p u t z . Die häufigste Krone sind die zwei
G r u p p e von ebenfalls ägyptisch gekleideten Nubi­ Federn mit Sonnenscheibe und Kuhgehörn (in den
ern wird eine weitere D a m e in einem Wagen, der Proportionen j e d o c h anders als die ägyptische Kö­
von Rindern gezogen wird, gefahren. Sie ist eben­ niginnenkrone), die die N ä h e zu Isis (in Ägypten
falls ägyptisch bekleidet und geschmückt. Auf dem eher Hathor) andeutet. Die Darstellung der Tracht
K o p f trägt sie einen Federschmuck von enormer des Königs orientiert sich doch sehr an ägyptischen
Größe. Hinter dem W a g e n folgt eine Reihe von Vorbildern, wobei aber verschiedene kuschitische
g e f a n g e n e n Männern, die durch P h y s i o g n o m i e und Merkmale 1 2 auch die Königstracht unverwechsel­
Tracht als Nubier gekennzeichnet sind. Zuletzt ist bar machen. Viel „unägyptischer" als der König
eine Nubierin in ihrem typischen A u s s e h e n mit erscheint uns die Königin: Abgesehen von der
Kindern an der Hand und im Buckelkorb gezeigt. Geierhaube, der Z w e i ­ F e d e r k r o n e und der Z w e i ­
Federkrone mit Sonnenscheibe und H a t h o r g e h ö m
(letztere wird bereits in frühnapatanischer Zeit ver­
//. Die napatanische Periode des Reiches von ändert und „meroitisiert" dargestellt) findet m a n so
Kusch1" gut wie nichts Ägyptisches an der Tracht 1 3 . Die
Darstellung der Frau in der kuschitischen Tracht
Nach der Dritten Zwischenzeit erstarkt südlich tritt sowohl in Ä g y p t e n als auch in Nubien auf, bei
von Ägypten das Reich von Kusch. Die Herrscher königlichen und privaten Frauen. Das zeigt, daß
dehnen ihren Einflußbereich nach Norden aus, mit nicht nur die Königinnen, sondern auch die Privat­
d e m König S c h a b a q o begründen sie die 25. Dyna­ personen ihrer Tradition verhaftet blieben.
stie (ca. 760­656 v. Chr.) in Ägypten. Seit der Zeit
des Vorgängers von Schabaqo, Piye, geben eine
Reihe von schriftlichen Zeugnissen Kunde vom Titel und Epitheta
kuschitischen Königtum. Aus diesen Schriften und
aus den Darstellungen und Beischriften in den Titel können einen A u f s c h l u ß über die Stellung
T e m p e l n der Zeit sind viele Informationen über die der Person in der Gesellschaft geben. Epitheta da­
Frauen, allerdings nur über die königlichen, zu gegen sind lobende Beiworte, die besondere Eigen­
ziehen. In einzelnen Abschnitten soll nun das, w a s schaften wie den Liebreiz der Frau hervorheben.
über die königliche Frau der 25. Dynastie und Diese Epitheta sind ursprünglich Beiworte von
napatanischen Zeit aus diesen Quellen zu erfahren weiblichen Gottheiten, die j e d o c h schon früh von
ist, vorgestellt werden. königlichen Frauen, ab dem Mittleren Reich auch
von Privatfrauen ü b e r n o m m e n wurden.

Die Tracht W ä h r e n d in der napatanischen Frühzeit königli­


che Frauen wenige, aber unterschiedliche Titel tra­
Durch die Untersuchung der Darstellung der gen, sind sie in der Hauptphase der 25. Dynastie
kuschitischen königlichen Frauen ergibt sich das reichlich mit Titeln und Epitheta ausgestattet. In der
Bild, daß sie, im Gegensatz zu den Gottesgemahlin­ Zeit nach der 25. Dynastie findet m a n wieder nur
n e n " , ihrer eigenen Tradition verhaftet bleiben und wenige und gleichförmige Titel. Hervorzuheben
sich auch in der 25. Dynastie in ihrereinheimischen ist, daß sakrale Titel nur auf Denkmälern in Ä g y p ­
Tracht zeigen (Abb. 3). D a z u g e h ö r e n ein unter den ten, nicht j e d o c h in Kusch ( w o es allerdings nach­
Achseln oder um die Hüften geschlungenes Tuch, weisbar Priesterinnen gab) auftreten. Möglicher­
ein weiter U m h a n g (teilweise mit Fransen oder weise aus Gründen der Komplementarität steht auf

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Abb. 3 Giebelfeld der Traumstele des Tanwetamani (Kairo JE 48863).

den antithetischen Giebelfeldern der großen Kö­ Verwandtschaftsverhältnisse und Erbfolge im Reich
nigsstelen j e w e i l s eine königliche Frau hinter dem von Kusch
König (entweder eine G e m a h l i n oder eine Mutter
eines Königs, wobei es meist zwei verschiedene Bei der Untersuchung der Erbfolge stellte sich
Frauen sind), auf der einen Seite trägt sie den Titel heraus, daß sie sich v o m patrilinear konzipierten
„Herrin von Kusch ", auf der anderen Seite „ Herrin Ägypten unterscheidet. M a c a d a m weist auf die
von Ägypten " (Abb. 3). Diese Titel, so wie auch häufige A b f o l g e von Brüdern im napatanischen
„Herrin aller Frauen", heben die besondere Be­ Königshaus hin und plädiert für ein kollaterales
deutung der Frau als Erste des Staates hervor. System 1 4 . Priese 1 5 vertritt die Ansicht, daß es sich
um ein matrilineares System handelte. Der neueste
Als Epitheta dominieren Beiworte wie „die Ansatz ist von Morkot"', der die von D u n h a m und
Süße", „die Beliebte", „groß an Liebreiz" etc., Macadam 1 7 aufgestellte Genealogie in Frage stellte
alles Worte, die auf typisch weibliche Eigenschaf­ und damit den W e g f ü r neue, von den h e r k ö m m l i ­
ten wie Schönheit und C h a r m e hinweisen. chen a b w e i c h e n d e Überlegungen öffnete.

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Meines Erachtens sind die A r g u m e n t e von Prie­ Die Thronfolge der Könige von Kusch hängt
se am überzeugendsten, so daß auch ich von einer also nicht wie in Ägypten v o m Vater ab ­ normaler­
starken matrilinearen K o m p o n e n t e im Erbfolgesy­ weise wird der älteste Sohn des alten Königs der
stem der Kuschiten ausgehe. Doch sollte m a n die neue Pharao ­ , das Wesentliche in Kusch ist die
von Priese aufgestellte These „alle Söhne der älte­ A b s t a m m u n g von der Mutter, die einer bestimmten
sten Schwestern erben" verallgemeinern zu „die G r u p p e e n t s t a m m e n muß, die ihre Linie bis z u m
Söhne der Schwestern erben ". A u c h bei matrilinea­ Dynastiegründer Alara z u r ü c k f ü h r e n kann. Anders
rer Erbfolge ist der Urahn meist männlich, so wie als in den bekannten antiken Kulturen ist hier die
auch der regierende Häuptling oder König männ­ weibliche Seite, die Mutter, das ausschlaggebende
lichist 1 8 . F ü r d i e 2 5 . Dynastie und napatanische Zeit Kriterium für die Möglichkeit, König zu werden. In
findet man i m m e r wieder die E r w ä h n u n g von Ala­ der meroitischen Periode, aus der viele Privatfami­
ra, der als Dynastiegründer angesehen wird. Nor­ lien bekannt sind, scheint ebenfalls vor allem die
malerweise sind in solchen Erbfolgesystemen die Mutter der entscheidende Faktor für die Familien­
„ S c h w e s t e r n " des die Macht Innehabenden (Häupt­ zugehörigkeit zu sein.
ling, König) die Frauen, die die Legitimation an
ihre Kinderweitergeben: Ihre Söhne können Häupt­
ling oder König werden, ihre Töchter sind wieder Die Rolle der königlichen Frau im Götterkult
Trägerinnen der Legitimation' 1 '. Für die Kuschiten
heißt das, daß die Schwestern des Alara die ersten Die kuschitische königliche Frau hat im Ver­
Frauen, die den Anspruch auf den Thron vererben gleich zur ägyptischen weitaus bedeutendere Funk­
konnten, waren. In zwei Stelen des T a h a r q o heißt tionen im Götterkult. Sie begleitet nicht nur Sistrum
es, d a ß die Mutter/Mütter meiner Mutter die rasselnd den König, sondern sie führt dabei meist
Schwester(n) des Alara warfen) 2". Da wird auch auch eine eigene kultische Handlung, die Libation,
gesagt, daß das Kind dieser Mutter König sein soll. durch (Abb. 5). Mit der Darstellung von libierenden
In einer breiteren Interpretation der ursprünglichen Frauen wird ab der 25. Dynastie eine neue Form
Theorie von Priese können wir darauf schließen, g e f u n d e n , die aus einer neuen kultischen Funktion
daß die Töchter einer snt njswt („Schwester des der Königin entstanden ist und auf tatsächliches
Königs") wieder snt njswt sind, die Söhne sn njswt Libieren durch die Königin im Götterkult schließen
(„Bruder des Königs") sind und somit die G r u p p e läßt. Die Frauen der königlichen Familie erleben
der Thronprätendenten bilden (s. Abb. 4). Eine eine Erweiterung ihrer kultischen A u f g a b e n . Die
Frau, deren Mutter snt njswt ist, ist dadurch selbst Königin (bzw. eine andere weibliche königliche
snt njswt. W e n n der Sohn einer snt njswt, der Person) ü b e r n i m m t einen Teil der A u f g a b e n , die
dadurch zu der G r u p p e der snw njswt („Brüder des der König als oberster Kultherr f ü r den Gott auszu­
Königs") gehört und möglicher Thronanwärter ist, führen hat. In Ägypten beschränkte sich die kulti­
z u m König gewählt wird, erhält seine Mutter zu­ sche Funktion der Königin hauptsächlich auf das
sätzlich zu d e m snt njswt noch die Bezeichnung Sistrumspiel und das Singen im Tempel. In Kusch
mwt njswt („Mutter des Königs"). Soweit erhalten, hat die Königin mit der Libation auch eine wichtige,
sind die mwt njswt auch snt njswt. bisher rein dem König vorbehaltene Kulthandlung
auszuführen.
M a n hat also bei der Bedeutung von sn/snt njswt
nicht von einer verwandtschaftlichen, sondern ei­
ner sozialen Kategorie „ B r ü d e r " und „ S c h w e s t e r n " Die Mutter des Königs bei der Krönung des Kö­
auszugehen. So werden auch die vielen hmt njswt nigs­'1
(„Gemahlin des Königs") snt njswt verständlich,
ohne an Inzest oder um der Legitimation willen Eine bedeutende Rolle k o m m t der königlichen
vollzogene Schwesternheirat denken zu müssen. Mutter bei der Krönung zu (Abb. 5). Zunächst
W e n n sich der König allerdings mit einer snt njswt vererbt sie als snt njswt ihrem Sohn überhaupt die
verbindet ­ die Wahrscheinlichkeit, dabei auf eine Möglichkeit, König zu werden. Sie reist zur Krö­
leibliche Schwester zu stoßen, ist hierbei relativ nung des Königs an und hält eine „ R e d e " , in der sie
gering ­ so werden alle seine Söhne snw njswt und A m u n um die Herrschaft für ihren und seinen Sohn
somit mögliche Thronanwärter. bittet. Die Mutter des Königs n i m m t somit eine

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Alara snt njswt snt njswt
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sn n. snt n. snt n. sn n. sn n. snt n.

r — J —snti n. sn n.
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snt n. sn n.
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sn n.

r snt n. snt n.
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sn n. snt n. sn n. sn n.

Abb. 4 Imaginäre Aufstellung der Vererbung des Thronanspruches.


Unterstreichungen: als König gewählter sn njswt.

Schlüsselstellung bei N a c h f o l g e und Legitimation ihre Alten in Begleitung ihrer Jungen. Sie bejubel­
des neuen Königs ein. ten diese Mutter des Königs, indem sie sagten: ,Isis,
als Horus sie erreichte, war wie sie nun, da sie
V o n drei Königen haben wir das Zeugnis, daß wieder vereint ist mit ihrem Sohn'. "
deren Mutter zur Krönung ihres Sohnes angereist
kam. Zu Taharqo kam seine Mutter Abalo bis nach Wahrscheinlich ebenfalls bei der Krönung hält
Memphis, Anlamani und Irikeamanote besuchten die Königsmutter bzw. die Königin eine viermal
deren Mütter in Napata. Ob diese Reise, die in den (zweimal leider sehr fragmentarisch) belegte Rede 24 .
Texten mit d e m Isis­Horus­Mythos 2 2 verbunden Diese „ R e d e " w a r keine Formel, die stereotyp rezi­
wird, tatsächlich stattgefunden hat, kann nicht nach­ tiert werden mußte, sondern eine formal individuel­
gewiesen werden. Zumindest ist durch die Erwäh­ le Phrase mit gleichem Inhalt. Die königliche Frau
nung dieser Reise ausgedrückt, daß es f ü r den bittet Arnim um das Königsamt f ü r den neuen
König wichtig ist, daß seine Mutter bei oder knapp König, der Gott soll ihn „festsetzen " a l s König. Die
nach der Krönung anwesend ist. Als Beispiel soll Einsetzung des Königs durch den Gott ist also nicht
der Besuch der Abalo bei Taharqo dienen 2 3 :,, [Nun selbstverständlich, zumindest u m einem vielleicht
w a r sie in] Nubien, die Schwester des Königs, alten Ritual G e n ü g e zu tun, m u ß eine Frau aus dem
angenehm und lieblich, die Mutter des Königs (A ba­ Königshaus A m u n um das Königsamt bitten.
lo), sie möge leben. Ich ging weg von ihr als ein
Jugendlicher von 20 Jahren, als ich mit Seiner
Majestät nach Unterägypten kam. Da kam sie in / / / . Die meroi tische Periode des Reiches von Kusch25
den Norden, um mich zu sehen nach einigen Jahren.
Sie fand mich gekrönt auf dem Thron des Horus, Mit d e m Verschwinden der ägyptisch (und so­
[nachdem] ich die Diademe des Re erhalten hatte, mit f ü r uns verständlich) geschriebenen Texte müs­
[nachdem] die Beiden Schlangen auf meinem Kopf sen sich weitere Untersuchungen wieder größten­
vereinigt waren und alle Götter meinen Körper teils auf archäologische Quellen stützen. N u r die
beschützten. Sie war in gro/ier Freude, nachdemsie meroitischen Totentexte, die w e g e n ihres formalen
die Schönheit Seiner Majestät gesehen hatte. Wie A u f b a u s und der häufig wiederkehrenden gleichen
Isis ihren Sohn Horus sah, gekrönt auf dem Thron Worte weitgehend entschlüsselt w e r d e n konnten,
seines Vaters, nachdem er als Jugendlicher im Nest bieten einen Einblick in die meroitische Familien­
von Chemmis war. Oberägypten und Unterägypten struktur. Bei den A n g a b e n der Eltern wird häufig
und alle Fremdländer lagen auf dem Boden vor der der M u t t e r n a m e vor d e m N a m e n des Vaters ge­
Mutter des Königs und waren in großer Freude, nannt. In einigen Fällen wird überhaupt nur die

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A b b . 5 G i e b e l f e l d der Inthronisationsstele des Aspelta (Kairo JE 48866).

Mutter erwähnt 2 6 . Auch aus anderen Hinweisen läßt Die meisten Schlüsse zur Rolle der Frau in der
sich die Vorrangigkeit der mütterlichen vor der meroitischen Zeit kann man aus den Darstellungen
väterlichen A b s t a m m u n g erschließen 2 7 . V o r allem in den Pyramidenkapellen bzw. den Grabanlagen
das Fehlen eines Ausdrucks für , Vater von überhaupt und, für den königlichen Bereich, auch
in den Totentexten unterstützt die Annahme, daß aus den Tempelbauten ziehen.
diese Texte mutterrechtliche Verhältnisse wider­
spiegeln211. "
Die Gräber30
W ä h r e n d die königliche Frau eine herausragen­
de Stellung einnimmt, konnte die Privatfrau keine Die königlichen Frauen der 25. Dynastie wur­
offiziellen Ä m t e r bekleiden 2 9 . Ihre Aktivitäten wa­ den auf dem Friedhof von El Kurru (Abb. 6), die der
ren auf den häuslichen Bereich beschränkt. Es gibt napatanischen Periode in Nuri bestattet 11 . Da die
aber Zeugnisse, daß sie an der Getreideverarbei­ Gräber in El Kurru und Nuri sich nur in „Königsgrä­
tung und der Textilproduktion beteiligt waren. Im b e r " und „Nicht­Königsgräber" teilen lassen, nicht
T e m p e l ­ und Palastdienst n a h m sie eine unterge­ j e d o c h in „ F r a u e n g r a b " ­ „Männergrab", ist die
ordnete Stelle ein. Z u w e i s u n g zu Königinnen nicht zulässig. W e n n

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Knochen g e f u n d e n wurden, wurde nur in den sel­ Oberbau die echte Pyramide. Daß nicht nur Ange­
tensten Fällen eine Geschlechtsbestimmung vorge­ hörige der Königsfamilie in Särgen bestattet wur­
n o m m e n , auch anhand der Grabbeigaben kann kein den, beweisen die vielen Sarg­ und Kartonagereste
Unterschied zwischen Frauen­ und Männergrab im West­ und Südfriedhof von Meroe bzw. die
gemacht werden. Darum müssen die Nicht­Kö­ Funde in Sanam. In ägyptischer Tradition liegtauch
nigsgräber als G e s a m t k o m p l e x behandelt werden, die Ausstattung der M u m i e mit Gesichtsmaske und
wobei ich j e d o c h nicht ausschließen möchte, daß anderen Mumienbesatzstücken, d e m Perlennetz
einige der Bestatteten männliche Angehörige des sowie Finger­ und Zehenkappen. Reste dieses Mu­
Königshauses waren. Allerdings konnte kein Män­ m i e n s c h m u c k e s wurden auch in den Privatgräbern
nergrab (außer den Königen) sicher identifiziert von Sanam und Meroe gefunden.
werden.
Auch in der Masse und der Auswahl der Beiga­
Die Verstorbenen wurden zumindest ab der Zeit ben läßt sich kaum ein Unterschied zwischen den
des Piye in Särgen bestattet, der erste Beleg für königlichen Angehörigen und Privatpersonen er­
Mumienaugen­ 12 stammt aus dem Grab Ku. 53 von kennen. Spiegel, Toilettgegenstände und Bronze­
Tabiry, der Gemahlin des Piye. Da mit Piye durch gefäße sind ebenso in Gräbern von Privatpersonen
die intensiven Kontakte zu Ägypten eine Änderung üblich. Der einzige Unterschied in der Ausstattung,
in vielen Bereichen der Kultur einhergeht, ist es den ich feststellen konnte, waren die bei den Kö­
anzunehmen, daß sich auch die Begräbnissitten nigsangehörigen aufgetauchten Kunstwerke aus
geändert haben. Piye ist auch der erste König, der Edelmetall. Funde solcher Art wurden weder in
vom Schachtgrab a b k o m m t und den Zugang zu sei­ Sanam noch in den Privatgräbern von Meroe ge­
ner mit Keilsteinen gewölbten G r a b k a m m e r über macht. Auch Stelen oder Opfertafeln gehören zur
Treppen organisiert, als erster König wählt er als Bestattung, gleich ob königlich oder nicht.

A b b . 6 Friedhof von El Kurru.

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Abb. 7 Die Pyramiden des Nordfriedhofes von Meroe.

Meiner M e i n u n g nach kann - zumindest, wenn der Bestattungen im Friedhof: Alle Königsgräber
m a n von den Publikationen ausgehen m u ß - kein (außer dem des Taharqo, das ziemlich im Mittel­
Unterschied zwischen der Ausstattung eines Män­ punkt plaziert ist) liegen am Ostrand des Plateaus,
ner­ und eines Frauengrabes gemacht werden, ge­ die Königinnen südlich, westlich und nördlich der
nauso m u ß m a n sich auf hervorstechende Zufalls­ Pyramide des Taharqo.
f u n d e verlassen, wenn m a n ein G r a b a u f g r u n d sei­
nes Inventars einer königlichen oder einer privaten Der königliche Friedhof wurde mit dem Beginn
Person zuordnen möchte. der meroitischen Zeit zunächst an den Gebel Bar­
kai, dann nach Meroe verlegt. A m Gebel Barkai
Die einzige Differenzierung, die man machen befinden sich zwei Pyramidengruppen, wobei die
kann, ist die Unterscheidung in Gräber von Köni­ frühere Südgruppe um 315­270 v. Chr., die spätere
gen und anderen. Königsgräber sind, zumindest seit N o r d g r u p p e um 90­50 v. Chr. zu datieren ist. In der
historischer Zeit (Kaschta), an der Größe und an der nördlichen G r u p p e befindet sich auch die Pyramide
Lage im Friedhof zu erkennen. In El Kurru tritt der N a w i d e m a k , einer Herrscherin, die auch von
spätestens seit Piye eine Geschlechtertrennung bei einer heute v e r s c h w u n d e n e n Goldstatuette bekannt
der Gruppierung der Gräber auf: Könige liegen im ist. Diese Königin herrschte um ca. 50 v. Chr. Der
zentralen Teil des Friedhofes, Königinnen nördlich neuerliche Wechsel der Begräbnisstätte v o m kö­
und südlich davon. In Nuri sind die Gräber der niglichen Friedhof in Meroe z u m Gebel Barkai
Könige einerseits durch ihre viel größere Pyramide könnte mit einem Dynastiewechsel oder mit einer
und durch die drei unterirdischen K a m m e r n ge­ aktiveren Nordpolitik, wie sie dann für die nächsten
kennzeichnet, andererseits wieder durch die Lage siebzig Jahre sicher belegt ist, einhergegangen sein".

130
Bei Meroe existierte schon seit langem ein Friedhof ßen, die Mutter des Thronfolgers 3 7 . Das meroiti­
( W e s t f r i e d h o f , Beg. W) 34 , auf d e m seit der Zeit des sche Wort kdke oder ktke ist zu übersetzen mit kd-
Piye Mitglieder der königlichen Familie und der „ F r a u " und -ke, einem Suffix bei Titeln (eventuell
B e a m t e n s c h a f t bestattet wurden. Das Grabinventar „Inhaber" ?) 38 . Es könnte sich dabei um die meroi­
ist ähnlich dem der königlichen Begräbnisse. Eben­ tische Bezeichnung des oben erwähnten snt njswt,
so besteht auch der Südfriedhof schon seit vorme­ Schwester des Königs, handeln, die dann zur Mut­
roitischer Zeit. Beachtenswert ist dabei das G r a b ter des nächsten Königs wird.
der M e r n u a (Beg. S 85), die einzige ungestörte
Bestattung des Friedhofes. Mernua w a r eine Ge­ Zu ihrer Position gehört ein Beamtenstab, der
mahlin Aspeltas, ihre M u m i e n h ü l l e mit Perlennetz parallel zu dem des Königs existiert; aus spätmeroi­
und M a s k e ist ausgezeichnet erhalten. U m 270 v. tischerZeit s t a m m e n Titel, die sich auf die Kandake
Chr. wird der erste König, Arkamani­qo, am Süd­ beziehen. Das könnte darauf hinweisen, daß die
f r i e d h o f bestattet. Für zwei Herrschergenerationen Kandake Ländereien besitzt, die von diesen Beam­
wird Beg. S der Königsfriedhof. Danach werden ten verwaltet wurden.
die Könige und ihre Frauen auf d e m N o r d f r i e d h o f
begraben (Abb. 7). W i e in der napatanischen Zeit Die berühmteste K a n d a k e ist sicher Amanitore,
besteht die unterirdische Anlage der Pyramiden bei die i m m e r z u s a m m e n mit dem König Natakamani
Königen und regierenden Herrscherinnen aus drei, (um die Zeitenwende) dargestellt ist. Von diesem
bei nicht regierenden Königinnen aus zwei Kam­ Paar stammt eine große Anzahl meroitischer Denk­
mern. Leider wurden alle diese Gräber geplündert. mäler wie z.B. der L ö w e n ­ und der A m u n t e m p e l in
Trotzdem konnte im vorigen Jahrhundert ein ein­ Naqa (Abb. 8), oder Bauten in Duanib, Meroe,
maliger Schatz aus der Pyramide der Königin A m a ­ Napata, T a b o und Amara. A u ß e r d e m sind ihre
nishakheto geborgen werden. In ihrer Pyramide beiden Grabmäler bekannt, die Pyramiden Beg.
Beg. N 6 fand m a n außergewöhnlichen Schmuck N 22 (Natakamani) und Beg. N 1 (Amanitore).
und Kleinkunstobjekte, stilistisch eine M i s c h u n g Amanitore m u ß eine bedeutende Rolle für Natak­
aus ägyptischen, hellenistischen und meroitischen amani gespielt haben, denn sie ist auf fast allen
Motiven 3 5 . Nach und nach werden die Pyramiden­ Denkmälern parallel zu ihm in gleichen Positionen
anlagen kleiner, ab ca. 100 v. Chr. haben auch die und mit den gleichen A u f g a b e n gezeigt. A u f den
Königsgräber nur noch zwei unterirdische Räume. Toren des A m u n t e m p e l s in Naqa wird Amanitore
ebenso wie der König von den Göttern gekrönt,
Einblick in religiöse Vorstellungen, aber auch durch nichts wird für sie ein geringerer Rang als für
Hinweise auf die Hierarchie am Hofe, geben die den König angezeigt. Möglicherweise w a r es allein
meist sehr gut erhaltenen Pyramidenkapellen 1 6 . Die Amanitore, die Natakamani als König legitimierte.
W ä n d e sind mit Reliefs versehen und zeigen O p f e r Nicht unerwähnt bleiben soll, daß zusätzlich zu
und andere Handlungen v o r d e m verstorbenen Herr­ diesem Paar i m m e r ein „Dritter M a n n " dargestellt
scher. Dieser wird meist durch eine oder mehrere wurde, j e d o c h in geringerer Position als Amanitore.
Frauen begleitet. Handelt es sich um eine weibliche Drei verschiedene N a m e n sind f ü r diesen Prinzen
Herrscherin, wird diese in der gleichen Art wie die belegt: Arikankharor und Arakakhatani werden gern
männlichen dargestellt. Die Frau ist, wenn sie nicht als Thronfolger, die zu früh verstorben sind, gedeu­
selbst regierte und den Platz eines Königs einnahm, tet. Der in der letzten Regierungsphase dargestellte
die Begleiterin des Herrschers. Sie steht meist libie­ Prinz, Shorkaror, scheint der N a c h f o l g e r auf dem
rend oder begleitend hinter ihm, wird also bei Thron g e w o r d e n zu sein.
Handlungen gezeigt, die schon auf den Königsste­
len der napatanischen Zeit dargestellt wurde. Die Kandaken sind also die Frauen, die den
größten Einfluß auf die N a c h f o l g e im Königsamt
haben. Eine solch große Bedeutung wie Amanitore
Karulake und qore hatte j e d o c h keine andere dieser „Königsmütter".

Der in mehreren antiken Quellen belegte Titel Die meroitische Bezeichnung f ü r den König
Kandake bezeichnet, nach den Quellen zu schlie­ oder eine regierende Königin ist qore. A m Ende des

131
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2. Jhs. v. Chr. konnten auch Frauen die Herrscher Eine der heute berühmtesten Figuren des meroi­
des Staates stellen. Die erste Frau, die als qore tischen Herrscherhauses ist sicher Amanishakheto,
regierte, w a r Shanakdakhete. W i e sie an die Macht Kandake und qore, die am A n f a n g des 1. Jhs. n. Chr.
kam, bleibt im Dunkeln, j e d o c h deuten einige Indi­ das Reich von Meroe beherrschte 4 2 . Der Gold­
zien darauf hin, daß ihr Regierungsantritt nicht schmuck, der in ihrer Pyramide Beg. N 6 g e f u n d e n
reibungslos verlief. Nach Zach 3 '' ist dem unvollen­ wurde, ist heute in Museen in Berlin und M ü n c h e n
deten G r a b ihres Vorgängers, der dort wahrschein­ zu bewundern. Doch nicht nur der Schmuck, son­
lich nie bestattet wurde, zu entnehmen, daß sie nicht dern auch die eindrucksvollen Darstellungen der
ohne Schwierigkeiten auf den Thron gelangt war. Königin in ihrer Pyramidenanlage vermitteln uns
A u ß e r d e m tritt sie auf allen bekannten Darstellun­ ein Bild dieser außergewöhnlichen Königin. Das
gen mit einem männlichen Begleiter auf. Hinter ihr Relief auf d e m Pylon der Kapelle zeigen sie in der
wird sowohl in ihrer Pyramidenkapelle als auch in Pose des „Erschlagens der Feinde", freilich ein
d e m von ihr errichteten Tempel F in Naqa, der die schon aus Ägypten geläufiges Thema, doch ist eine
älteste datierte Inschrift in meroitischen Hierogly­ Frau in dieser Herrscherposition ungewöhnlich. In
phen enthält, ein Mann, kleiner als sie, dargestellt. ihrer Pyramidenkapelle ist die Krönung dargestellt:
Möglicherweise handelt es sich bei diesem Mann Hinter der thronenden Königin sitzt ein Mann, der
um einen Thronfolger, es könnte aber auch ein für mit seiner rechten Hand die Krone der qore berührt.
ihre M a c h t e r g r e i f u n g notwendiger Helfer sein. Je­
denfalls ist Shanakdakhete als Königin so wie ein Man findet Spuren von A m a n i s h a k e t o über das
meroitischer Herrscher in allen Aktionen vor den ge s a mte Gebiet des Reiches von M e r o e verstreut:
Göttern gezeigt und mit einer königlichen Graban­ A n g e f a n g e n beim Palast von W a d ban Naqa, im
lage (drei unterirdische Räume), deren Pyramiden­ A m u n ­ T e m p e l von Meroe (Granitstele), dem Ki­
kapelle mit zwei Pylonen und zwei Höfen die osk im B 500 am Gebel Barkel bis zu den Blöcken
größte des F r i e d h o f e s von M e r o e ist, bedacht im T e m p e l T von K a w a und einer Stele in Qasr
(Abb. 9) 40 . Ihre Macht dürfte der eines männlichen Ibrim ist die Herrscherin belegt.
meroitischen Herrschers um nichts nachgestanden
haben. U m 50 v. Chr. herrschte N a w i d e m a k als Bald nach der Eroberung Ä g y p t e n s durch Okta­
qore im Reich von Meroe. Bald danach ist A m a n i ­ vian wurde unter der Leitung Petronius' ein römi­
renas belegt, eine Frau, die zunächst den Titel sches Heer gegen die „ Ä t h i o p e n " entsandt, die, die
Kandake trägt und mit Teriteqas und dem Heerfüh­ unruhige Lage in Ägypten ausnutzend, bereits Ele­
rer Akinidad z u s a m m e n dargestellt wird. Dann phantine gestürmt hatten. In diesem Z u s a m m e n ­
wird A m a n i r e n a s außer Kandake auch noch qore hang ist das oben erwähnte Zitat von Strabo zu
genannt, Teriteqas verschwindet, nur noch Akini­ sehen, der die gegen die Römer kämpfenden,, Äthio­
dad tritt auf. A m a n i r e n a s scheint also nach dem Tod pen" von dem „mannhaften Weib, der Königin
von Teriteqas zur regierenden Königin aufgestie­ Kandake " angeführt wissen will. O b diese Kanda­
gen zu sein. Diese qore zeigt sich selbst in höherer ke j e d o c h mit A m a n i s h a k e t o gleichzusetzen ist
Position als andere Herrscher, auf dem Blockthron, oder mit der vor ihr herrschenden Amanirenas, ist
der nur Göttern vorbehalten ist. Nach Zach 4 1 ist ungewiß.
Amanirenas die einzige königliche Person, die sich
bereits zu ihren Lebzeiten vergöttlicht darstellen
ließ. Zusammenfassung

Im antiken Sudan spielte die Frau eine größere


Rolle als im zeitgleichen Ä g y p t e n oder in den
Mittelmeerkulturen. Diese Stellung kann darin be­
gründet sein, daß gerade in Afrika bis heute die
Fruchtbarkeit der Frau als wichtiges und erhaltens­
wertes Geschenk der Natur e m p f u n d e n wird. Ange­
Abb. 8 (links) fangen von den Fruchtbarkeitsidolen der f r ü h e n
Der Pylon des Löwentempels von Naqa. Zeit ist es im Reich von Kusch vor allem die Mutter

133
Abb. 9 Die Pyramide der Shanakdakhete (Beg. N i l ) .

(des Königs oder auch von Privatpersonen), die eine Eine Reihe von Elementen und Tendenzen las­
herausragende Position einnimmt. Dieses Prinzip sen sich über die meroitische Periode hinaus verfol­
läßt sich auch in der Götterwelt wiederfinden, außer gen, sie treten in verschiedenen Kulturen des heu­
Mut, der Begleiterin des Staatsgottes A m u n , wer­ tigen A f r i k a auf. O h n e auf die spezifischen A u s f o r ­
den v.a. Muttergottheiten wie Isis oder Bastet er­ m u n g e n einzugehen, kann m a n von einer g e m e i n ­
wähnt. samen „afrikanischen Grundtradition" sprechen.

Vielleicht nicht als alte Tradition ist die Tatsache Für die Kuschiten fehlen uns die Quellen, um
zu werten, daß Frauen in meroitischer Zeit auch den Erscheinungen wie den Einfluß bei der Auswahl
Thron besteigen können. So sehr es aber auch die des Königs, die Krönung oder die Unterstützung
antiken Schriftsteller beeindruckt hat, daß i n M e r o e des Königs bei den Regierungsgeschäften feststel­
Frauen regieren konnten, darf m a n nicht auf ein len zu können, wie sie bei verschiedenen Völkern
Matriarchat schließen. Es w a r möglich, daß Herr­ A f r i k a s belegt sind. T r o t z d e m sind G e m e i n s a m k e i ­
scherinnen den Thron besteigen, und das ist sicher ten unübersehbar. A u c h bei den Kuschiten hatte die
durch die im Gegensatz zu anderen Völkern der königl iche Frau, allen voran die Mutter des Königs,
Antike bedeutendere Rolle der Königinnen bereits Funktionen bei der Krönung des Königs zu über­
in der napatanischen Periode begründet. Auch im nehmen.
ptolemäischen Ägypten griffen die Königinnen ak­
tiv in die Politik ein, doch weibliche Herrscher Die matrilineare K o m p o n e n t e der V e r e r b u n g
blieben, so wie in den Dynastien davor, die Ausnah­ des T h r o n a n s p r u c h e s ist über ganz A f r i k a verbrei­
me. Doch trotz allem ist der Einfluß der Frauen, den tet. Sie ist auch schon bei den Kuschiten bestim­
sie auf Familie und Staat haben konnten, beachtens­ m e n d und steht da im Gegensatz zu dem patrilinear
wert. konzipierten Ägypten.

134
15
Daß die Frauen in den verschiedensten Kultu­ K.­H. Priese, Matrilineare Erbfolge im Reich von Kusch,
ZÄS 109, 1981, 49ff.
ren, unabhängig von Volkszugehörigkeit oder Staats­
"' R. Morkot, Kingship and Kinship in the Empire of Kush.
form, eine bedeutende Rolle spielten, kann als ge­ Seventh International Conference for Meroitic Studies Ber­
meinsame Grundlage angenommen werden. Auch lin 1992 (Vorabdruck).
17
die Kuschiten mit ihrer im Vergleich zu Ägypten D. Dunham ­ M.F.L. Macadam, Names and Relationships
oder den Mittelmeerländern herausragenden Be­ of the Royal Family of Napata, JEA 35, 1944, 139ff.
18
Matrilinearität ist nicht mit Matriarchat, der Frauenherrschaft,
deutung der königlichen Frauen sind dieser „afrika­
zu verwechseln!
nischen Tradition" verhaftet 43 . 19
Frauen, die den Anspruch auf den Thron vererben konnten,
müssen nicht vom König abstammen. Es sind in Kusch nur
1
Oikumenos, Comm. Act Apost. 8, 27; nach Bion von Soloi wenige s3t njswt (=Königstochter) belegt. Wichtig ist es,
(3. Jh. v. Chr.). Dieses und die nachfolgenden Zitate sind eine snt njswt (=Königsschwester) als Mutter zu haben.
zusammengefaßt veröffentlicht in: L. Török, Dermeroitische Nachzuvollziehen ist dies bei Nasala ­ Madiqen ­ Heb und
Staat. Meroitica 9 (1986). in der Genealogie des Aspelta. Siehe Vererbung des Thrones
2
I. Hofmann, Die Große Göttin des Ostmittelmeerraumes im durch Frauen in Ägypten bei: G. Robins, A critical
meroitischen Reich, SAK 5, 1977, 79ff. examination of the theory that the right to the throne of
3
Zur Bedeutung solcher Frauenfigürchen in Ägypten siehe E. Ancient Egypt passed through the female line in the 18th
Endesfelder, Die Stellung der Frau in der Gesellschaft des Dyn., GM 62, 1983, 67ff.
20
Alten Ägyptens, in: B. Schmitz­ U. Stcffgen (Hrsg.). Waren Kawa IV(Khartoum 2678)Z. 16­18; Macadam a.O. 15Taf.
sie nur schön? Frauen im Spiegel der Jahrtausende (1989) 7 f ; Kawa VI (Khartoum 2679) Z. 23­24; Macadam a.O. 36
23 ff. Taf 11 f.
4 21
z.B. Venus von Willendorf. Eine Einführung bietet E.Stauffcr, Siehe zur Mutter des Königs bei der Krönung auch E.
Antike Madonnenreligionen, ANRW 17, 3 (1984) 1425ff, Kormycheva, Remarks on the Position of the King's Mother
bes. 1427­1466. Eine Auseinandersetzung mit den verschie­ in Kush. Seventh International Conference for Meroitic
denen Ansätzen der Forschung zu den Figürchen aus aller Studies Berlin 1992 (Vorabdruck).
22
Welt findet man bei: N. Hamilton u.a., Can We Interpret Isis wird darin mit der Königsmutter, Horus mit dem König
Figurines?, Cambr. Arch. Journal 6, 1996, 281 ff. Dabei gleichgesetzt. Kormycheva a.O. vermutet daher, daß die
werden Deutungen von der Definierung eines sozialen Sta­ Mutter des Königs durch ihre Gleichsetzung mit Isis göttli­
tus' bis zur Darstellung von Muttergottheiten besprochen. che Qualitäten erlangt.
5 23
Endesfelder a.O.; G. Robins, Women in Ancient Egypt Taharqo, Stele Kawa V (16­21).
24
(London 1993); D. Franke, Altägyptische Verwandtschafts­ Inthronisationsstele des Aspelta (Kairo, JE 48866), Bei­
bezeichnungen im Mittleren Reich, HÄS 3 (1983). schrift der Königsmutter Nasaisa im Giebelfeld (N.C. Grinial,
6
Hofmann a.O. 104. Quatre steles napateenes au Musee du Caire; JE 48863­
7
Ebd. 116. 48866 (Kairo 1981)21 Taf. 5);Gebel Barkai Tempel B 300,
8
Zu den Menschenopfern in Kerma siehe C. Bonnet (Hrsg.), Raum 303 N­ und S­Wand jeweils hinter der königlichen
Kerma, royaume de Nubie (Genf 1990) 106f. Frau (Ch. Robisek. Das Bildprogramm des Mut­Tempels am
9
N. de G. Davies ­ A. Gardiner, The Tomb of Huy. Viceroy Gebel Barkai. Veröffentlichungen der Institute für Afrikani­
of Nubia in the Reign of Tufankhamun (No. 40) (London stik und Ägyptologie der Universität Wien Nr. 52 (Wien
1926). 1989) 17. 20. 113f.); Gebel Barkai B 500, Raum 501, heute
10
Die Rolle der königlichen Frau in der napatanischen Periode stark zerstört, erkennbar auf einem Photo der Breasted­
des Reiches von Kusch wird ausführlich bearbeitet von Expedition; Sanam, Schrein des Aspelta (F.L. Griffith, Ox­
Lohwasser, in Vorbereitung. ford Excavations in Nubia, LAAA IX, Nr. 3­4, 1922, 67ff.
" Die Gottesgcmahlinnen Amenirdis [., Schepenupet II. und Taf. 45).
25
Amenirdis Q. sind Töchter von kuschitischen Pharonen. Zur Frau in der meroitischen Periode siehe St. Wenig,
Amenirdis I. wurde von Schepenupet L, der Tochter des Bemerkungen zur Chronologie des Reiches von Meroe.
ägyptischen Königs Osorkon adoptiert (Adoption ist die MIO 13, 1967 18ff; M. Zach, Meroe: Mythos und Realität
übliche Annahme einer Nachfolgerin, da Gottesgemahlinnen einer Frauenherrschaft im antiken Sudan, in: E. Specht
zu dieser Zeit zölibatär leben mußten). Die Kuschitinnen (Hrsg.), Nachrichten aus der Zeit. Ein Streifzug durch die
bekleideten dadurch eines der höchsten sakralen Ämter in Frauengeschichte des Altertums (Wien 1992); ders., Die
Ägypten. Sie übernahmen die in Ägypten übliche Darstel­ Frau im meroitischen Wirtschaftsleben, in: E. Specht (Hrsg.),
lungsweise: Schlanke Figur, enganliegendes Kleid. Frauenreichtum. Die Frau als Wirtschaftsfaktor im Altertum
12
Widderamulett, Widdergehörn, Doppeluräus; südländische (Wien 1994) 73ff.; Kormycheva a.O.
2
Physiognomie, ausgedrückt durch Kraushaar, Stiernacken, " Siehe dazu die Aufstellung F. Hintze, Meroitic Kinship.
negroide Züge. Seventh International Conference for Meroitic Studies Ber­
13
Contra [. Hofmann, Studien zum meroitischen Königtum. lin 1992 (Vorabdruck) 2. Das Verhältnis der Nennung von
MRE2(197I)49. Mutter­ vor dem Vaternamen ist ca. 3:1.
14 27
M.F.L. Macadam, The Temples of Kawa L The Inscriptions Ebd. 7f.
28
(London 1949) Appendix. Kollateral heißt, daß der Thron Ebd. 8.
2
zunächst zu den Brüdern einer Generation weitergeht, dann " Siehe zusammenfassend zur meroitischen Frau im Wirt­
die Söhne des ältesten Bruders erben und dann die Söhne der schaftsleben Zach a.O. (1994).
30
Brüder. Einen Überblick über die Bestattungen der napatanischen

135
u n d m e r o i t i s c h e n Z e i t gibt C. N ä s e r , Ä g y p t i s c h e s Erbe: Abbildungsnachweis:
K u s c h i t i s c h e K ö n i g s p y r a m i d e n , Kernet 4, 1996, 13ff. Abb. 1.1: H.­A. Nordström, Neolithic and A­Group (1972) Taf. 56, 3;
11
G r u n d l e g e n d e P u b l i k a t i o n : D. D u n h a m , El K u r r u . R C K I Abb. 1.2: I. Hofmann, SAK 5, 1977, 89 Abb. 6 nach G. Steindorff.
Aniba I (1935)Taf. 72,6f.; Abb. 2: N. de G. D a v i e s ­ A. Gardiner, The
( B o s t o n 1950); ders. N u r i . R C K II ( B o s t o n 1955).
32 Tomb of Huy. Viceroy of Nubia in thc Rcign o f T u f a n k h a m u n (No. 40)
Bei e i n e m m e n s c h e n f b r m i g e n S a r g sind die A u g e n s o w i e
(1926) Taf. 27; Abb. 3: N.C. Grimal, Quatre steles napatecnes au
a n d e r e D e k o r a t i o n s b e s t a n d t e i l e mit v e r s c h i e d e n f a r b i g e n
Musee du Caire; JE 48863­48866 (1981) Taf. 1; Abb. 5: ebd. Taf. 5;
S t e i n e n o d e r G l a s f l u ß e i n g e l e g t . Bei e i n e m F u n d s o l c h e r Abb. 8:1. Gamer­Wallert, Der Löwentempel von Naq'a in der Butana
e i n g e l e g t e r A u g e n k a n n m a n a u f e i n e n S a r g s c h l i e ß e n (die (Sudan) III. Die Wandreliefs (1983) Bl. 2; alle übrigen Abbildungen
e r h a l t e n e n M u m i e n m a s k e n d e r K u s c h i t e n sind a u s Metall, von der Verfasserin.
hatten also keine eingelegten Augen).
33
Die V e r m u t u n g v o n G . A . R e i s n e r , T h e M e r o i t i c K i n g d o m o f
Adresse der Autorin:
E t h i o p i a : A C h r o n o l o g i c a l O u t l i n e , J E A 9 , 1 9 2 3 , 6 2 f . , d a ß es
Dr. A n g e l i k a L o h w a s s e r
sich bei d e r a m G e b e l Barkai b e g r a b e n e n K ö n i g i n u m e i n e
Seminar für Sudanarchäologic und Ägyptologie
N e b e n d y n a s t i e h a n d e l e , k o n n t e v o n W e n i g a.O. ( s . A n m , 2 5 )
d e r H u m b o l d t ­ U n i v e r s i t ä t Berlin
14ff. w i d e r l e g t w e r d e n .
34 P r e n z l a u e r P r o m e n d e 149­152
B e g . ist die B e z e i c h n u n g der F r i e d h ö f e von B e g r a w i j a ,
e i n e m n a h e an M e r o e g e l e g e n e n m o d e r n e n Ort. 1 3 1 8 9 Berlin
35
D i e s e r F u n d ist mit v i e l e n A b b i l d u n g e n v o n K . ­ H . Priese,
Das Gold von Meroe (1992) veröffentlicht worden.
"' Die Z e i c h n u n g e n d e r R e l i e f s d e r K a p e l l e n sind v o n S.
C h a p m a n ­ D. D u n h a m , D e c o r a t e d C h a p e l s o f thc M e r o i t i c
P y r a m i d s at M e r o e a n d Barkai. R C K III ( B o s t o n 1992)
publiziert.
37
W e n i g a.O. (s. A n m . 2 5 ) 4 0 ; K.­H. Priese, T h e K i n g d o m o f
K u s c h : T h e N a p a t a n Period, in: A f r i c a in A n t i q u i t y ( B r o o k ­
lyn 1 9 7 8 ) 8 5 will mit K a n d a k e d i e M u t t e r d e s K ö n i g s , Herrin
von Kusch und tatsächliche Herrscherin bezeichnet wissen;
L. T ö r ö k , D e r m e r o i t i s c h e Staat. M e r o i t i c a 9 ( 1 9 8 6 ) 51 f. 139
A n m . 130f. spricht sich d a g e g e n aus, f ü r ihn ist die K a n d a k e
eine Titularschwester und Gattin des Königs.
,K
1. H o f m a n n , Z u d e n m e r o i t i s c h e n Titeln k t k e u n d p q r .
Z D M G S u p p l . 111 2 ( 1 9 7 7 ) 1404.
» Z a c h ( 1 9 9 2 ) a . O . (s. A n m . 2 5 ) 9 2 f f .
40
Z u r P y r a m i d e n k a p e l l e der S h a n a k d a k h e t e s i e h e C. N ä s c r .
D a s D e k o r a t i o n s p r o g r a m m der K u l t k a m m e r w e s t w a n d der
P y r a m i d e 11 v o n B e g r a w i y a N o r d ( M e r o e ) , M i t t S A G 5,
1996,28­45.
41
Z a c h ( 1 9 9 2 ) a.O. (s. A n m . 2 5 ) 100; ders., V e r g ö t t l i c h t e
m e r o i t i s c h e H e r r s c h e r . S e v e n t h International C o n f e r e n c e
for M e r o i t i c S t u d i e s Berlin 1992 ( V o r a b d r u c k ) 8f.
42
Z u A m a n i s h a k h e t o s i e h e a u c h A. L o h w a s s e r , D i e K ö n i g i n
A m a n i s h a k h e t o , M i t t S A G I, 1994, 3 0 f .
13
Im V e r g l e i c h mit d e n M i t t e l m e e r l ä n d c r n hat a u c h in Ä g y p ­
ten d i e Frau a l l g e m e i n , i n s b e s o n d e r e d i e K ö n i g s m u t t e r e i n e
b e d e u t e n d e r e Rolle gespielt. Die W i c h t i g k e i t ihrer Position
ist a l l e r d i n g s nicht v e r g l e i c h b a r mit d e r d e r k u s c h i t i s c h e n
königlichen Frauen.

136