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Ein europäischer Fahrplan für

die Aufhebung der Maßnahmen


zur Eindämmung des Coronavirus
#EuropeUnited against the #coronavirus

Die Coronavirus-Pandemie hat Tausende Menschenleben gefordert und die Gesundheitssysteme enormen Belastungen ausgesetzt. Die
unmittelbare Priorität der Kommission besteht in der Bekämpfung des Virus und der Abmilderung der sozioökonomischen Folgen der Pandemie.
Gleichzeitig müssen wir unseren Blick nach vorne richten, damit die Mitgliedstaaten ihre Eindämmungsmaßnahmen schrittweise aufheben
können und so die Erholungsphase und die Neubelebung unserer Gesellschaften und der Wirtschaft einleiten können.
Zwar gibt es kein allgemeingültiges Konzept für eine schrittweise, wissenschaftlich fundierte und wirksame Aufhebung der
Eindämmungsmaßnahmen, doch liegt ein eng koordiniertes Vorgehen im gemeinsamen europäischen Interesse.
Auf Ersuchen des Europäischen Rates vom 26. März hat die Kommission in Zusammenarbeit mit dem Präsidenten des Europäischen
Rates einen europäischen Fahrplan für die Aufhebung der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus präsentiert. Er stützt sich auf das
Fachwissen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten und des Beratungsgremiums der Kommission zum
Coronavirus, auf die Erfahrungen der Mitgliedstaaten sowie auf Leitlinien der WHO. Da die im Fahrplan vorgestellten Überlegungen auf den heute
verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, sollten sie im Lichte neuer Erkenntnisse überarbeitet werden.

Karte der GFS, Stand: 13. April, 16.00 UTC


Europäische Union Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19
EINDÄMMUNGSMASSNAHMEN
NACH LAND
Landesweites Veranstaltungsverbot

Finnland Schließung von Schulen, Kindergärten


und anderen Bildungseinrichtungen
Estland
Nationale Reisebeschränkungen
Schweden Lettland Schließung für die Versorgung der
Bevölkerung nicht wesentlicher Geschäfte
Dänemark
Irland Litauen
Niederlande
Internationale Reisebeschränkungen

Polen
Flugbeschränkungen
Deutschland

Belgien
Nationale Maßnahmen
Luxemburg Tschechische
Republik Teilweise geltende/regionale Maßnahmen
Slowakei
Ungarn Keine Beschränkungen
Frankreich Österreich

Rumänien
Slowenien ZAHL DER COVID-19 FÄLLE PRO LAND

Kroatien 384 – 500


Italien Bulgarien 501 – 1,000
Portugal Spanien 1,001 – 10,000
10,001 – 50,000
50,001 – 100,000
Griechenland
100,001 – 169,496

Malta Zypern
Quelle: GFS, WebCritech, nationale Behörden
1Auf das Timing kommt es an
Die schrittweise Aufhebung der Eindämmungsmaßnahmen wird unweigerlich zu einer Zunahme neuer Infektionsfälle führen. Daher bedarf es einer
ständigen Überwachung und der Bereitschaft zur Anpassung und zur Wiedereinführung neuer Maßnahmen. In dieser Hinsicht sind Transparenz und eine
klare und rechtzeitige Kommunikation gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern von entscheidender Bedeutung. Bei der Bewertung, ob der Zeitpunkt zur
allmählichen Aufhebung der Eindämmungsmaßnahmen gekommen ist, sollten vor allem drei Reihen von Kriterien berücksichtigt werden:
• Epidemiologische Kriterien: anhaltender Rückgang und Stabilisierung der Zahl der Krankenhausaufnahmen und/oder der neuen Fälle
über einen längeren Zeitraum.
• Ausreichende Kapazitäten der Gesundheitssysteme: ausreichende Anzahl von ausreichende Krankenhausbetten, Arzneimitteln und
Ausrüstungen.
• Angemessene Überwachungskapazitäten, einschließlich hoher Testkapazitäten zur raschen Ermittlung und Isolierung infizierter
Personen sowie Kapazitäten zur Verfolgung und Rückverfolgung.

2Ein europäisches Konzept auf


der Grundlage gemeinsamer Prinzipien
Auch wenn die Situation in den einzelnen Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich ist, kommt es entscheidend darauf an, auf der Grundlage eines
gemeinsamen Ansatzes vorzugehen. Bei der schrittweisen Aufhebung der Beschränkungen sollten sich die EU und ihre Mitgliedstaaten von
drei Grundprinzipien leiten lassen:
• Die Maßnahmen sollten sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen und die öffentliche Gesundheit in den Mittelpunkt stellen,
während ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den sozialen und den wirtschaftlichen Abhilfemaßnahmen zu gewährleistet wird.
• Die Maßnahmen sollten zwischen den Mitgliedstaaten abgestimmt werden‚ um negative Auswirkungen auf alle Mitgliedstaaten und
politische Spannungen zu vermeiden.
• Respekt und Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten sind nach wie vor von entscheidender Bedeutung, um eine bessere Koordinierung
und Kommunikation zu gewährleisten und die gesundheitlichen und sozioökonomischen Auswirkungen der Pandemie zu mindern.

3 Flankierende Maßnahmen bei der


Aufhebung der indämmungsmaßnahmen
Zur erfolgreichen Aufhebung der Eindämmungsmaßnahmen ist eine Kombination verschiedener flankierender Maßnahmen erforderlich, die für
alle Mitgliedstaaten von Relevanz sind. Die EU unternimmt Schritte, um alle derartigen Maßnahmen zu unterstützen.
• Erhebung von Daten und Entwicklung eines robusten Meldesystems. Die harmonisierte
Erhebung und Weitergabe von Daten auf nationaler und subnationaler Ebene durch die
Behörden ist von entscheidender Bedeutung, um ein besseres Vorgehen bei der
Aufhebung der Maßnahmen zu erreichen.
• Schaffung eines Rahmens für die Ermittlung von Kontaktpersonen
und die Abgabe von Warnungen mithilfe mobiler Apps unter Wahrung des
Datenschutzes.
• Die Testkapazitäten müssen ausgeweitet und die Tests
vereinheitlicht werden. Schnelle und zuverlässige Tests sind
entscheidend für eine rasche Diagnose und die Ermittlung der
erworbenen Immunität der Bevölkerung. Die Kommission hat Leitlinien
für Coronavirus-Tests vorgelegt.
• Die Kapazitäten und die Krisenfestigkeit der Gesundheitssysteme
sollten ausgebaut werden, insbesondere um dem prognostizierten
Anstieg der Infektionen nach der allmählichen der Aufhebung der
Eindämmungsmaßnahmen entgegenzuwirken. Der EU-Haushalt wurde
mobilisiert, um hier Hilfe zu leisten.
• Die Verfügbarkeit von medizinischen und persönlichen
Schutzausrüstungen sollte verbessert werden. Die Kommission unterstützt
die Mitgliedstaaten durch die Bevorratung und Verteilung von Material und
Ausrüstung über rescEU und im Rahmen der gemeinsamen Beschaffung.
• Entwicklung und beschleunigte Einführung von Impfstoffen, Behandlungen und
Arzneimitteln. Die Entwicklung eines sicheren und wirksamen Impfstoffs wäre ein entscheidender
Wendepunkt im Kampf gegen das Virus und die zentrale Voraussetzung dafür, dem Ausbruch ein Ende zu setzen.
4Nächste Schritte
Folgende Empfehlungen können als Richtschnur für die Überlegungen der Mitgliedstaaten zur allmählichen Aufhebung der
Eindämmungsmaßnahmen dienen:
• Die Mitgliedstaaten werden schrittweise vorgehen. Die Maßnahmen werden schrittweise aufgehoben. Zwischen den einzelnen
Schritten sollte ausreichend Zeit vergehen (z. B. ein Monat), da ihre Wirkung nur im Zeitverlauf gemessen werden kann.
• Auf allgemeine Maßnahmen sollten schrittweise gezielte Maßnahmen folgen. Ein solcher Ansatz würde eine allmähliche Rückkehr
zur Normalität ermöglichen und gleichzeitig die EU-Bevölkerung weiterhin vor dem Virus schützen. Zum Beispiel:
1. Die am stärksten gefährdeten Gruppen sollten länger geschützt bleiben.
2. Positiv getestete Personen sollten in Quarantäne bleiben und angemessen behandelt werden‚ um die Übertragungsrisiken
zu verringern.
3. Die bestehenden allgemeinen Verbotsmaßnahmen sollten durch sichere, zielgerichtete Alternativen ersetzt werden.
4. Allgemeine Notstandsregelungen sollten schrittweise durch gezieltere staatliche Maßnahmen ersetzt werden.
Damit kann neben der demokratischen Rechenschaftspflicht für die ergriffenen Maßnahmen auch eine breite Akzeptanz in der
Bevölkerung gewährleistet werden.
• Zunächst sollten die Maßnahmen mit lokalen Auswirkungen aufgehoben werden; anschließend sollte schrittweise
zur Aufhebung von Maßnahmen mit größerer geografischer Reichweite übergegangen werden, wobei den jeweiligen
nationalen Besonderheiten Rechnung zu tragen ist. Dies würde wirksame und maßgeschneiderte Schritte zur Aufhebung der
Eindämmungsmaßnahmen sowie eine erneute Einführung solcher Maßnahmen ermöglichen, sollten neue Infektionsfälle auftreten.
• Ein stufenweiser Ansatz zur Öffnung der Binnen- und Außengrenzen‚ um die Freizügigkeit systemrelevanter Arbeitskräfte und den
ungehinderten Fluss unentbehrlicher Güter sicherzustellen.
1. Die Kontrollen an den Binnengrenzen sollten in koordinierter Weise aufgehoben werden. Reisebeschränkungen sollten
zunächst zwischen Gebieten gelockert werden, in denen die Coronagefahr als gering eingestuft wird. Benachbarte Mitgliedstaaten
sollten in engem Kontakt bleiben, um dies zu erleichtern.
2. In einer zweiten Phase würden die Außengrenzen für die Einreise nicht in der EU ansässiger Personen wieder
geöffnet werden, wobei die Verbreitung des Coronavirus außerhalb der EU zu berücksichtigen ist. Beschränkungen für nicht
unbedingt notwendige Reisen müssen kontinuierlich überprüft werden.
• Die Wirtschaftstätigkeit sollte schrittweise wiederaufgenommen werden‚ um sicherzustellen, dass sich Behörden und Unternehmen
in angemessener und sicherer Weise an die Zunahme der Wirtschaftstätigkeit anpassen können. Die gesamte Bevölkerung sollte nicht
gleichzeitig an den Arbeitsplatz zurückkehren, und die Abstandsregeln sollten weiterhin gelten. Die Telearbeit sollte gefördert werden. Am
Arbeitsplatz müssen die Bestimmungen über Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz eingehalten werden.
• Versammlungen von Menschen sollten nach und nach erlaubt sein. Bei ihren Überlegungen zur optimalen zeitlichen Abfolge sollten
die Mitgliedstaaten auf die Besonderheiten der verschiedenen Tätigkeitskategorien achten, z. B.:
1. Schulen und Universitäten;
2. kommerzielle Tätigkeit (Einzelhandel) mit möglicher Abstufung;
3. Gesellschaftliche Tätigkeiten (Restaurants, Cafés, Sportzentren) mit möglicher Abstufung;
4. Massenveranstaltungen.
• Die Bemühungen, die Ausbreitung des Virus zu verhindern, sollten fortgesetzt werden mit Sensibilisierungskampagnen, um die
Bevölkerung dazu anzuhalten, die bewährten Hygienepraktiken und die soziale Distanzierung aufrechtzuerhalten.
• Diese Maßnahmen sollten kontinuierlich überwacht und gewisse Vorkehrungen sollten getroffen werden, da die Gefahr eines starken
Wiederaufflammens des Ausbruchs und einer Rückkehr zu strengen Eindämmungsmaßnahmen besteht. Dies ist besonders wichtig für die
Gesundheitssysteme.

Die Erholungsphase – Wiederbelebung einer Wirtschaft


PDF doi:10.2775/101260 NA-AW-20-002-DE-N
Print doi:10.2775/722095 NA-AW-20-002-DE-C

zum Wohle der Menschen


Während die Eindämmungsmaßnahmen schrittweise aufgehoben werden, muss die Erholung strategisch
geplant werden, um die Wirtschaft wiederzubeleben und zu einem nachhaltigen Wachstum zurückzufinden.
In diesem Zusammenhang gilt es auch, den doppelten Übergang zu einer umweltbewussteren und digitalen
Gesellschaft zu ermöglichen und Lehren aus der derzeitigen Krise für die Vorsorge und Krisenfestigkeit der EU
zu ziehen. Die Kommission wird auf der Grundlage eines überarbeiteten Vorschlags für den nächsten
langfristigen EU-Haushalt (mehrjähriger Finanzrahmen) und des aktualisierten Arbeitsprogramms
der Kommission für 2020 einen Erholungsplan ausarbeiten.

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