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Anfangs sah der schwedische Sonderweg durch die Corona-Pandemie gar nicht

so schlecht aus: keine Ausgangssperren, Kitas, Grundschulen und Restaurants


blieben geöffnet - und hohe Todeszahlen wie in Italien oder Belgien gab es
keine. Schweden setzte vor allem auf freiwillige Maßnahmen seiner Bürger.
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42,4 % der Bewohner von Ischgl hatten Covid-19
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Anders Tegnell, der Chefepidemiologe des Landes, hielt drastische Eingriffe für
falsch. Menschen zu Hause einzusperren, werde auf lange Sicht nicht
funktionieren, sagte er im April. Früher oder später würden die Leute sowieso
rausgehen. Ein gewisses Infektionsgeschehen im Land galt für ihn als
tolerierbar, weil dadurch die Immunität in der Bevölkerung steigt.

Wohin diese Strategie geführt hat, zeigen die Todesstatistiken der vergangenen
Wochen. Im April und Mai starben in Schweden deutlich mehr Menschen als
im langjährigen Durchschnitt.

Die zusätzlichen Toten entsprechen ziemlich genau der offiziellen Zahl der
Covid-19-Toten - wie die rote Fläche im Diagramm oben zeigt.

Schweden steht mittlerweile bei 50 Covid-19-Opfern je 100.000 Einwohner -


Deutschland bei knapp elf. Anders Tegnell hat kürzlich sogar eingestanden,
dass ein etwas restriktiverer Weg wohl besser für sein Land gewesen wäre.

Bei den Todeszahlen hat Schweden Frankreich bereits hinter sich gelassen.
Italien, Spanien und Großbritannien kommen auf etwas höhere Zahlen. Mit
Abstand am schlechtesten in Westeuropa steht Belgien da, was aber auch damit
zu tun haben könnte, dass Tote in Altersheimen teils auch ohne Test als
Corona-Opfer gezählt wurden.

Aufschlussreich dabei ist der Blick auf die zeitliche Entwicklung der Todesfälle.
Folgendes Diagramm zeigt die Zahl der in einem Land bis dahin gestorbenen
Corona-Infizierten – bezogen auf den jeweiligen Tag und pro 100.000
Einwohner.

Die meisten Länder konnten das Prinzip "flatten the curve" offensichtlich
umsetzen - der Anstieg der Todeszahlen verringerte sich binnen wenigen
Wochen immer mehr. In diesen Ländern gibt es mittlerweile pro Tag nur noch
so wenige neue Todesfälle, dass man sie im Diagramm kaum sehen kann.

Doch zwei Länder tanzen aus der Reihe: Großbritannien und Schweden. Zwar
verlaufen auch hier die Kurven am Ende etwas flacher als zu Beginn. Doch es
gibt immer noch einen klar erkennbaren Anstieg von Tag zu Tag.

Als Erklärung für die vielen Covid-19-Toten werden in Schweden immer wieder
die vielen Infektionen in Altersheimen angeführt. Laut Anders Tegnell soll die
Hälfte aller Corona-Toten aus Heimen kommen.

Auch Schwedens Außenministerin Ann Linde bemühte kürzlich in


einem Interview mit der Deutschen Welle diese Erklärung. Sie und auch Tegnell
verschweigen allerdings, dass die vielen Toten in Altersheimen keinesfalls ein
auf Schweden beschränktes Phänomen sind. In der Schweiz kommen sogar 53
Prozent der Toten aus Heimen, in Deutschland sind es mindestens 40 Prozent.

Die vielen Toten in Schweden haben offensichtlich noch andere Gründe. Einer
dürfte sein, dass das Virus dort viel stärker grassiert als sonst in Westeuropa.
Und dass sich daran seit Wochen nicht viel geändert hat.

Das Coronavirus kennt keine Gnade: Wo sich jeden Tag viele Menschen neu
infizieren, stirbt mit großer Wahrscheinlichkeit ein paar Wochen später ein Teil
dieser Infizierten.

Die offiziellen Zahlen zeigen, dass die Infektionen in Schweden, anders als in
vielen anderen europäischen Ländern, kaum zurückgehen. Seit Anfang April
liegen die Meldungen stabil zwischen 500 und 600 Neuinfektionen pro Tag.

Ab Anfang Juni haben sich die Infiziertenzahlen sogar verdoppelt - das dürfte
aber in erster Linie an den stark ausgeweiteten Tests liegen und weniger am
tatsächlichen Infektionsgeschehen.

Schaut man auf die Zahl der täglich neu gemeldeten Covid-19-Toten, wird das
Problem Schwedens offenkundig. Das Land hatte bezogen auf die
Einwohnerzahl auf dem Höhepunkt der Welle zwar nicht ganz so viele Tote wie
Italien, Belgien, Frankreich und Großbritannien - das zeigt das folgende
Diagramm.
Doch nach dem Peak in der zweiten Aprilhälfte sank die Zahl der Toten
langsamer als etwa in Italien oder Belgien. Einen ähnlich langsamen Rückgang
der täglichen Todeszahlen gab es sonst nur noch in Großbritannien.

 Aktuell steht Schweden immer noch bei 3,2 Toten je eine Million
Einwohner und Tag.
 Schweden liegt damit klar vor Großbritannien und noch viel deutlicher
vor den übrigen europäischen Ländern.
 Der Wert entspricht rund 32 Toten pro Tag.
 Geht es so weiter, könnte Schweden in etwa 30 Tagen Italien bei der
Todesrate überholen.

Noch aber ist nicht endgültig ausgemacht, ob Schwedens Weg ein Irrweg war.
Wenn Länder wie Finnland, Deutschland oder Norwegen von einer zweiten
Infektionswelle getroffen werden, könnte die Zahl der Toten dort noch einmal
deutlich steigen.

Doch auch Schweden muss vorsichtig sein - von einer Herdenimmunität ist das
Land trotz des stärkeren Infektionsgeschehens nämlich weit entfernt. Anfang
Mai durchgeführte Antikörpertests ergaben Infektionsraten von lediglich vier
bis sieben Prozent. 
 
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