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Probleme der Gerechtigkeit-Sofran Smaranda

Die Frage nach der Natur der Gerechtigkeit ist seit der griechischen Antike Gegenstand
philosophischer Erörterungen. Der Begriff der Gerechtigkeit bezeichnet seit der antiken
Philosophie in ihrem Kern eine menschliche Tugend. Gerechtigkeit ist nach dieser klassischen
Auffassung ein Maßstab für ein individuelles menschliches Verhalten.

Dass Gleichheit den zentralen Kern der Gerechtigkeit ausmacht, das haben schon die
antiken Denker, insbesondere Aristoteles , unterstrichen. Und dies gilt für uns heute sicher
noch viel mehr als für die Antike, da wir es nun für ganz selbstverständlich halten, dass alle
Menschen von Natur aus gleichberechtigt sind. 

Dass Gleichheit den zentralen Kern der Gerechtigkeit ausmacht, das haben schon die
antiken Denker, insbesondere Aristoteles , unterstrichen. Und dies gilt für uns heute sicher
noch viel mehr als für die Antike, da wir es nun für ganz selbstverständlich halten, dass alle
Menschen von Natur aus gleichberechtigt sind. 

Aristoteles behandelt das Thema ,,Gerechtigkeit,, im fünften Buch seiner ,,Nikomachischen


Ethik’’. Die ausgleichende Gerechtigkeit ist ein Unterbegriff der Gerechtigkeit und
beschreibt gemäß der Nikomachischen Ethik von Aristoteles Rechtsbeziehungen zwischen
Gleichgeordneten. Im Gegensatz hierzu steht die „austeilende Gerechtigkeit“, welche die
Rechtsbeziehungen zwischen Ungleichen (zum Beispiel dem Staat und den Bürgern)
beschreibt.

Aristoteles unterscheidet bei der ausgleichenden Gerechtigkeit weiterhin zwischen


„austauschender Gerechtigkeit“ in freiwilligen Vertragsbeziehungen (z. B. Kauf, Verkauf,
Darlehen, Bürgschaft, Nutznießung, Deposition, Miete) und „wiederherstellende oder
korrektive Gerechtigkeit“ in unfreiwilligen Verkehrsbeziehungen (z. B. Diebstahl, Raub,
Freiheitsberaubung, Misshandlung, Totschlag, Mord)

Während die austeilende Gerechtigkeit eine geometrische Proportionalität zum Maßstab hat
(Verteilung nach Anspruch, Würde oder Verdienst), hat die ausgleichende Gerechtigkeit
eine arithmetische Proportionalität zum Maßstab (ohne Ansehen der Person).

Der zentrale Gedanke in Rawls’ 1971 erschienenem Hauptwerk ,,Eine Theorie der
Gerechtigkeit’’ ist das Verständnis von Gerechtigkeit als Fairness. Rawls macht ein
Gedankenexperiment: er schafft eine hypothetische Situation, in der Menschen, die ihre
künftige Stellung in der Gesellschaft noch nicht kennen, gemeinsam die Grundsätze für ihr
Zusammenleben definieren. Dieser „Schleier der Unwissenheit“ hat zur Folge, dass
Einzelinteressen keine Auswirkungen auf die Entscheidung der Bürger haben. So kann – in
der Theorie – garantiert werden, dass sich auch tatsächlich diejenigen Interessen durchsetzen,
die alle Bürger teilen. Obwohl Rawls lediglich die Bedingungen der Möglichkeit einer
gerechten Gesellschaft aufzeigt, wird deutlich, dass er eine Theorie der Gerechtigkeit auch als
Kritik an den Staaten des real existierenden Sozialismus verfasst hat. Diese nahmen ja für sich
in Anspruch, den alten Menschheitstraum einer gerechten Gesellschaft tatsächlich realisiert zu
haben. Bei Rawls schreibt aber nicht die Gesellschaft dem Einzelnen vor, wie eine gerechte
Ordnung auszusehen habe, sondern die Individuen legen deren Grundsätze aus freien Stücken
fest.

Während das erste Prinzip als Gleichverteilungsprinzip der Grundfreiheiten, politischer


Rechte und die Maximierung der individuellen Freiheiten verlangt, fordert das zweite Prinzip,
soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten so zu gestalten, dass vernünftigerweise zu
erwarten ist, dass sie zu jedermanns Vorteil dienen. Das zweite Prinzip ist ein
Erlaubnisprinzip für sozio-ökonomische Ungleichheiten, wobei die Ungleichheiten nur dann
als gerecht erscheinen, wenn sich die Aussichten der am wenigsten begünstigten Mitglieder
der Gesellschaft damit verbessern.

Ungerechtigkeit bleibt in den meisten Gerechtigkeitstheorien ein Epiphänomen und wird


allenfalls als abgeleiteter Begriff, vielfach einfach als das Gegenteil von Gerechtigkeit
behandelt.

Judith Nisse Shklar war eine amerikanische Politologin und Professorin an der Harvard-
Universität. Shklars Interesse galt zudem der Ungerechtigkeit und den Übeln in der Politik.
Sie war der Auffassung, dass die Philosophie der Ungerechtigkeit nicht die gebührende
Aufmerksamkeit schenkt. In der Vergangenheit hätten die meisten Philosophen das Problem
der Ungerechtigkeit ignoriert und stattdessen nur über Gerechtigkeit gesprochen, so wie sie
das Laster ignoriert und nur über die Tugend gesprochen hätten. Nach Ganz normale Laster
versucht Shklar in Über Ungerechtigkeit, diese Lücke im philosophischen Denken zu
schließen. Sie stützt sich auf Literatur und Philosophie, um aufzuzeigen, dass Ungerechtigkeit
und das Gefühl für Ungerechtigkeit zeitübergreifend und kulturübergreifend vorhanden und
von großer Bedeutung für die moderne politische und philosophische Theorie sind.

Judith Shklar verweist auf verschiedene sich im Hintergrund abspielende psychologische


Aspekte, die mit der Diskussion um Ungerechtigkeit verbunden sind. Leute, die im Nachteil
sind, betrachten sich oftmals als Opfer, auch wenn sie es objektiv nicht sind. „Den Standpunkt
der Opfer ernst zu nehmen, bedeutet jedoch nicht immer, dass sie immer zu Recht eine
Ungerechtigkeit wahrnehmen. Wir beschuldigen uns selbst und einander oftmals, ohne gute
Gründe dafür zu haben “ .Ungerechtigkeiten können ohne Absicht, allein aufgrund
ungünstiger Umstände entstehen. Ungerechte Verhältnisse haben ein Beharrungsvermögen,
weil die Profiteure der Situation Veränderungen verhindern wollen, zumindest aber gegenüber
Veränderungswünschen eine passive Haltung einnehmen. „Ein Grund, warum es kein
Heilmittel für Ungerechtigkeit gibt, liegt darin, dass selbst ziemlich rechtschaffene Bürger
keines wollen.“