Sie sind auf Seite 1von 40

Anforderungen an eine

Bioimkerei

Meistervorbereitung Hohenheim November 2011


Remigius Binder ❧ Bienenfachberater RP Tübingen
remigius.binder@rpt.bwl.de ❧ Tel 07071-757-3490
Anforderungen an eine Bioimkerei

1. Was verbinden Sie mit Bio-Imkerei?


2. Wie es zur BIO-Landwirtschaft kam
3. Wo liegen die Knackpunkte bei der Bio-
Imkerei?
4. Regelungen im Detail
Bio-Imkerei: Was verbinden
I
Sie
ch
damit? se
Ic
h gl
au
s
An lbe chä b n
m de n tz ic
Was heißt da biologisch? Die itBienen
re Pr e ht
b n o d da da
fliegen doch wohin sie wollen i n u s ra
o ur kt s
Sc ü e in n
hi be wi d !
ld rt e di
ch eu al e
en er le
Verbrauchertäuschung! dr t u
an nd
!
Auch Bio-Landwirte nicht überall wo bio drauf
betreiben steht, ist wirklich bio drin. da
Massentierhaltung - ist wird viel schindluder
das artgerecht? getrieben.
Bio-Imkerei: Was verbinden Sie
kern
damit? en, dass Im
z e i g n d
h t e nd e u
Möc k s t ä h is t!
n e R üc ö gli c
oh z en m
t e n
Resis Imkerei so betreiben, dass sie der
Umwelt nützt
Bei
m
Bed Imk
ber ürfnis ern die Bio-Landwirte gehen
üc k se d
sich er B wirkli verantwortlicher mit der
tige ien chen Natur um, diese
n! en
Bewegung will ich
unterstützen
Verbraucher wollen
kontrollierte Sicherheit
Historie der „Bio-Bewegung“
um 1900: Wandervogelbewegung, „zurück zur Natur“
Anfang 1920: Raoul Francé „Das Edaphon“ (bezeichnet die
Gesamtheit der im Boden lebenden Organismen)

1924: Rudolf Steiner, Vortragsreihe


„Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der
Landwirtschaft“
daraus entwickelt sich die bio-dynamische
Wirtschaftsweise (Betriebsorganismus, Präparate, …)
1954 (1924): Gründung des Demeter-Verbands
ab 1950: Maria und Hans Müller (Schweiz) und Hans-Peter
Rusch (D): Veröffentlichungen über
Bodenfruchtbarkeit
daraus entwickelt sich die organisch-
biologische Wirtschaftsweise
Historie der „Bio-Bewegung“
1971: Gründung von Bioland, 40 jähriges Jubiläum
in den 1970 und 80-er Jahren: Formierung der
„Umweltbewegung“, Kritik an den
ökologischen Folgen der chemisch-
technischen Intensivierung
1990-er Jahre: Nachhaltigkeitsdisskussion, Neugründung
weiterer Bio-Anbauverbände
1991: erste EWG-Bio-Verordnung (2092/91),
nachdem in Österreich und Frankreich
schon zuvor nationale VO geschaffen
wurden
2007: EG-Öko-Basisverordnung
Übe
2 0 1 0 r sich
1.1. be
t Anb
h le n et r ie a uve
Za e r B
%d 5 ,7 n
rbä
nde
t ca . ch e
s a m e r Flä
ge , 9 % d
nd 5
u
neues EU-Bio-Logo Übe
r sich
t Anb
a uve
rbä
nde

Ab dem 01.07.2010 besteht


Kennzeichnungspflicht mit dem
EU-Bio-Logo auf vorverpackten
ökologischen Lebensmitteln
Wo liegen die Knackpunkte bei der Bio-
Imkerei?

• Was bedeutet „natürlich“, „biologisch“ oder


„ökologisch“ in der Imkerei überhaupt?
• Flugradius und Trachtangebot
• Völkervermehrung
• Wachskreislauf, Vermeidung von Rückständen
• Möglichkeiten zur Varroa-Bekämpfung
• Winterfutter
• Material für Bienenbeuten
• Herstellungs- vor Produktkontrolle
Was verlangen EU und Bio-Verbände?
Was EU-VO Bioland Demeter

Bewirt- •Teilumstellung • Alle Völker • Alle Völker


schaftung möglich umstellen umstellen
• Mindestens: 1 • Warenzeichen • innerhalb von drei
Jahr fühestens 1 Jahr Jahren, solange
nach Umstellung „Umstellungsware“
Standort • Im Wesentlichen • keine • Ökofelder oder
Biokulturen oder nennenswerte naturbelassene
Wildpflanzen mit Beeinträchtigung Flächen
geringer der Bienenprodukte
Umweltbelastung im 3 km Umkreis zu
im 3 km Umkreis erwarten
• Keine
Anwanderung von
konventionellen
Intensivobstkulturen
Berechnung Kreisfläche F = rxrxπ
π = 3,14….

äh er nd
rnen ann
kön
o n 3 km
d ius v
lu gr a
in e m F r we r d en
Bei eFlächebFeflogen r
00 0 ha
3

r = 100 m F = 10.000 m² = 0,01 km² = 1ha


r = 250 m F = 196.000 m² = 0,196 km² ~ 20 ha
r = 0,5 km F = 0,785 km² = 78 ha
r = 1 km F = 3,14 km² = 314 ha
r = 2 km F = 12,56 km² = 1256 ha
r = 3 km F = 2826 ha
Bio-Imker beim Wandern?
Was EU-VO Bioland Demeter

Beuten • Natürliche • Holz, Stroh oder • Naturmaterialien wie


Materialien ohne Lehm, ausgenommen Holz Lehm oder Stroh,
Belastung von Dach, Kleinteile und ausgenommen Dach
Umwelt oder Gitterboden und Gitterboden
Imkerei-
erzeugnissen
Was EU-VO Bioland Demeter

Beuten • Natürliche • Holz, Stroh oder • Naturmaterialien wie


Materialien ohne Lehm, ausgenommen Holz Lehm oder Stroh,
Belastung von Dach, Kleinteile und ausgenommen Dach
Umwelt oder Gitterboden und Gitterboden
Imkerei-
erzeugnissen
Wachs Muss aus • Naturwaben- oder Naturbau- oder
ökologischen/ Entdeckelungswachs Entdeckelungswachs
biologischen aus Biolandbetrieb zur aus Demeterbetrieb
Produktion Herstellung von zur Herstellung von
stammen Mittelwänden oder Mittelwänden oder
Anfangsstreifen Anfangsstreifen
Was EU-VO Bioland Demeter

Beuten • Natürliche • Holz, Stroh oder • Naturmaterialien wie


Materialien ohne Lehm, ausgenommen Holz Lehm oder Stroh,
Belastung von Dach, Kleinteile und ausgenommen Dach
Umwelt oder Gitterboden und Gitterboden
Imkerei-
erzeugnissen
Wachs Muss aus • Naturwaben- oder Naturbau- oder
ökologischen/ Entdeckelungswachs Entdeckelungswachs
biologischen aus Biolandbetrieb zur aus Demeterbetrieb
Produktion Herstellung von zur Herstellung von
stammen Mittelwänden oder Mittelwänden oder
Anfangsstreifen Anfangsstreifen

Waben Keine speziellen Während Brutsaison Naturwabenbau (mit


Anforderungen Möglichkeit zu Anfangsstreifen) im
Naturwabenbau auf Brutraum, MW im
mehreren Waben Honigraum möglich
Was EU-VO Bioland Demeter
Bienen- • Organ. Säuren, • Organ. Säuren, • Organ. Säuren,
gesund- zugelassene biotechnische und Wärmebehandlung,
heit Thymolpräparate biophysikalische Brutentnahme,
• Drohnenbrutent- Methoden Kunstschwarm-
nahme nur zur bildung
Varroabekämpfung
Was EU-VO Bioland Demeter
Bienen- • Organ. Säuren, • Organ. Säuren, • Organ. Säuren,
gesund- zugelassene biotechnische und Wärmebehandlun
heit Thymolpräparate biophysikalische g, Brutentnahme,
• Drohnenbrutent- Methoden Kunstschwarm-
nahme nur zur bildung
Varroabekämpfung
(Winter-) • Ökohonig • Überwinterung • Einwinterung auf
Fütterung • Ökozucker nach Möglichkeit mit Honig ist
Honig anzustreben mind.
• Ökozuckersirup
• Bioland-Futtermittel 10% Honig
oder falls nicht • Ökofuttermittel
verfügbar • Keine
• Ökofuttermittel Reizfütterung,
• keine keine
Pollenersatzstoffe Pollenersatz-stoffe
Was EU-VO Bioland Demeter

Vermehrung Keine Angaben • Natürliche Zucht- • Vermehrung nur


Zucht und Vermehrungs- aus Schwarmtrieb
verfahren • Schwarm-
bevorzugen vorwegnahme und
• Besamung mit Kunstschwarmbil-
Ausnahme- dung erlaubt
genehmigung • keine künstl.
Königinnenzucht
Was EU-VO Bioland Demeter

Vermehrung Keine Angaben • Natürliche Zucht- und • Vermehrung nur


Zucht Vermehrungs- aus Schwarmtrieb
verfahren bevorzugen • Schwarm-
• Besamung mit vorwegnahme und
Ausnahme- Kunstschwarmbil-
genehmigung dung erlaubt
• keine künstl.
Königinnenzucht
Zukauf • Völker aus Öko- • Zukauf aus Bioland- • Kein permanenter
haltung Betrieben Völkerzukauf
• max. 10% • falls nicht verfügbar • bei Zukauf nur
konventionelle aus Ökohaltung aus
Königinnen oder • max. 10% Demeterbienen-
Schwärme, wenn konventionelle haltung
auf Ökowaben Königinnen oder • andere Völker als
Schwärme nackte Völker
eingliedern
Was EU-VO Bioland Demeter
Honig • Gesetzliche • Keine Erwärmung • Keine Erwärmung
Regelungen gelten über 40°C über 35°C
• keine Rückstände • Max. 18% Wasser • Max. 18% Wasser
aus Chemo- • max. 10 mg/kg HMF • max. 10 mg/kg HMF
therapeutika
• min. 10 U/kg • min. 10 U/kg
nachweisbar
Invertase Invertase
• Verkaufs- • i. d. R. Honig vor
/Lagerbehälter aus erstem Festwerden in
lebensmittelechtem Verkaufsgebinde
Material abfülllen
Was EU-VO Bioland Demeter
Kontrolle • Mind. • Mind. einmal jährlich • Mind. einmal jährlich
einmal • umfangreiche Doku- • umfangreiche Doku-
jährlich mentation von: mentation von:
• Dokumen- Wanderstandorten Wanderstandorten
tation usw. Ernte- und Ernte- und
Verkaufsmengen Verkaufsmengen
Varroabek. und Rück- Varroabek. und Rück-
standsuntersuchungen, standsuntersuchungen,
usw. usw.

Noch Hinweis auf Flugradius: Hinweis auf Flugradius:


was es werden auch Nicht- es werden auch Nicht-
Ökoflächen beflogen Ökoflächen beflogen
Zusammenfassung
• Imkern nach Öko ist (je nach Verband) mehr oder
weniger leicht möglich
• Auf den Flugradius der Bienen hat der Imker nur wenig
Einfluss
• für eine Öko-Imkerei gibt es eine Vielzahl von
Regelungen in den Bereichen:
• Wachskreislauf
• Varroabehandlung
• Völkervermehrung
• Winterfutter
• Beutenmaterialien
• umfangreiche Dokumentationspflicht
• Kontrollbesuch mind. einmal jährlich