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LUCIAN BLAGA UNIVERSITÄT HERMANNSTADT

FAKULTÄT FÜR PHILOLOGIE UND BÜHNENKUNSTE

LEHRSTUHL FÜR GERMANISTIK

DAS FRAUENBILD IM DEUTSCHEN MÄRCHEN

DIANA ELENA CRĂCIUN

PHILOLOGIE DEUTSCH-ENGLISCH

ZWEITES JAHR

HERMANNSTADT 2015
1. Einleitung

Der Geschlechterforschung in Märchen ist eine relativ neue wissenschaftliche Anliegen


und steht in Verbindung mit drei Bereichen: Literatur, Psychologie und Feminismus.
Märchen sind Prosatexte, die von wundersamen Begebenheiten erzählen. Im Gegensatz
zum mündlich überlieferten und anonymen Volksmärchen steht die Form des Kunstmärchens,
dessen Autor bekannt ist. Im deutschsprachigen Raum wurde der Begriff „Märchen”
insbesondere mit dem Name der Brüder Grimm verbunden. Einige Merkmale der Märchen:
sie sind frei erfunden, ihre Handlung ist weder zeitlich noch örtlich festgelegt und
phantastischer Elemente in Form von sprechenden und wie Menschen handelnden Tieren, von
Zaubereien mit Hilfe von Hexen oder Zauberern, von Riesen und Zwergen, Geistern und
Fabeltieren (Einhorn, Drache usw.) oft erscheinen.
Beginnend mit den Vätern des Feldes, Sigmund Freud und Carl Jung, beschäftigten sich
Psychoanalytiker mit Märchen in dem Bemühen, den menschlichen Geist zu verstehen. Dies
wird auf zwei Wegen erreicht: entweder durch das Studium der Psychologie und der
Bedürfnisse der Schöpfer dieser Geschichten oder durch Analyse der Gestalten. Freud
vermutete, dass Träume und Märchen aus der gleichen Stelle stammen, und die Lockerung
der Hemmung, die im Traumzustand auftritt, gilt auch für viele Geschichtenerzähler. So
Märchen könnten, wie Träume, Fenster ins das Unbewusste sein.
Märchen sind untrennbar mit der Arbeit von Carl Jung verbunden. Jung glaubte, dass ein
kollectives Unbewusste, die von allen Menschen geteilt wird, existiert. In Märchen wird das
durch Archetypen, Formen und Symbole ausgedruckt. Kinder mögen Märchen, weil sie in
einer Phase ihrer Entwicklung nah von den tieferen Schichten des kollektiven Unbewussten
sind. Laut die Nachfolger von Jung sind Märchen Leben in Miniatur und jede Gestalt
könnte eine Seite der Persönlichkeit darstellen.
Feminismus bezeichnet sowohl eine akademische als auch eine politische Bewegung, die
für Gleichberechtigung, Menschenwürde, die Selbstbestimmung von Frauen sowie das Ende
aller Formen von Sexismus eintritt. In den 1970er Jahren konzentrierten Feministen ihre
kritische Aufmerksamkeit auf Märchen und brach den Bann, dass die Leser seit Jahrhunderten
verzaubert hatte. Feministen sind mit den Geschlechterstereotypen von Märchen beschäftigt
und wie sie die Kinder beeinflussen. Frauen sind nicht zu erwarten, ihr Schicksal zu
bestimmen. Der Prinz immer entscheidet, die Prinzessin zu heiraten, und es gibt keine
Möglichkeit, sie „nein“ zu sagen. Selbstbestimmten Frauen sind immer hässlich und böse,
passive Prinzessinnen haben oberflächliche Vergnügungen, wie Reichtum und schicke
Klamotten, und Frauen werden von ihren Männern unterhalten. Eine Gruppe der
Frauenbewegung in Merseyside sogar überarbeiteten die Märchen (Dewhurst 2014).

2. Begründung

Märchen sind eine der meistgelesenen literarischen Gattungen in der Welt. Sie haben
Generationen und Generationen von Kindern amüsiert und ihr Einfluss ist überwältigend.
Aber Märchen sind nicht nur zum Vergnügen, sondern geben den Kindern auch Unterricht
über Menschen und das Leben. Viele Märchen von den Brüdern Grimm haben, zum Beispiel,
einen didaktischen Zweck. Die Frage ist, haben Märchen nur eine positive Wirkung auf der
Denkweise eines Kindes? Oder einige Bilder und Ideen könnten negativ ein Kind
beeinflussen?
Seit der Entwicklung der Genderforschung wurde viel über das Bild von Männern und
Frauen im Märchen geschrieben. Viele Wissenschaftler behaupten, dass Märchen
Geschlechterstereotypen zu jüngeren Generationen übertragen. Ein Stereotyp ist eine
Beschreibung von Personen oder Gruppen, die einprägsam und bildhaft ist und einen als
typisch behaupteten Sachverhalt vereinfacht auf diese bezieht. Kinder lernen von Märchen
wie sie sich verhalten müssen und sie wenden das später im Leben an. Aber Leben ist kein
Märchen und was gilt in der Literatur selten gilt im Leben. Wollen wir wirklich, dass unsere
Kinder ihre Leben mit Vorurteilen zu beginnen?
In den letzten Jahren wurden Geschlechterforschung häufig diskreditiert. Die Frage, die
sie erhoben, verdient jedoch untersucht werden. Die Antwort hat große Bedeutung für unsere
kollektive Mentalität und kann unsere zukünftige Haltung zu der Märchengattung und unser
Art der Kindererziehung zu bestimmen. Zeichentrickfilme, wie Mulan, schon versuchen das
Klischee der Frau als Jungfrau in Not zu brechen. Sollten wir unsere Kinder in der
traditionellen Weise zu erhöhen oder sollten wir Märchen aus ihrer Ausbildung vollig zu
eliminieren?

3. Referat

In einem typischen Märchen hat die Heldin eine gewisse "Weiblichkeit", der ihr den Lohn
bringt. „Schneewittchen“ lehrt Mädchen zu träumen, dass sie eines Tages von einem Prinz
gerettet werden. Weiben in den Brüder Grimm Märchen sind schön und fleißig, aber passiv,
während die Männer diejenigen sind, die Abenteuer suchen. Der Held findet als Belohnung
eine schöne, fleißige Frau und die Heldin einen Mann, der sie protegiert. Träume, Hoffnungen
und Wünsche sind wichtige Elemente in Märchen. Die Ausführung der eigenen Rolle gemäß
der Gender-Ideologie verspricht Erfüllung dieser Hoffnungen und Träume.
Die Brüder Grimm lebten und schrieben im 19. Jahrhundert und die Gesellschaft der
damaligen Zeit war patriarchalisch: um ein konstruktiver Teil des patriarchalen Systems zu
sein, sollte ein "gute" Frau passiv, gehorsam und ohne viel Initiative sein. Ein klassisches
Beispiel ist Aschenputtel. Nach sie ihren Schuh auf dem Ball verlässt, tut sie nichts, nur bleibt
zu Hause und wartet. Schneewittchen und Dornröschen warten auch geduldig, eher
unbewusst, von Männern gerettet zu werden. Man kann also die folgende Schlussfolgerung
ziehen: Ein "gutes" Mädchen wartet ruhig für die Chancen, zu ihr zu kommen und
unternimmt nichts, um ihre Wünsche zu erfüllen.
Wir müssen zwischen den 3 Phasen im Leben einer Frau zu unterscheiden: Mädchen, Frau
und Mutter.

Das Mädchen
Märchen sind nach der Regel der poetischen Gerechtigkeit aufgebaut: wenn das
Mädchen tut ihre Pflicht, wird sie von Gott belohnt. Die kleine Heldinnen sind in der Regel
schön, unschuldig, gehorsam und sanft dargestellt und sie beschweren sich nicht über ihre
Knechtschaft. „Gut“ bedeutet einfach „gehorsam“.
In der Grimms Version von „Aschenputtel“ sagt ihr die Mutter, wenn sie gut und
fromm ist, wird Gott um sie kümmern. Auch wenn sie schlecht behandelt ist, führt
Aschenputtel die Aufträge ihrer Stiefmutter und Stiefschwestern. Sie wird belohnt, während
die Stiefschwestern bestraft werden. Schneewittchen ist auch für ihre Ungehorsamkeit
bestraft. Die böse Königin betrügt sie dreimal. Sie fällt in Ohnmacht zwei Mal, nachdem sie
ein Geschenk von der bösen Königin, einen Kamm und Schnürbänder, berührt. Sie stirbt nach
dem Essen des giftigen Apfels, der die böse Königin ihr bringt, aber sie ist gerettet von dem
Königssohn für ihre Schönheit. Rotkäppchen wird vom Wolf gefressen, weil sie auf einen
anderen Weg geht. Ihre Mutter sagte ihr, sie sollte direkt zu ihrer Großmutter gehen, aber
Rotkäppchen ist versucht, ein paar andere Dinge zu tun, anstatt ihre Großmutter sofort zu
besuchen. Dann hat der Wolf genug Zeit, das Haus der Großmutter zu erreichen und sie zu
essen. Nach Rotkäppchen gerettet wird, gesteht sie, sie bedauert, nicht ihre Mutter zu
gehorchen. Sie verspricht das nie wieder zu tun. Die Moral ist klar für die kleine Leserinnen.
Die Heldinnen müssen auch sehr schön sein. In Märchen gibt es eine Korrelation
zwischen Schönheit und Liebesgeschichten. Vielleicht Märchen waren die ersten
aufgezeichneten Dokumente, die die Idee, dass schöne Frauen eine bemerkenswert bessere
Chance, Glück im Leben zu erreichen, vorgetragen haben.
Die berühmteste Märchen über Schönheit ist die Geschichte von Schneewittchen. Sie
ist so weiß wie Schnee und so rot wie Blut beschrieben, und ihr Haar ist so schwarz wie
Ebenholz. Die Haupthandlung beginnt mit der Eifersucht der Königin. Sie mietet einen Jäger,
Schneewittchen zu töten, aber er hat Mitleid von ihrer Unschuld und Schönheit. Das gleiche
passiert im Fall von den sieben Zwergen, die Schneewittchen in ihrem Bett schlafen bis zum
Morgen ermöglichen. Ihr Aussehen immer rettet sie aus Gefahr. Ihre Schönheit zieht die
Eifersucht von Frauen und die Aufmerksamkeit von Männern aus. Der Prinz verliebt sich in
Schneewittchen, obwohl er sie zum ersten Mal tot im Sarg sieht. So haben schöne Mädchen
einen Vorteil im Leben.
In der Aschenputtelgeschichte, wollen die beiden Stiefschwestern nicht, dass
Aschenputtel zu dem Ball geht, weil sie eine große"Konkurrenz" für den Prinzen ist. Aber mit
Hilfe ihrer Fee geht Aschenputtel in einer sehr schönen Kleid und ein Paar von Glasschuhe zu
dem Ball und ihrer Charme überrascht die Gäste. Ihre Schönheit ist auf ihrem Gesicht zu
sehen, aber es wird auch durch ihre kleinen Füße symbolisiert. Ihre Stiefschwestern haben
größere Füße, die nicht in der Schuh passen, und sie sind daher weniger feminin und weniger
wünschenswert.
Märchen bringen noch eine wichtige Botschaft an diejungen Leser: Harmonie im
Leben kommt von Resignation und Akzeptanz der Geschlechterrolle in der Gesellschaft. Die
Domäne eines Mannes ist der Öffentlichkeit und die Domäne einer Frau ist die Privatsphäre,
das Haus. Aschenputtel ist wieder ein gutes Beispiel. Sie musste von morgen bis abends hart
arbeiten, Wasser tragen, Feuer anzünden, kochen und waschen. Allerdings ist dies ein Vorteil
für sie, weil sie ihre weibliche Rolle ausübt. Schneewittchen ist auch von den Zwergen
akzeptiert, weil sie ihre Haus in Ordnung hielt. Man bemerkt, dass die Zwerge in der
Öffentlichkeit und Schneewittchen in Privat arbeiten. Aus Märchen erfahren die kleinen
Mädchen, dass das Haus ihre Verantwortung ist.

Die Frau
Eine gute Frau soll ihrem Mann untergeordnet bleiben und Hausarbeit tun. Für eine
Ehe glücklich zu sein, muss die Frau passiv sein. Eine Frau sollte nicht zu viel wissen,
immerhin ist Unwissenheit ein Segen. Wie bereits erwähnt, werden die Männer ermutigt,
kühn zu sein, aber das Gegenteil gilt für Frauen. Sie sollen die Familie festigen und Harmonie
in der Heimat bringen. Das Bild der Frau ist nicht so oft in Märchen gefunden, weil Märchen
vor allem mit jungen Leser und ihre moralische Erziehung beschäftigt sind.

Die Mutter
Ehe sollte das erste Ziel in das Leben einer Frau sein; dann sollte sie Kinder mit ihrem
Mann haben. Der Wunsch, Eltern zu werden, ist für ein Paar sehr wichtig. In „Dornröschen“,
wollen der König und die Königin sehr viel ein Kind und fühlen sich unerfüllt. Das ist auch
im Fall von „Rapunzel“.
Die Rolle der Feen ist auch ähnlich der Rolle der Mütter. Sie bieten dem Kind mit den
besten Sachen oder Eigenschaften an und sie schützen ihn. In „Dornröschen“, nachdem der
böse Fee einen Fluch auf die kleine Prinzessin macht, rettet die gute Fee sie durch
Verminderung der Macht der Fluch. Die Prinzessin wird nicht sterben, aber sie wird für 100
Jahre schlafen. In „Aschenputtel“ hilft die gute Fee die Prinzessin, ihre Probleme zu lösen.
Forscher stellen fest, dass Feen mächtig, aber nicht allmächtig sind und ihre Rolle kleiner als
die des Prinzen ist. Wieder einmal sind Frauen den Männern untergeordnet.

4. Schlussfolgerung

Märchen enthalten eine patriarchalische Ansicht über Frauen. Sie waren das Produkt der
patriarchalischen Gesellschaften von sehr alten Zeiten. Im 19. Jahrhundert wurden sie
verarbeitet und dann war es eine Notwendigkeit, diese Weltanschauung zu verstärken. Die
Märchenheldin ist weiblich, schön und fleißig, aber passiv. Sie nur träumt, dass sie eines
Tages von einem Prinz gerettet wird.
Wir müssen zwischen den 3 Phasen im Leben einer Frau zu unterscheiden: Mädchen, Frau
und Mutter. Das Bild des Mädchens ist am besten beschrieben, weil Märchen für ein junges
Publikum bestimmt sind. Die kleine Heldinnen sind in der Regel schön, unschuldig, gehorsam
und sanft dargestellt, aber der Akzent aliegt auf „gehorsam“. Sie müssen auch sehr schön sein,
was darauf hindeutet, dass schöne Frauen eine bessere Chance im Leben haben. Im Fall von
Ehefrauen sollen sie ihrem Mann untergeordnet bleiben und Hausarbeit tun. Sie sollen
Harmonie in der Heimat bringen. Kinder sind auch sehr wichtig und sollten nach der Ehe das
Ziel einer Frau sein. Die Domäne eines Mannes ist der Öffentlichkeit und die Domäne einer
Frau die Privatsphäre, das Haus.
In Märchen kommt Harmonie im Leben von Resignation und Akzeptanz der
Geschlechterrolle in der Gesellschaft. Ich bin der Auffassung, dass Märchen
Geschlechterstereotypen zu jüngeren Generationen wirklich übertragen. Es ist eine starke
kulturelle Tradition, Kinder durch Märchen zu erziehen, aber am Ende ist die Entscheidung
jeder Familie, wenn sie Märchen zu ihren Kindern lesen oder nicht. Ihr Einfluss in der
Gesellschaft und Kultur ist beträchtlich und wird nicht in absehbarer Zeit verschwinden.
Geschlechterforschung haben Märchen aus einer neuen Perspektive betrachtet und ich glaube,
es ist ein Schritt in Richtung ihrer besseren Verständnis.

Bibliographie

1. Al-Barazenji, Luma Ibrahim (2014):Women’s Voice and Images in Folk Tales and
Fairy Tales, [Berichtsband von SOCIOINT14- Internationale Konferenz für
Gesellschaft- und Geisteswissenschaften]
http://www.ocerint.org/Socioint14_ebook/papers/44.pdf (abgerufen 4. Mai 2015)
2. Bettelheim, Bruno (1976): The Uses of Enchantment, Random House, New York
3. Dewhurst, Ernest (2014): New Feminist Versions of Classic Fairy Tales, In: The
Guardian,http://www.theguardian.com/theguardian/2014/feb/11/women-feminism-
gender-fairy-tales (abgerufen 2. Mai 2015)
4. Neikirk, Alice (2009): Happyily Ever After (or What Fairytales Teach Girls
About Being Women), In: Hohonu 7/ 2009, 38-43,
http://hilo.hawaii.edu/academics/hohonu/documents/Vol07MASTER.pdf
(abgerufen 4. Mai 2015)
5. Tatar, Maria (22003): The Hard Facts of the Grimms' Fairy Tales, Princeton
University Press, Princeton, http://books.google.ro/books/princeton?
id=lTtMH_ezI4UC&pg=PA3&source=gbs_toc_r&cad=1#v=onepage&q&f=false
(abgerufen 2. Mai 2015)