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Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht


durch den Senatspräsidenten Univ. -Prof. Dr. Bydlinski als
Vorsitzenden sowie die Hofräte und die Hofrätin
Mag. Wurzer, Mag. Dr. Wurdinger, Dr. Hofer-Zeni-Rennhofer
und Dr. Parzmayr als weitere Richter in der Rechtssache der
klagenden Partei B*****, vertreten durch Dr. Thomas Kainz,
LL.M., Rechtsanwalt in Wien, gegen die beklagte Partei
A***** AG i.A., *****, vertreten durch die Jank Weiler
Operenyi Rechtsanwälte GmbH, Wien, und die
Nebenintervenienten auf Seiten der beklagten Partei 1.  I*****
AG, und 2. I***** GmbH, beide *****, vertreten durch die
Dorda Rechtsanwälte GmbH, Wien, und
3. MMag. Dr. K*****, vertreten durch die Brandl & Talos
Rechtsanwälte GmbH, Wien, wegen 80.311,82  EUR sA, über
die außerordentliche Revision der klagenden Partei gegen das
Urteil des Oberlandesgerichts Wien als Berufungsgericht vom
31. Jänner 2020, GZ 5 R 153/19k-82, mit dem das
(End-)Urteil des Handelsgerichts Wien vom 9.  August 2019,
GZ 26 Cg 89/11b-75, in der Fassung des
Berichtigungsbeschlusses vom 22.  Oktober 2019,
GZ 26 Cg 89/11b-79, bestätigt wurde, in nichtöffentlicher
Sitzung den

B e s c h l u s s

gefasst:
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Die außerordentliche Revision wird mangels der


Voraussetzungen des §  502 Abs 1 ZPO gemäß § 508 Abs 2
ZPO zurückgewiesen.

B e g r ü n d u n g :

Der Oberste Gerichtshof hat in der im ersten


Rechtsgang ergangenen Entscheidung (1  Ob 21/16v =
ÖBA 2017, 501 [zust Oppitz]) die Haftung der beklagten
Depotbank für Fehlberatungen (und etwaigen in der Folge
unterlassenen Richtigstellungen) durch den Mitarbeiter des
selbständigen Wertpapierdienstleistungsunternehmens, das
aber „substanzieller“ Vertriebspartner der Beklagten gewesen
war, (nur) soweit bejaht, als dieser – beim Ankauf von Aktien
– im Pflichtenkreis der Depotbank tätig gewesen war. Schon
damals wurde klargestellt, dass eine Depotbank als solche
keine „Nachberatungspflicht“ trifft (Pkte  2. u 3.8.) und sie
nur aufgrund von Vertragsverletzungen im Zusammenhang mit
den Beratungen zu Ankäufen haftet (Pkte  2. u 3.7.). Deutlich
wurde unterstrichen, dass ihre Ersatzpflicht bloß wegen der
rechtlichen Verknüpfung durch das Band des konkret
abgeschlossenen Vertrags in Form eines unbefristeten („bis
auf Widerruf“) und als Dauerschuldverhältnis beurteilten
„Sparplans“ (Ansparplans) auch noch jenen Schaden umfasst,
der aus dem unterbliebenen Verkauf des zu diesem konkreten
Ansparplan gehaltenen Aktienbestands resultiert.
Ausdrücklich verneint wurde – wegen des fehlenden
Rechtswidrigkeitszusammenhangs – die Zurechnung
weitergehender Schäden, nämlich solcher die aus dem
unterbliebenen Verkauf von Aktien herrühren, die aufgrund
anderer Verträge (oder auch bei anderen Banken) erworben
worden waren (Pkte 3.8. und 4.1.). Auch der Oberste
Gerichtshof ist – mit hier nicht vorliegenden Ausnahmen – an
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seine in derselben Sache in einem früheren


Aufhebungsbeschluss ausgesprochene Rechtsansicht gebunden
(RIS-Justiz RS0007010).
Der Kläger versucht in seiner Revision lediglich
bereits geklärte Fragen erneut an den Obersten Gerichtshof
heranzutragen. Seine Ausführungen zu der schon im
Aufhebungsbeschluss zitierten Entscheidung zu 3  Ob 220/12t,
die sich mit dem Zusammenhang zwischen auf
unterschiedlichen Verträgen beruhenden An- oder
(unterbliebenen) Verkäufen von Aktien nicht befasst, sind
nicht ganz verständlich. Er übersieht vor allem, dass im
wesentlichen Unterschied zu der nun zu beurteilenden
Konstellation der 3. Senat den falschen Rat der Bank selbst,
nämlich der Bankangestellten („ihrer Kundenbetreuerin bei
der Beklagten“) zu beurteilen hatte, während im vorliegenden
Fall vor allem zu beachten ist, in welchem Umfang das
Verhalten des Mitarbeiters des selbständigen
Wertpapierdienstleistungsunternehmens (wegen seiner
Stellung als „substanzieller“ Vertriebspartner) der Depotbank
noch zuzurechnen ist (dieser also bei seiner Beratung auch für
die Bank tätig wurde) und in welchem Bereich nicht.
Einer weiteren Begründung bedarf es nicht (§  510
Abs 3 ZPO).

Oberster Gerichtshof,
Wien, am 23. Juli 2020
Dr. B y d l i n s k i
Für die Richtigkeit der Ausfertigung
die Leiterin der Geschäftsabteilung: