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Der lange Weg zur Freiheit: Die Abschaffung der Leibeigenschaft im

zaristischen Russland

Die Leibeigenschaft in Russland entstand zwischen dem Ende des 16. und der ersten
Hälfte des 17. Jahrhunderts.
Im Jahr 1649 kam im Russischen Reich jedoch die Gesetzessammlung mit dem Titel
„Sobornoje uloschenije“ heraus, die die Leibeigenschaft
hervorgebracht hat.

Ab Mitte des 17. Jahrhunderts und bis zur Aufhebung der Leibeigenschaft 1861 gehörten
die russischen Bauern zu dem Stück Land, auf dem sie lebten. Sie konnten gekauft und
verkauft werden. Ihre Rechte wurden häufig missachtet. 

Nach der Französischen Revolution, die die persönliche Freiheit als grundlegendes
Menschenrecht veröffentlichte, musste die Leibeigenschaft abgeschafft werden.
Nikolaus I. richtete neun geheime Komitees ein, die sich während seiner gesamten
Regierungszeit von 1826 bis zu seinem Tod im Jahr 1855 damit befassten. 
Er verstand, dass den Bauern Land zurückgegeben werden musste und bat seinen Sohn
Alexander II., sie nicht weiter ihres Besitzes zu berauben. Nikolaus I. nannte die
Leibeigenschaft ein „Pulverfass” (бочка с порохом), auf dem der Staat saß. 

Im Jahr 1861 wurde, nach einer langen Vorbereitungszeit, das Dokument zur
Abschaffung der Leibeigenschaft von Alexander II. unterschrieben. Das führte zur
Befreiung von 23 Millionen leibeigenen Bauern, die 34 Prozent der damaligen
Bevölkerung betrugen.

In Wirklichkeit jedoch befanden sich die Bauern weiterhin in einem


Abhängigkeitsverhältnis. Das Land, auf dem sie lebten, war noch immer im Besitz der
Gutsherren und musste diesen abgekauft werden. Als Alternative stand es den Bauern
frei, nach dem Verlust des eigenen Landgebietes in der Stadt zu arbeiten.

Welche tatsächlichen Konsequenzen hatte die Bauernbefreiung letztlich?

Die Reform war ökonomisch nicht sinnvoll  

Nach Steuersenkungen und der Einführung von begrenzten Arbeitstagen,


Errungenschaften der Reform, arbeiteten die freien Bauern also weniger und nicht etwa
mehr. Natürlich gab es einige, die sehr fleißig waren und es zu Wohlstand brachten,
doch das war eine Minderheit.  

Verarmter Adel, verarmte Landbevölkerung  

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als der Bolschewismus aufkam, war der russische Adel
verarmt. Vom einstigen Vermögen war nichts mehr übrig und man hatte nie gelernt,
durch eigener Hände Arbeit Geld zu verdienen. Für den neuen Staat war der Adel
nutzlos. Die ehemaligen Bauern bildeten nun die Arbeiterklasse mit der
kommunistische Propaganda.

Es ist kein Wunder, dass es bei der ersten Verordnung der Sowjets um Grundbesitz
ging. Lenin versprach, den Bauern ihr Land zurückzugeben. Das war am Ende jedoch
auch ein leeres Versprechen. 
Die Reform führte zu zahlreichen Aufständen  

Die Reform führte zu einer Massenunruhe und zu Aufständen seitens der Bauern, denn
viele waren davon überzeugt, dass der Zar sie „wirklich“ befreit hatte und die
Gutsherren aus Bosheit die Wahrheit vor ihnen verheimlichten. Es brauchte weitere 45
Jahre, bis die Revolution 1905 die Regierung dazu zwang, diesen Zahlungen 1906 ein
Ende zu setzen.