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Aufklärung
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mobIlIsIerung

PresseArbeIt Vernetzung
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Vernetzung

menschenrechte

InformAtIonstätIgkeIt

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Protest trAnsPArenz
Protest
trAnsPArenz
InformAtIonstätIgkeIt 41 Protest trAnsPArenz Neulich am KaNal Wir bekommen Informationen, wenn wir
InformAtIonstätIgkeIt 41 Protest trAnsPArenz Neulich am KaNal Wir bekommen Informationen, wenn wir

Neulich am KaNal

Wir bekommen Informationen, wenn wir Informationen hergeben

«Der beste Weg, Informationen zu bekommen, ist, Informationen zu geben.»

n iccoló m achiavelli

Informationen haben die eigenartige Angewohnheit dort zusammenzulaufen, wo sie ausgetauscht und wieder weitergeleitet werden. Durch das automatische Zusammenlaufen der Informationen ent- steht ein Medium, ein Umschlagplatz für Informationen, ein Sendeplatz, der gleichzeitig Empfänger ist. Wer über Informationen als Tauschmittel verfügt, kann dafür andere Informationen erhalten. Den Wert der hereinkommenden Information tauscht das Medium zumindest teilweise gegen den Wert der Weiterverbreitungsleistung. Ein Medium bekommt Informationen, weil es Informa- tionen hergibt, verteilt, weiterleitet. In unserem Informationszeitalter ist es aufgrund der vielen, immer zugänglicher werdenden technischen Verbreitungskanäle auch für die Einzelne und den Ein- zelnen kein Problem mehr, selbst als Medium zu fungieren. Mit Internetzugang und Mobiltelefon bist du dabei. Als politisch aktive Person bist du fast unweigerlich als Informationstauschende_r und als Medium tätig, und du kannst allein oder im Team diese Dimension deines Tuns weiterent- wickeln. Stellt sich die Frage, was dich als Informationsbroker_in und Medium erfolgreich macht und was nicht.

Bereite dich auf die Nächste Protestwelle vor!

Warum sollen die Leute ausgerechnet deine Aussendungen und somit dich als Medium beachten? Am Anfang schwimmst du irgendwo vereinzelt im Meer der Informationen, und lang bevor du dich als vertrauenswürdiger Informationsdienst etablieren kannst, gibt es sie schon, die diversen großen und etablierten Medien. Es geht darum, einen eigenen Kanal aufzubauen, damit Informationen nicht nur zu dir kommen, weil du Informationen tauschen kannst, sondern wegen der Verbrei-

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tungskapazität deines Kanals. Am Anfang steht daher das Sammeln von Adressen von möglichen

Twitter #060
Twitter #060

Interessierten (E-Mail, Post, Tel.Nr.,

, Facebook-Friends usw.). Aber wie kommst du

an eine signifikante Anzahl von interessierten Menschen heran, die sich bei dir anhängen wollen? Erleichtert wird der Start, wenn zumindest eine kleine soziale Strömung oder eine special interest group da ist, für die deine Informationsarbeit eine Serviceleistung darstellt. Erleichtert wird der Aufbau des eigenen Kanals außerdem, wenn durch die Entwicklung neuer Medien gerade neue technische Vertriebssysteme interessant zu werden beginnen. Sei offen für Neue Medien. Wenn die Menschen mit diesen neuen technischen Möglichkeiten spielen wollen, wird Information, die über diese neuen Techniken verbreitet wird, attraktiver. Das Sammeln von Adressen und Benutzerkonten interessierter Menschen ist einfacher. Soziale und technische Strömungen und Wellen geben deinen Bemühungen zusätzlichen Drive. Es genügt aber nicht, einfach auf die Welle zu warten. Du musst schon etwas Schwung haben, wenn die Welle kommt, sonst verpasst du sie.

eiN BlicK zurücK vor faceBooK uNd twitter

Als Mitte der 1990er das Internet Einzug in die Haushalte gehalten hat, gab es prompt in politi- schen Zusammenhängen die ersten, damals naiverweise noch ungeschützt ausgesendeten E-Mail- Adresslisten. Aktivist_innen sammelten E-Mail-Adressen überall dort, wo sich politisch engagier- te Menschen trafen, bei Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen, über Unterschriftenlisten und

. Der E-Mail-Vertriebsweg ermöglichte den Aufbau neuer Kanäle

einer

in der

offene

E-Mail-Verteiler # 0 3 0

E-Mail-Verteiler #030

Gegenöffentlichkeit

E-Mail-Verteiler # 0 3 0 Gegenöffentlichkeit

. Für heutige Verhältnisse ist es wohl unvorstellbar, dass in den späten

Diskurs
Diskurs

1990ern eine kleine Gruppe Aktivist_innen mit lächerlichen 40 E-Mail-Adressen den

damals aufbrechenden politisch-antirassistischen Szene Österreichs maßgeblich beeinflussen konnte. Im Laufe des Jahres 1999 war der zentrale Mailverteiler im Antirassismusbereich auf 600 Adressen angewachsen. Als Anfang 2000 eine Regierung unter Beteiligung der rechtsextremen FPÖ unter Jörg Haider entstehen soll, werden diese 600 Adressen in den neu gegründeten E-Mail-Newsletter

«widerst@nd-MUND» eingebracht. Im Beitrag von Philipp Sonderegger zu

Netzwerk-Kampagnen

der Zivilgesellschaft
der Zivilgesellschaft

wird übrigens von sehr ähnlichen Erfahrungen berichtet.

wird übrigens von sehr ähnlichen Erfahrungen berichtet. Der widerst@nd-MUND Informationsdienst per E-Mail 1. Die
wird übrigens von sehr ähnlichen Erfahrungen berichtet. Der widerst@nd-MUND Informationsdienst per E-Mail 1. Die
wird übrigens von sehr ähnlichen Erfahrungen berichtet. Der widerst@nd-MUND Informationsdienst per E-Mail 1. Die

Der widerst@nd-MUND Informationsdienst per E-Mail

1. Die Doku «Widerstand im Haiderland» von Frederick Baker erinnert an die "Kultur des Widerstands" in den Jahren nach der unterirdischen Angelobung jener österreichischen Regierung, die durch den Pakt von Wolfgang Schüssel und Jörg Haider bestimmt war. 2. Eine Sonderausgabe des MUND vom 10.4.2000 widmet sich dem Thema «Kürzung des Posttarifs für Zeitungen» durch die sogenannte FPÖVP-Regierung. Der Newsletter fasst Artikel aus Zeitungen, Protestnoten, Termine zur Vernetzung, den Link zu einer Peti- tion und Aussendungen beispielsweise von «Reporter ohne Grenzen», der «Public Netbase» oder dem «Press- eclub Concordia» zusammen. 3. Die Zeitung «DER STANDARD» berichtet in der Printausgabe vom 24. September 2002, wie zivilgesellschaftliche Initiativen für ihre Zusammenarbeit am MUND Newsletter vom Innenministerium "bestraft" werden.

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Im Februar 2000 organisierte eine Handvoll Leute den für die nächsten Jahre bedeutendsten Nachrich- tendienst im Widerstand gegen die neue österreichische Regierung aus ÖVP und FPÖ. Während die Mit- gliedsstaaten der EU Sanktionen gegen Österreich aussprachen und jeden Donnerstag Demonstrationen gegen "SchwarzBlau" durch Wien zogen, wurde der fortan über Jahre hinweg täglich erscheinende News- letter zum zentralen Informationsdienst und Rückgrat der Protestbewegung. Anfangs an rund 2.400 E-Mail-Adressen ausgesandt, wurde er aus den Verteilern und Beiträgen der verschiedenen politischen Gruppen und Einzelpersonen gespeist. In den ersten Monaten der Protestbewegung war der Dienst

zeigte und diverse Gruppen

vernetzte. Schon bald verlangte das Sammelsurium der Beiträge dieser Gruppen nach einer Gliederung.

allein dadurch interessant, dass er die Vielfalt der

sozialen Bewegung #100

Kategorien #090
Kategorien #090

Eine Redaktion führt

ein und die Beiträge wurden innerhalb der Kategorien nach

Relevanz und Qualität gereiht. Mit dem spätestens ab 2004 unübersehbaren Abflauen der Protestbe- wegung verlor sich das Interesse an der Breite des «widerst@nd-MUND». 2007 wurde dieser tägliche Informationsdienst eingestellt. Das Zusammentreffen einer breiten, aktiven Protestbewegung einerseits mit auf der anderen Seite neuen technischen Möglichkeiten erleichtert das mediale Überschreiten von Gruppen- und Szenegrenzen und die Etablierung neuer, gemeinsamer Informationskanäle. Derart güns- tige Bedingungen bieten sich uns nur alle paar Jahre. Ohne Vorarbeiten kann die Chance für die Etab- lierung erfolgreicher Informationsdienste aber jedenfalls nicht ergriffen werden. Dasselbe Muster begeg-

mit den Möglichkeiten des

und dem Zusammenspiel der Social-Media-Kanäle.

net uns im Zusammentreffen der

unibrennt Studierendenbewegung 2009

unibrennt Studierendenbewegung 2009

Facebook #050

unibrennt Studierendenbewegung 2009 Facebook #050
Live-Streams #110
Live-Streams #110

, von Twitter,

Jede soziale Bewegung entwickelt ihre zentralen medialen Ausdrucksformen, ihre social media, an der Schnittstelle zwischen technischer und sozialer Innovation. Darüber darf aber nicht übersehen werden,

Soziale-Media #210
Soziale-Media #210

dass ältere

-Kanäle von ihren Anhänger_innen weiter verwendet werden. So mi-

schen sich in jeder neuen sozialen Bewegung in die neuen dominanten Kanäle auch ältere Kommuni- kationsformen hinein. Wo ein solcher Medienmix nicht gelingt, werden die ältere Informationsdienste von den neuen Kanälen ausgeschlossen, was die Verbreitung der neuen sozialen Bewegung in der Ge- sellschaft hemmt.

ziele auf iNformatioNsverdichtuNg aB!

Mit deiner wachsenden Bedeutung als Informationsdrehscheibe bekommst du nicht nur mehr inte- ressante Information zugespielt, sondern auch mehr Informationsmüll; und zwar exponentiell mehr. Sobald du aber Infomüll weiterleitest, sinkt die Zahl deiner aktiven Rezipient_innen, was wiederum die Menge und Qualität der hereinkommenden, für die Zielgruppe relevanten Information reduziert. Um dieser Spirale nach unten zu entgehen, musst du also bemüht sein, aus der Quantität der herein- kommenden Information Qualität zu machen. Dies erreichst du mittels Selektions-, Kombinations- und Verarbeitungsleistung, mit der du Information neu verdichtest. Der politische, ökonomische oder sozio-kulturelle Wert einer Information bemisst sich aus dem Vorteil, den die Information den Emp- fänger_innen bringen kann; wohlgemerkt nicht aus dem Wert, den diese Information für dich als Sendenden hat. Das ist das Dilemma aller Aufklärung, Bewusstseinsbildung und Überzeugungsarbeit. Je mehr du von deiner Information überzeugt bist, desto mehr tendierst du dazu, den Wert dei- ner Information für dein Publikum zu überschätzen und damit ins Leere zu senden. Gelungene Information verlangt Empathie und Wissen um das, was dein Publikum als relevant wahrnimmt. Die Relevanz von Informationen ergibt sich aus den sozialen Kontexten, in denen sich das Publikum be- wegt. Die ökonomische Dimension von Information lässt sich insbesondere dadurch ansprechen, dass Informationen auf eine bestimmte Knappheit und Nachfrage in der Zielgruppe zugeschnitten werden.

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The power of twitter

# 060

Wenn es um geschwindigkeit und Autonomie bei der Informationsweitergabe geht, ist twitter derzeit das mächtigste social-media-Werkzeug. Von der Podcasting fir- ma odeo 2006 als internes kommunikationstool gestartet, wurde twitter sehr schnell und kreativ für verschiedenste Anwendungen umgeformt. einer breiteren masse an menschen wird «Twitter» im zuge spektakulärer ereignisse ein begriff, wenn es mel- dungen auf dieser Plattform sind, die deutlich vor den breaking news der "corporate media" weltweite Öffentlichkeiten erreichen; so etwa schon bei dem terroranschlag in einem luxushotel in mumbai oder durch die flugzeugabstürze am Amsterdamer flughafen und später im hudson river in new York. Die ersten bilder verbreiten sich via twitter. selbst die redaktionen der medienhäuser erhalten durch das monitoring dieser Plattform ihre erstinformation neuer ereignisse. unter anderem entwickelt sich twitter rasch zur praktikablen kommunikationsplattform von politischen Aktivist_in- nen in prekären umfeldern. Der Aufstand nach den Wahlen im Iran 2009 zeigte, wie durch die nutzung von twitter totale zensur umgangen werden kann. «Twitter, das Medium der Bewegung», schreibt tIme im Juni 2009 zu den Protesten. und auch wenn die bedeutung von twitter bei großereignissen regelmäßig überschätzt wird, studien im nachhinein zeigen, dass die masse der twitter-nachrichten von kanälen abseits der krisenherde ausgehen und viel fehlinformation verbreitet wird, an der eminenten relevanz dieser social-media-Plattform ändert das nichts. Im fall der Pro- teste im Iran 2009 und später der Volksaufstände in tunesien und ägypten 2011 ver- breiten sich Informationen über Proteste, Polizeibrutalität, folter und mord weltweit zuerst via twitter.

twitter ist innerhalb von Demonstrationszügen und zur live-berichterstattung von kundgebungen, streiks oder anderen Aktionen einsetzbar. Dazu bedarf es allein ei- nes smartphones, eines twitteraccounts und nachrichten in sms-länge. Wie kein anderer Dienst ermöglicht twitter das einfache wie schnelle zusammenschalten be- stehender netzwerkstrukturen im falle besonderer ereignisse. Verbreitet werden so nicht nur textinformationen von unter 140 zeichen, sondern vielmehr vorort mit dem

live-streams #110

oder

smartphone gemachte fotos und Videos, sowie links zu

längeren texten an anderer stelle. "breaking news" sind mit einem klick in das eige- ne netzwerk weiterleitbar, so wie es nur eines klicks bedarf, gerade wichtige nach- richtenverteiler zu abonnieren oder die twitterstruktur auf das gerade interessierende

#090
#090

thema umzuschalten. Über den filter des hashtags

ensteht augenblicklich ein

echtzeit-newsticker zum ereignis, sei das #unibrennt, #s21, #egypt oder etwa die Diskussion zu einer konferenz, einem medienereignis, einer organisation wie #wi- kileaks. twitterkanäle werden je nach nutzungsverhalten verwendet, Interessent_in- nen über eigene Aktivitäten am laufenden zu halten oder sich selbst via twitter am

zu beteiligen, mit freund_in-

laufenden zu halten, sich an

nen zu plaudern oder twitteratur zu produzieren beziehungsweise zu "faven", also zu goutieren. Die nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig und reichen von passiv bis aktiv.

Debatten und Diskursen

#610 ►
#610

Wer die kommerzielle Ausrichtung scheut kann zudem auf die freie software identi.ca zurückgreifen und trotzdem in der globalen zwitscheria mitmischen.

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Be the BreaKiNg News!

Die Geschwindigkeit, mit der du an neue Informationen herankommst, ist wichtig. Je schneller und exklusiver du relevante Informationen weiterleitest, desto eher kannst du dir als Medium den Nimbus des Neuigkeitswerts erobern. Je mehr sich deine Informationsgeschwindigkeit herumspricht, desto eher werden andere dich als Informationsumschlagplatz beobachten. Sie werden dich früher infor- mieren als andere, wenn sie was Interessantes zu melden haben. In der Geschwindigkeit der Informa- tionsweitergabe liegt auch eine Steuerungsmöglichkeit. Wenn du dir eine beobachtete Informations- position erarbeitet hast, kannst du Themen, Debatten und thematische Sichtweisen einbringen und die Richtung von Diskussionsverläufen mitbestimmen. Das funktioniert unter anderem, indem du schneller informierst als andere. Wenn deine Information zu einem bestimmten Ereignis als "Breaking News" an eine große Zahl von Rezipient_innen gelangt, schaffst du damit die Rahmung des diskursi- ven Terrains für alle später kommenden Informationen. Abwandlungen der Erstinformation werden als deren Wiederholung beziehungsweise Bestätigung oft weniger genau wahrgenommen. Jedenfalls werden sie im Lichte der Information gesehen, die du bereits an die Zielgruppe gebracht hast. Zudem nimmst du einigen anderen die Informationsarbeit ab. Wenn die Info bereits herumschwirrt, haben andere weniger Ansporn, selber Informationsarbeit zu leisten. Eher werden sie deine Info weiterleiten.

Nicht nur Schnelligkeit, auch das Eröffnen ungewohnter Einblicke kann Newswert haben. Aller- dings ist es eine schwierige Gratwanderung, den Horizont über die bisherige Rezeption des Publi- kums hinaus erweitern zu wollen. Die Relevanz des bisher außer Betracht Stehenden muss mit ver- mittelt werden. Wenn das nicht gelingt, das heißt das Publikum die Relevanz nicht erkennen kann oder mag, wird die Information unwichtig und somit entwertet. Du darfst dich mit ungewöhnlichen News nicht zu weit hinauslehnen.

sei glauBwürdig: mach fehler uNd thematisiere sie!

Du musst die Wahrheit der Informationen nicht garantieren. Das kannst du gar nicht. Du darfst irren, Falschmeldungen aufsitzen, etwas nicht in den richtigen Kontext gebracht haben. Im Moment der Aussendung solltest du von der Wahrheit der Information überzeugt sein. Später kannst du bei Bedarf Fehler richtigstellen, Irrtümer korrigieren. Freilich, wenn ein Lapsus à la Hitlertagebücher passiert, dann ist deine Glaubwürdigkeit als Medium vernichtet. Der Anschein der Kredibilität muss gewahrt sein; da ist zwar förderlich, wenn dir nicht öfters Falschmeldungen nachgewiesen werden, vor allem wirst du aber am Umgang mit deinen Fehlern gemessen. Informationen müssen nicht unbedingt wahr sein, um relevant zu sein und somit tendenziell aufgegriffen und weitergeleitet zu werden. Meistens genügt es, dass sie nicht gänzlich unplausibel sind und nicht gleich als falsch entlarvt werden können. Wenn Teil der Informationsverdichtung deines Kanals die kompetente Klärung, Richtigstellung und Nachbearbeitung von in der Eile zunächst falsch bewerteter Informationen ist, wird das als wertvolle Qualität wahrgenommen werden. Informationen, die zu kollektiven Phantasmen passen, können sich schneller und leichter verbreiten als Wahrheiten, die niemand hören mag, weil sie als zu komplex wahr- genommen werden oder Ohnmachtsgefühle auslösen. Problematisch ist, dass komplexe Information tendenziell verworfen oder verdrängt wird, anstatt als Widerspruch angenommen zu werden und ent- sprechende Reflexionsprozesse auszulösen. Komplexität hat ihren Ort eher in Bildungszusammenhän-

gen, wo es kollektive Verarbeitungsprozesse samt einem zeitintensiveren Austausch und Rückfragen zu

einem bestimmten Thema geben kann. Daher gilt: Die langsamere bildungsförmige Informations- arbeit, in der der Umgang mit Widersprüchen Platz hat, ist nicht durch die mediale ersetzbar.

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46 moBilisieruNgswettlauf uNd aKtioN Am Vormittag des 29. April 2010 kommt es zu einer Polizeiaktion beim

moBilisieruNgswettlauf uNd aKtioN

Am Vormittag des 29. April 2010 kommt es zu einer Polizeiaktion beim fussball- training des fc sans Papiers in Wien. ein großaufgebot der Polizei umstellte den fußballplatz und stürmte von mehreren richtungen auf spieler los, nimmt einige fest und will sie in schubhaft überstellen. Ihnen droht die umgehende Abschiebung. noch während der Polizeiaktion wird diese Info via sms, e-mail- Verteiler, foren, facebook, twitter und andere kanäle weiterverteilt. Wenig später wird über dieselben kanäle zur solidemo aufgerufen. einer ersten kleinen gruppe durch die Info mobilisierter Aktivist_innen gelingt es, beim schubgefängnis her- nalser gürtel einen Polizeibus zu stoppen, der einen gerade festgenommenen spieler des fc sans Papiers zur Vorbereitung der Abschiebung in ein anderes gefängnis überstellen soll. mehr solidarische Demonstrant_innen kommen und schließen sich der spontanen blockade an, über die laufend über alle kanäle be- richtet wird. Die Aktivist_innen können anfangs den mobilisierungswettlauf gegen die Polizei gewinnen, noch während der geschehnisse erscheinen erste berichte in etablierten onlinemedien. erst stunden später kann sich die Polizei mit Ver- stärkung, hundestaffel, Pfefferspray und gewaltsamer Auflösung der sitzblocka- den durchsetzen. Die Aktion mündet in polizeilicher repression, über 30 passiv Widerstand leistende Aktivist_innen werden festgenommen, was nun allerdings nicht nur vor ort einige menschen miterleben, sondern über die heißlaufenden kanäle deutlich mehr menschen via WWW mitverfolgen. zwei mitglieder des fc sans Papiers werden schließlich trotz dieses Widerstand in den darauffolgen- den tagen abgeschoben. Anhand der spontandemo am hernalser gürtel kann sehr deutlich aufgezeigt werden, wie Aktivismus auf der straße und die nutzung von social media einander ergänzen können. Die live-berichte via twitter, fotos

Videos
Videos

und

werden noch in derselben nacht in blogs nachbereitet. eine tage-

lang andauernde Diskussion über die busblockade in den mainstreammedien ist das nachspiel dieses weithin beobachteten konflikts. Das macht einmal mehr

Aktionen Diskurse
Aktionen
Diskurse

deutlich, wie manifeste

macht einmal mehr Aktionen Diskurse deutlich, wie manifeste , Demos und streiks in enger Verbindung mit

, Demos und streiks in enger Verbindung mit

social media zur Verbreitung kritischer

genutzt werden können. um-

gekehrt wird auch sichtbar, wie vergleichsweise schwach der Impakt von social- media-Informationen im mainstream ist, wenn parallel keine manifesten Aktionen auf der straße oder sonstwo stattfinden.

stell deN KoNfliKt dar uNd setz ihN immer wieder iN szeNe!

Informationen können bis zu einem gewissen Grad propagandistisch gehyped und als wertvoll in- szeniert werden. Eine wichtige Propagandatechnik ist die stetige Wiederholung, um dafür zu sorgen, dass das Publikum in einem sozialen Raum immer wieder mit bestimmten Botschaften konfrontiert ist. Die Wiederholung einer Information steigert deren Relevanz. Mit entsprechendem Aufwand kann eine Inszenierung eine bis dahin irrelevante Information relevanter machen. In den meisten Fällen werden irrelevante Informationen jedoch irrelevant bleiben. Zudem sind die Instrumentarien der Propaganda Medienkonzernen oder Medien mit besonderem Einfluss in sozialen Bewegungen vorbehalten, die stark genug sind, soziale Räume mit ihren Botschaften zu besetzen. Allerdings lassen sich Informationen auch in kleinerem Maßstab inszenieren. Durch die Inszenierung als Konflikt lassen sich bestimmte Informationen leichter an ein Publikum bringen. Botschaften werden attrak- tiver und wahrscheinlich auch klarer, wenn sie als Widerstreit dargestellt werden, und das Publikum

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dem Streit zuschauen und sich eine Meinung bilden kann. Du tust also gut daran, über Konflikte zu informieren, wenn du attraktiv sein willst. Im Grunde genommen tun auch die Mainstream- Medien nichts anderes, als über Konflikte zu berichten, solange nicht irgendwo eine Naturkatas- trophe noch spannender zu sein scheint. Informationen sind per se nie neutral, sie können zwar aus unterschiedlichen Positionen unterschiedlich gelesen, interpretiert und verwertet werden, haben aber doch stets in sich eine gewisse Richtung. Diese Richtung lässt sich durch die konfliktförmige Darstellung noch stärker herausarbeiten.

arBeite aN farBe uNd toN deiNes KaNals

Sobald du eine Information nicht nur 1:1 weiterleitest, sondern sie in irgendeiner Form bearbeitest, kannst du gar nicht anders, als der Information zusätzlich noch deine Farbe mit auf den Weg zu geben. Das muss gar kein Nachteil sein. Vielmehr kannst du das zu deinem Vorteil nutzen. Witzige Sprache, Pointen, Klarheit, Kürze, Nüchternheit, Stilsicherheit, Deutlichkeit, Offenheit, Deklariert- heit aber auch zusätzliche Recherche, all das und noch viel mehr kannst du als persönliches Marken- zeichen entwickeln und damit eine zusätzliche Attraktivität bei den Rezipient_innen erreichen. Du kannst auch an sich alte Information attraktiver aufbereiten, als die Menschen vor dir und damit nochmals Publikum erreichen.

Wenn Deine Färbung allerdings nicht zu deinem Publikum passt, wird das deine Attraktivität redu- zieren. Je breiter dein Publikum, desto eher solltest du auf das achten, was als Neutralität und Serio- sität verstanden wird, denn dadurch machst du deine Informationen für viele anschlussfähiger, ohne dass bei deinem Publikum ein Bearbeitungsaufwand anfällt. Außerdem passt nicht jede Färbung zu jeder Information. Jedenfalls ergibt sich zwischen der Tendenz, die der Information selbst innewohnt und den Rezeptionsgewohnheiten des Publikums ein gewisser Spielraum, den du nutzen kannst, um Färbungen ins Spiel zu bringen.

Wesentlich mehr Beitrag zur Meinungsbildung leistet freilich immer noch deine Informationsver- dichtung. Sobald und solange die Menschen auf dich schauen, dich lesen und von dir kommende Informationen als relevant einstufen, kannst du insbesondere durch Auswahl der Informationen Lenkungseffekte erzielen.

durch Auswahl der Informationen Lenkungseffekte erzielen. Informationswettlauf und Informationsstrategien 1. Wir alle
durch Auswahl der Informationen Lenkungseffekte erzielen. Informationswettlauf und Informationsstrategien 1. Wir alle
durch Auswahl der Informationen Lenkungseffekte erzielen. Informationswettlauf und Informationsstrategien 1. Wir alle

Informationswettlauf und Informationsstrategien

1. Wir alle wissen, dass Bilder wichtig sind. Ebenso wichtig ist Vorbereitung. Die versuchte Abschiebung der Familie Komani führt nur deshalb zu einem öffentlichen Aufschrei, weil es die Bilder davon gibt, wie schwer bewaffnete Polizei um 6.40 in der Früh mit Sturmgewehr Kleinkinder abführt. 2. Die Behörden versuchen Bilder, Informationen und Aufmerksamkeit zu vermeiden. Die andere Seite versucht, aufmerksam zu sein und Bilder zu produzieren, am besten die Vorgänge dokumentierende YouTube-Videos, die schnelle Verbrei- tung finden. 3. Aktivist_innen harren oft nächtelang bei von Abschiebung Bedrohten aus, manchmal auch von Erfolg gekrönt.

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Du bist nicht der/die Einzige, der/die sich um Breaking News bemüht und der Information deine eigene Färbung mitgeben will. Informationen können im Rahmen einer Informationsstrategie be- wusst zurückgehalten, selektiv und vorrangig an bestimmte Medien und Personen weitergeleitet werden, um einen Informationsvorsprung herzustellen, oder um Schwerpunkte zu setzen und an- deren Informierenden die Show zu stehlen. Machtpositionen und privilegierte Informationszugän- ge können in besonderer Weise dazu genutzt werden, um zu überlagern und zu verdrängen, den Zugang zu Informationen zu verhindern oder zu erschweren. Informationsstrategien können ge- nauso darauf abzielen, kritische Expert_innen als uninformiert dastehen zu lassen. Abuse of power comes as no surprise. Kriege werden neuerdings auch ganz bewusst als Informationskriege geführt. Journalist_innen werden von Kriegsschauplätzen ferngehalten und nur ganz selektiv mit Informa- tionen und Bildern versorgt, oder sie werden "eingebettet" und kontrolliert. Auch österreichische Ministerien haben gelernt, dass sich mittels im Stillen vorbereiteter Exklusivpressekonferenzen un- ter Auswahl nur geladener willfähriger Journalist_innen das diskursive Terrain zum eigenen Vorteil aufbereiten lässt. Gleichzeitig wird Zensur in der Welt des World Wide Web immer schwieriger, wie das Beispiel der 90.000 gehackten Dokumente zum Afghanistan-Krieg zeigt, die im Juli 2010

auf
auf

Wikileaks veröffentlicht wurden und breites Echo in den Medien fanden.

zusammeNfassuNg

Um zu politischen Aktivitäten und Aktionen mobilisieren zu können – und erst recht um in dringli- chen Situationen schnell, organisiert und effektiv mobilisieren zu können –, muss in vorausschauen- der Aufbauarbeit eine Informations- und Kommunikationsstruktur aufgebaut und etabliert werden. Als Aktivist_in oder Organisation gilt es, die eigene Position als glaubwürdigen und relevanten In- formationsknotenpunkt zu etablieren und damit Netzwerkknotenpunkt in einer wachsenden Menge Interessierter zu werden.

Verbreite Informationen effektiv und effizient, das lockt gute Informationen an.in einer wachsenden Menge Interessierter zu werden. Bereite dich auf die nächste Protestwelle vor, insbesondere

Bereite dich auf die nächste Protestwelle vor, insbesondere durch das Sammeln von Publikum (= Adressen).effektiv und effizient, das lockt gute Informationen an. Nutze neue Medien, denn das steigert die Attraktivität

Nutze neue Medien, denn das steigert die Attraktivität deiner Information.insbesondere durch das Sammeln von Publikum (= Adressen). Betrachte die Selektion, Kombination, Verdichtung und

Betrachte die Selektion, Kombination, Verdichtung und Ordnung der Information als Dienst- leistung.denn das steigert die Attraktivität deiner Information. Verschaff dir einen Informationsvorsprung, indem du

Verschaff dir einen Informationsvorsprung, indem du schneller Informationen verbreitest als andere.und Ordnung der Information als Dienst- leistung. Inszeniere Konflikte, um die Aufmerksamkeit zu nutzen, die

Inszeniere Konflikte, um die Aufmerksamkeit zu nutzen, die Konflikten allgemein geschenkt wird.indem du schneller Informationen verbreitest als andere. Überschätze nicht den Wert deiner Information für dein

Überschätze nicht den Wert deiner Information für dein Publikum, sonst sendest du ins Leere.zu nutzen, die Konflikten allgemein geschenkt wird. Überschätze nicht die Macht der Information und der

Überschätze nicht die Macht der Information und der Medien, es braucht immer auch die unmittelbaren Aktionen und Konflikte, über die informiert werden kann. Also beschränk dich nicht auf Informationsarbeit. Be part of the action as well. Und hol dir dadurch einen Informa- tionsvorsprung.Information für dein Publikum, sonst sendest du ins Leere. manuals.sozialebewegungen.org/be-the-social-media 49 Begeh

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Begeh nicht den Fehler, fehlerhafte Information zu leugnen oder zu überspielen. Deine Glaub- würdigkeit sicherst du dadurch, dass du Fehler gegebenenfalls schnell richtigstellst.manuals.sozialebewegungen.org/be-the-social-media 49 Unterschätze nicht die Möglichkeiten der langsameren

Unterschätze nicht die Möglichkeiten der langsameren bildungsförmigen Informationsarbeit, in der der Umgang mit Widersprüchen Platz hat. Die Arbeit an und mit Widersprüchen kann deine medienförmige Informationsarbeit schärfen.dass du Fehler gegebenenfalls schnell richtigstellst. machiavelli, medien, newsletter, Protestwelle, e-mail,

machiavelli, medien, newsletter, Protestwelle, e-mail, twitter, facebook, widerst@nd-munD, #unibrennt, breaking news, soziale bewegung, kanäle, Abschiebungen, sans Papiers, Informationshoheit, iranelectionkann deine medienförmige Informationsarbeit schärfen. KommeNtare Das habt ihr schön geschildert, wie man einen

KommeNtare

Das habt ihr schön geschildert, wie man einen interessanten Info-kanal aufbaut. Da könnten wir eigentlich gleich ein lehrvideo mit den wichtigsten tipps&tricks auf wientV.org machen, oder? ;-) wientV.org machen, oder? ;-)

Wirklich nahe geht mir natürlich die schilderung der fallbeispiele gegangen. Das ist auf der einen seite so brutal, dass einem das herz blutet. Auf der anderen seite haben alle super zusammengearbeitet, um die fälle wenigstens bekannt zu ma- chen und in die massenmedien zu bringen. und immerhin haben wir gewonnen.

Die rechtsvertreterin der familie, die sie da um halb sieben in der früh mit dem sturmgewehr abgeholt haben, hat schon ein halbes Jahr zuvor gut beschrieben, wie die Abschiebepraxis bei uns so läuft. hier ist ein kurzes Interview von Anfang Juni (bit.ly/Abschiebepraxis):

Wolfgang Weber sagt: wientv.org

Wolfgang Weber sagt:

wientv.org

(bit.ly/Abschiebepraxis): Wolfgang Weber sagt: wientv.org zu den umständen passt, dass bei der Abschiebung nicht nur

zu den umständen passt, dass bei der Abschiebung nicht nur die fremdenpolizei mit sturmausrüstung anrückt, sondern auch der Verfassungsschutz die Amts- handlung mitfilmt. siehe dazu unsere Doku „neun Jährige zwillinge mit Vater im gefängnis (bit.ly/VerfassungsschutzbeiAbschiebung)“.

«Wikileaks muss natürlich auch vorkommen, klar, ist ja auch in aller Munde. Ich hab übrigens vor kurzem ein Video gesehen, das ich dazu empfehlen kann, Julian As- sange bei TED. Interessantes Interview, wird ganz gut erklärt worum es geht:Jährige zwillinge mit Vater im gefängnis (bit.ly/VerfassungsschutzbeiAbschiebung)“ . Boris D. sagt: ista.co.at

Boris D. sagt: ista.co.at

Boris D. sagt:

ista.co.at

http://www.ted.com/talks/julian_assange_why_the_world_needs_wikileaks.html (auf englisch)

Guter Beitrag übrigens, war auch was für mich dabei.»

] [
] [

Renate sagt:

ista.co.at

«Oh Herrschaftszeiten, der widerstandMUND-newsletter, da werden Erinnerungen wach. Ich kann mich noch gut an die Donnerstagsdemos gegen die Schüsselregie- rung erinnern. Damals war auch die Botschaft der besorgten Bürgerinnen so ein Informationsknotenpunkt, dieser Kiosk am Heldenplatz mit allen aktuellen Flugis und Neuigkeiten. Gibt es vom Widerst@ndMUND eigentlich noch etwas?»

Andreas sagt: twitter.com/infopointaudim

Andreas sagt:

twitter.com/infopointaudim

«Hallo Renate! Naja, den widerstand@MUND als E-Mail-Bulletin gibt es jetzt schon gut 5 Jahre nicht mehr, aber das Archiv ist im Netz. Findest du hier: http://www.no-racism.net/mund/

lg einer der besorgten bürger ;-)»

Annalist

fallbeispiele.sozialebewegungen.org/annalist

Ich begann, sammel-e-mails zu schreiben, in denen jeweils das neueste stand.

erst ging es um die jeweils neuen entscheidungen der richter und staatsanwältIn-

nen, um neue Details aus den Akten, um [

]