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Architektur-Marketing per Video


Artikel aus dem “Deutschen Architektenblatt (09/2007) von Dipl.-Ing. Eric Sturm, Berlin

Der Siegeszug der digitalen Videotechnik ermöglicht es heutzutage, mit relativ


geringem Aufwand eigene Filme zu erstellen, am Computer zu bearbeiten und zu
vervielfältigen. Einfache Filme, deren Produktion vor wenigen Jahren noch eine
teure Spezialausrüstung und Profiwissen erforderte, lassen sich inzwischen auch
mit Digitalkamera, handelsüblichem Rechner und kostenloser Videoschnitt-
Software erstellen, auf DVD brennen oder ins Internet stellen.

Gerade im Internet hat sich das Medium “Video” in den letzten Jahren rasant etabliert
und bisherige Mediengewohnheiten umgekrempelt. Die alte Aufteilung: “Filme im
Fernsehen, Texte und Bilder im Internet, Sprache und Musik im Radio” gilt inzwischen
nicht mehr. Diese Entwicklung lässt sich vor allem im Unterhaltungsbereich verfolgen,
wo Videoplattformen wie YouTube in kürzester Zeit eine enorme Bedeutung erlangt
haben, aber auch bei “ernsten” Themen wie Nachrichten oder Fachinformationen, die
sich in Form von Online-Videos bequem und “on demand” am Computer abrufen lassen.

In vielen Branchen, z. B. der Immobilienwirtschaft, spielen digitale Videos bereits eine


wichtige Rolle bei Marketing und Vertrieb von Dienstleistungen und Produkten. In
diesem Artikel wird untersucht, inwieweit sich das Medium auch für die Kommunikation
von Architektur bzw. für das Marketing von Architekten eignet.

Online-Video der Zürcher Architekten "Frei + Saarinen" über den Umbau des Kinos Xenix, veröffentlicht auf
YouTube.

Warum Architektur-Videos? – Chancen und Potentiale

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Architektur wird klassischerweise in Form von Bildern, Plänen, Modellen und Texten
präsentiert und kommuniziert. Diese Darstellungsformen sind bewährt und erfolgreich.
Jedoch muss hinterfragt werden, ob sie in der heutigen Mediengesellschaft nicht ergänzt
werden sollten durch Formate, die unserer zeitgenössischen Wahrnehmung stärker
entsprechen. Gerade dann, wenn Architekturprojekte einer breiten öffentlichkeit
zugänglich gemacht werden sollen, hat das Medium “Video” schlichtweg die größeren
Chancen, die begrenzt vorhandene Aufmerksamkeit des Publikums zu binden.

Filmthemen und Ausgabe-Medien


Im Architekturbereich lassen sich Videos vielfältig einsetzen: Neben dem Image-Video –
als audio-visuelles Büroporträt – bieten sich bewegte Bilder vor allem für die
Projektpräsentation an. Projekt-Videos lassen sich sowohl in der Planungsphase als
auch während bzw. nach Abschluss der Bauarbeiten erstellen:

Planungsphase: Verknüpfung von Animationen des dreidimensionalen


CAD-Modells mit Satellitenfotos oder Realbildern aus dem Projektgebiet. Einsatz
des Films im Rahmen von Wettbewerben, bei Präsentationen vor Investoren oder
Gremien
Bauphase: Begleitung des Baufortschritts z. B. im Rahmen der
öffentlichkeitsarbeit oder zu Dokumentationszwecken
Nach der Fertigstellung: Dokumentation des Projektes, Filmeinsatz für die
Immobilien-Vermarktung oder das Eigen-Marketing des Büros

Die heute verfügbare Videotechnik und Kommunikationsinfrastruktur erlaubt die


Präsentation der Videos nicht nur in der persönlichen Präsentation per Beamer oder
Fernsehbildschirm. Da die Produktion von DVDs heute mit fast jedem Computer möglich
ist, lassen sich Filme z. B. auch büro-intern vervielfältigen und an Bauherren,
Projektpartner oder Journalisten übergeben oder versenden. Ebenso sind
“selbstlaufende” Präsentationen mit Projektvideos auf Messen oder am “Tag der
Architektur” denkbar.
Ein noch größeres Publikum erreichen Architekturvideos schließlich im Internet: Video-
Portale wie YouTube oder Google Video ermöglichen – ohne weitere Kosten – eine
weltweite Verbreitung. Darüber hinaus lassen sich die so publizierten Filme
unkompliziert in die Büro-Website “einbetten” und werten damit die eigene Präsentation
im Internet medial deutlich auf.

Best Practise: Beispiele für den Einsatz von Architektur-Videos


im Internet
Im Vergleich zu anderen Branchen sind digitale Videos von Architekten im Internet noch
relativ selten anzutreffen. Frei + Saarinen aus Zürich, 3xn aus Aarhus/Dänemark und
das Architekten-Netzwerk “Office for Subversive Architecture” setzen das junge Medium
bereits erfolgreich für ihre Projekt- und Außendarstellung ein.

3xn, Kopenhagen: Das dänische Büro präsentiert auf der eigenen Website
(www.3xn.com ) diverse Videos von geplanten Projekten – z. B. für das
Städtebauprojekt “Lighthouse” in Aarhus. Dabei werden Realfilm-Elemente und Fotos
geschickt mit Szenen aus 3D-Animationen kombiniert. Für die Präsentation nutzen 3xn
das weit verbreitete Flash Video-Format (FLV), das 98 % aller Internet-User ohne

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weitere Installation oder Download nutzen können.

osa, Darmstadt, das “Office for Subversive Architecture” (www.osa-online.net )


dokumentiert seine Projekte – oft im Grenzbereich zwischen Architektur und Installation
– bereits seit 2002 mit dem Medium Video. Die Architektengruppe platziert die Filme
sowohl bei YouTube, als auch auf der eigenen Website. Durch die Zusammenarbeit mit
dem Filmemacher Dan Edelstyn, dessen Bericht über ein osa-Projekt im britischen
“Channel 4” ausgestrahlt wurde, erlangte das Büro 2005 in England große Bekanntheit.
Dabei sehen die Architekten das Medium nicht primär als Marketing-Instrument: “Wer
Videos macht, hat auch mehr Gefühl für die zeitgenössische Wahrnehmung an sich, z.
B. von Bild- und Raumfolgen” so osa-Mitglied Oliver Langbein. Diese Erfahrungen, so
der Darmstädter Architekt weiter, fliessen wiederum in neue Projekte ein.

Frei + Saarinen, Zürich: Das junge Büro aus Zürich (www.freisaarinen.ch ) ließ den
Umbau eines Zürcher Kinos per Webcam dokumentieren, um via Internet die
öffentlichkeit an dem Bauprojekt teilhaben zu lassen. Aus den aneinander gereihten
Standbildern entstand nach Projektfertigstellung ein Zeitraffer-Film, der die 6-monatige
Bauzeit unterhaltsam dokumentiert. Der Film wurde nicht nur auf der Büro-Website und
bei YouTube platziert, sondern war auch Teil einer Video-Installation an der ETH Zürich.
Martin Saarinen, einer der beiden Büroinhaber, ist vom Marketing-Effekt der bewegten
Bilder überzeugt: “Gerade weil das Medium noch recht neu ist, haben wir viel
Aufmerksamkeit für unser Umbau-Projekt erhalten.” Auch zukünftige Projekte wollen die
Architekten wieder per Video dokumentieren lassen. Den Schnitt übernimmt Saarinen,
der sich inzwischen in eine Video-Schnitt-Software eingearbeitet hat, dabei selbst: “So
bleiben wir unabhängig von einem externen Dienstleister, außerdem sparen wir Zeit und
Geld”.

Online-Video von osa - The Subversive Architects, veröffentlicht auf YouTube.

Video vs. Fotografie


Im Vergleich zum klassischen Medium Architekturfotografie haben Videos einen
entscheidenen Nachteil: sie lassen sich nicht (aus)drucken, denn sie sind an das digitale

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Trägermedium gebunden. Schon allein aus diesem Grund können die bewegten Bilder
das Foto nicht ersetzen. Je nach Anforderung sollte aber eine bewusste Kombination
der beiden Darstellungsformen in Betracht gezogen werden: So überzeugen Videos
durch die Möglichkeit, auch komplexe Zusammenhänge verständlich zu vermitteln. Mit
Hilfe von Musik und Sprechertext kann der Betrachter in der Regel emotionaler
angesprochen werden als mit einem “stummen” Foto. Darüber hinaus ermöglicht ein
Film die umfangreiche Darstellung eines Themas auf begrenzter Fläche, dieser Vorteil
ist z. B. auf Internetseiten nicht zu unterschätzen. Wichtig ist dabei jedoch die Wahl des
“Deckblatts”, also des statischen Startbilds des Videos: wie bei einem Foto muss dieses
den Betrachter ansprechen – und zum Klick auf den “Start”-Button verleiten.

Videos benutzerfreundlich präsentieren


Die Welt der Videos kann kompliziert sein: ähnlich wie bei CAD-Programmen ist die
Vielfalt der Dateiformate groß, darüber hinaus lassen sich manche Dateitypen nur auf
bestimmten Betriebssystem-Konfigurationen abspielen. Sofern Sie die Videos nicht
persönlich vorführen – z. B. im Rahmen einer Präsentation – sondern auf DVD oder im
Internet bereit stellen, sollten Sie daher unbedingt auf eine einfache und bequeme
Handhabung der Daten achten. Dabei gilt grundsätzlich: Je weniger Klicks und
Einstellungen der Betrachter benötigt, um an Ihren Film zu kommen, desto besser.

Auf DVD sollte der Film sofort starten bzw. ein Navigationsmenü erscheinen, ganz so,
wie man es von einer Spielfilm-DVD gewohnt ist. Das bloße Abspeichern des Films z. B.
in Form einer Quicktime-Datei erfordert unter Umständen den mühsehligen Download
der richtigen Abspielsoftware aus dem Internet.

Im Internet hat sich die Präsentation von Video-Dateien im Flash Video-Format (FLV)
bewährt. Aufgrund der weiten Verbreitung des Flash-Players in modernen Browsern
kann dieses Format von 98 % Ihrer Besucher ohne Umwege genutzt werden. Weiterer
Vorteil: Man muss den Film erst auf die Festplatte herunter laden, sondern kann ihn
sofort starten, weil er Stück für Stück nachgeladen wird (sog. Streaming).

Ausgewählte Video-Portale im Internet


Bei diesen Portalen können Sie eigene Videos – in der Regel kostenlos und nach einer
kurzen Anmeldung – hochladen, veröffentlichen, und von dort aus auf der eigenen
Website einbinden.

YouTube

Sevenload

Videotube

Google Video

Focus Online LIVE

dailymotion

blip.tv

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WatchBerlin

Videoegg.com

MySpace TV

MyVideo.de

Businessworld

Umfang und Formate, “Eigenbau” oder Produktionsfirma?


“Für ein Projektvideo sind 2 Minuten völlig ausreichend”, so Jan A. Wolff, Inhaber von
NEXTFRAME (www.nextframe.de ) aus Hannover. Der studierte Architekt produziert
neben Dokumentarfilmen auch Image- und Projektvideos für Kunden aus dem
Immobilien- und Architekturbereich. Die Filme werden im HD-(“High Definition”) Format
aufgenommen, geschnitten und vertont. Von der Vorlagedatei in hoher Auflösung
werden dann je nach Kundenwunsch Filmkopien auf DVDs gebrannt oder für den
Einsatz im Internet optimiert. Die Kosten für ein professionell erstelltes, 2-minütiges
Video dieser Art liegen bei ca. 2.000 EUR.

Wer seinen Film dagegen gern im “Eigenbau” erstellt – oder zumindest selbst schneiden
möchte – kommt um die (zeit-)intensive Auseinandersetzung mit der erforderlichen
Software nicht herum. Dazu kommen die Softwarekosten, ca. 1.000 EUR für Profi-
Programme wie Final Cut Pro (von Apple) oder Adobe Premiere, wesentlich weniger für
Einsteiger-Programme wie Premiere Elements (ca. 75 EUR) oder Quicktime Pro (ca. 30
EUR). Kostenlos sind z. B. Apples iMovie (auf neueren Mac-Rechnern bereits
vorinstalliert) oder Microsofts Movie Maker (kostenlos bzw. auf Windows-Rechnern
teilweise vorinstalliert).

Weitere Informationen zu Video-Produktion und Video-Schnitt, Hard- und Software bietet


das Online-Magazin slashCAM.de .

Wie kommt das Video ins Netz?


Ein eigenes Video auf einem der bekannten Video-Portale im Internet zu veröffentlichen
ist einfach, kostenlos und bringt zusätzliche Reichweite für die eigenen Projekte. Vor
allem aber lassen sich die auf den fremden Server hochgeladenen Filme bequem in die
eigene Website “einbetten”: neben der einfacheren Handhabung bei der Website-Pflege
spart man dadurch sogar noch Online-Speicherplatz. Bei Dateigrößen von bis zu 100
MB pro Film ein nicht unerheblicher Vorteil.

Schritt 1: kostenlose Anmeldung bei einem der Video-Portale. Hierfür ist mindestens die
Angabe einer E-Mail-Adresse erforderlich.

Schritt 2: Auswahl der hochzuladenden Video-Datei von der eigenen Festplatte und
Upload (DSL oder ähnlich schneller Internet-Zugang empfehlenswert).

Schritt 3: Benennung und Beschreibung des Films sowie Verschlagwortung. Sehr


wichtig, denn durch diese Angaben wird Ihr Film über die Suchfunktion des Video-
Portals, aber auch über normale Suchmaschinen erst auffindbar! Je ausführlicher, desto

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besser. Meist können auch Links zur eigenen Büro-Website gesetzt werden. Dies sollten
Sie unbedingt nutzen.

Schritt 4: Nach der Veröffentlichung des Videos können Sie den sogenannten
“Embed-Code” – das sind ein paar Zeilen HTML – herauskopieren und in den Quellcode
Ihrer Büro-Website einsetzen. Daraufhin erscheint das Video auch auf Ihrer
Büro-Website.

Über den Autor


Der Autor, Dipl.-Ing. Eric Sturm, ist Webdesigner, Dozent und Publizist in Berlin, siehe
auch www.ericsturm.de .

Stand: 25.02.2008

Online-Magazin Internet-fuer-Architekten.de, Redaktion: Tel. 030-51694820; E-Mail: info@internet-


fuer-architekten.de

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