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Thema 19)

Kennzeichnen Sie die Strömung des Expressionismusses am Beispiel von Franz Kafka.
Analysieren sie die Zielsetzungen, Ursachen und die Entwicklung dieser Dichtung. Gehen Sie
auch auf die Merkmale der expressionistischen Dichtung ein.

EXPRESSIONISMUS (1910 – 1925)

Expressionismus (lat. expressio = dt. Ausdruck) bedeutet soviel wie Ausdruckskunst.

Zielsetzungen

Das Gegenteil vom Expressionismus ist der Impressionismus, der sinnlich wahrnehmbare
Eindrücke subjektiv wiederzugeben versucht.

An die Stelle von Objektivität, Sachlichkeit, Analyse und Zergliederung tritt die Ekstase,
mystische Erregtheit, innere Schau und Vision.
Der Dichter will Prophet sein und es herrscht eine idealistisch-subjektive Sollseinsdichtung.
Der Expressionismus ist nicht nur eine Frage der künstlerischen Form, sondern zugleich auch
der Ausdruck eines neuen Lebensgefühls, das alle Kulturbereiche erfasst.

Ursachen

Mit dem Ende des Jahrhunderts wird Europa von einer düsteren Krisenstimmung erfasst.

Der italienische Dichter Marinetti legt in seinem „ Manifest der futuristischen Literatur “ die
theoretischen Prinzipien des Expressionismus dar.

Entwicklung

Junge Dichter stellen sich in Empörung gegen ihre Zeit. In Zeitschriften (z.B. wird das
Manifest Marinettis abgedruckt) oder Aufrufen, Flugblättern verkünden sie neue Ziele, die
von ihrem Glauben an ein heraufkommendes Menschentum bestimmt sind.

Der stürmische Aufbruch wird zunächst vom Ersten Weltkrieg gehemmt. Der sich nun gegen
den Krieg wendende revolutionäre Expressionismus führt zu einer politisch-sozialen Dichtung
und mündet (ca. nach dem Krieg) in den Dadaismus und Surrealismus.

Merkmale

Die Stoffe sind vor allem aus der Vor- und Nachweltkriegszeit (auch während des Krieges)
entnommen.
Der Expressionismus führt den Kampf gegen die bürgerliche Gesellschaft und
Weltanschauung.
Alles Individuelle wird abgestreift und das Allgemeine und Dauerhafte versucht man im Wort
zu fassen. Somit tragen die Personen oft keine Namen, sondern Bezeichnungen wie „Mann“ ,
„Weib“.
Die expressionistische Dichtung ist Ideendichtung, nicht Erlebnis- oder Stimmungsdichtung.
Sprachliche Merkmale:
Eine neue Sprache ist notwendig, die imstande ist, die innere Vision auszudrücken.
Der impressionistische Nominalstil(d.h. die Vorliebe für aneinander gereihte Substantiva)
wird durch den Verbalstil verdrängt, um die Sprache dynamisch zu machen.

Merkmale der Dichtungsgattungen


In dieser Lyrik überwiegt die Reflexion (Nachdenken) in langen Monologen. Sie umfasst alles
von der schwermütig verkündenden Klage bis zur extatischen Jubelhymne.
Das expressionistische Drama ist ein symbolhaftes, ausdruckstarkes Ideendrama, das in die
lockere Folge von rasch aufeinander folgenden Einzelbildern, die wie im Film auf- und
abgeblendet werden, zerfällt. Es ist reich an rein mimischen Szenen und Monologe aufweist,
die im Naturalismus als unwirklich verpönt sind. Der neue Darstellungsstil erfordert eine
Annäherung an Oper, Film und Varieté.

Franz Kafka (19.- 20. Jhdt.)

Ist ein Autor der nur teilweise aus dem Expressionismus herausbegriffen werden kann.

Leben:
In Prag geboren, studiert Jus, wird Versicherungsangestellter und stirbt an Lungentuberkulose.
Nach seinem Tod werden die noch ungedruckten Manuskripte von seinem Freund Max Brod
veröffentlicht, da Kafka schon eine internationale Berühmtheit erlangt hat. Nach dem 2. WK
stellt er den wichtigsten Wegbereiter für den aufgekommenen Existenzialismus und
Surrealismus.

Charakteristik des Dichters:

Franz Kafka zählt zur sog. Prager Schule, weiters gehören noch dazu: Meyling, Kubin.

Kafka glaubt an keine Transzendenz der Menschen, jedoch spürt er ihre Abhängigkeit von
unsichtbaren Mächten, was Unruhe und Daseinsangst erzeugt.
Es werden in der Welt immer wieder plötzlich Vernichtungskräfte wirksam und der einzelne
Mensch fühlt sich mitschuldig. Auch wenn er sich keiner bestimmten Schuld bewusst ist und
nicht weiß vor wem er sich zu rechtfertigen habe.
Das Gewissen erscheint als eine Macht. Der Weg aber zur klaren Erkenntnis des Gewissens,
ist jedem Menschen versperrt.

Dichterisch kommt diese menschliche Unsicherheit dadurch zum Ausdruck, dass in Kafkas
Romanen und Erzählungen mitten in einer sachlich und glaubwürdig dargestellten Realität
unwirkliche, phantastische Gestalten und Szenen eingebaut erscheinen. Immer wieder
verwandelt sich die vorgestellte Wirklichkeit in einen Angsttraum.

Werke:
Die Verwandlung

Der Handlungsreisende erwacht eines Morgens als riesige Küchenschabe, in die er sich
verwandelt hat, auf. Er findet sich mit dem ab, jedoch erregt er den Ekel und die Abscheu
selbst der Eltern und der Schwester und geht an dieser Lieblosigkeit zugrunde.

Der Prozess

Der Bankprokurist Joseph wird eines Tages angeklagt, er weiß aber weder warum, noch wann
und von wem ihm der Prozess gemacht wird. Trotz all seiner Bemühungen vermag er nicht,
zu seinen Richtern vorzudringen. Sein Onkel führt ihn zu einem Anwalt, der zwar viel vom
geheimen Gericht erzählt und lange an einer Eingabe arbeitet, die aber nie fertig wird,
Schließlich wird das Urteil vollstreckt. An seinem 31. Geburtstag wird Joseph von zwei
schwarz gekleideten Herren geholt, die seine Henker sind. Er wird in einen Steinbruch vor der
Stadt geführt und mit einem Messer erstochen wird.

Fazit:
Der Mensch hängt von überpersönlichen Gewalten ab, die vergebens zu erkennen versucht.
Der Roman wird von Gottfried von Einem als Oper vertont.

Das Schloss

Der ins Land gerufene Landmesser versucht zur regierenden Verwaltung im Schloss
vorzudringen, weil man ihm mitgeteilt hat, dass er nicht gebraucht wird. Erst kurz vor seinem
Tod erfährt er, dass er im Land bleiben darf, er erfährt aber nie wozu und in welcher
Eigenschaft.
Der verborgene Gott, der „Graf“ des Schlosses, bleibt dem Menschen für immer unerreichbar.