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November 2008

Dem
Warum ist Korruption eigentlich ... Bundeskriminalamt
wurden 2006
Bestechungen von
... so schädlich für die Wirtschaft? 48 Mio. Euro
gemeldet.
Die Antikorruptionsorganisation Prozent aller Unternehmen
Transparency International definiert von Korruption betroffen. Fol­
Korruption als Missbrauch anvertrau- ge­kosten für Schäden durch unrecht-
ter Macht zum privaten Nutzen. Der mäßig ereilte Genehmigungen sind
Vorteil des Nehmers führt stets zum schwerer zu beziffern. Schädlich sind
Nachteil der Institution, für welche er jahrelange korrupte Beziehungen
arbeitet, ob Wirtschaftskonzern oder zwischen Unternehmen untereinan-
Staat. Der volkswirtschaftliche Scha­ der oder zur öffentlicher Verwaltung.
Neue Kapitalismuskritik den durch Korruption ist nur bedingt Sie setzen den freien Wettbewerb
in Geldbeträgen zu beziffern. Die zu- außer Kraft, die Folge ist Kartell­
Die Debatte über die Finanzkrise sätzlichen Managementkosten belau- bildung. Außerdem schwächt Korrup­
und ihre Folgen ist sehr emotio­
fen sich pro betroffenes Unter­nehmen tion das Vertrauen der Bürger in den
nal. Viele läuten, wie etwa Heiner
im Schnitt auf 180 000 Euro im Jahr, Rechtsstaat – ein Schaden, der mone-
Geißler, einst Bundesminister für
Jugend, Familie und Gesundheit, dabei sind in Deutschland zehn tär nicht erfassbar ist.
schon das Ende des Kapitalismus
ein. Strikte Ordnungsrahmen wer-
den gefordert. Dass die Banken-
aufsichten in den USA und Europa
im Fall der verbrieften, faulen Warum ist Korruption dennoch ...
US-Hypothekenschulden versag-
ten, ist offensichtlich.
Aus der Krise den Schluss zu zie- ... so weit verbreitet?
hen, die gesamte Wirtschaft müs-
se viel stärker reguliert werden, Die Schwierigkeit der Korrup­tions­ ten könnte, ist selbst in eine korrupte
wäre aber ein Fehler. Eine durch bekämpfung besteht im fließenden Beziehung verstrickt und fürchtet Kon­
Bürokratie und Gesetzgebung ge- Über­gang zwischen Provision und sequenzen, oder es wird ein Image­
fesselte Wirtschaft kostet Wachs- Bestechung. Deshalb herrscht kaum schaden für das Unternehmen be-
tum, das gerade eine überalternde
Unrechtsbewusstsein bei den Be­tei­ fürchtet. Am einfachsten aufzuklären
Gesellschaft wie die europäische
ligten. Im Jahr 2006 wurden in ist Korruption in der öffentlichen
dringend braucht. Die Kapitalis-
muskritiker in der Politik sollten Bei den Deutschland 1 609 Verfah­ Verwaltung, da dort Vorgänge besser
hinterfragen, warum gerade unter Fällen von ren wegen Korruption dokumentiert werden. Schwieriger
staatlicher Kontrolle stehende Lan- Korruption liegt die durchgeführt, die Dunkel­ ein­zudämmen ist die Korruption in
desbanken so früh in die Krise ziffer wird mit 95 Prozent Schwellen- und Entwicklungsländern.
rutschten. Viel Spaß beim Lesen!
Dunkelziffer
geschätzt. Dass die Auf­ Ertappte Mitarbeiter westlicher Kon­
nach Schätzungen bei
klärungsquote so niedrig zerne verweisen immer wieder dar-
95  Prozent. ausfällt, liegt in der Sache auf, dass Geschäfte dort ohne Korrup­
selbst: Wer Anzeige erstat- tion kaum möglich seien.
Chefredakteur, FOCUS-MONEY

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Keine Angst vor Weltweite Gefährliche Streit um die Lernen Impressum


Inhalt

Verantwortlich für den


Intelligenztests Rettungsaktion Offenbarungen Energiequellen mit LINKS redaktionellen Inhalt:
Viele Unternehmen unterziehen Die Regierungen dämmen die Wer die Karriere nicht riskie- Serie Globalisierung (7): Die MONEY-Buchtipps Frank Pöpsel
Bewerber einem Test des IQ. Finanzkrise ein. Einen Ab­ ren will, sollte in Internet- Energie als weltweit und -Bookmarks

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Verlag: Dieser Newsletter

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Worauf sich schwung können Netzwerken vor- handelbares Gut erscheint in der FOCUS
Prüflinge einstel- sie aber kaum sichtig agieren Magazin Verlag GmbH.
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2
Karriere Ab einem

IQ von 130
gelten Menschen In Deutschland

Intelligenz im Test in Deutschland als sind etwa

hochbegabt. 2 Prozent
Viele Arbeitgeber setzen im Auswahlverfahren auf der Menschen
IQ-Tests. Worauf sich Bewerber einstellen sollten. hochbegabt.

F rüher in der Schule haben die Klassen-


kameraden am liebsten bei Matthias
Moehl abgeschrieben. War doch gewähr-
zuständig für die Rekrutierung von Schul-
abgängern. Die Tests sind präzise auf die
Anfordrungen der Deutschen Bank zuge-
etwa das Kriterium der Kontrolle. Moehl:
„Es ist ein Merkmal eines qualifizierten
IQ-Tests, dass Aufgaben unter Aufsicht
leistet, dass er die Aufgaben richtig gelöst schnitten. „Ziel ist es, die Bewerber her- in einer gewissen Zeit bearbeitet werden
hatte. Matthias Moehl, heute 41 Jahre alt, auszufinden, die am besten zu uns als müssten.“ Ein weiterer Gütesiegel sei die
war gut. Außergewöhnlich gut. Das Abitur Arbeitgeber passen“, sagt Stoisiek. Normierung, sprich die Eichung nach be-
legte er mit einem Notendurchschnitt von Allgemein gilt: Der Intelligenzquotient stimmten Kriterien.
0,9 ab. Inzwischen weiß Moehl, dass er zu ist eine Kenngröße zur Bewertung des all-
den rund 1,6 Millionen Menschen in gemeinen intellektuellen Leistungsvermö- Begrenzte Aussage. Für Tests,
Deutschland gehört, die einen Intelligenz- gens. Als Quotient vergleicht er die Intel- die eine qualifizierte Aussage über den IQ
quotienten (IQ) von mindestens 130 haben ligenz einer Person mit der des Durchschnitts machen, kann man nicht lernen. Etwa zu
und damit als hochbegabt gelten. Ein In- der Gesamtbevölkerung zum selben Zeit- üben, wie Zahlenreihen fortgesetzt werden
telligenztest brachte das Ergebnis zu Tage. punkt. Doch Intelligenztest ist nicht gleich – eine gängige Aufgabe – führt nicht zu
Den legte Moehl ab, bevor er dem Verein Intelligenztest, betont Moehl, der bei Men- einem besseren Ergebnis. „Jede Zahlen-
Mensa beitrat. Mitglied dieses weltweit sa in Deutschland darüber wacht, dass die reihe wird anders fortgeführt. Deshalb gilt:
tätigen Klubs für Hochbegabte kann nur Intelligenztests ordnungsgemäß durchge- Entweder mir liegt diese Art zu denken
werden, wer einen IQ von mindestens 130 führt werden. Die Struktur dieser Lei- oder nicht“, erklärt Moehl. Nervosität hin-
hat und damit zu den zwei Prozent Intelli- stungsnachweise sei jeweils einer be- gegen könne das Ergebnis negativ beein-
gentesten zählt. stimmten Theorie verpflichtet. So gäbe es flussen. Moehl weist darauf hin, dass der
Reihen, die die allgemeine Intelligenz er- IQ nur begrenzt etwas über die Qualitäten
Angesagte IQ-Tests. Arbeitge- fassten und solche, die einzelne Kompo- eines Menschen aussagt. Der selbstständi-
ber suchen nicht unbedingt solche Über- nenten abfragten. Getestet würden Sprach- ge Informatiker aus Hamburg wählt den
flieger. Für viele Unternehmen in Deutsch- verständnis, wahrnehmungsgebundenes Vergleich: „Nur weil ich ein exzellenter
land ist der Intelligenztest dennoch ein logisches Denken, Arbeitsgedächtnis und 100-Meter-Läufer bin, bin ich nicht auto-
wichtiges Einstellungskriterium. Die Deut- Verarbeitungsgeschwindigkeit. matisch ein guter Mensch.“ Stoisiek von
sche Bank zum Beispiel prüft Bewerber, Nicht jeder IQ-Test, der so heißt, ist tat- der Deutschen Bank äußert sich ähnlich:
die eine Berufsausbildung beginnen möch- sächlich einer, sagt Moehl. Die zahlreichen Zwar seien die Eignungstests ein wichtiges
ten, anhand eines umfangreichen Eig- Internet-Tests zum Beispiel seien mit Vor- Hilfsmittel, um die Bewerber besser ken-
nungstests. „Zum Einsatz kommt dabei sicht zu genießen. Moehl: „Die machen nen zu lernen. Das persönliche Gespräch
unter anderem ein Intelligenztest“, sagt vielleicht Spaß, verlässliche Rückschläge sei aber letztlich entscheidend, ob jemand
Oliver Stoisiek, bei der Deutschen Bank auf den IQ lassen sie aber nicht zu.“ So fehle eingestellt werde oder nicht.

Neue Bachelor-Studiengänge an Deutschen Hochschulen

Maßgeschneiderte Medizin Clevere Reiseorganisation Internationaler Abschluss


Wo entsteht eine Krankheit? Wie können Ab dem Sommersemester nächsten Jah- Studium und Auslandsaufenthalt – der
Arzneimittelsubstanzen genau am richti- res bietet die Best-Sabel-Fachhochschu- neue Bachelor-Studiengang Transatlan-
gen Ort angreifen? Der neue Bachelor- le in Berlin den neuen Bachelor-Studi- tische Wirtschaftsinformatik an der Fach-
Studiengang Molekulare Medizin an der engang Travel Business Management hochschule Frankfurt am Main bietet eine
Universität Tübingen wendet sich an Stu- an. Travel Manager sind für die Organi- erstklassige Möglichkeit beides zu verbin-
dieninteressierte, die über eine fundierte sation von Geschäftsreisen, Kundenver- den. Durch Auslandsaufenthalte in den
naturwissenschaftliche Ausbildung medi- anstaltungen, Kongressen und Mee- USA und Finnland werden Sprachkennt-
zinische Fragestellungen beantworten tings zuständig. Durch die Ausbildung nisse perfektioniert. Außerdem wird ein
möchten. Absolventen können in der For- in gleich drei Fremdsprachen ist eine Doppelabschluss, einerseits als amerika-
schung, Labordiagnostik oder bei Behör- künftige Tätigkeit im internationalen nischer Bachelor und andererseits als
den wie Kriminal- oder Gesundheitsäm- Umfeld möglich. Da die Fachhochschu- Bachelor of Science erworben. Reise- so-
tern tätig werden. Außerdem besteht die le privat unterhalten wird, fallen Studi- wie Unterbringungskosten werden dabei
Möglichkeit ab 2010 den dazugehörigen engebühren an. Bafög und Stipendien abgedeckt. Der Studiengang beginnt im
Master-Studiengang zu absolvieren. können aber beantragt werden. Infor- Wintersemester 2009/10. Informationen
www.medizin.uni-tuebingen.de mationen: www.best-sabel.de unter: www.fh-frankfurt.de
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finanzKrise

Globales Roulette
Die Krise auf den Finanzmärkten eskaliert und jetzt zeigt sich, dass die Banker mehr als
nur Kapital verspielt haben: Das Vertrauen ist weg und der Staat soll es zurückholen.

D ie morgendlichen Nachrichten im Oktober 2008 wie-


derholten sich: „Nach den neuerlichen Kurseinbrüchen
an den Aktienmärkten in den USA und Japan sind auch
80er Jahre, die Asien- und Russland-Krise in der zweiten
Hälfte der 90er, die New Economy-Blase zu Beginn des
Jahrhunderts, die amerikanische Immobilienblase und
die europäischen Börsen mit drastischen Verlusten in den nun in deren Folge die weltweite Bankenkrise. Ungefähr
Handel gestartet.“ Die Finanzkrise entwickelte einen Sog alle acht Jahre entwickelt sich eine Krise.
von unvorstellbarer Dynamik und schwappte mit voller Angesichts des aktuellen Situation kommt neben Kind-
Kraft auf Europa und die Welt über. Die Börsen spielen leberger auch ein anderer Volkswirt zu neuen Ehren: der
seitdem verrückt – und die Regierungen entfalten hekti- 1996 gestorbene Hyman Minsky. Für den US-Theoretiker
sche Aktivitäten, um das schlimmste zu verhüten. Es ent- sind die Zusammenbrüche nicht die Schuld unfähiger
steht ein Szenario großer und historisch einmaliger Be- Notenbank-Präsidenten oder die Folge politscher Fehler.
drohung. Der Turbokapitalismus sei mit „einem großen Sie liegen im System selbst begründet. Minskys These:
Knall“ gestorben, behauptet der Würzburger Ökonomie- Das Finanzsystem wird im Laufe eines Aufschwungs au-
Professor und Wirtschaftsweise Peter Bofinger. tomatisch instabil. Um immer höhere Renditen zu erzielen,
gehen Anleger höhere Risiken ein, ohne sich ausreichend
Manien, Paniken, Crashs. Ein Blick in die abzusichern. Daraus entsteht eine spekulative Blase, deren
Geschichte zeigt allerdings, dass nicht die Krise überra- Platzen unausweichlich erscheint.
schend ist, sondern die Überraschung angesichts der Krise.
Der amerikanische Ökonom Charles Kindleberger zählt Bange Aussichten. Die leichtsinnig vergebenen
in seinem Buch „Manias, Panics and Crashes“ 1970 über Hypotheken an US-Häuslebauer – nach Minsky waren
34 Finanzkrisen allein in den zurückligenden 270 Jahren das Ponzi-Finanzierungen (benannt nach einem populären
Wirtschaftsgeschichte auf. Und seit dieser Zeit – das Buch Kreditbetrüger der 20er Jahre) – verursachten die gegen-
wurde von Robert Aliber 2004 fortgeschrieben – erlebte wärtig dramatische Bankenkrise. Und es wird nicht nur
die Welt mindestens sechs bis sieben weitere Krisen, je bei den Banken bleiben. „Angesichts der gefährlichsten
nach Definition. Die Ölkrise in den 70ern, die im Westen Finanzkrise in etablierten Märkten seit den 30er Jahren
zu hohen Staatsschulden führte, die Japankrise Ende der beginnt für die Weltwirtschaft ein deutlicher Abschwung“,

Die Rolle der Notenbanken in der Krise Die Leitzinsen in Dollar- und Euro-Raum seit 2000
in Prozent
Ursprünglich waren Notenbanken ganz einfache Geldhäu-
ser, die schriftliche Quittungen ausstellten für Münzgeld, 7
das bei ihnen lagerte. Diese Zettel oder Noten wurden dann 6,50 EZB-Leitzins Eurozone
allgemein als Zahlungsmittel verwendet. Seit Ende des 19. Fed-Leitzins USA
Jahrhunderts gingen die Staaten dazu über, das Recht der 6
Ausgabe von Banknoten nur noch einer Bank, der Zentral-
5,25
bank, zu überlassen. Damit war meistens auch die Schaffung
einer einheitlichen Währung verbunden, so entstand die 5
4,75
Europäische Zentralbank (EZB) mit dem Euro.
4
In erster Linie sorgen sich die Notenbanken nur um ihren
Währungsraum. Doch in der Finanzkrise handelten die wich- 3,25 3,50 3,75
tigsten Zentralbanken der Welt gemeinsam. In einem Über-
3
raschungscoup senkten die EZB, die amerikanische Federal
Reserve (Fed), die Bank of England sowie die Notenbanken
der Schweiz, Schwedens und Kanadas am 8. Oktober ihre 2,0
2
Leitzinsen. Selbst China nahm an der Aktion teil. Trotzdem
sind die Zinsen im Dollar- und Euro-Raum unterschiedlich
1,0 1,50
hoch. Das liegt daran, dass die EZB und die Fed verschiede- 1
ne Aufträge erfüllen müssen. Die Fed soll sich um stabile
Preise und hohe Beschäftigung sorgen, daher senkte sie die
Zinsen zuletzt sehr stark. Die EZB hat nur ein Ziel: Preissta- 0
bilität. Daher läßt sie die Zinsen eher oben. 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
Quelle: APA
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Fortsetzung von Seite 3

warnt der Internationale Währungsfonds (IWF). „Es ist zu


spät, den Abschwung zu verhindern“, erklärt Olivier Blan-
Weltweiter Einbruch der Aktienkurse
chard, der Chefökonom des IWF, die schwierige Lage.
Im Oktober geschah der Dammbruch. Mit voller Wucht Daher fiel die IWF-Herbstprognose für fast alle Länder
schug die Bankenkrise von den USA auf die ganze schlechter aus als die des Frühjahres. Aber, so der Ökonom,
Welt über. Die Börsen als das Fieberthermometer der
wenn sich die Staaten gemeinsam anstrengen, könnte
Wirtschaft reagierten prompt. Von New York über Tokio
bis Frankfurt purzelten die Kurse, Anleger verloren
durch ein Bündel von Maßnahmen „noch grässlichere
Milliarden. Die Politik hofft durch Stützungsprogramme Auswirkungen der Finanzkrise eingedämmt werden“.
für Banken die Lage zu normalisieren.
Staatliche Stützen. Es ist allerdings schon viel
passiert. Die USA schnürte ein Paket von insgesamt na-
TOKIO – Nikkei 225 Stock Average Index hezu einer Billion US-Dollar zur Rettung von Banken und
15.000 Versicherungen, die englische Regierung kaufte Aktien
der acht größten Geldinstitute, um sie mit frischem Geld
14.000
zu versorgen, in Deutschland griff die Regierung, nachdem
13.000 sie schon den Banken IKB und KfW aus der Patsche ge-
holfen hatte, der angeschlagenen Hypo Real Estate mit
12.000 26,5 Milliarden unter die Arme. Außerdem legte die Bun-
desregierung – im Gleichklang mit den G8-Nationen – ein
11.000
gewaltiges Hilfsprogramm auf, das alle bisher bekannten
10.000 Maße sprengt. Überall fließen staatliche Gelder in nie
gekanntem Ausmaß, um den Zusammenbruch des Finanz-
9.000 systems zu verhindern.
8.000
Auch wenn die handelnden Politiker das gern abstreiten,
Mai Juni Juli August September Oktober findet rund um den Globus eine – zumindest teilweise –
Verstaatlichung der Finanzinstitute statt. Durch die Geld-
spritzen wird der Staat Miteigentümer der Banken, und
FRANKFURT – DAX Performance-Index – so die Theorie – veräußert die Anteile wieder, wenn sich
7.500 die Lage gebessert haben sollte.
7.000
Vorbild für diese Vorgehensweise ist Schweden. Anfang
der 90er Jahre gerieten dort ebenfalls zwei große Banken
6.500 in Schwierigkeiten, der Staat sprang als Eigentümer in die
Bresche, feuerte Vorstände und sanierte die Institute. An-
6.000
geblich verkaufte der schwedische Staat später die sanier-
5.500 te Bank mit einem kleinen Gewinn. Jüngere Beispiele
deuten eher in die andere Richtung. Die britische Regie-
5.000 rung verstaatlichte den Baufinanzierer Northern Rock,
eines der ersten Opfer der Krise. Aber im Staatsbesitz lief
4.500
es auch nicht besser. Die Bank macht weiterhin Verlust,
4.000 und Englands Steuerzahler mussten nachschießen. Auch
Mai Juni Juli August September Oktober
das Engagement des US-Staates bei den amerikanischen
Baufinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac läßt vorerst
nicht auf einen Gewinn schließen. Ob es – wie in Schwe-
NEW YORK – Dow Jones Industrial Average Index den – für den Steuerzahler im Endeffekt gut ausgeht, läßt
14.000
sich nicht sagen. Nichtstun, das beteuern alle, vom Banker
bis zum Politiker, wäre allerdings auf jeden Fall teurer.
13.000

12.000
Aktion Vertrauen. Die staatlichen Aktionen lie-
ßen die Börsen zunächst steigen, danach ging es wieder
11.000 bergab. Unsicheres Fahrwasser allemal. Daher hat die
Regierung neben den konkreten Hilfsprogrammen für
10.000 Banken eine Kampagne des Vertrauens gestartet. Bun-
deskanzlerin Angela Merkel erklärte: „Wir sagen den
9.000 Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind.
Auch dafür steht die Bundesregierung ein.“ Die Staatsga-
8.000 rantie für Sparguthaben ist durchaus umstritten. Findige
Mai Juni Juli August September Oktober
Rechner fanden schnell heraus, dass die Deutschen auf
Quelle: Onvista
ihren Giro- sowie Sparguthaben und als Tages- und Fest-
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Fortsetzung von Seite 4

geld etwa eine Billion Euro liegen haben. Müßte der Bund lerdings trauen sich die Banken untereinander nicht mehr
tatsächlich dafür einstehen, wäre er bei einem Haushalt über den Weg. Und das ist fast genau so schlimm. In
von insgesamt 288 Milliarden deutlich überfordert. Au- seinem Bericht „Banken 2008“ resümiert der Bundesver-
ßerdem ist eine solche Garantie eigentlich nicht nötig: band Deutscher Banken die Krise so: „Im Ergebnis füh-
Das deutsche Einlagensicherungssystem garantiert das ren die Unsicherheiten hinsichtlich der Qualität von Ver-
Geld der Sparer ohnehin. „Sowohl bei den Privatbanken, mögensgegenständen zum Verlust des Vertrauens in
als auch bei den staatlichen Banken gibt es die Einlagen- komplette Anlageklassen und zwischen den Banken –
sicherung, und die ist nicht begrenzt. Die Banksysteme eine Dilemma-Situation, die sich unter den gegebenen
haben eine unbegrenzte Haftung für die Einlagen ge- Bedingungen nur langsam auflöst.“
genseitig übernommen, keiner muss also Angst um sein
Geld haben“, sagt Hans-Werner Sinn, Präsident des IFO- Wilde Märkte. In weniger diplomatischen Worten:
Wirtschaftsforschungs-Instituts. Die Banken haben in den vergangenen Jahren zu oft und
Warum dann die Staatsgarantie? Regierungssprecher mit zu vielen falschen Karten (sprich: Wertpapieren) ge-
Ulrich Wilhelm: „Die Grundlage jedes Finanzsystems ist spielt, so dass sie untereinander nicht mehr kreditwürdig
Vertrauen. Und die Aussage der Bundesregierung stärkt sind. Kredit, abgeleitet vom lateinischen „credere“ – glau-
das Vertrauen der privaten Anleger, der Bürgerinnen und ben, vertrauen –, ist jedoch die Seele im Bankenspiel.
Bürger, dass ihre Einlagen sicher sind.“ Glaubt man dem Der Vertrauensverlust untereinander führt dazu, dass die
Finanzministerium, war das auch bitter nötig. Nach An- Geschäfte zwischen den Banken zum Erliegen kamen
gaben der Steinbrück-Behörde haben die Sparer in an- oder unverhältnismäßig teuer werden. Wer einem unsi-
deren Ländern bereits damit begonnen, ihre Konten zu cheren Kantonisten Geld leiht, verlangt eben höhere
räumen. Die US-Hypothekenbank Indymac brach zu- Zinsen. Wie es zu dem Disaster kommen konnte, analy-
sammen, weil die Kunden ihr Geld bei ihr nicht mehr siert der Bankenbericht auch. Einer der Ursachen seien
sicher wähnten und die Schalterhallen stürmten. Auch die „Anreizstrukturen und nicht zuletzt auch eindeutiges
in England kam es ansatzweise zu ähnlichen Reaktionen. Fehlverhalten“ gewesen. Oder, wie es der Wirtschafts-
Würde das flächendeckend um sich greifen, käme es zu weise Bofinger ausdrückt: „Aus freien Märkten wurden
einem so genannten Banken-Run". Grund: Die Banken wilde Märkte.“
horten das Geld der Sparer nicht, sondern leihen es an Das viele Geld des Staates soll nun wieder Vertrauen
Kreditnehmer aus. Wollen plötzlich alle an ihre Guthaben, in die Finanzmärkte bringen – und die Politik will für
wäre dies der sichere Kollaps des gesamten Systems. neue Strukturen sorgen. Wo öffentliches Geld fließt, so
Bisher bewahren die einfachen Bankkunden in die Kanzlerin, soll der Staat auch mitbestimmen. Aber,
Deutschland Ruhe. Die Gefahr, dass hierzulande die so eine Stimme aus der Opposition, „der Staat ist nicht
Sparer die Banken stürmen würden, besteht nicht. Al- der bessere Banker, er hat nur mehr Geld.“

Die Indikatoren der Krise


Der Ausgangspunkt der Finanzkrise waren faule Vertrauen in diese Papiere – es wurden immer weniger
US-Immobilienkredite, die – verbrieft und in Pakete ver- aufgelegt. Die Banken misstrauen sich untereinander,
packt – weltweit verkauft wurden. Darauf sank das daher steigt der Zins im Interbankengeschäft.

Anteil der geplatzten US-Immobilienkredite Absatz verbriefter Schulden (USA, Europa) Zinssatz im Interbankengeschäft
in Prozent in Milliarden US-Dollar in Prozent
10 90 5,0

80 4,8
9
70 4,6

4,4
8 60
4,2
50
7 4,0
EURIBOR
40 (EURo InterBank Offered Rate)
3,8
6 30
3,6
20 3,4
5
10 3,2

4 0 3,0
2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2006 2007 2008 1.1. 1.4. 1.7. 1.10. 1.1. 1.4. 1.7.
2007 2008
Quelle: Mortgage Banker Association Quelle: Deutsche Bank Quelle: Ecowin
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Soziale Netzwerke

Das Internet vergisst nichts


StudiVZ, Xing & Co. gehören zu den häufigsten Suchbegriffen im Internet. Auch viele
Personalchefs recherchieren darin Bewerber. Falsche Inhalte können Karrieren kosten.

W enn ich als erstes über eine Person, deren Profil ich
mir im Internet anschaue, erfahre, dass sie trinkfest
ist und kein Benehmen hat, macht das einen eher schlech-
Laut einer Studie des Internet-Jobvermittlers www.
careerbuilder.com machen sich 22 Prozent aller Personal-
verantwortlichen in sozialen Netzwerken über Kandidaten
ten Eindruck“, sagt Michaela Schurzmann von der Ham- kundig, doppelt so viele wie noch im Jahr 2006. Dabei
burger Sparkasse (Haspa). Schurzmann leitet die Perso- stoßen sie häufig auf abschreckende Beispiele. Ein Drittel
nalabteilung der Haspa. In dieser Position ist sie nicht nur der befragten Personalchefs gab an, sich bereits aufgrund
zuständig für die Auswahl der Bewerber, sondern auch von Online-Inhalten gegen einen Bewerber entschieden
wenn es darum geht, aktiv nach geeigneten Azubis oder zu haben. Das häufigste K.O.-Kriterium für Einstellungs-
Trainees zu fahnden. Deshalb besucht Schurzmann gern verantwortliche sind Bilder, die den Kandidaten beim Sauf-
Soziale Netzwerke wie Xing, SchülerVZ oder StudiVZ, gelage oder beim Genuss von Drogen zeigen. Fast ebenso
um sich nach möglichen Mitarbeitern umzuschauen. „Im- schlecht kommen provokative Fotos an, auf denen sich die
mer mehr Unternehmen gehen im Internet selbst auf die Kandidaten in sexueller, aggressiver oder beleidigender
Suche nach Talenten“, sagt Schurzmann. Und da sei es Pose präsentieren. Unbedacht online gestellte Einträge und
schon sehr entscheidend, wie sich jemand präsentiert. Kommentare erwecken den Eindruck, dass der Betreffen-
de kaum über kommunikative Fähigkeiten verfügt.
Neue Talentsuche. Es kommt auch vor, dass
Schurzmann mehr Informationen über einen aktuellen Positive Beispiele. Vor allem wenn es um die
Bewerber sucht. Aufgrund der großen Masse bleibt dazu Besetzung von Führungspositionen oder Stellen mit hoher
jedoch selten die Zeit. „Das tue ich nur, wenn mir der Verantwortung geht, macht Schurzmann sich im weltwei-
Lebenslauf eines Kandidaten, der aufgrund seiner Unter- ten Web schlau über den Kandidaten. Meistens sucht sie
lagen sehr gute Qualitäten aufweist, seltsam vorkommt nach positiven Informationen. Hat ein Bewerber mögli-
oder Lücken aufweist“, sagt die Personalleiterin der cherweise schon einmal einen Artikel veröffentlicht? Wur-
Haspa. Dann schaut sie sich schon einmal das jeweilige de er schon einmal zu einem Interview gebeten? „Solche
Profil in Netzwerken an. Da nur Mitglieder dieser Netz- Dinge geben die Kandidaten selten in ihren Bewerbungs-
werke die detaillierten Profile der übrigen Mitglieder an- unterlagen an“, sagt Schurzmann, dennoch seien das
schauen können, hat sie dort selbst ein Profil angelegt. wichtige Informationen über die Fähigkeiten eines zu-
Damit ist sie nicht allein. Viele Personalverantwortliche künftigen Mitarbeiters. „Jeder, der aktiv nach einer Stelle
nutzen Social Networks, um mehr Informationen über sucht, sollte darauf achten, in welcher Form er sich im
Bewerber zu erhalten. Internet präsentiert“, sagt die Personalverantwortliche.

Worauf Mitglieder von sozialen Netzwerken achten sollten:

I. Gehe sorgfältig vor III. Prüfe, wen Du in den Freundeskreis wählst


Jeder User sollte sich zunächst mit den einzelnen Funk- Je größer die Gruppe derer, die das vollständige Profil
tionen und Einstellungsmöglichkeiten im Profil vertraut einsehen können, umso geringer die Privatsphäre und
machen, bevor er seine Fotos hochlädt oder Daten ein- umso größer die Chance, dass Bilder und Informationen
gibt. Wie kann man Kommentare Fremder auf dem unkontrolliert weiterverbreitet werden. Jeder kann die
eigenen Profil unterdrücken? Welche Daten sind für Inhalte eines fremden Profils weiterverbreiten. Zum
wen sichtbar? Welche Daten kann man nur einem aus- Freundeskreis sollten deshalb nur Personen gehören,
gewählten Kreis von Mitgliedern sichtbar machen? die dem Mitglied auch persönlich bekannt sind.

II. Wähle genau aus, was Du einstellst IV. Überprüfe regelmäßig Dein Profil
Auch wenn das Profil nicht für jeden sichtbar wird: Sofern die Funktion zur Unterdrückung von Kommen-
Es sollten nur solche Informationen und Fotos online taren auf dem Profil nicht aktiviert ist, sollten User
gestellt werden, die kein negatives Licht auf den User regelmäßig überprüfen, was andere Mitglieder dort
werden. Das betrifft peinliche Fotos von der letzten über sie oder ihre Daten geschrieben haben. Regelmä-
feucht-fröhlichen Party ebenso wie unsachliche und ßig sollten Online-Einträge, die Fremde über den User
diffamierende Kommentare oder die Mitgliedschaft im Netz verfasst haben, recherchiert werden. Alles was
in umstrittenen Gruppen. schaden könnte, sollten User umgehend entfernen.
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Serie globalisierung (7): Energie

Anhaltender Streit
Energie ist knapp und entwickelte sich zu einem weltweiten Handelsgut von immenser
Bedeutung. Deshalb erlebt Kernkraft in zahlreichen Ländern eine Renaissance.

D er Physiker Peter Kafka bringt es auf den Punkt: „Ich


habe nichts gegen Kernenergie, wenn sie von der
Sonne kommt.“ Ohne Energie geht nichts. Ohne Energie
die Gefahren der Kernkraft diskutiert. Kritiker sind der
Auffassung, dass der Betrieb von Kernkraftanlagen sowie
die Ver- und Entsorgung von Kernbrennstoff unverant-
stehen alle Arbeitsprozesse in Industrie, Handel und pri- wortliche Sicherheitsrisiken bergen. So würden bereits
vaten Haushalten still. Die Energie- und Stromgewinnung bei der Uranförderung hochgradig Gesundheit gefährden-
sicherzustellen war deshalb immer schon zentral. Aber de radioaktive Stoffe wie Radon in großen Mengen frei-
vor dem Hintergrund immer knapper werdender Ressour- gesetzt. Zudem sei die Kernenergie unsicher, da eine Ka-
cen (Öl), Sicherheitsfragen (Atomkraft) und dem Klima- tastrophe wie in Tschernobyl nie auszuschließen sei. Dies
wandel (CO2-Ausstoß) haben sich für die Energiegewin- sind nur einige Kritikpunkte, die für die Befürworter
nung neue Herausforderungen ergeben. Viele Menschen allerdings nicht überzeugend genug sind, um aus der Kern-
unterscheiden heute in „gute“ und „schlechte“ Energie. energie auszusteigen.
Deutschland hat den Ausstieg aus der Atomkraft be-
Machtfaktor Energiequellen. Energie wird schlossen, doch weltweit erlebt sie eine Renaissance. Kli-
zu einem weltweiten Handelsgut immenser Bedeutung. maschutz und Energiesicherheit zu günstigen Preisen sind
Wer über Energiequellen verfügt, hat Macht. Die Preise die Hauptgründe, warum vor allem China und Russland,
für Energie beeinflussen die Wettbewerbssituation eines aber auch in Europa viele neue Kernkraftwerke geplant
Landes. Die Preise für Energie werden neben der Verfüg- sind. Der globale Energiebedarf, die Knappheit der Res-
barkeit maßgeblich durch ihre Produktion beeinflusst: Je sourcen, die Verteuerung der Energiepreise und die siche-
nach Art der Erzeugung variieren die Preise für Strom: so re Energieversorgung veranlassen insbesondere Länder
kann Energie durch regenerative Energiequellen – oder mit hohem Wirtschaftswachstum wie etwa China oder
auch erneuerbare Energien genannt –, wie Wind, Solar, Russland zu der Entscheidung: „Atomkraft – ja, bitte!“
Wasserkraft oder Bioenergie – Holz, Pflanzenöl, Biogas –
erzeugt werden. Weiter existieren auch die „klassischen“
Energiequellen wie Kernkraft, Stein- oder Braunkohle.
Das Buch zur Serie:
Die bisher größte Energie-Kernkatastrophe hat die Dis- Globalisierung verstehen
kussion um die Atomkraft gewissermaßen mit einem Knall Siegler Verlag, 9,95 Euro
in die Öffentlichkeit gebracht. Aber auch schon vor dem (Klassenbestellungen mit Rabatt).
Super-Gau von Tschernobyl am 26. April 1986 wurde über Information: www.globalisierung.insm.de

Energieszenarien – ein Blick in die Zukunft Sinkender Verbrauch


in Petajoule (PJ)
16.000 Erneuerbare Steinkohle
Es ist ein schöne Vision: Eine globale Arbeitsteilung bei 14.238 PJ
Kernenergie Gas
Braunkohle Öl
der Energiegewinnung. Solarenenergie aus der Sahara, 14.000 5%
Windenergie von der Ostsee, Biokraftstoffe aus dem Zucker­
rohr Brasiliens oder den Wäldern Mitteleuropas … 12 % 12.129 PJ 11.886 PJ
12.000
11 %
Energieprognosen und -szenarien vermitteln eine Vor- 11 % 15%
stellung über die zukünftige Entwicklung der Energie­ 10.000 12 %
versorgung. Basis dieser Studien sind Annahmen zu lang- 13 % 13 %
7%
fristigen wirtschaftlichen, technologischen und politischen
8.000
Trends. Regierungen und Unternehmen nutzen die Er- 17 %
kenntnisse solcher Arbeiten für zukünftige Strategien und 23 % 32 %
Entscheidungen. 6.000
22 %

Für die Bundesrepublik Deutschland wird übrigens pro- 4.000


gnostiziert, dass der Gesamtenergiebedarf sinken wird.
36 %
Insbesondere sinkt der Bedarf an Öl und Braunkohle, die 38 %
2.000 33 %
erneuerbaren Energien hingegen werden voraussichtlich
von fünf Prozent (2005) bis 2030 auf elf Prozent ansteigen
(siehe Grafik). 0
2005 (lst) Referenzprognose 2030 Ölpreisvariante 2030
Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
Mit freundlicher Unterstützung von Seite
8
Buchtipp
Große Unterschiede
M an wird nicht als Frau geboren, son-
dern dazu gemacht, lautet die Kern-
aussage des berühmten feministischen
ist. Eine Studie der Juraprofessorin Mary
Ann Mason ergab, dass lediglich eine von
drei Frauen, die eine Professorenstelle
Werks „Das andere Geschlecht“ von der anstreben, Kinder bekam. Zurückgeführt
Schriftstellerin und Philosophin Simone de wird diese Tatsache auf Umstände, die al-
Beauvoir. Das Verhalten von Frauen werde les andere als kinderfreundlich sind.
hauptsächlich durch die Gesellschaft ge- 60-Stunden-Wochen, Arbeit an Wochen-
prägt, schrieb sie 1949. enden und in den Ferien gilt im Hochschul-
Den genau umgekehrten, damit aber kei- betrieb als selbstverständlich. Für Frauen,
nesfalls rückwärts gewandten Ansatz die aufgrund von Kindern eine Teilzeitstel-
verfolgt die Psychologin und Journalistin le anstreben, ist das unvereinbar.
Susan Pinker in ihrem Buch „Das Ge- Pinker plädiert für die Anerkennung sol-
schlechter-Paradox“. Sie stellt anhand von cher Tatsachen und eine entsprechende
neurowissenschaftlichen und ökonomi- Anpassung der Strukturen. Männerdomi-
schen Studien fest, dass biologische Fakto- nierte Institutionen sollten den Bedürfnis-
ren die Verhaltensmuster von Mädchen sen der Frauen entgegenkommen – und
maßgeblich beeinflussen. Sie sieht Eigen- nicht umgekehrt. Nur so können Frauen
schaften wie weibliches Einfühlungsver- ihre Stärken voll ausspielen.
mögen in empirischen Studien bestätigt Die Lektüre bietet eine wissenschaftlich
Susan Pinker:
und plädiert dafür, Unterschiede anzuer- fundierte Einschätzung der Stärken und
Das Geschlechter-Paradox.
kennen. So stellt sie am Beispiel von Hoch- Schwächen der Geschlechter und damit Übersetzt von Maren
schullehrerinnen die Frage, ob ein System, einen weiteren interessanten Ansatz in der Klostermann. 448 Seiten,
das jahrhunderte lang von Männern beein- Diskussion um die Stellung der Frau 17,95 Euro, DVA-Sachbuch.
flusst wurde, eigentlich für Frauen geeignet in der Gesellschaft. ISBN: 978-3-421-04361-0

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