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LEE-BE BRIGITTE VOSS BALZARINI Text: Frank Richter, frank@mannschaft-magazin.ch Illustration: Melanie Carrera Hoppla, da

LEE-BE BRIGITTE VOSS BALZARINI

Text: Frank Richter, frank@mannschaft-magazin.ch Illustration: Melanie Carrera

Hoppla, da hab ich mich in der Anrede prompt vertippt. «Voss-Balzarini» schreibt man natürlich mit
Hoppla, da hab ich mich in der Anrede prompt
vertippt. «Voss-Balzarini» schreibt man natürlich mit
Bindestrich. Sorry, kleines Fehler-Lee meinerseits.
Wie ich der Boulevardpresse entnommen habe,
möchtest auch du ein Stück vom Astro-Kuchen ab-
haben. Du lässt dich dieser Tage zum Medium ausbil-
den. Wenn du damit Menschen helfen kannst, ist das
natürlich bewundernswert. Aus demselben Grund
gehen ja Mike Shiva oder all die Tanten von ESO TV
ihrer Tätigkeit nach:Weil sie Menschen helfen wollen.
Dabei, liebe Brigitte, steht die Menschheit eigent-
lich in deiner Schuld. Du hast ihr mit «Mein Leben
mit Steve» ein wundervolles Buch geschenkt: Simpel
geschrieben, grandios vermarktet plus noch eine Bo-
nus DVD mit Steves letzten Songs dazugelegt. Aus-
serdem hat das Meisterwerk genau die richtige Dicke,
um Küchentische vom Wackeln abzuhalten. Doch hat
dir die Menschheit für dieses Buch gedankt?! Wurdest
du als «Witwe der Herzen» mit irgendeinem Award
ausgezeichnet?! - Leider nein.
Wir befinden uns in einer Zeit, in der Nehmen seliger
ist als Geben. Ich möchte diesem Trend jedoch ein
Ende setzen. Wie du vielleicht weist, habe ich mir in
der Astro-Szene unter dem Pseudonym «Flatulenzo»
einen Namen gemacht. Gerne möchte ich dir als
Astro-Anfängerin einige Tips mit auf den Weg geben.
Meine Erfolge sprechen für sich. Seit Jahren bin ich
hell- und kurzsichtig. Ich kann dir schon heute sa-
gen, welches Wetter morgen ist oder wann bei dir die
Wechseljahre einsetzen. Durch
die Manifestation deiner
Göttlichkeit verhelfe ich
dir zu persönlichem
planetarem Frieden.
Ich möchte, dass du
in einem Kornfeld
der Liebe lebst,
wie das Jürgen
Drews seit En-
de der 70er tut.
Lass mich dein
Führer sein.
Rein spiritu-
ell gesehen
natürlich.
guten Astro-Namen. Hier einige Vorschläge: Aurora,
Ornella, Gundula oder Kunigunde. Egal mit wel-
chem Anliegen die Hilfesuchenden zu dir kommen,
folgende Sätze gehören zum Standardrepertoire ei-
nes jeden Mediums und sollten in sämtliche Konver-
sation einfliessen: «Du bist etwas ganz Besonderes.
Ich spüre, du hast schon einiges erlebt. Die Zukunft
hält für dich vieles bereit. Dieses Gespräch kostet
4.50 Franken die Minute.»
Generell solltest du den Deppen, pardon, ich meine
Hilfesuchenden, positive Gedanken vermitteln. Du
darfst bei deinen Prognose auch ruhig etwas über-
treiben. Wenn also ein 130 Kilo-Mann vor dir sitzt
und dich fragt, ob er nächstes Jahr ein Schwedisches
Bikini-Model kennenlernt, sagst du: «Natürlich
Silvio. Du wirst demnächst eine heisse Schweden-
schnitte treffen. Und obwohl sie 50 Jahre jünger ist
als du, wird sie sich unsterblich in dich verlieben.»
Vorsicht ist hingegen bei Schwulen geboten. Wenn
dich ein Schwuler fragt, ob er nächstes Jahr einen
Mann treffen wird, rede bloss nicht von Beziehung.
Sag lieber: «Ja, du wirst einen hübschen Mann tref-
fen und ihr werdet viel Sex haben. Eine Beziehung
möchte er aber nur, wenn du das auch willst. Bloss
vögeln ist für ihn genauso ok.»
Hältst du dich an meine Ratschläge, liebe Brigitte,
wirst du schneller in der Esoterikbranche Fuss fas-
sen, als Shiva drei mal Scharlatan sagen kann. Wir
alle wünschen uns, dass du schnell in irgendwas
erfolgreich wirst. Hauptsache du schreibst kei-
ne Bücher mehr. Nicht, dass «Mein Leben
mit Steve» mir nicht gefallen hätte. Ich
fand es ausgesprochen informativ und
ergreifend. Es steht in meinem Bü-
cherregal noch immer zwischen der
Biographie von Dieter Bohlen und
einem Lustigen Taschenbuch.
Trotzdem denke ich, dass die
Menschheit ein weiteres Buch
von dir nicht verdient hat. Sie
ist einfach zu undankbar.
Und wer trotzdem noch
was über Steve lesen will,
soll sich die Biographie
über Steve Jobs besorgen.
Als
erstes
Grüsslichst
brauchst
du
mal
einen
Frank