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Gernot L.

Geise
Geheime Waffen, Geräte und andere
Erfindungen im 2. Weltkrieg
Während und insbesondere gegen Ende
des 2. Weltkrieges machte die deutsche
Technologie geradezu riesige Sprünge.
Es wurden Waffen und Geräte entwi-
ckelt, die auch nach heutigem Maßstab
noch futuristisch wirken würden. Diese
Entwicklung beschränkte sich nicht
etwa nur auf Fluggeräte wie die Sa-
gen umwobenen Flugscheiben, die als
Rundflugzeuge, Kreisflügelflugzeuge
oder ähnlich bezeichnet wurden (siehe
hierzu auch meinen Beitrag in SYNE-
SIS Nr. 1/2006).
Es ist aus heutiger Sicht schwierig,
das dunkle Dickicht aus wuchernden
Spekulationen, Wunschträumen und
real vorhandener Technologie zu durch-
schauen. Hilfreich kann es sein, wenn
es noch Zeitzeugen gibt, die mit dieser
Technologie in Berührung kamen.
Doch die wenigen Zeitzeugen sterben
leider mehr und mehr aus. So wird Foto einer angeblichen „Haunebu II“-Flugscheibe. Unter der Scheibe eine Kanone, bei der das überlange
die deutsche Technologie der frühen Rohr auffällt. Handelt es sich hierbei um eine der so genannten „Kraftstrahlkanonen“?
Vierzigerjahre des vorigen Jahrhunderts
irgendwann im Mythos versinken. Dem Jahre später) noch derart groß und um eine Waffe, in der das Geschoss
entgegen zu wirken, habe ich in meinem klobig, dass sie (bisher) militärisch mittels Magnetfeldern beschleunigt
Buch „Flugscheiben - Realität oder nicht nutzbar sind, auch wenn man wird, ähnlich wie heutzutage die Mag-
Mythos“ an Fakten zusammengetragen, damit unter Laborbedingungen heute netschwebebahn „Transrapid“. Dafür
was noch möglich war. schon dicke Panzerungen durchdringen würde das überlange Rohr der KSK
kann. Laserwaffen haben jedoch den sprechen.
Waffen Nachteil, dass sie wetterabhängig sind. Insbesondere kurz vor Kriegsen-
Strahlenwaffen Das heißt, dass sie nur bei klaren Wit- de wurde von Strahlenwaffen geredet
Futuristische Fluggeräte benötigen auch terungsbedingungen eingesetzt werden (auch von „Todesstrahlen“), über die
futuristische Bewaffnungen (sagten können. Schon ein neblig-trübes Wetter außer einigen Augenzeugenberichten
sich wohl die Nachkriegserfinder der vermindert die Wirkung drastisch, weil jedoch keine näheren Hinweise mehr
Gerüchte über Vril- und Haunebu- der Laserstrahl - der ja letztendlich nicht aufzufinden sind. Es ist nicht klar, um
Flugscheiben). Darin hatten normale mehr als ein gebündelter Lichtstrahl welche Geräte es sich handelte, auch
Maschinenkanonen, wie sie in Jagdflug- ist - in den Wassertröpfchen der Luft nicht, wie diese aussahen, geschweige
zeugen und Bombern eingebaut waren, zerstreut wird, wobei dann nur noch ein denn ihre Typenbezeichnung. Ich zitiere
wohl nichts zu suchen. ungefährlicher Bruchteil des ausgesen- hierzu aus dem Buch von Gerulf von
Demgemäß findet man auch keine deten Laserstrahles im Ziel ankommt. Schwarzenbeck [„Verschwörung Jonastal“]
nachvollziehbare Erklärung für die Trotzdem wurde in Thüringen auch an aus dem Bericht eines Oberleutnants:
dort angeblich eingebaut gewesenen solchen Waffen gearbeitet. Auch bei „Wir durften bei vier Probeflügen
Kraftstrahlkanonen (KSK). Allerdings Škoda wurde an Laserwaffensystemen diese aus 2000 Metern Höhe fotografie-
- und das war wohl auch der Hinter- gearbeitet, die kurz vor Kriegsende ren. Dabei sahen wir, welche Wirkung
gedanke der Begriffs-Erfinder - gibt einsatzbereit gewesen sein sollen. Al- die Strahlenwaffe hatte. Vom Flugzeug
es inzwischen reichlich Spekulationen lerdings ist über deren Verbleib nichts aus sahen wir, wie der Strahl abgefeuert
dazu. So soll es sich bei den KSK um mehr bekannt [Zunneck, Geheimtechnolo- wurde und mit welcher Genauigkeit das
eine Vorläuferwaffe von Laserkanonen gien I, S. 64]. Ziel getroffen und vernichtet wurde.
gehandelt haben, natürlich weitaus leis- Möglicherweise wurden nach dem Dabei wurde bei Bittstädt einmal sogar
tungsfähiger als heutige Laserwaffen ... Krieg aus Unwissenheit mehrere Begrif- die Strahlenwaffe an Kühen ausprobiert.
Betrachten wir diese Technologie fe und Entwicklungen verwechselt. Die Nach dem Abschuss und dem Treffen der
einmal mit heutigen Augen, so muss Kraftstrahlkanone könnte ein elektro- Kühe war nur ein kurzes, helles glänzen-
man sich fragen, wo denn die ganze magnetisches Gerät gewesen sein, die des Licht zu sehen, dann waren die Kühe
dazu benötigte Apparatur untergebracht „Elektrokanone“, an dem tatsächlich verschwunden. Wir sind diese Stelle mehr-
worden sein soll? Laserwaffen benötigen gearbeitet wurde, das aber nach allen mals abgeflogen, es war nichts mehr von
ziemlich viel Energie und sind in der Erkenntnissen nur in wenigen Exempla- den Tieren zu sehen, nur ein Brandfleck
heutigen Form (rund fünfundsechzig ren gebaut wurde. Es handelt sich dabei war vorhanden.“

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Geheime Waffen
Das verwundert nicht, wenn man weiß, London ausgerichtet. Die Bunkeranla-
dass einige deutschsprachige Autoren gen waren so massiv, dass sie bis heute
ehemalige Wissenschaftler waren, die nicht gesprengt werden konnten [Irwin,
während des Krieges an „futuristischen“ S. 143 ff., 238 ff., 283].
Entwicklungen mitgewirkt hatten. Zwei „Hochdruckpumpen“ waren
mobil auf Eisenbahnwagen montiert
Die V-3 „Hochdruckpumpe“ und wurden Ende Dezember 1944
Eine riesige Kanone wurde bei Mimo- zum Beschuss von Antwerpen und das
yecques in Frankreich gebaut, mit der Gebiet von Luxemburg bzw. gegen die
England vom Festland aus beschossen Dritte US-Army eingesetzt, um die
werden sollte. Sie kam jedoch ebenfalls Ardennen-Offensive zu unterstützen.
nicht über das Versuchsstadium hinaus, Beide wurden beim deutschen Rückzug
obwohl dafür riesige unterirdische Be- gesprengt [Irwin, S. 280].
tonanlagen gebaut wurden. Diese von
Dr. Coenders entwickelte Kanone besaß Elektrokanone
die Bezeichnung V-3 (Vergeltungswaffe Die so genannte Elektrokanone war
3) und wurde „Hochdruckpumpe“, eine waffentechnische Novität kurz
„Tausendfüßler“ oder auch „Fleißiges vor Kriegsende, obwohl sie schon Ende
Lieschen“ genannt. 1943 betriebsreif war, als es gelang, ein
Sie sollte so funktionieren, dass eine zehn Gramm schweres Projektil erst-
Anzahl von Pulverladungen in Seiten- mals auf 1050 m/s zu beschleunigen.
kammern des Geschützrohres nachein- Sie wurde noch in die letzten U-Boot-
ander elektrisch gezündet wurden und Typen eingebaut und war den konven-
dem flossenstabilisierten, pfeilförmigen tionellen Waffensystemen der Alliierten
Die Großkanone V-3 („Hochdruckpumpe“) Geschoss eine immer stärkere Beschleu- haushoch überlegen. Sie wurde noch im
nigung verleihen sollten. Die Rohre der Mai 1945 gegen einen US-Konvoi zwi-
Aufgrund dieser Beschreibung erin- bei Mimoyecques errichteten Anlage schen Grönland und Island eingesetzt
nert der beobachtete Lichtblitz zwar an waren 130 Meter lang und sollten bis und hatte auf die alliierten Schiffe eine
eine Laserwaffe, die völlige Auflösung zu sechshundert Granaten pro Stunde verheerende Wirkung. Sie funktionierte
der beschossenen Kühe wiederum nicht. auf London verschießen. Obwohl dazu nach der Art eines Linearmotors, dessen
Mit einer Laserwaffe beschossen müss- eine gigantische Beton-Bunkeranlage Vorentwicklungen bereits 1934 began-
ten zumindest (verkohlte) Kadaverreste errichtet wurde, deren fast unzerstör- nen. Nach dem Krieg entwickelten die
zurück bleiben. bare Reste heute noch vorhanden sind, US-Industrie im Rahmen des SDI-
Die hoch energetischen Strahlen- kam die Kanone nicht zum Einsatz. Programms daraus die „Rail Gun“, die
waffen wurden in Thüringen entwickelt Ursprünglich waren zwei weitere be- einzige bekannte Plasmawaffe der Welt,
und im Mitteldeutschen Werk bei Arn- nachbarte Geschützstellungen geplant die zwei Kilogramm schwere Geschosse
stadt erprobt, unter der Überwachung gewesen, von denen jede 25 Geschütz- mit einer Mündungsgeschwindigkeit
durch die SS. Der US-Wissenschaftler rohre aufnehmen sollte, in Batterien von 20 km/s verschießen kann [Henco,
und Journalist Charles W. Stone geht von jeweils fünf Geschützen, alle auf S. 114 f.].
davon aus, dass diese von ihm „Particle
Beam“ genannte Strahlenwaffe, die ihr
Ziel komplett in Atome zerlegt, zumin-
dest im Testversuch einsatzbereit war.
Er will Belege dafür gefunden haben,
dass in einem Labor der I. G. Farben ein
solcher „Beam“ aufgebaut war, mit dem
Versuchstiere, in diesem Fall Ratten,
auf einige Entfernung völlig desinteg-
riert wurden [Fäth, S. 99 f.]. Auch in der
Industrie in der Nähe von Ludwigshafen
soll zwischen 1943 und 1944 an dieser
Technologie gearbeitet worden sein,
wobei bei verschiedenen Experimenten
ein Stahlwürfel und mehrere Ratten
völlig aufgelöst worden seien. Der Au-
genzeuge R. Schnettler betont, dass die
Versuchsobjekte nicht etwa verbrannt
oder geschmolzen, sondern vollständig
desintegriert wurden [Fäth, S. 101 f.].
Diese Funktion erinnert stark an
„Desintegratoren“ oder „Blaster“, die
etwa ab den späten Fünfzigerjahren
in den veröffentlichten Science-Fic-
tion-Romanen (die damals noch „Zu- Querschnitt durch die V-3-Anlage bei Mimoyeques in Frankreich. Die Rohre der „Hochdruckpumpe“
kunftsromane“ hießen) auftauchten. waren 130 Meter lang und sollten bis zu 600 Granaten pro Stunde auf London verschießen (Irving).

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Geheime Waffen
los verschwunden sind, obwohl erste
Geräte schon vor dem Zweiten Welt-
krieg auf dem Truppenübungsplatz
Ohrdruf installiert wurden, und deren
Grundlagen auf Versuche schon vor
dem Jahr 1920 zurückgehen [Zunneck,
Geheimtechnologien II, S. 114].
Offenbar konnte man rechtzeitig alle
Unterlagen und Geräte gründlichst ver-
nichten. Jedenfalls dürfte kein einziger
Plan in amerikanische oder sowjetische
Eine Klystron-Röhre aus der Zeit des 2. Welt- Hände gefallen sein, denn sonst wären
krieges.
deren Armeen heute damit ausgerüs-
tet, doch solche Waffen sind bis heute
Motorstoppgeräte unbekannt. Das mag mit zum Mythos
So futuristisch wie ihre Form war auch der „unglaubwürdigen Wunderwaffen“
die Bewaffnung der Flugkreisel. Neben beigetragen haben, die immer noch gern
normalen Maschinenkanonen, wie ins Märchenland verschoben werden.
sie in jedem Jagdf lugzeug eingebaut Tatsache ist, dass ich mich auch mit
waren, sollen sie (wie soeben dargelegt) wei teren Augenzeugen unterhalten
eine so genannte Kraftstrahlkanone habe, die diese „Motorstoppmittel“ im
(KSK) besessen haben, und ein weiteres Einsatz sahen. Einer dieser Augenzeu-
Zusatzgerät, genannt Motorstoppgerät gen hatte mir vor rund vierzig Jahren
Von den Amerikanern erbeutete deutsche Rakete
(„Motorstoppmittel“). Es hat wohl in sogar geschildert, dass er ein solches „Wasserfall“ nach dem Krieg in White Sands.
der Art funktioniert, dass durch eine Gerät, das in einen Panzer eingebaut
hohe Konzentration von Mikrowellen war, selbst bedient habe. Demgemäß
ein herkömmliches Zündsystem be- muss es eine relativ handliche Größe den Atlantischen Ozean und einer in
hindert werden kann, indem der Wi- besessen haben. die Erdumlaufbahn oder den äußeren
derstand in Zündspule, Drähten und Leider ist von diesen Geräten kein Weltraum gegangen. Allerdings ist
anderen Bestandteilen erhöht wird, was Modell (oder Reste davon) mehr erhal- bis heute unklar, was das Ziel und wie
den Elektronenfluss reduziert und zu ten, sodass spekuliert werden muss, wie erfolgreich diese Versuchsschüsse waren
einem Systemausfall führt. Eine wei- sie funktioniert haben. Möglicherweise [Georg/Mehner, Atomziel New York, S. 98 f.].
tere Methode wäre denkbar durch von kam hier eine Art Klystron-Röhre zum Die Fernrakete A-9/A-10 wurde
außen zugeführte Energie und damit Einsatz, um das Störfeld erzeugen zu teilweise auch als V-3 bezeichnet, was
mit einem zielgerichteten ionisierenden können, es sollen teilweise als Nebenef- zu Verwirrungen führte, weil als V-3
Feld. Dadurch wird die Luft leitfähig, fekt Leuchterscheinungen aufgetreten bereits die Großkanone bezeichnet
der elektrische Spannungsfluss im Mo- sein. wurde, mit der von Frankreich aus
tor-Zündsystem wird unterbrochen und Raketen England beschossen werden sollte. Wei-
dieses deaktiviert. terhin wurden sowohl die deutsche
Diese Geräte wurden in den letzten Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer
Atombombe, die bemannte V-1, die
Kriegstagen auch am Boden vereinzelt geheimer Waffenentwicklungen. Es
wurden etwa reine Unterwasserraketen U-Bootversion der V-1, die Luft-Luft-
gegen feindliche Panzerverbände er- Version der Herschel HS-117 H oder
folgreich eingesetzt. Im Gegensatz zur entwickelt (die US-Rakete „Polaris“
basierte beispielsweise auf der deut- die deutsche Isotopenwaffe mit „V-3“
„Kraftstrahlkanone“, die sich bestenfalls bezeichnet. Möglicherweise handelte es
schen Rakete „Rheingold“), die von
in der Erprobungsphase befand, gab es U-Booten unter Wasser abgefeuert sich bei der Vergabe ein- und derselben
die „Motorstoppmittel“ tatsächlich. Sie werden konnten. Flugabwehrraketen Bezeichnung für mehrere neuartige
kamen auch vereinzelt zum Einsatz. An von „handlichen Formaten“ bis zu la- Waffensysteme um eine deutsche Ver-
der Entwicklung und dem Bau dieses fettengestützten (wie etwa die spätere wirrungstaktik, um alliierten Agenten
Geräts war u. a. die Hildesheimer Firma US-Rakete WAC-Corporal) waren in und Dienststellen den Überblick über
ELEMAG beteiligt [Haarmann, Wunder- der Entwicklung. Sie sollten durch eine die technischen und technologischen
waffen III, S. 24 ff.]. Explosion innerhalb eines anfliegenden deutschen Entwicklungen zu erschwe-
Ich erinnere mich an die Kriegser- Bombergeschwaders durch eine Art ren [Georg/Mehner, Atomziel New York, S.
zählungen meines Vaters, der ein solches Dominoeffekt möglichst viele Bomber 23].
Motorstoppgerät, das relativ klein und gleichzeitig zum Absturz bringen. Die Interkontinentalrakete A-9/A-
handlich war, mit eigenen Augen im Die Großrakete A-9/A-10 war als 10 war 26 Meter lang, hatte 100 Tonnen
Einsatz gegen feindliche Panzer sah. Bei Weiterentwicklung der V-2/A-4-Rakete Gewicht und einen Startschub von 200
ihm hörte ich in meiner Jugend auch als so genannte „Amerika-“ bzw. „Thors Mp [Zunneck, Geheimtechnologien II, S. 76] .
erstmals den Begriff „Motorstoppmit- Hammer“-Rakete geplant. Es gab min- Der SS-Geheimwaffenspezialist Otto
tel“, was mir damals recht unpassend für destens einen belegten erfolgreichen Skorzeny teilte in der Nachkriegszeit
ein Gerät ausgewählt schien, da ich als Testflug einer der rund dreißig Meter mit, dass die „Amerika-Rakete“ Ende
Jugendlicher unter einem „Mittel“ eher großen mehrstufigen Flügelraketen März 1945 „praktisch fertig war und ab
eine Art Reinigungsmittel verstand. am 16. März 1945. In Peenemünde Juni serienmäßig hätte hergestellt werden
Bezeichnend ist, dass auch diese sollen sogar vier Teststarts vorgenom- können“. Bis Mai 1945 wurden mindes-
Entwicklungen oder Pläne davon spur- men worden sein. Diese Flüge seien in tens sieben A-10-Prototypen und vier

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Geheime Waffen
Nach dem Erreichen des Zieles wäre
das Heck des Schwimmkörpers geflutet
worden. Somit hätte er senkrecht im
Wasser gestanden und etwa fünf Meter
heraus geragt. Auf einer kreiselstabi-
lisierten Plattform wäre die A4 dann
betankt und überprüft worden. Die
Stromversorgung sollte durch das U-
Boot erfolgen. Kurz vor dem Start der
Rakete hätte die Bedienmannschaft den
Behälter verlassen und das Startsignal
wäre vom U-Boot aus gegeben worden.
Auf dem Startweg innerhalb des
Schwimmkörpers beabsichtigte man,
die A4 auf Schienen zu führen und den
Gasstrahl über eine Schurre (Abgas-
tunnel) um 180° umzulenken, sodass
er nach oben austreten konnte. Für die
Fahrt über den Atlantik berechnete
man bei zwölf Seemeilen Geschwin-
Projekt „Schwimmweste“ sah vor, A4-Raketen unter Wasser abzufeuern. Dieses System wurde nach dem digkeit zum geplanten Ziel (USA) etwa
Krieg von den Amerikanern weiterentwickelt. dreißig Tage. Vorgesehen waren die so
1. Aufklappbarer Bug genannten Elektro-U-Boote vom Typ
2. Treibstofftanks mit Aussparungen für die Heckflossen der Rakete XXI. Die Antriebsstoffe wie flüssiger
3. Bedienungsplattform für den A4 Steuergeräteteil
4. A4-Triebwerksbereich Sauerstoff und Äthylalkohol hätte man
5. Kreiselstabilisierte Plattform für das Aggregat 4 in Schwimmkörpern neben der Rakete
6. Abgas-Kanal (Schnurre) mitgeführt.
7. Kontrollzentrale mit Prüfpulten Das Projekt sollte in Verbindung
8. Sauerstofftanks, die zur Kühlung mit Wasser umspült sind
9. Heck mit Wasserstofftanks zum Fluten für das Aufrichten (www.luftarchiv.de) mit der Stettiner Vulcan-Werft erarbeitet
werden. Noch am 9. Dezember 1944
Vorserienmodelle fertig [Georg/Mehner, Eine andere Raketenentwicklung fand bei der Waffen-Prüfabteilung 10
Atomziel New York, S. 86 f.] . Es leuchtet war ein etwa fünf Meter langes fern- (Raketen) des Heereswaffenamtes eine
ein, dass ein solches Stadium für Vor- gesteuertes Raketenflugzeug mit der umfangreiche Besprechung statt. Bis
serienmodelle nur erreichbar ist, wenn Bezeichnung „Krach“, das die Holzbau Ende März 1945 sollten dann die Vor-
entsprechende Testflüge absolviert wor- Kissing in Sonthofen, ein Zweigwerk der untersuchungen abgeschlossen sein. Im
den sind. Messerschmittwerke in Oberammergau, Februar 1945 wurde Peenemünde aber
Als Fortsetzung für die A-9/A-10 entwickelte. Das Gerät war mit acht bereits geräumt. Auch die von der Werft
waren Mehrstufenraketen in der Pla- 55-mm-R-4-M-Raketen bestückt und begonnenen Muster konnten nicht
nung: Die A-9/A-10/A-11 (sie sollte als sollte zur Luftabwehr gegen feindliche mehr fertiggestellt werden.
letzte Stufe eine A-9 aus der Erdanzie- Bomberverbände eingesetzt werden. Dieses Konzept nahm, obwohl es
hungskraft befördern) und A-10/A-11/ Nach dem Einsatz sollte es an einem nicht mehr in die Praxis umgesetzt wer-
A-12 (sie sollte neben den Piloten drei- Heck-Fallschirm landen und wieder- den konnte, die viel späteren Entwick-
ßig Tonnen Frachtgut auf Satellitenge- verwendbar sein [Gehring/Rothkugel, lungen von U-Boot-Raketen vorweg.
schwindigkeit beschleunigen können). Flugscheiben-Mythos, S. 68].
Die Forschungen hierzu flossen nach
Bemannte Raketen
Projekt „Schwimmweste“ Basierend auf der „Amerika-Rakete“
Kriegsende praktisch unverändert in
das US-Raketenprogramm ein, selbst Direktor Lafferenz von der Deutschen A-9/A-10 wurde unter der Bezeich-
die „Mondrakete“ SATURN 5 basierte Arbeitsfront hatte durch praktische nung A-9p an einer bemannten Versi-
auf diesen Plänen. Das 1942 konzipierte Versuche nachgewiesen, dass ein U- on der A-9-Rakete gearbeitet, die mit
Hochdruck-Hauptstrom-Raketentrieb- Boot bis zu drei größere tauchfähige Deltaflügeln versehen war. Sie war als
werk wird bis heute in dieser Form bei Schwimmkörper schleppen konnte. Mit Alternative wegen der unsicheren Ziel-
der europäischen Ariane oder den US- U 1063 wurde der Unterwasserschlepp und Führungssysteme der damaligen
Spaceshuttles verwendet. erprobt und zeigte nur minimale Proble- Zeit entwickelt worden und sollte mit
Zusätzlich wurde als Alternative me. Dadurch entstand die Frage, ob es 14,20 Metern Länge, einer Spannweite
zu den Flüssigkeitsraketen unter der möglich sei, in diesen Schwimmkörpern von 3,50 Metern und 16,26 Tonnen
Bezeichnung V-101 im Jahr 1944 im A4-Raketen mitführen zu können. Der Gewicht eine bemannte Einwegbombe
Škoda-Zweigwerk Pibrans eine dreistu- Gedanke war, diese Raketen aus den darstellen. Der Pilot sollte sich kurz
fige Feststoffrakete entwickelt, die bei Tauchbehältern zu starten. So entstand vor dem Erreichen des Ziels mit einem
einer Länge von dreißig Metern 140 1943 ein weiteres Projekt. Die Trans- Schleudersitz retten [Georg/Mehner, Atom-
Tonnen Gewicht besaß und bei einer port- und Verschlussbehälter sollten ziel New York, S. 58 f.].
Schubkraft von hundert Tonnen und eine Länge von 37 Metern und einen Angeblich wurde unter der Leitung
mehr eine Reichweite von mindestens Durchmesser von 5,50 Metern haben. der SS bereits im Dezember 1944 ein
1800 Kilometern haben sollte. Ob diese Bei dieser Größe sprach man von der Flug in die Stratosphäre durch eine
Rakete überhaupt fertiggestellt wurde, enormen Wasserverdrängung von 500 bemannte A-9p durchgeführt, wobei
ist jedoch nicht geklärt [Hahn]. Tonnen. jedoch der Pilot bei dem Versuch, aus

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Geheime Waffen
der schnell fallenden A-9p auszusteigen, Kampfeinsatz in Süddeutschland be-
ums Leben kam. Der Start soll in der kannt, am 29.03. 1945. Es wurden nur
Nähe der polnischen Grenze, mögli- 34 Versuchsmuster gebaut, ein Modell
cherweise in der Tucheler Heide, statt- der „Natter“ steht heute im Deutschen
gefunden haben [Georg/Mehner, Atomziel Museum in München.
New York, S. 59 ff.].
Die „Natter“ (Ba 249), gebaut in Deutsche Atomwaffen
den Fieseler-Werken durch Dr. Bachem, Immer noch vom Mythos umgeben ist
war Ende 1944 die erste bemannte Ra- die Entwicklung von deutschen Atom-
kete. Sie war eine Mischung zwischen waffen gegen Ende des Zweiten Welt-
Flugzeug und Rakete und als „Weg- krieges, die ich hier allerdings nur strei-
werfwaffe“ für die Massenproduktion fen möchte. Dass auch in Deutschland
gedacht. Demgemäß besaß sie auch an der Kernenergie gearbeitet wurde, ist
keinerlei Landevorrichtung. Der Pilot unbestritten. Der „Volks-Brockhaus“
sollte das Gerät mit Raketenantrieb in von 1936 sagt dazu aus, dass bereits
einen anfliegenden Bomberpulk lenken, 1935 bei 27 Grundstoffen die Atom-
dann einen Zeitzünder aktivieren und zertrümmerung gelungen sei [Der Volks-
mit dem Fallschirm aussteigen, wobei Brockhaus, Leipzig 1936, S. 35].
er möglichst die teuren Steuergeräte Nach Aussagen von Zeitzeugen
mitnehmen sollte (was bedeutet, dass müssen die Atomwaffen zumindest un-
bereits damals steckbare Komponenten mittelbar vor der Serienproduktion ge-
gebaut wurden). Die „Natter“ sollte standen haben. Hierzu verweise ich auf
dann, während der Pilot am Fallschirm die inzwischen reichhaltige Literatur,
insbesondere von Thomas Mehner. Die Die „Natter“, die erste bemannte Rakete
außer Gefahr war, mit der mitgeführten
Sprengladung explodieren und dabei deutsche Atomwaffen-Entwicklung sah
möglichst viele der Bomber mit in den offenbar keine großvolumigen Bomben den vorhandenen Möglichkeiten (den
Tod reißen. Das Gerät konnte innerhalb vor, wie sie später von den Amerikanern Flugzeugen) einsetzen zu können, ohne
einer Minute auf eine Höhe von 12.000 gegen Japan eingesetzt wurden, auch die Flugzeuge und ihre Besatzungen un-
Metern steigen. wenn es Stimmen gibt, die behaupten, nötig zu gefährden. Man vergesse nicht,
Heute weiß man gerade noch, dass die dort abgeworfenen Atombomben dass die US-Bomber, die über Japan
es bei ihrer Entwicklung Probleme gab seien erbeutete deutsche Atombomben ihre Atombomben abgeworfen hatten,
und die ersten Testpiloten ihre Testflüge gewesen. nur mit viel Glück dem von ihnen aus-
nicht überlebten, weil sie sich beim Aus- Nach allem, was von verschiedenen gelösten Inferno entkommen konnten!
stieg wegen der hohen Geschwindigkeit Forschern bisher recherchiert werden Das schließt nicht aus, dass größere
Gliedmaßen und das Genick brachen. konnte, muss es sich bei den deutschen Sprengköpfe in der Entwicklung waren,
Erst als ein Schleudersitz eingebaut Entwicklungen um relativ kleine „Mini- die für die in der Entwicklung befindli-
wurde, konnte dieses Problem gelöst Atombomben“ gehandelt haben, viel- chen Rakete A-9/A-10 (die so genannte
werden. Die Einsatzfähigkeit war den- leicht ähnlich wie die heute im Einsatz „Amerika-“ oder „Thors Hammer“-Ra-
noch nicht gegeben, weil der Rumpf befindlichen nuklearen Gefechtsköpfe, kete) vorgesehen waren.
wegen Materialknappheit überwiegend die jedoch trotzdem eine erhebliche Die Nuklearwaffen wurden in Thü-
aus Sperrholz bestand, das keine höhe- Vernichtungswirkung erzielten. Die ringen in der Gegend des Dreiecks Arn-
ren Geschwindigkeiten aushält, ohne Atomwaffen müssen auch deshalb re- stadt-Wechmar-Ohrdruf in unterirdi-
zu zerbrechen. Es ist nur ein einziger lativ klein gewesen sein, um sie mit schen Anlagen entwickelt und in dieser
Gegend auch getestet [hierzu ausführlich
etwa Gerulf von Schwarzenbeck „Verschwörung
Jonastal“]. Auch die Fernrakete A-9/A-10
wurde hier erfolgreich getestet.
Für die Gewinnung der Grundstoffe
für eine deutsche Atomwaffe müssten
die Möglichkeiten bestanden haben,
ein starkes elektromagnetisches Feld zu
erzeugen, etwa durch den Einsatz eines
großen Zyklotrons. Und tatsächlich
wurden in der unterirdischen Fabrik
Weser in der Tschechoslowakei von den
Sowjets V-2-Rümpfe und riesige Zyklo-
trone entdeckt, die dort hergestellt wur-
den. Nach den Atombombenabwürfen
der Amerikaner über Japan wurde die
Zyklotron-Herstellung in diesem Werk
unter den deutschen Ingenieuren wie-
der aufgenommen, die dann allerdings
nach Russland gebracht wurden [Fäth,
S. 189 ff.].
Die „Natter“, die erste bemannte Rakete
Demgemäß verdichten sich in letzter

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Geheime Waffen
weniger diffuse Beschreibungen und
Berichte, in denen von scheibenförmigen
Flugzeugen oder Fluggeräten die Rede
war, die sensationelle Flugeigenschaften
besitzen sollten. Wie bei anderen deut-
schen Geheimwaffen wartete man sehn-
süchtig darauf, dass sie endlich gegen die
feindliche Übermacht eingesetzt werden
würden, um endlich einen Trumpf gegen
sie in der Hand zu haben.
Weitere Entwicklungen
Wassermotoren
Ebenfalls in den Bereich der Märchen
werden heute Berichte aus der Zeit des
Zweiten Weltkriegs über funktionieren-
de Wassermotoren geschoben. Dabei
handelt es sich um nur leicht modifi-
zierte Fahrzeugmotoren, die anstatt
durch Benzin mit Wasser angetrieben
wurden. Auch diese Geräte müssen be-
reits relativ ausgereift gewesen sein, da
sie vereinzelt noch zum Einsatz kamen.
Ich erinnere mich, dass ich mich vor
rund vierzig Jahren mit einem ehema-
ligen Kriegsveteranen unterhielt, der
in den letzten Kriegstagen selbst mit
einem Kübelwagen gefahren war, der
auf einen so genannten Wassermotor
umgerüstet worden war, und dessen
Tank an jedem Bach aufgefüllt werden
konnte. Nach seinen Angaben hatte er
niemals technische Probleme mit dem
Motor gehabt.
Seit etwa Ende der Siebzigerjahre
kursieren immer wieder Meldungen
durch die Presse, dass es Erfindern ge-
lungen sei, normale Verbrennungs-
motoren auf Wasser umzustellen. Bei-
spielsweise kursierten in verschiedenen
Der auf Wasserbetrieb umgerüstete Buggy des amerikanischen Erfinders Stanley Meyer (r& z Nr. Zeitschriften Berichte über Erfinder, die
50/1991) serienmäßige Automotoren mit relativ
einfachen Mitteln umgerüstet haben
Zeit immer mehr die Hinweise, dass es mit dem Rücken zur Wand, unmittelbar wollen. Einer dieser Erfi nder war der
auf deutscher Seite gegen Kriegsende vor der unvermeidbaren Niederlage, mit Amerikaner Stanley Meyer, der eine
bereits voll funktionsfähige Kernreak- zerbombten Städten und zügig einmar- einfache Möglichkeit gefunden haben
toren gegeben haben muss, die etwa in schierenden Feindtruppen. Mein Vater wollte, seinen VW-Buggy anstatt mit
Thüringen in unterirdischen Anlagen bestand damals jedoch felsenfest darauf, Benzin mit Wasser zu betreiben. Hier-
eingesetzt wurden. dass die Deutschen (insbesondere die über berichtete beispielsweise die inter-
Ich erinnere mich an Gespräche mit Soldaten) wesentlich moralischer gewe- disziplinäre Zeitschrift „raum &zeit“
meinem Vater in meiner Jugendzeit, in sen wären, als es uns (der Nachkriegsge- [Nr. 50/1991 und Nr. 53/1991]. Meyer ist in-
denen er mir versicherte, gegen Ende neration) später von den Siegermächten zwischen gestorben. Von seinem „Was-
des Krieges sei es kein Geheimnis ge- erzählt wurde. sermotor“ hat man später nie wieder et-
wesen, dass Deutschland Atombomben Die Frontsoldaten hofften jeden- was gehört. Hat etwa die übermächtige
besessen habe. Es sei auch bekannt ge- falls bis zuletzt auf den Einsatz der Erdöl-Lobby bei ihm „nachgeholfen“?
wesen, welch große Vernichtungskraft Atomwaffen als „Befreiungsschlag“, der Ein anderer Erfinder, Daniel Dingel,
diese Bomben hätten. Allerdings habe allerdings ausblieb. der in Manila am Industrial Technology
es Hitler „aus moralischen Gründen“ Auf die Flugscheiben angesprochen, Development Institute arbeitet, hat eben-
wegen ihrer großen Vernichtungskraft erzählte mein Vater, dass auch sie zu- falls eine Möglichkeit gefunden, in die-
abgelehnt, diese Bomben einzusetzen. mindest nicht unbekannt gewesen seien, sem Fall einen 1.6i Toyota Corolla mit
Das erscheint mir heute jedoch kaum allerdings nicht unter diesem Begriff. reinem Wasser zu betreiben. Darüber
glaubhaft, denn wenn jemand mit dem Da gegen Kriegsende nur wenige die- wurde 1999 im deutschen Fernsehen in
Rücken zur Wand steht und es keinen ser Geräte einsatzbereit waren, gab es N3 kurz berichtet.
Ausweg mehr gibt, dann setzt er alles zwangsläufig auch nur wenige Augen- Sein Corolla kann mit rund vier Li-
ein, was möglich ist, auch „unmorali- zeugen. Demgemäß beschränkte sich tern Wasser fünfhundert Kilometer weit
sche“ Waffen. Und Deutschland stand der Bekanntheitsgrad auf mehr oder fahren und dabei eine Geschwindigkeit

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Geheime Waffen
ges Flakgeschütz aussah. Die damit
verschossenen Projektile besaßen eine
derart hohe Sprengwirkung, dass mit
einem einzigen Schuss bis zu sechzig
Bomber eines Bomberverbandes abge-
schossen werden konnten [Schwarzenbeck,
S. 243].
Pressluftgeschosse wurden von Krupp
und in Frankreich gebaut. In Frank-
reich, in Thüringen und auf der Krim
U-Boote vom Typ XXI („Elektroboot“) wurden solche Waffen von den Alliier-
ten erbeutet.
bis zu 200 km/h erreichen. Wasser In der Entwicklung waren außerdem
wird bei Dingel durch eine Spannung so genannte Schall- und Windkanonen,
in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt, über die jedoch nur noch vage Andeu-
dieses Gemisch wird dem Motor zu- tungen vorhanden sind [Rothkugel, S.
geführt. 155].
Wir sehen, dass es auch heute noch Synthetischer Kautschuk
einige Erfinder gibt, die in der Lage
sind, „Wassermotoren“ zu entwickeln Bereits 1909 wurde im pharmazeuti- Der Walter-Schnorchel erlaubte es U-Booten,
bzw. herkömmliche Motoren auf Was- schen Laboratorium der Bayer-Werke nahezu unbegrenzt lange unter Wasser zu bleiben.
serbetrieb umzurüsten. Demgemäß in Wuppertal-Elberfeld erfolgreich an Um einer Entdeckung durch feindliches Radar zu
dürfte das technische Problem relativ synthetischem Kautschuk („Buna“, aus entgehen, entwickelte man eine zusätzliche Schutz-
Butadien und Natrium) gearbeitet. Die verkleidung, die die Radarstrahlen absorbierte.
klein sein. Dieses Wissen war auf deut-
scher Seite allerdings schon gegen Ende industrielle Massenfertigung lief 1936
des zweiten Weltkrieges vorhanden. an. Buna besaß gegenüber Naturkaut- ner Heisenberg mit der Kernspaltung.
schuk eine höhere Abriebfestigkeit und Er entwickelte auch einen radioaktiv
Roboterfahrzeuge und U-Boote war wesentlich öl- und benzinbeständi- betriebenen Stromerzeuger. Trotz sei-
Man arbeitete an ferngelenkten kleinen ger [Henco, S. 16 ff.]. ner geringen Größe hatte das Gerät
Roboterfahrzeugen, die Sprengladun- Anti-Radar-Beschichtungen eine theoretische Leistung von 2 kW
gen zu feindlichen Panzern befördern [Rothkugel, S. 201]. Die von Kurt Diebner
Aber nicht nur Offensivgeräte und eingeführte Methode, anstatt der von
sollten. -Waffen wurden entwickelt, auch De-
Es soll auch ein Mini-U-Boot gege- Heisenberg verwendeten Methode der
fensiv-Entwicklungen. So beispielsweise Verwendung von Uranplatten in einer
ben haben, das mit einem neuartigen eine Schutzbeschichtung für Flugzeuge,
Antrieb unter Wasser fast so schnell wie Uranmaschine gewürfeltes Uranerz zu
Panzer und U-Boote, die in der Lage verwenden, hatte sich allerdings als er-
ein Überwasserboot gewesen sei. Schon war, Radarstrahlen zu absorbieren.
die in den letzten beiden Kriegsjahren folgreicher erwiesen [Henco, S. 56 ff.].
Solche Beschichtungen schützten bei-
gebauten neuen U-Boote (u. a. das spielsweise die U-Boot-Türme beim „Deflektor“-Geräte
so genannte „Elektro-U-Boot“) wa- Auftauchen vor der feindlichen Radar-
ren der alliierten „Konkurrenz“ derart Was selbst heute noch wie Science-Fic-
Ortung. Auch die letzten Horten-Nur- tion klingt, obwohl heute in den USA
haushoch überlegen, dass sie selbst im flügel-Flugzeuge wurden bereits damit
Vergleich zu heutigen U-Booten noch bei verschiedenen militärischen Stellen
versehen, wodurch sie bereits damals zu daran gearbeitet wird, war ein Gerät,
überragend abschneiden würden. Dank „Tarnkappen-Bombern“ wurden. Diese
des Walter-Schorchels und anderer Tech- das selbst größere Gegenstände (etwa
Art der Beschichtung wurde erst wieder Panzer) unsichtbar werden lassen sollte
nologien konnten schon die serienmäßig Anfang der Neunzigerjahre von den
gebauten U-Boote fast unbegrenzt lange Amerikanern neu entwickelt. (in der Science-Fiction-Serie „Perry
unter Wasser agieren. In der Planung Rhodan“ beispielsweise werden sie „De-
war sogar ein Atom-U-Boot (mit einem Elektromagnetische flektorgeräte“ genannt).
Kernreaktor), das jedoch niemals gebaut Schutzschirme Die heutigen in der Entwicklung
wurde. Das Thema „Deutsche U-Boo- Und auch an einer Art elektromagne- befindlichen Systeme in den USA funk-
te“ wäre allein ein eigenes Buch wert. tischem Schutzschirm wurde bereits tionieren im Wesentlichen so, dass der
Schon allein bei der unglaublich gearbeitet (wie er erst Jahrzehnte später zu verbergende Gegenstand mit einer
hohen Produktionsrate für die U-Boo- in Science-Fiction-Romanen auftauch- Kombination von kleinen Spiegeln und
te fragt man sich heute, wie das alles te). Dieses Feld sollte in der Lage sein, Flüssigkeitskristall-Plättchen (LCD)
möglich war, zumal unter den Kriegs- anfliegende Granaten oder Bomben zur überzogen ist, die teilweise die vorde-
bedingungen: Bei Kriegsende wurde vorzeitigen Explosion bringen oder ab- re Umgebung spiegeln, teilweise ein
täglich (!) mindestens ein neues U-Boot zulenken. An dieser Technik arbeiteten durch Miniaturkameras aufgenom-
in Dienst gestellt! Vergleicht man das die SS und die Forschung der Deut- menes rückseitiges Bild auf die LCD-
mit heutigen Zahlen, muss man vor schen Reichspost (die keinesfalls wie Plättchen übertragen. Allerdings lässt
Neid erblassen. Erst vor kurzem (April die heutige Post ein reines Brief- und sich auf diese Weise (noch) keine voll-
2005) wurde in Deutschland ein U- Paket-Beförderungsunternehmen war, ständige „Unsichtbarkeit“ erzeugen, die
Boot fertiggestellt, nach einer Bauzeit sondern eigene technische Entwick- so geschützten Gegenstände sind immer
von - zwei Jahren! lungszentren besaß). noch hinter einem fl immernden Feld
mehr oder weniger gut erkennbar.
Abwehrwaffen Stromerzeugung durch Eine weitere Methode wird derzeit
Ein unbenanntes Waffensystem bestand Kernspaltung von Andrea Alù und Nader Engheta
aus einem Gerät, das wie ein zweirohri- In Deutschland befasste sich u. a. Wer- von der Universität von Pennsylvania in

50 EFODON-SYNESIS Nr. 3/2006


Geheime Waffen
unter Raketen und Flügelbomben,
wobei deren Fernsehbilder bis zu 400
km weit übertragen werden konnten.
Die damals entwickelte Technologie ist
im Wesentlichen bis heute im Einsatz
[Henco, S. 28 ff.].
Windkanal
In Peenemünde stand der modernste
Windkanal der Welt, in dem Geschwin-
digkeiten bis zur vierfachen Schallge-
schwindigkeit, später bis zur neunfa-
chen, simuliert werden konnten.
Nach der Bombardierung von Pe-
enemünde im Oktober 1944 wurde
diese Anlage unter der Bezeichnung
„Wasserbauversuchsanstalt“ (W VA)
zum Kochelsee in Süddeutschland ver-
lagert [Irving, S. 142] . Allerdings wurde
die Anlage dabei verbessert. Zunächst
sollte der hypersonische Windkanal
mit Mach 7 (der siebenfachen Schall-
geschwindigkeit) betrieben werden,
die später auf Mach 10 erhöht werden
Hochmoderne Windkanalanlage in Ötztal (Tirol) gegen Kriegsende. sollte [Georg/Mehner, Atomziel New York,
S. 19 ff.].
Philadelphia entwickelt, wie der Onli- abhängigkeit des Systems: Der Effekt
ne-Dienst des Fachmagazins Nature im wirkt nur, wenn die Wellenlänge des Literatur
März 2005 meldete. Lichts ungefähr der Größe des Objekts Der Volks-Brockhaus, Leipzig 1936
Objekte sind nur deswegen sichtbar, entspricht. Die Abschirmung vor sicht- Harald Fäth: „Geheime Kommandosache
weil sie den Weg des auf sie treffenden barem Licht könnte also vorerst nur für S III Jonastal und die Siegeswaffenpro-
Lichts verändern: Ein Teil der Licht- mikroskopisch kleine Objekte realisiert duktion“, Rottenburg 2004
wellen wird absorbiert, während der werden. Größere Gegenstände wären Heiner Gehring & Klaus P. Rothkugel:
größte Teil von der Oberfläche abprallt demnach höchstens für Strahlungen „Der Flugscheiben-Mythos“, Schleu-
und zurück ins Auge reflektiert wird. wie Mikrowellen unsichtbar [ddp/wissen singen 2001
Nach der Theorie von Alù und En- schaft.de – Ilka Lehnen-Beyel]. Friedrich Georg / Thomas Mehner: „Atom-
gheta müsste ein Körper daher prak- Die deutschen Vorstellungen wäh- ziel New York“, Rottenburg 2004
tisch unsichtbar werden, wenn diese rend des Krieges liefen hingegen auf D. H. Haarmann: „Geheime Wunderwaf-
ein optisches Projekt hinaus, in dem fen II ... und sie fliegen doch!“, Wetter
Lichtbrechung verhindert wird. Diese 1983
Überlegung stellten auch schon deut- durch eine Art elektromagnetisches
Ablenkfeld die Lichtstrahlen um einen Fritz Hahn: „Waffen und Geheimwaffen
sche Forscher kurz vor Kriegsende an. des deutschen Heeres“: 1933-1945“,
Die Verhinderung der Lichtbrechung zu tarnenden bzw. zu verbergenden Ge- Bonn 1998
könnte mithilfe der Plasmon-Schicht genstand herum gelenkt werden sollten,
Guido-Gordon Henco: „Die phantasti-
gelingen, glauben Alù und Engheta. was wesentlich effektiver gewesen wäre. schen Erfindungen im Dritten Reich“,
Oberflächenelektronen einer solchen Auch die Unterlagen für diese For- Wölfersheim-Berstadt 2004
meist aus Metall bestehenden Schicht schungen sind anscheinend nachhaltig David Irwin: „Die Geheimwaffen des Drit-
werden zu kollektiven Schwingungen vernichtet worden, denn sonst wären ten Reiches“, Kiel 2000
angeregt, wodurch sich die Dichte der diese Geräte heute im Einsatz. Klaus-Peter Rothkugel: „Das Geheimnis
Ladungsträger wellenförmig verändert. Fernsehen der deutschen Flugscheiben“, Zweibrü-
Stimmen die Schwingungsfrequenz die- cken 2002
ser so genannten Plasmonen und die des Nachdem am 22.03.1935 die Ausstrah- Gerulf von Schwarzenbeck: „Verschwörung
auftreffenden Lichts überein, würde das lung des ersten regelmäßigen Fernseh- Jonastal“, Rottenburg 2005
Licht praktisch nicht mehr gestreut. programms der Welt erfolgte, wurde K.-H. Zunneck: „Geheimtechnologien,
Um sichtbares Licht abzuschirmen, diese Technologie schon 1939 für wis- Wunderwaffen und die irdischen Facet-
würden sich beispielsweise Materialien senschaftliche Kontrollen in der Luft- ten des UFO-Phänomens“, Rottenburg
wie Silber oder Gold anbieten, kom- fahrt- und Raketenforschung und später 2004
mentiert Engheta. Für Strahlung länge- in der militärisch-taktischen Luftauf- K.-H. Zunneck: „Geheimtechnologien 2.
rer Wellenlängen wie etwa Mikrowellen klärung eingesetzt. Kurz vor Kriegsende Militärische Verwicklungen, öffentliche
war eine Fernsehkamera im Einsatz, die Manipulation und die Herkunft der
müsste der Schutzschild dagegen aus ,UFOs’“, Schleusingen 2001
einem speziell entworfenen „Metama- es ermöglichte, auf einem Bildschirm
terial“ bestehen, das aus Reihen von 1029 Bildzeilen anzuzeigen. Diese Wer-
Drahtringen und -spulen aufgebaut te wurden erst Mitte der Achtzigerjahre Weiterführende Literatur
ist. durch die HDTV-Technologie (High Gernot L. Geise: „Flugscheiben - Realität
Leider funktioniert jeder Schild nur Definition Television) wieder erreicht. oder Mythos?“, Michaels Verlag, Peiting
für eine einzige Lichtwellenlänge. Das Ab 1939 wurden durch Kameras 2005
größte Problem ist auch die Größen- gelenkte Flugkörper entwickelt, dar- 
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