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W E L t B E V ö L K E r u N g ]

»   Millennium-Entwicklungsziele

Ein Plädoyer für Gesundheit und Familienplanung

Im Jahr 2000 verabschiedeten 189 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die Millennium- Entwicklungsziele (Millennium Development Goals, kurz: MDGs), die bis zum Jahr 2015 erreicht werden sollen. Bei den Zielen geht es darum, vorrangig in Entwicklungsländern die Situation armer Menschen dauerhaft zu verbessern. Obwohl einige Fortschritte erzielt wurden, ist der Handlungsbedarf nach wie vor sehr groß.

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Die meisten Ziele stehen in engem Zusammenhang mit Bevölkerungs- und Gesundheitsfragen. Um die MDGs zu erreichen, müssen Frauen gestärkt und der Zugang zur freiwilligen Familienplanung verbessert werden. Auch Fortschritte bei der Müttergesundheit sowie der Prävention und Behandlung sexuell übertragbarer Infektionskrank- heiten (einschließlich HIV und Aids) sind notwendig.

heiten (einschließlich HIV und Aids) sind notwendig. » Die Millennium-entwicklungsziele 1.   Beseitigung  

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Die Millennium-entwicklungsziele

1.   Beseitigung   von   extremer   Armut   und   Hunger

2.  g

rundschulbildung   für   alle   Kinder

3.   g

leichstellung   der  g eschlechter   und   Stärkung     der  r olle   der   Frauen

4.   Senkung   der   Kindersterblichkeit

5.   Verbesserung   der  g esundheit   von   Müttern

6.   Bekämpfung   von   HIV/Aids,   Malaria   und   anderen   Krankheiten

7.   Sicherung   der   ökologischen   Nachhaltigkeit

8.   Aufbau   einer   globalen   Partnerschaft   für   Entwicklung

der   ökologischen   Nachhaltigkeit 8.   Aufbau   einer   globalen   Partnerschaft   für

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Ziel   1:   Beseitigung   von   extremer   Armut   und   Hunger

Aktuelle   Lage

Weltweit lebt jeder fünfte Mensch in extremer Armut – das heißt ihm stehen pro Tag weniger als 1,25 US-Dollar zur Verfügung, und Hunger ist ein täglicher Begleiter. Kinder leiden besonders unter der Armut. Täglich sterben mehr als 7.000 Kinder an chronischer Unterernährung.

Mögliche   Lösungen

Sexualaufklärung und freiwillige Familienplanung helfen, die Zahl ungewollter Schwangerschaften zu reduzieren. Wenn Eltern weniger Kinder haben, können sie diese besser ernähren. Das trägt zur Armutsminderung bei. Der Zugang zu Familienplanung und begleitenden Gesund- heitsdiensten verbessert außerdem die Gesundheit von Frauen. Somit können sie eine Arbeit annehmen und zum Familieneinkommen beitragen.

» Ziel   2:   g rundschulbildung   für   alle   Kinder

Foto: Andrea künzig

Aktuelle   Lage

Weltweit gehen 132 Millionen Kinder nicht zur Schule. Besonders betroffen sind Mädchen in Entwicklungs- ländern. Sie brechen häufig die Schule ab, weil sie ein Kind bekommen, Geschwister versorgen müssen oder verheiratet werden. Jedes zweite Kind, das nicht zur Schule geht, lebt heute in Afrika südlich der Sahara.

Mögliche   Lösungen

Mädchen aus kleinen Familien werden seltener als Mädchen aus großen Familien von der Schule genommen, wenn ihre Mutter schwanger wird, die Familie die Schulkosten nicht mehr aufbringen oder auf die Arbeits- kraft verzichten kann. Da freiwillige Familienplanung meist zu kleineren Familien führt, sollte darin investiert werden. Sexualaufklärung speziell für Mädchen hilft außerdem, ungewollte Schwangerschaften und somit früh- zeitige Schulabbrüche zu verhindern.

» Ziel   3:   g leichstellung   der  g eschlechter   und   Stärkung   der  r olle   der   Frauen

Aktuelle   Lage

3 In den meisten Ländern werden Mädchen und Frauen im Vergleich zu Jungen und Männern benachteiligt. Sie erhalten weniger Geld für dieselbe Arbeit, sind weniger im öffentlichen Leben präsent und haben schlechtere Bildungschancen.

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Weltbevölkerung ] Millennium-entwicklungsziele

Mögliche   Lösungen

Eine gute Bildung für Mädchen und Frauen ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass sie selbst über ihr Leben entscheiden und ihre Zukunft gestalten können. Der Zugang zu Familienplanung und begleitenden Gesund- heitsdiensten stellt sicher, dass Mädchen und Frauen ein gesünderes und besseres Leben führen können. Gemein- same Diskussionen mit Männern und Frauen, zum Beispiel über Sexualität und Verhütung, verbessern das Verständnis füreinander und eröffnen beiden Seiten neue Chancen.

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Ziel   4:   Senkung   der   Kindersterblichkeit

» 5 Ziel   4:   Senkung   der   Kindersterblichkeit Foto: Petra Stadler Aktuelle  

Foto: Petra Stadler

Aktuelle   Lage

Die Zahl der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren ist von 1990 bis 2011 von 11,9 Millionen auf schätzungs- weise 6,9 Millionen zurückgegangen. So erfreulich dieser Rückgang ist – jeder Todesfall ist einer zu viel und wäre in den meisten Fällen ver- meidbar.

Mögliche   Lösungen

Viele Fälle von Kindersterblichkeit treten bei der Geburt oder kurz danach auf. Die Hauptursachen liegen in vermeidbaren Krankheiten wie Lungenentzündung, Durchfall, Malaria und Unterernährung. Doch auch die Bildungs- und Gesundheitsversorgung der Mütter wirkt sich auf die Todesrate aus. Aus diesem Grund ist es wichtig, mehr Frauen eine Grund- und weiterführende Bildung und ihren Kindern Impfungen zu ermöglichen.

Ziel   5:   Verbesserung   der  g esundheit   von   Müttern

Aktuelle   Lage

Weltweit sterben pro Jahr etwa 287.000 Frauen infolge von Komplikationen bei Schwangerschaft oder Geburt. Das Risiko für eine Frau, im Laufe ihres Lebens an den Folgen einer Schwangerschaft oder Geburt zu sterben, ist für Frauen in Entwicklungsländern deutlich höher als für Frauen in Industrieländern: Liegt es hierzulande bei eins zu 10.600, beträgt es etwa in Afrika südlich der Sahara eins zu 39. Dort wird noch nicht einmal jede zweite Geburt durch einen Arzt oder eine Hebamme begleitet.

Mögliche   Lösungen

Hätten alle Frauen in Entwicklungs- ländern Zugang zu freiwilliger Familienplanung, ließe sich die Müttersterblichkeit um ein Viertel senken. Außerdem brauchen Frauen eine bessere Betreuung während der Schwangerschaft und Geburt – inklusive Nachbetreuung – durch qualifiziertes Gesundheitspersonal.

Betreute Geburten und Müttersterblichkeit in ausgewählten Ländern

Tschad 17 1.100 Afghanistan 36 460 Tansania 49 460 Uganda 58 310 Indien 58 200
Tschad
17
1.100
Afghanistan
36
460
Tansania
49
460
Uganda
58
310
Indien
58
200
Bolivien
71
190
Nicaragua
74
95
Mexiko
95
50
Deutschland
99
7
Anteil der Geburten, die von einem Arzt oder einer
Hebamme betreut werden (in Prozent)
Müttersterblichkeit pro 100.000 Geburten

Grafik: Stiftung Weltbevölkerung Quelle: WHO, World Health Statistics 2013

Millennium-entwicklungsziele [ Weltbevölkerung    [ 3]

Die Stiftung Weltbevölkerung ist eine international tätige entwicklungs- organisation. Sie hilft jungen Menschen in

Die Stiftung Weltbevölkerung ist eine international tätige entwicklungs- organisation. Sie hilft jungen Menschen in Afrika und Asien, sich selbst aus ihrer Armut zu befreien. ungewollte Schwangerschaften und Aids verschärfen die Armut und bedeuten für viele Jugendliche den tod. Deshalb unterstützt die Stiftung Aufklärungs- und Familienplanungsprojekte sowie gesundheitsinitiativen in entwicklungsländern.

www.weltbevoelkerung.de

Spendenkonto:   38   38   38   0     Commerzbank   Hannover     BLZ   250   400   66 IBAN:   DE56   2504   0066   0383   8380   00     BIC:   COBADEFF   250

Herausgeber: Deutsche Stiftung Weltbevölkerung

göttinger Chaussee 115, 30459 Hannover telefon: 0511 94373-0, Fax: 0511 94373-73 e-Mail: hannover@dsw.org

redaktion: Christoph behrends, ute Stallmeister (v.i.S.d.P.), gestaltung: Simone Schmidt, Stand: Oktober 2013

 

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Ziel   6:   Bekämpfung   von   HIV/Aids,   Malaria   und   anderen   Krankheiten

 
 

Aktuelle   Lage

Mögliche   Lösungen

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Immer noch infizieren sich jeden Tag rund 6.300 Menschen mit HIV. 4.400 Menschen sterben täglich an Aids, größten- teils infolge unzureichender Präventions- und Behand- lungsangebote. In einigen Ländern haben weniger als zehn Prozent aller von HIV betroffenen Kinder Zugang zu einer Therapie. Mehr als zwei Drittel aller HIV-Infizierten leben in Afrika südlich der Sahara.

Das beste Mittel im Kampf gegen HIV und Aids ist Prävention. Dazu brauchen alle Menschen Zugang zu Aufklärung und Verhütung. Wenden sie konsequent Kondome an, können sie sich vor einer Infektion schützen. Außerdem müssen verstärkt Medikamente zur Behandlung von HIV und Aids zur Verfügung gestellt werden. Vor allem Frauen in Entwicklungsländern brauchen Präventionsmethoden wie Mikrobizide, mit denen sie sich unabhängig von ihrem Partner vor HIV schützen können. Auch Aids-Impfstoffe sind ein zentrales Instrument im Kampf gegen die Pandemie.

 

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Ziel   7:   Sicherung   der   ökologischen   Nachhaltigkeit

 
 

Aktuelle   Lage

Mögliche   Lösungen

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Nie war der Druck der Menschheit auf die natürlichen Ressourcen der Erde größer als heute. Während vor allem die Industrieländer globale Umweltveränderungen verursachen, leiden insbesondere die Menschen in Ent- wicklungsländern unter den Folgen des Klimawandels, unter Trinkwassermangel und lokaler Ressourcenknappheit.

Zunächst sind die Industriestaaten gefragt, die Umwelt zu schonen, Energie zu sparen und in Klimaschutz zu investieren. In Entwicklungsländern führen Armut und fehlende Aufklärung zu vielen ungewollten Schwanger- schaften, was den Druck auf lokal begrenzte Ressourcen weiter erhöht. Daher ist es wichtig, alle Menschen dazu in die Lage zu versetzen, selbst zu entscheiden, wann und wie viele Kinder sie bekommen.

» Was   ist   zu   tun?

• Die Geberländer müssen dringend mehr Finanzmittel bereitstellen. Um allen Frauen, die verhüten möchten, die Möglichkeit dazu zu geben, würde dies 8,1 Milliarden US-Dollar jährlich kosten – vor allem für Verhütungsmittel, Personal und Gesundheitssysteme. Das sind 4,1 Milliarden US-Dollar mehr, als heute investiert werden.

• Auch die Empfängerländer sind gefordert. Sie sind dafür verantwortlich, dass Dienstleistungen der Aufklärung und Familienplanung in nationale Gesundheitssysteme integriert werden. Es muss gewährleistet werden, dass die Bevölkerung kontinuierlich etwa mit Verhütungsmitteln versorgt werden kann. Das Gesundheitspersonal sollte aufgestockt und besser ausgebildet werden.

• Ein Fokus sollte auf denjenigen Bevölkerungsgruppen liegen, deren sexuelle Gesundheit besonders gefährdet ist: die Ärmsten der Armen, Jugendliche, werdende Mütter und Menschen in humanitären Krisenregionen.

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Weltbevölkerung ] Millennium-entwicklungsziele