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Internationale Gesundheitsförderungskonferenz in Zug: 23. - 25.09.

2009

Kantonale Gesundheitsförderung: So macht's der Kanton Zug

Wer ist zuständig für die Gesundheit?

Gesundheitsdirektion, 24. September 2009 Seite 2

«Das Gesundheitsinteresse ist riesig, das Gesundheitswissen ist mässig, das Gesund-
heitsverhalten ist miserabel», schrieb der Ihnen sicher bestens bekannte Dichter Christi-
an Morgenstern vor rund hundert Jahren. Das möchte ich der Politik nicht gerade un-
terstellen. Doch tatsächlich folgen den hehren Worten nicht immer konkrete Taten. Das
hängt auch damit zusammen, dass die Verantwortlichkeiten nicht so ganz klar verteilt
sind – mindestens in der Schweiz. Müssen die Schulverantwortlichen durch eine gute
Bildung die nötigen Voraussetzungen für die Gesundheit schaffen? Oder müssen die
Bauverantwortlichen Velowege planen? Oder müssen die Spitalverantwortlichen die
Krankenhäuser noch besser ausstatten? Sind die Kommunen zuständig oder die Kanto-
ne bzw. Bundesländer? Oder steht der Gesamtstaat – Deutschland, Österreich oder die
Schweiz – in der Pflicht? Oder gar die EU?

Ich denke, dass es auf jeder Ebene, in jedem Bereich genügend Einflussmöglichkeiten
und Spielräume gibt. Deshalb ist Gesundheitsförderung und Prävention letztlich eine
Frage des politischen Willens. Ganz besonders gilt dies für die 26 Kantone in unserem
Land, die Sie hier auf der Schweizer Karte sehen und die ich an dieser Konferenz vertre-
te.

24.09.2009 Regierungsrat Joachim Eder - www.jeder.ch 1


Spielräume nutzen!

Artikel 3:

Die Kantone sind souverän, soweit ihre Souveränität nicht


durch die Bundesverfassung beschränkt ist; sie üben alle
Rechte aus, die nicht dem Bund übertragen sind.

Gesundheitsdirektion, 24. September 2009 Seite 3

Die Schweizerische Bundesverfassung räumt den Kantonen nämlich weitestgehende


Autonomierechte ein. Wo der Bund nicht ausdrücklich zuständig ist, liegt die Kompetenz
bei den Kantonen. Wir im Kanton Zug haben diese Spielräume genutzt. Bislang hat sich
uns auch niemand in den Weg gestellt. Im Gegenteil, die Zusammenarbeit mit dem Bund
und den zahlreichen Partnerorganisationen war und ist sehr gut.

Zuger Meilensteine zur GF und Prävention


– Motion zur Gesundheitsförderung (1999)
– Regierungsrätliche Gesamtpolitik (2000)
– Beauftragter für Gesundheitsförderung (2001)
– Änderung Gesundheitsgesetz (2001)
– Ist-Analyse, Konzepterarbeitung, Projekte (2002)
– Rahmenkonzept Gesundheitsförderung und Prävention (2003)
– Gesundheit im Alter / Modell "Präventive Hausbesuche" (2003)
– Betriebliche Gesundheitsförderung (2003)
– Zuger Bündnis gegen Depression (2004)
– Tabakpräventionsstrategie (2005)
– Kantonaler Alkohol-Aktionsplan (2006)
– Konzept Psychische Gesundheit (2007)
– Totalrevision Gesundheitsgesetz (2008)
Gesundheitsdirektion, 24. September 2009 Seite 4

Wie sind wir konkret vorgegangen? Diese Liste gibt Ihnen eine Übersicht der wichtigsten
Meilensteine.

1999: Motion zur Gesundheitsförderung


2000: Regierungsrätliche Gesamtpolitik
2001: Beauftragter für Gesundheitsförderung
Änderung Gesundheitsgesetz

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2002: Ist-Analyse, Konzepterarbeitung, Projekte
2003: Rahmenkonzept Gesundheitsförderung und Prävention im Kanton Zug
Gesundheit im Alter / Modell "Präventive Hausbesuche"
Betriebliche Gesundheitsförderung
2004: Zuger Bündnis gegen Depression (www.zugerbuendnis.ch)
2005: Tabakpräventionsstrategie
2006: Kantonaler Alkohol-Aktionsplan
2007: Konzept Psychische Gesundheit
2008: Totalrevision Gesundheitsgesetz

Ich kann nun natürlich nicht auf jeden einzelnen Punkt eingehen. Doch es wird offen-
sichtlich, dass bei uns Gesundheitsförderung und Prävention eine lange Tradition haben.
Ebenso wichtig sind aber die Erfolgsfaktoren, welche sich im Laufe der Zeit als - gestat-
ten Sie den Ausdruck - Match-entscheidend herausgestellt haben.

Erfolgsfaktoren

– Verbindliche Zielsetzungen / klare Strategien

– Nutzung und Weitergabe von Erfahrungen

– Mobilisierung von Partnerorganisationen

– Einbezug aller Beteiligten

– Öffentlichkeitsarbeit

– Gemeinschaftsgefühl

… am Beispiel Psychische Gesundheit

Gesundheitsdirektion, 24. September 2009 Seite 5

Ich habe Ihnen diese Punkte hier aufgelistet. Zuerst braucht es verbindliche Zielsetzun-
gen und klare Strategien. Solchen Vorgaben haftet zwar etwas Formalistisches an, doch
man darf die Bedeutung dieser Instrumente nicht unterschätzen.

Dann kommt die Nutzung und Weitergabe von Erfahrungen. Nach meiner Meinung wird
gerade in der Gesundheitsförderung und Prävention noch allzu oft das Rad neu erfun-
den, statt auf bestehende Konzepte zurückzugreifen. Niemand möchte Bestehendes
übernehmen, alle möchten Neues schaffen. Dass dabei auch die alten Fehler aufs Neue
gemacht werden, ist unvermeidlich. Das ist eine grosse Ressourcenverschwendung,
welche es zu vermeiden gilt.

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Dann folgt die Mobilisierung von Partnerorganisationen: Als kleiner Kanton können wir
gar nicht alles selbst machen. Ohne Projektpartner geht deshalb gar nichts.

Entsprechend wichtig ist der Einbezug aller Beteiligten. Gerade die Mitwirkung in der An-
fangsphase eines Projekts ist von grosser Bedeutung. Sonst fehlt später die Unterstüt-
zung bei der Umsetzung.

Aber auch die Öffentlichkeitsarbeit sollte nicht vergessen werden. Es ist wie bei den
Störchen: Klappern gehört zum Geschäft.

Und schliesslich darf auch die emotionale Seite nicht fehlen. Gemeinsam kann man be-
kanntlich Berge versetzen. Aber dieser Zusammenhalt muss auch gepflegt werden. Alle
diese Erfolgsfaktoren möchte ich Ihnen nun anhand von Beispielen aus unserem Pro-
gramm für die Psychische Gesundheit kurz erläutern.

Verbindliche Zielsetzungen / Strategien


Beispiel
Konzept Psychische Gesundheit

Fünf Säulen:

1. Gesellschaftliche Sensibilisierung

2. Förderung der psychischen Gesundheit

3. Früherkennung und Suizidprävention

4. Reintegration

5. Unterstützung der Selbsthilfe

Gesundheitsdirektion, 24. September 2009 Seite 6

Am Anfang stand die Erarbeitung eines Konzepts. Es baut auf fünf Säulen auf. Für jede
dieser Säulen ist ein Ziel definiert, welches wiederum mit verschiedenen Massnahmen
unterlegt ist. Beispielsweise lautete das Ziel für die zweite Säule, dass bis Ende 2008 die
Förderung psychischer Gesundheit in den bestehenden Schwerpunktprogrammen der
Gesundheitsförderung verankert ist. Entsprechende Massnahmen waren etwa, dass
beim Schwerpunktprogramm "Gesundheitsförderung im Alter" das Thema Einsamkeit
speziell berücksichtigt wird oder dass beim Schwerpunktprogramm "Gesundheitsförde-
rung im Betrieb" ein Angebot zum Thema "Stress" zur Verfügung stehen soll.

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Nutzung und Weitergabe von Erfahrungen
Beispiel
Zuger Bündnis gegen Depression

– Gemeinsame Kampagne der Gesundheits-


direktion Zug, der Selbsthilfeorganisation
Equilibrium und des Bundesamtes für
Gesundheit

– Gestützt auf das Vorbild aus Nürnberg

– Adaptiert an Schweizer Verhältnisse;


aufbereitet für Multiplikation in anderen
Kantonen; inzwischen mehrfach kopiert

Gesundheitsdirektion, 24. September 2009 Seite 7

Ganz wichtig ist auch die Nutzung und Weitergabe von Erfahrungen. Ich frage mich
manchmal: Wieso werden eigentlich keine Preise für die beste Imitation vergeben? Oder
wieso gibt es so selten Unterstützungsbeiträge für eine Projektwiederholung? Wir kön-
nen nämlich viel voneinander lernen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Zuger Bündnis ge-
gen Depression, bei welchem wir uns stark am Vorbildprojekt aus Nürnberg orientiert
haben. Natürlich waren Anpassungen an die Schweizer Verhältnisse nötig. Aber das er-
folgreiche Grundkonzept konnten wir übernehmen. Die Resultate waren so überzeu-
gend, dass wir unsere Erfahrungen in einer Broschüre zusammengestellt haben, damit
auch andere davon profitieren können. Dies ist auch geschehen, was mich mindestens
ebenso freut wie der Erfolg im eigenen Kanton Zug.

Mobilisierung von Partnerorganisationen


Beispiel
Aktionsmonat Psychische Gesundheit (10.9.2008 - 10.10.2008)

– "10 Schritte für psychische Gesundheit"

– 31 mitwirkende Partnerorganisationen

– 47 Veranstaltungen

– 2'270 Veranstaltungsbesucherinnen und -besucher

Gesundheitsdirektion, 24. September 2009 Seite 8

Der nächste Erfolgsfaktor betrifft die Mobilisierung von Partnerorganisationen. Wir haben
im Gesundheitsamt nur eine Person, welche sich hauptamtlich dem Thema "Psychische

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Gesundheit" widmet. Damit kann man zwar einiges erreichen, doch für die Breitenwir-
kung sind wir auf die Zusammenarbeit mit externen Partnern angewiesen. Deutlich hat
sich dies bei unserem Aktionsmonat "Psychische Gesundheit" gezeigt. Aufgrund der en-
gagierten und guten Zusammenarbeit mit 31 Partnerorganisationen konnten im Zeitraum
eines Monats 47 Veranstaltungen zum Thema "10 Schritte für psychische Gesundheit"
realisiert werden. Gegen 2300 Besucherinnen und Besucher haben teilgenommen, wo-
bei die Spannweite von 8 bis 400 Personen pro Veranstaltung reichte.

Einbezug aller Beteiligten


Beispiel
Mitwirkungskonferenz "Früherkennung & Suizidprävention"

– Einladung an Angehörigenverbände,
Ärzteschaft, Beratungsstellen, Betroffene,
Kliniken, Politik, Polizei, Rechtspflege,
Schulbehörden und -dienste, Seelsorge,
Selbsthilfegruppen, Spitäler, Therapeu-
tinnen und Therapeuten usw.

– Über 60 Teilnehmende

– Priorisierung der Massnahmen nach


Dringlichkeit und Realisierbarkeit

Gesundheitsdirektion, 24. September 2009 Seite 9

Wer eine gute Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen will, muss diese auch frühzei-
tig einbeziehen, möglichst schon in der Konzeptphase. Ein Beispiel dafür ist die Mitwir-
kungskonferenz, welche wir dieses Jahr zum Thema "Früherkennung und Suizidpräven-
tion" durchgeführt haben. Sie erinnern sich, "Früherkennung und Suizidprävention" ist
eine der fünf Säulen unseres Konzepts "Psychische Gesundheit".

An der Mitwirkungskonferenz ging es darum, Ziele und Massnahmen zu diskutieren,


welche vorgängig in Anlehnung an nationale und internationale Empfehlungen formuliert
worden waren. Wir wollten also nicht nur Unterstützung gewinnen, sondern auch den
Orts- und Praxisbezug herstellen. Im vorliegenden Beispiel folgten über 60 Personen der
Einladung und brachten ihre Meinung ein. Ich bin sicher, dass wir auch bei der Umset-
zung auf diese Leute zählen können.

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Öffentlichkeitsarbeit

– Internet Homepage
(www.psychische-
gesundheit-zug.ch)
– Artikel in Tages- und
Fachpresse

– Testimonials

– Videobotschaften

– Standaktionen

– usw.

Gesundheitsdirektion, 24. September 2009 Seite 10

Ganz wichtig ist die Öffentlichkeitsarbeit. Das Internet gehört heute einfach dazu. So ha-
ben wir für die Psychische Gesundheit eine spezielle Homepage eingerichtet. Vielleicht
schauen Sie einmal rein. Aber auch die klassischen Printmedien müssen gepflegt wer-
den. Sehr gute Erfahrungen haben wir mit so genannten Testimonials gemacht. Dabei
stellen sich Personen aus unserem Kanton – bekannte und weniger bekannte – mit ih-
rem Bild und einer kurzen Botschaft in den Dienst der Sache und tragen damit ganz we-
sentlich zur Entstigmatisierung des Tabuthemas "Psychische Krankheit" bei. Nicht ver-
gessen sollte man schliesslich die Standaktionen und andere Aktivitäten mit direktem
Kontakt zur Bevölkerung. Solche Begeegnungen sind durchaus für beide Seiten berei-
chernd.

Gemeinschaftsgefühl
Beispiel
Wahnsinnswochenende (6. - 8.11.2009)

– Walking-Event "Zug läuft für psychische


Gesundheit"

– Anschliessend gemütliches
Beisammensein mit Risotto und
musikalischer Unterhaltung

– Filmmatinée "Die Bipolaren"

– usw.

Gesundheitsdirektion, 24. September 2009 Seite 11

Abschliessend komme ich zum geselligen Teil. Gemeint ist damit die Pflege des Ge-
meinschaftsgefühls. Gerade bei Themen mit einer hohen Emotionalität wie bei der "Psy-

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chischen Gesundheit" sind ein guter Zusammenhalt und ein persönlicher Austausch un-
ter den Beteiligten von grosser Bedeutung. Die nächste Gelegenheit ist das Wahnsinns-
wochenende von Anfang November. Los geht es am 7. November mit einem Walking-
Event – um 12.00 Uhr beim Leichtathletikstadion Zug. Man kann aber auch nur für das
anschliessende gemütliche Beisammensein kommen oder für die Filmmatinée am Sonn-
tag Morgen. Im Vordergrund steht in jedem Fall das Zusammensein im Kreis von
Gleichgesinnten.

Erfolgsfaktoren

– Verbindliche Zielsetzungen / klare Strategien

– Nutzung und Weitergabe von Erfahrungen

– Mobilisierung von Partnerorganisationen

– Einbezug aller Beteiligten

– Öffentlichkeitsarbeit

– Gemeinschaft / Spass

Gesundheitsdirektion, 24. September 2009 Seite 12

Meine sehr geschätzten Damen und Herren, liebe Gäste aus der Schweiz und unseren
Nachbarländern Deutschland und Österreich: Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesen Bei-
spielen aus unserem Programm für die Psychische Gesundheit konkret aufzeigen konn-
te, wie wir die Erfolgsfaktoren in der Praxis umsetzen. Bis jetzt hat das sehr gut geklappt.
Sicher auch, weil in allen Behörden, der Exekutive und der Legislative, der politische Wil-
le vorhanden ist; weil wir in unserem Kanton kurze Wege haben, weil wir auch direkt se-
hen und spüren, was wir umsetzen. Kurz: Wir sind also bei den Leuten, wir fühlen ihren
Puls. Das ist enorm wichtig.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Anschrift:
Joachim Eder, Regierungsrat
Postfach 455, 6301 Zug
Tel. +41 41 728 35 04
joachim.eder@zg.ch - www.jeder.ch

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