Sie sind auf Seite 1von 26

1

1

« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen »

Übersicht

15. Oktober 2008

1- Perspektive

Die umfassende weltweiten Krise: Warnung! Sommer 2009 - Insolvenz der US-Regierung!

Im Rahmen seiner Arbeiten über die umfassende weltweite Krise löst LEAP/E2020 mit dieser 28. Ausgabe des GEAB erneut Alarm aus: Nach unserer Auffassung werden die USA im Sommer 2009 Staatsbankrott erklären; Gläubiger von US-Schulden werden ihre Forderungen gegen den US-Staat (Staatsanleihen, Obligationen von Fannie Mae und

Freddie Mac abschreiben müssen

)

(Seite 2)

2- Teleskop

Sommer 2009: Staatsbankrott der USA

Die fünf entscheidenden Faktoren, die die USA bis zum Sommer 2009 geraden Wegs in die Insolvenz führen: Das Wiedererstarken des Dollars während der letzten Monate ist eine unmittelbare Folge der abstürzenden Aktienkurse und wird nicht von Dauer sein ; die politische Feuertaufe des Euro wurde soeben vollzogen - der Euro erreicht den Status einer Währung, zu der man als Alternative zum Dollar in Krisenzeiten Zuflucht nehmen kann ; die Schulden der amerikanischen öffentlichen Haushalten steigen nunmehr unkontrolliert und exponentiell an ; der akute Zusammenbruch der US-Realwirtschaft läßt den Staatsbankrott unvermeidlich werden ; hohe Inflation oder Hyper-

Inflation : das ist die (einzige) Frage

(Seite 8)

Jahresende 2008: die Welt tritt in die Dekantierungsphase der umfassenden weltweiten Krise ein - Voraussagen 2008 bis 2013: sechs Ländergruppen mit sehr unterschiedlichen Entwicklungen

In dieser 28. Ausgabe des GEAB stellen wir unsere Vorhersage für den zeitlichen Ablauf der sogenannten Dekantierungsphase vor, also der Phase, in der die Auswirkungen der Krise das neue globale System zu formen beginnen. Unsere Arbeiten ermöglichen uns, Vorhersagen für die Zeit von 2008 bis 2013 vorzulegen, wobei wir sechs Ländergruppen unterscheiden, auf die die Krise sich in den vier spezifischen Teilkrisen (Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Sozialkrise und politische Krise) sich jeweils unterschiedlich auswirken wird… (Seite 17)

3- Fokus

Acht strategische Empfehlungen und praktische Ratschläge für die Krisenzeit

Aktienmärkte: Kaufen oder verkaufen? Schwellenländer: Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen; Iran – Venezuela – Rohöl; Einige Hinweise für die Wahl der richtigen Bank; Risiko oder kein Risiko? Währungen; Die Rente

sichern; Die Staats- und Pensionsfonds in turbulenten Zeiten

(Seite 22)

4- Der GlobalEurometer

Ergebnisse & Auswertung

so

besteht eine Quasi-Einstimmigkeit (95%) in der Auffassung, dass die Eurozone zur Wirtschaftsbelebung ein

ehrgeiziges Konjunkturprogramm für den Bau und Ausbau der europäischen Infrastruktur auflegen sollte… (Seite 25)

1

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

2

1- Perspektive

Die umfassende weltweiten Krise : Warnung ! Sommer 2009 - Insolvenz der US-Regierung !

Im Rahmen seiner Arbeiten über die umfassende weltweite Krise löst LEAP/E2020 mit dieser 28. Ausgabe des GEAB erneut Alarm aus: Nach unserer Auffassung werden die USA im Sommer 2009 Staatsbankrott erklären; Gläubiger von US-Schulden werden ihre Forderungen gegen den US-Staat (Staatsanleihen,

Obligationen von Fannie Mae und Freddie Mac

Dollar werden massiv Vermögen einbüßen. In den folgenden Monate muss eine Währungsreform vorbereitet werden, um einen « Rentendollar 1 » einzuführen. Nur so können die Folgen des Staatsbankrotts und der massiven Kapitalflucht aus dem Dollar auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Der US-Staatsbankrott ist die zwingende Folge der folgenden fünf Faktoren, die wir im einzelnen in dieser Ausgabe des GEAB analysieren:

abschreiben müssen ; alle Investoren in Anlagen in US-

)

1. Das Wiedererstarken des Dollars in den letzten Monaten ist eine unmittelbare Folge

des weltweiten massiven Rückgangs der Aktienkurse und wird nicht von Dauer sein.

2. Die politische Rückendeckung für den Euro durch den Eurogipfel vom 12. Oktober

schafft rechtzeitig eine Alternative zum US-Dollar für Anleger, die ihr Geld in eine sichere Währung anlegen wollen.

3. Die Schulden der öffentlichen US-Haushalte wachsen nunmehr unkontrolliert und

exponentiell.

4. Der akute Zusammenbruch der US-Realwirtschaft verhindert jede Alternative zum

Staatsbankrott.

5. Für 2009 bleibt in den USA nur noch eine Frage offen: « Hohe Inflation; oder Hyperinflation?»

Die Lage in Island heute ist ein Ausblick auf die USA morgen; LEAP/E2020 richtet sein Augenmerk schon seit Anfang 2006 auf diesen kleinen Inselstaat. Er bildet ein Schulbeispiel für die den USA und auch Großbritannien drohenden Zukunftsaussichten. Heute ist vielen Isländern bewußt geworden : Ein Finanzsystem ist großen Gefahren eines Zusammenbruchs ausgesetzt, wenn es eine Größe erreicht, die im Verhältnis zu seiner Volkswirtschaft schlichtweg überdimensioniert ist.

1 In Anlegung an die Einführung der Rentenmark in Deutschland, mit der die Papiermark der Weimarer Hyperinflation im Verhältnis 1 : 10 12 abgelöst wurde.

2

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

3

3 Inflationsentwicklung in Island von 2003 bis 2008 - Quelle Zentralbank von Island Letztendlich wollte Island

Inflationsentwicklung in Island von 2003 bis 2008 - Quelle Zentralbank von Island

Letztendlich wollte Island auf dem Finanzmarkt ein Rad drehen wie Großbritannien 2 . Genauso wie Großbritannien auf dem Finanzmarkt ein Rad drehen wollte wie die USA ; und die USA glaubten, sie könnten das Rad des Finanzsystems der gesamten Welt drehen 3 . Daher ist es nicht unangebracht, sich den Präzedenzfall Island 4 genauer anzuschauen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, was in den folgenden zwölf Monaten auf London und Washington zukommen wird.

2 Island hat in den letzten zehn Jahren alle Prinzipien der Deregulierung und der Unterwerfung der Realwirtschaft unter die

Anforderungen der Finanzwirtschaft, wie sie in Großbritannien und den USA entwickelt wurden, implementiert. Reykjavik wurde eine Art finanzielles « Mini-Me » von London und Washington, um hier eine Figur aus dem sehr britisch-amerikanischen Film von Austin Powers als Analogie zu verwenden (Mini-Me ist der Klon einer Hauptfigur als Miniatur von einem Achtel der Originalgröße). Die drei Länder wollten im Bereich der Finanzwirtschaft wie der Frosch in der Fabel von Jean de la Fontaine so groß werden wie der Ochse :

« und er blies sich auf und auf

3 Hier sollten wir für einen Moment mit dem « Finanzpaket » beschäftigen, das London auflegen will (640 Milliarden Euro), von dem 64 Milliarden Euro dazu dienen sollen, das Kapital der Banken zu erhöhen, und 320 Milliarden Euro, um die mittelfristigen Verbindlichkeiten der selben Banken zu garantieren. (Quelle : Telegraph, 09/10/2008). Angesichts einer im Sog des geplatzten Immobilienbooms zusammenbrechenden Wirtschaft, einer galoppierenden Inflation, kapitalfinanzierter Renten, deren Wert sich in Luft auflöst, und einer Währung unter immer stärkerem Druck auf dem Devisenmarkt, ist es schwer vorstellbar, wie dieses Paket die Banken retten soll, die bereits in Schieflage sind, es sei denn, man finanziert es ausschließlich über weitere öffentlichen Schuldenaufnahme, was den Kurs des Pfund Sterlings noch weiter nach unten drücken würde. Im Gegensatz zu den Banken der meisten Länder der Eurozone ist das britische Finanzsystem kein Begleitschaden der Finanzkrise, sondern mit seiner US- Entsprechung einer seiner beiden Dreh – und Angelpunkte. Mag Gordon Brown sich auch der Illusion hingeben, er könne in einer Person Churchill und Roosevelt geben (Quelle : Telegraph, 14/10/2008) ; er ist offensichtlich geschichtsvergessen genug, bei seinem Vergleich mit diesen politischen « Giganten » nicht einzuberechnen, dass keiner von seinen Vorbildern bereits zehn Jahre an der Spitze des Landes stand, als sie vor « ihrer » historischen Herausforderung standen (das gleiche gilt natürlich auch für Bush, Paulson und Bernanke, die alle Teil des Problems sind, aber wohl nicht Teil der Lösung sein werden). Browns Vergleich hinkt auch insoweit, als Roosevelt und Churchill die Gipfel von Yalta und Teheran organisierten und dabei Franzosen und Deutsche außen vor ließen, während er heute derjenige ist, der beim Eurogipfel nicht dabei sein darf.

4 Die isländische Börse, die drei Tage lang geschlossen war, um « Panik zu vermeiden » brach nach ihrer Wiedereröffnung um 76% ein. Quelle : MarketWatch, 14/10/2008

3

bis er platzte ».

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

4

Wir erleben zur Zeit eine zweischichtiges historisches Phänomen :

- Zum Einen ist seit September 2008 (wie wir schon in der 22. Ausgabe des GEAB vom Februar 2008 schrieben) der ganzen Welt das Wüten der umfassenden weltweiten Krise zu Bewusstsein gekommen : Das US-Finanzsystem stürzt ein und die dadurch ausgelösten Schockwellen laufen um den Globus.

- Zum Anderen werden sich nunmehr auch andere Regierungen ihrer Verantwortung für das Überleben der Finanzmärkte bewusst, weil sie erkennen mussten, dass die von den USA – als Zentrum des internationalen Finanzsystems - empfohlenen oder ergriffenen Gegenmaßnahmen wirkungslos bleiben. Das erste Gipfeltreffens der Euroländer (oder Eurozone) vom 12. Dezember 2008, dessen Entscheidungen, sowohl betreffend Art 5 als auch Ausmaß (beinahe 1.700 Milliarden Euro staatliche Garantien) dazu beigetragen haben, dass in die globalen Finanzmärkten wieder Vertrauen zurück kehrte, zeigt, dass sich die Finanzwelt als Folge des Septembers 2008 von der US- Dominanz emanzipiert .

Folge des Septembers 2008 von der US- Dominanz emanzipiert . Übersicht über die Höhe der Bankeneinlagensicherung

Übersicht über die Höhe der Bankeneinlagensicherung in der Europäischen Union - Quelle AFP –

09.10.2008

5 Quelle : L'Express, 13/10/2008

4

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

5

Der September 2008 stellt eine Zäsur dar. Für uns besteht kein Zweifel, dass die Geschichtsbücher September 2008 als Ausgangspunkt der umfassenden weltweite Krise anführen werden ; auch wenn es sich in Wirklichkeit nur um die Dekantierungsphase dieser Krise handelt, also die letzte der vier Phasen der umfassenden weltweiten Krise, wie wir sie seit Juni 2006 beschreiben 6 . Wie immer bei Tendenzen, die eine große Masse Menschen betrifft, tritt die Einsicht vom Wandel für die große Mehrheit erst dann ein, wenn die Tendenz schon lange wirksam ist und der Wandel damit schon seit geraumer Zeit eingetreten ist.

Im September 2008 ließ die globale Finanzkrise die umfassende weltweite Krise virulent werden. Spätestens zum Jahresende 2008 werden, wie wir schon im Juni schrieben « die Schockwellen der Aufprallphase der umfassenden weltweiten Krise über uns zusammen schlagen » 7 . Dann wird die Krise in die Phase eintreten, die wir vor über zwei Jahren schon als Dekantierungsphase bezeichneten, also als die Phase, in der die neuen Strukturen im Chaos allmählich ihren dauerhaften Platz finden. Diese Phase ist die längste innerhalb der vier Krisenphasen; je nach Land kann sie zwischen drei und zehn Jahren dauern. In ihr werden auch mehr Menschen und mehr Länder als bisher betroffen sein. Es ist die Etappe, in der sich die neuen Pole herausbilden werden, an denen sich das neue globale System ausrichten wird. LEAP/E2020 veranschaulicht dies in dieser Ausgabe mit zwei neuen Graphiken 8 .

Diese Krise ist, wie wir es schon mehrfach seit 2006 angeführt haben, in Ausmaß und Folgen weit schwerer als die von 1929. Es ist eine Krise ohne historische Entsprechung. Zum ersten Mal in der Geschichte sind wir Täter, Zeugen und/oder Opfer einer Krise, die auf dem ganzen Globus und mit einer Intensität an wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen den Ländern (als Folge der Globalisierung der letzten zwanzig Jahre) und zwischen den Menschen (die heute mehrheitlich in Städten leben und damit ihre Grundbedürfnisse an Wasser, Lebensmittel und Energie nicht mehr selbst decken können) wirkt, wie dies bisher noch nie der Fall war. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 brachte Faschismus in Europa und Kriege. Diese schmerzhaften Erinnerungen sind im kollektiven Gedächtnis noch gegenwärtig genug, so dass nach unserer Auffassung zu hoffen steht, dass, wenn die Bürgerinnen und Bürger wachsam und die Regierenden weitsichtig sind, die grauenhafte Geschichte sich nicht wiederholen wird.

Europa, Russland, China und Japan sind sicherlich die Länder, die in der Lage sein sollten zu verhindern, dass die Implosion der USA als die dominierende Macht der letzten Jahrzehnte die Welt in eine Katastrophe führt. Denn wenn große Reiche erkennen, dass ihre Macht am Schwinden ist, besteht immer die Gefahr, dass sie sich mit aller Macht gegen den Lauf der Geschichte zu stemmen. Die UdSSR unter Gorbatschov bildet hier die rühmliche Ausnahme. Es wird die Aufgabe der Partnerländer sein, die bevorstehende Entwicklung friedlich zu begleiten ; die Bürgerinnen und Bürger und die Eliten der betroffenen Länder müssen sich auf eine schwere Zeit einstellen, die ihnen viel, auch an Weitsicht, abverlangen wird.

6 Quelle : GEAB N°5, 15/05/2006 7 Quelle : GEAB N°26, 15/06/2008

8 LEAP/E2020 stellt unten eine Zusammenfassugn seiner Voraussagen über die Dekantierungsphase anhand einer Weltkarte vor, auf der die Auswirkungen der Krise für sechs Ländergruppen verzeichnet sind ; sowie einen Kalender, in dem die Voraussagen über die Dauer der vier Teilkrisen innerhalb dieser Phase (Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Sozialkrise und politische Krise) aufgeführt sind.

5

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

6

6 Entwicklung der Kreditaufnahmen der US-Finanzinstitute bei der US-Zentralbank – (08.01.1986 bis 09.10.2008) –

Entwicklung der Kreditaufnahmen der US-Finanzinstitute bei der US-Zentralbank – (08.01.1986 bis 09.10.2008) – Quelle: US-Zentralbank von St. Louis

Der erfolgreiche Rettungseinsatz der Länder der Eurozone vom 12. Oktober 9 zu Gunsten der internationalen Finanzmärkte,darf nicht dazu führen, drei entscheidende Tatsachen außer Acht zu lassen :

1. Dieser « Rettungseinsatz » war zwar unbedingt notwendig, um eine Panik und einen dadurch möglicher

Weise verursachten Zusammenbruch des globalen Finanzsystems in nur wenigen Wochen zu vermeiden; allerdings behandelt das Rettungspaket nur vorübergehend ein Symptom der Krise. Die Regierungen haben sich lediglich einen Aufschub erkauft, maximal zwei bis drei Monate. Denn die globale Rezession und der Zusammenbruch der US-Wirtschaft (die oben stehende Übersicht zeigt das Schwindel erregende Ansteigen der Kredite der US-Zentralbank an die Banken) werden sich beschleunigen und zu neuen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Spannungen führen. Sobald die finanziellen Rettungspakete auf den Weg gebracht sind, müssen die Regierungen unverzüglich die notwendigen Maßnahmen gegen die globale Rezession ergreifen, bevor die nächste Abwärtsstufe der Krise erreicht ist.

2. Die dem globalen Finanzsystem mit dem Ziel der Wiederbelebung des Kreditkreislaufs zur Verfügung

gestellten, alle Vorstellungskraft übersteigenden Finanzmittel werden den Staaten im Kampf gegen die Rezession und für eine notwendige Unterstützung der Realwirtschaft fehlen.

3. Der erfolgreiche Rettungseinsatz der Regierungen der Euroländer stellt die USA noch weiter ins Abseits

als bisher. Auch dass die Europäer andere Methoden ergriffen haben als die, die Hank Paulson und Ben Bernanke durch den US-Kongress gepeitscht haben (TARP), schwächt die Führungsrolle der USA im Finanzsystem : Statt den Banken notleidende Kredite mit dreistelligen Milliardenbeträgen abzukaufen, ermöglichen die europäischen Regierungen den Banken Kapitalerhöhungen mit staatlichen Geldmitteln. Inzwischen sahen sich die USA gezwungen, diese Methode zu kopieren. Aus einer Führungsnation sind die USA zu einer geworden, die anderen Nationen nacheifern muss. Darüber hinaus garantieren die Euro- Regierungen die Kredite auf dem Geldmarkt zwischen den Banken. Konkret bedeutet dies, dass die

9 Denn erst das Rettungspaket, das die Euroländer geschnürt haben, konnte zu einer zumindest kurzfristigen Beruhigung an den

Aktienmärkten führen. Seit Wochen wechseln sich britische und amerikanische Initiativen ohne Erfolg ab. Erst der Eurogipfel wurde von den Märkten als neues und Vertrauen stärkendes Element wahr genommen. Seit der physischen Einführung des Euros vor sechs Jahren haben Washington und London alles daran gesetzt, die Organisation eines Eurolandgipfels zu verhindern. Und es bedurfte

, um dem britischen Premierminister die Möglichkeit

einer diplomatischen Inszenierung (Vorgipfel, Gruppenphoto des Vorgipfels

zu geben, in der Öffentlichkeit als einer der Teilnehmer des Gipfels und nicht als Außenstehender zu erscheinen, obwohl er

tatsächlich auf einem Eurogipfel nichts zu suchen hat. In dieser Ausgabe des GEAB werden wir auf die Bedeutung des Eurolandgipfels und seine umfassenden Folgen noch näher eingehen.

6

)

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

7

Regierungen der Euroländer die Rolle der Kreditversicherer übernehmen, die seit Jahrzehnten eine von amerikanischen Unternehmen dominierte Schlüsselfunktion im internationalen Finanzsystem einnahmen. Somit entgleiten den USA immer weitere Kontrollhebel des globalen Finanzsystems. Immer größere Finanzströme fließen an den USA vorbei, und dies zu einem Zeitpunkt, an dem die US-Wirtschaft und der immer prekärere Zustand der US-Finanzen, privat wie öffentlich 10 , sie wie nie zuvor benötigen. Von den Einlagen der Pensionsfonds, deren Wert sich verflüchtigt, wollen wir gar nicht reden 11 .

In der Wahl der Maßnahmen zur Bekämpfung der finanziellen, wirtschaftlichen, sozialen und politischen Krise werden in den folgenden Monaten die USA und der Rest der Welt auseinander driften. Was für den Rest der Welt richtig und gut ist, wird es für die USA 12 nicht sein ; zukünftig scheint der Rest der Welt entschlossen zu sein, Entscheidungen auf dem Finanzsektor unabhängig von den USA zu fällen. Und Euroland ist die Speerspitze dieser Bewegung.

Der US-Staatsbankrott im Sommer 2009 wird zum Teil auch eine Folge dieser Tatsache sein. Die großen außeramerikanischen Volkswirtschaften der Welt werden zukünftig ihre Entscheidungen ohne Vorrang für US-Interessen fällen. Der Rest der Welt läßt sich nicht mehr vor den US-Karren spannen. Die Schockwellen dieses Bankrotts sind vorhersehbar und können in ihren Auswirkungen gemeistert werden, wenn alle Verantwortlichen rechtzeitig, also ab heute, die entsprechenden Maßnahmen einleiten. Dies ist übrigens eines der Themen dieser 28. Ausgabe des GEAB. Wir können nur hoffen, dass der Schreck des Septembers 2008 endlich unseren Entscheidern in Politik, Wirtschaft und an den Finanzmärkten deutlich hat werden lassen, dass sie nicht immer warten können, bis Notlagen sie zum Handeln zwingen, sondern dass sie Entwicklungen antizipieren müssen, um rechtzeitig und effizient handeln zu können. Es wäre bedauerlich, wenn Euroland, Asien, die erdölproduzierenden Länder wie auch die einfachen Menschen in Amerika eines schönen Tages, nach einem verlängerten Wochenende oder einer behördlich angeordneten Schließung der Banken und Aktienmärkten, entdecken müssten, dass ihre US-Staatsanleihen und ihre US- Dollar nur noch 10% ihres bisherigen Wertes besitzen, weil die Regierung eine Währungsreform durchgeführt und einen « Rentendollar » aus der Taufe gehoben hat 13 .

10 Das amerikanische Rettungspaket hat die Schuldenlast für jeden amerikanischen Bürger um 17.000 US-Dollar erhöht. Quelle :

11 2.000 Milliarden Dollar haben sich in den letzten Wochen aus den Töpfen der US-Pensionsfonds verflüchtigt. Quelle: USAToday,

08/10/2008

12 Jedenfalls nicht auf kurze Sicht. Aber wir sind davon überzeugt, dass es für die Amerikanerinnen und Amerikaner auf mittel – und langfristige Sicht gut ist, wenn das von Washington und New York aus die USA dominierende System ganz grundsätzlich in Frage gestellt wird. Denn es ist ein System, das dem Land dramatische Probleme beschert hat, unter deren Lasten viele Millionen Menschen täglich zusammen zu brechen drohen, wie man in diesem Artikel der New York Times vom 11/10/2008 sehr gut nachlesen kann.

13 Auch wenn es sich hierbei um eine Maßnahme handelt, die im Verhältnis zu der Perspektive eines US-Staatsbankrotts unwichtig erscheint, so könnte es für Investoren, die dem Gedanken näher treten wollen, wieder in die Finanzmärkte einzusteigen, nützlich sein zu wissen, dass die New Yorker Börse soeben ihre Höchstverlustmarken, bei denen der Börsenhandel ausgesetzt wird, angehoben hat. Quelle: NYSE/Euronext, 30/09/2008

7

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

8

2- Teleskop

Sommer 2009: Staatsbankrott der USA

Die fünf entscheidenden Faktoren, die die USA bis zum Sommer 2009 geraden Wegs in die Insolvenz führen, sind:

1. Das Wiedererstarken des Dollars während der letzten Monate ist eine unmittelbare Folge der abstürzenden Aktienkurse und wird nicht von Dauer sein

Das Wiedererstarken des Dollars wird von vielen Analysten als « schwierig nachvollziehbar » 14 eingestuft. Sie können dafür keine Erklärung finden. Dabei handelt es sich dabei um nichts anderes als eine technische Folge der Finanzkrise der letzten Wochen. Denn wegen der abstürzenden Aktienkurse mussten viele Investoren und Fonds, die weitere Verluste befürchteten oder frische Geldmittel benötigten, um alte Verluste auszugleichen, massiv Anlagen verkaufen, die auf Dollar lauten. Da Transaktionen an den Aktienmärkten überwiegend in Dollar ausgeführt werden, entstand dadurch eine erhebliche Nachfrage nach Dollar. Da die amerikanischen Banken aus Angst vor Insolvenzen ihrer ausländischen Partnerbanken die Kreditvergabe in Dollar eingestellt hatten, mussten diese Investoren und Fonds die notwendigen Dollar unmittelbar auf dem Devisenmarkt nachfragen, wodurch es zu einer Schieflage zwischen Angebot von und Nachfrage nach Dollar kam 15 . Damit ist die neue Stärke des Dollars keine Spekulation auf die rosige Zukunft des Dollars. Vielmehr handelt es sich um ein notwendiges Durchgangsstadium in dem Bemühen vieler Marktteilnehmer, sich von ihren Dollarinvestitionen zu trennen 16 .

Wenn mit Jahreswechsel 2008/2009 dieses Stadium durchlaufen sein wird, wird die US-Währung wieder abstürzen. Die Märkte haben das Vertrauen in die US-Wirtschaft 17 , verloren. Wie sollte es auch anders sein, wenn man sich vor Augen hält, dass die US-Schulden exponentiell anwachsen 18 ? Vergleichbares aus der Geschichte kannte man von Argentinien 19 , und wir wissen alle, wie dessen Überschuldung geendet hat.

Weiterhin ist es ein alter Reflex der Investoren, sich in Krisenzeiten wie denen des Septembers 2008 in Staatsanleihen zu retten, und insbs. in US-Schatzbriefe. Das war in den letzten Wochen ein zweiter Grund für den Höhenflug des Dollars, der aber auch nicht von Dauer sein wird 20 . Denn auch diese Tendenz wird sich in den nächsten Wochen wieder umkehren, wie wir noch unten in dieser Ausgabe des GEAB beschreiben werden.

14 Quelle : International Herald Tribune, 06/10/2008 15 Das ist überhaupt der Grund dafür, dass die US-Zentralbank immer mehr Swap-Kontrakte mit den anderen Zentralbanken abschließt, um denen die Möglichkeit zu geben, ihre nationalen Banken mit ausreichend Dollar zu versorgen

16 Quelle : SirChartsAlot.com, 23/09/2008

17 Quelle : CNNMoney, 10/10/2008

18 Quelle : Bloomberg, 10/10/2008

19 Quelle : Baltimore Sun, 21/09/2008

20 Dazu wird die Lektüre des hervorragenden Artikels von Axel Merk empfohlen. Quelle : MerkFund, 07/10/2008

8

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

9

9 Veränderungen des synthetischen Hedge Fonds – Indices – September 2008 – Schlimmster Monat in der

Veränderungen des synthetischen Hedge Fonds – Indices – September 2008 – Schlimmster Monat in der Geschichte der Hedge Fonds – Quelle Bloomberg

Der dritte Faktor für den Höhenflug des Dollars beruht auf der Illusion einer Garantie der US-Regierung für US-Staatsanleihen und US-Dollar. Denn die Garantie der US-Regierung ist in dieser Krise, die wir aktuell durchlaufen, nicht viel wert. Auch wenn die Illusion über die Bedeutung der US-staatlichen Garantie ein stimmenreiches Echo in allen auf Finanzen und Wirtschaften spezialisierten Medien fand (aber weigerten die sich nicht zwei Jahren lang standhaft, Indizien für eine Krise auszumachen ?), so ist der Glaube daran im Schwinden begriffen. Wie könnte es auch anders sein ? Beruhigung an den Aktienmärkten kehrte erst ein, als die europäischen Regierungen ein Rettungspaket geschnürt hatten. Die Annahme, der Euro sei eine wackelige Währung, weil er nicht von einer einzigen Regierung gestützt und garantiert werde wie der US-Dollar, ist nunmehr in das Reich der Mythen verbannt, die gerne von Londoner und Washingtoner Kreisen gepflegt werden. Als sich die 15 Mitglieder der Eurozone, also die Länder, die eine einheitliche Währung eint, endlich zu einem Euroland-Gipfel zusammen fanden, bewiesen sie, dass man zu fünfzehn in einem Boot sehr wohl Kurs halten kann 21 . Und von nunmehr an kann die Eurozone die anderen EU-Mitgliedstaaten ins Schlepptau nehmen 22 .

21 Übrigens verzeichnen die Banken, die in staatlichem Besitz sind, oder auch die europäischen Sparkassen eine florierende Geschäftstätigkeit, wie man am Fall Deutschlands sehen kann. Quelle: Telegraph, 14/10/2008 22 Quelle : Le Monde, 15/10/2008

9

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

10

Was die Rolle des US-Dollars als Währung, zu der man in Krisenzeiten Zuflucht nimmt, angeht, da scheint uns der Ratschlag von Ned W. Schmidt, wie man sich ein Bild von den Zukunftsaussichten des Dollars machen kann, absolut schlüssig zu sein : « Man nehme die Kurve der von der US-Zentralbank in den letzten Monaten vergebenen Kredite und stelle sie auf den Kopf. » (vgl. die 3. Graphik in dieser Ausgabe des GEAB) 23 .

2. Die politische Feuertaufe des Euro wurde soeben vollzogen ; der Euro erreicht den Status einer Währung, zu der man als Alternative zum Dollar in Krisenzeiten Zuflucht nehmen kann.

Die bisherige und eindeutige Schwäche des Euros bestand darin, dass es den Eurozone-Länder bisher nicht gelang, sich eine politische Steuerung zu geben. Washington und insbs. London haben in den letzten sechs Jahren alles daran gesetzt, die Eurozone daran zu hindern, sich dieses politische Steuerungsinstrument in der Form des Euroland-Gifpels zu geben, da sie sich bewußt waren, dass ein starker Euro die dominierende Rolle des Britischen Pfunds und des US-Dollars schwächen werde.

Nach unserer Auffassung zeigt die Unfähigkeit Londons und Washingtons, weiterhin die politische Steuerung der Eurozone zu verhindern, in eindeutiger Weise, dass der Einfluss dieser beiden Länder im globalen Finanzsystem im raschen Schwinden begriffen ist.

Innerhalb der Eurozone hat die Krise ebenfalls zu einem Umdenken geführt, das sich auf den Fortgang der Ereignisse in den nächsten Jahre auswirken wird. Die niederländische und deutsche Regierung mussten ihre grundsätzliche Position gegen die Organisation von Gipfeltreffen der Euroländer aufgeben. In den Niederlanden wurde der Druck auf das Finanzsystem und die Gefahr eines Zusammenbruchs so immens, dass die Regierung nicht anders konnte als von ihrer bedingungslosen Gefolgschaft Washingtons abzugehen. Und Berlin musste aus den gleichen Gründen das Dogma von der absoluten Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank kassieren. Die Unfähigkeit der US-Regierung, die Finanzkrise der letzten Monate einzudämmen sowie die Einsicht der Europäer, dass sie auf sich allein gestellt sind, hat ermöglicht, dass nunmehr eine eigenständige europäische Geldpolitik aus der Taufe gehoben wurde. Da das erste Gipfeltreffen der Eurozonen-Länder den Regierungen das Gefühl eines Erfolges auf europäischer Ebene und weltweit vermitteln konnte, wird dieser erste Eurogipfel sicherlich nicht der letzte sein. Man kann darauf vertrauen, dass die akute Krise noch einige Gelegenheiten für solche Treffen in nicht zu ferner Zukunft bieten wird. Niemand kann bezweifeln, dass dieses Beispiel in Russland, Asien, Latein- Amerika und in den Ländern des Persischen Golfs Schule machen wird 24 . Jedenfalls hat der Eurogipfel die Zweifel des Rests der Welt an der Stabilität und der Überlebensfähigkeit des Euros in Krisenzeiten an nur einem Wochenende ausgeräumt - wieder einmal ein Beispiel dafür, dass die europäische Integration ihre besten Fortschritte in Krisenzeiten verzeichnen kann.

23 Quelle : SafeHaven, 26/09/2008 24 Quelle : Chicago Tribune, 17/09/2008

10

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

11

Auch konnte die ganze Welt feststellen, dass die provisorischen Maßnahmen der Euro-Regierungen, den Kreditkreislauf wieder zu beleben, von Washington kopiert wurden, und nun auch die USA ihren Banken Kapitalerhöhungen aus Staatsmitteln ermöglichen ; entsprechend hatten auch die Empfehlungen des G7 gelautet. Damit bestimmen heute Dritte durch Beispiel oder durch « freundschaftlichen » Druck die Finanzpolitik Washingtons. Was noch vor einigen Monaten unmöglich war (vgl. die 26. Ausgabe des GEAB), ist heute still, heimlich und leise Wirklichkeit geworden. Dennoch wird diese Entwicklung nach unserer Auffassung nicht verhindern, dass die USA bankrott gehen werden. Denn sie kommt zu spät und sie betrifft nicht alle Elemente der US-Finanzpolitik. Damit werden Investoren 2009 Zuflucht zum Yen und zum Euro nehmen; denn mit der Entscheidung, ihren Währungs-Stabilisierungsfonds darauf zu verwenden, Geldmarktfonds zu garantieren (Market Money Funds), haben die USA ihre Währung de facto vogelfrei gestellt 25 .

3. Die Schulden der amerikanischen öffentlichen Haushalten steigen nunmehr unkontrolliert und exponentiell an

Das gesamte US-Finanzsystem gerät aus den Fugen. Stück für Stück bleibt dem Bundesstaat (Zentralbank und Regierung) keine andere Wahl mehr als für alle privaten Schulden einzustehen, die sich damit zu den bereits phänomenal hohen öffentlichen Schulden addieren. Paulson und Bernanke, die seit zwei Jahren Hand in Hand von Desaster zu Desaster stolpern, setzen alles daran, das Unvermeidlichen hinauszuschieben 26 , indem sie verlautbaren, dass Washington für jedes Unternehmen und jede Bank einstehen werde, die in Insolvenz gerate 27 . Mit Bear Stearns fing es an, dann kamen Fannie Mae und Freddie Mac, dann AIG, und nunmehr Hunderte, wenn nicht gar letztendlich Tausende von Milliarden Dollar für den Ankauf von toxischen Wertpapieren aus den Bilanzen der Banken, deren Marktwert auf absehbare Zeit nicht zu ermitteln ist 28 . In weniger als einem Monat, zwischen Ende August und Ende

September 2008, hat sich die US-Regierung bereit erklärt, weitere 1000 Milliarden Dollar an neuen Schulden anzuhäufen (dabei handelt es sich noch um eine vorsichtige Schätzung 29 ). Zur Verdeutlichung :

1000 Milliarden Dollar ist die Summe, die insgesamt auf dem US-Territorium im Umlauf sind. In nur einem

Monat haben Paulson und Bernanke die selbe Summe noch einmal drauf gelegt. Wir haben keinen Zweifel daran, dass dieses Tandem (oder, je nach Wahlausgang, ihre Nachfolger) bis Sommer 2009 noch einmal

3000 bis 4000 Milliarden Dollar an neuen Schulden hinzufügen werden. Bei einer exponentiell wachsenden

Verschuldung bei gleichzeitig verringerten Steuereinnahmen kann es auch gar nicht anders sein. Entsprechend verringert sich die Fähigkeit der US-Regierung, je ihre Schulden zurück zahlen zu können.

Entsprechend wird der Wert des Dollars und der US-Staatsanleihen sinken 30 . Denn weder der amerikanische Steuerzahler, noch die US-Wirtschaft, und noch viel weniger der Rest der Welt wird bereit sein, ein zukünftig jährliches Defizit des Bundeshaushalts in Höhe von 1.000 Milliarden US-Dollar zu finanzieren 31 .

25 Quelle : Les Echos, 30/09/2008

26 Quelle : Bloomberg, 14/10/2008

27 Ohne auch nur die geringste Idee zu haben, wie diese Schulden je wieder zurück bezahlt werden könnten. Quelle : Haaretz,

05/10/2008

28 Quelle : Financial Times, 19/09/2008

29 Die FDIC, der staatliche Einlagensicherungsfonds, hat bereits verlauten lassen, dass sie weitere 150 Milliarden Dollar benötige, um neue Bankpleiten abwickeln zu können: Bloomberg, 25/09/2008

30 Quelle : Bloomberg, 14/10/2008

31 Quelle : Blogginstocks, 23/09/2008. Es hat sich von 2007 bis 2008 bereits verdoppelt und erreichte dieses Jahr den Betrag von 455 Milliarden Dollar. Quelle : Bloomberg, 14/10/2008. Das Geld für die Rettungsaktionen des Finanzsektors wird außerhalb dieses Defizits bilanziert.

11

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

12

12 Entwicklung der Zusammensetzung der Bilanz der US-Zentralbank (März 2006 bis September 2008) – Quelle US-Zentralbank

Entwicklung der Zusammensetzung der Bilanz der US-Zentralbank (März 2006 bis September 2008) –

Quelle US-Zentralbank - (Auffällige Verschlechterung der Fed-Bilanz wegen des raschen Anstiegs der darin enthaltenen Wertpapiere, die Banken als Sicherheiten für neue Kredite der Fed als Sicherheiten hinterlegen durften ; diese Kredite addieren sich zu den Bundesschulden)

4. Der akute Zusammenbruch der US-Realwirtschaft läßt den Staatsbankrott unvermeidlich werden

Der September 2008 war nicht nur der Monat, an dem die Finanzkrise mit aller Macht virulent wurde. Vielmehr war er auch der Monat, in dem in den USA die Realwirtschaft zusammenbrach. Diese Tatsache wurde weltweit kaum bemerkt, da sie von der Panik an den Aktienmärkten aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt wurde. Dies wird sich in den nächsten Wochen aber radikal ändern, wenn sich der Zusammenbruch der allgemeinen US-Wirtschaftslage bemerkbar machen wird 32 . In der Eurozone wird die Wirtschaft in den nächsten zwei Jahren im Durchschnitt stagnieren (zwischen +/-1%) ; Asien wird 2009 einer massiven Rezession ausgesetzt sein (wobei es natürlich entsprechend der Größe der Region starke Abweichungen geben wird, nämlich zwischen –5% und +5% 33 ) ; Latein-Amerika wird sich zwischen diesen Wachstumszahlen wiederfinden 34 ; aber in den USA wird einsetzen, was LEAP/E2020 schon seit 18 Monaten voraussagt, nämlich eine « Very Great Depression ». In Zahlen des BSP ausgedrückt bedeutet dies mindestens fünf Jahre lang ein durchschnittliches Schrumpfen der Wirtschaft um 2% pro Jahr. Man kann davon ausgehen, dass die US-Wirtschaft ein Jahrzehnt benötigen wird, um ihr aktuelles Niveau wieder zu erreichen 35 .

32 Quelle : International Herald Tribune, 15/10/2008

33 Was für Länder wie z.B. China so schlimm wie eine Rezession für andere Länder ist, denn China braucht ein Wachstum von 10%, um sein internes sozial-wirtschaftliches Gleichgewicht zu wahren.

34 Vgl. in diesem GEAB die Karte und die Übersicht zur Dekantierungsphase

35 Es ist schwierig, für die USA exaktere Zahlen anzugeben, da ihre Wachstumsstatistiken manipuliert sind wie sonst keine in der Welt ; dies konnte man auch an der realitätsfernen Statistik für das 2. Quartal 2008 sehen, die 2,9% Wachstum angibt, während gleichzeitig die Arbeitslosigkeit in allen Sektoren explodiert.

12

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

13

13 Entwicklung der Zahl der Kreditinstitute in den USA , die ihre Kreditbedingungen verschärft haben (1996

Entwicklung der Zahl der Kreditinstitute in den USA , die ihre Kreditbedingungen verschärft haben

(1996 bis 2008) – Quelle New York Times - (grau : Hypothekenkredite für gewerbliche Immobilien ; ocker-farben :

Vebraucherkredite ; braun : Kreditkarten ; schwarz : Kredite für kleinere und mittlere Unternehmen)

Die Gespräche über eine mögliche Fusion von General Motors und Ford oder General Motors und Chrysler 36 zeigen, dass die Möglichkeit einer Insolvenz eines der großen drei Autohersteller in Detroit 37 Anfang 2009 sehr real ist. Der Konsum, der 70% des US-Wachstums der letzten Jahre verantwortete, befindet sich in freiem Fall. Die US-Bürger haben so gut wie keine Ersparnisse ; und wenn sie in einen Rentensparplan (401k) einbezahlen, dann schmilzt dessen Wert in den Börsencrashs dahin wie Schnee in der Sonne 38 . Die Immobilienpreise fallen weiter 39 , wodurch mit jedem Tag die Hausbesitzer ärmer werden, die sich daran gewöhnt hatten, ihren Lebensstandard mit Krediten auf die Wertzuwächse ihres Immobilienbesitzes zu finanzieren. Gleichzeitig reduzieren die Banken, Paulson-Plan hin oder her, nunmehr umfassend ihre Kreditvergabe an alle interessierten Kreditnehmer, ob Privatpersonen, Unternehmen oder staatliche Einrichtungen 40 .

Und die Kreditkartenschulden sind die nächste Bombe, die im US-Finanzsystem hochgehen wird ; im Vergleich dazu waren die Subprime-CDOs nur ein Sylvesterknaller 41 . Die US-Staaten und Städte und Gemeinden sind Opfer der schlimmsten Steuereinnahmenkrise seit den 30er Jahren 42 . Alle ihre

36 Quelle : MSNBC, 13/10/2008

37 Quelle : MarketWatch, 09/10/2008

38 Quelle : Guardian, 13/10/2008

39 Und die Rettungspläne, die nach und nach die Runde machen (die der Bush-Regierung und die, die von den Kandidaten für das Präsidentenamt ventiliert werden), verwirren für viele Amerikaner noch die Lage. Einige laufen Sturm gegen die Zwangsvollstreckungen, wie der Sheriff aus der Region von Chicago, der sich weigerte, weiterhin Zwangsvollstreckungen durchzuführen, oder der Kommentator aus San Diego (Quelle : CNN, 09/10/2008), der ironisiert, alle Leute sollten doch Hypothekenzahlungen einstellen (Quelle : San Diego Union Tribune, 10/10/2008). Dies zeigt auch, dass allmählich eine soziale Bombe geschärft wird, die nach den Präsidentschaftswahlen explodieren wird, wenn den Amerikanern klar werden wird, dass auch der neue Präsident, wer es auch sein mag, gegenüber der Krise machtlos ist.

40 Wie man diesem Artikel, der in Kanada erschien, entnehmen kann, macht sich die Kreditkrise inzwischen sogar schon bei landwirtschaftlichen Exporten aus Kanada und den USA massiv bemerkbar ; die Weizenberge wachsen, weil potentielle Käufer keine Kredite erhalten. Die Häfen von Los Angeles und Long Beach verzeichneten seit Anfang 2008schon einen Rückgang ihrer Aktivitäten um 9%. Quelle : Financial Post, 08/10/2008

41 Quelle : Business Week, 09/10/2008

42 Quelle : MSNBC, 09/10/2008

13

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

14

Einnahmequellen versiegen, so dass ihnen nur der Bittgang nach Washington oder massive Einschnitte in die Leistungen der öffentlichen Daseinsvorsorge oder die Sozialsysteme bleibt. Dies kommt angesichts der Explosion der Arbeitslosigkeit, von der nach unserer Auffassung bis Ende 2010 20% der aktiven Bevölkerung betroffen sein werden, zu dem denkbar schlechtesten Zeitpunkt.

Damit können weder die amerikanischen Steuerzahler noch die Wirtschaft ernsthaft herangezogen werden, um diese unvorstellbaren Defizite der US-Haushalte auszugleichen. Und der Rest der Welt hat inzwischen auch gelernt, nicht unbesehen und grenzenlos die US-Defizite zu finanzieren; Paulson könnte also eine Enttäuschung erleben, wenn er auf ausländische Investoren hofft, um TARP 43 zu finanzieren. Das Vertrauen hat sich verflüchtigt. In Zukunft wird es einen Wettbewerb der Weltregionen um Kapital geben, mit dem jede Region zuerst ihr Finanzsystem retten und anschließend ihre Wirtschaft wieder ankurbeln möchte. Bei diesem Wettbewerb haben Asien und Europa den Vorteil, deutlich kreditwürdiger zu sein als die USA. Seit einem Jahrzehnt gelang es den USA, 80% der Weltersparnisse anzuziehen ; heute, wo sie 120 bis 150% der Weltersparnisse bräuchten, können sie sich glücklich schätzen, wenn sie noch 40% anlocken. Mit Ausnahme des Militärsektors gibt es eigentlich nichts mehr in den USA, was einen Investor verleiten könnte, sein Geld in den USA anzulegen 44 . Nach der Auffassung von LEAP/E2020 bleibt der US-Regierung nur noch eine Option : Dollar drucken, bis die schon heute auf Hochtouren laufenden Druckerpressen glüht.

schon heute auf Hochtouren laufenden Druckerpressen glüht. Entwicklung der Anteile am Automobilmarkt für die drei

Entwicklung der Anteile am Automobilmarkt für die drei großen US-Hersteller (1900 bis September 2008) – Quelle Autodata

43 Die US-Regierung hofft tatsächlich, dass die Länder Asiens oder des Persischen Golfes US-Staatsanleihen kaufen und damit den 700 Milliarden Dollar-Plan finanzieren. Quelle :

44 Sogar im Militärbereich nehmen die Haushaltsprobleme zu, wie man an diesem Artikel aus der letzten Ausgabe des Armed Forces Journal, entnehmen kann, der « Bibel » der Offiziere und hohen Entscheidungsträger der US-Armee. Eines der entscheidenden Probleme für die USA 2009-2010, über das wir in einer der nächsten Ausgaben mehr schreiben werden, wird sein, die Militärausgaben massiv zu beschränken, ohne dass es zu einer Krise zwischen der Armee und der Regierung kommt.

14

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

15

5. Hohe Inflation oder Hyper-Inflation : das ist die (einzige) Frage

Die Vereinigten Staaten, wie im übrigen auch Großbritannien, werden darüber hinaus als unmittelbare Folge der starken Geldmengenvermehrung durch öffentliche Kreditaufnahme oder schlichtes Gelddrucken mit massiven Preissteigerungen für Verbrauchsgüter zu kämpfen haben. Die US-Zentralbank und die Bank of England sind verantwortlich für die größte Geldmengenausweitung in der neueren Geschichte ihrer Länder 45 . In Asien werden die Preise um 5 bis 10% ansteigen, was sich zum einen mit staatlicher veranlaßter Geldmengenvermehrung zur Belebung der Konjunktur, aber auch mit höherer Nachfrage insbs. nach Lebensmitteln erklären läßt ; in der Eurozone wird sich Inflationsrate bei 3% einpendeln, während sie in den EU-Ländern außerhalb der Eurozone (Großbritannien, Skandinavien und neue EU- Mitgliedstaaten) weiterhin höher, bei 5% bis 10% sein wird. Aber in den USA ist die Situation am Schlimmsten :

- Die Fed hat mit einem Absenken ihrer Leitzinsen auf 1,5% (und ein weiteres Absenken ist wahrscheinlich) jede Möglichkeit zur Inflationsbekämpfung aus der Hand gegeben ;

- das Finanzministerium schickt sich an, ohne Begrenzung Dollar aus « thin air » zu schaffen, indem es ohne Einschränkung und wahllos in eine zusammenbrechende Wirtschaft investiert und die Schulden der großen Banken und Unternehmen übernimmt 46 ;

- nach der Wahl muss der Staat vielleicht auch noch die Schulden vieler überschuldeter Hauseigentümer übernehmen, denen die Kandidaten in ihren Programmen versprechen, Zwangsvollstreckungen zu verhindern.

Damit wird die reale Inflation (dass die offiziellen Statistiken manipuliert sind, haben wir in vorhergehenden Ausgaben des GEAB schon dargelegt), die bereits heute bei 8 bis 10% liegen dürfte, Anfang 2009 die 10%-Marke deutlich überschreiten und sich im Rhythmus des Zusammenbrechens der Wirtschaft des Landes noch beschleunigen 47 . Der Zusammenbruch der Realwirtschaft wird den Staatsbankrott so wahrscheinlich werden lassen, dass dadurch eine Hyperinflation ausgelöst werden dürfte. In der unten stehenden Graphik ist die Entwicklung der Inflation in Deutschland in den 20er Jahren dargestellt. Man kann daran erkennen, dass der Hyperinflation eine Zeit der massiven Inflation vorausgeht, die innerhalb von wenigen Wochen außer Kontrolle geraten kann. Die Zeitschrift The Economist, die diese Übersicht erstellt hat, gab ihr den Titel: Der Preis der Untugend ». In der Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten der USA hat die US-Regierung über die letzten Jahre ein gerütteltes Maß an « Untugend » eingebracht.

45 Quelle : Itulip, 11/10/2008

46 Quelle : New York Times, 09/10/2008

47 Damit werden trotz des Preisrückgangs für Öl und Gas die Heizkosten dieses Winter für die amerikanischen Haushalte deutlich anziehen. Quelle : MarketWatch, 07/10/2008

15

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

16

16 Inflationsentwicklung in Deutschland zwischen 1920 und 1923 (Wechselkurs US-Dollar – Papiermark) – Quelle The

Inflationsentwicklung in Deutschland zwischen 1920 und 1923 (Wechselkurs US-Dollar – Papiermark) – Quelle The Economist

Vor nicht einmal zwei Monaten kam es den meisten unserer Politiker und einfachen Bürgerinnen und Bürger auf diesem Planeten noch nicht einmal in den Sinn, dass das globale Finanzsystem eventuell an den Rand des Zusammenbruchs geraten könnte, weil sein Pfeiler USA zusammenstürzt. LEAP/E2020 vertritt nun die Auffassung, dass nunmehr bis zum Sommer 2009 die Möglichkeit und die Folgen eines US- Staatsbankrotts ernsthaft in Erwägung gezogen werden müssen 48 . Wir sind nun in einer historischen Phase, in der radikale Umbrüche sich in wenigen Wochen vollziehen können; in der das gestern noch Undenkbare das morgen Offensichtliche sein kann.

48 Übrigens stellt sich der Telegraph nunmehr die selbe Frage. Quelle: Telegraph, 20/09/2008

16

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

17

die

umfassenden

weltweiten Krise ein - Voraussagen 2008 bis

sehr

2013:

Jahresende 2008:

Dekantierungsphase

die

Welt

der

tritt

in

sechs

Ländergruppen

mit

unterschiedlichen Entwicklungen

Die globale Finanzkrise, für die der Monat September 2008 einen weiteren Krümmungspunkt der Entwicklungskurve darstellte, wie LEAP/E2020 es bereits im Februar 2008 49 vorhergesagt hatte, ist lediglich der Auslöser der umfassenden weltweiten Krise. Die finanziellen und währungspolitischen Stürme der letzten Monate lassen eine Serie von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Krisen virulent werden, die die letzte Phase der umfassenden weltweiten Krise prägen werden. Die schlimmsten Auswirkungen der Krise für Menschen, die Sozialsysteme, die Realwirtschaft und unsere politischen Systeme liegen nicht etwa hinter, sondern sehr wohl noch vor uns. In dieser 28. Ausgabe des GEAB stellen wir unsere Vorhersage für den zeitlichen Ablauf der sogenannten Dekantierungsphase vor, also der Phase, in der die Auswirkungen der Krise das neue globale System zu formen beginnen 50 . Unsere Arbeiten ermöglichen uns, Vorhersagen für die Zeit von 2008 bis 2013 vorzulegen, wobei wir sechs Ländergruppen unterscheiden, auf die die Krise sich in den vier spezifischen Teilkrisen (Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Sozialkrise und politische Krise) jeweils unterschiedlich auswirken wird.

Denn wenn auch die ersten drei Phasen der Krise im wesentlichen auf der ganzen Welt vergleichbare Auswirkungen zeitigten, da sie ein globales System betrafen, das aus dem Zweiten Weltkrieg und dem Untergang der Sowjetunion entstanden ist, so wird hingegen die vierte Phase sich in den einzelnen Ländern unterschiedlich auswirken. Alles hängt von den regionalen Gegebenheiten, den realen Auswirkungen der Krise, und den getroffenen Gegenmaßnahmen ab. Der Schock war noch für alle der selbe, aber die Gegenmaßnahmen und die Entwicklungen sehen für unterschiedliche Länder unterschiedlich aus. Bei diesen Entwicklungen handelt es sich bereits um die Genese des neuen globalen Systems ; sie lassen ahnen, an welchen Polen sich die Welt der Zukunft ausrichten wird.

Für unsere Wissenschaftler ist das Ausmaß der Auswirkungen der Aufprallphase der Krise auf einzelne Länder davon abhängig, wie sehr ihre Finanzmärkte und Volkswirtschaften gegen die Turbulenzen der globalen Finanzkrise, die nunmehr schon seit einem Jahr wütet, gewappnet waren. Wir haben die Lage in den wichtigen Ländern und großen Regionen der Erde anhand von sieben präzisen Kriterien untersucht, die uns ermöglichen, die Widerstandsfähigkeit der Volkswirtschaften und Finanzmärkte gegenüber der globalen Finanzkrise zu evaluieren.

49 Quelle : 22. Ausgabe des GEAB vom 15.02.2008 50 Schon seit Anfang 2006, in der 5. Ausgabe des GEAB, schrieb LEAP/E2020, dass die umfassende weltweite Krise sich in vier großen Phasen entfalten werde : « Eine umfassende weltweite Krise läuft nach einem komplexen Schema ab, das man in vier Abschnitte unterteilen kann, die wiederum sich überschneiden können: - Ein erster Abschnitt mit der Bezeichnung "Anfangsphase":

In ihr treffen eine größere Zahl von bisher unabhängigen Faktoren an einem Punkt zusammen und beginnen somit, sich gegenseitig zu beeinflussen; dieser Abschnitt der Krise ist nur für aufmerksame Beobachter und die in vorderster Front Betroffenen erkennbar; - Ein zweiter Abschnitt mit der Bezeichnung "Beschleunigungsphase": Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass unvermittelt für eine große Mehrheit der Beobachter und Betroffenen erkennbar wird, dass eine Krise hereingebrochen ist, da immer mehr Komponenten des Systems in Mitleidenschaft gezogen warden; - Ein dritter Abschnitt mit der Bezeichnung "Aufprallphase": In ihr verursacht die Summe der Krisenfaktoren eine Explosion oder Implosion des Systems. - Ein vierter Abschnitt mit der Bezeichnung "Dekantierungsphase": In ihr können die Grundzüge des neuen Systems, das sich aus der Krise entwickelt, frühzeitig wahrgenommen werden. » Quelle : GEAB N°5, 15/05/2006.

17

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

18

1. Anteil des Finanzsektors an der Gesamtwirtschaft

2. Anteil der Dienstleistungen an der Gesamtwirtschaft

3. Verschuldungsgrad der Haushalte

4. Bonität der Anlagen der Banken, Finanzinstitute und Haushalte

5. Relative Höhe der öffentlichen Defizite (als Summe aller Verbindlichkeiten der

Länder, Regionen, Städte und Gemeinden sowie der öffentlichen

Sozialversicherungssysteme

6. Relative Höhe der Außenhandels – und Zahlungsdefizite

7. Anteil der kapitalfinanzierten Rente an der Summe der Rentenanwartschaften des

Landes

Anhand dieser Kriterien haben wir sechs große Ländergruppen ausgemacht, wobei hier nicht die geografische Nähe entscheidend war, sondern die Übereinstimmung des Analyseprofils anhand der sieben vorstehenden Kriterien.

Um unsere Ergebnisse anschaulicher und verständlicher zu gestalten, präsentieren wir in dieser 28. Ausgabe des GEAB diese Länder mit Hilfe einer Weltkarte, wobei jeder Ländergruppe eine Farbe zugeteilt ist ; weiterhin legen wir einen Zeitplan für 2008 bis 2013 vor, der eine Übersicht unserer Vorhersagen zur Dauer der vier spezifischen Sequenzen der Dekantierungsphase (Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Sozialkrise und politische Krise) bietet. Die detaillierten Erklärungen folgen den Graphiken.

18

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

19

19 Geografische Übersicht der Auswirkungen der umfassenden weltweiten Krise für die Jahre 2008 bis 2013 –

Geografische Übersicht der Auswirkungen der umfassenden weltweiten Krise für die Jahre 2008 bis

2013 – Quelle LEAP/E2020 (15. Oct 2008) – (Tiefgreifende Wirtschafts- und Sozialkrise

(Dauer 5 bis 10

Jahre); Schwere Rezession (Dauer : 3 bis 5 Jahre); Rezession (Dauer : 3 bis 5 Jahre); Stagnation (Dauer : 2 bis 3 Jahre); Rezession und politische Wirren; Verschwindend geringe Auswirkungen)

Die erste Zone umfasst die Länder, die gemäß den sieben relevanten Kriterien ausnahmslos jeglicher Widerstandsfähigkeit gegenüber der Finanzkrise entbehren. Zu ihnen zählen die USA, Großbritannien, die Vereinigten Staaten und Island.

Die zweite Zone umfasst die Länder, die zumindest gemäß fünf Kriterien der Finanzkrise besonders ausgesetzt sind. Zu ihnen zählen die verbleibenden nord-amerikanischen Länder (Kanada und Mexiko) und auch europäische Staaten (Schweiz, Baltische Staaten und Spanien).

Die dritte Zone umfasst die Länder, die zumindest gemäß vier Kriterien der Finanzkrise ausgesetzt sind. Zu ihnen zählen fast alle Länder Asiens, die Niederlande, Belgien und Skandinavien

Die vierte Zone umfasst die Länder, die gemäß drei Kriterien der Finanzkrise besonders ausgesetzt sind. Zu ihnen zählen fast alle Länder der Eurozone, die neuen EU-Mitgliedstaaten und die wichtigen süd- amerikanischen Volkswirtschaften.

19

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

20

Die fünfte Zone unterscheidet sich von den anderen dahin gehend, dass für ihre Bewertung ein achtes Kriterium heran gezogen wurde, das nach unserer Auffassung in unserer Analyse Anwendung finden muss, nämlich der Grad der politischen, militärischen und finanziellen Abhängigkeit von den Ländern der ersten Zone. Mit anderen Worten, es handelt sich hierbei um Länder, die unmittelbar in ihrer politischen Stabilität von den schweren Auswirkungen der Krise auf die Länder der ersten Zone betroffen sein werden. Denn diese führen zum Beispiel zu einer Reduzierung der Militärhilfen, zum Ende der Lebensmittelhilfen, etc. Zu dieser Gruppe gehören sowohl die erdölproduzierenden Länder des Persischen Golfs als auch Taiwan und Kolumbien.

Die sechste Zone umfasst die Länder, auf die die Krise so gut wie gar keinen oder nur sehr mittelbaren Einfluss haben wird, da es sich um Länder mit einer nicht sehr hoch entwickelten Volkswirtschaft handelt. Zu ihr zählen die meisten der Entwicklungsländer.

Für den zeitlichen Ablauf der Dekantierungsphase haben wir versucht, die Dauer der vier Teilkrisen, also der Finanzkrise, der Wirtschaftskrise, der Sozialkrise und der politischen Krise anzugeben. Unten stehend finden Sie unsere Vorhersagen zu den sechs von uns bestimmten Ländergruppen:

Vorhersagen zu den sechs von uns bestimmten Ländergruppen: Kalender zur Dekantierun g s p hase der

Kalender zur Dekantierungsphase der umfassenden weltweiten Krise – 2008 bis 2013 - Quelle :

LEAP/E2020 – 15.Okt.2008 – www.leap2020.eu (Zone 1 : USA, GB

; Zone 2 : Kanada, Mexiko, Skandinavien

) ;

Zone 3 : Asien

; Zone 4 : Eurozone, Russland

; Zone 5 : Staaten, die von US-Militärhilfe abhängen ; Zone 6 : Staaten mit nicht

hoch entwickelter Volkswirtschaft) – (Finanzkrise ; Wirtschaftskrise ;Sozialkrise ;Politische Krise)

20

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

21

Die Einschätzung über die jeweilige Dauer der vier Unterkrisen wurde anhand der folgenden, präzisen Kriterien vorgenommen :

1. Das Ausmaß der von LEAP/E2020 vorausgesagten Auswirkungen der Krise für jede der betroffenen

Ländergruppen. Je stärker die Auswirkungen der Krise, um so länger wird es dauern, bis sie überwunden ist

2. Das Eintreten einer schweren sozialen und einer schweren politischen Krise. Unter diesen Umständen

wird es wesentlich länger dauern, bis die Krise überwunden sein wird, da der gesamte notwendige Steuerungsprozess behindert und verlangsamt sein wird, und die Probleme des Landes noch verstärkt werden ; darüber hinaus wird ein solches Land einen großen Teil seiner Energie darauf verwenden müssen, sich ein neues gesellschaftliches System zu geben, was immer ein längerfristiges und mühevolles Unterfangen ist.

3. Der Grad, zu dem die Eliten des Landes (und zu einem geringeren Ausmaß die öffentlichen Meinungen)

darauf vorbereitet sind, dass ihr aktuelles Wirtschaftsmodell vor tiefgreifenden Umbrüchen steht. Je schlechter sie vorbereitet sind, um so länger wird es dauern, bis Lösungen erarbeitet sein werden.

21

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

22

3- Fokus

Acht strategische Empfehlungen und praktische Ratschläge für die Krisenzeit

Aktienmärkte : Kaufen oder verkaufen ? Begehen Sie nicht den Fehler zu glauben, an die Aktienmärkten seien die Bullen zurückgekehrt. Wir empfehlen weiterhin, Geldanlage in Aktien, unabhängig von den Ländern, zu meiden. Die Finanzkrise ist nicht beendet, sie wurde lediglich für ein paar Wochen ausgesetzt. Die globale Rezession hat eingesetzt. Damit werden die Aktienmärkte in den nächsten Monaten weiter an Wert verlieren.

Schwellenländer : Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen Für die Schwellenländer setzt eine Phase des Chaos ein ; aber wenn sie Rohstoffe exportieren und kein zu hohes Bevölkerungswachstum zu verzeichnen haben, werden sich ihre Volkswirtschaften davon schnell, bis Ende 2009, erholen. Russland und Brasilien zählen zu dieser Art Schwellenländer. Die anderen müssen sich darauf einstellen, dass ihre Exporte einbrechen werden und dadurch die innere Lage sozial instabil wird. Insbesondere für China wird eine schwere Zeit einbrechen, die zumindest zwei Jahre andauern wird. China dürfte Ende 2008 sehr negative Schlagzeilen machen.

Iran – Venezuela – Rohöl Nach unserer Auffassung ist nunmehr die Wahrscheinlichkeit für einen Angriff Israels und der USA auf Iran unter 50% gefallen. Die USA sind nunmehr zu schwach, als dass sie ein solches Unternehmen wagen könnten, dem viele Länder, mit denen die USA rechnen müssen (insbs. Russland, China und die meisten der EU-Mitgliedstaaten) feindlich bis ablehnend gegenüber stehen. Damit dürfte kein neuer militärischer Konflikt, auch nicht gegenüber Venezuela, den Rohölpreis noch vor den amerikanischen Wahlen nach oben treiben. Wir werden uns in einer späteren Ausgabe dazu noch im Detail äußern.

Einige Hinweise für die Wahl der richtigen Bank Verteilen Sie Ihre Einlagen auf zumindest zwei Banken und stellen Sie sicher, dass Ihr Geld vom zuständigen nationalen System der Einlagensicherung garantiert ist. Wir raten schon seit ungefähr einem Jahr zu diesem Schritt. Aber heute ist dieser Ratschlag wichtiger als je zuvor ; denn auch wenn die staatlichen Garantien erhöht wurden, so bleibt doch möglich, dass selbst Staaten von einer Serie von Bankenkonkursen finanziell überfordert würden. Weiterhin ist auch möglich, dass die Bank, die sie gewählt haben, außerhalb eines staatlichen Garantiesystems operiert. So erging es den Briten und Niederländern, die Kunden bei der isländischen Internetbank IceSave waren. Dieser Artikel von Reuters vom 9. Okt. 2008 listet die sichersten staatlichen Bankensysteme entsprechend der vom World Economic Forum erstellten Rangliste auf. Er zeigt auf, wie schnell die Qualität eines staatlichen Bankensystems abrutschen kann : Die amerikanischen und britischen Banken rutschten auf den 44. bzw. 40. Platz ab. Das kanadische Bankensystem führt die Liste ungefährdet an. Die amerikanische Webseite BankImplode interessiert sich nunmehr auch für die europäischen Banken. Daran kann man sehen, welches Ausmaß die Krise inzwischen angenommen hat, wenn sie sogar für die interessant wird, die aus den Insolvenzen anderer ihr Geschäft machen. Auch ist die unten stehende Übersicht interessant, wenn Sie sich einen Überblick über die Solidität Ihrer Banken machen wollen. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass sich die Solidität einer Bank nicht ausschließlich im Verhältnis ihrer Verbindlichkeiten zum BSP bemisst. Vielmehr sind zumindest auch die Art der Vermögenswerte in den Bilanzen der Banken zur Bemessung heran zu ziehen. Wenn die Vermögenswerte von minderer Qualität sind (wie die Subprime-Hypothekenkredite), dann kann selbst eine geringe Ratio von Verbindlichkeiten/BSP zu einem Bankrott führen. Entsprechend sind die Schweizer Banken nicht mehr die sichersten der Welt. Es erscheint angebracht, dort nicht seine gesamten Anlagen zu lassen.

22

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

23

23 Kurzfristige Verbindlichkeiten der Banken in Relation zum BSP ihres Landes Quelle New York Times -

Kurzfristige Verbindlichkeiten der Banken in Relation zum BSP ihres Landes Quelle New York Times - 12.10.2008

Risiko oder kein Risiko ? Versuchen Sie, Risiken zu vermeiden. Denn in Krisenzeiten haben Risiken eine Tendenz, sich zu verwirklichen. Wir weisen noch einmal auf unser Mantra hin, dass in Krisenzeiten es darum gehen muss, übermäßige Verluste zu vermeiden, und nicht, Profite zu scheffeln. Dies ist keine Anlageberatung aus Opas Anekdotenschatz, sondern eine sehr praktische, gültige Empfehlung, die gerade heute, in einer Situation, in der innerhalb von wenigen Tagen das Unterste zu oberst gekehrt werden kann, nicht wichtig genug eingeschätzt werden kann. Nur wenn Sie auch Lust auf Russisch Roulette verspüren, sollten sie unsere Ratschläge ignorieren, ihr Geld möglichst liquide anzulegen, so dass sie auf Umbrüche schnell reagieren können ; vermeiden Sie kurzfristige Spekulationsgeschäfte (unter sechs Monaten).

Währungen Die Volatiliät ist so ausgeprägt wie noch nie, denn die Kursauschläge an den Aktienmärkten (Crashs gefolgt von Höhenflügen) führen zu Schockwellen auf dem Devisenmarkt. Dadurch werden langfristige Tendenzen durch kurzfristige Abweichungen überlagert, was zu falschen Einschätzungen der Investoren und Analysten führen kann. Wenn Sie auf diesem Markt aktiv werden müssen, vermeiden Sie kurzfristig motivierte Entscheidungen. Geben Sie den Grundtendenzen die notwendige Zeit, um sich wieder durchzusetzen.

23

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

24

Die Rente sichern Wenn Ihre Rente von einem Umlagesystem abhängt, haben Sie sich keine besonderen Sorgen zu machen. Diese Art von Renten werden in den Industrieländern mit der Zeit aufgrund des demographischen Wandels sinken, aber dies verläuft in einem geordneten Verfahren und unter Einbeziehung aller Sozialpartner ab. Wenn Ihre Rente kapitalabhängig ist, dann sind die Aussichten beunruhigend, wie wir es bereits in der 23. Ausgabe des GEAB vom 28. März 2008 schrieben. Das Jahresende 2008 wird zeigen, dass weltweit große Pensionsfonds viel Geld verloren haben. Alle Pensionsfonds, ohne Ausnahme, werden betroffen sein. Und zwar unabhängig davon, ob es überwiegend aktienorientierte Fonds sind wie die US-Pensionsfonds, die wegen der Aktienkursabstürze der letzten Monate 2.000 Milliarden Dollar eingebüßt haben, oder kompliziertere, diversifizierte Fonds wie der Norwegische Staatsfonds, dessen Erträge die Zukunft von 4,5 Millionen Norweger sichern soll, aber dessen Zuwächse des letzten Jahrzehnts sich nun verflüchtigt haben 51 . Wir sind überzeugt, dass die Aktienmärkte weiter auf Abwärtskurs sind ; es wird vermutlich ein Jahrzehnt erfordern, bis sie wieder das Niveau von 2007 erreicht haben werden. Es ist also gefährlich, noch abzuwarten, wenn Sie nicht zehn Jahre Zeit haben. Lösungen sind nicht zahlreich und können schwierig umzusetzen sein. Allgemein kann man aber sagen, dass Sie, soweit möglich, unverzüglich Ihre Rentenanlage in Aktien auflösen und ihr Vermögen streuen sollten : ein Drittel in Lebensversicherungen oder vom Staat garantierte Sparkonten, ein Drittel in frei verfügbare Anlagen und ein Drittel in weniger liquide Anlagen wie Gold oder Diamanten oder auch Staatsanleihen von Regierungen der Eurozone oder Asien. In ein oder zwei Jahren können Sie Ihre Anlagestrategie neu ausrichten. Aber bis dahin muss Ihr Ziel darin bestehen, Ihre Lebensersparnisse zu retten. Und noch einmal : Verteilen Sie Ihr Geld auf zumindest zwei Banken !

Die Staats- und Pensionsfonds in turbulenten Zeiten Das Beispiel des norwegischen Staatsfonds, den wir bereits erwähnt haben, zeigt sehr anschaulich die Verbindung zwischen kapitalfinanzierten Renten und Staatsfonds. Beiden Anlagenpools drohen die selben Gefahren, auch wenn die betroffenen Anlagevolumina außer Verhältnis stehen. Die Pensionsfonds werden

in der Regel nach genau den selben Prinzipien verwaltet wie die Staatsfonds. Die Manager dieser Fonds sind nunmehr drei Arten von Problemen ausgesetzt :

. Wie können die Verluste an den Aktienmärkten limitiert werden ?

. Wie können in einem sehr schwierigen Investitionsumfeld und angesichts der globalen Rezession noch rentable Anlagen getätigt werden ?

. Wie können noch ausreichend Gewinne an die immer zahlreicheren (die geburtenstarken Jahrgängen

kommen ins Rentenalter) Berechtigten ausgeschüttet werden ? Die Anlagestrategien müssen sich nun auf einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren ausrichten ; jede kurzfristigere Strategie wäre angesichts der akuten Krise nichts weiter als eine riskante Wette. Hier kann die von LEAP/E2020 erstellte Weltkarte zu den Regionen, die am Schnellsten die Krise überwunden haben werden, hilfreich sein. Dort sollten die Fonds überwiegend investieren. Darüber hinaus sollten sie auch unbedingt von dem massiven Bedarf der Unternehmen nach liquiden Geldmitteln profitieren, der von den Banken weltweit wegen der Kreditklemme nicht mehr bedient werden kann. Die Fonds sollten ihr Geld aus den Aktienmärkten abziehen, um es unmittelbar in den Unternehmen zu investieren. Außerdem, und das ist alles andere als ein Hinweis unter vielen, sollten die Fonds die Staatsanleihen von Ländern, die von der Krise besonders betroffen sein werden, abstoßen, also insbs. die der USA. Denn sonst werden in einem

Jahr Millionen von Rentner und Rentenanwärtern alle Ansprüche verloren haben.

51 Quelle : IceNews, 09/10/2008

24

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

25

4- Der GlobalEurometer 52

GlobalEurometer vom Oktober 2008 - ERGEBNISSE

GlobalEurometer 10-2008

Ja

Nein

Weiß nicht

1.

Gehen Sie davon aus, dass die EU in der Lage sein wird, noch vor

     

den nächsten Wahlen zum Europaparlament (Juni 2009) Reformen

6%

89%

5%

ihrer Institutionen zu erarbeiten und zu verabschieden?

2. Vertreten Sie die Auffassung, dass eine gewisse Art von Wirtschaftsregierung für die Eurozone errichtet werden sollte?

98%

1%

1%

3.

Gehen Sie davon aus, dass ein Euroland-Gipfel noch vor Ende 2008

55%

44%

1%

organisiert werden wird?

4.

Haben Sie den Eindruck, dass die Europapolitik Ihrer nationalen

     

Regierung die Erwartungen Ihrer Landsleute an die europäische

12%

86%

2%

Integration wiederspiegelt?

5. Spiegelt die Europapolitik der Regierung Ihres Landes Ihre Erwartungen an die europäische Integration wieder?

10%

89%

1%

6.

Glauben Sie, dass die aktuell verabschiedeten Maßnahmen der EU

25%

66%

9%

gegen die globale Krise ausreichend sind?

7.

Gehen Sie davon aus, dass der Dollar weiterhin im Verhältnis zu

76%

6%

18%

den anderen großen Währungen an Wert verlieren wird?

8. Haben Sie den Eindruck, dass die Inflation in ihrem Land anzieht?

75%

19%

6%

9. Fürchten Sie, wegen der weltweiten Krise in den nächsten Monaten

13%

62%

25%

Ihren Arbeitsplatz zu verlieren?

10.

Fürchten Sie, wegen der weltweiten Krise in den nächsten

88%

5%

7%

Monaten Geld zu verlieren?

11.

Vertreten Sie die Auffassung, dass die Länder der Eurozone

     

eigenständige Gegenmaßnahmen gegen die globale Krise ergreifen müssen, unabhängig von den anderen EU-Mitgliedstaaten?

63%

18%

19%

12. Glauben Sie, dass die stark ansteigende amerikanische Schuldenlast jemals getilgt werden wird?

0%

83%

17%

13. Glauben Sie, dass die USA diese Krise als globale Supermacht überleben werden?

2%

77%

21%

14.

Vertreten Sie die Auffassung, dass die EU ein ehrgeiziges

     

Konjunkturprogramm zum Bau und zur Verbesserung ihrer Infrastruktur auflegen sollte, um eine Rezession zu vermeiden?

95%

3%

2%

15.

Gehen Sie davon aus, dass G.W.Bush 2008 aus dem Amt

     

scheiden wird, ohne einen Angriff auf die iranischen Nuklearanlagen befohlen zu haben?

56%

8%

36%

52 Jeden Monat befragt GEAB für Sie 200 Meinungsführer in Europa

25

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten

26

GlobalEurometer vom Oktober 2008 - AUSWERTUNG

EU-Gouvernance : Stabilisierung der Vertrauenswerte in eine Reform der Institutionen auf sehr niedrigem Niveau / Beinahe Einstimmigkeit bei der Forderung nach einer Wirtschaftsregierung für die Eurozone / Eine Mehrheit der Europäerinnen und Europäer glaubt mit ein Mal wieder an die Einberufung eines Eurogipfels vor Ende 2008 / Die Kluft zwischen den Erwartungen der Menschen an die Europapolitik und die Politik der Europapolitiker bleibt weiterhin extrem weit / Eine große Mehrheit hält die aktuellen Maßnahmen der EU angesichts der Krise für unzureichend / Nachlassende Mehrheit geht davon aus, dass die Inflation in ihrem Heimatland zulegt / Schwacher Anstieg bei den Sorgen, wegen der Krise den Arbeitsplatz verlieren zu können / Sehr starker Anstieg bei den Sorgen, wegen der umfassenden weltweiten Krise Geld zu verlieren / Große Mehrheit geht davon aus, dass die Eurozone eigenständig Maßnahmen gegen die Krise ergreifen muss / Fast Einstimmigkeit bei der Auffassung, dass die EU ein massives Konjunkturprogramm für Infrastrukturmaßnahmen auflegen muss Der rasante Vertrauensverlust in die Möglichkeit institutioneller Reformen der EU vom Sommer 2008 bleibt von Aktualität, denn weiterhin 89% der Befragten glauben nicht, dass dies der EU bis Sommer 2009 gelingen wird. Der Ausbruch der weltweiten Finanzkrise im September 2008 hat jedoch zur beinahe einstimmigen Auffassung geführt, dass die Eurozone einer Wirtschaftsregierung bedarf (inzwischen vertreten 98% der Befragten diese Auffassung). Die Einschätzung, dass es wohl zu einem Gipfel der Euroländer bis Ende 2008 kommen wird, konnte diesen Monat wieder die Mehrheit verzeichnen (mit 55%, die sich dafür aussprechen). Es ist lehrreich, sich vor Augen zu halten, dass mit dem Eurogipfel vom 12. Oktober 2008, der nur eine Vorlaufzeit von 3 Tagen hatte (von Freitag, dem 10. Ok bis Sonntag, dem 12. September) die Realität die Einschätzungen der Befragten, insbs. die der 44%, die davon ausgingen, dass es keinen Eurogipfel vor Ende 2008 geben werde, überholt hat. In Krisenzeiten vollzieht sich der Wandel vom Unmöglichen zum Möglichen in nur wenigen Tagen. Da ist es ganz logisch, dass das Gefühl einer Kluft zwischen den Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger an die Europapolitik und die tatsächliche, weit dahinter bleibende Politik der Europapolitiker weiterhin auf Rekordniveau verharrt (86% und 89%). Es wird interessant sein, ob sich der Eurogipfel vom 12. Oktober 2008 in einem Monat auf die Umfrageergebnisse bezüglich des Vertrauens in die Kompetenz und die Effizienz der europäischen Regierenden auswirken wird ; das wird sicherlich weitgehend von der Wirksamkeit der dort beschlossenen Maßnahmen abhängen. Im Bereich Wirtschaft und Finanzen geht weiterhin eine große Mehrheit (73%) davon aus, dass die Inflation in ihrem Mitgliedstaat anzieht ; jedoch ist zum Vormonat ein Rückgang von 13%-Punkten zu verzeichnen. Damit wird die Tendenz des Vormonats, in dem bereits dieser Wert rückläufig war, bestätigt. Jedoch steigt der Wert derjenigen, die fürchten, wegen der Krise ihren Arbeitsplatz verlieren zu können, an (13% im Verhältnis zu 2% im Vormonat), bleibt jedoch weiterhin schwach ausgeprägt. Die ansteigende Tendenz findet sich auch wieder bei dem Anstieg der Einschätzung unter den Befragten, wegen der umfassenden weltweiten Krise Geld zu verlieren (im Oktober 88% im Vergleich zu 57% im September). Fast denknotwendig geht daher auch eine starke Mehrheit der Befragten (63%, bei nur 18% ablehnender Antworten) davon aus, dass die Eurozone eigenständig, also ohne zwingende Abstimmung mit den anderen EU-Ländern, Gegenmaßnahmen ergreifen muss. Was die Art der Gegenmaßnahmen angeht, so besteht eine Quasi-Einstimmigkeit (95%) in der Auffassung, dass die Eurozone zur Wirtschaftsbelebung ein ehrgeiziges Konjunkturprogramm für den Bau und Ausbau der europäischen Infrastruktur auflegen sollte. Beziehungen der EU zu anderen Weltregionen : Wieder große Mehrheit geht davon aus, dass der Wertverlust des Dollars sich fortsetzen werde / Sehr große Mehrheit vertritt die Auffassung, dass die stark ansteigenden US-Schulden nie zurück gezahlt werden / Sehr große Mehrheit geht davon aus, dass die USA diese Krise nicht als Supermacht überleben werden / Verstärkung der mehrheitlichen Auffassung, dass G.W.Bush aus dem Amt scheiden werde, ohne den Angriff auf den Iran befohlen zu haben Mit nunmehr wieder 76% der Befragten (gegenüber « nur » 65% im Vormonat), die davon ausgehen, dass der Wertverlust des Dollars sich fortsetzen werde, kann man festhalten, dass die Europäerinnen und Europäer die « wiedergefundende Stärke » des Dollars für nicht dauerhaft halten. Weiterhin gehen sie zu einer sehr großen Mehrheit (83%) davon aus, dass die USA ihre – zur Zeit stark ansteigenden – Schulden nie zurück bezahlen werden. 77% der Befragten gehen davon aus, dass die USA in dieser Krise ihren Status als Supermacht einbüßen werden. Bezüglich der Iranpolitik der Bush-Regierung geht nun wieder mehr als die Hälfte der Befragten davon aus, dass G.W.Bush aus dem Amt scheiden werde, ohne die Bombardierung der iranischen Nuklearanlagen befohlen zu haben : 56% glauben, dass der Angriff auf den Iran nicht stattfinden werde.

26

Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°28 - 18. Oct. 2008

© Copyright Europe 2020 / LEAP – 2008 ISSN 1951-6177 - Alle Rechte vorbehalten