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Doch wie ist es mit Bertha Dudde? Sie ist eine Neuoffenbarerin des 20.

Jahrhunderts. Sie schrieb zahlreiche Offenbarungen "Gottes" nieder, über Gott, die
Schöpfung aber auch die Wissenschaft. Und obwohl damals die Wissenschaft
schon recht weit fortgeschritten war (man stand schließlich kurz vor der
Atombombe) klingen ihre Texte doch eher wie aus dem Mittelalter:
Beginn von BD0254, empfangen am 10.1.1938:
"Liebes Kind .... es ist ein urweises Gesetz, daß im Weltall ohne Unterbrechung,
dem Willen des Herrn gemäß, die Himmelskörper ihre Bahn gehen immer in
gleichem Abstand von der Sonne und in Ewigkeit sich wiederholender
Gleichmäßigkeit. Alles, was im Weltall geschaffen ist, ist abhängig vom
Sonnensystem .... Es kann kein einziger Stern ohne die Leuchtkraft der Sonne
bestehen, denn ein jeder Himmelskörper hat seine Bestimmung, daß wieder
unzählige Lebewesen diesen zum Aufenthaltsort haben .... und doch die
Beschaffenheit eines jeden von anderer Art ist. Wolltet ihr dies ergründen, so
müßtet ihr mit Gesetzen rechnen, die euch bisher völlig unbekannt sind .... Es ist
die Erde ein völlig von der anderen Welt .... bzw. den anderen Himmelskörpern
abgeschlossener Stern mit eigens für die Erde bestimmten Naturgesetzen, und so
könnet ihr nur nach diesen Naturgesetzen euch die Gestirne, die ihr am
Himmelszelt seht, erklären .... doch kommt ihr damit der Wahrheit nicht nahe ....
für alle Erdenbewohner gelten die Gesetze der Erde .... die von den Gesetzen der
anderen Gestirne jedoch abweichen .... folglich wird es euch niemals möglich sein,
über diese Lehren und Regeln aufzustellen, denn ihr beherrschet nicht die Gesetze
des Weltalls."
An dieser Passage ist so gut wie alles falsch. Dröseln wir es mal auseinander:
"Liebes Kind .... es ist ein urweises Gesetz, daß im Weltall ohne Unterbrechung,
dem Willen des Herrn gemäß, die Himmelskörper ihre Bahn gehen immer in
gleichem Abstand von der Sonne und in Ewigkeit sich wiederholender
Gleichmäßigkeit."
Wir wissen seit Kepler, daß sich die Planeten und Monde auf Ellipsenbahnen
bewegen, also unterschiedliche Abstände haben. Und im Laufe der Zeit ändern sich
auch diese Abstände merklich. So entfernt sich der Mond pro Jahr einige
Zentimeter von der Erde. Kometen können von Himmelskörpern wie dem Jupiter
aus ihrer "ewigen" Bahn abgelenkt werden und sogar auf diese stürzen, siehe
Shoemaker-Levy 9 im Jahr 1994.
"Alles, was im Weltall geschaffen ist, ist abhängig vom Sonnensystem .... Es kann
kein einziger Stern ohne die Leuchtkraft der Sonne bestehen,"
Das ist völliger Quatsch. Unser Sonnensystem ist eines von vielen, und das
Verlöschen der Sonne würde die anderen nicht im geringsten jucken. Jeder Stern
ist ein eigenständiger Fusionsreaktor, der unabhängig von den anderen leuchtet.
"denn ein jeder Himmelskörper hat seine Bestimmung, daß wieder unzählige
Lebewesen diesen zum Aufenthaltsort haben ...."
Man weiß heute, daß es in unserem Sonnensystem keine Tiere, Pflanzen ... gibt,
höchstens Mikroorganismen.
"und doch die Beschaffenheit eines jeden von anderer Art ist. Wolltet ihr dies
ergründen, so müßtet ihr mit Gesetzen rechnen, die euch bisher völlig unbekannt
sind .... Es ist die Erde ein völlig von der anderen Welt .... bzw. den anderen
Himmelskörpern abgeschlossener Stern mit eigens für die Erde bestimmten
Naturgesetzen, und so könnet ihr nur nach diesen Naturgesetzen euch die
Gestirne, die ihr am Himmelszelt seht, erklären .... doch kommt ihr damit der
Wahrheit nicht nahe .... für alle Erdenbewohner gelten die Gesetze der Erde .... die
von den Gesetzen der anderen Gestirne jedoch abweichen ...."
Zunächst einmal ist die Erde ein Planet, und das war auch schon 1938 so. Man
weiß heute, daß die Naturgesetze in unserem Sonnensystem, in unserer Milchstraße
und mit hoher Sicherheit im beobachtbaren Universum gleich sind. Man kann z.B.
mit Hilfe von Spektrallinien Elemente auf anderen Sternen nachweisen, die es auch
auf der Erde gibt. Helium hat man z.B. zuerst spektroskopisch auf der Sonne
entdeckt (Helios = Sonne) und später auf der Erde.
"folglich wird es euch niemals möglich sein, über diese Lehren und Regeln
aufzustellen, denn ihr beherrschet nicht die Gesetze des Weltalls."
Wenn das so wäre, dann wären Raumsonden zu den Planeten wie z.B. Merkur,
Venus, Mars, Jupiter oder Saturn unmöglich! Und doch können diese Sonden mit
hervorragender Präzision die Gravitationskraft dieser Planeten und selbst deren
Monden nutzen, um ihre Bahn zu korrigieren! Die Raumsonde Cassini ist sogar auf
dem Saturnmond Titan gelandet! Verschiedenste Messungen unterschiedlicher
Raumsonden ergaben gleiche Elemente wie sie auch auf der Erde vorkommen.

Und in BD1008, empfangen am 16.7.1939, schreibt Dudde (Auszug):


"Ein klares Bild zu geben über den der Erde am verwandtesten Weltkörper, den
Saturn, ist Aufgabe eines diesen bewohnenden höheren geistigen Wesens, und (es
= d. Hg.) wird euch Menschen auf Erden eine Schilderung geboten, die
unbestreitbar Aufschluß gibt dem darüber Aufschluß Begehrenden. Noch ist es
keinem Erdenbürger gelungen, die Ausmaße dieses Weltkörpers festzustellen, denn
es läßt sich die Größe zahlenmäßig nicht belegen, da die Menschen für den
Umfang des Saturns keinen Maßstab haben. Es ist ein weit über alle irdischen
Schätzungen hinausgehender Begriff und reicht für euch Menschen fast ins
Unendliche. Der Grundstoff dieses Gestirns ist ebenfalls mit dem der Erde nicht
übereinstimmen .... er ist durchsichtiges, hellglitzerndes Metall von
unvorstellbarer Leuchtkraft."

Kommentar:
"Ein klares Bild zu geben über den der Erde am verwandtesten Weltkörper, den
Saturn, ist Aufgabe eines diesen bewohnenden höheren geistigen Wesens, und (es
= d. Hg.) wird euch Menschen auf Erden eine Schilderung geboten, die
unbestreitbar Aufschluß gibt dem darüber Aufschluß Begehrenden."
Der der Erde am verwandteste Himmelskörper (Warum benutzt Dudde den absolut
ungebräuchlichen Begriff "Weltkörper"? Wir sagen doch auch "Flugzeug" und
nicht "Fliegekiste") in unserem Sonnensystem ist der Mars! Wenn es dort heiß wird
kann es durchaus 25°C erreichen. An den Polen und in der Nacht gehen die
Temperaturen jedoch auf weit unter 100°C zurück. Der Mars ist wie die Erde fest,
der Saturn jedoch ist ein Gasplanet mit Temperaturen um die -180°C. Eine
bemannte Landung dort ist absolut unmöglich.
"Noch ist es keinem Erdenbürger gelungen, die Ausmaße dieses Weltkörpers
festzustellen, denn es läßt sich die Größe zahlenmäßig nicht belegen, da die
Menschen für den Umfang des Saturns keinen Maßstab haben."

Daten zum Saturn:

Äquatordurchmesser: 120.000 km
Poldurchmesser: 108.000km
Äquatorumfang: 375.000km
Durchmesser des Rings: 250.000km
Dicke der Ringe: einige 100m - 1km

Anmerkung: Diese Daten dürften auch schon 1939 bekannt gewesen sein - heute
weiß man es noch genauer

"Es ist ein weit über alle irdischen Schätzungen hinausgehender Begriff und reicht
für euch Menschen fast ins Unendliche."
Einen Umfang von 375.000 km kann man sich doch noch vorstellen. Der Mond ist
in etwa so weit entfernt (384.400km im Durchschnitt). Und es dürfte einige meiner
Leser geben, deren Auto-Tacho in diese Größenordnung kommt, zumindest wenn
man alle gefahrenen Kilometer aller Ihrer Autos addiert.
Und zum Thema "unendlich":
375.000km sind 1,25 Lichtsekunden. Das Licht braucht also 1,25 Sekunden um
375.000km zurückzulegen.
Der nächste Fixstern, Alpha Zentauri, ist 4 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Die nächste (größere) Galaxie, der Andromedanebel, gar fast 3 Millionen
Lichtjahre! Und selbst den Andromedanebel können wir mit bloßem Auge sehen,
obwohl er 75 Billionen mal (75.000.000.000.000 mal) so weit weg ist wie der "fast
ins Unendliche" gehende Durchmesser des Saturns!
Wer noch nicht mal derartige Größenordnungen auseinanderhalten kann, sollte sich
mit dem Thema Kosmos lieber nicht beschäftigen! Und er sollte erst recht die
Finger davon lassen Gottes Wort zu manipulieren, da Gott wirklich unendlich ist!
"Der Grundstoff dieses Gestirns ist ebenfalls mit dem der Erde nicht
übereinstimmen .... er ist durchsichtiges, hellglitzerndes Metall von
unvorstellbarer Leuchtkraft."
Hier scheint Dudde beinahe ein Geniestreich geglückt zu sein. Im Inneren der
Gasplaneten Jupiter und Saturn soll sich tatsächlich metallischer Wasserstoff
befinden! Von einer unvorstellbaren Leuchtkraft kann da jedoch keine Rede sein,
metallischer Wasserstoff leuchtet nicht, es sei denn, man strahlt ihn an. Und
durchsichtig ist er genauso wie alle anderen Metalle auch nicht. Und wenn Dudde
bzw. der Geist, der sie inspiriert, noch nicht mal elementarste Grundkenntnisse der
Physik besitzt, ist es unwahrscheinlich, daß sie metallischen Wasserstoff meint!
Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn, und sei es nur ein Mutterkorn...
Was geistige Dinge betrifft, so ruft Dudde offen zum Spiritismus auf, was Christen
strikt verboten ist. Und sie schreibt, daß wir Menschen früher einmal alle gefallene
Engel, sprich Dämonen des Satans, waren! (BD2401)
Lorber und Dudde beanspruchen von sich, vom Geist Gottes inspiriert zu sein.
Vom Geist Gottes darf man aber erwarten, daß er nicht nur "geistige" Prinzipien,
sondern auch elementare Naturgesetze und wissenschaftliche Fakten verstanden
hat. Wenn der Geist Gottes, der Heilige Geist, angeblich behauptet, daß Vögel mit
Wasserstoff fliegen, dann ist das schon recht sonderbar. Und wenn er den Saturn
mit seiner todbringenden Atmosphäre als erdähnlich und nahezu unendlich groß
beschreibt und durch Bertha Dudde zahlreiche weitere wissenschaftliche Nonsense
verbreitet, dann stellt sich die Frage: Wenn schon der nachprüfbare
wissenschaftliche Teil erwiesenermaßen Humbug ist und halbwegs
naturwissenschaftlich gebildete Menschen manchmal zum Wiehern bringt, ist dann
nicht der religiöse, der ja der eigentliche Kern der Botschaft sein soll, nicht erst
recht anzuzweifeln?
Mit anderen Worten: Kann es sein, daß der Geist Lorbers und Duddes ein anderer
als der Geist Gottes ist, einer, der mit Gott manchmal eventuell ein kleines Problem
hat???
Martin Wagner, 27.5.2006, letzte Änderung am 19.10.2008