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Organlose Körper? Imagines einer existentiellen Restkategorie 1

Dr. Ulrich Kobbé

„Ist es denn nicht erlaubt, gegen Subjekt, wie gegen Prädikat und Objekt, nachgerade ein wenig ironisch zu sein?“ (Nietzsche, 1886, 600).

Das Subjekt als Vorstellung

Es geht ein Gespenst um in der Postmoderne – das Gespenst des Subjekts

Was hier als

Paraphrase des Auftakts zum Kommunistischen Manifest (Marx & Engels, 1848, 816) vor- übergehend als freudsches Gespenst auftritt (Mazin, 2015) und in den postmodernen Theo- rien der Cultural Studies reaktiviert wird, betrifft einen durchaus gängigen Terminus techni- cus: den des Subjekts. Dabei formieren sich diese Erkenntnistheorien als explizit radikale, z. B. dekonstruktivistische, Subjektkritiken oder – wie die Psychoanalyse – als Problematisie- rungen des Subjektbegriffs (Jahraus et al., 2000, 17). Wer mit Marx und Freud an den Grün- dungsmythen subjektpsychologischer und -philosophischer Wissenschaft(en) arbeitet, tut gut daran, konsequenterweise Lacans Wiedergabe einer kolportierten Episode mitzureferieren:

Auf der Schiffspassage zur Vortragsreihe an der Clark University in Worcester/USA habe Freud 1909 bei Ankunft im New Yorker Hafen seinem Schüler Jung zugeflüstert: „Sie wissen nicht, dass wir ihnen die Pest bringen“ (Lacan, 1955, 403). Den subversiven Charakter mit- unter opaker psychoanalytischer Denkfiguren markiert das Thema dieses Essays, für den auch Žižek (2001, 7), einem Zeugen gleich, mit dem Aufmacher sekundiert: „Ein Gespenst geht um in der westlichen Wissenschaft … das Gespenst des cartesianischen Subjekts“. Zur Sache: „Wer den Begriff des Subjekts zu bestimmen sucht, begibt sich auf ein umkämpftes Feld. Die Vielzahl konkurrierender Subjektbegriffe reicht vom bürgerlichen, autonomen Sub- jekt, über die Vorstellung vom Subjekt als Ergebnis gesellschaftlich bewusstloser und unbe- wusster Praktiken, bis hin zur Vorstellung eines differenten, begehrenden und flexiblen Sub- jekts, das sich aus der Dekonstruktion von Herrschaft selbst wieder hybrid zusammen- setzt“ (JFIB, 2007, 7) oder alternativ eines „experimentellen“ Subjekt postmodernen Wissen- schaften, das „tendenziell von jeder Geschichtszugehörigkeit, von Gefühlen, Interessen, Dif- ferenzen gesäubert ist“ (Vattimo, 1985, 145). 2

Beim Bestimmungsversuch dieses Phänomens wirft Marx (1845, 2-3) ein, dieses sei „kein dem einzelnen Individuum innewohnendes Abstraktum“, sondern „das Ensemble der gesell- schaftlichen Verhältnisse“. Wenngleich diese Feuerbach-Kritik das Subjekt vom abstrakten Individuum unterscheidet und auf konkrete „menschliche Praxis“ und „praktische Tätig- keit“ unter Bedingungen einer „bestimmten Gesellschaftsform“ bezieht, bleibt ihm (s)eine Ei- genschaft eines zwar entmystifizierten und kontextualisierten, aber dabei dennoch unbe- stimmten Abstraktums der „Anschauung“. Kurz, der von sich selbst geblendete Mensch der Aufklärung fabriziert eine vervollkommnete Doublette, ein intelligentes Phantom. 3

Die Verweise auf eine ‚Vorstellung’ oder ‚Anschauung’ suggerieren, es gäbe ein bestimmtes Bild, eine bestimmbare Bildvorstellung, ein Imago des Subjekts 4 , doch handelt es sich hierbei um etwas, das Marx als „Eskamotage“ in Serie bezeichnet (Marx & Engels, 1846, 140). Denn dieses Subjekt erweist sich als „nicht identifizierbar, keinerlei Gestalt ist sichtbar, lokalisierbar, fixierbar“ (Derrida, 1996, 186). Mithin bleibt auf Seiten des Subjekts unklar, ob es dieses überhaupt als ein Vorstellungsobjekt gibt. Wenn dabei ganz selbstverständlich von einem Bild als Abbildung eines Objekts ausgegangen wird, setzt dies „quasi-perzeptive Eigenschaf-

1 Vortrag (Redemanuskript). 48. Jahrestagung der DGPA. Würzburg: Zentrum für Psychische Gesundheit, 29.-31.10.2015.

2 Um daran zu erinnern, dass es dieses Subjekt so nicht gibt, wird in den nachfolgenden Kapitelüberschriften der scheinbar ein- deutig bestimmende Artikel ‚zurückgenommen’ und eine Interferenz erzeugt. Die abweichende Schreibweise das Subjekt folgt der Praxis Lacans, wenn dieser Femme [die Frau] schreibt und auf damit anzeigt, dass es diese als Prototyp nicht gibt. 3 Virilio (1986, 52) 4 Copyright-Hinweis: Alle Wiedergaben von Gemälden, Abbildungen, Cartoons und Grafiken als wissenschaftsübliche Zitationen im Rahmen einer subjekt-, icono- und kontextkritischen, psychoanalytisch fundierten Untersuchung.

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ten“ voraus und definiert dies das Bild als ein „Produkt des Bemühens um eine konkrete und sogar scheinbar sinnliche Abbildung des Objekts“, die – so Piaget und Inhelder (1990, 19) – dabei „grundsätzlich symbolisch“ bleibe. Es gehe folglich um bildhafte Repräsentationen, die sich als inneres Bild als solches nicht mitteilten. Anhand der Erörterung von Honneth (2003) zu Formen intersubjektiver Sichtbarkeit bzw. Unsichtbarkeit lässt sich bestimmen, dass es bei den Subjektvorstellungen nicht um ein optisches Repräsentationsparadigma geht, son- dern dass dieses (noch) unbestimmte Subjekt ein Symbol ist. Eine solche Unbestimmtheit ermöglicht – und erhöht – die allgemeine Akzeptanz: Im Sinne eines umgangssprachlich kommunizierbaren, zugleich ‚irgendwie’ wissenschaftlichen Konzepts bleibt es im Spektrum von Mensch : Person : Selbst : Ich : Individuum dem Alltagswissen verbunden, gestattet als Common-Sense sowohl banalisierende wie spekulative Ausgestaltungen, die jedoch nicht widerlegbar sind und ihrer Plausibilität halber leicht hingenommen – und übernommen – wer- den (Moser, 2009, 12). 5

Dieses Subjekt entspricht folglich keineswegs einer Metapher, einem Sprachbild also, denn damit gäbe es bereits ein Bild und gehörte es einer imaginären statt symbolischen Ordnung an. Als Symbol entspricht das Subjekt mithin einem Zeichen, das ein Abstraktum bezeichnet, der Sprache untergeordnet, also ein Bestandteil ihrer Ordnung ist und als Common-Sense- Wissen ein hermeneutisches Vorverständnis impliziert. Nicht nur einem wiedererkennenden, reproduzierenden Gedächtnis ist das Subjekt folglich ‚unbekannt’, sondern auch das evozie- rende, imaginierende Gedächtnis hat keinen Ankerpunkt für (s)eine Bildproduktion (Piaget & Inhelder, 1990, 13).

Das Subjekt als Artefakt

Dennoch enthält die konstituierende Idee eines Subjekts eine gespenstisches Moment der Verselbständigung dieses Gedankens, in dem „ein Simulakrum, eine Entfremdung oder eine Enteignung“ hinzugefügt wird und über „die Produktion des Spuks, die Konstituierung des Phantom-Effekts“ eine „zusätzliche Dimension“ – ein Körper, ein Leib - hinzugefügt wird:

„Denn es gibt keinen Spuk, kein Gespenst-Werden des Geistes, ohne zumindest den An- schein eines Leibs, in einem Raum unsichtbarer Sichtbarkeit, als Verschwinden (dis-paraître) eines Erscheinens (ap-paraître). Damit es Spuk gebe, bedarf es einer Rückkehr zum Leib, aber zu einem abstrakteren Leib denn je. Der spektrogene Prozess antwortet also auf eine paradoxe Verleiblichung. Wenn die Idee oder der Gedanke einmal von ihrem Substrat abge- löst sind, zeugt man Gespenster, indem man ihnen einen Leib gibt. Nicht indem man zu dem lebendigen Leib zurückkehrt, von dem die Ideen oder Gedanken abgezogen sind, sondern indem man diese letzteren in einem anderen, artefakthaften Leib inkarniert, in einem prothe- tischen Leib, einem Phantom des Geistes, man könnte fast sagen in einem Phantom des Phantoms, wenn, wie Marx manchmal denken lässt, auch die erste [verselbständigende] Vergeistigung schon Gespenster (du spectre) produziert“ (Derrida, 1996, 174).

Einerseits gerät das Subjekt, so scheint es, zu einem Zombie, andererseits ist es eine Art ‚benchmark’, ein psychologisch-philosophischer Bezugspunkt, sodass man sich mit der fou- caultschen Provokation konfrontiert sieht, die darin enthaltene „Gestalt des Menschen“ riskie- re in der „Tatsachentextur“ (Steinweg) des gesellschaftlichen Diskurses zu „verschwinde[n] wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand“ (Foucault, 1990, 462). Denn „das ist die ontologi- sche Situation des Subjekts heute und immer schon: sich selbst eine Form geben zu müssen, weil es Subjekt ohne Bestimmung ist: ohne Identität, ohne Namen, ohne Gesicht“ (Steinweg, 2009, 24 Fn 23). Insofern fragt sich, ob der Terminus technicus nicht als eine Art von sym- bolhafte Evidenz oder Emblem fungiert, zumal derartige Embleme – wie Bachelard (1988, 107) aufzeigt – schlimmstenfalls sowohl der Parodie als auch der Verherrlichung dienen können. Kurz und bündig formuliert: „Kein Subjekt existiert intakt“ (Steinweg, 2013, 16), denn immer ist es – von Anfang an – durch Realität kontaminiert, ein Subjekt einer konstitutiven

5 Unter solchen Gesichtspunkten dient dieser Essay der Entlarvung und Korrektur von „intellektuellem Trödel“, geschwätzigem Wissenschaftsjargon und „phraseologischem Ramsch“ (Bataille, 2015, 9).

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Unbestimmtheit, Verstrickung, Differænz (différance) und Selbstüberschreitung. Wo es ein Anderes – ein Objekt, eine Realität – gibt, gibt es eine narzisstische Blessur.

Exkurs

1929 berichtet Hermann Hesse davon, wie er sich anlässlich des Fiaskos einer Inhaftierung versuchte, sich „mit Malerei zu beschäftigen. […] ich malte an die Wand meiner Zelle eine kleine Landschaft. […] Diese Landschaft enthielt fast alles, woran ich im Leben Freude ge- habt hatte, Flüsse und Gebirge, Meer und Wolken, Bauern bei der Ernte, und noch eine Menge schöner Dinge, an denen ich mich vergnügte. In der Mitte des Bildes aber fuhr eine ganz kleine Eisenbahn. Sie fuhr auf einen Berg los und stak mit dem Kopf schon im Berge drin wie ein Wurm im Apfel, die Lokomotive war schon in einen kleinen Tunnel eingefahren, aus dessen dunkler Rundung flockiger Rauch herauskam. […] Vor diesem Bilde stand ich einst in meinem Gefängnis, als die Wärter wieder mit ihren langweiligen Vorladungen gelau- fen kamen und mich meiner glücklichen Arbeit entreißen wollten. Da empfand ich eine Mü- digkeit und etwas wie Ekel gegen all den Betrieb und diese ganze brutale und geistlose Wirk- lichkeit. Es schien mir jetzt an der Zeit, der Qual ein Ende zu machen. […] Ohne Magie war diese Welt nicht zu ertragen. Ich erinnerte mich der chinesischen Vorschrift [des Lao Tse und des l Ging], stand eine Minute lang mit angehaltenem Atem und löste mich vom Wahn der Wirklichkeit. Freundlich bat ich dann die Wärter, sie möchten noch einen Augenblick Geduld haben, da ich in meinem Bilde in den Eisenbahnzug steigen und etwas dort nachsehen müs- se. Sie lachten auf die gewohnte Art, denn sie hielten mich für geistig gestört. Da machte ich mich klein und ging in mein Bild hinein, stieg in die kleine Eisenbahn und fuhr mit der kleinen Eisenbahn in den schwarzen kleinen Tunnel hinein. Eine Weile sah man noch den flockigen Rauch aus dem runden Loche kommen, dann verzog sich der Rauch und verflüchtigte sich und mit ihm das ganze Bild und mit ihm ich. In großer Verlegenheit blieben die Wärter zu- rück.“

Das Subjekt als Fiktionslinie

Was also von Hesse entschwand aus der Kerker- und Inquisitionsrealität? Welches gespens- tige Subjekt löste sich in flockigen Rauch auf? Die Frage rührt an unsere Vorstellung von et- was, das psychologisch als Subjekt apostrophiert wird, das – wie Lacan (1964b, 142-143) lapidar hinwirft – „nicht das lebendige […] Substrat [sei], auch nicht irgendwelche Substanz, oder ein Sein der Erkenntnis […], nicht einmal der Logos, der irgendwo Fleisch würde, son- dern das cartesianische Subjekt, das in dem Augenblick erscheint, wo der Zweifel sich als Gewissheit erkennt“. 6

So merken Schaffer & Barrows (2009) an, 1934 habe ein Thompson Stubbins, Psychiater in London, bei einer Versammlung der Gesellschaft der Freunde Sigmund Freuds unter ande- rem geäussert: „Hat schon mal jemand von Ihnen daran gedacht, dass ungefähr zur gleichen Zeit, als der Begriff Seele sich erschöpfte, Freud mit dem Ich zur Stelle war, um ihn zu erset- zen [und zum Begriff des Subjekts überzuleiten]? Der Mann hat wahrlich den passenden Zeitpunkt gewählt! Hat er nicht innegehalten, um nachzudenken? Verantwortungsloser alter Trottel! Ich glaube die Menschen quatschen so viel über das Ich [aktuell nunmehr ganz postmodern über das Subjekt], weil sie fürchten, keine Seele zu haben!“

Den Begriff des Subjekts in dieses Zitat einzufügen, rechtfertigt sich einerseits insofern, als Freud diesen Begriff durchaus gebrauchte, ihn andererseits allerdings höchst selten verwen- dete (Freud, 1915, 220; 1933, 64) und – noch – keine erkennbar ausgearbeitete Theorie des Subjekts vorlegte (Braun, 2007, 8 Fn 1). Wie die Termini technici ›Seele : Ich : Subjekt‹ be- reits andeuten, können weder die Seele noch das Ich oder das Subjekt als ‚vorhanden’ oder ‚gegeben’ betrachtet werden, sondern sind im Prozess einer kontinuierlichen soziokulturellen Produktion zu verstehen: Dabei gerät das Ich buchstäblich zum „Alibi des Subjekts“ (Borch-

6 vgl. Kobbé (2005)

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Jacobsen, 1991), indem es – auf einer „Fiktionslinie“ situiert – dem Subjekt als Bild vom Ich jene Einheit verschafft, die ihm nur über (s)ein Bild im Spiegel möglich wird (Lacan, 1949, 94). Das hier für eine punktuelle Untersuchung des menschlichen Selbstverhältnisses inte- ressierende Subjekt ist mithin keineswegs „als Endpunkt einer selbstgenügsamen Theorie“ zu situieren, sondern „stellt sich als Fluchtpunkt einer bestimmten analytischen Strategie dar“, mit der Subjektformen, -kulturen, -ordnungen daraufhin untersucht werden, „welche Formen und Modelle [hier namentlich: welche – gespenstischen – Bilder] des Subjekts, seines Körpers und seiner Psyche sie produzieren“ (Reckwitz, 2008, 11) und wie der ‚Kurzschluss’ des Bildes des eigenen Körpers im Spiegel des Ich zu verstehen ist (Braun, 2007, 145). Zu untersuchen sind also „die Beziehungen des Ich zu sich selbst, das Cogito, kurz, unsere teuerste Illusion: wie gerne sind wir nicht Subjekte! Wenn das Ich ebenso sehr Objekt wie Subjekt der Geschichte ist, wie sollen wir dann noch […] etwas begehren? Nun ja, mit dem Ich ist es wie mit allen Dingen [so auch dem Subjekt]: Es ist ein Zwischending, Agens und Actum. Es besitzt keine Unmittelbarkeit, sowenig wie die Geschichte eine Totalität“, sondern nur Geschichten kennt und hierüber „bei den Wurzeln anlangt: bei der Geschichte der Wahrheit und der Geschichte des Subjekts“ (Veyne, 1986, 46).

Im Kontext einer philosophischen Selbstbefragung als philosophisch wie psychoanalytisch (de-)formierter Psychotherapeut sucht dieser Essay eine Antwort auf die von Reckwitz (2008, 147) offen gehaltene „Frage nach der […] visuellen Konstitution von Subjektivität“ dadurch zu erhinken, dass er in Forschung und Lehre „herumschneidet“ und mit diesen Ausschnitten 7 „etwas einer Collage Analoges“ erstellt (Lacan, 1963, 201). Sprich, „Philosophie, die nicht die Hand von Geländer nimmt, ist keine Philosophie“ (Steinweg, 2013, 137).

Das Subjekt als ein Phantom, das man inter-viewt

Halten wir fest: Es geht um ein Phantom, dem eine Augenblickspräsenz eigen ist. Hier macht Koltan (2007, 253) in einer Arbeit über die legendäre Romanfigur Fantômas deutlich, für ein Verständnis dieser Figur müsse man die gängigen Vorstellungen von Subjekt insofern über- denken, als die Gegenüberstellung von bürgerlichem und postmodernem Subjekt eine Chi- märe sei. Dabei erweist sich das postmoderne Subjekt „nicht durch ›Identität‹ […], sondern durch ‚Fragmentierung’“ determiniert, „das heißt durch Rollenwechsel, Überschreitung her- kömmlicher Zuschreibungen etc., kurz den ganzen Kram, den uns cultural studies und Gen- der-Forschung bis zum Erbrechen vorgebetet haben“. Die existentielle Frage ist folglich, wie die in der Postmoderne durch das Wegbrechen traditioneller Identitäten entstehende Leere kompensiert, wie die cartesianische Formel des ›ego cogito me cogitare cogitarum‹ konter- kariert werden kann: „Ich denke (objektiviere) mich als ein Subjekt, das ein Objekt denkt. Zugleich denke ich mich als etwas, das anderes als ein Objekt ist, da ich mich selbst objekti- vieren kann. In der Selbstobjektivation überschreitet das Subjekt seinen Objekt- auf seinen Subjektstatus hin“ (Steinweg, 2013, 98).

Entsprechend ist das hier illustrierte Subjekt „weder das Individuum noch das bewusste Sub- jekt (das bewusst denkende Subjekt)“ des ›Ich denke, also …‹. „Das bewusst denkende Sub- jekt lässt sich im Großen und Ganzen nicht vom Ich unterscheiden“ (Fink, 2006, 59). Dabei erweist sich bereits das auf ein Ich verweisendes Subjekt als vielfältig, genauer: vier-fältig, nämlich durch (1) ein Ich, (2) ein Spiegel-Ich, (3) ein phantasmatisches Ichs und (4) ein ge- spiegeltes phantasmatisches Ich strukturiert, wobei die komplexe Beziehungsstruktur dieses Ichs nach der Formel n n-1 zu berechnen wäre (Mundel, 1997, 77), dies jedoch noch längst kein Bild generiert. Dies ist insofern bemerkenswert, als das Phantasma „ein Schlüsselphä- nomen zum Verständnis der Stellung des Subjekts ist, da es das Selbstverhältnis des Sub- jekts artikuliert“ (Braun, 2007, 12).

7 siehe Kobbé (2015b)

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Das Subjekt der Aussage

„Obgleich es das Ich oder Selbst ist, auf das wir uns normalerweise beziehen, wenn wir sa- gen ›Ich denke, dass …‹ oder ›Ich bin ein Mensch, der …‹, ist dieses ‚Ich’ […] nichts weiter als das Subjekt der Aussage“ (Fink, 2006, 61). Doch dieses Subjekt des Aussagens erweist sich als Subjekt des Realen als immer nur „ausgestopft“ und wird auch nur in dieser Form eines Ich be-/greifbar (Lacan, 1960, 818). So gesehen erweist sich das Subjekt als ein Abs- traktum, als ein Gespenst, das durch ephemere Eigenschaften der Flüchtigkeit statt Kontinui- tät, der Viel- statt Eindeutigkeit, der Leere statt Substanz mehr ver- statt geklärt wird. „Es ist [ein] ekstatisches Subjekt einer […] ontologischen Nacktheit und Armut, nichts als Subjekt der Leere, der Unbestimmtheit und Wesenlosigkeit. Dieses Subjekt taucht im Denken des 20. Jahrhundert als Subjekt des Unzuhause (Heidegger), als Subjekt des Unaussprechbaren (Wittgenstein), als Subjekt des Außen (Blanchot), Als Subjekt der Freiheit und des Nichts (Sartre), als Subjekt des ontologischen Mangels und des Realen (Lacan), als Subjekt des Chaos und des Werdens (Deleuze / Guattari), als Subjekt der Desubjektivierung und Selbst- sorge (Foucault), als Subjekt des Anderen (Lévinas), als Subjekt der différance (Derrida) und als Subjekt des Universellen und der Wahrheit (Badiou) auf (Steinweg, 2006, 9). Folgt man den dem Subjekt zugeeigneten Attribuierungen, entsteht der Eindruck eines Versuchs taxo- nomischer Objektivierung, bei dem „die doxa […] mit den Titeln der Theorien und Theoreme spielt wie mit Schachfiguren: New Criticism, Strukturalismus, Poststrukturalismus, Postmo- dernismus, Post-Marxismus, New Historicism usw.“ (Derrida, 1997, 7). Definitiv verabschie- det werden in jedem Fall jene Psy-Praxen der Ich-Psychologie oder Objektbeziehungstheorie, die „Freuds Subjekttheorie so harmonisiert haben, dass ihr analytischer Witz abhanden kommt“ (Reckwitz, 2008, 56), denn bereits Freud (1919) und Heidegger (1953, § 40, 184- 191; § 57, 274-280) antworten auf das Unheimliche, dann Deleuze (2007) auf das Ungeheu- re, Badiou (2005) auf das Unmenschliche, Žižek (2005) auf das Monströse. Kurzum: Das Subjekt – ob „ek-statisch bei Schelling, ex-zentrisch bei Plessner, ex-klusiv bei Luhmann“ – ist in der Postmoderne ein Mutant und „immer auf Achse, es ist immer anderswo. Das An- derswo ist das moderne Subjekt“ (Gamm, 2000, 209-210). Wie also vermag „ein Subjekt sich selbst [zu] ‚hintersinnen’?“ (Braun, 2007, 13). Unter Bezugnahme auf das hegelsche Subjekt illustriert Žižek (1994, 185 Fn 43) dessen paradoxe selbst- und rückbezügliche Logik: Es taucht durch eben diese „reflexive, selbst-relationale, Reapplikation eines logischen Opera- tors auf, wie in dem altbekannten Witz vom Kannibalen, der den letzten Kannibalen seines Stammes aufgegessen hat“. Dies erlaubt, Žižek (2014b, 136) paraphrasierend, einen laca- nianischen Witz, dessen Struktur einer symmetrischen Umkehr das Paradoxon veranschau- licht: ›Das Subjekt ist in jeder Hinsicht autonom … mit einer Ausnahme: Es existiert nicht.‹

Das Subjekt als Nobody

Das Subjekt ist, könnte man schlussfolgern, eine Art dissoziativer Nobody, ein unkörperli- ches Nichts. Worum geht es bei diesen Verschwinden des Subjekts? Lacan (1959, 368f.) beschreibt, dies erfolge in einem Moment des Schwankens angesichts einer (Auf-)Forderung («demande»), wie sie bei Hesse als Vorladung stattfindet: Das heißt, das Verschwinden des Subjekts geht seiner eigenen Konstituierung voraus. Die Geschichte des Subjekts, seiner fik- tiven Existenz, bleibt die nachträgliche Spur eines imaginierten bzw. sich imaginierenden, ei- nes erinnerten bzw. sich erinnernden Subjekts in (s)einer sich quasi materialisierenden His- torisierung. Das auftauchende und verschwindende Subjekt sei, konstatiert Steinweg (2009, 14), „als Bewohner dieser Grenze zwischen Präsenz- und Absenzbereich […], als gespensti- sche Entität“ zu verstehen. Es entsteht der Eindruck eines Mutanten, denn dieses Nichts in- karniert sich, indem es sich erdenkt, den Traum einer „Selbstevidenz“, eines „selbsttranspa- renten Cogito“ träumt (Steinweg, 2009, 36). Der Begriff der ‚Grenze’ verweist unter anderem auf die scheinbar verlässlich abgrenzbaren Kategorien von Subjekt und Objekt: „Objekt ist, was dem Subjekt entgegensteht“, konstatiert Steinweg (2009, 20 Fn 27), doch setzt er gleich hinzu, „das Entgegenstehen (griech. antíkeimei) des Objekts [sei] die Form, in der es sich dem Subjekt einschreibt. Das Objekt ist schon da. Es steht in keinem nachträglichen, zu ver- nachlässigenden Bezug zum Subjekt.“ Doch „es ist mehr als ein Subjekt, das Objekten ent-

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gegensteht“, vielmehr doch Inszenierung „einer permanenten Selbstüberschreitung“, eines Exzesses von Freiheit, in dem es „an sich selber kollabiert“ (Steinweg, 2006, 28). Mithin kann man die Objektdimension als Raum eigentlicher Subjektivität definieren, sodass es ei- nes Mindestmaßes an Resistenz des Subjekts bedarf, um sich in der objektiven Realität zu behaupten und „seinen Subjektstatus gegenüber seinem Objektstatus“ zu privilegieren (Steinweg, 2009, 7).

Das Subjekt an sich / Ding an sich

In dieser Hinsicht ist das Subjektparadigma als ‚problematisch’ zu beurteilen, insofern es im Sinne Kants um einen Begriff geht, der nicht auf dem „Dasein“ einer Sache fußt, sondern diesen „seiner bloßen Möglichkeit nach“ gedanklich entwirft (Kant, 1990b, 345, B406), „des- sen objektive Realität aber auf keine Weise erkannt werden kann“ (Kant, 1990a, 279, B310). Mithin ist das Subjekt als ge- oder erdachtes ein Noumenon, ein Ding an sich, jenseits der Phaenomena der sinnlichen Wahrnehmung, also „ein Grenzbegriff“ (Kant, 1990a, 282, B311). Es Effekt einer dem Subjekt abgewandten Seite des Objekts und per definitionem, „was nicht aufgeht, was einen Widerstand in die Lebensform einträgt“ (Steinweg, 2006, 79). Selbst als Ding bleibt, was den leeren Körper als Fläche signifizierender Einschreibung betrifft, „dieser traumatische unverdauliche Kern, als unsinnige Stütze des Sinns, das Fundamentalphan- tasma selbst“ (Žižek, 2005, 137), da sich jeder Sinn auf einen unsinnigen phantasmatischen Rahmen – als Bedingung (s)einer Unmöglichkeit, als seine Grenze – stützt. Wenn dieses Grenzsubjekt mitsamt seinem ontologischen Mangel von Silverstein (1995; 2005) ebenso minimalistisch wie konzise skizziert wird, dürften diese Cartoons für ein – das menschliche Subjekt repräsentierende – Vorstellungsbild kaum reichen:

Subjekt repräsentierende – Vorstellungsbild kaum reichen: Im figuralen Verzicht auf humanoide Darstellungen folgt
Subjekt repräsentierende – Vorstellungsbild kaum reichen: Im figuralen Verzicht auf humanoide Darstellungen folgt

Im figuralen Verzicht auf humanoide Darstellungen folgt Silverstein interessanterweise einem Credo Kandinskis, der 1931 in den Cahiers d’Art notierte, „das Zusammentreffen des spitzen Winkels eines Dreiecks mit einem Kreis [sei] von nicht geringerer Wirkung als die Berührung zwischen dem Finger Gottes und dem Adams bei Michelangelo“ (Riese, 1999, 153). Was die Berührung in der Postmoderne für dessen Subjekt bedeuten könnte, zeigt die nachfolgende Grafik:

Subjekt bedeuten könnte, zeigt die nachfolgende Grafik: Was das Subjekt als Ding an sich betrifft, handelt

Was das Subjekt als Ding an sich betrifft, handelt es sich dann allerdings doch um eine Zuschreibung – eine toolbox – von Eigenschaften, die nicht empirisch gegeben, sondern de- duktiv attribuiert sind und insofern als gedachtes Subjekt eine Art ‚Mehrwert’ darstellen. Sil- verstein demonstriert Aspekte von Alleinsein (All-eins-Sein), Wunsch, Begehren sowie von Glücks, Erfüllung, Harmonie.

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- 7 - Doch trotz ihrer Symbolik verbleiben diese Skizzen in ihrer banalen Nettigkeit auf der
- 7 - Doch trotz ihrer Symbolik verbleiben diese Skizzen in ihrer banalen Nettigkeit auf der

Doch trotz ihrer Symbolik verbleiben diese Skizzen in ihrer banalen Nettigkeit auf der Ebene jener politisch korrekten Witze, die niemanden verletzen, beleidigen, lächerlich machen oder auch nur persiflieren. Žižek (2014a, 817 Fn 41) berichtet bezeichnenderweise über eine mo- dellhafte Erzählsituation derart ‚korrekter’ Witze: Konfrontiert mit dem Joke ›Was passiert, wenn ein Dreieck einen Kreis trifft?‹ sei aus ihm herausgeplatzt: „Mir ist egal, was passiert, wenn ein Dreieck einen Kreis trifft. Der einzige Sinn eines Witzes ist, dass irgendjemand ver- letzt oder beleidigt wird!’“ Was anhand dieses Beispiels deutlich wird, ist die Tatsache, dass jedes Subjekt nicht nur Form oder Struktur ist, sondern in jedem Fall „doch ‚ein kleines Stück Realität’ braucht, irgendeinen kontingenten positiven Inhalt, der mit ‚unanständigen’ Dingen (Sex, Gewalt …) zu tun hat.“ Dennoch leistet Silverstein mit diesem Zugang zur ‚Geometrie’ des abstrahierten Subjekts einen konsequenten Beitrag. Offenbar wird dies bei einem Ab- gleich mit den humanoid-figurativen Formen, wie sie zum Beispiel Magritte mehrfach ver- wendet und deren stumme Dialoge deutlich mehr ‚menscheln’, sprich, die Herausforderung des Subjekts als ‚seltsamen Attraktor’ 8 aufgeben und Inszenierungen des einsam serialisier- ten Wesens Mensch plakatieren.

des einsam serialisier- ten Wesens Mensch plakatieren. Ein weiteres Subjekt als Ding an sich findet sich
des einsam serialisier- ten Wesens Mensch plakatieren. Ein weiteres Subjekt als Ding an sich findet sich
des einsam serialisier- ten Wesens Mensch plakatieren. Ein weiteres Subjekt als Ding an sich findet sich

Ein weiteres Subjekt als Ding an sich findet sich in einer metaphorischen Erzählung Kafkas (1919), deren ungenannter Protagonist – ein „Hausvater“ – von einem Wesen namens Odra- dek berichtet und dieses als einen hölzern wirkenden, mit verknoteten, bunten Fäden aufge- wickelten Zwirnstern beschreibt, der auf einem seiner Zacken hochkant steht. Als stabilisie- rendes Bein hat er ein an ein zu dem von der Mitte des Sterns ausgehendes Stäbchen im rechten Winkel angeordnetes zweites. Dabei wirkt Odradek trotz seiner als abgebrochen wahrgenommenen äußeren Form zugleich abgeschlossen. Dieser Eindruck von Vollkom- menheit wird dadurch unterstrichen, dass die Mutmaßung geäußert wird, Odradek könne den Protagonisten sehr wohl überleben oder gar unsterblich sein. Auch ist dieser Odradek nicht zu fangen, während er flink durch alle Häuser streunt und stets zurückkehrt. Fragt man ihn etwas, gibt er keine oder kurze Antworten und lacht auf eine Weise, wie man es ohne Lungen hervorbringen kann.

8 Baudrillard (1990)

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- 8 - Das Motiv dieses Odradek , eine Symbiose zwischen menschlichen Eigenschaften und dem Phänotyp

Das Motiv dieses Odradek, eine Symbiose zwischen menschlichen Eigenschaften und dem Phänotyp eines sinnlos erscheinenden Gegenstandes, erscheint als eine eigene, nicht ein- zuordnende, abstrakte Figur. Diese korrelative Transformation von Subjekt und Objekt trans- formiert das Subjekt zu einem alltäglichen ‚Superjekt’ (Whitehead), das „transgenerational (dem Zyklus der Generationen enthoben), unsterblich, außerhalb der Endlichkeit (weil au- ßerhalb der sexuellen Differenz), außerhalb der Zeit, ohne zielorientierte Aktivität, ohne Zweck, ohne Dienlichkeit“ ist (Žižek, 2005, 55). Entsprechend folgert Emrich (1970), es han- dele sich um ein kafkaeskes Paradoxon, indem dass Sinnvolle sinnlos werde, weil das Sinnlose das Sinnvolle überlebe. Entgegen diesem aussagelogisch geprägten Interpretationsansatz verweist der Widersinns Odradeks auf eine Paradoxie, die dem Menschen ursprünglich ist: auf das Genießen … Prägnant formuliert Lacan (1972a, 11), dass sich das Genießen wesenhaft dadurch charakterisieren lasse, dass es „dasjenige ist, das zu nichts dient“. Damit wäre Odradek die objekthafte Repräsentanz eines ‚sinnlosen’ Exzesses, eines Genießens, das „nichts anderes“ darstellt als „den Weg zum Tode“ (Lacan, 1969, 17-18). Es handelte sich somit um ein partialobjekthaftes Genießen, das nie zu erreichen, zu erlangen und zu vollenden ist, von dem das Subjekt andererseits aber auch nie loskommen, sich nie im Leben befreien kann.

Ein bilderloses Subjekt bleibt – und damit gerät es bereits zum Mythos – ein Etwas, das ‚hin- ter’ einer Vor-Stellung entschwindet … und verschwunden bleibt. Es ist jenes bildlose Bild, das nie jemand, das nie-mand sah, denn das bildloses Subjekt sähe sich – analog zum bild- losen Bild – allenfalls selbst, ohne dass ein Anderer präsent wäre, der es sehe könnte. Es ist der bewussten Imagination entzogen und – da es jenseits des Scheins kein Ding an sich gibt – ohne Reflektion, mithin Phantom ohne Spiegelung, Gespenst ohne Schatten. „Es gibt kei- ne mögliche Koinzidenz zwischen Schein und Sein“ (Vattimo, 1986, 52). Nicht darstellbar, nicht sigifizierbar, scheint dieses Subjekt an der Grenze des Sagbaren situiert zu sein, er- scheint es – überschrieben durch Sprache und Sprechen – nicht mehr.

überschrieben durch Sprache und Sprechen – nicht mehr. Das Subjekt in Raum und Zeit Was also

Das Subjekt in Raum und Zeit

Was also ist ein Subjekt? Anders gefragt: Wie stellen Sie es sich vor? Welches Bild haben Sie von ihm?

Mit dieser Nachfrage wird einerseits eine Kompetenz des Lesers gescannt, andererseits be- reits eine wesentliche Eigenschaft (je-)des Subjekts vorausgesetzt. Denn die Fragestellung thematisiert ein Vermögen, welches die Unterwerfung des Objekts der Anschauung unter das Subjekt betrifft. Hierbei erweist sich das Objekt, fungieren die Beziehungen zu anderen, als „kaum mehr […] als periphere Stützen für […] Phantasmen, Szenarien und so weiter […]. Immer wenn wir von Körpertypen, Szenarien oder Phantasmen sprechen, sprechen wir über sprachlich strukturierte Gebilde. Sie können im Geist die Gestalt von Bildern annehmen, aber sie sind zumindest zum Teil durch den Signifikanten geordnet, und damit bezeichnen und bedeuten sie wenigstens potentiell etwas“ (Fink, 2006, 32).

Die Vermittlung – oder kantianisch: Synthesis – erfolgt mittels der Einbildungskraft, die eine Schematisierung vornimmt und vor dem Hintergrund der Bedingungen von Raum und Zeit „nicht aus einem Bild, sondern aus raum-zeitlichen Beziehungen“ besteht (Deleuze, 1990, 49) und dies „nur im spekulativen Interesse“ vornimmt (Deleuze, 1990, 50). Denn die Exis- tenz eines solchen Subjekts ist nicht beweisbar, weil ein solcher Beweis nicht möglich ist:

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Das Subjekt ist „niemals mehr denn vermutet“, d. h. ein Reales (Lacan, 1975a, 37). Was De- leuze raum-zeitliche Beziehungen nennt und Lacan als oszillierendes Schwanken und Ver- schwinden des Subjekts thematisiert, wird von Bachelard 9 als ein nur momentweise existie- rendes – ek-sistierendes – Subjekt verdeutlicht: Dieses bleibt nur noch ein fest-gestelltes Phänomen, das in einer erdachten Zeit, einem gedachten Raum erstarrt (Bachelard, 2012, 110), sodass sein Subjektstatus – auf einen Moment, einen Augenblick, bezogen – ebenso begrenzt, belanglos und punktförmig wie der Zweifel es in seinen Bemühungen um Gewiss- heit ist (Lacan, 1964c, 158). 10 Das Jetzt als Grenze zwischen Beobachtbarem und Unbeob- achtbarem impliziert folglich einen Zeitpfeil, an dem entlang sich eine Erkenntnisdrift von ei- nem blinden Fleck zum nächsten, von Jetzt zu Jetzt vollzieht (Weber, 2000, 36). Das heißt, das Subjekt ist lediglich ein raum-zeitlich synthetisierter Punkt (Bachelard, 1992, 31) im Un- gleichgewicht von Vergangenheit und Zukunft (Bachelard, 1992, 52), zwischen den beiden Nichtigkeiten einer hoffenden Vergangenheit und einem längst vergangenen Zukunft (Bache- lard, 1992, 31). Es ist lediglich ein in der Schwebe befindliches Subjekt (Lacan, 1964d, 232), dessen Flüchtigkeit in jener verstümmelten gedanklichen Repräsentation gefangen ist, die einer intuitiven raum-zeitlichen Synthese entspringt und in der alle Generalisierungen ihren Ausgangspunkt haben (Bachelard, 2004, 62-63).

Im Gegensatz zur Idee, die – da sie ein Objekt besitzt – „keine Fiktion“ ist, erweist sich das Objekt der Einbildung, also das Subjekt der Einbildung, als „unbestimmt“ und „problematisch“, mithin rätselhaft (Deleuze, 1990, 54). Indem diese Einbildung „als Eingriff in die Wirklich- keit“ fungiert, reproduziert [sie in der „Freisetzung des organlosen Körpers“] nicht ein in sich geschlossenes Unbewusstes, sondern konstruiert es“ (Deleuze & Guattari, 1976, 21). Das Objekt bleibt dabei folglich ein Etwas, von dem sich das Subjekt, um sich zu konstituieren, als ein Organ abspaltet (Lacan, 1964a, 119). Insofern geht nicht nur um das Subjekt, son- dern immer zugleich um „die Bezüge zwischen der Subjektivität und ihrer Ausrucks- form“ (Guattari, 1994, 11). Die theoretischen Skizzen des Subjekts bleiben folgerichtig „gänz- lich unintuitiv“ (Fink, 2006, 9).

Das Subjekt als Exkrement

Was das psychoanalytische Subjekt Lacans betrifft, bezeichnet dessen Subjektbegriff jene Aspekte des Menschen, die weder objektivierbar (zu verdinglichen, auf eine Sache zu redu- zieren) sind noch auf objektive Weise untersucht werden können bzw. dürfen. Einen Ant- wortversuch machte einer meiner Patienten, Herr HaGeN , der spontan ein maskenhaftes Antlitz mit eingefrorenem Affekt mitbrachte (Kobbé, 2013, 6-7), das an eine Grimasse des Realen denken ließ, das wie die Attrappe eines mörderischen Abjekts 11 wirkte, das auf einen abgewehrten Angstzustand verwies (Lacan, 1973, 525). Ich begegnete einem Subjekt, das sich hinter einer Körperlichkeit ohne Organe, einem Container, der nichts als ein Nichts ent- hielt, einer Maske, die nichts – ein Nichts – zu maskieren schien.

Maske, die nichts – ein Nichts – zu maskieren schien. 9 Eine repräsentative Darstellung der

9 Eine repräsentative Darstellung der erkenntnistheoretisch auf das Subjekt bezogenen Arbeiten Bachelards findet sich in einer eigenen exegetischen Miniatur (Kobbé, 2015).

vgl. Kobbé (2008). anonymisiert 11 Das Abjekt ist definierbar als ein innerer Ort, an dem zuvor eine – in der Erinnerung – aufgelöste, verloren gegangene, affek- tiv verblasste Objektrepräsentanz ‚war’ (Kristeva, 1982); vgl. Kobbé (2006).

10

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Wenn dieses Bild das Zerr- und Abbild des Subjekts ist, dann führt das Unbewusste zu „des- sen überhöhender Stilisierung. […] Die Attrappe wird zur Gestalt, die Larve zum Gesicht, das Ornament zum Inhalt“ (Rieder, 1983, 181). Dabei „liegt, vom schönen Schein bloß überdeckt, am offenen Grund der Subjektivität ein unsägliches (unsagbares) Abjekt“ (Bergande, 2007, 193). Denn dieses sich dem Patienten aufdrängende innere Tagtraumbild ist imaginativer Container einer Art von „Affektblase“, eines Nexus von Affekten, deren bedrohliche Dynamik dadurch bestimmt ist, dass die Leerstelle des Abjekts einen „Sog“, eine „Trajektorie auf das Abjekt hin“ erzeugt (Moser, 2009, 79-80). Wenn Herr HaGeN*, diesem inneren Bild ausge- setzt, zeichnend und durch Einbringen in die therapeutische Interaktion ‚veröffentlichend’ – also externalisierend – reagiert, wird der Abwehrprozess dieser imaginativen, kreativen und interpersonellen Verarbeitung deutlich: Es handelt sich um einen transformierenden Ab- wehrmodus, der durch „intrapsychische oder besser repräsentationale Abwehren (represen- tational defenses)“ charakterisiert ist (Moser, 2009, 39). Zugleich wird erkennbar, dass die Leerstelle keineswegs ‚leer’, sondern eine ‚Affektblase’ ist, die einem negativ aufgeladenen Attraktor gleichkommt – die intrusive Vorstellung ist folglich einerseits Gefährdung, anderer- seits Schutz des Patienten, indem sich die Vor-Stellung als Artefakt ‚vor’ diese affektiv aufge- ladene Leere ‚stellt’. So originell dieses Selbstportrait eines Grenzsubjekts, eines – dessen ontologischen Mangel (re-)präsentierenden – Selbstaspekts erscheinen mag, so erschre- ckend ähnlich ist es jener clownartigen Figur des ES bei Stephen King, das den Menschen auf eine brutal leere Form, auf ein durch und durch amoralisch agierendes Subjekt des Un- bewussten reduziert bzw. konzentriert (Pessan, 2015, 87).

bewussten reduziert bzw. konzentriert (Pessan, 2015, 87). Fraglos erscheint diese/s/r Fremde auch als ein „Gag

Fraglos erscheint diese/s/r Fremde auch als ein „Gag überkompensierter Entfremdung“ (Rie- der, 1983, 181). Wenn die Grundgeste des cartesianischen Subjekts sich als eine clowneske Scheinwahrheit erweist, dann doch deshalb, weil unsere Vorstellungen nichts anderes sind als ein vor – etwas noch Unklares – gestelltes Imago, sprich, nichts anderes als ein Simu- lakrum. Der Begriff des Imagos bzw. Imaginären verweist „auf die Ebenen der Imaginationen, der Vorstellungen und Fantasien, die zugleich Vorstellungen und Fantasmen bilden. Zudem verweist er auf die Ebene des Bildhaften, der realen und der vorgestellten Bilder“ (Reckwitz, 2008, 60). Die identitätsverliebte subjektive „Befestigungsanlage“ einer idealisierten Einheit dieses vorgestellten Subjekts liefert dabei jene phantasmatische Fixierung, wie sie Lacan (1966, 607) mit einem eingefrorenen Bild auf einer Kinoleinwand vergleicht. Denn „das cartesianische Ego, das selbsttransparente Subjekt des Denkens, ist – so Žižek (1998, 12) – eine Illusion; seine Wahrheit ist dezentriert gespalten“ … und exkrementell im Sinne „Luthers berühmter Behauptung, der Mensch sei bloß das Exkrement, das aus Gottes Hintern fällt. […] Moderne Subjektivität erscheint, wenn sich das Subjekt als ‚aus den Fugen’ erfährt, als ausgeschlossen aus der ‚Ordnung der Dinge’, aus der positiven Ordnung der Entitäten. Aus diesem Grund ist das ontische Äquivalent der modernen Subjektivität inhärent exkrementell:

Es gibt keine reine Subjektivität ohne die Idee, dass ich, auf einem anderen Niveau, aus ei- ner anderen Perspektive, bloß ein Stück Scheiße bin“ (Žižek, 1998, 15).

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Das Subjekt der Abwesenheit

Das heißt, dass das Subjekt lediglich ein Signifikant, bloß die Bezeichnung jener hybris, je- ner exzessiven Geste ist, „deren Exzess gerade die universelle Ordnung begründet; sie ist der Name für die pathologische Unterwerfung, clinamen, Abweichung von der universellen Ordnung“. Sein Problem erweist sich folglich als „das des nicht ausbalancierten Exzesses, der hybris, welche die Ordnung selbst aufrechterhält“ (Žižek, 1998, 16). Das gängige Miss- verständnis besteht darin, das Subjekt sei als jene Geste oder jener Akt zu verstehen, der die ontologische Lücke nachträglich schließt. Vielmehr ‚ist’ das Subjekt eben diese Lücke, die durch die Geste der Subjektivierung geschlossen wird, und zugleich Subjektivierung als eine „irreduzible Zirkularität“ aufrecht erhält: „Mit anderen Worten, die Bemühung des Sub- jekts, die Lücke zu schließen, erzeugt nachträglich diese Lücke und hält sie aufrecht“ (Žižek, 2001, 217). „Dies ist genau der Punkt, an dem alle postmodernen, dekonstruktivistischen, poststrukturalistischen Variationen [und eben auch des Fantômas-Mythems] darüber, dass das Subjekt immer schon verschoben, dezentriert, pluralisiert usw. sei, verkennen, worum es eigentlich geht, nämlich darum, dass das Subjekt ‚an sich’ bereits der Name für eine be- stimmte radikale Verschiebung ist, eine gewisse Wunde, die in die Textur des Universums eingeschnitten ist, und dass alle seine Identifikationen letztlich immer nur gescheiterte Ver- suche sind, diese Wunde zu heilen“, da es diese – siehe oben – ständig reproduziert (Žižek, 2008, 16). Dieser Subjektstruktur liegt eine hegelianische dialektische Umkehrung zugrunde, bei der das Prädikat selbst nicht nur umgekehrt, sondern auf die Position des Subjekts ver- schoben wird: In Paraphrase eines žižekschen Gags 12 ließe sich dies wie folgt verdeutlichen:

›Ich habe das Wesen des Subjekts gefunden.‹ ›Aber das kann man nicht finden, das Sub- jekt ist dispers, verschoben …‹ ›Ja genau, die Verschiebung ist eben das Wesen des Sub- jekts.‹ Damit wird deutlich, dass dieses Subjekt nicht nur Beispiel ist, sondern die Bezeich- nung einer signifikanten Struktur. 13 Das Subjekt ist, als subjektiviertes Prädikat, diese struktu- rell eingeschriebene Verschiebung: „Das Subjekt will sich repräsentieren; die Repräsentation scheitert; das Subjekt ist dieses Scheitern seiner Repräsentation“ (Žižek, 2014a, 738).

Das Gespenst hingegen besteht dennoch in der Behauptung, das integrierte, einheitliche Subjekt sei tot und durch multiple – feministische, schwule, ethnische … – Subjekte inner- halb eines komplexen und dispersen postmodernen Universums nicht nur ersetzt, sondern in Auffüllung der Leere dieser Abwesenheit geradezu überwuchert. Immerhin variiere, merken Deleuze und Guattari (1976, 34) an, „eine Vielheit ihre Dimension nicht, ohne sich selbst zu ändern und zu verwandelt“, mithin nicht ohne die Vorstellung(en) vom Subjekt – und damit diese(s) selbst – zu modifizieren … und zu mortifizieren. „Was aber“, provoziert Žižek (1998, 18), „wenn wir genau das Gegenteil dieser herkömmlichen Operation durchführen und be- ginnen, ein Subjekt bar der Subjektivität (der Selbst-Erfahrung eines historischen Agenten, eingebettet in einen historischen Horizont der Bedeutung) zu denken? Welche Art von Mons- ter bleibt übrig, wenn wir vom Subjekt das Vermögen der Selbst-Erfahrung abziehen, wel- ches die Subjektivität begründet“, wobei von der Prämisse ausgegangen wird, „dass das cartesianische Subjekt dieses Monster ist, dass es genau dort erscheint, wo wir das Subjekt von all seinen Vermögen als ‚menschlicher Person’ ablösen“. Es erlebt eine Aufspleißung in ein Superjekt als Resultat (d. h. als objektive, öffentliche Seite) – und teleologische Selbst- schöpfung (Whitehead, 1987, 406) – eines kontinuierlichen Prozesses und in ein Subjekt als Inhalt (d. h. persönliche, ‚private’ Sphäre) dieses Prozesses (Whitehead, 1987, 524). Ange- sichts dieser strukturellen Beschreibung bleibt das Subjekt in seiner Zuschreibung eines or- ganlosen Körpers jedoch weiterhin bilderlos (Deleuze & Guattari, 1992, 207).

Das Subjekt als organloser Körper (oK) / Körper ohne Organe (KoO)

Im Spannungsfeld einer „schizoiden Preisgabe der Zwangsidentität des Subjekts und dem psychotischen Verlust der Identität“ intervenieren Deleuze und Guattari (1974) mit der Ab- sicht, das Subjekt „von seiner mortifizierenden konstitutionstheoretischen Überforderung [zu]

Žižek (2014a, 737). 13 lies auch: Signifikantenstruktur

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befreien“ (Hörisch, 1983, 21). Sie polemisieren gegen das lacansche Subjektparadigma mit der Idee eines organlosen Körpers (oK), welcher als Schizo-Körper „einen aktiven inneren Kampf anstrebt, den er selber […] gegen die Organe führt“ (Deleuze & Guattari, 1992, 207). Das darin enthaltene Agens des Begehrens impliziert entlang der Scheidelinie von Bewusst- sein und Unbewusstem ein körperloses Ego, wogegen Lacan „in einer einzigartigen Ges- te“ das Gegenteil formuliert: Gerade das Unbewusste sei die körperlose, rationale Maschine und mache den Skandal deutlich, „dass sich das Subjekt aus der konkreten Lebenswelt he- rausnimmt, sich selbst als körperlosen, rationalen Agenten (miss)versteht“ (Žižek, 1998, 14). Jeder Versuch, das Subjekt entlang einer wissenschaftlichen Bestimmungslehre in seinem Wesen zu objektivieren, empirisch zu fundieren, verläuft „in Richtung einer Artefaktibili- sierung (Artefaktwerdung) des Menschen“ (Gamm, 2000, 43). Was das Verhältnis von Kör- per und Geist betrifft, erweist sich „der Körper, nicht der Geist, den man ihm entgegenhält, [als] phantomatisch. Wie alle Gespenster ist er da ohne da zu sein, omnipräsent und ab- sent“ (Steinweg, 2013, 12).

zu sein, omnipräsent und ab- sent“ (Steinweg, 2013, 12). Wie Subjektivität materialisiert, wie der organlose Körper

Wie Subjektivität materialisiert, wie der organlose Körper als Quasi-Subjekt einen Anschein von Identität entwickelt, wird anhand des von Herrn HaGeN* mitgebrachten Albtraum- Subjekts nachvollziehbar: Das Phantasma des Körpers ohne Organe (KoO) bezieht sich, ei- nem Fetisch gleich, auf eine Ökonomie der Leere, auf ein im Nullpunkt des Todes konden- siertes Nichts, bei dem die existentielle Grenzerfahrung des Subjekts vom innen (im organlo- sen Körper) aufziehenden Tod in jenen Tod übersetzt oder verwandelt wird, der außen (auf dem organlosen Körper) eintritt (Deleuze & Guattari, 1974, 426). Sprich: „Der sich selbst denkende Körper denkt immer schon gegen sich“ (Steinweg, 2013, 13), denn das selbstbe- zogene Subjekt erweist sich insgesamt als unverfügbar, als disloziert und destituiert im Ver- hältnis zu sich.

Deutlich wird dies im Kontext der bisherigen Bilder von Herrn HaGeN*, der vor diesem or- ganlosen Körper eingangs ein verkindlichtes Selbstbild in die Therapie, dann ein idealisiertes, projektiv-identifikatorisches Bild des Therapeuten mitbrachte, ein beiden strukturell ähnliches Grenzsubjekt imaginierte, um schließlich das obige Albtraumsubjekt zu offenbaren. 14 Die

14 Dieser zwangläufig verkürzende Umgang mit den Bildern des Herrn HaGeN* berücksichtigt bzw. vertieft nicht,

o

den impliziten Auftrag an den Therapeuten mit den im Fuchs-Bild enthaltenen Bausparkassen-Slogans ›Auf diese Steine können Sie bauen‹ und ›Wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause‹;

o

die vielschichtige Identifizierungs- und Idealisierungsdynamik des Übertragungsgeschehens,

o

die Farbwahl und -interpretation mit den Gleichsetzungen von rot = „Geilheit“, blau = „Rationalität“ für das Grenzsubjekt;

o

die exhibitionistische Geste des Alptraumsubjekts mit den Aspekten eines Sich-Öffnens wie der homoerotischen Intimität in der Psychotherapie;

o

die Offenbarung eines ‚Nichts’, das scheinbar innere Leere, zugleich aber auch eine Art innerer Sog ist und das Intensi- tätskonzept des KoO bei Deleuze und Guattari stützt;

o

die – mit den Tränen im Bild des Grenzsubjekts angedeutete – Abwehr von Trauer, Aggression und Autoaggression;

o

usw. …

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Dynamik von sich allmählich erschließenden, zuletzt aufdrängenden Subjekt-Objekt- Verhältnissen folgt dabei einem als Schleier der Maya bezeichneten, frühindischen Sanskrit- texten entlehnten Modell. Anknüpfend an Kants und Schopenhauers Auseinandersetzungen mit dem – durch unbewusst geschaffene Bilder, dem Schleier der Maya – verdeckten Ding an sich versteht Lacan (1957a, 55) diesen ‚Schleier’ als eine Art „Götzenbild der Abwesen- heit“, als einen ambivalent erlebten Fetisch, der – als Repräsentanz einer Abwesenheit – diese nicht nur anzeigt, sondern mit dem das angezeigte Nichts als „Anwesenheit einer Ab- wesenheit“ (Lacan, 1957a, 157) geradezu wesenhaft existiert.

Insofern vermag die Projektion auf den imaginären Schleier der Maya das „auftreten“ zu las- sen und „bildlich darzustellen“, was (bis dahin) „jenseits des Objekts fehlt“ (Lacan, 1957b, 165), und so im vorgestellten – davor gestellten – Ding an sich das Abjekt, sprich, „den Ob- jektmangel zu verbergen“ (Lacan, 1957b, 166). 15

Ob- jektmangel zu verbergen“ (Lacan, 1957b, 166). 1 5 Wenn Freud (1923, 253) etwas lapidar feststellt,

Wenn Freud (1923, 253) etwas lapidar feststellt, das Ich sei „vor allem ein körperliches“, und dabei „nicht nur ein Oberflächenwesen, sondern selbst Projektion einer Oberfläche“, dann ist auch das Subjekt „nicht der ‚innere Kern’ eines Organismus, sondern ein Oberflächenef- fekt“ (Žižek, 2005, 162). Als Projektion einer Oberfläche zugleich körperlich zu sein, ist nur als selbstreferentieller Loop 16 , als eine Art Bootstrap 17 verstehbar, durch den – sich – „das Ergebnis (die lebende Entität) genau jene materiellen Bedingungen [schafft], die es erzeugen oder aufrechterhalten“ (Žižek, 2005, 165). Für dieses ›Jenseits des Subjekts‹ konstatiert Vat- timo (1986, 42), das Subjekt sei „keine causa prima, auf die man in dialektischer Weise zu- rückgehen könnte; es ist ein Oberflächenphänomen, und es ist, wie es [in] der Götzen- Dämmerung heißt, ‚zur Fabel geworden, zur Fiktion, zum Wortspiel’“ 18 .

Die Vorstellung eines Subjekts als Hülle, als Verkörperung von Nichts bzw. als zwar affekti- ver, sonst aber leerer Oberflächeneffekt fand sich bereits im phantasmatischen KoO, wie ihn Herrn HaGeN* vorlegte. Eine strukturell analoge Körperhülle des lacanianisch verfassten Subjekts bietet Rouvière an (Castanet & Rouvière, 2013, 63). Dabei erweist sich diese Vor- stellung – wenngleich das Subjekt ein Nobody ist – als eine vielleicht nur flüchtige, dabei al- lerdings nicht nur menschliche, sondern zudem geschlechtliche, hier weibliche, bildliche Repräsentation. Damit scheint der Entwurf von Rouvière weniger durch einen Subjektbegriff als Vorstellungsbild angeleitet, sondern mehr durch Erinnerungsbilder verleitet worden zu sein, wie sie mitunter Lautbilder evozieren: So leitet Lacans verkürzender Neologismus LOM, mit dem er das Wesen ›Mensch‹ («l’homme») grundlegend, in seiner/m Basis/Sockel/Funda- ment («LOM de base») als jenes Sprechwesen («parlêtre») markiert, das einen Körper – und

15 Die Symbolisierung – und Interpretation – des Nichts als 0 (aleph null) entspricht der Verwendung dieser Kardinalzahl bei Lacan (1972b, c). 16 loop = Schleife, Spirale 17 bootstrap = selbstaktivierendes Programm

18 Nietzsche (1888, 973)

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nur diesen einen – besitzt («LOM cahun corps et nan-na Kun»), u. U. ein gegen- und miss- verständliches Bild vom generalisierten Subjekt ein (Lacan, 1975b, 565).

Bild vom generalisierten Subjekt ein (Lacan, 1975b, 565). Das Subjekt als Simulakrum Zusammenfassend präsentiert sich

Das Subjekt als Simulakrum

Zusammenfassend präsentiert sich das Subjekt in verschiedenen Projektionsschirmen als geometrisch-facettenreiche Subjekt(re)konstruktion, als interaktionell schematisierter Pas-de- deux von Kreis und Dreieck, als Emblem kafkaesker Paradoxien, als fetischisierte Attrappe eines eingefrorenen Affekts, als monströs erstarrte Maske, mithin als Simulakrum einer Ver- körperung von Nichts, als organloser Körper bzw. entleerte Hülle mit phantasmatischem Oberflächeneffekt. Insofern bleibt das Subjekt „ein unbestimmbarer, ein unausdeutbarer An- derer“, bei dem es um eine – hier fallweise projektiv konkretisierte – Allgemeinheit geht, „die ihr Maß nicht am generalisierten Anderen, sondern am signifikanten Anderen nimmt, das heißt, an dem Anderen, der unausdeutbar ist, weil er sich von sich unterscheidet“ (Gamm, 2000, 223). Was bleibt, ist ein – vor dem Hintergrund der lacanschen Unterscheidung von Realität und Realem einzuordnender – „träge[r] Rest, der aus dem, was wir als Realität er- fahren, ausgeschlossen ist [und] im Realen der gespenstischen Erscheinung zu- rück[kehrt].“ Das Subjekt als ein unheimlicher, geheimnisvoller Rest gleiche, ups, einer Nacktschnecke, setzt Žižek (2008, 17-18) fort.

ups , einer Nacktschnecke, setzt Žižek (2008, 17-18) fort. Ihr gallertartiger Körper erscheine nicht nur als

Ihr gallertartiger Körper erscheine nicht nur als „der perfekte Figur des Realen“, sondern ma- che auch „den Anschein, als habe dieser Körper kein inneres Skelett, das ihm ein Minimum an Stabilität und Festigkeit verleiht. Seiner Hülle beraubt, ist dieser Körper ein fast formloses, schwabbeliges Etwas“ und damit „das eigentlich Widerwärtige“. Das Unheimliche des beste- he darin, dass es „etwas statt nichts“ gäbe, „wenn auch kein adäquates Etwas, sondern im- mer einen mangelhaften, verletzlichen, lächerlichen unangemessenen Körper, den Rest des verlorenen Dings.“ Dieses schleimige Abjekt des Realen sei, so weiter Žižek (2008, 18), „ge- rade das, was verloren geht, das, worauf das Individuum verzichten muss, um in seine Le- benswelt eintauchen zu können – und folglich auch das, was dann in Gestalt gespenstischer Erscheinungen wiederkehrt.“ Wie sehr es sich dabei zugleich um die Bildrepräsentanz einer ontologisch als exkrementell zu verstehenden Subjektivität handelt (und dies bezeichnen-

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derweise nur im ‚popligen’ Comic möglich ist), wird am folgenden Ausschnitt aus dem Co- micstrip Calvin und Hobbes deutlich:

aus dem Co- micstrip Calvin und Hobbes deutlich: Abgesang In seiner fraktalen ‚Unbestimmtheit’ (Gamm) und

Abgesang

In seiner fraktalen ‚Unbestimmtheit’ (Gamm) und Ungeheuerlichkeit gerät das ideelle Vehikel des postmodernen Subjekts – entgegen seinem grandiosen Selbstobjektivations-, Selbstbe- hauptungs-, Selbstverwirklichungs- und Selbstbefreiungsanspruch – zu einer Art „Trauerge- sang über das Undarstellbare / das Nicht-Behandelbare / das Nie-wieder-Gutzumachen- de“ (Rancière, 2008, 48) dieses zum opaken Simulakrum (s)eines Scheiterns geratenden Anspruchs einer avantgardistischen Philosophie. Das Subjekt des Diskurses erweist sich in einem Maß signifiziert, dass es nur (noch) die Eigenschaft eines Sprachkörpers, mithin eines Quasi-Körpers ohne Organe i. S. von ‚Wortblöcken’ (Rancière) hat. Dabei behauptet die Phi- losophie der Leere den konstitutiven Charakter des Seins als Abwesenheit, während die Phi- losophie des Simulakrums die Auslöschung jedes Bezugs zu einem ursprünglichen Original impliziert (Vattimo, 1986, 102). Wenn dabei ein Interesse – an – der Philosophie verfolgt wird, kann dieses, so Bataille (2015, 18), „im Unterschied zur Wissenschaft oder zum gesunden Menschenverstand nicht anders […], als die Abfälle der intellektuellen Aneignung positiv zu betrachten“, sprich, als das Bewusstsein exkrementellen Seins von postmodernistischem Design zu unterscheiden.

Was dazu an Bildern entsteht, gerinnt nicht nur zu einer erhabenen „Kunst des Desasters“ (Rancière, 2007, 106-107), sondern reflektiert zugleich jene der Avantgarde zugefallene „Aufgabe, das Elend des Subjekts zu bezeugen“, das von einer „einspruchslosen Unterwerfung unter das Gesetz eines Anderen“ zeugt (Rancière, 2007, 111) und diesen Widerspruch als Desaster einer Selbstentfremdung anzuerkennen hat. Rancière (2007, 123) schlussfolgert, es gehe entweder um das Desaster des Erhabenen, einer Opferung ohnehin unmöglicher Autonomie, oder um „das Desaster, das vom Vergessen dieses Desasters stammt, das Desaster des Emanzipationsversprechens“. Insofern geht es keineswegs um die Wahl zwischen desaströsen Alternativen von Lebenswelten mit oder ohne Bild, sondern um Wahlen „zwischen dem angehaltenen Strom der Bilder und einer Kaskade von ihnen“, wie sie auch „unter dem Etikett Wissenschaft versammelt sind“ (Latour, 2002, 63, 67). Angesichts des Double-binds, „entweder ein Desaster oder ein anderes Desaster“ zu ‚wählen’, angesichts solcher Unheimlichkeit des Gewöhnlichen (Cavell, 2002, 76-110) bedeutet Philosophieren, „die gespenstische Identität“ eines Subjekts ohne Identität als gedachtes Subjekt der philosophischen und psychologisch-psychoanalytischen Wissen- schaften nicht nur hin-, sondern auch insofern anzunehmen, als mit dieser Infragestellung „der Bequemlichkeit der identitären Absicherung in kulturellen, sozialen, politischen etc. Modellen [zu] widerstehen“ ist (Steinweg, 2006, 88) und – wenn denn das Subjekt nur als „Schauplatz einer permanenten Selbstdekonstruktion“ (Steinweg, 2013, 142), sprich, als Unmöglichkeit existiert – der Beunruhigung durch etwas Namenloses wie Odradek standzuhalten. Wenn Mondszain konstatiert, zwar sei die Wahrheit ihrerseits Bild/bildhaft, doch gäbe es kein Bild der Wahrheit (Latour, 2002, 10), wird deutlich, wie sehr das (post)moderne Subjektparadigma – auch – zum Inhalt hat, die Idolatrie bildlicher Selbstbeweise zu subvertieren und die Unerträglichkeit des (subjektivierenden?)

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renden?) Bilderverbots zu entlarven. Insofern legt es dieser Essay darauf an, den verbalen Wust einer inflationären Rede vom beliebigen Subjekt als solchen zu denunzieren, damit aber zugleich diese abstrakte Kategorie eines Subjekts des Unbewussten in sein Unbe- stimmtheit zu ‚retten’.

Subjekt sei, co-mentiert Steinweg (2013, 142) lapidar, „wer seinen permanenten Selbstmord überlebt“. Philosophieren heiße, kommt ihm Montaigne (1953, 60-70) zuvor, „sterben ler- nen“ …

Abbildungen 19

1 Missing Piece. Silverstein (1995) Cover.

2 Missing Piece trifft Big O. Silverstein (2005) Cover.

3 Missing Piece. Collage des Verfassers (UK). Silverstein (2005) 62-63, 68.

4 Missing Piece. Collage des Verfassers (UK). Silverstein (1995) 3, 96.

5 Berührung von Gott und Subjekt in der Postmoderne. https://www.fasihi.net/portal/fep/de/dt.jsp?setCursor=1

_228303_341044.

6 Magritte 1926 La Rencontre (Detail), 105x160, Öl auf Leinwand.

7 Magritte 1967 La traversée difficile (Detail), 46x38, Lithographie.

8 Magritte 1945 Le Colloque sentimental (Detail), 54x65, Öl auf Leinwand.

9 Odradek. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Odradek&oldid=140752221.

10 Odradek. Logo der ›Odradek Theatre Company‹. https://www.flickr.com/photos/40191214@N05/4734976152.

11 Grenzsubjekt. Herr HaGeN* 1989. Filzstift auf Papier.

12 Das Böse aus ›Es‹ (King, 2009) in Gestalt des Clowns Pennywise (Tim Curry). ABC 1990. http://www.film

junkies.de/news/stephen-kings-verfilmt-40810.html.

13 Albtraumsubjekt. Herr HaGeN* 1989. Bunt- und Bleistift auf Papier.

14 Schleier der Maya. Collage des Verfassers (UK).

15 Körperhülle. Castenet & Rouvière (2013) 63.

16 Nacktschnecke. http://www.adpic.de/lizenzfreie_bilder/Tiere/Sonstige%20Tiere/Nacktschnecke_333396.html

17 Watterson 2015 Calvin und Hobbes (Detail). Der Patriot, Jg. 167, nº 259 vom 07.11.2015.

Literatur

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