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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 5.6.2008 24. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

Polizeirazzia im Umfeld der


rechtsextremen Kamerad-
schaft „Sturm 34“
Mittweida. Wegen rechtsextremistischer
Gewaltstraftaten durchsuchte die Polizei
am 21.5. mehrere Wohnungen in der Re-
gion Mittweida. Die Ermittlungen richte-
ten sich nach Angaben des Innenministe-
riums auch gegen das Umfeld der verbo-
tenen Kameradschaft „Sturm 34“.
Seit sechs Wochen müssen sich fünf
mutmaßliche „Sturm 34“-Mitglieder we-
gen der Bildung einer kriminellen Verei-
nigung, Körperverletzung, Landfriedens-
bruchs und Volksverhetzung vor dem
Landgericht Dresden verantworten. Die
Kameradschaft war im April 2007 von
Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo
(CDU) verboten worden. Zur Begründung
hieß es damals, dass die aus 40 bis 50 Per-
sonen bestehende Gruppe mit Gewalt ge-
gen „Andersdenkende“ und Ausländer
vorgegangen sei und dabei das Ziel ver-
folgt habe, die Region Mittweida zur „na-
Proteste gegen NPD-
tional befreiten Zone“ zu machen.
Auf eine Anfrage der Landtagsabge-
ordneten Kertin Köditz zur Frage der Ver-
Parteitag in Bamberg
bindungen zwischen der Kameradschaft Mehr als 3000 Menschen ha- Während diese beiden Veranstaltun-
„Sturm 34“ und der NPD liegt inzwischen ben am 24. Mai gegen den gen friedlich verliefen, kam es am Rande
die Antwort Innenminister Buttolos vor, NPD-Bundesparteitag in Bam- einer Demonstration antifaschistischer
die nichtssagender nicht sein kann. Ja, es berg protestiert, der an diesem Tag Gruppen zu Zwischenfällen mit der Poli-
sei der Staatsregierung bekannt, NPD- (und am 25.5.) in der Kongresshalle zei, die bereits im Vorfeld eine harte Li-
Mitglieder und Funktionäre Mitglied in stattfand. nie angekündigt hatte. Nach Aussagen
der Kameradschaft waren. Die NPD be- von TeilnehmerInnen seien die Beamten
haupte aber im Internet, dasss der ehema- Es dürfe keine Toleranz für die „Feinde provozierend und aggressiv gegen die
lige Vorsitzende des Kreisverbandes Mitt- der Freiheit“ geben, so Regionalbischö- knapp 1000 AntifaschistInnen aufgetre-
weida versucht habe, mäßigend auf den fin Susanne Breit-Keßler auf dem „Fest ten. Nach Polizeiangaben wurden im
mutmaßlichen Anführer von „Sturm 34“ der Demokratie“ vor dem Rathaus, zu Verlauf des Tages 20 Personen des linken
eingewirkt. Aus Gründen der Geheimhal- dem über 1200 Menschen kamen. Eine Spektrums vorläufig festgenommen. Zu-
tung könne nicht mehr mitgeteilt werden. weitere Gegenveranstaltung mit rund dem habe es eine Reihe von Platzverwei-
Zu Recht fragt die Abgeordnete Kö- 1000 Teilnehmern fand in unmittelbarer sen gegeben. nah
ditz: „Hatte etwa auch das Landesamt für Nähe der Kongresshalle statt. Hier unter- nachrichten & Standpunkte
Verfassungsschutz Informanten im strich OB Andreas Starke (SPD), wie Nr. 5-2008, Schweinfurt ■
„Sturm 34“? Dann stellt sich endgültig die wichtig es sei, den
Frage, warum nicht viel eher gehandelt Neonazis die Stirn zu
worden ist. Dann stellt sich aber auch die zeigen und auf die Stra-
Frage nach der Art der Verwicklung des ße zu gehen. „Wir wol-
Geheimdienstes. Herr Buttolo wird in der len die Braunen nicht
nächsten Sitzung des Innenausschusses in unserer Stadt ha-
viele Fragen zu beantworten haben.“ ben“, so Starke.
Quelle: ddp u. PM Kerstin Köditz ■ Als Eigentümerin
der Halle hatte sich die
Stadt monatelang juris-
Aus dem Inhalt: tisch gegen eine Nut-
VVN-Bundeskongress tagte zung durch die NPD
in Berlin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 gewehrt, war damit
La Nouvelle droite populaire aber vor dem Bayri-
gegründet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 schen Verwaltungsge-
richtshof gescheitert.
: meldungen, aktionen
sechs Menschen wurden dabei in Ge-
wahrsam genommen. Eine junge Frau
wurde von einer von außerhalb des Kes-
„Reichsstraße“ abgemahnt gegründeten Buchversand findet man sels geworfenen vollen Bierdose am
Kaliningrad. Das örtliche Komitee der Bücher von Matthias Gaudron von der Kopf getroffen und musste in ein Kran-
ehemaligen sowjetischen Kriegsvetera- Lefebvre-„Priesterbruderschaft St. Pius kenhaus eingeliefert werden. Festge-
nen in Kaliningrad hat gegen die Eröff- X.“, dem „Opus Dei“-Mann Jürgen Li- nommen wurden auch mehrere Dutzend
nung eines Hotels unter dem Namen minski, Eva Herman, dem früheren „Cri- Hooligans, u.a. wegen Zeigen des Hitler-
„Reichsstraße“ protestiert. Ein „solch ticon“-Herausgeber Caspar von Grußes. peb ■
provokanter Name in der Stadt, in der Schrenck-Notzing und von Manfred
Tausende Soldaten wegen Nazi-Deutsch- Müller aus Neuss, einem ehemaligen Nazi–Demo am 14. Juni
land umgekommen sind, ist einfach eine NPD-Funktionär.
Lästerung“, heißt es in einer Erklärung Von 1995 bis 1997 gehörte der 1967 in stoppen!
des Komitees. Die Betreiber des an der Weimar geborene Jens Falk der Redaktion Marktheidenfeld. Laut der Internet-
Kaliningrader Bucht gelegenen Hotels der „Jungen Freiheit“ an. Dort wirkte er präsenz des Kameradschaftsbundes
streiten jeden Zusammenhang zwischen an der Umstellung der Zeitung von einer Hochfranken ist für den 14.6.2008 eine
dem Namen „Reichsstraße“ und Nazi- Monats- zur Wochenzeitung mit. Falk war Nazidemonstration in Marktheidenfeld
Deutschland ab. Die an dem Hotel vor- auch Mitautor des Buches „Wir 89er“, das geplant. Inzwischen hat die Stadt Markt-
beiführende Straße sei schon vor den Na- der damalige „Junge Freiheit“-Redakteur heidenfeld die Anmeldung des Kamerad-
zis die längste Straße Deutschlands ge- Roland Bubik 1995 beim „Ullstein-Ver- schaftsbundes Hochfranken bestätigt.
wesen. Tatsächlich wurde der Begriff lag“ herausgab. hma ■ Die antifaschistischen Kräfte vor Ort
„Reichsstraße“ erst 1934, also von den mobilisieren bereits, um am 14. Juni ei-
Nazis, eingeführt. Rechte Grüße nen kreativen und effektiven Widerstand
Das Veteranen-Komitee will diese leisten zu können.
Provokation nicht hinnehmen. Es sei Berlin. Unter den Gratulanten zum Es rufen folgende antifaschistische
schon eine „gute“ Tradition in der Stadt kürzlich in Berlin veranstalteten Gruppen aus Unterfranken auf: Würz-
geworden, die Veteranen pünktlich zum „Deutschlandtreffen“ der „Landsmann- burger Antifa Sin Patria [W]asp, Antifa-
Tag des Sieges zu beleidigen. schaft Ostpreußen“ findet man im „Ost- schistische Linke Main-Spessart [ALM],
Vor ein paar Jahren habe eine Zeitung preußenblatt/Preußische Allgemeine Zei- Antifa Main-Tauber, Autonome Antifa
den Veteranen mit einem Foto eines tung“ auch Vertreter der extremen Rech- Aschaffenburg/Miltenberg, Antifa Grup-
deutschen Tiger-Panzers „gratuliert“, er- ten. pe Schweinfurt.
innert man sich im Komitee. Es folgte „Ostpreußen – unvergessene Heimat!“ Am 14.6.2008 wird im Hof des alten
die Herausgabe eines Stadtplans mit der steht in einer Grußanzeige des „Republi- Rathauses in Marktheidenfeld ein Info-
„Horst-Wessel-Straße“, und im vergan- kaner“-Landesverbandes Niedersachsen. stand aufgebaut. Dieser dient von 10 bis
genen Jahr erhielten die Veteranen Post- „Wir Republikaner stehen zu unsern Ost- 18 Uhr als Anlaufstelle. Es wird auch
karten mit der Werbung eines Beerdi- preußen“, heißt es in der vom stellvertre- Stadtpläne und eine EA-Nummer geben.
gungsinstituts. Mittlerweile wurde der tenden Bundesvorsitzenden und zugleich Unter www.wegmitnazis.de.vu gibt es
Betreiber des Hotels von der für Verkauf Landesvorsitzenden der „Republikaner“, weitere Informationen ■
und Werbung zuständigen Abteilung der Dirk Hacaj aus Salzgitter, unterzeichne-
Gebietsverwaltung wegen des Namens ten Anzeige. Nur 2 Mandate für NPD
abgemahnt. hma ■ Die extrem rechte „Bürgerbewegung
Pro Hannover“ grüßt mit dem Satz „Ost- Schleswig-Holstein. Bei den Kommu-
„Abtreibungsmoratorium“ preußen: Heimat – in Treue fest“. Der nalwahlen in Schleswig-Holstein am 25.
„Pro Hannover“-Aktivist Christian Per- Mai konnte die NPD mit 4717 Stimmen
gefordert brandt war einst Vertriebenenbeauftrag- nur 0,4 % erreichen. Allerdings ist sie
Münster. „Abtreibungsmoratorium – ter der „Republikaner“. hma ■ durch Überhangmandate mit einem Ab-
Jetzt !“ fordert Jens Falk aus Münster in geordneten, Hermann Gutsche, in den
Anzeigen u.a. in der rechten Berliner „Kategorie C“-Konzert in Stadtrat von Kiel eingezogen. Kay Oelke
Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und zi- wurde Kreisrat in Lauenburg. „Ein über-
tiert den Berlusconi-nahen Chefredak- Moers zeugender Wahlsieg sieht anders aus“ –
teur der italienischen Tageszeitung „Il Moers. Bis zu 800 Hooligans aus dem räumt selbst NPD-Landessprecher Jörn
Foglio“, Giuliano Ferrara, der im De- gesamten Bundesgebiet besuchten am Lemke in seiner Stellungnahme ein. Man
zember 2007 ein Moratorium gegen das 23. Mai ein Konzert der Band „Kategorie werde in der nächsten Zeit „den Struk-
„Blutbad an Unschuldigen“ gefordert C“ („Kategorie C“ ist die Bezeichnung turausbau vorantreiben“ und sich „ver-
hatte. der Polizei für gewaltbereite Hooligans) mehrt in die kommunalen Belange“ ein-
Der offene Brief an Bundeskanzlerin im Moerser Club „Coyote“. Gegen das mischen. u.b. ■
Merkel, in dem quasi die Verankerung Konzert protestierten AntifaschistInnen
des Abtreibungsverbots in Grundgesetz aus Moers und umliegenden Städten mit Stolpersteine für ermordete
und der Allgemeinen Erklärung der einer Kundgebung und einer Demonstra-
Menschenrechte gefordert wird, findet tion. Dabei kam es immer wieder zu Juden geschändet
auch beim Generalsekretär der „Deut- Übergriffen von rechten Hooligans auf Schweinfurt. Offenbar in der Nacht
schen Evangelischen Allianz“, Hartmut TeilnehmerInnen der antifaschistischen zum 8. Mai 2008 wurden in der Unteren
Steeb, Unterstützung. Kundgebung, an der bis zu 150 Men- Markstraße in Hildburghausen vier Stol-
Nebenher ist Falk, der freiberuflich für schen teilnahmen. Nachdem die geplante persteine beschmiert. Unter großer öf-
Buch-, Zeitungs- und Zeitschriftenverla- Demonstration nach Aussagen Moerser fentlicher Anteilnahme hatte der Kölner
ge arbeitet, Herausgeber des katholi- AntifaschistInnen wegen der Schikanen Künstler Gunter Demnig erst am 5. Mai
schen Internetmagazins „Katholisches – der Polizei nicht durchgeführt werden 2008 die ersten 14 Stolpersteine verlegt.
Magazin für Kirche und Gesellschaft“ konnte, wurde ein Teil der abziehenden Damit wurden die Opfer des Nationalso-
und betreibt eine Webseite zum Thema AntifaschistInnen von der Polizei mehre- zialismus in der Stadt geehrt.
„Lebensrecht“. In dem kürzlich von Falk re Stunden lang eingekesselt. Mindestens weiter auf Seite 4

2 :antifaschistische nachrichten 11-2008


Bundesparteitag der NPD in Bamberg –
„ein Parteitag ohne Überraschungen“1?
Ein Parteitag ohne Überraschungen? Die Hegel-Halle war von der NPD auf juristi- Parteivorsitz
Antwort auf diese Frage lautet: ja und schem Wege erstritten worden. Der Pro- Udo Voigt 90,02 %
nein.2 test des Oberbürgermeisters von Bam-
Keine Überraschung ist es, dass der berg Andreas Starke (SPD) sowie ein Stellvertreter
Parteivorsitzende Udo Voigt nach wo- „Fest der Demokratie“ beeindruckte die Sascha Rossmüller 82,7 %
chenlangen personellen Debatten über Parteitagsdelegierten wenig. Holger Apfel 75,5 %
seine potentiellen Nachfolger (Udo Pa- Keine Überraschung ist es auch, dass Jürgen Rieger 74,9 %
störs3, Andreas Molau4, Holger Apfel5 in den öffentlichen Verlautbarungen des Peter Marx 67,0 %
und andere Namen sind dabei genannt Parteitages der NPD betont wurde, dass (nicht gewählt)
worden) in Bamberg zum Parteivorsit- es gegenüber den so genannten Freien
zenden wiedergewählt wurde- und dies Kräften (Kameradschaften) keinerlei Beisitzer
mit dem herausragenden Ergebnis von Konflikte, sondern mit ihnen inhaltlich Dr. Olaf Rose 88,2 %
90,02 % Stimmen der Delegierten. wie im Vorgehen weitgehende Überein- Jörg Hähnel 78,9 %
Klaus Beier 77,2 %
Frank Schwerdt 76,1 %
Jens Pühse 72,4 %
Stella Hähnel 71,9 %
Udo Pastörs 71,5 %
Jürgen Gansel 71,1 %
Manfred Börm 69,7 %
Peter Marx 68,0 %
Andreas Molau 66,5 %
Stefan Köster 66,2 %
Eckart Bräuniger 64,9 %
Ulrich Eigenfeld 61,8 %
Thorsten Heise 53,1 %

In seinem Schlusswort7 zum Parteitag


betonte der wiedergewählte Parteivorsit-
zende Udo Voigt das Festhalten am
Grundkurs der Partei. Er rief zu einer
„weiteren Schärfung des sozialen Profils
der NPD“ auf, bezeichnete DIE LINKE.
als Hauptgegner und behauptete, dass
man soziale Verantwortung nur in einer
In Bamberg war, nach den Wahlnie- stimmung gebe. Dies überrascht ange- „Volksgemeinschaft“ wahrnehmen kön-
derlagen im Westen (Landtagswahlen in sichts der gewalttätigen Auseinanderset- ne, „nationaler Sozialismus“ sei mach-
Hessen und Niedersachsen, Wahlen zur zungen am 1. Mai diesen Jahres vor al- bar. Damit knüpfte er an die Losung der
Hamburger Bürgerschaft, Kommunal- lem in Hamburg und auch bei den zahl- Kampagne der NPD an, die seit März
wahlen in Bayern), Schadensbegrenzung reichen Veranstaltungen am 8. Mai 2008, 2008 unter dem Motto „Sozial geht nur
angesagt. Nachdem der für Oktober 2007 bei denen Vertreter der so genannten national“ geführt wird.
ursprünglich für Oldenburg geplante Freien Kräften (Kameradschaften) im Horst Helas
„Programm-Parteitag“ verschoben wor- Gegensatz zu NPD-Politikern wesentlich BAG Rechtsextremismus/Antifaschis-
den war, wurde auch in Bamberg wenig militanter auftraten. Udo Voigt hatte sich mus Die LINKE. ■
über Konzeptionelles gesprochen. Viel- mehrfach von der gewaltbereiten rechts-
mehr sollte nach 12 Jahren Führung der extremistischen Szene distanziert. Anmerkungen:
NPD durch Udo Voigt suggeriert werden, Und das ist vielleicht wirklich eine 1 So die Überschrift eines Beitrages vor dem
dass die Finanzkrise der Partei und inter- Überraschung: Die Wahl des Hamburger NPD-Parteitag. Siehe: in SPIEGEL ONLINE
ne Querelen (innerhalb der Partei und im NPD-Chefs und Rechtsanwalts Jürgen vom 23.5.2008.
Verhältnis zur „Schwesterpartei“ DVU Rieger zu einem der drei Stellvertreter 2 Diese Information basiert auf der Auswertung
des Informationsdienstes IDAFAR, auf eigenem
sowie den so genannten Freien Kräften) Udo Voigts und die Verdrängung von Pe- Studium von Medienberichten sowie auf Infor-
wenig an der Führungskraft der NPD in ter Marx aus diesem Amt signalisiert ei- mationen von Kollegen der RLS und anderen
der rechtsextremistischen Szene in nen gewachsenen Einfluss militanter Partnern.
Deutschland geändert haben. Kräfte in der NPD, in ihrer Führung und 3 Udo Pastörs ist Vorsitzender der Landtagsfrak-
tion der NPD in Mecklenburg-Vorpommern.
Ehrengast des Parteitages war der als Ausdruck der Stimmung „an der Ba- 4 Der ehemalige Lehrer war Spitzenkandidat der
mehrfach vorbestrafte Holocaust-Leug- sis“. Andreas Molau hält die Wahl von NPD zu den Landtagswahlen in Niedersachsen.
ner Horst Mahler, der neuen Verurteilun- Jürgen Rieger zum stellvertretenden Par- Nach dem Wahldebakel am 27.1.2008 wurde er
gen entgegensehen muss. Der DVU-Vor- teivorsitzenden für eine „politische Kata- mit einer Anstellung als Mitarbeiter der Land-
tagsfraktion der NPD in Mecklenburg-Vorpom-
sitzende Gerhard Frey schickte ein Gruß- strophe“6. Medienberichte gehen von ei- mern „belohnt“
wort. Journalisten des ARD sowie der ner Radikalisierung der NPD aus. 5 Holger Apfel gilt als bislang stets loyaler
zur „Todfeindin“ erklärten Journalistin Die Wahlergebnisse zu den Führungs- „Ziehsohn“ von Udo Voigt; er ist Vorsitzender
der NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag.
Andrea Röpke wurde die Berichterstat- gremien der NPD im einzelnen, es waren 6 Siehe: www.npd.de, 25.5.2008.
tung aus Bamberg verwehrt. Das Statt- jeweils 223 gültige Delegierten-Stimmen 7 Siehe: www.redok.de, 25.5.2008.
finden des Parteitages in der Bamberger möglich:

: antifaschistische nachrichten 11-2008 3


Fortsetzung von Seite 2 gen die nahenden Truppen der
Die schlichten Steine wurden mit den Alliierten zu leisten und zum
Geburts- und Sterbedaten der Ermorde- „aktiven Widerstand gegen die
ten versehen und vor ihrem letzten frei Nazihenker“ aufrief. Im Geden-
gewählten Wohnsitz in die Erde verlegt. ken der Stadt Ansbach bedurfte
Die Messingschilder der Steine be- es nach der Ablehnung einer Ge-
schmutzten die Unbekannten mit Parolen denktafel durch eine konservati-
wie „6 Millionen-Lüge“ und malten Ha- ve Stadtratsmehrheit schließlich
kenkreuze darauf. der Initiative eines Schülerpro-
Mit der Aktion Stolpersteine sollen die jektes, um eine Gedenktafel am
Opfer der Nazis aus der Anonymität ge- Rathaus zu verwirklichen.
holt werden und ihr Schicksal in den Seit dem Jahr 2002 wird zu-
ehemaligen Heimatstädten konkret er- sätzlich jedes Jahr durch die
fahrbar werden. Inzwischen sind 13000 „Bürgerbewegung für Menschen-
Stolpersteine in Deutschland, Österreich, rechte“ der Robert-Limpert-Preis
Ungarn, Tschechien, Frankreich und den vergeben, mit dem couragiertes
Niederlanden verlegt. Der Künstler Gun- Handeln von Jugendlichen geehrt
ter Demnig arbeitete bei der Verlegung wird. Jedes Jahr veranstaltet der CVJM-Landesverband Hannover
der Stolpersteine in Hildburghausen mit Antifa W-Mittelfranken/Indy ■ internationale Workcamps für Jugendliche auf dem Gelände
der Stadtverwaltung und dem lokalen des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Im Lau-
fe der
Bündnis gegen Rechtsextremismus zu- Tausende Gäste feier- Jahre hat sich durch den Einsatz Jugendlicher viel bewegt –
sammen. Das Bündnis gegen Rechtsex- auf dem Gelände und in Menschen.
tremismus plant eine weitere Verlegung ten den 6. Markt der
Das Camp
von Stolpersteinen in der Stadt. nah ■ Kulturen! Wir werden in Bergen-Belsen auf dem Gelände des ehemali-
Pirna. Am 24. Mai wurde es gen Konzentrationslagers arbeiten. Hier befinden sich zahl-
bunt auf dem Pirnaer Marktplatz. reiche bauliche Reste, die in den vergangenen Jahren von Ju-
Gedenken an Robert gendlichen erforscht und vorsichtig freigelegt wurden. Diese
60 vielfältige Stände und zahlrei-
Limpert in Ansbach che Künstler und über 9.500 Objekte gilt es zu erhalten und zu pflegen. Weitere Arbeiten
im
Ansbach. Am Dienstag, den 18. April, Gästen machten den Tag zu ei- Außengelände sind in Planung. Außerdem geht es um die
erinnerte im mittelfränkischen Ansbach nem unvergesslichen Erlebnis für Weitergestaltung des Erinnerungsweges, dem 6 km langen
eine Gruppe von Antifaschisten an die jung und alt. Menschen verschie- Weg, den alle Häftlinge von der Verladerampe zum ehemali-
Ermordung von Robert Limpert, der dener Kulturen feierten ausgelas- gem Lagereingang gehen mussten. Neben den Arbeiten im
während des Naziregimes aktiven Wider- sen zu orientalischen, russischen Gelände wird im Archiv der Gedenkstätte gearbeitet, mit
stand leistete. und indischen Tänzen. Auch wa- Zeitzeugen gesprochen und über das Thema und dessen Be-
Gegen 17.30 Uhr versammelten sich ren die Taekwon-Do-Show der deutung für heute diskutiert.
Unterbingung im „Anne-Frank-Haus“ in 29313 Oldau-Ham-
auf dem Ansbacher Martin-Luther-Platz Pirnaer Schule, eine afrikanische
bühren. An- und Abreise müssen Teilnehmende selbst organi-
mehrere Antifaschisten, um vor dem Ort, Modenschau, jiddische Lieder sieren. Die Unterbringung erfolgt in Mehrbettzimmern oder
an dem vor 61 Jahren Robert Limpert er- der Sängerin Valerija Shishkova, im Zelt. Mindestalter 16 Jahre. Die Gesamtgruppe wird aus
mordet wurde, an das Schicksal des jun- eine Frisör-Show aus Decin, die max. 25 Personen bestehen. Es kommen auch Jugendliche
gen Mannes zu erinnern, der sich aktiv Trommlergruppe der Kurt- aus den Niederlanden und Belarus. Das Camp kostet 205,-
gegen die Nazidiktatur wandte. Krenz-Schule und viele weitere Euro. Mit einer Anzahlung von 50,- Euro, zahlbar nach Erhalt
In dem verteilten Flugblatt, das mit Beiträge auf zwei Bühnen zu se- der Anmeldebestätigung, wird die Anmeldung gültig.
„Gruppe 23. Februar“ unterzeichnet ist, hen. Die abwechslungsreichen Anmeldungen bis spätestens 15. Juni beim CVJM, c/o Jan-
Hinnerk Scholljegerdes, Ebkehofstraße 6, 26655 Westerste-
thematisieren die Aktivisten neben den Darbietungen und Standangebote
de, mail: cvjm-in-nds@ewetel.net an.
historischen Ereignissen vor allem das lockten dieses Jahr noch mehr Infos über: www.jugendarbeit-in-bergen-belsen.de ■
spärliche Gedenken an die Opfer des Na-
tionalsozialismus durch die Stadt Ans- ren“. In dieser wirken u. a. mit:
bach. Auch die fehlende Differenzierung Bürgerinitiative Afroeuropäische
von Opfern und Tätern im nachträgli- Familien und Ihre Freunde, AWO
chen Gedenken wird darin kritisiert. Sonnenstein, CJD Heidenau/Ju-
Am 18. April 1945 versuchte der 19- gendmigrationsdienst, Hotelfach-
jährige Student Robert Limpert, in Ans- schule Pirna, Junge Szene, Stadt
bach die vermeintliche Telefonverbin- Pirna, Aktion Zivilcourage sowie
dung des Gefechtsstands mit den Trup- mehrere Schulen unterm Dach der
pen vor der Stadt mit einer Kneifzange Pirnaer Initiative gegen Extremis-
zu durchtrennen, um so die Übernahme mus und für Zivilcourage.
der Stadt durch die US-Truppen zu be- Der Markt der Kulturen ist mitt-
schleunigen und zu vereinfachen. Dabei lerweile ein fester Bestandteil im
wurde er vom Kampfkommandanten Herzen der Stadt und setzt jedes
Ernst Meyer bemerkt und nur wenige Jahr ein deutliches Zeichen, dass
Stunden später öffentlich am Rathaus er- Menschen auf den Pirnaer Markt, als in Weltoffenheit und Demokratie in Pirna
hängt. den Jahren zuvor. Ingesamt kamen be- gemeinsam gelebt werden.
Bereits im Jahr 1943 war der damalige reits am Tag rund 7.000 Gäste. Die Planungen für den nächsten
Gymnasiast zusammen mit seinem Mit- Auch das Abendkonzert mit „The Ska- „Markt der Kulturen“ haben bereits be-
streiter Karl Hammer wegen ihrer antifa- talites“ und „Yellow Umbrella“ begeis- gonnen. Wer Ideen und Vorschläge hat,
schistischen Äußerungen vom humanis- terte. Die Ska-Götter zogen über 3.000 in der Vorbereitung für das Fest 2009
tischen Gymnasium verwiesen worden. Menschen an die große Bühne und sorg- mitmachen möchte oder tolle Beiträge
Später klebte er Plakate und verteilte ten für ausgelassene Stimmung. einbringen will, kann sich ab sofort mel-
Flugblätter, in denen er die Bevölkerung Organisiert wurde die Veranstaltung den, bei: Aktion Zivilcourage e.V.
dazu aufforderte, keinen Widerstand ge- von der Arbeitsgruppe „Markt der Kultu- www.aktion-zivilcourage.de ■

4 :antifaschistische nachrichten 11-2008


Die Bewegung NoNPD geht
weiter – Zugleich geht es ge-
gen den militarisierten Über-
Der 3. Bundeskongress der
wachungsstaat – Für die Stärkung
der VVN-BdA. Unter dem Motto „Ge-
VVN-BdA tagte in Berlin
meinsam gegen Grundrechteabbau,
Faschismus und Krieg“ tagte am 23. als Kriegsgrund ausgegeben wurde. hochbetagter NS-Opfer und auch der in-
und 24. Mai am Sitz des Verdi-Vor- Demgegenüber wurde in einem Be- direkten Opfer aus der zweiten Generati-
standes in Berlin der 3. Bundeskon- schluss die „Wiederherstellung des anti- on machten verstärkte Anstrengungen
gress der Vereinigung der Verfolgten faschistischen und antimilitaristischen notwendig. Mit Empörung wurde die
des Naziregimes – Bund der Antifa- Konsenses“ des Grundgesetzes und des vom gesamten Bundestag – mit Ausnah-
schistinnen und Antifaschisten. 160 Völkerrechts verlangt. „Die Verpflich- me der Partei DIE LINKE. – beschlosse-
Delegierte aus allen Bundesländern tung ‚Nie wieder Krieg – nie wieder Fa- ne Ablehnung aufgenommen, den kom-
und aus Lagergemeinschaften vertra- schismus‘ mit ihren beiden Seiten ist munistischen Widerstandskämpfern, die
ten rund 7.500 Mitglieder der größten wiederherzustellen.“ sowohl unter Hitler wie Adenauer poli-
traditionsreichen Verfolgten- und An- Die innerstaatliche Militarisierung tisch verfolgt wurden, die Entschädigung
tifa-Organisation. Deutschlands und den Weg zum Über- als NS-Opfer endlich zu gewähren.
wachungsstaat zu stoppen und umzukeh- In die Erinnerungs- und Gedenkstät-
Anknüpfend an die Erfahrungen der er- ren, war ein weiterer Schwerpunkt der tenarbeit wollen sich die Antifaschisten
folgreich geführten Kampagne „NoNPD
– NPD-Verbot jetzt!“ will die Organisati-
on weiter für das Verbot und die Auflö-
sung der NPD wirken, weil sie der Kris-
tallisationspunkt des Neofaschismus und
der Rechtsentwicklung sei, wie in einem
fast einstimmig angenommenen Leitan-
trag festgestellt wurde. Der Bundesaus-
schuss – höchstes Organ der Organisati-
on zwischen den Kongressen – wurde
beauftragt, die Fortsetzung der mit
175.000 Unterschriften erfolgreichen
„NoNPD-Kampagne“ mit der ergänzen-
den Losung „Kein Fußbreit den Faschis-
ten“ vorzubereiten.
Prof. Heinrich Fink bewertete die Er-
eignisse um den G8-Gipfel 2007 in Hei-
ligendamm als eine Zäsur in der Ge-
schichte des Landes. Mit Großaufgebo-
ten von Polizei und Militär und mittels
Kriminalisierung des demokratischen Musik und Infos vor der Konferenz im Foyer Foto: Peter Bach
Protestes habe der Staatsapparat einen
bisher nicht gekannten Angriff auf die Referate, wie auch der Diskussionen und der VVN-BdA weiterhin einbringen,
Bürgerrechte gestartet. Eine militarisier- Beschlüsse der Konferenz. Die Wehr- auch wenn sich die Reihen der Zeitzeu-
te Außenpolitik wurde mit Geschichtsre- pflicht sei abzuschaffen, da mit ihr und gen lichten. Neue Formen der Ge-
vision legitimiert, indem die Verhinde- mit neuen Reservistenregelungen ständig schichtsarbeit wurden erörtert. Die
rung eines neuen Auschwitz bereits 1999 bis zu einer Million Soldaten zum Ein- VVN-BdA will sich dabei der Leugnung
satz im Innern wie Äußeren des Landes der „Singularität der Naziverbrechen“
zur Verfügung stünden. Damit und mit entgegenstellen. „Wer Täter zu Opfern
neuen Regelungen zum Versammlungs- macht, wer Faschismus und Sozialismus
recht werde das Demonstrationsrecht, als Extremismus gleichsetzt, verharmlost
das Streikrecht und die freie Meinungs- die Hitler-Tyrannei und begünstigt den
äußerung eingeschränkt. „Mit der ge- Neofaschismus,“ wurde erklärt.
schürten Anti-Terror-Hysterie werden Neben Prof. Heinrich Fink aus Berlin,
an breiter Front in einem nie da gewe- der wiedergewählt wurde, ist Cornelia
senen Maße demokratische Grundrech- Kerth aus Hamburg neue Bundesvorsit-
te ausgehöhlt.“ Aktuell verlangte der zende der Organisation. Unter langem
Kongress, den Bundeswehreinsatz in starken Beifall wurden Esther Bejarano
Afghanistan zu beenden und Deutsch- (Hamburg) und Hans Lauter (Leipzig) zu
land atomwaffenfrei zu machen. Ehrenvorsitzenden der Organisation be-
Die Entschädigung und soziale Be- stimmt. Ein elfköpfiger Bundesspreche-
treuung aller Opfer des Faschismus rinnen und Bundessprecherkreis wird als
wurde demonstrativ wieder in den Vor- Bundesvorstand tätig. Cornelia Kerth be-
dergrund der Tätigkeit der VVN-BdA endete den Kongress mit dem Aufruf,
gerückt. Eine Bundesarbeitsgemein- neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter für
schaft Sozialpolitik und Entschädigung die VVN-BdA zu gewinnen und zugleich
soll innerhalb der Bundesorganisation in breiten Bündnissen weiterhin erfolg-
geschaffen werden. Die nicht zuende reich zu wirken.
geführte Entschädigung der Zwangar-
beiterinnen und Zwangsarbeiter wie Ulrich Sander, Bundessprecher der
auch die Notwendigkeit der Betreuung VVN-BdA ■

: antifaschistische nachrichten 11-2008 5


Köln. Am 15. Mai demonstrier-
ten rund 80 AntifaschistInnen ge-
gen eine „Info-Veranstaltung“ der
„Pro Köln“ zeigt sein
sogenannten Bürgerbewegung „Pro
Köln“ zum Bau der Moschee in Köln-
Ehrenfeld. Mobilisiert dagegen hatten
wahres Gesicht
mit nur drei Tagen Vorlaufzeit vor allem fert haben soll. Die Polizei hat davon al- glieder durch persönliche Angriffe he-
die linksjugend[`solid] und die Initiative lerdings nichts bemerkt. rabzusetzen und durch Mätzchen wie das
„Schüler gegen Rechts“. Zur „Dokumentation der linksextre- Einbringen von 25 Anträgen (von rund
Pro Köln versucht, sich als „rechtspo- men Gewalt“ hat Pro Köln ein bizarres 40) letztlich handlungsunfähig zu ma-
pulistisch und demokratisch“ darzustel- eineinhalbstündiges Video ins Netz ge- chen. Ratsmitglied Detjen von der Lin-
len. Doch am Rande der Veranstaltung stellt, dass lediglich beweist, dass sie ken verwies auf Parallelen mit den spä-
gewährten einige Rechte einen Blick da- nicht mit einer Videokamera umgehen ten zwanziger Jahren des 20. Jahrhun-
rauf, wie sie sich verhalten, wenn sie sich können. Das ausführliche Abfilmen der derts, als die Nazis nach dem gleichen
unbeobachtet fühlen. Drei junge Leute, Antifaschisten soll wohl vor allem ande- Muster den Reichstag als „Schwatzbu-
die vor der Veranstaltung einen Blick in ren Nazis signalisieren: „Auch wir kön- de“ diskreditierten. Die Bezirksvertreter
den Saal werfen wollten, wurden aufge- nen Anti-Antifa!“. verabschie
halten. Eine türkische Studentin, die Der Protest war ein guter Auftakt für deten eine
nicht fotografiert werden wollte, wurde die Mobilisierung gegen den rassisti- gemeinsame
nach eigenen Angaben geschlagen, ge- schen „Anti-Islam-Kongress“ im Sep- Resolution,
treten und zu Boden gerissen. Auch die tember. in der u. a.
beiden anderen wurden nach ihren Aus- Wer gedacht hatte, dass es sich bei den gefordert
sagen körperlich attackiert. Das Problem zum Teil tätlichen Übergriffen am 15.5. wird, der
für „Pro Köln“: bei den beiden handelte um einen Ausrutscher gehandelt habe, „Pro-Köln“-
es sich um Zivilpolizisten, die prompt wurde am 19.5. eines Schlechteren be- Fraktion ei-
Anzeige wegen Körperverletzung erstat- lehrt. nen Raum
teten. Zu Beginn der Sitzung der Bezriksver- außerhalb
An dem Angriff war laut Augenzeugen tretung Ehrenfeld hatte die SPD-Fraktion des Rathau-
auch der von der CDU übergelaufene eine Aktuelle Stunde beantragt, um ge- ses zuzuwei-
Ehrenfelder Bezirksvertreter Jörg Ucker- gen die Vorkommnisse während der sen, weil vor
mann beteiligt. Insgesamt hat Pro Köln „Pro-Köln“-Veranstaltung zu protestie- allem die Be-
in den letzten Monaten den Ton ver- ren. Uckermann und seine Anhänger im zirksvertrete-
schärft und die Zusammenarbeit mit har- Saal reagierten mit Pöbeleien und Diffa- rinnen neue
ten Nazis intensiviert. mierungen gegen den Bezirksbürger- Übergriffe
Noch gibt es keine offene Kooperation meister. Zwei Frauen wurden daraufhin befürchten,
mit deutschen Stiefel-Nazis, doch beim des Saales verwiesen. wenn sie, wie
„Tag der rechten Jugend“ im belgischen Alle Fraktionen und auch die Vertrete- bei Ehren-
Antwerpen plauderten die „Pro Kölner rin der FDP verwahrten sich dagegen, amtlerinnen
mit Leuten der „Democracia Nacional“ dass Uckermann versuche, die Bezirks- üblich,
aus Spanien, der HVIM aus Ungarn und vertretung als Gremium und ihre Mit- abends oder
der „US National Alliance“, Schläger- am Wochen-
truppen mit Verbindungen zum in
Deutschland verbotenen Nazi-Netzwerk S eit einigen Monaten bereitet die rechts-
extremistische Gruppe „Pro Köln“ einen
so genannten „Anti-Islamisierungs-Kongress“
ende im Rat-
haus arbei-
„Blood & Honour“ („Blut und Ehre“). ten.
Diese illustre Gesellschaft hat Pro Köln vor und sucht dazu einen geeigneten Veran- Während
nach eigenen Angaben auch zum „Anti- staltungsort in Köln. Das freche Ansinnen der Stellung-
Islam-Kongress“ im September eingela- von „Pro Köln“, den Rat dazu zu bewegen, nahmen der
den. Außerdem auch Nick Griffin, den diese Hetzveranstaltung zu unterstützen, hat Bezirksver-
Vorsitzenden der British National Party. der Rat mit allen Stimmen außer denen der treterinnen
Die Veranstaltung selbst war ein Flop. Antragsteller entschieden abgelehnt. und Bezirks-
Zu der „Bürgeranhörung“ erschienen Die Kölner Ratsfraktion der LINKEN mach- vertreter stör-
kaum Ehrenfelder Bürger, die meisten te in einer Anfrage an die Verwaltung auf te Ucker-
der rund 50 Anwesenden waren hart ge- die geladenen internationalen Nazigrößen mann massiv
sottene Anhänger der rechten Truppe, die und Holocaust-Leugner aufmerksam und durch Zwischenrufe und Diffamierun-
sich schon eine Stunde vor Beginn im fragte die Verwaltung nach gerichtlichen gen, bis Bezirksbürgermeister Wirges
Saal befanden. Den antifaschistischen Verurteilungen der geladenen Gäste. Au- ihn nach dem dritten Ordnungsruf zum
Gegendemonstranten gelang es, den Be- ßerdem wies sie auf einen möglichen Kon- Verlassen des Saales aufforderte.
ginn der Veranstaltung durch laute flikt zur Kölner Mitgliedschaft im Städte- Auf Uckermanns Weigerung hin wur-
Sprechchöre zu stören. Die Polizei ver- bündnis gegen Rassismus hin. de die Sitzung unterbrochen und der Stö-
hinderte allerdings, dass die Demons- Schließlich wollte die Fraktion wissen, in- rer schließlich von der Polizei aus dem
tranten in den Sitzungssaal gelangen wieweit Einreiseverbote geplant und mög- Saal geführt. Danach erst und nachdem
konnten. lich sind. So erhielt vor Jahren der britische das zweite Fraktionsmitglied als „reiten-
Pro Köln reagierte auf dieses Fiasko Rechtsextremist David Irving ein Einreisever- der Bote“ von Uckermann und Co. ihre
mit lächerlichen Lügengeschichten. Aus bot. Auch der russische Neonazi Wladimir gesamten Anträge von der Tagesord-
50 Pro Köln-Anhängern wurden laut ih- Schirinowski konnte 2004 nicht in der Köln- nung streichen ließ, und selber ebenfalls
rer Website 100 Ehrenfelder Bürger. Aus Arena auftreten. die Sitzung verließ, konnte die Sitzung
dem verbalen Protest der jungen Antifa- Sobald die Antwort der Verwaltung vor- fortgesetzt werden.
schisten wurde ein „gewalttätiger links- liegt, ist sie im Internet abrufbar unter: zusammengestellt aus Platzjabbeck,
extremer Mob“, der sich angeblich Aus- www.linksfraktion-koeln.de Jörg Detjen Zeitung der Fraktion DIE LINKE. Köln
einandersetzungen mit der Polizei gelie- 4-2008 ■

6 : antifaschistische nachrichten 11-2008


Erfolgreicher und vielfältiger antifaschistischer Protest:
Über 450 auf Kundgebung +++ Extreme Rechte blamiert sich +++
völlig übertriebener Polizeieinsatz
Düsseldorf. Das Bündnis „Kein Schäfer, ein verurteilter Auschwitzleug- Verbot von Gegenprotesten. Danach dis-
Platz für Nazis“ zieht eine positi- ner aus Meerbusch, sowie diverse NPD- kreditierte sie nach einem einvernehmli-
ve Bilanz der Gegenaktivitäten Funktionäre und -Aktivisten, wie das chen Kooperationsgespräch den Anmel-
gegen die Kundgebung der extremen ehemalige NPD-Bundesvorstandsmit- der der Bündnis-Kundgebung und
Rechte zu Ehren des Freikorpskämpfers glied Martin Laus, heute NPD-Kreisvor- schließlich untersagte sie am Sonntag
und Rechtsterroristen Albert Leo Schla- sitzender Düsseldorf/Mettmann. Für die der Organisation Attac die genehmigte
geter vor dem 39er Denkmal am Reeser Lautsprechertechnik zuständig war der Mahnwache. Strategie der Polizei war
Platz. „Wir waren laut — unser Protest Frontmann der neonazistischen Rechts- Eskalation, darauf haben wir uns nicht
war für alle sichtbar und nicht zu überhö- Rock-Band „Oidoxie“, Marko Gott- eingelassen“.
ren, auch wenn die Polizei das nicht so schalk aus Dortmund, der dem Spektrum So kesselte die Polizei insgesamt vier
wollte“, so die Sprecherin des Bündnis- der neonazistischen „Freien Kamerad- Gruppen von GegendemonstrantInnen
ses, Sara Lauter. schaften“ angehört. Der Anmelder Björn ein und nahm Personen in Gewahrsam
Mehrfach ist es Menschen zudem ge- Clemens hatte diesen zuletzt in einem bzw. vorübergehend fest.
lungen, die Kundgebung der extremen Strafverfahren, u.a. wegen Volksverhet- „Wer den Krawall herbeiredet und Ge-
Rechten empfindlich zu stören. Einige zung, verteidigt. gendemonstrantInnen drangsaliert, muss
hatten sich gewaltfrei Zugang zu der Nach Ende der Kundgebungen kam es natürlich für entsprechende Zahlen sor-
Kundgebung verschafft und dort ihren für die Nazis zu erheblichen Verzögerun- gen“, so Lauter weiter. Das Bündnis
Protest ausgedrückt. Über 450 Menschen gen bei der Abreise. Zuerst weigerten dankt allen, die sich lautstark und aktiv
nahmen zeitgleich auf der nahegelegen sich die Fahrer der angeforderten Taxis, gegen die Nazis protestiert haben.
enWiese an der Gegenkundgebung des die Neonazis zu transportieren, danach Pressemitteilung 25.5.2008
Bündnisses teil und drückten lautstark wurde mehrfach deren Abreise blockiert. http://www.antifa-kok.de ■
ihren Protest aus. Scharf kritisierte Sara Lauter den Poli-
Nicht zuletzt aufgrund der Ankündi- zeieinsatz: „Zuerst wollte die Düsseldor- Auf der Webseite der VVN-BdA NRW (www.nrw.
gung von Gegenaktionen nahmen nur 32 fer Polizei unter den Teppich kehren, vvn-bda.de) ist die Rede von Jürgen Schuh, Spre-
cher der VVN Düsseldorf dokumentiert, die viele
Personen an der extrem rechten Kundge- dass Neonazis hier demonstrieren wol- Infos zur „Schlageter-Stadt“ Düsseldorf enthält.
bung teil, unter ihnen auch Joachim len. Dann drohte sie der Antifa mit dem

Bremen. Die Brüder Ostendorf


sind in der Hansestadt keine Un-
bekannten. Henrik Ostendorf ar-
Ladenschluss
beitet in Riesa für das NPD-Organ saal des Weserstadions. Mit von der Par- Brachial, Violence usw. verkauft. In der
„Deutsche Stimme“. Mit André Sage- tie sind auch Hannes Ostendorf und An- von DGB-Jugend und Standpunkt Bre-
mann führt er seit Jahren in Bremen die dré Sagemann. Zwei Angriffe auf ein Ju- men kürzlich herausgegebenen DVD
Hooliganszene an. Weiter aktiv ist er im gendzentrum folgen. Am 1. Mai versam- „Auseinander Setzen“ werden Hinter-
verbotenen Netzwerk „Blood & Ho- meln sich mehr als 1.000 Faschisten im grund und die Entstehungsgeschichte
nour“. Sein Bruder Hannes Ostendorf Hamburg zu einem ihrer größten Auf- dieser Marken und der Naziläden darge-
betreibt seit letztem Jahr das Bistro „Ba- märsche im norddeutschen Raum. „Un- stellt. Bei ihrer Vorstellung plädierte
guette de France“ in Lilienthal. Im Mai Ralph Beduhn aufgrund jahrelanger Er-
1982 wird er für den Brandanschlag auf fahrung, klare Grenzen zu setzen, rassis-
eine Flüchtlingsunterkunft an der tische und antisemitische Sprüche nicht
Schwachhauser Heerstraße verurteilt. zuzulassen. Dabei kommt es sehr auf Be-
Mit Freunden gründet er die Musikgrup- ständigkeit an.
pe „Kategorie C“. Als Kategorie C stuft Die Projektarbeit in Weyhe-Leeste be-
die Polizei die äußerst gewaltbereiten gann in einer Zeit offener rassistischer
Teile der Hooligans ein. Nach deren Auf- Gewalt und Mordanschläge zu Beginn
lösung entstehen 2004 „voll-KontaCt“ der 90er Jahre. Ein Klima der Toleranz,
und „KC-hungrige Wölfe“. Als auch die- ter ihnen waren Anhänger der rechten so Ralph Beduhns klares Bekenntnis,
se Band verboten wird, werden in Lüne- Bremer Hooligantruppe «Standarte» um kann nur entstehen, wenn man sich klar
burg vermeintliche Antifaschisten gejagt. den NPD-Anhänger Henrik Ostendorf gegen jegliche rassistische oder faschisti-
Mitbeteiligt ist auch Martin Elsner, der und Aktivisten der Bremer Landes-NPD sche Übergriffe stelle. Im April fanden
in Hastedt einen Laden unter dem Na- wie Lutz Henze und Jörg Wrieden“ (We- quer durch Bremen vier Veranstaltungen
men „Sieg oder Spielabbruch“ betreibt. serkurier, 2.5.08). von Standpunkt Bremen statt, in denen
Im Juni 2005 feiert die Hooligan-“Stan- Seit Herbst vergangenen Jahres be- die Gefahren verdeutlicht wurden, die
darte 88“ ihr 15jähriges Bestehen auf ei- schäftigt sich das Bremer Bündnis gegen sich ergeben, wenn man alles so laufen
nem Partyschiff an der Schlachte. Zeit- Rechts verstärkt mit den Aktivitäten der lässt. Das Bremer Bündnis gegen Rechts
gleich stellt die Polizei bei einer Durch- faschistischen Szene in Bremen. Anfang wird auf seinem nächsten Treffen am
suchung im „Heimdall-Shop“ des Nord- Dezember wurden Am Brill Flugblätter Donnerstag, den 29. Mai um 19:30 Uhr
bremers Lutz Henze eine CD unter dem verteilt, in denen auf den „Sportsfreund“ im Helene-Kaisen-Nachbarschaftshaus,
Titel „Zu Gast bei uns“ sicher, u.a. mit aufmerksam gemacht wurde, einen La- Am Ohlenhof 10, beraten, was gemein-
Liedern der verbotenen Gruppe „KC- den in der Faulenstraße, in dem Marten sam unternommen werden kann, damit
hungrige Wölfe“. Im Januar 2007 über- Ostendorf Kampfsportausrüstung, Body- sich niemand an das Bestehen solcher
fallen Hooligans und Neofaschisten eine buildernahrung und Kleidung der Mar- Geschäfte wie „Sportsfreund“ gewöhnt.
Feier von „Racille Verde“ im Ostkurven- ken Thor Steinar, Sport frei, Yakuza, Raimund Gaebelein ■

: antifaschistische nachrichten 11-2008 7


Naziaufmärsche im ersten Neue rechtsextreme Sammlungsbewegung am
Quartal 2008 1. Juni gegründet:
Zur Unterstützung antifaschistischer
Arbeit fragt die Fraktion DIE LINKE
von nun an quartalsweise von der Bun-
La Nouvelle droite populaire
desregierung ab, welche rechtsextre- Die französische extreme Rech- 29. März ein Gründungskomitee unter dem
men Aufmärsche es bundesweit gab. te ist seit dem Sonntag, 1. Juni provisorischen Namen ‚Initiativkomitee
Die Antwort auf unsere Anfrage für die um einen neuen organisatori- für die Neugründung’ entstanden war (vgl.
Monate Januar bis März 2008 kann auf schen „Pol“, der Kräfte um sich herum AN 08/08). Am 27. April traten die Grün-
der Website www.ulla-jelpke.de nach- zu kristallisieren versucht, reicher. Al- derköpfe erneut zusammen und nahmen
gelesen werden. lerdings dementierte Jean-François u.a. den neuen Organisationsnamen an.
Touzé, langjähriger Kader des Front Dieser enthält eine doppelte Anspielung
National (FN), der zu den führenden auf rechtsextreme Strömungen bzw. „Be-
Trotz Nazi-Morddrohungen: Köpfen des Neugründungsversuchs wegungen“ der Vergangenheit. Einerseits
Rainer Sauer ohne Polizei- zählt, die zuvor durchaus erkennbare auf die ‚Nouvelle Droite‘, also jene intel-
Absicht, eine neue politische Partei zu lektuelle Fraktion um Alain de Benoist, die
schutz
formieren. Mutmaßlich vorwiegend nach der Niederlage der extremen Rechten
Trotz mehrerer Nazi-Morddrohungen deswegen, weil der Sammlungsver- in der Phase der französischen Kolonial-
wird dem Kreissprecher der LINKEN in such nicht so schnell heranwächst, wie kriege in den späten 60er Jahren entstand
Bocholt weiterhin kein Polizeischutz ge- jene, die ihn lanciert haben, es gerne und in den 70ern für eine Neubegründung
währt. Während die bundesweite Solida- gesehen hätten. der Konzepte des rechten Lagers eintrat. In
ritätswelle für Rainer Sauer nicht abreißt den späten 70er und frühen 80er Jahren
und die Solidaritätshomepage fast 2500 Bereits mehrere Parteien „unseres Lagers“
Soli-Unterschriften gesammelt hat, inte- seien vorhanden, erklärte Touzé am Sonn-
ressiert sich die örtliche Kreispolizeibe- tag gegen 17 Uhr zum Abschluss des „na-
hörde offenbar wenig für die dramatische tionalen Konvents“, bei dem die neue
Situation in Bocholt. Die Gefährdungsla- Sammlungsbewegung unter dem Namen
ge für Rainer Sauer sei nicht konkret, ‚Nouvelle droite populaire‘ (NDP, unge-
heißt es seitens der Kreispolizei. Eine ge- fähr: Den kleinen Leuten verbundene neue
fährliche Verharmlosung der Situation, Rechte) offiziell ins Leben gerufen wurde.
meint DIE LINKE. Dazu zählte er den FN, den vor knapp
Die Liste der Angriffe und Einschüch- zehn Jahren von ihm abgespaltenen MNR
terungsversuche gegen Rainer Sauer ist (Mouvement national républicain) und den
lang. Neben dem Mordaufruf per Video- nationalkonservativen MPF (Mouvement Webseite
botschaft im Internet sind weitere Nazi- pour la France) von Philippe de Villiers auf.
Morddrohungen bei Rainer Sauer einge- Allerdings seien diese Parteien strategisch
der NDP
gangen. So bekam Rainer Sauer einen in der Sackgasse und in ihrer Entwicklung
anonymen Drohanruf, in dem ihm Waf- blockiert. Den MNR sah Touzé zudem seit
fengewalt angedroht wurde. Über diesen dem Ende Mai 08 verkündeten Abgang sei-
Anruf existiert ein Mitschnitt. nes Ex-Vorsitzenden Bruno Mégret, der setzten führende Vertreter dieser Strömung
Wenig später erhielt Rainer Sauer ei- seinen Rückzug aus dem politischen Leben auf einen Entrismus (ungefähr: Unterwan-
nen Drohbrief, in dem ausdrücklich von ankündigte, in einer tödlichen Krise ste- derungsstrategie) im konservativ-liberalen
der „Ausrottung aller Linken und Kom- cken. In dieser Situation, so Touzé, gehe es Block, bevor die Mehrzahl von ihnen sich
munisten“ die Rede ist. Unterschrieben nicht darum, den vorhandenen Parteien ein paar Jahre später beim seit 1983 zur
ist der Brief mit den Worten „Sieg Heil“. eine neue hinzuzufügen, sondern an Ideen, Massenpartei aufstrebenden FN wieder
„Müssen die Neonazis erst bewaffnet technischen Konzepten und „Lösungen“ zu fand. Der FN wiederum hatte sich seit sei-
vor der Tür Rainer Sauers stehen, bevor arbeiten. Der frühere FN-Kader wörtlich: ner Gründung im Oktober 1972 selbst als
die Polizei sich einschaltet?“, fragt die „Wir müssen darstellen, wie wir die Illega- ‚droite nationale, sociale et populaire‘ (also
NRW-Bundestagsabgeordnete der LIN- len außer Landes schaffen wollen, wie wir „Nationale, soziale und den kleinen Leuten
KEN, Ulla Jelpke und fügt hinzu: das monströse Staatsbürgerschaftrecht än- verpflichtete Rechte“) definiert. Die
„Obwohl die Zahl neofaschistischer dern und den Doppelstaatsbürgerschaften Selbstbenennung der neuen NDP spielt
Straftaten in NRW zugenommen hat, ein Ende setzen wollen. Wir müssen deut- also auf beide Bezeichnungen an.
scheinen die Behörden das Problem lich machen, wie wir aus dem Europa der Am 1. Juni um 14 Uhr also waren die
nicht ernst zu nehmen. Vielmehr wird Zwerge von Brüssel aussteigen, und vor al- Kader und Sympathisanten in den Salon ei-
versucht, das Problem herunter zu spie- lem, was wir an dessen Stelle setzen wol- nes Pariser Hotels (dem Novotel Vaugi-
len und zu verharmlosen. Wenn Drohvi- len.“ Zuvor hatte der lothringische Regio- rard) in der rue de Vaugirard, im mittelstän-
deos, Anrufe und Briefe mit Morddro- nalparlamentarier Jean-Philippe Wagner – disch geprägten 15. Bezirk im Südwesten
hungen nicht dazu führen, dass Rainer ehemals FN – vor allem auch ökonomische von Paris, einberufen. Der Raum fasste ca.
Sauer und seiner Familie Schutz gewährt „Sachkompetenz“, die er in sehr wirt- 130 Personen. Er war am Anfang annä-
wird, dann muss die Frage gestellt wer- schaftsliberalem Sinne verstanden wissen hernd und später gut gefüllt (zeitweise
den, ob die Behörden auf dem rechten mochte, eingefordert. schienen die Sitzgelegenheiten knapp zu
Auge blind sind. Aber der Reihe nach! Am vergangenen werden), wobei die Personen mit 50 Jahren
DIE LINKE. wird sich weiterhin – ob Sonntag um 14 Uhr war der Termin für den und darüber sichtbar in der Mehrheit wa-
mit oder ohne Unterstützung der Behör- „nationalen Konvent“ oder die „nationale ren. Einlasskontrollen gab es keine, nur
den – jeder Form von Neofaschismus in Zusammenkunft“ (convention nationale) mussten die Eintritt Begehrenden einen
den Weg stellen – in Bocholt, in NRW angesetzt, die den Startschuss für die Grün- Teilnahmebeitrag von sieben Euro entrich-
und überall.“ Ulla Jelpke, MdB dung der NDP geben sollte. Auf den Na- ten. Am Einlass wie später am Ausgang
Innenpolitische Sprecherin men hatte man sich in den vorangegange- wurde man geradezu genötigt, Kontaktfor-
Fraktion DIE LINKE. ■ nen Wochen geeinigt, nachdem bereits am mulare und Beitrittsgesuche auszufüllen.

8 :antifaschistische nachrichten 11-2008


München. 8.5.2008. Eine Kla- AIDA-Archiv berichtet:
geandrohung gegen die Stadt
München durch den Neonazi-
Anwalt und NPD-Funktionär Jürgen
Provokationen vor und im
Rieger, eine Strafanzeige der CSU-
Stadtratsfraktion gegen Karl Richter,
zwei Dutzend teils rassistische Anfra-
Münchner Rathaus
gen und Anträge des Stadtrats der richten, habe Richter bei der Vereidi- Die damit finanzierten Mitarbeiter dür-
„Bürgerinitiative Ausländerstop Mün- gungszeremonie die Hand nicht, wie üb- fen zudem keine erheblichen Vorstrafen
chen“ (BIA) an den Oberbürgermeis- lich, zum Schwur gehoben, sondern sie aufweisen. Damit wäre Norman Bordin
ter und die Stadtverwaltung. Schon abgewinkelt nach vorn gereckt. Viele der als von der Stadt bezahlter Mitarbeiter
wenige Tage nach Arbeitsaufnahme Anwesenden interpretierten das als ange- von Karl Richter aus dem Rennen. Die
des neu zusammengesetzten Stadt- deuteten Hitlergruß. Fotos aus Zeitungen bisherige Aufwandspauschale soll zudem
rats ist klar: Die Situation in München lassen ebenfalls diesen Eindruck aufkom- für Einzelstadträte auf 7.840 Euro jährlich
ist eine andere, seit es der neonazisti- men. Die CSU-Stadtratsfraktion be- halbiert werden, schreibt die SZ weiter.
schen, NPD-dominierten BIA Anfang schloss daraufhin, in ihrer Fraktionssit- Die Stadt begründet dies mit dem erheb-
März gelang, ein Stadtratsmandat zu zung am 7. Mai Strafantrag gegen Karl lich geringeren Aufwand, den Einzelstadt-
erringen. Stadtspitze, Stadtverwal- Richter zu stellen. räte haben, die nicht in Ausschüssen ver-
tung und die demokratischen Partei- Nicht mehr als die formalen Rechte ei- treten sind. Auch sollen diese Stadträte in
en im Rathaus suchen noch nach dem nes Stadtrates wolle man Richter zubilli- Zukunft kein Büro mehr im Rathaus er-
richtigen Weg im Umgang mit dem gen. Dies erklärte OB Ude (SPD) bereits halten. Karl Richter wiederum kündigt
Neonazi im Rathaus. wenige Tage nach der Wahl im März, als auf der Internetseite der „Bürgerinitiative
klar war, dass Richter ins Rathaus würde Ausländerstop“ „verwaltungsgerichtliche
Durchaus turbulent ging es in München be- einziehen können. Bei der ersten Vollver- Eilmaßnahmen“ wegen der Benachteili-
reits am 2. Mai vor und während der Verei- sammlung am Freitag wurde zudem eine gung der BIA gegen die Stadt München
digung des Stadtrats Karl Richter von der Änderung der Geschäftsordnung be- an. Der Neonazianwalt und NPD-Funk-
rassistischen „Bürgerinitiative Ausländers- schlossen, so dass der Ältestenrat der tionär Jürgen Rieger habe die anwalt-
top München“ zu. Vor Beginn der offziel- Stadt mit einer 4/5 Mehrheit Anfragen schaftliche Vertretung übernommen.
len Veranstaltung entrollten die NPD-Akti- und Anträge, die nach Ansicht des OB Während also am Marienplatz der
vistInnen Renate Werlberger und Roland „nach Form und Inhalt einen Missbrauch „Kampf ums Rathaus“ Teil 1 läuft, berich-
Wuttke vor dem Eingang zum Alten Rat- des Antrags- oder Fragerechts darstellen“, tet die Münchner Presse so ausführlich
haussaal ein ausländerfeindliches Transpa- zurückweisen kann. Richter reichte an wie selten zuvor. Antifaschistische Initia-
rent. Die Polizei griff erst auf Aufforderung diesem Tag 25 Anträge und Anfragen ein. tiven hätten sich diese Aufmerksamkeit
von Oberbürgermeister Christian Ude ein Etliche davon muss die Stadtverwaltung vor den Kommunalwahlen gewünscht.
und unterband die Aktion. gar nicht erst bearbeiten, weil sie keine Dringend erforderlich ist auf jeden Fall
Währenddessen verteilte ein BIA-An- kommunalen Angelegenheiten betreffen. eine erhöhte Aufmerksamkeit, eine konti-
hänger unbehelligt Flyer an gleicher Stel- Ein anderer Antrag, in dem die in Mün- nuierliche Auseinandersetzung mit den
le. Später versuchten dann Renate Werl- chen lebenden Muslime diffamiert wer- kommunalpolitischen Strategien der Neo-
berger, Norman Bordin und andere Neo- den, wurde mit Verweis auf die geänderte nazis seitens der zivilgesellschaftlichen
nazis eine antifaschistische Kundgebung Geschäftsordnung zurückgewiesen. Am Gruppen in München. Wichtig ist aber
auf dem Marienplatz mit eben diesem 6. Mai stellte Richter den Antrag leicht auch, den Widerstand gegen die neonazis-
Transparent zu provozieren. Bordin und umformuliert aufs Neue. tischen Normalisierungstrategien und den
zwei weitere Fotografen machten zudem Die Süddeutsche Zeitung vom 3./4. Protest vielfach und lautstark auf den
Aufnahmen der Anwesenden. Mai berichtet von einer Neuregelung über Straßen und Plätzen Münchens zu zeigen
Zur gleichen Zeit sorgte der BIA-Stadt- die Verteilung städtischer Gelder: Die und zwar deutlicher und zahlenmäßig
rat Karl Richter bei der Vereidigung der Aufwandspauschale für Stadträte, die kei- stärker als dies in letzter Zeit der Fall war.
neugewählten Stadträte im Alten Rathaus- ner Ausschussgemeinschaft angehören, AIDA Sonderseite „Wahlen in Bayern 2008“
saal für einen Eklat. Wie mehrere Stadträ- wurde demzufolge auf 7.840 Euro jähr- www.aida-archiv.de ■
te verschiedener Parteien und die SZ be- lich halbiert.

Am Anfang wurde eine längere Power Vorstädte, Fadela Amara. Der Zusammen- Christian Strache von der österreichischen
Point-Präsentation gezeigt, die illustrieren hang war klar und eindeutig: Alle Gezeig- FPÖ, Repräsentanten des belgisch-flämi-
sollte, worum es den Gründern der NDP ten werden laut Auffassung der Urheber schen Vlaams Belang (VB). Dies wieder-
ging. Man sah zunächst hässlich wirkende der Präsentation durch ihre „Rassenzuge- um macht einen weiteren Unterschied zum
Bilder von Immigranten, die in Zusam- hörigkeit“ definiert und sind – als Vertrete- „klassischen“ FN auf, denn Jean-Marie Le
menhang mit „kriminellen Szenen“ oder is- rinnen ihrer „Rasse“ – verantwortlich für Pen betrachtet zumindest Fini, Berlusconi
lamistischen Demonstrationen und „Has- die Umtriebe ihrer „Blutsverwandten“ und Blocher – unter der „schwarz-blauen“
spredigten“ gezeigt wurden. Ein Slogan etwa in den sozialen Problemzonen der Regierung im Jahr 2000 aber auch die da-
machte die Grundphilosophie deutlich: Banlieues (Trabantenstädte). malige FPÖ unter dem später ausgeschie-
„Nicolas Sarkozy hatte den Kärcher Nach solch „extremistischen“ Tönen ge- denen Jörg Haider – als „Systemparteien“
(Anm.: Hochdruckreiniger) versprochen – genüber Mitgliedern eines amtierenden oder „Juniorpartner des Establishments“.
Aber er hat ihnen Ministerien gegeben!“ konservativen Kabinetts, bei denen selbst Letztere, so warf Le Pen ihnen vor, ver-
Dazu wurden Bilder von drei derzeitigen Jean-Marie Le Pen heutzutage eher vor- kauften „ihre Seele für ein paar Minister-
Regierungsmitgliedern gezeigt: Rama sichtig wäre, folgte die Einblendung von sessel“. Im Anschluss wurden noch Bilder
Yadé, die (schwarze) Staatssekretärin „für Gesichtern, die im Publikum Applaus her- gezeigt, die Identifikationssymbole für die
Menschenrechte“, die im Senegal geboren vorriefen: Gianfranco Fini, Silvio Berlus- angestrebte (rassische bzw. abendländi-
wurde, Justizministerin Rachida Dati (ihre coni (samt Ehefrau), Umberto Bossi von sche) Identität zeigen sollen und im Saal
beiden Eltern stammen aus Marokko und der Lega Nord, Christoph Blocher von der durch Ah- und Oh-Rufe sowie Applaus
Algerien) und die Staatssekretärin für die ‚Schweizerischen Volkspartei’ SVP, Heinz- quittiert wurden: die Akropolis in Athen,

: antifaschistische nachrichten 11-2008 9


die keltische Kultstätte in Stonehenge, der schen Lega Nord und frühere Staatssekre- offen. Tatsächlich bietet auch sie das Bild
Mont Saint-Michel in der Normandie, die tär Mario Borgezio eine Grußbotschaft an eines Sammlungsversuchs, der zunächst
Festungsanlagen von Besançon und La Ro- die Versammlung der neuen NDP. Darin ausschließlich aus internen Widersprüchen
chelle, das angestrahlte Brandenburger Tor. kündigte er an, „die vier Minister der Lega beim FN, oder allgemein bei der (parteiför-
Gefolgt von Slogans für ein Europa, „das Nord“ in Rom würden in Bälde „eine Ini- mig) organisierten extremen Rechten, re-
sich verteidigt“, „sich seiner Identität be- tiative ergreifen, um eine Volksabstimmung sultiert. Das Echo „auf Massenebene“
wusst ist“, Einblendungen von elsässi- über den Lissaboner Vertrag (den neuen bleibt damit ungewiss.
schem Sauerkraut, Bildern von Mittelalter- EU-Vertrag, der an die Stelle des 2005 ge- Allerdings ist die Krise des FN, dessen
festivals, Traktoren, Panzern und Kampf- scheiterten Verfassungsentwurfs tritt) zu Apparat momentan nur noch in widerstrei-
flugzeugen. fordern“. Diese Ankündigung erntete brei- tende Clans und Cliquen aufgelöst er-
Doppelte Kritik am klassischen ten Applaus im Saal. scheint und die mit der ungelösten „Nach-
Profil des Front National Ferner wird dem „klassischen“ FN aber folgefrage“ an der Parteispitze verbundene
auch mangelnde Europatauglichkeit vorge- Krise derzeit nicht bewältigen kann, heute
Das durch die neue NDP gewünschte Profil worfen. Dieser Vorwurf ist zum (kleine- ungleich weiter fortgeschritten. Vom Au-
zeichnet sich also durch eine doppelte Kri- ren?) Teil auch „realpolitisch“ begründet. genschein her besteht eine gewisse Paralle-
tik am „klassischen“ FN aus. Zum Anderen verweist er aber auch auf ei- le zu dem Sammlungsversuch (vorüberge-
Einerseits wird ihm vorgeworfen, beim nen bereits älteren ideologischen Streit um hend gescheiterter Parteipolitiker), der
Thema des (offenen) Rassismus viel zu viel die Ausrichtung der französischen extre- 1991 in Deutschland vor dem Hintergrund
„Wasser in seinen Wein geschüttet“ zu ha- men Rechten, da ein Teil dieses Spektrums der Krise der „Republikaner“ (REPs) ge-
ben. Denn parteioffiziell wirbt der Front seit längerem für einen positiven Bezug so- startet wurde und an dem ehemalige Füh-
National seit den Wahlkämpfen von wohl auf die „regionale und europäische rungskader der REPs wie Harald Neubauer
2006/07 nun auch um die französischen Identität“ (die rassisch begründet wird) als oder der NPD wie Jürgen Schützinger teil-
Staatsbürger/innen migrantischer Her- auch auf die französische Nation eintritt. nahmen – unter dem Namen „Deutsche
kunft. Und Alain Soral, der Vordenker und Und sich damit vom Mainstream des klas- Liga für Volk und Heimat“. Allerdings ent-
Berufsprovokateur, der Jean-Marie und vor sischen FN, der traditionell am französi- stand aus der, global erfolglosen, DLVH
allem Marine Le Pen berät, hat schon einen schen Nationalstaat festhält, absetzt. zumindest auf örtlicher Ebene, in Köln, die
Namen für die (formell?) umworbenen So setzte sich Robert Spieler, der im Keimzelle für eine später relativ erfolgrei-
Nachwuchsfranzosen gefunden: ‚Français März – zwecks Teilnahme an der Grün- che örtliche rechtspopulistische Partei alias
de branche‘ (Franzosen vom Ast), im Ge- dung der NDP in führender Position – vom „Bürgerbewegung“ namens ‚Pro Köln‘. Si-
gensatz zu den im allgemeinen Sprachge- bisher innegehabten Vorsitz der rechtsex- cherlich vor dem Hintergrund einer man-
brauch so genannten ‚Français de souche‘ tremen Regionalpartei Alsace d’abord (El- gelnden Integrationsfähigkeit der bundes-
(wörtlich „Wurzelfranzosen“, womit im sass zuerst) zurücktrat, am Sonntag für eine weit vertretenen rechtsextremen Parteien,
Alltag die Franzosen nicht-migrantischer entsprechende Konzeption ein. Hinter ihm mögen sie nun REPs, NPD oder auch DVU
Herkunft bezeichnet werden). Eine Kon- wurde zudem auf der Leinwand durch heißen.
zeption, die bei den Hardlinern und lupen- Power Point das Motto „Verteidigen wir Der französische MNR, dessen Vorsit-
reinen Rassenideologen der extremen unsere regionalen, nationalen und europäi- zender Bruno Mégret nun Ende Mai seinen
Rechten wiederum Tobsuchtsanfälle aus- schen Identitäten“ eingeblendet. (Trotz sei- „Rückzug aus dem politischen Leben“
löst. So erklärte Pierre Vial, der wohl nazi- nes Rücktritts vom Amt scheint seine bis- (und den Antritt einer Erwerbsarbeit „bei
nächste herausragende Repräsentant der herige Formation, Alsace d’abord, 1988 einem großen Unternehmen im Ausland“)
französischen extremen Rechten und Chef aus einer regionalen Abspaltung vom FN ankündigte, sollte ursprünglich an dem
des Clubs ‚Terre et peuple‘ (Volk und Erde) hervorgegangen, an der NDP-Gründung neuen Sammlungsversuch in Gestalt der
in einer Grußbotschaft, die bei der NDP- teilzunehmen. Im Saal wurde jedenfalls NDP teilnehmen. Allerdings hat dieses Un-
Gründungsversammlung verlesen wurde auch der derzeitige Alsace d’abord-Kandi- terfangen die, inzwischen auf den Status ei-
und Beifall erntete, wörtlich: „Der Kampf dat zu einer örtlichen Wahl, Gérard Volkel ner Splittergruppe geschrumpfte, Partei –
gegen die Invasoren scheint heute durch – jaja, auch im Elsass wird rumgevölkelt – möglicherweise für ein letztes Mal – ge-
diejenigen aufgegeben zu werden, die sie durch das Podium und die applaudierenden spalten. Denn während es einen Teil des
(die Eindringlinge) als ‚Zweige des Bau- Teilnehmer begrüßt.) MNR in die neue Sammelbewegung zieht,
mes Frankreich‘ bezeichnen.“ Neben Spieler hatten etwa auch die frü- in deren Vorstand etwa das MNR-Füh-
Auf der anderen Seite wird Jean-Marie heren FN-Regionalparlamentarier im ost- rungsmitglied Yann Phélipeau sitzt, wider-
Le Pen aber auch sein „mangelnder Wille französischen Lothringen, Jean-Philippe setzt sich ein anderer Teil seiner Führungs-
zur politischen Macht“ zum Vorwurf erho- Wagner und François Ferrier, jetzt Köpfe kader dieser Orientierung und plädiert für
ben. Tatsächlich lehnt Le Pen faktisch jegli- ihrer eigenen Fraktion unter dem Namen eine (Wieder)Annäherung an den „klassi-
che Beteiligung an einer „realpolitischen“ ‚Identité nationale et tradition‘, für einen schen“ FN. Aus diesem Grunde verkünde-
Strategie der Machteroberung oder -beteili- „realistischen“ Europabezug plädiert. Wag- te z.B. Annick Martin, die Vizepräsidentin
gung, gar in einer Position als Juniorpartner ner führte dazu an, zahlreiche Arbeitneh- des MNR, die an der Gründungsveranstal-
bürgerlich-konservativer Kräfte, faktisch mer aus seiner ostfranzösischen Region ar- tung vom 1. Juni teilnehmen sollte, in einer
als Zeitverschwendung oder „Veräußerung beiteten als Grenzgänger in Luxemburg, Grußbotschaft an den Saal, dass und wa-
seiner Seele“, jedenfalls als pure Nerverei und man benötige ein Konzept für solche rum sie nicht kommen werde. „Vor dem
ab. Wie schon bei den Dissidenten um Bru- Phänomene. Der klassische FN hingegen 22. Juni“, also der nächsten nationalen Vor-
no Mégret 1994 ist auch heute dieses Motiv habe keine Konzepte und weise keine wirt- standstagung des MNR, bei der über die
der Abgrenzung von dem „machtunwilli- schaftspolitische Kompetenz auf. Ersetzung des ausscheidenden Vorsitzen-
gen oder -unfähigen“ Le Pen nach wie vor Vorläufige Bilanz den Bruno Mégret entschieden werden
aktuell. Bei den NDP-Gründern setzt man wird, nehme sie „an keiner Initiative teil,
offen auf eine Unterstützung der (und Alles in allem ähnelt diese Kritik jener, die die zu Missverständnissen führen und An-
durch die) erfolgreichen, zum Teil am Re- der MNR nach seiner Abspaltung vom stoß erregen könnte“. Wohl ein Anzeichen
gierungsgeschehen beteiligten rechtsextre- Front National im Winter 1998/99 vortrug. der tiefen Gräben, die derzeit die Füh-
men oder rechtspopulistischen Kräfte in Allerdings hat der MNR damit nie den rungsetagen des MNR durchziehen. We-
Europa. So entsandte neben anderen Figu- Durchbruch zur Massenpartei geschafft. nigstens eine rechtsextreme Formation
ren auch der Europaparlamentarier der Wird der NDP ein ähnliches Schicksal dro- dürfte also möglicherweise demnächst
norditalienischen, rassistisch-föderalisti- hen? Diese Frage ist im Augenblick noch „draufgehen“... Bernhard Schmid, Paris ■

10 :antifaschistische nachrichten 11-2008


: ausländer- und asylpolitik
dafür ein, dass auch auf anderen deut-
schen Flughäfen und in anderen EU-
Staaten unabhängige Abschiebungsbeob-
Abschiebebeobachtung am für die Jahre 2006 und 2007 vorgestellt. achtungen entstehen. Quelle: Pro Asyl ■
Flughafen PRO ASYL, der Hessische Flüchtlings-
rat und amnesty international legten ein Europäischer Gerichtshof
Frankfurt. Seit nunmehr zwei Jahren gemeinsames Statement vor.
gibt es eine Abschiebungsbeobachtung Im Rahmen der Abschiebungsbeob- erklärt EU-Drittstaaten-
am Frankfurter Flughafen. Begleitet wird achtung wurde exzessive Gewaltanwen- regelung für nichtig
die Arbeit der beiden dort eingesetzten dung von Seiten der Bundespolizei nicht Der Europäische Gerichtshof in Luxem-
Abschiebungsbeobachterinnen vom Fo- festgestellt, Problemlagen jedoch gibt es burg (EuGH) hat am 6.5. die EU-Dritt-
rum Abschiebungsbeobachtung Flugha- reichlich. Die Nichtregierungsorganisa- staatenregelung und die EU-Regelung
fen Frankfurt am Main (FAFF). Im Fo- tionen sind besorgt darüber, dass durch über sichere Herkunftsländer für nichtig
rum sind die Bundespolizei, die beiden EU-Charterabschiebungen unter Aus- erklärt (Rs. C-133/06).
großen Kirchen und drei Nichtregie- schluss der Öffentlichkeit jede Kontrolle Die EU-Listen waren schon bei Verab-
rungsorganisationen (amnesty internatio- und möglicherweise auch die geltenden schiedung der Asylverfahrensrichtlinie
nal, Hessischer Flüchtlingsrat, PRO deutschen Richtlinien unterlaufen wer- höchst umstritten. PRO ASYL, der Euro-
ASYL) vertreten. Im Rahmen einer Pres- den. Vor dem Hintergrund der zuneh- päische Flüchtlingsrat ECRE und
sekonferenz in Frankfurt wurde der Jah- menden Zahl von Flugabschiebungen per UNHCR hatten wegen dieser problema-
resbericht der Abschiebungsbeobachtung Eurocharter treten die Organisationen tischen Regelungen Ende 2005 eine Ab-
lehnung der Richtlinie gefordert.
Nachdem der Rat sie dennoch verab-
1. Aufruf zur Mobilisierung Für einen Gegengipfel und ein alternatives Fo- schiedet hatte, klagte das Europäische
rum „Migration und Entwicklung“ Parlament gegen die Richtlinie vor dem
EuGH und stützte die Klage unter ande-
Für ein offenes und solidarische Europa! rem auf Missachtung seiner Mitentschei-
dungsrechte. Jetzt hat das Parlament vor
Frankreich hat das Thema Migration zu ter dem Blickwinkel gegenseitiger Inte- dem EuGH Recht bekommen.
einer seiner Prioritäten während der fran- ressen gedacht wird: denen der Her- Insbesondere die Drittstaatenregelung
zösischen EU-Präsidentschaft im zwei- kunftsländer, der Transitländer, der Auf- stellt einen Frontalangriff auf den inter-
ten Halbjahr 2008 gemacht. Am 13. und nahmeländer und vor allem der Migran- nationalen Flüchtlingsschutz dar. Flücht-
14. Oktober trifft sich der Ministerrat der tInnen selbst. linge, die über einen solchen „sicheren
EU in Paris, um einen „Europäischen Europa verwandelt sich in eine ver- Drittstaat“ einreisen, hätten bereits an
Vertrag über Einwanderung und Asyl“ zu schlossene Festung und benutzt maßlose der Grenze abgewiesen werden können,
verabschieden. Methoden, um den Zugang zu seinem ohne dass der Asylantrag überhaupt ge-
Am 20. und 21. Oktober diesen Jahres Territorium zu verhindern und Papierlose prüft worden wäre. Die Liste mit „siche-
wird in Paris die zweite interministerielle abzuschieben. Wir wollen reagieren, um ren Herkunftsländern“ hätte ebenfalls zu
euro-afrikanische Konferenz zu Migrati- Europa nicht wieder zurück fallen zu las- einem Ausschluss vom Asylverfahren
on und Entwicklung stattfinden („Rabat sen in die finsteren Zeiten der Segregati- ohne Prüfung der Asylgründe geführt.
II“). on zwischen Staatsangehörigen und Un- Beide Regelungen sind den deutschen
Frankreich will seinen europäischen erwünschten durch die Systematisierung Ausschlüssen vom Asylrecht nach dem
Partnern Verträge vorschlagen zum „kon- von Lagern und gewaltsamer Abschie- Grundgesetz nachempfunden. Die Idee
zertierten Management der Migrations- bung. der „supersicheren Drittstaaten“ wurde
ströme und zur gemeinsamen Entwick- Wir rufen auf, teilzunehmen an einer vom damaligen Bundesinnenminister
lung“, als Modell für Verhandlungen, in großen europäischen Mobilisierung in Otto Schily in die Richtlinie hineinver-
denen auf der einen Seite Frankreich der Woche vom 13.-19. Oktober in Paris, handelt. Mit inhaltlichen Fragen des
Werbung macht für eine „immigration für eine andere Konzeption von Einwan- Flüchtlingsschutzes hat sich der EuGH
choisie“ (ausgewählte oder selektive derung und eine andere Beziehung zwi- in der heutigen Entscheidung, die sich
Einwanderung) und auf der anderen Sei- schen der EU, Afrika und dem Rest der auf formale Gründe stützt, nicht ausein-
te von den Ländern des Südens fordert, Welt. Wir organisieren zu diesem Anlass ander gesetzt.
ihre Staatsangehörigen und diejenigen einen Gegengipfel zu Fragen von Migra- PRO ASYL fordert das Europäische
aus Drittländern, die ihr Territorium tion und Entwicklung, eine große euro- Parlament auf, das nun erstrittene Recht
durchquert haben, zurückzunehmen. päische Demonstration und ein riesiges auf Mitentscheidung so zu nutzen, dass
Wir sind besorgt über den wesentlich Konzert. auf die Erstellung von EU-Listen siche-
von sicherheitspolitischen Prinzipien be- Bei der ersten Versammlung zur Vor- rer Dritt- und Herkunftsstaaten verzich-
stimmten Charakter des Umgangs mit bereitung in den Räumen des CRID wa- tet wird. Europa wird seiner Verantwor-
Migrationsströmen, über die Art und ren folgende Organisationen anwesend: tung für den internationalen Flüchtlings-
Weise, wie MigrantInnen behandelt wer- Cimade, ENDA Europe, GRDR,Alter- schutz nicht gerecht, wenn es künftig
den und über die Umsetzung ökonomi- mondes, IPAM, CRID, Emmaüs Interna- Schutzsuchende bereits an seinen Gren-
scher Entscheidungen, die den afrikani- tional, CNCD, Terre des Hommes zen in Staaten wie die Ukraine, Weiß-
schen Kontinent am Rand der Entwick- France, FAL, Observ-i-x,Peuples Soli- russland oder Libyen zurückschiebt.
lung, im Zustand der Marginalisierung daires, IDD, Gisti, UCIJ, SNUIPP, FSU, Die EU verfolgt seit Jahren die Strate-
halten, und haben deshalb entschieden, FSU – UCITT, MRAP, CIEMI /Migrati- gie der Externalisierung des Flüchtlings-
eine europäische Mobilisierung zu orga- ons Société, CGT, RESF, Migreurop, schutzes und entzieht sich immer mehr
nisieren, um die Stimmen der französi- ANAFE, Secours Catholique, Emmaüs der eigenen Verantwortung für den
schen, europäischen und afrikanischen Europe, CFDT, FASTI,ATTAC,Cedetim, Schutz von Flüchtlingen. Die heutige
Zivilgesellschaften zu Gehör zu bringen. Frères des Hommes EuGH-Entscheidung bremst den euro-
Es ist höchste Zeit, dass die Frage von Quelle: Oekum. Auslaenderarbeit HB päischen Wettlauf der Schäbigkeiten.
Migration und Entwicklung wirklich un- / list flucht@nds-fluerat.org ■ Pressemitteilung
pro Asyl v. 6.5.2008 ■

: antifaschistische nachrichten 11-2008 11


Sicht zu Migration aus dem rin nicht mit der Praxis der Altersfeststel- Angriffe auf Roma-Lager
Glashaus lung bei minderjährigen Flüchtlingskin- in Italien
dern befasst hat, wo es im Rahmen des
Berlin. In einer kleinen Anfrage (BT- Richtlinienumsetzungsgesetzes 2007 Ver- Köln/Italien. Am 13.5. stürmte eine
Drucksache 16/8347) hat sich die Bun- schärfungen gegeben hat? „Auf die Vor- rassistische Meute in Ponticelli, einem
destagsfraktion von Bündnis 90/Die Grü- bemerkung wird verwiesen“. Frau Staats- Vorort von Neapel, ein kleines Roma-
nen insbesondere nach den fehlenden In- ministerin Dr. Böhmer ist die fleischge- Camp mit 25 Hütten aus Karton und Bret-
halten im 7. Lagebericht der Beauftragten wordene Vorbemerkung, die sich die Rea- tern und fackelte es ab. Ermutigt von Ber-
der Bundesregierung für Migration, litäten erspart und ihre Funktion offen- lusconi und seinen neofaschistischen Part-
Flüchtlinge und Integration über die Lage sichtlich ganz anders interpretiert als alle nern gingen daraufhin in anderen italieni-
der Ausländerinnen und Ausländer in Vorgängerinnen und Vorgänger im Amt. schen Städten vor allem Mailand und
Deutschland erkundigt. In der Antwort Quelle: Pro Asyl – Nds. Flüchtlingsrat ■ Rom ebenfalls Lager in Flammen auf und
vom 25. März 2008 (BT-Drucksa- wurden Roma-Familien vertrieben. Der
che16/8646) finden sich erneut mehr Lü- Gericht untersagt Abschie- neue Bürgermeister von Rom, ein ehema-
cken als Antworten. Die Fragesteller hat- liges Mitglied der faschistischen Partei
ten in ihrer Vorbemerkung moniert, der 7. bung des Flüchtlingsspre- will die ca. 60 Roma-Lager in und rund
Lagebericht sei ein Paradebeispiel de- chers Mohammed Sbaih um Rom räumen. Vorzeichen gab es
skriptiver Affirmation. Man habe an vie- Thüringen. Das Verwaltungsgericht schon im letzten Jahr, als ein Roma-Lager
len Stellen lediglich Textblöcke aus dem Meiningen hat in einem Eilentscheid den in Livorno angegriffen wurde und mehre-
nationalen Integrationsplan kopiert, an- Antrag auf Aussetzung der Abschiebung re Kinder verbrannten, sowie vorher in
sonsten würden die Gesetzgebung der des Flüchtlingssprechers der Insassen des Milanese.
Großen Koalition und die Rechtspre- Lagers Katzhütte Mohammed Sbaih posi- Viele der Roma leben seit Jahrzehnten
chung referiert. Besonders deutlich werde tiv entschieden: „Dem Antragsgegner in Italien, haben Jobs. Ansonsten küm-
die Diskrepanz zu vorangegangenen Be- wird untersagt, die für den 21.5.2008 an- merten sich die linken oder rechten Regie-
richten und beim Thema Flüchtlinge. Der gekündigte Abschiebung des Antragstel- rungen um nichts: es gibt keine Woh-
aktuelle Bericht komme mit vier Seiten lers durchzuführen“. nungsversorgung, keine Sozialhilfe für
aus, während der 6. Lagebericht diesem Das Gericht traf seine vorläufige Ent- Flüchtlinge und die Schulpflicht wird
Thema immerhin noch 33 Seiten gewid- scheidung aufgrund der formal rechtli- nicht durchgesetzt.
met hatte. chen Verstöße der Behörden wie Art und Am 28. Mai flogen schon wieder Mo-
Die Antwort der Bundesregierung weist Weise der Ankündigung der Abschiebung, lotowcocktails in ein Camp bei Neapel.
aus, dass die Integrationsbeauftragte das Einziehung der gültigen Duldung etc. Bisher hat die Kölner dieser rassisti-
Bundeskanzleramt, wo die aufgewertete Über die inhaltlichen Gründe aufgrund sche Furor nicht weiter berührt. Neapel ist
Staatsministerin Dr. Maria Böhmer inzwi- rechtlicher und tatsächlicher Abschiebe- ja weit weg. Und ach die Italiener … aber
schen sitzt, kaum verlässt, um sich zu in- hindernisse hat das Gericht in seinem Ur- seit einigen Tagen kommen Roma-Flücht-
formieren. Da muss man schon froh sein, teil nicht entschieden, was aufgrund der linge aus Italien zu Hunderten nach Köln.
dass sie behauptet, immerhin Berichte von Kürze der Zeit schwierig zu prüfen gewe- Ja, was machen? Den Müll aus Neapel
Wohlfahrtsverbänden, Einzeleingaben von sen wäre. nehmen wir ja gerne gegen Bares. Aber
Betroffenen sowie die Rechtsprechung zu Deshalb besteht die Gefahr der erneu- was machen wir mit denen, die die Mafio-
lesen, auch wenn man dies mit Fug und ten Abschiebung besteht. Es muss mit si in der Regierung und in den Armenvier-
Recht auch noch bezweifeln darf. Nicht neuen Versuchen gerechnet werden. Ins- teln zum Menschenmüll erklärt haben und
besucht hat Frau Böhmer in ihrer Amtszeit besondere da sich gezeigt hat, dass einige die sie jetzt entsorgen?
Flüchtlingsunterkünfte im Flughafentran- Behörden in Thüringen, wenn sie zu Es wird sich zeigen, ob wir jetzt wie-
sit, Abschiebungshaftanstalten, Zentren Recht in die Kritik geraten, ihre Haltung der abwarten, bis die Neofaschisten in
für die Behandlung von Folteropfern. Pau- nicht korrigieren, sondern aggressiv ge- Köln ihrerseits zu Säuberungen aufrufen
schal behauptet Frau Böhmer, mit dem gen die FlüchtlingsaktivistInnen des Bara- oder ob es uns gelingt eine breite Front
Richtlinienumsetzungsgesetz seien die elf ckenlagers Katzhütte vorgehen. der Solidarität für dieses durch ganz
einschlägigen EU-Richtlinien ordnungs- Weitere Informationen: Europa hin und her getriebene Volk auf-
gemäß in nationales Recht umgesetzt wor- http://thevoiceforum.org ■ bauen können.
den, aber auf fast keinen Problembereich, Einen Eindruck von den Taten des ras-
der mit der Richtlinienumsetzung verbun- Demonstration am 5. Juni in sistischen Mobs, der sich dann auf die
den ist, geht die Bundesregierung ein. Wie Ausgestoßenen stürzt, kann man auf You
der Lagebericht der Beauftragten selber Saalfeld Tube bekommen, wenn man folgende Vi-
zitiert die Bundesregierung in der Antwort 11.30-12.30 Uhr: Solidaritätsbesuch in deos anklickt:
zu großen Teilen die Rechtslage, wo nach Katzhütte ● 14.00 Uhr Kundgebung am Roma-camp in Ponticelli (Neapel) angegriffen
ihrer Kenntnis praktischer Probleme ge- Marktplatz in Saalfeld mit offenem Mi- und in Brand:
fragt war. Die Antworten zu vielen Berei- krofon zum Thema Situation der Asylbe- http://www.youtube.com/watch?v=uiEN4Q8Ofz4
http://www.youtube.com/watch?v=x0A82zrdkKA
chen scheinen aus der Textbausteinpro- werber in Thüringen ● 16.00 Uhr De- http://www.youtube.com/watch?v=yfevEh9e5bo
duktion des Bundesinnenministeriums zu monstration zum Landratsamt Saal- http://www.youtube.com/watch?v=k9ldOswvnYU
stammen, so z.B. beim Flughafenverfah- feld/Rudolstadt http://www.youtube.com/watch?v=fsGqHiK8kVI
ren. SCHLIESST DIE BARACKEN IN http://www.youtube.com/watch?v=riLejp-K7xc
http://www.youtube.com/watch?v=3Nf1CG0lx1I
Reichlich naiv geht die Beauftragte laut KATZHÜTTE !!! Roma-camp in Mailand in Brand:
Antwort der Bundesregierung davon aus, Die Aktionen werden organisiert von The VOICE http://www.youtube.com/watch?v=_zg7BPh6iMs&fea
dass die gesetzlichen Regelungen im Rah- Refugee Forum und unterstützt von der Karawane ture=related 6
men der Prüfung von Abschiebehinder- für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen, Roma-Camps in Rom:
die bundesweit mobilisiert und Delegationen http://www.youtube.com/watch?v=QBsuqUdaL2E
nissen und bei der Durchführung von Ab- nach Katzhütte sendet. Die folgenden Organisa- http://www.youtube.com/watch?v=ai-h1DhEY-M
schiebungen beachtet werden. Wo der Be- tionen in Thüringen erklären sich solidarisch: Ak- http://www.youtube.com/watch?v=FklAdUqGrHA
auftragten bzw. der Bundesregierung zu tionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus Jena, http://www.youtube.com/watch?v=CmPaVCh-_Gc
einzelnen Fragen gar nichts mehr einfällt, Antifaschistische Aktion Saalfeld, Besetztes Haus
Erfurt, Bündnis für Integration und Dialog Saal-
wird unverfroren auf die Vorbemerkung feld, Flüchtlingsrat Thueringen, Gerberei 1, Wei- Kurt Holl
verwiesen. Warum sich die Staatsministe- mar, JAPS Jena und REFUGIO Thüringen. aus Rundbrief ROM e.V. ■

12 :antifaschistische nachrichten 11-2008


Am Dienstag, den 20. Mai ab 11
Uhr begann die, seit einiger Zeit Streik der Sans papiers: Die
angekündigte, „zweite Welle“ von
Streiks der Travailleurs sans papiers
(oder lohnabhängigen „illegalen“ Ein-
„zweite Welle“ hat begonnen
wanderer) im Raum Paris. Im Laufe des ler – Unterstützung durch ihre jeweiligen SUD-Gewerkschaften, die als Erste den
Tages traten rund 500 „Arbeitende ohne Arbeitgeber an diesem Punkt gefordert Tanz des ausgeweiteten Sans papiers-
Papiere“ in zwanzig Unternehmen in Pa- hatten, eine vorläufige Aufenthaltsge- Streik eröffneten, bei mehreren Betrie-
ris und dem Umland der Hauptstadt in nehmigung erhalten. ben des Reinigungsgewerbes. SUD-Rail
den Streik – zusätzlich zu jenen mehre- Inzwischen sind die Dinge etwas vo- und SUD-Nettoyage hatten ursprünglich
ren hundert Sans papiers, die sich seit rangekommen. So erhielten alle 8 Be- bereits für den Montag, 19. Mai „Aktio-
dem 15. April dieses Jahres im Ausstand schäftigten „ohne Papiere“ der Billigkla- nen“ zusammen mit den Sans papiers an-
befinden. Betroffen sind von dieser mottenkette Fabio Lucci im 19. Pariser gekündigt. Die Besetzung der Pizzeria
„zweiten Streikwelle“ insbesondere Rei- Bezirk, die bereits seit fast zwei Monaten „Pasta Papa“ auf den Champs-Elysées,
nigungsfirmen, Bauunternehmen sowie im Streik waren, Ende Mai ihre Aufent- mit sechs streikenden Küchenbeschäftig-
haltsgenehmigung. Ihre Sondersituation ten „ohne Papiere“, wurde ihrerseits
besteht darin, dass sie nicht allein für durch SUD sowie die anarcho-syndika-
ihre „Legalisierung“ streik(t)en, sondern listische CNT unterstützt.
dass ihr Streik am 27. März zunächst Die Präfekturen (Polizei- und Auslän-
deswegen anfing, weil sie seit Februar derbehörden) im Raum Paris reagierten
ohne Lohn geblieben waren – infolge des ihrerseits auf die Ausdehnung des Sans
betrügerischen Bankrotts mehr oder we- papiers-Streiks, indem sie am 21. Mai in
niger mafioser Subfirmen, durch welche einer öffentlichen Erklärung von „Er-
die Kette ihre Sicherheits- und Wachleu- satzdossiers“ (dossiers de substitution)
te eingestellt hatte. Bezüglich ihrer For- sprachen. Dies soll bedeuten, dass die
derung auf Auszahlung der unbezahlten rund 320 personenbezogenen Dossiers,
Löhne konnten die Streikenden sich bis- die am Dienstag – im Hinblick auf eine
lang nicht durchsetzen, aber die Pariser „Legalisierung“ der Betroffenen – im
Polizeipräfektur (Polizei- und Auslän- Zusammenhang mit der neuen Streik-
derbehörde) erteilte ihnen ihre Aufent- welle eingereicht worden sind, an die
haltstitel. Zudem wurde der Antrag des Stelle eines Teils der 1.000 bislang ein-
Arbeitgebers auf Erlass einer gerichtli- gereichten Dossiers treten könnten. Im
chen Einstweiligen Verfügung, um die Übrigen kündigten die Präfekturen an,
eine Pizzeria auf den Champs-Elysées Streikposten vor dem Fabiou Lucci-Ge- nunmehr die Überprüfung der ihnen vor-
und andere Gaststättenbetriebe. Eine an- schäft polizeilich räumen zu lassen, von liegenden Dossiers zu „beschleunigen“.
gespannte Situation herrschte zunächst einem Pariser Gericht abgeschmettert. In Konkret kündigten die Präfekturen im
besonders bei Pizzeria „Pasta Papa“ auf den letzten Maitagen erhielten nun erst- Raum Paris an, dass rund 300 der „alten“
den Champs-Elysées, wo der Arbeitge- mals auch die Mehrzahl der Streikenden Dossiers, die seit Ende April zusammen-
ber es für klug hielt, angebrachte Trans- der Restaurantkette ‚Chez Papa‘ (vier gestellt worden waren, nicht verhandel-
parente abzureißen und die Streikenden Restaurants in Paris für südwestfranzösi- bar seien, da keine schriftlichen Arbeits-
zu bedrohen. Dorthin wurde deswegen sche Spezialitäten), die einen der größten verträge vorlägen. (Nach französischem
Verstärkung aus der Unterstützerszene „Streikherde“ bildet – mit 33 streikenden Recht ist ein Arbeitsvertrag unabhängig
gebeten. In den darauffolgenden Tagen Sans papiers – einen Aufenthaltstitel. von seiner Form – ob schriftlich oder
hat sich dort die Situation so entwickelt, Die Ausdehnung des Sans papiers- mündlich abgeschlossen – rechtsgültig,
dass der Arbeitgeber das Restaurant voll- Streiks dient den Hauptunterstützern sofern nur die drei wesentlichen konsti-
ständig hat leer räumen und die Arbeits- (CGT und Droits devant!) also vor allem tutiven Elemente „Arbeitsleistung“,
sowie Küchengeräte hat abtransportieren als Mittel, um einen schnelleren Ab- „Lohnzahlung“ und „Unterordnungsver-
lassen: Die Streikenden dort können nur schluss für die derzeit im Ausstand Be- hältnis“ vorliegen.) Statt dieser 300 „äl-
noch nackte Wände besetzen. In den an- findlichen zu erreichen, da sich die Si- teren“ Dossiers, bei denen keine schrift-
deren Fällen hat sich die Situation besser tuation zu langsam und schleppend ent- lich ausgefertigten Arbeitsverträge vor-
gehalten, mehrfach unterstützte auch der wickelt. Es bleibt also beim Prinzip eines liegen, sollen also die 300 „neuen“ Dos-
Arbeitgeber (unter dem Druck des dosierten Streiks mit nur einigen „ausge- siers durch die Behörden untersucht wer-
Streiks) die Forderung nach „Legalisie- wählten“ Sans papiers, der punktzielge- den. Dabei handelt es sich um einen
rung“ der jeweils betroffenen Arbeits- nau auf bestimmte Unternehmen zielt, durchsichtigen Versuch, die Betroffenen
kräfte. um maximale Wirkung zu erzielen – untereinander gegenseitig auszuspielen,
Diese, seit einigen Tagen erwartete, ohne aber an alle lohnabhängig arbeiten- indem den Einen die erhoffte Legalisie-
Ausweitung des Sans papiers-Streiks ist den Einwanderer „ohne Papiere“ zu ap- rung quasi direkt „auf Kosten der Ande-
eine Reaktion der organisierten Unter- pellieren, sich alsbald dem Arbeitskampf ren“ in Aussicht gestellt wird. Bei einer
stützer/innen (insbesondere CGT und anzuschließen, da Letzterer in einem sol- solch existenziellen Frage wie der Auf-
„Droits devant!“, eine Art PR-Agentur, chen Falle als nicht gewinnbar betrachtet enthalts- und Arbeitsberechtigung (bei
die sich in den Dienst sozialer Bewegun- wird. Leuten, die ihre Existenz und ihre Ar-
gen stellt) darauf, dass die „Legalisie- Am Vormittag des 20. Mai kamen die beitsstätte nunmehr öffentlich bekannt
rung“ der für ihr Aufenthaltsrecht strei- beiden linksalternativen Basisgewerk- gemacht haben –s und damit ihre Be-
kenden Sans papiers bislang nur äußerst schaften SUD-Rail (SUD Schienenver- schäftigung zu verlieren drohen, falls sie
schleppend vorankam. Auf dem Stand kehr) am „Lyoner Bahnhof“ in Paris und nicht „legalisiert“ werden, da ansonsten
vom 20. Mai hatten bislang nur 70 jener SUD-Nettoyage (SUD Reinigungsge- sogar der Arbeitgeber aufgrund „illegaler
rund 1.000 Sans papiers, die ihre „Lega- werbe) den größeren Strukturen insbe- Beschäftigung“ bestraft zu werden
lisierung“ (régularisation) im Rahmen sondere der CGT, die bislang den Streik droht) wird damit ein erheblicher Druck
des Streiks und mit – formeller, durch in alleiniger Eigenregie anführten, zuvor. auf die Betroffenen aufgebaut.
den Arbeitskampf erzwungener oder rea- Denn zunächst waren es die beiden Bernhard Schmid, Paris ■

: antifaschistische nachrichten 11-2008 13


1. Abschiebung ist kein flugmedizini-
sches Problem – Sicherung ethisch-
medizinischer Standards
Aus den Beschlüssen des Bundes-
Auf Antrag des Vorstands der Bundesärz-
ärztetages (20.-23. Mai 2008)
tekammer (Drucksache VI - 09) fasst der Ärzteschaft und die ethischen Grundsätze gendlichen vorbei. Die erforderliche psy-
111. Deutsche Ärztetag folgende Ent- ärztlichen Handelns verletzen. chiatrisch/psychotherapeutische Untersu-
schließung: 3. Ärztlich-ethische Belange im Kontakt chung wird so verhindert. Es kann sich um
Die Innenministerkonferenz diskutiert mit Flüchtlingen/Asylbewerbern junge Menschen handeln, ggf. um ehema-
z. Z. die Bildung eines Pools von „Ärzten lige Kindersoldaten, die in ihrer Kindheit
für Flugmedizin“ um die Flugtauglichkeit Auf Antrag von Herrn Prof. Dr. Dr. habil. und auf der Flucht schwerste Gewalterfah-
abzuschiebender Personen feststellen zu Dietrich (Drucksache VI - 78) fasst der rungen und Verluste erlitten haben und de-
lassen. Sie verspricht sich davon eine 111. Deutsche Ärztetag folgende Ent- ren kindgerechte Entwicklung verhindert
„Verbesserung“ des Abschiebeverfahrens. schließung: wurde. ...
Der 111. Deutsche Ärztetag stellt fest: Der Deutsche Ärztetag fordert die Lan- 4. Ärztliche Versorgung von Menschen
● Nicht die allein flugmedizinische Be- desärztekammern und Kolleginnen und ohne legalen Aufenthaltsstatus
gutachtung oder Betreuung des Einzelnen Kollegen auf, dafür Sorge zu tragen, dass
ist das Entscheidende, sondern die qualifi- die ärztlich-ethischen Belange und die De- Auf Antrag von Frau Dr. med. Lutz, Herrn
zierte Betreuung von Menschen, die sich klaration von Genf im Kontakt mit Flücht- Dr. med. Albrecht, MBA und Herrn Jan-
mit der Abschiebung in einer schweren lingen gewahrt werden. Zunehmend sind ßen (Drucksache VI - 58) fasst der 111.
Ausnahmesituation befinden. die Menschenrechte von Flüchtlingen/ Deutsche Ärztetag folgende Entschlie-
● Wenn zielstaatsbezogene Abschie- Asylbewerbern als Patientinnen und Pa- ßung:
bungshindernisse (z. B. eine bestimmte tienten in Gefahr, wenn Ärzte vermehrt in Der 111. Deutsche Ärztetag fordert die
Krankheit kann im Rückführungsland ordnungs- und polizeirechtliche Maßnah- Bundesregierung erneut auf,
nicht behandelt werden) oder inlandsbezo- men eingebunden werden. 1. die Übermittlungspflicht für öffentli-
gene Vollstreckungshindernisse (z. B. das ● Es ist bekannt, dass Ärzte mit der Zu- che Stellen (öffentliche Krankenhäuser,
Vorliegen einer posttraumatischen Belas- satz-Weiterbildung Flugmedizin ihre Sozialämter) an die Ausländerbehörde im
tungsstörung führt zu Suizidgefahr) vorlie- Dienste zur Verfügung stellen, um im Auf- Falle der medizinischen Behandlung von
gen, müssen diese in die Beurteilung ein- trag von Ausländerbehörden bei Flüchtlin- Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus
fließen. Die Frage, ob der Abzuschiebende gen, die ausgewiesen werden sollen, Rei- aufzuheben, um zu gewährleisten, dass
im engsten Sinne flugtauglich ist, greift zu sefähigkeit zu bescheinigen und diese ggf. diese ihr Recht auf medizinische Behand-
kurz. auch auf dem Flug in die Herkunftsländer lung nach § 4 Asylbewerberleistungsge-
Für diese Situation wurde 2004 ein In- zu begleiten. Es handelt sich dabei um setz (AsylbLG) auch faktisch wahrneh-
formations- und Kriterienkatalog von ei- kranke und in Behandlung stehende Pa- men können. Alternativ könnten auch alle
ner gemeinsamen Arbeitsgruppe von Län- tientinnen und Patienten, bei denen eine im Zusammenhang mit Gesundheitsver-
dervertretern und Vertretern der Bundes- Traumatisierung im Raum steht und die sorgung erhobenen Daten dem Geheim-
ärztekammer zu Fragen der ärztlichen durch Krankenhausberichte und ärztlich/ nisschutz unterliegt.
Mitwirkung bei Rückführungsfragen er- psychologisch/psychotherapeutische Stel- 2. Rechtssicherheit für Ärzte und medi-
stellt. Diesem Katalog ist zu folgen. lungnahmen belegt sind. zinisches Personal herzustellen, das medi-
Seitens der Bundesärztekammer wurde ● Auch bei Flüchtlingen/Asylbewer- zinische Hilfe nicht unter den Straftatbe-
das Curriculum „Begutachtung psychisch bern, denen nach dem Asylbewerberleis- stand der Beihilfe zur illegalen Einreise
reaktiver Traumafolgen in aufenthalts- tungsgesetz (AsylbLG) nur eingeschränk- oder zu illegalem Aufenthalt nach § 96
rechtlichen Verfahren bei Erwachsenen“ te Leistungen zustehen, versagen Ärzte im Aufenthaltsgesetz (AufenthG) fallen.
entwickelt. Mehrere Landesärztekammern Auftrag von Sozialämtern Patienten 5. Frühzeitige Identifizierung von
haben entsprechende Fortbildungen ange- manchmal dringend erforderliche Behand- traumatisierten und von besonders
boten und Ärztinnen und Ärzte geschult. lungen und Operationen, so dass die schutzbedürftigen Asylbewerbern/
Die Ausländerbehörden sind aufgerufen, Krankheiten zu Chronifizierung und Se- Flüchtlingen
sich an dementsprechend qualifizierte kundärkrankheiten, zu einer wesentlichen Auf Antrag von Herrn Prof. Dr. Dr. habil.
Ärzte bzw. an Ärzte und Psychotherapeu- Beeinträchtigung der Lebensqualität und Dietrich (Drucksache VI - 77) fasst der
ten zu wenden, die diese Menschen behan- zu Schmerzzuständen führen (z. B. defekte 111. Deutsche Ärztetag folgende Ent-
delt haben. und nicht mehr passende Unterschenkel- schließung:
2. Flugreisetauglichkeit prothese). Der Deutsche Ärztetag fordert die Bun-
● Bei der Altersfestlegung unbegleiteter desregierung und die verantwortlichen Be-
Auf Antrag von Herrn Prof. Dr. Dr. habil. minderjähriger Flüchtlinge (UMF) lassen hörden auf, sicherzustellen, dass traumati-
Dietrich, Herrn Prof. Dr. med. Kahlke und sich Ärzte einbinden in Altersfeststellun- sierte Flüchtlinge und andere besonders
Herrn Dr. med. Pickerodt (Drucksache VI gen, die durch die Behörden erfragt wer- schutzbedürftige Personen (wie z. B. trau-
- 79) fasst der 111. Deutsche Ärztetag fol- den. Dabei sind die Festlegungen und da- matisierte Flüchtlinge, begleitete und un-
gende Entschließung: mit die Asylverfahrensfähigkeit auf das begleitete Minderjährige, Kindersoldaten,
Für die Beurteilung von Flugreisetaug- Alter von 16 Jahren willkürlich, zumal bei Personen, die Folter, Vergewaltigung oder
lichkeit dürfen ausschließlich speziell qua- dem so bestimmten Alter durch die sonstige schwere Formen psychischer,
lifizierte Ärzte beauftragt werden. Der Rechtsmediziner eine Abweichung von +/- physischer oder sexueller Gewalt erlitten
111. Deutsche Ärztetag fordert die Innen- 2 Jahren beschrieben wird. Die körperli- haben) durch speziell fortgebildetes medi-
minister der Länder auf, den mit der Bun- che Untersuchung, Inaugenscheinnahme zinisches/psychologisches Fachpersonal
desärztekammer erarbeiteten und im De- und Nacktfotos bei diesen Kindern und Ju- zu Beginn des Asylverfahrens als solche
zember 2004 verabschiedeten Informati- gendlichen durch ein Gremium von meh- identifiziert werden und ihnen eine adä-
ons- und Kriterienkatalog einzuführen und reren Ärzten, Zahnarzt und Fotografen quate Unterbringung und medizinische
der Ärzteschaft zur Kenntnis zu geben. kommt einer Körperverletzung und einer und psychotherapeutische Behandlung er-
Der 111. Deutsche Ärztetag in Ulm fordert psychischen Schädigung gleich. Zusätz- möglicht wird.
die zuständigen Landesärztekammern auf, lich geht eine solche Altersfestlegung an Quelle: Auszug aus dem Beschlussproto-
berufsrechtlich gegen Ärzte vorzugehen, der Schutzbedürftigkeit und an möglichen koll des 111. Deutschen Ärztetages, 20.-23.
die die einschlägigen Resolutionen der Traumafolgestörungen des Kindes/Ju- Mai 2008 - jesuiten-fluechtlingsdienst.de ■

14 antifaschistische nachrichten 11-2008


Berliner Zustände 2007 – Steinbach konnte
Ein Schattenbericht über nicht reden
Rechtsextremismus, Rassis-
Potsdam. Rund einhundert Studierende
mus und Antisemitismus der Uni Potsdam verhinderten am 28.5.
Bereits zu Beginn des Jahres 2007 wurde die Eröffnung einer Vorlesungsreihe, mit
der jüdische Kindergarten in Charlotten- der die Universität Potsdam der Vorsit-
burg mit antisemitischen Parolen be- zenden des Bundes der Vertriebenen die
schmiert und in das Gebäude eine Rauch- Gelegenheit geben will, ihre revisionisti-
bombe geworfen: Ein Angriff, der in den schen, gegen Polen und Tschechien ge-
letzten Jahren in Berlin seines Gleichen richteten Positionen im akademischen
sucht. Die kontinuierlich hohe Zahl anti- Rahmen salonfähig zu machen.
semitischer Übergriffe der letzten Jahre Dabei wurden sie von Mitgliedern des
offenbart ein gesellschaftliches Klima, „Rings Christlich Demokratischer Stu-
auf dessen Grundlage ein solcher Angriff dierender“ (RCDS) tätlich angegriffen.
stattfinden konnte. Auf Druck von Mitgliedern des RCDS
Antisemitismus, Rassismus, der Um- und des Brandenburger Landtagsabge-
gang von staatlicher Seite mit zivilgesell- ordneten Wieland Niekisch rief der Ver-
schaftlichem Engagement sowie rechtsex- anstalter, Prof. jur. Eckard Klein, die Po-
treme Tendenzen und Entwicklungen sind lizei, um die Proteste beenden zu lassen.
die Themenfelder des zweiten Schatten- Nach massiver Medienberichterstat-
berichts, mit dem vier Projekte die „Berli- tung – Fernsehberichten, dutzenden Zei-
ner Zustände 2007“ aus ihrer alltäglichen
Informationen Nr. 67 tungsartikeln in der deutschen und polni-
Arbeit heraus darstellen und analysieren. erschienen schen Presse und Radiobeiträgen – die
Mit dem jährlich erscheinenden Schat- Die Ausgabe widmet sich den Wissen- von der erfolgreichen Blockade der Er-
tenbericht haben es sich Berliner Projekte schaften in der NS-Zeit. Die Beiträge öffnungsveranstaltung der Vortragsreihe
zur Aufgabe gemacht sowohl einen Ein- von Michael Grüttner und Ludwig Elm mit Erika Steinbach ausgelöst wurde, hat
blick in die wesentlichen Aspekte und zeigen, dass Professoren, Dozenten und das Präsidium der Uni Potsdam nun die
Diskurse ihrer Arbeiten zu geben als auch Studenten die Machtübernahme der Na- Reihe vorerst ausgesetzt. Es gäbe Klä-
relevante Entwicklungen und Tendenzen tionalsozialisten durchaus nicht nur aus rungsbedarf bezüglich der vier geplanten
in den jeweiligen thematischen Schwer- ideologischen Motiven begrüßten: Die Vorträge der Präsidentin des Bundes der
punkten in gebündelter Form zu analysie- Vertreibung der jüdischen und politisch Vertriebenen zum Thema „Siedlungsge-
ren. Die „Berliner Zustände 2007“ schil- missliebigen Professoren machte viele schichte der Deutschen in Ostmitteleuro-
dern aus Sicht der Mobilen Beratung ge- Stellen frei – junge Dozenten rückten pa“.
gen Rechtsextremismus Berlin (MBR), nach und kamen auf der akademischen Am Dienstag hatten fast 100 Studie-
des apabiz – Antifaschistisches Pressear- Karriereleiter voran. rende und ihre Freunde, so der Asta-
chiv und Bildungszentrum Berlin e.V., der Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Sprecher in einem Radiointerview, gegen
Opferberatungsstelle ReachOut und des Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, der Vor- die Veranstaltung protestiert. Sie stießen
Projektes Antisemitismus im Kontext von läuferin der Max-Planck-Gesellschaft, sich an der Tatsache, das einer führenden
Migration und Rassismus (amira) zentrale die Rüdiger Hachtmann in seinem Bei- Aktivistin der politischen Rechten ein
Aspekte der allgemeinen Entwicklung des trag analysiert. Podium geboten wird, wenn sie im Rah-
vergangenen Jahres und analysieren diese men einer akademischen Vortragsreihe
unter Berücksichtigung der jeweiligen Ar- Zu beziehen über: Studienkreis Deut- und gleich mehrmals auftreten darf. Die
beitsschwerpunkte sowie den Rahmenbe- scher Widerstand 1933-1945 e.V., erfolgreiche Blockade hatte einen massi-
dingungen der Arbeit. Rossertstr. 9, 60323 Frankfurt/Main, ven Polizeieinsatz ausgelöst, in dessen
Herausgeber: apabiz und MBR kontakt@studienkreis-widerstand- Verlauf mindestens eine Person verletzt
64 Seiten, Schutzgebühr: 2,- Euro 1933-45.de wurde.
Erhältlich als pdf auf den Webseiten Einzelheft 5,50 Euro zuzüglich Ver- Die Berichte in fast allen regionalen
www.apabiz.de, www.mbr-berlin.de sandkosten, Abonnement (2 Hefte im (PNN, MAZ u.a.) und einigen überregio-
sowie als Druckfassung ■ Jahr) 22 Euro nalen Tageszeitungen (Welt, Spiegel On-
line u.a.) sowie auf verschiedenen Radio-
sendern setzte die Unileitung offensicht-
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. lich derart unter Druck, dass sie die Rei-
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de he nun vorerst aussetzt und das Gespräch
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Venloer Str. 440, 50825 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach mit dem Asta sucht.
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, Die beeindruckende Presseschau fin-
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, det sich auf der Homepage des Asta:
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart, Tel.
0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. http://www.asta.uni-potsdam.de/
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. presse/presseschau.php3
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln. Sonderbestellungen sind Der Brandenburger Landesverband
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. der „Verfolgten des Naziregimes – Bund
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- der AntifaschistInnen“ (VVN-BdA) gra-
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung tulierte den Studierenden der Universität
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. Potsdam zu ihrem engagierten und er-
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie Bun-
tenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Verein für politische Bildung, linke Kritik und Kom-
folgreichen Einsatz gegen Geschichtsre-
munikation); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., visionismus und hofft, dass es gelingt,
Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke (MdB); Marion Bentin, Edith Berg- auch die folgenden Veranstaltungen zu
mann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–
Förderverein Antifaschistische Nachrichten); Kreisvereinigung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in
verhindern.
der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter hbv in ver.di Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard Quelle: PMs AStA Uni Potsdam und
Strasdeit; Volkmar Wölk. VVN-BdA Brandenburg ■

: antifaschistische nachrichten 11-2008 15


: aus der faschistischen Presse
Dringender Aufruf aus Italien
Lissabon-Vertrag ein Netz gegen Nazis Der im folgenden dokumentierte Aufruf aus Ita-
lien soll verhindern, dass die Ermittlungen gegen
Knebelvertrag? Junge Freiheit Nr. 23/08 vom 30.05.2008 Nazi-Täter in Italien eingestellt werden. Das droht
Junge Freiheit Nr. 22/08 vom 23.05.2008 Das von der „Zeit“ initiierte Internetpor- dort gerade. Bitte auf die website gehen und un-
Die bevorstehende Unterzeichnung des tal „Netz gegen Nazis“ ist dem Blatt ein terschreiben und das Ganze an Interessierte wei-
EU-Vertrages von Lissabon nimmt das Dorn im Auge – wird es doch selbst auf terleiten: http://www.libertaegiustizia.it/
appelli/dettaglio_appello.php?id_appello=10
Blatt zum Anlass, um grundsätzlich mit diesen Seiten kritisiert. Vor allem stört
der Europäischen Union abzurechnen: sich das Blatt daran, dass Sportvereine, An den Präsidenten der Republik Italien,
„Seit ihren ersten Anfängen als ,Montan- der DFB und der Deutsche Olympische Die Vereinigung Freiheit und Gerechtigkeit wen-
det sich mit einem Aufruf wegen der für den 31.
union‘ trägt die Europäische Union eine Sportbund als Unterstützer der Plattform
Juli beabsichtigten Schließung des Militärtribu-
antideutsche Komponente in sich. An ih- auftreten. Und graben prompt Gerhard nals in La Spezia an Sie, die ein weitreichendes
rer Wiege stand das französische Bestre- Mayer-Vorfelder aus, der „mit Empö- und dramatisches Problem unseres Landes deut-
ben, durch staatenübergreifende Büro- rung“ auf die Tatsache reagiert habe, lich macht und dazu führen könnte, dass jetzt das
kratien den Nachbarn unter dass auf der Website „so- lange versteckt gehaltene Kapitel der nazifaschis-
Kontrolle zu halten, und wohl die Junge Freiheit tischen Massaker in Italien gänzlich ohne Ge-
das deutsche Kalkül, inter- als auch das konservative rechtigkeit beendet wird.
nationale Akzeptanz durch Studienzentrum Weikers- Während der deutschen Besatzung war die Zivil-
bevölkerung explizit ein Objekt der Repression,
Souveränitätsverzicht zu heim in die Nähe des Ziel einer Strategie des Strafens und alltäglicher
erkaufen. Die Konstellati- Rechtsextremismus ge- und allgegenwärtiger Gewalt; das Hinmetzeln
on wiederholte sich nach rückt werden.“ Mayer- von Bürgern war fast nie eine irrationale Aktion
dem Epochenbruch von Vorfelder will das Thema ohne Sinn, sondern wurde zu – wie die Forscher
1989: Kanzler Kohl er- auf der nächsten DFB- dieser Massaker unterstreichen – „ein(em) Instru-
kaufte die Zustimmung Präsidiumssitzung zur ment der Macht, zweckmäßig nicht nur für die
Frankreichs und anderer Sprache bringen – man Kriegsführung und Partisanenbekämpfung, son-
dern auch für die umfassende Kontrolle der Zivil-
Wiedervereinigungsgegner sollte gut beobachten, was
bevölkerung“. Die Verspätung, mit der man mit
zur deutschen Einheit das bewirkt. der Suche nach der Wahrheit über die nazifa-
durch die Opferung der D- schistischen Massaker begonnen hat – eine ech-
Mark und des Souveräni- Probeabo mit Deutschland- te „Amnestie durch Verdunkelung“ – ist Gegen-
tätsrechts der Währungshoheit und durch stand der Debatte; über den „Schrank der Schan-
den Umbau der EG zu einer hauptsäch- Fahne de“ (hunderte von Ermittlungsergebnissen ver-
lich von Deutschland zu finanzierenden Junge Freiheit Nr. 23/08 vom 30.05.2008 staubten bis 1994 in den Regalen der Militär-
Umverteilungsbürokratie.“ Dass die eu- Wer das Blatt für acht Wochen zum Preis staatsanwaltschaft in Rom) ist viel geschrieben
worden. Das Militärgericht La Spezia hat seit
ropäischen Staaten nach zwei Weltkrie- von 15 Euro testet, erhält auch gleich 2004 bis heute die Verfahren betreffend acht
gen ein eminentes Interesse daran hatten eine Fahne fürs Auto. Chefredakteur Massaker aus dem Raum Toskana und Emilia Ro-
und haben müssen, die BRD in Bündnis- Dieter Stein hofft: „Es kommt ein magna geführt und Urteile gefällt, für genau so
sen zu verpflichten und zu kontrollieren, schwarzrotgoldener Sommer. Drücken viele Verfahren laufen noch die Ermittlungen.
lässt das Blatt einfach unter den Tisch wir unseren Jungs die Daumen, dass er Am 14. April dieses Jahres ist wegen des Massa-
fallen, aber auch, dass die Entwicklung nicht zu früh wieder vorbei ist! Es wäre kers von San Terenzo Monti, Teil der Gemeinde
der deutschen Wirtschaft zur weltgrößten schade um die vielen schönen Fahnen an Fivizzano/ Provinz Massa, mit der Anklage des
Exportwirtschaft ohne die EU unmöglich den Autos …“ Er betrachtet die Fahnen- Militärstaatsanwalts am Militärgericht La Spezia,
Marco de Paolis, gegen elf Ex-Nazi-Offiziere we-
gewesen wäre. Das Blatt fordert: „Die flut anlässlich der Fußball-Europameis- gen „Beihilfe zum vielfachen und fortdauernden
EU muss wieder ein Zweckverband sou- terschaft als Ausdruck von Patriotismus. Mord gegen feindliche Zivilbevölkerung“ das
veräner Staaten werden ohne den An- Ihm ist anscheinend entgangen, dass Hauptverfahren eröffnet worden. Vom 19. bis
spruch auf eigene Staatlichkeit. Alles an- auch viele Menschen mit Migrationshin- zum 27. August 1944 waren 350 Personen ab-
dere ist verfassungswidrig.“ Welchen tergrund diese Fahnen an ihrem Auto geschlachtet worden, unter ihnen Frauen, Kinder
Zweck dieser Verband haben soll, lässt mitführen – als Demonstration, welche und Säuglinge. Die Eröffnung des Prozesses ist
das Blatt im Dunklen, sein Zweck ist al- Fußballmannschaft sie unterstützen, auf den 4. Juni festgesetzt, aber es ist sehr wahr-
scheinlich, dass das Verfahren nicht mehr zum
lemal die Stärkung der deutschen Nation. nicht als patriotische Geste. uld ■
Abschluss gebracht werden kann. Denn der Fi-
nanzhaushalt 2008 sieht die Schließung des Mili-
tärgerichts La Spezia zum 31. Juli und die Über-
tragung der Verfahren an die Militärgerichte in
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
Verona und Rom vor.
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
Herr Präsident, die Vereinigung Freiheit und Ge-
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro Erscheinungsweise: rechtigkeit wendet sich darum an Sie, damit alles
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro 14-täglich nur Mögliche getan wird, um das Verfahren ab-
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro schließen und die Wahrheit über die Taten he-
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro rausfinden zu können. Mit der Übertragung der
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell Akten gefährdet man den Abschluss des Strafver-
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro). fahrens, die Übertragung wird das Beenden des
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten Verfahrens durch seine Ablage sein. Wir dürfen
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) nicht erlauben, dass diese furchtbaren Seiten der
Geschichte unseres Landes in Vergessenheit gera-
Name: Adresse: ten. Im Namen der „Staatsräson“ haben viel zu
viele Jahre tausende von wehrlosen Italienern kei-
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts ne Gerechtigkeit erfahren und oft im Stillschwei-
gen über die ihnen zugefügten Grausamkeiten
Unterschrift
gelebt, wie mit einer Art Schandfleck, der nicht
GNN-Verlag, Venloer Str. 440, 50825 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
offenbart werden sollte.
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507 Vereinigung „Liberta e Giustizia“ ■

16 :antifaschistische nachrichten 11-2008