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en Orten Rut ie sind fiir den modernen Reisenden schenswerte Denkmiler, deren landschafiliche Lage ckt, deren Formenschénheit und technische Vollkommenhe itten aber und von dem religiésen Leben daselbst werden viele Besucher nur vage Vor sche Wirkung hinaus die steinernen iner der wundervollsten Erschei~ nungen im Geistesleben der Menschheit, der griechischen Religion. In diesem Sinne sollen auf den folgenden Seiten Tempel und Heiligtiimer der Griechen erliutert werden, und zwar im besonderen jene, die der Abbil- dungsteil des Buches vor Augen fiihrt. GewiB bedeutet das Beschrinkung auf eine Auswahl berithmter und heute noch eindrucksvoller Kultstitten. Aber selbst wenn es méglich wire, cine Ubersicht fiber alle bekannten Heiligtiimer zu geben, wiirde sie nur einen Bruchteil derer erfassen, die einst in der griechischen Welt vorhanden waren, Denn fiir den Hellenen war alles voll von Géttern, wie schon Thales, der lteste der Philosophen, bezeugt, und tiberall dort, wo man eine Gottheit als wirkend empfand, ihrer Gunst bedurfte oder ihren Zorn zu fiicchten hatte, wurde der Platz ihr und ihrer Verehrung geweiht. Auf ragenden Bergeshdhen oder auf einem Kap iiber dem sturmgepeitschten Meer, im gcheimnisvollen Waldesdickicht, in Schluchten und Hhlen, in der weihevollen Stille cines Haines und inmitten einer sonnenheiBen, fruchtbaren Flur war die Gegenwart cines gotdlichen oder halbgdttlichen Wesens zu spiiren. Aus alten Gribern wirkten in grauer Vorzeit bestattete Heroen Gutes oder Schlimmes, der Schutz der Burgen und Stiidte, das Treiben auf Markt und StraBen, die Beratungen dec Behdrden und die Beschltisse der Volksversammlungen konnten der Nihe schirmender und lenkender Gatter nicht entbehren. Ihnen muBte eine Stitte bereitet werden. So waren Land und Siedlungen reich an heiligen Bezirken, deren jeder als Besitz einer Gottheit gleichsam cinen Ausschnitt (Temenos) aus dem Boden des Gemeinwesens darstellte und deshalb hiufig von einer Mauer umzogen war, Ein Opferaltar oder ein Gabentisch bildete das alteste und an manchen Kultplitzen auch dann noch das cinzige Inventar, als die Gétter Lingst in Menschengestalt geschaut wurden und vielerorts leibhaft in cinem Bildwerk gegenwirtig gemacht worden waren. Wohnte cin Gott aber gleichsam kérperlich an einem Ort, dann bedurfte er eines Hauses, das seiner Hoheit angemessen war. Fir die ersten Tempel, die im achten Jahrhundert entstanden, und auch fir alle spiteren, mochten sie mit Ringhallen umgeben oder in anderer Weise architektonisch ausgestaltet sein, ist der Typus des altertiimlichen Herrenhauses (Megaron) mit seinem recht- eckigen Raum und der offenen, in der Front von Siulen getragenen Vorhalle maBgebend geblieben. Ja, niche selten hat sich tiber den Fundamenten eines alten Herrenhauses ein thnlich gestaltetes Gotteshaus ethoben. Es war die Wohnstitte des im Kultbild anwesenden Gottes, nicht ein Versammlungsraum der Gliubigen zu gemeinsamen liturgischen Begehungen, im allgemeinen auch keine Opferstitte. Der Altar stand vielmchr vor der Bingangsseite des Tempels, den man nur betrat, um im Angesichte der Gottheit u ihr 2u beten oder vor ihr auf einem Tisch unblutige Gaben niederzulegen. GréBere und dauerhafte Weihgeschenke wurden in der 1 oder wenigstens Spuren von hellenischen Tempeln seine Bewunderung erregt. Von der Geschichte dieser $ be Zeugen jener fernen Vergangenheit zum Reden bringt, zum Reden von tzen. Und doch ist es ihre Kenntnis erst, was iiber die asthe seellang, i Umgebung des Tempels aufgestelle oder in eigenen Schatzhiusem geborgen, die als Besite des G, eines kleinen Tempels erhielten, Zu diesen heiligen Schitzen und Gelder, fiir die in den gr cin hinter der Cella gelegener Raum als Aufbewahrungsort dienen konnte, gesellten sich so dic von Gemeinwesen oder Privaten im Schutze der Gottheit deponiert wurden. Denn als dem die Strafe der Gottheit sicher war, galt ¢s, Sachen oder Menschen gewaltsam aus ihre: ihren, Von jcher haben Verfolgte und Verurteilte dort ein Asyl finden kénnen, Die Kulthandlungen, welche in den griechischen Heiligtiimem vollzogen wurden, war Art, entsprechend der Verschiedenheit der menschlichen Anliegen und der Verschiedenh opfere wurde natiilich allenthalben, sci es, daB die Gottheit unblutige Gaben, Feldfriichte, ein dengleichen ethielt, se es, daB man cin von ihr bevorzugtes Tier schlachtete und Teile davon n: Rtas fi si verbrannte, Anders war der Brauch, wenn das Opfer den Mchten der Unterwelt und des Teas anders, wenn es den lichten Géttern galt. Durfte im ersten Falle vom Opferfleisch nicht gegesen yer, weil man sonst sich selbst dem Tode geweiht hitte, so spielte bei Darbringungen flir die Himmlsch-« Opferschmaus eine groBe Rolle. Schon im privaten Bereich, wo jedes Schlachten mit einem Opfer war, wie viel mehr bei den allgemeinen Festen, an denen bisweilen hundert Rinder (Hekatombe) und die Teilnchmer an der Feiet mit dem Fleisch gespeist wurden ! Das Opfer war aber niche nur cine die 3 ‘oder den Dank begleitende Gabe. Aus den Eingewciden der Tiere oder der Art, wie der Opferrauch auftieg, lieB sich Wohlgefallen oder Abneigung der Gétter erkennen. Insofer konnte sich der Opferritus mit de Orakelgebung beriihren, die, frcilich auf andere Art, an manchen Kultstitten erfolgte. Wer zum Opfer oder ar persbnlichen Teilnahme an einer rituellen Handlung der Gottheit in ihrem Heiligram nahte, mufie rein sein im kultischen Sinne, das hieB vor allem kérperlich rein und frei von Blutschuld oder Gottesfzevel, wie denn ‘Waschungen und, sofern ndtig, Entstihnungen dem Verkehr mit cinem Gotte vorauszugehen pflegten. Die Forderung nach sitdlicher Reinheit und echter Frsmmigkeit ist vom delphischen Apollon schon frth echobea worden, aber erst mit der ethischen Verinnerlichung der griechischen Religion in der klassischen Zeist sticker durchgedrungen, AuBer den Opfern erhielten die Gétter in ihren Heiligtiimem von Privatleuten, Vereinigungen und Saas- wesen Dankesgaben in reicher Fille fir den Segen, den sie gespendet hatten. Kleine Figuren und grofe Stand- bilder der verchrten Gottheit, cherne DreifiBe und Kessel, dem Feinde abgenommene Waffen und Denkmales, die vom Zchnten der Feldfrucht, eines Handelsgewinnes oder der Kriegsbeute gestiftet worden waren, melten sich in den heiligen Bezirken, Dazu Statuen von Minnem und Jiinglingen, Frauen und Madchen, mit denen die Weihenden sich selbst darbrachten. Nicht in naturalistisch-portrithaftem Bild, sondem gleich idealisiert 2u Gestalten von schénster Lebensfille und Kraft, an denen sich die Gétter erfreuen sollten. Est derselbe Gedanke, der den Wettkiimpfen zugrunde liegt, ohne die es seit archaischer Zeit kaum ein groBes Fes an den beriihmten Kultstitten gab. GewiB fand in diesen Begehungen der den Griechen cigene und von ihne= auf allen Lebensgebieten bekundete agonale Geist seine Beftiedigung, aber daB die Agone cine dex hichst= Formen der Gottesverchrung wurden, konnte doch nur geschehen, weil man keine herrlichere Gabe fi dt Unsterblichen kannte, als wenn Menschen ihnen die Vollkommenheit ihres Leibes und die grademiglche= Lelstungen des K@rpers oder des Gecistes weihten. DaB im dbrigen der gemeinsame Gesang von Hye jn denen die Macht der Gottheit gepriesen wurde, sowie prichtige Prozessionen, bei denen man buf Kalbild und helige Geeitemiefthree, cinen wesenlichen Teil der Fei bildete, st ken besonderes Chi ters de rieshischen Fest. Eherschon, da die Gtr der Hellen, dem irichen Leben ge ihm mmc der Festvers als solcher mit ihren Opferschmiusen und ihrem By sei aueh cin Wort liber die Bedeutung und Rolle der Priester im griechischen Kult Einen Priester- tern befiihigten er auch ke stand im Sinne einer durch besondere Weihen zur Vermittlung zwischen Menschen und oder gar file diesen Verkehr notwendigen Institution hat man im allgemeinen nicht gekannt, d: hesondere Vorbildung gefordert, Opfer konnte jeder Familienvater darbringen, und soweit fiir éffentliche Begehungen besondere Kenntnis der zu befolgenden Riten erforderlich war, erbte sich diese hitufig in einzelnen fort, Denn der staatliche Kult war einst von den vornchmsten hlechtern gepflegt worden oder gar 5 Pan ausdem Kult eines G enen Reihen den hlechtes hervorgegangen, dem weiterhin das Recht zustand, aus den ei Priester fr die betretfende Gottheit zu bestellen. Auch die et Sippe, in der die her entstammeten nicht selten eration auf die andere iiberging. Die meisten Priester des Sflendlichen Kultes warden freilich flir ein Jahr oder auch auf Lebenszeit durch das Los bestimmt, so daB Kunst der Deutung von Gétterzeichen von einer Ge gewissermaben die Gottheie selbst ihren Diener erkor. Reinheit im Sinne des Freiscins von kérperlichen Ge- byechen, bei Priesterinnen zumcist auch Keuschheit, waren Vorbedingung flir die Bekleidung des heiligen Ames, Manche Priester, im besonderen diejenigen, welche bei der Orakelgebung und den Mysterien in engster Verbindung mit der Gottheit stander waren durch ein enden Titel ausgezeichnet, alle aber hoben cn szepterartigen Stab, bei kultischen Handlungen durch nz von der Menge ab, DaB in manchen Gemeinw timer kiuflich waren und Kiufer fanden, zeugt cinmal von dem Anschen der Priesterwiirde, da wert machte, zum anderen macht es besonders deutlich, wie wenig von cinem Priesterstande oder Priesterberuf in unserem Sinne zu sprechen ist. Die Aufgaben des Amtes, zu denen auBer der Vollzichung der Opfer und anderer Riten oder Begchungen die Aufsicht iiber den Tempel und den gesamten Besitz des Gottes gehérte, sofern diese nicht eigenen Kérperschaften iibertragen war, licBen, zumal bei den Kleineren Heiligtiimern, dem Priester zu sonstiger Betiitigung Zeit, Er ethielt denn auch so wenig wie dic Inhaber anderer Ehren’imter cine Besoldung, sondern Anteil am Opferfleisch, das Fell der geschlachteten Tiere, auch Sporteln in Naturalien oder Geld. An gréBeren Kultstiitten waren diese Ertrignisse freilich so hoch, daB schon sie zur Ubernahme oder zum Kauf eines Priestertums verlocken konnten. Die gréBeren Heiligtiimer, von deren Geschichte und kultischem Leben auf den folgenden Seiten ciniges cerzihle werden soll, wihrend der gesamte Bereich der privaten Religionsiibung auBerhalb unserer Betrachtung bleiben muB, haben im allgemeinen unter Leitung derjenigen Gemeinwesen gestanden, die sie errichtet haeten oder in deren Hoheitsgebict sie lagen, wie denn bei den Griechen der Sffentliche Kult mie seinen zahlreichen Gotterfesten cin Teil der politischen Ordnung war. Von der Biirgerschaft wurde die Mehrzahl der Priestertiimer vergeben, sie war es, die sakrale Gesetze, etwa solche, welche Abgaben an cin bestimmtes Heiligtum forderten, beschlo8, und nicht nur in Athen hatte einer der héchsten Staatsbeamten die Aufsicht tiber den Kultus. Staat- lichen Behdrden oder eigens bestellten Kommissionen war denn auch die Ausrichtung der groBen Feiemn und die Zuerkennung der Preise bei den Agonen anvertraut. Trotz dieser engen Verflechtung von Staat und Religion empfiehlt es sich im Interesse der Gewinnung cines Gesamtbildes, die Tempel und Heiligtiimer, auf die wir nunmehr den Blick lenken wollen, nicht nach Staaten zu ordnen, sondern nach ihrer Stellung im ge~ samten religiésen Leben der Hellenen und derReichweite ihrer Wirkung, Essoll deshalb zunichst von denjenigen Kiultstitten gesprochen werden, die anerkanntermaBen gemeingriechische Geltung besaBen, sodann von jenen, welche ftir eine Landschaft und hitufig auch fiir deren weiteren Umkreis sakrale Mittelpunkte bildeten, schlie8- lich von stidtischen Heiligttimer, die der Polis und ihrem Leben naturgemi am stirksten verhafiet waren. Den letzteren seien die Theater zugeordnet, wiewobl es solche auch auBerhalb der Stidte gab. Haben doch die Begchungen, fir die sie erbaut wurden, von einem stidtschen Kultplatz, dem des Dionysos zu Athen, ihren Ausgang genommen. entspr sich di 's Gewand, langes Haar, en Priester= prichtigere Kleidung und sic begehrens- HELMUT BERVE + GOTIFRIED GRUOBEN GRIECHISCHE TEMPEL UND HEILIGTUMER Aufnahmen von Max Hirmer Pil is Gemany - © 1961 by HIRMER VERLAG MONCHEN, Gesllichalt ftir Wisenschaftiches Lichiild mbit ‘Vetapmunmer GD 17)-Klichechentllang: Chemigraphia Geb. Ceech, Minchen Holafrcie Papiere: Papierfabrik Scheuflen Geb, ‘Obedensingen- Satz und Druck: Kastner & Callwey, Minchen - Buchbinderarbeten: Simon Wappes, Machen