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Rechte Orientierungen unter Lohnabhängigen. Ursachen, Auswirkungen, Gegenstrate- gien

Klaus Dörre

Nach zwei konservativen Jahrzehnten schien es Ende der 90er Jahre, als sollte der „dritte Weg“ der neuen Sozialdemokratie (Giddens 1998, 2000) für eine längere Phase die politische Entwicklung Westeuropas bestimmen. In nahezu allen EU-Staaten hatten Mitte-Links- Regierungen die Wahlen gewonnen. Nur wenige Jahre später zeichnet sich eine politische Trendwende ab. Viele sozialdemokratisch geführte Regierungen mussten vernichtende Wahl- niederlagen hinnehmen. An ihre Stelle sind in einer Reihe von europäischen Ländern Allian- zen getreten, in denen rechtspopulistische Organisationen einen festen Platz besitzen. In den Niederlanden (Liste Pim Fortuyn), in Österreich (FPÖ) und in Portugal (Volkspartei) sind rechte Parteien in den Regierungen vertreten. Die italienische Regierung Berlusconi stützt sich auf die postfaschistische Alleanza Nazionale und die separatistische Lega Nord. In Norwegen (Forschrittspartei) und Dänemark (Volkspartei) haben sich rechtspopulistische Formationen mit den bürgerlichen Regierungen verbündet. Und auch dort, wo sie vom Regieren ausge- schlossen ist, hat die extreme Rechte - etwa bei den französischen Präsidentschaftswahlen - spektakuläre Wahlerfolge erzielen können.

Wie in früheren Zeiten rekrutieren die rechten Parteien ihre Wähler aus allen sozialen Schichten. In zahlreichen europäischen Wahlen hat sich allerdings gezeigt, dass vor allem jüngere, männliche Arbeiter in überdurchschnittlich hohem Maß für rechtspopulistische Anru- fungen offen sind (zu den Ursachen vgl. auch W. Hopf 1999, Ch. Hopf 1995). Mit Blick auf die Zukunft prognostizieren Politikwissenschaftler, dass die Parteien der extremen Rechten noch „deutlicher zu postindustriellen Arbeiterparteien“ werden könnten (Kitschelt 2001: 435, Minkenberg 1998, Stöss 1999). Schon jetzt reicht der Einfluss der extremen Rechten bis tief in die Organisationen der Arbeiterbewegung hinein. Das gilt auch für Deutschland, wo rechts- extreme Wahlerfolge bislang Episoden geblieben sind. Empirisch belegt ist, dass eine Ge- werkschaftsmitgliedschaft nicht mehr automatisch gegen rassistische oder rechtsextreme An- rufungen immunisiert (Ptak/Virchow 2001: 366 ff.) Einige Untersuchungen gehen gar davon aus, dass Gewerkschaftsmitglieder in überdurchschnittlich hohem Ausmaß zu rechtsextremen Orientierungen neigen (Dammann 1999, Alheim/Heger 2001: 33 ff., Held u.a. 1996, Infratest-

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dimap 1998, Leiprecht 1990, anders: Falter 1994). Fallstudien haben gezeigt, dass gewerk- schaftlicher Aktivismus eine rechtspopulistische Gesinnung keineswegs ausschließt. Denn selbst bei betrieblichen Interessenvertretern und überzeugten Gewerkschaftern lassen sich mitunter rassistische, rechtspopulistische Tendenzen feststellen (Dörre 1995: 295 ff., 412 ff., Bergmann u.a. 2002).

1. Erklärungsversuche und Erklärungslücken Fragt man nach den Ursachen, stößt man auf eine unübersichtliche Forschungslandschaft. Schon die Phänomene als solche sind umstritten. Einige Untersuchungen sehen in dem Prob- lemzusammenhang von Globalisierung, Erosion des Sozialstaates und neuer Einwanderung den Hauptgrund für Rechtstendenzen bei abstiegsbedrohten Arbeitergruppen. Andere Unter- suchungen bestreiten einen solchen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang (Vgl. Beiträge in Heitmeyer 1997, 2001 sowie Birsl 2001 und Birsl u.a. 1999). Wo die Ursachen unklar sind, besteht zwangsläufig Unsicherheit bei den Gegenstrategien. In den Gewerkschaften hat die Diskussion begonnen, insgesamt dominiert aber noch immer Problemverdrängung. Vielen Interessenvertretern gilt der Rechtsextremismus als „äußerer Feind“, den man vorzugsweise mittels Isolierung von neonazistischen Gruppen und Gewalttätern bekämpfen will. Eine offe- ne Auseinandersetzung mit fremdenfeindlichen Tendenzen in den Betrieben und in der eige- nen Mitgliedschaft findet kaum statt. Eine Folge ist, dass sich - ähnlich wie in den Parteien - auch in den Gewerkschaften und in ihrer betrieblichen Basis eine rechtspopulistische Unter- strömung (Birsl/Lösche 2001, S. 346 ff.) bemerkbar macht. Gleich ob EU-Osterweiterung, green-card-Diskussion oder die Debatte um ein neues Einbürgerungsrecht - die gewerkschaft- lichen Positionen und Verlautbarungen bleiben verschwommen. Von einem „neuen Internati- onalismus“ (O’Brien 2000) ist jedenfalls wenig zu spüren. Statt dessen pendeln viele Gewerk- schaften zwischen einem symbolischen Anti-Rassismus auf der einen und einem reaktiven Sozialpatriotismus auf der anderen Seite.

Solche Schwankungen signalisieren Hilflosigkeit im Ungang mit rechtsextremen Tendenzen. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn der aktuelle Rechtspopulismus darf „nicht als Fort- setzung des historischen Faschismus/Nationalsozialismus“ betrachtet werden. Trotz aller his- torischen Kontinuitäten ist er „alles andere als ein Phänomen der ‚Rückständigkeit’ in einem ansonsten herrschenden Prozess der Zivilisierung von Gesellschaften“ (Klönne 2002: 1, 4). Meine These ist, dass der neue Rechtspopulismus eine höchst brisante, weil antidemokrati

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sche Antwort auf Verwerfungen darstellt, die im Übergang zu einem „Kapitalismus neuen Typs“ 1 entstehen. Ein wichtiger Ursachenkomplex speist sich aus Veränderungen in der Ar- beitswelt. In den öffentlichen wie auch in den gewerkschaftlichen Diskussionen wird dieser Ursachenkomplex noch immer unterschätzt. Das vor allem, weil Erklärungen, die sich an ei- nem einfachen Ursache-Wirkungs-Schema orientieren, immer wieder unbefriedigend geblie- ben sind. Kausalketten nach dem Motto „Je größer der Problemdruck, desto wahrscheinlicher fremdenfeindliche, rechtsextreme Neigungen“ gehen in der Regel nicht auf. Nimmt man z.B. allein Arbeitslosigkeit oder den drohenden Ausschluss von Erwerbsarbeit als Erklärungsvari- able, so wird man mit dem Faktum konfrontiert, dass Arbeiter, die zur extremen Rechten ten- dieren, oft einen vergleichsweise sicheren Arbeitsplatz besitzen und sich keineswegs unmit- telbar von Arbeitslosigkeit bedroht fühlen (Falter 1994, Held u.a. 1996). An diesem Punkt setzt dann häufig ein Fehlschluss ein. Weil sich kein unmittelbarer Kausalzusammenhang zwischen Problem und Reaktion nachweisen lässt, scheinen Veränderungen der Arbeitswelt als Erklärungsvariablen für Rassismus und Rechtsextremismus auszufallen.

Im Unterschied dazu vermute ich einen äußerst komplexen und empirisch daher schwer zu erfassenden Wirkungszusammenhang von Veränderungen in der Erwerbsarbeit, sozialer Desintegration und möglichen Übergängen zu fremdenfeindlichen, rechtsextremen Orientie- rungen. In der Arbeitswelt, in Betrieben und Unternehmen wird ein Teil jenes Konfliktstoffs erzeugt, der dann in den politischen Öffentlichkeiten als reaktiver Nationalismus oder Rechts- populismus von Arbeitern auftaucht. Einiges spricht dafür, dass die in allen atlantischen Ka- pitalismen beobachtbare Tendenz zu Re-Kommodifizierung des Arbeitsvermögens (Hyman 2001, Dörre 2002) die soziale Integrationskraft von Erwerbsarbeit insgesamt schwächt. Diese Problematik wird zunächst an der wachsenden Zahl prekärer Beschäftigungsverhältnisse sichtbar. Und doch ist das nur die Spitze des Eisbergs. Mit der „Internalisierung des Marktes“ (Moldaschl/Sauer 2000) in Betrieben und Unternehmen wird Erwerbstätigkeit auch in den Zentren industrieller Produktion wieder stärker an Marktrisiken angekoppelt. Re- Kommodifizierung erzeugt eine Vielzahl unterschiedlicher Desintegrations-Erfahrungen, die - nicht zwangsläufig, aber doch unter spezifischen, klärungsbedürftigen Bedingungen - in Of- fenheit für rechtspopulistische Anrufungen einmünden können. Bevor ich diese Sichtweise näher begründe, möchte ich zunächst den theoretischen Hintergrund meiner Überlegungen skizzieren.

1 Zur Diskussion siehe z.B.: Castells 1996-98, Revelli 1999, Aglietta 2000, Gorz 2000, Candeias/Deppe 2001,

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2. Rechter Populismus - eine ideologische Struktur im flexiblen Kapitalismus Rechtspopulistische Formationen zeichnen sich durch eine Form ideologischer Integration aus, die einen - an demokratischen Maßstäben gemessen - äußerst problematischen Übergang vom „Ich“ zum „Wir“ leistet. Mit anderen Worten: Der rechte Populismus bietet Übergänge zu einer spezifischen Form kollektiver „Interessenvertretung“ und kollektiver Identität. Wie alle gesellschaftlich erzeugten ideologischen Strukturen umfasst er drei Ebenen oder „Stock- werke“ (Hall 1989 im Anschluss an Gramsci). Im obersten Stockwerk finden sich quasi- wissenschaftliche Interpretationen der sozialen Realität. Rassismus, Antisemitismus oder au- toritäre Staatsvorstellungen berufen sich stets auf Ideensysteme und politische Philosophien, die den wissenschaftlichen Theorietyp zumindest nachahmen. Auf dieser Ebene agieren die „konzeptiven Ideologen“ der neuen Rechten. Ihre Funktion besteht wesentlich darin, das Grundmuster rechter Einstellungen - etwa das Bekenntnis zum „Recht des Stärkeren“, Sozial- darwinismus, Hochschätzung von Gewalt als Mittel der Politik, Herabsetzung der Werte Frei- heit und Gleichheit, Führerkult und Verachtung für Demokratie und internationale Verständi- gung - an die jeweiligen historisch politischen Umstände anzupassen. Die zweite Ebene bein- haltet die operativ-politischen Versuche zur Umsetzung dieser Ideen, ihre Kommunikation mit den gesellschaftlichen Diskursen, ihre Rückwirkungen auf das politische System und die in- stitutionellen Praktiken, die durch dieses System legitimiert werden. Das dritte Stockwerk schließlich ist das Terrain des Alltagsverstandes und der Alltagskultur. Hier finden sich zahl- reiche Übergänge vom vermeintlich „gesunden Menschenverstand“ oder dem „gesunden Volksempfinden“ hin zu rechtspopulistischen oder rechtsextremen Orientierung.

Begreift man den aktuellen Rechtspopulismus in Anlehnung an Gramsci und an Bourdieus „reflexive Anthropologie“ als „Struktur zweiter Ordnung“, so ist damit bereits gesagt, dass es sich bei entsprechenden Deutungs- und Interpretationsschemata nicht einfach um falsches Bewusstsein handelt. Wie in jedem ideologischen System bilden die genannten Stockwerke relativ autonome Sphären, die sich durchaus eigensinnig und ungleichzeitig entwickeln kön- nen. Politisch wirksam werden sie erst, wenn sie durch aktive Synchronisationsleistungen der Ideologieträger (z.B. Intellektuelle, politische Parteien und Verbände, Alltagsmenschen) eine gewisse innere Kohärenz erreichen. Alltagsbewusstsein vermögen rechtspopulistische Ideen- systeme nur zu synchronisieren, wenn sie den „wahren Kern“ heterogener Alltagsphilosophien

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ansprechen. Diesen „wahren Kern“ rechtspopulistischer Ideologeme gilt es aufzudecken, wenn Gegenstrategien wirksam werden sollen.

Rechtspopulismus lässt sich als eine Integrationsideologie definieren, die auf der Naturalisie- rung sozialer Ungleichheit und einer impliziten Gewaltakzeptanz basiert. Zu ihrer Legitimati- on beruft sie sich auf gängige, „im Volke verbreitete“ Stimmungen und Ressentiments, die im Sinne einer „imaginären Revolte“ (Armin Steil) gegen „die Etablierten“, gegen „die Linke“ oder andere „antinationale“ Kräfte mobilisiert werden. Es handelt sich um eine Form des Protests, die letztlich auf eine Konservierung und autoritative Verstärkung kapitalistischer Herrschaftsstrukturen zielt. Diese vorläufige Minimaldefinition schließt ein, dass sich rechts- populistische Integrationsideologien als historische Gebilde flexibel an den gesellschaftlichen Wandel anpassen können. Gegenwärtig sind wir Zeugen eines solchen „Modernisierungs- schubs“ der extremen Rechten. Wie alle politischen Formationen sieht sich die antidemokrati- sche Rechte mit einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel konfrontiert. Ökonomische Globalisierung, Umwälzung der nationalen Arbeitsgesellschaften, wachsende Ungleichheit, Migration und die Erosion sozialstaatlicher Sicherungssysteme erzeugen eine Vielzahl von Friktionen und Unsicherheitserfahrungen, die sich potentiell für rechtsextreme Anrufungen nutzen lassen. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn die rechtsextreme Formation auf allen Ebenen Integrationsfähigkeit entwickelt.

Auf dem Terrain der konzeptiven Ideologen geschieht dies durch Bearbeitung des Gegensat- zes von Universalismus und Partikularismus, wie er allen ideologischen Integrationssystemen modern-kapitalistischer Gesellschaften eigen ist (Balibar/Wallerstein 1990). Gegenwärtig ist es der von globalistischen Ideologien verbreitete Universalismus des Marktes, der vielfältige Bedürfnisse nach Begrenzung und Sicherheit auslöst. Exakt auf dieser Klaviatur versuchen die Ideologen der neuen Rechten zu spielen. An die Stelle diskreditierter völkischer oder rassisti- scher Ideologeme setzen sie Konzeptionen einer homogenen, quasi-natürlichen Kultur. Der vermeintliche „Clash of Civilisations“ (Huntington) wird so zu einer Basisannahme, entlang der sich die Modernisierung der extremen Rechten vollzieht. Gleich ob Riots in Los Angeles oder ethnische aufgeladene Konflikte in Rotterdam - stets lautet die Botschaft der Rechtspo- pulisten: Seht her, die multikulturelle Gesellschaft, der melting pot, ist eine Illusion! Als Alternative wird eine Kulturkonzeption vorgestellt, die scheinbar positiv an ein liberales oder linkes Kulturverständnis anschließt. Die Legitimität verschiedener Kulturen wird nicht

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bestritten. Kulturimperialistischer Gleichmacherei begegnen die Rechtspopulisten mit der Devise, dass jeder „seine“ Kultur leben muss und leben darf. Die eigene Kultur soll jedoch dort gelebt werden, wo sie ursprünglich „beheimatet“ ist. Nur vermeintlich authentische Kul- turen gelten als „stark“; Multikulturalismus wird dagegen als Bedrohung und Regression stigmatisiert. Der naturalisierende Kulturbegriff dient dem zeitgenössischen „Rassimus ohne Rassen“ als entscheidendes Kriterium für Einschluss und Ausschluss, für soziale Über- und Unterordnung. Wie weit dieses Kulturverständnis, das in letzter Instanz auf die Koexistenz vieler Apartheid-Staaten hinausläuft (Taguieff 1991: 221), bereits den offiziellen politischen Diskurs strukturiert, wird deutlich, wenn Politiker aus demokratischen Parteien Migranten unverhüllt die Bereitschaft zu kultureller „Assimilation“ abverlangen.

Man kann sicher noch nicht davon sprechen, dass der „Modernisierungsprozess“ der extremen Rechten abgeschlossen ist. Offenkundig ist jedoch, dass es rechtspopulistische Formationen in Westeuropa durchaus gelingt, ethnisch überformte Konfliktlinien für politische Mobilisierun- gen zu nutzen. Der ermordete niederländische Rechtspopulist Fortuyn personifiziert einen solchen Trend. Als Homosexueller und ehemaliger Linker verkörpert er in den Augen seiner Wähler glaubwürdig „Werte von 68“, die er nun gegen den Angriff „intoleranter“ Kulturen verteidigen will. 2 In anderen Ländern reklamieren Parteifunktionärinnen das erreichte Maß an Frauenemanzipation und sozialstaatlicher Sicherung für sich, um es gegen markgetriebene Europäisierung und „Überfremdung“ zu wenden. Ein derart flexibel agierender Rechtspopu- lismus kann sich eingespielten Mechanismen gesellschaftlicher Kritik wirkungsvoll entziehen. Eine große Gefahr besteht darin, dass die politische Durchsetzungskraft des Rechtspopulismus mit einem „Nationalismus der Beherrschten“ verschmilzt, der sich aus den Bruchstücken ei- nes in die Ära des fordistischen Kapitalismus zurückreichenden Sozialstaatsbewusstseins speist.

3. Umbruch der Arbeitsgesellschaft und soziale Desintegration Um diesen Zusammenhang verstehen zu können, ist es sinnvoll, einen Blick auf die Restruk- turierung nachfordistischer Arbeitsgesellschaften und das daraus resultierende Desintegrati- onspotential zu werfen. Etienne Balibar (1990: 256) hat in seiner Analyse des „Klassen- Rassismus“ von Arbeitern auf zwei widersprüchliche Tendenzen kapitalistischer Akkumulati- on“ aufmerksam gemacht: „einerseits werden die Lebens- und Arbeitsbedingungen ständig

2 Diesen Hinweis verdanke ich Steffen Lehndorff.

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mobil gehalten und destabilisiert, um die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt zu sichern, fort- während neue Kräfte aus der ‚industriellen Reservearmee’ zu schöpfen und eine relative Ü- berbevölkerung aufrecht zu erhalten; andererseits werden Arbeitskollektive über längere Zeit-

räume (über mehrere Generationen) stabilisiert, um sie zur Arbeit zu ‚erziehen’ und sie an das

Der Nationalismus ist eine moderne ideologische Integrations-

Unternehmen zu ‚binden’

form, die seitjeher auch darauf zielt, das antagonistische Potential der mit dem Lohnarbeits- verhältnis verwobenen sozialen Konflikte zu entschärfen. Es gehört somit zu den Paradoxien

kapitalistischer Klassengesellschaften, dass sie beständig „eine regressive Vorstellung von einem Nationalstaat“ reproduzieren, „in dem die Menschen von Natur aus ‚zu Hause’ sind, weil sie ‚unter sich’ sind“ (Balibar 1990: 259).

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Während der Ära des fordistischen Kapitalismus vollzog sich mit der Inkorporation der ar- beitenden Klassen in den Sozialstaat zugleich eine Re-Nationalisierung der Arbeiterbewe- gung. Aus ihrem Anspruch nach internationalistischen Arbeitnehmerorganisationen wurden inter-nationale Vereinigungen. Die damit korrespondierenden Sozialpartnerschaftsideologien konnten allerdings mit einen universalistischen Duktus operieren, weil sie dem Erfahrungs- kern der „Klassenmehrheit“ entsprachen. In der Phase des expandierenden Fordismus vollzog sich aus der Perspektive der – vorwiegend männlichen – Vollzeitbeschäftigten in geschützten Normarbeitsverhältnissen und ihrer Familien eine relative Abkoppelung der lebendigen Arbeit von Marktrisiken. Beteiligung der Arbeiterschaft am Produktivitätsfortschritt, Massenkonsum, verbriefte industrielle Rechte wie die Mitbestimmung und der Ausbau sozialer Sicherungs- systeme wurden zur Basis eines Sozialstaatsbewusstseins, das mit einem Kapitalismustyp („rheinischer Kapitalismus“, Albert 1992) korrespondierte, der im deutschen Fall ausgespro- chen kohäsive soziale Züge trug. Mit der seit Beginn der 90er Jahre offenkundigen Krise des „german capitalism“ ist nun die Gefahr ständig gegeben, dass nationales Sozialstaatsbewusst- sein in eine regressiv-moderne Ausschlussideologie transformiert wird.

Wesentliche Triebkräfte einer solchen Entwicklung müssen in den nachfordistischen Arbeits- gesellschaften verortet werden. Hellsichtige Beobachter wie der französische Soziologe Ro- bert Castel (2000) gehen davon aus, dass sich infolge von Globalisierung, technisch- organisatorischem Wandel in den Unternehmen und der Erosion kollektiver Regulierungen in den nationalen Arbeitsgesellschaften eine dreifache Spaltung stattfindet. In der - schrumpfen- den - „Zone der Integration“ dominieren noch immer relativ geschützte Normarbeitsverhält

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nisse. Parallel entsteht jedoch eine „Zone der Entkoppelung“ bzw. eine „Zone sozialer Aus- grenzung“, in der sich der Ausschluss von Erwerbstätigkeit verfestigt (Kronauer 2002). In dieser Zone befinden sich die „Entbehrlichen der Arbeitsgesellschaft“, die „Überflüssigen“ und „Ausgestoßenen“ (Waquant 1997). Zwischen beiden Polen öffnet sich eine „Zwischenzo- ne der Prekarität“, in der die „Verwundbarkeit“ der Arbeitenden jederzeit gegeben ist (Castel 2000: 415).

Nun ist in der Literatur umstritten, ob man in Deutschland tatsächlich bereits von einer ver- festigten Dreispaltung sprechen kann. So verbergen sich hinter dem Rückgang„typischer“ Normarbeitsverhältnisse in Westdeutschland - zwischen 1970 und 1995 ist deren Anteil von 83 auf 63 Prozent gesunken - unterschiedlichste Arbeitsrealitäten (erwünschte Teilzeitarbeit, abhängige Selbständigkeit, Leih- und Zeitarbeit, befristete Tätigkeiten, geringfügige Beschäf- tigung, hinzu kommt die Schattenarbeit). Nicht jedes atypische Beschäftigungsverhältnis ist zugleich prekär und das subjektive Empfinden von Prekarität unterscheidet sich z.B. bei Män- nern und Frauen erheblich (Bartelheimer 1998: 165 ff.). Doch selbst wenn sich Prognosen, die bis 2010 eine Relation von Norm- zu Nicht-Norm-Arbeitsverhältnissen im Verhältnis von 1:1 erwarten (Kommission 1996, kritisch: Bosch 2001), nicht erfüllen sollten, ist klar, dass atypi- sche und mitunter prekäre Arbeitsverhältnisse längst zu einem Massenphänomen geworden sind.

Die Auswirkungen der Flexibilisierung und Prekarisierung von Erwerbsarbeit konzentrieren sich bislang in bestimmten Branchen. So ist der Einzelhandel zu einem Vorreiter für Shop-in- shop-Konzepte und die Nutzung flexibler Beschäftigungsformen geworden. Teilzeitarbeit, befristete Verträge und geringfügige Beschäftigung sind (bzw. waren bis zur Regulierung ge- ringfügiger Beschäftigung) dort an der Tagesordnung. In der Bauwirtschaft expandiert der Einsatz von Subunternehmern und Scheinselbständigen. Ähnliches gilt für das Transportwe- sen und die Fast-food-Industrie. In neu entstehenden Industrien und Dienstleistungsbereichen begünstigen gering regulierte Unternehmen und Industrien ebenfalls eine Ausbreitung von Nicht-Norm-Arbeitsverhältnissen („Shift-Effekt“). Und selbst in den Kernbereichen indus- trieller Produktion gewinnt die Problematik an Bedeutung. Konzerne wie Daimler-Chrysler streben offiziell an, ein Fünftel bis ein Viertel der Belegschaften in flexiblen Arbeitsverhält- nissen zu beschäftigen. Auf diese Weise entsteht ein Druckpotential, das es den Gewerk

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schaften selbst in Zeiten der Hochkonjunktur erschwert, industrielle Rechte offensiv zu nut- zen.

Trotz aller Unsicherheiten in der Debatte kann man insgesamt davon ausgehen, dass sich auch in Deutschland eine „Zone der Prekarität“ 3 identifizieren lässt. Noch wichtiger ist jedoch, dass die Tendenz zur Re-Kommodifizierng von Arbeit auch vor der „Zone der Integration“ nicht halt macht. Die entscheidenden Veränderungen finden in dieser Zone statt. Deregulierung und Privatisierung, Shareholder-Value-Steuerung, Aufspaltung von Werken, Centerbildung und ein auf Dauer gestellter Standortwettbewerb sorgen dafür, dass Marktrisiken wieder unmittel- bar an Belegschaften oder gar an einzelne Arbeitskollektive durchgestellt werden können (Dörre 2002). Im Zuge der Anpassung von Unternehmen an unsichere Märkte geraten Werke und dezentrale Einheiten unter verstärkten Rationalisierungsdruck. Auch in stilprägenden Konzernen des rheinischen Kapitalismus beginnt sich ein Regime der „kurfristigen Zeit“ (Sennett 1998) zu etablieren, das die Vorteile einer langfristig ausgerichteten Produktion kol- lektiver Güter systematisch verkennt. An kurzfristigen Kostensenkungen und Rationalisie- rungserfolgen interessiert, haben dominante Managementfraktionen einem Rationalisierungs- typ zum Durchbruch verholfen, der selektiv auf die Produktionsintelligenz von Kernbeschäf- tigten zugreift, um durch Ausnutzung des Flexibilitätspotentials multifunktional einsetzbarer Arbeitskräfte mit Minimalbelegschaften zum größt möglichen Output zu kommen. Das Marktrisiko - und nicht ein relatives Gleichgewicht von Humanisierung und Effizienz der Arbeit - ist zum Treiber einer aktiven Rationalisierungsbeteiligung eines Teils der Stammar- beiter geworden. Dieser Rationalisierungstyp erzeugt nicht nur Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung. Im Zusammenspiel mit den Ungewissheiten sich rasch verändernder Märkte bilden Ausgrenzung, Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung ein Drohpotential, das die Re-Kommodifizierungsspirale immer wieder anheizt. Sukzessive geraten die sozialen Siche- rungssysteme unter den Druck des neuen Wettbewerbsregimes. Selbst dort, wo die institutio- nalisierten Arbeitsbeziehungen formell in Takt sind, wird nicht mehr über die Abkoppelung von Marktrisiken, sondern über den Grad an Unsicherheit verhandelt, der auch den Kernbe- legschaften zugemutet werden soll. Ein Geflecht aus betrieblichen Wettbewerbs- und Stand- ortpakten, das tarifliche Standards bei Löhnen, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen aus

3 Unter prekären Arbeitsverhältnissen verstehe ich Beschäftigungsformen, die (1) längerfristige Planungssicher- heit für den eigenen Lebensentwurf ausschließen, denen (2) die gesellschaftliche Anerkennung im Sinne eines wertvollen Beitrags für die Gesellschaft verweigert wird, die (3) kein existenzsicherndes Einkommen ermögli- chen und die (4) mit dem systematischen Ausschluss von institutionell garantierten Partizipationschancen in der Arbeitswelt verbunden sind.

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höhlt, signalisiert, dass kollektive Statusrechte von Arbeitnehmern wieder mehr und mehr in situativ beeinflussbare Kontrakte zurückverwandelt werden (vgl. Seifert 2002). Gerade für die „Zone der Integration“ gilt somit, dass abhängige Erwerbstätigkeit stärker als in früheren Zei- ten dem Marktdruck ausgesetzt wird.

Als Folge von marktgetriebener Dezentralisierung und partizipativer Rationalisierung sind neue Spaltungslinien in der Erwerbsarbeit entstanden (Schumann 2002, Dörre 2002). Die Scheidelinie läuft nicht nur zwischen fest Angestellten und prekär Beschäftigten. Sie existiert auch zwischen modernen Wissensarbeitern, hochqualifizierten Spezialisten, Facharbeitern und Fachangestellten auf der einen sowie den großen Gruppen der An- und Ungelernten auf der anderen Seite. Die Kluft findet sich zwischen älteren und jüngeren Arbeitskräften, zwi- schen denen mit und denen ohne selbst gewählte familiale Bindungen, zwischen kommunika- tionsfähigen Arbeitern und denen mit sprachlichen Defiziten sowie vor allem zwischen Jenen, die den flexiblen Kapitalismus als Glücksversprechen erleben, und den großen Gruppen, die noch immer (oder wieder) existenziell auf gesellschaftliche Schutzmechanismen zur Abfede- rung von Marktrisiken angewiesen sind. In letzter Konsequenz fördert die flexibel- marktzentrierte Produktionsweise eine Polarisierung der Arbeitsbedingungen und eine Frag- mentierung der Arbeitenden. Sie begünstigt einen Typus meist überdurchschnittlich junger, hoch qualifizierter und wiederum männlicher Arbeitskräfte, der die Zonen kontrollierter Au- tonomie selbstbewusst in seinem Sinne zu nutzen versteht. Ihn kann die Re- Kommodifizierung der Arbeitskraft nicht schrecken. Das Gegenteil trifft auf Gruppen zu, für die „gute Arbeit“ ein unerreichbares Ziel bleibt. Zu entfremdeten, mitunter prekären Tätig- keiten gezwungen, bringen Marktrisiken und daraus resultierende Flexibilitätsanforderungen ein bereits überwunden geglaubtes Maß an sozialer Unsicherheit in ihren Lebenszusammen- hang zurück. Empirisch belegt ist, dass Migranten in überdurchschnittlichem Ausmaß von den Risiken der Re-Komodifizierung heimgesucht werden. Dieser relative Ausschluss von der Wohlfahrtsgesellschaft und ihren Teilhaberechten fördert Abschottung, ethnische Separierung und damit jenen sozialen Sprengstoff, den Rechtspopulisten für ihre antidemokratische Stra- tegie zu instrumentalisieren suchen (Öztürk 2001).

Die teils latente, teils manifeste Polarisierung von Arbeitsbedingungen kann zahlreiche Schat- tierungen sozialer Desintegration hervorrufen. Indem die „Zone der Verwundbarkeit“ wächst, wirkt sie auf die „Zone der Integration“ zurück. Übergänge zwischen Normarbeitsverhältnis

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sen und prekärer Beschäftigung werden fließend. Die gesellschaftliche Integrationskraft von Erwerbsarbeit lässt nach. Soziale Desintegration in und durch Erwerbsarbeit bezeichnet somit ein Phänomen, das über die engere Definition von Prekarität hinausreicht. Soziale Desinteg- rationseffekte können sich auch dann einstellen, wenn ein Arbeitsverhältnis nicht im engeren Sinne als prekär zu bezeichnen ist. In der Konsequenz bedeutet dies, dass das fordistische Normarbeitsverhältnis als zeitweilig dominante Form der „Institution Erwerbsarbeit“ großen Teilen der Gesellschaft nicht länger als stabile Basis für längerfristige Lebensplanung, Wohl- fahrt und soziale Sicherheit dienen kann. Damit verändert sich der Sozialcharakter der Er- werbsarbeit insgesamt. Die zuvor relativ stabile Klammer von nationalem Sozialstaat, regu- lierter Erwerbsarbeit und darauf gegründeten sozialpartnerschaftlichen Integrationsideologien droht zu zerbrechen. In den Orten der Erwerbsarbeit weicht die Erfahrung sozialer Kohäsion sukzessive der Erfahrung eines universellen Wettbewerbsregimes. Eben dies löst Bedürfnisse nach Begrenzung der Konkurrenz, nach Ruhezonen, nach Sicherheit und kollektiver Identität aus. Und just diese legitimen Bedürfnisse suchen sich rechtspopulistische Formationen zunut- ze zu machen.

4. Konkurrenzerfahrungen, Individualismus, ideologische Reintegration

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Nun kann man einwenden, dass es fremdenfeindliche, rassistische und sexistische Konstrukti- onen im Arbeitermilieu immer gegeben hat. Schon die Frankfurter Studien zum autoritären Charakter haben die Anfälligkeit der organisierten Arbeiterbewegung für faschistische Ideolo- geme eindringlich belegt (Adorno 1973). Neuere Untersuchungen zeigen, dass Konstruktio- nen von Ethnie, Rasse, Nation und Geschlecht organisch mit der Arbeitsteilung in den entwi- ckelten Kapitalismen verschmolzen sind (Balibar/Wallerstein 1990, Fraser 2001). Indem sie Arbeitsteilung legitimieren und verfestigen, können solche Konstruktionen dazu beitragen, dass Ungleichheiten über längere Zeiträume mehr oder minder fraglos akzeptiert werden. Migranten, die in einem transitorischen Status gehalten werden und die - weil ihnen ein ganz anderes Leben in der Heimat vorschwebt - „freiwillig“ in die B-Segmente des Arbeitsmarktes, mit gering angesehenen, belastenden, schlecht bezahlten Tätigkeiten einmünden, sind das beste Beispiel (Parnreiter 1994). Zwar sind ethnisierende Klassifikationssysteme immer Ge- genstand von Konflikten; aber es ist nicht zwangsläufig so, dass sie durch rechtspopulistische oder rechtsextreme Formationen mobilisiert werden können.

Das dies gegenwärtig möglich ist, erklärt sich auch aus einer Paradoxie der flexibel- marktzentrierten Produktionsweise. So erzeugen die beschriebenen Spaltungslinien durchaus Kollektivlagen. Die daraus resultierenden sozialen Probleme werden aber in der Regel indivi- dualistisch bearbeitet. Der vorherrschende Individualismus hat nur wenig mit jener positiven sozialstaatlichen Individualisierung gemein (Beck 1986), deren wissenschaftliche Verallge- meinerung die deutsche Ungleichheitsdebatte lange beherrscht hat. Castel spricht realitätsnä- her von einer „Bipolarität der Individualismen“, die ihren Ursprung in der Arbeits- und Pro- duktionsweise des flexiblen Kapitalismus und seines Produktionsmodells besitzt.

Die marktzentrierte Arbeits- und Produktionsweise generiert einen Modus der Selbstzuschrei- bung 4 und fördert zugleich eine neuartige Subjektivität abhängig Beschäftigter. Indem hierar- chische Koordination durch Marktbeziehungen zwar nicht ersetzt, aber doch maskiert wird, verändert sich das betriebliche Herrschaftssystem. Markt und wirtschaftliche Konkurrenz er- scheinen als sachliche Gewalt, die die persönliche Verantwortung von Vorgesetzten und Ma- nagern „auslöscht“. Direkte Partizipation an Managemententscheidungen und die arbeits- platznahe Aushandlung von Zielvereinbarungen verlagern den Kampf um die „angemessene

4 Es geht nicht um bloße Fremdbestimmung. In Anlehnung an Foucault kann man von einer „Selbsttechnologie“ der Individuen sprechen, mit der sich die Subjekte eigenverantwortlich an fremdbestimmte Umstände anpassen (Foucault 2000, Rose 1990).

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Arbeitsleistung“ in die Gruppen und die Individuen hinein. Begriffe wie der „Ar- beitskraftunternehmer“ (Pongratz/Voß 2000) oder die „Selbst-GmbH“ dienen als ideologische Leitbilder für die Implementierung des Marktes in das Arbeitsbewusstsein. Wirklich unter- nehmerisch ist am Zwang zur Selbstvermarktung des eigenen Arbeitsvermögens wenig. Al- lerdings appelliert die flexible Arbeitsweise ununterbrochen an die Subjekthaftigkeit der Ar- beitenden. Wo sie bürokratische Bevormundung zurückdrängt, kommunikativen Austausch und ganzheitliche Arbeitsaufgaben fördert, wo sie die Entscheidungsspielräume der Beschäf- tigten erweitert und Autonomiezonen öffnet, ist sie - durch leistungssteigernde Wirkung - Quelle eines positiven Individualismus, der auf relativem Freiheitsgewinn im Arbeitsprozess beruht. Zugleich fördert sie jedoch eine Gegenbewegung, die Metamorphose eines negativen Individualismus, der sich allgemein „in den Begriffen des Mangels - Mangel an Ansehen, Mangel an Sicherheit, Mangel an gesicherten Gütern und stabilen Beziehungen“ (Castel 2000:

404) definieren lässt. Der negative Individualismus der Gegenwart läuft nicht auf eine Rück- kehr zu frühkapitalistischen Verhältnissen hinaus. Er entsteht als „Resultat des Schwächer- werdens bzw. des Verlusts der kollektiven Regulierungen“ (ebd.: 407) aus der fordistischen Epoche und er nimmt den Subjekten jenen sicheren Rahmen, der nötig wäre, um Marktrisiken als positive Handlungsanreize entschlüsseln zu können. Selbst in den von sozialer Ausgren- zung bedrohten Gruppen herrscht das Bewusstsein vor, auf einen fahrenden Zug aufspringen zu müssen - ein Unterfangen, das in erster Linie der individuellen Anstrengung bedarf. Dieses Bewusstsein erinnert fatal an die Denkschemata nordamerikanischer Ghettobewohner, wie sie Pierre Bourdieu und Loic Waquant beschreiben. Das Ghetto ist eine durch Gewalt struktu- rierte, streng hierarchische, undurchlässige, abgeschottete Mikrogesellschaft aus der es kaum ein Entrinnen gibt. Und dennoch lebt das Gros der Bewohner in Hoffnung, „demnächst“ mit einem Kurs oder einer Weiterbildung den Sprung nach „draußen“ und in eine andere soziale Position zu schaffen (Waquant 1997: 179 ff.).

Gleich ob in seiner positiven Überhöhung oder in seinen negativen Ausformungen - das indi- vidualistische Arbeitsbewusstsein sperrt sich gegen gewerkschaftliche Anrufungen, die auf den fordistischen „Normalarbeiter“ zugeschnitten sind. Und dennoch stößt dieser Individua- lismus an Grenzen. Schon weil der Arbeitsprozess die Individuen immer wieder mit an- spruchvollen Kooperationsanforderungen konfrontiert, lassen sich individualistische Orientie- rungen nicht ungebrochen durchhalten. Es sind nicht allein die Arbeitsbedingungen und die Unternehmensdisziplin, die die Beschäftigten motivieren, den Übergang vom Ich zum Wir zu

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vollziehen. Die Beschäftigten selbst drängen danach, sich im Verhältnis zu anderen zu defi- nieren, um Anerkennung zu erfahren und Konkurrenz zu begrenzen. Empfänglichkeit für rechtspopulistische, rechtsextreme Ideologien entsteht aus dem Versuch, Selbststabilisierung zu erreichen, indem der individuelle Anschluss an eine imaginäre nationale Gemeinschaft vollzogen wird.

Wie eine solche Wirkungskette verlaufen kann, sei an einem Beispiel illustriert, das in der „Zone der Integration“ angesiedelt ist. Es thematisiert einen Leistungskonflikt, dessen Haupt- gegenstand nicht mehr Belastungen durch routinisierte, repetitive Tätigkeiten sind, obwohl es auch solche Belastungen noch immer in großem Ausmaß gibt (Kurz 1999). Der Leis- tungskonflikt der flexiblen Arbeitsweise resultiert in erster Linie aus der Unbestimmtheit des Leistungsvolumens, aus erweiterten Tätigkeitsspektren und der Entwertung habitualisierter Arbeitsweisen. Ein produktivistisches Leistungsregime, das auf das Arbeitsvermögen, ja, auf die gesamte Person zugreift, kann einer Selbstinstrumentalisierung Vorschub leisten, die ein instrumentelles Verhältnis zu anderen, vermeintlich „unproduktiven“ Gruppen der Gesell- schaft in sich einschließt.

Anhand einer Gruppe von jungen Ingenieuren aus einem geradezu modellhaft reorganisierten Maschinenbau-Betrieb lässt sich illustrieren, wie Selbst- in Fremdinstrumentalisierung um- schlägt. In dem untersuchten Betrieb arbeiten die multifunktionalen Ingenieurteams weitge- hend autonom. Die Arbeitszeiten sind flexibilisiert (Gleitzeitkonten im Volumen von mehr als zwei Arbeitswochen); es gibt große Entfaltungsspielräume in der Arbeit, die jedoch von den Anforderungen des Marktes („Jedes bestellte Produkt muss binnen fünf Tagen in höchster Qualität geliefert werden“) diszipliniert werden. Nach ihrer Haltung zur aktuellen Tarifrunde befragt, lassen die Angestellten keinen Zweifel an der Notwendigkeit von Gewerkschaften. Selbst Nichtgewerkschaftsmitglieder plädieren für Gegenwehr, sofern „die andere Seite mit ihren Forderungen nach Lohnzurückhaltung den Bogen überspannt“. Entscheidend sind je- doch die Nachsätze, mit denen solche Aussagen häufig versehen werden. Eine Passage aus dem Interview mit einem unorganisierten Ingenieur ist aufschlussreich: Herr I: Ich meine nicht, dass es an uns ist, dauernd Lohnverzicht zu üben. Wir müssen ja immer mehr für unser Geld leisten. Wenn die Arbeitgeber überziehen, dann bin ich dafür, dass man sich wehrt, not- falls auch mit Streik. Sparen kann man an anderer Stelle! Interviewer: Wo? Herr I: Das habe ich mir gedacht, dass Sie das fragen. Na, zum Beispiel bei den Asylanten. Verstehen Sie mich

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richtig. Ich habe nichts gegen Ausländer. Die, die wir gerufen haben, die, die hier arbeiten, die sollen bleiben. Aber was jetzt so alles reinströmt. Das können wir nicht mehr bezahlen!

Bezeichnend ist der Perspektivwechsel des Befragten. Zunächst orientiert sich die Interpreta- tion des gesellschaftlichen Verteilungskonflikts an Lohnarbeiterinteressen. Im Verlauf des Gesprächs kippt jedoch diese Perspektive; der Sprecher bedient sich einer Innen-Außen- Semantik, die den „produktiven“, „nützlichen“ Kern der Gesellschaft den „unproduktiven“, „überflüssigen“ und somit „randständigen“ Asylbewerbern gegenüberstellt. Auf diese Weise verwandeln sich Verteilungskonflikte zwischen sozialen Klassen in Auseinandersetzungen zwischen „produktivem“ Zentrum der Gesellschaft und „unproduktiver“ Peripherie. Sicher- lich wurzeln solche Bewusstseinsformen auch in produktivistischen Orientierungen, wie sie die organisierte Arbeiterbewegung in der Blüte des fordistischen Kapitalismus nicht nur ak- zeptiert, sondern bewusst gefördert und konserviert hat (Zustimmung zum technischen Fort- schritt gegen „gerechte Beteiligung“ der Arbeitnehmer am Produktivitätszuwachs). Ange- sichts härterer Verteilungskämpfe macht sich nun die latent schon immer vorhandene Parti- kularität solcher Orientierungen bemerkbar. Es kommt jedoch noch etwas anderes hinzu. Die flexible Betriebsorganisation verstärkt offenbar die ausgrenzende Wirkung produktivistischer Orientierungen. Der zentrale Imperativ der flexiblen Betriebsorganisation, „Sei verfügbar, wann immer Du gebraucht wirst“, kann letztlich als Unterordnung der gesamten Person unter fremdbestimmte Zwecke erfahren werden. Der „Kopf ist selbst während der freien Zeit noch im Geschäft“, berichten die Ingenieure. Auf diese Weise gerät erlebte Fremdbestimmung zu- mindest mittelbar in Gegensatz zu den Beteiligungsanforderungen der flexiblen Organisation. Daraus resultierender Leidensdruck kann sich, zumal seine Bewältigung vornehmlich als in- dividueller Akt, als Eigenleistung der Persönlichkeit begriffen wird, in der positiven Überhö- hung der Ursachen dieses Leidens niederschlagen. Erzwungene Unterordnung unter die Ge- bote des unternehmerischen Produktivismus verwandelt sich in Abgrenzung von anderen, schwächeren, vermeintlich parasitären Gruppen der Gesellschaft.

Die geschilderte Innen-Außen-Semantik verweist somit auf den unterschwelligen Leistungs- konflikt im flexiblen Unternehmen. Zentrum dieses Konflikts sind die Flexibilitätsanforde- rungen einer marktzentrierten Betriebs- und Unternehmensorganisation. Belastungen entste- hen aus dem Zerbrechen von Routinen und der Individualisierung des Leistungsregimes. Das erinnert an den von Sennett (1998) beschriebenen Grundkonflikt des flexiblen Kapitalismus.

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Im Unterschied zum neoamerikanischen Kapitalismusmodell erfolgt die Anpassung des Leis- tungsregimes an Marktbedingungen hierzulande jedoch in einem Umfeld, das sich im interna- tionalen Vergleich noch immer durch vergleichsweise hohe Sicherheitsstandards auszeichnet (Lash 1996: 213). Das macht die Leistungs- und Flexibilisierungsproblematik nicht weniger brisant. Eher ist das Gegenteil der Fall. Das verinnerlichte Sicherheitsniveau sorgt dafür, dass die stärkere Koppelung individueller Biographien an Marktrisiken subjektiv als besonders einschneidend erfahren wird. Gerade die kognitive Präsenz eines noch immer vergleichsweise intakten sozialen Rahmens kann vor dem Hintergrund intensiverer Konkurrenz und unüber- sichtlicher, komplexer Migrationsbewegungen zur mächtigen Triebkraft eines „reaktiven Na- tionalismus“ werden.

5. Reaktiver Nationalismus – eine Alltagsphilosophie von Lohnabhängigen Im Zentrum dieses Nationalismus steht das Bestreben, die „Wohlstandsinsel Deutschland“ vor illegitimen, „fremden“ Ansprüchen schützen zu wollen. Um den Kuchen nicht mit zu vielen teilen zu müssen, sollen die Zugänge zu dieser Insel erschwert und scharf kontrolliert werden. Bevorzugte Ausschlusskriterien sind (wirtschaftliche) ‚Nützlichkeit’ und ‚Kultur’. Kein be- fragter Arbeiter oder Angestellter definiert sich als Ausländer- oder Fremdenfeind. Jeder kennt den „guten Ausländer“. Abgelehnt wird eine fremde, unbekannte, nicht-weiße, nicht- europäische „Kultur“, deren zugeschriebene Merkmale gleichsam naturalisiert werden. Es macht wenig Sinn, diese Grundhaltung pauschal als Wohlstandschauvinismus oder Standort- nationalismus zu attackieren, weil in ihr legitime Ansprüche auf Sicherheit, „gute Arbeit“ und „gutes Leben“ mitschwingen. Im Unterschied zum „Sozialimperialismus“ (Mann 2001: 278 ff.) des frühen 20. Jahrhunderts ist diese Haltung zutiefst defensiv. Anders als der „linke“ Fa- schismus des Strasser-Flügels in der NSDAP fehlt ihr das revolutionäre Pathos. Sie ist kon- servativ. Konservativ insofern, als sich in ihr die Sehnsucht nach einer Republik, nach einer Gesellschaft manifestiert, die so nicht mehr existiert. Der reaktive Nationalismus von Arbei- tern definiert sich nicht, jedenfalls nicht primär über völkische Ideen und Symbole. Er beruft sich höchst modern auf ein Verständnis des Nationalen, das soziale Ansprüche, also Bürger- rechte legitimiert. Auch deshalb lässt es sich nicht als neue Variante faschistischer Blut- und Boden-Ideologien attackieren. Politisch brisant an dieser Alltagsphilosophie ist, dass sie sich vom Sozialstaatsbewusstsein früherer Jahrzehnte nur graduell unterscheidet.

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Der reaktive Nationalismus des 21. Jahrhunderts sucht zentrale Elemente überkommener So- zialpartnerschaftsideologien zu konservieren. Soweit er sich auf das Innere der „Wohlstands- insel“ bezieht, besitzt er mitunter ein feines Sensorium für soziale Ungleichheit. Er beklagt ungerechte Verteilungsverhältnisse und er besteht auf „fairen Tausch“, auf ausgewogenes Ge- ben und Nehmen („gutes Geld für gute Leistung“), das die Beziehungen von Belegschaften und Management, von Kapital und Arbeit prägen soll. Das Klassifikationssystem ändert sich jedoch, sobald die „Wohlstandsinsel“ Deutschland in Beziehung zu anderen, vermeintlich konkurrierenden Staaten gesetzt wird. In diesem Kontext werden Verteilungskämpfen zwi- schen „Oben“ und „Unten“ in eine Auseinandersetzung zwischen Kulturen und Nationen um- gedeutet. Der reaktive Nationalismus von Lohnabhängigen ist somit eine spezifische, sozial- populistische Antwort auf die Entgrenzung der Märkte. In einer historischen Situation, in der die alte Verklammerung von Nationalstaat und sozialreformerischer Politik zerbrochen ist, in der die soziale Integrationskraft der Erwerbsarbeit nachlässt und die Ideologie des Globalis- mus zur Triebkraft sozialer Unsicherheit wird, bietet sich die Politik mit den Grenzen als ima- ginärer Ausweg an.

Um Missverständnissen vorzubeugen. Wer im Sinne eines reaktiven Nationalismus denkt und handelt, ist noch kein Rechtsextremist. Vielmehr handelt er durchaus in Übereinstimmung mit der dominanten Ideologie eines „Wettbewerbsstaates“, dessen Legitimität sich in erster Linie darauf gründet, alle verfügbaren Ressourcen zu mobilisieren, um die nationale Position im globalen Standortwettbewerb zu verbessern (Hirsch 2002). Der reaktive Nationalismus fügt sich den damit verbundenen Leistungsimperativen; er fordert jedoch einen gerechten Anteil am Kuchen und ist bereit, diesen Anspruch gegen Outsider, gegen andere, fremde, „nicht an- spruchsberechtigte“ Gruppen durchzusetzen. Daher bedarf es lediglich einiger Zuspitzungen, um die nationalisierenden Alltagsphilosophien Lohnabhängiger für die Botschaften der äu- ßersten Rechten zu öffnen. Der reaktive Nationalismus wirkt wie eine passgenaue alltagskul- turelle Entsprechung zu einem Rechtspopulismus, der sich als legitimer Sachwalter nationaler Arbeitsinteressen präsentiert.

In diesem Zusammenhang wirkt die nachlassende Bindekraft der „Institution Erwerbsarbeit“ als Problemverstärker. Denn bereits am Arbeitsplatz wird die Wirkung von Ideensystemen geschwächt werden, die einer Umformung von Desintegrationserfahrungen in reaktiven Nati- onalismus entgegenwirken könnten. Nicht nur im Wohngebiet, auch im Betrieb und am Ar

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beitsplatz büßen tradierte Ideologien der Arbeiterbewegung ihre immunisierende Wirkung ein. Die Sicherheitsversprechen der alten Sozialpartnerschaftsideologie korrespondiert im Grunde nur noch mit der Arbeits- und Erfahrungswelt von Beschäftigten, die nicht nur in der Gesell- schaft, sondern innerhalb ihrer Klasse zu einer Minderheit geworden sind.

6. Aufschaukelungseffekte und ihr Ventil Die Ungleichzeitigkeit von Lage und Bewusstsein, die der reaktive Nationalismus von Lohn- abhängigen zum Ausdruck bringt, ist auch deshalb brisant, weil die Arbeitsgesellschaft zu einem Terrain von Interaktionen und Konflikten geworden ist, die nicht-intendierte Aufschau- kelungseffekte nach sich ziehen. Zugespitzt formuliert: Auch gut gemeinter Anti-Rassismus und aufrichtiger Kosmopolitismus können im betrieblichen Herrschafts- und Interaktionsge- füge mitunter gegenteilige Wirkungen erzielen und dem Rechtspopulismus ungewollt in die Hände arbeiten.

Auch dazu ein Beispiel. In einem untersuchten Produktionsbetrieb agiert ein seinem Selbst- verständnis nach ausgesprochen „internationalistisches“ Management. Dem Personalchef, einem jungen, eloquenten Manager, sagt man Hausbesetzererfahrungen nach. Sein Anti- Rassismus ist durchaus glaubwürdig. Angesichts einer Belegschaft, die zu mehr als 70 Pro- zent aus Migranten (24 Nationalitäten!) besteht, erscheint seine Haltung auch aus der Unter- nehmensperspektive funktional. Denn eine Eskalation ethnischer Spannungen würde unwei- gerlich zu Störungen des Produktionsbetriebs führen. Und doch fördert die kosmopolitische Haltung des Managements unbeabsichtigt ethnisierende Bewältigungen der Marktkonkurrenz. Aus der Beschäftigtenperspektive ist der Internationalismus der Manager nichts anderes als die ideologische Hülle des harten Standortwettbewerbs, von dem das Werk betroffen ist. So ist man an einem joint venture in Tschechien beteiligt. Einige Center-Leiter betreuen den Aufbau komplementärer Zulieferer- und Produktionsstrukturen am tschechischen Standort. Laut Geschäftsleitung sichert die Internationalisierung der Wertschöpfungskette wegen der damit verbundenen Kostenoptimierung Arbeitsplätze im Stammwerk. Negative Folgen für die Arbeitsplätze seien allenfalls „bei heimischen Zulieferern zu erwarten“, argumentiert die Fir- menleitung. Trotz dieses Effekts spielen Standortkonkurrenzen in der betrieblichen Kommu- nikation eine zwiespältige Rolle. Einerseits werden Kostenvergleiche gezielt eingesetzt, um dezentrale Organisationseinheiten zu disziplinieren. Anderseits steigern Konkurrenzerfahrun- gen die Unsicherheit in der Belegschaft in einem solchen Maße, dass schon die bloße Erwäh

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nung des tschechischen Zweigwerks bei befragten Arbeitern aggressive Reaktionen auslöst:

„Wir sehen doch, was rausgeht an Maschinen; der eine, der Koordinator, der das blöde Grin- sen hat, der ist stolz darauf, dass er die Arbeitsplätze verlagern kann in die Tschechei!“, lautet eine typische Äußerung.

Solche Bewertungen dürfen nicht als rationale Verarbeitung realer Internationalisierungsfol- gen verstanden werden. Sie zeugen jedoch von einer Dominanz des Konkurrenzprinzips, das die Alltagserfahrungen der Arbeiter in der dezentralisierten Fabrik prägt. Konkurrenzerfah- rungen werden auch in Gestalt ethnischer Konstruktionen bewältigt. So verlangen deutsch- stämmige Migranten aus Osteuropa, dass im Falle von Entlassungen zuerst die „Nichtdeut- schen gehen müssen“; eine Haltung, die bei Angehörigen anderer Nationalitäten Gegenreakti- onen hervorruft. Diese latente Ethnisierung sozialer Konflikte ist ein Grund, weshalb der Be- triebsrat gewählte Gruppensprechern ablehnt. Die Interessenvertreter fürchten, eine „Wahl nach Ethnien“ könne die latenten Spaltungen in der Belegschaft irreversibel vergrößern. Ent- scheidend ist, dass die Manager mit kosmopolitischem Selbstverständnis von ihren Unterge- benen zugleich als Verursacher existenzieller Unsicherheit wahrgenommen werden. In den Augen der Arbeiter konterkariert das den symbolischen Antirassismus der Führungskräfte. Ethnisierende und nationalisierende Klassifikationen sind somit eine defensive Reaktion auf einen Internationalismus, der von den Arbeitern in erster Linie als Intensivierung von Konkur- renz erfahren wird. Gemäß der inneren Logik ihres „imaginären Protests“ unterwerfen sich Arbeiter den Imperativen des „Manager-Internationalismus“, indem sie versuchen, die negati- ven Folgen der Konkurrenz auf andere abzuwälzen. Gewiss sind ethnische Konstruktionen nur eine Form vielgestaltiger Gruppenkonkurrenzen. Sie werden nicht kausal durch betriebli- che Konkurrenzen oder Reorganisationsmaßnahmen verursacht. Untergründig sind sie bei der Legitimation von Arbeitsteilung und Ungleichheit in den Betrieben immer präsent. Aber gera- de in Situationen, in denen eingespielte Formen der Arbeitsteilung in Frage gestellt werden, eignen sie sich, um Konkurrenzerfahrungen subjektiv bewältigen zu können. Sie bieten ein Ventil für verletztes Gerechtigkeitsempfinden; dabei können sie auf vielfältige Weise mit Bil- dern einer zweigeteilten Gesellschaft korrespondieren. Dichotomische Weltbilder sind jedoch nur ein subjektives Relevanzsystem unter vielen anderen, aus denen die befragten Arbeiter ihre soziale Identität konstruieren.

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Festzuhalten bleibt, dass in der betrieblichen Erfahrungswelt eine Vielzahl von Aufschauke- lungsmechanismen wirksam werden, die ethnisierende, nationalistische Deutungen sozialer Konflikte begünstigen können. Zugleich werden in Betrieben und Unternehmen jedoch Dis- ziplinierungsmechanismen wirksam, die einer Eskalation, häufig jedoch auch einer demokra- tischen Bewältigung ethnischer Spannungen zuwider laufen. In durch den Weltmarkt diszipli- nierten Produktionsgemeinschaften erscheinen offener Rassismus und Rechtsextremismus als Störfaktoren, die es zu beseitigen gilt. Unternehmen, die, wie der Autobauer Ford, ‘Diversity’ zum integralen Bestandteil ihrer Geschäfts- und Marketingstrategie machen, können sich of- fenen Rassismus im Betrieb nicht leisten. „Störenfriede“ müssen mit Sanktionen bis hin zu Entlassungen rechnen, die von Geschäftsführungen und Betriebsräten gemeinsam getragen werden. Insofern ist es wenig verwunderlich, wenn betriebliche Interessenvertreter immer wieder erklären, dass es Rassismus und Rechtsextremismus „bei uns“ im Betrieb nicht gibt. Doch mit seiner autoritativen Befriedung ist das Problem nicht vom Tisch. Was in der Ar- beitswelt erzeugt, betrieblich aber stillgestellt wird, dürfte sich mit großer Wahrscheinlichkeit in gesellschaftlichen Feldern, in denen der disziplinierende Druck betrieblicher Hierarchien fehlt, um so heftiger bemerkbar machen.

7. Gegenstrategien: Die Vision einer neuen Arbeitsverfassung Was bedeutet das für die Gewerkschaften? Offenkundig befinden sich die Interessenorganisa- tionen der Lohnabhängigen in einem Dilemma. An gutem Willen bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus mangelt es sicher nicht; unklar ist jedoch, wie eine wirkungsmächtige Gegenstrategie aussehen kann. Angesichts der Anfälligkeit von Teilen der eigenen Mitglied- schaft würde jede offensive Auseinandersetzung mit dem Rechtspopulismus eine Zerreißpro- be in den eigenen Reihen provozieren. Ein bloßes Ignorieren der Problematik dürfte jedoch früher oder später zu ähnlichen Resultaten führen.

Die Frage nach einer wirkungsvollen Gegenstrategie lässt sich noch schwerer beantworten, wenn man eine zusätzliche Komplikation bedenkt. Gegenwärtig konkurrieren in den Gewerk- schaften, aber auch in anderen politischen Organisationen zwei Politikansätze. Eine Politik der Forderungen zielt auf Bekämpfung oder Beseitigung des Mangels und somit auf die strukturellen Ursachen des reaktiven Nationalismus von Lohnabhängigen. Dagegen favorisiert eine Politik der Anerkennung Methoden zur Dekonstruktion rassistischer, nationalistischer und sexistischer Ideologien. Nancy Fraser (2001: 23 ff.) hat eindrucksvoll gezeigt, dass beide

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Politikansätze sich in einem latenten Spannungsverhältnis bewegen. Die Politik der Forde- rungen beruht auf einem – letztlich klassenbasierten – Verteilungsmodell, dass zumindest dem Anspruch nach einer universalistischen Logik folgt. Die Politik der Anerkennung zielt hinge- gen auf eine Legitimierung von Differenz. Das Spannungsverhältnis zwischen beiden Politik- ansätzen hat es in der Arbeiterbewegung immer gegeben. In der Ära des flexibel- marktgetriebenen Kapitalismus wird es jedoch geradezu radikalisiert.

Zwar spricht aus meiner Sicht einiges dafür, das wir zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit einer Neubildung von Klassen konfrontiert werden (Dörre 2002b). Doch innerhalb der arbeitenden Klassen ist die vereinheitlichende Wirkung fordistischer Normarbeit entfallen. Die Anerken- nung von Differenz auf Seiten der Beherrschten ist somit zu einer zwingenden Voraussetzung für die Wiederbelebung einer integrativen gewerkschaftlichen Solidarität geworden. Weder alte Sozialpartnerschafts- noch traditionelle, auf einen gemeinsamen Gegnerbezug abhebende Klassenideologien werden entsprechende Integrationsleistungen vollbringen können. Schon in der nationalen Arena ist der Spagat zwischen prekär oder gar informell beschäftigten Migran- ten auf der einen und noch immer relativ geschützten Stammbelegschaften in weltmarktorien- tierten Industrien so groß, dass er innerhalb der alten ideologischen Muster nicht zu bewälti- gen ist. Doch auch die eher defensive Strategie der nationalen Sozialpakte mit ihrer Entspre- chung in betrieblichen Wettbewerbskoalitionen bietet im Grunde keinen Ausweg aus dem Dilemma. Denn letztlich tendierte dieser Politikansatz dazu, primär die Interessen jener Lohn- abhängigen-Fraktionen zu bedienen, die in ihren Unternehmen noch vergleichsweise durch- setzungsfähig sind. Mit seinen Konstruktionen „nationaler Wettbewerbsfähigkeit“ kann er ungewollt dazu beitragen, den „reaktiven Nationalismus“ von Lohnabhängigen noch zu ver- stärken. Im Grunde handelt es sich um „eine Verlängerung fordistischer Handlungsmuster“ (Hammer/Pühretmayer 2002: 3), die die Notwendigkeit einer grundlegenden Erneuerung ge- werkschaftlicher Kollektividentitäten unterschätzen.

Die Rekonstruktion einer demokratisch-universalistischen Gewerkschaftsidentität ist jedoch in meinen Augen das eigentliche Schlüsselproblem. Denn die beschriebene rechtspopulisti- sche Unterströmung ist nicht zuletzt ein Ausdruck der Krise gewerkschaftlichen und politi- scher Interessenrepräsentanz in der Arbeitswelt. Noch ist kein ende dieser Krise in Sicht. Im- merhin haben sich in einigen europäischen Staaten verschiedene Spielarten eines politischen „campaining unionism“ oder „social movement unionism“ (ebd.: 5, vgl. auch Kelly 1998,

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Moody 1997, Brofenbrenner u.a. 1998) artikuliert, die eine Alternativen zur selektiven Solida- rität des Wettbewerbskorporatismus darstellen. Vorerst ist unklar, ob und in welchem Maße solche Ansätze zu einer neuen gewerkschaftlichen Identitätsbildung beitragen können. Eine Chance besitzen sie jedoch nur, wenn sie sich das produktive Potential der flexiblen Produkti- onsweise zu Eigen machen. Die Entfaltung der Produktivkräfte rückt eine Utopie zur Über- windung und Neugestaltung gesellschaftlicher Arbeitsteilung in den Bereich des Machbaren, die die gewerkschaftliche Fixierung auf eine lebenslang ausgeübte Berufstätigkeit Schritt für Schritt überwindet und das Modell einer optionalen Lebensgestaltung an ihre Stelle setzt. Es geht um das visionäre Projekt einer neuen Arbeitsverfassung, die flexible Arbeit, Bedürfnisse nach Zeitwohlstand, Familien- und Reproduktionsphasen sowie Weiterbildungsinteressen so kombiniert, dass vielen die Möglichkeit zu einem guten Leben eröffnet wird.

Wichtige Bausteine einer reformorientierten Arbeitspolitik könnten die schrittweise Überwin- dung des Dualismus von Normarbeitsverhältnissen und befristeter Beschäftigung, eine rechtli- che Gleichstellung verschiedener Beschäftigungsverhältnisse sowie institutionell gesicherte Möglichkeiten zu lebensbegleitendem Lernen (Recht auf Weiterbildung, Bahnmüller 2002) sein. Geschlechterdemokratie, Kriterien für „gute Arbeit“ auch in den Wissensindustrien und Dienstleistungsbereichen, die Erweiterung von Mitbestimmungschancen durch individuelle Partizipationsrechte und Arbeitszeitverkürzungen in Form großer Freizeitblöcke würden e- benso zu einem solchen Projekt gehören wie die Gewährleistung elementarer Bürger- und Menschenrechte für Migranten. Bei der Verwirklichung einer solchen Vision hätten die Ge- werkschaften zu lernen, dass Beschäftigungssicherheit nicht mehr an den Einzelarbeitsplatz in einem bestimmten Betrieb gebunden werden kann. Statt dessen sollten sie für Teilhaberechte eintreten, die unabhängig von der jeweiligen Beschäftigungssituation definiert werden und deren Kontinuität im Lebensverlauflauf sichergestellt ist. Die Durchsetzung einer Arbeitsver- fassung, die Flexibilität und Sicherheit auf neue Weise kombiniert, wird Jahre, vielleicht Jahr- zehnte benötigen. Mit dem Leitbild einer neuen Arbeitsverfassung besäßen die Gewerkschaf- ten jedoch wieder ein visionäres Projekt, das der viel beschworenen „Solidarität in Vielfalt“ politische Substanz verleihen könnte. Ohne eine entsprechende Erneuerung des universalisti- schen Potentials gewerkschaftlicher Solidarität dürfte es schwer werden, der sozialdarwinisti- schen Ideologie des neuen Rechtspopulismus eine demokratische Alternative entgegenzuset- zen. In Deutschland wie auch in vielen anderen europäischen Staaten ist es der extremen Rechten bislang nicht gelungen, marktradikale Orientierungen erfolgreich mit den Bemühun

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gen um eine Nationalisierung der sozialen Frage zu kombinieren (Betz 2001: 167 ff.). Doch selbst wenn die Krise der politischen Repräsentanz hierzulande einer organisatorisch eigen- ständigen rechtspopulistischen Formation nicht zum Durchbruch verhelfen sollte, gibt es für die Gewerkschaften keinen Grund zu Beruhigung. Rechtspopulistische Unterströmungen schwächen die politische Durchsetzungskraft der Gewerkschaften. Eine offensive Auseinan- dersetzung mit diesem Problem ist der erste Schritt zur Veränderung.

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