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Eine Veröffentlichung dieses
Buches darf nur in seiner
Gesamtheit erfolgen. Einzel-
auszüge sind daher nicht
gestattet.

Hannover, den 11. Oktober 1956

Franz W i e b e
Ein Beitrag zur niedersächsischen Landesgeschichte

Die Geschichte

des Dorfes

(Kreis Fallingbostel)

Druck: Goetz-Druck K. G., Wunstorf


Einband: Langelüddecke, Braunschweig
Klischees und Lithos: Werner Hitze o. H. G., Hannover

Sämtliche Abbildungen sind Zeichnungen und Skizzen bzw. Fotos und Repro-
duktionen des Verfassers.

Eine Vervielfältigung des Buches oder eine Veröffentlichung von Auszügen ist
nur mit dessen Genehmigung oder dem Einverständnis seiner Erben gestattet. Franz Wiebe, Hannover-Eickeloh
Verzeichnis der Photokopien, Zeichnungen, Skizzen und Photos Seite
8. Die alte Kirche v. 1296 (Seitenansicht) 261
9. Die alte Kirche v. 1296 (Vorderansicht) 261
10. Die Kirche von 1868 mit Innenansicht 263
11. Bildnis Pastor Borchers 265
12. Bildnis Pastor Gellermann 265
13. Bildnis Pastor Westenberg 265
Photokopien: Seite 14. Bildnis Pastor Semler 265
1. Eickeloher Kirchenstiftungsurk. v. 1296 vorderes Faltblatt 15. Bildnis Pastor Voges 266
2. Huldigungsverzeichnis vom 9. 12. 1649 273 16. Bildnis Pastor Heldt 266
3. Eickeloher Kirchenrechnung von 1619 262 17. Bildnis Pastor Trippe 266
4. Eickeloher Kircheneinnahme v o n 1619 274 18. Kantor Rodewald m. Schulkindern 1872 267
5. Eickeloher Kircheneinnahme von 1665 274 19. Das Schulhaus von 1905 267
20. Burgwallrest Blankenhagen 268
Zeichnungen: 21. Gedenkstein d. Burg Hodenhagen 268
1. Siegel d. Grafen Burch. v. W ö l p e v. 1258 39 22. Der W a r t e n b e r g 269
2. Siegel d. Edelh. Herrn, v. Hodenberg v. 1251 43 23. Das Kriegerdenkmal 1914/18 270
3. Siegel d. Lippold v. Mandelsloh v. 1328 51 24. Der Fährweg (Flötenweg) 271
4. Siegel d. Hinrich v. Bothmer v. 1358 51 25. Die Allerfähre von 1907 271
5. Ämterkarte von Ahlden (Aller) v. 1593 246 26. Der Zusammenfluß v. Aller u. Leine 271
6. Namenszug d. Pastors Veltman v. 1623 75 27. Koppel auf der Dorfstelle 272
7. Namenszug d. Küsters Hoch v. 1698 75 28. Der Triftberg m. Riekskamp 272
8. Abriß des Amtes Ahlden, 18. Jahrh. 256 29. Büchtmannshof Nr. 10 275
9. Das Dorf Eickeloh von 1817 254 30. Schroershof Nr. 11 276
10. Die kriegerischen Ereignisse im J a h r e 1625 248 276
31. Wilhelmshof Nr. 17
277
32. Neumeiershof Nr. 14
Skizzen: 277
33. Rustshof Nr. 20
Skizze 1: Grundriß der Kirche von 1296 18 278
34. Hauptdorfstraße m. ehem. Wiepenhof Nr. 21
Skizze 2: Ecklo um 1150/60 2 42
278
35. Eichen hinter der Kirche
Skizze 3: Raum zwischen Aller und Meiße 279
243 36. Ahrenshof Nr. 27
Skizze 4: Der Loingau um 1000 n. Chr. 279
241 37. Poßmannshof Nr. 32
Skizze 5: Das Dorf Eickeloh im J a h r e 1779 280
247 38. Rademachershaus Nr. 34
Skizze 6: Lage der Burg Hodenhagen 280
245 39. Das alte Hirtenhaus Nr. 40
Skizze 7: Die Kriegsereignisse von 1626 281
249 40. Schloß v. Hodenberg, Hudemühlen um 1650
Skizze 8: Die Kriegsereignisse von 1757 282
253 41. Südl. Dorfstraße
Skizze 9: Die Gemarkung Eickeloh v. 1779 282
250 42. Nördl. Dorfstraße
283
43. Kaufmann Hogrefe Haus Nr. 19
Photos: 283
44. Kaufmann W i e b e H a u s Nr. 77
1. Dorfansicht 257 284
45. Fahne des Schützenvereins von 1952
2. Urnen v. Krähenberge bei Hademstorf 264 285
46. Posaunenchor Eickeloh von 1900
3. Die alte Poststraße beim Hirtenlande 258 286
47. Das Eickeloher Osterfeuer
4. Die Eickeloher Windmühle von 1747 259
5. Die „Pos" (älteste Dorfstraße) 260
6. Der nördl. Kohlgartenweg 260
7. Der Bahnhof 260
Inhalt

Zum Geleit 10
Vorwort 11
1. Einführung 13
2. Die vorgeschichtliche Zeit 16
3. Die Grundherren des Dorfes und die ersten urkund-
lichen Nachrichten 38
4. Die Grenzen der Gemarkung Eickeloh und die bau-
liche Entwicklung des Ortes 58
5. Kirche und Schule zu Eickeloh 69
6. Kriege, Krankheiten, Feuersbrünste und Unwetter 86
7. Die Gewässer der Gemarkung Eickeloh 117
8. Rodungen und Flurnamen 124
9. Die Bauernhöfe und ihre Besitzer 137
10. Die Einwohner im 13. bis 20. Jahrhundert 196
11. Die neuzeitliche Geschichte:
a) Handel und Handwerk
b) Das kulturelle Leben 214
12. Kurzgefaßte Übersicht über den vermutlichen Ablauf
der Eickeloher Geschichte mit Anlage 223
Beilage: Karte der Feldmark Eickeloh von 1817/22 mit
einem „Verzeichniß der Intereßenten" vor und nach
der Verkuppelung sowie „Rezeßanlage" von 1832
u. Meßtischblatt v. 1899
Nachträge 229
Karten und Abbildungen 239

9
Zum Geleit Vorwort

Wohl wenige Dörfer in Niedersachsen sind es, denen bisher Um meine seit etwa 30 Jahren gesammelten Urkundenabschriften, die das
eine solch' schöne Ortsgeschichte geschenkt wurde. Sie konnte Dorf Eickeloh betreffen, nicht ungenutzt in Vergessenheit geraten zu lassen,
auch nur dadurch entstehen, daß der Verfasser als Kind unseres habe ich die daraus erworbenen Ortskenntnisse in der folgenden Geschichte
Dorfes schon seit 30 Jahren in seinen Freistunden Urkunden zusammengefaßt. Zugleich bereitete mir die Arbeit viele freudige Stunden,
abschrieb, die zum Teil sogar dem Vernichtungskrieg 1939/45 weil ich durch sie den inneren Kontakt mit meinem Heimatort nie verloren
zum Opfer gefallen sind. habe.

Ihm spreche ich für seine mühe- und liebevolle Arbeit im Na- Ich möchte an dieser Stelle aber auch all denen meinen Dank aussprechen,
men der Gemeinde meinen herzlichen Dank aus. die mich die Unterlagen freundlicherweise einsehen ließen. Insbesondere ge-
hört mein Dank dem verstorbenen Herrn Freiherr Hermann von Hodenberg,
Möge das Buch allen Eickelohern eine wertvolle Erinnerung Senior (geb. 27. 11. 1862), der mir die Einsichtnahme in das Hudemühler Haus-
an unsere Väter und Mütter sein und deren Fleiß und Treue archiv im Jahre 1930 gütigst erlaubte. Dann gilt mein Dank den Herren vom
zum heimatlichen Boden auch den kommenden Generationen Staatsarchiv Hannover und dort besonders Herrn Direktor Prof. Dr. Schnath
stets vor Augen führen. für die Hilfsbereitschaft in verschiedenen schwierigen Fragen. Außerdem
danke ich Herrn Pastor Trippe und Herrn Gemeindedirektor Stelter in Eicke-
loh, sowie dem Leiter des Kartenarchivs beim Landeskulturamt in Hannover,
Eickeloh, den 1. Mai 1955 Herrn Inspektor Hoberger, für das freundlichst zur Verfügung gestellte Ma-
terial. Nicht zuletzt muß ich aber auch allen Freunden für ihre Auskünfte
danken, wobei ich an erster Stelle der Familie meines Bruders, meiner vetter-
lichen Schwägerin Frau Margarete Wiebe, geb. Börstling, Herrn Heinrich Lind-
horst wegen seiner Angaben über die kriegerischen Ereignisse im April 1945
und meines Schulkameraden Herrn Franz Kirchhoff wegen seiner Mitteilung
über den Schützenverein Eickeloh gedenke.
Bürgermeister In meiner Schrift können selbstverständlich nicht alle Ereignisse und An-
gaben berührt werden, von denen manche dem einen oder dem anderen Leser
sogar wichtiger erscheinen mögen. Insoweit bitte ich um Nachsicht, weil ich
dennoch glaube, den kommenden Eickeloher Generationen viele schöne Erin-
nerungen an ihre Väter bewahrt zu haben.

Hannover, im Herbst 1954 Franz Wiebe

10 11
1. Einführung
(Siehe Abbildung Seite 257)

Am Südwestrande der „Lüneburger Heide" ,wo die Aller das


schnellere Wasser der Leine aufnimmt, um ihren Niederungen
die Fruchtbarkeit zu verleihen, die das gelbe Bergwasser mit
sich führt, liegt das kleine Heidedorf

E i e k e l oh.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges hatte es die Anzahl


von 500 Einwohnern kaum überschritten. Es zählt zu den vielen
kleinen Siedlungen, die von jeher so gerne die eichenbestan-
denen Ufer der Flüsse suchten. Vor seiner Geschichte lag es in
einem stillen Winkel Niedersachsens. Noch wurde es von keiner
Heerstraße berührt, auch nicht von der alten Handelsstraße
Stade — Kloster Harsefeld — Kloster Walsrode — Hannover,
die zum ersten Male in der Reisewegbeschreibung eines Abtes
Nicolaus von Island um das Jahr 1150 n. Chr. beurkundet wor-
den ist (H. G. Bl. N. F. 1 S. 193). Denn damals führte dieser Weg
noch vom Ahrensstein (urkundl. 1476, einstmaliger Hodenber-
ger Gerichtsgrenzstein) über den „Spann", durchquerte die
Meißeniederung, wo später (1244) der Edelherr Hermann von
Hodenberg seine Wasserfeste errichtete, und verlief durch den
Eickeloher Fuchsgrund am „Hirtenlande" entlang, dem jetzt be-
gradigten Feldwege am Nordostrande des „Neuen Landes" fol-
gend auf den Hademstorfer Bansee-Berg und dann auf die alte
Esseier Allerbrücke zu, die ebenfalls schon 1445 in den Urkun-
den genannt wird.
Aber der strenge Herzog Otto zerstörte den Hodenberger
Herren die Feste im Jahre 1289. Sie mußten sich daher einen
anderen Wohnsitz suchen und fanden ihn „Am Damme" zwi-
schen Riethagen und Eickeloh, wo sie zunächst erst wieder ihre
Wassermühle aufbauten. Und als der Damm soweit hergerich-
tet war, daß dort sogar die „Katen" des späteren Fleckens Hu-

13
demühlen — jetzt mit Riethagen zu „Hodenhagen" vereinigt — die Landstraße statt über „den Pos" an diesen Köterhöfen ent-
ihren Platz fanden, verlor der alte Handelsweg im Fuchsgrunde langführte.
seine Bedeutung und führt seit ca. 1300 über den Damm durch Seit Ende des 16. Jahrhunderts kamen die Brinksitzer hinzu,
die Hudemühler „Bleke" und nach weiteren 4 Kilometern un- die meistens Handwerker waren. Handel und Handwerk wuch-
mittelbar zwischen jenen Bauernhöfen hindurch, die unter ho- sen mit dem gesteigerten Lebensbedarf der Bauern. Um die neue
hen Eichen dicht aneinander gedrängt das Dorf „Eclo" bil- Kirche von 1868 aber scharen sich die Häuser der Abbauer, die
deten.*) das Dorf bis zu seiner heutigen Größe erweitert haben.
Da lag die Siedlung nicht mehr abseits am Rande der Aller- Mitten in seiner Gemarkung gelegen drängen sich hart an
niederung, um sich vom Hochwasser ihre Gärten durchspülen den Westrand die Wiesen und Weiden. Und auf der Ostseite
zu lassen, sondern war Anlieger einer bedeutenden Verkehrs- dehnen sich die Felder, an die sich im großen Bogen die Nadel-
ader, erst des Wasserweges, dann der alten Handelsstraße, die wälder und weiter ostwärts das Meiße-Bruch anschließen.
den Stapelplatz Stade mit dem Süden Deutschlands verband. Zwar fehlt dem Ackerboden hier der schwere bis leichte
Und 600 Jahre später durchschnitt die Eisenbahnstrecke Hanno- Lehm, mit dem sich der Calenberger so vorteilhaft abhebt. Aber
ver-Soltau die Eickeloher Feldmark und ließ das Dorf am Wirt- dank der neuzeitlichen Düngemittel ist die Ernte auf dem leich-
schaftsleben des 19. Jahrhunderts teilnehmen. Heute aber führt ten Sand- und Moorboden kaum geringer, zumal sie durch eine
jene moderne Fahrbahn durch den Ort, auf dem das Leben zwi- reiche Heuernte ergänzt werden kann. Das hannoversche Pferd
schen den Städten Hamburg, Bremen und Hannover pulst. zieht den Heuwagen aus der Allermarsch und aus dem Bruche
Trotzdem hat Eickeloh seinen bäuerlichen Charakter bis auf nach Hause und genügt für den Pflug, der die leichte Acker-
den heutigen Tag bewahrt. Keine modernen Geschäfts- und krume zu durchbrechen hat.
Einfamilienhäuser stören das Bild seiner einstigen Anordnung. So wenig aber die Menschen hier seit dem Beginn ihrer Ge-
Immer noch schließen sich die Hofräume der Meier und der- schichte einem Wechsel in ihrem Lebenswerk ausgesetzt waren,
jenigen Kötner, die ihren Hufenplatz während der Bildung der so wenig wurde ihre Stammesart durch fremden Zuzug einer
Meierhöfe behalten durften, im alten Dorfteil dicht aneinander Veränderung unterworfen.
wie sie seit der Gründung der Siedlung an der Allermarsch Mögen die Höfe ihre Besitzer gewechselt haben, alte Fami-
entlang ihre Wohnstätten gefunden hatten. Freilich haben sich lien im Mannesstamme erloschen und einige neue Namen
einige Meier und Kötner einen größeren und schöneren Hof- aus den Nachbarorten hinzugekommen sein, im ganzen gesehen
raum ausgesucht, und auf den Hofplätzen sind statt der alten haben sich die Familien, sei es väterlicher- oder mütterlicher-
niedersächsischenStrohdachhäuser stattliche Wirtschaftsgebäude seits, von der ersten urkundlichen Erwähnung her bis auf den
entstanden, doch ist die erste Anlage deutlich erkennbar ge- heutigen Tag erhalten.
blieben. Erst die tiefen Wunden des Zweiten Weltkrieges, der das
Daß die Kirche von 1296 erst sehr viel später hinzugekommen deutsche Volk in Stücke riß, erhöhten der Not folgend die An-
ist, beweist ihre Lage am Nordrande des Dorfes. Dort entstand zahl der Einwohner fast auf das Doppelte, und brachten viele
der Backsteinbau auf dem alten Friedhofe etwa anderthalb neue Namen mit sich, die einst ebenfalls der Geschichte des
Jahrhunderte nach der Gründung der Ansiedlung. Am Ostrande Dorfes angehören werden. Auch sie werden einmal Kinder des
bauten die Kötner ihre Häuser, bis ihrer so viele waren, daß lorfes sein und zu denen gehören, die jene Felder, Wiesen und
Wälder genau so lieben, wie es unsere Väter und Mütter taten.
•) Nadi C. Wolff „Kunstdenkm. d. Prov. Hannover" (1902) war der Flecken Es ist der Boden, auf dem wir geworden sind durch die lange
Hudemühlen Anfang d. 15. Jahrhdts. vorhanden. 1448 wurde zuerst Hude-
mühlen-Burg genannt
Reihe unserer Vorfahren.

14 15
Die vorgeschichtliche Zeit ein Leibeigener des Grundherrn zu arbeiten hatte. Bei einem
(Siehe Abbildungen Seiten 241, 242, 243, 244, 258, 264) Lathufenbesitzer war das gewiß nicht der Fall. Wahrscheinlich
war es eine „Villikation", d. h. eine Art Gutsinspektion des
Grundherrn, auf die später weiter eingegangen werden wird.
Wo sich aber eine Villikation befand, mußte eine solche loh-
nend sein.
Älter als Eickeloh sind die Eichen, unter deren Schatten die Und als letzte Urkunde soll uns die Stiftung der Kirche im
Ersten des Ortes ihre Wohnstätten erbaut haben. Man darf es Jahre 1296 Aufschluß über die Anzahl der Hof stellen im
als feststehend voraussetzen, daß der Eichenwald, der unserem 13. Jahrhundert geben. Der Bischof in Minden hätte diese sicher
Dorfe einst den Namen gab, seine Entstehung bestimmt hat. nicht genehmigt, wenn die Seelenzahl zu gering gewesen wäre.
Und dennoch werden uns die folgenden Betrachtungen davon Wir kennen den Raum des Gotteshauses von 1296 noch, weil
überzeugen, daß jene ersten Siedler viele Jahrhunderte hin- er bis heute hinsichtlich seiner Größe unverändert geblieben ist.
durch, bevor sie ihre Wohnkaten in unseren Eichenhain verleg- Nehmen wir an, daß für Eickeloh und Hademstorf etwa 90 Steh-
ten, neben diesem Gehölz gewohnt haben. Der Eichenwald war plätze vorhanden waren. Der halbe Raum diente den Weihen
ein zu kostbarer Weideplatz für ihre Viehherde, um für Wohn- und den Stühlen der Patronatsherren. Sitzplätze für die Ge-
stätten Raum darin zu schaffen. meinde gab es erst in den späteren Jahrhunderten, daher „Kir-
Zunächst ist die Frage zu beantworten, welche Hilfsmittel zur cbenstände". Davon dürften nach dem Verhältnis der Zahl der
Erforschung der vorgeschichtlichen Zeit zur Verfügung stehen. Hausstellen im ältesten Viehschatzregister von 1533 etwa zwei
Wenn auch Fundstücke in nur recht geringer Anzahl vorhanden Drittel auf das Dorf Eickeloh entfallen sein, d. h. 60 Plätze.
sind, so geben uns doch darüber hinaus viele andere Finger- Rechnet man für den Stand jeder Hausstelle im Durchschnitt
zeige die Möglichkeit zu gewissen Schlußfolgerungen. Vor allem 2 Plätze, dann würde Eickeloh um 1300 etwa 30 Hausstellen mit
ist die Lage des Ortes sorgfältig zu prüfen. Aber auch die Sprache, rd. 250 Personen gehabt haben, eine Zahl, die mit der späteren
der Ortsname und nicht zuletzt die ältesten urkundlichen Hin- Entwicklung auch übereinstimmt (1429: 12 Höfe und 15 Katen,
weise und Flurbezeichnungen sind als Hilfsmittel zu beachten. 1533: 32 Flausstellen, 1536/50: 13 Höfe und 17 Katen, 1777:
Um von den ersten Eickeloher Urkunden aus in die unbe- 41 Feuerstellen, 1823: 46 Feuerstellen). Diese Anzahl der Haus-
kannten Jahrhunderte vordringen zu können, muß untersucht stellen kann zur Zeit der ersten Urkunde von 1237 nur wenig
werden, was diese Nachrichten uns an Erkenntnissen mit auf den geringer gewesen sein. Denn 10 bzw. 12 Hufen bildeten den An-
Weg geben. Es ist daher nicht zu vermeiden, daß schon hierbei fang. 15 Katen kamen bis um 1296 hinzu, die später landlos wur-
einiges vorweggenommen wird, was eigentlich erst in die folgen- den (s. Abschn. 3), und in den restlichen Häusern werden Hand-
den Abschnitte gehört und dort auch ausführlich behandelt wird. werker gewohnt haben. Diese hinzugekommenen Hausstellen
Da teilt uns die erste Urkunde mit, daß es im Jahre 1237 in (etwa 17) sind sicher nicht erst alle in der Zeit von 1237 bis um
Eickeloh bereits „weitere 6 Hufen" gab, d. h. also mehr als 1296 (d. h. in rd. 60 Jahren) erbaut. Um das Jahr 1237 hatte Eklo
6 Hufen. Meierhöfe waren noch nicht vorhanden. Denn mit also mindestens schon 20 Hufen und 1 bis 2 Handwerkerkaten,
„Hufen" bezeichnete man die alten sächsischen Hofeinheiten die kein Allmenderecht besaßen (s. Anl. Abschn. 12).
der Laten (oder Liten) in der Größe von etwa 30 Morgen. Die Aber eine andere Überlieferung, auf die ebenfalls im folgen-
folgende Nachricht über Eickeloh aus der Zeit um 1260 besagt, den Abschnitt näher eingegangen werden soll, weist auf eine
daß hier Leibeigene des Grundherrn lebten. Es dürfte also um noch ältere Zeit dieser Eichenwaldsiedlung hin. Vor den ur-
das Jahr 1260 schon ein Hof vorhanden gewesen sein, auf dem kundlich bekannten Grundherren (der Gräfin von Osterburg

16 Bg. 2 Eickeloh 17
geb. von Wölpe, den Edelherren von Hodenberg und dem Klo-
ster Walsrode) soll es eine ältere Adelsfamilie gegeben haben,
die den Namen unseres Dorfes trug, und zwar die der Herren
von Eickeloh. Daß diese Überlieferung einen Kern der Richtig-
keit in sich birgt, zeigen die späteren Ausführungen. Sie müs-
sen über 1237 hinaus in das 12. J a h r h u n d e r t zurückgehen. Im
Dorfe selbst sind allerdings keinerlei Merkmale vorhanden, die
auf einen alten Edelingssitz schließen lassen. Es kann sich nur
um eine Belehnung mit dem Dorfe gehandelt haben. Und den-
noch ist der Wohnsitz in unmittelbarer N ä h e des Ortes zu su-
chen, weil die Familie sonst nicht den Namen „von Eickeloh"
geführt haben würde. Diese Annahme erhält nun durch die fol-
genden Betrachtungen eine überraschend sichere Grundlage. In
der Gemarkung Eickeloh befindet sich nur ein einziger Platz,
auf dem nachweisbar durch Urkunden, Flurnamen und Gelände-
gestaltung eine Burg gestanden hat. Es ist die Burg „Blanken-
hagen" in der Burgkoppel, von der heute nur noch ein kleiner
Erdhügel sichtbar ist. W a n n diese Burg erbaut worden ist, dar-
über gibt es keine Nachricht. Es liegt aber auch keine Urkunde
darüber vor, wie lange die Familie von Eickeloh vor den Her-
ren von Hodenberg, also vor 1237 (älteste Eickel. Urkunde), dort
gelebt hat. Allein die Tatsache ihrer Existenz beweist aber, daß
dasDorf schon zur Zeit d e r H e r r e n vonEickeloh, d.h. im 12. Jhdt.,
mit 10 bis 12 Hufen (den späteren Meierhöfen Nr. 1 bis 12) an
seinem heutigen Platze unter den Eichen gelegen haben muß.
So entsteht die weitere Frage, wie die Siedlung zu einem
nach ihm benannten Grundherrn gekommen sein mag, w e n n es
im Dorfe selbst keinen Adelssitz aufzuweisen hatte. W i r wissen
aus mehreren Beispielen im nächsten Aller-Leine-Gebiet, daß
die Grundherren ihre Burgen möglichst dort aufstellten, wo
Ihnen die besten Einnahmen winkten. In der N ä h e von Fluß-
übergängen erhoben sie den Brücken- oder Fährzoll. Dort konn-
ten sie zugleich W a s s e r m ü h l e n errichten, deren Anlage seit
der Einführung des Christentums in Gebrauch gekommen war.
Und ein solcher Platz w a r die Burg an der alten Aller vor Gret-
hem in der Gemarkung Eickeloh. Wir lernen sie urkundlich erst
1262 als „Blankenhagen" kennen, müssen aber zu der Überzeu-
gung kommen, daß sie früher als die Burg Hogenhagen (1244)

18 19
eibaut worden ist, ja, daß sie von den Edelherren von Hoden- an die heute noch der Flurname „Am Brügg-Wege" erinnert. Er
berg auch sogar schon übernommen wurde und erst 1262 nach bezeichnete die Koppeln zwischen dem nach Hodenhagen füh-
einer gewissen Renovierung durch die Herren von Blankena renden Mühlendamm und dem heutigen Nordausgang des Dor-
den Namen „Blankenhagen" erhalten hat. fes. Dieser Brückweg verband zugleich das Wesergebiet mit der
Vielleicht war sie wirklich vor 1262 die „Hodenburg", auf der alten Handelsstraße Stade—Hannover und verschaffte dem
Hermann von Hodenberg am 23. 12. 1251 eine Urkunde errich- Brückeneigentümer eine weitere außerordentlich günstige Ein-
tete (Hod. Urkb. Nr. 44) *), und vor den Edelherren von Hoden- nahmequelle durch den Brückenzoll. Den zu überwachen war
berg die Burg der Herren von Eickeloh. Denn zwei Gesichts-
aber das eigentliche Handwerk des Rittertums, welches die
punkte sind klar herauszustellen, um den Wert dieses Burg-
Landstraßen zu beherrschen begann.
platzes zu ermessen. Die Aller floß noch in ihrem alten Bett
Erst die Fähre, dann die Wassermühle, dann die Brücke, dann
unmittelbar vor Grethem, und der Grundwasserstand erlaubte
die Burg der Herren von Eickeloh.
sogar noch mehrere Jahrhunderte hernach eine Ackerbestellung
Es ist die gleiche Reihenfolge, die wir 100 Jahre später bei Ho-
in der Marsch. Wie niedrig der Wasserspiegel der Weser und
denhagen an derMeiße ziemlich einwandfrei beobachten können.
Aller einst gewesen sein muß, beweist der Fund eines Knüppel-
Die Anlage des Reihendorfes „Eclo" aber, eine gerade für
dammes in 7 Meter Tiefe während der Mittelweserregulierung
beim Orte Baden (Kreis Achim). Siehe auch Nachträge S. 229. unsere Geschichte so interessante Frage, fällt in die Zeit zwi-
schen dem Brückenbau und dem Burgbau. Hiernach hätten wir
In Grethem befand sich eine Wassermühle, wie sie 1244 auch die Gründung des Dorfes Eickeloh in der Zeit um 1150 zu
die Herren von Hodenberg vor der Errichtung ihrer Bruchfeste suchen. Und dazu geben uns die folgenden Erwägungen Anlaß.
Hodenhag. angelegt haben. Auch die Herren von Bothmer besa-
Zeitlich vor dem Burgbau kann es nur deshalb gewesen sein,
ßen eine solche Wassermühle, ebenso die Herren von Ahlden und
weil die Burgherren einzig und allein vom Dorfe her ihren Na-
wahrscheinlich auch die Ulenburger Herren von Hademstorf bei
men führen konnten. Hätte umgekehrt das Dorf seinen Namen
der Esseier Allerbrücke**). Der Wert dieser Mühlen bestand dar-
von einem Rittersitz der Herren von Eickeloh erhalten, dann
in, daß die Bauern gezwungen waren, dort ihr Getreide mahlen zu
könnte dieser nur im Eichenwalde von Eickeloh gelegen haben.
lassen. Die Errichtung einer eigenen Mühle wurde ihnen nicht
Es lassen sich aber keinerlei Anzeichen, wie schon erwähnt, nach-
gestattet, damit man ihre Ernte besser kontrollieren konnte.
weisen, daß eine Adelsfamilie „von Eickeloh" dort gewohnt hätte.
Die Rodungen hatten mit der Einführung des Christentums Später als der Brückenbau aber muß es gewesen sein, weil
ihren Anfang genommen und waren um 1100 soweit fortge-
der im Flurnamen erhalten gebliebene Brückweg etwa 300 Me-
schritten, daß die Siedler ihre Nahrung schon überwiegend aus
ter stomabwärts der heutigen Fähre durch die Niederung der
der Ackerbestellung entnahmen. Das also muß die Zeit ge-
alten Aller in die Richtung auf die heutige Lehmbank führte.
wesen sein, in der die Grethemer Wassermühle erbaut wurde,
Wäre das Dorf Eickeloh schon damals an seinem heutigen
die Zeit, in der ein solches Geschäft lohnend zu werden ver-
Platze vorhanden gewesen, dann würde dieser Weg wahr-
sprach. Zunächst wird natürlich bei der Mühle nur eine Fähre
scheinlich in einer geraderen Richtung von der Brücke zum
vorhanden gewesen sein. Als sich der Betrieb aber mit der fort-
Dorfe „Eclo", etwa in der Fährte des späteren Fährweges ver-
schreitenden Entwicklung des Getreideanbaues weiterhin ver-
besserte, muß die Fähre durch eine Brücke ersetzt worden sein, laufen sein. Schon allein diese Tatsache lenkte die Aufmerk-
samkeit auf die Vermutung, daß der Weg eine gerade Verbin-
*) Vergl. auch: Anmerk. z. Cal. Urkdb. VI Nr. 34 u. 41 dung der Brücke mit der alten Handelsstraße hinter dem War-
") Der Flurname „Im Mühlenfelde" (Grundstücke nördl. v. Buchholz zwischen tenberge gewesen ist. Er kreuzte die heutige Landstraße also
Dorf u. Aller) deutet noch darauf hin zwischen dem damaligen Eichenwalde (heute Dorf) und der
20
21
„Dorfstelle" (Flurname der Ländereien zwischen Eickeloh und eine Wohnsitzverlegung der Eickeloher Lathufenbauern von
Hodenhagen) und zwingt zugleich zur weiteren Fahndung nach der Dorfstelle in das Eichengehölz aus gleichen Gründen statt-
einem älteren Dorfplatz im Norden des heutigen Dorfes. gefunden haben, dann müßte die Verlegung wie schon erwähnt,
vor dem Auftreten der Herren von Eickeloh, spätestens zu glei-
cher Zeit mit ihnen erfolgt sein. Denn auf der Dorfstelle hieß
der Ort gewiß noch nicht Eickeloh. Der späteste Zeitpunkt wäre
in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts zu setzen*).
Den Namen des versandeten Ortes auf der Dorfstelle hat
keine Urkunde überliefert. Daß das Dorf ursprünglich nicht im
Eichenwalde von Eklo gestanden hat, dürfte auch der genaue
Wortlaut der Kirchenstiftungsurkunde vom 23. 8. 1296 erhellen.
Ihre Behandlung muß hier deshalb insoweit vorweg genommen
werden, als sie einen weiteren deutlichen Beweis für diese von
verschiedenen Seiten aufkommende Vermutung liefert. Leider
enthält die Urkunde gerade an dieser Stelle einen Fehler, der
zu Zweifeln Anlaß gibt. Man kann ihn sowohl für einen gram-
matischen Fehler als auch für einen Schreibfehler des bischöf-
lich Mindenschen Schreibers halten, dem die örtlichen Verhält-
nisse in Eickeloh natürlich unbekannt waren. Er schrieb: „ . . .
Es wurde angedeutet, daß der Eichenwald zu kostbar war, um
unum mansum in villa et campo eclo cum agris eiusdem ville
ihn als Siedlung zu benutzen. Bis zum Beginn der Waldrodung
que vulgariter menedhe nuncupantur . . . " Die wörtliche Über-
stellte das Eichen- oder Birkenlaub den wertvollsten Bestand
setzung lautet also: „ . . . eine Hufe im Dorfe und Felde Eicke-
der Siedler an Winterfütterung dar. Bis dahin befanden sich die
loh mit Äckern desselben Dorfes, welches gewöhnlich Menedhe
Wohnstätten also noch an einem anderen Platze, von dem aus
genannt werden . . . " Entweder muß es heißen „ . . . welche
die Allermarschsaatflächen später bewirtschaftet wurden. gewönhlich Menedhe genannt werden . . .", oder " . . . wel-
Auf diese Spur weist schon der Verfasser des Hodenberger ches gewöhnlich Menedhe genannt wird . . . "
Urkundenbuches hin. Darin sagt er, daß das Dorf auf der „Dorf-
stelle" gelegen haben könnte. Es ist eine alte Flurbezeichnung, Interessant ist es, daß die Urkunde im Hodenberger Urkun-
die auch im Amtslagerbuch von 1667 Erwähnung findet. Auf der denbuch (Nr. 105) mit „ . . . nuncupatur . . . " statt genau mit
Dorfstelle, so steht im Urkundenbuch, könnte das Dorf einst- „ . . . nuncupantur . . . " gelesen worden ist. Man ließ offen-
mals gelegen haben, weil die Änderung des Allerbettes häufig sichtlich das zweite Kürzungszeichen in diesem Worte als
eine Verlegung der Ortschaft notwendig gemacht habe. Auch Schreibfehler außer Acht und half sich angesichts der Unstim-
Fr. Barenscheer führt in „Siedlungskundl. a. d. südl. Lüneb. migkeit mit einer freien Übersetzung: „Land auf der sogenann-
Heide (1939)" Fälle an, in denen gerade im unteren Allertal ten Mehnte". Bei dieser Übersetzung ist es sogar zweifelhaft,
Dorfstellen nachgewiesen worden sind, die durch die Dünen der ob der Bearbeiter sich der Deutung des Ausdruckes „Menedhe"
bewußt war. Dieses Wort hätte er als eine sprachliche Kürzung
Aller verschüttet wurden, z. B. Bannetze und Hambühren.
von Allmende doch sonst wohl als „Mende" übersetzen müs-
Scherbenfunde bei Grabungen in Hambühren (siehe: Die Kunde,
Jahrgang 1936 Bd. 1 Seite 21) hätten als Zeitpunkt der letzten *) Dr. F. Hamm: Naturkundl. Chron. Nordwestdeutschlands, 1956: „1163/64
Dünenwandertätigkeit das 12. Jahrhundert ergeben. Sollte also Starke Weserhochwasser"

22 23
sen. Darüber hinaus sind ihm sicher nicht die verschiedenen Die mehrfachen Gründe aber, die zu der Annahme einer Um-
Gründe hinsichtlich der Verlegung des Dorfes bekannt gewesen, siedlung des Dorfes geführt haben, zeigen damit das zweite
die ihm allerdings auch nur bei einer besonderen Untersuchung Kürzungszeichen in „nuncupantur" als einen Schreibfehler an
dieser Frage hätten auffallen können. Setzt man nämlich eine und erheben den richtig gelesenen Wortlaut der Urkunde zum
Verlegung des Dorfes von der Dorfstelle in den Eichenwald Beweis für die Umsiedlung.
nicht voraus, sondern geht davon aus, daß Eklo das alte Dorf Fr. Barenscheer hält die Flurnamenorte, und „Eclo" ist ein
war, dann kann man nur einen grammatischen Fehler in dem solcher, für Aussiedlungen aus Kerndörfern. Diese Ansicht
Worte „que" sehen, und nur „die Äcker, die gewöhnlich stimmt auch mit der Umsiedlung von der „Dorfstelle" als Kern-
Mehnde genannt wurden", können gemeint gewesen sein. Der dorf in den 1 km entfernten Eichenhain überein, wenn man
Zusatz „vulgariter", so führt das Staatsarchiv Hannover hierzu von der Annahme ausgeht, daß die „Dorfstellen-Bauern" nicht
mit Recht aus, leite immer nur nicht lateinische volkssprachliche plötzlich zur Aufgabe ihrer Wohnkaten gezwungen worden
Ausdrücke und keine Ortsnamenwechsel ein. Ein solcher wäre sind. Die Versandung und damit die Aussiedlung dürften sich
vielmehr mit „olim" oder „hucusque" ausgedrückt worden. auf mehrere Jahre erstreckt haben. Die alten Hofräume blieben
Die sicheren Anzeichen, daß das Dorf früher auf der Dorf- als schlechtes Ackerland liegen und ließen den alten Dorfnamen
stelle lag, geben dem Inhalt der Urkunde hingegen ein ganz in Vergessenheit geraten, bevor ihn eine Urkunde der Nach-
anderes Bild. welt erhalten konnte. Wie schlecht dieser Dünensandboden war,
Die Siedlung Eklo befand sich zur Zeit der Niederschrift im berichten die Kirchenvisitatoren von 1543: „böse sandich acker
Jahre 1296 auf dem Platze des alten Eichenwaldes, der immer vp bergen belegen". Es ist das Pastorenland von 1667, das sich
noch „Mehnde" hieß. Es ist eine Verstümmelung des Wortes noch heute zwischen den Sandhügeln der Dorfstelle befindet.
„Allmende", mit dem unsere Vorfahren aber nur ihren wert- Daß wir in den Dorfstellenbauern ein und dieselben Familien
vollen Gemeindewald bezeichnet hatten und immer noch zu be- vor uns haben wie in den Laten von „Eclo", dürfte über allen
zeichnen pflegten, trotzdem sie schon über 150 Jahre darin ihre Zweifeln erhaben sein. Lesen wir doch in der Kirchenstiftungs-
Wohnhäuser hatten. Mit „Menedhe" kann nur der Gemeinde- urkunde, daß das Eichenwäldchen, in dem sie nun wohnten,
eichenwald gemeint gewesen sein. Im Gegensatz zu der Eichen- vorher ihre Laubwaldmende gewesen war. Aber mehr noch als
waldmende gab es außerdem an der Aller noch eine „Bullen- diese Tatsache erkennen wir daraus, nämlich die, daß der
Meende" (s. Beilage: Karte v. 1817). Es war die gemeinsame Eichenwald, als er um 1150 ihr Wohnplatz wurde, für sie nicht
Bullenweide, also kein Ackerland. Und zur gesamten Dorfall- mehr die unentbehrliche Waldweide gewesen sein muß, von
mende gehörte ja auch die Hufe im Dorfe und im Felde von der sie einst herbeigelockt worden waren.
Eklo, und der Zusatz „vulgariter menedhe" hätte alsdann auch Die Allermarschrodungen müssen schon von der Dorfstelle
diese Dotation einschließen müssen. In der Eichenwaldmende aus eingesetzt haben, obgleich der feuchte Eichenwald den
waren dagegen 1296 die Rodungen des heutigen Kohlgartens Siedlern bis zur notwendig werdenden Umsiedlung daneben ein
längst durchgeführt. Und nur um einen dieser Äcker unmittel- seit Jahrhunderten heiliger Besitz blieb, der erst infolge der
bar am Dorf, von denen jeder Dorfgenosse ein Stück besaß, und Versandung der Dorfstelle angetastet wurde.
um den Acker beim Pastorenhause kann es sich in der Urkunde überprüft man nämlich die Größe der gerodeten Allermarsch-
gehandelt haben. Hier befinden sich auch heute noch die Äcker. flächen auf Grund der topographischen Landesaufnahme von
So erhält der Ausdruck „vulgariter" alsZusatz zu dieser volks- 1779, dann wird es deutlich, daß diese Rodungen etwa 200 bis
sprachlichen Bezeichnung seine Berechtigung, und die Unstimmig- 300 Jahre vor der Umsiedlung, d. h. zur karolingischen Zeit, ein-
keit in der Übersetzung des Hodenb. Urkundenbuches entfällt. gesetzt haben müssen. Mit den Wiesenrodungen wurde der

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Anfang gemacht, als die von der Natur mühelos empfangene serer Vorfahren vorüber. Den Damm durch Hudemühlen über
Nahrung der Waldweide nicht mehr ausreichte. Bei der Ent- die Meißeniederung, der heute Walsrode, Riethagen-Hudemüh-
wicklungsgeschichte der Rodungen wird darauf näher eingegan- len (jetzt Hogenhagen), Eickeloh und Hademstorf miteinander
gen werden. Zur Zeit der Umsiedlung um 1150 waren jeden- verbindet, gab es noch nicht. Er wurde erst um 1300 begonnen
falls schon Saatflächen in der Allermarsch vorhanden, die einen und mußte sogar noch um 1600 durch die Einwohner der Dörfer
ausreichenden Ersatz für die „Eichenmende" boten, ja, die so- Eickeloh und Hademstorf, sowie des Fleckens Hudemühlen lau-
gar schon einen Getreideanbau gestatteten, der die Grethemer fend instand gehalten werden, wenn sie Kaufmannsgüter hin-
Wassermühle um 1100 ins Leben rief. Eine Einzelhufe oder gar überführen wollten (Hudemühler Chronik von 1597/1625: Ver-
einzelne Hirten hätten in den vorangegangenen 200 oder 250 fasser: Marquard von Hodenberg, geb. 7. 4. 1563, gest. 1629).
Jahren Rodungen in solchem Ausmaße nicht nötig gehabt und Vorher schob sich der dichte Farn der mehrarmigen Meiße im
auch nicht durchführen können. Unter Karl dem Großen muß Norden von Eickeloh bis an ihre Mündung in die alte Aller bei
also schon eine Dorfgenossenschaft bestanden haben, die über Ahlden. Den Osten von Eickeloh aber riegelte das undurch-
eine genügende Anzahl von Händen verfügte, um eine derar- dringliche „Ostenholzer oder Große Moor" mit dem vorgelager-
tige Riesenarbeit mit den damals geringen Mitteln nach und ten Meiße-Bruch ab. Ein Weg von Eickeloh über Hademstorf
nach, d. h. in 200 bis 250 Jahren, durchführen zu können. nach Süden war nicht vorhanden. Der Name des Dorfes Enge-
Zur Zeit der Einführung des Christentums hatte die Dorfstel- hausen weist heute noch auf die damals kaum passierbare
lensiedlung also bereits einen Umfang, der nicht erst den Er- Landenge hin. Wie eine Insel lagen die heutigen Gemarkungen
eignissen der karolingischen Zeit ihre Entstehung verdankt, ja, der Dörfer Eickeloh und Hademstorf zwischen der Aller, dem
sie hatte schon so viele Einwohner, daß sie jene neuzeitlichen Meiße-Bruch und dem Ostenholzer Moor, eine Insel, die erst
Erkenntnisse benutzen konnte, um ihre Lage durch die Inan- viele Jahrhunderte später von der alten Romstraße in Nordsüd-
griffnahme der Bodenkultur in der Allermasrch zu verbessern. richtung durchquert worden ist.
Liegt aber die Entstehung der Dorfstellensiedlung, deren Be- Und daß es eine solche Insel war, beweisen selbst noch die
wohner die späteren Eickeloher waren, vor Karl dem Großen, urkundl. Ereignisse im 13. u. 14. Jahrhundert. Im Westen erhob
dann sind wir gehalten, ihre Anfangszeit auf anderen Wegen sich an der Grethemer Allerfähre die Burg „Blankenhagen", am
zu suchen. Wir sind gezwungen, mit der Untersuchung der ört- Nordzugange bauten die Edelherren von Hodenberg ihre Bruch-
lichkeit zu beginnen und zwar an einem Zeitpunkte, an dem die feste bei der Meißebrücke auf, und am Südzugange ragte die
Dorfstelle mit Sicherheit noch nicht bewohnt wurde. Versuchen „Ulenburg" unweit der Esseier Brücke aus der Allerniederung
wir es daher, uns den Weg von diesem Zeitpunkt aus bis zur hervor, an die heute nur noch die „Ulenburger Kolke" erinnern.
ersten Besiedlung auf Grund der besonderen Lage der Dorf- Diese „Insel" hatte sich einst als Düne im Urstromtal der
stelle, ihrer Vegetation, der Urnenfunde am Allerufer entlang Aller gebildet*) und war durch immer neuen Treibsand und
von Hademstorf bis zur Hudemühler Grenze und schließlich an durch fortgesetzte Hochwasserverschlammungen innerhalb eines
Hand der Stammeszugehörigkeit der ersten Dorfstellenbauern unabschätzbaren Zeitraumes ein Werder geworden, der schließ-
und ihrer bis heute in Eickeloh erhalten gebliebenen besonde- lich vor der Zeitwende durch die Landenge bei Engehausen und
ren Mundart zu bahnen. Thören mit dem südöstlichen Festlande verbunden wurde.
Wie alle Flüsse der Tiefebene floß die Aller beim Fehlen der Bis zum Einbruch des feuchtkalten Klimas um die Mitte des
Schleusen und Wehren ehemals in zahlreichen Bächen durch
*) Dr. F. Hamm: „Naturkundl. Chron. Nordwestdeutschlands" 1956: Um 1400
ihre etwa 2 km breite gestrüppreiche Niederung von Südosten v. Chr. u. später starke Dünenbildung am Rande der Flußtäler u. a. Aller —
nach Nordwesten an der Westseite der späteren Siedlung un- Weser, weniger Leine

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letzten Jahrtausends v. Chr. hatte dieser Werder wohl kaum „Vacuum" gefunden wurden, so fällt es auf, daß alle diese
mehr zu bieten als niedriges Haselgestrüpp. Erst dann entwik- Funde ausschließlich auf Begräbnisplätze schließen lassen. Am
kelte sich ein Gemisch von Kiefern, Birken, Porst und vielleicht ganzen Rande der Allermarsch entlang sind diese Zeugnisse im
ein Eichenbuschwald, der einen dürftigen Notweideplatz ab- Dünensande der späteren Gemarkungen Eickeloh und Hadems-
gegeben haben mag, der aber für eine Siedlung Jahrhunderte torf gefunden worden, die zwischen den Niederungen der Aller
hindurch ungeeignet blieb. Um 400 n. Chr. muß eine Acker- und Meiße einst als Werder im Urstromtal lagen. Der Urnen-
bestellung jedenfalls noch für ausgeschlossen gehalten werden. friedhof auf dem Hademstorfer Krähenberge, die Urnen zwi-
Denn selbst dort, wo man bereits den Ackerbau kannte, hatte schen Eickeloh und Hademstorf, die Scherben in der gleichen
man sich wieder der Waldweide zugewandt, die der im feucht- Gegend, die Urnen am Dorfrande von Eickeloh und die vielen
kalten Klima sich entwickelnde Laubwald als Ersatz für ein Urnen auf der Dorfstelle zwischen Eickeloh und Hudemühlen
Wachstum bescherte, das man dem Boden mit dem Pfluge nicht lassen kaum die Vermutung aufkommen, daß neben diesen
mehr hatte abringen können. Friedhöfen noch Wohnstätten gelegen haben könnten. Die
Wie siedlungsungeeignet die „Insel" außerdem gewesen sein Spangen und Nadeln sind ohne Zweifel Grabbeigaben gewesen
muß, dürfte sich aus den erwähnten Urnenfunden erweisen. Ob- und dürften auch bei den Fundstücken auf dem Krähenberge als
gleich ihr Alter größtenteils nicht bestimmt werden kann, weil solche anzusehen sein. Auf dem Westrande der Allerniederung
sie nicht erhalten geblieben sind, so gehören sie doch gewiß in wurden dagegen bis 1930 nur am Südausgange des Dorfes Buch-
Jahrhunderte vor der Zeitwende und reichen bis in die Zeit um ten in der Gemarkung Grethem mehrere Urnen und ein Bei-
1000 n. Chr. Und trotzdem geben uns einige von ihnen und die gefäß gefunden (s. Skizze 3).
Fundstellen aller im ganzen gesehen äußerst wichtige Auf- Man muß daher mutmaßen, daß der ganze Raum zwischen
Im Jahre 1862 wurden auf dem zur Pfarre gehörenden Grund- Aller und Meiße vor seiner ersten Besiedlung als Begräbnis-
schlüsse. platz benutzt worden ist. Gebrauchsgegenstände, die von Haus-
stück auf der Dorfstelle viele Urnen ausgepflügt, die besonders haltungen zeugen, wurden jedenfalls nicht gefunden. Man wird
reich an Spangen und Nadeln aus Bronze und Eisen gewesen nur die Toten vom westlichen Ufer der Aller auf die Insel hin-
sein sollen. Selbst in einem Sandhügel am heutigen Dorfe fand über gebracht haben, um sie dort zu verbrennen und mit ihrem
man eine Urne (Dr. J. H. Müller: „Vor- u. frühgeschichtl. Altert, Schmuck oder Lieblinsgegenstand als Grabbeigabe zu bestatten.
d. Prov. Hann."). Sie wird auf einer der kleinen Anhöhen am Die reichen Steinwerkzeug- und Urnenfunde in und um Both-
Ausgange nach Hodenh. ausgegraben sein. Und im Jahre 1876 mer jenseits der Aller dürften diese Vermutung nur stützen.
wurde auf dem Pfarrwitwentumsgrundstück zwischen Eickeloh Als Toteninsel hätte der Allerwerder also viele Jahrhunderte
u.Hademst. eine große Urne von 6 kleineren umgeben gefunden. hindurch gedient, bevor er einer menschlichen Wohnstätte
Aber auch die Urnen eines germanischen Friedhofes auf dem Raum gewährte. Und mit dieser wohlbegründeten Mutmaßung
Krähenberge bei Hademstorf (im Jahre 1928 gefunden) lassen steht die spärliche Vegetation in der ersten Jahrtausendhälfte in
als Altersangabe nur eine ungenaue Schätzung zu. Nach den völligem Einklang.
Akten beim Landesmuseum in Hannover werden diese für alt- Wenden wir uns nun noch in diesem Zusammenhange zugleich
sächsisch aus der Zeit um 400 n. Chr. gehalten. Es waren 8 Ur- der Frage nach der Stammeszugehörigkeit der ersten Insel-
nen, eine Spinnwirtel und eine blaue Glasperle. bewohner zu, dann richtet sich unser Augenmerk zwangsläufig
Nehmen wir noch dazu die urgeschichtlichen, zwar nicht ein- auf die vom Landesmuseum als altsächsisch angesprochenen Ur-
deutig bestimmten Scherben, die im Jahre 1950 zwischen Eicke- nen auf dem Krähenberge bei Hademstorf. Waren es Sachsen,
loh und Hademstorf in der Nähe des Verwaltungsgebäudes der die ihre Toten vom gegenüberliegenden Allerufer her auf den

28 29
Sandhügeln der Insel bestatteten? Wohnen konnten sie um lektgeographische Besonderheit für einen Vorstoß aus dem
400 n. Chr. sicher noch nicht auf der Insel. Vielleicht führt uns hochdeutschen Süden. Nach seiner Sprachkarte reicht die
die bis heute erhalten gebliebene Mundart der Eickeloher näher „mick"-Form hart bis an die Leinemündung (einschl. Bothmer)
an diese Frage heran. und deckt sich mit der Sprachscheide nach Dr. Babucke. Ob ein
Die beschriebene Flußinsel lag im Grenzgebiet der Langobar- Ausweichen ingwäonischer Hirten nach der Dorfstelle damit in
den, Dulgubnier, Angrivarier und Chauken. Von den Lango- Zusammenhang gebracht werden kann, ist unwahrscheinlich
barden war die Insel im Norden und im Nordosten durch das und läßt sich natürlich auch niemals beweisen. Die Harpstedter
unüberwindliche Große Moor geschieden, und die im Osten Kultur der Angrivarier mischte sich im Norden und Süden von
wohnenden Dulgubnier trennte außer dem Großen Moor die Nienburg mit der Jastorf-Kultur der Chauken. Die Grenze zwi-
Sprachscheide mi — mick. Aber auch die unmittelbar im Süden schen Chauken und Angrivariern westlich der Alier-Leine im
nur durch die Aller getrennten mick-Ortschaften können mit Räume Rethem (Aller) — Weser — Steinhuder Meer wird also
den beiden mi-Dörfern Eickeloh und Hademstorf keine ur- recht flüssig, mindestens zeitlich verschieden gewesen sein.
sprüngliche Stammesgemeinschaft gehabt haben. Wie sah es Nach den römischen Schriftstellern haben die Chauken die An-
dagegen im Westen jenseits der Aller aus? Dr. C. Küthmann grivarier bereits um 100 n. Chr. bis an die Grenze Stolzenau —
glaubt, die nördliche Grenze der an der Weser wohnenden An- Steinhuder Meer — Celle (nach H. Plettke bis an den Süntel)
grivarier in der Höhe des Steinhuder Meeres zu finden, so daß zurückgedrängt und sind sogar in das Land der Cherusker vor-
sie keine Westnachbarn unserer „Insel" hätten sein können gedrungen. Nach Prof. Dr. U. Kahrstedt 1934: „Die Pol. Gesch.
(Hann. Gesch. Bl. N. F. 2, Seite 169). Er beruft sich auf Guthe, Nieders. i. d. Römerzeit" (N. S. Jahrbuch 1934) gab es damals
„Die Lande Br. u. Hann. Seite 361", und weist die Angrivarier nur noch drei wirklich kräftige Stämme, die Chauken, die Lan-
in das südliche mek-Gebiet. Außerdem seien die Bauernhäuser gobarden und die Chatten (s. a. Nachtr. S. 230/31).
der Angrivarier nach K. Brandi (Mitteil. d. V. f. Gesch. u. Lan- Vor der Zeit der ersten Besiedlung der Insel zwischen Aller
desk. v. Osnabrück 1893, S. 1 ff.) heute noch mit einer Säule und Meiße können also auf dem westlichen Allerufer nur Chau-
(Die Irminsäule) im Giebelschmuck gekennzeichnet, während ken gewohnt haben, die natürlich lange nicht mehr das dürftige
sonst Pferdeköpfe die Giebel der niedersächsischen Bauernhäu- Fischervolk waren, welches einst den Fluten des Meeres seine
ser zierten, wie es auch in Eickeloh der Fall ist. Nahrung abringen mußte. Ihre alte Gewohnheit, die Häuser auf
R. M. Mittelhäusser sieht wiederum selbst noch den viel wei- „Worthen" (od. Würfen = kleine Hügel) zu bauen, wird sich
ter nördlich liegenden Flecken Rethem (Aller) mit Stützung auf aber trotz ihres Vordringens nach Süden erhalten haben, wenn
die Harpstedter Kultur im Gebiet der Angrivarier entsprechend es die Lage erforderte. Und so ist es kein Zufall, daß der Name
dem Gesch. Handatlas Niedersachsens von 1939. „Wortmann" bereits in den frühesten Eickeloher Urkunden ein
Keinesfalls dürfte daher das sprachliche mi-mick für die geläufiger ist. Er bietet uns eine weitere starke Stütze für die
Frage, ob angrivarisch oder chaukisch, entscheidend sein. Denn Annahme, daß die ersten Siedler auf unserer „Insel" Chauken
selbst südlich der Linie Leese-Stolzenau, wo auch Dr. Küthmann gewesen sind (Haus-Nr. 1 S. 142).
nach Schuchard keine Chauken mehr wissen will, wohnen mi- Nun vertritt Prof. Dr. K. Tackenberg in seinem Aufsatz
Leute (s. Sprachkarte II zu „Niederdeutsche Mundarten" von „Chauken und Sachsen" (N. S. Jahrb. 1934) die Auffassung, daß
Prof. Dr. H. Teuchert und „über Sprach- und Gaugrenzen zwi- Chauken und Sachsen ein und dasselbe Volk gewesen seien. Er
schen Elbe und Weser" von Dr. H. Babucke 1896). Prof. Dr. Teu- hebt hervor, daß sich eine Abwanderung der Sachsen aus Hol-
chert bemerkt, daß sich die ostfälische Mundart durch den Ein- stein nach Süden um das Jahr 200 n. Chr. auch gar nicht erken-
heitskasus „mick" anstatt „mi" auszeichne, und hält diese dia- nen lasse. Außerdem macht er auf einen sächs. Grabfund aus dem

30 31
3. Jahrh. bei Soltau aufmerksam und weist auf ihre Nachbarschaft der Mästung für das Vieh lieferte, brauchten die Niederung der
mit den südlichen Chatten (Hessen) hin. In diese Auffassung paßt Aller (al = nähren: Nährfluß) nicht zu verlassen und waren ge-
zwar der sächsische Urnenfund vom Hademstorfer Krähen- gen fremde Einfälle im Rücken vom Norden und Osten her ge-
berge. Aber die besondere Mundart der Eickeloher und ihre sichert. Während diese altchaukischen Hirten des linken Aller-
dürftige Insellage sprechen trotzdem für eine geteilte Ansicht. ufers den Busch von der Jagd nach den Wildpferden kannten
Dem Dorfe Eickeloh ist bis heute das breite „a" besonders und ihre Viehherden bei trockenen Jahreszeiten seit Jahren
eigentümlich, z. B. „Kaaf" statt „Korf" = Korb, oder „Raagn" durch die Niederung in das nicht allzu üppige Buschwerk der
statt „Roagn" = Roggen; darin unterscheidet sich Eickeloh Toteninsel getrieben haben mochten, hätten es die rückstauen-
selbst von Hademstorf und den anderen Nachbardörfern. Auch den Sachsen (nach Barenscheer) dagegen nicht wagen können,
diese Eigentümlichkeit in der Mundart deutet darauf hin, daß sich auf ein solch spärliches Angebot von Inselnahrung einzulas-
das Dorf volkstummäßig lange Zeit hindurch eine Insel" ge- sen. Vielleicht hatte man auf der „Insel" sogar schon vereinzelte
wesen sein muß. Das magere Stücken Erde, die alte Toteninsel, Hütten gehabt, um dort mit der Herde überwintern zu können, die
wurde also von Menschen als Wohnstätte gewählt, denen eine man nun vor den rückstauenden Sachsen zur dauernden Woh-
Mundart eigen war, die sich von der der Nachbardörfer unter- nung zu nehmen gezwungen war (s. a. Nachtr. S. 230/231).
schied. Das müssen besondere Ereignisse verursacht haben. In So sehr nun die eigentümliche Lage und die Vegetation für
diesem Winkel waren zwar die Bedingungen für eine kleine die Ankunft der ersten Siedler zunächst erst einmal eine außer-
Siedlungsgenossenschaft notdürftig erfüllt, aber eine weitere gewöhnliche Bedingung voraussetzt, so wenig sind alsdann Ver-
Entwicklungsmöglichkeit fehlte. Das Hinterland des Eichenwal- änderungen im Leben und Treiben der Dorfstellenbauern auf
des versprach keine Ausbreitung der Waldweide, schützte sie Jahrhunderte hinaus vorstellbar, weil ja ihre Berührung seit In-
allerdings gegen fremden Zuzug. Sie müssen daher Schutz su- besitznahme ihres natürlichen Verstecks mit der Außenwelt auf
chende Siedler gewesen sein. Denn die Vorteile auf dem gegen- ein äußerst geringes Maß eingeschränkt wurde.
überliegenden Allerufer übertrafen auf jeden Fall die Inselvor- Auf die Jahrhunderte späteren „besonderen" Ereignisse, die
teile. Sie müssen außerdem die Inselnahrung genau gekannt durch die Umsiedlung fränkischer Bauern unter Karl dem Gro-
haben, als sie einem stärkeren Volke dorthin auswichen. Wären ßen stattgefunden haben, dürften solche Erwägungen, wie sie bei
sie Sachsen gewesen, so hätte es eines solchen Ausweichens der vermutlichen Landnahme durch die Alt-Chauken angestellt
nicht bedurft. Greifen wir aber hier die Beobachtungen auf, die wurden, schon gar nicht mehr anwendbar sein. Mögen die Ver-
Barenscheer in der gründlichen Bearbeitung seines Stoffes ge- hältnisse in diesem Gebiet um 800 n. Chr. daher kurz zum Ver-
macht hat, wonach „die Besiedlung des Allertals alle Anzeichen gleich mit denen um das Jahr 400 n. Chr. herangezogen werden.
einer Rückwanderung vom Westen her das Allertal aufwärts Zwar lassen die Namen der Dörfer auf dem westlichen Aller-
trägt, die aller Wahrscheinlichkeit nach sächsischen Ursprungs ufer (Güten, Grethem und Buchten) mit ihren „heim"-Endungen
ist", dann ist es sehr wohl denkbar, daß es noch restliche Ur- auf fränkischen Ursprung schließen — Giltheim, Gretheim, Bu-
chauken gegeben hat, die sich bis dahin unvermischt mit den ocheim —. Die Namen „Eclo" und „Hademestorppe" können
Sachsen-Chauken erhalten haben und das Wagnis der Land- jedenfalls auch vorchristlicher Herkunft sein. Mag die Entste-
nahme auf der Toteninsel eingehen konnten. Denn dort kamen hungszeit der „heim"-Orte sonst umstritten werden; die erste
sie mit den großen Verkehrswegen, die man in jener Zeit stets urkundliche Nachricht über das Dorf Buchten deutet hier aller-
zu meiden bestrebt war, keinesfalls in Berührung, hatten auf dings fränkischen Charakter an. Denn nach der Lebensbeschrei-
dem sich im feuchtkalten Klima entwickelnden Eichenboden bung des Hl. Willehard ist schon im Jahre 851 eine Frau in „Bu-
festen Grund unter ihren Füßen, der ihnen zugleich einen Teil ochem" mit dem Namen Siberin von ihren Gebrechen geheilt

32 Bg. 3 Eickeloh 33
worden, war also entweder eine fränkische Umsiedlerin oder nicht so alt sein wie die der angrenzenden Dörfer außerhalb
stand unter fränkischem Einfluß. Ob sie in einem kleinen ab- der „Sumpfinsel", von denen Buchten beinahe 400 Jahre früher
seitsgelegenen reinen Sachsendorfe um 860 n. Chr. schon eine urkundlich nachweisbar ist. Die Namen Güten, Grethem und
geschichtliche Erwähnung hätte finden können (vita St. Willeh. Buchten wurden zwar von den vorherrschenden fränkischen
M. G. SS. IV), ist mindestens zweifelhaft. Auch R. M. Mittel- Bauern bestimmt. Die Frage, ob sie fränkische Neusiedlungen
häusser erkennt in seiner ausgezeichneten Arbeit „Geschichte waren, oder ob sie schon vorher bestanden haben, bleibt aber
der Stadt Rethem an der Aller, 1941" auf Grund neuerer For- unberührt. Riethagen lag ebenfalls außerhalb der beschriebenen
schungsergebnisse in „Rethem-Retheim" eine fränkische Sied- Insel im Norden jenseits der Meißemündung auf einer sandigen
lung aus der Zeit 800 n. Chr. und weist dabei auf das nahe Flöhe. Darüber gibt uns die Hodenberger Chronik von 1625
„Frankenfeld" hin. Und Barenscheer sieht in den „heim"-Orten Seite 116 (Hod. Urkb. Nr. 203) Auskunft: „Ock hefft de veheste
grundsätzlich Kerndörfer, d. h. Erstsiedlungen. am Blecke so gewesen, dat Hartoge Friederick zeliger wente in
Diese Ortsnamen vermitteln uns aber keine Aufklärung über vnses G. H. lande yß gewesen und de höe vor Rithagen ge-
die erste Besiedlung des Allerwerders. Denn daß letzterer nicht habth, und Hadde to dersülven tyd verhundert Pferde ge-
der fränkischen Herrschaft seine ersten menschlichen Wohnstät- habt . . . " Es war um das Jahr 1450, als Herzog Friedrich von
ten verdankt, wurde bereits bei der Frage der ersten Ansätze Celle mit 400 Pferden auf der Höhe von Riethagen vor der
zu den Allermarschrodungen darzustellen versucht. Und einen Feste in Hudemühlen (Bleke = Platz) stand. Noch um diese Zeit
weiteren Einwand gegen eine solche Mutmaßung mag außer- also konnte die Hudemühler Bleke (d. i. die dortige Meiße-Nie-
dem die Art und Weise der Durchführung des Austausches derung) derartig gegen die Höhe von Riethagen abgesperrt wer-
fränkischer und sächsischer Bauern erhellen. Selbstverständlich den. Dieser „hagen"-Ort weist auf einen Herrensitz um das Jahr
hätten die fränkischen Umsiedler nicht die entwicklungsunfähige 1000 n. Chr. (s. auch Mssc. V 244—256 Gebhardi unter Nr. 72).
Insel zwischen Aller, Meiße und Moor zur Rodung erhalten, Daß Hademstorf auch eine adlige Gründung aus der gleichen
sondern wären in Stätten mit weiten Anbauflächen eingeglie- Zeit ist, dürfte anzunehmen sein, obgleich die Herren von Ha-
dert worden, z. B. Buchten, Grethem, Güten, Niedernstöcken demstorf nur als bischöfliche Lehnsleute auf der Ulenburg ohne
(Stocheim). Ein altes abgelegenes Sachsendorf — man bezeich- Besitz in Hademstorf nachweisbar sind. Gyzeler de Hademes-
nete um 800 n. Chr. das ganze Volk schlechthin als „Sachsen" — torpe (23. 9. 1310) hatte dort jedenfalls kein Eigentum. (Walsr.
hätte man dagegen in seinem Schlupfwinkel nicht gestört. Eine Cop. Buch I Fol. 9 b rep. Nr. 99). Das Grundwort „Dorf" kann
Flucht vor der unter einer gewissen Aufsicht durchgeführten keinen Altershinweis bieten, weil es „dorf'-Orte zu allen in
fränkisch-sächsischen Umsiedlung ist daher als Ursache seiner Frage kommenden Jahrhunderten gegeben hat.
Entstehung nicht mehr denkbar. In der weiteren Entwicklungsgeschichte des Dorfes Eickeloh
Daß in den folgenden Jahrhunderten eine Verschwägerung interessiert nun noch einmal die Urkunde über das Dorf Buch-
mit den neuen fränkischen Nachbarzwangsansiedlern statt- ten vom Jahre 851 n. Chr.: „Porro de villa Buochem ex pago Lo-
gefunden hat, unterliegt keinem Zweifel. Dieser Eingriff in das hingao, quaedam . . . etc." — Buchten im Gau Loingo — (vita
Volkstum wird allerdings der letzte gewesen sein; und wir St. Willehadi A. 860. Mon. Germ. II 389. miraculum 27). In die-
können sicher gehen in der Annahme, daß die Familien, welche sem Gau lag auch das Dorf Eickeloh. Er umfaßte im Norden die
uns bis auf den heutigen Tag in den alten Bauernhöfen begeg- Gegend von Soltau, schloß im Osten Hermansburg ein, grenzte
nen, auf Vorfahren zurückblicken, die in jenem Jahrhundert im Südosten bis an Celle und im Süden bis an das Steinhuder
die Dörfer bewohnt haben. Meer. Im Westen verlief die Grenze durch den Grinder Wald
Die Gemarkung Eickeloh wird also nutzungsmäßig bestimmt und schloß Rethem ein, um in nordöstlicher Richtung wiederum

34 35
Soltau zu erreichen. Im Mittelpunkt des Gaues mündete also statte vor der heutigen alten Allerbrücke neben dem Brauhause
die Leine in die Aller. Ob der Gau (892: lainga, 1060: laingin zwischen Ahlden und der Bunkenburgruine hatten (1370) Luder
oder loingo) nach der Leine —- lat. lagina — oder nach seiner von Ahlden, 1377 Hermann von Buchten, 21. 9. 1393: „Dat
reichen Bewaldung — Lo — benannt worden ist, steht nicht fest. Richte to Ahlden, dat der von Ahlden höret").*). Die Bunken-
Letzteres dürfte deshalb unwahrscheinlich sein, weil „Lo" die burg scheint jedoch schon im 14. Jahrhundert zerstört worden
Bezeichnung für einen „kleinen" Wald ist. zu sein. Und die Ritter von Ahlden bewohnten seitdem das
Mit der Unterwerfung der Sachsen um das Jahr 800 n. Chr. Schloß auf dem gegenüberliegenden Allerufer (heute Amts-
vollzog sich eine grundlegende Wendung nach innen und außen. gericht) bis 1431. Ihnen stand aber nur das sächsische Goh-
Zwar ließ Karl die Gaugrenzen bestehen, unterteilte aber mit gericht in der Bunkenburger Vogtei zu. Wie es scheint, gehörte
der Einführung des Christentums die Provinzen in Diözesen und das Dorf Eickeloh n. 1200 zur Gerichtsbarkeit der Herren von
Bistümer und diese wiederum in Archidiakonatsbezirke. Nach Hodenberg. Sie ist um 1388 an den Herzog übergegangen.
Abtrennung des Archidiakonats Mandelsloh um 1230 bildete Nach einer Erzählung von 1448 heißt es, „Vor damals 60 Jah-
der nördliche Teil des Gaues Loingo das Archidiakonat Ahlden. ren" also um 1388 sei das geschehen. Im Jahre 1609 haben die
Zu ihm gehörte Eickeloh. Ob dieser Teil allerdings schon vor Gebrüder Levin, Marquard und Wilhelm von Hodenberg das
Karl d. Gr. zum Loingau gehört hat, wird nach neueren For- hohe Gericht über Hudemühlen selbst zurückerlangt, dagegen
schungsergebnissen bezweifelt. Die weltliche Gewalt legte der nicht mehr über Eickeloh.
Kaiser in die Hände von Gaugrafen, die über Leben, Freiheit Die Gerichtsgrenze zwischen Hudemühlen und Eickeloh wird
und Grundeigentum zu Gericht saßen. Diese Gerichte fanden noch im Amtslagerbuch von 1667 erwähnt. Dort steht: „Die Ah-
in regelmäßigen Abständen, aber abwechselnd an verschiede- len gegen dem Gerichte über". Man darf vermuten, daß sich
nen Dingstätten und jedesmal für die ganze Grafschaft statt. „im Wiehe" (d. h. geweihter Ort) zugleich der Platz befand, an
Urkundlich sind solche Gerichte der Grafen von Wölpe noch in dem in der Zeit von ca. 1200 bis ca. 1388 das „Blutronnen Hals-
Nöpke b. Mandelsloh bekannt. gericht" auch über die Eickeloher Missetäter stattgefunden hat.
Im Jahre 936 n. Chr. wird im „pago laingo" ein Graf Liudger Am 26. Januar 1302 ist die Grafschaft durch den Grafen Otto
beurkundet, und 1060 heißt der Gaugraf im Loingau Graf Wi- von Oldenburg an den Herzog Otto von Braunschweig und Lü-
zelo. Es ist eine Urkunde vom 8. 5. 1060, in der die Verleihung neburg verkauft worden. Von nun an finden wir Eickeloh unter
der „Magetheide" durch König Heinrich an die Verdener Kirche der Regierung in Lüneburg (seit 1378 in Celle). Der nächste
vollzogen wurde. Verwaltungsbeamte war seit 1431 der Drost in Ahlden. Aus den
Von 1153 bis 1176 regierte Graf Bernhard I. von Wölpe im Gohgerichten wurden Landgerichte, denen der Drost vorsaß.
Loingau. Und als letzter Graf unseres Gaues wird unter dem Die vorgeschichtliche Zeit des Dorfes Eickeloh hat aber inzwi-
Jahre 1301 der Graf Otto von Wölpe genannt. schen ihr Ende erreicht. Wir befinden uns bereits in einem Zeit-
Für einfachere Rechtsbrüche kam das „gebotene Ding" in Be- abschnitt, in dem uns unser Heidedorf urkundlich entgegentritt.
tracht. Es wurde in den einzelnen Gohen des Gaues auf beson- Noch konnten wir seine Geschichte nur mutmaßen oder aus der
dere Einladung unter dem Vorsitz der Gohgrafen gehalten und Umwelt erfahren. Jetzt spricht es selbst zu uns mit seinen Er-
umfaßte nur den Goh selbst. Zuerst wird das Dorf Eickeloh wie- eignissen und Menschen.
derum nach Ahlden zum Gohgericht gehört haben. Es sind noch Mit dem Jahre 1237 beginnt die urkundlich nachweisbare Ge-
Belehnungen der Herren von Ahlden mit diesem sächsisch- schichte des Dorfes.
lauenburgischen Gericht bekannt, die auf der Bunkenburg (von 1296 scheidet das Kirchspiel Eickeloh aus dem Gohgericht Ahlden aus.
Anfang des 14. Jahrhunderts bis 1380) saßen und ihre Gerichts- (Sud. VII. S. 99/100; Urkb. d. Kl. Walsrode 161; Krieg, S. 38/39)

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3. Die Grundherren des Dorfes und die ersten urkundlichen gegen, daß die Edelherren von Hodenberg schon zwischen
Nachrichten Aller und Meiße reich begütert waren, als sie noch von 1149
bis 1200 als erbliche Schutzvögte des Stiftes Bücken im Hoya-
ischen auf dem Hodenberge saßen. Im Jahre 1237 erwarben sie
vom Kloster Walsrode weitere 6 Hufen in Eickeloh, von denen
2 der Gräfin Sophie von Osterburg (1215), Tochter Bernhards II.
Nach einem Verzeichnis des Adels des Fürstentums Lüneburg Grafen von Wölpe, gehört hatten. Sie war die Gattin des Gra-
aus der Landesmatrikel vom Jahre 1553 soll es Grundherren fen Siegfried von Osterburg, der 1236 Eigentum zwischen Celle
dieser Gegend gegeben haben, die längst ausgestorben sind, und Bremen hatte (Orig. guelf. IV. 145), und die Großmutter der
und von denen keine Urkunden mehr existieren. Auf Grund späteren Ermengard von Hodenberg geb. von Meinersen
eines Manuskripts Otto's von Estorff „Acta provincialia Duca- (1237 — 1258). (Urkb. d. Kolsters Walsrode n. 27). Nach dieser
tus Lüneb. ab anno 1616" wird darin gesagt, daß diese Familien Urkunde, die zugleich die älteste Nachricht vom Dorfe Eickeloh
aus älteren Diplomen — Geleitbriefen — und aus verborgenen
Kontrakten ausfindig gemacht werden konnten (Mssc. V. 244 — Die Graugralen im Loingau bis zum Jahre 1301
256 Gebhardi—Staatsbibl. Hannover): „Earum autem famili-
arum quae dudum extincte sunt, longe major numerus ex diplo-
matibus et Contractuum litens in Coenobiis (et contractibus
latentibus in Coenobiis) erui possunt. Quales sunt:
Unter 18: Die von Eickeloh im Amte Ahlden, mit deren Gühter
die von Hodenberg beliehen worden".
Die zuerst erwähnten Herren über die Eigenbehörigen und
über den Grund und Boden von „Eclo" bzw. über die Güter
zwischen Aller und Meiße waren jedoch die Herzoglichen —
vermutlich die Billunger —, die um 1170 ausgestorbenen Edel-
herren von Riclinghe und die Grafen von Wölpe. Diese wie-
derum waren es zum großen Teil durch den Edlen Mirabilis
Giai
(1146 — 1173), der durch seine reichen Schenkungen um 1160 Burchaid v. Völpe Siegel der
an die Mindener Kirche, u. a. in Schwarmstedt und Ahlden, be- 1258 Graten von Wölpe
kannt ist, bzw. durch dessen Ehefrau Wicburga, Tochter des
Grafen Eico, der an der Aller und Leine begütert gewesen sein
soll. Eine Schwester des Edlen Mirabilis war die Gattin des aus deren Händen der im Jahre 1237 bereits vorhanden gewe-
Grafen Conrad von Wölpe (1120—1140). ist, waren die Hodenberger schon vorher Grundherren in Eicke-
Ob die Herren von Eickeloh einmal alleinige Grundherren loh: „— weitere 6 Hufen". Da sie das Dorf 1330 bis auf einen
von Eclo waren, und ob sie es durch die Billunger oder den Ed- Hof ganz in Besitz hatten, muß ihr Eigentum hier vor 1237
len Mirabilis oder den Grafen Conrad von Wölpe geworden schon bedeutend gewesen sein.
sind, oder ob sie gar erst durch die Ritter von Mandelsloh (Va- So wird es doch wohl seine Richtigkeit damit haben, daß
sallen der Grafen von Wölpe) in den Besitz dieser Güter ge- früher Herren von Eickeloh die Grundherren des Dorfes waren,
langt sind, darüber gibt es keine Nachrichten. Gewiß ist es da- sene Teil des Hodenbergischen Eigentums in Eickeloh stammt.

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Daß sie aber schon zu karolingischer Zeit dort gewohnt haben, er die 6 Hufen in Eickeloh erwarb, wie es schon im Abschnitt 2
erscheint mehr als zweifelhaft. Wenn nach der Entwicklung auf angedeutet wurde. Zu bemerken ist, daß im Copialbuch I „villa
Grund der Verwaltungsmaßnahmen Karls des Großen einst- Ecclesie" steht. Im Copialbuch II, 31 a ist aber „eclo" statt „Ec-
weilen die Herzoglichen, die Kirche und der Adel die bestän- clesie" zu lesen.
digen Grundherren blieben, so begann doch bereits im 9. Jahr- Aus der nächsten Nachricht über Eickeloh erfahren wir den
hundert ein stetiger Besitzwechsel. Die Kirchen und Klöster Namen des ältesten urkundlich nachweisbaren Einwohners. Er
wurden beschenkt, die Güter vererbt, getauscht und verpfändet. ist ein Eigenbehöriger (Leibeigener), der Gottschalk hieß. Das
Und im 12. Jahrhundert, aus welchem die Nachrichten über den genaue Jahr der Urkunde steht nicht fest, muß aber auf Grund
Besitz des Edlen Mirabilis, der Grafen von Wölpe und der Edel- der Lebenszeit der vertragschließenden Personen in die Zeit um
herren von Hodenberg in der Gegend zwischen Aller und 1260 fallen. Die Urkunde besagt, daß die Edelherren Heinrich
Meiße bekannt werden, kann von einem einheitlichen Grund- und Luthard von Hodenhagen, Vögte zu Bücken, und ihre Brü-
herren natürlich keine Rede mehr sein. Aus der Urkunde von der dem Probste Burchard und dem Konvente zu Walsrode den
1237 sehen wir, daß auch das Kloster Walsrode Eigentum in Eigenbehörigen des Stiftes Bücken Theodolf genannt Spitlaf ge-
Eickeloh hatte. Und am 6. Okt. 1295 erwarb Herbort von Man- gen Gottschalk von Eickeloh vertauschten. Die uns interessie-
delsloh den großen und kleinen Zehnten in „Eclo" vom Kanoni- rende Stelle der Urkunde lautet wörtlich: „ . . . pro eo Gho-
katstift in Lübbecke in Westfalen, welches sich vorher in Ahl- deschalcum de eklen eodem Jure . . . " (Hod. Urkb. Dr. 57). Sie
den befunden hatte (siehe: Spilker 1827 „Gesch. d. Grafen v. wurde am 15. Oktober um das Jahr 1260 auf der Burg Hoden-
Wölpe u. ihre Bes." Urk. Nr. XC). hagen ausgefertigt. Diese Burg hatte der Edelherr Hermann
Ob also, wie gesagt, alle diese Güter vorher in den Händen von Hodenberg im Jahre 1244 im Bruche zwischen Hudemühlen
der „Herren von Eickeloh" vereinigt gewesen sind, und ob sie und Eickeloh erbaut, nachdem er durch die Grafen von Hoya
etwa auch Zehntherren des Dorfes waren, ist daher völlig un- aus seinem Stammsitz verdrängt worden war. Es ist der bereits
bestimmt. erwähnte Platz, an dem ehemals die alte Post- und Handels-
Dagegen gehörte später das ganze Dorf (ohne Zehnten) bis straße zwischen Stade und Hannover das Sumpfgelände der
auf einen Hof den Edelherren von Hodenberg. In der erwähn- Meiße überquerte. Heute erinnert nur noch ein Gedenkstein an
ten ältesten Urkunde über Eickeloh heißt es, daß Herman Hode den Ort (der sogen. Katmanns-Stein).
(Hermann IL), Vogt zu Bücken mit Willen seiner Gemahlin dem Wenn uns die Urkunde von 1237 mitteilt, daß es in Eickeloh
Kloster Walsrode 3 Hufen zu Westerharl, ein Haus zu Benefeld noch „Hufen" (mansi) gab, und diejenige aus der Zeit um 1260
und ein Haus zu Bommelsen gegen Empfang von 6 Hufen zu von dem Tausch eines Eigenbehörigen berichtet, dann zeigen
Eickeloh gibt, wovon 2 der Gräfin Sofie von Osterburg gehört uns die beiden Urkunden, daß der große Wandel in den bäuer-
haben. Er verschreibt seine Güter zu Westenholz zur Sicherheit. lichen Besitzverhältnissen noch nicht vollzogen war, dem wir
Der Tausch deutet darauf hin, daß Hermann von Hodenberg 70 Jahre später in der Urkunde nach dem 9. April 1330 begeg-
seine Güter in Eickeloh zu vermehren bestrebt war, weil sich nen. Denn seit dem Tage dieser Urkunde wird nur noch von
dort bereits ein großer Teil in seiner Hand befand. Er hatte den „Höfen" gesprochen, nicht mehr von „Hufen". Durch diesen
Hodenberg bei Hoya an der Weser um 1200 verlassen und lebte Brief belehnten die Herzöge Otto und Wilhelm von Braun-
seit 1233 in der Gegend zwischen Aller und Meiße. Vielleicht schweig und Lüneburg den Ritter von Hodenberg (Heinrich IL)
weist die Urkunde von 1237 auf die Absicht, sich in der Nähe mit dem Dorfe Eickeloh und mit anderen Gütern. Der Eickeloh
von Eickeloh wiederum ein festes Haus zu bauen, vielleicht betreffende Teil der Urkunde lautet: „De riddere van Hoden-
wohnte er auf der Burg zwischen Eickeloh und Grethem, als berge, dat dorp al to ekle, ane enen Hof." (Hod. Urkb. Nr. 135).

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Diese Belehnung stellt nur noch eine landesherrliche Bestäti- Anfangs war der „villicus" oder „major" des Ortes selbst ein
gung des schon bestehenden Besitzrechtes der Hodenberger an Late. Daß er sich mittels seiner Befugnisse bald aus der Reihe
dem Dorfe Eickeloh dar. seiner Dorfgenossen heraushob, lag auf der Hand. Aus seiner
Wie weit die Entwicklung des Bauernrechts bis dahin fort- Amtstätigkeit entwickelte sich ein Pachtverhältnis. Es wurde
geschritten war, erhellen die Darstellungen von Werner Wit- richtungweisend für den bereits angedeuteten Wandel in den
tich: Die Grundherrschaft in Nordwestdeutschland. 1896. Karl Di« 6ru«dt>err«n VMI Eickeloh)«ca. 1*00-18^5
der Große hatte die Stände, die er bei der Unterwerfung der
Sachsen vorfand, beibehalten: Die adligen Grundherren, die
freien Bauern und die gesessenen Laten. Letztere bildeten die
Masse des Volkes. Nicht eigenbehörig, aber an ihre „Hufe" ge-
bunden saßen sie erbberechtigt auf ihrer Scholle. (Hufe: and. =
Huoba, d. h. Anteil an der Dorfgenossenschaft). Eine Hufe wird
1296 in der Kirchenstiftungsurkunde zum letzten Male nach-
gewiesen. Die Tatsache aber, daß 1260 ein Leibeigener in Eicke-
loh lebte, deutet, wie bereits erwähnt, auf das Vorhandensein
einer „Villication" hin. Um diese Zeit zeichnete sich das Villi-
kationssystem in der Agrargeschichte Niedersachsens schon
sichtbar ab. Weil der Grundherr nicht am Orte wohnte, setzte
er einen „villicus" oder „Meier" (lat. Major) in das Dorf, der
ebenfalls einen Hof bewirtschaftete, aber zugleich die Aufgaben
eines Gutsinspektors zu erfüllen hatte. Ihm oblag die Einbrin-
gung der fälligen Abgaben und die Überwachung der Gerecht-
same seines Herrn.
Ob dieser sogenannte „Sal- oder Fronhof" in Eickeloh auch
nur die Größe einer Hufe gehabt hat oder sogleich aus 2 zusam-
mengelegten Hufen bestand, ist nicht bekannt. Allem Anschein
nach ist es der Hofraum des heutigen Vollmeiers Wichmann,
Haus-Nr. 9, genannt Behnkens, gewesen. Dieser Hof wurde ur-
kundlich von 1486 bis 1743 von der Familie Bockhoff bewirt-
schaftet. Es fällt auf, daß die Hodenberger Gutsverwaltung den
Vornamen 1536 als den einzigen im Dorfe lateinisch und mit -Siecr«l <M Bdclljcrrn Hermann CM.) v«n HodenbergVZoi-mo')
gemalten Buchstaben an die erste Stelle setzte: „FRANCISCUS 1*51: Hermann von Hodcttburg (yiatysty'mKcl) auf du EickeiofytrZurz a^Mer)
Bockhop", trotzdem er nur ein Halbmeier war. Die Namen be-
amteter Personen pflegte man zu verlatinisieren. Und nur auf
Zeichnung n»dy d.l\n\- zum Hodenberger Ui-/<.*1W>?
einem solchen Hofe konnte ein Eigenbehöriger des Grundherrn
arbeiten, es sei denn, daß ein Katenbesitzer durch Verschul- Besitzverhältnissen, die sich in den folgenden 100 Jahren ge-
dung in das Leibeigenschaftsverhältnis geraten wäre, den aber staltet haben und bis auf den heutigen Tag grundlegend geblie-
die Grundherren wahrscheinlich nicht fortgegeben hätten. ben sind. Er war der erste Meier im Dorfe Eickeloh.

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Um die feststehenden Erbenzinsgefälle der Laten erhöhen zu und Marquard im Jahre 1360 erneut bestätigt: „. . . dat dorp al
können, entließ der Grundherr diese aus der Hörigkeit und to ecle ane I Hof . . . " (Hod. Urkb. Nr. 151). Dann folgte die
legte wie bei seinem Meier 2 bis 4 Hufen zu einer wirtschaft- erste Teilungsperiode der Güter, in der Heinrich V. von Hoden-
lichen Einheit zusammen. Die freigewordenen Laten erlangten berg im Jahre 1360 mit 3 Höfen zu Eickeloh belehnt wurde:
dadurch zwar ihre persönliche Freiheit, verloren jedoch ihr Erb- „ . . . III houe to ecle" . . . (Hod. Urkb. Nr. 152). Es war sein
recht an der Hufe; sie wurden landlos. Ihnen blieb nur das Viertelanteil an den Gesamtgütern. Die landlos gewordenen
Haus und ihr Vieh, aber auch die Verbesserung des Bodens. Die Katen zählten nicht mehr.
neuen Einheiten gab der Grundherr denjenigen Laten, von de- Erst am 26. 5. 1429 (Hod. Urkb. Dr. 187) treten die Katen ur-
nen er sich die sichersten und höchsten Einnahmen versprach. kundlich wieder in Erscheinung. Thomas von Hodenberg ver-
Das beiderseitige Kündigungsrecht wog hinfort die Grenze der pfändete ein Drittel der Güter mit 4 Höfen und 5 Katen. Dem-
Leistungsfähigkeit ab. Selbstverständlich blieben auch kleine nach hatte das Dorf insgesamt 12 Höfe und 16 Katen (einschl.
wirtschaftliche Einheiten erhalten. Das lag im Ermessen des Kirch. Köt.), 1 Meier (Feldmannshof) und 1 Kötner traten in
Grundherrn. Wenn wir also jetzt aus der Urkunde nach dem den folgenden 100 Jahren und der 18. Kötner erst nach 1649
9. 4. 1330 entnehmen, daß das ganze Dorf „ohne den einen Hof" hinzu (mit Pfarrhof: 13 Höfe).
dem Grundherrn gehörte, dann haben wir es bei diesem einen Im Jahre 1445 befanden sich die Gesamtgüter wieder in einer
„Hof" nunmehr mit einer der neuen wirtschaftlichen Einheiten Hand. Denn in der Urkunde aus diesem Jahre heißt es: Herzog
zu tun, ganz gleich, ob dieser eine Hof die Größe eines neuen Friedrich der Ältere von Braunschweig und Lüneburg belehnt
Vollmeierhofes oder die einer ehemaligen Hufe gehabt hat. Es Marquard von Hodenberg (Marquard II.) mit „de hudemolen
war der halbe Hof, mit dem am 23. 8. 1296 die Kirche von mit aller tobehoringe vnd rechticheid van der Olden Esseler-
Eickeloh dotiert worden war. In der Stiftungsurkunde wurde er brüggen an wente dem Krutzeforde dar inne belegen iss Ekel
noch mit „Hufe" bezeichnet, bei der reformatorischen Kirchen- vnd Hademstorppe besunderen Twe houe de to Alden höret
visitation im Jahre 1542 wurde er als Halbhof festgestellt. vnd eyne koten" (Hod. Urkb. Nr. 201). Die besonderen zwei
Die Vollmeier und die Halbmeier waren nach wie vor ihrer Höfe und die eine Kote, die den Hodenbergern nicht gehörten,
Größe entsprechend an der „Allmende", d. h. an der Dorfgenos- waren folgende:
senschaft, beteiligt. In Eickeloh erlangten 12 Hufen dieses a) Der Pfarrhof in Eickeloh v. 23. 8. 1296 (Halbhof). Die Kirche
Recht. Die übrigen 15 Katenbesitzer wurden landlos. Außerdem war eine Filial der Mutterkirche Ahlden. Während die
diente 1 Hufe der Kirche. Grundherren-Eigenschaft dieses Hofes mit der Stiftung der
Um aber die Bauern im staatlichen Interesse nicht der Will- Kirche auf das Kapitel zu Ahlden übergegangen war, blieb
kür der Grundherren auszusetzen, hatte Herzog Otto durch Er- die Grundherrschaft über den Eickeloher Kirchenmeier
laß vom 8. 1. 1314 verfügt, daß der Grundherr die Stelle „nach Nr. 16 bei den Herren von Hodenberg. Es wurden nur die
dem Hof rechte nur" dem Sohne oder Verwandten des Bauern Dienste an die Kirche abgetreten.
verleihen durfte. Damit hatte er das Erbrecht wiederhergestellt. b) Der Herrenmeierhof Garstenbüttel in Hademstorf Nr. 4
Nach diesem Erlaß konnte jedermann seine Sachen ohne Er- (Vollmeierhof). Der Hof erscheint bereits in der Urkunde
laubnis des Grundherrn verkaufen oder verschenken (Cal. von 1360 (Hod. Urkb. Nr. 151): „ . . . dat dorp Hademe-
Urkb. 6 Abt. Nr. 104). storpe ane I Hof, lh houe . . . " (1667: Hanß Heinrich Hol-
Die nach dem 9. April 1330 erfolgte Belehnung des Ritters land).
Heinrich von Hodenberg (Heinrich IL gest. vor 21. 1. 1337) mit c) Das fürstliche Zollhaus, später Posthaus in Hademstorf Nr. 12
dem Dorfe Eickeloh wurde dessen Söhnen Luthard, Hermann (Kötnerstelle). Das Zollhaus ist sogar schon am 9. 4. 1330

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Eigentum des Fürsten: „ . . . Hademerstorp to male ane en fanden sich nach einer Urkunde um die Mitte des 16. Jahrhun-
Hus . . ."In der Urkunde von 1360 ist es der „Vi houe". derts 6 Vollhöfe, 7 Halbhöfe und 17 Kötner. (Staatsarch. Hann.:
Die alte Esseier Brücke lag unterhalb der jetzigen. Die Kreuz- Celle Br. Arch. Des. 61 IL 38 Nr. 12 vol. IX). Diese Angabe
föhrt mündet bei Hellberg in die Aller. muß, soweit sie die Größen betrifft, ungenau sein. Nach dem
In der Urkunde vom 18. 3. 1476 fand wiederum die Beleh- Huldigungsverzeichnis des Amtes Ahlden vom 9. 12. 1649 wa-
nung an Ortgies von Hodenberg (Ortgies L), Sohn des vorher- ren es 5 Vollhöfe, 8 Halbhöfe und 16 bzw. 17 Kötner. Der
gehenden, mit den beiden Dörfern statt: „ . . . van der Olden Pfarrhof ist in dieser Zählung niemals enthalten, weil er, wie
Eßelbrügge na der Snedekulen fort na deme Segerdes wäre, aus den Belehnungsurkunden hervorgeht, stets ausdrücklich
v/ante up den Arndessteyne, vnd fort alze de Snede geit na herausgenommen wurde. Zahlenmäßig hatte sich also in den
der Alre deme dorpe to Eckelo, ane eynen hoff, deme dorpe to 100 Jahren nichts geändert. Nur ein Vollhof wurde in der Ur-
Hademstorpe, ane eynen hoff vnd eyne koten . . . " (Hod. Urkb. kunde von ca. 1550 als Halbhof berechnet. Daß in der Urkunde
Nr. 216). vom 9. 12. 1649 eine Kötnerstelle fehlt, liegt daran, daß sie
Am 2. September 1478 lautete die Urkunde des neuen Lan- fürstlich geworden war (der Posthof), und daher wahrscheinlich
desherrn nochmals: „ . . . mit dessen nabescreuenen guderen nicht abgabepflichtig gewesen ist. Die Größenverhältnisse müs-
by namen, der Hudemolen, den dorppern. Eklo und Hadems- sen aber bereits um 1550 die gleichen gewesen sein; denn sie
torppe, ane twe houe vnd eyne koten, den Rottegeden So de wurden schon bei der Aufteilung der Güter nach dem 27. 3. 1514
voregescreuene gudere besnedet sin, . . . " (Hod. Urkb. Nr. 222). mit der Maßgabe vom 9. 12. 1649 zugrunde gelegt. Während ein
Durch diesen Erlaß wurde den Herren von Hodenberg auch der Kötner als Kirchenmeier bei der Eickeloher Kirche verblieb,
Rodzehnte eingetan, wie es im Amtslagerbuch vom Jahre 1667 teilten die beiden Brüder Dietrich IL und Marquard III. die
wiederholt worden ist. übrigen Höfe unter sich genau in zwei Teile. Aber schon durch
Das Hausbuch der beiden Brüder Ortgies und Rolef von 1489 den Tod Marquard's III. im Jahre 1538 kam es zu einer weite-
(Hod. Urkb. Nr. 239) enthält nur 4 Höfe und 5 Katen. Es ist ein ren Teilung unter dessen Söhnen Thomas III., Stifter der älteren
Teilregister über den Nachlaß von Bodo I. oder Thomas I., Linie — Gut III (gest. 1555) und Christoph, Stifter der jüngeren
deren Anteile (je 7s) 1445 wieder mit dem Ganzen vereinigt Linie — Gut II (gest. 1588). Diese Aufteilungen bildeten die
waren. Grundlage für die Güter II und III. Die ungeteilte Hälfte der
Bis zum Tode des Ortgies von Hodenberg (Ortgies L: 1451 — ersten Teilung wurde Gut I. Durch die Ehe des Erben von Gut II
1492 gest. vor 1496) blieben die Güter in dessen Hand als Ge- Levin von Hodenberg (geb. 1556, gest. 1627) mit der Erbin von
samtgut der Gebrüder Ortgies und Rolef. Nach dem Tode des Gut I Adelheid von Hodenberg (gest. 1627) fanden sich die Gü-
Letzteren 1. 1. 1514), der ohne Erben starb, wurden die Söhne ter I und II allerdings wieder in einer Hand zusammen. Levin
des Ersteren, Dietrich IL (1502 gest. 1526) und Marquard III. von Hodenberg verband die beiden Güter zwar miteinander,
(1502 gest. 1538), mit dem Dorfe Eickeloh belehnt. In der am teilte sie aber sogleich wieder in zwei gleiche Teile, wahrschein-
27. 3. 1514 errichteten Urkunde verfügte der Celler Herzog: lich für seine Söhne.
„. . . Wy belehnen se ock fürder mit den dorpern vnd guderen Dieser Vorgang in den Eigentumsverhältnissen der Hude-
Ekelo vnd Hademstorppe, vtbescheyden twe Hofe vnd eyne mühler Güter macht es nun möglich, die Zugehörigkeit der
kothen, mit dem Rottegeden, vnd wat forder . . . " (Hod. Urkb. Eickeloher Höfe trotz des gänzlichen Fehlens der Register von
Nr. 301). Gut III einwandfrei zu ermitteln, obgleich auch von den Auf-
Eine besondere Bedeutung für die Gemeinde Eickeloh erlangte nahmen der Güter I und II nur noch einige Register erhalten
die bald darauf einsetzende 2. Teilungsperiode. Im Dorfe be- sind. Sie ergeben sich aus der Gegenüberstellung mit den Kon-

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tributionsverzeichnissen von 1628 und dem Huldigungsverzeich- Jürgen Wortmann saß (heute Haus Nr. 4). In dem Kontribu-
nis vom 9. 12. 1649. tionsverzeichnis aus dem gleichen Jahre heißt die Besitzerin
Die erhalten gebliebenen Hodenberger Güteraufnahmen auch „Reineke Veltmanns wittibe" statt Jürgen Wortmann. Die-
überliefern uns die Namen von 10 Meiern (ohne Angabe, ob ser Vollhof (1533: Gerke Wunnerding) stammt aus den Gütern
Voll- oder Halbmeier) und 13 Kötnern einschließlich eines Her- Ortgies III. von Hodenberg, des Erben Dietrichs IL (Gut I). Im
renmeiers und eines Kirchenmeiers (letztere mit geringen Ab- Viehschatzregister von 1564 befand er sich ebenfalls im Besitz
gaben), und zwar 2 volle und 2 halbe von Gut I, 1 vollen und des Gerke Wunnerding mit einem Viehbestand von 6 Pferden
3 halbe von Gut II, 1 vollen Herrenmeier und 1 halben Wech- und 24 Rindern als der größte in Eickeloh. Er muß in den Jah-
selmeier = 10 Meier, 5 Kötner von Gut I, 7 Kötner von Gut II ren 1514 bis 1597 fürstlich geworden sein. Denn bei der ersten
und 1 Kirchenmeier = 1 3 Kötner. Der Herrenkötner fehlt in den Teilung der 2. Teilungsperiode zählte er noch als voller Hof
Hodenberger Aufnahmen. Der Wechselmeier in der Größe eines zu den Hodenberger Gesamtgütern, wo er auch im Register von
Halbhofes hatte abwechselnd dem Gut II (jüngere Linie) und 1597/98 mit Restverpflichtungen und dem Zusatz „Herrenmeier"
dem Gut III (ältere Linie) zu dienen. Es war der heutige Drei- in Erscheinung trat. Anscheinend ist die Kötnerstelle des Rei-
viertelmeier Haus Nr. 13 — Feldmannshof —, den Luthard von neke Veldtman mit diesem Vollhof eine Zeitlang vereinigt ge-
Hodenberg am 14. 4. 1505 zu einem Teil an den Hudemühler wesen. Der Nachfolger des Herrenmeiers Reineke Veldtman
Gutskaplan verpfändete: „ . . . vnde wyllen vppe sunte micha- von 1597/98 war nämlich Heinrich Wortmann oder Veltman,
elis dach dussen vnsen capellane to der hude vor gheuen teyn dessen 2 Erben wir im Kontributionsverzeichnis von 1628 (das
lubesche ß to tinse in vnsen kathen to Eklo dar nu to tiden vppe ist nach 1564 wieder das erste vollständige Hofregister) als den
wanet Reyneke veltmanns . . . " (Hod. Urkb. Nr. 286). Durch die Vollmeier Jürgen Wortman (auch Reineke Veltmans wittibe)
zweite Teilung nach dem Tode Marquards III. im Jahre 1538 und als den Kötner Heinrich Wortman wiederfinden. (Im Geld-
wurde dieser Hof ein Wechselmeier. Mit dem 1597/98 beur- register des Amtes von 1628/29: Vollmeier Wortman und Köt-
kundeten Herrenmeier, d. h. an das fürstliche Amt in Ahlden ner Veltman). Diese Vermutung ergibt sich aus der Tatsache,
gehörenden Kötner, Reineke Veldtmann kann er nicht ver- daß alle anderen Hofbesitzer mit ziemlicher Sicherheit bestimmt
wechselt werden. Der Wechselmeier hieß 1597/98 Heimicke werden konnten.
Feldtmann, dessen Vorgänger Hermen Veltman im Jahre 1536 Die Verteilung der Eickeloher Höfe unter den Hodenberger
sowohl als auch dessen Nachfolger Johan Blanke im Jahre 1667 Grundherren ging nun folgendermaßen vor sich:
den gleichen Zins an die Hudemühler Kapelle zu entrichten hat- Gesamtzahl der Hofstellen:
ten (noch 1831 dem Pfarrer in Hudemühlen). Wenden wir uns
5 Vollhöfe
aber dem Herrenmeier Kötner Reineke Veldtman vom Jahre 8 Halbhöfe (= 4 Vollhöfe)
1597/98 zu, dann taucht die Frage auf, wie dieser in die Auf- 17 Kötnerstellen (= 4'A Vollhöfe)
nahme der Güter I und II gelangt sein kann. Er war Besitzer der
heutigen Kötnerstelle Haus Nr. 32, die in den Jahren von 1538 zusammen 13V4 Vollhöfe
bis 1628 in das Eigentum des Amtes Ahlden übergegangen ist, Davon waren nach Ausscheidung des Kirchenmeiers (Wert =
weil darauf die fürstliche Posthalterei eingerichtet wurde (s. fol- '/.< Vollhof), der schon seit dem 14. Jahrhundert nur noch mit
gender Abschnitt). Vorher gehörte sie zu Gut III und hätte einer Restverpflichtung als Anerkennung der Hodenberger
daher keinerlei Sonderabgaben aus früheren Verpflichtungen Grundherrschaft zu den Gütern gehörte, zu verteilen: 5 Voll-
an Gut I und II haben können. Hier muß eine enge Beziehung höfe, 8 Halbhöfe und 16 Kötnerstellen = 13 volle Höfe.
zu dem Herrenmeier-Vollhof bestanden haben, auf dem 1628 Die folgenden Bezeichnungen „Gut I, II, III" beginnen erst

48 Bg. 4 Eickeloh 49
um 1600, werden hier aber der Übersicht halber gleich ein- u. der Kötner (Nr. 32) als Post-
gesetzt. hof ganz zum fürstl. Amt Ahl-
1. Teilung nach 1514: den gehörig und daher in den
Gut I: Gut II: Gut III: Hodenb. Aufnahmen nicht ge-
(zus. 13 Volle) führt: — — 1
6V2 6V2
Von Gut I ging in der Zeit v.
1 Kirchenm. (Nr. 16): — — 1
1514 — 1597 an Amt Ahlden1
1 Wechselm. (Nr. 13): — 1 —
1 Vollhof: 1
Insgesamt: 5 8 17
Es blieben: 5V2 6V2
3 3 Nach dem Tode des Miterben von Gut I Levin Gerd im J a h r e
1661 gelangten die Güter I und II noch einmal in eine Hand,
u. V2 Wechselmeier
2. Teilung von 1538: wurden aber nach dem Tode August Friedrich's im J a h r e 1686
wiederum getrennt. Bei dieser Erbauseinandersetzung kam es
Nach der Vereinigung von1 8V2 3 zum letztenmal zu einer neuen Verteilung der Eickeloher Höfe,
Gut I und II im J a h r e 1595: U. V2 == Wechselmeier bei der es alsdann bis zur Gemeinheitsteilung verblieben ist,
Von Gut III ging in der Zeit v. weil die Bildung des Communion-Guts eine weitere Zerstücke-
1538 — 1628 an das Amt Ahl lung der Güter verhinderte.
den 1 Kötner (Posthof):
Es blieben: 8V2 23/4 Die Zehntherren von Eickeloh 1295-1842
u. Va = Wechselmeier
Gut I und II führten seit 1597
Gutsregister in genau 2 Hälften: 4V4 4V4 23/4
und Va = Wechselmeier
Diese „Vollhof-Werte" w e r d e n in den Güteraufnahmen von
1597/98 bis 1638/39 wie folgt ausgewiesen:
Vollm. Halbm. Kötner
Gut I (zus. 4V4): 2 2 5
Gut II (zus. 4V4): 1 3 7
Gut III (die restl.
Höfe zus. 23A): 1 2 3 Lippold v. Mandelsloh 1328 Hinlich v. Bolhmer 1358

zusammen: 4 7 15 Siegel der Ritter v. Mandelsloh Siegel der Herren v. Bothmer


Dazu
als Herrenmeier der Vollmeier Der Fleisch- und Fruchtzehnte — auch Korn- und Schmal-
(Nr. 4) mit einer Restpflicht zur zehnte genannt —, der um 1300 dem Ritter Herbort von Man-
A n e r k e n n u n g der Hodenb. delsloh gehörte, muß vorher Eigentum des Bischofs von Minden
Grundherrschaft 1 — — aus Schenkungen des Edlen Mirabilis oder der Grafen von

50 51
Wölpe gewesen sein. Denn auf diesem Wege gelangte der war die Ablösungsgesetzgebung mit der Ablösungsordnung
Zehnte von Eickeloh an das 1274 in Ahlden gegründete und vollendet. Die Spezialteilung wurde durch das Gemeinheitstei-
nach Lübbecke i. W. verlegte Kanonikatstift, von dem Harbort lungsgesetz mit dem Gesetz über das Verfahren bei Gemein-
von Mandelsloh diesen „großen und kleinen Zehnten" am 6. 10. heisteilungen vom 30. 6. 1842 angeordnet. Vor dem Inkraft-
1295 kaufte (siehe Würdtwein in no. subs. dipl. IX 77). treten dieser beiden Gesetze am 1. 5. 1843 wurden die Ablösun-
Mit einem anderen Restzehnten von einem Hofe und einer gen der Zehnten geregelt. Sie erfolgten in Eickeloh durch Rezeß
Katen in Eickeloh belehnte der Bischof später noch Bodo von vom 9. Dezember 1842 auf Grund des Vertrages vom 5. Novem-
Ahlden (Urk. v. ca. 1385. Mind. Lehnsreg. II Nr. 187). Schon ber 1842. Um den Beteiligten die Aufbringung des Beitrages
1250 durfte die Familie von Ahlden Verpfändungen an das Klo- zum Ablösungskapital möglich zu machen, wurde die Landes-
ster Walsrode vornehmen, und im Jahre 1324 belehnte er sie Credit-Kasse in Hannover eingerichtet. Die Ablösung betrug
mit der Verwaltung seiner Güter im Amte Ahlden (Grütter). das Fünfundzwanzigfache der abzulösenden Rente oder Lei-
Im Zehntregister von 1489 finden wir Eklo deshalb auch mit stung. Der Beitrag der Gemeinde Eickeloh an die Gevettern von
einem Restteil zum Kloster Walsrode gehörend (Lüneb. Urkb. Bothmer zu Bothmer und Schwarmstedt war für den Fleisch-
Abt. XV Nr. 315). zehnten auf 750 Taler und für den Fruchtzehnten 8250 Taler
Wie und wann der Fleisch- und Fruchtzehnte alsdann aus errechnet und vereinbart worden.
dem Eigentum der Herren von Mandelsloh in das der Herren Dann folgten Verhandlungen und Gemeindeversammlungen,
von Bothmer übergegangen ist, ließ sich aus den Urkunden in denen die erregten Gemüter aufeinander stießen, bis endlich
nicht ermitteln. Im Jahre 1667 befand er sich jedenfalls in den die Spezialteilung und Verkuppelung der Gemarkung Eickeloh
Händen der Familie von Bothmer zu Bothmer, Güten und am 29. 4. 1845 vollzogen und am 6. 7. 1845 durch die General-
Schwarmstedt, wo er bis zur Ablösung (1842) verblieben ist. Kommission bestätigt werden konnte. Erbfolge, Anerbenrecht
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts reifte die Zeit für die Neu- und Leibzucht blieben wie beim früheren Meierrecht bis 1873
ordnung des Grundeigentums heran. Die ersten Ansätze dazu bestehen. 1874 trat an diese Stelle als freiwilliges Bauernrecht
finden wir im Amte Ahlden schon im Jahre 1769. Der Bauer die „Höferrolle".
wurde statt Besitzer nunmehr grundbuchamtlicher Eigentümer In Niedersachsen gab es bis 1932 zweiundzwanzig das Bau-
des von ihm bewirtschafteten Grund und Bodens. Es sollte eine ernrecht betreffende Gesetze. An die Stelle dieser Höfe- und
verstärkte Besiedlung der Lüneburger Heide erreicht werden. Anerbengesetze trat das Reichserbhofgesetz vom 29. 9. 1933,
Diese Ansiedler, die sogen. „Anbauer", sollten Land aus der die Erbhofrechtsverordnung vom 21. 12. 1936 und die Erbhof-
Allmende erhalten und an der „Realgemeinde" beteiligt sein, fortbildungsverordnung vom 30. 9. 1943. Erbhöfe waren Besit-
in der gewissermaßen die alte Dorf- oder Markgenossenschaft zungen, die mindestens eine eigene Ackernahrung (30 Morgen)
fortgesetzt wurde. höchstens die Größe von 125 ha hatten und sich im Eigentum
Zwar galt es, fast unüberwindliche Schwierigkeiten aus dem einer bauernfähigen Einzelperson befanden. Ihre Erbfolge und
Wege zu räumen. Am 25. 6. 1802 wurde für das Land Lüneburg das Belastungsrecht wurden durch diese Reichsgesetze geregelt.
eine Gemeinheitsteilungsordnung erlassen, der das Generaltei- Am 20. 2. 1947 wurden diese Gesetze durch das Kontroll-
lungsgesetz von 1824, d. h. die Zuweisung des Gemeinheits- ratsgesetz Nr. 45 aufgehoben. Seit dem 24. 4. 1947 gibt es keine
besitzes an die Gemeinden folgte. Schon in den Jahren 1820 bis Erbhöfe mehr. Für die Erbfolge gelten wieder die Höfe- und
1822 hatte die Vermessung und Aufteilung der Ländereien Anerbengesetze vor dem 1.1. 1933. Nach der Höfeordnung vom
stattgefunden. Unzählige kleine und kleinste Landstreifen wa- 24. 4. 1947 gilt als Hof jede land- und forstwirtschaftliche Besit-
ren aufzulösen und nach Bodengüte neu zusammenzulegen. 1833 zung mit einer Hofstelle, die einen Einheitswert von mehr als

52 53
10 000,— RM hat, oder auch eine kleinere vom Eigentümer auf In den Güteraufnahmen der Herren von Hodenberg im 17.
Antrag eingetragene Stelle. Jahrhundert sind an Jahresverpflichtungen der Eickeloher Hof-
Die Abgaben und Dienste der Eickeloher Bauern: besitzer an ihren Grundherrn aufgezeichnet:
Nach dem Güter-Register von 1486 (Hod. Urkb. Nr. 239) be- a) bei den Vollmeiern
trugen die Leistungen 2 Malter Roggen und 2 — 3 Malter Hafer, auch ein Rind
a) eines Vollmeiers an den Grundherrn: zu füttern = 1 Reichstaler,
18 Himpten bis 1 Malter Roggen, der Wagen- oder Spanndienst,
18 Himpten bis 1 Malter Hafer, 2 Hostschweine oder 3 Reichstaler und
1 bis 2 Schweine, 1 Wigelbrod (Weichbrod = geweihtes Brod),
1 Widder, das Lamm oder 12 Schillinge,
1 Lamm, 30 bis 40 Knocken Flachs,
1 Weich- oder Host-Brot (geweihtes Brot), 1 junger Hammel oder 1 Reichstaler,
20 bis 30 Knocken Flachs, 1 Himpten Schrodbohnen oder 24 bis 26 Mariengroschen
3 Hühner (1 Rauchhuhn, 2 Zinshühner) oder Schillinge,
und der Dienst, 3 Hühner (Rauch- und Zinshuhn) oder 9 Mariengroschen
b) eines Kötners an den Grundherrn: oder 6 Schillinge,
4 bis 6 Schillinge Zins, 2 lange Reisen (etwa Hannover oder Celle) oder 2 Reichs-
3 Hühner, taler,
und der Dienst. b) bei den Kötnern
In dem Güter-Register vom 27. 3. 1536 (Hod. Urkb. Nr. 342) der Hauszins mit 8 bis 10 Schillingen,
finden wir die folgenden Abgaben und Leistungen: 2 Zinshühner oder 6 Mariengroschen,
1 Rauchhuhn oder 3 Mariengroschen,
a) eines Vollmeiers: der Handdienst und
17 Himpten bis 2 Malter Roggen, 1 lange und 1 kurze Reise.
18 Himpten bis 3 Malter Hafer,
2 Schweine Und im 18. Jahrhundert betrugen die Abgaben und Leistun-
1 Himpten Erbsen, gen:
1 Botling (junger Hammel), a) für den Vollmeier:
1 Lamm, 8 Reichstaler Dienstgeld,
1 Weich- oder Hostbrot (Osterfladen), 3 Reichstaler für 2 Hostschweine,
3 Hühner, 1 Reichstaler für 1 Rind zu füttern,
30 Knocken Flachs 4 Mariengroschen 1 Pfg. für 1 Wiegelbrod,
und den Dienst, 27 Mariengroschen für Schrotbohnen,
b) eines Kötners: 30 Mariengroschen für 1 Botling und 1 Lamm,
7 bis 12 Schillinge Zins, 9 Mariengroschen für Zins- und Rauchhühner,
3 bis 5 Hühner 1 Reichstaler für 1 lange Reise,
und den Dienst. 18 Mariengroschen für 1 kurze Reise,

54 55
dazu 6 Tage im Sommer und 6 Tage im Winter mit dem und Meiße gehörte allerdings denen von Hodenberg (s. auch
Gespann und Abholung eines Zehnten aus den Zehntdör- V. F. C. Manecke 1852). Die Strafgelder, die beim Landgericht
fern. verhängt wurden, flössen in die Amtskasse, weil das Land-
b) für den Kötner: gericht als ehemaliges Gericht über Leben und Freiheit für
3 Taler 20 Mariengroschen 6 Pfg. Dienstgeld, Eickeloh seit ca. 1380 eine Sache des fürstlichen Amtes gewor-
11 Mariengroschen 2 Pfg. Hauszins, dazu 6 Tage im Sommer den war. Dazu traten als Sonderabgaben an den Landesherrn
und 6 Tage im Winter mit der Hand zu arbeiten und Ab- bei außergewöhnlichen Anlässen die „Beeden" (von „Bitten"),
holung eines Zehnten. z. B. Wehrauflagen und Huldigungen beim Regierungsantritt.
In welchem Maße alle diese Leistungen den Landmann be-
Alle diese Pflichten konnten allerdings in Art und Höhe recht lastet haben, fand seinen besonderen Ausdruck erst in Kriegs-
verschieden sein. Die Steigerung der Abgaben ist auf die von zeiten. Da wurden von ihm außerdem die Kontributionsgelder
Jahrhundert zu Jahrhundert ansteigende Geldentwertung zu- und Kriegsfuhren verlangt, obgleich ihm der verrohte Soldat
rückzuführen. bereits den letzten Pf ennig aus der Beilade gestohlen hatte. Dann
Es bleibt zu beachten, daß neben diesen Leistungen der band ihn nichts an die ererbte Scholle als die durch Kind und
Flesich- und Fruchtzehnte an die Herren von Bothmer (Zehnt- Kindeskind ins Blut hineingewachsene Treue zu seinem Acker.
herren) abzuliefern war.
Weitere Abgaben:
Den Herren von Hodenberg gehörte außerdem seit dem Jahre
1478 der Zins für neu gerodetes Land. Auch die Strafgelder für
unberechtigte Holzentnahme zählten zu den Einnahmen der
Hudemühler Grundherren, weil das Eickeloher Holzgericht in
ihren Händen lag. Nur das unschädliche Auflesen von Zweigen
blieb den Leuten gestattet.
Als besondere Abgaben an den Grundherrn kamen in Be-
tracht:
a) das Weinkaufgeld bei der Hofübernahme als eine Art Erb-
schaftssteuer in Höhe von 1 bis 2 Talern (Gewinnkauf) und
b) das Hemdgeld für eine erteilte Heiratserlaubnis in Höhe
von 1 Taler.
Neben diesen Leistungen an die Junker hatten die Eickeloher
Bauern für den Landesherrn 3 Tage im Jahre beim Amt in Ahl-
den zu „burgfesten", und zwar die Meier mit dem Gespann und
die Kötner mit der Hand. Auch diese Leistungen wurden später
in Geld umgewandelt. Die Grasgelder aus dem Wuchs auf den
Aller-Werdern und die Fischerei gehörten dem Drosten in Ahl-
den. Denn die Gewässer waren Hoheitsgebiet. Die Fischerei von
der Ahldener Brücke bis zur Esseier Brücke in der Aller, Leine

56 57
4. Die Grenzen der Gemarkung Eickeloh und die bauliche Ent- Bansee, von dem See vor das Hademstorffer Feld nieder biß an
wicklung des Dorfes den Gehlen winkel, von hier biß auf den Bohtmarschen Berg
(Siehe Abbildungen Seiten 246, 247, 259, 260) von hier biß an die alte Aller, die leine hinunter biß vor die
Ahlen gegen dem Gerichte über".
„Die Ahlen" sind die Holzungen, die in der Eickeloh-Hude-
mühler Allermarsch zwischen der Aller und der alten Leine ge-
Eine mündliche Überlieferung besagt, daß einst ein Mann standen haben. Ahle heißt Nährholz. Der Bansee lag etwa 1 km
namens Bösche bis an die Hudemühler Grenze geritten sei, um nördlich des Bansee-Berges (letzterer 1,5 km östlich von Ha-
durch Abfeuern von Gewehrschüssen anzudeuten, ein weiteres demstorf). Der „gehle Winkel" umfaßt die Hademstorfer
Vordrängen der Hudemühler Gemarkung sei mit Lebensgefahr Marschkoppeln an der heutigen Allerschleuse. Der Hodenber-
verbunden. Eine solche Nachricht darf wohl nur als Legende ger Gerichtsstein stand „im Wiehe" (d. i. Weidengebüsch od.
zu werten sein. Solange es den Namen Bösche in Eickeloh gibt, geweihter Ort zwischen dem „Wiehtoch" und der ehem. Hude-
stehen die Gemarkungsgrenzen sicher unantastbar fest. Eine mühler Windmühle auf dem Penneberge).
Änderung zu Verkoppelungszwecken konnte nur durch Gesetz- Bis auf die Veränderungen auf Grund der Generalteilungen
gebung herbeigeführt werden. Sollte aber im Laufe der Jahr- von 1824 sind es fast die gleichen Grenzen, die auch heute noch
hunderte der Name jenes Reiters verwechselt worden sein, bestehen (s. Skizze 9):
dann müßte der Ursprung dieser Sage auf eine Zeit zurück- „Im Westen die alte Leine vom Breiten-Riep bis zum Punkt
gehen, in der noch nicht einmal die Hodenberger Grundherren 23,2; im Norden ab Punkt 23,2 an Ahrenskoppel entlang, süd-
ihren Einfluß auf die Bestimmung der Bodenbesitzverhältnisse lich vom Penneberg bis zum Punkt 26,6 und ab Punkt 26,6 in
hätten geltend machen können. Damals gab es allerdings noch gerader nordöstlicher Richtung auf die Meiße; im Osten die
kein Schießpulver. Möglich ist eine Verwechslung mit dem In- Meiße über Punkt 25,7 stromauf bis zum Schnittpunkt Speck-
halt der Hodenberger Chronik Seite 116 von 1625 (Hod. Urkb. graben— Feldgraben — Bruchgraben; im Süden unregelmäßig
Nr. 203), in der es heißt, daß Herzog Friedrich um 1448 auf der verlaufend über Punkt 26,7 südlich vom Breiten-Riep und dem
Höhe vor Riethagen gestanden habe „und vor der Hudemölen Eitz bis zur alten Leine".
gewest dar öme van den Borgern eyn genanth Kaie, de noch Viele Jahrhunderte hindurch sind die Dorfstellenbauern un-
vnlanges geleveth, ein äff geschoten warth, und dat Bleck be- eingeschränkte Beherrscher ihres von natürlichen Grenzen ein-
holden . . . " geschlossenen Gebietes gewesen. Dann kamen die Siedlung
Ob also diese Überlieferung einer Untersuchung in der Frage Hademstorf und zuletzt die Wassermühlenkaten von Hude-
der Entwicklung der Eickeloher Gemarkungsgrenzen standhält, mühlen hinzu. Die Abgrenzungen gegen diese Gemarkungen
erscheint sehr zweifelhaft. wurden nun schon von den Grundherren bestimmt. Sollten die
Die älteste Beschreibung der Eickeloher Gemarkungsgrenzen Herren von Hademstorf ihren Namen erst von dem Dorfe ab-
finden wir im Amtslagerbuch vom 20. 9. 1667. Dort sind die geleitet haben, und diese Vermutung liegt nahe, dann dürften
Flächen der zur Dorfgenossenschaft gehörenden Hude, Trift und die Hodenberger als die grenzbestimmenden Grundherren an-
Weide wie folgt umschrieben worden: „Hude Trifft und Weyde zusehen sein. Vielleicht hat Hademstorf sogar von ihnen den
geht von dem Dorffe ab die Aller herunter biß an die Ahlen, da Namen: „Hodensdorf".
der von Hodenberg gerichte stehet. Von der Ahlen biß an den Der Weg, der sich zur Zeit der Dorfstellensiedlung nach Nor-
Rustkamp, von dem Damme die Meiße strohm hinauff biß bey den hin im Meißebruch verlor, führte nach Süden zu über den
Wichmanns Immenzaun, von diesem Immenzaun biß an den versandeten Dorfplatz und umschloß vor „Eclo" zu beiden Sei-

58 59
ten den alten Friedhof, auf dem die Kirche noch fehlte. Die de wert 1429
ersten Häuser beiderseits des Weges waren der Bockhof und Kruceberges 1486
der Baesmannshof. Und am Südrande führte der Weg zwischen hennges = Hemens — 1486 Haus-Nr. 6
Hüxhof und Hemenshof hindurch, bog dann aber sofort nach betzeman od. Wortman (Worte = Anhöhe) 1533 Haus-Nr. 1
Osten ab, um die Sandhügel zwischen Eklo und Hademstorf zu Buchteman (aus Buochem = Buchten) 1533 Haus-Nr. 10
erreichen. Nun war im ersten Jahrhundert nach der Gründung der Ei-
An dieser Hauptdorfstraße, dem sogenannten „Pos" (jüngere chenwaldsiedlung noch Raum genug vorhanden, um dem zweit-
Bezeichnung von ca. 1550) lagen als Reihendorf die ersten Lat- und möglicherweise auch dem drittgeborenen Sohne eine
hufen mit ihren Einfahrtstoren nach der Allerseite hin. Denn Wohnkate und einen Anteil an der Allmende zu verschaffen.
dort erstreckte sich von ihren Toren bis zum Allerufer hinüber Daher stieg die Anzahl der Hufen bis um 1300 verhältnismäßig
noch das Saatland. schnell auf 27 an. Erst mit der Bildung der Meierhöfe wurde
Ein Blick auf die Karte der topogr. Landesaufnahme ver- jede weitere Gründung von Lathufen ausgeschlossen. Allenfalls
gegenwärtigt uns den Gang der Entwicklung der Siedlung Eklo duldete man noch Häuser von Handwerkern am Dorfrande, die
von ihrer vermutlichen Gründung um 1140/1160 bis zur Bildung ja vorläufig kein Allmenderecht besaßen (siehe Anlage zu Ab-
der Meierhöfe um 1300. Wir wissen, daß das Dorf in den Jahren schn. 12, Seite 227).
der Kirchenstiftung etwa 28 Lathufen gehabt hat (1360: 3 Höfe Diese Entwicklung, die also nur vor 1300 stattgefunden haben
= V4 aller Höfe; die Katen hatten noch kein Allmenderecht. kann, ist in der Teilung der Hofräume deutlich zu beobachten.
1429: 4 Höfe und 5 Katen = V3 aller Hof stellen). Ebenso eindeu- Sie hatte stets eine Beteiligung an der Allmende zur Folge. Zu-
tig beweisen uns auch der Lageplan von 1779 und sogar noch nächst waren es die Zweidrittelmeier Nr. 11 und 12, die sich am
das Meßtischblatt von heute, daß im ursprünglichen Kern des Westrande der Kernsiedlung niedergelassen haben. Sie erlang-
Dorfes nur 10 Lathufen gleichwertige Plätze gehabt haben und ten um 1300 ebenfalls das Meierrecht. Der Hof Nr. 13 fehlte
zwar auf jeder Seite vom „Pos" 5 Hufen (vergl. Skizze 2, sogar noch in der Urkunde von 1486. Er wird 1505 erstmals als
S. 242). Die Hausplätze hatte man zum Schutze gegen Straßen- Kate erwähnt.
räuber und Wölfe mit einer dichten Hecke umgeben. Einige der Die engen Beziehungen zwischen den Herrenmeiern Nr. 4 u.
ältesten Lathufenfamilien geben uns mit ihrem überlieferten Nr. 32, die im Abschnitt 3 zum Ausdruck gebracht wurden, deu-
Namen noch einen Hinweis auf diese erste Bauanlage: Bramber- ten eine neue Lathufenbildung auf dem heutigen Hofe Nr. 4 an.
hop, Bockhop, Gherke hopper, aber auch Henneke hoyers und Der Hofraum zwischen Theeshof und Behnkenhof blieb zwar
der olde hoyer. Denn „hop" nannte man einen abgesicherten ungeteilt. Man baute das Wohnhaus am Südrande des Ortes
Ort; und das mit diesem Grundwort verbundene Bestimmungs- auf; und eine neue Lathufe war damit in der Allmende wieder
wort bezeichnet den Besitzer desselben. geboren worden. Es ist also sehr wahrscheinlich, daß sich der
Wenn nun auch die Plätze der Gründer dieser ersten 10 Hu- Gerkenhof (Gherke hopper) auf dem früheren Hofraum der Köt-
fen nicht mehr alle bestimmt werden können, so dürften doch nerstelle Nr. 32 befand. Der älteste nachweisbare Besitzer der
wenigstens ihre Namen im Folgenden erhalten geblieben sein: letzteren hieß Reineke velthman; und es ist nicht ausgeschlos-
Bockhop — Behnken — 1486 (Haus-Nr. 9) sen, daß der Gründer des später entstandenen Feldmannshofes
Bramberhop 1385 (Nr. 13) ebenfalls aus dieser Hufe stammt.
Gherke hopper — Gerken — 1487 Haus-Nr. 4 (32) Ebenso verhält es sich mit dem Büchtmannshof (Nr. 10). Er
Henneke hoyers — Hüxer — 1429 Haus-Nr. 5 machte den Wohnkaten Nr. 14 und Nr. 25 Platz und baute sich
de olde hoyer 1429 gegenüber ein neues Haus. Diesen Hofraum hat der Besitzer

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1818 wegen zu starker Einengung allerdings nochmals aufgeben gegebenen Hausnummern bestehen erst seit der Neuordnung
müssen. nach der Verkuppelung (1845), sind hier aber zum Zwecke einer
Andere Lathufenbauern teilten dagegen ihre Hofräume unter genaueren Kennzeichnung bereits v e r w a n d t worden:
ihren Söhnen und zwar die heutigen Höfe Nr. 1 mit Nr. 24, Baesmannshof Nr. 1 (auf dem früheren Hofraum befindet sich
Nr. 2 mit Nr. 31 und 26, sowie Nr. 3 mit Nr. 27 und Nr. 30. jetzt die Kötnerstelle Nr. 24).
Die Hufenbesitzer, die keinen ausreichenden Raum zur Ver- Hinzenhof Nr. 2 (der Hofraum gehört jetzt zur Kötnerstelle
fügung hatten, richteten ihren zweiten oder dritten Söhnen eine Nr. 26).
neue Hufe am Süd- und Ostrande des Ortes ein. Unter ihnen Meinenhof Nr. 3.
sind jedoch auch völlig neue Ansiedler durch den Grundherrn Gerkenhof Nr. 4.
denkbar, die nach 1360 ihren Anteil an der Allmende fanden. Hüxhof Nr. 5 (das W o h n h a u s ist abgebrannt.
Es sind dieses die heutigen Kötnerstellen Nr. 15, 16, 17, 18, 19, Der Hof w u r d e aufgelöst. Auf dem Hofraum steht heute das
20, 21, 22, 28 und 29. Haus Th. Börstling Nr. 5).
Als die Grundherren dann um das J a h r 1300 weiteren Hufen- Hemenshof Nr. 6 (auf dem Hofraum steht heute das Haus
bildungen Einhalt geboten und durch Zusammenlegung meh- Nr. 101).
rerer Hufen 12 Meierhöfe schufen, war es bei der Durchführung Ottenhof Nr. 7.
dieses Verfahrens absolut möglich, daß eine jüngere Hufe Theeshof Nr. 8 (der Hof wurde aufgelöst).
Meierhof wurde, während eine ältere ihren Anteil an der All- Behnkenhof Nr. 9 (wohl der ehem. Salhof).
mende verlor. Vielleicht w a r e n die beiden Höfe Nr. 14 und Büchtmannshof Nr. 10 (auf dem früheren Hof räum steht heute
Nr. 32 die Stammhöfe der beiden Meierhöfe Nr. 10 und Nr. 4. das Haus Nr. 74).
Denn nicht ohne Grund liegen diese beiden Meierhöfe außer- Schroershof Nr. 11.
halb des Raumes der ersten Kernsiedlung. Möglich ist es zwar Lohmannshof Nr. 12 (der Hof ist aufgelöst).
auch, daß die beiden schon als Lathufenbauern ihre alten Hof- Feldmannshof Nr. 13 (Haus und Hof räum Nr. 13 gehören nicht
räume zu Gunsten ihrer Erben aufgegeben haben, um sich die mehr zum Hofe).
neuen wahrscheinlich besseren zu wählen. Im letzten Falle läßt Neumeiershof Nr. 14 (früherer Hof räum auf Grundstück
die alsbaldige Beengung auf dem Hof räum Nr. 10 diese Vermu- Nr. 25).
tung allerdings nicht berechtigt erscheinen. Paulshof Nr. 15.
Die durch die harten Maßnahmen der Grundherren landlos Lüershof Nr. 16 (ehem. Kirchenmeier).
gewordenen Kötner fanden in den folgenden 100 J a h r e n ihren Wilhelmshof Nr. 17 (heute Bäckerei. Der Hof gehört jetzt
W e g in die Allmende zurück. Aus der Gegenüberstellung der zum Hause Nr. 22).
beiden Urkunden von 1360 (Hod. Urkb. Nr. 152) und vom 26. 5. Steltershof Nr. 18 (Wohnhaus abgebrochen).
1429 (Hod. Urkb. Nr. 187) ist dieser Vorgang klar ersichtlich. Kreugershof Nr. 19 (ehem. Dorfkrug).
W ä h r e n d der V4-Anteil Heinrichs V. von Hodenberg im J a h r e Rustshof Nr. 20 (der Hof w u r d e aufgelöst).
1360 nur auf die Meierhöfe bezogen wurde, waren in dem Wiepenhof Nr. 21 (das W o h n h a u s brannte 1868 ab. Der Hof
Va-Anteil des Thomas von Hodenberg am 26. 5. 1429 die Köt- wurde aufgelöst. Auf dem Grundstück steht heute Haus Nr. 71).
nerstellen mit enthalten. Kösterdahrshof Nr. 22 (der Hof wurde aufgelöst. Zum Hause
So zeigen uns die Namen der Meierhöfe und Kötnerstellen gehören jetzt die Grundstücke der ehem. Kötnerstelle Nr. 17).
mit ihren alten Bezeichnungen die einstigen Gründer oder nam- Musmannshof Nr. 24.
haften Besitzer oder die Namen der ersten Meier an. Die an- Behrenshof Nr. 25.

62 63
Meiermannshof Nr. 26. Huldigungsverzeichnis vom 9. 12. 1649 ist die Kötnerstelle noch
Ahrenshof Nr. 27 (der Hof wurde aufgelöst). nicht enthalten. So scheint es, war Cord Flacke der erste Gast-
Beekenhof Nr. 28. wirt in Eickeloh. Auf seinem Grundstück, dem heutigen Haus
Nr. 19, saß später der Kötner Johann Hinrich Bösche, dem am
Ohlenheershof Nr. 29.
2. 5. 1747 die Genehmigung zur Errichtung einer Erbenzins-
Renkenhof Nr. 30.
mühle auf dem „Corporalsberge" erteilt wurde. Wie es scheint,
Peetshof Nr. 31 (früherer Hof räum auf dem ehem. Hof räum
hat aber in früherer Zeit schon eine „Windflügel-Mühle" auf
Nr. 2).
dem südwestlich davon gelegenen „Windflögen" gestanden,
Posmannshof Nr. 32. Dieser Kötnerstelle ist eine besondere
der bereits im Amtslagerbuch von 1667 erwähnt wird.
Aufmerksamkeit zuzuwenden. Daß sie einst der ganzen Dorf-
straße den Namen geben konnte, mußte eine ungewöhnliche Die Mühle von 1747 mußte bei jedesmaliger Veränderung
Ursache haben. Dort wurde in der Zeit von 1538 bis 1628 des Erbenzinsmüllers neu beweinkauft werden. Mit ihr verband
(wahrscheinlich um 1550) das Umspannhaus der ersten staat- sich für die Gemeinde Eickeloh ein fühlbarer Fortschritt. Denn
bis dahin war die Gemeinde auf die Hudemühler Windmühle
lichen Posthalterei des Dorfes eingerichtet. Das Amt in Ahlden
auf dem Penneberge (Ende des 19. Jahrhunderts abgebrannt)
erwarb die Kötnerstelle aus den Höfen des Thomas von Hoden-
angewiesen gewesen, was eine beträchtliche Verteuerung des
berg — Gut III. Das Gebäude, einst Mittelpunkt von Eickeloh,
täglichen Bedarfs an Brotmehl und Buchweizengrütze verur-
mit dem die Gemeinde die Verbindung mit der Außenwelt auf-
sacht hatte. Man darf nicht übersehen, daß der Anbau der Kar-
recht erhalten hatte, wurde im Jahre 1822 abgebrochen und an
toffelfrucht als Hauptersatz für die Buchweizengrütze") erst um
seinem heutigen Platze wieder aufgebaut. Wann diese Post-
1760 eine langsam zunehmende Verbreitung erfuhr. Die moder-
stelle eingegangen ist, darüber liegt keine Nachricht vor. Es
nen Mühlen des 20. Jahrhunderts haben diese Bockmühle, des-
muß Ende des 17. Jahrhunderts gewesen sein. Denn nach der sen letzter Eigentümer Fritz Dettmer war, um 1925 zum Still-
Ahldischen Chronik befand sie sich seit Anfang des 18. Jahr- stand gebracht.
hunderts in Hademstorf. Mittwochs und Sonnabends fuhr der
Postwagen von Celle nach Bremen und Stade. Die noch bekann- Vor der Zeit des ältesten Viehschatzregisters vom Jahre 1533
ten Posthalter in Hademstorf waren: 1750: Arend Angermann, war also das Dorf schon bis an die heutige Hauptdorfstraße be-
1769 Christian Bösche und 1800 Johann Hinrich Mahlfeldt. baut. Nur am Südausgange nach Hademstorf fehlten noch die
Häuser Nr. 14, 33 und 34. Die Brinksitzer Nr. 33 und 34 waren
Der Name der Eickeloher Poststelle ist im Amtslagerbuch
im 16. Jahrhundert noch nicht vorhanden. Erst zu Anfang des
vom Jahre 1667 erhalten geblieben. Dort wurde ein Stück Ger-
17. Jahrhunderts taucht in Eickeloh die Bezeichnung „Brink-
sten- und Haferland in der Marsch wie folgt beschrieben:
kothe" auf. Es waren Wohnkaten am Dorfrande, die von den
„Brede gehet auff Postmanns Pfort".
wenigen Handwerkern, dem Schneider, dem Rademacher, dem
über eine Gastwirtschaft erfahren wir zum ersten Male etwas
Drechsler und dem Zimmermann, bewohnt wurden. Rademacher
im Geldregister des Amtes Ahlden von 1660/61. Der Krüger
und Drechsler (Dreyger) waren am stärksten vertreten. Die heu-
Cord Flacke bezahlte in diesem Jahre 7 Taler, wahrscheinlich
tigen Hausbezeichnungen weisen noch darauf hin: Dreiers Haus
als laufende Konzessionsgebühr. Denn die Bierakzise war Nr. 36, Rademachers Haus Nr. 34 und Sanddreiers Haus Nr. 50.
außerdem zu entrichten. Wann der Krug in Eickeloh eröffnet Ein Schuhmacher konnte in Eickeloh noch nicht existieren, weil
worden ist, konnte nicht genau ermittelt werden. Da er sich
jedoch auf einer neu errichteten Kötnerstelle des Gutes III be-
fand, wie es das Amtslagerbuch von 1667 ausweist, muß der *) Dr. F. Hamm, a. a. O.: „1380: In Berkhof ist der Buchweizen in Niedersach-
Krug erst nach dem Dreißigjährigen Kriege entstanden sein. Im sen erstmalig urkundlich erwähnt."

64 g. 5 Eickeloh 65
jeder seine Holzschuhe selbst anfertigte. Und für die Sonntags- schaff entstanden während der napoleonischen Kriege die er-
stiefel genügte der Schuster in Hudemühlen. sten Pflastersteinstraßen.
Diese Brinkkötner hatten schon 1 bis 2 Kühe und einige Die Wege zwischen Hudemühlen, Eickeloh und Hademstorf
Schweine und gelangten damit langsam in die Dorfgemein- wurden im Zuge der Aufteilung des Grund und Bodens (1822 —
schaft. 1845) zu einer gepflasterten Landstraße begradigt, überall in
Auf Dorfausgange nach Hudemühlen blieb das Pfarrwitwen- der Feldmark entstanden die geraden Feldwege, die der Ge-
haus sogar bis um 1800 das letzte Gebäude von Eickeloh (vergl. markung das völlig neue Gesicht gaben.
topogr. Landesaufnahme v. 1779). Es wurde im Jahre 1938 ab- Im 19. Jahrhundert verschwanden die weiß leuchtenden
gebrochen und 1954 neu errichtet. An der ganzen Ostseite der Lehmwände und die breit ausgelegten Strohdächer der alten
heutigen Hauptdorfstraße entlang standen die grauen Feld- Bauernhäuser aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Kriege
scheunen zwischen Eichen und Fuhren verstreut. Dort schob sich (1648). Es waren zum großen Teil noch Häuser mit Lichtöffnun-
der Kohlgarten dicht bis an den Platz der jetzigen Kirche. Er gen ohne Glas. Die ersten kleinen Schiebefenster mit bleige-
war rings von einer Hecke umgeben, die anscheinend zu Strei- faßten Quadratfensterscheiben lassen sich in der Heide aller-
tigkeiten wiederholt Anlaß gegeben hat. Im Jahre 1676/77 dings schon um 1508 nachweisen (Bomann: „Bäuerl. Haus-
mußten mehrere Besitzer eine Geldstrafe entrichten, weil sie wesen). Das Fachwerk wurde mit Ziegelsteinen ausgemauert.
„ihren Kohlgarten nicht zu rechter Zeit zugemacht und da durch Und nur noch in einzelnen Ställen und Badeöfen konnte man
veruhrsachet, daß die Schweine den Leuten im Garten schaden um 1900 Lehmwände beobachten. Wo die Hofräume nach den
gethan". napoleonischen Kriegen zu klein geworden waren, errichtete
Gepflasterte Straßen gab es noch nicht. Immer noch versuchte man auf der Allermarschseite am Dorfausgange nach Hudemüh-
die Regierung die Wege behelfsmäßig instand zu halten. Durch len große stattliche Bauernhäuser mit geräumigen Wirtschafts-
eine Wege-Verordnung von 1719 wurden die Bauern in be- gebäuden. Und unter den Eichen auf der Ostseite des Dorfes
mußten die alten Feldscheunen nacheinander den Neubauten
stimmten Monaten des Jahres zu unentgeltlicher Teilnahme an
der raumsuchenden Höfe und der An- und Abbauer in lang-
den nötigsten Arbeiten verpflichtet, bis die Feldbestellung ein-
samer, stetiger Entwicklung den Platz räumen. Die Wohnhäu-
setzte. Besonders zwischen Eickeloh und Hudemühlen suchten
ser erstanden insbesondere nach dem großen Dorfbrande im
sich mehrere Wagenspuren den günstigsten Weg zwischen
Jahre 1868 in neuem Glänze. Mit dem Bau der neuen Kirche ver-
Sandhügeln und Krüppelkiefern. Eine Beschreibung darüber
lagerte sich der Mittelpunkt des Ortes endgültig an die jetzige
gibt uns W. v. Hasseil aus dem Jahre 1757: „Die schlesischen
Hauptdorfstraße.
Kriege und die Konvention von Kloster Zeven". Er sagt: „Es
gab nicht eine gebahnte Straße; mühsam quälten sich die zahl- Den letzten entscheidenden Fortschritt aber brachte der Bau
losen Fuhrwerke mit kreischenden Rädern in den ausgefahre- des Bahnkörpers und der Haltestelle. Wenn der Ort zwar nur
nen sandigen Haidwegen weiter. Am schlimmsten aber war es ein Anlieger der kleinen eingleisigen Heidebahn von Hannover
beim Passieren der vielen morastigen Niederungen. Die leich- nach Soltau geworden ist, so nimmt er doch damit bis heute voll
ten, mit Faschinen und Knüppeln gebesserten Erddämme trugen ausreichend an den neuzeitlichen Verkehrs- und Absatzverhält-
wohl die hochrädrigen Korbwagen der Landeseinwohner; aber nissen teil. Am 25. 8. 1890 konnte die Teilstrecke Hannover —
unter den schweren Fourgons und Equipagen brachen sie ein". Schwarmstedt — Walsrode zum ersten Male befahren werden.
Soweit die Beschreibung des Weges, den die Franzosen im Sie- Und als die Strecke Celle — Schwarmstedt am 1. 10. 1903 in
benjährigen Kriege von Hannover über Eickeloh nach Kloster Betrieb genommen wurde, hatten die Eickeloher die Möglich-
Zeven marschierten. Erst unter dem Drucke der Franzosenherr- keit, alle drei Städte schnell und bequem zu erreichen, auf deren

66 67
Märkte sie immer angewiesen waren: Hannover, Celle und 5. Kirche und Schule zu Eickeloh
Walsrode. Eigentlich erlebte das Dorf schon am Gründonners-
tage, dem 3. 4. 1890, die historische Stunde, als die Dampf- (siehe Abbildungen Seiten 261, 262, 263, 265, 266, 267)
lokomotive das erste Mal einen mit Sand beladenen Lorenzug
über den Eickeloher Bahnhof zog. Wer Zeit hatte, lief herbei,
um dieses Ereignis mitzuerleben. Und Schwens Großvater war
der erste Fahrgast, der auf der Lokomotive bis zum Drillberge Mit der Einführung des Christentums erhob Karl der Große
mitgenommen wurde. Ahlden zum Sitz des dem Bistum Minden i. W. angehörenden
Seit 1910 erstrahlt Eickeloh im neuzeitlichen Lichte der Der Bischof Sievard hatte 1140 Güter in „Alethen". Auch besaß
Glühbirne. Das Dorf wurde an die überlandzentrale des Krei- er dort einen bedeutenden Haupthof (Dr. C. Wolff, 1902: „Die
ses Fallingbostel angeschlossen (Kraftwerk Dörverden). Kunstdenkm. der Prov. Hann."). Damit tritt Ahlden zum ersten
Vor dem Zweiten Weltkriege mußten die stillen Wälder an Male in das Blickfeld der Geschichte. Die Seelsorge der Eicke-
der Grenze zwischen Hodenhagen und Eickeloh den Treibstoff- loher Gemeinde lag in den Händen des Archidiakons und eines
lägern der „Wirtsch.-Forsch.-Gesellschaft (Wifo)" Platz machen. ihm beigeordneten Priesters.
Und nach dem Kriege erweiterten sich die Anlagen der „Deut- Aus dem Jahre 1202*) ist uns ein Priester Ludolphus in Ahl-
schen VacuumOel-Gesellschaft" zwischen Eickeloh undHadems- den bekannt und 1241 ein Johannes (plebanus). Von 1263 bis
torf. Obgleich diese Bauten beiderseits des Dorfes nicht auf 1279 hieß der Archidiakon Arnold von Schinna**); und der Prie-
Eickeloher Grund und Boden stehen, haben sie das alte Bild ster von 1261 bis 1274 war ein Reinold Reimers. Dieser Priester
dennoch erheblich verändert. gründete in Ahlden am 29. 3. 1274 ein Kanonikatstift, dessen
Zum Feuerschutzwesen sei abschließend erwähnt, daß die erster Dechant er wurde.
letzten „Feuerkuhlen" seit Jahren verschwunden und durch Das Kanonikatstift ist im Dezember 1280 auf Bitten des Gra-
Hydranten ersetzt worden sind. Und die letzten allnächtlichen fen Burchard von Wölpe und dessen Brüder Bernhard und Otto
Töne aus dem großen Hörn von Samtmanns Vätern als Zeichen nach Neustadt a. Rbge. und am 5. 10. 1295 nach Lübbecke i.
seiner Wachsamkeit sind schon seit 1908 verklungen. Westf. verlegt worden (Lerbecci chron. Mind. b. Leibnitz Scr. II,
187 f).
Die Besetzung der Pfarre in Ahlden, die dem Archidiakon
und teils dem Dechanten, teils dem Stifstgeistlichen zugestan-
den hatte, war seit 1295 wieder Sache des Archidiakons (v. Spil-
ker, 1827: „Gesch. d. Grafen v. Wölpe u. ihrer Besitzungen".
Urk. XC).
Als Hermann III. von Hodenberg im Jahre 1244 an der Meiße
die Bruchfeste Hodenhagen errichtet hatte — sie scheint nach
den Angaben im Hod. Urkb. (§ 8) in einem Jahre erbaut und
vollendet zu sein —, mögen die Eickeloher Leute die dortige

Und 1200
Arnold von Schinna war zugleich Archidiakon in Wunstorf. Desgl. 1291 -
1309 Gyso Vosz. 1280 war der Archidiakon zugleich Domherr in Minden.

68 69
Kapelle besucht haben, wenn die Unbilden der Witterung den immer wieder Schwierigkeiten, die zu einem Unheil führen
Weg nach Ahlden unmöglich machten. Der Weg durch die mußten. Es ist klar, daß die Eickeloher unter solchen Umständen
Eickeloher Fuhren (3 km) war für die Kirchgänger immer pas- ihre Toten nicht nach Ahlden schaffen konnten. Es mußte ihnen
sierbar. An der Gemarkungsgrenze des später entstandenen die Möglichkeit eingeräumt werden, die Verstorbenen beim
Fleckens Hudemühlen erreichten sie die alte Stader Handels- Dorfe zu bestatten. Zu diesem Zwecke war wiederum stets die
straße in der Nähe der heutigen „Behnken-Scheune", auf der Gegenwart eines Geistlichen aus Ahlden erforderlich. Nach
sie bequem zur Burg gelangen konnten. einem Vermerk im Kirchenbuche zu Eickeloh besteht der alte
Wenn auch die räumlichen Verhältnisse es nicht gestattet Friedhof seit 1245. Es ist aber anzunehmen, daß er älter ist. In
haben werden, diese Möglichkeit zur Teilnahme am Gottes- den Jahren von 1289 bis 1296 sind mehrfach Eickeloher Kirchen-
dienst dauernd in Anspruch zu nehmen, so wird sie ihnen in besucher auf dem Wege nach Ahlden in den Fluten des Aller-
Notfällen von den Burgherren gewiß nicht versagt worden sein. hochwassers ertrunken. Eine Übersetzung der Kirchenstiftungs-
Denn gerade der Fortfall dieser Möglichkeit durch die Zerstö- urkunde lautet: „Ihr werdet wissen, daß, da das Dorf Eickeloh
rung der Burg nach kaum einem halben Jahrhundert hat ja den von der Kirche zu Ahlden so weit entfernt ist, die Parochianen
Gedanken der Stiftung einer Eickeloher Kirche wachgerufen. zur winterlichen Zeit, wenn die Regengüsse eintreten und die
Daher seien an dieser Stelle auch die Namen der Burgkaplane Wiesen überschwemmen, nicht ohne große Schwierigkeiten
genannt, soweit sie uns aus den Urkunden bekannt sind: nach Ahlden kommen können. Wiederholt hat es sich ereignet,
daß etliche auf dem Kirchwege in der Aller ertrunken sind".
1255 Eghardus, Priester*)
Wer das Hochwasser kennt, weiß, wie die Aller von Eickeloh
1258 Herr Orardus
bis nach Ahlden in solcher Zeit durch einen 2 km breiten und
1262 Johannes
4 km langen Wasserspiegel strömt. Diese Unglücksfälle, von
1267 Johannes, wohl der gleiche
denen uns die Stiftungsurkunde vom 23. 8. 1296 heute noch
11. 7. 1286 Friedericus
Kunde bringt, sind gewiß nicht die ersten in den vorangegan-
16. 8. 1286 Friedericus, der gleiche.
genen 400 Jahren seit der Einführung des Christentums gewe-
Aus diesen Händen hatten also die Einwohner von Eickeloh sen. Mit der Erbauung der „Veste Hodenhagen" und ihrer Ka-
ihre Taufen, Trauungen und Weihen erhalten. pelle war die Gefahr gemildert worden. Ob vorher die Burg
Ihr Weg zu der dem Täufer Johannes geweihten Ahldener Blankenhagen eine Kapelle gehabt hat, die von den Eickeloher
Kirche war stets ein beschwerlicher gewesen. Es führte noch Kirchgängern besucht werden konnte, ist nicht bekannt. Seit ca.
keine Straße durch den heutigen Flecken Hodenhagen über die 1270 wurde sie jedenfalls nicht mehr bewohnt. Wörtlich wer-
Allerbrücke. Man suchte sich seinen Weg über die gestrüpp- den die Unglücksfälle in der Urkunde wie folgt wiedergegeben:
reiche Allerniederung, die besonders in nassen Jahreszeiten „Noueritis, quod tempore hyemalj cum pluvie inundant non
durch viele mehr oder weniger passierbare Rinnsale und Bäche possent parochianj sine magna difficultate ipsam adire et con-
gesperrt war, um die alte Brücke zwischen der Bunkenburg tigit sepius dum ad Ecclesiam properarent in fluuio qui alera
und Ahlden zu erreichen. In Winterszeiten und während des dicitur aliquj sunt submersi . . . "
alljährlichen Hochwassesr von der Schneeschmelze bis tief in Daher entschloß sich der Edelherr Heinrich von Hodenberg,
den Frühling hinein mußte man Kähne benutzen, um am Gottes- die Eickeloher Kirche zu stiften und zu dotieren. Sie wurde ihm
dienst teilnehmen zu können. Dabei ergaben sich natürlich vom Bischof Ludolf zu Minden als Filial der Kirche zu Ahlden
mit dem Recht genehmigt, Gottesdienst abzuhalten, die Sakra-
*) 1253 Eghardus sacerdos Capellanus mente zu erteilen und die Toten zu bestatten. Dem Stifter und

70 71
dessen Nachkommen wurde für immer das Patronat über die im Dorfe. Trotz der Umgestaltung zum Mausoleum hat sich seit
Kirche zugesichert. Damit war das Recht verbunden, die aus- ihrer Erbauung an den Grundmauern nichts geändert.*)
gewählten Pfarrer dem Ahldener Archidiakon zu präsentieren. Die Eingepfarrten zwischen Aller und Meiße waren die Ein-
Stifter waren hier nach Hinricus de Hodenberghe, seine Ge- wohner von Eickeloh und Hademstorf. Aber auch die kleinen
mahlin Hedhewigis und seine Söhne Hermannus und Hinricus. Ansiedler, die bei der Wassermühle am Damme der Blecke seit
Ihr Aufenthalt zur Zeit der Stiftung ist nicht bekannt, darf aber ca. 1300 ihre Wohnkaten errichtet hatten, gehörten solange zur
in der Gegend zwischen ihrer zerstörten Bruchfeste und dem Kirche nach Eickeloh, bis ihre Zugehörigkeit am 27. 7. 1424
heutigen Ortsteil „Hudemühlen-Burg" vermutet werden. Es ge- durch den Bau der Kapelle in Hudemühlen neu geregelt wurde:
schah in der Zeit, als Gyso Vosz in Ahlden Archidiakon war „ . . . van der Capellen, wegen, de gebuwet is by de Hudemo-
(1291 — 1309). Der Inhalt der Stiftungsurkunde vom St. Bartho- len in dat Kerspel to Eklo".")
lomäus-Tage des Jahres 1296 lautet nach dem Hodenberger Ur- Aus einer Urkunde vom 29. 4. 1425 (Hod. Urkb. Nr. 186) er-
kundenbuch Nr. 105 wie folgt: „Bischof Ludolf zu Minden be- fahren wir erstmals den Namen eines Eickeloher Pfarrers: Herr
willigt dem Dorfe Eickeloh - Eclo — eine eigene Kirche, welche Wilkinus.
der Edelherr Herr Heinrich von Hodenberg, dessen Gemahlin Alsdann geht aus einer Urkunde vom 5. 5. 1451 hervor, daß
Hedwig und deren Söhne Hermann und Heinrich dotiert haben Herzog Friedrich der Ältere an Marquard und Ortgies von Ho-
mit einer Hufe im Dorfe und im Felde Eickeloh, sammt dem denberg einige Leibeigene zu Eickeloh überlassen hat. Es wer-
Lande auf der sog. Mehnte, mit einer Kothstelle in Gümmer, mit den Pfarrbedienstete gewesen sein, weil eine anderweitige
einer Kothstelle in Westenholz und mit dem Zehnten zu Ha- Verwendung von herzoglichen Leibeigenen in Eickeloh kaum
demstorf und sichert den gedachten Edelherren und dessen Er- denkbar ist. Da sie mit zu den ältesten urkundlichen Namen
ben für beständige Zeiten das Patronat zu. Die Eingepfarrten des Dorfes zählen, mögen sie an dieser Stelle genannt werden:
(zwischen Aller und Meiße) sollen zur Synode nach Ahlden ge- „ . . . Koneken lomanne to Ekelo wonaftig Didericke vnde Ghe-
hen, dem Archidiakon zu Ahlden wird sein Recht an der Kirche reken sinen sone vnd Metteken sine dochter mit allem rech-
zu Eickeloh vorbehalten und das Ansehen der Mutterkirche zu ten . . ."
Ahlden soll alljährlich zu Michaelis durch eine Abgabe*) hono- In einem Amtsbuch des Klosters Walsrode (Dr. O. Jürgens
riert werden, Minden, 23. August 1296". In dieser Wiedergabe 1899) wird unter dem 21. 4. 1483 ein dortiger Notarius Hinrick
sind die Äcker als Land „auf der sogen. Mehnte" bezeichnet Letßingk als Kirchherr zu Ekele bezeichnet. Und 1523 war „Mar-
worden. Der genaue Wortlaut besagt aber, daß das Dorf quard von Hudenberge Kerckher" (Landst. Reg.).
„Mehnde" genannt wurde. Wenn auch in der Urkunde „nuncu- Nach einem Zehntregister des Klosters Walsrode hat „Eklo"
pantur" (= genannt werden) steht, so kann mit „gue" doch nur 1489 zur Parrochie „Botzem" gehört (Lüneb. Urkb. Abt. XV
das Dorf und nicht die Äcker gemeint sein. Nr. 315). Diese Angabe muß auf einem Irrtum beruhen. Es
Die drei Wachssiegel sind von der Urkunde abgefallen. Es konnte an keiner anderen Stelle ermittelt werden, daß das Dorf
waren gewiß die des Bischofs zu Minden, des Kapitels zu Ahl- jemals nach Kirchboitzen eingepfarrt war.
den und des Edelherren von Hodenberg. Der Name des Kirchenmeiers wird uns zum ersten Male in der
Mitten auf dem alten Friedhofe wurde die Kirche erbaut, de-
*) „Septem Fertones bremensis argentj"
ren mächtige Mauern noch das alte große Backsteinformat auf-
**) Vorher stand dort ein „alt verfallenes Bethäuslein". 1425 wurde die Ca-
weisen. Es war Jahrhunderte hindurch das einzige Mauerwerk pelle d. hl. Jungfrau u. d. Apostel Thomas geweiht. 1469 wurde der Tauf-
stein entfernt. Der Kaplan durfte nur noch als Kaplan der Ahldener Kirche
•) Vergl. Dr. C. Wolff, 1902: „Die Kunstdenkm. d. Prov. Hannover. Taufhandlungen vornehmen.

72 73
Eickeloher Kirchenrechnung vom Jahre 1619 mitgeteilt. Es ist to win vnd brode. Noch XIX ß by Joachym van Bothmer. Noch
die heutige Kötnerstelle Nr. 16. Nach diesen Aufzeichnungen bi Gothschalke Tysen 1 gülden munte. Coster Georgius wes-
zahlte der Kötner Hermen Kock seinen Hauszins in Höhe von sels". (Kayser: „Die ref. Kirchenvisit. i. d. weifischen Landen
23 Groschen an die Kirche. Es wird sich um die Einnahme für 1542 — 1544. III. Teil).
Wein und Brot gehandelt haben, die bei der reformatorischen Der Pastor beklagte sich darüber, daß der Acker des Halb-
Kirchenvisitation im Jahre 1543 aus einer Kate zu Eickeloh in hofes, auf dem die Pfarre stände, böse sandig und auf Bergen
Höhe von 16 Schillingen festgestellt wurde. Der Bericht über gelegen sei, von dem er oft nicht einmal die Einsaat wieder be-
diese Visitation enthält den Namen des Pastors Hinrich Wolt- käme. Es wird die Pastorenkoppel auf der Dorfstelle gewesen
man.*) Mit ihm lernen wir den ersten lutherischen Geistlichen sein. Zudem hätten ihm die von Hodenberg eine Wische von
in Eickeloh kennen. Ob Pastor Hinrich Woltman in unserem 18 Fuder Heu davon abgenommen. Der geistliche Herr bewirt-
Orte die Reformation durchgeführt hat, geht aus dem Bericht
nicht hervor. Es ist nicht wahrscheinlich, weil diese im Lünebur-
gischen bereits um 1530 beendet war. Das Kloster Walsrode
wurde im Jahre 1528 evangelisch (Amtsübergabe am 23. 7.
1529). Und als leitender Reformator für Eickeloh dürfte der Pa-
stor Henning Kelp aus Walsrode anzusehen sein.
Da die bei der Visitation angetroffenen Zustände einen guten
Einblick in die damalige Vermögenslage der Kirche gewähren
und zugleich eine recht anschauliche Darstellung über die Bo-
denertragsverhältnisse abgeben, erscheint die volle Wieder-
gabe des Berichts unerläßlich: „Amt tho Alden: Eckel. Pastor
tho eckel Hinricus woltman mediocriter doctus. Fructus reddi-
tus et prouentes pastoris parrochialis ecclesie in Eklo sunt:
primo parna decima in villa Hademstorpe de duodecim aut tre-
decim florenorum valore, dor is de kerke vp gestifftet juxta
tenorum fundationis eiusdem. Noch ein half hoff, dar de parre
vp gebiuwet ist, vnd is böse sandich acker vp bergen belegen,
dar ick vaken de säet nicht van wedder krige; dar hebben de
van Hudenberge ein wysck aufgenohmen van 18 voder hou-
wes. Noch X ß tins van einer kathen tho hademstorpe. Noch
18 prouen to winachten jarlikes. De vertide pennigh bringet schaftete also den Hof noch selbst. Die 10 Schillinge aus He-
jarlikes II punth tins. Düt is de vpboringe des pastors tho demsdorf, die 18 Pröven (= Präbende od. Pfründe) zu Weih-
ecklo. nachten und die 2 Pfund Zinsen im Werte von etwa 20 Schillin-
De vpboringe der Kerken tho Eklo, dat der kerken to kumpth gen haben zu seinem Lebensunterhalt sicher nicht ausgereicht.
vnd de olderlüde vpboren: tom ersten IUI ß tins van einer Der Name des nächsten Pfarrers, der uns in den Urkunden
kathen to Hademstorpe. Noch XVI van einer kathen to Ecklo überliefert worden ist, ist mit der Geschichte des Hudemühler
Schloßkobolds eng verbunden. Es ist der frühere Schloßkaplan
*) Muß richtig lauten: Hinrich Veltman (siehe Seite 84). Marguard Feldmann, der über den „vielförmigen Hinzelmann"

74 75
Berichte an die vorgesetzten Behörden abgefaßt und in seinen Gast, wie es scheint, anläßlich der Amtseinführung des Küsters
Aufzeichnungen bekundet hat, daß „seine Schrift nicht etwa auf Levin Oldrogge und der Bestätigung der Juraten Hinrich Wich-
der alten Weiber Glauben, sondern auf gerichtliche, pflichtmä- mann aus Hademstorf und Jürgen Arendes aus Eickeloh. Es
ßige und zu selbiger Zeit (1584 — 1588) angestellte Untersu- wird ein besonderes Fest veranstaltet worden sein. Denn es
ungen beruhe". Er scheint aber in diesen Jahren nicht mehr in wurden für ein „Tonneken mit Hannoverschen Broihans" 3 Ta-
Hudemühlen gewohnt zu haben, sondern war bereits Pastor in ler ausgegeben.
Eickeloh. Nach dem Vorbericht zum Hodenberger Urkunden- Am 6. 2. 1620 war Kirchenvisitation durch den Ahldener Su-
buch schrieb Pastor Marquard Feldmann am 14. 12. 1597 noch perintendenten Eggelinck, den stellvertretenden Drosten Johan-
einen Brief an Marquard von Hodenberg. Die Beobachtungen, nes von Zesterfleth und den Amtsschreiber Heinrich Schiever.
die ganz dem Geiste jener Zeit entsprechen, hat er wohl nur Die anschließende Feier kostete 5 Reichstaler für eine Tonne
als Gast auf dem Schlosse gemacht und in Eickeloh nieder- Broihan, 1 Taler 8 Schillinge für einen jungen Hammel und
geschrieben. Ob er wirklich der Verfasser des Berichts gewesen 22 Schillinge für Fleisch, Kraut und Weißbrot. Am 17. Sonntag
ist, steht außerdem nicht genau fest. nach Trinitatis 1631 wurde durch den Drosten Johann Behr und
Einen besonders wertvollen Einblick in das kirchliche Leben den Superintendenten Wilhelm Eggeling der neue Pastor Chri-
gewähren uns die Kirchenrechnungen von 1609 bis 1667, weil stoph Heinrich Köhne (1631 — 1647) eingeführt. Das Dorf stand
sie fast die ganzen Jahre des Dreißigjährigen Krieges und die bereits im Zeichen des unheilvollen Krieges. Im Jahre 1632 er-
Vor- und Nachkriegszeit umfassen. Sie wurden von dem Pastor brachen Soldaten des Obersten Lohrhansen die Kirche und stah-
Hinrich Veldmann, Sohn des Marquard, begonnen. Darin traten len die Kirchenbücher, alte Briefe und das Meßgewand. Und
immer zwei Kirchenjuraten oder Olderleute auf, von denen je 1634 wurde die Kirche nochmals erbrochen und geplündert.
einer aus Eickeloh und einer aus Hademstorf bestellt worden Am 13. 9. 1637 fand wiederum eine Visitation durch den Dro-
war. Diese beiden Altarmänner hatten die Zinsen für die aus- sten Johann Behr, den Superintendenten Eggeling und den
gegebenen Kirchendarlehen und Meiergefälle aufzurufen und Amtsschreiber Johann von Zesterfleth statt, und ebenso am
die Ausgaben verantwortlich zu vertreten. 12. 12. 1643 durch den Drosten Johann Behr, den Superinten-
Die Eickeloher Kirchengeschworenen waren von 1609 bis 1618 denten Henning Thomas aus Düshorn und den Amtsschreiber
der Vollmeier Hinrich Wichmann genannt Beeßmann (heute Johann von Zesterfleth.
Haus Nr. 1) und von 1619 bis 1640 der Kötner Jürgen Arendes Das Grauen der letzten Kriegs jähre hatte gewiß eine Fort-
(heute Haus Nr. 25). führung der Rechnung unmöglich gemacht. Sie setzte in den
Als eine besondere Einnahme darf ein Legat aus dem Nach- Jahren 1645 bis 1664 aus. über die Amtseinführung des Pastors
laß des im Jahre 1610 verstorbenen Drosten Friedrich von Both- Johann Radeken im Jahre 1648 sind daher keinerlei Angaben
mer in Höhe von 3V2 Talern jährlich erwähnt werden, die wie gemacht worden.
folgt zu verteilen waren: 1664 stiftete August Friedrich von Hodenberg einen schönen
silbervergoldeten Abendmahlskelch mit der Jahreszahl und der
1 Reichstaler an den Pastor,
Umschrift: „Avgvstvs Friederich von Hodenberg. Anna Doro-
1 Reichstaler an die Kirche,
thea von Ortzen". Und auf dem Knaufe stand das Wort
1 Reichstaler an die Armen,
„Jhesvs".
V2 Reichstaler an den Küster.
Im Jahre 1665 war der Vollmeier Hinrich Veldmann aus
Im Jahre 1619 war Herzog Christian von Celle, Bischof des Eickeloh (heute Haus Nr. 7) Kirchengeschworener.
Stiftes Minden, beim Pastor Hinrich Veldmann persönlich zu Im Amtslagerbuch von 1667 sind die Einkünfte der Eickeloher

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Kirche noch einmal sorgfältig beschrieben worden. Der Kötner Gastwirtschaft zu erregten Auseinandersetzungen kam, brach
Helmke Koch war Kirchenmeier und mußte der Kirche auf Ver- im Dorfe Feuer aus und legte die Mehrzahl der Höfe in Asche.
langen mit der Hand und mit Pferd und Wagen dienen. Alle Am 12. Juli 1908 wurde die Kirche von einem bemerkens-
Ländereien und die daraus anfallenden Einkünfte des Pastors werten Unglück betroffen. An diesem Sonntage ging ein so
wurden genauestens aufgezeichnet: schweres Hagelunwetter auf Eickeloh nieder, daß der Kirchturm
„An Saatlande im Binnen Felde, neu gerichtet werden mußte.
an Rogken Lande auff dem Südfelde, Im Jahre 1928 war der alte Friedhof zu schließen. Unter der
an Rogken Lande auff der Dorfstedte, Leitung des Pastors Anton Friedrich Alfred Heldt (1928—1935)
an Gersten und Haberland auff dieser Seite der Aller, entstan der neue Friedhof am Nordrande des Ortes. Er wurde
an Wischland in der Ohemarsch, 1929 eröffnet. Vorher wurde den Angehörigen die Umbettung
an Wischland by der Leine, der in den letzten 3 Jahren Verstorbenen gestattet. Es wurden
an Wischland im Bruche, umgebettet: 11 Eickeloher und 3 Hademstorfer. Am 1. 11. 1929
an Gersten und Haberlande in der ander Marsch, fand mit der Beerdigung des am 28. 10. 1929 verstorbenen Hein-
an Wiesen Land auff denn Breden Rieve, rich Eickhoff (Haus Nr. 89) die erste auf dem neuen Friedhofe
an Wischlande auff der Wehre, statt. Totengräber seit 1926: Christian Peinemann.
an Bahren Gelde". Auch der Zweite Weltkrieg hinterließ an der Kirche seine
Dazu bekam der Pastor den Korn- und Fleischzehnten von Spuren. Es geschah in den Apriltagen des Jahres 1945, als um
Hademstorf aus 5 Meierhöfen und 6 Kötnerstellen und 18 den Besitz der Straße von Hademstorf nach Hodenhagen ge-
Fleisch- und Brot-Pröven. Seine 2 Scheunen, 1 Spiker und das kämpft wurde. Die Engländer beschossen den Turm der Kirche
Backhaus waren sein Eigentum, und mußte er selbst unter- mit schweren Bordwaffen aus der Luft. Die Kirche blieb erhal-
halten. ten, trug aber starke Beschußspuren davon, die noch nicht be-
1694 eröffnete Pastor Justus Friedrich Timaeus das Verzeich- seitigt werden konnten. Und nochmals erlitt der Kirchturm im
nis der Getauften und Verstorbenen und 1696 das Verzeichnis Jahre 1948 eine starke Beschädigung. Er wurde durch einen
der Getrauten. Es wurden darin aber auch noch Aufzeichnungen Blitz aufgerissen und mußte wieder völlig renoviert werden.
des Pastors Johannes Culemann aus der Zeit von 1678 ab nach- Das 1954 wieder neu errichtete Pfarrwitwenhaus Nr. 56 ist
geholt, die letzterer auf lose Blätter geschrieben hatte. erstmals i. J. 1666 urkundlich nachweisbar. In die Karte der to-
Um das Jahr 1700 wurde das heutige Pfarrhaus erbaut. pographischen Landesaufnahme von 1779 wurde es bereits ein-
Seit dem Jahre 1775 läutete in Eickeloh die zweite Glocke. gezeichnet. S. Nachträge S. 230.
Sie wurde aus einer alten geborstenen umgegossen und mit der Es folgen nun die Pastore der Gemeinde Eickeloh auf Grund
Inschrift versehen: „Johann Meyer in Celle. Herrschaftl. Stück- der Veröffentlichung von 1941 und 1942 (herausgeg. v. Ph.
u. Glocken Gieser goss mich 1775" und den Worten: „Soli Deo Meyer):
Gloria". 1543 Heinrich Woltmann
Um 1867/68 ist das neue Gotteshaus erbaut und am 19. 12. 1558 nach 1597 Marquard Veitmann*)
1868 eingeweiht worden. Das Gebäude der alten Kirche wurde 1608 — 1631 Heinrich Veitmann, geb. 1561*)
von der Familie von Hodenberg aufgekauft und als Familien- gest. 1631, vorher Lehrer in Güten*)
gruft hergerichtet. Die neue Kirche hat 300 Sitzplätze. Die Ver- 1631 — 1647 Christoph Heinrich Köhne
losung der Kirchenstände am 4. 12. 1868 verbindet sich aller-
dings mit einer düsteren Erinnerung. Während es dabei in der *) siehe Nachtrag Seite 84.

78 79
1648 — 1678 J o h a n n Radke, geb. 1624 in Walsrode, in Ahlden von 1593 bis 1639
gest. 1. 11. 1678 in Walsrode von 1639 bis 1641
1679 — 1687 J o h a n n e s Culemann, geb. 4. 6. 1687 in Düshorn von 1641 bis 1647
vorher in Hudemühlen in Walsrode von 1648 bis 1659
1687 — 1710 Justus Friedrich Timaeus, gest. 16. 6. 1710, in Ahlden von 1660 bis 1684
vorher in Hudemühlen in Walsrode von 1684 bis 1759
1710 — 1747 J o h a n n Carl Heine, gest. 6. 7. 1717, in Ahlden von 1760 bis 1774
vorher in Hudemühlen in Schwarmstedt von 1774 bis 1873
1747 — 1752 J o h a n n e s Nicolaus Rusch, gest. 26. 11. 1752, in Ahlden von 1873 bis 1928
vorher in Hudemühlen in Walsrode von 1928 bis jetzt.
1753 — 1787 David Christian Hofmeister, gest. 29. 5. ü b e r die Küsterstelle in Eickeloh berichtet die „Ahldische
1787, vorher in Hudemühlen Chronik", daß der Herr von Hodenberg „an die Küsterei einen
1788 — 1802 Meinhold Wilhelm George Movius, Koterhof mit allem Zubehör geschenkt hat".
gest. 8. 4. 1802, vorher in Hudemühlen Seit w a n n das Amt des Küsters in Eickeloh mit dem Schulleh-
1802 — 1827 Georg Heinrich Stolberg, gest. 3. 3. 1827, reramt verbunden gewesen ist, geht aus den Urkunden nicht
vorher in Hudemühlen hervor. Nach der Weisung des Herzogs Christian von Celle in
1827 — 1858 Andreas Carl Nicolaus Kraut, der „Policey-Ordnung" vom 6. 10. 1618 darf man die Vereini-
gest. 16. 7. 1858 gung der beiden Ämter als sicher annehmen, sofern nicht die
1859 — 1870 Gustav Ludwig Rudolf Borchers, örtlichen Verhältnisse eine andere Regelung herbeigeführt ha-
vertrat vorher schon Kraut ben. Da aber von einer früheren Schule in Eickeloh nichts be-
1870 — 1894 Karl Heinrich Gellermann, geb. 15. 4. 1839 kannt ist, hat hier sicher der Küster den Unterricht erteilt. Die
1894 _ 1904 Christian Friedrich Heinrich Westenberg, Verordnung des Herzogs lautet: „So sol vnser Geistlich Consi-
gest. 26. 9. 1910 storium die Verordnung thuen, daß sie so viel immer müglich,
1904 — 1924 Joh. Albert Ludwig Semler, bey allen, vnd jeden Pfarren, auff dem Lande, Schulen gehalten,
gest. 19. 1. 1929 auch die Prediger, vnd Cüster, die Jugent zu vnterweisen, vnd
1925 — 1927 Georg Christian Herrn. Friedrich Voges, die Haußwirte ihre Kinder, w a n n sie zum längsten fünff, oder
jetzt in Hannover sechs J a h r alt seyn, die Schulen fleissig zu besuchen, darinn
April 1927 — Herbst 1928 unbesetzt lesen, schreiben vnd beten zu lernen, nach eines jeden gelegen-
1928 — 1935 Anton Friedrich Alfred Heldt heit, vnd vermögen, angehalten werden, dero behueff dann die
1936 — jetzt Friedrich Wilhelm Dietrich Jenigen, so eß im vermögen haben, den Praeceptoren für ihre
1961 Paul Trippe mühe die gebühr mildiglich entrichten, die Armen aber, ohne
Das Kirchspiel Eickeloh gehörte bis 1774 zur Inspektion Ahl- einige recompens, nicht mit geringerm fleiß, als die Reichen,
den — Walsrode, von 1774 bis 1882 zur Inspektion Schwarm- instruiert werden sollen".
stedt, von 1882 bis 1928 zur Inspektion Ahlden und seit 1928 Zuerst gab es auf den Dörfern nur Katechismusschulen, in de-
zur Inspektion Walsrode. Der Sitz der Superintendentur wurde nen die Kinder vom5.—12. Lebensjahr auf das hl. Abendmahl vor-
mehrmals gewechselt. Er befand sich zunächst bereitet wurden. Irgendwelche Bücher gab es in den Bauernhäu-
in Walsrode bis 1559 sern nicht, auch keine Bibel, höchstens einen kleinen Haussegen.
dann in Güten von 1559 bis 1593 Der erste urkundlich nachweisbare Küster in Eickeloh war

80 Bg. 6 Eickeloh 81
Georg Wessels im Jahre 1543. Als nächster begegnet uns na- Bis 1848 wurden die Kosten des Schulamtes aus dem Küste-
mentlich Hinricus Olderogge in der Kirchenrechnung von 1609. reivermögen bestritten.
In der Hodenberger Güteraufnahme von 1600/01 wird er als Unter den letzten Kantoren erwarb sich Kantor Fritz Krüger
„Hinrich der Koster zu Eckeloe" registriert. Im Jahre 1619 folgte besondere Verdienste. Er war über 50 Jahre in Eickeloh tätig
ihm sein Sohn Levin Oldrogge im Amte. Wenn nicht schon die und Gründer des noch heute bestehenden Posaunenchors. Wäh-
früheren Küster eine Art Schulunterricht erteilt haben, ist Le- rend seiner Amtszeit wurde das alte strohgedeckte Schulhaus,
vin Oldrogge gewiß der erste gewesen. Er starb 1642. Ihm folgte welches noch den Baustil eines Bauernhauses aufwies, abge-
Heinrich Fegebank im Amte. Er ist der erste, der nun als Schul- brochen. Es stand im Garten des 1905 erbauten schönen Schul-
lehrer zu „Eicklo" beurkundet ist. Im Erbhuldigungsverzeichnis hauses und der Lehrerwohnung.
des Amtes Ahlden vom 2. und 3. 10. 1649 wurde er unter den Auf Grund des Volksschulgesetzes von 1906 wurde die Ver-
Schuldienern und Küstern namhaft gemacht. Man darf zwar an- bindung des Lehreramtes mit dem des Küsters gelöst; trotzdem
nehmen, daß der Schulunterricht im 30jährigen Kriege völlig blieb alles bis zum Ende der Amtszeit des Pastors Semler beim
geruht hat. Erst im Jahre 1664 wurden die Schulen im Amte alten. Mit der Beseitigung des Staatskirchentums nach 1920
Ahlden von seiten der Regierung endgültig verordnet und un- begannen die Verhandlungen über die Ämtertrennung und die
ter die Aufsicht des Superintendenten gestellt. Vermögensauseinandersetzung. In Eickeloh wurden diese Maß-
Die Ländereien und Einnahmen der Küsterei sind ebenso wie nahmen während der Amtszeit des Pastors Voges eingeleitet.
die der Kirche im Amtslagerbuch vom Jahre 1667 genau spezi- Da die Kirchengemeinde Eickeloh auch den Ort Hademstorf
fiziert worden. Das Ackerland befand sich auf dem Südfelde einschließt und daher einen anderen Personenkreis umfaßt als
und in dem Riekskamp. Außerdem bekam er seine 18 Pröven. die Schulgemeinde Eickeloh, erhoben sich bei der Vermögens-
Im Jahre 1660 hatte Hinrich Radeken das Küsteramt inne. Er auseinandersetzung Schwierigkeiten, die einen mehrjährigen
wird ein Sohn oder Bruder des Pastors gewesen sein. Prozeß zur Folge hatten. Die Küstereigrundstücke mußten
Von etwa 1680 bis 1714 war Friedrich Hoch Küster und Schul- selbstverständlich der Kirche verbleiben. Aber die Schul-
lehrer in Eickeloh. Von ihm liegt noch ein Briefwechsel vor gebäude Nr. 58 und 87 (Schulhaus und Schullehrerwohnhaus)
(Staatsarch. Hann.: Celle Des. 61 a Nr. 73), den er im Jahre 1698 waren aus dem Eigentum der Kirche herauszulösen und dem
in einer Streitsache mit dem Amtmann August in Ahlden ge- Eickeloher Schulverband zuzuführen. Zu einer befriedigenden
führt hat. Er hatte sich geweigert, die Bierakzise für '/< Tonne Lösung kam es nicht. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes über
Broihan zu entrichten. Wie gefestigt die Stelle des Küsters in die Trennung dauernd vereinigter Schul- und Kirchenämter
jenen Jahren war, zeigt uns der Bericht des Amtmanns nach vom 7. 9. 1938 und der Verordnung über die Auseinanderset-
Celle, in dem er aufführte, daß der Eickeloher Küster auf die zung des Vermögens bisher vereinigter Schul- und Kirchenäm-
vorgebrachte Verordnung des Herzogs geantwortet habe, daß ter vom 13. 10. 1938 werden diese Schwierigkeiten jedoch ihr
sie ihn nichts angehe. Der Amtmann schrieb weiter: „Ich rief: Ende gefunden haben.
Kerl, was sprecht ihr . . . Antwort: Ich bin kein Kerl. Ich bin so Der letzte Küster und zugleich Schullehrer in Eickeloh war
gut als ein ander". Er beantragte seine Bestrafung. Daraus ist der Lehrer August Michels von 1924 bis 1938.
aber wohl nichts geworden. Denn er blieb bis zu seinem Tode am Aus den Urkunden konnten die folgenden Küster und Schul-
10. 3. 1714 im Amt. Während seiner Amtszeit wurde die Kon- lehrer ermittelt werden:
firmation allgemein eingeführt. Da eine Küsterei im Dorfe vor- 1543 Georgius Wessels, Küster
handen war, hat der Unterricht gewiß stets im Hause des Kü- 1600 — 1618 Hinricus Olderogge, gest. um 1627, Küster
sters stattgefunden (s. Nachträge Seite 230). 1619 — 1642 Levin Olderogge, gest. 1642, Küster

82 83
1649 Heinrich Fegebank, Küster und Schullehrer 1563 Marquart Feltman, Pastor to Ecklo
1660 Hinrich Radeken, Küster und Schullehrer Rente Ostern 1563 (Stadtarch. Hann.: B 7225 ls, Seite 786.
ca. 1680 — 1714 Friedrich Hoch, geb, 1649, gest. 10. 3. 1714, 1563 Marquart Feltman, Pastor to Ecklo, Hinrichs Sohn
Küster und Schullehrer Rente (Stadtarch. Hann.: B 7225 ls, Seite 820
1714 — 1758 J ü r g e n Friedrich Hoch, geb. 1685, gest. 7. 5. Immatrikulationen der Universität Helmstedt:
1758, Küster und Schullehrer 13. 4. 1583 Henricus Feltmannus cellensis
1758 — 1766 J o h a n n Dietrich Westermann, geb. 1717, 16. 7. 1613 Marquardus Veitmann ekelensis
gest. 2. 12. 1766, Küster und Schullehrer 25.4. 1617 Levinus Veltman waldrodensis. Parente Pastore in Ekelo (cellensis)
1784 — 1817 Georg Hinrich Westermann, geb. 1751, gest.
Hiernach waren Pastore in Eickeloh:
14. 9. 1817, Küster und Schullehrer
1540 — 1554 Heinrich Veitmann, geb. um 1500
1817 — 1847 J o h a n n Friedrich Westermann, geb. 1788, 1558 —n.1597 Marquart Veitmann, Hinrichs Sohn, geb. um 1530
gest. 2. 10. 1847, K ü s t e r u n d Schullehrer 1608 — 1631 Heinrich Feldmann, als Sohn Marquarts, geb. 1561. Immatriku-
1847 — 1872 A. F. Rodewald, gest. 2. 2. 1883, lierte am 13. 4. 1583 in Helmstedt aus Celle kommend und war
Kantor, Küster und Schullehrer alsdann bis 1631 Lehrer in Güten. Er hatte 2 Söhne, die in
1872 — 1923 Fritz Krüger, Kantor, Küster Helmstedt studierten, ihm aber nicht als Pastoren in Eickeloh
und Schullehrer im Amt nachfolgten.
1906 — 1910 Schulz, 2. Lehrer
1911 — 1915 Schulenburg, 2. Lehrer,
beide im 1. Weltkriege gefallen
1919 — 1922 Bombeck 2. Lehrer
1923 1938 August Michels, Küster und Lehrer
1933 — 1939 nacheinander:
Eggert 2. Lehrer
Lüdecke 2. Lehrer
Koethke 2. Lehrer
1938 — 1948 Strohschein, 1. Lehrer
1948 Naujock, 1. Lehrer
1949 Schröder, 2. Lehrer
1950 Savrien, 3. Lehrer.

Nachtrag zu Seite 79

1540 Heinrich Feldmann, Pastor in Ekeloh


(Stadtarch. Hannover: Urk. III/183)
1550 Heinrich Feldmann, Pastor in Eickeloh
(Stadtarch. Hannover: Urk. III/232)
1554 Hinricus Veltman, Pastor in Eikeloh
Orig.-Quittungen (Stadtarch. Hann.: B 16956 m. Belege 1554

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6. Kriege, Krankheiten, Feuersbrünste und Unwetter Bansee-Berg zu (s. Nachträge S. 230). Aus jener Zeit bringt die
(Siehe Seiten 245, 248, 249, 251, 252, 253, 268, 269, 270)
Chronik bereits Einzelheiten über Dinge, die im unmittelbaren
Interessenbereich der Eickeloher Einwohner lagen. Ende August
(27. 8.) 1289 wurde im Bruche 3 km nordostwärts von ihnen die
„Veste Hodenhagen" zerstört. Ob es zu ihrem Vorteil oder zu
ihrem Nachteil geschah, läßt sich heute kaum noch sagen. Ge-
Einzelheiten über die Kämpfe der Chauken mit den Angri- wiß ist nur, daß sie nachher wieder nach Ahlden zur Kirche
variern um 100 n. Chr., das Vordringen der Sachsen seit dem mußten, auch wenn der Sturm über das Hochwasser der Aller-
2. Jahrhundert von Norden her und die Auseinandersetzungen marsch hinwegpfiff. Andererseits wird man dieses Raubnest
zwischen den westgermanischen Völkerverbänden bis zu der scheu gemieden haben, wenn es stimmt, was die „Ahldische
endgültigen sächsischen Vorherrschaft in unserem Leinegau hat Chronika" erzählt. Da hat man die Bauern der Umgegend, bei
kein Geschichtsschreiber überliefert. Ebensowenig wissen wir denen man Geld in der Truhe vermutete, ergriffen und in die
über die Vorgänge, die sich in unserer engsten Heimat abge- Burg gesteckt, bis ein entsprechendes Lösegeld, die Ranzion, her-
spielt haben, als Karl d. Gr. im Verlaufe von 33 Jahren sechs- einkam. „DemHeydmarkerBauern",sowird berichtet, „haben sie
undzwanzigmal gegen die Sachsen zu Felde zog. Wir haben nicht allein ihr Vieh weggetrieben, sondern auch oft bei Nacht
Kunde von dem großen Gerichte in Verden an der Aller im die Leute aus dem Bette aufgehoben". Den Rittern ihr Hab und
Jahre 782 n. Chr. und können vermuten, daß auch die Gegend Gut geheim zu halten, war unmöglich, weil sie mit ihrem Ge-
um Eickeloh von jenen kriegerischen Ereignissen nicht ver- treide zur Burgmühle mußten, wenn sie es nicht mit der Hand-
schont geblieben ist. quetsche mahlen wollten. „Riden und Roben, dat is kein Schand,
Aber dann gingen wieder Jahrhunderte vorüber, in denen die das dun die Besten in dem Land", war die Devise der Ritterbür-
Dorfstelle von den Belastungen der großen Politik unberührt tigen. Nicht ohne Grund hat der Lüneburger Herzog Otto der
blieb. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß manche Ereignisse Strenge solchem Unwesen überall das Ende bereitet. Wie es da-
auch jene Vorfahren in Atem gehalten haben, von denen nichts bei auf dem „Hodenhagen" zugegangen ist, darüber steht eini-
aufgeschrieben worden ist. über ihre Kämpfe mit den Hochwas- ges im Hodenberger Urkundenbuch Seite 180: „Am 12. 6. 1289
serfluten, durch die sie schließlich (um 1150) von ihren „Wür- finden wir auf dem Schlosse Hodenhagen eine große Anzahl
fen" auf der Dorfstelle hinweggedrängt wurden, liegt leider von Fürsten und Rittern versammelt. An solchem Tage über-
keine Nachricht vor. Daß z. B. die „scharfe Pestilenz" im Jahre trugen Heinrich I. von Hodenhagen und seine Söhne dem Her-
1186, „dazu der warme Winter große Ursache gegeben", auch zog Albert und dessen Bruders Söhnen, den Herzögen von Sach-
das Dorf Eklo in Angst und Not versetzt hat, ist anzunehmen. sen-Lauenburg, ihre Veste Hodenhagen zu rechtmäßigen Lehen
Nach der Thüringischen Chronik war die Seuche damals be- und verpflichteten sich samt ihrer Burg und ganzen Kraft den-
trächtlich. Das 13. Jahrhundert brachte für ganz Deutschland die selben zu Dienst gegen Jedermann, mit Ausnahme ihres Her-
beklagenswerte Zeit des Faustrechts, unter dem natürlicher- zogs Otto von Lüneburg". Die Herzöge von Sachsen und der
weise der wehrlose Bauer am meisten zu leiden hatte. von Lüneburg standen sich aber gerade 1288 und 1289 feindlich
Die geringe Entfernung von der großen Romstraße brachte gegenüber. „Am 2. 8. 1289 war der Herzog Otto noch in Lüne-
das Dorf mit den fehdelustigen Rittern gar leicht in Berührung. burg. Von dort ist er also Ende des Monats gegen den Hoden-
Es ist die Wegstrecke, die bereits beschrieben wurde. Sie ver- hagen gezogen".
lief etwa in der Fährte des Feldweges am Nordostrande des Marquard von Hodenberg sagt in seiner Chronik von 1625,
„Hirtenlandes" und des „Neuen Landes" auf den Hademstorfer in einer alten Hodenbergischen Chronik habe er gelesen, die

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Burg sei genommen worden, während der Herr in der Kirche neb. Lehnsregister v. 1360 Nr. 319 steht: „Junche Henric van
gewesen sei. Die Sage, so bemerkt dazu das Hodenberger Ur- alden — twe hus to gretem vnde halue molenstade". Dort, wo
kundenbuch, dürfte auf den Hodenhagen (nicht auf den Hoden- dieser Weg über eine Allerfähre bei Grethem führte, ragte der
berg im Hoyaischen) zutreffen. Die Herzoglichen hätten die „Blankenhagen" empor. Spuren des Dammes sind noch in dem
Burg wüste gelegt. heutigen „Mühlenweg" und in einem Erdhügel auf der „Burg-
Ein Schloß wie die „Veste Hodenhagen" hatten die Eickeloher koppel" erhalten. Nach Eickeloh führte der „Brügge-Weg".
aber noch in größerer Nähe. Es ist der „Blankenhagen", über Die Burg soll erst um die Mitte des 13. Jahrhunderts von
den bereits im Abschnitt über die vorgeschichtliche Zeit berich- Blutsverwandten der Hodenberger Edelherren, nämlich den
tet wurde. Zwar gehören die Gründe, die zu der Räumung die- Edelherren von Blankena errichtet worden sein, deren Namen
ser Burg geführt haben, erst in den folgenden Abschnitt, weil die Burg trug. Erwiesen ist diese Annahme nicht. Man muß
sie mit den Gewässern der Gemarkung eng verknüpft sind. Die vielmehr vermuten, daß die „Veste" schon in der Zeit nach
Bedeutung dieser „Veste" muß hier aber deshalb hervorgeho- 1200, wahrscheinlicher von 1233 bis 1244, von den Hodenberger
ben werden, weil auch von ihr manche Belastungen der umlie- Edelherren bewohnt, ja, daß sie vielleicht sogar im 12. Jahr-
genden Ortschaften verursacht sein werden. Sie lag wohl dem hundert von den Herren von Eickeloh erbaut worden ist. Bei
Dorfe Grethem weit näher als dem Dorfe Eickeloh, stand aber den beschriebenen örtlichen Verhältnissen von damals hätte sie
auf dem Grund und Boden des letzteren und wurde von jedenfalls eine überaus günstige Lage für die Burgherren ge-
Grethem durch die Aller getrennt. Um die Lage des Blanken- habt. Von Essel bis hinunter nach Ahlden (Aller) gab es keine
hagen im Lichte des 13. Jahrhunderts sehen zu können, ist es andere Möglichkeit, die alte Handelsstraße Stade — Hannover
notwendig, die örtlichen Verhältnisse jener Zeit nochmals zu von der Weser her so leicht zu erreichen wie über die Fähre bei
verdeutlichen. Die Aller in ihrem alten Bett, der heutigen „Al- der Burg Blankenhagen. Oder war die „Veste" schon einmal Eigen-
ten Leine", war oft — besonders im Sommer — so sehr zuge- tum der mächtigen Mandelsloher Ritter, welche die Leine und
wachsen, daß noch im folgenden Jahrhundert die Schiffahrt dar- Aller von Hannover bis in das Stift Verden hinein beherrschten?
unter zu leiden hatte (Forschung zur Gesch. Niedersachs. IV Wirwissen es nicht. Bekannt istnur, daß ihnen alle Brücken, Fäh-
Heft 6. 1913: „Die Geschichte der Schiffahrt auf der Aller, Leine ren und Wehren dieses Gebietes gehörten, und daß sie 1295
und Oker bis 1618"). Und der Grundwasserspiegel war, wie Zehntherren von Eickeloh wurden. Als Rittersitz war die Burg
schon erwähnt, so niedrig, daß am Fuße ostwärts der Burg Ge- vorzüglich geeignet, den Verkehr Ost—West völlig zu überwa-
treide angebaut werden konnte, wie das am ganzen Westrande chen. Nur das Hochwasser stieg von Jahr zu Jahr höher, so daß ei-
der Siedlung Eickeloh entlang der Fall war. Die Niederung war ner nach dem anderen das immer feuchter werdende Nest verließ.
mit Weidengebüsch reich bewachsen. Erhebliche Störungen Um das Jahr 1100 aber, als der Anbau von Getreide die
brachte nur das Jahr für Jahr eintretende starke Hochwasser. Weidewirtschaft zu übertreffen begann, wird die Wassermühle
Im Westen lehnte sich der Burgberg (Rudera) unmittelbar an in Grethem gebaut worden sein. Den „Hodenhagen" gab es
die alte Aller, im Norden und Süden war er von Wiesen ein- noch nicht. Und bevor man auf den Gedanken kommen könnte,
gesäumt, und im Osten dehnte sich das Saatland der „Spraken- die Eickeloher Lathufenbesitzer hätten ihr Korn auf beschwer-
horst Riethe". Schon im Lehnsregister von 1360 wird nun in lichem Wege nach Ahlden zum Mahlen geschafft, liegt es näher,
Grethem eine Wassermühle bezeugt, die durch einen Damm zu mutmaßen, daß damals schon in der nahen Aller bei Grethem
mit der Wassermühle auf dem „Hodenhagen" verbunden war. die Mühle vorhanden war. Mühlen und Brücken aber waren
Wassermühlen (Quirren oder Kornquetschen) lernten die Sach- die gegebenen Einnahmequellen für einen Burgherrn (siehe
sen von den Mönchen erst im 9. Jahrhundert kennen. Im Lü- auch Abschnitt II).

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In einer Urkunde vom 20. 10. 1262 nannten sich die Edel- großen Unheils. Auch aus dem Jahre 1305 weiß der Chronist
herren Adolf und Hermann von Blankena „Nobilis de Blanken- Bünting von einem solchen Stern mit einem langen breiten
hagen". Anscheinend hatten sie es noch einmal versucht, sich Schweif zu berichten, der 3 Tage vor und nach Ostern gesehen
dort wohnlich einzurichten, nachdem die Hodenberger 1244 in worden wäre, und dem eine große Pest gefolgt sei.
ihre „Bruchveste" an der Meiße übergesiedelt waren. Lange Im Jahre 1334 fiel so viel Schnee, daß die Bäume davon
hat jedoch ihr Aufenthalt in der Eickeloher Allermarsch nicht zerrissen wurden.
gedauert. Herzog Otto brauchte diese Burg nicht abzuräumen. Die grauenvollsten Jahre aber sind die von 1348 bis 1351 ge-
Die Edelherren von Blankena gingen von selbst und waren wesen. Durch ganz Deutschland raste die furchtbare Pest, die
damit die letzten Herren auf der allzu feucht gewordenen Burg auch die Dörfer nicht verschont hat*). Sie setzte 1348 sofort mit
in der Burgkoppel. voller Wucht ein. Niemand war auch nur eine Stunde seines
Marquard von Hodenberg berichtet 1618 darüber Folgendes: Lebens sicher. Betend und singend starben die Kinder auf den
„So befindet sich auch das für Jahren einer des Geschlechts Straßen der Dörfer. Man schreibt, daß diese Pest mehr als die
mahl bey ihren Dorf Eickloe, In einer sehr Schönen großen Lu- Hälfte der Menschen hinweggerafft habe.
stigen Ebene und Weyde hart an der Aller gewohnet habe, den Die Pest von 1366 bezeichnet derselbe Chronist ebenfalls als
alda noch anzeigung eines ziembl. hohen Walles und Grabens groß. Sie war, wie in den meisten Fällen, die Folge eines hei-
(1618!) zur Borch genant, sambt dem Saat Lande so dazu gehö- ßen und trockenen Sommers; über einen solchen von 1366 hat
rig gewesen itzo aber zu Heulande gebrauchet wird, vorhan- dem Chronisten Spangenberg eine Nachricht vorgelegen.
den; Wie aber deshalb geheißen, hat man eigentlich keine Seitdem die Stader Landstraße durch Eickeloh führte, blie-
Nachrichtung; allein halte ich's dafür, das es Herr Heinrich Ed- ben den Vorfahren keinerlei Bedrückungen mehr erspart, die
ler Herr von Hodenberghe, so die Kirche zu Eickloe daselbst von der Außenwelt in ihr stilles Dorf getragen wurden. Denn
fundiert, müßte gewest sein. Und weill sich die Wasser Jährlich selten brach die Pest in ihren Katen aus. Das bettelnde Volk
der Ende sehr ergiessen, und alles über schwimmen, das man der Landstraße brachte sie aus den Städten herein, wo noch
auch Nirgends auf Truckenem Lande wohinaus kommen kann, jede hygienische Anlage fehlte.
hat ihnen oder seine Nachkommen solches vielleicht große un- Aber auch ein Opfer kriegerischer Ereignisse mußte das einst
gelegenheit zugefügt, und dahero den Ort also verlaßen, und so versteckte, Dorf werden, seitdem der Mühlendamm bei
daselbst sich hinweg begeben haben müßen". Grethem eine bequeme Verbindung zum Westufer der Aller
Dem Chronisten war die alte Urkunde noch verborgen, die als und damit zur Weser und zu der großen Verkehrsstraße durch
letzte Besitzer der Burg Blankenhagen die Edelherren von Rodewald herstellte.
Blankena ausweist. Der Bau wird dann schnell zerfallen sein, Im Jahre 1369 begann der Altlüneburgische Erbfolgestreit,
als ein paar Jahrzehnte hindurch die Hochwasserfluten den der das Land länger als 20 Jahre verheerte. Als 1377 mitten
Burgwall unterspült hatten. Jedenfalls hat der Chronist noch im Waffenstillstände das Dorf Thören und dann Walsrode von
etwas mehr Reste beobachten können, als heute vorhanden Gifhorn aus überfallen wurden, haben auch die Eickeloher Bau-
sind. ern den Krieg zu spüren bekommen. Denn der Weg der Gif-
Das 14. Jahrhundert beginnt gleich mit den Bedrängnissen, horner Feinde führte durch ihr Dorf. Hier mögen die von Thö-
die viele Jahrhunderte hindurch ununterbrochen unsere Vor- ren erhaltenen Schadensverzeichnisse kurze Erwähnung finden,
fahren schwer belastet haben: Der Aberglaube und die Pesti- weil sie einen Einblick in die Wertverhältnisse auf den Bauern-
lenz. Immer wieder galt ein Komet, den irgendjemand irgendwo
am Himmel gesehen zu haben glaubte, als Verkünder eines •) Dr. F. Hamm, a. a. O.: „1347 — 51 Beulenpest"

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höfen vermitteln. Ein Gehöft mit Gebäuden wurde mit 40 Mark Schnupfen, den sie nicht aus dem Leibe herauslösen konnten"
veranschlagt, ein Pferd mit 1 bis 6 Mark, ein Rind mit 2 bis (Chron. Sax.).
4 Mark, ein Schwein mit etwa 1 Mark und ein Schaf mit 24 Und im Jahre 1406 erlebten die Eickeloher am St. Viti-Tage
Schillingen (1 Mark = 16 Schillinge, 1 Schilling = 12 Pfennige. eine solche Sonnenfinsternis, daß man glaubte, die Welt würde
Ein Pfennig war ein Silberstück). untergehen.
Schlimmer wurde es dann für Eickeloh, als der Herzog Al- 1428 muß die Pest auf allen Dörfern furchtbar gewesen sein.
brecht von Sachsen die Burg Rethem (Aller) gegen den Grafen Sie folgte einem gelinden Winter und dauerte von der Fasten-
Gerhard von Hoya zum Kriege ausrüstete. Da lag Eickeloh mit- zeit bis Weihnachten an. Die Sachsenchronik berichtet von gro-
ten im Bereich der Fehde. Oft ritt der Herzog im Sommer 1383 ßen „Buerkuhlen", in die man die Menschen geworfen habe,
von Celle nach Rethem. In den meisten Fällen wird er zwar den von denen manche am folgenden Tage noch gelebt hätten.
Weg vom Truppensammelplatz Winsen (Aller) über Bothmer Im Jahre 1431 gab es für unser Dorf im Amtsorte Ahlden
benutzt haben. Als seine Truppen aber am 8. 6. 1383 nach etwas Neues. Dort mußten die Ritter das Schloß (heute Amts-
Rethem marschierten, ist ein Teil wahrscheinlich auch über Essel gericht) räumen, weil sie von ihren Räubereien nicht gelassen
durch unser Dorf geleitet worden. Am 18. 6. 1383 ritt er mit hatten.
seinen Mannen von Walsrode nach Celle. Da gab es für ihn gar Auch Herzog Otto von Celle blieb ein scharfer Bekämpfer der
keinen anderen Weg als den durch Eclo. Wegelagerei. Wen er erwischte, den pflegte er selbst am Half-
Am 1. 3. 1384 legte er einen Teil der Besatzung des Schlosses ter seines Pferdes aufzuknüpfen. Es kam eine „güldene, fried-
Celle nach Hudemühlen, eine sichere Nachricht, daß unsere same Zeit". Nur dauerte sie nicht lange an. Während es 1440
Vorfahren an diesem Tage von den geharnischten Reitern des wegen der Schiffahrt bei Ahlden zu einer Fehde kam, in der
Herzogs in Schrecken versetzt worden sind. Wie froh mag man viele Dörfer verwüstet wurden, mußten die Bauern schon 1458
gewesen sein, als der unglückselige Krieg mit der Schlacht bei einen weiteren Krieg erleiden. Man nannte ihn den „Prälaten-
Winsen (Aller) am 28. 5. 1388 sein Ende fand, obgleich noch Krieg". Es sollen hier nicht die Ursachen zu diesem Unheil un-
viele Jahre hernach die Landstraßen von herrenlosem Gesindel tersucht werden, die man damals wahrscheinlich auch in Eicke-
unsicher gemacht wurden! Insbesondere war es der räubernde loh kaum erfahren haben wird. Sicher ist es aber, daß das Dorf
Adel, der von seinem unadligen Handwerk nicht lassen konnte. 1459 den Krieg zu spüren bekam, als der rauflustige braun-
Daß es zum Wohle der Bauern geschah, als die Celler Her- schweigische Herzog Wilhelm der Ältere als Vollstrecker des
zöge Bernhard und Heinrich im Jahre 1394 die Herren von Ha- Bannfluchs die Orte Winsen, Bissendorf, Ahlden und Düshorn
demstorf von ihrer Ulenburg bei der Esseier Allerbrücke fort- mit Feuer und Schwert verwüstete. Da kann sein Heer Eickeloh
jagten und das Raubnest zerstörten, dürfte sicher sein. Mit nicht verfehlt haben. (Letzner, Bünting, Rehtmeier).
eiserner Hand schaffte Herzog Heinrich, der „König von der 1450 und 1484 wütete wieder im ganzen Sachsenlande die
Haide", Ordnung im Lande. Er ließ 1409 selbst seinen eigenen Pest.
Voigt aufhängen, der einem pflügenden Bauern mit Gewalt Das Jahr 1473 brachte einen so heißen und dürren Sommer,
dessen Oberkleid genommen hatte. daß selbst die Brunnen kein Wasser mehr hatten. Von Pfingsten
1401 soll ein großer Komet gesehen worden sein, der wie- bis 8 Tage nach Äegidii fiel kein Tropfen Regen (Bünting).
der einmal als Vorbote eines großen Sterbens galt (Thür. Chro- Ebenso soll es 1479 gewesen sein.
nik). Im ganzen Lande Niedersachsen wütete 1404 eine furcht- Im Jahre 1501 ließ sich die Menschheit wieder vom Aber-
bare neue Krankheit, die man das „giftige catarrische Fieber" glauben quälen. Es hieß, daß Kreuze vom Himmel gefallen
nannte. Alte und junge Menschen starben „an Husten und seien, rote, blut- und eiterfarbene, und daß 1502 überall im

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Lande ein großes Sterben gewesen sei. Wer nun ein solches heit ein, dem ein 24 Stunden langer harter Schlaf folgte. Wenn
Kreuz am Leibe gehabt habe, der sei der Pest verfallen (Bün- man es fertig brachte, den Erkrankten durch Schütteln und Rüt-
ting). teln wach zu halten, dann konnte er gerettet werden. Es starben
Das Jahr 1519 brachte der Heimat einen neuen Krieg ins besonders die alten Leute. In den Küstenstädten starben die
Land. Zwar handelte es sich um die hildesheimischen Stifts- Einwohner bis zu einem Drittel aus (Hann. Chron.). So wie die
güter, die von Eickeloh weit entfernt lagen. Aber der Celler Chronisten es beschrieben, sind auch die Heidedörfer davon
Herzog Heinrich der Mittlere hatte sich dem Hildesheimer Bischof betroffen worden.
angeschlossen. Im Februar brachen die beiden in das Hochstift Und wieder zehn Jahre später drohte das Unglück. Der cha-
Münden ein und dann in das Calenberger Land. Am 18. 4. 1519 rakterlose braunschweigische Herzog Heinrich der Jüngere sam-
wurde im alten Amtshaus zu Essel der Fehdebrief an den Bi- melte 9 000 auserlesene Knechte im Stifte Bremen, um das
schof von Minden verfaßt. Und wenige Tage später sammelte lutherisch gewordene Lüneburger Land mit Mord und Brand zu
der Celler Herzog Geschütz, Fußvolk und Reisige in Essel, um überziehen. In allen Häusern zitterten die Familien vor den
mit seinen Bundesgenossen gegen Neustadt a. Rbge. zu mar- Mengen Bewaffneter, die sich um Quasimodogeniti 1539 in
schieren. Herzog Erich von Calenberg schrieb vor dem 21. 4. Walsrode versammelt hatten. Dieser Krieg konnte verhindert
1519, daß „der Hertzog von Luneburgk mit Ihrm geschutz, fus- werden, aber der Braunschweiger ließ keine Ruhe. 1545 brach
volk und geraisigen diese nacht zu Estel gelegen sein, dan an der „Hans-Worst", wie ihn Luther nannte, wiederum mit 9 500
gestern durch dy Herrschaft zur Hohe (Hoya) . . .". Ob das Bewaffneten, die er für französisches Geld auf die Beine ge-
5 km entfernte Eickeloh auch schon davon berührt worden bracht hatte, plündernd ins Land*). Und noch einmal kam man
ist, wissen wir nicht. Aber am Donnerstage nach Himmelfahrt in Eickeloh mit dem Schrecken davon.
begann der Verwüstungszug der Calenberger und Braunschwei- Schlechter erging es dem neunzehnjährigen Calenberger Her-
ger durch das Lüneburger Land. Ein Ort nach dem anderen zog Erich IL, der 1547 im Stifte Bremen ein Heer aufstellte. Er
ging in Flammen auf. Bis in das Amt Ahlden gelangte der Raub- kam nicht weit. Bei Drakenburg am 23. Mai überraschend ge-
zug nicht, weil er sich von Burgwedel aus nach Gifhorn und schlagen, rettete er unter dem allgemeinen Spott der Landbevöl-
dann nach Norden wandte und am Abend des 29. 6. 1519 (Peter kerung fliehend sein kostbares Leben. Damit schien die Gefahr
und Paul) mit der Schlacht auf der Soltauer Heide zwischen der katholischen Drohungen für einige Jahrzehnte gebannt.
Langeloh und Vahlzen endete. Der von Bränden gezeichnete Das Jahr 1566 ging als eine Zeit furchtbarsten Leides in die
Anmarschweg der feindlichen hessischen Hilfstruppen jenseits Geschichte ein. Gleich im Frühjahr hatte es mit den Ausgebur-
der Aller mag die Eickeloher Leute aber noch mehr in Angst ten des Hexenwahns in den Städten begonnen. Besonders in
und Schrecken versetzt haben, weil niemand den Verlauf dieser den Calenbergischen Städten wurden zahllose unschuldige
sogenannten „Hildesheimischen Stiftsfehde" wissen konnte. Opfer unter Aufsicht der Regierung zum Feuertode verurteilt.
Auch Ahlden wurde wieder Schauplatz des Kampfes. Unser Aber auch die protestantische Regierung im Lande Lüneburg
Dorf blieb anscheinend verschont. kann von der Beteiligung an solchen Verfolgungen nicht frei-
Im Herbst 1529 überzog eine andere Furcht die Dörfer, über- gesprochen werden. Wie ein schwerer Alpdruck lastete der
all grassierte eine neue Art der Pest, die von England herüber Aberglaube auf Städten und Dörfern. Als sich dann der Mond
kam und die Menschen zu Tausenden dahinraffte: „Der Eng- am 9. 4. 1566 um 12 Uhr 46 Min. sogar vor die Sonnenscheibe
lische Schweiß"*). Mit Angstschweiß stellte sich diese Krank-
Essel wurde auf dem Zuge von Verden nach Wolfenbüttel niedergebrannt.
Dr. F. Hamm, a. a. O.: „In ganz Niedersachsen" („Chron: Aller Bischöfe d. Sifts Verden" v. C. Spangenberg 1720)

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schob, da kannte die Angst keine Grenzen mehr. Das war eine Ernte mit nachfolgender Teuerung (M. Lange), der Herbst 1580
unwiderlegbare Schreckensbotschaft des Himmels, weil man neue Seuchen, den „Nürnberger Pip" und die „Hauptkrank-
von der mathematischen Pünktlichkeit eines solchen Gesche- heit". 1583 war es wieder die „sterbliche Laufte" und 1597
hens noch nichts wußte. Man möchte glauben, daß diese Angst- Hagelunwetter, Teuerung und Pest. Und im Sommer 1598 for-
zustände den menschlichen Körper tatsächlich besonders anfäl- derten eine besonders schwere Pest und der „Blutgang" Opfer
lig gemacht haben. Denn wirklich brach hernach allenthalben über Opfer, mit denen das 16. Jahrhundert zu Ende ging.
eine Pest aus, wie man sie seit 1350 nicht mehr zu verzeichnen Der Anfang des neuen Jahrhunderts war gleich mit bangen
hatte. Nach manchen Überlieferungen soll sie noch jene über- Kriegsahnungen erfüllt, als wolle es anzeigen, daß es sich an-
troffen haben. Daß die Zahl der Toten trotz der damaligen Nei- schicke, das entsetzlichste zu werden, welches die deutschen
gung zu übertriebenen Berichten an die von 1350 herangereicht Lande bis heute zu ertragen hatten, ein Jahrhundert, das selbst
hat, dürfte sicher sein, überall wütete sie in gleichem Maße, in die zwei Weltkriege unserer Zeit an Dauer, Greuel, Vernich-
den Städten wie auf den Dörfern. Teilweise verbot man selbst tung und Zahl der Toten in den Schatten stellt und vielleicht
nur durch die Verheerung von Wasserstoffbomben übertroffen
den Verkehr von Haus zu Haus. Im Rate der Stadt Hannover
werden kann, die dennoch gnädig verlaufen dürfte, weil sie das
starben allein neun Personen, in Celle traf sie überwiegend Kin-
Werk von Minuten sein wird.
der. Mehrere Leichen mußten in ein Grab gebettet werden. Es
gibt über die Zahl der Toten in Eickeloh keinerlei Nachrichten, Die Händel der Stadt Braunschweig mit ihrem Herzog erreg-
weil die Aufzeichnungen der Eickeloher Pastoren im Dreißig- ten Besorgnis. „Am 28. 5. 1602", so steht in der Hannoverschen
jährigen Kriege gestohlen wurden. Daß sie groß genug war, Chronik, „hat ein panicus terror das ganze Fürstenthum Calen-
bedarf keiner Frage. berg befallen, als ob die Braunschweiger vorhanden wären".
Aber nicht genug solchen Grauens! Immer häufiger loderten Die Glocken schlugen auf allen Dörfern Alarm, und die Bauern
die Flammen der Scheiterhaufen zum Himmel, auf denen Men- flüchteten mit Vieh und Lebensmitteln hinter die Stadtmauern.
Wie schnell konnte das Herzogtum Lüneburg in den Krieg hin-
schen aller Altersklassen zu Tode gebracht wurden. In den Jah-
eingeraten, weil es ebenfalls Hilfsvölker unter des Herzogs
ren von 1570 bis 1573 war es besonders schlimm. Aus dem Amte
Bruder nach Braunschweig entsandt hatte. Im September 1605
Ahlden sind derartige Greuel allerdings nicht bekannt.
wurden bei Hannover über 16 000 Mann gemustert. Aber es
1572/73 wurde die Heimat von einem strengen anhaltenden
gelang im folgenden Jahre, noch einmal den Frieden zu er-
Winter heimgesucht, wie ihn noch niemand erlebt hatte. (Hann.
halten.
Chron.). Kohle oder Heidebülte gab es noch nicht, und der
Torf hat gewiß nicht ausgereicht. So ist es erklärlich, daß der Stattdessen kehrte wieder die Pest ein. Dieses Mal ist sie
Waldschlag durch keine Anpflanzung ersetzt werden konnte. sogar im Dorfe Eickeloh nachweisbar. Pastor Hinrich Veldt-
Die Bestände des leichten Nadelwaldes nahmen schnell ab, bis mann buchte 1610 eine Ausgabe mit dem Vermerk: „. . . weill
sie gänzlich verschwanden, und die Heide an ihren Stellen die betrübte Plage der Pest alhie eingerißen". Die Zahl der
Todesfälle hat er leider nicht notiert.
blühte.
Das Jahr 1577 brachte die „sterbliche Laufte" mit sich, und Im Januar 1617 war der Winter so milde, daß das Vieh auf
ein Komet im Oktober des gleichen Jahres galt als Künder der St. Peter und Paul ausgetrieben werden konnte, daß die Bäume
„gräulichen Pestilenz" von 1578, über die der Chronist Reht- bereits Anfang April zu erblühen „begunten" und die Saatzeit
meier (1722) berichtet. Jedes Jahr zeichnete sich durch andere einen vollen Monat früher eintrat. Selbst die Natur schien die
Schrecken aus und ließ die Menschen nicht zur Ruhe kommen: Ruhe vor dem großen Sturm auszustrahlen. Es gab eine reiche
Das Jahr 1579 die sogen, „kleine Pest" und eine verregnete Einte, und der Chronist Rehtmeier sah es als ein Wunder an,

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7 Eickeloh 97
daß trotz des schönen Sommers keine ansteckenden Krankhei- Mit erschreckender Gewißheit näherte sich der Böhmische
ten verspürt wurden. Krieg den heimatlichen Fluren. Und als die Winterkönigin Eli-
Aber das Wörtchen „Krieg" wollte nicht mehr verstummen. sabeth Anfang März 1621 mit ihrem Gefolge und Troß auf der
In Celle verstärkte man die Schloßwache, und von den Ämtern Flucht von Prag nach England über Celle und Rethem reiste,
und Amtsvogteien wurden Musterungen veranstaltet, die auf mag ihre prunkvolle Karawane den Eickeloher Leuten wie ein
nichts Gutes hindeuteten. Die Musterungen, die schon 1615 be- Unheil verkündender Kriegsengel erschienen sein.
gonnen hatten, setzte man fort. Im Amte Ahlden fand sie am 1623 bildete Herzog Christian von Celle ein stehendes Heer
28. 5. 1617 unter dem fürstl. Drag. Trummbur und geschwore- und ordnete eine allgemeine Bewaffnung der Bauern an. Sie
nen Hauptmann Ludolff von Eltzen statt. Die Bauernsöhne im wurden mit Rohren und Hellebarden ausgerüstet, und der Drost
Alter von etwa 22 bis 27 J a h r e n mußten sich stellen, die Meier- besichtigte die W e h r e n der Dörfer. Doch selbst das J a h r 1624
söhne als Schützen und die Kötnersöhne als Hellebardenträger. ging noch mit bangem W a r t e n vorüber. Aber dann zog der
Die noch vorhandene Musterungsrolle enthält die folgenden dänische König von Norden her mit den ersten plündernden
Eickeloher Namen: Söldnerscharen ins Land. Sie holten den Bauern das Vieh aus
Schützen: Helmeke Veldman den Ställen und trieben Männer und Frauen zur Arbeit. Im J u n i
Pawell H ü x e r Jürgen Gerstenbüttel 1625 marschierten die ersten Truppen des Herzogs Johann Ernst
Henrich Wichman Heinrich Wichman von W e i m a r von Verden kommend nach Winsen (Aller), um
Jacob Kock Heinrich Rust unter dem Landvolk weitere Truppen anzuwerben. Sie mußten
Heinrich Kock Brun Wiebe den W e g über Eickeloh nehmen; denn von der W e s e r her
Heinrich Heimens Helmeke Büchteman nahten die ligistischen Truppen Tilly's und erfüllten das Land
Jürgen W u n n e r d i n g k Härmen Kock mit Mord und Grauen. Rodewald loderte im Feuerschein der
Heinrich Horneman Helmeke W o r d m a n brennenden Häuser. Schonungslos gingen jenseits der Aller die
Carsten Karckhoff Jacob Rust Dörfer in Flammen auf. Am 3. 9. 1625 wies Herzog Christian
Pawell Penßhorn Helbardirers Carsten Arens von Celle die Bevölkerung an, die streifenden Parteien zu fan-
J ü r g e n Hoffman J o h a n Garstenbüttel gen und notfalls zu erschießen und die Ortschaften mit Gräben
Lorentz Büchteman Henrich W o r d m a n und Schlagbäumen zu versehen. Mit entsetzlicher Gewalt kam
Heinrich Veldman Diedrich Specht das Unheil des Dreißigjährigen Krieges auf Eickeloh zu. Anfang
Härmen Mußman Marquardt Wunnerdingk September 1625 nahm Tilly das Ahldener Schloß ein, nachdem
Und schon fiel 1618 in Böhmen der erste Funke ins Pulver- 6 Mann des dänischen Rittmeisters von Bothmer gefallen waren.
faß. Daß man im November und Dezember 1618 den großen Zum ersten Male in diesem jahrzehntelangen Ringen vernah-
Kriegskometen mit langem Schwänze am Himmel sah, versteht men die Eickeloher den Kanonendonner.
sich (Buchholc Chron.). Innerhalb weniger Wochen stieg der Am 4. 10. 1625 errichtete Herzog Friedrich von Altenburg
W e r t des Silbers und Goldes bis zum Zehnfachen. Immer wert- für die Dänen ein Cavallerie-Regiment in der Umgegend von
losere Münzen k a m e n in Umlauf, für die der Bauer seine Er- Walsrode. Die ersten Bauernsöhne verschwanden damit in die
zeugnisse hergab, während niemand daran dachte, ihm diese Armee. Am 17. 10. 1625 marschierte er durch Eickeloh, um das
sogen, schlimmen Reichsgroschen, Flitter oder untüchtigen Sor- linke Ufer der Leine mit Vorposten zu besetzen. Damit lag
ten wieder abzunehmen. Als „Kipper- und Wipperzeit" sind unser Dorf nun mitten im Operationsgebiet, wo die Dänen wie
diese J a h r e der Inflation bis 1621 in die Geschichte eingegan- in einem eroberten Lande requirierten (v. d. Decken).
gen. Für den Winter wurden an Aller und Leine 5 Regimenter In-

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fanterie des Generals Fuchs von Bimbach einquartiert. Aber Todten wieder abweichen müssen". Am 11. 11. 1626 war Her-
schon gegen Ende des Jahres lichteten Krankheiten die Reihen zog Georg von Calenberg mit seinen Krabatten (Kroaten) in
der Soldaten bis zur Kampfunfähigkeit der Truppe. Die Bevöl- Gardelegen aufgebrochen, um seinen Bundesgenossen in Ahl-
kerung lehnte sich gegen die Bedrückungen auf (Opel). Die Pe- den zur Hilfe zu eilen. Am 14. 11. hatte sich der Dänenkönig
stilenz griff um sich: „Das Hauptwehe, der Brun, die Blattern, ins Bremische zurückgezogen. Und Herzog Georg marschierte
die Masern und der Blutgang". Und zum ersten Male flüch- am 28. 11. über Hoya nach Gardelegen zurück. In jenen Novem-
teten die Eickeloher ins Bruch, wenn die umherstreifenden Par- bertagen (11. — 14. 11. 1626) fiel Eickeloh der Kriegsfurie zum
teien in die Bauernhäuser eindrangen, um die Familien zur Opfer (s. Skizze 7).
Herausgabe ihres Besitzes zu zwingen. Die Ahldische Chronik Die in den folgenden Jahren mit einem Kreuz oder dem Ver-
schreibt: „Während des 30jährigen Krieges haben die hiesigen merk „mortuus" oder „arm" versehenen Eickeloher Namen las-
Einwohner gleich wie auch die angrenzenden Dörfer sich mit sen uns ihre Qualen heute noch miterleben. Von den im Jahre
all ihrem Vieh und Habseligkeiten in das ohneweit belegene 1617 Gemusterten waren es:
Düer-Bruch begeben. Da sie sich denn gegen die ankommenden Helmeke Veltman tot u. arm (Hs. Nr. 13)
Feinde nicht nur glücklich verteidiget, sondern auch die vor- Jürgen Hofman tot (Hs. Nr. 28)
über passierenden Parteien in der morastigen Gegend dermaßen Helmeke Buchteman Brinks., stehet ledig
zu attackieren gewußt, daß der Verlust ihrer beraubten Häuser Sie werden als Bewaffnete gefallen sein; auch
durch die Beute zur Genüge wieder ersetzet worden. Wie sie Carsten Arens (Hs. Nr. 27), dessen Hof 1628 von Johan
denn ihre Wachen auf den höchsten Tannen gehabt haben und Beßman gen. Wichman verwaltet wurde.
von dort auf 2 Meilen haben entdecken können, was auf der Von den Besitzern starben bis 1628 außerdem:
Landstraße vorüber passierte". Johan Buchteman (Hs. Nr. 10)
Aus jenen Jahren rührt der Name des Wartenberges, der Jürgen Hemens, wüste (Hs. Nr. 3)
Anhöhe, die damals noch von Bruchland umgeben war, hinter Luder Hemens (Hs. Nr. 6)
dem sie warteten, bis ein durchziehender Trupp das Dorf ver- Marquardt Peters (Hs. Nr. 31)
lassen hatte. Das „Neuland" am Fuße der Höhe entstand erst Reinecke Veltman (Hs. Nr. 4)
100 Jahre später. Durch Feuer wurden wahrscheinlich folgende Höfe vernich-
Bis in das Jahr 1626 hielten die Seuchen an und erhöhten das tet, deren Besizter als arm bezeichnet wurden:
Kriegsgrauen, mit dem Eickeloh alsbald heimgesucht wurde. Es Marquardt Wunnerding (Hs. Nr. 8)
war gegen Ende des Jahres, als die Kaiserlichen die Dörfer be- Ernst Garstenbüttel (Hs. Nr. 20)
setzten. Die spätere Kontributionsliste vom Sept. 1628 enthält Peter Rennekamp (Hs. Nr. 29)
die Namen derjenigen Bauern, welche die Kontribution vom (In Schwarmstedt waren von 7 Vollhöfnern 3 tot und arm, von
22. Monat erlegen mußten. Der Monat Dezember 1626 ist also 32 Kötnern 19 tot oder arm und von 5 Häuslingen einer arm).
der erste gewesen, in welchem Tilly, dessen Name allein schon Mit welchen abscheulichen Mitteln die Bauern und deren Fa-
Furcht und Schrecken hervorrief, seine Tribuliersoldaten auf die milien zu Tode gebracht worden sind — in den Verzeichnissen
Höfe geschickt hatte. Das Schloß Ahlden hielt er fest in der stehen nur die Namen der Besitzer —, ist aus den mannig-
Hand. Der Zeitgenosse Matth. Merian d. Alt. bzw. dessen Er- fachen Schilderungen der Grausamkeiten im Dreißigjährigen
ben berichteten im Mai 1654 darüber: „Ahlden . . . da es denn Kriege genugsam bekannt. Für Eickeloh war das der Anfang
von der dennemärkischen Besatzung auß Nienburg mit 800 des Mordens. In welchem Maße die „Krabatten" gehaust haben,
Mann zwar berant worden die aber mit Hinterlassung etlicher macht uns der Bericht besonders deutlich, daß sogar Tilly per-

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sönlich eingriff, als er diese wegen allzu wüsten Treibens am gegen sie gebrauchen, das Ich hoffe jennerhalb wenig tagen,
17. 12. 1626 von Rethem nach Ahlden und Bothmer verlegte. was Ich an Contribution geldern Immer Kan zu wege bringen,
Neben Einquartierungen und Grundherrschaftsdienstgeld benebenst einer Designation verskitzirt in die Früstl. Cantzley
mußten die Bauern für jeden Soldaten täglich 2 Pfund Brot, ein zuschicken Welches vff . . . Meinem Fü vndt Herren Her-
1 Pfund Fleisch, 2 Maß Bier und Servicegeld liefern, mit ihren zog vnd Hochge Ich vorzunehmen notturft hirmit vnterdienst-
Gespannen dem Heere folgen, die Verwüstung der Saat und die lich nicht vorenthalten mögen Vndt folgen dieselbe der gnedi-
Plünderungen erdulden und froh sein, wenn ihre Familien mit gen obhvde Gottes zu aller Heiligtume . . . Regierung gantz ge-
Haus und Hof der Vernichtung entgingen (Volger). Dazu die treulich . . .
ununterbrochene Pest auf allen Dörfern, die in manchen Orten Datum Ahlden Am 15. 7bris Anno 28
nur einige Ehepaare übrig ließ. Hert. vndt hochge
Tilly, der im Frühjahr 1628 sein Hauptquartier in Winsen schuldig vndt stets
(Aller) nahm, herrschte diktatorisch. Die Steuerlasten wurden williger Diener
unerträglich. Ein Haß wuchs gegen alles empor, was katholisch- Hinnrich Schiever"
kaiserlich war, obgleich die Dänen nicht weniger wüteten, die 1629 ließ der Celler Herzog von Dorf zu Dorf die Schäden
das Erzbistum Bremen besetzt hielten. Mitten zwischen ihnen bis 1628 feststellen, nachdem am 12. 5. 1629 zwischen dem Kai-
lag Eickeloh und hatte unter fortgesetzten Durchzügen zu ser und Dänemark Friede gemacht worden war. Aber weder der
leiden. Friede noch die Schadensermittlungen führten eine Wendung
Die Güter des Amtsschreibers Johann von Zesterfleth wur- herbei.
den konfisziert, weil er sich auf Kosten der unglücklichen Un- Erst nach und nach zogen die Wallensteinschen Regimenter
tertanen im Amte Ahlden bereichert hatte. ab, nachdem sie durch fortwährende Hinundhermärsche die
über die Zustände gibt uns sein Nachfolger Henricus Schie- Dörfer ausgesogen hatten. In Niedersachsen führte Graf Grons-
ver im folgenden Schreiben nach Celle Auskunft: feld die wenigen zurückgebliebenen ligistischen Truppen.
„15. Septtembris Anno 1628 Da landeten am 24. 6. 1630 die Schweden in Deutschland, und
Ambtschreiber zu Ahldenn. der Krieg ging weiter.
wegen der Vollen. Halbhöffener Die Eickeloher Kirchenrechnung von 1631 zeugt von der
auch Kohtsassen, Brincksitzers Verschuldung der Bauernhöfe. Seit 5 Jahren, d. h. seit 1626
vnd Haußlinge". waren die Darlehen der Kirche nicht mehr verzinst worden.
„I. F. G. thue Ich eine volstendige Designation, wieviel volle Friedrich Ripke (Haus-Nr. 28) wurde die Kirchenschuldrente
vnd halbe Hoffener, auch Kothsaßen Brincksitzer vndt Heuß- wegen großen Schadens „in dieser betrübten Zeit" erlassen.
linge in diesem Ambte Ahlden vorhanden sein, vndt. . . setzen, Hinzu kam der Tod des Seelsorgers. All die Jahre hatte Hinrich
welche die Kontribution wohl vndt für gewiß außgeben kön- Veldmann als Kind des Dorfes der Gemeinde treu zur Seite
nen, besonderen von theils die noch etwas vermögen, muß mans gestanden.
noch mitt großer schwerheit verhalten denn sie Können fast Herzog Christian schloß sich den Schweden an und versprach,
Keines, was sie zum Theile haben zugelde machen, teils haben 3 Kavallerie-Regimenter aufzustellen. Im Amte Ahlden wurde
auch gantz nichts, teils etwa eine Kühe, dauon müßen sie mit Ende 1631 für das Regiment Oberst Plate von Gelen geworben
den Ihrigen Leben, Pfendet man Ihnen das Viehe aber, das (v. d. Decken). Um so schrecklicher traten die Kaiserlichen auf.
Laßen sie stehen, Arrestirt man sie alhie ans Ambt, so Können Am 30. 4. 1632 brannten Tilly und Pappenheim den Flecken
sie füllens Kein geld Vffbringen. Ich habe vnd wil ferner mittel Ahlden ab, lt. Ahldischer Chronik „zusamt den Scheunen, so

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draußen stehen. Ausgenommen die Vorwerksgebäude und das Herzog Georg von Calenberg versuchte vergeblich, aber uner-
Organistenhaus". müdlich, die Heimatlande vor dem Ärgsten zu bewahren. Er bil-
In Güten folterten die Kroaten den Pastor Hermann Cregel dete aus den Söhnen der Besitzer großer Bauernhöfe ein Dra-
so, daß er totkrank nach Celle fliehen mußte, wo er infolge der goner-Corps für die Aufrechterhaltung der Ordnung im Inneren
Mißhandlungen am 8. 2. 1632 verstarb. Und in der Kirchen- des Landes. Sie mußten sich auf eigene Kosten mit Pferden und
rechnung von Eickeloh buchte der Pastor eine Ausgabe für Equipagestücken versehen. Die übrigen dienstfähigen Landes-
„Schloß und Krampen, weil die Betkammer gebrochen vnd be- bewohner ließ er in Ausschuß-Kompanien einteilen, die des
raubet Ist. Dha den auch die Kirch-Bücher, Alte Brieffe, Mißge- Sonntags zum Exerzieren zusammengezogen wurden, aber we-
wandt vndt Alles wegknomen, von des Vberst Lohrhausen Sal- der militärische Kleidung noch Sold erhielten. Die Musqueten,
daten". Feuerrohre, Picken etc. mußten der Gutsherr, die Gemeinde
Der nun in Schwedischen Diensten stehende „Hertogen Jürg" oder auch der Ausschösser selbst beschaffen (v. d. Decken). Ins-
von Calenberg schrieb, daß es an der Aller gänzlich an Lebens- gesamt waren es 6 Regimenter. Welche Eickeloher Söhne dazu
mitteln fehle. gemustert wurden, ist nicht mehr überliefert worden. Einzel-
Ein Zeichen dafür, wie lähmend sich die jahrelange Last des nachrichten aus jener Zeit werden immer spärlicher. Wahr-
hemmungslosen Krieges auf die Gemüter legte, mag die Nieder- scheinlich war Levien Wichmann (Haus Nr. 1) dabei, von dem die
schrift des Chronisten Rehtmeier über einen Ackermann Her- Urkunde vom 9. 12. 1649 sagt, daß er „erst aus dem Kriege wie-
mann v. d. Hude aus Ellingen bei Soltau sein, der „Englische der Kommen". Trotzdem wurde es nicht besser. Als die noch an
Erscheinungen und Offenbarungen" gehabt haben sollte, über der Weser liegenden Schweden im Okt. 1639 in Ahlden ein Re-
die nach Prüfung durch den Generalsuperintendenten von allen giment einquartierten, kam es auf allen Höfen wieder zu Räu-
Kanzeln gepredigt und zu Gebet und Buße ermahnt worden bereien, Plünderungen und schweren Exaktionen (Volger).
ist. Wie mag die Botschaft von dem am 30. 5. 1635 in Prag ge- Nur noch drei Gewalten regierten das ohnmächtige Land: Die
schlossenen Frieden gewirkt haben! Aus lauter Freude bekam Schweden, die Pest und die zur Winterszeit hinter den Häusern
der Bote des Herrn Superintendenten 4 Groschen Lohn, „weil rudelweise heulenden Wölfe*). Leider fehlt jede Zahl über die
er die bona nova gebracht, daß friede gemacht zwischen Kay. Verluste in Eickeloh. In Ahlden lebten um 1640 nur noch
Mähst, vndt Churfürsten zu Sachßen". So schrieb es der Pastor 19 Ehepaare. Während des Gottesdienstes räucherte man die
Christoph Hinrich Kohne an und feierte im Juni 1635 mit seiner Kirche mit Räucherpulver gegen die Pest aus. Meister Röber
Gemeinde das Dankfest. Wer aber glaubte noch an Frieden? aus Walsrode hatte die Eickeloher Kirche für 8 Rthlr. wieder
Im Sept. 1635 rückte der schwedische Oberst Baner mit 20 000 ausgebessert (1640), obgleich ihre Bauern 1642 so verarmt wa-
Mann in das Fürstentum ein. Und die Schweden waren noch ren, daß sie für ihre Schulden an die Kirche nun schon 6 bis 17
grausamer. Sie traten offen als Feinde auf. Die Umgegend von Jahre keine Zinsen mehr gezahlt hatten.
Winsen (Aller) besetzten Generalmajor Beckmann und Oberst Nach Einbruch der Dunkelheit das Dorf zu verlassen, war
Hackmeister. Schlimmer trieb es der Oberst Sperreuther von wegen der Wegelagerei mit höchster Lebensgefahr verbunden.
Nienburg aus. Er überfiel im Herbst 1636 die Allergegend mit Der Bauer war Freiwild geworden und griff ebenfalls zu den
Feuer und Schwert (Volger). Der Vollhöfner hatte 2 Rthlr., der erlernten Mitteln: Meuchelmord und grausame Rache. Wie
Kotsaße V2 Rthlr. und der Häusling V4 Rthlr. Kontribution auf- konnte es anders sein, da selbst die künftigen Landesväter
zubringen, trotzdem die Häuser fast täglich geplündert wurden.
Rechtlos war der Bauer der Soldateska preisgegeben. Der ") Dr. F. Hamm, a. a. O.: "1649 schießt Herzog Friedrich von Celle allein in
Kriegswahn tobte bis zum Überdruß weiter. diesem Jahre 168 Wölfe".

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Christian Ludwig und Georg Wilhelm sich betrunken in den dürfen die Strafregister als erste Ansätze zur Wiederherstel-
Straßen der Stadt umhertrieben und den Leuten die Fenster lung der Zucht und Ordnung angesehen werden. Besonders
einschlugen. wild scheint es im Kruge des Cord Flacke (Haus-Nr. 19) her-
Der erbärmlichste Raubvogel in unserer Heimat aber bleibt gegangen zu sein, wo Schlägereien und Messerstechereien das
der schwedische General Königsmarck. „Einst ein armer deut- Kino von heute ersetzten. Für Eickeloh wurden in der Folgezeit
scher Edelknabe, führte er so viele Wagenladungen an Gold jährlich etwa 12 bis 20 solche „Brüche" gebucht, von denen hier
und Kostbarkeiten nach Schweden, daß er seiner Familie ein einige wiedergegeben werden. Oft kehren die Namen Cord
jährliches Einkommen von weit über einer Million Goldmark, Wiebe (Haus-Nr. 21), Johann Blanke (Haus-Nr. 13), Marquard
hinterließ" (Philippson). Im März und Juli 1644 zog er plün- Rust (Haus-Nr. 25) und Levien Wichmann (Haus-Nr. 1) wieder.
dernd von Verden (Aller) nach Winsen (Aller) und im Mai 1645 „1660/61. Johan Blancke hatt Johan Wieben Sohn ein Loch
noch einmal denselben Weg (Volger). Sie führten alle durch in den Arm geschlagen 27 Mariengroschen, Johan Wieben Sohn
Eickeloh. (d. i. Thomas Wiebe Haus-Nr. 27) sich mit Blancke geschlagen
Vom endgültigen Frieden im Herbst 1648 war zunächst nichts 9 Mariengroschen".
zu spüren. Jahre vergingen, bis die letzten Soldaten das Land „Curdt Wiebe hatt Wilhelm Beßman aus Grethemb in den Arm
verließen, die die Anweisung hatten, sich ihren Unterhalt in gestochen 2 Thaler, Wilhelm Beßman hatt Wieben den Finger
den Dörfern selbst zu suchen. ausgebißen 9 Mariengroschen".
Am 11.8. 1650 wurde das Friedensfest gefeiert. Aber Jahr- „1664/65. Cordt Placke (Haus-Nr. 19) das er Cord Wieben mit
zehnte gingen vorüber, bis sich das Land einigermaßen erholen der Faust in das Gesichte geschlagen. 13 Mariengroschen
konnte. Um mehr als die Hälfte war die Bevölkerungsziffer in 4 Pfennige".
Deutschland seit 1625 zurückgegangen. Selbst hundert Jahre „1665/66. Levin Wichman undt Marquardt Rust, das die ein-
später hatte man die letzten Spuren dieses unseligen Krieges ander vor den Degen gefordert undt Marquardt Rust, das er
noch nicht beseitigen können. Denn weithin lagen die Felder mit Hülfe Curdt Wiepen Levin Wichman überwältiget undt
brach, und ganze Ortschaften waren verfallen und verlassen. dessen Sohn geschlagen".
Dazu folgten 1652 ein heißer trockener Sommer mit Mißernten Sie waren Männer im Alter von 20 bis 50 Jahren.
und Teuerung und 1653 ein kalter anhaltender Winter (Cassel). Im Jahre 1666 trat wieder die Pest auf. Der Winter 1680
Am bedrückendsten aber hatte sich die Zuchtlosigkeit in den war nach den Feststellungen von C. Cassel, Celle, kalt und
Dörfern breit gemacht. Denn schon beherrschte eine Generation anhaltend, der Sommer 1689 heiß und trocken, und das Jahr
die Dorfstraße, die seit ihren Kindertagen nur den untersten 1690 brachte ein bemerkenswertes Hagelunwetter*). Aus den
Selbsterhaltungstrieb und qualvolle Todesszenen gesehen hatte. Jahren 1692 und 1694 haben ihm Notizen über Mißernten und
Und so setzt es nicht in Erstaunen, was die ersten urkund- Teuerungen vorgelegen.
lichen Einzelangaben in den Strafregistern des Amtes Ahlden Besonders eindrucksvoll dürfte auch für die Eickeloher der
seit 1659/60 enthalten. Gegenseitige Beschimpfungen und Rau- Transport der am 30. 12. 1694 geschiedenen Kurprinzessin
fereien, an denen sich auch die Älteren beteiligten, selbst Dieb- Sophie Dorothea von Hannover in die Verbannung nach Ahl-
stähle unter den Dorfbewohnern, waren keine Seltenheit. Es den gewesen sein, die gewiß jeder einmal während seines Burg-
fällt auf, daß Beleidigungen ebenso empfindlich bestraft wur- dienstes in Ahlden zu sehen Gelegenheit gehabt hat. Eine Aller-
den. Denn 1 Reichstaler als Sühne war ein großer Betrag und
belastete schwerer als Freiheitsstrafe. „Schinder und Schelm" *) C. Wolff, 1902, „Kunstdenkm. d. Prov. Hann.": „1683 wurde der Ort Ahl-
müssen wohl die übelsten Ausdrücke gewesen sein. Jedenfalls den durch Nachlässigkeit des Haxthausischen Gesindes vom Feuer verzehrt.

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brücke zwischen Riethagen und Ahlden gab es zwar noch nicht; diese Dörfer erschienen den Franzosen über die Maßen ärmlich
denn wie der Ahldener Chronist schreibt, ging 1709 bei einem und elend. Umgeben von einem schmalen Ringe gelber Roggen-
Sturm die Fähre unter. und Haferfelder, lagen sie da, wie Oasen in der Wüste. Jene
Auch den großen Dorfbrand im 4 km entfernten Buchten im niedersächsischen Bauernhäuser endlich, mit niedrigen Lehm-
Febr. 1712 werden die Eickeloher mit Entsetzen beobachtet wänden, kleinen Fenstern und ungeheuren moosbewachsenen
haben. Es brannten 52 Gebäude, darunter 12 Wohnhäuser, ab, Strohdächern, deren First zwei gekreuzte Pferdeköpfe zierten,
deren Feuerschein um Mitternacht hell über die Aller herüber- erregten bei den Fremdlingen Erstaunen und Mitleid. Sie konn-
leuchtete*). ten sich nicht in eine Häuslichkeit finden, die Menschen, Vieh
1732 wurde „Catharina Wiechmanns, Ludolpfs Kochs Ehefrau und Vorräthe unter einem Dach vereinigte. Und einladend wa-
in Eickeloh in einem Brunnen todt gefunden". ren diese alten Gebäude, von denen sich noch eine gute Zahl
Im August 1757 nahten für das Dorf Eickeloh die denkwür- bis auf unsere Zeit erhalten hat, in der That nicht. Die große
digen Tage des Siebenjährigen Krieges. Der Pastor v. Hofmei- gestampfte Lehmdiele war der Versammlungsort der ganzen
ster trug sie in das Kirchenbuch ein: „Am St. Bartholomäitage Familie. Schornsteine kannte man nicht und wollte man auch
(24. 8. 1757) marschierte die große Armee jenseits der Aller den nicht haben; denn der Rauch, der sich schwerfällig durch die
Weg über Rethem nach Verden, die kleine Armee kam über geöffnete weite Hausthür einen Ausweg suchte und das ganze
die bei dem breiten Riep allhier geschlagene Schiffsbrücke und Innere der Häuser schwärzte, sollte auf seinem Wege die
ging hiedurch über Hudemühlen nach Verden u. Stift Bremen". Fleischvorräte durchräuchern, welche in langen Reihen von den
Die Franzosen verfolgten die hannoversche Armee nach der Balken herabhingen".
Schlacht bei Hastenbeck. W. v. Hassell schreibt: „Die Haupt- Aber auch den Rückzug der Franzosen sah Eickeloh in seinen
armee, welche am 22. August aufbrach, marschierte auf dem Straßen. Im Kirchenbuch steht: „1758 schlugen im Febr. (die
linken Ufer der Leine über Wunstorf und Rodewald gegen Ahl- Truppen des Herzogs Ferdinand von Braunschweig) eine Schifs-
den. Auf dem rechten zog der Herzog von Chevreuse mit brücke über die Aller zwischen Riethagen u. Ahlden, pashierten
sämmtlichen Dragonern, einer Infanterie-Brigade und 12 Schwa- die Aller gantz sicher . . . " Nach der Ahldener Chronik erfolgte
dronen Reiterei die sandige Straße durch Langenhagen, Meilen- der Übergang bei der Insel „der Dorn" genannt. Das General-
dorf und die großen Föhrenwaldungen des „Lister" entlang, quartier befand sich in Hudemühlen und das des Herzogs v.
welche heute durch die schnurgerade Chaussee nach Walsrode Holstein in Riethagen. Die Franzosen zogen sich in Eilmärschen
ersetzt ist. Die „Esseier Brücke" über die Aller fand man indeß auf Celle zurück. Was diese kurze Zeit den Bauern an Opfern
abgebrochen und ein voller Tag verging, ehe in der Nähe des gekostet 'hat, darüber gibt die Zustandsvergleichsliste vom
Dorfes Bothmer (d. i. im breiten Riep) eine neue geschlagen 1. 12. 1760 die beste Auskunft. Vor dem Kriege (1756) wurden
werden konnte." (s. Skizze 8). in Eickeloh insgesamt 886 hann. Morgen Acker bestellt, nach
„ . . . an den Flüssen hinunter zog sich ein schmaler Streifen dem Kriege (1760) nur noch 356 hann. Morgen. Diesen Rückgang
üppig grüner Wiesen, und hohe Gruppen schöner Eichen ver- wird in erster Linie der Mangel an Arbeitspferden verursacht
kündeten hie und da die Lage vereinzelter Ortschaften. Aber haben, der sich durch die Gespanngestellungen ergeben hatte
(71 statt 118 Pferde).
Nach einer privaten Familienmitteilung ruht auf dem alten
*) Dr. F. Hamm, a. a. O.: „1716, 17. Febr.: In Ahlden a. d. Aller und Umge- Eickeloher Friedhof ein Angehöriger der Familie Börstling
gend sind, abends um 8 Uhr biß nach Mitternacht allerhand phaenomena
am Himmel in helleuchtenden Wolken nicht ohne Entsetzung gesehen wor-
(Haus-Nr. 10), der seinen Verwundungen als Kriegsteilnehmer
den" (vermutl. ein Nordlicht). erlag und dort beerdigt worden ist: Der am 3. 9. 1750 geborene

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Kgl. Guardereuter Johann Joachim Böstling (1779 bei Gibraltar quartierung (Es waren Gardekosaken mit guter Manneszucht).
verw.?) 1809, 6. 8. (10. post Trin.) kein Gottesdienst, weil 6 — 7 Tau-
Die Monate März bis Mai 1788 forderten von dem Dorfe send Mann Holländer, nebst Train und Cavallerie durch Ekeloh
Eickeloh einen Verlust, der die Gemeinde bis ins Herz traf. marschierten und hier 4 Compagnien übernachteten — ein
Laut Sterberegister des Kirchenbuches starben 35 Kinder an den schrecklicher Tag! H. Stolberg, Pastor".
schwarzen Blattern. Die Epidemie herrschte in allen umliegen- Am 27. 1. 1806 nahm der König von Preußen das Land in
den Orten. Man verurteilte das Gewaltmittel eines Ahldener „Verwahrung" und erklärte es am 1. 4. 1806 als königl. preu-
Wachtmeisters, weil er seinen Kindern Blattergift beibrachte. ßische Provinz. Am 1. 9. 1810 kam Eickeloh zum Königreich
Sie erkrankten, wurden aber gerettet. Westfalen.
Es folgen nun Mitteilungen aus dem Kirchenbuche Eickeloh, Wie sehr das Dorf unter der französischen Herrschaft gelitten
die über die ersten Auswirkungen der französischen Revolution hat, zeigt uns die Feuerstellen- und Kontributionsliste des
und den Beginn der napoleonischen Kriege Auskunft geben: Eickeloher Maires vom 2. 12. 1813. Der Pferdebestand war auf
„1795, 7. April rückt unvermutet hier die Legion de Beon 52 Kopf zurückgegangen, von denen 18 unbrauchbar waren,
französ. Emigr. (Husaren) ein. Kommandant Major der Legion betrug also nur noch etwa V* der früheren Anzahl. Dabei hatte
Vicomte de Gironde. das Dorf monatlich 49 Rthlr. und 3V2 Pfg Kontribution aufzu-
12. Juni tages zuvor das 12. Inf.-Regt. auch noch das 8. Inf.- bringen. 3 Höfe gingen infolge dieser Belastung in Konkurs.
Regt. Häuser stark belegt. Major von Westerka. An den Befreiungskämpfen in den Jahren 1813 bis 1815 nah-
18. Juni Husaren-Regt. Prinz Louis de Rohan franz. Einquar- men als Freiwillige mit eigenen Pferden teil:
tierung. Alle Häuser stark belegt bis 20. Juni. Johann Hinrich Narjes Hs. Nr. 16, geb. 1792
22. Nov. Quartier f. d. reit. Artillerie, keine Vergütung. Cordt Hinrich Narjes Hs. Nr. 16, geb. 1794
7. Dez. 3. Inf.-Regt. Quartier. Johann Heinrich Wiebe Hs. Nr. 27, geb. 1795.
1798, 23. Jan. mittags Division Train eingerückt. Bei der Mobilmachung der hann. Armee für den Krieg Öster-
29. Dez. rückte das 3. Cavallerie-Regt. ein und marschiert fol- reichs gegen Frankreich im Jahre 1859 wurde Friedrich Wiebe
genden Tages weiter. Hs. Nr. 47 eingezogen. Durch den Frieden von Villafranca am
Von Febr. 1798 bis Ende des Jahre beständig bad. Cav., bad. 12. 7. 1859 wurde der Kampfeinsatz vermieden.
Inf., Jäger, Artillerie, Train hier einquartiert gewesen. Die größte Feuersbrunst, von der das Dorf jemals betroffen
1800, 7. Juni 1. Inf.-Regt. Captain v. Soden einen Tag. worden ist, brach am Abend des 4. 12. 1868 auf Ottenhof Nr. 7
16. April 2 Kompagnien Cavallerie". aus. Zunächst griff des Fauer durch Westwind auf Hemenshof
Im März 1803 wurde Ahlden vom französischen General St. Nr. 6 über, erfaßte dann aber infolge plötzlichen Drehens des
Germain besetzt und am 16. 7. 1803 eine außerordentliche Windes in nordöstl. Richtung die Dorfmitte und zerstörte nach-
Kriegssteuer von 2 Proz. des Einkommens angeordnet. Es be- einander:
gannen heimlich die Werbungen für England, vor denen ge- Thees-Hof Nr. 8, Renken-Hof Nr. 30, Hinzen-Hof Nr. 2,
warnt wurde. Meiermanns-Hof Nr. 26, Behrens-Hof Nr. 25, Mußmanns-Hof
Im Eickeloher Kirchenbuch finden wir weitere Vermerke: Nr. 24, Wiepen-Hof Nr. 21 und Kösterdahrs-Hof Nr. 22. Selbst
„1803 kamen Ende May die Franzosen. der Turm der eben errichteten neuen Kirche wurde stark beschä-
1805, 3. Dez. kamen preuß. Soldaten durch Eickeloh 2 Tage digt. Auch alle Nebengebäude dieser Höfe fielen in Asche. Ob
hier. Weiter nach Hameln. eine Brandstiftung die Ursache war, steht nicht einwandfrei fest
1806, Dez. lagen die Russen 5 Wochen in Eickeloh zur Ein- (insgesamt 36 Gebäude).

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Am Mainfeldzug 1866 bzw. am Deutsch-Französischen Kriege Musk. Heinrich Brandt, Haus Nr. 23 gef. 18. 7. 1916
1870/71 nahmen teil: Adolf Börstling Hs. Nr. 31, Heinrich Musk. Heinr. Kirchhoff, Haus Nr. 44 gef. 29. 12. 1916
Bösche Hs. Nr. 6, Ludwig Langhenning Hs. Nr. 7 und Friedrich Kriegsfrw. Adolf Bösche, Haus Nr. 6 gef. 26. 1.1917
Wortmann Hs. Nr. 37. Verluste hatte Eickeloh nicht. Musk. Dietrich Dettmer, Haus Nr. 38 gef. 3. 2. 1917
Am Sonntagnachmittag des 12. 7. 1908 ging auf das Dorf ein Ers. Res. Heinr. Kirchhoff, Haus Nr. 39 gef. 20. 2. 1917
Hagelunwetter nieder, wie ein ähnliches aus keiner Überliefe- Musk. Karl Eggers, Haus Nr. 71 gef. 1. 7. 1917
rung bekannt ist. Es wurde für 2 bis 3 Stunden nachtdunkel, Uffz. Wilh. Wortmann, Haus Nr. 48 gef. 21. 7. 1917
und an den Häusern lagen meterhoch die Eisstücke. Kaum eine Musk. Fritz Kirchhoff, Haus Nr. 78 gef. 7. 8. 1917
Eiche blieb vom Blitz verschont. Der Kirchturm stand schief, Res. Erich Wiebe, Haus Nr. 77 gef. 2.10.1917
und die Fensterscheiben waren zerschlagen. Die gesamte Ernte Ers. Res. Hermann Brandt, Haus Nr. 23 gef. 17. 5. 1918
auf dem Felde lag zerstört am Boden, das Vieh war aus der Ers. Res. Karl Wöhleking, Haus Nr. 59 gef. 2. 6. 1918
Weide ausgebrochen und zum Teil vom 5 Uhr-Zug überfahren. Musk. Wilh. Schulenburg, Haus Nr. 58 gef. 5. 6. 1918
In den Kirchen wurde für Eickeloh öffentlich gesammelt. Landstrm. August Ullrich, Haus Nr. 47 gef. 31. 10. 1918
Mit dem Morde von Sarajewo am 18. 6. 1914 öffneten sich Landstrm. Herrn. Wrogemann, Haus Nr. 19 vermißt
knarrend die Tore zu einer schicksalschweren Zeit, die mit dem Uffz. Fritz Heiberg, Haus Nr. 9 gest. 19. 2. 1917
Ersten Weltkriege am 2. 8. 1914 ihren Anfang nahm. Wie in Musk. Karl Hogrefe, Haus Nr. 13 gest. 11. 5.1917
allen Städten und Dörfern so sammelten sich auch in Eickeloh Landstrm. Adolf Krüger, Haus Nr. 58 gef. 21. 8. 1914
die jungen Männer, um zu den Fahnen zu eilen, bereit, für ein Ltn. d. R. Herrn. Börstling, Haus Nr. 49 gef. 22. 8. 1914
hohes Ziel ihr Leben einzusetzen. Aber von Jahr zu Jahr stieg Landwhrm. Franz Krüger, Haus Nr. 6 gef. 26. 9. 1914
die Zahl der Eickeloher Toten im Osten und Westen, während Ers. Res. Herrn. Mußmann, Haus Nr. 24 gef. 18. 11. 1914
die ernsten Siegeshoffnungen langsam dahinschwanden. Die Wachtm. Friedr. Büchtmann, Haus Nr. 58 gef. 8. 1. 1915
Fronten brachen zusammen vor einer Übermacht, die ins Mär- Uffz. Adolf Lindhorst, Haus Nr. 84 gef. 13. 1.1915
chenhafte wuchs. Und schwere Jahre der Inflation, in denen Ihren Helden zum Dank errichtete die Gemeinde ein Ehren-
eine Goldmark im Nov. 1923 mit einer Billion Papiermark be- mal auf dem Platze der neuen Kirche. Im Beisein der Gefalle-
zahlt wurde, folgten dem unglücklichen Ausgang des Krieges. nen-Angehörigen und aller Dorfbewohner wurde das Denkmal
Nutzlos war das Blut derer vergossen, die es im herrlichen am 30. 9. 1924 durch den Ehrenvorsitzenden des Kriegervereins
Glauben an ihr Vaterland hingaben. Friedrich Wiebe enthüllt.
Im Ersten Weltkriege 1914/18 opferte das Dorf Eickeloh Im Zweiten Weltkriege 1939/45 sah Eickeloh den Krieg seit
6 Prozent seiner Einwohner auf den Schlachtfeldern. Die Namen 300 Jahren zum ersten Male wieder auf den eigenen Fluren.
dieser tapferen Männer, mit denen die Gemeinde einen Schon in den letzten Kriegsjahren waren in der Umgebung
empfindlichen Teil des gesunden Nachwuchses verlor, sind fol- von den überfliegenden feindlichen Verbänden Bomben ab-
gende: geworfen worden, die aber keinen Schaden angerichtet hatten.
Einj. Gefr. Heinrich Rust aus Nienhagen gef. 16. 2. 1915 Im Wiehe an der Hudemühler Grenze standen 2 Fliegerabwehr-
Sergant Karl Lindhorst, Haus Nr. 84 gef. 1. 3. 1915 kanonen zum Schutze der Benzinläger der „Wifo", die jedoch
Uffz. Fritz Börstling, Haus Nr. 49 gef. 17. 7. 1915 nicht in Aktion traten. Als aber der Krieg seinem Ende zuging,
Ers. Res. Fritz Lindhorst, Haus Nr. 84 gef. 22. 8. 1915 mußten auch die Dörfer Eickeloh und Hademstorf ihr Opfer
Musk. Heinrich Koch, Haus Nr. 22 gef. 15. 3. 1916 bringen.
Res. Paul Malcher, Haus Nr. 16 gef. 27. 6. 1916 Am 8. 4. 1945 wurde der Volkssturm zusammengerufen, dem

8 Eickeloh
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natürlich jeder Erfolg versagt blieb. Mit einem Durchzug v o n kämpfend auf den Raum zwischen Hademstorf und Eickeloh zu-
3 000 russsichen und französischen Gefangenen am Sonntage rück. Von der Straße Hodenhagen-Westenholz her antwortete
dem 8. 4. 1945 nahm das Unglück seinen Anfang. In der Nacht die deutsche Artillerie. Schon eine ganze Woche hatte der
zum 9. 4. 1945 lagen alle Scheunen des Dorfes voll von ihnen. Kampf gedauert. Am 14. 4. 1945 setzte das Artilleriestörungs-
Am 9. 4. 1945 verließen die ersten Familien abends ihre Häu- feuer auf Eickeloh wieder ein. Die deutschen Einheiten gruben
ser und suchten Zuflucht im Bruche. Die Sprengung der nahen sich in den W ä l d e r n ostwärts vom Dorfe, besonders am War-
Bothmerschen Leinebrücke war wohl das Signal dazu gewesen. tenberge, ein, konnten das Feld nun aber nicht mehr behaupten.
Und am folgenden Tage packte man in allen Häusern und be- Am Sonntage dem 15. 4. 1945 ließ die Kampftätigkeit nach. Die
reitete sich auf Flucht vor. Von Bothmer herüber dröhnte das deutschen Truppen setzten sich nach Hodenhagen und Westen-
Artilleriefeuer der Engländer. Genau wie einst Tilly im Dreißig- holz ab, während der Gegner mit Panzerspähwagen langsam
jährigen Kriege so kamen sie von der W e s e r her. Gegen Mit- nachrückte.
tag zogen die Familien bis auf wenige schutzsuchend in den W a l d Am Montag, dem 16. 4. 1945 erschienen im Dorfe Eickeloh
zum „Wartenberge", „Fuchsgrunde" und zum Mühlenberge. die ersten vorsichtig vortastenden J e e p s der Engländer. Dann
Am 11. 4. 1945 hatte der Feind die Allerbrücke bei Essel er- folgten ihre Truppen und durchsuchten die Häuser nach deut-
reicht. Unter Trommelfeuer auf die deutsche Stellung im W a l d e schen Soldaten und Waffen, bis in den folgenden Tagen nach
nördlich der Brücke stieß er gegen eine deutsche Marineeinheit und nach wieder Ruhe eintrat.
vor, die sich nur noch aus jüngstem Ersatz zusammensetzte, In den Kämpfen um Hademstorf und Eickeloh fielen noch
und erreichte das Dorf Hademstorf. Aber im Gegenangriff war- 40 deutsche Soldaten, die auf dem Friedhofe in Eickeloh ihre
fen ihn Waffen-SS und HJ, die von Hodenhagen herangezogen letzte Ruhe fanden.
wurden, bis an den Kanal 2 km südostwärts von Hademstorf Im Zweiten Weltkriege haben die folgenden Eickeloher Män-
zurück. Das Hinterland störte der Engländer durch Tiefflieger. ner ihr Leben für das deutsche Vaterland hingegeben:
Am Nachmittage erfolgte der erste Fliegerangriff auf Eickeloh Friedrich Wiebe, Haus Nr. 96, Matr., untergeg. a. d. „Bismarck"
mit Zentnerbomben. Das W o h n h a u s Nr. 39 brannte nieder; die am 27. 5. 1941
Ehefrau Peinemann kam dabei ums Leben. Auch Gerlachs Heinrich Heuer, Haus Nr. 43 gefallen 18. 7. 1941
Scheune ging in Flammen auf. Herbert Wiczorek, Haus Nr. 6 gefallen 24. 7. 1941
Am 12. 4. 1945 hielten die heftigen Kämpfe um den Brücken- Hermann Kirchhoff, Haus Nr. 64 gefallen 5. 12. 1941
kopf bei Essel an. Tiefflieger setzten Kirchhoffs und Peets' Arthur Heuer, Haus Nr. 43 gefallen 4. 9. 1942
Scheunen in Eickeloh in Brand. Und am Nachmittage lag das Arnold Wichmann, Haus Nr. 33, Uffz. AT. gest. 24. 1. 1943
Dorf unter Artilleriefeuer. Selbst der Feldgraben wurde be- ruht auf dem Eickeloher Friedhof
schossen, wo sich Eickeloher Familien versteckt hatten. Es gab Heinrich Bartels, Haus Nr. 69 verw. gest. 25. 3. 1943
einen Toten. Und 111 junge deutsche Soldaten fanden den Tod ruht auf dem Eickeloher Friedhof
in dem nutzlosen Verzweiflungskampfe am Kanal und ruhen Werner Frehr, Haus Nr. 19 gefallen 10. 6. 1943
dort nun auf dem Heldenfriedhofe im Schatten der Kiefern. Frnst Gerschau, Haus Nr. 94 gefallen 28. 7. 1943
Am 13. 4. 1945 setzten die Engländer ihr Artilleriefeuer von Friedrich Lindhorst, Haus Nr. 93 gefallen 23. 8. 1943
Norddrebber und Bothmer her fort. In Eickeloh wurden die Wilhelm Lindhorst, Haus Nr. 93 gefallen 17. 9. 1944
Kirche und viele Häuser beschädigt und sämtliche Fensterschei- Friedrich Kirchhoff, Haus Nr. 63 gefallen 20. 10. 1944
ben zerstört. Wieder fiel ein Einwohner dem Kriege zum Opfer. Friedrich, Makenthun, Haus Nr. 46 gestorben 21. 10. 1944
Der Feind besetzte Hademstorf, und die deutsche Linie zog sich ruht auf dem Eickeloher Friedhof

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Heinrich Lindhorst, Haus Nr. 45 gefallen 29. 10. 1944 7. Die Gewässer der Gemarkung Eickeloh
Georg Wilh. Bünger, Haus Nr. 26 gefallen 11. 10. 1944 (Siehe Seite 271)
Walter Becker, Haus Nr. 16 gefallen 20. 12. 1944
Willi Becker, Haus Nr. 16 gefallen 3. 1. 1945
Albert Voges, Haus Nr. 71 gefallen 29. 3. 1945
Willi Kuhlmann, Haus Nr. 92 gefallen 26. 8. 1945
Herbert Mußmann, Haus Nr. 80 gefallen Nachr. v. 6. 3. 1950 Solange der Ort eine Geschichte hat, ist sie auf Grund der
Von den nachfolgend aufgeführten Söhnen des Ortes, die als geographischen Lage engstens mit den Gewässern verknüpft,
Soldat vermißt gemeldet wurden, lag bis 1954 noch keine Nach- die seine Gemarkung bis auf eine schmale Dünenbank zwi-
richt über ihren Verbleib vor: schen Hademstorf und Engehausen umschließen.
Willi Börstling Haus Nr. 29 Gehen wir davon aus, daß sich das Urstromtal der Aller einst
Franz Kirchhoff Haus Nr. 64 auf das Ostenholzer Moor ausgedehnt hat, dann muß sich der
Heinrich Söhnholz Haus Nr. 70 Grund und Boden von Eickeloh und Hademstorf zunächst als
Willi Heuer Haus Nr. 42 ein großer Werder darin gebildet haben, der später durch Wan-
Friedrich Plesse Haus Nr. 102 derdünen mit dem Festlande nach Südosten hin verbunden wor-
Heinrich Hanke Haus Nr. 105 den ist. Ein See blieb zurück, der nur noch durch die Meiße
Werner Heuer Haus Nr. 43 einen Abfluß zur Aller hatte und dann verschlammen mußte.
Heinz Söhnholz Haus Nr. 1 Erst mit der so entstandenen Abtrennung des Hochmoors hat
Erich Bartels Haus Nr. 69 sich in langsamer Folge das geographische Bild ergeben, wel-
Willi Hanke Haus Nr. 82 ches in der geschichtlichen Zeit nur noch geringen Veränderun-
Friedrich Bartels Haus Nr. 79 gen unterworfen war. Und trotzdem haben gerade diese Ver-
Erich Plesse Haus Nr. 99 änderungen die wirtschaftliche Gestaltung der beiden Dörfer
Max Semelka Haus Nr. 49 zu einem wesentlichen Teil mitbestimmt.
Friedrich Schulze Haus Nr. 39 Alle drei Flüsse, deren Bett die Gemarkung des Dorfes ein-
Friedrich Wichmann Haus Nr. 35 grenzt, sind verschiedensten Charakters. Während die Aller als
Friedrich Bösche Haus Nr. 104 bestimmender Fluß ihr ruhiges und klares Wasser zwischen
Heinz Ohst Haus Nr. 72 breiten Ufern nach Nordwesten hin der Weser zuführt, hat sich
Hermann Bohak Haus Nr. 72 das schnellere Harzwasser der Leine tief in die Ufer des Calen-
Paul Cohrs Haus Nr. 102 berger Landes eingegraben, bevor es zwischen dem Eickeloher
Auf dem Eickeloher Friedhof wurden bestattet: „breiten Riep" und dem „Eitz" in die Aller fließt. Die Leine war
5 amerikanische Flieger, bei Eickeloh abgeschossen, es, welche mit ihren letzten 3A Kilometern auf Eickeloher Ge-
1 belgischer Gefangener, biet der stattlicheren Aller zum Trotz die Geschichte machte.
1 polnischer Gefangener. Die Meiße aber, die mit den vielen Nebenbächen die ganze
Die Gebeine dieser Soldaten wurden bis auf die des letzteren Ostgrenze der Gemarkung einnimmt, behauptet ihren eigenen
an andere Ruhestätten überführt. Charakter bis zur Einmündung in die Aller. Ihr braunes Moor-
Als letztes besonderes Ereignis ist die dritte Beschädigung wasser höhlt die Ufer und zwingt ihrer Niederung das typische
des Eickeloher Kirchturmes durch Blitzschlag im Sommer 1948 Bild der Bruchlandschaft auf. Dort wächst die Birke zwischen
zu erwähnen. dem Porst auf den sumpfigen Bruchwiesen, deren Heu den Tie-

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ren nicht schmecken will, weil es hart und zu sauer ist. Dort tum- schwand der Wasserspiegel andererseits bei einsetzender Dürre
meln sich die sommerlichen Schwärme von Bremsen, blinden unter dem wuchernden Schilf). Und außerdem verlegten die
Fliegen und Stechmücken, die mit der Meiße eine unverbrüch- Zollsperren den Weg und führten immer wieder zu neuen Strei-
liche Gemeinschaft geschlossen haben, weil sie sich an den Ufern tigkeiten. So hatten die Herzöge Otto und Friedrich der Fromme
der Aller nicht wohl fühlen. von Lüneburg 1440 angefangen, die Schiffahrt der Stadt Han-
Wenden wir uns nun der ältesten Geschichte dieser Flüsse nover nach Bremen bei der Zollstelle Ahlden zu stören. Sie be-
zu, dann treffen wir in den Urkunden zuerst die Leine an, die herrschten die kurze Wasserstrecke, die von Grindau bis Ret-
bereits in vorchristlicher Zeit unserem Leinegau den Namen hem durch ihr Herzogtum floß. Nach dem Fehdebrief der mit
gab. Und wenn uns Marquard von Hodenberg in seiner Chro- dem Herzog Wilhelm d. Älteren von Braunschweig verbündeten
nik von 1618 erzählt, daß die Burg Blankenhagen an der Aller Hannoveraner vom „Dienstages vor Bartholomai" war „perOtto-
im 13. Jahrhundert verlassen worden sei, weil sie jedes Jahr nem et Friedericum fratres Duxas L, Civibus Hannoveranis In-
unter Wasser gestanden habe, dann war es immer die Leine, dracht geschehen tau Ahleten an der Scheepfahrt nah Bremen"
die bei anhaltenden Regengüssen oder während der Schnee- (s. B. Cop. Zate F. 156 Hann.). Dorf er wurden verwüstet u. geplün-
schmelze im Harz die Überschwemmungen brachte. Im Jahre dert, bis endlich nach 4 Jahren der Streit beendet werden konnte.
1342 stieg das Hochwasser derart an, daß Vieh und Hausgerät Im Jahre 1546 entstand ein Streit, weil das Wehr bei Both-
damit hinweggerissen wurden (Chronist Bünting). mer so verstopft war, daß kein Schiff mehr hindurch konnte
Ihre Tiefe und ihre Strömung gestatteten schon in frühesten (Hann. 19 a VII Nr. 1).
Zeiten eine Schiffahrt von Elze bei Hannover bis zur Weser. Obgleich diese Streitigkeiten die Gemeinde Eickeloh nicht
Elze war bis zum Jahre 851 Bischofssitz. Ein um Pfingsten 1933 unmittelbar berührt haben, so vermitteln sie uns doch einen Ein-
beim Ahldener Schloß gefundener eichener Einbaum weist auf blick in die damaligen Zustände hinsichtlich der Aller und Leine.
vorchristliche Herkunft. Im Altlüneburgischen Erbfolgekriege Am 16. 2. 1595 berichtet die Hannoversche Chronik über ein
(1369 — 1388) wurde dieser Wasserweg besonders heiß umstrit- 14tägiges Hochwasser, wie man es 30 Jahre zuvor nicht erlebt
ten. Den Herren von Mandelsloh, damals die mächtigsten An- hatte. Es war die Überschwemmung, die für Eickeloh eine völlig
lieger der Leine von Hannover bis hinunter in das Stift Verden, neue Lage eingeleitet hat. Sie war so gewaltig, daß sich die
gehörten fast alle Brücken, Fähren, Mühlen, Wehren und Strömung vom „Breiten Riep" her eine andere Richtung suchte.
Schleusen. Kein Preis war der Stadt Hannover zu hoch gewe- Als das Wasser fiel, hinterließ es mitten zwischen den Saat-
sen, um den freien Wasserweg nach Bremen zu erlangen, bis feldern von Eickeloh große Verheerungen. Kolke blieben zu-
den Stadtvätern am 1. 6. 1371 die Hilfe des sächsischen Herzogs rück, welche die Spuren der neuen Strömung auf den Hude-
zugesagt worden war. Die Anstrengungen, welche Hannover mühler See (Wiehtoch) zu deutlich verrieten. Alle Deicharbei-
machte, lassen jedenfalls auf einen verhältnismäßig starken ten, alles Einsetzen von Schlachtwehren und Buschwerken ge-
Schiffsverkehr schließen. In Ahlden befand sich seit dem 14. nügte nicht mehr, die Felder zu retten.
Jahrhundert eine Wasserstraßenzollstelle. Die Schiffe, lange Der Chronist Marquard v. Hodenberg schreibt darüber sehr
platte Kähne, die man „Eiche" nannte, trugen ca. 71 Tonnen eingehend (Seite 118 d. Chronik), daß die jahrelangen Bemü-
(Forsch, z. Gesch. Nieders. IV Heft 6. 1913). Selbstverständlich hungen der deichberechtigten Herren von Hodenberg, beim
waren die Leine und die ab Eickeloh nutzbare Aller durchweg Amte in Ahlden eine Unterstützung seitens der Regierung zu
nur einige Monate im Jahre befahrbar. Vereisung, Hochwasser
und Trockenheit legten den Verkehr oft über Nacht still. So *) Dr. F. Hamm, a. a. O.: „1342, 23. Juli höchstens bis heute bekanntes Hoch-
schnell wie das Hochwasser einerseits eintrat, so schnell ver- wasser aller niedersächs. Flüsse (bei Hameln rd. 68,40 m. üb. N. N.").

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finden, vergeblich gewesen seien. Entweder habe das Amt Infolge schwerer Frühjahrsgewitter im Februar und in der
ihnen das Deichrecht mißgönnt, oder es habe ihnen aus Feind- Osterwoche 1630 (12. — 20. 3.) wurde der Damm restlos durch-
seligkeit das Hochwasser auf den Hals schicken wollen. Wie ein brochen (s. auch Ahld. Chr.). Und seit dem Jahre 1648 hat die
noch vorhandener Briefwechsel bezeugt, ist in den Jahren um Leine ihr zwangsweise zugewiesenes Bett für immer verlassen,
1600 und dann im Jahre 1608 nachdrücklich beim Drosten Fried- um an der Stelle des künstlichen Deichwerkes endgültig in die
rich von Bothmer (gest. 1610) um Hilfe gebeten worden. Nach neue Aller von heute zu münden. Die tauben Wasser, die im
all den nutzlosen Schreibereien haben sich die Herren von Ho- alten Bett zurückgeblieben sind, nannte man seitdem fälsch-
denberg in diesem Jahre sogar beschwerdeführend an den Her- licherweise „alte Leine".
zog in Celle gewandt. 1608 muß die Gefahr des Allerdurch- Die neue Aller aber durchschneidet in drei großen Bögen die
bruchs also besonders groß gewesen sein. Die Mittel der Hude- Eickeloher und Hudemühler Felder. Sie wählte sich von Hude-
mühler Herren reichten jedenfalls nicht aus, das Unglück auf- mühlen ab das Meißebett gegen Hellberg, um sich unterhalb der
zuhalten; die Strömung ließ sich aus dem neu gefundenen Wege Schlenke mit ihrem alten Flußbett wieder zu vereinigen.
nicht mehr verdrängen. Der Chronist sagt, die alte Aller habe Groß schien zunächst für die Eickeloher Bauern der Schaden,
soviel Sandbänke und Werder gehabt, daß ihr Flußbett die weil die ganze kraftvolle Aller ihre Ländereien in zwei Teile
Wassermengen nicht mehr habe fassen können, wenn die Leine zerschnitt und zugleich die Gefahr der Verschlammung des
bei Tau- und Regenwetter plötzlich angestiegen sei. Es sei so Saatlandes erhöhte. Mit der Umgestaltung der Felder zu Wie-
flach gewesen, daß es vor Grethem und Ahlden bei trockenem sen und Weiden aber stieg der Wert der letzteren um so höher.
Sommer kaum Wasser genug gehabt habe, um dort eine Schiff- Ein Nachteil mußte dagegen bis heute in Kauf genommen wer-
fahrt zu ermöglichen. Die Mühle in Ahlden habe nicht mehr den. Der Zugang zu den jenseitigen Koppeln kann nur durch
arbeiten können, und der Aalfang sei dort immer schlechter ge- einen dauernden Fährbetrieb aufrecht erhalten werden.
worden. Dagegen habe sich der Graswuchs der Eickeloher und Das größte Hochwasser des 17. Jahrhunderts war im Winter
Hudemühler Wiesen und Weiden sogar verbessert. Die Ahl- 1649/50 zu verzeichnen. Lange anhaltende Regenfälle überflu-
dener Herren hätten den Hodenbergern eine Grube graben wol- teten im November 1649 die Ufer und steigerten die Über-
len und seien nun selbst hineingefallen. Da erst seien dem Lan- schwemmung in der Nacht vom 20. zum 21. November bis zum
desfürsten die nötigen Vorstellungen gemacht worden. Und mit Äußersten. Sie dauerte bis zum 1. 12. 1649 an. Dann trat Frost
Hilfe von Staatsmitteln und Geldern der Bremischen Schiffsher- ein, und am 25. Januar 1650 stand die ganze Allerniederung
ren sei 1618 im „Breiten Riep" ein künstlicher Damm errichtet unter schwerem Eisgang. Die Chronik bezeichnet das Hochwas-
worden, um das neue Allerbett von der Leine zu trennen und ser als „die berüchtigte Überschwemmung". Am 1. 2. 1655 flu-
das Leinewasser durch das alte Allerbett zu leiten. tete das Wasser wiederum bis in die Gärten des Dorfes, ebenso
Es ist klar, daß diesem Damm keine lange Lebensdauer be- am 1. 5. 1665.
schieden sein konnte. Denn das Bett der alten Aller, das nun Obgleich die Aller seit einem Jahrzehnt in ihren neuen Ufern
bis unterhalb der Ahldener Schlenke zur Leine gehörte, war strömte, brauchte sie noch geraume Zeit, um sich so tief einzu-
viel zu flachgründig, um ihr Hochwasser allein zu bewältigen. graben, daß ihr glatter Wasserspiegel besonders im Sommer
Hinzu traten seit 1625 die Wirrnisse des Dreißigjährigen Krie- durch keine Hindernisse mehr gestört wurde. Noch mehrere
ges, die jede ausreichende Instandhaltungsarbeit verhinderten. Jahre hindurch müssen sich grasbewachsene Sandbänke erhal-
Der ganze Kostenaufwand des Ahldener Amtes, den selbst ver- ten haben. Denn im Geldregister des Amtes Ahlden wurden bis
schuldeten Verlust ihrer Einnahmen durch dieses verspätete 1710 Grasgeldeinnahmen von den Werdern angeschrieben.
Eingreifen zu retten, blieb daher erfolglos. Werder und Zulandung (Böschung) aber gehörten ebenso wie

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alle Gewässer zum Hoheitsgebiet des Landesfürsten. Im Amts- Aber auch den übrigen Gewässern der Gemarkung gab das
lagerbuch von 1667 sind die nutzungsberechtigten Bauern be- 19. Jahrhundert ein anderes Gesicht. In der ersten Vermes-
sonders aufgeführt worden. (Kreuzwerder)*). sungskarte der Feldmark von 1817 finden wir noch die Bäche
Großen Schaden muß das Hochwasser im Frühjahr 1755 ver- in der Marsch und im Bruche, wie sie einst ihren Lauf selber
ursacht haben. Denn Pastor von Hofmeister nahm es zum Anlaß, bildeten. Mit der Neueinteilung der Ländereien in den Jahren
es als ein besonderes Ereignis in das Kirchenbuch einzutragen: 1820 bis 1822 wurden sie begradigt eingezeichnet und so in den
„Viel Regen, große Überschwemmung. In der Marsch kein Heu". Verkoppelungsplan eingebaut, im Westen der Marschgraben
Trotz der noch fehlenden Wasserstraßenanlagen war die und im Bruche der Feldgraben und der Speckgraben.
Schiffahrt nicht unbedeutend. Im Jahre 1765 zählte man 115 auf- Die Melioration des Meißegebietes, die im Jahre 1913 von
wärts- und 68 abwärtsfahrende befrachtete Mastschiffe und der Aller her stromauf ihren Anfang nahm, brachte eine her-
55 Flöße. vorragende Verbesserung der Eickeloher Feldmark. Während
1818 schrieb Pastor Stolberg in das Kirchenbuch: „Monat Mai Kriegsgefangene des 1. Weltkrieges diese Arbeiten ausführten,
große Überschwemmung in der Marsch, so daß alles Vieh auf wurden sie nach dem Kriege von den Arbeitslosen fortgesetzt
3 Wochen nach dem Bruche zur Weide hingetrieben werden und nach 1933 vom freiwilligen Arbeitsdienst vollendet.
mußte" (6. — 11. 5. 1818). Mag solcher Vermerk auch gering- Was die Allerwiesen und -weiden infolge der starken Was-
fügig erscheinen, so liegt doch für die damalige Gemeinde eine serentnahmen durch anliegende Städte und Werke nicht herzu-
tiefe Bedeutung darin. Denn nur eine besondere Not veranlaßte geben vermögen, das liefern nun die Bruchwiesen, über die
den Ortsgeistlichen zu solcher Eintragung. Immer wieder ge- Bodenverbesserungen zwischen Feldgraben und Speckgraben
fährdeten die späten Hochwasser ihren Lebensunterhalt. Die mag im folgenden Abschnitt berichtet werden.
frühzeitigen Überschwemmungen, die mit der Schneeschmelze Die Hochwasser, die bis zum ersten Weltkriege noch fast
eintraten, konnten dem Graswuchs dagegen nur nützlich sein, Jahr für Jahr die Allermarsch in ihrer ganzen Breite von Gret-
auch wenn sie wie in den Jahren 1838, 1855 und 1875 über das hem bis an die ersten Häuser von Eickeloh überflutet hatten,
alljährliche Maß hinausgingen. Der höchste Wasserstand wurde traten infolge der anwachsenden Wasserabzüge nur noch bei
Im April 1895 verzeichnet. Aus den daraus herrührenden Vej- außergewöhnlichen Witterungseinflüssen hervor. Eine solche
sandungen erwuchsen der Schiffahrt fortgesetzte Schäden. Man plötzliche Überschwemmung trat 1909 und im Sommer 1927 ein.
begann deshalb Ende des 19. Jahrhunderts mit dem laufenden Die größte Überschwemmung ereignete sich jedoch im Fe-
Ausbaggern der Aller**) und dem Einbau von Schlachtwehren bruar 1946. Sie begann am Sonnabendnachmittag, dem 9. 2.
zwischen Celle und Bremen, wobei manche Eickeloher Familien 1946. Zusammen mit einer plötzlichen Schneeschmelze wurde
eine neue Verdienstmöglichkeit fanden. 1898 wurde die „Celler in diesen Tagen im Harz eine Niederschlagsmenge festgestellt,
Schleppschiffahrts-Gesellschaft" gegründet. Von nun an sah wie man sie seit 1856 nicht mehr erlebt hatte.
man fast täglich Raddampfer zwischen den Allerufern, die Daß die Straße von Schwarmstedt nach Ahlden überflutet sei,
den Namen „Oker", „Aller" oder „Niedersachsen" trugen; und war eine der ersten Gefahrmeldungen. Eine hannoversche Ta-
weithin tönte das Nebelhorn, um den Fährmann zum Hinunter- geszeitung bezeichnete es als das schwerste Hochwasserunglück
lassen des Fährseiles aufzurufen. seit Menschengedenken. In der Nacht vom 9. bis 10. 2. stieg
*) Dr. F. Hamm, a. a. O.: „1727: — 15 regenlose Wochen im Sommer erzeugen
das Wasser um 5 Meter an. Am 10. 2. 46 fiel es um 1 Meter. Das
solchen Tiefstand der Aller, daß sie überall durchfahren werden kann. Kein Gerücht, daß das Hochwasser auf einen Dammbruch der Söse-
Viehfutter." talsperre zurückzuführen gewesen sei, trifft nicht zu.
**) Dr. F. Hamm, a. a. O.: „1860 — 1863: Die Regulierung der Aller beginnt".

122 123
Rodungen und Flurnamen glauben, daß die Suche nach Waldweide, Jagd oder Fischfang
(Siehe Seiten 250, 256, 272) allein der Grund gewesen ist, die „Insel" als Wohnplatz zu be-
ziehen. Um so viele Jahre, als notwendig waren, es der Not ge-
horchend zu tun, liegt der Gründungszeitpunkt dieser Ansied-
lung eben später als bei den anderen alten Kernsiedlungen. Daß
die Insel aber erst zu karolingischer Zeit mit Pflug und Spaten
Die Rodungsgeschichte und die mit ihr eng verbundene Entste- in Besitz genommen sein könnte, dagegen sprechen die in der
hung der Flurnamen ist eines der bedeutendsten Kapitel in der Vorgeschichte angestellten Erwägungen. Bis zu jenem Zeit-
Entwicklungsgeschichte des Dorfes Eickeloh. Sie gibt uns einen punkt, an dem alsdann die erste Rodungsaxt angesetzt wurde,
wichtigen Anhaltspunkt bei der Ermittlung des Alters der Ort- werden manche Jahrhunderte vorübergegangen sein. Wir ha-
schaft, des Umfanges der Viehhaltung und damit der Anzahl ben den Zeitraum von der ersten Besiedlung bis zum Beginn
der Einwohner. Denn erst als die freiwilligen Gaben der Natur der ersten Rodung zwischen dem 5. Jahrhundert und der großen
für die Viehherden nicht mehr ausreichten, griff man zu Pflug Geschichtswende angenommen, die durch die Einführung des
und Spaten, um sich das Futter über den dornenvollen Weg der Christentums eintrat*). Genauer wird die Zeit wohl kaum be-
Ackerbestellung zu verschaffen. stimmt werden können.
Die Untersuchungen, die Rektor Fr. Barenscheer in seiner Ar- Daß seit dem Zeitpunkte der ersten Ackerbestellung noch-
beit: „Siedlungskundliches aus der südl. Lüneb. Heide (1939)", mals Jahrhunderte vergangen sind, bevor unsere Vorfahren
angestellt hat, gehen darauf hinaus, den menschlichen Siedlungs- sich endgültig zu Ackerbauern auf Meierhöfen umschulen lie-
willen unter Berücksichtigung der damals vorhanden gewesenen ßen, ist jedenfalls sicher. Dieser Zeitraum von ca. 900 bis ca.
natürlichen Verhältnisse zu ergründen. 1300 soll als erste Rodungsperiode bezeichnet und untersucht
Mögen die gleichen Gedanken auch für die Siedlung auf der werden.
Dorfstelle bei Eickeloh anzuwenden sein, so dürfen hier die in Die Weide in dem Eichenwalde und die Grasflächen zwischen
der Vorgeschichte bereits besprochenen Gründe zur Besiedlung dem dichten Buschwerk der ganzen Allerniederung boten der
der „Sumpfinsel" doch nicht außer Acht gelassen werden. Rinderherde keine genügende Nahrung mehr. Man griff man-
Danach ist es klar, daß die Ersten des Dorfes nicht mit Axt und gels brauchbaren Rodungsgerätes zunächst zu der leichtesten
Pflug angekommen sind. Denn bevor der große Klimawechsel Arbeit, rodete das Weidengebüsch in der Marsch und stellte
um die Mitte des letzten Jahrtausends v. Chr.*) eintrat, war sie Saatlandflächen her. Die Vorfahren wohnten noch auf der Dorf-
für jegliche Nutzung ungeeignet. Erst mit der langsamen Ent- stelle. Denn vor der Schaffung ausreichender Ackerflächen
wicklung der Waldweide in dem rauheren Klima der folgenden hätte der Eichenwald, in dem heute das Dorf steht, nicht ent-
Jahrhunderte konnte sie begehrenswert werden und den Vieh- behrt werden können. Auf der Karte der topogr. Landesauf-
herden der südlichen Chauken einen zunächst noch dürftigen nahme von 1779 sind diese Felder noch deutlich zu erkennen.
Weideplatz gewähren. So entstanden weite Flächen Kulturlandes, die sich vom
Die bereits beschriebene Lage der Dorfstelle mit ihrem um „Wiehe" bis an die Hademstorfer Grenze und vom westlichen
die Zeitwende spärlichen Wachstum gestattet es daher nicht zu Dorfrande bis an die alte Leine vor Grethem ausdehnten. Im
Amtslagerbuch von 1667 finden wir noch manche Angaben dar-
Dr. F. Hamm, a. a. O.: „500 v. Chr. im nördl. Niedersadisen wird der Wei-
zenanbau infolge Klimaverschlechterung allgemein durch Roggenanbau ab- Dr. F. Hamm, a. a. O.: „Um 800 n. Chr. stark zunehmende Waldrodung".
gelöst" „Dreifelderwirtschaft: Wintergetreide, Sommergetreide, Brache".

124 125
über. „Auff dieser Seit der Aller Gersten und Haberland" und Die verlassene Dorfstelle konnte nur einen schlechten Acker-
„Gersten und Haberland in der ander Marsch". Auch der Flur- boden abgeben. Noch heute treten die Dünenbildungen von der
name „Eitz" ist eine Bezeichnung für Saatland. Und jenseits der Dorfgrenze bis nach Hudemühlen hin als hügeliges Sandboden-
heutigen Aller von der Fähre bis an die Hudemühler Grenze gelände deutlich hervor, obgleich das Land auf der Dorfstelle
erstreckte sich „die Sprakenhorst Riethe". Es w a r e n Acker- sicher schon im 13. oder 14. Jahrhundert planiert und zu Acker-
flächen, die in ihrem Ausmaße den heutigen Feldern in der land hergerichtet worden ist. Ebenso sieht es auf der Seite nach
Geest entsprechen. Aber ein gutes Ackerland konnte es niemals Hademstorf aus. Bevor diese Rodungen allerdings in Angriff
werden, weil es unter den Überschwemmungen immer stärker genommen wurden, fielen erst die Bäume im heutigen Kohlgar-
zu leiden hatte. Diese Hochwasserfluten brachten alljährlich ten und Bahnhofsgelände. W e n n wir die Umsiedlung in der
neue Verschlammungen und führten so erhebliche Treibsand- Zeit um 1150 vermuten dürfen, dann fällt auch in die nächsten
dünen mit sich, daß sogar die ganze Siedlung auf der Dorfstelle Jahrzehnte mit Sicherheit die Rodung im „Kohlgarten". So ist
davon verdrängt wurde. Höchstwahrscheinlich geschah das um es natürlich, daß im Kohlgarten, der damals noch bis zum
die Mitte des 12. J a h r h u n d e r t s (siehe Ausführungen über die „Riekskamp" und „Hinter den Scheunen" reichte, das erste und
vorgeschichtliche Zeit). Und mit dieser Versandung trat zwangs- auch das beste Ackerland auf dem humusreichen Boden des
läufig die Fortsetzung der Rodungen auf der Waldseite des Dor- einstmaligen feuchten Eichenwaldes entstand. Und mit diesen
fes ein. Die Umsiedlung in den bis dahin als unantastbares Hei- Rodungen bis Ende des 13. J a h r h u n d e r t s dürfte die erste Ro-
ligtum verschonten Eichenwald machte einen Ersatz dieser kost- dungsperiode ihren Abschluß gefunden haben.
baren Waldweide erforderlich. Mit der Bildung der Meierhöfe um 1300 hat dann der Ro-
W e n n auch der große Rindviehbestand zwischen dem Wei- dungswille neuen Auftrieb erhalten. Denn die Meierhöfe muß-
dengebüsch an der Allermarsch einen Teil seiner Nahrung gefun- ten nun den Meierzins herbeischaffen, und die landlosen Katen-
den hatte, so war doch der feuchte Eichenwald die wichtigste besitzer fingen von vorne an, zu kultivieren. Es beginnt ein
Nahrungsquelle für die Rinder und besonders für den ebenso neuer Abschnitt, den wir als „zweite Rodungsperiode" bezeich-
reichen Pferdebestand gewesen. Es wird unmöglich sein, nach- nen wollen.
zuweisen, ob schon die ersten Siedler Pferde in solcher Menge Um sich aber ein Bild von dem Umfange der erforderlichen
mitgebracht haben, wie sie in den späteren Viehschatzregistern Nahrungs- und Futtermittel machen zu können, sei nochmals
ausgewiesen werden. Wahrscheinlich ist der Pferdereichtum auf die Zahl der Einwohner und ihrer Viehbestände hingewie-
erst auf die hier lebenden Wildpferde*) zurückzuführen. Gewiß sen, deren Ermittlung bereits in der Behandlung der Vor-
ist es jedoch, daß die Vorfahren alsdann nicht mehr von der geschichte versucht wurde. W i r waren zu dem Ergebnis gekom-
Pferdehaltung abgewichen sind. Sie w u r d e ihr Lebenselement. men, daß um das J a h r 1237 etwa 20 Hufen vorhanden gewesen
Dafür mußte Nahrung und vor allen Dingen Wintervorrat er- sein müßten, auf denen vielleicht 200 Personen gelebt haben.
zeugt werden, nachdem die „Mehnde" im 12. Jahrhundert der Ein Lathufenbauer besaß etwa 30 Morgen, d. h. eine Fläche, die
Anlage von Wohnstätten und Hofräumen zum Opfer gefallen er in 30 Vormittagen bearbeiten konnte, als ausreichende
war, d. h. mit der Entstehung des heutigen Dorfes Eickeloh. Ackernahrung. Mengenmäßig wurde schon so viel erzeugt, daß
der Ertrag zusammen mit demjenigen von Grethem genügte,
um bei der Burg Blankenhagen die Anlage einer Kornquetsch-
*) Dr. F. Hamm, a. a. O.: „1160 erste Erwähnung wildlebender Pferde i. d.
Senne";
mühle ins Leben zu rufen (Buchten gehörte zur Mühle in Ahl-
„1371: Der Westf. Landfrieden stellt Raub von wildlebenden Pferden unter den, Güten nach der Bothmer Mühle und Hademstorf nach der
Strafe" Ulenburg).

126 127
Solange nur Allermarschrodungen durchgeführt worden sind, waren. Waldhüter waren die Vorfahren nie gewesen*), soweit
wird das Dorf auch nur die Blockflur gekannt haben. Denn die es sich nicht um ihre heilige Eichenwald-Mehnde gehandelt
gleichmäßige Beschaffenheit des Marschbodens machte eine hatte. Nur ihrer ausgesprochenen Waldfeindlichkeit war es zu-
Aufteilung der Felder nach Bodengüte nicht erforderlich. Der zuschreiben, daß die Waldgerechtsamen sehr bald einem stren-
Übergang zur Gewanneinteilung setzte erst dem Beginn der gen Holzgericht unterworfen werden mußten. Selbst das freie
Waldrodungen auf der Ostseite des Dorfes ein. Da erst trat die Schlagen von Büschen in der Marsch unterlag dem Verbot. Wie
Notwendigkeit einer gerechten Aufteilung der Böden nach den wenig ihnen die Erhaltung des Gemeindeforstes galt, meldet
verschiedenen Bodenarten im Kohlgarten und auf der Dorfstelle uns die „Ahldische Chronika": „Die Holtzung gebricht einiger-
hervor. Hierzu werden auch damals schon die „Holzgärten" maßen daselbst, indem ein großes Holtz so zwischen Hudemüh-
südlich vom Dorfe gehört haben. Sie sind zum ersten Male in len und Eickeloh gelegen, dermaßen ausgehauen, daß auch kein
der Kirchenrechnung von 1622 erwähnt, wo ein Zins des Kü- Stock mehr daran zu sehen". Das war in der Zeit des Dreißig-
sters für einen dieser Gärten notiert wurde. 1665 ist das gleiche jährigen Krieges, als die Holzgrewen sich nicht mehr durchset-
Land ausdrücklich als „Holtzgarten" (Garten bedeutet „ein- zen konnten. Da war selbst der letzte Rest des Nadelwaldes
gezäuntes Land") bezeichnet worden. einfach verfeuert worden.
Der Weizen, den die Germanen einst auch auf dem linken Man hatte immer gleich Ackerland daraus zu machen ver-
Allerufer angebaut haben werden, konnte natürlich im Eicke- sucht. In die Karte der topogr. Landesaufnahme von 1779 finden
loher Felde nicht gedeihen. Nichts weist auf einen Anbau dieser wir nur noch Äcker eingezeichnet. Wie wenig geeignet der Bo-
Getreideart hin. Dagegen ist die Einsaat von Roggen und Hafer den aber war, erweist sich aus der späteren Entwicklung. Man
urkundlich bereits im 15. Jahrhundert vorherrschend. Früher pflanzte wieder Fuhren an und setzte die Rodungen in der heu-
wurde Gerste geerntet. In den Allermarschfeldern war sie tigen Feldmark fort (s. Skizze 9).
offenbar die Hauptfrucht. Die Bezeichnungen für das dortige Das Land auf dem „Sudfelde" zwischen Hademstorf und
Saatland bestätigen es jedenfalls, obgleich die Gerste in den Eickeloh ist ebenso wie das auf der „Lehmbank" ein Rest der
Hodenberger Abgaberegistern von 1429 und 1486 fehlt. Ent- Nadelwaldrodungen aus dem 14. bis 17. Jahrhundert. Die Ro-
weder war der Gerstenanbau in der Allermarsch 1429 bis auf dungen „hinter dem Kohlgarten", „auf dem Rieskamp", „dem
ein unbedeutendes Maß zurückgegangen, oder die Wiesenheu- schwarzen Kamp" und „dem Heemskamp" werden den ersten
winnung hatte ihn bis auf geringfügige Flächen verdrängt. spärlichen Aufforstungen im Norden und Süden des Dorfes als
Marquard von Hodenberg weiß 1608 in seiner Chronik zu Ersatz (Blockflur) gefolgt sein. Die Gewannflureinteilung in
berichten, daß das Saatland, welches sich bei dem Burgwall Ackerstreifen (früher Breden) tritt alsdann aber in Erscheinung
in der Burgkoppel befunden habe, „itzo zu Heulande ge- und zeigt uns, daß die Rodungen unter einer ganz bestimmten
braucht wird". Aufsicht und im Rahmen der Allmende durchgeführt worden
Die Ernte von Wiesenheu geht neben dem Laubheu als Win- sind. Jede Neulandgewinnung unterlag der besonderen Abgabe
ternahrung in die älteste Zeit zurück. In der Eickeloher Gemar- des „Rodzehnten", der seit 1478 den Herren von Hodenberg
kung blieben es die Wiesen am Ufer der damaligen Aller gehörte (vorher dem Amte Ahlden).
(heute: Alte Leine), während die übrigen Flächen der Pflug-
schar zum Opfer fielen.
Dr. F. Hamm, a. a. O.: „14. — 17. Jahrhundert rücksichtsloser Raubbau am
Auf der Ostseite des Dorfes galt es natürlich zunächst, die Walde des nördl. Niedersachsens erweitert Heidetlächen besonders stark.
Stubben des Nadelwaldes zu roden, die nach dem Holzver- Plaggenhieb, Schnuckentrieb u. Abbrennen erhalten sie und verhindern
brauch in den vergangenen Jahrhunderten sowieso verfault vielerorts den Wiederanflug des Waldes".

128 Bg. 9 Eickeloh 129


Mit der gemeinsamen Neulandgewinnung ergaben sich die und 1564: 108 Pferde 105 Schweine
Flurnamen v o n selbst. Die Bezeichnung „Kamp" deutet stets auf 344 Rinder 302 Schafe.
eine jüngere Rodung im Einzelbesitz. Man k a n n daher ver- Der auffallende Rückgang des wichtigsten Nutzviehbestandes,
muten, daß der Riekskamp Rodland des Friedrich Rypke war, nämlich der Rinder, in den wenigen J a h r e n um die Mitte des
der 1628 als Erbe der Kötnerstelle (Haus Nr. 28) in den Urkun- 16. J a h r h u n d e r t s muß einen besonderen Grund gehabt haben,
den erscheint, wie der „Heemskamp" neben dem W a r t e n b e r g e der nur in der Nahrungsbeschaffung gefunden werden kann.
eine Rodung des Hofes Nr. 6 gewesen ist. Dieser und der Denn politische Ursachen können das in jenen 3 Jahrzehnten
„schwarze Kamp" w e r d e n einige Jahrzehnte später urbar ge- nicht verschuldet haben. Wahrscheinlich w a r es der Übergang
macht worden sein. Anders verhält es sich mit dem „Torenhop". zu den Nadelwaldrodungen. Das Allermarschsaatland hatte
Es ist die Kulturlandfläche am Drillberge, dessen Name auf sich von J a h r zu J a h r verschlechtert, und die Nadelwaldrodun-
eine windige Ecke schließen läßt, der aber dem Acker selbst gen lieferten keinen gleichwertigen Ersatz. Im Dorfe selbst aber
einen Schutz (Toren oder Turm = Schutz) gewährt. Denn das fehlte die gute alte Eichenwaldweide. Daß die Nadelwaldro-
Grundwort „hop" bezeichnet einen „geschützten Ort". Das dungen in erhöhtem Maße in der Zeit von 1533 bis 1564 durch-
„Neue Land" ist erst im 18. Jahrhundert hinzugekommen. Man geführt sein müssen, bezeugt außerdem der Rückgang der Bie-
darf mit Sicherheit annehmen, daß es die 44 Stücke „zu- nenzucht. Denn in den Lichtungen der Fuhren standen die Bie-
gemachtes Rottlandt" sind, die in einer Einzelaufstellung am nenzäune, in denen der Zucker geerntet wurde, den der Zucker-
7. 10. 1743 dem Amte in Ahlden gemeldet wurden. Auf der rübenanbau in damaliger Zeit noch nicht lieferte. Die Immen-
Karte der topogr. Landesaufnahme von 1779 ist es als solches stände mußten dort den letzten Rodungen Platz machen. W ä h -
bereits eingezeichnet, w ä h r e n d es vor 1700 noch nicht erwähnt rend im Register von 1533 109 Bienenvölker ausgewiesen wur-
wurde. Der Name „Breek" darf nur als eine spätere genauere den, finden wir im Register von 1564 nur noch 35 Körbe.
Bezeichnung eines Teiles vom „Neuen Lande" angesehen wer- Dieser Zustand hat offenbar auch in den folgenden Jahrhun-
den. derten nicht geändert werden können, weil der lähmende Drei-
Damit aber hatten die Rodungen den W e g erreicht, der einst- ßigjährige Krieg dazwischen lag. Daher zeigen uns selbst die
mals als Stader Landstraße durch die Eickeloher Gemarkung Kataster von 1747 immer noch die gleichen Zahlen von 1564 an:
führte. 107 Pferde 150 Schweine
Bevor n u n die letzte Rodungsperiode zu beschreiben ist, die 343 Rinder 31 Immenvölker
mit den ersten Ansätzen der Verkoppelungsgesetzgebung be- aber 650 Schafe.
ginnt, soll ein Rückblick noch einmal deutlich machen, wie die In den Schafherden hatte man also einstweilen die Zuflucht
Rodungen mit der Viehhaltung stets zwangsläufig gleichen gesucht, weil die Heidschnucke anspruchslos war und sich ihre
Schritt halten mußten. Aus dem Umfang der Viehhaltung läßt Nahrung auf der Heide suchte, die den nutzlos gerodeten Wald-
sich eindeutig erkennen, wie notwendig es war, die erforder- boden überwucherte.
liche Ackernahrung über den W e g der Rodungen herbeizuschaf- Auch in den Urkunden von 1756 und 1760 sind die Zahlen
fen, wenn nicht ein Rückgang des Viehbestandes die Ernährung über den Bestand an Pferden und Rindern erhalten geblieben.
der Gemeinde in Frage stellen sollte. Obgleich sie nur den Zweck hatten, den Rückgang in diesen Be-
Nach dem Viehschatzregister von 1533 hatte Eickeloh: ständen als Folge des Siebenjährigen Krieges zu ermitteln, mö-
gen sie hier ebenfalls zum Vergleich eingefügt sein:
119 Pferde 62 Schweine 1756: 118 Pferde 1760: 71 Pferde
422 Rinder 309 Schafe 356 Rinder 243 Rinder.

130 131
Eine Übersicht über die Flurnamen, denen wir zum ersten Bei dem Ronnenberge
Male im Amtslagerbuch von 1667 begegnen, und die in der Ver- Hinter Otten Immenstelle
messungskarte von 1817 zu finden sind, macht uns die Reihen- Am Brügg-Wege
folge der Rodungen in der Eickeloher Feldmark allein schon Das Reer
einigermaßen deutlich. Hinterm Dorfe
Während die Flurkarte von 1817 noch die zahllosen etwa Vor dem breiten Riep
8 Meter breiten Landstreifen aufzeigt, die man „Breeden" oder, Zwischen dem Holze
wenn sie eingezäunt waren, „Garden" nannte, läßt die gleiche Vor dem Holze
Karte mit den Einzeichnungen von 1820 bis 1822 die unendlich Die langen Äcker
mühevolle Verkoppelungsarbeit erkennen. Denn jeder Acker- Der Kiebitzberg
streifen gehörte einem anderen Hofe zu. Über der Kreuzriethe
Viele Flurnamen waren 1817 schon nicht mehr bekannt. Ja, Der Haidräer od. Haid-Röer
selbst die von 1817 sind heute zum Teil in Vergessenheit ge- Die Reihbunte od. die Rubünte
raten. Es soll versucht werden, sie hier in der Reihenfolge des Im Drawern
Alters ihrer Nutzung wiederzugeben. Eine Gewähr für die Rich- Die Äcker jenseits der neuen Aller: (1. Rodungsperiode bis
tigkeit dieser Reihenfolge ist natürlich im einzelnen unmöglich. um 1300)
Die alten Laubwaldweiden: Bei der Ahlen
Die Mehnde (Gemeindeeichenwald. Heutiger Dorf- Die Sprakenhorst Riethe (Spratenhorst)
platz mit Kohlgarten) Auf dem Eitz oder Etz
Die Ahlden (Buchenwald an der alten Leine bei Vor dem Hoeps
der Hudemühler Grenze) Die Äcker am Dorfe: (1. Rodungsperiode bis um 1300)
Auf dem Baderlohe od. Badenschiet Der Kohlgarten
Die alten Grasweiden an der alten Leine: Das Holz oder der Holzgarten
Die Ohemarsch od. in der Ohe Die Ländereien in der Geest: (2. Rodungsperiode von ca.
Die breiten Wiesen 1300 — ca. 1500)
Die Schaperwisch Die Dorfstelle
Die Kreuzwiesen Das Sudfeld
Das breite Riep Hinter dem Kohlgarten
Die Grasweiden diesseits der neuen Aller: Hinter den Scheuren
Auf dem Wehre Die Lehmkuhle und die Lehmbank
Das Kreuzwerder (Allerinsel) (2. Rodungsperiode von ca. 1500 — ca. 1700)
Die Bullen-Meente Küsters Grund
Otten Immenstelle Bei der Schorfkuhle
Lohmanns Wisch Riekskamp
Die Äcker diesseits der neuen Aller: (1. Rodungsperiode bis Auf dem Torenhop od. Tahen Hoop
um 1300) Bei Behrensberge
Auf dem Rohrgard Bei Eilers Berge
In der Ander Marsch Im Haßdale

132 133
Mußmannsloch die Kartoff elfrucht gewesen, die in Eickeloh den Ausschlag für die
Im neuen Moor (Sudfeld) Fortsetzung der Rodungen im Moor und damit für den Beginn
Auf dem Morenlande (Sudfeld) der letzten Rodungsperiode gegeben hat.
Bei den Windflögen 1756 wurden insgesamt 868 hann. Morgen Ackerland und
(2. Rodungsperiode von ca. 1700 — ca. 1800) infolge des Krieges 1760 nur noch 356 hann. Morgen Ackerland
Heemskamp bestellt.
Der schwarze Kamp Nach der Flurkarte von 1817 w a r e n nur der Gemeindeforst
Auf der Breek und die Hügel mit ihren Hängen aufgeforstet. Hiernach müssen
Hinter dem W a r t e n b e r g e die Waldbestände, wie es scheint, immer noch sehr dürftig ge-
Krügers Kamp wesen sein.
Das neue Land Die gesamten Flächen ostwärts der alten Poststraße hatte
Der W e i n b e r g man nach 1779 zu Ackerland gemacht. Man suchte dieses weite
Hinter dem Heemskamp Feld wahrscheinlich für die neue Frucht nutzbar zu gestalten.
(3. Rodungsperiode seit ca. 1800) Die letzten Wiederaufforstungen v o n der Hudemühler Grenze
Die Hölle bis zum W a r t e n b e r g e scheinen jedoch deren Unrentabüität
Die Voßlöcher oder den dringlicheren Holzbedarf zu bezeugen. Denn erst im
Der Haazkamp Privateigentum nach der Verkuppelung konnte der Bauer sei-
Das Hirtenland nen Grund und Boden planmäßig bewirtschaften.
Im Moore und vor dem neuen Bruchgraben Im J a h r e 1817 befanden sich etwa 2 800 hann. Morgen Grund
Im Bruche und Boden ohne Wald in privater Bewirtschaftung, während
Namen besonderer Flächen unter den Wiesen an der Meiße: sich durch die Verkoppelung (29. 4. 1845) folgendes Bild ergab:
Büchtmanns Moorwiese (Hudemühler Grenze) Morgen Ruthen
Das Kreuzbruch Garten- und Geest-Ackerland
Der Kip (ohne Hofraum) 934 62,4
Ahrens Duvenflagge Bruchwiesen 557 23
Die Viehlope Marsch-Ackerland 527 14
Mußmanns tiefes Bleek Marschwiesen 769 28
Die Bülte Bruchboden 1 184 60
Der düstere Streng Heidland 859 32
Lüningsort (Hademstorfer Grenze)
(siehe auch Nachträge Seite 229) 5 066 105,4
Die eigentliche Rettung brachte die neue Kartoffelfrucht, die Davon gehörten der Gemeinde 123 hann. Morgen 18,2 Quadrat-
1760 eingeführt, zwar erst eine langsame Verbreitung erfuhr, ruthen.
dann aber nicht nur für das Vieh, sondern auch für den Men- In den gleichen J a h r e n verschwanden auch die gesamten
schen neben dem Brotgetreide und dem Buchweizen die Haupt- Saatfelder in der Allermarsch, weil die Hochwasserfluten die
n a h r u n g geworden ist. Ihr genügte der Sand- und Moorboden Einsaat allzu oft hinwegspülten, zum mindesten aber den Ertrag
in Eickeloh, so daß sie nach der endlichen bäuerlich-schwerfälli- immer wieder in Frage stellten. Stattdessen wuchs jenseits der
gen Anerkennung das Feld beherrschte. Vielleicht ist es gerade Aller ein anderes schönes Bild hervor. An den großen statt-

134 135
liehen Koppeln, die das duftende Marschheu und das saftige 9. Die Bauernhöfe und ihre Besitzer
Nachgras liefern, ziehen sich seitdem die riesigen Hecken ent- (Siehe Seiten 273, 274, 275, 276, 277, 278, 279, 280)
lang, die wieder an die uralten Einfriedungen der ersten Höfe
erinnern.
Die zuletzt gerodeten Flächen zwischen dem neuen Lande
und dem Feldgraben lieferten bis Ende des 19. Jahrhunderts
wegen ihres allzu feuchten Untergrundes nur äußerst unsichere Nach dem Viehschatzregister vom 23. 8. 1533 hatte das Dorf
Erträge. Trotzdem brachen bereits vor dem Ersten Weltkriege Eickeloh 32 Hofstellen mit Viehhaltung. Außer einem geringen
Motorpflugeisen den Boden auf der Bruchseite des Feldgrabens Besitzer mit 3 Rindern und einem mit 1 Pferde, 2 Rindern und
um. Und die harte Arbeit dieser neuesten Rodungen hat sich 3 Schafen dürften sich die übrigen Besitzer der Größe ihres
gelohnt. Seit der Melioration des Meißegebietes (Beginn 1913) Viehbestandes entsprechend auf 13 Meierhöfe und 17 Kötner-
verbesserte sich das Land. Am ganzen Ufer jenseits des Feld- stellen verteilt haben.
grabens entlang bis fast hinüber zum Speckgraben grünen heute Daß das Gutsregister Marquard's von Hodenberg vom 27. 6.
die Getreidefelder und Kartoffeläcker, die noch vor einem hal- 1536 nur 6 Meierhöfe und 9 Katen enthält, ist auf die bereits
ben Jahrhundert schlechte Bruchweiden waren. erwähnte Teilung der Güter unter Dietrich und Marquard von
Die Gesamtfläche der Gemarkung Eickeloh betrug im Jahre Hodenberg um 1514 zurückzuführen.
1938: 1315,36 ha. Und daß der Anteil des Kulturlandes an die- Das Register des Amtes Celle aus der Zeit um 1550 (Staats-
ser Fläche bis auf den heutigen Tag immer noch zunimmt, ist arch. Hann.: Celle Br. Arch. Des. 61 IL 38 Nr. 12 vol. IX) teilt
eine erfreuliche Tatsache, die nicht zuletzt dem uralten Ro- mit, daß „Eichelt" im Amte Ahlden: „6 Houeners, 7 halwe Houe-
dungswillen des Eickeloher Bauern zu verdanken ist. ner und 17 Kother" gehabt hat.
Die Viehzählung vom 3. 12. 1954 hatte folgendes Ergebnis: Und im Viehschatzregister von 1564 finden wir wiederum
80 Pferde, 436 Rinder, 681 Schweine und 5 Schafe. Für das Schaf 30 Besitzer, die an Hand ihrer Viehbestände und der Höhe
fehlt das Ödland. Dagegen hebt sich die notwendige Mastfüt- ihrer Abgaben ohne Schwierigkeit ebenfalls als 13 Meier und
terung im Schweinebestand neben der Landwirtschaft deutlich 17 Kötner zu erkennen sind.
ab. Die nächste genaue Auskunft über die Anzahl der Hofstellen
erteilt uns dann das Huldigungs-Verzeichnis vom 9. 12. 1649
mit einer Unterteilung von 5 Vollmeiern, 8 Halbmeiern, 16 Köt-
nern und 2 Brinksitzern. Der darin fehlende Kötner ist Besitzer
der fürstl. Poststelle. Eine neue sorgfältig abgefaßte Größen-
ordnung bringt uns endlich das Amtslagerbuch vom 20. 9. 1667.
Darin werden mit allen Pflichten und Lasten sehr genau be-
schrieben:
„10 volle Hoffe,
3 halbe Hoffe,
18 Kohtsaßen, von denen jedoch der letzte nicht be-
baut ist,
2 Brinksitzer und
2 Heußlinge".

136 137
Eine genauere Wiedergabe finden wir erst wieder im Dienst- husvrouwen mit . . . deme dryddendele der houer te
und Kornregister des Amtes Ahlden von 1699/1700 mit 13 Mei- Ecklo dar bramberhop vppe wonet mit dem dryddendele
ern, 17 Kötnern und 8 Brinksitzern und im Geldregister von an Eynen Koten te Ecklo dare vppe wonet Schulte . . . "
1739/40 mit 13 Meiern, 18 Kötnern und 7 Brinksitzern. (Mind. Lehnreg. II Nr. 187).
Das überaus wertvolle Contributions-Kataster des Amtes Nach den Erläuterungen in Abschnitt 3 kann es sich hier nur
Ahlden von 1747 enthält 10 Vollhöfe, 3 Halbhöfe, 18 Kötner- um eine Belehnung mit dem Frucht- und Fleischzehnten gehan-
stellen und 7 Brinksitzerstellen. delt haben. Denn das Dorf gehörte 1385 bereits ohne den Pfarr-
Die Zustandsvergleichsliste vom 1. 12. 1760 enthält 10 Voll- hof ganz den Herren von Hodenberg.
meier, 3 Halbmeier, 18 Kötner, 5 Brinksitzer und 2 Neuanbauer; 26. 5. 1429. Thomas von Hodenberg verpfändet seinen Ein-
und das Feuerstellenverzeichnis vom 25. 11. 1813 hat 10 Voll- drittelanteil an den Zinsgefällen in Eickeloh:
meier, 3 Zweidrittelmeier, 18 Kötner, 7 Brinksitzer und 1 An- „hoff henneke hoyers
bauer. hoff de olde hoyer
Bis auf den Anbauer nehmen die gleichen Besitzer an dem hoff de wert
Ablösungsvertrage vom 5. 11. 1842 mit den Herren von Both- hoff hermen meygeringe
mer bezügl. des Fleisch- und Fruchtzehnten teil. Unter diesen kote Euert
Beteiligten erscheint der Landrat von Hodenberg zum ersten kote henneke dreyers
Male als Eigentümer des Vollhofes Nr. 5 und des Dreiviertel- brakelmans kote
hofes Nr. 12. Der landtagsfähige Hof in Eickeloh hängt da- Cord Wicherdinges kote
gegen mit der alten Burg Blankenhagen zusammen*). Henneken Otten kote" (Hod. Urkb. Nr. 187).
Wie beständig die Zahl der urkundlich nachweisbaren Hof- 1486. Gutsregister der Gebrüder Ortgies und Rolef von Ho-
stellen seit ca. 1500 geblieben ist, wird schließlich durch die denberg, seligen Marquards von Hodenberg Söhne. Das Re-
Verkuppelung im Jahre 1845 bestätigt. Der aufzuteilende gister umfaßt nur 4 Höfe und 5 Katen. Es ist daher unvollstän-
Grund und Boden von Eickeloh wurde nach folgendem Schlüs- dig. Denn die Gebrüder Ortgies und Rolef waren Gesamteigen-
sel zerlegt: tümer. Es wird der frühere Eindrittelanteil von Bodo (I.) oder
Die Pfarre 4/96 Thomas (I.) gewesen sein.
die Küsterei 2/96 Meierhöfe: hermen meynen
die 10 Vollmeier 40/96 hennges hof
die 32/3-Meier 9/96 kruceberges hoff
die 18 Kötner 36/96 hinrick Bocghopes hoff
die 5 Brinksitzer 5/96 Kötner: hermen hopmanns kathe
96/96 kathe bz der beren
kathe by der beren
Die ersten in den Urkunden mit Namen genannten Höfe bzw.
henneken scraders kate
Hofbesitzer sind folgende:
lomans kate (Hod. Urkb. Nr. 239).
1385. „ . . . bode van alden vern Koneken sine Echten
20. 5. 1487.
„gherke hopper tho eklo, meygherhoue"
*) Anmerk: U. F. C. Manecke: „Beschreibung d. Städte u. Ämter i. Lüneburg", (Hod. Urkb. Nr. 243).
1868 und C. Wolff: „Kunstdenkm. d. Prov. Hannover", 1902. Es folgen nun die Besitzer der einzelnen Höfe, soweit sie auf

138 139
Grund der vorhandenen Urkunden ermittelt werden konnten. Quellenangaben
Die laufenden Nummern der Quellenangaben sind den Namen 1. Güterregister, Hausb. d. Gebr. Ortgies I. Hod. Urkb. Nr. 239
hinzugefügt worden. In den Fällen, in denen die Urkunden die u. Rolef II. v. Hodenberg, sei. Marquards
Grundherrschaftszugehörigkeit enthalten, sind auch diese bei v. Hodenberg Söhne, 1486
den jeweiligen Namensangaben vermerkt. Die Hofnamen und 2. Urk. d. Gebr. Luthard u. J o h a n n Hod. Urkb. Nr. 286
die Brandkassen-Nummern sind der Urkunde von November v. Hodenberg betr. d. Kapelle zu Hudemühlen,
1831 entnommen. Die dahinter in () vermerkten Nummern der 14. 4. 1505
Jahreszahl 1813 waren die vorher gültigen. Die Namen von 3. Das Viehschatzregister des Amtes Ahlden Veröffentl. Walsr.
1817 sind nicht eingefügt, weil sie in der Beilage (Flurkarte vom 23. 8. 1533 Zeitg. v. 13. 10. 1938
1817) aufgeführt werden. 4. Güterregister, Hausbuch Marquard's III. Hod. Urkb. Nr. 342
v. Hodenberg v. 27. 3. 1536
Die Höfe wurden nach den seit der Verkuppelung geltenden
Hausnummern geordnet. 5. Das Viehschatzregister des Amtes Ahlden St. A. Hannover: Dep.
v. 1564 Nr. 37 II D 8 b 7
Die Bauernreihen ergeben sich nicht allein aus der Erbfolge,
6. Hudemühler Hausarchiv (v. Hodenberg), St. A. Hannover: Dep.
sondern auch aus dem Besitzerwechsel auf Grund eines etwa-
Aufnahme der Güter I u. II, 1597—1698 Nr. 30 G. A. III A Nr. 1
igen Verkaufes, sind also nicht immer zugleich Ahnenreihen.
7. Kirchenrechnung des Pfarramtes Eickeloh Pfarramt Eickeloh
Auch Interimswirte kommen vor.
v o n 1609 bis 1666
Da die Besitzer aus allen vorgefundenen Urkunden zusam-
8. Die Musterrolle d. Amtes Ahlden St. A. Hannover:
mengestellt wurden, kann sich der Name einunddesselben Be- Celler Brief-Arch.
v. 28. 5. 1617
sitzers mehrere Male wiederholen. Des. 10 Nr. 64
Aus der jüngsten Zeit sind die Eigentümer der Höfe nur noch 9. Die Geldregister d. Amtes Ahlden St. A. Hannover:
aus den Jahren 1900, 1930 und 1954 ohne Urkundenangaben 1628—1740 Hann. Des. 76 c Ba.
hinzugefügt. (vernichtet)
Die Angaben über die 1842 bewirtschafteten Flächen lagen 10. Kontributions-Design, d. Amtes Ahlden St. A. Hannover:
nicht in allen Fällen vor. v. 15. 9. 1628 Celler-Brief-Arch.
Der hannoversche Morgen betrug: 26 ar 21 qm. (Größen 1845: Des. 61 II Nr. 13/1
Siehe Beilage). 11. Kontributionsreg. d. Amtes Ahlden St. A. Hann.: Celler
Die Gesamtgrößen der Höfe im Jahre 1954 sind in dankens- v. Sept. 1628 Br. A. Des. 61 II 13/1
werter Weise von Herrn Gemeindedirektor Stelter mitgeteilt 12. Das HuldigungsVerzeichnis St. A. Hann.: Celle
worden. Ihre Summe umfaßt nicht die gesamten Kulturland- vom 9. 12. 1649 45 V Nr. 16
flächen der Gemarkung. Der fehlende Grund und Boden der 13. Das Holzgericht v. 6. 9. 1660
Abbauer ist nicht unbedeutend. Hudem. Hausbuch v. 1660
Veröffentlichung in
14. Ein Roggenschuldreg. v. 2. 5. 1665.
Die Baujahre der Bauernhäuser zu ermitteln lag nicht mehr der Walsroder Zei-
Hud. Hausb. 1660
im Rahmen dieser Arbeit. Sie sind deshalb nur in einzelnen tung von Febr. 1942
15. Ein Roggenschuldreg. v. 12. 4. 1667.
Fällen und besonders bei den älteren Häusern angemerkt.
Hud. Hausb. 1660
16. Das Lagerbuch d. Amtes Ahlden St. A. Hann.: Hann.
v. 20. 9. 1667 Des. 74 I C Nr. 3
17. Hudem. Hausarchiv (v. Hod.) St. A. Hann.: Dep.
Aufn. Gut I u. II 1700/60 Nr. 30 G. A. III A 2

140 141
18. Eickeloher Rodland-Verz. St. A. Hann.: Hann. Urk. von: Grund- Quelle
v. 7. 10. 1743 Des. 74 IV J 7 herr: Nr.:
19. Das Kontributions-Kataster des Amtes Ahlden St. A. Hann.: Hann. 1636/37 Luder Beßman Gut I 6
von 1747 Des. 74 IV J 7 1637/38 Hinrich Beeßmann gen. Wichman 6
20. Zustandsvergleichung d. Unterthanen d. Amtes St. A. Hann.: Hann.
9. 12. 1649 Levin Wichman, Halbme ier 12
Ahlden v. 1. 12. 1760 Des. 74 I C Nr. 13
1662/63 Levin Wichman 9
21. Einwohnerreg, d. Commune Eickeloh St. A. Hann.: Hann.
1665/66 Levin Wichman 9
v. 24. 7. 1811 Des. 74 I C Nr. 15
St. A. Hann.: Hann. 1666 Levin Wichman Gut I u. II 6
22. Feuerstellen- u. Contributions-Liste
v. 25. 11. 1813 Des. 741 C Nr. 15 20. 9. 1667 Levin Wichman, Vollm. Gut I u. II 6
23. Statistische Übersicht vom Amte Ahlden Staatsarch. Hann.: 1671/72 Levin Wichman Gut I u. II 6
im November 1831 Dep. 30 VIII 32 1675/76 Levin Wichman Gut I u. II 6
24. Spezialteilungs- u. Verkoppelungsprotokoll Gemeinde-Amt 1675/76 Levin Wichman 9
d. Gem. Eickeloh v. 29. 4. 1845 Eickeloh 1691/92 J o h a n Engehausen 6
1695/96 Levien Wichman 9
Die Bauern-Reihen 1699/1700 Levien Wichmann S. Engeh.lusen 9
in der Reihenfolge nach der Verkuppelung 1739/40 Jürgen Kerkhoff 9
(Haus-Nummern) 1747 Jürgen Kerkhoff, Vollmeier 19
alsdann Cordt Kerckhoff 19
Baesmanns-Hof Ost. 1753 Cord Kirchhoff Com.-Gut 17
Vollmeier Nr. 1 Brandkassen-Nr. 23 (1813: Nr. 9). Bis 1649 Mich. 1753 Cordt Kirchhoff Com.-Gut 17
Halbmeier. In der Grenzbeschreibung im Amtslagerbuch von 1754—1756 Cordt Kirchhoff Com.-Gut 17
1667 wird Wichmanns Immenzaun an der Meiße erwähnt. Die 1757 Cordt Kirchhoff Com.-Gut 17
Gebäude erwarb n. 1868 Mußmann Nr. 24. Die neuen Gebäude Ost. 1757 —
Nr. 1 wurden 1870 am Nordausgange des Dorfes errichtet. Mich. 1758 Cordt Kirchhoff Com.-Gut 17
W o r t m a n n s. S. 31 u. 231. 1759/1760 Cordt Kirchhoff Com.-Gut 17
Urk. von: Grund- Quelle 1. 12. 1760 Cordt Kerkhoff 20
herr: Nr.: um 1785 Jürgen Kirchhof 19
23. 8. 1533 Hinrich W o r t m a n n 3 24. 7. 1811 Joh. Hinr. Kirchhoff,
1564 Diderich Betzeman 5 23 Jahre, Dorothea gbr. Rotermund 21
1597/98 Hinrich Besman od. Wichman Gut I 6 25. 11. 1813 Joh. Hinr. Kirchhoff 22
1600/01 Hinrich Besman Gut I 6 Nov. 1831 Joh. Heinr. Kirchhoff 23
1615/16 Heinrich Wichman Gut I 6 29. 4. 1845 Joh. Heinr. Kirchhoff 24
28. 5. 1617 Henrich Wichman, Schütze 8 1900 Heinrich Bäßmann
1609—1618 Hinrich Wichman, Kirchenjurat 7 1930 Heinrich Bäßmann
15. 9. 1628 Heinrich Wichman 10 1954 Heinrich Söhnholz
Sept. 1628 Luder Gartman 12 Bestellter Acker 1756: 56 hann. Morgen
1631/32 Heinrich Beeßmann 6 Bestellter Acker 1760: 20 hann. Morgen
1635/36 Hinrich Beeßmann genandt Wichman 6 Gesamtgröße 1954: 47 ha 79 ar

142 143
Hinzen-Hof Urk. von: Grund- Quelle
Vollmeier Nr. 2. Brandkassen-Nr. 26 (1813: Nr. 2). Nach der herr: Nr.:
Vereinigung des Hofes mit der Kötnerstelle Nr. 14 kam dieser um 1785 Joh. Hinrich Wordmann 19
Hof räum zum Kötnerhof Nr. 26. Das Wohnhaus brannte 1868 24. 7. 1811 Catrina Maria Wordtmann
ab, wurde aber in der alten Größe nicht wieder aufgebaut. gbr. Ebeling, 51 Jahre 21
25. 11. 1813 Joh. Hinrich Wortmann 22
Urk. von: Grund- Quelle Nov. 1831 Joh. Hr. Worthmann, Vollm. 23
herr: Nr. 29. 4. 1845 Joh. Heinr. Wortmann (J. H. Gerhard) 24
23. 8. 1533 Richard Pentzhorn 3 1900 Heinrich Blanke, Haus Nr. 17
1564 Pawel Pentzhorn 5 1930 Heinrich Blanke
1597/98 J o h a n Hintze Gut I 6 1954 Heinrich Blanke
1600/1601 J o h a n Hintze Gut I 6 Bestellter Acker 1756: 66 hann. Morgen
1615/16 Pawell Hintze Gut I 6 Bestellter Acker 1760: 20 hann. Morgen
28. 5. 1617 Pawell Pentzhorn, Schütze 8 Grundbesitz am 16. 9. 1842: 60 hann. Morgen u. 107 Quadrat-
15. 9. 1628 Pawell Penßhorn 10 Ruthen
Sept. 1628 Pawel Penßhorn 11 Gesamtgröße 1954: 24 ha 34 ar
1631/32 Pawell Hintze 6
1635/36 Pawell Hintze 6 Meinen-Hof
1636/37 Pawell Hintze Gut I 6 Vollmeier Nr. 3. Brandkassen-Nr. 28 (1813: Nr. 1). Bis 1649
1637/38 Pawell Hintze 6 Halbmeier. Es wird der Hof sein, der am 26. 5. 1429 dem „Her-
1638/39 Pawell Hintze Gut I 6 men meygeringe" gehörte (Hod. Urkb. Nr. 187). Das Wohnhaus
vor 1649 Pauli Penshorn 12 wurde im Jahre 1895 vollkommen umgebaut.
9. 12. 1649 J o h a n Penshorn, Vollmeier 12
6. 9. 1660 Johan Penshorn 13 Urk. v o n : Grund- Quelle
1665—1666 Sei. Pawel penßhorn 7 herr: N r
1666 Johan Pentzhorn Gut I u. II 6 1486 hermen m e y n e n O. v. H. 1
20. 9. 1667 J o h a n Pentzhorn, Vollmeier Gut I u. II 16 23. 8. 1533 Eggerth Heyminge 3
1671/72 Johan Pentzhorn Gut I u. II 6 1564 Luder Heminges ju. 5
1675/76 J o h a n Pentzhorn 9 15. 9. 1628 J ü r g e n Hemens ¥ 10
1694/96 Wilhelm Penßhorn 6 Sept. 1628 J ü r g e n Hemens ¥ 11
1695/96 J o h a n Pentzhorn 9 1631 J ü r g e n Heymes, auch
1699/1700 Johann Pentzhorn 9 Jürg. Heimes od. Mein Hoff 7
1700/01 Wilhelm Penßhorn Gut II 17 1632 Mein Hoff 7
1717 Wilhelm Pentzhorn Gut II 17 1631/32 J ü r g e n Hiemen ¥ Gut II 6
1739/40 J o h a n n Penshorn 9 1635/36 Jürgen Heimeß ¥ Gut II 6
7. 10. 1743 Johann Pentzhorn 18 1637/38 Jürgen Hiemß ¥ Gut II 6
1747 J o h a n n Pentzhorn, Vollmeier 19 1639—1644 Mein-Hoff 7
1. 12. 1760 Johann Penßhorn 20 9. 12. 1649 Jürgen Hemen, Halbm. 12

144 Bg. 10 Eickeloh 145


Urk. von: Grund- Quelle J o h a n n Heinrich Riekenberg (Nov. 1831) stammt aus der Köt-
herr: Nr.: nerstelle Nr. 21. Es wird der Hof des „gherke hopper, meygher
6. 9. 1660 Hennig Nieber 13 tho eklo" aus der Urkunde vom 20. 5. 1487 (Hod. Urkb. Nr. 243)
2. 5. 1665 Hennig Nieber 14 sein, dessen Gebäude vor 1300 auf dem Hofplatz Nr. 32 am
1665—1666 Hennig Nieber 7 „Pos" standen. Hausinschrift: Jost Friedrich Kerkhoff. Anne
1666 Hennig Nieber Gut I u. II 6 Catarina Bunken 1733".
20. 9. 1667 Hennig Niever, Vollm. Gut I u. II 16
1671/72 Henning Nieper Gut I u. II 6 Urk. von: Grund- Quelle
1691/92 Jacob Nieber 6 herr: Nr.:
1695/96 Henning Nieper 9 23. 8. 1533 Gerke Wunnerding 3
1699/1700 Henning Nieper 9 1564 Gerke W u n n e r d i n g 5
1739/40 Jacob Rust 9 1597/98 Reinicke Veldman Amt Ahlden 6
7. 10. 1743 Jacob Hinrich Rust 18 1600/01 Reinicke Feldman Amt Ahlden 6
1747 Jacob Hinrich Rust, Vollmeier 19 1615/16 Heinrich Veltman Amt Ahlden 6
1753—58 Jacob Hinrich Rust Com.-Gut 17 28. 5. 1617 Heinrich Veldman, Schütze 8
um 1760 J ü r g e n Rust 19 15. 9. 1628 Reineke Veltntans wittibe 10
1. 12. 1760 W i t w e Rust, Vollm. 20 Sept. 1628 Jürgen W o r t m a n n 11
um 1790 Jacob Heinrich Rust 19 1628/29 Wortmann Amt Ahlden 9
24. 7. 1811 Jacob Heinrich Rust, 1631—1632 Jürgen W o r d m a n n aus Veldmanns Hoffe 7
46 Jahre, Ilse Maria gbr. Heibergs 21 1631/32 Reineke Veltmans Hofe Amt Ahlden 6
25. 11. 1813 Jacob Rust, Vollm. 22 1635/36 Reinecke Veltmanß Hoff Amt Ahlden 6
Nov. 1831 Jacob Rust v. Hod. 23 u. Jürgen W o r d t m a n n
vor 1845 Jacob Rust 24 1636/37 J ü r g e n Wordtmann Amt Ahlden
1845 Hr. Frd. Rust 24 1637/38 Reineken Veldmans Kothe
1900 Heinrich Eggers Amt Ahlden 6
1930 Heinrich Eggers 1638/39 Jürgen W o r t h m a n Amt Ahlden 6
1954 Heinrich Rode 9. 12. 1649 J ü r g e n Wortman, Vollm. Amt Ahlden 12
Bestellter Acker 1756: 52 hann. Morgen 6. 9. 1660 Jürgen Wortman Amt Ahlden 13
Bestellter Acker 1760: 18 hann. Morgen 1659/60 Jürgen Wortman Amt Ahlden 9
Grundbesitz am 16. 9. 1842: 62 hann. Morgen u. 105 Quadrat- 20. 9. 1667 Wilhelm Beßman, Vollm. Amt Ahlden 16
Ruthen. 1695/96 Wilhelm Beßman 9
Gesamtgröße 1954: 52 ha 23 ar 1699/1700 Wilhelm Beesmann 9
1739/40 Jobst Friedr. Kerkhoff 9
Gerken-Hof 7. 10. 1743 Jobst Friedr 18
Vollmeier Nr. 4. Brandkassen-Nr. 31 (1813: Nr. 4). Seit ca. 1514 1747 Jobst Friedr. Kerckhoff, Vollm.lim. 19
Herrenmeier. Dieser Hof ist in der Zeit von 1514 bis 1597 aus 1. 12. 1760 Jobst Kerkhoff 20
der Grundherrschaft v o n Gut I ausgeschieden und an das Amt um 1780 J o h a n n Hörmann (Joh. Dietr.
tr. 1811) 19
Ahlden gekommen. 24. 7. 1811 J o h a n n Hinrich Pleße,

146 147
Urk von: Grund- Quelle
herr: Nr.:
1 Urk. von: Grund-
herr:
Quelle
Nr.:
56 Jahre, Catrina Maria gbr. Hörmann 21 9. 12. 1649 Hinr. Koch, Vollm. 12
25. LI. 1813 Joh. Hinrich Pleße, Vollm. 22 6. 9. 1660 Härmen Mußman 13
alsdann Joh. Heinrich Pleshe 19 12. 4. 1667 Härmen Mußman, Vollm. 15
vor 1845 Joh. Heinrich Plehs 21 20. 9. 1667 Hermann Mußmann Gut III 16
No-v . 1831 Joh. Hrch. Riekenberg Amt Ahlden 23 1695/96 Herman Mußman 9
29. 4. 1845 Joh. Hrch. Riekenberg (1832: Hrch.) 24 1699/1700 Herman Mußmann 9
1900 Heinrich Riekenberg 1739/40 David Wunderding 9
1930 Heinrich Panning 7. 10. 1743 Ww. Wunderdings 18
1954 Helmut Panning 1747 David Wunderding relic, Vollm. 19
Bestellter Acker 1756: 60 hann. Morgen 1. 12. 1760 Johan Jochim Lindhorst, Vollm. 20
Bestellter Acker 1760: 21 hann. Morgen um 1765 Joachim Lindhorst 19
Gesamtgröße 1954: 57 ha 02 ar um 1785 Cord Lindhorst 19
24. 7.1811 Cordt Hinrich Lindhorst,
Hüx-Hof 58 Jahre, Dorothea Elenora
Vollmeier Nr. 5. Brandkassen-Nr. 33 (1813: Nr. 5). Dieser Hof gbr. Krauel aus Grethem 21
verschuldete infolge des Krieges und befand sich vor Abschluß 25. 11. 1813 Cordt Lindhorst, Vollm. 21
der Verkoppelung der Gemarkung bereits in den Händen des 1817: Friedr. 22
Landrats von Hodenberg zu Hudemühlen. Die Gebäude sind Nov. 1831 Major v. Hodenberg (Landrat) 23
vor 1900 abgebrannt. Der Hof wurde von den Erben des Land- 29. 4. 1845 Ldsch. Dir. v. Hodenberg 23
schaftsdirektors Major von Hodenberg aufgelöst. Auf dem 1954 Th. Börstling (ohne Land) 24
Hofraum erbaute Theodor Börstling nach 1919 das Wohnhaus Bestellter Acker 1756: 70 hann. Morgen
Nr. 5. Bestellter Acker 1760: 24 hann. Morgen
Es scheint sich um den Hof zu handeln, dessen Besitzer in der
Urkunde vom 26. 5. 1429 „Henneke hoyers" oder „de olde Hemens-Hof
hoyer" heißt. (Hod. Urkb. Nr. 187). Vollmeier Nr. 6. Brandkassen-Nr. 34 (1813: Nr. 3). Bis 1649
Halbmeier. Die Gebäude brannten 1868 ab und wurden erst
Urk. von: Grund- Quelle nach 1919 am Ostrande des Dorfes wieder aufgebaut. Auf dem
herr: Nr.: alten Hof räum steht das Wohnhaus Nr. 101.
23. 8. 1533 Dirick Hoxers 3
23. 7. 1536 Luder Huxer M. III v. H. 3 Urk. von: Grund- Quelle
1564 H e n n e k e Hoxer oder Diderich Kerker 5 herr: Nr.:
1615/16 Pawell Hüxter 6 1486 Hennges hof O. v. H. 1
1609—1620 Pauwell Hüxer 7 23. 8. 1533 Hermann Heyminges 3
28. 5. 1617 Pawell Hüxer, Schütze 8 27. 3. 1536 Hermen hermynges M. v. H. 4
15. 9. 1628 Marquard Kock 10 1564 Luder Henniges Se 5
Sept. 1628 Marquard Koch 11 28. 5. 1617 Heinrich Heimens, Schütze 8

148 149
Urk. von: Grund- Quelle 15. Jahrhundert schon feststand, in der erster«i zu den Köt-
herr: Nr. : nern zählte.
15. 9. 1628 Luder Hemens 10 Urk. von: Grund- Quelle
Sept. 1628 Luder Hemens W i t w e 11 herr: Nr.:
1639—1644 Bur Hiemenshoff 7 23. 8. 1533 Otto Kerckhoff 3
9. 12. 1649 Direk Marmas, Halbm. 12 1564 Carsten Kerkhoff 5
20. 9. 1667 Peter Heins, Vollm. Gut III 16 1597/98 Jürgen Karkhoff Gut I 6
1695/96 Pether Heims 9 1600/01 J ü r g e n Kerckhoff Gut I 6
1699/1700 Peter Heims 9 1615/16 J ü r g e n Kerckhoff Gut I 6
1739/40 Anthon Bösche 9 1609—1620 Jürgen Kerckhoffen 7
7. 10. 1743 Antohn Bösche 18 u. Kasten Kerckhoff
1747 Anthon Bösche, Vollm. 19 28. 5. 1617 Carsten Karckhoff, Schütze 8
1. 12. 1760 Antohn Bösche, Vollm. 20 15. 9. 1628 Carsten Karckhoff 10
um 1785 J o h a n n Cord Bösche 19 Sept. 1628 Heinrich Veitmann 11
24. 7. 1811 J o h a n n Cordt Bösche, 1631—1632 Hinrich Veitmann 7
62 Jahre, Ilse Catrina gbr. Wohlen 21 1636/37 Hinrich Veltman Gut I 6
25. 11. 1813 J o h a n n Hinrich Bösche 1817: Cord 1638/39 Hinrich Veltman Gut I 6
(Joh. Heinr. Christian) 22 1639—1644 Hinrich Veltman 7
Nov. 1831 Heinr. Bösche (Joh. Hr.) v. Hod. 23 9. 12. 1649 Hinrich Veldtman, Vollm. 12
vor 1845 Joh. Hr. Bösche 24 6. 9. 1660 Hinrich Kirchhoff 13
29. 4. 1845 Cord Böschen Erben 24 1665—1666 Hinrich Kerkhoff, Kirchenjurat 7
1900 Ehefr. d. Wilh. Krüger 1666 Heinrich Kirchhoff Gut I u. II 6
Rektor i. Winsen (Aller) 20. 9. 1667 Heinrich Kirchhoff, Vollm. Gut I u. II 16
1930 Ehefrau Hjiertquist, geb. Krüger, Hamburg 1671/72 Heinrich Kirchhoff, Vollm. Gut I u. II 6
alsdann Rechtsanwalt Erythropel, Ahlden 1675/76 Heinrich Kirchhoff Gut I u. II 6
1954 Pastor Kirchhefer, Schwarmstedt 1691/92 J ü r g e n Kirchhoff Gut I u. II 6
Bestellter Acker 1756: 36 hann. Morgen 1695/96 Heinrich Kerckhoff 9
Bestellter Acker 1760: 16 hann. Morgen 1699/1700 Heinrich Kerckhoff 9
Grundbesitz <im 16. 9. 1842: 31 hann. Morgen, 14 Quadrat- 1739/40 Christoph Kerkhoff 9
Ruthen 1747 Christoph Kerckhoff, Vollm . 19
Gesamtgröße 1954: 50 ha 58 ar Ost. 1753 Christoph Kirchhoff Com.-Gut 17
Mich. 1753 Christoffer Kirchhoff Com.-Gut 17
Otten-Hof 1754—1756 Christoffer Kirchhoff Com.-Gut 17
Vollmeier Nr. 7. Brandkassen-Nr. 36 (1813: Nr. 6). Die Gebäude 1757 J o h a n n Cordt Kirchhoff Com.-Gut 17
brannten 186E1 ab und wurden auf dem alten Hofraum wieder Ost. 1757— Christoffer Kirchhoff Com.-Gut 17
errichtet. Die in der Urkunde vom 26. 5. 1429 (Hod , Urkb. Mich. 1758
Nr. 187) erwiihnte „Henneken Otten kote" kann mit diesem 1. 12. 1760 Christoffer Kerkhoff, Vollm 20
Vollmeierhof nicht identisch sein, weil die Anzahl der Höfe im 1760 Christoffer Kirchhoffs W i t t w e 17

150 151
Urk. von: Grund- Quelle Urk. von: Grund- Quelle
herr: Nr.: herr: Nr.:
um 1765 Cord Kerckhoff 19 1665—1666 Reinke Wunnerding 7
um 1785 J o h a n n Bösling 19 1666 Reineke W u n d e r d i n g Gut I u. II 6
24. 7. 1811 J o h a n n Börstling, 20. 9. 1667 Reineke Wunderding,
56 Jahre, Catrina Margaretha Vollm. Gut I u. II 16
gbr. Kirchhoffs 21 1671/72 Reinke Wunderding,
25. 11. 1813 J o h a n n Bößling 22 Vollm. Gut I u. II 6
Nov. 1831 Friedrich Börstling v. Hod. 23 1694/96 Hinrich Wunderding 6
29. 4. 1845 H. F. Börßling (1832: Joh. Frdr.) 24 1695/96 Heinrich Wunderding 9
1900 Adolf Börstling 1699/1700 Heinrich Wunderding 9
1930 Adolf Börstling 1700/01 Hennieß W u n d e r d i n g 17
1954 Adolf Börstling 1717 Hinrich Wunderding 17
Bestellter Acker 1756: 70 hann. Morgen 1739/40 Jürgen Wunderding 9
Bestellter Acker 1760: 21 hann. Morgen 1747 J ü r g e n Wunderding, Vollm 19
Gesamtgröße 1954: 54 ha 98 ar 1. 12. 1760 W i t w e Wunderding, Vollm. 20
um 1765 Joh. Hinr. W u n d e r d i n g (Hinr. Jürg.) 19
Thees-Hof um 1800 Frieder. W u n d e r d i n g
Vollmeier Nr. 8. Brandkassen-Nr. 37 (1813: Nr. 7). Der Hof 24. 7. 1811 J o h a n n Friedrich Wunderding,
w u r d e durch Jürgen Asche aufgelöst. Zum W o h n h a u s gehört 33 J a h r e , Anna Maria gbr. Brands 21
nur noch die angrenzende AUermarschkoppel. Die Gebäude 25. 11. 1813 Friedr. Wunderding, Vollm. 22
brannten 1868 ab und wurden 1869 neu errichtet. Nov. 1831 Friedrich W u n d e r d i n g v. Hod. 23
Urk. von: Grund- Quelle vor 1845 Friedr. W u n d e r d i n g 24
herr: Nr.: 29. 4. 1845 Christian Klingenberg 24
23. 8. 1533 Jürg Wunnerding 3 1900 August Asche
27. 3. 1536 Jürgen Tyes M. v. H. 4 1930 J ü r g e n Asche
1564 Thies W u n n e r d i n g 5 1954 Veterinärrat Rehbock
1597/98 Thies Wunderdingk 6 (Haus mit Weidekoppel ohne Land)
1600/01 Ties W u n d e r d i n g h e 6 Bestellter Acker 1756: 65 hann. Morgen
28. 5. 1617 Marquardt Wunnerdingk, Helbardirer 8 Bestellter Acker 1760: 19 hann. Morgen
15. 9. 1628 Marquardt Wunnerdings 10
Sept. 1628 Marquard Wunerdings arm 11
1631/32 Marquard W u n d e r d i n g k Gut II 6 Behnken-Hof
1635/36 Marquard W u n d e r d i n g Gut II 6 Vollmeier Nr. 9. Brandkassen-Nr. 38 (1813: Nr. 8). Bis 1649
1637/38 Marquard W u n d e r d i n g Gut II 6 Halbmeier. Das W o h n h a u s w u r d e 1905 umgebaut. Nach den
9. 12. 1649 Marquardt Wunderding, Vollm. 12 Ausführungen in Abschnitt 3 w a r dieser Hof der erster Meier-
6. 9. 1666 Reinecke W u n d e r d i n g 13 hof in Eickeloh, den der „villicus" der Hodenberger Grundher-
2. 5. 1665 Reinecke W u n d e r d i n g 14 r n inne hatte.

152 153
Die Herkunft des Namens ließ sich nicht ermitteln (Beneke ist Urk. von: Grund- Quelle
ein Rufname). herr: Nr.:
Urk. von:
von: Grund- Quelle Pächter, 38 Jahre, Catrina
herr: Nr.: Margaretha gbr. Riekenbergs 21
1486 Hinrick Bocghopes O. v. H. 1 25.11.1813 Johann Hinrich Wichmann 22
23. 8. 1533 Frans Bockhops 3 Nov. 1831 Joh. Hr. Wichmann 23
27. 3. 1536 FRANCISKUS Bockhop M. v. H. 4 vor 1845 Johann Heinr. Wichmann 24
1564 Franz Badenhops 5 29. 4. 1845 Friedr. Wichmann (Heinr. Friedr.) 24
1597/98 Frantz Boekhoepf Gut I u. II 6 1900 Heinrich Wichmann
luuu/ui ricLiiiz. ouecK-iioev aiicicrs 1930 Wilhelm Wichmann
genannt Heimicke W o r t m a n Gut I 6 1954 Wilhelm Wichmann
1615/16 Helmeke W o r t m a n n Gut I 6 Bestellter Acker 1756: 55 hann. Morgen
28. 5. 1617 Helmeke Wordman, Helbardirer 8 Bestellter Acker 1760: 18 hann. Morgen
15. 9. 1628 Heinrich Bockhoff 10 Gesamtgröße 1954: 51 ha 32 ar
Sept. 1628 Heinrich Bockhoff 11
1636/37 Hinrich Bockhorst Gut I 6 Büchtmanns-Hof
1638/39 Hinrich Bockhoff Gut I 6 Vollmeier Nr. 10. Brandkassen-Nr. 44 (1813: Nr. 10). Bis 1649
9. 12. 1649 Helmeke Bockhorst, Halbm. 12 Halbmeier. Nach der Lageskizze des Dorfes ist es wahrschein-
6. 9. 1660 Helmeke Bockhoff 13 lich, daß sich der Hofraum zur Zeit der Umsiedlung von der
1666 Helmeke Bockhop Gut I u. II 6 Dorfstelle in den Eichenwald auf dem heutigen Grundstück
20. 9. 1667 Helmeke Bockhoff, Vollm. Gut I u. II 16 Nr. 25 befand. Alsdann errichtete der aus Buchten stammende
1671/72 Helmeke Bockholtz Gut I u. II 6 Besitzer die Gebäude auf dem heutigen Grundstück Nr. 74. Im
1675/76 J o h a n Lühring Gut I u. II 6 Jahre 1820 verlegte Johann Hinrich Börstling den Hof räum an
1694/96 Henning Bockhop 6 den Dorfausgang nach Hudemühlen zu. Das Wohngebäude trägt
1695/96 Henning Bockhop 9 die Inschrift: Johann Hinrich Börstling, Elenora Rebecka Riek-
1699/1700 Henning Bockhoff 9 kenberg.
1700/01 Henning Bohckhop Gut II 17 Urk. von: Grund- Quelle
1717 J o h a n Helmke Bohckhop 17 herr: Nr.:
1739/40 Helmek Bockhop 9 23. 8. 1533 Hermann Buchtemann 3
7. 10. 1743 Jürgen Boeckhoff 18 27. 3. 1536 Herman Buchtman M. v. H. 4
1747 Anthon Penshorn, Vollm. 19 1564 Härmen Buchter 5
1. 12. 1760 Cordt Frehrking 20 1597/98 Luder Buchteman 6
um 1765 Cord Frerking 19 1600/01 Luder Buchteman 6
um 1785 J o h a n Heinrich Frerking 19 1615/16 Luder Buchteman 6
24. 7.1811 Johann Hinrich Frehrking, 1609—1620 Luder Buchteman u.
56 Jahre, Verpächter aus J o h a n Buchteman 7
Hudemühlen, A n n a Maria gbr. Kochs 21 15. 9. 1628 J o h a n Buchteman f 10
24. 7.1811 J o h a n n Hinrich Wichmann, Sept. 1628 J o h a n Buchteman f 11

154 155
Urk. von: Grund- Quelle Urk. von: Grund- Quelle
herr: Nr.: herr: Nr.:
1631—1632 Luder Buchtman od Buchtmans Hoff 7 29. 4. 1845 Cord H. Börßling (1832: Cord Fr.) 24
1631/32 Johan Buchtman f Gut II 6 1900 Friedrich Borstling
1635/36 J o h a n Buchtman f Gut II 6 1930 Friedrich Borstling
1637/38 J o h a n Buchtman f Gut II 6 1954 Friedrich Borstling
1639—1644 Büchtmanns Hoff 7 Bestellter Acker 1756: 52 hann. Morgen
9. 12. 1649 J o h a n Buchtman, Halbm. 12 Bestellter Acker 1760: 19 hann. Morgen
6. 9. 1660 Hennig Borstling 13 Grundbesitz am 16. 9. 1842: 70 hann. Morgen, 19 Quadrat-
2. 5. 1665 Hennig Borstling 14 Ruthen
1665—1666 Henning Borstling 7 Gesamtgröße 1954: 47 ha 02 ar
1666 Heinrich Borstling Gut I u. II 6
20. 9. 1667 Henning Böstling, Vollm. Gut I u. II 16 Schröers-Hof
1671/72 Henning Borstling Gut I u. II 6 Zweidrittelmeier Nr. 11. Brandkassen-Nr. 12 (1813: Nr. 12). Bis
1691/92 Henrich Borstling 6 1760 Halbmeier, 1813 Zweidrittelmeier, 1831 Dreiviertelmeier,
1695/96 Heining Boßeling 9 1845 Zweidrittelmeier. Die „henneken scraders k a t e " im Guts-
1699/1700 Heinrich Bösteling 9 register von 1486 ist einwandfrei eine Kötnerstelle. Der
1739/40 Marquard Böstling 9 Schröershof zählte 1486 aber schon ebenso eindeutig zu den
7. 10. 1743 J o h a n n Boßling 12 Meierhöfen. Es k a n n sich daher nicht um einunddenselben Hof
1747 J o h a n n Böshling, Vollm. 19 handeln.
alsdann Friedrich Bösling 19 Die eiserne Ofenplatte im Hause Nr. 11 trägt die Inschrift:
Ost. 1753 J o h a n n Henning Borstling Com.-Gut 17 „Wilhelm Wortmann. Bedke Stelters. 1704". Das heutige W o h n -
Mich. 1753 J o h a n n Henning Borstling Com.-Gut 17 gebäude w u r d e 1775 von Hinrich Wilhelm W o r t m a n n und des-
1754—1756 J o h a n n Henning Borstling Com.-Gut 17 sen Ehefrau Catrina Dorotea Tiessen errichtet.
1757 J o h a n n Borstling Com.-Gut 17 Urk. von: Grund- Quelle
Ost. 1757/ Johann Henning Borstling Com.-Gut 17 herr: Nr.:
Mich. 1758 23. 8. 1533 Dyrick Schröder 3
1759—1760 J o h a n n Henning Borstling Com.-Gut 17 1564 Härmen Schröder 5
1. 12. 1760 Johann Bösling, Vollm. 20 1597/98 Luder Schröder 6
um 1765 Friedrich Bösling 19 15. 9. 1628 Helmecke Schröder 10
um 1785 Joh. Heinr. Bösling 19 Sept. 1628 Helmeke Schröder 11
um 1810 Joh. Heinr. Börßling 24 1631—1632 Helmeke Schröder 7
24. 7. 1811 J o h a n n Hinrich Borstling, 1631/32 Helmeke Schröder Gut II 6
32 Jahre, Elenora gbr. 1635/36 Helmeke Schröder Gut II 6
Rieckenberg 21 1637/38 Helmeke Schröder Gut II 6
25. 11. 1813 J o h a n n Hinrich Borstling 22 9. 12. 1649 Helmeke Schröder, Halbm. 12
Nov. 1831 Friedr. Borstling 6. 9. 1660 Marquard W o r t m a n 13
(Johann Friedrich) v. Hod. 23 2. 5. 1665 Marquart W o r t m a n 14

156 157
Urk. von: Grund - Quelle 1845 Zweidrittelmeier. Der Hof zählte 1486 bereits zu denMeier-
herr: Nr.: höfen, während die „lomanns kate" von 1486 zu den Kötnerstel-
1665—1666 Marquart W o r t m a n 7 len gehörte. Der Name des Hofes tritt daher zum ersten Male
1666 Marquardt W o r d t m a n n Gut I u. II 6 mit Hinrik lomans im J a h r e 1536 in Erscheinung. Der Vorbesit-
20. 9. 1667 Marquart Wortman, zer am 23. 8. 1533 kann nach der Größe des Viehbestandes
Halbm. Gut I u. II 16 nur Hinrick Schröder gewesen sein (nicht Hennicke Lomans
1671/72 Marquardt W o r d t m a n Gut I u. II 6 vom 23. 8. 1533. Denn dieser war Nachfolger auf „lomans k a t e "
1694/1695 Marquart W o r d t m a n 6 von 1486).
1696 Wilhelm W o r t m a n 6 Nach 1831 ging der Hof in das Eigentum des Landrats von
1695/96 Marquard W o h r t m a n n 9 Hodenberg über und wurde zusammen mit dem Vollhof Nr. 5
1699/1700 Marquart W o r t m a n n 9 zusammengelegt. Nach 1900 lösten ihn die Erben von Hoden-
1700/01 Wilhelm W o r t m a n 17 berg auf. In den Gebäuden befindet sich heute der „Gasthof
1717 Wilhelm W o r t m a n 17 zum Bahnhof".
1739/40 Harm W o r t m a n 9 Urk. von: Grund- Quelle
1747 Harm Wordtmann, Halbm. 19 herr: Nr.:
1. 12. 1760 Hinrich Wortmann, Halbm. 20 23. 8. 1533 Hinrik Schröder 3
um 1765 Hinrich W o r t m a n n 19 27. 3. 1536 Hinrik Lomans M. v. H. 4
um 1780 Cord Friedrich W o r t m a n n 21 1564 Härmen Loman 5
um 1805 Cord Heinrich W o r t m a n n 19 15. 9. 1628 Härmen W o r t m a n 10
24. 7. 1811 Cordt Hinrich Wortmann, Sept. 1628 Härmen W o r t m a n 11
31 Jahre, Sophia gbr. Pleßen 21 9. 12. 1649 Herman Wordman, Halbm. 12
25. 11. 1813 Cord Hinrich W o r t m a n n 22 1660/61 Claus Ties 9
um 1820 Cord Heinr. W o r t m a n n 24 20. 9. 1667 Claus Thies, Halbm. Gut III 16
Nov. 1831 W i t t w e W o r t h m a n n (1832: Cord Hr.) 23 1695/96 Claaß Tieß 9
29. 4. 1845 Friedrich W o r t m a n n 24 1699/1700 Claus Tieß 9
(Johann Friedrich) 1739/40 Cordt Lindhorst 9
1900 Heinr. Engehausen, Grindau 17. 10. 1743 Cord Lindhorst 18
1930 Heinr. Engehausen, Grindau 1747 Cord Lindhorst, Halbm. 19
1954 Mimi Tönsen, Grindau 1. 12. 1760 Cordt Lindhorst 20
Bestellter Acker 1756: 36 hann. Morgen um 1785 Joh. Heinrich Lindhorst 19
Bestellter Acker 1760: 10 hann. Morgen 24. 7. 1811 J o h a n n Hinrich Lindhorst,
Grundbesitz am 16. 9. 1842: 27 hann. Morgen, 111 Quadrat- 50 Jahre, Maria gbr. Rathjen 21
Ruthen 25. 11. 1813 J o h a n n Hinrich Lindhorst,
Gesamtgröße 1954: 40 ha 21 ar Zweidrittelmeier 22
Nov. 1831 Joh. Fr. Lindhorst 23
Lohmanns-Hof 29. 4. 1845 von Hodenberg
Zweidrittelmeier Nr. 12. Brandkassen-Nr. 13 (1813: Nr. 13). Bis (5. 11. 1842 Landrat) 24
1760 Halbmeier, 1813 Zweidrittelmeier, 1831 Dreiviertelmeier, 1900 von Hodenberg

158 159
Urk. von: Urk. von: Grund- Quelle
1930 Heinrich Frerking, Gastwirt (ohne Land) herr: Nr.:
1954 Heinrich Frerking, Gastwirt 1636/37 Helmeke Veldtman f Gesamtgüter 6
Bestellter Acker 1756: 36 hann. Morgen 1637/38 Helmeke Veldman f Gesamtgüter 6
Bestellter Acker 1760: 16 hann. Morgen 1638/39 Helmeke Veltman Gesamtgüter 6
1639—1644 J o h a n Blanke 7
Feldmanns-Hof 9. 12. 1649 J o h a n Blanke, Halbm. 12
Zweidrittelmeier Nr. 13. Brandkassen-Nr. 39 (1813: Nr. 11). Bis 6. 9. 1660 J o h a n Blanke 13
1760 Halbmeier, 1813 Zweidrittelmeier, 1831 Dreiviertelmeier, 2. 5. 1665 J o h a n Blanke 14
1845 Zweidrittelmeier. 1505 erscheint er als „Käthe". Seine Zins- 1660/61 Johan Blanke 9
gefälle wurden an die Hudemühler Kapelle verpfändet. In der 1665—1666 J o h a n Blanke 7
Urkunde vom 27. 3. 1536 zählt er zum ersten Male zu den Halb- 1666 J o h a n Blanke Gesamtgüter 6
meiern. Bei der Hodenberger Güterteilung nach dem Tode Mar- 20. 9. 1667 Johan Blanke, Halbm.
quard's III. im Jahre 1538 wurde der Hof ein Wechselmeierhof. Gesamtgüter u. Hudem. Pastor 16
Die Pflichten an die Kirche zu Hudemühlen bestanden noch 1671/72 Johan Blanke Gesamtgüter 6
1831. In diesem Jahre befanden sich die Ländereien mit denen 1675/76 Johan Blanke Gesamtgüter 6
der Kötnerstelle Nr. 21 lt. Urk. v. 5. 12. 1842 in einer Hand. 1695/96 Johan Blanke 9
Das Wohnhaus ohne Land erwarb vor 1900 der Gastwirt 1699/1700 Johan Blanke 9
Heinrich Hogrefe (später Karl Hogrefe). 1954 Johanne Hogrefe. 1739/40 Johann Frerking 9
Urk. von: Grund- Quelle 1747 Johann Cordt Lorenz, Halbm. 19
herr: Nr.: 1. 12. 1760 Johann Cordt Lohrentz, Halbm. 20
15. 4. 1505 Reynke Veltmans kathe um 1785 Joh. Heinr. Lorentz 19
L. v. H. u. Hudem. Caplan 2 24. 7. 1811 Johann Hinrich Lohrenz,
23. 8. 1533 Heimicke Veltmans 36 Jahre, Dorothea Elisabeth
27. 3. 1536 Herman Veltmans hoff gbr. Rotermund 21
M. v. H. u. Hudem. Capelle 4 25. 11. 1813 Johann Hinrich Lohrenz,
1564 Härmen Velthman Zweidrittelmeier 22
1597/98 Heimicke Feldtman, Halbm. vor 1831 Joh. Hr. Lorenz 24
Gesamtgüter 6 Nov. 1831 Heinr. Hellberg (Joh. H.)
1600/01 Heimicke Feldtman Gesamtgüter 6 Dreiviertelm. Pfarre zu Hudem. 23
1615/16 Helmeke Veltman Gesamtgüter 6 29. 4. 1845 Heinrich Heiberg 24
1609—1620 Helmeke Veldman 1900 Alfred Dannenberg in Hellberg
28. 5. 1617 Helmeke Veldman, Helbardirer 8 (ohne Gebäude)
15. 9. 1628 Helmeke Veltman f 10 1930 Alfred Dannenberg in Hellberg
Sept. 1628 Helmeke Veltman f 11 1954 Helmut Dannenberg in Hellberg
1631—1632 Veitmanns Hoff 7 Bestellter Acker 1756: 30 hann. Morgen
1631/32 Helmeke Veltman Gesamtgüter 6 Bestellter Acker 1760: 18 hann. Morgen
1635/36 Helmeke Veltman* Gesamtgüter 6 Gesamtgröße 1954: 35 ha 92 ar

160 Bg. 11 Eickeloh 161


Neumeyers-Hof Urk. von: Grund- Quelle
Kötner Nr. 14. Brandkassen-Nr. 6 (1813: Nr. 19). Im J a h r e 1[819 herr: Nr,
erbauten J o h a n n Heinrich Blanke und dessen Ehefrau Sophie 1757 Levin W o r t m a n n Com.-Gut 17
Marie Plessen das heutige W o h n g e b ä u d e am Dorfausgange Ost. 1757— Johan Dietrich W o r t m a n n Com.-Gut 17
nach Hademstorf zu. Mitte des 19. Jahrhunderts gelangte der Mich. 1758
Vollhof Nr. 2 in den Besitz der Familie Blanke. Vor 1819 befand 1759—1760 Johann Dieterich W o r t m a n n Com.-Gut 17
sich der Hofraum auf dem Grundstück Nr. 2t > (Behrens). 1. 12. 1760 Dietrich W o r t m a n n 20
Urk. von: Grund- Quelle um 1785 Heinrich Blancke 19
herr: Nr 24. 7. 1811 Hinrich Blancke, 47 Jahre,
23. 8. 1533 Eggerth W o r t m a n s 3 Catrina Dorothea gbr. W o r t h m a n n 21 *
1564 Helmeke W o r d e m a n 5 25. 11. 1813 Hinrich Blancke (1817: Joh. H.) 22
1597/98 Hinrich W o r t m a n Gut I 6 Nov. 1831 Joh. Hr. Blanke 23
1600/01 Hinrich W o r t m a n Gut I 6 29. 4. 1845 Johann Hrch. Blancke 24
1615/16 Heinrich W o r t h m a n Gut I 6 1900 Heinrich Blanke
28. 5. 1617 Heinrich W o r d m a n 8 1930 Heinrich Blanke
15. 9. 1628 Helmeke W o r t m a n 10 1954 Heinrich Blanke
Sept. 1628 Helmeke W o r t m a n 11 Bestellter Acker 1756: 9 hann. Morgen
1635/36 Helmeke W o r t m a n 6 Bestellter Acker 1760: 6 hann. Morgen
1636/37 Helmeke W o r t m a n Gut I 6 Gesamtgröße 1954: 45 ha 23 ar
1637/38 Helmeke W o r t m a n 6
1638/39 Helmeke W o r t h m a n 6 Pauls-Hof
9. 12. 1649 Helmeke W o r t m a n 12 Kötner Nr. 15 . Brandkassen-Nr. 9 (1813: Nr. 27). Das heutige
6. 9. 1660 Heinrich W o r d t m a n 13 Wohnhaus wurde 1755 erbaut von den Eheleuten Johann Hin-
1665—1666 Henrich W o r t m a n 7 rich Buchtmann und Margreta Machtalena Kirchhoff. Der Hof-
1666 Henrich W o r d t m a n n Gut I u. II 6 name geht auf den Rufnamen des Besitzers von 1564 zurück, der
20. 9. 1667 Henrich W o h r t m a n n Gut I u. II 16 wahrscheinlich aus dem Hof Nr. 10 stammt.
1671/72 Heinrich W o r d t m a n Gut I u. II 6 Urk. von: Grund- Quelle
1675/76 Heinrich W o r t m a n Gut I u. II 6 herr: Nr. :
1691/92 Heinrich W o r t m a n 6 24. 8. 1533 Hennicke Buchtemans 3
1695/96 Heinrich W o h r t m a n Sen. 9 1564 pawell Buchten 5
1699/1700 Henning W o h r t m a n senior 9 1597/98 Pawell Büchtman 6
1739/40 Koch 9 Ki00/01 Leuerentz Büchtman 6
7. 10. 1743 Dieterich W o r t m a n n 18 !8. 5. 1617 Lorentz Büchteman, Helbardirer 8
1747 Diedrich W o o r d t m a n n 19 IS. 9. 1628 Laurentz Büchtman 10
Ost. 1753 J o h a n n Dietrich W o r t m a n n Com.-Gut 17 Sept. 1628 J o h a n Büchteman 11
Mich. 1753 Dietrich W o r t m a n n Com.-Gut 17 vor 1649 J o a h n Büchteman 12
1754—1756 J o h a n n Dietrich W o r t m a n n Com.-Gut 17 <). 12. 1649 Bätke Volbers 12
alsdann Levin W o o r d m a n n 19 1660/61 Lorentz Büchteman 9

162 163
Urk. von: Grund- Quelle Amtslagerbuch vom 20. 9. 1667 hatte sie „so offt es von nöthen
herr: Nr.: der Kirchen mit Hand Pferden und W a g e n zu dienen".
20. 9. 1667 Lorentz Buchtemann Gut III 16 Ein Balken des 1769 erbauten Hauses trägt die Inschrift: „Ja-
1695/96 Jacob Fegebank? (od. Nr. 19) 9 cob Friedrich Naries. Catarina Maria Peters". Da die Namen
1699/1700 Jacob Fegebank? (od. Nr. 19) 9 Koch und Lüers in den Urkunden des 16. J a h r h u n d e r t s fehlen,
1739/40 J o h a n n Büchtmann 9 war die Entstehung des Hofnamens nicht zu ermitteln. Man
7. 10. 1743 Hinrich Büchtmann 18 kann vermuten, daß der Kirchenmeier das Amt des Glocken-
1747 Hinrich Büchtmann 19 läutens, plattdeutsch „Lüern", hatte.
1. 12. 1760 Hinrich Büchtmann 20 Urk. von: Grund- Quelle
um 1765 Jürgen Büchtmann 19 herr: Nr.:
um 1790 Daniel Rampendahl 19 1609—1620 Hermen Kock 7
24. 7.1811 Cordt Hinrich Daniel Rampendahl, 15. 9. 1628 Helmeke Kock 10
45 Jahre, Catrina Margarethe gbr. Büchtmann 21 Sept. 1628 Helmeke Kock n
25. 11. 1813 Daniel Rampendahl 22 1636/37 Helmek Kock Kirche Eickeloh 6
vor 1831 Daniel Rampendahl 24 1639—1644 Helmeke Kock 7
Nov. 1831 Heinr. Raabe 23 6. 12. 1649 Helmeke Kock Kirche Eickeloh 12
29. 4. 1845 Hrch. Jürgen Rave 24 6. 9. 1660 Helmke Koch 13
1900 Christoph Pralle 1665—1666 Helmeke Kock 7
1930 Sophie Helmers, W i t w e geb. Pralle 1666 Helmeke Koch Kirche Eickeloh 6
1954 Bernhard Pralle 20. 7. 1667 Helmke Koch Kirche Eickeloh 16
Bestellter Acker 1756: 8 hann. Morgen 1671/72 Helmke Koch Kirche Eickeloh 6
Bestellter Acker 1760: 6 hann. Morgen 1675/76 Helmke Koch Kirche Eickeloh 6
Grundbesitz am 16. 9. 1842: 5 hann. Morgen 37 Quadrat-Ruthen 1699/1700 Helmeke Koch 9
Gesamtgröße 1954: 19 ha 50 ar 1739/40 Koch 9
7. 10. 1743 Cord Petters 18
Lüers-Hof 1747 Cord Peters 19
Kötner Nr. 16. Brandkassen-Nr. 10 (1813: Nr. 28). Obgleich 1. 12. 1760 Cordt Peters 20
diese Kötnerstelle ein Kirchenmeierhof wurde, ist sie in der um 1765 J o h a n n Friedrich Narries 19
Kirchenstiftungsurkunde vom 23. 8. 1296 nicht erwähnt. Die um 1785 J o h a n n Cord Narries 19
Grundherren von Hodenberg hatten nur die Zinsgefälle aus 24. 7. 1811 J o h a n n Cordt Narjes, 46 Jahre,
dieser Hufe nicht aber das Grundrecht an die Kirche abgetre- N a n n a Maria gbr. W u n d e r d i n g 21
ten. Die Urkunden von 1360, 26. 5. 1429 und 1486, in denen 25. 11. 1813 Cordt Narjes 22
über Zinsgefälle verfügt wurde, enthalten daher den W e r t die- vor 1831 Cord Narjes 24
ser Kötnerstelle (7* eines Vollhofes) bei der Umrechnung auf Nov. 1831 Joh. Hr. Narjes Kirche Eickeloh 23
das Gesamtgut nicht. 29. 4. 1845 Joh. Hrch. Narjes 24
Sie hatte nicht dem Pastor, sondern der Kirche selbst zu die- 1900 Heinrich Nieber, Hs. Nr. 31
nen. In der Kirchenvisitation von 1542 bis 1544 heißt es: „Noch 1930 Fritz Nieber, Hs. Nr. 16
XVI (Schillinge) von einer kathen to win vnd brode". Nach dem 1954 Fritz Nieber, Hs. Nr. 16

164 165
Bestellter Acker 1756: 24 hann. Morgen Urk. von: Grund- Quelle
Bestellter Acker 1760: 12 hann. Morgen herr: Nr.
Grundbesitz am 16. 9. 1842: 19 hann. Morgen, 34 Quadrat- 25. 11. 1813 Cordt Hinrich Nieber 22
Ruthen vor 1831 Cord Hrch. Nieber 24
Gesamtgröße 1954: 28 ha 94 ar Nov. 1831 W i t t w e Nieber (1832: C . H. Nie- •
ber/Erben) 23
Wilhelms-Hof 29. 4. 1845 Friedr. Duensing 24
Kötner Nr. 17. Brandkassen-Nr. 11 (1813: Nr. 30). Das heute 1900 Heinrich Koch, Hs. Nr. 22
noch vorhandene W o h n h a u s wurde 1669 erbaut und trägt die 1930 Wilhelm Becker, Bäcker (ohne Land)
Inschrift: „Hinrich Kochk. Dorteria Henke Anno 1669". Es ist 1954 Wilhelm Becker f (seit 1954 Erwin B.)
das älteste W o h n h a u s des Ortes. Heinrich Koch verkaufte nach Bestellter Acker 1756: 8 hann. Morgen
1900 das W o h n h a u s an Wilhelm Becker und erwarb das Wohn- Bestellter Acker 1760: 3 hann. Morgen
haus und den Hofraum Nr. 22, zu denen heute die Ländereien Grundbesitz am 16. 9. 1842: 8 hann. Morgen, 103 Quadrat-
dieser Kötnerstelle gehören. Im Hause Nr. 17 befindet sich die Ruthen
Bäckerei von Wilh. Becker.
Urk. von: Grund- Quelle Stelters-Ho f
herr: Nr. Kötner Nr. 18. Brandkassen-Nr. 14. (1 831: Nr. 31). Das stroh-
15. 9. 1628 Wilhelm Kock 10 gedeckte W o h n h a u s wurde im J a h r e 1935 abgebrochen. Auf
Sept. 1628 Wilhelm Kock 11 dem Hofraum befindet sich die Tischlerei von Adolf Plesse.
1631/32 Wilhelm Kock Gut II 6 Urk. von: Grund- Quelle
1635/36 Wilhelm Kock Gut II 6 herr: Nr
1637/38 Wilhelm Kock Gut II 6 23. 8. 1533 Reynicke Kerkhoff 3
9. 12. 1649 Wilhelm Koch 12 1597/98 J o h a n Bosche Gut I 6
1666 Henrich Koch Gut I u. II 6 1600/01 J o h a n Bosche Gut I 6
20. 9. 1667 Wilhelm Koch unbebaut Gut I u. II 16 1615/16 J o h a n Stelter Gut I 6
1699/1700 Heinrich Koch, Brinks. 9 Sept. 1628 Reineke Karkhoff 11
1671/72 Henrich Koch Gut I u. II 6 1636/37 Reineke Kirchhoff od. Stelter Gut I 6
1675/76 Heinrich Koch Gut I u. II 6 1638/39 Reineke Kirchhoff Gut I 6
1700/01 August Nieper 17 9. 12. 1649 Reineke Kerkhoff 12
1717 August Nieper 17 12. 4. 1667 Helmke Veltman 15
1739/40 Cord Nieber 9 1665—1666 Helmke Veltman 7
7. 12. 1743 Cord Nieber 18 1666 Helmke Feldtmann Gut I u. II 6
1747 Cord Nieper 19 20. 9. 1667 Helmecke Veltman Gut I u. II 16
1. 12. 1760 Cordt Nieber 20 1671/72 Helmke Feldman Gut I u. II 6
um 1765 Hinrich Wulff 19 1675/76 Helmke Veltman Gut I u. II 6
um 1795 Cord Nieper (minderj.) 19 1675/76 Reineke Veltman 9
24. 7. 1811 Cordt Hinrich Nieber, 1691/92 Reineke Veltman 6
25 Jahre, Anna Maria gbr. Aschen 21 1695/96 Helmeke Veldtman 9

166 167
Urk. von: Grund- Quelle Urk. von: Grund-
Quelle
herr: Nr.: herr:
Nr.:
1699/1700 Helmeke Veltman 9 6. 9. 1660 Cordt Flacke, der Kroger 13
1739/40 Jacob Feldmann 9 1660/61 Cordt Blacke, Krüger ,9
7. 10. 1743 Jacob Feltman 18 1664/65 Cordt Placke 9
1747 Jacob Feldtman 19 2. 5. 1665 Cordt Flacken 14
Ost. 1753 J a k o b Feldmann Com.-Gut 17 1665—1666 Cort Flacke 7
Mich. 1753 Jacob Feltmann Com.-Gut 17 20. 9. 1667 Cord Flakke, Krüger Gut III 16
1754—1756 Jacob Feltmann Com.-Gut 17 1695/96 J o h a n Horneman? (od. Hs. Nr. 15) 9
alsdann Hans J ü r g e n Feldmann 19 1699/1700 Johan Horneman? (od. Hs. Nr. 15) 9
1757 Hanns Jürgen Feltmann Com.-Gut 17 1739/40 Johann Hinrich Bösche 9
Ost. 1757— Jacob Feltmann Com.-Gut 17 7. 10. 1743 J o h a n n Hinrich Bösche 18
Mich. 1758 1747 Johann Hinrich Böschen relic. 19
1757—1760 Hanß Jürgen Feltmann Com.-Gut 17 1. 12. 1760 J o h a n n Hinrich Bösche 20
1. 12. 1760 Hannß Jürgen Feldmann 20 u m 1765 Johann Hinrich Bösche Windmühle 19
um 1795 Jürgen Heinrich Kirchhof 19 u m 1790 Böschen Erben 24
24. 7. 1811 Jürgen Hinrich Kirchhoff, 24. 7. 1811 Hinrich Friedr. Hochgrefe, 40 Jahre,
38 Jahre, Dorothea Maria gbr. Stöckmann 21 Rebeke gbr. N o t w e h e n 21
25. 11. 1813 Jürgen Hinrich Kirchhoff 22 25. 11. 1813 Friedrich Hogrefe 22
Nov. 1831 Jürgen Hr. Kirchhoff 23 Nov. 1831 Friedr. Hogrefe 23
29. 4. 1845 Jürgen Hrch. Kirchhof 24 29. 4. 1845 Friedrich Hogrefe (Joh. Friedr.) 24
1900 Gustav Poppe 1900 Konrad Hogrefe
1930 Gustav Poppe in Ahlden 1930 Konrad Hogrefe
1954 Dipl. Ing. Gustav Poppe, Hannover 1954 Konrad Hogrefe
(ohne Wohnhaus) Bestellter Acker 1756: 18 hann. Morgen
Bestellter Acker 1756: 11 hann. Morgen Bestellter Acker 1760: 10 hann. Morgen
Bestellter Acker 1760: 8 hann. Morgen Gesamtgröße 1954: 48 h a 41 ar
Gesamtgröße 1954: 22 ha 77 ar
Rust's-Hof
Kötner Nr. 20. Brandkassen-Nr. 15 (1813: Nr. 16). Erbauer des
Kreugers-Hof heutigen W o h n h a u s e s : Heinrich Bremer, 1862. Der Hof w u r d e
Kötner Nr. 19. Brandkassen-Nr. 15 (1813: Nr. 29). Diese Kötner- um 1912 aufgelöst.
stelle w a r am 9. 12. 1649 noch nicht vorhanden. Sie w u r d e aus Urk. von: Grund- Quelle
Gut III v o n Hodenberg zum Zwecke der Errichtung eines Dorf- herr: Nr.:
kruges und einer Herberge gebildet. Später ist auf dem Grund- 1564 Johann Rust 5
stück eine Branntweinbrennerei nachweisbar. Der Besitzer von 1597/98 Jürgen Garssenbüttel Gut I 6
1747 erbaute die Windmühle (Hs. Nr. 38). Seit 1801: Gemischt- 1600/01 Jürgen Garßenbüttel Gut I 6
warenhandlung. 1615/16 Jürgen Gastenbüttell Gut I 6

168 169
Urk. von: Grund- Quelle Urk. von:
herr: Nr.: 1900 Heinrich Bremer •
28. 5. 1617 Johan Garstenbüttel, Helbardirer 8 (bis 1912 aufgelöst)
1627 Hans Gastenbütte » 1930 Else Vespermann geb. Hogrefe
15. 9. 1628 Ernst Garstenbüttel 10 in Heuershagen
Sept. 1628 Ernst Garstenbüttel arm 11 1954 Else Verspermann geb. Hogrefe
1631 Hans Gastenbüttel 7 (ohne Land)
1631—1632 Ernst Gaßenbüttel 7 Bestellter Acker 1756: 8 hann. Morgen
1636/37 Ernst Gaßenbüttel Gut I 6 Bestellter Acker 1760: 5 hann. Morgen
1638/39 Ernst Ckaßenbüttel Gut I 6 Grundbesitz am 16. 9. 1842: 10 hann. Morgen, 108 Quadrat-
1639-1644 Ernst Gastenbüttel 7 Ruthen
vor 1649 Hans Garstenbüttel 12
9. 12. 1649 Carsten Stockman 12 Wiepen-Hof "
2. 5. 1665 Hennig Gaßenbüttel 14 Kötner Nr. 21 . Brandkassen-Nr. 17 (1813: Nr. 15). Nach 1813
12. 4. 1667 Carsten Stöckmann 15 erwarb Heinrich Hellberg Nr. 13 die Stelle v o n Heinrich Rie-
1666 Carsten Stockman Gut I u. II 6 kenberg Nr. 4. Das strohgedeckte W o h n h a u s (Baujahr um 1680)
20. 9. 1667 Carsten Stockmann Gut I u. II 16 brannte 1868 ab. Der Hof wurde durch Behrmann aufgelöst.
1671/72 Carsten Stockman Gut I u. II 6 Heute steht auf dem Hof räum das W o h n h a u s Nr. 71.
1675/76 Carsten Stockman Gut I u. II 6 Urk. von: Grund- Quelle
1691/92 Ludeke Stockman 6 herr: Nr.:
1695/96 Ludecke Stockman 9 15. 9. 1628 Ortgies W i e b e aus Hudemühlen 10
1699/1700 Ludecke Stockman 9 Sept. 1628 Orthgis W i b e 11
1739/40 Carsten Stockmann 9 1631/32 Orthgieß W i e b e Gut II 6
1747 Cord Stöckmann 19 1635/36 Ortgieß W i e b e Gut II 6
Ost. 1753 J o h a n n Cordt Stöckmann Com -Gut 17 1636/37 Ortgieß Wieben 6
Mich. 1753 J o h a n n Cordt Stöckmann Com -Gut 17 1637/38 Ortgieß W i e b e Gut II 6
1754 — 1756 J o h a n n Cordt Stockmann Com -Gut 17 9. 12. 1649 Ortgies W i e b e n witt. 12
1757 Johann Cord Stoeckmann Com -Gut 17 4. 12. 1660 Curdt W i e b e 13
Ost. 1757— Johann Cord Stöckmann Com -Gut 17 1660/61 Curdt W i e b e 9
Mich. 1758 1661—66 Curdt W i e b e 9
1759—1760 J o h a n n Cordt Stöckmann Com -Gut 17 2. 5. 1665 Cordt W i e b e 14
1. 12. 1760 J o h a n n Cordt Stöckmann 20 1665—1666 Cort W i e b e 7
um 1795 Johann Heinrich Stökmann 19 1666 Curdt W i e b e Gut II 6
24. 7. 1811 Johann Hinrich Stöckmann, 44 J., 20. 9. 1667 Cord W i e b e Gut II 16
Catrina Margaretha gbr. Kochs 21 1671/72 Curdt W i e b e Gut II 6
25. 11. 1813 J o h a n n Hinrich Stöckmann 22 1675/76 Curd W i e b e Gut II 6
Nov. 1831 Cord Hr. Lorenz (auch 1817) 23 1695/96 Cord W i e b e 9
29. 4. 1845 Cord Lorenz Erben 24 1699/1700 Cordt W i e b e 9

170 171

Urk. von: Grund- Quelle Urk. von: Grund- Quelle
herr: Nr herr: Nr. :
1700/01 Heinrich Riekenberg aus Hudem. 17 1637/38 Reineke Kösterdahl Gut II 6
1717 Hinrich Riekenberg 17 9. 12. 1649 Reinecke W o r t m a n 12
1739/40 Hinrich Riekenberg 17 2. 5. 1665 Hinrich Hellberg 14
7. 10. 1743 Jochim Riekenberg 18 1665—1666 Hinrich Hellberg 7
1747 Joachim Riekenberg 19 1666 Henrich Hellberg Gut I u. II 6
1. 12. 1760 W i t w e Riekenberg 20 20. 9. 1667 Heinrich Heiberg Gut I u. II 16
um 1765 J o h a n n Riekenberg 19 1671/72 Heinrich Heltberg Gut I u. II 6
um 1790 Joachim Riekenberg 19 1675/76 Heinrich Helteberg Gut I u. II 6
24. 7. 1811 Joachim Hinrich Riekenberg, 1675/76 Hinrich Heltberg 9
48 J.r Anna Maria gbr. Narjes 21 1695/96 Heinrich Heltberg 9
25. 11. 1813 Joachim Rieckenberg (1817: Hr.) 22 1699/1700 Heinrich Heiberg 9
vor 1831 Hrch. Rieckenberg (Joh. Hinr.) 24 1700/01 Heinrich Helteberg 17
Nov. 1831 Heinr. Hellberg Hs. Nr. 13 23 1717 Cordt Hörnman 17
29. 4. 1845 Heinr. Heiberg (1832: Joh. Hr.) 24 1739/40 J o h a n Heiberg 9
um 1860 durch Behrmann aufgelöst 7. 10. 1743 J o h a n n Heiberg 18
1900 Ludwig Rust, W o h n h a u s Nr. 71 1747 J o h a n n Heiberg 19
1930 J o h a n n e Eggers W i t w e 1. 12. 1760 Cordt Wichmann 20
1954 Johanne Eggers W i t w e um 1765 Cord Wichmann 19
Bestellter Acker 1756: 5 hann. Morgen um 1785 J o h a n n Heiberg 19
Bestellter Acker 1760: 4 hann. Morgen 24. 7. 1811 J o h a n n Hinrich Heiberg, 24V2 J.
Dorothea Maria gbr. Hodenberg 21
Kösterdahrs-Hof 25. 11. 1813 J o h a n n Hinrich Heiberg 22
Kötner Nr. 22 . Brandkassen-Nr. 18 (1813: Nr. 14). Joh. Heinr. vor 1831 Joh. Hrch. Heiberg 24
Hellberg w a r 1831 und 1845 zugleich Eigentümer der Wind- Nov. 1831 Joh. Hr. Hellberg 23
mühle. Die Gebäude wurden 1868 durch Brand zerstört und neu 29. 4. 1845 Hrch. Warnecke 24
errichtet. Der Hof w u r d e nach 1900 durch Heinrich Bäßmann um 1900 durch Heinrich Bäßmann aufgelöst
aufgelöst. Um 1908 erwarb Heinrich Koch Nr. 17 Gebäude und 1930 Heinrich Koch mit den Grundstücken
Hofraum. der Kötnerstelle Nr. 17
Urk. von: Grund- Quelle 1954 Henni Bremer geb. Koch, W i t w e
herr: Nr. : d. Dr. Karl Bremer aus Hs. Nr. 20
1564 Christoffer W o r d m a n 5 Bestellter Acker 1756: 4 hann. Morgen
15. 9. 1628 Reineke W o r d m a n 10 Bestellter Acker 1760: 2 hann. Morgen
Sept. 1628 Reineke W o r t m a n 11 Gesamtgröße 1954: 11 ha 11 ar (ehem. Kötnerstelle Nr. 17)
1631/32 Reineke W o r t h m a n •
(auch) Reineke Kösterdahl Gut II 6 Schaperdieck s
1635/36 Reineke Kösterdahl Gut II 6 Halbe Brinksitzerstelle Nr. 23. Brandkassen-Nr. 19 (1813: Nr.

172 173
35). Am 1. 12. 1760 Neu-Anbauer. Am 25. 11. 1813 Brinksitzer. Urk. von: Grund- Quelle
1845 gehörte das Grundstück zur Kötnerstelle Nr. 31. Seit Mitte herr: Nr.:
des 19. Jahrhunderts Gastwirtschaft. Die Herkunft des Namens 28. 5. 1617 Härmen Mußman, Helbardirer 8
Schaperdiecks ließ sich aus den Urkunden nicht ermitteln. 15. 9. 1628 Härmen Mußman 10
Urk. von: Grund- Quelle Sept. 1628 Härmen Mußman 11
herr: Nr.: 9. 12. 1649 Härmen Musman 12
1671/72 Heinr. Tiedtke, Zimmerm. Gut I, II, III 6 6. 9. 1660 Härmen Mußmann 13
1675/76 Heinrich Tiedke, 12. 4. 1667 Herman Mußman 15
1700/01 Ordtgieß Tiedgens Gut II 17 20. 9. 1667 Heinrich Mußman Gut III 16
1695/96 Heinrich Tieding 9 1675/76 Henrich Mußman 9
1699/1700 Heinrich Tilding 9 1695/96 Heinrich mußman 9
1739/40 Andreas Plesse 9 1699/1700 Heinrich Mußmann 9
1747 Andreas Pleshe, Brinksitzer 19 1739/40 Koch 9
1. 12. 1760 J o h a n n Jochim Kampen, Neuanbauer 20 7. 10. 1743 Hinrich Mußmann 18
um 1765 Joachim Campen, Zimmermeister*) 19 1747 J o h a n n Hinrich Muesmann 19
um 1795 Jacob Campen 19 Mich. 1753 Hinrich Mußman 17
24. 7. 1811 Otto Heinr. Kirchhoff, 48 J., Ehefr. u. 3 l o c h t . 21 1. 12. 1760 Hinrich Mußmann 20
25. 11. 1813 Otto Kirchhoff, Brinksitzer 22 u m 1795 Friedrich Musmann 19
um 1825 Joh. Hrch. Nieber (auch 1817) 24 24. 7. 1811 J o h a n n Friedrich Mußmann, 42 J.,
Nov. 1831 W i t w e Nieber, Anbauer 23 Margaretha gbr. M e y e r n 21
29. 4. 1845 Christoph Meyer 24 25. 11. 1813 Friedrich Mußmann 22
1900 Christoph Meyer Nov. 1831 Friedr. Musmann 23
1930 Friedrich Meyer 29. 4. 1845 Friedr. Mußmann (Joh. Friedr.) 24
1954 Gustav Dammann 1900 Friedrich Mußmann
Bestellter Acker 1756: 1 hann. Morgen 1930 Friedrich Mußmann
Bestellter Acker 1760: 1 hann. Morgen 1954 Friedrich Mußmann
Gesamtgröße 1954: 8 ha 14 ar Bestellter Acker 1756: 12 hann. Morgen
Bestellter Acker 1760: 8 hann. Morgen
Mußmanns-Hof Grundbesitz am 16. 9. 1842: 6 hann. Morgen, 31 Quadrat-
Kötner Nr. 24. Brandkassen-Nr. 24 (1813: Nr. 17). Der Hofraum Ruthen
befand sich neben dem Bäßmannshof Nr. 1. Nach der Zerstö- Gesamtgröße 1954: 24 ha 97 ar
rung der Gebäude durch Feuer im J a h r e 1868 erwarb Mußmann
die Gebäude Nr. 1, die 1890 durch Blitz zerstört wurden. Neu- Behrens-Hof
bau im gleichen J a h r e . Kötner Nr. 25. Brandkassen-Nr. 25 (1813: Nr. 18). Diese Kötner-
stelle wird im Güterregister von 1486 als „kathe b y der beren"
Anmerk.: Die alte sehr baufällige Kirche zu Hudemühlen-Burg wurde 1768 bezeichnet. Es ist wahrscheinlich der Hofraum des ehem. Bücht-
größtenteils abgebrochen und durch Zimmermeister Joachim Campen aus mannshofes Nr. 10. Auf diesem Hof räum standen außerdem bis
Eickeloh von neuem erbaut und vergrößert 1819 die Gebäude der Kötnerstelle Nr. 14. Das W o h n h a u s wurde

174 175
1868 durch Feuer zerstört und neu errichtet. Friedrich Campe Urk . von: Grund- Quelle
war um 1757/60 Interimswirt. herr: Nr.:
um 1765 Friedrich Kirchhof 19
Urk. von: Grund- Quelle um 1785 Johann Heinrich Kirchhoff 21
herr: Nr.: um 1810 Joh. Friedr. Kirchhof 19
1486 kathe b y der beren O. v. H. 1 24. 7. 1811 Johann Friedrich Kirchhoff, 29 J.,
1564 Berendt Kock od. Härmen Arendes 5 Catrina Maria gbr. Hüxter 21
1597/98 Jürgen Arendes Gut I 6 25. 11. 1813 Friedrich Kirchhoff 22
1600/01 J ü r g e n Arendes Gut I 6 vor 1831 Joh. Friedrich Kirchhof (auch 1817) 24
1615/16 Jürgen Arendes Gut I 6 Nov. 1831 Friedr. Kirchhoff (1832: Joh. Fr.) 23
1619—1640 J ü r g e n Arends, Kirchenjurat 7 29. 4. 1845 Heinr. Kirchhoff (Joh. Hinr.) 24
15. 9. 1628 J ü r g e n Arendes 10 1900 Heinrich Bünger
Sept. 1628 J ü r g e n Arends 11 1930 Heinrich Bünger
1631—1632 J ü r g Arendes 7 1954 Heinrich Bünger
1636/37 Jürgen Arendts Gut I 6 Bestellter Acker 1756: 8 hann. Morgen
1638/39 J ü r g e n Arendts Gut I 6 Bestellter Acker 1760: 6 hann. Morgen
1639—1644 Marquardt Rust 7 Gesamtgröße 1954: 23 ha 21 ar
vor 1649 Jürgen Arendts 12
9. 12. 1649 Marquardt Rust 12 Meyermanns-Hof
1660/61 Marquardt Rust 9 Kötner Nr. 26. Brandkassen-Nr. 27 (1813: Nr. 20). Der Hofraum
1665—1666 Marquart Rust 7 wurde um den ehem. Hausplatz des Vollhofes Nr. 2 vergrößert,
1666 Marquardt Rust Gut I u. II 6 auf dem vor 1818 die Gebäude der Kötnerstelle Nr. 31 standen.
20. 9. 1667 Marquard Rust Gut I u. II 16 Bei dem großen Dorfbrande im Jahre 1868 wurden die Häuser
1671/72 Heinrich Rust Gut I u. II 6 zerstört und neu errichtet.
1675/76 Heinrich Rust Gut I u. II 6 Urk. v o n : Grund- Quelle
1691/92 Henrich Rust 6 herr: Nr.:
1695/96 Heinrich Rust 9 15. 9. 1628 Härmen Lyhrs 10
1699/1700 Henning Rust 9 Sept. 1628 Orthgies M e y e r m a n 11
1739/40 Cord Hems 9 1631/32 Ortgieß Narries od. Meyerman Gut II 6
7. 10. 1743 Cordt Heemß 18 1635/36 Ortgieß M e y e r m a n Gut II 6
1747 Cord Heims 19 1637/38 Ortgieß Maierman Gut II 6
Ost. 1753 Cordt Heimß Com.-Gut 17 9. 12. 1649 Ortgies Meyerman 12
1754—1756 Cordt Heimß Com.-Gut 17 1666 Ortgies Narries Gut I u. II 6
1757 Friedrich Campe, Hs. Nr. 33 Com.-Gut 17 20. 9. 1667 Ortgies Meyermann Gut I u. II 16
Ost. 1757— Cord Heimß Com.-Gut 17 1671/72 Wilhelm Narrieß Gut I u. II 6
Mich. 1758 1675/76 Wilhelm Narries Gut I u. II 6
1759—1760 Frdr. Campe olim Cord Heimß Com.-Gut 17 1675/76 Wilhelm Narries 9
1. 12. 1760 Cordt Heemß 20 1695/96 Wilhelm Narries Sen Godehuß 9

176 Bg. 12 Eickeloh 177


Urk. v o n : Grund- Quelle Urk. v o n : Grund- Quelle
herr: Nr.: herr: Nr.:
1699/1700 Baizar Godehuß 9 1597/98 Hinrich Arendes Sohn 6
1700/01 Balßar Gudehuß 17 28. 5. 1617 Carsten Arens, Helbardirer 8
1717 J o h a n n Wilhelm Narries 17 15. 9. 1628 Carsten Arendes 10
1739/40 J o h a n n Wilhelm Narries 9 Sept. 1628 Johann Wichman 11
7. 10. 1743 Cord Rust 18 1631/32 J o h a n Beeßmann oder
1747 Cord Rust 19 Wichmann Gut II 6
Mich. 1753 Baltzar Gudehuß W w . Gut II 17 1635/36 Johann Beeßmann Gut II 6
1. 12. 1760 Cord Rust 20 1637/38 J o h a n n Beeßman Gut II 6
um 1765 J o h a n n Frerking 19 9. 12. 1649 J o h a n W i e b e aus Hudemühlen 12
um 1885 Joh. Hinr. Frerking 19 6. 9. 1660 Johan Wiebe 13
24. 7. 1811 J o h a n n Hinrich Frehrking, 1660/61 Johan Wiebe 9
48 Jahre, Catrina Maria 1661/62— Johan W i e b e 9
gbr. Heuern 1662/63
25. 11. 1813 J o h a n n Hinrich Frehrking 22 1664/65 Johan Wiebe 9
vor 1813 Cord Engehausen 24 1666 Johan Wiebe Gut I u. II 6
Nov. 1831 Cord Engehausen (auch 1817) 23 20. 9. 1667 Johan Wiebe Gut I u. II 16
29. 4. 1845 Conrad Engehausen 24 1665/66— Johan Wieben 9
1900 Heinrich Engehausen 1671/72
1930 Georg Bünger 1671/72 Thomaß Wiebe Gut I u. II 6
1954 Hermann Hellmann 1671/72— J o h a n Wieben 9
Bestellter Acker 1756: 5 hann. Morgen 1675/76
Bestellter Acker 1760: 3 hann. Morgen 1675/76 Thomas Wiebe Gut I u. II 6
Gesamtgröße 1954: 22 h a 20 ar 1678/79 Thomas Wiebe 9
1691/92 Thomas Wiebe 6
1695/96 Thomas Wiebe 9
Ahrens-Hof 1699/1700 Thomas Wiebe 9
Kötner Nr. 27. Brandkassen-Nr. 29 (1813: Nr. 24). Es ist wahr- 1739/40 Johann Wiebe 9
scheinlich die Kötnerstelle, die in der Urkunde von 1486 „de 7. 10. 1743 Johann Wiebe 18
kate neuen Hermen meynen ouer (die Kate neben Hermen 1747 Johann Wiebe 19
Meynen Hofe)" heißt. Das Fachwerk des Wohnhauses ist um Ost. 1753 Johann Wiebe Com.-Gut 17
1680 erbaut worden. Der Hof wurde 1910 durch Heinrich Wiebe 1754—1756 Johann Wiebe Com.-Gut 17
aufgelöst. 1757 Johann Wiebe Com.-Gut 17
Urk. von: Grund- Quelle Ost. 1757— Johann Wiebe Com.-Gut 17
herr: Nr.: Mich. 1758
23. 8. 1533 Heyne Arndes 3 1759—1760 Johann Wiebe 17
1564 Hinrich Arendeß 5 1. 12. 1760 Johann Wiebe 20

178 179
Urk. von: Grund- Quelle LTrk. von: Grund Quelle
herr: Nr.: herr Nr.:
um 1785 Friedrich W i e b e 19 1636/37 Friedrich Ripke Gut I 6
24. 7. 1811 J o h a n n Friedrich Wiebe, 44 J., 1638/39 Friedrich Ripke Gut I 6
Catrina Maria gbr. W r e e d e n 21 1639—1644 Friedrich Ripke 7
25. 11. 1813 Friedrich W i e b e 22 9. 12. 1649 Friedrich Rippke 12
vor 1831 Friedrich W i e b e 24 2. 5. 1665 Jürgen Ribke 14
Nov. 1831 Friedr. W i e b e (1832: Joh. Hrch.) 23 1665—1666 Friedrich Ripke 7
29. 4. 1845 Heinrich Wiebe, Gem.-Vorsteher 24 1666 Jürgen Ripke Gut I u. II 6
1900 Heinrich Wiebe 20. 9. 1667 Jürgen Ripke Gut I u. II 16
1930 Heinrich W i e b e (1910 aufgelöst) 1671/72 Jürgen Ripke Gut I u. II 6
1954 Ernst Cohrs f (o. Land) (s. 1952H. Wourner) 1675/76 Jürgen Beckman Gut I u. II 6
Bestellter Acker 1756: 9 hann. Morgen 1695/96 J ü r g e n Beckman Gut I u. II 9
Bestellter Acker 1760: 6 hann. Morgen 1699/1700 Jürgen Beekmann 9
Größe am 16. 9. 1842: 16 hann. Morgen, 98 Quadrat-Ruthen 1700/01 Fritze Beckman 17
1717 Fritze Behckman 17
Beeken-Hof 1739/40 Friedrich Baekmann 9
Kötner Nr. 28 . Brandkassen-Nr. 30 (1813: Nr. 26). Der Besitzer 7. 10. 1743 Wilhelm Andermann 18
Cord Campe 1775 (Cord Levin) w a r zugleich Erbe der Brink- 1747 Wilhelm Andermann 19
sitzerstelle 33 auf der ihm 1813 sein zweiter Sohn J o h a n n Hin- 1. 12. 1760 Jürgen Hinrich Beckmann 20
rieh folgte. Der Hofname dürfte von dem Besitzer Beckmann um 1765 J ü r g e n Hinrich Beckmann 19
herrühren. um 1785 Cord Campe aus Hs. Nr. 33
Urk. von: Grund- Quelle (auch Besitzer v. Hs. Nr. 33) 19
herr: Nr.: 24. 7. 1811 Cordt Levien Campe, 62 Jahre,
1486 Hermen Hopmans kothe O. v. H. 1 Anna Margarethe gbr. Rüsten 21
23. 8. 1533 Eggerth Hopmans 3 25. 11. 1813 W i t t w e Campen (1817: Jürg. Fr.) 22
27. 3. 1536 Eggert Hoymans M. v. H. 4 Nov. 1831 Joh. Fr. Campe (Joh. Jürg.?) 23
1564 Eggard Hovman 5 29. 4. 1845 Jürgen Friedr. Kampen 24
1597/98 Luder Loheman Gut I 6 1900 Friedrich Kampe
1600/01 Luder Loheman anders 1930 Fritz Riekenberg
zu gen. Hoeyman Gut I 6 1954 Karl Bertram
1615/16 Jürgen Hovman Gut I 6 Bestellter Acker 1756: 9 hann. Morgen
1609—1620 Jürgen Hopman 7 Bestellter Acker 1760: 7 hann. Morgen
28. 5. 1617 Jürgen Hoffman, Helbardirer 8 Gesamtgröße 1954: 28 ha 27 ar
15. 9. 1628 Jürgen Hofman 10
Sept. 1628 Friedrich Ripke 11 Ohlenheers-Hof
1631/32 J ü r g Hopmans Käthe Kötner Nr. 29 Brandkassen-Nr. 32 (1813: Nr. 25) . Der erste Be-
Friedrich Ripke 7 sitzer w a r der Kuhhirte des Dorfes: Ohlenheers = alter Hirte.

180 181
In die Urkunde von 1649 w u r d e „noch Reineke W o r t m a n " ein- Urk. von: Grund- Quelle
getragen. Dieser w a r Besitzer der Kötnerstelle Nr. 22 u n d ver- herr: Nr.:
waltete den Ohlenheershof bis zur Volljährigkeit des Erben. 28. 5. 1617 Dietrich Specht, Helbardirer 8
Das heutige W o h n h a u s w u r d e 1857 erbaut. 15. 9. 1628 Dietrich Specht 10
Urk. von: Grund- Quelle Sept. 1628 Dietrich Specht 11
herr: Nr.: 1631/32 Dietrich Specht Gut II 6
15. 9. 1628 Peter Rennekamp 10 1635/36 Dietrich Specht Gut II 6
Sept. 1628 Peter Rennekamp arm 11 1636/37 Dietrich Specht Gut II 6
9. 12. 1649 „noch Reineke Wortman" 9. 12. 1649 Hinrich Specht 12
(d. i. Reineke Kösterdahl Hs. Nr. 22) 12 6. 9. 1660 Dietrich P e n ß h o m 13
20. 9. 1667 Henrich Rennekamp Gut III 16 1666 Dietrich P e n ß h o m Gut I u. II 6
1695/96 Heinrich Rennekamp 9 20. 9. 1667 Dietrich Penßhorn Gut I u. II 6
1699/1700 Heinrich Rennekamp 9 1671/72 Dietrich Penßhorn Gut I u. II 6
1739/40 Johann Hinrich Rennekamp 9 1675/76 Dietrich Penßhorn Gut I u. II 6
7. 10. 1743 J o h a n n Rennekamp 18 1695/96 Dierich Penßhorn 9
1747 Hinrich Rennekamp relic. 19 1699/1700 Ditrich Penßhorn 9
1. 12. 1760 Hinrich Pleße 20 7. 10. 1743 Harm Mußmann 18
um 1765 Hinrich Pleshe 19 1747 Harm Mußmann 19
um 1785 Jürgen Peters 19 um 1765 Otto Kerckhoff 19
24. 7. 1811 Jürgen Peters, 50 Jahre, 1. 12. 1760 Otte Kerkhoff 20
Catrina Margaretha Pleßen 21 um 1790 Dietrich Wickmann 19
25. 11. 1813 Jürgen Peters 22 24. 7.1811 Dietrich Wichmann, 48 Jahre,
vor 1831 Jürgen Peters 24 Catrine Maria geb. Kirchhoffs 21
Nov. 1831 Friedr. Börstling 23 25. 11. 1813 Dietrich Wichmann 22
29. 4. 1845 Friedr. Börßling 24 vor 1831 Dietrich Wichmann 24
1900 Friedrich Börstling Nov. 1831 Otto Wichmann 23
1930 Friedrich Börstling 29. 4. 1845 Otto Wichmann 24
1954 Willi Börstling (vermißt) 1900 Friedrich Söhnholz
Bestellter Acker 1756: 7 hann. Morgen 1930 Friedrich Söhnholz
Bestellter Acker 1760: 6 hann. Morgen 1954 Friedrich Söhnholz
Gesamtgröße 1954: 20 ha 11 ar Bestellter Acker 1756: 11 hann.. Morgen
Bestellter Acker 1760: 8 hann. Morgen
Renken-Hof Gesamtgröße 1954: 25 ha 26 ar
Kötner Nr. 30. Brandkassen-Nr. 35 (1813: Nr. 23). Offenbar rührt
der Hofname vom Rufnamen eines Besitzers her, der „Reinicke" Peets-Hof
hieß. Er konnte aus den Urkunden nicht ermittelt werden. Das Kötner Nr. 31. Brandkassen-Nr. 43 (1813: Nr. 21). Wird 1831
um 1820 erbaute W o h n h a u s w u r d e 1868 durch Brand zerstört „Peezt" genannt.
und neu errichtet. Die Gebäude befanden sich auf dem Grundstück Nr. 2 (heute

182 183
Hof räum Nr. 26). 1818 verlegten die Eheleute J o h a n n Heinrich Urk. von: Grund- Quelle
Nieber und Dorothea Elisabeth W o r t m a n n den Hofraum an den herr: Nr.:
Nordausgang des Dorfes. um 1785 Wilhelm W o r t m a n n 19
Urk. von: Grund- Quelle 24. 7. 1811 Johann Heinrich Nieber,
herr: Nr.: 42 Jahre, Dorothea Elisabeth
23. 8. 1533 Alberth Pentzhorn 3 gbr. W o r t m a n n 21
27. 3. 1536 Alberth Pentzhorn M. v. H. 4 25. 11. 1813 Johann Hinrich Nieber,
1564 Karsten Prentzhom 5 Amtsgeschworener 22
1615/16 Marquardt Penzhorn 6 vor 1831 Joh. Heinr. Nieber 24
15. 9. 1628 Marquardt Peters Witt 10 Nov. 1831 Wittwe Nieber (1832: Friedr.) 23
Sept. 1628 Marquardt Peters Witt 11 29. 4. 1845 Heinr. Friedr. Nieber 24
1631/32 Große Marquardt Wittibe Gut II 6 1900 Heinrich Nieber
1635/36 Gro.Marq.PenßhornSellKothen Gut II 6 1930 Heinrich Nieber
1637/38 Gr. Marqu. Penßhorn 1954 Hermann zum Felde
Seil Kothen Gut II 6 Bestellter Acker 1756: 14 hann. Morgen
1639/44 Cord Peters u. Clawes Stakensch 7 Bestellter Acker 1760: 8 hann. Morgen
9. 12. 1649 Clawes Stackenschneider 12 Gesamtgröße 1954: 27 ha 96 ar
2. 5. 1665 Johan W o r t m a n 14
1665—1666 Johan W o r d t m a n 7 Posmanns-Hof
1666 Johan W o r d t m a n n Gut I u. II 6 Kötner Nr. 32. Brandkassen-Nr. 45 (1813: Nr. 22). Diese Kötner-
20. 9. 1667 Johan W o h r t m a n Gut I u. II 16 stelle wurde in der Zeit von 1358 bis 1628 aus dem Eigentum des
1671/72 Johan Wordtman Gut I u. II 6 Gutes III von Hodenberg ausgeschieden und findet sich urkund-
1675/76 Johan W o r t m a n Gut I u. II 6 lich erstmals 1628 als zum Amte Ahlden gehörend (Herren-
1675/76 Johan W o r t m a n 9 meier). In den Hodenberger Güteraufnahmen ist sie daher
1691/92 Dietrich Specht Gut II 6 niemals geführt worden.
1695/96 Johan Wordtman 9 Auf dem ehem. Hofraum zwischen Hs. Nr. 8 und 9 standen
1699/1700 Johan W o h r t m a n n 9 in den J a h r e n der Dorfgründung sehr wahrscheinlich die Ge-
1739/40 Joh. Hinrich W o r t m a n n 9 bäude des heutigen Vollhofes Nr. 4. Um 1550 richtete das fürstl.
7. 10. 1743 Johann Hinrich W o r t m a n n 18 Amt Ahlden dort die Postumspannstelle ein, die nach 1700 nach
1747 Johann Hinrich W o r t m a n n 19 Hademstorf verlegt wurde. Den Besitzer nannte man im Amts-
Ost. 1753 Johann Hinrich W o r t m a n n Com.-Gut 17 lagerbuch von 1667 „Postmann". 1822 verlegten die Eheleute
1754—1756 Johann Hinrich W o r t m a n n Com.-Gut 17 Jobst Heinrich Lindhorst und Catrina Maria Plessen den Hof-
1757 Johann W o r t m a n n Com.-Gut 17 raum an den Südwestrand des Dorfes. Eine noch vorhandene
alsdann Johan Woordtmann 19 Ofenplatte trägt die Inschrift: „Dirck Ples. Safia Horman. 1710".
Ost. 1757— J o h a n n Hinrich W o r t m a n n Com.-Gut 17 Urk. von: Grund- Quelle
Mich. 1758 herr: Nr.:
1759—1760 Johann Hinrich W o r t m a n n Com.-Gut 17 1564 Reineke veltman 5
1. 12. 1760 J o h a n n Hinrich W o r t m a n n 20 15. 9. 1628 Heinrich W o r d m a n 10

184 185
Urk. von: Grund- Quelle schaft. Schon in den Viehschatzregistern des 16. J a h r h u n d e r t s
herr: Nr.: sind einige von ihnen mit einem geringen Viehbestande auf-
Sept. 1628 Heinrich W o r t m a n 11 geführt, scheinen aber anteilberechtigt an der Allmende nicht
1628/29 Veltman Amt Ahlden 9 gewesen zu sein*). Als solche treten sie erst in ihrer Eigen-
1630/31 Veltman Amt Ahlden 9 schaft als Gesamtmeier der Hodenberger Güter auf. Nach der
1659/60 Helmeke Hüxter Amt Ahlden 9 Verkuppelung haben sie die Hofnummern 33 bis 37 erhalten.
1666 Henrich W o r d t m a n Amt Ahlden 6 Aber auch die beiden späteren Stellen Nr. 23 und Nr. 41
20. 9. 1667 Helmeke Hüxter Amt Ahlden 16 (Dorfschmiede) führte man schon seit 1700 und besonders im
1671/72 Heinrich W o r d t m a n Amt Ahlden 6 Kataster v o n 1747 unter den Brinksitzern, während sie in der
1675/76 Heinrich W o r t m a n Amt Ahlden 6 Zustandsvergleichsliste von 1760 als „Neu-Anbauer" bezeich-
1698 Hinrich W o r d t m a n Amt Ahlden 6 net wurden. In der Statist. Übersicht von 1831 erscheint Nr. 41
1695/96 Heinrich W o h r t m a n n 9 wieder als Brinksitzerstelle. Im Verteilungsschlüssel von 1845
1699/1700 Heinrich W o r t m a n n jun. 9 (96 Teile) sind sie dagegen nicht berücksichtigt. Durch die Ver-
1700/01 Hinrich W o r d t m a n Amt Ahlden 6 koppelungsgesetzgebung sollte aber weiteren Siedlungswilli-
1739/40 Dietrich Pleße 9 gen die Beteiligung am Grund und Boden der Gemeinde mög-
7. 10. 1743 Hinrich Pleße 18 lich sein. In erster Linie k a m e n dafür natürlich die bereits vor-
1747 J o h a n n Hinrich Pleshe 19 handenen Hausstellenbesitzer in Betracht. W ä h r e n d nun den
1. 12. 1760 J o h a n n Hinrich Pleße 20 Stellen Nr. 23 und 41 zusammen das Recht einer Brinksitzer-
u m 1765 Jürgen Pleshe 19 stelle eingeräumt wurde, erhob man die Nr. 38 (Mühle), 39, 40
u m 1790 Jobst Heinrich Lindhorst 19 (ehem. Gemeindehirtenhaus), 42 und 43 zu anteilberechtigten
24. 7. 1811 Jobst Hinrich Lindhorst, 44 Jahre, Anbauerstellen.
Catrina Maria gbr. Pleßen 21 Den Abbauerstellen blieb wohl die Möglichkeit, freiwerden-
25. 11. 1813 Jobst Lindhorst 22 des Land zu kaufen; aber eine Reihestelle konnten sie niemals
vor 1831 Jobst Lindhorst 24 mehr werden. In den Realgemeinde-Verband konnte nur noch
Nov. 1831 W i t t w e Lindhorst Amt Ahlden 23 gelangen, wer eine Hofstelle (Vollmeierhof, Zweidrittelmeier-
29. 4. 1845 Friedr. Lindhorst (Joh. Friedr.) 24 hof, Kötnerstelle, Brinksitzerstelle oder Anbauerstelle) mit
1900 Friedrich Lindhorst allen Rechten und Pflichten entweder im W e g e der Erbfolge
1930 Emma Lindhorst oder durch Kauf erwarb.
1954 Ernst August Trippe Die Abbauerstellen sind daher in diesem Abschnitt nicht
Bestellter Acker 1756: 14 hann. Morgen mehr mit aufgeführt worden.
Bestellter Acker 1760: 8 hann. Morgen
Gesamtgröße 1954: 25 ha 33 ar Genebers
Brinksitzer Nr. 33. Brandkassen-Nr. 7 (1813: Nr. 37). Der Haus-
Es folgen nun die Brinksitzer und Anbauer. Die Brinkkötner namen-Ursprung dürfte sich aus dem Rufnamen des ersten Be-
erscheinen in den Höferegistern um 1600 zum ersten Male. Sie
hatten sich am Dorfrande als H a n d w e r k e r niedergelassen, füt- Dr. F. Hamm, a. a. O.: „Seit 1500 widersetzten sich die bedrückten Bauern
dem weiteren Aufteilen der Allmende (Gemeinheit). Neusiedler müssen
terten auch einige Rinder und Schafe und erwarben nach und sich mi tdem ,Brink', den schlechtesten Stellen begnügen (daher .Brink-
nach den dazu erforderlichen Anteil an der Markgenossen- sitzer') "

186 187
sitzers „Jen Ebers", nämlich Joh. Evert Campen einwandfrei er- Urk. von: Grund- Quelle
geben. Friedrich Campe erwarb um 1757 die Kötnerstelle Nr. 25 herr: Nr.
(als Interimswirt) und Cord Levien um 1780 die Stelle 28. 1637/38 Marquardt Kock Gut I, II, III 6
Urk. von: Grund- Quelle 1638/39 Marquardt Kock Gut I, II, III 6
herr: Nr.: 9. 12. 1649 Marquard Koch, Brinks. 12
1691/92 J o h a n Evert Campen Gut I, II, III 6 1666 Jürgen Koch Gut I, II, III 6
1695/96 J o h a n Evert Kampen 9 20. 9. 1667 Marquard Koch Gut I, II, III 6
1699/1700 J o h a n Evert Campen 9 1671/72 Jürgen Kock Gut I, II, III 6
1739/40 J o h a n n Jürgen Campen 9 1675/76 Jürgen Kock Gut I, II, III 6
7. 10. 1743 Johann Jürgen Kampen 18 1691/92 Jürgen Kock Gut I 6
1747 J o h a n n Jürgen Campen, Brinks 19 1695/96 Jürgen Koch 9
1757 Friedrich Campen (u. Nr. 25) 17 1699/1700 J ü r g e n Koch 9
1. 12. 1760 Friedrich Campen, Brinks. 20 1739/40 Jürgen Koch 9
um 1765 Friedrich Campen 19 7. 10. 1743 J ü r g e n Koch 18
um 1785 Cord Campen, Hs. Nr. 28 19 1747 J ü r g e n Koch, Brinksitzer 19
24. 7. 1811 J o h a n n Hinrich Campe, 1753 Hinrich Koch Com.-Gut 17
23 J a h r e aus Hs. Nr. 28 21 1754 Jürgen Koch Com.-Gut 17
25. 11. 1813 J o h a n n Hinrich Campen 22 um 1755 Hinrich Koch 19
Nov. 1831 Joh. Hr. Campen, Brinksitzer 23 1756 Hinrich Koch Com.-Gut 17
29. 4. 1845 Joh. Hrch. Kampen 1757 Hinrich Koch Com.-Gut 17
1900 Heinrich Fegebank Mich. 1760 Hinrich Koch Com.-Gut 17
1930 Fritz Wichmann 1. 12. 1760 J ü r g e n Koch, Brinksitzer 20
1954 Fritz Wichmann um 1810 Hinrich Koch 19
Bestellter Acker 1756: 2 hann. Morgen 24. 7. 1811 J o h a n n Hinrich Koch,
Bestellter Acker 1760: 1 hann. Morgen frau Ilse
46 J a h r e , Rademacher, Ehefrau
Gesamtgröße 1954: 8 h a 85 ar Maria gbr. Börstling 21
25. 11. 1813 J o h a n n Hinrich Koch 22
Rademachers Nov. 1831 Joh. Hr. Koch, Brinksitzer 23
Brinksitzer Nr. 34. Brandkassen-Nr. 8 (1813: Nr. 36). Das heute 29. 4. 1845 Joh. Hrch. Koch 24
noch vorhandene W o h n h a u s trägt die Inschrift: „Jürgen Kock, 1900 Friedrich Koch
Annemarlene Melier. Anno 1687". Der Hausname dürfte ein 1930 Friedrich Koch
Beweis dafür sein, daß bereits der erste Besitzer dieses Ge- 1954 Marie Koch geb. Heuer
werbe ausgeübt hat. Bestellter Acker 1756: 3 hann. Morgen
Urk. von: Grund- Quelle Bestellter Acker 1760: 1 hann. Morgen
herr: Nr.: Gesamtgröße 1954: 13 ha 90 ar
1631/32 Marquardt Kock Gut I, II, III 6
1635/36 Marquardt Kock Gut I, II, III 6 Lammanns
1636/37 Marquardt Kock Gut I, II, III 6 Brinksitzer Nr. 35. Brandkassen-Nr. 40 (1813: Nr. 32). Der erste

188 189
Höker des Ortes. Der Hausname ist eine Kurzform von Langer- Besitzer gewesen sein; denn dieser w a r bereits ein Kötner, des-
mann. sen Nachfolge]• einen anderen Namen trug. In allen späteren
Urk. von: Grund- Quelle Registern erscheint der Name auch nicht mehr. Erst 1638 tritt er
herr: Nr. neu als Besitzer einer Brinksitzerstelle auf.
1597/98 Jacob Langermann, Schneider 6 Urk. von: Grund- Quelle
1600/01 Jacob Langermann, Schneider 6 herr: Nr.:
1615/16 Jacob Langermann, Schneider 6 1638/39 Härmen Dreyer 6
1631/32 Jacob Langermann Gut I, II, III 6 1666 Jacobs W i t w e im W i t w e n h a u s e
1635/36 Hinrich Langermann 6 Teilkötner 6
1636/37 Jacob Langerman 6 20. 9. 1667 Jacob Narries W i t w e
1637/38 Hinrich Langerman 6 Haußling Gut I, II, III 16
9. 12. 1649 Hinrich Langeman, Brinks. 12 1671/72 Jacobs W i t w e im W i t w e n -
1666 Henrich Langermann, Teilköther 6 hause Teilkötner Gut I, II, III 6
20. 9. 1667 Henrich Langeman, 1675/76 Jacobs W i t w e im Witwen-
Bringkohte Gut I, II, III 16 hause, Teilkötner Gut I, II, III 6
1739/40 Friedrich Rat je 9 1695/96 Cord Narries 9
7. 10. 1743 Friedrich Radeken 18 1699/1700 Cord Narries 9
1747 Friedrich Raatje, Brinksitzer 19 1739/40 Jacob Narries 9
1. 12. 1760 Friedrich Radekn, Brinksitzer 20 7. 10. 1743 Jacob Narries Amts-
24. 7. 1811 J o h a n n Friedrich Rathje, geschworener 18
39 J a h r e , Hoeker, Ehefr. 1747 J a c o b Narries, Brinksitzer 19
Catrina Maria gbr. Niebern 21 1. 12. 1760 Cordt Narrj es Amtsge-
2. 12. 1813 Friedrich Rathje 22 schworener, Brinksitzer 20
u m 1820 Joh. Frd. Ratje (auch 1817) 24 um 1765 Cord Narries 19
Nov. 1831 Sander Ratje, Brinksitzer 23 um 1785 J ü r g e n Narries 19
29. 4. 1845 Christian Frdr. Wichmann 24 24. 7. 1811 J ü r g e n Narries 65 Jahre,
1900 Heinrich Wichmann Ehefr. Catr. Maria Margar.
1930 Heinrich Wichmann gbr. Niemeyer 21
1954 Heinrich Wichmann 25. 11. 1813 J ü r g e n Narjes 22
Bestellter Acker 1756: 3 hann. Morgen um 1820 Joh. Hr. Lindhorst (1817: Joh. Fr.; 24
Bestellter Acker 1760: 1 hann. Morgen Nov. 1831 Hermann Eggers, Brinksitzer 23
Gesamtgröße 1954: 11 ha — ar 29. 4. 1845 Hermann Eggers 24
1900 Friedrich Eggers
1930 Friedrich Eggers
Drey ers 1954 Friedrich Eggers
Brinksitzer Nr. 36. Brandkassen-Nr. 41 (1813: Nr. 33). Der spä- Bestellter Acker 1756: 4 hann. Morgen
tere Besitzer Jacob Narries w o h n t e vorher im Pfarrwitwen- Bestellter Acker 1760: 2 hann. Morgen
hause. Henneke Dreyer vom 26. 5. 1429 kann nicht der erste Gesamtgröße 1954: 10 ha 05 ar

190 191
Gabriels Urk. von: Grund- Quelle
Brinksitzer Nr. 37. Brandkassen-Nr. 42 (1813: Nr. 34). Umbau herr: Nr.:
des W o h n h a u s e s : 1797. 29. 4. 1845 Joh. Hrch. Heiberg 24
Urk. von: Grund- Quelle 1900 J a k o b Dettmer
herr: Nr.: 1930 Fritz Dettmer
1695/96 Gabriel Fegebank 9 1954 Fritz Dettmer
1699/1700 Gabriel Fegebank 9 Gesamtgröße 1954: 2 ha 52 ar
1739/40 Heinrich Fegebangk 9
7. 10. 1743 Hinrich Fehgebank, Brinksitzer 18 Sandmanns
1747 Joh. Hinrich Fegebank 19 Anbauer Nr. 39. Brandkassen-Nr. 2 (1813: Nr. 43). Diese An-
1. 12. 1760 Haneß Hinrich Fegebank, Brinks. 20 bauerstelle w u r d e als solche bereits im J a h r e 1811 geführt, ob-
1797 Cord Heinr. Fegebank (lt. Hausinschrift) gleich sie als vollberechtigte Reihestelle erst von 1845 ab anzu-
um 1800 Joh. Friedr. Fegebank 24 sehen ist.
24. 7. 1811 J o h a n n Hinrich Fegebank 24. 7. 1811 J o h a n n Cord Sandmann 21
32 J a h r e . Ehefr. Anna Maria 24. 7. 1811 J o h a n n Hinrich Kirchhoff
gbr. Campen 21 36 J a h r e . Ehefr. Anna Maria
25. 11. 1813 J o h a n n Hinrich Fegebank 22 gbr. Sandmann 21
Nov. 1831 Joh. Hrch. Fegebank, 25. 11. 1813 Cordt Sandmann 22
Brinksitzer Kirche Eickeloh 23 Nov. 1831 Joh. Hr. Kirchhoff, Anb. Amt Ahlden 23
29. 4. 1845 Joh. Hrch. Fegebank 24 29. 4. 1845 Joh. Heinr. Kirchhof (auch 1817) 24
1900 Friedrich W o r t m a n n 1900 Heinrich Kirchhof
1930 Hermann Lindwedel 1930 Friedrich Kirchhof in Bothmer
1954 Hermann Lindwedel 1954 Friedrich Kirchhof
Bestellter Acker 1756: 3 hann. Morgen Gesamtgröße 1954: 2 ha — ar
Bestellter Acker 1760: 2 hann. Morgen
Gesamtgröße 1954: 9 h a 18 ar Altes Hirtenhaus
Anbauer Nr. 40. Brandkassen-Nr. 3 (1813: Nr. 42). Das alte
Windmüllers Hirtenhaus gehörte 1813 der Gemeinde und wurde von den
Anbauer Nr. 38. Brandkassen-Nr. 1. Die Windmühle w u r d e am Gemeindehirten (Pferdehirten, Kuh- oder Ochsenhirten, Schäfer
2. Mai 1747 genehmigt. Erster Besitzer J o h a n n Hinrich Bösche. und Fährmann) bewohnt. Dann erwarb es der Fährmann Jo-
Als Anbauerstelle erscheint die Mühle 1831 zum ersten Male hann Cordt Riekenberg. 1831 w u r d e die Stelle schon als An-
in den Registern. Eigentümer ist der Kötner Johann Heinrich bauerstelle geführt. Reihestelle ab 1845, aber als Abbauerstelle.
Hellberg (Nr. 22). Urk. von: Grund- Quelle
Urk. von: Grund- Quelle herr: Nr.:
herr: Nr.: 1757 Levin Hinrich Wortmann, Viehhirte 17
1817 Der Windmüller Ehlers lt. Rezeß vor 1831 J o h a n n Cord Riekenberg
um 1820 Joh. Herman Ehlers 24 42 J a h r e , Fährmann. Ehefr.
Nov. 1831 Joh. Hr. Hellberg, Anb. Amt Ahlden 23 Ilse Maria gbr. Giesecken 21

192 Bg. 13 Eickeloh 193


Urk. von: Grund- Quelle
herr: Nr.: Schäffers
Nov. 1831 Joh. Fr. Engehausen v. Hod. 23 Anbauer Nr. 42. Brandkassen-Nr. 5. Das Haus w u r d e nach 1822
29. 4. 1845 Cord Rieckenberg relict. erbaut. 1811 bzw. 1817 wohnte der Schäfer Georg Friedrich
u. Friedrich Engehausen, Abbauer Hüxter (20 Jahre) mit seiner Ehefrau Anna Maria geb. Blancken
(ol. Häusl. Friedr. Engehausen) noch in dem nach 1822 abgebrochenen H a u s e gegenüber dem
vorher i. Hs. Nr. 26 24 Grundstück Nr. 23 (heute Landstraße, s. Karte v. 1817)
1900 Heinrich W e s t e r m a n n in Riethagen Urk. von: Grund- Quelle
1930 Adolf Finkenwerder herr: Nr.:
1954 Adolf Finkenwerder 1817 Friedrich Hüxter lt. Rezeß
Nov. 1831 Georg Fr. Hüxter, Anb. Amt Ahlden 23
Sc h w e n s 29. 4. 1845 Jürg. Hüxter (auch: Friedr.) 24
Halbe Brinksitzerstelle Nr. 41. Brandkassen-Nr. 4 (1813: Nr. 38). 1900 W i t w e Hüxter
1700: Brinksitzer, 1760: Neu-Anbauer, 1813: Brinksitzer, 1831: 1930 Willi Heuer
Brinksitzer. Auf dem Grundstück befindet sich die Dorf- 1954 Heinz Heuer
schmiede. Umbau des W o h n h a u s e s durch Johann Henning Ber- Gesamtgrößte 1954: 4 ha 71 ar
tram: 1816.
Urk. von: Grund- Quelle Ochsenheers
herr: Nr.: Anbauer Nr. 43. Brandkassen-Nr. 46. Das Haus w u r d e nach
1699/1700 Hanß Hofmann 9 1813 erbaut. 1811 wohnte der Kuhhirte J o h a n n J ü r g e n Heuer
1739/40 Hanns Hofmann 9 (46 Jahre) mit seiner Ehefrau Ilse Maria geb. Pleßen noch im
1747 Jürgen Hinrich Sandmann, Brinks. 19 Gemeindehirtenhause und 1817 im heutigen Hause Nr. 44
1. 12. 1760 J o h a n n Brandes, Neu-Anbauer 20 (s. Karte v. 1817)
um 1765 J o h a n n Brandes 19 Urk. von: Grund- Quelle
um 1795 J o h a n n Hinr. Brandes 19 herr: Nr.:
24. 7. 1811 Anna Elisabeth Brands Nov. 1831 Jürgen Heuer, Anbauer Amt Ahlden 23
gbr. Wichmann, 52 Jahre, 29. 4. 1845 Heinrich Heuer 24
Schmiedemeisterin relict. 1900 Heinrich Heuer
d. Weil. Schmiedemsts. Hinrich Brands 21 1930 Heinrich Heuer
25. 11. 1813 W i t t w e Brands, Brinksitzer 22 1954 Erich Heuer
Nov. 1831 Joh. Hr. Bertram, Brinks. Amt Ahlden 23 Gesamtgröße 1954: 10 ha 03 ar
29. 4. 1845 Joh. Hrch. Bertram (auch 1817) 24
1900 Heinrich Bertram
1930 Adolf Bertram
1954 Adolf Bertram
Bestellter Acker 1756: 1 hann. Morgen
Bestellter Acker 1760: 1 hann. Morgen
Gesamtgröße 1954: 5 ha 70 ar

194 195
10. Die Einwohner im 13. bis 20. Jahrhundert der Wassermühle aus entfernteren Gebieten herangezogen
(Siehe Seiten 254, 281, 282) wurden.
Andere Eickeloher Kinder fanden ihr Glück in den Nachbar-
dörfern, ohne allerdings die Nahrungsquelle des Ortes zu ent-
lasten, weil sich ganz gewiß auch damals mancher Hoferbe
seinen Ehepartner genau wie heute aus den Höfen in Hadems-
In den vorhergehenden Kapiteln wurde dargestellt, daß das torf und jenseits der Aller geholt hat. Die Kinder des Dorfes
Dorf Eickeloh um das Jahr 1300, d. h. rd. 150 Jahre nach seiner aber, die in den aufblühenden Städten Hannover und Celle
Umsiedlung von der Dorf stelle in den Eichenwald etwa 250 Ein- keine Zukunft fanden, sind in dem brotlosen Heer der Land-
wohner gehabt haben müsse. An dieser Zahl wird sich in den straße untergegangen.
folgenden Jahrhunderten nicht viel geändert haben. Denn die Aus der älteren Zeit sollen nun noch einmal alle urkundlich
Zahl der Feuerstellen wuchs nur langsam. Und die aus Lehm- bekannten Namen derjenigen Einwohner aufgeführt werden,
flechtwerk erbauten kamin- und fensterlosen Wohnkaten konn- die im vorhergehenden Abschnitt nicht genannt werden konn-
ten kaum mehr als 8 bis 10 Personen beherbergen. Die Unter- ten, weil sie keine Hofstellen besaßen, oder weil die heutigen
bringungsmöglichkeit läßt also der Schätzung keinen breiten Hausnummern ihrer Höfe nicht ausfindig zu machen waren.
Spielraum. Es wohnten in Eickeloh:
Nun ist es zwar eine bekannte Tatsache, daß die Kinderzahl am 15. 10. um 1260:
in jener Zeit recht groß gewesen ist. Zehn bis fünfzehn Kinder Gottschalk, Hodenberger Leibeigener, im Jahre 1376:
waren keine Seltenheit. Man müßte daher ein schnelles An- Ghetzeke Hoyeringh vnd is der Dannenbekeschen Dochter
wachsen der Einwohnerzahl vermuten. Die späteren Zahlen be- to ghilten
weisen aber, daß das nicht der Fall war. Es fehlte die Lebens- de olde Wilkensche (Cal. Urkb. IX S. 139)
möglichkeit für eine schnelle Vergrößerung der Gemeinde. Nur am 29. 4. 1425:
wenigen Kindern des Ortes war das Glück beschieden, in ihrer Herr Wilkinus, Pastor
Heimat zu bleiben. Der größte Teil von ihnen wird schon im am 5. 5. 1451:
Kindesalter durch Pest und Seuchen dahingerafft sein. Aber Koneken lomanne, herzogl. Leibeigener
selbst die heranwachsende Jugend hat mit wenigen Ausnahmen Didericke, dessen Sohn herzogl. Leibeigener Ghereken,
die heimatliche Kate verlassen müssen. dessen Sohn herzogl. Leibeigener Metteken, dessen Toch-
Da das im 14. Jahrhundert in Hudemühlen errichtete Schloß ter herzogl. Leibeigene
mit Wassermühle eine gewaltig aufstrebende Entwicklung bot am 23. 8. 1533:
und, wie es sich ja auch gezeigt hat, die alsbaldige Entstehung Dyrick Darbouen, Kötner
des Fleckens nach sich zog, werden manche Eickeloher Kinder Hinrich Eylers, Kötner
Fleckensbürger geworden sein. Die vielen gleichen Namen und Hennicke Kerckhoff, Kötner
die engen Beziehungen der Eickeloher und Hudemühler Fami- Johan Wunnerding, Kötner
lien zueinander, die man in den Namenslisten des 16. und 17. Hennicke Lomans, Kötner
Jahrhunderts beobachtet, dürfen als Beweis dafür gelten. Für Chatharina Wichmans, Kötner
die voneinander abweichenden plattdeutschen Dialekte werden Pauell Hopmans, Kötner
die ersten Ansiedler in Hudemühlen um 1300 bestimmend ge- Hinrick Meyer, Katenbesitzer
wesen sein, die von den Hodenbergern zum Zwecke der Anlage Herman Pentzhorn, Katenbesitzer Nr. 30

196 197
Peter Bockholts, Kötner im Jahre 1615/16:
Hinrick Widenkamp, Kötner Helmeke Buchteman, Schneider
Jürgen Hoyer, Kötner Heinrich Veldman, Pastor
Clauweß Struß, Kötner Heinrich Rust, Katenbesitzer
am 27. 3. 1536: Marquard Coster, Katenbesitzer
Hinrich Schröder Olderich Veldman, Katenbesitzer
Hinrick Widekamp, Kötner Hinrich der Koster
Henneke Lomans, Kötner in den Jahre 1616 — 1620:
Johan Tyes, Kötner Heinrich Veldman, Pastor
Dirick dar bauen, Kötner Hinricus Oldtrogge, Küster
Pawel Hopmann, Kötner am 28. 5. 1617:
im Jahre 1543: Jacob Kock, Schütze
Hinrich Woltman, Pastor Heinrich Horneman, Schütze
Georg Wessels, Küster Helmeke Buchtman, Hellebardier
im Jahre 1564: Jacob Rust, Hellebardier
Luder Wunnerding, Kötner Nr. 32 im Jahre 1619:
Luder Kerker, Kötner Nr. 16 Die Langermanßke
Jürgen Hoxer, Kötner in den Jahren 1621 — 1623:
Heine Darbauer, Kötner Hinricus Veldman, Pastor
Tonnieß Eilerß, Kötner Levin Olderogge, Küster
Henning Lomher, Kötner Nr. 26 im Jahre 1631/32:
Helmeke Kerkhoff, Kötner Nr. 18 Heinrich Veldman, Pastor
Diderich Kerkhoff, Kötner Nr. 30 in den Jahren 1631 — 1635:
im Jahre 1597/98: Hinrich Kohne, Pastor
Marquardt Feldtman, Pastor Levin Olderogge, Kustos
Marquardt Wortman (Kosterdahl aus Hs. Nr. 22) im Jahre 1636/37:
Ortgies Feldtman, Katenbesitzer Marquardt Kosterdahl, Katenbesitzer
Heimicke Buchteman, Schneider Johan Dorneman, gest.
im Jahre 1600/01: Luder Buchteman, Wüste
Ortgies Feldman od. Hinrich Rust, Katenbesitzer Hinrich Rust, Katenbesitzer
Heimicke Buchteman, Schneider Pawell Besman
Marquardt Kosterdahl, Katenbesitzer im Jahre 1637/38:
im Jahre 1609/10: Jürgen Wunderding
Heinrich Veldman, Pastor im Jahre 1638/39:
Hinricus Olderogge, Küster Heinrich Rust, Katenbesitzer
Johan Dornemann, Katenbesitzer
*} 1599 erwirbt Ilse Peters Tochter des Johann Peters aus Eickeloh das Bür-
Virich Veltman, Katenbesitzer
gerrecht in Hannover Marquardt Costerdahl, Katenbesitzer

198 199
in den J a h r e n 1639 — 1644: Hier schließen sich die Beurkundungen im Eickeloher Kir-
Christoph Heinrich Köhne, Pastor chenbuch an. Es ist daher von einer weiteren namentlichen Auf-
Levin olderogge, Küster, gest. 1642 stellung abgesehen worden.
im J a h r e 1649: ü b e r die genauen Zahlen der Einwohner und Feuerstellen
J o h a n n Radeke, Pastor befinden sich in den Archivalien sichere Angaben erst seit Be-
Heinrich Fegebank, Küster ginn des 19. Jahrhunderts. Aber schon die aus dem J a h r e 1777
im J a h r e 1660: bekannten 41 Feuerstellen geben uns einen klaren Aufschluß
J o h a n Radeken, Pastor über die wirtschaftliche Lage des Dorfes. W i r hatten im Durch-
Hinrich Radeken, Küster schnitt für jede Feuerstelle 8 bis 10 Personen zu Grunde ge-
Dietrich Narries legt. Dieses Bild hatte sich auch gegen Ende des 18. Jahrhun-
am 2. 5. 1665: derts noch nicht geändert. Die Zunahme der Einwohnerzahl vom
Marquart Ripke J a h r e 1200 bis zum J a h r e 1800, d. h. in rund 600 Jahren, um
Hennig Gaßenbüttel 130 Köpfe, führt uns in aller Deutlichkeit vor Augen, wie sehr
Hanß Oldrog der Gemeinde Eickeloh als einer rein bäuerlichen Siedlungs-
Levin Veltman genossenschaft bis um das J a h r 1800 jede Entwicklungsfähigkeit
Jürgen Schröder gefehlt hat. Nur die geringe Verbesserung der allgemeinen
J o h a n Brandt der Junge Lebensbedürfnisse durch gesteigerte Inanspruchnahme des
Levin Schlüter Handwerks konnte eine kleine Erhöhung der Einwohnerzahl be-
Marquardt Niemeyer wirken. Und das w a r wiederum nur durch eine intensivere Be-
J o h a n Bodeker wirtschaftung des Bodens und eine damit verbundene Steige-
Cord Hasenwinkel rung der Viehwirtschaft möglich. Die Eingrenzung einer wei-
Ludolf Kreyenberg teren Vergrößerung mußte sich von selbst ergeben, wenn nicht
Bartold Lohemeyer andere W e g e zum Erwerb der Lebenshaltung sich eröffnet hät-
Johan W a l m a n ten. Zwar stieg die Einwohnerzahl nach den napoleonischen
J a h r e 1666: Kriegen um ein Geringes schneller; doch erst der Bau der
im
J o h a n n e s Redeken, Pastor Eisenbahnstrecke Hannover—Soltau konnte eine fühlbare Bes-
Curd Schäffers Witwe, Teilkötner serung in dieser Hinsicht bringen. W o h l hat uns die Jahrhun-
12. 4. 1667: derte währende Enge der wirtschaftlichen Grenzen des Dorfes
am
Johan Walman die Familienbeständigkeit auf den Höfen bewahrt. Höher be-
Hanß Olroge wertet werden muß aber das Maß der Beteiligung des Dorfes
Johan Pralle am gesamten Wirtschaftsleben, dem die Gemeinde mit dem Be-
20. 9. 1667: ginn des 20. J a h r h u n d e r t s selbstverständlich ihre Tore geöffnet
am
Cord Boschen W., Heußling hat, obgleich ihr Erwerbsmöglichkeiten über eine bäuerliche
J o h a n n e s Ratken, Pastor Betriebswirtschaft hinaus k a u m zur Verfügung standen. Das
Curd Schäffers Witwe, Teilkötner zeigt sich an den nachfolgend wiedergegebenen Zahlen:
im J a h r e 1675/76: Das Dorf hatte
Johan Radeken, Pastor 1811: 399 Einwohner in 43 Feuerstellen
Curd Schäffers Witwe, Teilkötner. 1821: 407 Einwohner in 46 Feuerstellen

200 201
1831: 419 Einwohner in 47 Feuerstellen mann, 43 Jahre, Ehefrau. 2 Söhne und 3 Töchter.
1848: 441 Einwohner in 58 W o h n h ä u s e r n Johann Dietrich Hörmann, 84 Jahre, Schwiegervater.
1850: 441 Einwohner in 59 W o h n h ä u s e r n
1859: 444 Einwohner in 66 W o h n h ä u s e r n Haus Nr. 5
1871: 435 Einwohner in 69 W o h n h ä u s e r n Cordt Hinrich Lindhorst, 58 Jahre, Bauer. Dorothea Elenora
1885: 454 Einwohner in 77 W o h n h ä u s e r n geb. Krauel, 44 Jahre, Ehefrau aus Grethem. 3 Söhne und
1905: 506 Einwohner in 84 W o h n h ä u s e r n 3 Töchter.
1925: 496 Einwohner in 88 W o h n h ä u s e r n Haus Nr. 6
1933: 486 Einwohner in 91 W o h n h ä u s e r n J o h a n n Cord Bösche, 62 Jahre, Bauer. Ilse Catrina geb. Wohlen,
1938: 490 Einwohner in 100 W o h n h ä u s e r n 46 Jahre, Ehefrau. 1 Sohn und 6 Töchter.
1939: 483 Einwohner in 101 W o h n h ä u s e r n
1946: 878 Einwohner in 101 W o h n h ä u s e r n Haus Nr. 7
1.4. 1954: 735 Einwohner in 110 W o h n h ä u s e r n Johann Börstling, 56 Jahre, Bauer. Catrina Margaretha geb.
Der Zuwachs nach 1945 ist natürlich auf den Zustrom der Kirchhoffs, 48 Jahre, Ehefrau. 1 Sohn und 3 Töchter.
Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten zurückzuführen und Christoph Heiberg, 68 Jahre, Schwiegervater.
berührt nicht mehr die Leistungsfähigkeit der Gemarkung. Um Haus Nr. 8
dem interessierten Leser die Brücke zwischen den Kirchenbuch- Johann Friedrich Wunderding, 33 Jahre, Bauer. Anna Maria
eintragungen seit 1700 und den standesamtlichen Urkunden seit geb. Brands, 20 Jahre, Ehefrau. Hinrich Jürgen Wunderding,
1874 zu erleichtern, folgen n u n die Namen der Familien auf 77 Jahre, Vater. Anna Maria geb. Heibergs, 67 Jahre, Mutter.
Grund der Einwohnerliste vom 24. 7. 1811:
Haus Nr. 9
Haus Nr. 1
J o h a n n Hinrich Wichmann, 38 Jahre, Pächter. Catrina Marga-
J o h a n n Hinrich Kirchhoff, 23 Jahre, Bauer. Dorothea geb. Roter-
retha geb. Rieckenbergs, 35 Jahre, Ehefrau aus Hudemühlen.
mund, 24 Jahre, Ehefrau, 1 Tochter, 1 Bruder des Besitzers und
3 Söhne.
J ü r g e n Kirchhoff, 62 Jahre, Vater.
Johann Hinrich Frehrking, 56 Jahre, Altenteiler und Verpächter
J o h a n n Cordt Enghausen, 32 Jahre, Tagelöhner mit Ehefrau und
aus Hudemühlen.
1 Sohn.
Anna Maria Frehrking geb. Kochs, 48 Jahre, Hinrich Kohlen-
Haus Nr. 2
berg, 33 Jahre, Tagelöhner, mit Ehefrau und 1 Tochter.
Catrina Maria W o r t m a n n geb. Ebeling, 51 Jahre, Altenteilerin,
W i t w e d. weil. Vollmeiers J o h a n n Hinrich Wortmann. Haus Nr. 10
Eleonore Wortmann, geb. Penßhorn, 74 Jahre, Schwiegermut- Johann Hinrich Börstling, 32 Jahre, Bauer. Elenora geb. Riek-
ter. 2 Söhne. kenberg, 32 Jahre, Ehefrau, aus Hudemühlen, 2 Söhne.
Haus Nr. 3
Jacob Heinrich Rust, 46 Jahre, Bauer. Ilse Maria geb. Helbers, Johann Friedrich Börstling, 71 Jahre, Vater. Catrina Maria
33 Jahre, Ehefrau, 1 Sohn und 3 Töchter. geb. Lindhorsten, 59 Jahre, Mutter.
Marlene geb. Wortmann, 74 J a h r e , Mutter.
Haus Nr. 11
Haus Nr. 4 Cordt Hinrich Wortmann, 31 J a h r e , Bauer. Sophia geb. Pleßen,
J o h a n n Hinrich Pleße, 56 Jahre, Bauer. Catrina Maria geb. Hör- 31 Jahre, Ehefrau aus Eilte. 1 Sohn und 3 Töchter.

202 203
Anna Catrina geb. Rodewalten, 60 Jahre, Mutter und W i t w e Ernst Hochgrefe, 71 Jahre, Vater. Catrina Elisabeth geb. Settlern,
des weil. Zweidrittelmeiers Cord Friedrich Wortmann. 61 Jahre, Mutter.
Jürgen Lindhorst, 33 Jahre, Tagelöhner mit Ehefrau und 3 Töch-
Haus Nr. 12 tern.
Johann Hinrich Lindhorst, 50 Jahre, Bauer und zweiter Maire Elenore Pleßen, 26 Jahre, Tagelöhnerin. 1 Sohn. Cordt Hinrich
der Gemeinde. Rust, 32 Jahre, Zimmermann. Anna Maria geb. Feederke,
Maria geb. Rathjen, 42 Jahre, Ehefrau. 2 Söhne und 2 Töchter. 19 Jahre, Ehefrau. 1 Sohn.
Haus Nr. 13 Haus Nr. 20
Johann Hinrich Lohrenz, 36 Jahre, Bauer. Dorothea Elisabeth J o h a n n Hinrich Stöckmann, 44 Jahre, Bauer. Catrina Marga-
geb. Rotermund, 33 Jahre, Ehefrau. 3 Töchter. retha geb. Kochs, 44 Jahre, Ehefrau. 1 Tochter.
Maria Bösche geb. Mesenbrink, 55 J a h r e mit 2 Söhnen. J o h a n n Cordt Worthmann, 72 Jahre, Stiefvater. Charlotte geb.
Wenten, 62 Jahre, Mutter.
Haus Nr. 14
Hinrich Blanke, 47 J a h r e , Bauer. Catrina Dorothea geb. Worth- Haus Nr. 21
mann, 48 Jahre, Ehefrau. 2 Söhne und 4 Töchter. Joachim Hinrich Rieckenberg, 48 Jahre, Bauer. Anna Maria geb.
Narjes, 48 Jahre, Ehefrau. 2 Söhne und 2 Töchter.
Haus Nr. 15 Catrina Maria geb. Kochs, 48 Jahre, Tagelöhnerin. 1 Tochter.
Cordt Hinrich Daniel Rampendahl, 45 Jahre, Bauer. Catrina
Margarethe geb. Büchtmann, 39 Jahre, Ehefrau. 1 Tochter. Haus Nr. 22
Jürgen Büchtmann, 63 Jahre, Schwiegervater. J o h a n n Hinrich Heiberg, 24V2 Jahre, Bauer. Dorothea Maria
geb. Hodenberg, 28 Jahre, Ehefrau. 1 Sohn.
Haus Nr. 16 Johann Heiberg, 54 Jahre, Vater.
Johann Cordt Narjes, 46 Jahre, Bauer. Anna Maria geb. W u n - Ilse Maria geb. Kampen, 55 Jahre, Mutter.
derding, 38 Jahre, Ehefrau. 7 Söhne.
Haus Nr. 23
Haus Nr. 17 Otto Hinrich Kirchhoff, 48 Jahre, Tagelöhner mit Ehefrau und
Cordt Hinrich Nieber, 25 Jahre, Bauer. Anna Maria geb. Aschen, 3 Töchtern.
25 Jahre, Ehefrau aus Engehausen. Heinrich Conrad Baumgarten, 38 Jahre, Tagelöhner mit Ehefrau
J o h a n n Cordt Nieber, 55 Jahre, Vater. Anna Margaretha geb. und 1 Tochter.
Rothenburg, 56 Jahre, Mutter. Haus Nr. 24
Haus Nr. 18 Johann Friedrich Mußmann, 42 Jahre, Bauer. Margaretha geb.
J ü r g e n Hinrich Kirchhoff, 38 J a h r e , Bauer. Dorothea Maria geb. Meyern, 42 Jahre, Ehefrau. 2 Söhne und 2 Töchter.
Stöckmann, 33 Jahre, Ehefrau. 3 Söhne. Haus Nr. 25
J o h a n n Friedrich Stöckmann, 61 Jahre, Schwiegervater. Johann Friedrich Kirchhoff, 29 Jahre, Bauer. Catrina Maria geb.
Hüxter, 23 Jahre, Ehefrau. 2 Söhne und 1 Tochter.
Haus Nr. 19
J o h a n n Heinrich Kirchhoff, 64 Jahre, Vater.
Hinrich Friedrich Hochgrefe, 40 J a h r e , Bauer und Krüger, Brannt-
weinbrennerei. Rebeka geb. Notwehen, 31 Jahre, Ehefrau. Haus Nr. 26
2 Söhne und 2 Töchter. Johann Hinrich Frehrking, 48 Jahre, Bauer. Catrina Maria geb.

204 205
Heuern, 54 Jahre, Ehefrau. J o h a n n Hinrich Scheede, 55 Jahre, Kuhhirte. Maria, geb. Rüsten,
Catrina geb. Hüxtern, 66 Jahre, Stiefmutter. 38 Jahre, Ehefrau. 1 Tochter.
Johann Friedrich Enghausen, 26 Jahre, Tagelöhner mit Ehefrau. Anna Elisabeth Rüsten, 27 Jahre, Schwägerin mit 1 Tochter
(Vater Heinrich Friedrich Wunderding aus Eickeloh).
Haus Nr. 27
J o h a n n Friedrich Wiebe, 44 Jahre, Bauer. Catrina Maria geb. Haus Nr. 34
Wreeden, 38 Jahre, Ehefrau. 2 Söhne. J o h a n n Hinrich Koch, 46 Jahre, Rademacher. Ilse Maria geb.
Ilse Maria geb. Wortmann, 73 Jahre, Mutter und W i t w e des Börstling, 32 Jahre, Ehefrau aus Buchholz (Amt Winsen).
weil. Kötners Friedrich Wiebe. 2 Söhne und 1 Tochter.
Christoph Wrede, 32 Jahre, Zimmermeister, Schwager. Maria
geb. Scheeden, 30 Jahre, Schwägerin. Haus Nr. 35
J o h a n n Friedrich Rathje, 39 Jahre, Hoeker. Catrina Maria geb.
Haus Nr. 28 Niebern, 26 Jahre, Ehefrau. 3 Töchter.
Cordt Levien Campe, 62 Jahre, Bauer. Anna Margarethe geb. Otto Hinrich Rathje, 79 Jahre, Vater. Sophia geb. Börstling,
Rüsten, 51 Jahre, Ehefrau. 3 Söhne und 3 Töchter. 64 Jahre, Mutter.
Johann Hinrich Bösche, 62 Jahre, Tagelöhner. Haus Nr. 36
J ü r g e n Narjes, 65 Jahre, Bauer. Catrina Maria Margaretha geb.
Haus Nr. 29
Niemeyer, 32 Jahre, Ehefrau. 2 Töchter.
Jürgen Peters, 50 Jahre, Bauer. Catrina Margaretha Pleßen,
38 J., Ehefrau. 1 Tochter. Haus Nr. 37
Maria geb. Rennekamp, 66 Jahre, Schwiegermutter J o h a n n Hinrich Fegebank, 32 Jahre, Bauer. Anna Maria geb.
Haus Nr. 30 Campen, 26 Jahre, Ehefrau. 1 Sohn und 1 Tochter.
Dietrich Wichmann, 48 Jahre, Bauer. Catrina Maria geb. Kirch- Cordt Hinrich Fegebank, 56 Jahre, Vater.
hoffs, 51 Jahre, Ehefrau. 2 Söhne. Ilse Maria Laue, geb. Campen, 46 Jahre, Tagelöhnerin mit
Elenore Sophie geb. Rieckenberg, 74 Jahre, Mutter. 2 Söhnen.
Cordt Hinrich Lindhorst, 41 Jahre, Schneider, mit Ehefrau, Va-
Haus Nr. 31 ter, Mutter und Sohn.
J o h a n n Heinrich Nieber, 42 Jahre, Bauer und Maire der Ge- Haus Nr. 39
meinde. Dorothea Elisabeth geb. Wortmann, 38 Jahre, Ehefrau, Johann Hinrich Kirchhoff, 36 Jahre, Anbauer. Anna Maria geb.
2 Söhne. Sandmann, 21 Jahre, Ehefrau.
Catrina Maria geb. Mußmann, 74 Jahre, Schwiegermutter. Johann Cordt Sandmann, 52 Jahre, Schwiegervater.
Haus Nr. 32 Haus Nr. 40 (Gemeindehirtenhaus)
Jobst Hinrich Lindhorst, 44 J a h r e , Bauer. Catrina Maria geb. Johann Cordt Riekenberg, 42 Jahre, Fährmann. Ilse Maria geb.
Pleßen, 34 Jahre, Ehefrau. 2 Söhne und 2 Töchter. Giesecken, 32 Jahre, Ehefrau mit 1 Sohn, 1 Tochter, Schwieger-
Haus Nr. 33 vater, Schwiegermutter und 1 angen. Kind.
Der Erbe dieses Hauses J o h a n n Hinrich Campe, 23 J a h r e alt, Dorothea Gorgier geb. Lehnguth mit 4 Kindern.
wohnte 1811 noch im Hause Nr. 28. Als Mieter wohnten im Johann Jürgen Heuer, 46 Jahre, Kuhhirte.
Hause: Ilse Maria geb. Pleßen, 38 Jahre, Ehefrau und 1 Tochter.

206 207
Wilhelm Bartels, 66 Jahre, Tagelöhner mit Ehefrau und 2 Söh- auf 399 belief. Die Verteilung der Namen auf die Wohnhäuser
nen. ergab sich aus den laufenden Nummern der Aufstellung. Da
Johann Hinrich Stelter, 34 Jahre, Tagelöhner mit Ehefrau und man noch keine Reihenfolge nach Hausnummern kannte, ist ein
1 Sohn. Fehler in der Einordnung der Häuslingsfamilien im Einzelfalle
Sophie Maria Bösche geb. Dolgen, 56 Jahre, Pensionärin mit möglich.
3 Söhnen und 2 Töchtern. Eine weitere namentliche Aufzählung der Einwohner in den
Haus Nr. 41 folgenden Jahren mußte schon aus Raummangel für eine solche
Anna Elisabeth Brands geb. Wichmann, 52 Jahre, Schmiedemei- umfangreiche Liste unterbleiben. Um aber einen gewissen
sterin, Witwe des weil. Schmiedemeisters Hinrich Brands. Überblick über den letzten Stand zu geben, seien die Besitzer
1 Tochter. der 1954 vorhandenen Häuser aufgeführt, soweit sie nicht
Johann Friedrich Eggers, 56 Jahre, Tagelöhner, Sohn des weil. schon aus den Besitzerreihen der Höfe Nr. 1 bis Nr. 43 (vorher-
Häuslings Hanß Heinrich Eggers. gehender Abschnitt) zu ersehen sind:
Franz Kirchhoff (vor 1817) Haus Nr. 44
Haus Nr. 42 Heinrich Lindhorst (nach 1831) Haus Nr. 45
Georg Friedrich Hüxter, 20 Jahre, Schäfer. Anna Maria geb. Friedrich Makenthun (verst.) Haus Nr. 46
Blancken, 19 Jahre, Ehefrau. Friedrich Wiebe Haus Nr. 47
Johann Hüxter, 72 Jahre, Vater. Willi Wedemeyer Haus Nr. 48
Johann Hinrich Pleße, 41 Jahre, Pferdehirte. Dorothea geb. Martha Thies geb. Börstling Haus Nr. 49
Nothholtz, 33 Jahre, Ehefrau. 2 Söhne. Friedrich Bruns Haus Nr. 50
Pfarrwitwenhaus Heinrich Rust Haus Nr. 51
Ludwig Salke, 57 Jahre, Militär-Pensionär mit Ehefrau, 1 Sohn Luise Heuer, Witwe Haus Nr. 52
und 2 Töchtern. Heinrich Stelter Haus Nr. 53
Johann Ludwig Kirchhoff, 53 Jahre, Tagelöhner mit Ehefrau Emma Plesse, Witwe Haus Nr. 54
und 3 Söhnen. Else Evers Haus Nr. 55
Margarethe Pleßen, 66 Jahre, Tagelöhnerin mit 2 Töchtern. Pfarrwitwenhaus im Bau (1938 abgebrochen
Küsterei und 1954 neu errichtet) Haus Nr. 56
Georg Hinrich Westermann, 62 Jahre, Küster. 6 Söhne. Pastorenhaus Haus Nr. 57
Elisabeth geb. Sandmann, 77 Jahre, Schwiegermutter*). Schulhaus (1905 abgebrochen und
neu errichtet) Haus Nr. 58
Pastorenhaus Erna Kirchhoff geb. Stelter Haus Nr. 59
Georg Hinrich Stollberg, 50 Jahre, Pastor zu Eickeloh mit Ehe- Hermann Börstling Haus Nr. 60
frau, 2 Söhnen, 2 Töchtern und 2 weiblichen Angehörigen. Heinrich Mußmann (Scheune) Haus Nr. 61
Unter den vorstehend aufgeführten Personen fehlen die im Frieda Herrlein Haus Nr. 62
Dorfe vorübergehend wohnhaft gewesenen Knechte und Mägde, Erna Kirchhoff Haus Nr. 63
mit denen sich die Gesamtzahl der Einwohner im Jahre 1811 Heinrich Kirchhoff Haus Nr. 64
Friedrich Rathje Haus Nr. 65
') Schwiegermutter erster Ehe: Elisabeth Brands geb. Sandmann aus Haus Kirche Haus Nr. 66
Nr. 41 (siehe Seite 194) Scheune Haus Nr. 67

208 Bg. 14 Eickeloh 209


Friedrich Eickhoff Haus Nr. 68 Franz Kaesler Haus Nr. 106
Heinrich Bartels Haus Nr. 69 Gemeinde Eickeloh Haus Nr. 107
Heinrich Söhnholz Haus Nr. 70 Marie M a y Haus Nr. 108
J o h a n n e Eggers, W i t w e Haus Nr. 71 Anton Baß Haus Nr. 110
Gustav Feldmann Haus Nr. 72 unbebauter Hausplatz Haus Nr. 111
Hermann Graubohm Haus Nr. 73 Paul Teliczan Haus Nr. 112
Heinrich Gerlach Haus Nr. 74 W a l t e r Kalinke Haus Nr. 113
Bahnhofsgebäude Haus Nr. 75 Rudolf Hamp (Baracke) Haus Nr. 114
Bahnwärterhaus Haus Nr. 76 Rudolf Parkietla Haus Nr. 115
Paul W i e b e (1891) Haus Nr. 77 Gustav Hegner Haus Nr. 116
Rudolf Söhnholz Haus Nr. 78 Eine Gemeindeverwaltung kannte der Ort in den früheren
Friedrich Bartels Haus Nr. 79 J a h r h u n d e r t e n nicht. Es waren vom Grundherrn bzw. vom Amte
Heinrich Mußmann Haus Nr. 80 in Ahlden Geschworene eingesetzt, welche die öffentlichen
Karl Meyer Haus Nr. 81 Pflichten der Gemeinde zu überwachen hatten und mit be-
Karl Hanke Haus Nr. 82 stimmten Aufsichtsrechten versehen waren. Das Hauptamt lag
Friedrich Stelter Haus Nr. 83 in der Hand des Amtsgeschworenen. Neben ihm waren Holz-
Gemeindehaus Haus Nr. 84 geschworene, Deichgeschworene, Feuergeschworene und Feld-
Wilhelm Bösche Haus Nr. 85 geschworene eingesetzt. Von der Kirche wurden Kirchenge-
J o h a n n e Meyer, W i t w e Haus Nr. 86 schworene mit den geschäftlichen Angelegenheiten der Kirchen-
Schullehrerhaus Haus Nr. 87 gemeinde beauftragt. Die Geschworenen wurden auch „Jura-
Elfriede Schulze geb. Blanke Haus Nr. 88 ten" genannt.
Franz Eickhoff Haus Nr. 89 W ä h r e n d der napoleonischen Kriege wurde die Verwaltung
August Grammann Haus Nr. 90 des Landes einem französischen Intendanten unterstellt (1803).
Friedrich Bösche Haus Nr. 91 1807 wurde das Königreich Westfalen geschaffen, dem Eicke-
Willi Kuhlmann Haus Nr. 92 loh seit dem 1. 9. 1810 im Kanton Rethem angehörte. Vom
Fritz Müller Haus Nr. 93 1. 11. 1811 ab trat das Dorf zum Kanton Hudemühlen, Distrikt
Marie Plesse, W i t w e Haus Nr. 94 Celle, Departement der Aller.
Friedrich Plesse Haus Nr. 95 Die Verwaltung w u r d e von einem „Maire" ausgeübt. Eicke-
Frieda Wiebe, W i t w e Haus Nr. 96 loh bildete mit dem Dorfe Hademstorf eine Kommune. Vom
Transformatorenhaus Haus Nr. 97 1.11. 1813 gehörte das Dorf wieder zum Amte Ahlden. Später
Friedrich W e d e m e y e r Haus Nr. 98 leitete ein Bauermeister und dann ein Gemeindevorsteher die
Lina Börstling, W i t w e Haus Nr. 99 Amtsgeschäfte des Dorfes. Ihm zur Seite stand ein „enger Aus-
Heinrich Kirchhoff Haus Nr. 100 schuß", mit dem die besonderen Aufgaben der Gemeinde be-
Heinrich Börstling Haus Nr. 101 raten wurden.
Heinrich Plesse Haus Nr. 102 Aus den Archivalien sind noch folgende Gemeindeamtsper-
Ernst Finke Haus Nr. 103 sonen bekannt:
Fritz Bösche Haus Nr. 104 7. 10. 1743:
Heinrich Hanke Haus Nr. 105 1. Amtsgeschworener Jacob Narrjes, Haus Nr. 36

210 211
2. Amtsgeschworener Jacob Hinrich Rust, Haus Nr. 3 vom 6. 8. 1906 bis 4. 8. 1912:
1. 12. 1760: Vollmeier Friedrich Börstling, Haus Nr. 10
1. Amtsgeschworener Cordt Narrjes, Haus Nr. 36 als Gemeindevorsteher
2. Amtsgeschworener J o h a n n Joachim Lindhorst, Haus Nr. 5 vom 5. 8. 1912 bis 1915:
27. 7. 1811: Brinksitzer Friedrich Eggers, Haus Nr. 36
Maireder Gemeinde Joh. Heinrich Nieber, Haus Nr. 31 als Gemeindevorsteher
Maire-adjunkt Joh. Hinrich Lindhorst, Haus Nr. 12 1915 bis 1919:
2. 12. 1813: Vollmeier Heinrich Blanke, Haus Nr. 14
1. Amtsgeschworener Heinrich Nieber, Haus Nr. 31 als Stellvertreter des im Felde
Laut Kirchenbuch Eickeloh: Bauermeister Hinrich Blanke, Haus stehenden Gem.-Vorst. Eggers
Nr. 14 (gest. 30. 4. 1828) 1919 bis 15. 4. 1945:
Laut Anlage zum Verkoppelungsrezeß vom 27. 8. 1832 w a r e n Brinksitzer Friedrich Eggers, Haus Nr. 36
als Syndici eingesetzt: als Gemeindevorsteher bzw. Bürgermeister
Vollmeier Joh. Hrch. Bößling, Haus Nr. 10 seit 16. 4. 1945:
Zweidrittelmeier Joh. Hrch. Lorenz, Haus Nr. 13 Vollmeier Heinrich Blanke, Haus Nr. 14
Kötner Jürg. Hrch. Kirchhof, Haus Nr. 18 als Bürgermeister
Brinksitzer Joh. Hrch. Koch, Haus Nr. 34 Seit Einführung der Standesamtsregister im J a h r e 1874 war
Am 29. 4. 1845 w u r d e beim Abschluß der Verkoppelungsarbei- das Standesamt mit dem Gemeindeamt verbunden, wurde aber
ten für das Dorf Eickeloh legitimiert: 1945 einem besonderen Standesbeamten übertragen.
Kötner Otto Wichmann, Haus Nr. 30 Seit 1933 lag die Gemeindeverwaltung in den Händen des
Nach den Protokollen des Bürgermeisteramtes Eickeloh wur- Bürgermeisters, dem seit 1945 der Gemeindedirektor die Amts-
den seit 1853 die folgenden Hofbesitzer in den Gemeindever- geschäfte führt.
sammlungen als Gemeindevorsteher bzw. Bürgermeister ge- Gemeindedirektor Friedrich Stelter, Haus Nr. 83
wählt: Standesbeamter Paul Wiebe, Haus Nr. 77.
Vom 9. 2. 1853 bis 5. 5. 1853:
Altenteiler Joh. Heinr. Kirchhoff, Haus Nr. 1
als Gemeindevorsteher (vom Amt Ahlden nicht bestätigt)
vom 6. 5. 1853 bis 5. 6. 1855:
Kötner Heinrich Wiebe, Haus Nr. 27 als Gemeindevorsteher
vom 6. 6. 1855 bis 10. 6. 1870:
Vollmeier Heinrich Bäßmann, Haus Nr. 1
als Gemeindevorsteher
vom 11.6. 1870 bis 14.5. 1876:
Vollmeier Heinrich Börstling, Haus Nr. 10
als Gemeindevorsteher
vom 15. 5. 1876 bis 5. 8. 1906:
Vollmeier Friedrich Börstling, Haus Nr. 7
als Gemeindevorsteher

212 213
11. Die neuzeitliche Geschichte ten das Geschäft teilweise auch nach ihrer Wiederaufnahme als
(Siehe Seiten 283, 284, 285, 286)
Kötner in die Allmende fort, bis sie es später ganz den Brink-
sitzern überließen.
Daß Henneke Dreyer uns sein Handwerk im Familiennamen
offenbart, ist keine Ausnahme. Ein Standesamt gab es noch
nicht. Man schrieb den Namen so auf, wie man ihn im Dorfe zu
a) Handel und Handwerk hören gewöhnt war und den Handwerker heute noch zu be-
zeichnen pflegt: „Romakers Fritz, Smers Adolf, Snieders Hein-
Wenn sich sowohl der Handel als auch das Handwerk den rich, Dresslers Fritz". Familienname wurde der Beruf dort, wo
bäuerlichen Verhältnissen in Eickeloh stets anzupassen hatten, er noch fehlte.
so kann man doch schon im 19. Jahrhundert ein Aufblühen be- Der urkundl. 1638/39 zuerst erwähnte Brinksitzer Nr. 36 hieß
obachten, das nicht mehr allein dem Kreise der Ortseingeses- Härmen Dreyer und erwarb seinen Familiennamen ebenfalls
senen zu verdanken war. Die Teilnahme des Dorfes am öffent- durch seinen Beruf. Eine Verwandtschaft mit Henneke Dreyer
lichen Verkehr erweiterte das Geschäftsleben über die Gemar- ist daher aus dem Namen nicht unbedingt ableitbar.
kungsgrenzen hinaus. Der Handwerker stand dem Bauern in keiner Weise nach,
Aber trotz des landwirtschaftlichen Charakters haben auch war ihm als Zunftgenosse und Meister sogar voranzuordnen.
der Handel und besonders das Handwerk in Eickeloh ihre Ge- Als die nächst wichtigen Handwerker melden die Urkunden
schichte. Mögen die ersten Ansiedler ihre Häuser selbst ge- von Eickeloh die Schneider. Daß der Ort bereits um 1600 zwei
baut und ihre Tische, Stühle, Truhen, Bettspunjen und Holz- Schneider gehabt hat, ist ein sicheres Zeichen ihrer Unentbehr-
schuhe selbst gefertigt haben, so benötigte man doch manche lichkeit. Im Register von 1597/98 stehen:
Gebrauchsgegenstände, die nicht im eigenen Hause hergestellt Schneider Jacob Langermann, Haus Nr. 35, und Schneider
werden konnten, wie eiserne Geräte, Fahrzeuge und Kleidung. Helmicke Buchtemann (Hs. Nr. 33?). Marquardt Kock von
Für die Herstellung von Metallwaren hat sich in den früheren 1631/32 (heute Haus Nr. 34) dürfte als der erste Rademacher im
Jahrhunderten ein Handwerk im Orte wohl nicht gelohnt. Diese Dorfe anzusehen sein. 1671/72 hatte Eickeloh mit Heinrich
Gegenstände wurden eingeführt. Der Schmied und der Klemp- Tiedtke (Hs. Nr. 23?) den ersten nachweisbaren Zimmermann.
ner sind daher erst sehr spät in den Urkunden anzutreffen. Aber Aber auch der Handel ist nun in diesen Jahren urkundlich.
auch ein Maurermeister konnte keinen Lebenserwerb finden, Im Abschnitt 4 stellten wir bereits fest, daß Cord Flacke um
weil das Fachwerk der Häuser noch mit Lehm und Weiden- 1650 auf dem heutigen Grundstück Nr. 19 eine Gastwirtschaft
sträuchern ausgefüllt wurde. Und den Backofen hatte jeder eröffnete. Ein Verkauf von Waren scheint mit dem Bier- und
Bauer selbst auf dem Hofe. Die unentbehrlichen Handwerker, Branntweinumsatz zuerst nicht verbunden gewesen zu sein.
deren Arbeit man täglich bedurfte, waren dagegen der Wagen- Kurz- und Gewürzwaren haben im 17. Jahrhundert noch die
bauer, der Rademacher und der Drechsler (Dreyger). So ist es umherziehenden Händler herbeigeschafft. Und der Zichorien-
nicht verwunderlich, daß wir den Drechsler als ersten in den brenner kam noch bis zum 1. Weltkriege regelmäßig aus Ro-
Urkunden des Dorfes begegnen. Es war der Kötner Henneke dewald (später H. Kirchhof, Hs. Nr. 100). Im übrigen wurden
Dreyer in der Urkunde vom 26. 5. 1429, dessen Name nichts solche Haushaltswaren auf den Jahrmärkten in Ahlden und
anderes als Drechsler bedeutet. Hudemühlen eingekauft. Man ging zum „Gosebieten". Der
Die Hufenbesitzer, die um 1300 ihr Allmenderecht verloren Name sagt uns schon, daß die Bauern dort ebenfalls Gelegen-
hatten, suchten den Lebensunterhalt als Handwerker und setz- heit hatten, ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse anzubieten.

214 215
Diese Märkte sind sehr alt. Nach der Hodenberger Chronik den Grundstücken Nr. 13 und Nr. 23. Der alte Krug im Hause
(Seite 117) hat Marquard von Hodenberg schon 1448 sein Recht Nr. 19 beschränkte den Ausschank auf die „hohe Stube" und
behauptet: „Und wen dar Kerckemiße ist, horeh dat Stedegelt erweiterte statt dessen den Handel mit Gemischtwaren und Fut-
vnse . . .". In Hudemühlen scheint allerdings am Simon-Juda- termitteln (Gründung 1801).
Tage 1619 zum letzten Male Kirmes gewesen zu sein. Im Jahre 1883 gründete Friedrich Wiebe im Hause Nr. 47 die
Der urkundlich erste Hoeker war Joh. Friedr. Rathje in Lam- erste Bäckerei und sein Bruder Heinrich im Jahre 1892 ein wei-
manns Hause im Jahre 1811. teres Kolonialwarengeschäft (Haus Nr. 77). Die Bäckerei im
Daß ein Müller im Dorfe erst in der ersten Hälfte des 19. Jahr- Hause Nr. 47 wurde jedoch im ersten Weltkriege eingestellt
hunderts mit Joh. Heinrich Ehlers nachgewiesen werden kann, und von Willi Becker im Hause Nr. 16 neu eröffnet.
muß auf die Eigentumsverhältnisse des Erbenzinsmüllers von Karl Hanke war der erste Bau- und Möbeltischler im Dorfe.
1747 zurückgeführt werden. Der Besitzer der Windmühle war Und mit Wilhelm Bösche und Adolf Finkenwerder kamen die
ein Kötner, der wahrscheinlich selbst nicht das Müllerhandwerk ersten Schuhg*eschäfte nach Eickeloh.
erlernt hatte, sondern seine Mühle von Müllergesellen betrei- Heinrich Frerking, der im Hause Nr. 48 eine Schneiderei be-
ben ließ. Anfang des 20. Jahrhunderts mußte sie den modernen trieben hatte, erwarb vor dem ersten Weltkriege das Grund-
Mühlen langsam das Feld räumen. An ihre Stelle trat in Eicke- stück Nr. 12, um dort sein Geschäft durch die Herstellung der
loh die mit den technischen Mitteln der Neuzeit ausgerüstete ersten feldgrauen Uniformen zu vergrößern und bald hernach
Mühle und Molkerei von Heinrich Bartels (Haus Nr. 69), die eine weitere Gastwirtschaft einzurichten, die heute als „Gast-
später ebenfalls wieder den Genossenschaften zu weichen hatte. hof zum Bahnhof" die führende im Orte geworden ist. Aber
In den ersten Jahren nach dem Freiheitskriege 1812/13 machte auch die ältere Gastwirtschaft im Hause Nr. 23 (früher Meyer)
sich der Zimmermeister Joh. Christoph Heinr. Wrede im Ah- vergrößerte den Betrieb durch einen stattlichen Saalbau.
renshause einen rühmlichen Namen. Er baute in den Jahren So traten mit den Anforderungen unseres Jahrhunderts im-
von 1816 bis 1825 die Häuser Nr. 10, Nr. 14, Nr. 30, Nr. 31, mer neue Geschäfte hinzu: Die Getreidehandlung von Hein-
Nr. 32 und Nr. 41, und schuf mit diesen Wohnhäusern Werke, rich Kirchhoff (jetzt Franz Kirchhoff) Haus Nr. 44, die Fahrrad-
die noch heute Bewunderung erregen. Später wohnte er in handlung von Fritz Müller Haus Nr. 93, das Installationsgeschäft
Büchtmanns kleinem Hause (Haus-Nr. 10) und starb im Hause von Heinrich Rust Haus Nr. 51, die Maßschneiderei von Hein-
Nr. 47 im Jahre 1864. rich Plesse und Wilhelm Bösche, die Bau- und Möbeltischlerei
Älter ist die Dorf schmiede im Hause Nr. 41. Sie wurde ver- von Adolf Plesse, die Schlachterei von Heinr. Eickhoff und die
mutlich um die Mitte des 18. Jahrhunderts von Johann Brandes Dachdeckerei von Friedrich Bruns.
eingerichtet und von seinem Schwiegersohn Johann Heinrich Und wo heute ein Geschäft ausfällt, tritt im Wechselspiel von
Bertram fortgeführt, der das alte Schwenshaus im Jahre 1816 Angebot und Nachfrage ein anderes hinzu, um den Ansprüchen
zu seiner heutigen Gestalt umbauen ließ. unserer Zeit gerecht zu werden und dem Dorfe all die Neuerun-
1841 errichtete der Küster Georg Hinrich Westermann seinem gen zu bieten, die seinen Einwohnern den Lebensstandard einer
Sohne Dietrich Ludwig im Hause Nr. 47 eine Drechslerei, die städtischen Bevölkerung ermöglichen.
später von seinem Schwiegersohn Friedrich Wiebe fortgeführt Es waren nach dem 2. Weltkriege:
wurde. Er war im Orte der letzte Handwerker seines Zeichens, Anton Baß, Sattlerei, Haus Nr. 110
weil die Drechslerarbeiten durch Fabrikation ersetzt wurden. Barra, Friseur, Haus Nr. 71
Eine fühlbare Entwicklung zeigt sich in der zweiten Hälfte Cord Asche, Fahrrad- und Radiohandlung, Brotverkauf
des 19. Jahrhunderts. Neue Gastwirtschaften entstanden auf (Baracke)

216 217
Friedrich Kirchhoff, Gärtnerei und Samenhandlung, Haus Arme der Königin das Wohnhaus mit den von ihnen erschosse-
Nr. 39 nen Scheiben:
Louis Frey, Textilwarenhandlung, Haus Nr. 57 1903 Heinrich Bremer — Johanne Bremer
Gustav Baum, Malermeister, Haus Nr. 50. 1904 Fritz Eickhoff — Elise Rathje
1905 Fritz Heiberg — Emma Schulze
b) Das kulturelle Leben 1906 Fritz Söhnholz — Adele Söhnholz
1907 Heinrich Bremer — Johanne Bremer
Den überaus größten Raum des gesellschaftlichen Lebens im 1908 Heinrich Bartels — Sophie Koch
Dorfe nimmt seit alter Zeit das Fest der Schützen ein. Es ist lei- 1909 Gustav Feldmann — Mathilde Feldmann
der keine urkundliche Nachricht darüber vorhanden, wann die- 1910 Hermann Börstling —• Frieda Wiedekamp
ses Fest zum erstenmal gefeiert worden ist. Wahrscheinlich liegt 1911 Heinrich Nieber — Frieda Börstling
eine Überlieferung aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges 1912 Wilhelm Behrens — Johanne Riekenberg
zugrunde, als die Söhne des Ortes an Sonntagen im Waffen- 1913 Heinrich Wiebe — Marie Wiebe
dienst zur Verteidigung ihrer Heimat ausgebildet werden muß- 1914 Willi Börstling — Elise Riekenberg
ten. Denn von Alters her wurde die Übung im Freischießen von Viele Schützenbrüder ließen ihr Leben auf den Schlachtfeldern
den Landesherren gefördert. Daher blieb es Jahrhunderte hin- von 1914/18; und als der Verein neu belebt wurde, war es ihm
durch eine Sache der Gemeindeältesten, die Schützenbrüder all- seitdem eine selbstverständliche Pflicht, im ersten Umzüge des
jährlich zwanglos zusammenzurufen, um unter ihnen den be- alljährlichen Festes vor dem Kriegerdenkmal Halt zu machen
sten Schützen herauszustellen und zu ehren. Dieser wählte sich und unter den Klängen vom „Guten Kameraden" der Gefalle-
eine Königin, deren Preis in Gestalt eines großen Umschlage- nen des Dorfes zu gedenken.
tuches als Fahne in feierlichem Umzüge durch das Dorf getragen Nach dem Tode Friedrich Eickhoffs führte Willi Brand den
wurde. Die Scheibe gehörte vor das Haus des Königs. Dieser Verein und seit 1934 Franz Kirchhoff.
alte Brauch wurde jedes Jahr wieder mit aller Sorgfalt vor- Der erste Schützenkönig nach Beendigung des Weltkrieges
bereitet und ausgiebig gefeiert. Eine feste Form aber gab dieser 1914/18 war im Jahre 1919 Fritz Nieber. Schützenkönigin wurde
Veranstaltung erst die Schützengilde. Marie Behning, seine spätere Ehefrau. Und als letzter Schützen-
Am 13. 7. 1902 gründete Herr Kosel mit einer stattlichen könig vor Ausbruch des Zweiten Weltbrandes trug im Jahre
Anzahl von Mitgliedern den Schützenverein Eickeloh. S. Nach- 1939 Heinr. Kirchhoff mit Fräulein Anneliese Gerlach den Preis
träge S. 230. davon.
So findet immer wieder um die Pfingstzeit (bis zum 2. Welt- Wieder mußten Tanzmusik und Fröhlichkeit die äußeren
kriege am 2. Pfingsttage und dem darauf folgenden Tage) das Zeichen eines glücklichen Heidedorfes als lebensbejahende
Schützenfest als ein echtes Volksfest statt. Zwei Tage wird es Unterbrechung nie ermüdender Feldarbeit schweigen, weil die
unter Beteiligung von Alt und Jung gefeiert. Mit Maiengrün inzwischen herangewachsene Generation abermals zu einem
geschmückte Zelte sind in diesen zwei Tagen der Tummelplatz Weltkriege anzutreten hatte, wie 25 Jahre zuvor die Genera-
des Dorfes. tion ihrer Väter. Dieses Mal erlaubte allerdings der wiederum
Als erster Vorsitzender führte Fritz Eickhoff mit seiner Hü- unglückliche Ausgang des Krieges nicht einmal mehr das Lachen
nengestalt den Verein. Musik und Tanz, Umzüge und Gesang eines ungebrochenen Lebens. Die Fahne des Vereins mußte zer-
füllten die Feste aus, bis der Erste Weltkrieg dieser Freude das stört werden, weil der Feind darin das Wiedererwachen von
Ende setzte. Bis 1914 zierten die folgenden Schützenkönige am Tradition und Lebenswillen eines gesunden Volkes fürchtete.

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Aber geduldig wartete die Jugend, bis die Gegner ihr mit einer Ständchen, die Silberhochzeitspaare ihre musikalische Feier-
erneuten Gründung des Vereins am 13. 12. 1949 den Frohsinn stunde und besonders verdiente Männer der Gemeinde ihr
der Väter wieder gestatteten. letztes feierliches Geleit.
1950 errang Adolf Plesse den Preis und ließ mit seiner Ehe- Von 1948 bis April 1953 leitete der Organist Gottfried Martin
frau Erna als Schützenkönigin die Scheibe vor das Haus nageln. den Chor. Aber auch ohne Dirigenten legten die Männer ihre
1951 waren Cord Asche und Frau Leni das Königspaar. Instrumente nicht aus der Hand und führen sich selbst.
Fünfzig Jahre nach der Gründung feierte der Verein sein Be- Nicht zuletzt war es auch der Kriegerverein, der dem Orte
stehen am 13. und 14. 7. 1952 mit ganz besonderer Würde, weil viele schöne Veranstaltungen bereitete. 1908 wurde der Verein
es mit der Weihe einer neuen Fahne verbunden werden innerhalb des Kreiskriegerverbandes Fallingbostel ins Leben
konnte. Der Verein zählte 145 Mitglieder. Wohl kaum hat das gerufen. Jedem gedienten Soldaten galt die Mitgliedschaft als
Dorf jemals eine Feierlichkeit in solchem Ausmaße erlebt. Aus eine selbstverständliche Ehrensache. Der Gründer und Erster
allen Dörfern von weit und breit waren Abordnungen erschie- Vorsitzender des Vereins war Friedrich Wiebe, Haus Nr. 47.
nen, und eine zu Tausenden zählende Menge fröhlicher Men- Ein Fest wie das der Fahnenweihe im Jahre 1911 hatte Eickeloh
schen tummelte sich in den geschmückten Straßen des Dorfes. bis dahin noch nicht erlebt. In Gegenwart des Landrats Rotberg
Unter der Leitung von Franz Kirchhoff wurde es ein Fest, das und anderer hoher Persönlichkeiten wurde die Weihe vor zahl-
den Eickelohern immer in schöner Erinnerung bleiben wird. reichen Abordnungen vieler Vereine durchgeführt. Der alljähr-
Schützenkönigspaar waren Gerhard Blanke und Fräulein Ursula liche Kriegerball versammelte mit immer gleicher Begeisterung
Rust, denen 1953 Franz Kirchhoff jun. und Fräulein Helga Börst- die alten Soldaten vom ältesten Veteranen bis zum jüngsten
ling und 1954 Friedrich Wedemeyer jun. und Fräulein Ma- Reservisten. Es waren frohe Stunden, in denen die Veteranen
rianne Rose folgten. geehrt und Kriegs- und Dienstzeiterinnerungen ausgetauscht
Im Jahre 1873 gründete der Lehrer Fritz Krüger den Posau- wurden.
nenchor. Um die Bedeutung einer solchen Musikpflege richtig Seit 1922 führte Conrad Hogrefe, Haus Nr. 19 den Verein
einzuschätzen, muß man sich daran erinnern, daß es damals und bis 1945 Oberzahlmeister a. D. Theodor Börstling. Beim
kaum eine andere Möglichkeit gab, schöngeistigen Veranstal- Einmarsch der Engländer mußte die Fahne vernichtet werden,
tungen auf dem Lande noch einen besseren Rahmen zu geben. weil sie als Symbol eines zu „kriegerischen Volkes" erscheinen
So zog es die Chöre vieler Ortschaften zu gemeinsamen Po- mochte.
saunenfesten zusammen, die Erstaunliches zu bieten vermoch- Die Ehrung, die den Gefallenen des Ersten Weltkrieges durch
ten, und gaben Missionsfesten das feierliche Gepräge. Im Orte den Verein und dessen Errichtung eines Denkmals wachgehal-
selbst schmückte der Posaunenchor durch seinen Beitrag man- ten wurde, blieb den gefallenen Helden des Zweiten Weltkrie-
chen Oster-, Pfingst- und Weihnachtsgottesdienst aus, wünschte ges infolge des zwangsweisen Erlöschens des Vereins versagt,
der Gemeinde vom Kirchturm herab mit hellen Klängen den soweit nicht der Schützenverein diese hohe Aufgabe als heili-
Segen für das neue Jahr und trat am Ostersonntagmorgen vor ges Erbe des ehemaligen Kriegervereins von selbst überneh-
dem Portal der Kirche zusammen, um mit Osterliedern die Auf- men durfte.
erstehung Christi zu verkünden. Obgleich das kulturelle Leben des Dorfes in diesen Verbin-
Und so, wie es der Posaunenchor seit dem Bestehen gehalten dungen niemals versiegen kann, erhält das junge Volk auch
hat, ist er seiner sich selbst gestellten Aufgabe bis heute treu noch in anderen Feiern alte Überlieferungen der Väter und
geblieben, obgleich nicht immer ein Dirigent zur Verfügung Mütter lebendig. Zwar hat das Surren der Spinnräder auf den
stand. Immer erhalten die Ältesten des Ortes ihr Geburtstags- Spinnstuben nachgelassen, wo die jungen Leute sich in den Win-

220 221
terabenden zu fröhlichen Stunden zusammenfanden, aber das 12. Kurzgefaßte Übersicht über den vermutlichen Ablauf der
„Erntebier" ist geblieben. An die Stelle der lustigen Abend- Eickeloher Geschichte
stunden mit „Quetschkommode" traten die Errungenschaften (Siehe Seite 255)
der modernen Technik: Radio und Film, und lassen das Dorf
kaum hinter den Darbietungen der Stadt zurücktreten.
Das sportliche Interesse hält der seit 1922 bestehende „MTV
Um 300 n. Chr.: Germanische Urnenfriedhöfe am Rande der Aller-
Eickeloh" wach, der nach dem 2. Weltkriege in Otten Koppel
niederung von Hademstorf bis zur Dorfstelle bei
seinen Fußballplatz hatte und im Jahre 1952 mit Hademstorf Eickeloh.
vereinigt an der Grenze der beiden Gemeinden einen modernen n. 400 n. Chr.: Inbesitznahme des Bodens zwischen der unteren
Sportplatz schuf. Aller und der unteren Meiße durch verdrängte
Was aber die Stadt immer entbehren wird, weil ihr der Bo- urchaukische Siedler.
den für ein solches Erleben fehlt, sind die Osterfeuer der Ju- um 800 n. Chr.: Einführung des Christentums und langsame Ver-
schwägerung mit den benachbarten fränkischen Um-
gend in der Allermarsch. Und nur derjenige kann dieses all-
siedlern.
jährliche Ereignis in seiner ganzen Tiefe verstehen, der es ein- um 900 n. Chr.: Erste Ansätze zur Rodung der Eickeloher Aller-
mal miterlebt hat, wenn am Ostersonntagabend am Horizont marsch (1. Rodungsperiode).
entlang die Feuer der Dörfer nacheinander auflodern, genau um 1000 n. Chr.: Verstärkter Einfluß der kirchlichen und adligen
wie vor Hunderten von Jahren, als seien sie ein Gruß der Ur- Grundherren durch den Erwerb von Rechten und
Zehnten aus der Siedlung zwischen Aller und Meiße
väter an die kommende Generation unseres Dorfes.
im W e g e v o n Erbfolge, Schenkung und Verkauf.
um 1100 n. Chr.: Belebung der Handelsstraße, die vom Stapelplatz
Stade durch die Eickeloher Feldmark nach Hanno-
ver führte.
n. 1100 n. Chr.: Errichtung einer Wassermühle (Kornquetsche od.
Quirre) in Grethem und einer Allerfähre.
um 1130 n. Chr.: Brückenbau bei Grethem.
um 1150 n. Chr.: Verlegung des Dorfes von der „Dorfstelle" nach
der „Mehnde", dem heutigen Eickeloh. Entstehung
des Namens „Eclo". Verstärktes Einsetzen der Ro-
dungen in der Eickeloher Feldmark. Versandung
des alten Dorfplatzes.
um 1150 n. Chr.: Erste urkundliche Erwähnung der durch die Feld-
mark Eclo führenden Handelsstraße Stade—Hannover.
um 1200 n. Chr.: Burgbau in der Eickeloher Burgkoppel und damit
unmittelbare N ä h e des Grundherrn. Erste Burgher-
ren wahrscheinlich die von Eickeloh (später von Ho-
denberg und von Blankena). Beginn der mittelalter-
lichen Grundherrschaft.
um 1233 n. Chr.: Besetzung der Burg in der Eickeloher Burgkoppel
(Hodenburg?) durch die Edelherren v. Hodenberg
bis nach 1251.
1237: Erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Eickeloh.
1245: Angebliche Eröffnung des alten Friedhofes.

222 223
um 1260: Nochmalige Instandsetzung der Burg in der Burg- u m 1550: Einrichtung eines Posthofes im Dorfe Eickeioh durch
koppel durch die Herren von Blankena und Benen- das fürstl. Amt Ahlden (Aller).
nung: „Blankenhagen". Bis um 1270. 1566: Große Pest in Niedersachsen.
1273: Kanonikatstift Ahlden wird Zehntherr von Eickeioh. nach 1595: Erneute Aufteilung der zu Gut I u. II gehörenden
1244 — 1289: Gottesdienst der Eickeloher Bauern in der Kapelle Höfe des Dorfes Eickeioh.
der 1244 erbauten Burg Hodenhagen an der Meiße 16. 2. 1595: Hochwasser, wie es 30 J a h r e zuvor nicht gewesen
und wahrscheinlich Benutzung der dortigen Wasser- war, und damit fortgesetzte Deichbrüche an der
mühle. Zerfall der Burg Blankenhagen. Aller bei Hademstorf und Eickeioh. Die gewöhn-
6. 10. 1295: Ritter Herbert von Mandelsloh wird Zehntherr von lichen Deicharbeiten schafften es nicht mehr.
Eickeioh. 1608: Die Aller sucht sich ihr neues Bett von heute.
1290 — 1296: Kahnunglück der Eickeloher Kirchgänger auf dem 28. 5. 1617: Große Musterung der Eickeloher Bauernsöhne für
W e g e nach Ahlden. den Waffendienst.
23. 8. 1296: Stiftung der Kirche zu Eickeioh und ihre Dotierung 1618: Errichtung eines künstlichen Dammes im „breiten
mit einer Hufe und Land im Dorfe und Felde von Riep", um die Leine in das alte Allerbett zu leiten.
Eclo. Juni—Sept.—Okt. 1625 Fortgesetzte Durchzüge dänischer Truppen von Nor-
u m 1300: Grundherrschaft in höchster Blüte. Bildung der den her. Erste Tilli'sche Truppen-Einmärsche. W e r -
Meierhöfe und Beginn der 2. Rodungsperiode. An- bungen der Dänen von Walsrode her. Eickeioh liegt
lage der Wassermühle in Hudemühlen. mitten im Operationsgebiet.
1300 — 1350: Verlegung der Handelsstraße durch das Dorf Eickeioh. Mitte November 1626: Durchzug der Kroaten durch Eickeioh, Verheerun-
1360: Beginn der 1. Teilungsperiode der Hodenberger Gü- gen, Flucht der Einwohner ins Bruch und zum „War-
ter in Eickeioh. tenberg".
1348 — 1351: Die große Pest. 1630: Bruch des künstl. Dammes im „breiten Riep". Auch
1383 — 1384: Fehde des Herzogs Albrecht von Sachsen gegen das Leinewasser fließt nun durch das Allerbett von
Hoya. Züge durch Eickeioh (Alt-Lüneb. Erbfolge- 1608. Die „alte Leine" versickert zu einem Bach.
krieg). 1632: Plünderung der Eickeloher Kirche durch Soldaten
26. 5. 1429: Erstes Hofregister der Güteraufnahme Thomas v. und Verlust der Kirchenbücher.
Hodenberg mit allmendeberechtigten Kötnern. Ende 1636: Kontributionen durch die Schweden.
der 1. Teilungsperiode der Hodenberger Güter. 1644 — 1646: Mehrere Raubzüge des schwed. Generals Königs-
1459: Zerstörungszug Herzog Wilhelms d. Alt. von Braun- marck durch Eickeioh.
schweig durch Eickeioh auf dem W e g e von Winsen 1648: Endgültiges neues Flußbett d. Aller. Die alte Aller
nach Düshorn (Prälatenkrieg). heißt nun „alte Leine".
nach 1514: 1. Teilung der Eickeloher Höfe unter den Hudemüh- Winter 1649/50: Die berüchtigte Überschwemmung, besonders im
ler Gutsherren in der 2. Teilungsperiode. November 1649.
Frühjahr 1519: Kriegszug Herzog Heinrichs d. Mittl. v. Lüneburg um 1650: Erste Gastwirtschaft in Eickeioh; Krüger Cord Flacke
von Celle aus nach Soltau (Hildesheimische Stifts- (heute Hs. Nr. 19).
fehde). Truppen in Essel. um 1660: Beginn des Wiederaufbaues auf allen Gebieten.
um 1528/30: Einführung der Reformation von Walsrode her Strafregister des Amtes Ahlden zur Wiederherstel-
durch Pastor Henning Kelb. lung der Ordnung.
1529: Die „Schweiß-Seuche" oder der „Englische Schweiß" 1. 5. 1665: Hochwasser.
wütet in Niedersachsen. 1665 — 1690: Bau der zum Teil heute noch im Dorfe vorhandenen
nach 1538: 2. Teilung der Höfe von Eickeioh unter den Hude- alten Bauernhäuser, von denen die meisten 1868
mühler Gütern II und III. durch Feuer vernichtet wurden.
um Ostern 1539: Kriegsdrohung des kath. Herzogs Heinrich d. J. v. 1747: Errichtung der Eickeloher Windmühle auf dem Müh-
Braunschweig v o n Walsrode aus. lenberge.

224 Bg. 15 Eickeioh 225


1755: Große Überschwemmung in der Marsch und im Anlage zu Abschnitt 12
Bruche.
24. 8. 1757: übersetzen der kleinen französischen Armee über Die Anzahl der Hof- und Hausstellen in Eickeloh
eine Schiffsbrücke im breiten Riep. vom Beginn der Siedlung bis zur Verkoppelung
Februar 1758: Rückzug der Franzosen durch Eickeloh nach Celle.
März — Mai 1788: Blattern-Epidemie in Eickeloh. Es starben 35 Kinder.
Vor der Bildung der Meierhöfe
7. 4. 1795: Einmarsch französischer Truppen in Eickeloh. Durch-
zug bis Dezember 1795. Hufen Katen
W ä h r e n d der Umsiedlung von der Dorfstelle um
um 1800: Beginn der 3. Rodungsperiode.
1150 (s. Lageskizze Abschnitt 2): 10
3/5. 12. 1805: Durchzug preußischer Truppen.
Nach der Umsiedlung: (12)
Dezember 1806: Einquartierung russischer Truppen (5 Wochen).
Bis zur ersten urkundlichen Erwähnung des Dorfes
6. 8. 1809: Durchzug von 6 000 bis 7 000 Holländern.
im J a h r e 1237 (s. Abschn. 2): etwa (20) (1)
Eickeloh gehört zum Kanton Hudemühlen (König-
November 1811: um 1300 (s. Abschn. 2): (28 u. 1)
reich Westfalen). (1)
1813: Kontributionen. 3 Vollhöfe werden in Eickeloh ein
Opfer der Teuerung. Nach der Bildung der Meierhöfe
Mai 1818: Große Überschwemmung (3 Wochen). Meier- Katen
29. 4. 1845: Bekanntgabe der Spezialteilung und Verkuppelung höfe
Urk. v. 1360 (3 Höfe x 4): 12 (u. 1) (15 u. 1)
v o n Eickeloh.
4. 12. 1868: Großer Dorfbrand während der Verlosung der Kir-
chenstände. Nach Wiederaufnahme der Katen i. d. Allmende
19. 12. 1868: Einweihung der neuen Kirche. Die alte Kirche wird
Meierhöfe Kötner Katen
Mausoleum. Urk. v. 26. 5 1429
25. 8. 1890: Erste Eisenbahnfahrt durch Eickeloh. (4 Höfe, 5 Kötn. x 3): 12 15 (u. 1) (1)
1905: Bau des neuen Schulhauses. Urk. v. 1486
12. 7. 1908: Schweres Hagelunwetter; Vernichtung der gesam- (4 Höfe, 5 Kötn. x 3): 12 15 (u. 1) (1)
ten Ernte.
1910: Anschluß des Dorfes an die Uberlandzentrale Fal- Vollm. Halbm. Kötner Katen
lingbostel. Kraftwerk Dörverden. N. d. 27. 3. 1514
1913: Beginn der Meliorationsarbeiten im unteren Meiße- (s. Abschn. 3): 5 8 17 (2)
gebiet. Urk. v. 23. 8. 1533: 5 8 17 2
1914/18: Das Dorf Eickeloh hat 25 Gefallene, 2 im Lazarett Urk. v. 27. 6. 1536
Verstorbene und 1 Vermißten. (i. d. Urk.: %): 5 8 16 (u. 1) (2)
30. 9. 1924: Einweihung des Kriegerdenkmals. Urk. v. ca. 1550: 6 7 17 (2)
1929: Eröffnung des zweiten Friedhofes am Nordrande Urk. v. 1564: 5 8 17 (2)
des Ortes. Urk. v. 1597/1639 Brinks
(s. Abschn. 3): 5 8 17 2
April 1945: Kämpfe zwischen deutschen und englischen Truppen
Urk. v. Dez. 1628: 5 8 17 2
um den Besitz der Straße Hademstorf •— Hoden-
Urk. v. 9. 12. 1949
hagen. Artilleriebeschuß. Verluste und Brandschä-
(ohne d. Posthof): 5 8 16 2
den.
Urk. v. 20. 9. 1667: 10 3 18 2
1939/45: Das Dorf hat 17 Gefallene, 2 an Verwundung Ge-
Urk. v. 1699/1700:
storbene, 1 im Lazarett Verstorbenen und 19 Ver-
(s. Anmerk.) 10 3 17 8
mißte.
Februar 1946: Urk. v. 1739/40: 10 3 18 7
Größte bisher bekannte Überschwemmung.
Urk. v. 1747: 10 3 18
1948: Schwere Beschädigung des Kirchturmes durch Blitz. 7

226 227
Vollm. Halbm. Kötn. (mansum) den dazu gehörenden Anteil an der Dorfgenossen-
Urk. v. 1. 12. 1760: 10 3 18 5 Brinksitzer schaft bezeichnete. Als der größte Teil der Lathufenbauern um
2 Neuanbauer
1300 dieses Anteilrecht verlor, blieben ihnen nur die Katen. Die
Vollm. % M. Kötn.
zu „Meierhöfen" zusammengelegten Hufen standen in den Re-
Urk. v. 2. 12. 1813: 10 3 18 7 Brinksitzer
gistern fortan als „Höfe" (Hof = hop: geschützter Ort).
1 Anbauer
Die Katenbesitzer nannte man nach 1360, als sie wieder an
Vollm. 74 M. Kötn.
der Nutzung der Allmende beteiligt wurden, Kötner, Köter oder
Urk. v. Nov. 1831: 10 3 18 6 Brinksitzer
6 Anbauer
auch Kotsassen. Ihren Hof bezeichnete man weiterhin mit dem
1 Abbauer Ausdruck „Kothe", „Kate" oder „Käthe". Finden wir also solche
Urk. v. 5. 11. 1842: 10 3 18 7 Brinksitzer in Urkunden, die den Grund und Boden betrafen (Belehnungen
An- und Abbauer und Gutsregister), dann kann es sich nur um Kötnerstellen han-
fehlen deln. Die Katen oder Koten der Nichtallmendeberechtigten wa-
Vollm. % M. Kötn.
ren Handwerkerhäuser, deren Besitzer erst um 1600 ihre Ein-
10 3 18 5 Brinksitzer
reihung in die Dorfgenossenschaft fanden und als „Brinkköt-
Urk. v. 29. 4. 1845:
2 Halbbrinksitzer ner" (später Brinksitzer) oder Teilkötner bezeichnet wurden.
5 Anbauer In der Urkunde von 1699/1700 ist die Kötnerstelle Nr. 17 als
(1 Abbauer) Brinksitzerstelle geführt worden, was darauf zurückzuführen
Anmerkung: Die in ( ) gesetzten Zahlen ergeben sich aus den angegebenen ist, daß sie vorher (20. 9. 1667) als „unbebaute" Kötnerstelle
Unkunden nicht. im Amtslagerbuch steht.
Die für die Zeit um 1300 eingesetzte Zahl ist aus der Anzahl der Kirchen-
stände nach der Grundrißskizze der alten Kirche errechnet worden. Es wurden
30 Hausstellen angenommen: Nachträge
Lathufen 27 (12 und 15) Zu Seite 20:
Kirchenhufe 1 Daß der Rundwall in der Heide 3 km westlich von Grethem, südlich von
„An den Schweden" eine mittelalterliche Burg oder auch nur eine Pseudoburg
gewesen sein könnte, muß als sehr zweifelhaft angesehen werden. 1,5 km
Sowohl der Pfarrhof als auch die Küsterei, die kurz nachher südwestlich davon befindet sich noch ein ebensolcher Rundwall (siehe Meß-
tischblatt), wahrsch. Bienenschutzwälle.
erbaut sein wird, und das Pfarrwitwentum sind in den ab 1360
folgenden Zahlen nicht mehr enthalten. Zu Seite 134:
Die sich aus den Urkunden von 1360, 26. 5. 1429 und 1486 Noch einige alte Flurnamen aus dem Verkoppelungsrezeß von 1845
Die Fähräcker
ergebenden Gesamtzahlen enthalten nicht den Kirchenmeier,
Die Kuhstegel
der in dieser Aufstellung mit (u. 1) hinzugefügt wurde. Die Lehmkuhlengärten
Die Urkunde v. 27. 6. 1536 enthält nur 2 Vollhöfe, 5 Halb- Auf den Gehrden
höfe und 8 Kötnerstellen. Es fehlen darin die andere Hälfte mit Der Arslöel
3 Vollhöfen, 3 Halbhöfen und die Kirchenkötnerstelle, die eben- An Bäsmanns Riep
Hinter dem Haidlande
falls mit (u. 1) hinzugesetzt wurde.
An der obersten Trift
Der Ausdruck „Kate" (lat. casa = Hütte) hatte in den ersten Hinter dem Thurme
Jahrhunderten eine verschiedene Bedeutung. Er wurde zunächst Einzelnamen von Waldteilen und Anhöhen:
nur für Wohnhütten benutzt, während die „Hufe" der Laten Wald: Im Fuchsgrunde

228 229
Hügel: Behrensberg (n. d. Kötner Nr. 25) Das würde also bedeuten, daß der Raum zwischen Aller und Leine bei
Eilersberg (n. d. Kötner Tonnieß Eilerß 1564) Schwarmstedt im 2./3. Jahrh. nicht von den Chauken besiedelt war. Und es
Mußmannsberg (n. d. Kötner Nr. 24) erhebt sich die Frage, ob diese südliche Nachbarschaft außerhalb der „Toten-
Wartenberg (vom „Warten" i. 30jährigen Kriege — Warbaum — insel" überhaupt jemals von Alt-Chauken bewohnt oder erst von rückstauen-
oder „Worthe", d. i. Anhöhe — chaukisch) den Sachsen-Chauken in Besitz genommen worden ist.
Drillberg (Teufelsberg) Zu Seite 33:
Corporalsberg (heute Mühlenberg) Nach einem Vortrage von E. Schröder „Sachsen und Cherusker" (N. S.
Der Windflögen Jahrb. 1933) waren die Chauken zunächst Westnachbarn der Sachsen, sind
Zu Seite 79: aber anscheinend schon früh in den ihnen stammesverwandten Sachsen auf-
Der Bau von Pfarrwitwenhäusern wurde bereits in der „Policey-Ordnung" gegangen. Ob das Chaukenland nach dem Abzug starker Volksteile den Sach-
des Herzogs Christian von Celle im Jahre 1618 verfügt. sen ohne weiteres zugefallen ist, oder ob diese es durch Eroberungen besie-
1666: s. S. 190, Hs. Nr. 36. delt haben, bleibt nach Schröders Auffassung ungeklärt.
Zu Seite 218: Zu Seite 31:
Die „Policey-Ordnung" des Herzogs Christian von Celle vom Jahre 1618 Ob bzw. inwieweit die Bezeichnung „Wort" für „Haus" (Wortzins = Haus-
enthält schon eine Vorschrift über das Abhalten von Schützenfesten, die jähr- zins) im südlicheren Gebiet der erminonischen Völkerfamilie auf sächsisch-
lich um Pfingsten stattfanden. Sie sollten am Heiligen Pfingsttage und am fol- chaukischen Einfluß zurückgeführt werden kann, dürfte nicht mehr zur Frage-
genden Montage, auch am Dienstag-Vormittage noch nicht beginnen. stellung dieser Geschichte gehören.

Zu Seite 87:
Nach B. Engelke (Nieders. Jahrb. f. Landesgesch. 1941) führte der Reiseweg
des Abtes Nikolaus um 1150 von Stade über Verden, Nienburg, Minden und
Paderborn, während ein anderer Weg von Stade über Harsefeld, Walsrode
und Hannover beschrieben wurde.
„ . . . Su er önnur leid or Stöduborg at fara it eystra of Saxland til Horsa-
fellz, padan til Valfoborgar, padan til Hanabruinborgar, pa til Hildisheims,
par er bishopsstoll, par hvilir kinn helgi Gudhardus, . . . " (Büttner, Ernst:
„Kulturbilder aus dem mittelalterlichen Hannover". Hannover Culemann 1926
Nr. 2).
Zu Seite 82:
In den Eickeloher Kirchenbüchern sind die Namen der Konfirmanden auf-
gezeichnet. Von einer Zusammenstellung der Anzahl der Schulkinder ist daher
in diesem Buche abgesehen worden.
Zu Seite 31:
Obgleich Schwarmstedt schon außerhalb des für Eickeloh in Betracht kom-
menden Gebietes liegt, so darf hier doch ein Hinweis auf das im Mai 1942
nordwestlich von Schwarmstedt im Grundstück des Gutsbesitzers von Bothmer
gefundene Brandgrubengräberfeld und auf die dazu veröffentliche Abhandlung
von H. A. Potratz „Ein kaiserzeitl. Brandgrubengräberfeld in Schwarmstedt"
(N. S. Jahrb. 1942) nicht fehlen. Die Einordnung der Funde lag noch nicht vor.
Dr. Potratz führt aber aus, daß der Fund in einem Gebiet liege, welches im
1. Jahrh. n. Chr. noch von den Angrivariern bewohnt wurde, und daß das
Gräberfeld im 2. oder 3. Jahrhundert von einem istväonischen Volksstamme
(hier also von Angrivariern) angelegt worden sei.

230 231
Beilage Name des Gesamtgröße W e r t in
Besitzers i. Quadratruthen Mariengr.
Karte der Feldmark Elckeloh
v o n 1817 e (Haus Nr. 1)
mit der Aufteilung in den Jahren J o h a n Heinr. Kirchhof 16 268
1820 — 1822 J o h a n Heinr. Kirchhof 23 083,25 17 533,555
und einer f (Haus Nr. 10)
Zusammenstellung der Gesamthofgrößen Joh. Heinr. Bößling 14 784
(einschl. Hausplätze) des Dorfes Eickeloh Cord Heinr. Bößling 21 693 16 099,405
ohne den Anteil auswärtiger Eigentümer auf Grund der Verteilungs- und Ver- g (Haus Nr. 2)
koppelungsregister beim Landeskulturamt Hannover (Kartenarchiv). Joh. Heinr. Wortmanns 18 050
Reihenfolge: Joh. Heinr. Wortmann 23 394 17 746,662
Buchstabe der Karte von 1817/22. Die heutige Haus-Nr. ist in () vermerkt. h (Haus Nr. 3)
Vor der Aufteilung lt. Karte von 1817. Jacob Rust 14 201
Nach der Verkuppelung lt. Rezeß vom 29. 4. 1845. Heinr. Friedr. Rust 23 716,25 15 376,22

N a m e des Gesamtgröße W e r t in i (Haus Nr. 6)


Besitzers i. Quadratruthen Mariengr. Cord Bösche 16 502
Cord Böschen Erben 23 524 18 894,209
+ (Haus Nr. 66)
Kirche k (Haus Nr. 4)
353
Kirche '283,700 Joh. Heinr. Pleße 15 379
394
Joh. Heinr. Riekenberg 25 710,1 16 497,969
A (Haus Nr. 57)
Pfarre 17 010 Zweidrittelmeier
Pfarre 23 447 17 708,768 1 (Haus Nr. 12)
B (Haus Nr. 58) Joh. Heinr. Lindhorst 12 225
Küster 2 922 Landsch. Dir. v. Hodenberg 19 804,25 14 462,442
Küster 7 826 5 712,207 m (Haus Nr. 11)
C (Haus Nr. 56) Cord Heinr. Wortmann 10 459
Pfarrwitwentum 585 Friedrich W o r t m a n n 18 342 11 628,322
Pfarrwitwentum 1411 554,394
n (Haus Nr. 13)
Vollmeier Joh. Heinr. Lorenz 12 058
a (Haus Nr. 5) Heinr. Hellberg 17 469 15 736,725
Friedrich Lindhorst 18 772
26 163 20 225,810 Kölner
Landsch. Dir. v. Hodenberg
b (Haus Nr. 7) o (Haus Nr. 19)
J o h a n n Bößling 18 610 Friedrich Hogrefe 4 126
Heinr. Friedr. Bößling 24 590,25 21 061,321 Friedrich Hogrefe 10 206,3 7 088,452

c (Haus Nr. 8) p (Haus Nr. 26)


Friedrich Wunderding 15 306 Cord Enghausen 3 490
Christian Klingenberg 21719 17 639,608 Conrad Engehausen 8 862 4 226,719
d (Haus Nr. 9) q (Haus Nr. 31)
Joh. Heinr. Wichmann 15 656 Joh. Heinr. Nieber 5130
Friedrich Wichmann 22 337,05 16 758,527 Heinr. Friedr. Nieber 12 113 6 007,259

232 233
Name des Gesamtgröße W e r t in Name des Gesamtgröße W e r t in
Besitzers i. Quadratruthen Mariengr. Besitzers i. Quadratruthen Mariengr.
r (Haus Nr. 30) ee (Haus Nr. 21)
Diedrich Wichmann 6 102 Heinr. Riekenberg 2 068
Otto Wichmann 11609 5 994,782 Heinr. Hellberg 8 176 5 816,585
s (Haus Nr. 27) ff (Haus Nr. 20)
Friedrich Wiebe 4 513 Cord Heinr. Lorenz 4 349
Heinrich W i e b e 10 366 4 286,501 Cord Heinr. Lorenz Erben 9 962,25 4 274,226
t (Haus Nr. 18) Brinksitzer
Jürg. Heinr. Kirchhof 3 183
gg (Haus Nr. 35)
Jürg. Heinr. Kirchhoff 10 862,5 5 222,440
Joh. Friedr. Ratje 885
u (Haus Nr. 16) Christ. Friedr. Wichmann 3 727,3 2 199,622
Cord Narjes 8 758
hh (Haus Nr. 36)
Joh. Heinr. Narjes 13 612,85 8 181,622
Joh. Friedr. Lindhorst 1064
v (Haus Nr. 17) Hermann Eggers 3 882,55 2 433,293
Cord Heinr. Nieber 3 261
ii (Haus Nr. 37)
Friedr. Duensing 9 385,25 4 153,898
Joh. Heinr. Fegebank 736
w (Haus Nr. 28) Joh. Heinr. Fegebank 3 718,5 1 976,243
Jürg. Friedr. Kampen 5 608
kk (Haus Nr. 33)
Jürg. Friedr. Kampen 12 077 5 827,788
J o h a n Heinr. Kampen 916
x (Haus Nr. 15) J o h a n Heinr. Kampen 4 049,5 2 245,978
Daniel Rampendahl 2 425
5 643,584 11 (Haus Nr. 34)
Jürg. Heinr. Rave 9 271,25
Joh. Hinr. Koch 2 087
y (Haus Nr. 29) Joh. Hinr. Koch 5 509,95 2 698,04
J ü r g e n Peters 2 819
qx (Haus Nr. 23)
Friedr. Börßling 9 097,25 4 789,333
Joh. Heinr. Nieber 230
z (Haus Nr. 32) Christoph Meyer 2 057 706,020
Jobst Lindhorst 5 310
4 553,221 mm (Haus Nr. 41)
Friedr. Lindhorst 11965
Joh. Heinr. Bertram 79
aa (Haus Nr. 24) Joh. Heinr. Bertram 2 103 508,408
Friedr. Mußmann 4 787
Friedr. Mußmann 10 635 4 700,232 Anbauer
bb (Haus Nr. 25) nn (Haus Nr. 39)
Joh. Friedr. Kirchhof 4 125 Joh. Heinr. Kirchhof 14
Heinr. Kirchhof 9 680 4 323,802 Joh. Heinr. Kirchhof 940 122,927
cc (Haus Nr. 14) ac (Haus Nr. 38)
Joh. Heinr. Blanke 3 469 Windmüller Joh. Herrn. Ehlers 120
Joh. Heinr. Blanke 9 377,1 6 648,278 Windmüller Joh. Heinr. Hellberg 1 154 119,798
dd (Haus Nr. 22) ad (Haus Nr. —)
Joh. Heinr. Hellberg 2 774 Gemeinde Eickeloh
Heinr. Warnecke 8 976 5 074,388 Gemeinde Eickeloh 14 778,2 2 792,296

234 235
Brandk.-Nr Ruthen Fuß
Name des Gesamtgröße W e r t in
(Ha I S Nr.) (cal.)
Besitzers i. Quadratruthen Mariengr.
26 2) Joh. Hrch. Wortmann 2 7
ae (Haus Nr. 43) 28 J a c o b Rust 3
34
3)
6) Joh. Hrch. Bösche 6
m
13
J ü r g e n Heuer 818 121,427 Joh. Friedr. Bößling
36 7) 5 15V2
af (Haus Nr. 42) 39 13) J o h a n n Heinr. Lorenz 3 12
12 11) Cord Hrch. Wortmann 3 15
Friedr. Hüxter 931 242,025 10 16) Joh. Hr. Narjes 5 3
36 7) Joh. Friedrich Bößling 2 14
Auswärtige
37 8) Friedrich Wunderding i — 14
D die Pfarre zu Hudemühlen ah Posthalter Mohlfeld, Hademstorf 23 Joh. Heinr. Kirchhof
1) — 9
ww Heinrich Pleße, Hademstorf ai Friedrich Breuel in Bockhorn Friedrich Hogrefe
15 19)
xx Cord Bößling, Hademstorf ak Cord Wolters rel. daselbst Joh. Hrch. Hellberg
17 21) 8 8
yy Cord Lindhorst, Hademstorf al Christoph Behrmann in Crelingen Joh. Friedr. Kirchhof
25 25) 6 5
zz J ü r g e n Kranz, Hademstorf am Friedrich Brand in Westenholz Friedr. Mußmann
24 24) 9 6
ab Heinrich Peters, Hademstorf an Friedrich Höper daselbst Joh. Hrch. Hellberg
18 22) 4 6
(1 hann. Morgen hat 120 Quadratruthen) od. 2 Himptsaat. 1 D R = 16 Fuß 45 32) Joh. Fr. Lindhorst 1 14
Quadr. 14 18) Jürg. Hrch. Kirchhof 6 8
11 17) Cord Hrch. Nieber Erben 11 6
Anlage zum Receß von Eickeloh 25 25) Joh. Friedr. Kirchhof 1 1
16 20) Cord Hrch. Lorenz •— 7
Übersicht Joh. Hrch. W i e b e
29 27) — 6
der von jedem Intereßenten zu Eickeloh in den Jacob Rust
28 3) 2 11
Kohlgärten*) 31 Joh. Hrch. Riekenberg
4) 1 3
zu unterhaltenden Befriedigung 34 6) Joh. Hrch. Bösche 1 5
Brandk.-Nr 26 2) Joh. Hrch. W o r t m a n n 2 14
13 12) Joh. Friedr. Lindhorst 7 4
(Haus Nr.) (cal.)
33 5) Major von Hodenberg 3 12
35 (30) Diederich Wichmann 2 7 Joh. Hrch. Wortmann
26 2) 5 13
8 (34) J o h a n n Heinr. Koch 1 13
29 27) Joh. Hrch. W i e b e 3 2
16 (20) Cord Heinr. Lorenz 1 4
44 10) Cord Friedr. Bößling 7 3
27 (26) Cord Engehausen 1 7
36 7) Joh. Friedr. Bößling 5 —
21 (57) Die Pfarre 4 9
34 6) Joh. Heinr. Bösche 5 —
31 ( 4) J o h a n n Hrch. Riekenberg 3 10% Joh. Heinr. Wichmann
38 1 10
23 ( 1) J o h a n n Hrch. Kirchhof 6 9
33 ( 5) Major von Hodenberg 4 —
37 ( 8) Friedr. Wunderding 4 —
38 ( 9) J o h a n n Hr. Wichmann 3 3 Eickeloh, den 27. August 1832
22 (58) Die Küsterei 2 2
43 (31) Friedrich Nieber 2 14
Die Syndici Joh. Hrch. Bößling
Joh. Hrch. Lorenz
*) Anmerk.: Diese sind die ältesten Äcker im Dorfe Eickeloh, welches in der Jürg. Hrch. Kirchhof
Kirchenstiftungsurkunde vom 24. 8. 1296 „menedhe" genannt wurde Joh. Hrch. Koch
(s. Seite 23)

236 237
Karten

und

Abbildungen
Sachsenkunde
Neue Forschungsergebnisse 1959
Skizze 6
Woher kommen die Sachsen, unsere Ahnen? Woher stammt ihr Name?
Brachen Sie von Norden her als Eroberer in Niedersachsen ein? Das Sachsen-
problem ist die Grundfrage unserer Landesgeschichte. An dieses Problem, das
schon im 10. Jahrhundert Widukind von Corwey zu lösen versuchte, ging im
„Historischen Verein für Niedersachsen" Dr. H. Drögereit vom Staatsarchiv
mit wissenschaftlicher Akribie und kampflustigem Temperament heran. „Die
Sachsenforschung in historischer Sicht" hieß in trockener Formulierung sein
Thema, zu dem so viele Zuhörer gekommen waren, daß sie der Saal des Lan-
desmuseums kaum faßte!
Manche frommen Legenden, gegen die auch die Wissenschaft nicht gefeit ist,
fielen Drögereits kritischen Untersuchungen zum Opfer, manche liebgewor-
denen Vorstellungen und Vorurteile wurden angetastet oder zum alten Eisen
geworfen, als er in weitausholenden Ausführungen die Theorien und Hypo-
thesen der Historiker der letzten Jahrzehnte untersuchte, aber er entdeckte
auch bei einigen älteren Geschichtsschreibern von Grupen bis heute Feststel-
lungen, die noch gelten.
Es kann hier nicht auf die auch für einen Laien sehr interessanten Unter-
suchungen im einzelnen eingegangen werden. Da erfuhr man zum Beispiel,
daß der Mönch Widukind durchaus nicht der traditions- und stammesbewußte
Sachse war, sondern sein Wissen mühevoll aus zweiter Hand bezog, und daß
alle alten Quellen sich auf die drei Großen der Antike, auf Plinius, Tacitus
und Ptolemäus zurückführen lassen.
Nach solcher Kritik baute der Vortragende sein neues Sachsenbüd auf: Die
Sachsen — der Name taucht erst 170 n. Chr. bei Ptolemäus auf — waren ein
Teil der Chauken, sie saßen nicht nur im südlichen Holstein und Mecklenburg,
sondern auch im mittleren Niedersachsen. Sie taten sich im ersten nachchrist-
lichen Jahrhundert mit den Angrivariern friedlich zusammen. Von diesem zen-
tralen Gebiet der Angrivarier, von Engern aus, ist die Bezeichnung Ost- und
Westfalen zu verstehen. Der Name der Chauken verschwindet allmählich.
Sachsen wird zu einem Sammelbegriff für alles, was jenseits des Limes, des
„Eisernen Vorhangs" liegt; es blieb sogar noch den Merowingern fremd und
unheimlich. Kommt das Wort Sachs von sahsa = Stein? Dann nur in der Be-
deutung „standfest, fest wie Stein". Das Sachs als Waffe ist dagegen erst ein
in der Hunnenzeit von den östlichen Völkern übernommenes Reiterschwert.
Und Sachsnot kann schwerlich ein Göttemame sein.
Auf die Frage, ob die Sachsen als Eroberer von Norden gekommen seien,
antwortete Dr. Drögereit, daß dies „von Norden" eine biblische Reminiszenz
aus Hesekiel sei. Als Eroberer sind sie nur n a c h Norden, über die Lippe ge-
kommen, selbst die Unstrut als südliche Grenze um 700 wurde friedlich er-
reicht.
Zu diesen Ergebnissen eines Historikers gab der Urgeschichtsforscher Dr.
Genrich wertvolle Ergänzungen durch Dias, die er bei Ausgrabungen im We-
sergebiet gemacht hat. Hier in Engern ergeben die Bodenfunde eine Kontinui-
tät der Besiedlung und Bestattung von mehr als 1 000 Jahren bis ins 11. Jahr-
hundert. Es war also keine Eroberung. Anders liegen die Ergebnisse in den
Randgebieten. Hier wird ein plötzlicher Abbruch sichtbar, eher der „sächsische
Stil" in Urnen, Schmuck und Waffen einsetzt. 245
248 249
250 251
252 253
254
Dorfansicht von Eickeloh vom Allerlährweg aus Auln. v. 1954
Im Bild links: Die alte Kirche v. 23. 8. 1296,
seit 1869 Familiengruft von Hodenberg, Hudemühlen
Mitte: Die neue Kirche v. 1868, im Hintergrund
rechts: Behnkenhof (Vollmeier Haus-Nr. 9)

256 257
Die alte Poststraße Stade — Hannover von urkdl. 1150, Auln. v. 1954
verlief bis um 1300 durch die Eickeloher Feldmark am Nordostrande des
Hirtenlandes und des Neuen Landes entlang auf dem Hademstorfer Bann-
see zu. Bild mit Blickrichtung nach Norden.

Die Eickeloher Windmühle Aufn. v. 1950


auf dem Mühlenberge (Corporalsberge) von 1747 vor dem
Zerfall

258 259
Mausoleum Auin. v. 1931

Der „Pos" Auin. v. 1931 Der „Kohlgarten" Autn. v. 1931


die älteste Dortstraße von Rechts im Bild der nördliche
Eickeloh. Rechts im Bild der Kohlgartenweg. Im Hinter-
Hoiraum des alten Posthauses grund die neue Kirche und die
(Kötnerstelle Nr. 32) Häuser Nr. 47, 54 und 48
Die alte
Eickeloher
Kirche
Gestiftet am
23. 8. 1296.
Seit 1869 Familiengruft
der Freiherren
von Hodenberg

Der Bahnhof Auin. v. 1954


erbaut im Jahr 1890. Im Vordergrund der Kohlgarten Auin. v. 1931

260 261
Ausschnitt aus der Eickeloher Kirchenrechnung vom Jahre 1619.

Aufn. v. 1950

Die Eickeloher
Handschrift des Pastors Hinrich Veldtman zu Eklohe (1608 — Kirche von 1868
1631)
Text:
V-Kostung so vigelaullen alß wegen des hochwürdigen Durch-
leuchtigen Hochgeboren iürsten Vnd Hern Hern Christian
erWehlten Bischoliß des Stilits Minden Hertzoge zu Brunnß.
Vnd Lüneb. Der Küster zu Ekelohe Levin Oldrogge vndt Hin-
rich Wichman vnd Jürgen Ahrendes zu Ekelohe für Juraten
somit Confirmiret vnd bestetigt worden, ein Tonneken mit
Hannoberschen Broihans gefüllet dafür 3 ort Thallr minus 4
ggr (gestrichen) dd

262
Die Pastore zu Eickeloh

Karl Heinrich Gellermann


1870 — 1894

Gustav Ludwig Rudoll Borchers


1859 — 1870
Urnen aus einem germanischen Friedhol bei Hademstorl
(750 v. Chr. bis 1 000 n. Chr. Wahrscheinlich um 300 n. Chr.)
Nach den Akten des Landesmuseums Hannover werden die Urnen als
altsächsisch aus der Zeit um 400 n. Chr. bezeichnet.
(Landesmuseum Hannover)

Christ. Friedr. Heinr. Westenberg Joh. Albert Ludwig Scmler


1894 — 1904 1904 — 1924

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265
Die Pastore
zu Eickeloh

Georg Christ. Herrn. Voges Kantor A. F. Rodewald Auin. v. 1872


1925 — 1927
mit den Eickeloher Schulkindern im Jahre 1872
(im Hintergrund das alte Schulhaus)

Anton Friedrich Alfred Heldt


1928 — 1935
Das Schulhaus
von Eickeloh

erbaut 1905

Friedr. Wilh. Dietrich Paul Trippe


1936 — 7967 Auin. v. 1954

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Die „Hodenborch" (Cal. Uikb. VI Nr. 34) Aufn. v. 1954
Die Reste des Burgwalles der ehem. Burg Blankenhagen in
der Eickeloher Allermarsch vor Grethem a. d. alten Leine
(Aller) mit Blickrichtung auf den Mühlenweg nach Norden.
Laut Urk. v. 20. 10. 1262 Burg der Edelherren Gebrüder Adolf
und Hermann von Blankena oder Blankenhagen. (Wahrschein-
lich wurde die Burg schon um 1200 von den Herren von Eicke-
loh erbaut und von den Edelherren von Hodenberg bewohnt.
Laut Urk. v. 23. 12. 1251: Hermann von Hodenburg

Der „Wartenberg" Aufn. 1950


war die Zufluchtsstätte der Eickeloher Einwohner im Dreißigjährigen Krieg
(1618 — 1648)
Im 2. Weltkrieg 1939/45 hatten sich hinter diesem Hügel deutsche Trup-
peneinheiten beim Eindringen der Engländer eingegraben (April 1945).
(Wartenberg 1 km nordöstl. vom Dorf). Aufnahme von der Südseite.

Die Burg Hodenhagen Aufn. v. 1954


„Der Kathmanns-Stein" (Gedenkstein)
Hier stand v. 1244 — 1289 die Burg Hodenhagen an der Meiße

268 269
Die Eickeloher Allerlähre im Jahre 1907 Auin. v. 1907
Fährmann Hüx-Vater (Lindhorst) mit dem Verlasser der Ge-
schichte (als Schüler)

Das Kriegerdenkmal 1914/18


(Geweiht am 30. September 1924)

Zusammenfluß von Aller und Leine Auin. v. 1954


Blickrichtung nach Süden. Mitte „Das breite Riep".
Links Aschen Fähre, wo am 24. 8. 1754 die kl. französische
Armee eine Schiffsbrücke schlug.

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Die „Pastorenkoppel" Auin. v. 1950
aul der „Dorfstelle" zwischen Eickeloh und Hodenhagen

Der „Triitberg" Auin. v. 1950


Links der „Riekskamp. Im Hintergrund das Dort Eickeloh Das Huldigungsverzeichnis vom Jahre 1649

Staatsarchiv Hannover: Celle 45 V Nr. 16


272
273
Ausschnitte aus den Eickeloher Kirchenrechnungen

Von 1619 Von 1665


Handschrift des Pastors Hinr. Handschrift des Pastors Joh.
Veitmann Rodeken
1608 — 1631 1648 — 1678

Büchtmannshof Nr. 10 Aufn. v. 1955


erbaut 1820 von Zimmermeister J. Chr. H. Wrede

274 275
Afeumeyers Hol Nr. 14, erbaut 1819 Autn. v. 1931

Der Schroersho! Nr. 11 Auin. v. 1954


(Fachwerkbau v. Jahre 1775)

Der Wilhelmshof Nr. 17


(heute Bäckerei)
(Fachwerkbau v. Jahr
1669)

Autn. v. 1954 Rusts Ho! Nr. 20, erbaut 1862 Auin. v. 1955

276 277
Der Kirchplatz

Der Ahrenshot Nr. 27 Auin. v. 1931


Die Hauptdortstraße Au/n. v. 1931 (Fachwerkhaus v. ca. 1690)
Im Hintergrund Haus Nr. 71 (früher der Wiepenhol Nr. 21)

•• •>•'-
Hinter der Kirche Autn. v. 1931
Im Hintergrund der Garten Haus Nr. 52, Posmannshof Nr. 32 Aufn. v. 1955
Peels Eichen und Gusten Scheune erbaut 1822 von Zimmermeister Joh. Chr. Heinrich Wrede)

278 279
Rademachers Haus Nr. 34 Auin. v. 1955
erbaut im Jahre 1684

Das alte Hirtenhaus Nr. 40 Auin. v. J955

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Die südliche Dorfstraße (n. Hademstorf) Aufn. v. 1955 Gemischtwarenhandlung Haus Nr. 19 Aufn. v. 1955
im Bild links die Straße zum Bahnhol und die Dorischmiede Conrad Hogrele (Kreugershof — Kölner)
(Haus Nr. 41)
im Bild rechts der Gasthol zum Bahnhol" (früher Lohmanns-
hoi Nr. 12)

Die nördliche Dorf- Haushalt- und Kolonial-


straße (n. Hudemüh- warengeschäit Paul
len) Wiebe Haus Nr. 77
im Bild links der Gast-
wirt Dammann (trüher
Schaperdieks)
Haus Nr. 23

Auln. v. 1955 Aufn. v. 1931

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Posaunenchor Eickeloh gegründet 1873 Au/n. v. 1900
Die am 13. 7. 1952 geweihte Fahne des Schützenvereins Eickeloh stehend v. links nach rechts: Willi Heuer, Hs. Nr. 42; Hermann Söhn-
holz, Hs. Nr. 30; Heinrich Bösche, Hs. Nr. 6; Lehrer Wöhlke, Hademstorl;
Lehrer Fritz Krüger, Dirigent; Adolf MuBmann, Hs. Nr. 24; Heinr. Kirch-
hoi, Hs. Nr. 40; Heinrich Woli, Hs. Nr. 69; Karl Hanke, Hs. Nr. 82;
sitzend v. links nach rechts: Friedrich Wiebe, Hs. Nr. 47; Fritz Müller,
Hs. Nr. 93; Fritz Kirchhof, Hademstorf; Heinrich Kock, Hs. Nr. 17; Hein-
rich Wiebe, Hs. Nr. 77; Fritz MuBmann, Hs. Nr. 24; Heinrich Nieber,
Hs. Nr. 31; Fritz Bremer, Hs. Nr. 6; Fritz Meinecke, Hs. Nr. 12

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Das von der Schuljugend zusammengetragene Holz für das
alljährliche Oslerieuer in der Allermarsch, südlich yon
Eickeloh.

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