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Übersetzungen

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1 Z5 1 S 270). Oieses Prinzip d e r schö p
..
rN~ l'ten . An~ignung,
fensc .
in d em di e Traditio~ Obersetzungen
Leben gew lllnt und .Ve r gangenhe it zur
11 eues
enwart wird, find e t sem e n symbolischen
Geg ck im zwetten . K aptte
. I d e r r,randet].
u"
a hre
Ausdru .
. dem Wilhelm Metster versteht, d aß der
' ~ie Vertr~utheit mit der Praxis und Problema-
111
Schreiner Josep h , se .me F· ra u M aria und de ren
tl~ des. Ubersetzens schärfte einerseits G .s
Bltck .fur die Qualität von Übersetzungen sei-
Kinder die Geschichte d e r H e iligen Familie
ner etgenen Werke und erl aubt e andererseits
sich als Vorbild genommen und aus Bruch-
theoretische Verallgemeinerungen über Weite
stücken jener Tradition sich ihr eigenes gegen-
und Grenzen dieses literarischen Feldes.
""ärtiges Dasein geschaffen haben, so daß
In einer Rezension von 1805 findet sich die
,ohne Spielerei und Anmaßung die Ve rgan-
The~e, daß »es ftir eine Nation ein Haupt-
uenheit sich wieder« in ihne n darstellt »und
schritt zur Cultur ist, wenn sie fremde Werke
das was vorüberging, abermals herantritt« in ihre Sprache übersetzt« (WA I, 40, S. 304).
(WAI,24,S. 16f.). .. Davon ausgehend, kam G. später des öfteren
Gewiß bleibt es stets notwendig, die Uber- auf die the_? retischen und praktischen Pro-
lieferung der Kritik zu unterzie hen , um zwi- bleme des Ubersetzens sowie auf die zeitge-
schen denjenigen Elem enten zu unte rsche i- nössische Entwicklung der Übersetzungskul-
den, die »nur stationär geworden und d eßhalb tur zurück, so etwa 18 13 in der Logenrede
mehr einen Stillstand als einen Fortschritt« Zu brüderlichem Andenken Wielands. Zwar
veranlassen, und denjenigen, auf den en man räumte G. ein, daß Wieland bei der Shake-
,fernerhin sicher fortbauen« kann (VVA I, 25 .1, speare-Übersetzung durch seine eigene, der
S. 269f.). Unter dieser Bedingung bleibt je- französischen zuneigende Sinnesart in Wider-
doch Ȇberlieferung fremder Erfahrung, frem- streit mit der des so ganz anders gearteten
den Urtheils [ ... ] bei so großen Bedürfnissen Engländers verwickelt worden sei, doch
der eingeschränkten Menschheit höchst will- schätzte er dessenungeachtet die kulturge-
kommen, besonders w enn von hohen Dingen, schichtliche Bedeutung dieser Arbeit hoch :
von allgemeinen Ansta lten die Rede ist« Wieland habe »seiner Nation einen allgemei-
(WA Il, 3, S . 135). Daher kann G. in einer No- nen Begriffvon den herrlichsten Werken einer
tiz zur Farbenlehre zusammenfassend schrei- andern, seinem Zeitalter die Einsicht in die
ben: »[ . .. ] so thörig es wäre irgend einem hohe Bildung vergangener Jahrhunderte« ver-
Überlieferten, das doch immer sein Besonde- mittelt (WA I, 36, S. 326). Bei Wielands Lu-
res mit sich führt, einen unbedingten gött- kian-Übersetzung sah G., ausgehend davon,
lichen Werth beyzulegen, so weise bleibt es, daß »Verfasser und Übersetzer für wahrhafte
ein solches als ein bedeutendes Menschliches Geistesverwandte gelten können« (ebd .,
zu schätzen« (WA II , 5.2, S. 247) . S. 327), auch eine höhere ästhetische Qualität
erreicht. Darauf baute er seine Theorie von
»zwei Übersetzungsmaximen« : derjenigen, die
den »Autor einer fremden Nation zu uns he~­
Literatur: über« bringt und ihn gleichs~ ~um »unsn-
gen« macht , und derjenigen, die SICh »ZU . dem.
Fink, Gonthier-Louis : Die Auseinandersetzung mit hinüber« begibt und uns •111 seme
F rem d en
der Tradition in Wi/he/m M eisters Wanderjahren. In : Zustände, . E. h .
seine Sprachweise, seme lgen el-
Recherehes Gennaniques. 5 (1975), S. 89:-:- 142._ - .. ßt (ebd S. 329 f.). In den Noten
Henn, Marianne: Goethes Verhältnis zum Uberhe- ten fim d en« la ., . D.
ferten in seinem Alterswerk. Heidelberg 1986. - d Abhandlungen zum West-öst~zche~ wa_n
Reiss, Hans : Goethe und die Tradition. In : ders. un b. Iare Schema m e m dre•-
rg.): Goethe und die Tradition. Frankfurt/ M. 1972, h~t G: dies~~st~~i~che Entwicklungsaspekte
. 15- 25. - ZIMMERMANN. ghednges, d lt Hier ist die Rede
· h des verwan e ·
einbez•e en A Uebersetzung•: der er-
von ,.dreyerley rten
Stephane Moses
Übersetzunge n

t068

:1 WER THEI-l,
Traduit de ! Allemand
SF R UNE NOUVEl..J .E l~UITIO.N.
I
·} .Augmentee, par l'AoTEUa, de douzc
I
I Leures, et d'une Partie llistori9uc
\ . .. entierement neu.,e•
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PREMIERE PARTIE.

I • •
A P A R I S~

Chea DEMONVJLLE, Jmprimeur-Libraire 1
rue Cbri11tioc, uo. J 2..

A• XII- 18o4.

I
·,

sten, die »uns in unsenn eigenen Sinne mit höchsten denkbaren Stand von Übersetzungs-
dem Auslande bekannt« macht, de r zwe iten, kultur bezeichn en.
»WO man sich in die Zustände des Auslandes Es liegt nahe, daß zu dem Zeitpunkt, ~n eiern
zwar zu versetzen, aber eigentlich nur fremden G.s Gedanken am inten sivsten um dte Pro-
Sinn sich anzueignen und mit eignem Sinne blematik von Weltlite ratur kreisten, auch das
wieder darzustellen bemüht ist«, und der drit- Übersetzen ein ne ues Interesse beanspruchte.
ten, »höchsten und letzten«, »WO man die · Carl)•le
Besonders in der Korrespondenz mtl .
Uebersetzung dem Original identisch machen und in der Reflexion von dessen VVirksamkett
möchte« (FA I, 3.1, S. 280f.). G. sah diese drei · eng-
für die Ane ignung de utscher Literatur IJll
»Arten« nicht nur nebeneinande r, sondern ver- d' kornmu-
lischen Sprachraum ist nunme h r te
st~d sie, wie die Anwendung der Begriffe .. prägnan1
nikative Funktion d es Obersetzens
·~poche« ~nd »Zeitraum« verdeutlicht, ange- .. b tzer anzu-
herausgeste llt: »So ist jeder U e rse . h als
~.•chts der m der deutschen Lite ratur mit dem d ß er S IC '
sehen«, heißt es am 20. 7. 1827, » . a H dels
~bersetzen gemachten Erfahrungen als histo- .
Vermittler dieses allgemem gets 1
. t' gen an
F. dern
nsehe Stufen, die eine Annähe rung an den bemüht, und den Wechs eltausch zu be or
Übe rsetzungen
~-------------~==~~--------------~10~69
chä ft macht . De nn , was man auch
. tUll Ge S . .. Bas.is von Deyve rduns Text erfolgte . Noch 1828
s1rh z . ztiiänglichkett des Obersetzens sa- notierte G im Zu
, on
cier n c
so ist und ble ibt es doch eins der . · sammen h ang mit seinen Stu-
ge.llhrnag. · 1·tgsten Gesc h"f · dem dten zur Weitliteratur rückblickend: »Werth
bald übersetzt, aber aus dem Französische~:
.us te 11 und würc a te m
11 0
,,.1c . en V\eltwesen«.
uueJllel 11 . . (WA.I, 42.2, S. 492). Erst 1854 erschien eine
8
-
Sprac11 ·
G an ule1che
o
r Stelle
.
davon, daß »Je- engltsche Direktübersetzung von R. Dillon
(jbersetzer ein Prophet semem Volke« sei, Boylan. In den ersten Jahrzehnten nach sei-
der r selbst .m d'1esem s·mne mit . semen
.
so I18 t e .. nem Erscheinen wurde der Werther noch in
.
\\ er ·
ken eine Heerschar von Obersetzern in- ~erschiedene andere europäische Sprachen
.
spllt , ··ert zu Propheten ftir das jeweils eigene ubersetzt, so 1781 ins Italienische und Russi-
\'olk zu werden. Oie schier un~.ndliche, nicht sche, 1803 ins Spanische. In kurzer Zeit ver-
rnehr überschaubare Fülle von Ubertragungen breitete sich das folgenreiche Buch bis an die
se l·ner Werke steht als Zeugnis .. daftir. Grenzen Europas .
Die Geschichte der Ubersetzung G .scher Im Gefolge dieses internationalen Durch-
\\erke begann mit einem Paukenschlag. Der bruchs zogen dann auch andere, vor allem dra-
Roman Die Leiden des jungen Werthers (1774 ), matische Werke G.s die Aufmerksamkeit von
der im deutschen Publikum eine enthusiasti- Übersetzern an, wobei wiederum insbeson-
sche Aufnahme erlebte, fand auch sehr schnell dere französische und englische vorangingen.
den Weg zu anderssprachigen Lesern. Von ei- 1785 wurde Gätz von Berlichingen ins Franzö-
nem sich zügig entwickelnden literarischen sische, 1790 Egmont ins Holländische, 1793
Markt getragen und den Vorlieben empfind- lphigenie aufTauris ins Englische übertragen.
sam gestimmter Zeitgenossen entgegenkom- Besonders erwähnenswert ist die 1799 von
mend, förderte der Roman seinerseits die Ent- Walter Scott vorgelegte Übersetzung des Gätz,
wicklung von Markt und Publikum in beträcht- die ftir die Rezeption G .s in den englischspra-
lichem Maße, und es verschlug in diesem An- chigen Ländern eine große Bedeutung er-
eignungsprozeß nichts, daß dabei Werthers langte. Während des 19. Jhs . wurden die poe-
unglückliche Liebe das Publikum weit mehr tischen und autobiographischen Werke G .s in
erregte als die existentielle Krise eines nach fast alle europäischen Sprachen übersetzt. Ne-
Selbstverwirklichung strebenden, aber in die- ben die weiterhin dominierenden wie Eng-
sem Streben zurückgewiesenen jungen Men- lisch und Französisch traten vor allem auch
schen. Schon 1776 kamen zwei Übersetzungen skandinavische Sprachen; besonders rege war
ins Französische heraus, die eine von dem die Übersetzertätigkeit in Dänemark und
Deutschen Karl Siegmund von Seckendorf Schweden.
(Les Souffrances de jeune Werther), die andere Relativ bald nach ihrer ersten deutschen
von dem Holländer George Deyverdun (Wer- Ausgabe erschienen auch in den 90er Jahren
ther). Vor allem die bis zum Ende des Jhs. entstandene epische Werke in anderen Spra-
dominierende Deyverdunsche Übertragung chen. Der Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre
tmg dazu bei, dem jungen G. einen exponier- wurde schon 1800 ins Spanische, kurz darauf
~en Rang unter den zeitgenössischen Autoren auch ins Dänische übersetzt - die dänische
tn Eu
L· ropa zu verschaffen und der deutschen Übertragung von Knud Lyhne Rahbek war so
. Jteratur nach langer Zeit wieder zu übema- übe rzeugend, daß erst 1904 eine neue, von
t Ionaler A
usstrahlung zu verhelfen. Daß als Oskar Madsen besorgte, auf den Markt kam .
erste all d. ..
sch er mgs Obersetzungen ins Französi- 1795 bereits hatte Ferdinand Huber e rwogen,
den Roman ins Französische zu übertra~en:
Gelte entstan d en, bezeugt noch die anhaltende
.ll fragte am 4. Mai dieses Jahres bet G.
Kult ung des Französischen als internationale Sc h J er h b t" k
an, ob er Huber in seiner Absic t .es ar en
\Veg:rsrrache. Es kann deshalb auch keines-
solle; allerdings ist das Vorhaben 111Cht v~:-
daß d.a s ung~wöhnlich angesehen werden, . . h d Eine erste anonyme franzo-
Sorr:o te erste Ub ersetzung ins Englische ( The wrrk!Ic ..t wor en. .
der Lehr.7·ahre erschien
tvs 0 r w, h
~ ert er, 1779) zunächst auf der sische Ubersetzung
Übersetzungen
1070

180 t in Koblenz und 1803 noch e inma l in Köln . behauptete sich übe r e in halbes Jh. hi
In Frankreich selbst debütierte d as Werk 1802 Zwanzig Jahre . .
nach Jagemann überse nweg.
d. o· h tzteGa
in der Übersetzung von Cha~~es-Louis Oe Se- tano Barb ten 1e 1c tung erneut - aII erdi e-
velinges. Eine italienische Ubersetzung, die in Prosa-, und erst 1864 publizierte A ngs
Joseph von Eichendorff 1807 ausgeführt hatte, Maffei eine Versübertragung ' die dan r··ndrea
. n urwe·
blieb ungedruckt; erst 1835 erschien der Ro- tere Versuche . .
zugrunde gelegt werden ko I-
. . h nnte
man, vermutlich von Giovanni Berchet über- Al s sc h wtenger erw1es SIC offenbar die y, ·
tragen, in Mailand. In Schweden wurden 1819 übertragung des Epos ins Französische ~-rs-
. . .. · 1ne
lediglich Auszüge veröffentlicht. Oie polni- erste auszugsweise metnsche Ubersetzu
sche Übersetzung der Lehrjahre und Wander- konnte 1863 ebensowenig befriedigen wie d:~
jahre, auch die russische der Lehrjahre lagen 1872 unternommene Versuch, die deutschen
erst in den 1890er Jahren vor. Eine regelrechte Hexameter in französische Alexandriner um.
Konzentration erlebte die Übersetzungsge- zugießen . Außer einer schwedischen (1823)
schichte der Wilhelm Meister-Romane im eng- und einer polnischen (1845) fand das Versepos
lischen Sprachraum. Die Bemühungen um das zunächst bis zur Mitte des 19. Jhs . keine wei-
Werk waren eng mit dem Wirken Carlyles ver- tere Übersetzung. Danach allerdings erschien
bunden. Dessen Übersetzung der Lehrjahre es beispielsweise in Holland (1864), Ungarn
erschien 1824, die der Wanderjahre 1828. Ih- (1880), Böhmen (1882), Kroatien (1891), Nor-
nen verdankten die Romane während der er- wegen (1903) und Annenien (1904). Kultur-
sten Hälfte des 19. Jhs. einen immensen Popu- gescltichtlich bemerkenswert ist die erste he-
laritätsgewinn in England und Amerika. Car- bräische Übersetzung von H errmann und Do-
lyles erneute Übersetzung beider Romane, rothea durch Marcus Rothberg; sie kam 1857
1839 in London erschienen, kam 1841 auch in in Warschau heraus.
Philadelphia heraus und eroberte, eine bereits G .s Lyrik wurde erst in den 20er Jahren des
1828 in Boston erschienene Übersetzung der 19. Jhs . zum Gegenstand intensiveren Inter-
Lehrjahre verdrängend, allmählich den nord- esses, vor allem bei englischen und französi-
amerikanischen Markt. Zahlreiche Neuaufla- schen Übersetzern. 1823 erschienen in Lon-
gen folgten . Bis heute haben Carlyles Über- don Specimens of the German Ly ric Poets.
tragungen im englischen Sprachraum ihre Diese Sammlung enthielt auch verschiedene
Geltung bewahrt. Gedichte G .s, vor allem aus Faust und Wilhelm
Herrmann und Dorothea wurde bereits 1799 Meister: King ofThule, Harper, Know'stthou
ins Dänische übersetzt; dabei hatte der Über- the Land. Eine frühe Prosaübersetzung von
setzer Jens Smidt die Handlung in publikums- Gedichten ins Französische - Poesies de Goe-
wirksamer Absicht kurzerhand in seine Hei- the, auteur de Werther - führte Ernestine Pan-
mat verlegt. Bei dem Epos trat freilich insofern koucke 1825 aus, eine spätere - Poesies de
eine zusätzliche Schwierigkeit auf, als zwi- Goethe, traduites pour Ia premiere fois par
schen Vers und Prosa zu wählen war. Eine Pro- Henri Blaze de Bury- stammt aus dem Jahr
saübersetzungbot sich häufig als die praktika- 1843. Vergleicht man etwa die untersc h.tedli- ·
blere Lösung an, weil sie im Gegensatz zur chen Lösungen ftir die Übertragung des Au_ f-
Versübertragung, in der es um der Metrik wil- takts der Mignon-Ballade, läßt sich dJde
len leichter zu gravierenden Sinnveränderun- Schwierigkeit bei der Ubersetzung .. 1 un
s·nn
' ff an
gen kommen kann, besser geeignet erscheint Atmosphäre des Originals genau zu tre e~\'ort
die stoffiichen Intentionen des Autors wieder~ einem kleinen Beispiel erkennen: Das .
~ugebe~ . Eine erste Versübersetzung des Epos »Land4C in dem Vers »Kennst du das Land wo
k 'nit
ms ltahenische wurde schon 1804 von dem die Zitronen blühn« ist von Panko~cb es:tzt
Weimarer Bibliothekar Christian Joseph Jage- »terre4C, von Blaze de Bury mtt . ys« u er
»pa_ charti·
mann vorgelegt, ?er lange Zeit in Italien ge- worden . »Terre« stel l t a b er nur· etnebme ichnet
!eb~ h~tte und em vorzüglicher Kenner der sehe Ubertragung.. d Wort eze
dar; as . Sonnen·
ttahemschen Sprache war; seine Übersetzung zum einen die Erde als Tetl des
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~ -· ···- -
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zunl and e ren <.~l s kultivie rbares Ar ·al,


1071

~.{in~e~s um .~i~e de~ Original möglichst ad -


Ackerland ode r Baußrund. D~~gen en t- ti(JU·•tc franzn sJsche Uhersetzung erre ich te in
al richt ~tpay (( d e r lntcn~.Jon d es ?ngJ~als we it ~tJiaplutes 1981 in PG~ris e rschienener Vers-
5

sp da es ni cht nur fur Land 1m Smne von


me1lr, . h ubcrtrugung be ide r Werkte ile e inen vorläufi-
d oder He1m a t ste t, sondern auch
VaterIa n gen Endpunkt. Malaplate ste llte sein Vorhaben
Teil des Kompos itums »~~~ du. pays(( is t, d es unte r das Lcitprinzip, :.unte r Zusammenbrin-
··sischen Ausdrucks fur He 1mwe h, d essen gung aller Sprachmittel des Französ ischen
franz O
weitreichend e r Bedeutungszusamm e nhang [. · ·l dem Leser e ine Idee dieses une rm eßli-
auch die poetische Atmosphäre d e r Mignon- chen We rkes zu vermitteln« (Malaplate,
Ballade mitbestimmt. S.179) .
Ihre größte Dichte u~? Intensität erreichte In England und Amerika existieren bis auf
die Geschichte der G.-Ubersetzung - analog wenige Ausnahmen nur Übertragungen des
zur G.-Rezeption außerhalb Deutschlands ge- Faust, ,.die aus englischen Versen(( bestehen
nerell - in bezug auf den Faust. Bere its kurz und »in e inigen besonderen Fällen mehr durch
nach dem Erscheinen des Ersten Teils 1808 Reim als durch Rhythmus den Leser überzeu-
setzten die Übersetzerischen Bemühungen um gen woll en« (A tkins, S. 253). Diesem Problem
dieses Werk ein, als William Taylor die Dom- be izukommen, ist Stuart Atkins' 1984 erschie -
Szene im Rahmen einer Rezension in Englisch nen e englische Übersetzung bemüht. Atkins
vorlegte. Etwa gleichzeitig übertrug Madame ging davon aus, :.daß eine Faust-Übersetzung,
de Stael Passagen aus wichtigen Szenen wie die dem he utigen anglo-amerikanischen Leser
Nacht, Wald und Höhle, Dom und Kerker ins zeitgemäß erscheinen will, vor allem in der
Französische, um sie in ihrem Buch De l'Alle- Versart verfaßt sein muß, die Randall Jarrell
magne zu präsentieren. Im Zusammenhang >metered versec genannt hat, d.h. in klar me-
mit dessen Herausgabe in London 1813 kam es trischen, womöglich reimlosen Versen, die
auch zur Übersetzung derselben Szenen ins aber rhythmisch so abwandlungsfahig wie
Englische - freilich aus dem Französischen . Goethes Versarten, insbesondere seine Knit-
Oie ersten vollständigen Übersetzungen des tel- und Madrigalverse , sind« (S. 266). Oie
Faust I ins Französische bzw. Englische führ- englische und französisch e Übersetzertätigkeit
ten Graf de Saint-Aulaire 1823 und Abraham zum Faust ist mit ihren Leistungen wie mit
Hayward 1833 aus. Auch im Falle des Faust ihren Problemen weithin paradigmatisch für
ergab sich immer wieder die Vers-Prosa-Pro- die in den meisten europäischen Sprachen:
blematik. Folgt man der Ansicht Jean Mala- Nach e rsten Proben - Schlüsselszenen oder
plates, so hat eine Versübertragung ftir das Gedichte - folgte meist e ine Erstübe rsetzung,
Französische den Nachteil, der Mehrdeutig- an die sich jeweils eine intensive Diskussion
keit des Deutschen ungenügend gerecht zu um die mögli chst originalgetre ue Wiedergabe
werden; nicht selten hat dies den Verlust von von Sinngehalten und poetischen Val e~ze n an·
Bedeutungsnuancen und Pointierungen zur schloß und die schließlich zu neu en Uberset-
f.'olge. So sind die besten französischen Faust- zungsunternehmungen ftihrte. Ein solcher An·
Vbersetzungen in Prosa vorgelegt worden. G. näherungs- und Ane ignungsprozeß ~ollzog
selbst konnte noch die beiden wichtigsten, die sich seit den 30er Jahren des 19. Jhs. m den
von Albert Stapfer 1823 und die von Gerard de meisten europäischen Nationalliterature n .. Bis
Nerval 1828, zur Kenntnis nehmen. Letztlich 1870 kamen in jedem JahrLehnt nicht wen1ger
~ehauptete sich die Version Nervals, die bis als drei Erstübersetzungen zustande. Nach
eute zu den im französischen Sprachraum 1880 folgte ein neuer Schub von Er~tübers~t-
das Erscheinen des /<aust I m
meistgelesenen gehört. Vorübergehend ver- zungen, und .. . . b
mochte 51·Ch d'1e Prosaübersetzung Blaze de Bu- Japan 1904 signalisierte endgultJg dJ e un e·
(s von 1840 zu etablieren doch nahm das
g
renzte Wirkung des Werkes.
Im 20. Jh . sind vi ele Übersetzungen G.scher
...nteresse an 1'h r schon vor 'der Jahrhun d ert-
... ende w· d Werke in außereuropäische Sprachen entstan·
Ie er ab. Eine lange Tradition des
---· 1072 ------- ÜIH· r.,c'l zu ngt'11---·-------~

I S. (1I1 kum<•ntier(•n die fortd aue


(('11 . • l t' .
rnde Unerforschlich es
Wl' ltw<·itc Wirkung des Di chter .. Auf we l ~ h c
Probl eme e in e solch e inte rkulture ll e VPrm•tt -
lung arhe it stoße n kann , e i kurz am Be ispi e l
»M an s uche nur ni chts hinte r tl en Ph··
Chinas anged eutet : Zwi chc n d e n 20er J ~.hrcn · d t t·•e l .c h re«, notie rte
· se lb s t s 1n anollle
und 1959 en tfalte te s ich dort e ine rege Ube r- nc n: s 1c G .·
se in e n M ax ime n und Re fl exion en zur N · Jn
setze rtätigke it, die u .a. zu chin es isch e~! Ve r-
und Wi ssen scha fts le hre (M uR 575) Er at,~r-
s ione n des Faust und des Werther sow1 c von ' · se IJSt
Henmann und Dorothea fiihrte. Diese Ent- aber war a ll es ande re a ls e in Vertreter d.
. ICSer
wicklung wurde durch die maoistische sog. Ansch auung; n1cht nur, daß e r als Natu rtor- r

Kulturrevolution jäh abgebroche n; fi.ir die Re- sche r sich durcha us nicht mit de n Phänolllc-
zeption w estlicher Kultur und Kunst blieb ke in nen begnügt hat , sond e rn s ie in einen höheren
Platz, und nicht selten hatte di e Arbe it an Sin nzusammenhang zu s te ll e n suchte ; auch als
G .-Übe rsetzungen verheere nde per~?nl iche Lyrike r und Erlähle r, a ls Essayist und Auto-
Konseque nzen. Mit der allmählichen Offnung biograph h at er übe r d as Une rforschliche ge-
C hinas se it e twa 1980 wurde auch die Tradi- ha nde lt. Zwar hat e r nie d efinie rt , was er dar-
tion der G.-Übersetzungen wied e r aufge nom- unte r vers tand , aber in Umschre ibungen hat er
m e n, und es war kein Zufall, d aß e ine ne ue d e nnoch imme r wi ed e r auf die für ihn so be-
Aneignung des Werther an de r Spitze s tand : d e utsame Exis te nz dieses Unerforschlichen
Erne ut bewährte sich G.s Roman als Medium aufmerksam gem acht.
d e r Kritik an individualitätsfeindlichen Ten- G. ist auf das Unerforschliche wohl zuerst
denzen und Träger jugendlich-emanzipatori- durch Autoren wie J o hann Georg Hamann hin-
scher Bestrebungen . gewiesen worden, der in seinen Sokratischen
ln insgesamt m ehr als 60 Sprachen können Denkwürdigkeiten auf das Nichte rklärbare
G.s Werke heute gelesen werde n . Damit ist und jense its des Begreifliche n Liegende wie-
das Schaffen des Dichte rs zu einem tragenden derholt zu sprechen ge kommen war. Hamann
El em ent de r We ltkultur geworden . Darin liegt war ein e ige nwilliger Kopf, de r damals dem
zugleich eine Bestätigung für G .s These, daß zeitgenössischen Bild e ines kritischen Philo-
das Übersetze n e ines »de r wichtigsten und sophen durchaus nicht e ntsprach. Er machte
würdigsten Geschä fte~ (an Carlyle, 20. 7. aber auf G . offenbar e ine n um so nachhalti-
1827) innerhalb de r kulture llen Kommunika- geren Eindruck. Im 12. Buch von Dichtung
tion ist. und Wahrheit ist darüber berichtet : »Man ah-
ne te hie r einen tie fde nkenden gründlichen
Mann , d e r, mit d er offe nbaren Welt und Lite-
Literatur : ratur gcnau bekannt, doch auch noch etwas
Atkins, Stuart: Gocthcs Fau.st auf Englisch : Über- Geheimes, Unerforschliches gelten ließ und
setzung al s Inte rpretation. In : GoetheJb. 104 ( 1987), sich darüber auf e ine ganz e igene Weise aus-
S. 253- 296. - llcnning, Hans : Faust-Bibliographie. sprach . Von dene n , die damals die Literatur
Teil 2. 1. Ausgabe n und Übersetzunge n . Be rlin, We i- des Tags be herrschte n, ward er fre ilich für
mar 1968. - Malaplate, Jean : Zur Problematik d e r
e inen abstrusen Schwärmer gehalten, eine
Übe rsetzung Goethescher Poesie ins Französische.
Fau.stl und 1/. In : GoetheJb. 103 ( 1986) , S 173- 185. aufstrebende Juge nd aber lie ß sich wohl von
- Oswald, Eugene: Goethe in England and America. ihm anziehn4<. Hamann, d e r »Magus des Nor-
Bibliography. London 1909. - Roshnowski Stanis- dens4<, hat wie ke in ande re r gegen den abstrak-
l~w: Z~ei Ze ilen aus Faust. Goethcs Tra~ödic a ls ten Rationalismus se iner Zeit angeschrieben:
Erschemung der russische n Lite ratur. In: Impulse . 7 wie sehr G. von ihm gefesselt war, zeigt sich
(1984), S. 1t 7- 170. - Vontin, Waltc r : Goethe in frem-
daran, daß e r hoffte , e ine Ausgabe der Ha·
d~n Sprachen . In : Die lebende n Fremd sprachen. Zs.
fur Neusprachle r. 1 (1949), H. 8, S. 240-2 50 . mannschen We rke veranstalten zu können.
Beim Studium d er Hamannschen Schriften ha~
Hans-Jürgen Malles er allerdings auch e rkannt , daß man dabe•