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Edition Schulsport

fühler (Elektroden) fungieren, wandeln dabei am Körper messbare Zustände, wie Spannung,
Leitfähigkeit oder Widerstände, in elektrische Einheiten um. Folgende Messungen können dazu
u. a. vorgenommen werden: Elektromyografische Untersuchungen zeigen den Muskeltonus
an, der je nach Wert auf Anspannung oder Entspannung hindeutet. Kardiovaskuläre Messun-
gen ermöglichen beispielsweise die Messung der Herzratenvariabilität (HRV). Elektrodermale
­Veränderungen werden über den Hautleitwert ermittelt: Sie basieren auf Verschiebungen im
Spannungskontinuum einer Person und unterliegen der sympathischen Aktivierung, von der
auch die Schweißdrüsenaktivität beeinflusst wird (vgl. Parker-Binder, 2006, S. 15). Mittels heu-
tiger Diagnostikstandards werden alle psychophysiologischen Signale kabellos übertragen und
mithilfe digitaler Speichersysteme einer Datenanalyse unterzogen.

4.2 Evaluationsmethoden für den schulischen Alltag


Die schulische Selbstevaluation setzt einfache Handhabbarkeit, kostenneutrale Anwendung,
zeitökonomische Umsetzung und qualitativ-effektive Auswertung voraus. Da vor allen Dingen
die Körperwahrnehmung bei den Kindern durch Entspannungsverfahren verbessert werden soll,
ist diese durch entsprechende Methoden vorrangig zu evaluieren. In zweiter Linie sollen die
­eingesetzten Evaluationsmethoden im Sinne einer Selbstbeobachtung auch dazu beitragen,
Kinder für eine bessere Körperwahrnehmung zu sensibilisieren.

4.2.1 Reflexionsmethoden
Reflexionsmethoden sind aufgrund des geringen Zeitaufwands für alle Klassenstufen geeignet.
Es wird zwischen sprachlichen und schriftlichen Methoden differenziert: Reflexionsgespräche, wie
z. B. Blitzlicht in verschiedenen Varianten9 oder Kreisgespräche, fördern die Sprachentwicklung
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und führen dazu, dass Kinder in die Lage versetzt werden, ihre Emotionen und Körperempfin-
dungen zu verbalisieren.
Als schriftliche Reflexionsmethode eignet sich für die Klassen 3 und 4 u. a. das »One-Minute-Pa-
per«: Am Ende der Entspannungsübung erhalten die Schüler ein leeres Blatt Papier. Sie schreiben
innerhalb einer Minute auf die Vorderseite alle positiven Gedanken und Rückmeldungen und auf

9 Daumenblitzlicht: Die Schüler stehen mit geschlossenen Augen im Kreis und bewerten mit dem Daumen, wie ihnen
die Übung gefallen hat, welche Körperwahrnehmungen (z. B. Wärme, Leichtigkeit etc.) oder Gefühle sie gespürt
haben: Daumen hoch = positiv, Daumen nach unten = negativ, Daumen waagerecht = neutral. Auf ein Signal der
Lehrperson öffnen alle Schüler gleichzeitig wieder ihre Augen und sehen die Bewertungen der anderen.
Fingerblitzlicht: Vorgehensweise wie beim »Daumenblitzlicht«, allerdings mit differenzierterer Bewertung, z. B. durch
eine 10-Finger-Bewertung: 0 Finger = extrem negativ, 10 Finger = extrem positiv.

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Entspannung lehren & lernen in der Grundschule, edited by Norbert Fessler, Meyer & Meyer, 2013. ProQuest Ebook Central,
http://ebookcentral.proquest.com/lib/fhnw/detail.action?docID=1934758.
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