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Ist „Liebe“ wirklich die Urquelle des Kosmos?

Dialog zwischen Naturwissenschaft und Religion


Von Sandra Maxeiner / Gastautorin4. August 2017 Aktualisiert: 4. August 2017 8:23
Das Buch „Liebe – Urquelle des Kosmos“ erlebt eine Neuauflage im Topos Verlag.
Herausgegeben von Roland R. Ropers zeigt der Dialog zwischen dem Religionsphilosophen
Raimon Panikkar und dem Physiker Hans-Peter Dürr eine gemeinsame Erkundung der
inneren Welt aus verschiedenen Blickwinkeln.

Dieses Buch kehrt zurück zu den essenziellen Fragen unseres Lebens und versucht Antworten
zu finden: Was macht unser Leben wirklich lebenswert?

Wir leben in einer Zeit, in der unsere Fundamente ins Wanken geraten. Immer öfter laufen wir
Scheinwerten wie Erfolg und materiellem Wohlstand hinterher und merken nicht, dass das,
was uns fehlt, in der äußeren Welt nicht zu finden ist.

Papst Franziskus hat Recht mit seiner Analyse, in der er in seiner Neujahrsmesse sagte, dass
das „Fehlen von physischen und nicht virtuellen Kontakten unsere Herzen stumpf werden
lässt und wir unsere Fähigkeit, Mitleid und Mitgefühl zu verspüren verlieren.” Vielleicht ist
dieses „Abgestumpftsein“ die „natürliche“ Gegenbewegung zu einer Gesellschaft, in der
unsere Sinne überflutet werden, vielleicht eine Folge der Medien, die uns täglich
Horrormeldungen aus aller Welt servieren.

Möglicherweise hat auch das mangelnde Fundament dazu beigetragen, denn ohne festes
Fundament bilden sich Risse und es kann das entstehen, was wir in den letzten Jahrzehnten
immer häufiger beobachten können: Eine Erosion des „Wir-Gefühls“ infolge einer
Überbetonung des „Ich“ und zunehmender emotionaler Gleichgültigkeit.

Dieses Buch – Liebe – Urquelle des Kosmos – kehrt zurück zu den essenziellen Fragen
unseres Lebens und versucht Antworten zu finden: Was macht unser Leben wirklich
lebenswert?

Wie kann man diese Welt in eine Richtung lenken, in der wir wieder mehr nach innen blicken
und die spirituelle Dimension neu entdecken?

Es ist ein sehr anspruchsvoller Dialog zwischen Naturwissenschaft und Religion, der zum
Kern der Dinge vordringen will. Denn „hinter unseren Sorgen, Vorhaben, Ängsten, hinter den
Wellen liegt das Wasser des Ozeans. Erst wenn die Welle erfährt, dass sie das Wasser des
großen Ozeans ist, schwinden alle Ängste.“ Lange Zeit verfangen wir uns jedoch im
Wellenbereich. „Das bedeutet Leid, Enttäuschung, Angst und Unsicherheit.“

Wir hoffen, dass irgendeine Welle doch endlich die Erfüllung bringt, bis wir erkennen, dass
das nicht geschehen kann. Erst wenn wir lernen, uns frei zu machen von jeglichen
Erwartungen, Projektionen und Wunschvorstellungen, die uns suggerieren, wie die Dinge zu
sein haben, damit wir endlich glücklich sind, werden wir wirklich Erfüllung und
Zufriedenheit finden.

Vielleicht sind wir auch allzu oft wie der Fischer in der kleinen Geschichte in diesem Buch,
der seine Welt – den Ozean – erforschen will.
Er fährt aufs Meer hinaus und fängt Fische. „Nach vielen Fischzügen und sorgfältigen
Überprüfungen seiner Beute gelingt ihm die Entdeckung des ersten Grundgesetzes. Alle
Fische sind größer als fünf Zentimeter! Er nennt dies ein Grundgesetz, weil er bei keinem
Fang jemals einen Fisch fand, der kleiner als fünf Zentimeter war.

Auf dem Heimweg trifft er seinen besten Freund, den ich den Philosophen nennen will, und
erzählt ihm von seiner großen wissenschaftlichen Entdeckung. Der entgegnet ihm: ‚Das ist
doch gar kein Grundgesetz. Dein Netz ist einfach so grob, dass dir die kleineren Fische stets
durch die Maschen gehen.’“

Womöglich machen wir es uns ja – wie der Fischer in dieser kleinen Geschichte – manchmal
zu einfach mit unseren Betrachtungen und Schlussfolgerungen und fischen mit zu
grobmaschigen Netzen.

Werfen wir also beherzt die vorhandenen Netze über Bord und tauchen mit dem Herausgeber
Roland R. Ropers, dem Quantenphysiker Hans-Peter Dürr und dem Religionsphilosophen
Raimon Panikkar hinab zum Grund der Dinge. Sie werden sehen, es lohnt sich, denn da ist so
viel mehr, als Sie es vielleicht bis dato für möglich erachtet haben.

Foto: Cover Tops Verlag

Raimon Panikkar & Hans-Peter Dürr, Liebe – Urquelle des Kosmos

Hrsg. Roland R. Ropers, 237 Seiten

Verlag: Topos plus (1. Juli 2017)