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Visualisierung

kritischer Infrastrukturen
mit der GAMMA - Methode

Funktionssicherheit Stromversorgung im
Krankenhaus

und

Versorgungssicherheit Treibstoffversorgung

Dr. Friedmar Fischer

Karlsruher Institut für Technologie


(K.I.T.)
Institut für Kern- und Energietechnik
(IKET)
Campus Nord

März 2010

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 1
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort .................................................................................................................................. 3

2 Einleitung ............................................................................................................................... 4

3 Grundgedanken zur GAMMA-Methode .......................................................................... 12

4 Beispiel Stromversorgung Krankenhaus .......................................................................... 18


4.1 Ausführliche Infrastrukturdarstellung ...................................................................... 18
4.2 Kompakte Infrastrukturdarstellung ......................................................................... 43

5 Beispiel Versorgungssicherheit Treibstoff ........................................................................ 48

Quellenverzeichnis ................................................................................................................. 55

Abbildungsverzeichnis ........................................................................................................... 56

Tabellenverzeichnis ................................................................................................................ 57

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 2
1 Vorwort
Im Rahmen des Projekts SIMKRIT: „Simulation Kritischer Infrastrukturen für das
Krisenmanagement“ gilt es u.a. die Fragen zu beantworten:

 Welche Modellansätze und Modelle existieren zur Abbildung kritischer


Infrastrukturen und deren Vernetzung, die im Bereich der Bewältigung von
Schadensereignissen aber auch bereits in der Planungsphase eingesetzt
werden können, und welche Anforderungen werden an sie gestellt?

 Welche Ansätze zur Entscheidungsunterstützung vermögen es, die


komplexen Zusammenhänge zwischen den kritischen Infrastrukturen für einen
Entscheidungsträger fassbar abzubilden?

Kritische Infrastrukturen umfassen z.B. die Sektoren Energieversorgung,


Gesundheitsversorgung,Versorgung mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln,
Gefahrenstoffe, Behörden und Verwaltung, Telekommunikation und
Informationstechnik, Transport und Verkehrswesen, Finanz-, Geld- und
Versicherungswesen u.v.a..

Kritische Infrastrukturen haben – so die Projektbeschreibung von SIMKRIT -


komplexe innere Abhängigkeiten und sind außerdem stark miteinander vernetzt, was
insbesondere beim Ausfall der Stromversorgung bei Großschadenslagen deutlich
wird. Entscheidungsträger sind daher in solchen Situationen nicht nur durch einen
generellen Mangel an Ressourcen und deren nur eingeschränkte Verfügbarkeit bzw.
Leistungsfähigkeit sondern auch durch ein unzureichendes Verständnis der
Auswirkungen der denkbaren Maßnahmen auf die komplexe Schadenslage nur eher
eingeschränkt handlungsfähig.

In einer anderen Arbeit [Ref. 10] wurde ein theoretischer Rundgang durch die neuere
Literatur zum Thema „Kritische Infrastrukturen“ gemacht.

Die vorliegende Arbeit stellt sich die Aufgabe, anhand von zwei ausgewählten
praktischen Beispielen kritischer Infrastrukturen (die Funktionssicherheit der
Stromversorgung in einem Krankenhaus und die Versorgungssicherheit der
Treibstoffversorgung) die komplexen Zusammenhänge gemäß der obigen
Fragestellung fassbar abzubilden. Dazu wird als Werkzeug ein Verfahren zur
Visualisierung des vernetzten Denkens, die GAMMA-Methode (GAnzheitliche
Modellierung und MAnagement komplexer Systeme [Ref. 3]), benutzt.

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 3
2 Einleitung
Einige Leitfäden des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
geben eine gute Einführung in die Vorgehensweisen zum Schutz kritischer
Infrastrukturen (z.B. der kritischen Infrastruktur <Krankenhaus>) [Ref. 1].

Nach [Ref. 1] hängen die Sicherheit, ökonomische Prosperität und soziale Wohlfahrt
unserer Gesellschaft von einem komplexen System miteinander vernetzter
Infrastrukturen ab (siehe Abbildung 1). Kritische Infrastrukturen werden definiert als
„Organisationen und Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche
Gemeinwesen, bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende
Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere
dramatische Folgen eintreten würden“. Kritisch bezieht sich dabei auf die
Bedeutsamkeit einer Infrastruktur oder ihrer Komponenten in Bezug auf die
Konsequenzen, die eine Störung oder ein Funktionsausfall für die Aufrechterhaltung
der Gesamtdienstleistung und letztlich für die Versorgungssicherheit der Gesellschaft
mit wichtigen Gütern und Dienstleistungen insgesamt hat.

Abbildung 1: Vernetzung von Kritis-Sektoren und Branchen

In Deutschland werden acht Sektoren Kritischer Infrastruktur unterschieden, einige


von Ihnen enthalten mehrere Branchen.

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 4
 Energie,
 Versorgung (Wasser, Lebensmittel, Gesundheit, Notfallversorgung)
 Informations- und Kommunikationstechnologie,
 Transport und Verkehr,
 Gefahrstoffe (Chemie- und Biostoffe, Labore, etc.),
 Banken und Finanzen,
 Behörden, Verwaltung, Justiz,
 Medien, Großforschungseinrichtungen und Kulturgüter

Da diese Infrastruktursysteme nicht eigenständig nebeneinander stehen, sondern


durch vielfältige Beziehungen miteinander vernetzt sind, bestehen gegenseitige
Abhängigkeiten (Interdependenzen), die in vielen Fällen für die Funktionsfähigkeit
von Organisationen lebenswichtig sind. Diese Interdependenzen zwischen zwei
Infrastrukturen können sehr gering sein, so dass die Unterbrechung eines Konnexes
nur schwache oder gar keine gesellschaftlichen Auswirkungen hat, etwa Störungen
im Transportsektor für den Bereich Kulturgut. Bei anderen Verbindungen kann eine
solche Unterbrechung hingegen schwerwiegende oder sogar katastrophale
Auswirkungen haben, z.B. wenn die Versorgung des Gesundheitswesens mit
Energie unterbrochen ist.

Die Abhängigkeit der Gesellschaft von Kritischen Infrastrukturen und ihre Anfälligkeit
bei Infrastrukturausfällen ist einem dynamischen Wandlungsprozess ausgesetzt.
Denn die Veränderung gesellschaftlicher, politischer und ökonomischer
Rahmenbedingungen (demografischer Wandel, Privatisierung, Liberalisierung und
Wettbewerb) kann nicht nur Auswirkungen auf die reguläre Versorgung der
Bevölkerung mit Gütern und Dienstleistungen haben, sondern auch negative Effekte
auf die Versorgungssicherheit in Krisen- und Katastrophensituationen hervorrufen.

Das Krankenhaus als Kritische Infrastruktur

Diese sich wandelnden Rahmenbedingungen treffen in besonderer Weise auch das


Gesundheitswesen bzw. die Krankenhäuser, die eine herausragende Position unter
diesen Infrastrukturen einnehmen. Gerade in Großschadenslagen hat ein
Krankenhaus unverzichtbare Aufgaben zur Bewältigung der Situation
wahrzunehmen: Die Versorgung und Behandlung einer stark erhöhten Anzahl
verletzter oder erkrankter Personen. Die Erhaltung der Funktionsfähigkeit eines
Krankenhauses und der Schutz der in ihm arbeitenden bzw. versorgten Personen
muss deshalb für alle relevanten internen und externen Schadenslagen höchste
Priorität haben.

Die allgemeine Definition Kritischer Infrastruktur kann direkt und konkret auf
Einrichtungen des Gesundheitswesens übertragen werden: Krankenhäuser, wie
auch viele andere Einrichtungen des Gesundheitswesens sind kritische
Infrastrukturen, denn ein großflächiger und längerfristiger Ausfall von
Gesundheitsdienstleistungen hätte dramatische Folgen für die gesamte Gesellschaft.

Maßnahmen zum Schutz der Kritischen Infrastruktur „Krankenhaus“ sind alle


Maßnahmen des Risikomanagements und der Krankenhausalarmplanung für
interne Gefahren- und Schadenslagen!

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 5
Schutz der kritischen Infrastruktur im Krankenhaus

Das Krankenhaus als Teil des Gesundheitswesens ist nicht nur als Ganzes eine für
die Gesellschaft unverzichtbare kritische Infrastruktur. Dieses hoch sensible und
komplexe System ist selbst auch von einer Vielzahl anderer „kritischer
Infrastrukturen“ abhängig. Diese Abhängigkeiten (Abbildung 2) existieren auf
verschiedenen Ebenen innerhalb und außerhalb des Krankenhauses:

 Ebene 1: Kooperationen mit Betreibern anderer Infrastruktursysteme :

Das Krankenhaus ist von der dauerhaften und zuverlässigen Verfügbarkeit anderer
Infrastruktursysteme und deren Dienstleistungen abhängig, auf die es gerade in einer
Extremsituation nicht verzichten kann. Beispiele:

- öffentliche Wasserversorgung
- Telefon- und Internetverbindungen
- Lebensmittelversorgung
- Energieversorgung
- Banken

 Ebene 2: Kooperationspartner innerhalb der Gesundheitsbranche

Das Krankenhaus ist darauf angewiesen, dass eine Vielzahl hoch spezialisierter
Organisationen und Akteure innerhalb der Gesundheitsbranche zuverlässig arbeiten.
Beispiele:

- Rettungsdienst
- Apotheke
- Labor
- Niedergelassene Ärzte
- Öffentlicher Gesundheitsdienst

 Ebene 3: Funktionsbereiche innerhalb des Krankenhauses

Innerhalb des Krankenhauses können im Katastrophenfall unverzichtbare


Funktionsbereiche ihre Aufgaben nur erfüllen, wenn andere Funktionen und
Leistungen ständig verfügbar sind. Beispiele:

- medizinische Fachabteilungen
- Küche
- EDV
- Verwaltung
- Sterilgutversorgung

 Ebene 4: Komponenten

Alle Funktionsbereiche erbringen ihre Dienstleistung jeweils auf der Grundlage


des Zusammenspiels der folgenden Komponenten:

- Personalspezielle Anlagen und Geräte


- Daten und Unterlagen
- allgemeine technische Anlagen und Geräte
- Gebäude und Gelände
- Betriebsmittel

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 6
Fallen z.B. auf einer Intensivstation unverzichtbare Komponenten aus (z.B. Heizung,
Beatmungsgerät, Personal, oder gleichzeitig die Strom- und Notstromversorgung, so
kann dies zu unmittelbaren Konsequenzen für die Patienten führen.

Erfahrungen aus vergangenen Ereignissen haben gezeigt, wie abhängig


Krankenhäuser von äußeren Einflussfaktoren und wie anfällig sie gegenüber
Störungen sind. Unter Umständen kann ein Ereignis dazu führen, dass die
Funktionsfähigkeit und der Betrieb nicht mehr aufrechterhalten werden können und
damit die Sicherheit und Versorgung von Patienten gefährdet ist.

Der „Schutz Kritischer Infrastrukturen im Krankenhaus“ ist ein wichtiger


Teilaspekt des Risikomanagements und der Krankenhausalarmplanung für
interne Gefahren- und Schadenslagen!

Abbildung 2: Die vier Ebenen der Gesundheitsversorgung als „kritische


Infrastruktur“

Krankenhäuser sind extrem komplexe Konglomerate, in denen zu jeder Zeit eine


unüberschaubare Vielzahl von Abläufen gleichzeitig stattfinden. Die verschiedenen
Aufgaben und Funktionen sind an einer ebenso großen Anzahl von Schnittstellen
miteinander vernetzt. Um das Krankenhaus als kritische Infrastruktur greifbar zu

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 7
machen, sollte daher z.B. mit Hilfe von Komponenten eines Prozessmodells versucht
werden, die entscheidenden Aspekte herauszuarbeiten.

Ein Prozess ist die Summe der Tätigkeiten und Bearbeitungsschritte im Laufe der
Leistungserbringung einer Organisation. Ein vereinfachtes Beispiel für einen
typischen Prozess in einem Krankenhaus zeigt Abbildung 3.

Abbildung 3: Beispielprozess in einem Krankenhaus

Der hier beispielhaft beschriebene Gesamtprozess könnte die Bezeichnung


„Behandlung eines Notfallpatienten“ tragen. Die einzelnen Schritte der Behandlung
finden in den verschiedenen funktionalen Einheiten des Krankenhauses statt. Diese
sind gleichzeitig bzw. in der zeitlichen Abfolge immer wieder Teil verschiedener
Prozesse. Sie sollen daher hier als „Prozessbausteine“ bezeichnet werden (siehe
[Ref. 1]).

Es erscheint unmöglich, sämtliche in einem Krankenhaus ablaufende Prozesse


sowie deren Verbindungen und Schnittstellen übersichtlich zu dokumentieren.

Es empfiehlt sich daher auf die Prozessbausteine zu konzentrieren, die als


„Infrastruktur“ immer wieder von unterschiedlichen Prozessen genutzt werden, und
ihre Bedeutung für die Funktionsfähigkeit der gesamten Einrichtung sowie auf deren
Anfälligkeit gegenüber extremen Situationen darzustellen.

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 8
Eine Notwendigkeit:
Das Hinterfragen von Modellbildung und Simulation kritischer Infrastrukturen

Nach [Ref. 9] sind kritische Infrastrukturen (wie zum Beispiel auch Infrastrukturen in
einem Krankenhaus oder Infrastrukturen zur Sicherstellung der Treibstoffversorgung)
komplexe Systeme, deren Überlebensfähigkeit zu gewährleisten ist. Die Erfahrungen
mit komplexen Systemen haben gezeigt, dass das Wissen über Einzelteile nicht
ausreicht, komplexe Systeme zu erfassen und zu bewerten. Mindestens genau so
wichtig ist es, die Vernetzung der Einzelteile zu berücksichtigen.

Bei der Modellierung komplexer System werden jedoch häufig Fehler gemacht.

Eingriffe in die Vernetzung verändern die Beziehungen zwischen den Komponenten


und damit den Charakter des Gesamtsystems. Offene Systeme wie z.B. ökologische
Systeme erfahren immer wieder „Störungen“ von außen und reagieren darauf. Aber
gerade durch diesen permanenten Austausch bewahren sie ihre
Überlebensfähigkeit. Denn ein solcher Austausch verursacht Rückkopplungen und
Selbstregulation – Eigenschaften, die nicht in den einzelnen Komponenten des
Systems enthalten sind. Überlebensfähigkeit des Gesamtsystems kann also nicht
alleine aus der Überlebensfähigkeit seiner Komponenten abgeleitet werden, sondern
beruht mehr auf kybernetischen Prinzipien. Das ist auch ein Grund, weshalb viele
komplexe Projekte, die deterministisch geplant und ohne Rückkopplung mit ihrem
Umfeld durchgeführt wurden, gescheitert sind. Typische strategische Fehler im
Umgang mit komplexen Systemen sind:

 Falsche Zielbeschreibung des Gesamtsystems


 Unangemessene Abbildung / Beschreibung des Systems
 Auswahl ungeeigneter Lösungsstrategien

Suboptimierung und Auswahl nicht zutreffender Zielfunktionen sind oft bei der
Analyse komplexer Systeme zu beobachten. Anstatt sich auf die Überlebensfähigkeit
des Gesamtsystems zu konzentrieren, verfolgen die Planer oft Reparaturstrategien.
Die Konsequenz ist, dass Nachhaltigkeit, Stabilität und Robustheit des Systems nicht
gefördert werden, was gerade bei kritischen Infrastrukturen ein verhängnisvoller
Fehler wäre.

Typische Modellierungsfehler (Details zu 1 – 6 siehe [Ref. 9]):

(1) Unausgewogene Auflösungsebenen


(2) Vernachlässigung wichtiger Interdependenzen
(3) Nichtberücksichtigung wesentlicher Systemkomponenten
(4) Verzicht auf „weiche“ Faktoren
(5) Missachtung von Störungen
(6) Unüberlegte Anwendung der Extrapolationsmethode

Typische Fehler bei der Auswahl von Lösungsstrategien


(Details zu 1 – 4 siehe [Ref. 9]):

(1) Ignorierung von Seiteneffekten


(2) Festhalten an Reparaturstrategien
(3) Tendenz zur Überreaktion
(4) Tendenz zu diktatorischem Verhalten
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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 9
Die methodische Herausforderung des Schutzes kritischer Infrastrukturen besteht
darin, die oben aufgeführten methodischen Unzulänglichkeiten zu vermeiden und
Antworten auf folgende Fragen zu finden:

 Wie reagiert das System „Kritische Infrastrukturen“ auf bestimmte Ereignisse?


 Wie robust und flexibel ist das System?
 Wie kann sein Systemverhalten verbessert werden?
 Wie können kybernetische Eigenschaften zur Systemsteuerung ausgenutzt
werden?
 Was sind die kritischen und unkritischen Bereiche des Systems?

Probst and Gomez [Ref. 8] u.a. zeigten, dass die Methode des Vernetzten Denkens
das Verhalten komplexer Systeme hinreichend genau beschreiben kann, selbst wenn
nur Rohdaten der einzelnen Komponenten vorliegen, aber die Abhängigkeit der
Komponenten untereinander erfasst sind.

Eine korrekte Problembeschreibung ist ausschlaggebend für eine erfolgreiche


Problemlösung. Zusammenhang, Beziehungen und Interaktionen zwischen den
Elementen müssen erfasst und verstanden werden. Ebenso wichtig ist es, die
wahren Zielsetzungen zu erkennen, die uns zu den tatsächlichen Problemlösungen
leiten. Allerdings sind in komplexen Situationen oft nur vage Zielsetzungen
anzutreffen und einzelne Zielfunktionen können auch im Interessenkonflikt stehen.

Das Verhalten einer kritischen Infrastruktur kann als Kontrollmodell beschrieben


werden, wobei folgende Elemente zu unterscheiden sind:

 Akteure wie z.B. Bedienungspersonal, Nutzer, Kunden


 Kontrollierbare Faktoren wie Computer, Netzwerk, Verteiler etc.
 Kriterien oder Indikatoren, die den Erreichungsgrad der Zielfunktion angeben

Akteure kontrollieren die kontrollierbaren Faktoren. Umgekehrt beeinflussen die


Indikatoren das Verhalten der Akteure. Da kritische Infrastrukturen keine
abgeschlossenen Systeme darstellen, können auch externe Faktoren die kritische
Infrastruktur beeinflussen. Beispiele für solche externe von der Infrastruktur nicht
direkt beeinflussbare Faktoren sind die Gesetzgebung und internationale Standards.
Diese Faktoren beeinflussen sowohl das Verhalten der Akteure als auch die internen
von der Infrastruktur direkt kontrollierbaren Faktoren. Externe und interne Faktoren
beeinflussen den Wert der Indikatoren und damit auch den Wert der Zielfunktion wie
z.B. die technische Funktionsfähigkeit. Der Wert der Zielfunktion wiederum
veranlasst die Akteure, die internen Faktoren zu ändern, wenn der wert der
Zielfunktion außerhalb des Normalbereiches liegt.

Geeignete Analysetools werden benötigt, um Beziehungen, Einflüsse und


Zeitverhaltenkomplexer System untersuchen und besser verstehen zu können.
Netzwerke erlauben es, die Kausalitäten der Beziehungen zu beschreiben und ihre
Eigenschaften zu analysieren.

Zeitaspekte spielen ebenfalls eine wichtige Rolle im Systemverständnis. Planer


schätzen die Reaktionszeit des Systems oft falsch ein, wenn sie
Korrekturmaßnahmen einleiten. Sie mögen zwar die individuellen Antwortzeiten der
einzelnen Elemente kennen, aber in aller Regel nicht die vernetzten Zeitaspekte, die
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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 10
durch Rückkopplungen über mehrere Stationen hervorgerufen werden. Die
Erfahrung hat gezeigt, dass es oft schon ausreicht zwischen kurz-, mittel- und
langfristig zu unterscheiden, um zu brauchbaren Ergebnissen zu kommen. Allerdings
können die Vorstellungen über diese Zeitangaben von Sektor zu Sektor sehr
unterschiedlich sein.

Es bietet sich also durchaus an, z.B. die GAMMA – Methode zur Untersuchung und
Visualisierung kritischer Infrastrukturen einzusetzen.

Diese Methode ist übrigens seit den 90er – Jahren erfolgreich bei Industrieunterneh-
men und im Dienstleistungssektor bei der Lösung komplexer vernetzter Aufgabenstel
lungen im Einsatz [Ref. 4], [Ref. 8].

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 11
3 Grundgedanken zur GAMMA-Methode1
Gemäß Schäfer [Ref. 2] sind mittlerweile zahlreiche Methoden entwickelt worden, um
komplexe Situationen handhabbar zu machen. Hier wird ein Ansatz vorgestellt, der
Hilfestellung beim Umgang mit komplexen Situationen leistet. Das
augenscheinlichste Instrument, um komplexe Situationen in den Griff zu bekommen
ist der Erwerb von Problemlösungskompetenzen anhand spezieller Trainingsmodelle,
die bereits seit längerem in zahlreicher Form mit unterschiedlichen Schwerpunkten
angeboten werden. So sehr sich komplexe Situationen gerade dadurch auszeichnen,
dass schematische Lösungen versagen, so können anhand von speziellen Trainings
dennoch Problemlösungsstrategien eingeübt und realitätsnahe Erfahrungen im
Umgang mit komplexen Aufgabenstellungen gesammelt werden.

Als Hilfsinstrument in der Phase der Orientierung und auch der Planung kann das mit
dem Brainstorming verwandte Mind-Mapping genutzt werden. Ausgehend von einer
zentralen Aufgabenstellung und einer anschließenden freien Ideensammlung wird
die Aufgabe systematisch in Kategorien und Unterkategorien zergliedert und
visualisiert. Bei jeder neuen Idee kann stets geprüft werden, ob diese eine eigene
Kategorie darstellt oder eventuell nur Unterpunkt einer anderen Kategorie ist. Somit
kann auch anhand dieses Instruments in kurzer Zeit ein Überblick über eine
Aufgabenstellung gewonnen werden.

Die angesprochenen Hilfsmittel erweisen sich bei der Orientierung, Strukturierung


und Entscheidungsfindung im Ergebnis vor allem deshalb als hilfreich,weil sie
allesamt die Umsetzung von Informationen in Bilder oder Grafiken zulassen, die
bekanntlich vom menschlichen Gehirn wesentlich besser aufgenommen und
nachvollzogen werden können, als textliche Darstellungen. Dennoch bleibt bei diesen
Verfahren, wie eingangs erwähnt, zu konstatieren, dass sie stets nur Teilaspekte des
komplexen Systems beleuchten und ihnen damit bei der Bewältigung komplexer
Aufgabenstellungen nur ergänzende Funktion beigemessen werden kann. Der
Akteur darf sich bei der Zuhilfenahme dieser Verfahren folglich nicht von der
Einfachheit der gefundenen Antworten blenden lassen und muss sich stets vor
Augen führen, dass insbesondere die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen den
Variablen in diesen Verfahren nicht oder nur äußerst rudimentär abgebildet werden.

Ganzheitliche (holistische) Ansätze

Ganzheitliche Verfahren versuchen die Komplexität der Situation in ihrer Gesamtheit


aufzufassen und zu behandeln. Sie stehen damit im gewissen Gegensatz zur
traditionellen Herangehensweise, die einzelne Elemente der komplexen Situationen
herausgreift, diese isoliert analysiert und löst. Dabei bedeutet ganzheitliches
Vorgehen nicht, dass der Realitätsbereich vollständig erfasst werden soll, sondern
letztlich nur, dass alle wesentlichen Variablen in ihren jeweiligen Zusammenhängen
aufgegriffen werden sollen. Die Einschätzung, was im Einzelnen in der jeweiligen
komplexen Situation als wesentlich zu beurteilen ist, verbleibt letztendlich beim
Anwender.

1 ®
GAMMA =GAnzheitliche Modellierung und MAnagement komplexer Systeme [Ref. 3]
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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 12
Bei der GAMMA-Methode wird typischerweise in vier Phasen vorgegangen.

In Phase 1 wird das Problem als solches erfasst; die anzustrebenden Ziele und deren
Einflussfaktoren werden hierbei herausgearbeitet.

Phase 2 betrifft die Systemmodulation, in der insbesondere Wirkungsbeziehungen anhand


von Wirkungsdiagrammen sichtbar gemacht werden.

Phase 3 betrifft die Systemanalyse.Hier geht es um die Ermittlung von Rückkopplungen im


System, um die Frage, in wie fern Eingriffe zu Nebenwirkungen führen können sowie um die
Analyse von Teilnetzen.

In der vierten und letzten Phase werden die Variablen herausgearbeitet, die besonders
großen Einfluss auf das System haben und die deswegen für die Entwicklung von
Problemlösungsstrategien besondere Bedeutung haben.

Nach dem GAMMA-Praxis-Handbuch [Ref. 4] von Prof. Dr. Hanns Hub ist eine
ganzheitliche (holistische) Methode der Problembearbeitung eine
Denkverfahrensweise, die das natürliche Denken unterstützt und dort helfen kann,
wo das natürliche (ganzheitliche) Denken verloren gegangen ist, weil es durch
andersartiges Denken verdrängt wurde. Der Grund für diesen Verlust liegt
insbesondere im herkömmlichen Denkmuster (Paradigma) der Wissenschaft: Die
Interpretation von „Wissenschaftlichkeit“ ließ bei den Elementen „Modell“ und
„Modellanalyse“ (siehe Abbildung 4) nur das zu, was in eine „sichere“, exakte Form
gebracht werden kann.

Subjektiver Filter
der Wahrnehmung

Vorstellung von der


Wirklichkeit
Wirklichkeit
- reale Problemsituation -
- Abbild, Modell -

Auseinandersetzung
Entscheidung mit dem Abbild
Aktivität - Modellanalyse -

Abbildung 4: Beziehungsgefüge der Grundelemente rationaler


Auseinandersetzung mit komplexen Problemen

In der Folge bedeutet dies eine Reduktion der Wahrnehmung auf das, was
mathematisch faßbar und bearbeitbar ist. Die so vermittelte „Sicherheit“ ist jedoch
trügerisch, denn die einseitige Betrachtung führt häufig nur zu „exakten Antworten“
auf die „falschen Fragen“ (siehe [Ref. 4]).

Man kann sich nun mit Check- und Fragelisten seiner eigenen Problemstellung
nähern.
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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 13
Abbildung 5: Checkliste für das Arbeiten nach der GAMMA-Methode [Ref. 5]

Problemfeld /
Untersuchungsgebiet

ABRENZUNGS- UND
DEFINITIONSPHASE
 Situationsbeschreibung
 Ziele der Untersuchung
 Relevante Einflussgrößen
- davon Zielgrößen

MODELLIERPHASE  Struktur und Vernetzung


Transparenz der des Systems
Komplexität durch (Modellierung des Systems)
Visualisierung  Konsens über das
modellierte System
herstellen

LERNPHASE
(Modellanalyse)
Beeinflussung Liste der Elemente
1 Nettoumsatz
100 6 2 Kundenbindung
3 Fluktuation

Dynamik und
A 4 Qualität Mitarbeiter
90 5 Kundenbetreuung
6 Motivation
11 7 Provision Vertrieb
80 8 Kosten

 Analyse des Systems im


9 Deckungsbeiträge
10 Absatz

Intensität des 70

60 1 3
11
A 12
13
14
15
16
Akzeptanz Angebot
Preise
Rabatte
Wettbewerb
Budget- Rahmen
ProvisionsSatz

Systems Hinblick auf Dynamik und


50 9 2 8 7

5 10
40

verstehen Intensität
30
13
20
16 A

 Konsens zu Verhalten und


10

4 15 14
Qualität 0
3
Mitarbeiter 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
14 Fluktuation
7
Wett- Einflussnahme
Provision

Verhaltensmöglichkeiten
bewerb
Vertrieb

2 6
Kunden- 5
Motivation

des Systems herstellen


bindung Kunden-
betreuung

16
Provisions-
11 Satz
Akzeptanz
Angebot 10 1
Absatz Nettoumsatz
15
Budget-
Beeinflussung 8 Liste der Elemente
Rahmen Kosten
1 Nettoumsatz
100 6 2 Kundenbindung
3 Fluktuation
4 Qualität Mitarbeiter
3 5 Kundenbetreuung
12 90
13 9 6 Motivation
Preise
Rabatte Deckungs- 7 Provision Vertrieb
80 beiträge 8 Kosten
9 Deckungsbeiträge
8 10 Absatz
70 11 Akzeptanz Angebot
12 Preise
13 Rabatte
14 Wettbewerb
60 15 Budget- Rahmen
16 ProvisionsSatz
9 11 10 1
50 4
5 12 7
40 16
2
30

20

10
13
0 15 14
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
Einflussnahme

STRATEGIEPHASE
Folgenabschätzung 4
Qualität
Mitarbeiter
3
14 Fluktuation

von Eingriffen im Wett-


bewerb
7
Provision
Vertrieb

System
2 6
Kunden- 5
Motivation
bindung Kunden-
betreuung

16
4 Provisions-

 Handlungsspielräume
Qualität Satz
3 11
Mitarbeiter Akzeptanz
14 Fluktuation
Angebot 10 7 1
Wettbewerb
17 Provision
Absatz Nettoumsatz
Vergütung Vertrieb
15
Budget- 8
Rahmen Kosten

festlegen und
2 6
Kunden- 5
Kunden- Motivation
bindung
betreuung
12
13 Preise 9
16
Rabatte Deckungs-
Provisions-

Alternativen
beiträge
11 Satz
4 Akzeptanz
Qualität Angebot 1
5
3 10
Mitarbeiter
Fluktuation Nettoumsatz Qualität
14
7
Absatz 4
Wett-
15 Prov ision Mitarbeiter
bew erb
Budget- Vertrieb 8
Fluktuation

2
Kunden-
bindung
5
Kunden-
betreuung
6
Motiv ation
Rahmen

12
Kosten

austesten
 Festlegung von
13 Preise 9
16
Rabatte Deckungs-
Prov isions-
11 Satz 6 beiträge 2
Akzeptanz Kunden- 3
Angebot 10 1 Kunden- Motivation
Absatz Nettoum satz bindung
15
betreuung

konkreten Handlungs-
Budget- 8
Rahmen Kosten

12
13 9
Preise 1

alternativen
Rabatte Deckungs-
beiträge Vergütung

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 14
Tabelle 1: Phasen der Untersuchung nach der GAMMA-Methode [Ref. 5]

Phase Phasen-Schritt Zentrale Fragestellung / Vorgehen

Problem Situation erfassen Wo liegt das Problem?


erfassen Was wollen wir?
Ziele erheben Wer hat welche Interessen?

Problem abgrenzen Was wollen wir untersuchen?

Einflussfaktoren bestimmen Welche Größen haben einen wesentlichen Einfluss


im System?
Zielgrößen fixieren Welche Größen haben Zielcharakter?

Dokumentieren mit Hilfe von Eingabe der Faktoren und Ziele, Protokollierung der
GAMMA Definitionen
System Elemente platzieren Vorbereitung einer Netzdarstellung
modellieren
Elemente charakterisieren Beeinflussbare Größen, Zielgrößen. Kennzeichnung
durch Farbe und Form
Wirkungsbeziehungen Zwischen welchen Elementen bestehen
angeben Wirkungsbeziehungen?
Wirkungsintensität angeben Wie stark ist die jeweilige
Beeinflussung?
Wirkungsart angeben Verstärkend oder abschwächend?

Wirkungsdauer angeben Fristigkeit? Zeitdauer?

System Einflussanalyse Welche Rolle spielt das Element?


analysieren
Wirkungskettenanalyse Wie breiten sich Wirkungen aus?

Analyse der Rückkopplungen Positive und negative Wirkungskreise; Teufelskreise


oder Erfolgsspiralen?
Zeitliche Analyse Wann tritt Wirkung von Eingriffen ein?

Teilnetze analysieren Wirkungsketten näher betrachten

Subsysteme analysieren Wenn das Element selbst ein System ist

Szenario-Variationen Könnte es auch anders sein? Andere


durchführen Elemente/Wirkungen/Intensitäten?
Indikatoren ausfindig machen Woran kann früh erkannt werden, dass mit
Veränderungen zu rechnen ist?
Eingriffe Mögliche Eingriffe erkennen Bei welchen Größen haben Eingriffe besonders viel
bestimmen Wirkung?
Strategien entwickeln und Mit welchen Vorgehensweisen erreichen wir unsere
bewerten Ziele?
Strategie-Konzept fixieren Welche Strategien zu einem abgestimmten Bündel
binden?
Strategie-Umsetzung – Wie, von wem, durch welche Maßnahmen umsetzen?
Projektmanagement

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 15
Allgemeine methodische Erkenntnisse zur Arbeit mit GAMMA [Ref. 6]
 GAMMA ist ein nützliches Hilfsmittel zur Visualisierung von Ursache-
Wirkungszusammenhängen

 Aufgrund der Begrenzungen unseres Kurzzeitgedächtnisses im Hinblick auf


Speicherkapazität und Behaltensdauer sind wir bei der Erfassung komplexer
Zusammenhänge regelmäßig überfordert.

 Die Visualisierung mittels der GAMMA-Software sowie deren zusätzlichen


Dokumentationstools wirken in zweifacher Weise entlastend:

 Wir können jederzeit wieder auf bereits erfasste Zusammenhänge


zurückgreifen, die wir sonst vielleicht wieder übersehen würden. Der Kopf
bleibt frei, da er nicht mit Behaltensleistungen beschäftigt ist.

 Wir können uns leichter mit anderen austauschen, da sichtbar wird, worüber
geredet wird.

 GAMMA fordert und fördert auch das Nachdenken über die zeitliche Dauer von
Prozessen bzw. auch darüber, dass Wirkungsreaktionen oft erst mit einer
Zeitverzögerung eintreten.

 Die GAMMA-Methode ist ein Hilfsmittel und ersetzt nicht die geistige
Arbeit an der Durchdringung der Komplexität.

 Zur Erfassung aller wichtigen Aspekte ist ein heterogenes Team förderlich.
 Beim Prozess der Definition der gegenseitigen Einwirkungen ergeben sich ständig
neue wichtige Aspekte

 Das Verfahren führt zu einem größeren Verständnis für Zusammenhänge und


Auswirkungen innerhalb eines Systems.
 Für die Modellmodellierung sollten die Thematik, Standpunkte und Begriffe
hinreichend präzise beschrieben werden.

Die Nutzen-Reflektion:

Zur Methode:
 Erweiterung der Darstellungs- und Handlungsmöglichkeiten
 Methode – richtig angewandt (!) – verhindert
"Schnellschüsse"
o Es ist gut, die Meinung anderer zu suchen
 Bedeutung der "weichen" Faktoren wird angemessen berücksichtigt

(siehe [Ref. 6])

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 16
Plakative Zusammenfassung:

Denken nach der GAMMA – Methode heißt nicht,


an ALLES zu denken!

Statt dessen:

Denken nach der GAMMA – Methode heißt,


nichts WESENTLICHES außer Acht zu lassen.

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 17
4 Beispiel Stromversorgung Krankenhaus
4.1 Ausführliche Infrastrukturdarstellung

Das Krisenhandbuch „Stromausfall“ [Ref. 7] beschreibt u.a. übersichtlich die Struktur


und die Akteure des Schwerpunktsektors „Gesundheitswesen“

Abbildung 6: Teilbereiche des Schwerpunktsektors Gesundheitswesens [Ref. 7]

Dort wird in tabellarischer Form u.a. für verschiedene Szenarien (Stromausfall < 8 h,
Stromausfall 8-24 h, Stromausfall > 24 h) eine Auswirkungsanalyse und eine
Entscheidungsunterstützung für einen Stromausfall im Krankenhaus angeboten.

Die tabellarischen Übersichten des Krisenhandbuchs Stromausfall und die


einschlägigen Fragenkataloge der Leitfäden zum Schutz kritischer Infrastrukturen im
Krankenhaus waren die Grundlage für die Aufstellung bzw. Bearbeitung eines
Szenarios zur Aufrechterhaltung der Stromversorgung im Krankenhaus mittels der
GAMMA-Methode.

In ungeordneter Reihenfolge wurden Bestimmungselemente identifiziert und


kommentiert.

Funktion Strom Extern Wasser


Funktion Strom Intern Wärme
Treibstoff-Versorgung IKT Informations - und Kommunikationstechnik
Hygiene Klima
Belüftung Allgemeine Versorgung
Überwachung Personal-Anpassung
Lebenserhaltung Entsorgung
Diagnostik Funktion Haustechnik
Labor Funktion Verwaltung
OP Strom Verwaltung
Beleuchtung Funktion Medizinische Versorgung
Sicherheitseinrichtung Strom Medizinische Versorgung
Strom Haustechnik Notstrom zentral
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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 18
Tabelle 2: Elementliste Funktionssicherheit Stromversorgung Krankenhaus
1. Fkt. Strom Extern
2. Fkt. Strom Intern Stromlastverteiler für die Bereiche
M=Medizinische Versorgung,
H=Haustechnik, V= Verwaltung. Es ist
Lastausgleich aber auch
Überbeanspruchung von Teillast-
Komponenten möglich.
3. Treibstoff-Versorgung Lagerkapazität ggf. erweitern,
Transport- und Lieferverträge
abschliessen. Raumprobleme zur
Treibstofflagerung ?
4. Hygiene Technik zur Erhaltung einer sterilen
Arbeitsumgebung
5. Belüftung unerläßlich zur Verhinderung von
Infektionen und zum Umgebungsschutz
6. Überwachung Technik zu laufenden
Patientenüberwachung
7. Lebenserhaltung Technik zur Erhaltung der
Lebensfunktionen von
Intensivpatienten (z.B.
Beatmungssysteme, Herz-Lungen-
Machinen), Sauerstoffversorgung,
Dialyseversorgung
8. Diagnostik z.B. Röntgentechnik (CT, MRT, usw.)
9. Labor Laborauswertungen laufen i.A. über
Laborautomaten
10. OP OPs können nur unter extrem guten
hygienischen und klimatischen
Bedingungen durchgeführt werden.
Technik und Beleuchtung müssen ohne
Unterbrechung funktionieren. Der
Betrieb von Intensiv und
Isolierstationen muss zur
Lebenserhaltung der Patienten
aufrecht erhalten werden.
11. Beleuchtung Grund- und Sicherheitsbeleuchtung
sind aufrecht zu erhalten.
Funktionsbeleuchtung z.B. bei OPs
ist zu gewährleisten.
12. Sicherheitseinrichtung Löschanlagen, Überwachungsanalagen,
Sicherheitstüren, -schleusen usw.
13. Strom H Stromlastverteiler Haustechnik
14. Wasser Notwendiger Bestandteil der
Grundversorgung im Krankenhaus.
Pumpentechnik zu Bereitsstellung von
Frischwasser im Bereich M, H und V
muss funktionieren. Entsprechendes
gilt für die Abwasserproblematik.
15. Wärme Grundwärmeversorgung für die
Patienten ist zu gewährleisten.
16. IKT Informations – und
Kommunikationstechnik (IKT) sind
zugleich wichtige Bindeglied der
Zweige M, H und V und von der
Stromversorgung abhängig. IKT
Ausfall selbst kann jedoch
automatische und selbstverständliche
Krankenhausabläufe verzögern bzw.

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 19
sogar unmöglich machen.
17. Klima Patienten benötigen ein ausgewogenes
Temparatur-Umfeld. Für Kälte- und
Hitzesituationen ist Vorsorge für
Funktionssicherheit zu
gewährleisten.
18. Allgemeine Versorgung Medikamente, Lebensmittel,
Hygieneprodukte, Wäscherei usw.
19. Personal Anpassung (Mobilisierung,
Erweiterung) des Personals ist ggf.
zur Übernahme sonst automatisch
betriebener Hilfsmaßnahmen
erforderlich
20. Entsorgung Wasser, Fakalien, Infekionsmaterial
usw.
21. Funktion Haustechnik
22. Funktion Verwaltung
23. Strom V Stromlastverteiler Verwaltung
24. Funktion Med. Versorgung
25. Strom M Stromlastverteiler Medizinische
Versorgung
26. Notstrom Zentral Zentrale Notstromversorgung muss
ausreichend und sehr stabil sein.
Wartung, regelmässige Funktionstest.
Alternative? Notstromgeräte für M,
H, V ?

Abbildung 7: Grafisch geordnete Liste Funktionssicherheit Strom im KKH

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 20
Nun gilt es, Wirkungsbeziehungen anzugeben [Ref. 5]:

 Welche Elemente wirken aufeinander?


 Darstellung der Wirkungen durch Verbindungspfeile. Aufbau einer
„Vernetzung“

Zudem kann man die Wirkungsintensität angeben [Ref. 5]:

 Wie stark sind die Wirkungen der Einflussgrößen untereinander? (In der
Netzdarstellung wird die unterschiedliche Wirkungsstärke durch diie Dicke der
Pfeile visualisiert.

Wirkung Pfeil Wichtung für


Weiterverarbeitung
schwache Wirkung dünner Pfeil 1

mittlere bis starke Wirkung mittlere Pfeilstärke 2

sehr starke Wirkung dicker Pfeil 3

Ausnahme: übersteuernde Sonderpfeilstärke 4-9


Wirkung

Wirkungsart angeben [Ref. 5]


Fragestellungen dieses Schrittes für alle Wirkungsbeziehungen:

 Ist die Wirkung gleichgerichtet / verstärkend?


 Ist die Wirkung entgegengerichtet / abschwächend?

Begriffe:
gleichgerichtet = Verstärkung (Abschwächung) von X führt dazu, dass sich
verstärkend auch Y verstärkt (abschwächt).
entgegengerichtet Verstärkung (Abschwächung) von X führt dazu, dass sich Y
= abschwächt (verstärkt).
abschwächend

Zur Kennzeichnung der Wirkungsart werden die Pfeilspitzen der Verbindungen


charakterisiert:

Verstärkend Plus-Pfeilspitze
abschwächend Minus-Pfeilspitze

Die Symbole + stehen für verstärkend und ein – für abschwächend. In dem
Krankenhausbeispiel treten nur gleichgerichtete Wirkungsarten auf. Daher wird in
diesem Fall auf die zusätzliche Kennzeichnung durch die Plus-Pfeilspitze verzichtet.
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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 21
Abbildung 8: Netzdarstellung Funktionssicherheit Strom im KKH

Es ist ersichtlich, dass man sehr schnell ein undurchsichtiges Netz von
Abhängigkeiten zu durchdringen hat. Daher empfiehlt es sich Unterstrukturen zu
bilden (Teilnetze/Subnetze).

Teilnetze analysieren [Ref. 5]


Aufgabenstellungen in diesem Schritt:

 Analyse ausgewählter Wirkungsketten.

Wenn man die Wirkungen eines bestimmten Eingriffes untersuchen möchte,


empfiehlt es sich, ein Teilnetz zu bilden. Über die Wirkungskettenanalyse kann man
feststellen, welche Elemente von diesem Eingriff beeinflusst würden. Diese können
getrennt vom Ausgangsnetz in einem Teilnetz dargestellt und einer eingehenden
Analyse unterzogen werden.
 Teilnetze haben den Vorteil, dass sie übersichtlicher sind. Die Untersuchungs-
ergebnisse sind leichter vermittelbar.
 Teilnetze sind auch ggf. bei der zeitlichen Analyse einzusetzen.
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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 22
 Mit Teilnetzen kann man sich generell helfen, wenn das Gesamtnetz zu um-
fangreich würde.
 Mit Teilnetzen kann man sich generell helfen, wenn das Gesamtnetz zu um-
fangreich würde.

Es ist in der Regel möglich, ein größeres Netzwerk in genügend kleine Teilnetze zu
zerlegen. Die einzelnen Teilnetze können dann ausgedruckt und auf einer
geeigneten Fläche so angebracht werden, dass man manuell die Verbindungen
zwischen den Elementen verschiedener Netze anbringt.

Subsysteme analysieren [Ref. 5]


Aufgabenstellung:

 Soweit erforderlich: Detailanalyse einzelner Elemente.

Bei der Teilnetzanalyse geht es um die Analyse eines Ausschnittes aus einem
Gesamtsystem. Bei der Subsystemanalyse geht es dagegen um die Analyse eines
einzelnen Elementes des Gesamtsystems. Das betrifft jene Elemente des Systems,
welche selbst den Charakter von Systemen haben.

 Subsysteme sind im Prinzip jeweils in gleicher Weise zu analysieren wie das


übergeordnete System.
 Oft kommen große Netze dadurch zustande, dass zu wenig auf die Unter-
scheidung in "System" und "Subsystem" geachtet wird. Man sollte sich daher
vergewissern, dass die Elemente immer auf der gleichen Ebene der
Systemhierarchie angesiedelt sind.
 Durch geschickte Modellierung von Teilnetzen und Subsystemen lassen sich
auch sehr große Wirkungsgefüge bearbeiten.

Für den Bereich der Funktionssicherheit bei Stromausfall im Krankenhaus wurden


drei wesentliche Teilbereiche identifiziert:

 Die Funktionssicherheit der medizinischen Versorgung (Teilnetz M)


 Die Funktionssicherheit der Haustechnik (Teilnetz H)
 Die Funktionssicherheit der Verwaltung (Teilnetz V)

Es bleibt dem Anwender überlassen, weitere Teilnetze zu definieren bzw. die


Detailtiefe zu vergrößern, was aber dann auf Kosten der Übersichtlichkeit gehen
würde. Das GAMMA-Tool spielt dann seine Vorzüge aus, wenn man die komplexen
Strukturen übersichtlich darstellen kann.

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 23
Abbildung 9: Netz „Medizinische Versorgung“ Strom im KKH

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 24
Abbildung 10: Netz „Haustechnik“ Strom im KKH

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 25
Abbildung 11: Netz: „Verwaltung“ Strom im KKH

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 26
Bislang wurden lediglich die Netzdarstellungen erörtert. Nun ist es an der Zeit, eine
Einflussanalyse durchzuführen. Folgt man dem GAMMA-Tutorial [Ref. 5] so ergeben
sich die folgenden Fragestellungen:

 Welche Rolle spielen die einzelnen Einflussgrößen im System?


 Wie stark ist die aktive Einflussnahme?
 Wie stark ist die passive Beeinflussung?
 Welche Kräfteverhältnisse sind erkennbar?
 Welche Einflussgrößen sind relevant für strategische Überlegungen?
 Wo kann wirkungsvoll eingegriffen werden?
 Wo fehlen Eingriffsmöglichkeiten?
 Wo sind Frühwarnsysteme notwendig?

In einem farbig angelegten Koordinatensystem erscheinen alle Einflussgrößen des


aktuellen Wirkungsnetzes, angeordnet nach ihrem Aktiv-Passiv-Verhalten. Dabei
zeigen die

x Koordinaten, wie aktiv ein Element in diesem Netz ist, wie stark es aktiv in
diesem Netz wirkt: Achse Einflussnahme
y Koordinaten, wie passiv ein Element ist, wie stark es in diesem Netz beein-
flusst wird: Achse Beeinflussung

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 27
D.h., je aktiver ein Element ist, desto weiter rechts ist es im Koordinatensystem
angeordnet.

Je mehr ein Element beeinflusst wird, je passiver es ist, desto weiter oben wird es
im Koordinatensystem angeordnet.

Zur leichteren Übersicht und Analyse wird die grafische Darstellung in vier
Quadranten unterteilt, für die sich die folgenden Bezeichnungen eingeführt haben:

Passiv Kritisch
Elemente in diesem Elemente in diesem
Quadranten beeinflussen Quadranten beeinflussen
andere Elemente wenig , andere Elemente stark ,
werden ihrerseits jedoch werden aber auch
stark von anderen ihrerseits stark von
Elementen beeinflußt. anderen Elementen
Sie werden auch als beeinflußt.
"reaktiv" bezeichnet.

Puffernd
Elemente in diesem Aktiv
Quadranten beeinflussen Elemente in diesem
andere Elemente wenig Quadranten beeinflussen
und werden auch wenig andere Elemente stark ,
von anderen Elementen werden ihrerseits jedoch
beeinflußt. nur wenig von anderen
Sie werden auch als Elementen beeinflußt.
"träge" bezeichnet.

Die Grenzen zwischen diesen Bereichen sind natürlich fließend. Dies wird auch
durch die Farbübergänge in der GAMMA-Grafik angedeutet.

Ermittlung der Koordinaten in der Einflussanalyse

Die Aktiv- bzw. Passiv-Werte = x/y-Koordinaten eines Elementes errechnen sich aus
der Zahl und dem Gewicht der abgehenden (aktiven) bzw. eingehenden (passiven)
Verbindungen. Dies kann an folgender Matrixdarstellung erläutert werden:

Dabei gilt:

 Die Zeilen enthalten die von dem jeweiligen Element ausgehende Wirkung auf
die jeweils anderen:  Zahlenwert, welcher der Pfeilstärke entspricht.
 Zeilen- und spaltenweise werden die Zahlenwerte addiert.

Der höchste Aktiv- oder Passiv-Wert wird als Normgröße (100 %) angesetzt, auf
welche alle Werte in der grafischen Darstellung skaliert werden.

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 28
... auf die anderen Größen
(Passiv) Zeilensumme
1 2 3
wirkt
nicht
Wirkung Wirkung
direkt auf Aktiv-summe
1 von 1 auf von 1 auf
sich zu 1
2 3
selbst
zurück
wirkt
Wirkung nicht
Wirkung Wirkung
der jeweiligen direkt auf Aktiv-summe
2 von 2 auf von 2 auf
Größen (aktiv) sich zu 2
1 3
... selbst
zurück
wirkt
nicht
Wirkung Wirkung
direkt auf Aktiv-summe
3 von 3 auf von 3 auf
sich zu 3
1 2
selbst
zurück
Passiv- Passiv- Passiv-
Spaltensumme summe summe summe
zu 1 zu 2 zu 3

Beispiel:

... auf die anderen Größen


(Passiv) Zeilen-
summe
1 2 3
Wirkun
1 - 2 1 3
g
der
jeweilig 2 1 - 3 4
en
Größen
(aktiv) 3 3 3 - 6
...
Spalten
4 5 4
summe

Der höchste Summenwert ist hier der Aktiv-Wert für Einflussgröße 3, der Wert 6.

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 29
Bedeutung der Werte:

 Je höher die Zeilensumme = Aktivsumme, desto mehr Wirkung geht von


dem betreffenden Element insgesamt im Wirksystem aus. Anordnung weiter
rechts in der Grafik.
 Je höher die Spaltensumme = Passivsumme, desto mehr wird das betref-
fende Element insgesamt von allen anderen beeinflusst. Anordnung weiter
oben in der Grafik.

(siehe GAMMA Tutorial [Ref. 5])

Für das Beispiel der Netzdarstellung der Funktionssicherheit der Stromversorgung im


Krankenhaus bedeutet das (je nach Wahl der Pfeilstärken):

Tabelle 3: Element-Matrix Funktionssicherheit Strom im KKH

Nach [Ref. 8] besteht der Vorteil einer Einflussmatrix darin, dass sie klare Hinweise
darauf gibt, wo beim Eingriff in die Problemsituation mit den größten Hebelwirkungen
gerechnet werden kann, und wo wegen zu erwartender Kettenreaktionen Vorsicht
am Platze ist.
Auch ohne Visualisierung sieht man die wesentlichen beeinflussten Größen: die
Funktion der medizinischen Versorgung (24), die Funktion der Haustechnik (21), die
interne Stromversorgung (2), Stromversorgung für den medizinischen Bereich (25).

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 30
Wirkungsvoller jedoch ist die grafische und farbige Darstellung der Einflussgrössen
für die Funktionssicherheit der Stromversorgung in einem Krankenhaus in einem
Enflussgrößen – „Koordinatensystem“.

Abbildung 12: Einflussanalyse Funktionssicherheit Strom in einem KKH

Die Positionen geben Hinweise darauf, welche Rollen die einzelnen Einflussfaktoren
im System spielen. Man könnte auch sagen, die Einflussanalyse ist ein Bild der
"Kräfteverhältnisse" im Netz.

Haben Elemente die gleichen Aktiv-Passiv-Werte, so werden sie an der gleichen


Position gezeigt. Diese wird durch einen Buchstaben gekennzeichnet, der in der
Liste der Elemente neben den Einflussfaktoren vermerkt wird. Im vorliegenden
Beispiel haben die folgenden Elementgruppen die gleichen Aktiv-Passiv-Werte:

(4, 5, 12, 18, 20) = (A)

(6, 7, 11, 14, 15, 17) = (B)

(21, 24) = (C)

Das Element 25, die Funktionsfähigkeit der Stromversorgung im medizinischen


Bereich, befindet sich im gelben Quadranten (oben rechts). Darin liegen i.A.
diejenigen Elemente, welche selber sehr aktiv sind, aber auch von anderen stark
beeinflusst werden. Sie werden auch als "kritisch" bezeichnet. Ihnen ist also bei
Eingriffen in das System besondere Aufmerksamkeit zu widmen.
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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 31
Die Größen 26 und 13, Strom extern, der zentrale Notstrom, die
Stromversorgung für die Haustechnik, liegen im roten Quadranten (rechts unten).
Sie sind überwiegend "aktiv", aber auch beeinflussbar Nicht beeinflussbar ist die
externe Stromversorgung (1). Die Größen 13 und 26 jedoch, die Stromversorgung
für die Haustechnik und der zentrale Notstrom, könnten Einflussfaktoren sein,
über die man u. U. viel erreichen kann, wenn es gelingt, sie im Sinne der Zielsetzung
zu verändern.

Die Größe 21, 24 und 2, die Funktionsfähigkeit der Haustechnik und die
Funktionsfähigkeit der medizinischen Versorgung, sowie die interne
Stromversorgung liegen im blauen Quadranten (links oben), dem Quadranten für
die überwiegend "passiven" (also beeinflussten) Elemente. Hier ist bei weiteren
Analysen vor allem zu betrachten, wie sich die verschiedenen Einwirkungen auf ein
solches Element verhalten.

Liegen Elemente innerhalb des grünen Quadranten (links unten), so werden sie als
"träge" bezeichnet als Ausdruck dafür, dass diese Elemente wenig beeinflussen und
wenig beeinflusst werden.

Man kann aber auch erkennen, dass z.B. bei einer stärkeren aktiven Einflussnahme
der Größe 16, der Funktionsfähigleit der Informations- und
Kommunikationstechnik (IKT), diese zunächst eher „träge“ Größe 16 zu einem
„treibenden“ (roter Bereich, rechter unterer Quadrant) bzw. sogar zum „kritischen“
Element (gelber Bereich, rechter oberer Quadrant) werden kann.

Nach [Ref. 9] werden Störungen der als „aktiv“ oder „kritisch“ gekennzeichneten
Größen das Verhalten des Gesamtsystems der kritischen Infrastruktur empfindlich
beeinflussen.

Abbildung 13 bis Abbildung 16 zeigen in logischer Abfolge, von welchen Elementen


die Funktionsfähigkeit des internen Stromnetzes abhängt. Man nennt das die
„Wirkungsaufnahme“ des Elements <Fkt. Strom intern>.

Abbildung 17 bis Abbildung 19 zeigen in logischer Abfolge, welche Einflussnahme


der <interne Strom> auf die anderen Elemente der kritischen Infrastruktur des
Krankenhauses nimmt. Man nennt das die „Wirkungsausbreitung“ des Elements
<Fkt. Strom intern>.

Betrachten wir das vorliegende Wirkungsnetz genauer, so stellt man fest, dass es
bezüglich der Funktionsfähigkeit des internen Stromnetzes keine dämpfende
Rückkopplung, sondern nur verstärkende Rückkopplungen besitzt (Abbildung 20).

Bei der Entwicklung der Netzwerkstruktur haben bislang das Wirkungsgefüge


(verstärkend, dämpfend, stabilisierend) und die Intensität der Wirkung (schwach,
mittel oder stark) eine Rolle gespielt. Zeitaspekte spielen jedoch nach [Ref. 9]
ebenfalls eine wichtige Rolle im Systemverständnis. Planer schätzen die
Reaktionszeit des Systems oft falsch ein, wenn sie Korrekturmaßnahmen einleiten.
Sie mögen zwar die individuellen Antwortzeiten der einzelnen Elemente kennen,
aber in aller Regel nicht die vernetzten Zeitaspekte, die durch Rückkopplungen über
mehrere Stationen hervorgerufen werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es oft
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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 32
schon ausreicht zwischen kurz-, mittel- und langfristig zu unterscheiden, um zu
brauchbaren Ergebnissen zu kommen.

Die GAMMA-Methode erlaubt auch die Betrachtung von Zeithorizonten (kurz-, mittel
oder langfristig). Je nach Anwendung sollte von vornherein festgelegt werden, was
unter kurz-, mittel oder langfristig verstanden werden soll.

Zeitliche Analyse [Ref. 5]:

Fragestellungen in diesem Schritt:

 Wie lange dauert es, bis die Auswirkungen eines Eingriffs über die
Beziehungskette einbestimmtes Element erreichen?
 Wie früh muss man eingreifen, damit die Wirkung rechtzeitig eintritt?

Die bisherige Analyse der Wirkungsketten beschränkte sich auf Aufschlüsse über
Verlaufs-Strukturen. Hier wird die Frage nach den Verlaufs-Zeiten angegangen.
Soweit man die erforderlichen numerischen Zeitangaben machen kann, ist es
möglich, mit GAMMA die zeitliche Ausbreitung von Veränderungen zu untersuchen.
Auch diese Analyse wird grafisch unterstützt.

Die zeitliche Analyse mit GAMMA ist praktisch nur sinnvoll in einem kleinen Netz
oder einem Teilnetz, in welchem die dargestellten "Impulse" verfolgt werden können.
Das Teilnetz muss so gewählt werden, dass nur die für die Fragestellung relevanten
Wirkungsketten enthalten sind.

Die Hauptschwierigkeit bei dieser Analyse ist offensichtlich: Woher nimmt man denn
die Zeitangaben? Vor dieser offensichtlichen Hürde sollte man allerdings nicht zu
rasch kapitulieren.

Es können u.U. schon grobe Schätzungen genügen, die sich etwa auf Grenzwerte
beziehen, wie minimale bzw. maximale Zeiten, um eine realistische Vorstellung
darüber zu erhalten, innerhalb welcher zeitlichen Spannbreite mit bestimmten
indirekten Wirkungen zu rechnen ist.

Da mit GAMMA rasch unterschiedliche Zeitangaben verarbeitet werden können,


kann man zu diesem Zweck mehrere "Zeitmodelle" durchspielen. Letztlich gilt es
auch hier von der Grundüberlegung auszugehen, dass eine nur unscharfe
Zukunftseinschätzung bereits helfen kann, unrealistische von realistischen
Vorstellungen zu unterscheiden.

Gerade bei dieser Analyse empfiehlt sich der Einsatz des Presentation Masters
(GAMMA), um mit ihm einzelne Zwischenergebnisse bei der Netzentwicklung und -
analyse festzuhalten. Damit können sie später leicht wieder nachvollzogen werden.
Außerdem stehen sie zur Verfügung für Präsentationen. Man sollte also vor dem PC
sitzen und die zeitliche Analyse mit GAMMA in einem schrittweisen oder aber
schnellen Modus durchzuführen.

In diesem Bericht wird aber nur ein entsprechendes Momentan-Bild gezeigt


(Abbildung 21).

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 33
Abbildung 13: Wirkungsaufnahme <Strom intern> im KKH-Netz, Teil 1

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 34
Abbildung 14: Wirkungsaufnahme <Strom intern> im KKH-Netz, Teil 2

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 35
Abbildung 15: Wirkungsaufnahme <Strom intern> im KKH-Netz, Teil 3

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 36
Abbildung 16: Wirkungsaufnahme <Strom intern> im KKH-Netz, Teil 4

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 37
Abbildung 17: Wirkungsausbreitung <Strom intern> im KKH-Netz, Teil 1

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 38
Abbildung 18: Wirkungsausbreitung <Strom intern> im KKH-Netz, Teil 2

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 39
Abbildung 19: Wirkungsausbreitung <Strom intern> im KKH-Netz, Teil 3

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 40
Abbildung 20: Verstärkende Rückkopplungen <Strom intern> im KKH-Netz

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 41
Abbildung 21: Momentaufnahme Zeitanalyse im KKH-Netz

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 42
4.2 Kompakte Infrastrukturdarstellung

Abbildung 22: Kompakte Netzdarstellung Funktionssicherheit Strom im KKH

Abbildung 23: Kompakte Einflussanalyse Funktionssicherheit Strom in einem KKH

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 43
Tabelle 4: Element-Matrix Funktionssicherheit Strom im
kompakten KKH - Netz

Wirkung VON / AUF 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Su.E


1. Fkt. Strom Extern 5 5 10
2. Treibstoff-Versorgung 4 4
3. Notstrom zentral 3 3
4. Fkt. Strom Intern 1 3 1 5
5. Fkt. Strom H 1 1 1 2 2 7
6. Fkt. Strom M 1 1 1 3 2 8
7. Fkt. Strom V 1 1 1 2 2 7
8. Funktion Haustechnik H 2 2 4
9. Funktion Med. Versorgung M
10. Funktion Verwaltung V 1 1
11. IKT 1 2 1 4
Summe Beeinflussung 5 4 11 3 5 3 3 8 5 6

Abbildung 24: W.Aufnahme <Strom int.> im kompakten KKH-Netz, Teil 1

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 44
Abbildung 25: W.Aufnahme <Strom int.> im kompakten KKH-Netz, Teil 2

Abbildung 26: W.Aufnahme <Strom int.> im kompakten KKH-Netz, Teil 3

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 45
Abbildung 27: W.Ausbreitung <Strom int.> im kompakten KKH-Netz, Teil 1

Abbildung 28: W.Ausbreitung <Strom int.> im kompakten KKH-Netz, Teil 2

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 46
Abbildung 29: W.Ausbreitung <Strom int.> im kompakten KKH-Netz, Teil 3

Abbildung 30: Verstärkende Rückkopplungen <Strom intern> im


kompakten KKH-Netz

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 47
5 Beispiel Versorgungssicherheit Treibstoff
Nach [Ref. 7] kommt der Treibstoffversorgung besonders in der Krisenbewältigung
eine zentrale Bedeutung zu, da neben dem regulären Basisbedarf (z. B. PKW, LKW)
der Bedarf für Notstromaggregate und zusätzliches Transportaufkommen gedeckt
werden muss. Die benötigten Treibstoffe werden vorwiegend aus Rohöl gewonnen
und werden im Allgemeinen entsprechend des Erdölbervorratungsgesetzes in drei
Erzeugnisgruppen eingeteilt: Motorenbenzine; Dieselkraftstoff, leichtes Heizöl,
Leuchtöl und Flugturbinenkraftstoff; mittelschweres und schweres Heizöl.

Die Struktur des Teilsektors Treibstoffversorgung wird maßgeblich von den


Hauptgliedern der Wertschöpfungskette zur Herstellung von Mineralölerzeugnissen
vorgegeben (Einfuhr/Transport, Erzeugung, Lagerung, Verteilung der hergestellten
Treibstoffe). In Abbildung sind die zentralen Kernprozesse der Logistikkette sowie
ihre gegenüber Stromausfall kritischen Teile aufgeführt. Bei Stromausfall kann es
hierbei zum Ausfall technischer Anlagen, zur Störung von Organisations- und
Verwaltungsprozessen sowie zur Behinderung von Transport- und Logistikprozessen
kommen.

Abbildung 31: Zentrale Prozesse der Treibstoffversorgung einschließlich


bedeutender Infrastrukturen

In Baden-Württemberg gibt es derzeit nur eine Mineralölraffinerie, die


Mineralölraffinerie Oberrhein in Karlsruhe (MiRO). Die MiRO ist Deutschlands größte
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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 48
Kraftstoffraffinerie und verarbeitet mit rund 1 .000 Mitarbeitern Rohöl zu ca. 16
Millionen Tonnen verschiedener Mineralölprodukte (Benzin, Diesel, Heizöl, Propylen
und Bitumen) pro Jahr. Für den Südwesten Deutschlands stellt die MiRO die
wichtigste Versorgungsquelle für Mineralölprodukte dar. Das Rohöl erhält die MiRO
über zwei verschiedene Pipelineanbindungen aus Marseille (SPSA) und Triest (TAL).
Die hergestellten Produkte werden sowohl in Tankkraftwagen (60%) als auch in
Kesselwagen (17%) und in Schiffen (23%) abtransportiert.

In Deutschland hergestellte und importierte Kraftstoffprodukte werden in Baden-


Württemberg in einer Vielzahl unterschiedlich großer Tanklager bis zu ihrer
endgültigen Verteilung bzw. Verwendung zwischengelagert. Diese Tanklager sind
zum Teil selbständige Betriebsbereiche, zum anderen Teil gehören sie zu
Raffinerien, Industrieanlagen, der Deutschen Bahn oder zu Flughäfen. In den
Tankanlagen des Stuttgarter Flughafens lagern derzeit ca. 6300 m3 Kerosin.
Insgesamt wurden 1999 in den in Baden-Württemberg betriebenen Tanklagern ca.
1.613.300 m3 Mineralölprodukte und Rohöl gelagert (MWV, Mineralöl-Logistik, 1999).
Das mit einer Gesamtkapazität von ca. 211.000 m3 größte Tanklager in Baden-
Württemberg befindet sich ebenfalls im Karlsruher Rheinhafen (Oiltanking
Deutschland GmbH). Das Gefahrenpotenzial von Tanklagern liegt im Wesentlichen
darin, dass die gelagerten Stoffe leicht brennbar sind und diese mit der Luft
explosionsfähige Gemische bilden können und die Produkte stark
umweltschädigende Eigenschaften haben.

Die Verteilung von Treibstoffen an den Endkunden geschieht über den Heizölhandel
bzw. über die Abgabe an Tankstellen. Die Mehrzahl der Tankstellen in Baden-
Württemberg wird von den drei großen Mineralölkonzernen Shell, Esso und Aral/BP
betrieben. Hinsichtlich der Notstromversorgung von Tankstellen ist eine
allgemeingültige Aussage schwierig, da es hierzu keine verbindlichen Regelungen
gibt und die Ausstattung im Ermessen des Betreibers vor Ort liegt. Eine
Notstromversorgung der Tankstellen ist nur ausnahmsweise gewährleistet. Da alle
Tankstellen nahezu täglich mit Mineralölprodukten beliefert werden müssen, kommt
dem Funktionieren der Logistikkette (Tanklastwagen) eine entscheidende Bedeutung
zu.

Aufgabe des Erdölbevorratungsverbands (EBV) ist es, Vorräte an Erdöl und


Erdölerzeugnissen der Erzeugnisgruppen 1-3 im Umfang von mindestens 90
Verbrauchstagen für die Bundesrepublik Deutschland vorzuhalten. Alle Unternehmen
der Mineralölwirtschaft, die die betreffenden Produkte im Inland herstellen oder nach
Deutschland importieren (z. B. Raffinerien und Tanklager), sind Pflichtmitglieder des
EBV. Diese sind verpflichtet, Finanzierungsbeiträge zu leisten und die entsprechende
Menge der verschiedenen Erzeugnisgruppen vorrätig zu halten. Zur Zeit werden in
Deutschland ca. 25 Mio. t Rohöl und Erdölerzeugnisse bevorratet. Diese Vorräte
werden so über das Gebiet der Bundesrepublik verteilt gelagert, dass in jeder von
fünf definierten Versorgungsregionen mindestens Bestände mit einer Reichweite von
15 Tagen vorhanden sind.

Generell sind verallgemeinernde Aussagen zu Folgen von Stromausfällen in


Raffinerien schwierig.

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 49
Die Mineralölraffinerie Oberrhein wird von 2 Pipelines (SPSE aus Marseille und TAL
aus Triest) mit Rohöl versorgt. Sind diese Pipelines von einem Stromausfall
betroffen, können Überwachungs-, Mess- und Regelungssysteme für 72h über
Batterie betrieben werden. Die Pumpen und Schieber der Rohrleitungssysteme sind
jedoch nicht mit stationären Notstromaggregaten ausgerüstet. Diese können aber bei
Versorgungsunterbrechungen manuell betrieben werden (Schieber), und es stehen
mobile Notstromaggregate zur Versorgung der Pumpen zur Verfügung. Des Weiteren
hat ein Gespräch mit der Deutsche Transalpine Ölleitung GmbH (TAL) ergeben, dass
auch beim Totalausfall einzelner Pumpen die Förderung von Rohöhl (mittels weiter
entfernter Pumpen) noch möglich ist. Der Durchsatz wäre dann aufgrund des
verringerten Leitungsdrucks allerdings geringer. Wäre aufgrund eines vollständigen
Ausfalls der Pipelines keine Anlieferung von Rohöl mehr möglich, würden die
Rohölvorräte der Raffinerie ca. 3 Wochen ausreichen.
Die MiRO betreibt auf Ihrem Gelände 2 Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von ca.
70 MW sowie ein eigenes Stromnetz, das zwar an das öffentliche Netz gekoppelt ist,
aber im Inselbetrieb und bei voller Deckung des Strombedarfs der Raffinerie
gefahren werden kann. Die Abkopplung des werksinternen Netzes vom öffentlichen
Netz läuft beim Ausfall des öffentlichen Netzes vollautomatisch und gewöhnlich ohne
Probleme ab. Die meisten Anlagen sowie alle benötigten Sicherheits- und
Serviceinfrastrukturen werden über das eigene Elektrizitätsnetz betrieben, so dass
die Produktion auch im Falle eines Stromausfalls aufrecht erhalten werden kann. In
der MiRO sind lediglich der Cracker und der Kalziner nicht an das eigene Netz
angeschlossen. Diese Anlagen werden bei Stromausfall im öffentlichen Netz über
eine unterbrechungsfreie Notstromversorgung sicher heruntergefahren. Der Ausfall
dieser Anlagen hat jedoch zur Folge, dass Produktionsrückstände nicht weiter
verarbeitet werden können und eine Zwischenlagerung notwendig wird. Die
Herstellung der Mineralölprodukte wird dagegen nicht gestört. Da es beim Ausfall der
Stromversorgung zum Aushärten der aktuellen Crackercharge in der Anlage kommt,
sind hier vor Wiederinbetriebnahme umfangreiche Reinigungs- und
Instandhaltungsmaßnahmen notwendig, die bis zu 2 Wochen in Anspruch nehmen
können. Durch einen Zusammenbruch des externen Stromnetzes ist zudem mit dem
Ausfall des Gaskompressors zu rechnen. Dieses führt zu einer erheblichen
Außenwirkung und zu Gasverlusten, da das ausströmende Gas über die Notfackel
sicher abgebrannt werden muss. Um im Falle eines Stromausfalls mögliche Verluste
und Auswirkungen so gering wie möglich zu halten, würde die Produktion, obwohl
dies eigentlich möglich wäre, nicht weiter auf 100% gefahren. Würde es zu einem
Zusammenbruch des eigenen Inselnetzes kommen, würde die gesamte Produktion
still stehen, da insbesondere kein Dampf mehr zur Verfügung stünde. Alle Anlagen
würden durch eine USV-gesicherte Sicherhaltsabschaltung heruntergefahren. Das
Wiederanfahren der Anlagen würde in diesem Fall längere Zeit in Anspruch nehmen,
und viele Stoffströme müssten abgefackelt werden (Verluste und Außenwirkung).
Insgesamt ist festzustellen, dass die MIRO im Falle eines Stromausfalles, zwar
eingeschränkt aber dauerhaft betriebsfähig wäre.
Die erzeugten Produkte der Raffinerie werden über Tankkraftwagen (TKW), Schiffe
und Kesselwagen abtransportiert. Während die Verladung mit Schiff und TKW auch
bei Stromausfall unproblematisch ist, ist der Abtransport über Kesselwagen ohne
Stromversorgung nicht mehr möglich.
Im Tanklager ist bei Stromausfall besonders die Aufrechterhaltung von
Sicherheitseinrichtungen wie Brandmeldeeinrichtungen, Löschanlagen,
Überfüllungssensoren, Leckageüberwachungen und Kommunikationsnetzen von
Bedeutung. Daher stehen in vielen Tanklagern Notstromversorgungen zur
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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 50
Verfügung. Diese sind jedoch nicht vorgeschrieben, und der Grad der Notversorgung
ist sehr unterschiedlich. Da bei Stromausfällen die stromunabhängigen Pumpen der
Schiffe zur Verfügung stehen, sind ein Entladen der Schiffe und das Befüllen der
Tanks jederzeit möglich (Überfüllungssensoren müssen hierzu Notstrom versorgt
sein). Das Verladen der gelagerten Produkte aus den Tanks in TKWs ist jedoch nur
dann möglich, wenn die Tanklager eigenen Pumpen Notstrom versorgt sind. Die
Pumpen der TKWs können lediglich bei Heizöl und Diesel eingesetzt werden und
nicht für Ottokraftstoff, da hierfür explosionsgeschützte Pumpen notwendig sind.
Insgesamt ist eine verallgemeinernde Bewertung von Tanklagern schwierig, da die
Auswirkungen stark von der Ausstattung der Notstromversorgung abhängen. Im
Tanklager Karlsruhe wäre prinzipiell sowohl das Entladen von Schiffen als auch das
Beladen von TKWs und damit der Abtransport der gelagerten Mineralölprodukte auch
bei einem Ausfall der Stromversorgung möglich. Bei bisherigen Stromausfällen
wurde jedoch zur längeren Aufrechterhaltung der Notstromversorgung die Verladung
in TKWs meist eingestellt oder stark reduziert. Dies führte unter anderem zur Bildung
von längeren Staus an der TKW-Verladung.

Für Flughäfen gibt es für den Fall eines Stromausfalles weit reichende und sehr
detaillierte internationale/nationale Vorgaben, die von vielen deutschen
Flughafenbetreibern im Rahmen ihrer Vorsorgemaßnahmen häufig noch übertroffen
werden. Bei Stromausfall wird die Stromversorgung im Sekundenbereich auf USV
umgeschaltet, um so besonders in sicherheitsrelevanten Bereichen einen
ungestörten Ablauf der Prozesse zu gewährleisten. Welche weiteren Bereiche und
Prozesse an die Notstromversorgung angeschlossen sind, unterscheidet sich von
Flughafen zu Flughafen (meist große Schiffsmotoren, die auch mit Kerosin betrieben
werden können). Die zeitliche Limitierung der Notstromversorgung kann jedoch
aufgrund der großen Treibstoffvorräte an Flughäfen als unkritisch angesehen
werden.

Die Belieferung von Tankstellen ist generell auch im Falle eines Stromausfalles (bei
genügendem Angebot aus Tanklagern und Raffinerien) ohne Probleme möglich. Zur
Befüllung der unterirdischen Tanks werden keine Pumpen eingesetzt, sondern es
wird lediglich der Potenzialunterschied zwischen TKW und dem tiefer gelegenem
Tank genutzt. Problematisch ist bei Tankstellen hingegen die Entnahme aus den
Bodentanks. Die hierzu benötigten Pumpen und Zapfsäulen sind stromabhängig und
müssen zudem explosionsgeschützt sein. Da die meisten Tankstellen nicht über
Notstromaggregate verfügen, stellt bei Stromausfall die Verteilung an den
Verbraucher den entscheidenden Engpass in der Treibstoffversorgungskette dar.
Eine sinnvolle Lösung hierfür könnte die Versorgung einzelner
Schwerpunkttankstellen mit mobilen Notstromaggregaten bieten, da manuelle
Entnahme der Treibstoffe aus den Tanks aufgrund der Explosionsgefährlichkeit und
der technischen Gegebenheiten an den Tankstellen nicht möglich ist (Ex-geschütze
Pumpen sind notwendig). Welche Schwerpunkttankstellen mit mobilen
Notstromaggregaten versorgt werden sollten, müsste gemeinsam von Behörden,
Mineralölkonzernen und Mineralölverbänden (z. B. UNITI) identifiziert werden.

Bei einer nationalen Versorgungskrise ist es generell möglich, dass die vom EBV
eingelagerten Reserven freigegeben werden, sofern nur Deutschland betroffen ist.
Sind auch andere Länder involviert, müsste die Freigabe über das IEA-Govering
Board, in dem Deutschland durch das BMWi vertreten ist, erfolgen. Pläne zur
Umsetzung der Verteilung bei Stromausfall und zu einer möglichen Priorisierung der
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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 51
Empfänger existieren derzeit nicht. Sollte eine Rechtsverordnung über die Freigabe
ergehen, dauert es ca. einen halben Tag bis die Freigabe der Reserven durchgeführt
werden kann. Die hierfür notwendigen Abstimmungen laufen meist telefonisch ab.
Hierzu stehen jedoch keine gesicherten Kommunikationsnetze, sondern lediglich das
Mobilfunknetz zur Verfügung. Als besonders kritisch ist zudem der Ausfall von IT-
Systemen zu bewerten, da ohne diese eine Freigabe nicht durchgeführt werden
kann. Da das Rechnernetzwerk des EBV in Hamburg nicht notstromversorgt ist,
würde der EBV bei einem längeren Stromausfall (weniger als 8 Stunden) nach
Hannover in ein gesichertes Rechenzentrum umziehen. Problematisch könnte zudem
sein, dass möglicherweise nicht alle Mineralölkonzerne und Betreiber von Tanklagern
darauf vorbereitet sind, eine Freigabe aufgrund einer Energiekrise technisch
umzusetzen(weitere Details siehe [Ref. 7]).

Die umfangreichen Erläuterungen und Tabellen für Störfall-Szenarien aus dem


Krisenhandbuch Stromausfall [Ref. 7] waren die Grundlage für die Erstellung eines
Netz-Diagramms für die Versorgungssicherheit der Treibstoffversorgung.

Die Grafiken zur Visualisierung der Versorgungssicherheit der Treibstoffversorgung,


die auf der Anwendung der GAMMA-Methode [Ref. 5] basieren, sind aufgrund der
ausführlichen Beschreibung der GAMMA-Methode [Ref. 5] in Kapitel 3 dieses
Berichts aus sich heraus verständlich.

Abbildung 32: Netzdarstellung Versorgungssicherheit Treibstoffversorgung

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 52
Abbildung 33: Einflussanalyse Versorgungssicherheit Treibstoffversorgung

Tabelle 5: Element-Matrix Versorgungssicherheit Treibstoffversorgung

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 53
Bei den gewählten Eigenschaften des Wirkungsgefüges der Elemente sind die
„treibenden Kräfte“ für die Versorgungssicherheit der Treibstoffversorgung die
Elemente 7 und 9, also die Planung der Treibstoffversorgung und die
Informations- und Kommunikationstechnik (IuK). Als „kritische“ Größen erweisen
sich die Elemente 5 und 8, also die Verteilung der Treibstoffe und die
Funktionsfähigkeit der Stromversorgung.

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 54
Quellenverzeichnis

Ref. 1: Schutz Kritischer Infrastruktur: Risikomanagement im Krankenhaus Leitfaden zur


Identifikation und Reduzierung von Ausfallrisiken in Kritischen Infrastrukturen des
Gesundheitswesens, Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK),
www.bbk.bund.de , bzw.
http://www.bbk.bund.de/nn_402322/SharedDocs/Publikationen/Praxis__Bevoelkerungsschutz/Langfassung__Leitfa
den__Krankenh__Risiko-
Kritis,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Langfassung_Leitfaden_Krankenh_Risiko-Kritis.pdf

Ref. 2: Sascha Schäfers: „Umgang mit Komplexität“, FÖV Speyer, Dezember 2009
http://www.hfv-speyer.de/Hill/Lehrangebot/Wintersemester-2009/Selbstorganisiertes_Lernen/H%C3%B6rer-
Doks/Sch%C3%A4fers/Seminararbeit%20Endversion.pdf

Ref. 3: GAMMA Software , Version 4.2, Oktober 2007, TATA Interactive Systems GmbH, Tübingen

Ref. 4: Hanns Hub: „Praxisbeispiele zum ganzheitlich-vernetzten Denken“, Verlag der Deutschen
Management-Gesellschaft (DMG-Verlag), Bonn/Nürtingen, 2007

Ref. 5: GAMMA – Tutorial Version 4


http://www.topsim.com/downloads/gamma/GAMMA%204%20Tutor.pdf

Ref. 6: Ein Teilnehmerbericht von den Falkenstein-Seminaren der Gesellschaft für


Arbeitsmethodik e.V. (GfA), www.g-f-a.de, vom 5.-8.5.2005
http://www.hub-consulting.de/Downloads/Teilnehmerbericht%20GfA.pdf

Ref. 7: Krisenmanagement bei einer großflächigen Unterbrechung der Stromversorgung – am


Beispiel Baden-Württemberg – Krisenhandbuch Stromausfall, Center für Disaster
Management and Risk Reduction (CEDIM), Karlsruher Institut für Technologie (K.I.T.)
und Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), 2009

Ref. 8: P. Gomez, G. Probst: “Die Praxis des ganzheitlichen Problemlösens“, 3. Auflage,


Haupt Verlag, Bern, 1999

Ref. 9: W. Schmitz: „Modellbildung und Simulation für kritische Infrastrukturen“, Februar 2004
http://www.competence-site.de/downloads/93/9f/i_file_3951/B2_M%26S%20f%C3%BCr%20CI.doc

Ref. 10: F. Fischer: Simulation kritischer Infrastrukturen (SIMKRIT) - Vom Denken in Systemen
zu Prototypen von Simulationsmodellen - Ein subjektiver Rundgang durch die Fachliteratur
Karlsruher Institut für Technologie (K.I.T.), IKET, Februar 2010

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 55
Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Vernetzung von Kritis-Sektoren und Branchen .......................................... 4


Abbildung 2: Die vier Ebenen der Gesundheitsversorgung als „kritische Infrastruktur“
.............................................................................................................................................. 7
Abbildung 3: Beispielprozess in einem Krankenhaus ...................................................... 8
Abbildung 4: Beziehungsgefüge der Grundelemente rationaler Auseinandersetzung
mit komplexen Problemen .................................................................................................13
Abbildung 5: Checkliste für das Arbeiten nach der GAMMA-Methode [Ref. 5]..............14
Abbildung 6: Teilbereiche des Schwerpunktsektors Gesundheitswesens [Ref. 7] .......18
Abbildung 7: Grafisch geordnete Liste Funktionssicherheit Strom im KKH .................20
Abbildung 8: Netzdarstellung Funktionssicherheit Strom im KKH.................................22
Abbildung 9: Netz „Medizinische Versorgung“ Strom im KKH.......................................24
Abbildung 10: Netz „Haustechnik“ Strom im KKH...........................................................25
Abbildung 11: Netz: „Verwaltung“ Strom im KKH ...........................................................26
Abbildung 12: Einflussanalyse Funktionssicherheit Strom in einem KKH ....................31
Abbildung 13: Wirkungsaufnahme <Strom intern> im KKH-Netz, Teil 1 ........................34
Abbildung 14: Wirkungsaufnahme <Strom intern> im KKH-Netz, Teil 2 ........................35
Abbildung 15: Wirkungsaufnahme <Strom intern> im KKH-Netz, Teil 3 ........................36
Abbildung 16: Wirkungsaufnahme <Strom intern> im KKH-Netz, Teil 4 ........................37
Abbildung 17: Wirkungsausbreitung <Strom intern> im KKH-Netz, Teil 1.....................38
Abbildung 18: Wirkungsausbreitung <Strom intern> im KKH-Netz, Teil 2.....................39
Abbildung 19: Wirkungsausbreitung <Strom intern> im KKH-Netz, Teil 3.....................40
Abbildung 20: Verstärkende Rückkopplungen <Strom intern> im KKH-Netz ................41
Abbildung 21: Momentaufnahme Zeitanalyse im KKH-Netz............................................42
Abbildung 22: Kompakte Netzdarstellung Funktionssicherheit Strom im KKH.............43
Abbildung 23: Kompakte Einflussanalyse Funktionssicherheit Strom in einem KKH ..43
Abbildung 24: W.Aufnahme <Strom int.> im kompakten KKH-Netz, Teil 1 ....................44
Abbildung 25: W.Aufnahme <Strom int.> im kompakten KKH-Netz, Teil 2 ...................45
Abbildung 26: W.Aufnahme <Strom int.> im kompakten KKH-Netz, Teil 3 ...................45
Abbildung 27: W.Ausbreitung <Strom int.> im kompakten KKH-Netz, Teil 1................46
Abbildung 28: W.Ausbreitung <Strom int.> im kompakten KKH-Netz, Teil 2................46
Abbildung 29: W.Ausbreitung <Strom int.> im kompakten KKH-Netz, Teil 3................47
Abbildung 30: Verstärkende Rückkopplungen <Strom intern> im .................................47
Abbildung 31: Zentrale Prozesse der Treibstoffversorgung einschließlich bedeutender
Infrastrukturen....................................................................................................................48
Abbildung 32: Netzdarstellung Versorgungssicherheit Treibstoffversorgung ..............52
Abbildung 33: Einflussanalyse Versorgungssicherheit Treibstoffversorgung..............53

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 56
Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Phasen der Untersuchung nach der GAMMA-Methode [Ref. 5].....................15


Tabelle 2: Elementliste Funktionssicherheit Stromversorgung Krankenhaus ..............19
Tabelle 3: Element-Matrix Funktionssicherheit Strom im KKH .......................................30
Tabelle 4: Element-Matrix Funktionssicherheit Strom im................................................44
Tabelle 5: Element-Matrix Versorgungssicherheit Treibstoffversorgung ......................53

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Friedmar Fischer; Visualisierung kritischer Infrastrukturen mit der GAMMA-Methode 57