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30.3.

2018 Wie Facebook seine Nutzer ausspioniert, und was Sie dagegen tun können | NZZ am Sonntag

Wie Facebook seine Nutzer ausspioniert,


und was Sie dagegen tun können
Wer auf Facebook nicht verzichten will und dem sozialen
Netzwerk aber nur wenig verraten will, muss ein paar Tricks
anwenden. Ein Leitfaden.

von Boris Hofferbert / 30.3.2018

Einfach und effektiv: Löschen der Facebook-App. (Foto: Erica Shires / Getty
Images)

Der Skandal um das Daten-Analyse-Unternehmen Cambridge


Analytica hat Facebook-Kenner nicht überrascht. Das
Geschäftsmodell des sozialen Netzwerks basiert auf den
Daten, die über zwei Milliarden Nutzer meist freiwillig,

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30.3.2018 Wie Facebook seine Nutzer ausspioniert, und was Sie dagegen tun können | NZZ am Sonntag

teilweise jedoch auch unbewusst in rauen Mengen zur


Verfügung stellen. Jeder Klick im persönlichen Facebook-
Konto wird im Hintergrund mit dem Ziel ausgewertet, Geld in
die Kassen des sozialen Netzwerks zu spülen. Die meisten
Facebook-Nutzer dürften sich dessen auch bewusst sein,
zumal Facebook-Gründer Mark Zuckerberg keinen Hehl
daraus macht.

Dass «Apps» wie der angebliche Persönlichkeitstest von


Cambridge Analytica mit eben jenen Daten Schindluder
betreiben, liegt aber nicht ausschliesslich an Facebook,
sondern auch an den Nutzern. Wer seine persönlichen Daten
nicht nur auf Facebook selbst, sondern auch in den tausenden
vermeintlich lustigen Quiz, Witzeseiten und mehr preisgibt,
bringt nicht nur sich selbst, sondern auch Freunde auf der
Online-Plattform in Gefahr.

Und trotz aller Kritik hat Facebook für viele Mitglieder einen
Nutzen. Neben der Möglichkeit, mit Menschen auf der ganzen
Welt in Kontakt zu bleiben, ist Facebook auch als
Informationsquelle schwer zu ersetzen. Neues aus dem
Stadtviertel, aktuelle Nachrichten oder die Konzerttermine
der Lieblingsband – unzählige solcher Informationen lassen
sich über das Netzwerk leicht aggregieren.

Wer auf diese Dienste nicht verzichten will, kommt um


Facebook nicht herum. Das aber bedeutet nicht, dass man dem
ungezügelten Datenhunger des Netzwerks nichts
entgegensetzen kann. Es gibt einen Mittelweg zwischen dem
Löschen des Facebook-Pro ls und der kompletten
O enlegung sämtlicher persönlicher Daten. Doch dies
erfordert Eigeninitiative. Mit der richtigen Strategie lässt sich
das Online-Netzwerk auch ohne digitale Selbstaufgabe
verwenden.

1. Löschen Sie die Facebook-Apps

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Der vielleicht wichtigste Schritt, um Facebook mit weniger


Daten zu füttern, lautet: Weg mit den Apps! Die o ziellen
Facebook-Anwendungen für das iPhone und Android verraten
dem Netzwerk nahezu jeden Schritt seiner Benutzer. Allein die
Android-App verlangt bei der Installation über 40
Zugri srechte auf dem Handy – was Facebook damit macht,
ist nur unzureichend dokumentiert. Selbst im Hintergrund
sammeln die Facebook-Apps Daten und melden diese an
Facebook. Erst kürzlich kam ans Licht, dass die Android-
Version heimlich sämtliche Daten über Anrufe und verschickte
SMS an das Netzwerk meldete, ohne wirklich darauf
hinzuweisen.

Selbst aktive Facebooker sollten daher die Apps deinstallieren.


Vor allem für Android-Nutzer ist das ein Leichtes. Im Play
Store nden sich viele Alternativen zur Facebook-App, die
deutlich weniger Datenhunger haben. Empfehlenswert ist
beispielsweise «Simple for Facebook». Das Programm kommt
mit einem Bruchteil an Berechtigungen aus und ersetzt auch
den Facebook-Messenger. Auch das iPhone kennt
Alternativen, etwa «Friendly for Facebook», das nebenbei
auch Instagram beherrscht.

2. Nutzen Sie einen zweiten Browser

Statt per App lässt sich Facebook auch einfach im mobilen


Browser nutzen. Hier geht zwar Komfort verloren, dafür wird
der Datenstrom zu Facebook reduziert.

Apropos «Browser»: Wer Facebook am PC oder Mac besucht,


sollte dies möglichst in einem separaten Browser tun. Beim
Aufruf der Facebook-Homepage liest das Unternehmen
nämlich die komplette Surfhistorie sowie die Browser-
Cookies aus und erfährt damit genau, welche Seiten besucht
wurden. Die Einrichtung eines Facebook-Browsers, in dem
sämtliche Surfdaten nach jeder Nutzung gelöscht werden, ist

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empfehlenswert. Nutzer von Mozilla Firefox können es sich


einfacher machen: Die Erweiterung «Facebook Container»
kapselt Facebook vom Zugri auf externe Browserdaten ab.

3. Klicken Sie auf «Gefällt mir nicht


mehr»

Neben Apps und Browser verraten vor allem die «Gefällt


mir»-Angaben eine Menge über die Facebook-Nutzer. Das gilt
nicht nur für die Analyse-Maschine selbst, auch Facebook-
Freunde können sich über die Vergabe von Daumen oder auch
den neuen Reaktionen ein genaues Bild darüber machen, wie
jemand «tickt». Besonders das Abonnement von Facebook-
Seiten kann sich dabei unbewusst als Problem erweisen. Es
kommt immer wieder vor, dass Fanseiten auf Facebook ihre
Identität wechseln und plötzlich fragwürdige Inhalte posten.
Auch hier ist meist Geld im Spiel: Seiten-Administratoren
sammeln Tausende «Likes» und verkaufen die aufgebaute
Facebook-Reichweite weiter.

Als Nutzer merkt man davon erst etwas, wenn sich die Inhalte
verändern. Wenn beispielsweise eine Seite für lustige
Tiervideos plötzlich Fotos halbnackter Menschen
verö entlicht und diese mit Links zu Online-Shops ergänzt,
sollten die Alarmglocken klingeln. Ein «Gefällt mir nicht
mehr» auf der Seite sorgt nicht nur für eine saubere Timeline,
sondern verhindert auch Erklärungsnöte gegenüber
Freunden, die sich über die vermeintlichen Vorlieben
wundern. Auf der eigenen Facebook-Pro lseite nden sich im
Menü «Mehr -> Gefällt mir Angaben» eine Übersicht über alle
abonnierten Seiten – die regelmässige Prüfung ist
empfehlenswert.

4. Melden Sie sich nicht mit Facebook


an

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Das gilt erst recht für die «Apps», die Zugri auf das
Facebook-Pro l haben. Viele Online-Dienste bieten die
Anmeldung via Facebook als Alternative zu einem komplett
neuen Benutzerpro l an. Wer bei der Komfortfunktion nicht
aufpasst, gibt diesen Apps leichten Zugri auf das persönliche
Pro l inklusive Daten wie Freundesliste, E-Mail oder gar die
persönlichen Vorlieben.

Auch Cambridge Analytica nutzte eine solche App, um die


Benutzer auszuspähen. Oft lassen sich die Zugri e bei der
ersten Anmeldung einschränken. Bereits bestehende App-
Verknüpfungen führt Facebook in den Einstellungen unter
«Apps» auf. Hier lassen sich auch die Berechtigungen
entziehen.

Im gleichen Menü lässt sich auch über «Von anderen Nutzern


verwendete App» bestimmen, welche Daten Freunde in ihre
Apps übertragen dürfen – je weniger Häkchen, desto besser.
Generell gilt bei der App-Nutzung die Faustregel: Wenn ein
obskurer Persönlichkeitstest Zugri auf das Facebook-Pro l
braucht, ist etwas faul. Wer Facebook gar nicht erst mit
externen Diensten koppeln will, kann die Funktion über die
Schalt äche «Apps, Webseiten und Plugins» vollständig
abschalten.

5. Er nden Sie eine zweite Identität

Noch einen Schritt weiter geht die Erstellung eines zweiten


Facebook-Pro ls mit falschen Daten. Das liesse sich
beispielsweise als Infoquelle für Seiten nutzen, die nicht mit
dem «echten» Pro l in Verbindung gebracht werden sollen.
Wer es ganz genau nimmt, nutzt das Alternativpro l nur in
Kombination mit weiteren Anonymisierungsmassnahmen wie
einem VPN-Zugang oder den TOR-Browser. Zu beachten ist,
dass Fake-Pro le o ziell gegen die Facebook-Richtlinien
verstossen.

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Oder 6.: Löschen Sie Ihr Pro l

Je weniger Facebook weiss, desto besser. Doch letztlich leidet


mit jeder der gezeigten Massnahmen auch die Funktionalität
der Plattform. Wie weit man dabei geht, liegt im persönlichen
Ermessen. Wer trotz allem endgültig genug von Facebook hat,
darf sein Pro l komplett löschen. Der Besuch von
https://m.facebook.com/account/delete führt zum Ziel. Sicher
ist allerdings: Sich komplett vor Facebook zu verstecken, ist
im Smartphone-Zeitalter beinahe ein Ding der Unmöglichkeit.
Das liegt allein schon an den mächtigen Facebook-Töchtern
Instagram und WhatsApp, die ihre Daten ebenfalls an den
Mutterkonzern weiterleiten.

Zwar kann man entscheiden, seine Handynummer vor


Facebook geheim zu halten und zum Beispiel WhatsApp nicht
zu nutzen. Doch steht sie in der Kontaktliste nur eines
einzigen WhatsApp-nutzenden Bekannten, kennt auch
Facebook die Nummer. Datenschutzrechtlich ist das natürlich
kritisch, aber dafür interessiert sich das soziale Netzwerk
bekanntlich wenig.

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