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Laudatio

Zum Gedenken an Dr. phil. II Michael (Michi) Kessler


Wir trauern um unseren Kollegen e.V.) und Schweizerischen (SGGP) Ge- ziemuseums am Totengässlein, war Mi-
Michael Kessler, der am Freitag, sellschaften für Geschichte der Pharma- chael Kessler seit 1994 Mitglied des
10. August 2018 verstorben ist. Der zie» teil. Wissenschaftliche Meriten blie- Vorstands der «Schweizerischen Gesell-
engagierte Pharmaziehistoriker, ben nicht aus. So wurde er zum Mitglied schaft für Geschichte der Pharmazie
Apotheker und Direktor des Pharma- der «Académie internationale d’histoire (SGGP)», wo er als Mitorganisator vieler
ziemuseums der Universität Basel de la Pharmacie» ernannt und 2011 in erfolgreicher Tagungen, die oftmals am
hinterlässt eine grosse Lücke. Basel von der DGGP mit der «Johann- Totengässlein 3 stattfanden, wirkte. Sein
Valentin Medaille in Silber» für sein wis- pharmaziehistorisches Wissen war ge-
senschaftliches Lebenswerk geehrt. In fragt und seine Meinung wurde beispiels-

B
ereits während seiner Doktor- den letzten 30 Jahren hat Michael Kessler weise vom Departement und Institut für
arbeit über Weihrauch kam zahllose Vorträge gehalten und zahlreiche Pharmazeutische Wissenschaften in Zü-
Michael Kessler (14.6.1958– Publikationen mitgestaltet. rich und bei pharmaziehistorischen Pro-
10.8.2018) über Projekte im Museum mit Generationen von Basler Pharmazie- motionen immer gerne eingeholt.
der Pharmaziegeschichte in Kontakt, was Studierenden kamen in den Genuss seiner Michael Kessler war nicht nur im öf-
ihn prädestinierte, 1987 Konservator des Vorlesung «Einführung in die Pharmazie- fentlichen Basel extrem gut vernetzt (Ro-
«Schweizerischen Pharmaziehistorischen geschichte», die er in einer Art und Weise tary Club, Safran-Zunft, Politik), sondern
Museums Basel» am Totengässlein 3 zu hielt, dass man sich auch Jahre später baute auch seine pharmazeutischen und
werden. gerne daran erinnerte. Zuhörende waren anderen in- und ausländischen Beziehun-
Nach Abschluss seiner Promotionsar- den gehaltvollen, mit spannenden und gen sukzessive aus. Manche Pharmazeu-
beit bei Professor Dr. H. A. Linde 1989 in wohlgewählten Themen dotierten, witzi- ten kannte er aus der eigenen Studien-
analytischer pharmazeutischer Chemie gen und launigen Vorlesungen gnadenlos oder Assistentenzeit, vom Militärdienst,
«Zur Frage nach psychotropen Stoffen im ausgeliefert. Diese aussergewöhnliche der Ausbildung von Pharmazeuten (Vor-
Rauch von brennendem Gummiharz der Eloquenz wurde denn auch in allen Todes- lesungen und Drogenprüfung am Assis-
Bosweilia sacra» in Basel, eignete sich der anzeigen und Nachrufen immer wieder tentenexamen), Zusammenarbeit mit
kulturell und in Themen der Geisteswis- erwähnt; sie wird allen, die ihm begegnet SAV/pharmaSuisse. Ob Kantonsapothe-
senschaften interessierte Pharmazeut das sind, in Erinnerung bleiben. ker, Vertreter der Pharmaindustrie, des
Fach der Pharmaziegeschichte à fonds an. Als 1999 der Auszug des Pharmazeuti- Departements Pharmazeutischen Wissen-
Er nahm an den Tagungen der «Inter- schen Instituts aus dem Totengässlein schaften Basel – alle kannten und schätz-
nationalen (IGGP), Deutschen (DGGP Realität wurde, hatte Michael Kessler die ten ihn – alle waren beeindruckt von sei-
Vision, die im Hinterhof versteckte wis- ner Menschlichkeit, seiner Intelligenz,
senschaftliche Sammlung in ein öffentli- seinem Witz und Humor, seiner Leiden-
ches und international bekanntes Muse- schaft für seinen Beruf.
um umzugestalten. Mit viel Enthusiasmus Michi war ein Genussmensch; er liebte
und der tatkräftigen Unterstützung seiner die Gesellschaft, das Reisen in ferne Län-
Frau Catherine Oeri und neuen Mitarbei- der, das gute Essen und den dazu passen-
tenden konnte Michael Kessler 2001 das den Wein. Irgendwann schlich sich ein
umgebaute «Pharmazie-Historische Mu- Schatten vor Michis Sonne, der immer
seum der Universität Basel» eröffnen. Bald grösser wurde. Der Schatten blieb und
wurde dieses Kleinod zum Geheimtipp für liess sich nicht verscheuchen  – der so
Pharmazeuten und Naturwissenschaftler feinfühlige, gebildete, diskrete, witzige
aus aller Welt, einem Ort mit magischen und humorvolle Michi schied selbstbe-
Kräften. Unter Michael Kesslers Leitung stimmt aus dem weltlichen Leben, auf der
wurden spannende Ausstellungen zur Suche nach Ruhe und Frieden.
Medizin- und Pharmaziegeschichte kura- Michael Kessler, der sein berufliches
tiert, FPH-Weiterbildungskurse für phar- Leben der Pharmazie gewidmet hatte,
maziegeschichtlich interessierte Kollegen ist durch sein Schaffen schon längst sel-
angeboten und verschiedene Aktionen ber ein Teil der Schweizer Pharmazie-
wie Badewoche, Schärbe-Märt oder Muse- geschichte geworden. n
© AUSchmid

umsnacht durchgeführt.
Neben seiner Tätigkeit zuerst als Kon- SGGP-Vorstand
servator, später als Direktor des Pharma- Dr. Ursula Hirter-Trüb, Präsidentin

30 pharmaJournal 8 | 2018